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HAUS- UND PERSONENDURCHSUCHUNG

Einleitung
Im Zuge einer finanzstrafrechtlichen Strafverfolgung kann u.a. das Zwangsmittel der Hausdurchsuchung
angewendet werden und zwar sowohl im verwaltungsbehördlichen (= finanzstrafbehördlichen) als auch im
gerichtlichen (Finanz)Strafverfahren. Die Gerichte sind zur Durchführung des Verfahrens in der Regel dann
zuständig, wenn der Wertbetrag, nach dem sich die Strafdrohung richtet (= strafbestimmender Wertbetrag),
1 Million Schilling übersteigt.

Definition des Begriffes „Hausdurchsuchung“


Unter Hausdurchsuchung versteht man Durchsuchungen von Wohnungen und sonstigen zum Hauswesen
gehörigen Räumlichkeiten sowie von Wirtschafts-, Gewerbe- oder Betriebsräumen. Diese Räume werden
nach einer Person oder einer Sache durchsucht, von der der Behörde unbekannt ist, wo sie sich befinden.
Weiß die Behörde bereits, wo sich der Gegenstand befindet, kann sie diesen beschlagnahmen - diesfalls
sind die Voraussetzungen für eine Hausdurchsuchung nicht gegeben.

VERWALTUNGSBEHÖRDLICHES FINANZSTRAFVERFAHREN

Rechtsgrundlage einer Hausdurchsuchung


Die Hausdurchsuchung kann nur auf Grund eines mit Gründen versehenen Durchsuchungsbefehls (=
Bescheid) des Vorsitzenden des Spruchsenates (= Richter) durchgeführt werden. Die Begründung hat die
dem Beschuldigten zur Last gelegte Tat nach ihren wesentlichen Merkmalen zu beschreiben und die in
Betracht kommende Strafbestimmung anzuführen. Weiters sind Angaben über die Art der gesuchten
Beweismittel zu machen. Der Durchsuchungsbefehl ist grundsätzlich bei Beginn der Durchsuchung dem
Betroffenen vorzuweisen (= zuzustellen). Unter bestimmten Voraussetzungen (Gefahr in Verzug) kann der
Durchsuchungsbefehl binnen 24 Stunden nachgereicht werden. In diesem Fall sind dem anwesenden
Betroffenen die Gründe für die Durchsuchung und für die Annahme von Gefahr in Verzug mündlich
bekanntzugeben und in einer Niederschrift festzuhalten.
Ausweispflicht der Behördenorgane
Die an der Amtshandlung teilnehmenden Behördenorgane haben sich zu deren Beginn unaufgefordert
auszuweisen.
Freiwillige Herausgabe von Gegenständen
Vor Beginn der Hausdurchsuchung ist der Betroffene aufzufordern, das Gesuchte freiwillig herauszugeben
oder sonst die Gründe für die Durchsuchung zu beseitigen (bei Herausgabe bedarf es keiner
Hausdurchsuchung). Von dieser Aufforderung kann nur abgesehen werden, wenn Gefahr in Verzug ist.
Anwesenheit/Abwesenheit des Betroffenen
Der Inhaber der zu durchsuchenden Räumlichkeiten ist aufzufordern, der Durchsuchung beizuwohnen. Ist
dieser verhindert oder abwesend, so ist eine erwachsene Person (Familienmitglied, Angestellte,...)
aufzufordern, der Amtshandlung beizuwohnen.
Vertrauenspersonen
Auf Verlangen des Betroffenen sind der Hausdurchsuchung oder Personendurchsuchung bis zu zwei von
ihm namhaft gemachte Personen seines Vertrauens zuzuziehen. Als Vertrauensperson kann auch ein
Rechtsanwalt, ein Notar, oder ein Wirtschaftstreuhänder beigezogen werden. Auch über dieses Recht ist
der Betroffene zu belehren. Mit der Durchsuchung ist bis zum Eintreffen der Vertrauensperson zuzuwarten,
sofern dadurch die Amtshandlung nicht unangemessen verzögert oder ihr Erfolg gefährdet wird.
Aussageverweigerungsrecht
Der Betroffene kann die Aussage verweigern - eine entsprechende Belehrung hat von Amts wegen zu
erfolgen. Das Schweigerecht gilt auch bei einer Hausdurchsuchung. Der Betroffene sollte sich daher
zunächst darauf beschränken, seine Personalien anzugeben und weitere Aussagen erst dann zu machen,
wenn er sich mit seinem Rechtsbeistand beraten hat. Der Betroffene darf nicht daran gehindert werden, mit
dem zugezogenen Rechtsbeistand zu sprechen.
Rechtsmittel gegen den Hausdurchsuchungsbefehl
Wurde ein Hausdurchsuchungsbefehl erlassen, so steht gegen diesen Bescheid das Rechtsmittel der
Beschwerde an den Vorsitzenden des zuständigen Berufungssenates zu. Dies gilt auch für Fälle der
Ausübung unmittelbarer finanzstrafbehördlicher Befehls- und Zwangsgewalt (z.B. bei Hausdurchsuchung
ohne Bescheid bei Gefahr in Verzug). Unmittelbar wirksame Maßnahmen zur Verhinderung einer
Hausdurchsuchung sind im Gesetz nicht vorgesehen.
Zeitliche Zulässigkeit einer Hausdurchsuchung
Hausdurchsuchungen sind grundsätzlich bei Tag durchzuführen. Durchsuchungen sind daher so
anzuberaumen, daß sie (ausgenommen bei Gefahr in Verzug) bei Tageslicht, jedenfalls nicht vor 6.00 Uhr
früh, begonnen werden und voraussichtlich vor 22.00 Uhr abgeschlossen werden können. Begonnene
Hausdurchsuchungen sind jedoch zu Ende zu führen. Räumlichkeiten, in denen Nachtbetrieb üblich ist (z.B.
Barbetrieb), können auch bei Nacht durchsucht werden.
Niederschrift über eine Hausdurchsuchung
Über das Ergebnis der Durchsuchung ist eine Niederschrift aufzunehmen. Dem Betroffenen ist auf sein
Verlangen sogleich oder binnen 24 Stunden eine Bescheinigung über die Vornahme der Durchsuchung,
deren Gründe und deren Ergebnis auszufolgen. Insbesondere müssen in der Niederschrift festgehalten
werden:
 Personalien sämtlicher an der Hausdurchsuchung teilnehmender Personen (Beamte, Rechtsbeistand,
Vertrauensperson);
 Anträge, Vorbringen, Aussagen des Betroffenen bzw. seines Rechtsbeistandes;
 Vernehmung eines Betroffenen oder eines Zeugen.

GERICHTLICHES FINANZSTRAFVERFAHREN

Rechtsgrundlage einer Hausdurchsuchung


Eine Haus- oder Personendurchsuchung im gerichtlichen Finanzstrafverfahren ist in der Regel nur kraft
eines mit Gründen versehenen richterlichen Befehls zulässig. Der Durchsuchungsbefehl ist dem
Betroffenen sogleich oder doch innerhalb der nächsten 24 Stunden zuzustellen.
Freiwillige Herausgabe von Gegenständen
Vor der Durchsuchung ist der Betroffene in der Regel zu vernehmen; kann durch die Vernehmung entweder
die freiwillige Herausgabe des Gesuchten oder die Beseitigung der die Durchsuchung veranlassenden
Gründe herbeigeführt werden, ist die Durchsuchung unzulässig.
Anwesenheit/Abwesenheit der Betroffenen
Der Inhaber der zu durchsuchenden Räumlichkeit ist aufzufordern, der Durchsuchung beizuwohnen; ist
dieser nicht anwesend oder verhindert, so ist ein erwachsenes Mitglied der Familie, ein Hausgenosse oder
Nachbar dazu aufzufordern, der Durchsuchung beizuwohnen.
Gerichtszeugen
Jeder Durchsuchung sind ein Protokollführer und zwei Gerichtszeugen (volljährige, unbescholtene, an der
Sache unbeteiligte Personen, die ein Gelöbnis abgelegt haben) beizuziehen.
Protokoll und Bestätigung
Über die Durchsuchung ist ein Protokoll aufzunehmen, das von allen Anwesenden zu unterfertigen ist.
Wurde nichts Verdächtiges ermittelt, so ist dem Betroffenen auf sein Verlangen eine Bestätigung darüber
zu erteilen.
Hausdurchsuchung ohne Durchsuchungsbefehl
Bei Gefahr im Verzug kann eine Hausdurchsuchung auch ohne richterlichen Befehl von Gerichtsbeamten
oder Beamten der Sicherheitsbehörden angeordnet werden; diesfalls hat der zur Vornahme der
Durchsuchung Abgeordnete eine schriftliche Ermächtigung vorzuweisen. In bestimmten gravierenden
Fällen können die Sicherheitsorgane auch aus eigener Macht eine Hausdurchsuchung vornehmen. In
diesem Fall gibt es keine schriftliche Grundlage für die Amtshandlung. Dem Betroffenen ist aber binnen 24
Stunden eine Bescheinigung über die Vornahme der Hausdurchsuchung und deren Gründe zuzustellen.
Rechtsschutz
Erfolgt die Durchsuchung aufgrund eines richterlichen Befehls, so ist gegen diesen das Rechtsmittel der
Beschwerde an die Ratskammer zulässig. Liegt der Hausdurchsuchung kein richterlicher
Durchsuchungsbefehl zugrunde und schreiten Sicherheitsorgane aufgrund der Anordnung eines
nichtrichterlichen Gerichtsbeamten, eines Beamten der Sicherheitsbehörden oder aus eigener Macht ein,
so kann Beschwerde bei der Finanzstrafbehörde zweiter Instanz gegen die Ausübung unmittelbarer
finanzstrafbehördlicher Befehls- und Zwangsgewalt eingelegt werden.

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