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36.000 km-Service + Bremssattel überholen inkl.

Stahlflexleitungen
Im Folgenden gebe ich ein kleines Tutorial zu dem von mir durchgeführten 36.000 km-Service. Zusätzlich hab ich
noch Stahlflexleitungen verbaut und die Bremsanlage überholt (Reinigung + neue Dichtungen).
Die Liste der von Suzuki vorgeschriebenen Arbeiten könnt ihr der Betriebsanleitung (Fahrerhandbuch –
Wartungtabelle) entnehmen.
Ich habe folgendes durchgeführt:
- Zündkerzentausch
- Luftfilterwechsel (K&N)
- Leerlaufdrehzahl kontrollieren und bei Bedarf nachstellen
- Bremssättel überholt (Reinigung + neue Dichtungen u. O-Ringe)
- Stahlflexleitungen vorne und hinten inkl. Sinterbeläge vorne
- Chassis bolts geprüft bzw. nachgezogen (Foto + Drehmomente)
- Sichtkontrolle von Kühler- und Kraftstoffleitungen, Elektronik, Chassisverbindungen (erkläre ich aber nicht, is eh
klar)
- Kupplung nachstellen

Hier das benötigte Material:


Zündkerzentausch
Folgende Schritte müssen durchgeführt werden:
1. Tank anheben
2. Luftfilterkasten abbauen
3. Zündkerzensteckerkabel abziehen
4. Zündkerzenstecker rausziehen
5. Kerzen tauschen (11 Nm)
6. Alles wieder zusammenbauen

1. Tank anheben

.) Hierzu muss man zuerst die 2 Plastikschrauben vom Zundschlüsseldeckel herausschrauben


(TIP: sollten die sich wehren, einfach mit einem Stanleymesser unter den Schraubenkopf fahren und diesen während
der Schraubbewegung leichten und VORSICHTIG anheben)
Danach Einheit in Richtung Sitz abziehen – Vorsichtig: Kabel hängt noch dran!

.) 4 Schrauben des darunter befindlichen Haltebügels (hält Tank und Seitenteile zusammen) lösen und diesen
abheben

.) 2 Imbusschrauben links und rechts neben Blinker lösen und die beiden Seitenteile schräg nach unten vorne
abziehen. Vorsicht: Blinkerkabel hängt noch dran!
.) Tankfixierungsstange (ich nenn sie mal so) befindet sich unter der linken Plastikverkleidung vor dem Bordwerkzeug

.) jetzt kann auch gleich ein Blick auf das Kraftstoffleitungssystem geworfen werden. Auch beim Ablassen des Tanks
darauf achten, dass die Kraftstoffleitungen nicht eingeklemmt werden.

2. Luftfilterkasten ausbauen:

Hierzu müssen folgende Verbindung gelöst werden:


.) die unten eingezeichnete Schraube unter Zündschloss rausdrehen.

.) Jetzt werden die unten eingezeichneten Steckverbindungen abgezogen (VORSICHT: nahezu alle Steckverbindung
sind mit einem Klipp gesichert, den es hineinzudrücken gilt – sprich NIX REISSEN!!!)

.) Löse den IAP-Sensor (Intake Air Pressure)


.) Löse den IAT-Sensor (Intake Air Temperature Sensor) – dieser macht manchmal Mucken – ev. zuerst die Airbox
abheben und danach lösen – kommt man besser dazu

Sollte sich Wasser in dem


Ablassstopfen befinden, kann
dieser abgenommen und
ausgeleert werden

.) Jetzt können die 4 Schlauchschellen an den Ansaugstutzen gelockert werden (nicht ganz rausdrehen, nur lockern)

Kurbelgehäuseentlüftung (PCV) PAIR-Schlauch

.) jetzt müssen noch die oben angeführten Schlauchklipps runtergezogen und der Luftfilterkasten abgehoben werden
(ev. jetzt den IAT-Sensor abklippen)
Nun hat man dieses Bild vor sich – 4 x Zündkabel + Stecker
ich habe hier die Drosselklappenöffnung mit einem fusslfreiem Tuch abgedeckt, damit kein Schutz reinkommt.

.) zuerst muss das Zündkabel abgeklippt werden (wieder ist Vorsicht gefragt – Plastiknase)

.) jetzt kann der Zündstecker herausgezogen werden

.) jetzt mit dem Zündkerzenschlüssel (ich würde den aus dem Bordwerkzeug nehmen, der passt natürlich optimal)
Zündkerzen gegen den Uhrzeigersinn rausdrehen.
Da der Zündkerzenschlüssel aus dem Bordwerkzeug innen eine Gummimuffe hat, kann man die Kerze wunderbar
herausziehen.

Dannach neue Kerzen mit Hilfe des Zündkerzenschlüssels reinschrauben und mit 11 Nm anziehen.

Luftfiltertausch
Wenn die Kerzen nicht getauscht werden, muss für den Tausch des Filters die Airbox natürlich nicht demontiert
werden, sondern nur die Schrauben rund um den Filterkasten inkl. der Schraube in der Mitte (ebenfalls mit
Kreuzschraubenzieher) herzausgedreht und danach der Luftfilterdeckel abgenommen werden.
Die Bilder unten zeigen den Filtertausch am eingebauten Kasten:

=> hier der verdreckte Originalfilter


Ausgang von Kurbelgehäusenentlüftung – kann mit Öl voll sein – reinigen. Macht aber nix, solange es nicht schon in
einer Ölsuppe schwimmt => dann Ölstand am Sichtfenster kontrolliert (ev. zu viel Öl in der Mühle)

Vor dem Einsetzen des neuen Filters noch das Airbox-gehäuse reinigen – eher mit einem feuchten Lappen als mit
Druckluft, um nichts in die Ansaugstutzen reinzupusten.

=> hier mein Baby mit dem eingebauten, hübschen K&N-Filter


Einstellen der Leerlaufdrehzahl
Diese sollte bei 1300 +/- 100 r/min liegen. Hierfür muss man die Mühle natürlich warmlaufen lassen und bei
laufendem Motor die vorher genannte Drehzahl einstellen.

Arbeiten an der Bremse


1. Zerlegen des hinteren Bremssattels:

Eines vorweg. Das Zerlegen eines Bremssattels würde ich nur dann machen, wenn Notwendigkeit besteht (z.B. wenn
die Bremse/Kolben steckt oder wie bei mir => konnte Kolben nicht mehr zurückdrücken und Bremse hat geschliffen –
wurde bei normaler Fahrt heiß wie ein Grillrost). Ich erwähne das deswegen, weil es nicht nur einiges an Arbeit
bedeutet, sondern auch weil die Dichtungen für vorne und hinten sagenhafte 100 Euronetten kosten!!??!!

Um den Bremskolben aus dem Sattel zu bekommen, gibt es verschiedene Möglichkeiten:


a) mit Druckluft (so hab ich es gemacht)
b) mit einer Bremskolbenzange (so hab ich es teilweise es vorne gemacht)
C) mit Bremshebel rauspumpen (Holzstück dazwischen, damit er nicht herausfällt) und dann mit Hand oder
Bremskolbenzange entfernen. Nur rauspumpen würd i net machen, is a ziemliche Sauerei.

.) Zuerst sollte die Bremsflüssigkeit aus dem Vorratsbehälter via Spritze abgesaugt werden. Da ich die Leitungen
gleich mit getauscht habe, ist es egal ob Luft ins System kommt und daher habe ich so viel wie möglich abgesaugt.
Sollte man nur die Flüssigkeit tauschen, immer schauen, dass der Vorratsbehälter nicht leergesaugt wird und sich am
Boden genug Bremsflüssigkeit befindet, sonst saugt man ev. Luft ins System.
.) Jetzt kann die Bremsleitung hinten demontiert (siehe unten Nr. 6) werden – aber Achtung: es befindet sich noch
immer Bremsflüssigkeit im System, welche auslaufen kann und Lack oder Ähnliches beschädigen kann – also Obacht.
.) Bremsflüssigkeit ablassen und den Bremssattel durch Lösen der Schauben (Nr. 4, 5, 7) abnehmen. Man kann ev.
die Hohlschraube vorher wieder draufschrauben, um beim Demontieren nicht alles vollzusauen.

unten kann man den Bremskolben schön erkennen – nicht gerade der Sauberste (ok, die ganze Mühle gehört mal
richtig geputzt…)

.) Jetzt sollte man alle Teile sorgfältig reinigen. Unten sieht man die Bremsbeläge, deren „Siff“ man problemlos mit
Bremsenreiniger wegbekommt.
.) unten ist der bereits gereinigte Bremssattel zu sehen, bei dem ich gerade die Druckluftpistole angesetzt habe.
ABER VORSICHT – nicht so leichtfertig wie in diesem Bild demonstriert, sondern unbedingt an die vom Pfeil
markierte Stelle einen Lappen dazwischen stopfen und das Ganze von einem weg halten. Weiters sollte man nicht
gerade mit 10 bar reinblasen, sondern eher behutsam vorgehen (3-4 bar) , sonst fliegt einem der Kolben um die
Ohren. Man kann den Koben auch mit einer Bremskolbenzange entfernen. Die greift an der Innenseite der Kolben
an. NEIMALS an der Außenseite mit einer normalen Zange oder dergleichen herum manipulieren – man zerstört die
Oberflache (Gleitfläche) und damit den Kolben

Die Bremskolbenzange greift nur auf der


Innenseite des Kolbens an, die Gleitfläche
bleibt unberührt!

Hier ist Vorsicht geboten! – nicht mit zuviel Druck arbeiten und unbedingt einen Fetzen vor den Kolben halten und
dann das Ganze mit der Kolbenöffnung nach unten von einem weg drehen, sonst ballert das Ding durch die
Werkstatt .

.) so sieht es Innen aus. Deutlich zu erkennen sind die die außen liegende Staubdichtung, gefolgt von einer Breiteren
Dichtung, die verhindert, dass Bremsflüssigkeit austritt-sprich das System dicht hält. Die Staubdichtung löst sich
meist von selbst. Die Kolbendichtung kann man mit einem gebogenen dickeren Draht herausfummmeln.
Hier noch mal eine Zeichnung des gesamten hinteren Bremssattels:

Jetzt sollte man den Bremskolben inspizieren. Er sollte keine Riefen oder Kerben, sprich Beschädigungen aufweisen –
wenn ja: tauschen!!!
Wenn er in Ordnung ist, gründlich reinigen. Auch hier eher mit Vorsicht – Ziel ist eine saubere, glatte Oberfläche d.h.
KEIN SCHLEIFPAPIER, DRAHTBÜRSTE oder Ähnliches!!!

Zum Reinigen kann man Bremsenreiniger und danach Bremsflüssigkeit (oder nur Bremsfl.) verwenden und danach in
eine mit Bremsflüssigkeit gefüllte Schale geben und nicht mehr abwischen (durch Bremsfl. gleitet Kolben besser
beim Wiederzusammenbauen). Sowohl zur Reinigung, als auch zum Befüllen der Anlage nur frische, für die GSR
zugelassenen DOT 4 – Bremsflüssigkeit verwenden.

Jetzt kann der Bremssattel ebenfalls mit Bremsenreiniger oder frischer Bremsflüssigkeit gereinigt werden. Prinzipiell
Vorsicht mit Bremsenreiniger und Gummidichtungen (gilt natürlich auch für Kunststoffe), da die sich nicht so gut
vertragen. Da aber die Dichtungen sowieso gewechselt werden, kann man ihn verwenden. Es ist zwar möglich, dass
diese Dichtungen das aushalten (ertragen ja auch Bremsfl.) – I würds aber net herausfordern.

Ich habs so gemacht: zuerst mit Bremsenreiniger und einer Bürste (natürlich KEINE Drahtbürste!) den Sattel nach
Ausbau der Dichtungen gründlich gereinigt. Augenmerk auf die Stelle unter den Dichtungen legen, dort ist manchmal
einiges an Drecks drin. Danach das Ganze mit Druckluft ausgeblasen, um nicht verdunstete Flüssigkeit und Dreck weg
zu bekommen – Achtung: ev. Schutzbrille tragen, denn nicht nur Gummi und Kunststoff vertragen keinen
Bremsenreiniger, auch das Auge freut sich nicht gerade. Jetzt habe ich den Sattel noch mit Bremsflüssigkeit geputzt –
ausgeblasen und noch einmal mit Bremsfl. gereinigt. Wenn es sauber ist braucht man das Ganze nicht mehr
ausblasen, da wenn er sauber ist, sowieso Bremsfl. rein kommt und der Kolben gleitet auch besser rein beim Einbau.

Jetzt können die Dichtungen, nachdem man sie mit etwas frischer Bremsfl. benetzt hat, eingesetzt werden (die
breitere Innen und die schmale=Staubdichtung Außen – siehe Zeichnung oben).

So sieht es fertig aus


Man kann, um sich das Zusammenbauen zu erleichtern, Bremskolbenpaste verwenden (Foto unten: ATE-
Bremsklobenpaste – ich würd nur die verwenden und NICHT Kupferpaste, wie man teilweise im INet lesen kann –
denn die verträgt sich mit Bremsflüssigkeit net so gut!).
Den Kolben aus dem „Bremsflüssigkeitsbad“ nehmen (NICHT Abwischen), mit der Paste DÜNN auf der Außenfläche
auftragen und mit der offenen Seite nach Außen einsetzen.

Jetzt kann der Kolben eingesetzt werden, wobei darauf zu achten ist, dass er beim Hineindrücken (per Hand) nicht
verkanntet – ALSO MIT VORSICHT, NICHT MIT GEWALT.
Der Kolben sollte sich leicht in den Sattel schieben lassen.

Jetzt noch das gereinigte Blechteil (hält u.a. die Bremsbeläge) reindrücken und fertig ist der Sattel.

Um quietschen der Bremse bzw. der Beläge zu vermeiden, sollte man die HINTERSEITE der Bremsbeläge(und nur die
Hinterseite) an der Stelle wo der Kolben auf den Belag trifft, mit Kupferpaste oder Hochtemperaturfett (ich
verwende PlasticLube) einfetten. Weiters empfiehlt es sich den Führungsbolzen ber Bremsbeläge zu schmieren.
Nicht immer hilft das Schmieren gegen das Quietschgeräusch. Da das Geräusch auf einem Resonanzaufbau von
Bremsanlage, Bremsscheibe und Bremsbelägen basiert – je höher die Frequenz, desto lauter da Geräusch. V.a.
Hochleistungsbeläge z.B. aus Sintermetall können ordentlich laut quietschen (bei mir der Fall, habs noch nicht
wegbekommen – wird wahrscheinlich nur bei Belagwechsel weggehen *g.
Alles wieder zusammenbauen und mit dem richtigen Drehmoment anziehen (siehe unten). Ich verwende bei solchen
Sachen immer eine Schraubensicherung (z.b. Loctite) – natürlich NICHT bei HOHLSCHRAUEBN!

Jetzt kann die Stahlflexleitung für Hinten verbaut werden. Man kann ruhig die alten Hohlschrauben verwenden.
Wichtig ist aber NEUE DICHTUNGEN (Alu, meines Wissens gegen Kupfer auch, aber bitte beim Hersteller der
Leitungen nachfragen) zu verbauen.
Unten kann man erkennen, dass zuerst eine Dichtung, dann die Bremsleitung, dann wieder eine Dichtung und
danach die Hohlschraube draufkommt und das Ganze wird dann mit 23 Nm angezogen.

Dichtung 2

Dichtung 1

Man kann die neuen Leitungen beliebig verlegen (die alten Schlaufen empfehlen sich) – allerdings sollte man die
Leitung nicht knicken oder Rundungen mit zu kleinem Radius biegen. Da es Stahlflexleitungen sind, bleiben sie im
Vergleich zu den Gummidingern recht gut in eingerichteter Position.
So, bis auf das Befüllen und Entlüften der Anlage ist das schon alles. Diese 2 Schritte werden am Beispiel der
vorderen Anlage demonstriert.

Wenn diese Schritte erledigt sind sollte, wie am Bild unten zu sehen, der Bremspedalweg zwischen 45 – 55 mm sein
(A)
2. Zerlegen der vorderen Bremssättel:

Wie beim Hinteren Bremssattel: Bremsflüssigkeit absaugen, dann entweder die Kolben rauspumpen (Holzstück
dazwischen, damit sie nicht komplett herausfallen), oder gleich Bremsfüssigkeit ablassen. Bremssattel demontieren.

Unten kann man einen der Bremssättel kennen. Das Halteblech für die Beläge kann mittels Imbusaufsatz entferrt
werden. Weiters habe ich die Hohlschraube ein wenig reingeschraubt, damit ich beim Drehen und Wenden nicht
alles mit Bremsfl. vollsaue.

Hier noch malm eine Zeichung eines der vorderen Bremssättel zwecks Überblick
Jetzt muss man den Bremssattel auseinanderschrauben. Dies kann sich durchaus mühsam gestalten – ich habe das
ganze Teil einfach mit einem Tuch in einen Schraubstock eingespannt (nur net voll anknallen!) und mit einem Torx-
Bit aufgeschraubt (vorher unbedingt schauen, ob man so einen Bit daheim hat – nicht mich Schlitz oder dergleichen
probieren – der muss schon passen, sonst kriegt man das Ding nie auf – sitzt wirklich fest)

So hier die beiden Teile

Jetzt können die Koben wie oben beschrieben entfernt werden und danach kann man die Dichtungen inklusive O-
Ring (hinten ist natürlich keiner) rausholen. Beim Entfernen mit Druckluft sollte darauf geachtet werden, dass sich
die Kolben möglichst gleichmäßig rausbewegen (z.B. mit einem Stück Holz gegenhalten), sonst ist einer draussen und
den anderen kriegt man schwerer raus, da man das System nicht mehr so luftdicht bekommt. Sollte doch einer
zuerst rausgehen, wie bei mir, einfach die Bremskolbenzange zur Hilfe nehmen. NIEMALS mit irgendeiner Zange die
Gleitfläche fassen, denn dann ist der Kolben im A***!
Wie oben beschrieben, kann man deshalb die Kolben schon vorher mit dem Bremshebel so weit wie möglich (ohne
das sie rausfallen) herauspumpen.
hier sitzt der O-Ring, der ebenfalls ersetzt
werden sollte

Jetzt, wie oben beschrieben, reinigen, damit das Ding pipifein sauber ist.
Jetzt kann man den Sattel (natürlich nach Tausch der Dichtungen und O-Ringe, einsetzten der gereinigten Kolben
usw.) wieder zusammenbauen.
Neue Beläge und Belagführungsstift einfetten und die Sättel montieren (Drehmoment siehe Zeichnung unten).

Jetzt können die Leitungen verlegt werden. Hierzu empfiehlt es sich, die Lage der alten Leitungen vor der Demontage
zu studieren (ggf. Foto machen), um die neuen gleich und knickfrei zu verlegen.
Und wie oben: Dichtung – Leitung – Dichtung - Schraube bzw. auf der rechten Seite: Dichtung – Leitung (von oben)
– Dichtung – Leitung (zum li Sattel) – Dichtung-Schraube => Anzugsmoment 23 Nm.
So sieht das Ganze im Endzustand aus
ENTLÜFTEN:
Es gibt zahlreiche Methoden, um eine Bremsanlage zu entlüften und teilweise kann diese Arbeit einem ordentlich
Nerven kosten. Nicht immer ist nur eine Vorgehensweise erfolgreich (wie bei mir) und daher werde ich die mir
Bekannten kurz beschreiben:

Eines vorweg: wie auch die anderen Arbeiten an der Bremsanlage, ist beim Entlüften natürlich auch besondere
Vorsicht geboten. Luft im System is nix klass, da die sich komprimieren lässt (im Vgl. zu Bremsfl.) und somit die
Bremsleistung je nach Menge der Luft stark beeinträchtigen werden kann – Bremse fühlt sich schwammig an, der
Druckpunkt wandert Richtung Lenker usw.. Übrigens auch wenn die Bremsfl. zu alt ist kann die Bremskraft
nachlassen. Grund dafür ist der erniedrigte Siedepunkt, der durch das von der Bremsfl. angesaugte Wasser entsteht
– Wasser verdampft leichter als Bremsfl. und wie oben beschrieben, lassen sich Gase bekanntlich komprimieren - auf
gut österreichisch => Schas
Sprich: alle 2 Jahren Bremfl. tauschen!

Bei allen Methoden ist eines ganz wichtig: Man will keine zusätzliche Luft ins System bringen. Daher immer schauen,
dass genug Bremsfl. im Ausgleichsbehälter ist (für Vorn das Ding am Lenker, für Hinter das unter der re
Plastikverkleidung), da sonst von Oben Luft angesaugt wird. Vom Prinzip her schüttet man oben Bremsfl. rein und
saugt diese blasenfrei unten wieder raus – beim Wechsel der Leitungen ist dies natürlich am Anfang noch nicht
blasenfrei – dies ist aber das Ziel.
Man beginnt, wie beim Auto, immer mit der längsten Leitung bzw. mit der Leitung, die vom Behälter am weitesten
entfernt ist – also zuerst den linken Sattel, dann den Rechten.

So nun zu den Methoden:

1) DRUCKLUFTENTLÜFTUNGSGERÄT– meist nur in Werkstätten-hat keiner, daher keine nähere Beschreibung.


2) HANDENTLÜFTUNGSGERÄT (z.B. Mityvac): Mit einer Handpumpe wird ein Vakuum erzeugt, welches das
Raussaugen der Bremsflüssigkeit ermöglich (ich habs so gemacht – siehe Foto unten). Man kann viel über diese Art
von Geräten im INetz lesen – nicht immer Gutes. Meiner Erfahrung nach ist das Gerät empfehlenswert, da sicher und
schnell. Übrigens kann man das auch beim Auto einsetzen, dauert halt a bissi.
So funktioniert es: Staubkappe von Entlüftungsventil abnehmen - 8.-Schlüssel drauf – passenden Schlauch auf Ventil
(wenn geht durchsichtig, da man sonst etwaige Luftblasen nicht sehen kann und so passgenau wie möglich) -
pumpen, bis sich Schlauch zusammenzieht – Ventil um eine ¼ bis max. ½ Umdrehung gegen den Uhrzeigersinn
öffnen und wenn Bfl.nur mehr langsam kommt, wieder zudrehen. Schauen ob genug Bfl. im Ausgleichsbehälter und
das Ganze von Vorne – so lange bis keine Blasen mehr im Schlauch sind. Und da ist schon der kleine NACHTEIL des
Systems:
Man bekommt den Schlauch am Ventil meist nicht 100% dicht und auch durch das Öffnen des Ventils, wird neben
den Gewindegängen Luft angesaugt (nur in die Pumpe, nicht ins System). Das ist weiter kein Problem, allerdings
kann man nicht beurteilen, ob noch Luft drin ist, oder die Blasen von der Undichtheit kommen. Wenn man nur die
Bfl. tauscht und sich seiner Sache sicher ist, ist des egal, denn wenn der Ausgleichsbehälter immer voll ist und man
immer rechtzeitig das Ventil zudreht, woher soll die Luft dann auch kommen.
Beim Tausch der Leitung empfiehlt es sich aber, auf Nummer sicher zu gehen und zu Schluss, wenn man der
Meinung ist, dass keine Luft mehr drin ist, Schlauch drauf lassen und die BREMSHEBELMETHODE anwendet (siehe
Punkt 3).
3) BREMSHEBELMETHODE: Hier wird durch das Pumpen am Bremshebel ein Druck aufgebaut (am Anfang ist
natürlich wenig Druck drauf) – dann Hebel in gezogener Position halten und Ventil wie oben beschrieben öffnen –
immer Hebel gezogen lassen – dieser gibt dann nach und bevor er den Lenker erreicht (ca. 0,5cm vorher), wieder
zudrehen (dadurch wird verhindert, dass von unten Luft angesaugt wird). Wenn man nur diese Methode verwendet
und in den Leitungen noch keine oder nur wenig Bfl. drin ist, kann man den Hebel durchdrücken, da man mal System
anfüllen muss.
Wenn bei 3-4 mal Rauspumpen keine Luftblasen mehr zu sehen sind, sollte die Sache gegessen sein.
Fühlt sich das Ganze aber immer noch schwammig an, oder man kann keinen richtigen Druck aufbauen, denn
entweder nochmals wie oben entlüften oder Punkt 4 probieren.

4) “HEBEL-ÜBERNACHT-METHODE:“
Sollten die oben genannten Wege nicht zum Ziel geführt haben, kann man noch folgendes probieren.
Wie unten am Foto zu sehen, fixiert man den Bremshebel auf Anschlag über Nacht mit einem Kabelbinder oder
Gummi. Dadurch wird die Bfl. stark komprimiert, drückt (hoffentlich) die restliche Luft aus dem letzten Winkel im
System, welche dann über die Leitungen aufsteigt und über den Ausgleichsbehälter entweichen kann
Bei mir hat dies, zusammen mit dem Mityvac –Gerät, den gewünschten Erfolg gebracht.
Der Vorteil dieser Methode ist auch, dass man, wenn sich der Hebel nach einer Nacht nicht weiter Richtung Lenker
drücken lässt, sicher sein kann, dass das System dicht ist (v.a. nach Zerlegen der Sättel)

Auf dem li Bild kann man die o.g. Methode erkennen und re zum Vgl., deutlich den veränderten Druckpunkt sehen.

5.) “BREMSKOLBEN-ZURÜCKDRÜCKMETHODE“
Bremssattel abmontieren und einfach die Bremskolben zurückdrücken, wodurch die Luft über den geöffneten
Ausgleichsbehälter entweichen kann (Vorsicht: sicherheitshalber rund um Behälter fetzen legen, denn es könnte
oben rausspritzen. Es empfiehlt sich, vorher die Haltebleche für die Beläge zu entfernen, denn dann kann man auf
die Kolben per Hand gleichmäßig von beiden Seiten Druck ausüben. Ich würde von einem Bremskolbenrücksteller
abraten, da man den zwischen die Beläge einführen sollte, um gleichmäßig zu drücken und dabei kann man ev. die
Beläge beschädigen (zwar nicht wenn man vorsichtig ist, allerdings kann man mit der Handmethode besser die
Leichtgängigkeit der Kolben prüfen). Ohne die Beläge als Puffer, verkantet man eventuell und das ist der Tod für die
Kolben! SPRICH: NIE MIT GEWALT!!!

6) RETROGRADE BEFÜLLUNG:
Über einen Schlauch, der an einer Spritze montiert ist, wird frische Bfl. über das geöffnete Entlüftungsventil von
unten ins System gedrückt – ich hab diese Methode selbst noch nicht ausprobiert und da es eine ziemliche Patzerei
ist, würd ich die als “ultima ratio–Methode“ ansehen.
HINTERE BREMSE:
Hier das selbe Verfahren, wobei sich hier das Entlüften meist wesentlich einfacher gestaltet. Den Ausgleichbehälter
findet ihr unter der rechten Plastik-Seitenverkleidung

Sollte jetzt der Druckpunkt noch immer weich sein, nachgeben bzw. sich bei Stufe 5 (einzustellen am Rad des
Bremshebel) der Hebel bis zu Lenker durchdrücken lassen, solltet ihr besser eine Werkstatt aufsuchen, oder mal ein
Bier trinken gehen +/- eine rauchen und das Ganze nochmal probieren.

Ist das System frei von Luft, sollten noch die Ausgleichbehälter mit frischer Bremsflüssigkeit befüllt werden – bis zu
oberen Markierung. Bevor ihr den Deckel draufschraubt, kontrollieren ob ja kein Dreck innen an der Gummidichtung
hängt. Die beiden Kreuzschrauben nur vorsichtig anziehen, da die ziemlich weich sind und sich leicht abnuddeln
lassen.
Ich würd nochmals checken, ob das Entlüftungsventil angezogen ist - 7,5 Nm und v.a. dicht ist.

Jetzt noch alles gut reinigen, was mit Bremsflüssigkeit in Kontakt gekommen ist und fertig
Chassis bolts prüfen bzw. ggf. nachziehen
KUPPLUNG NACHSTELLEN
Ich mache das eigentlich am Anfang jeder Saison, beschreibe aber trotzdem kurz den Arbeitsablauf:

.) Zuerst die mit 1 bezeichnete Feststellschraube lockern und dann die Einstellschraube (2) ganz hineindrehen. Von
dieser Position aus die Einstellschraube 3 Umdrehungen herausdrehen (Sinn: sie befindet sich in einer Mittelstellung,
um später die Kupplung über die Hebelschrauben bei Bedarf nachstellen zu können.

.) Jetzt Tank anheben (oben beschrieben) und das Selbe wie oben am Ende des Kupplungsseil machen: 3 lockern und
4 reinschrauben.

.) ich hab bei dieser Gelegenheit gleich noch den Bowdenzug mit einem geeigneten Bowdenzugspray geschmiert (net
irgendwas wie WD40 oder so nehmen, da meines Wissens Teflonzüge verbaut sind und die können sonst aufquellen)

Der oben abgebildete Bowdenzuöler erleichtert die Sache, is aber net unbedingt notwenig. Es sollte nur darauf
geachtet werden, dass der Schmierstoff schön den Zug entlang hinunterlaufen kann.
.) Nun nimmt man den mit 5 bezeichneten Teil des Kupplungsdeckel ab, löst die mit 6 nummerierte Schraube und
dreht die mit 7 bezifferte Schraube hinein, bis sie ansteht.
Von dieser Position aus dreht man die Einstellschraube bzw. Kupplungsauslassschraube(7) eine halbe Umdrehung
heraus und fixiert sie mit der Halteschraube (6), während man die Einstellschraube in Position hält.

.) Jetzt kann die Einstellschraube am Seilzug (4) so lange herausgeschraubt werden, bis am Hebel 1 – 1,5 cm Spiel ist
(A)
Jetzt noch die Feststellschrauben 3 und 1 fixieren und fertig.

Nachwort:
Da ich kein Fachmann bin, übernehme ich natürlich für keine dieser Arbeiten eine Garantie.
Wer sich Basteln an der Bremsanlage nicht zutraut, sollte das einem Fachmann überlassen.
Für alle Anderen hoffe ich, dass die Anleitung weiterhilft – bei Fragen, Verbesserungsvorschlägen oder Ergänzungen
einfach PN od. email.

VIEL SPASS!!!