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Bigalke / Köhler

Mathematik
Gymnasiale Oberstufe
Nordrhein-Westfalen
Qualifikationsphase
Leistungskurs
Teildruck

mit CD-ROM
Inhalt Basis
Basis/Erweiterung
Vertiefung

VII. Integrationsmethoden 2. Uneigentliche Integrale. . . . . . . 278


3. Numerische Integrations-
1. Die Produktintegration . . . . . . . 176
verfahren . . . . . . . . . . . . . . . . . . 284
2. Die Substitutionsmethode . . . . . 180

XIV. Skalarprodukt
IX. Logarithmusfunktionen
und Vektorprodukt
1. Die Differentiation
5. Das Vektorprodukt. . . . . . . . . . . 390
der Umkehrfunktion. . . . . . . . . . 244
2. Die natürliche
Logarithmusfunktion. . . . . . . . . 246 XVII. Kugeln
3. Die Ableitung von f (x) = ln x/
1. Kugelgleichungen . . . . . . . . . . . 466
Logarithmische Integration. . . . 250
2. Kugeln, Geraden und
4. Elementare Funktions­
Ebenen. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 469
untersuchungen . . . . . . . . . . . . . 255
5. Kurvendiskussionen. . . . . . . . . . 258
XXII. Die Normalverteilung
X. Weiterführung 1. Die Normalverteilung . . . . . . . . 600
der Integralrechnung 2. Anwendung der Normal-
verteilung. . . . . . . . . . . . . . . . . . 606
1. Das Volumen von
Rotationskörpern. . . . . . . . . . . . 272

Kapitel des Leistungskursbandes

I. Funktionsuntersuchungen XIV. Skalarprodukt und Vektorprodukt


II. Anwendungen der Differential- XV. Ebenen
rechnung XVI. Winkel und Abstände
III. Grundlagen der Integralrechnung XVII. Kugeln
IV. Anwendungen der Integralrechnung XVIII. Matrizen
V. Ableitungsregeln XIX. Grundbegriffe der Wahrschein-
VI. Untersuchung weiterer Funktionen lichkeitsrechnung
VII. Integrationmethoden XX. Zufallsgrößen
VIII. Exponentialfunktionen XXI. Die Binomialverteilung
IX. Logarithmusfunktionen XXII. Die Normalverteilung
X. Weiterführung der Integralrechnung XXIII. Das Testen von Hypothesen
XI. Lineare Gleichungssysteme XXIV. Schätzen
XII. Vektoren XXV. Komplexe Aufgaben
XIII. Geraden Tabellen zur Stochastik
VII. Integrationsmethoden

y Im Kapitel III wurden bereits einfache Integrationsregeln


direkt aus entsprechenden Regeln zur Differentiation
gewonnen. Im Folgenden wird aus der Produktregel
der Differentiation eine entsprechende Methode für die
Produktintegration hergeleitet. Mit dieser Methode
können komplizierte Integrale auf einfachere zurück-
geführt werden. Auch die Substitutionsmethode
verfolgt dieses Ziel. Sie lässt sich sehr einfach
durchführen, wenn man mit Differentialen

ph
(vgl. Abbildung) arbeiten.

Gra
gente
Tan

d y = y' · d x
P (x | y)

dx

x
176 VII. Integrationsmethoden

1. Die Produktintegration
„Integriert“ man die Produktregel der Dif- Produktregel der Differentialrechnung:
ferentialrechnung beidseitig, so erhlt man (u · v) 0 = (u 0 · v) + (u · v 0 )
im Endergebnis eine Gleichung, die zwei
Integrale miteinander verbindet, deren In- Integration beider Seiten:
tegrationsterme Produkte sind, sodass man ð ð ð
auch von Produktintegration spricht. (u · v) dx = u · v dx + u · v 0 dx
0 0

Ausrechnen der linken Seite:


Wenn man eines dieser Integrale ausrech- ð ð
nen kann, so kann man auch das andere u · v + C = u 0 · v dx + u · v 0 dx )
mglicherweise schwierigere Integral be- ð ð
stimmen. u 0 · v dx = u · v – u · v 0 dx 

Das Verfahren der Produktintegration Regel zur Produktintegration


fhrt also im Idealfall eine schwere Inte- ð ð
grationsaufgabe auf eine leichte Integrati- u 0 · v dx = u · v – u · v 0 dx
onsaufgabe zurck, mehr nicht.

Die Regel zur Produktintegration gilt dann, wenn die beteiligten Faktoren u(x) und v(x) diffe-
renzierbar und ihre Ableitungen u 0 (x) und v 0 (x) stetig sind.

Oft wird die Produktintegration auch als partielle Integration bezeichnet. Die gegebene Integra-
tionsaufgabe wird zunchst nur teilweise, d. h. partiell gelst, denn das gesuchte Integral wird
nicht direkt bestimmt, sondern nur auf ein weiteres, evtl. einfacheres Integral zurckgefhrt.
Wir behandeln nun zwei Integraltypen, welche mittels Produktintegration beherrschbar sind.
Aus Grnden der bersichtlichkeit lassen wir im Folgenden – auch wenn dies formal nicht ganz
korrekt ist – in allen Zwischenrechnungen die Integrationskonstante weg und notieren diese erst
wieder im Endergebnis.

Typ 1: Abrumen von Polynomen

Ist einer der Faktoren des Integranden ein Polynom und wird der andere Faktor beim Integrieren
nicht komplizierter, so kann man das Polynom durch mehrfache Anwendung der Produktin-
tegration „abrumen“, da sich sein Grad mit jedem Differentiationsvorgang erniedrigt.

*
Bei dieser Gleichung bentigt man keine Integrationskonstante mehr, da sowohl auf der rechten als auch
auf der linken Gleichungsseite die Menge aller Stammfunktionen dargestellt ist.
1. Die Produktintegration 177

ð
c Beispiel: Gesucht ist das unbestimmte Integral sin x · x2 dx.
........................................................................................................................................

Lsung:
Wir wenden auf das gegebene Integral zunchst die Produktintegration an, wobei wir u 0 ðxÞ ¼ sin und
vðxÞ ¼ x2 setzen. Wir erhalten

ð ð
sin x · x2 dx ¼ (– cos x) · x2 – (– cos x) · 2 x dx

u0 v u v u v0

ð
¼ (– cos x) · x2 + 2 cos x · x dx .

Das rechtsseitige Integral ist hnlich strukturiert wie das Ausgangsintegral, jedoch etwas einfacher, da
der Grad des Polynomfaktors um 1 gesunken ist.
Wir wenden die Produktintegration nun noch einmal an, und zwar auf das rechtsseitige Integral.
Dieses wird so auf ein einfaches Grundintegral zurckgefhrt.

ð ð
cox x · x dx ¼ sin x · x – sin x · 1 dx

u0 v u v u v0

¼ sin x · x + cos x

Wir setzen das Ergebnis dieser letzten Produktintegration nun in die obige Gleichung ein und erhalten
das gesuchte unbestimmte Integral.

ð
Resultat: sin x · x2 dx ¼ (– cos x) · x2 + 2 (sin x · x + cos x) + C

c ¼ 2 x · sin x + cos x · (2 – x2) + C

Typ 2: Wiederentstehung des Ausgangsintegrals

Wenn beide Faktoren beim Integrieren oder Differenzieren nach einer Anzahl von Schritten wieder
auftreten, dann kann man so oft Produktintegrationen ausfhren, bis das Ausgangs-
integral selbst wieder auftritt. Die sodann entstandene Gleichung lst man nach dem Ausgangsinteg-
ral auf. Oftmals mssen zustzlich jedoch kleine Tricks, wie z. B. einfache Termumformungen, an-
gewendet werden.
178 VII. Integrationsmethoden

ð
c Beispiel: Gesucht ist das unbestimmte Integral cos2 x dx.
....................................................................................

Lsung:
Produktintegration des Ausgangsintegrals:
ð ð ð ð
cos2 x dx = cos x · cos x dx = sin x · cos x – sin x · (– sin x) dx = sin x · cos x + sin2 x dx.
u0 v u v u v0

Man gewinnt den Eindruck, dass die Produktintegration nicht weiterfhrt. Das Integral auf der
rechten Seite ist anscheinend genauso kompliziert wie das Ausgangsintegral. Wendet man aller-
dings den trigonometrischen Pythagoras an, so entsteht rechtsseitig das Ausgangsintegral wie-
der: ð ð ð
cos2 x dx = sin x · cos x · (1 – cos2 x) dx = sin x · cos x + x – cos2 x dx.

Auflsen nach dem Ausgangsintegral liefert das Resultat:


ð
2 cos2 x dx = x + sin x · cos x + C und somit
ð
1
c cos2 x dx = 2
(x + sin x · cos x) + C.

Mithilfe der Produktintegration knnen Rekursionsformeln ermittelt werden.

c Beispiel: Weisen Sie die folgende Rekursionsformel nach:


ð ð
...............................................................

xn sin x dx ¼ – xn cos x + n xn – 1 cos x dx ðn 2 NÞ.

Lsung:
Produktintegration des Ausgangsintegrals:
ð ð
xn sin x dx ¼ – xn cos x + nxn – 1 cos x dx
u v0 u v u0 v
ð
¼ – xn cos x + n xn – 1 cos x dx

ð
Das Restintegral xn – 1 cos x dx ist von demselben Typ wie das Ausgangsintegral, allerdings
c von niedrigerer Ordnung.

bung 1
Weisen Sie die folgende Rekursionsformel nach:
ð ð
xn cos x dx ¼ xn sin x – n xn – 1 sin x dx ðn 2 NÞ.
1. Die Produktintegration 179

bungen
Produktintegration

2. Bestimmen Sie die folgenden Integrale durch partielle Integration vom Typ 1 „Abrumen“.
ð ð ð
a) x · cos x dx b) x2 · cos x dx c) (ax+b) · sin x dx

ð ð ð
d) (ax2+bx+c) · cos x dx e) x · cos ax dx ða 2 RÞ f) x4 · sin x dx

3. Bestimmen Sie die folgenden Integrale durch partielle Integration vom Typ 2 „Wiederent-
stehung des Ausgangsintegrals“.
ð ð ð
a) sin x · cos x dx b) sin3 x dx c) sin 2 x · cos 12 x dx

4. Beweisen Sie, dass fr eine differenzierbare Funktion u(x) gilt:


ð
a) u · u 0 dx ¼ 12 u2+ C,

ð
b) un · u 0 dx ¼ n þ1 1 un+1+ C ðn 2 NÞ.

5. Weisen Sie die folgenden Rekursionsformeln nach.


ð ð
n1
n
a) cos x dx ¼ 1n cos n–1
x · sin x + n
cosn – 2 x dx ðn 2 NÞ

ð ð
n 1 n–1 n1
b) sin x dx ¼ – sin n
x · cos x + n
sinn – 2 x dx ðn 2 NÞ

Knobelaufgabe

Tim und Tom sind gute Freunde. Nach dem (in vollen Lebensjahren ange-
gebenen) Alter gefragt, antwortet Tim: „Ich bin jetzt doppelt so alt, wie Tom
war, als ich so alt war, wie Tom jetzt ist. Wenn Tom so alt sein wird, wie ich
jetzt bin, dann werden wir zusammen 63 Jahre alt sein.“

Wie alt ist Tim? Wie alt ist Tom? berprfe deine Ergebnisse durch eine
Probe.
180 VII. Integrationsmethoden

2. Die Substitutionsmethode
Ein Hauptproblem der Integralrechnung ist das Auffinden von Stammfunktionen zu gegebenen
Funktionen.
Die Errechnung einer Stammfunktion kann im Einzelfall auch fr einen Mathematiker zu einem
schwierigen Unterfangen werden. Daher gibt es umfangreiche Integraltafeln, in denen zu einer
großen Zahl von Funktionen die zugehrigen Stammfunktionen verzeichnet sind, die im Laufe
der Zeiten in mhevoller Arbeit gefunden wurden.
Einige dieser Integrale wurden mit der bereits behandelten Produktintegration (oder partiel-
len Integration) bestimmt.
Eine weitere Integrationsmethode, die auf der Kettenregel der Differentialrechnung beruht, wird
als Substitutionsmethode bezeichnet.

Dieses Verfahren lsst sich besonders ein- y


fach durchfhren, wenn man mit Differen- Graph Tangente
tialen arbeitet.
Anschaulich sind Differentiale die Kathe- f
tenlngeninSteigungsdreieckeneinerKur- dy
ventangente. P
dx ist der Tangentenzuwachs in x-Richtung dx
und dy der Tangentenzuwachs in y-Rich-
tung. Der Quotient dydx
dieser Differentiale
ist gleich der Steigung der Kurve im ent-
x
sprechenden Kurvenpunkt P: dy dx
¼ y0 .

Typ 1: Substitution eines Teilterms des Integranden


ð
c Beispiel: Gesucht ist das unbestimmte Integral ð4 x þ 1Þ3 dx.
...............................................................

Lsung: Wir substituieren (ersetzen) einen


Teilterm des Integranden durch eine neue (1) Substitution: 4 x þ 1 ¼ z
ð ð
Variable z. Hier ersetzen wir 4 x þ 1 durch
ð4 x þ 1Þ3 dx ¼ z3 dx
z. Anschließend versuchen wir, die restli-
chen Teile des Integrals ebenfalls in
Abhngigkeit von z darzustellen. Dabei (2) Differentialquotient: z0 ¼ dx
dz
¼4
verwenden wir die Differentialquotienten- dx ¼ dz
dz 4
gleichung z0 ¼ dx ¼ 4.
Wir erhalten ein Integral, dessen Integrand (3) Einsetzen von (2) in (1):
nur noch von z abhngt. Entscheidend ist, ð ð ð
dass es leichter zu bestimmen ist als das ð4 x þ 1Þ3 dx ¼ z3 d4z ¼ 1 3
4
z dz
Ausgangsintegral. Die errechnete Stamm- 1 4
. funktion ist wieder eine Funktion von z. ¼ 16 z þC
2.
1. Die Substitutionsmethode
Produktintegration 181

Die Resubstitution z ¼ 4 x þ 1 liefert nun ð4Þ Resubstitution: z ¼ 4 x þ 1


.........

eine Stammfunktion unseres Ausgangsin- ð


c tegranden, womit die Aufgabe gelst ist. ð4 x þ 1Þ3 dx ¼ 16
1
ð4 x þ 1Þ4 þ C

Es kommt also darauf an, einen geeigneten Teilterm des Integranden so geschickt zu substitu-
ieren, dass das Ausgangsintegral in ein einfacheres Integral umgewandelt wird.

bung 1
Berechnen Sie das unbestimmte Integral mithilfe der Substitutionsmethode.
ð ð ð ð
a) ð2 x þ 1Þ3 dx b) cosð4 xÞ dx c) 4
dx d) sin5 x cos x dx
ð5  3 xÞ2

Typ 2: Substitution der Integrationsvariablen


ð
1
c Beispiel: Gesucht ist das unbestimmte Integral) pffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffi dx, 0 < x < 1.
1  x2
..........................................................................

Lsung:
Hier knnte man zunchst die Substitutio-
pffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffi (1) Substitution: x ¼ sin z, 0 < z < p2
nen z ¼ x2 , z ¼ 1  x2 oder z ¼ 1  x2
versuchen. Keine fhrt zum Ziel.
(2) Differentiale: x0 ¼ dx
dz
¼ cos z
Wenn man allerdings die Integrationsva-
riable x selbst durch den Term sin z sub- dx ¼ cos z dz
stituiert und das Differential dx dement- (3) Einsetzen von (1) und (2):
sprechend, so hat man Erfolg. Dann ver- ð ð
1 1
einfacht sich das Ausgangsintegral nach pffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffi dx ¼ pffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffi  cos z dz
1  x2 1  sin2 z
Anwendung des trigonometrischen Pytha- ð ð
1 1
goras in verblffender Weise. ¼ pffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffi  cos z dz ¼ cos z
 cos z dz
cos2 z
Abschließend mssen wir mithilfe der ð
Umkehrfunktion des Sinus die Substitu- ¼ dz ¼ z þ C
tion rckgngig machen.
Wir erhalten als Resultat die nebenstehen- (4) Resubstitution: z ¼ arcsin x
ð
c de wichtige Integrationsformel. 1
pffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffi dx ¼ arcsin xþC
1  x2

bung 2
Berechnen Sie das unbestimmte Integral. Wenden Sie die Variante der Substitutionsmethode an,
bei der die Integrationsvariable x selbst durch einen geeigneten Term substituiert wird.
ð
x
aÞ pffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffi dx ð0 < x < 1Þ Substituieren Sie x so durch einen trigonometrischen Term, dass die
1  x4
Wurzel wegf€allt:
ð
x ffi
bÞ pffiffiffiffiffiffiffiffiffiffi dx ð0 < x < 1Þ Substituieren Sie x so durch einen quadratischen Term, dass die Wurzel
1x
wegf€allt:

* Die Umkehrfunktion der Sinusfunktion ist die Arkussinusfunktion (arcsin). Auf einigen Taschenrechnern
gibt es dafr die Taste sin1 .
182 VII. Integrationsmethoden

Bemerkungen zur Substitutionsmethode

Die folgenden eher theoretischen Ausfhrungen kann der praktisch Interessierte ohne Bedenken
bergehen. Wir raten ihm, sich die Zeit vielmehr mit dem Lsen von bungsaufgaben zu ver-
treiben, denn nur so lernt man, Substitutionsintegrationen durchzufhren.

Begrndung zur Typ-1-Substitution:


Eine Typ-1-Substitution Ð kann versucht werden, wenn das Integral – abgesehen von konstanten
FaktorenÐ – die Gestalt fðgðxÞÞ  g0 ðxÞ dx besitzt. Man substituiert dann gðxÞ ¼ z und erhlt das
Integral fðzÞ dz. Anschließend bestimmt man eine Stammfunktion F(z) von f(z) und resubsti-
tuiert z=g(x), sodass man im Ergebnis F(g(x)) als Stammfunktion des Ausgangsintegranden
erhlt.
Dass F(g(x)) tatschlich eine Stammfunktion von fðgðxÞÞ  g0 ðxÞ ist, weist man durch eine Diffe-
rentiation mithilfe der Kettenregel nach: ½FðgðxÞÞ0 ¼ F0 ðgðxÞÞ  g0 ðxÞ=fðgðxÞÞ  g0 ðxÞ :

Bemerkung zur Typ-2-Substitution:


In der Regel liegt der Integrand nicht in reiner Typ-1-Form fðgðxÞÞ  g0 ðxÞ vor. Dann kann man
eine Typ-2-Substitution versuchen, bei welcherÐ die Integrationsvariable Ð x selbst durch einen
Term t(z) substituiert wird, sodass das Integral fðxÞ dx in das Integral fðtðzÞÞ  t0 ðzÞ dz trans-
formiert wird, das dann im gnstigsten Fall einfacher zu lsen ist als das Ausgangsintegral. Diese
Vorgehensweise hat den Vorteil, dass man nicht an eine bestimmte Form der Substitution ge-
bunden ist, sondern mit beliebigen Substitutionstermen frei experimentieren kann. Allerdings
whlt man den Substitutionsterm meistens so, dass ein besonders unangenehmer Teil des In-
tegranden – wie z: B: ein Quadrat oder eine Wurzel – wegfllt. Beliebte Substitutionsterme sind
x ¼ z2 , x ¼ 1z , x ¼ sin z.

Knobelaufgabe

Frau Klug hat drei Tchter. Als ihr Nachbar Herr Schlau sie nach dem Alter
ihrer Tchter fragt, sagt sie:
„Das Produkt ihrer Alter ergibt 36. Die Summe ihrer Alter ist meine Haus-
nummer.“
Daraufhin antwortet Herr Schlau: „Diese Angaben gengen noch nicht.
Die Antwort ist nicht eindeutig.“
Daraufhin sagt Frau Klug: „Meine lteste Tochter heißt Julia.“

Wie alt sind die drei Tchter?


2.
1. Die Substitutionsmethode
Produktintegration 183

Anwendung auf bestimmte Integrale

Die Substitutionsmethode lsst sich auch auf bestimmte Integrale anwenden. Hierfr sind zwei
Wege mglich. Entweder bestimmt man wie oben eine Stammfunktion des Integranden und
setzt anschließend die Grenzen ein oder man arbeitet sofort mit bestimmten Integralen wie unten
in der 2. Lsung dargestellt.

ð3
x
c Beispiel: Berechnen Sie das bestimmte Integral pffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffi dx mittels Substitution.
1 þ x2
..................................................................................................................................

1. Lsung:
Wir bestimmen zunchst eine Stamm- Substitution: z ¼ 1 þ x2
funktion des Integranden und verwenden
Differentiale: z0 ¼ dx
dz
¼ 2 x ) dx ¼ 2dzx
hierzu die Typ-1-Substitution z ¼ 1 þ x2 .
Stammfunktion:
ð ð pffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffi
Wir gehen wie im obigen Beispiel vor. x 1 ffiffiffi
pffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffi dx ¼ p
2 z
dz ¼ 1 þ x2 þ C
1 þ x2

Einsetzen der Integrationsgrenzen in eine Einsetzen der Integrationsgrenzen:


Stammfunktion des Integranden liefert ð3 hpffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffii3
dann das Ergebnis des gesuchten bestimm- x
pffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffi
2
dx ¼ 1 þ x2  0,93
1þx 2
ten Integrals. 2

2. Lsung: Integrationsgrenzen:
Arbeitet man von Anfang an mit dem be- x luft von 2 bis 3
stimmten Integral, so muss beachtet wer- z luft von 5 bis 10
den, dass die Integrationsgrenzen bei der
z
Substitution ebenfalls zu verndern sind.
z = 1 + x2
Luft ursprnglich die Integrationsvariab- 10
le x von 2 bis 3, so luft die neue Integra-
tionsvariable z ¼ 1 þ x2 monoton von 5
5
bis 10. Wichtig ist hierbei die Monotonie
des Substitutionsterms 1 þ x2 im betrach- 1
teten Bereich, die ausschließt, dass die In- x
1 2 3
tegrationsvariable etwa zurckluft.
Rechnung:
Man erhlt selbstverstndlich bei beiden ð3 10
ð pffiffiffi 10
x 1 ffiffiffi
Lsungswegen dasselbe Ergebnis fr das pffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffi dx ¼ p
2 z
dz ¼ ½ z 5  0,93
1 þ x2
c gesuchte bestimmte Integral. 2 5

bung 3
Berechnen Sie das bestimmte Integral mittels Substitution auf zwei Arten.
pffip
ð2 ð3 ð2
2 1 x ffi
a) x cos ðx Þ dx b) dx c) pffiffiffiffiffiffiffiffiffiffi dx
ð1 þ xÞ2 xþ2
0 0 1
184 VII. Integrationsmethoden

Bemerkung zur Substitution bei bestimmten Integralen:

Substituiert man bei bestimmten Integralen die Integrationsgrenzen mit, so ist darauf zu achten,
dass der Substitutionsterm ber dem Integrationsintervall monoton ist. Wir wollen an einem
Gegenbeispiel demonstrieren, dass eine Nichtbeachtung der Monotonie zu einem falschen Er-
gebnis fhrt.
pffiffiffi
Hierzu bearbeiten wir das bestimmte In- Substitution: z ¼ x2 ) x ¼ z
Ð1
tegral x2 dx mithilfe der Substitutions- Differentiale: z0 ¼ dx
dz
¼ 2 x ) dx ¼ 2dzx
1
methode. Mit der Substitution z ¼ x2 er- Integrationsgrezen: x l€auft von  1 bis 1
hlt man die nebenstehende Rechnung. Er- z l€auft von 1 bis 1
setzt man nun die Integrationsgrenzen ein- Rechnung:
fach durch die entsprechenden Randwerte,
ð1 ð1 ð1 pffiffiffi
wie rechts dargestellt, so ergibt sich als Er-
gebnis 0. x2 dx ¼ z 2dz
pffiffiffi ¼ 1
z 2
z dz ¼ 0
1 1 1

Dies widerspricht aber der nebenstehen- Lsung mithilfe der Potenzregel:


den Berechnung des bestimmten Integrals ð1 h i1  
mithilfe der Potenzregel der Integration. x2 dx ¼ 1 3
x ¼1  13 ¼ 23
3 1 3
1
Bei der Lsung mithilfe der Substitu-
tionsmethode wurde bei der Ersetzung z
der Integrationsgrenzen die Monotonie
des Substitutionsterms im gegebenen Inte- z = x2
grationsintervall nicht sichergestellt, so-
dass man ein falsches Ergebnis erhielt.
Denn whrend x alle Werte von 1 bis 1
annimmt, durchluft z alle Werte von 1 bis
1
0 und von 0 bis 1. Dieser Prozess muss bei
der Substitution bercksichtigt werden.
Man kann das Integrationsintervall in zwei -1 1 x
Teilintervalle unterteilen, ber denen je-
weils die Monotonie des Substitutions- ð1 ð1 pffiffiffi h pffiffiffiffiffii1
terms vorliegt. Beim vorliegenden Bei- 2
x dx ¼ z dz ¼ 2
z3 ¼ 23
spiel muss man also zunchst von 0 bis 1 3 0
1 0
integrieren und dann das Doppelte bilden.

ð ð pffiffiffiffiffi
pffiffiffi
Bestimmt man jedoch zunchst wie im 1. x2 dx ¼ 12 z dz ¼ 13 z3 þ C ¼ 13 x3 þ C
Verfahren auf S. 275 eine Stammfunktion
ð1 h i1  
von x2 und bildet erst nach der Resubstitu- 1 3
tion das bestimmte Integral, so ergibt sich, x2 dx ¼ 3
x ¼1  13 ¼ 23
1 3
da die Stammfunktion von x abhngt, das 1
richtige Ergebnis.
2.
1. Die Substitutionsmethode
Produktintegration 185

Kombination von Substitutionsmethode und Produktintegration

Wir behandeln nun exemplarisch eine Aufgabe, bei welcher das involvierte Integral nur noch
durch den geballten Einsatz gleich mehrerer Integrationsmethoden gelst werden kann.

ð
c Beispiel: Gesucht ist das unbestimmte Integral arcsin x dx.
...........................................................................................

Lsung:
Wir kennen weder eine Stammfunktion von arcsin x, noch sind Ansatzpunkte fr eine erfolgver-
sprechende Substitution in Sicht. Jedoch ist uns aufgrund des Beispiels auf Seite 273 die Ablei-
tung von arcsin x bekannt: ðarcsin xÞ0 ¼ pffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffi
1
2
. Ist eine Funktion zu integrieren, deren Ableitung
1x
relativ einfach ist, so kann man den Integranden gewissermaßen „knstlich“ als Produkt mithilfe
des Faktors 1 darstellen und dann eine Produktintegration vornehmen (Typ 3 der Produktin-
tegration: Faktor 1). Wir zeigen dieses Verfahren im Folgenden:
ð ð ð
1
arcsin x dx ¼ 1  arcsin x dx ¼ x  arcsin x  x  pffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffi
2
dx
1x
0
u v u v u v0
Im Restintegral zeichnet sich nun eine offensichtliche Substitutionsmglichkeit ab:

dz
Substitution: z ¼ 1  x2 , dx ¼ 2 x, dx ¼  2dzx
ð ð   ð pffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffi
1
pffiffiffi
x  pffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffi
2
dx ¼ x  p1ffiffizffi   2dzx ¼  2 p1 ffiffiffi
z
dz ¼  z þ C ¼  1  x2 þ C
1x
Ð pffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffi
c Wir erhalten als eindrucksvolles Resultat: arcsin x dx ¼ x  arcsin x þ 1  x2 þ C.

bung 4
Versuchen Sie, die folgenden Integrale zu „knacken“.
ð ð
x2
aÞ x sinð3 xÞ dx bÞ dx
ð1 þ x2 Þ2

Hinweis: ðarctan xÞ0 ¼ 1 þ1 x2

Knobelaufgabe
77
1. Wie lauten die beiden letzten Ziffern von 77  77 ?
2. Alle Zahlen der Form
1331
1030301
1003003001 usw. sind Kubikzahlen. Weisen Sie dies nach.
186 VII. Integrationsmethoden

Der Flcheninhalt eines Kreises bzw. eines Kreissegments

Mithilfe der Integralrechnung knnen wir die aus der Sekundarstufe I bekannten Formeln fr den
Inhalt einer Kreisflche und eines Kreissegments herleiten. Wir werden zunchst den Flchen-
inhalt des Einheitskreises bestimmen.

c Beispiel: Bestimmen Sie den Flcheninhalt des Einheitskreises (Radius r ¼ 1).


............................................................................................................................................................................

Lsung:
Aus Symmetriegrnden kann zunchst der y
Flcheninhalt der oberen Hlfte des Ein- 1
heitskreises berechnet werden.
1
1. Aufstellen der Halbkreisfunktion: y
.
Die Koordinaten x und y eines Punktes des -1 x 1 x
oberen Halbkreises gengen der Glei-
chung x2 þ y2 ¼ 1. x2 þ y2 ¼ 1 ðSatz des PythagorasÞ

2. Flcheninhalt des Halbkreises: Halbkreisfunktion:


pffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffi
Wir berechnen zunchst den Flcheninhalt fðxÞ ¼ 1 ¼ x2 ,  1  x  1
des Halbkreises. Da dieser durch die Funk-
pffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffi
tion fðxÞ ¼ 1  x2 ,  1  x  1, dar-
stellbar ist, gilt fr den Inhalt der Halb- Flcheninhalt des Halbkreises:
kreisflche: ð1 pffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffi
ð1 pffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffi AHalbkreis ¼ 1  x2 dx
AHalbkreis ¼ 1  x2 dx: 1
1

3. Berechnung des bestimmten Integrals: Substitution: x ¼ sin z


Wir berechnen das bestimmte Integral mit- Differentiale: dx
dz
¼ cos z, dx ¼ cos z dz
tels Substitution. Dabei verwenden wir die
Integrationsgrenzen:
Typ-2-Substitution x ¼ sin z.
x l€auft von  1 bis 1
Durchluft die ursprngliche Integrations- z l€auft von  p2 bis p2
p
variable x Werte von 1 bis 1, so durch- ð1 pffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffi ð2 pffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffi
luft die neue Integrationsvariable z mono- 1  x2 dx ¼ 1  sin2 z cos z dz
ton  p2 bis p2 : 1  p2
p
ð2 h i p
2
1
Wir erhalten schließlich ein Integral, das ¼ cos2 z dz ¼ ðz þ sin z cos zÞ
2  p2
durch Produktintegration bestimmt wer-  p2
den kann.  
¼ p4  p4 ¼ p2
4. Flcheninhalt des Einheitskreises:
Fr den Flcheninhalt des gesamten Ein- AKreis ¼ 2  AHalbkreis
heitskreises gilt: AKreis ¼ 2  AHalbkreis . ¼ 2  p2 ¼ p
c Somit erhalten wir insgesamt AKreis ¼ p.
2.
1. Die Substitutionsmethode
Produktintegration 187

Wir wollen nun eine Formel zur Berechnung des Flcheninhalts eines Kreisabschnitts entwi-
ckeln. Hierzu beschrnken wir uns erneut auf den Einheitskreis.

y
c Beispiel: Bestimmen Sie den Flchen- 1
.....................................................................................................................................................................................

inhalt eines Kreissegments ber dem


b
Winkel a, dessen Bogenmaß b ist, im
Einheitskreis. -1 1 x

Lsung: y pffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffi
1. Aufstellen des bestimmten Integrals: 1 y¼ 1  x2 , 0  x  1
Um den Flcheninhalt eines Kreisseg-
b
ments zu berechnen, knnen wir auch hier 2
aus Symmetriegrnden zunchst den In- /2 .
A1
halt der halben Flche A1 (rot) berechnen, 1 x
cos b2
die die Halbkreisfunktion
h miti der x-Achse
b
ber dem Intervall cos 2 , 1 einschließt. Flcheninhalt des Kreissegments:
Diese lsst sich durch das folgende be-
A ¼ 2  A1
stimmte Integral darstellen:
ð1 pffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffi
ð1 pffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffi A1 ¼ 1  x2 dx
A1 ¼ 1  x2 dx: cos b2
cos b2

2. Berechnung des bestimmten Integrals: Substitution: x ¼ sin z, z ¼ arcsin x


Wir berechnen zunchst eine Stammfunk- ð pffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffi
ð pffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffi
tion des Integranden mithilfe der Substitu- 1  x2 dx ¼ 1  sin2 z cos z dz
tion x ¼ sin z analog zum vorigen Bei- ð
spiel. ¼ cos2 z dz ¼ 12 ðsin z cos z þ zÞ þ C

Durch Resubstitution von z ¼ arcsin x er- Resubstitution: z ¼ arcsin x, sin z ¼ x


halten wir unter Bercksichtigung der Ei- sinðarcsinÞ x ¼ x
qffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffi pffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffi
genschaften einer Umkehrfunktion und
cos z ¼ 1  sin2 ðarcsin xÞ ¼ 1  x2
des trigonometrischen Pythagoras die ne- ð pffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffi
benstehende Stammfunktion des Integran- pffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffi
1  x2 dx ¼ 12 x 1  x2 þ 12 arcsin x þ C
den.

Das Einsetzen der Integrationsgrenzen lie- Einsetzen der Integrationsgrenzen:


fert nun das bestimmte Integral in Abhn- h pffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffi i1
gigkeit des Winkels im Bogenmaß b. A1 ¼ 12 x 1  x2 þ 12 arcsin x
cos b
 2 
¼ p4  12 cos b2 sin b2  12 arcsin sin p2  b2
 
¼ p4  14 sin b  12 p2  b2 ¼ 14 ðb  sin bÞ
3. Flcheninhalt des Kreissegments:
Fr den Flcheninhalt des gesamten Kreis-
segments erhalten wir somit
Flcheninhalt des Kreissegments:
c A ¼ 12 ðb  sin bÞ: A ¼ 2  A1 ¼ 12 ðb  sin bÞ
188 VII. Integrationsmethoden

bungen
5. Berechnen Sie die folgenden Integrale mittels Substitution (Typ 1).
ð ð ð
4 2
a) ð3 x þ 5Þ dx b) cosð2 x þ 3Þ dx c) ð1  xÞ dx
ð ð ð
x3 sin x
d) sin x cos2 x dx e) dx f) dx
ð1 þ x4 Þ2 cos4 x

6. Berechnen Sie die folgenden bestimmten Integrale.


ð1 ð4 0ð,5
1
pffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffi x 2
a) dx b) 9  2 x dx c) pffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffi dx
ð1 þ xÞ2 1  x3
0 0 0
ð2 5
ð pffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffi ð3
x x ffi
d) p
3
ffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffi dx e) x 5  x dx f) pffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffi dx
1 þ x2 5x þ 1
1 1 0

7. Berechnen Sie die aufgefhrten Integrale mit der angegebenen Substitution.


ð ð
1
a) pffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffi dx Substitution: x ¼ 1z b) x
pffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffi dx Substitution: z ¼ a2  x2
x x2  1 a2  x2
ð ð pffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffi
1
c) dx Substitution: z ¼ tan x d) 9  x2 dx Substitution: x ¼ 3 sin z
sin2 x

8. Die folgenden Integrale sind nicht ganz einfach zu knacken. Versuchen Sie es.
ð ð ð
2
1 x
a) pp
ffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffi
ffiffiffi dx b) sin3 x cos3 x dx c) pffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffi dx
xþ1 1  x2

9. Zeigen Sie, dass fr den Flcheninhalt eines Kreises mit einem beliebigen Radius r (r > 0)
die bekannte Formel A ¼ p r2 gilt.
Gehen Sie dabei folgendermaßen vor:
ðr pffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffi
a) Begrnden Sie: A ¼ 2 r2  x2 dx
r
b) Berechnen Sie das bestimmte Integral mit Hilfe der Substitution x ¼ r sin z.

10. Zeigen Sie, dass fr den Flcheninhalt eines Kreissegments ber dem Winkel a (im Bogen-
2
maß b) in einem Kreis mit einem beliebigen Radius r die Formel A ¼ r2 ðb  sin bÞ gilt.

11. Zeigen Sie, dass fr den Flcheninhalt y


einer Ellipse A ¼ p a b gilt. b

Hinweis: Die Koordinaten x, y eines -a a x


Punktes der Ellipse gengen der Glei-
2 y2
chung xa2 þ b2 ¼ 1. -b
VII. Integrationsmethoden 189

berblick
Regel zur Produktintegration
ð ð
u0  v dx ¼ uv  u  v0 dx

Substitutionsmethode

Typ-I-Substitution Ð 0
Ð Integral die Gestalt fðgðxÞÞ  g ðxÞ dx, dann substituiert man gðxÞ ¼ z und erhlt das
Besitzt das
Integral fðzÞ dz. Ist FðzÞ Stammfunktion von fðzÞ, dann ergibt sich nach Rcksubstitution
z ¼ gðxÞ im Ergebnis FðgðxÞÞ als Stammfunktion des Ausgangsintegranden fðgðxÞÞ  g0 ðxÞ.

Typ-II-Substitution
Liegt der Integrand nicht in der Typ-I-Form fðgðxÞÞ  g0 ðxÞ vor, dann kann man Ðversuchen,
mittels Substitution
Ð der Integrationsvariablen x durch einen Term tðzÞ das Integral fðxÞ dx in
das Integral fðtðzÞÞ  t0 ðzÞ dz zu transformieren, das im gnstigsten Fall einfacher zu lsen ist als
das Ausgangsintegral.

Differentiale dx und dy

Der formale Umgang mit Differentialen leistet gute Dienste bei der Substitutionsmethode.

Anschaulich sind die Differentiale dx und y


dy die Kathetenlngen in Steigungsdrei- Graph Tangente
ecken einer Kurventangente. Dabei ist dx
der Tangentenzuwachs in x-Richtung und f
dy der Tangentenzuwachs in y-Richtung. dy
Ist f 0 ðxÞ die Steigung des Funktionsgra- P
phen im entsprechenden Kurvenpunkt dx
PðxjfðxÞÞ, dann gilt fr den Quotienten
der Differentiale:
dy
dx
¼ f 0 ðxÞ; also dy ¼ f 0 ðxÞ  dx:
x
190 VII. Integrationsmethoden

Test
Integrationsmethoden
Berechnen Sie die folgenden Integrale.

pffiffi
ð3
x
1Þ pffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffi dx
7  x2
0

ðp
2Þ x  sin x dx
0

p
ð4
3Þ 4  cosð2 x þ pÞ dx
0

ð  
4Þ 3 x2  cos x þ p4 dx

ð pffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffi  
5Þ a  b x dx x < ba , a, b > 0

ð
6Þ sin x  cos x dx

ð qffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffi
pffiffiffi
7Þ x þ 1 dx

0ð,5
pffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffi
8Þ 1  x2 dx
0

Lsungen unter 190-1


IX. Logarithmusfunktionen

y In diesem Kapitel steht die natür-


liche Logarithmusfunktion –
die Umkehrfunktion der natür-
lichen Exponentialfunktion –
im Zentrum.
Differentiation und Integration
werden eng verbunden
behandelt.

y = ex

y = In x

x
244 IX. Logarithmusfunktionen

1. Die Differentiation der Umkehrfunktion


Die Steigung einer Funktion und die Steigung ihrer Umkehrfunktion hngen eng miteinander
zusammen. Im Folgenden werden wir diesen Zusammenhang geometrisch-anschaulich herlei-
ten und begrnden.

Wir betrachten den Punkt Pðx j f ðxÞÞ auf y f


dem Graphen der Funktion f. P
P 0 ðf ðxÞj xÞ ist dann der Spiegelpunkt von P f(x) b
auf dem Graphen der Umkehrfunktion f 1. a b f -1
x a
P'
In den Punkten P und P 0 zeichnen wir je-
weils ein Tangentenstck mit Steigungs-
dreieck ein. Die beiden Steigungsdreiecke
sind dann offensichtlich ebenfalls spiegel- x
x f(x)
gleich.
f hat im Punkt P die Steigung f 0 ðxÞ ¼ ba . f sei eine umkehrbare, an der Stelle x diffe-
renzierbare Funktion mit f 0 ðxÞ 6¼ 0. Dann gilt
f 1 dagegen hat im Spiegelpunkt P 0 die die sogenannte
Steigung ðf 1 Þ0 ðf ðxÞÞ ¼ ba . Umkehrformel „1. Fassung“
f 0 ðx Þ ¼ 1
.
ðf 1 Þ0 ðf ðxÞÞ
Die erste Steigung ist also der Kehrwert
des zweiten Steigungswertes. Daraus er- Die Ableitung einer Funktion an der Stelle x
gibt sich die nebenstehend aufgefhrte ist gleich dem Kehrwert der Ableitung ihrer
Umkehrfunktion an der Stelle f(x).
Umkehrformel.

Die Umkehrformel kann die Differentiation einer Funktion vereinfachen, wenn ihre Umkehr-
funktion in einfacher Weise differenziert werden kann.

pffiffiffi
c Beispiel: Berechnen Sie die Ableitung der Funktion f ðxÞ ¼ 3 x ðx > 0Þ.
.................................................................

Lsung:
Leicht zu differenzieren ist die Umkehr- Umkehrfunktion von f:
pffiffiffi
funktion f 1 ðxÞ ¼ x3 . Deren Ableitung an f ðxÞ ¼ 3 x
der Stelle x ist ðf 1 Þ0 ðxÞ ¼ 3 x2 . f 1 ðxÞ ¼ x3
In der Umkehrformel p bentigen
ffiffiffi pwir
ffiffiffi Ableitung von f –1:
ðf 1 Þ0 ðfðxÞÞ ¼ ðf 1 Þ0 ð 3 xÞ ¼ 3ð 3 xÞ2 .
ðf 1 Þ0 ðxÞ ¼ 3 x2
Setzen wir dies in die Umkehrformel ein,
so erhalten wir das Resultat:
Ableitung von f:
f 0 ðxÞ ¼ p 1
ffiffiffi2 .
3 3
x f 0 ðxÞ ¼ 1 01
ðf Þ ðf ðxÞÞ
1 
¼ pffiffiffi
ðf 1 Þ0 3 x
1
¼ pffiffiffi2
c 3 3 x
1. Die Differentiation der Umkehrfunktion 245

bung 1
Bestimmen Sie die Ableitungsfunktion von f mithilfe der Umkehrformel (1. Fassung).
pffiffiffi pffiffiffi 1 p
3
ffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffi
a) f ðxÞ ¼ x, x > 0 b) f ðxÞ ¼ 4 x, x > 0 c) f ðxÞ ¼ x5 , x > 0 d) f ðxÞ ¼ 2 x  2, x > 1

In manchen Fllen ist es von Vorteil, die Umkehrformel „2. Fassung“


rechts dargestellte zweite Fassung der
ðf 1 Þ0 ðxÞ ¼ f 0 ðf 11 ðxÞÞ
Umkehrformel zu verwenden. Diese zwei-
te Fassung ist vllig quivalent zur ersten
Fassung, und sie kann wie diese auch gra- Die Ableitung der Umkehrfunktion an der
Stelle x ist gleich dem Kehrwert der Ablei-
phisch-anschaulich begrndet werden.
tung der Funktion an der Stelle f 1(x).

3
c Beispiel: Gegeben ist die Funktion f ðxÞ ¼ x2 , x > 0. Bestimmen Sie die Ableitung der Um-
..................................................................................

kehrfunktion f 1 von f.

Lsung:
Wir bestimmen zunchst die Umkehrfunk- Umkehrfunktion von f:
3
tion von f. 2 f ðxÞ ¼ x2
Dies ist die Funktion f 1 ðxÞ ¼ x3 . 2
f 1 ðxÞ ¼ x3

Wir knnen den Funktionsterm


pffiffiffi von f als Ableitung von f:
Produkt f ðxÞ ¼ x  x darstellen und hier- 3 1 pffiffiffi
f ðxÞ ¼ x2 ¼ x  x2 ¼ x  x
von mit Hilfe der Produktregel und Wur-
pffiffiffi pffiffiffi pffiffiffi pffiffixffi
zelregel die Ableitung f 0 ðxÞ ¼ 32 x f 0 ðxÞ ¼ 1  x þ x  2p1 ffiffixffi ¼ x þ 2
pffiffiffi
bilden. f 0 ðxÞ ¼ 32  x

Dieses Ergebnis knnen wir nun in die Ableitung von f –1:


Umkehrformel (2. Fassung) einsetzen.
ðf 1 Þ0 ðxÞ ¼ f 0 ðf 11 ðxÞÞ ¼ 1
2 ¼
1 ffiffiffiffi
p
So erhalten wir die gesuchte Ableitung f 0 ðx3 Þ 3
2
 x3
2

1
c ðf 1 Þ0 ðxÞ ¼ 23 x3 . ¼ 2
1
1
¼ 23  x3
3  x3

bung 2
Bestimmen Sie die Ableitung der Umkehrfunktion von f auf zwei Wegen.
Weg 1: Bestimmen Sie zunchst f 1 und anschließend (f 1)0 durch Differentiation von f 1.
Weg 2: Bestimmen Sie (f 1)0 direkt mithilfe der 2. Fassung der Umkehrformel.
pffiffiffi 2
a) f ðxÞ ¼ 2 x þ 6 b) f ðxÞ ¼ 2 þ x, x > 0 c) f ðxÞ ¼ 21x, x > 0 d) f ðxÞ ¼ ðx þ 1Þ , x > 1

bung 3 pffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffi
Bestimmen Sie mithilfe der Umkehrformel diepAbleitung
ffiffiffi von f ðxÞ ¼ x  1, x > 1, bzw. die
Ableitung der Umkehrfunktion von f ðxÞ ¼ x2  x, x > 0.
246 IX. Logarithmusfunktionen

2. Die natrliche Logarithmusfunktion

Die Exponentialfunktion fðxÞ ¼ ex zur Eulerschen Basis e ist


y/cm
streng monoton steigend und daher umkehrbar. Ihre Umkehr- 2. Umrundung
funktion, deren Graph durch Spiegelung des Graphen der Ex-
ponentialfunktion an der Winkelhalbierenden konstruiert wer- 1. Umrundung
den kann, wird als natrliche Logarithmusfunktion bezeich-
net. Man verwendet fr den Funktionsterm dieser neuen Funk-
tion die symbolische Schreibweise ln x (logarithmus naturalis). 20

Der Taschenrechner hat eine ln -Taste


zur Berechnung von Funktionswerten
der natrlichen Logarithmusfunktion.
y

1
f(x) = ex

1 x

f -1(x) = ln x

246-1

Eigenschaften von f(x) = ln x


Definitionsmenge: Rþ ðx > 0Þ 10
Wertemenge: R ð 1 < x < 1Þ
Monotonieverhalten: streng monoton steigend
Besondere Funktionswerte: ln 1 ¼ 0, ln e ¼ 1

Der Graph der Funktion steigt zunchst dicht an der y-Achse


verlaufend auf deren rechter Seite steil empor, um die x-Achse
bei x=1 zu schneiden und dann schnell extrem abzuflachen.
Sein weiteres Wachstum ist unglaublich gering.

c Beispiel: Wir denken uns den Graphen der natrlichen Loga-


...............................................

rithmusfunktion fðxÞ ¼ ln x auf einen Papierstreifen aufgetra-


gen, der die Erde auf der Hhe des quators umspannt. Der
quator sei die x-Achse, und eine Lngeneinheit sei 1 cm. 1
Welche Hhe hat der Funktionsgraph nach einer Erdumrun-
dung erreicht, wie hoch ist er nach zwei Erdumrundungen? 1 x/cm

Lsung:
Der Erdradius betrgt 6370 km, der Umfang also ca. 40 000 km,
das sind 4  109 cm.
Der Funktionswert betrgt fð4  109 Þ ¼ lnð4  109 Þ 22,11 cm.
c Nach einer weiteren Umrundung sind es gerade erst 22,80 cm.
2.
1. Die natrliche Logarithmusfunktion
Differentiation der Umkehrfunktion 247

bungen

1. Ergnzen Sie die Wertetabelle der natrlichen Logarithmusfunktion f(x)=ln x.


x 0,1 0,25 0,5 1 2 e 3 5 10 100 1000
f(x) = ln x

2. An welcher Stelle x besitzt die natrliche Logarithmusfunktion den Funktionswert y?


aÞ y ¼ 0,5 bÞ y ¼ 1 cÞ y ¼ 2 dÞ y ¼ 10 eÞ y ¼ 1 fÞ y ¼ 100
Beispielrechnung fr den Funktionswert y = 5: y = 5, ln x = 5, x ¼ e5 , x  148,41

3. Welchen Funktionswert wrde die Funktion f(x)=ln x erreichen, wenn man den positiven
Teil der x-Achse von der Erde bis an die ußere Grenze des Weltalls legen wrde?
Die verwendete Maßeinheit auf den Achsen sei Zentimeter.
Informationen: Nehmen Sie an, dass diese ußere Grenze 10 Milliarden Lichtjahre entfernt ist. Ein
Lichtjahr ist die Strecke, die das Licht in einem Jahr (365 Tage) zurcklegt. Das Licht legt in einer
Sekunde im Vakuum ca. 300 000 km zurck.

4. Finden Sie durch Probieren mit dem Taschenrechner eine mglichst kleine natrliche Zahl N
heraus, sodass im Intervall [N ; N þ 1] der Zuwachs der Funktion f(x)=ln x unter 0,01 liegt.

5. Fr das Rechnen mit natrlichen Logarithmen gelten die glei-


chen Rechengesetze wie fr den Zehnerlogarithmus. Rechts sind Rechenregeln fr ln
diese Gesetze zur Erinnerung dargestellt.
Vereinfachen Sie mithilfe dieser Rechengesetze den Funktions- lnða  bÞ ¼ ln a þ ln b
term der Funktion f. 
pffiffiffi  ln ba ¼ ln a  ln b
aÞ fðxÞ ¼ lnðe2x Þ bÞ fðxÞ ¼ lnð xÞ cÞ fðxÞ ¼ ln 1x
  lnðab Þ ¼ b  ln a
dÞ fðxÞ ¼ lnðx2 Þ eÞ fðxÞ ¼ lnðx  ex Þ fÞ fðxÞ ¼ ln x þe 1
 
lnðex Þ ¼ x
gÞ fðxÞ ¼ elnðxþ1Þln x hÞ fðxÞ ¼ exln 2 iÞ fðxÞ ¼ ln ex3 x

jÞ fðxÞ ¼ lnðx þ 1Þ  ln x þ ln 1x eln x ¼ x

6. Berechnen Sie die folgenden Werte des natrlichen Logarithmus


mithilfe der Rechengesetze bzw. der rechts abgebildeten Ta- ln 2  0,693
belle fr die Logarithmen von 2, 3, 5 und 7. ln 3  1,099
 pffiffiffi ln 5  1,609
aÞ exakt: lnðe2 Þ, ln 1e , lnð e Þ, lnðee Þ ln 7  1,946
bÞ gen€ahert: lnð6Þ, lnð125Þ, lnð106 Þ, lnð315 000Þ:

7. Lsen Sie die logarithmische Gleichung.


pffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffi
aÞ ln x ¼ 2,5 bÞ ln x ¼ 3 cÞ lnð2 x þ 1Þ ¼ 0,5 dÞ lnð 1  x Þ ¼ 3
eÞ lnðx þ 1Þ ¼ 1 þ ln x fÞ lnðx2 Þ  lnðx þ 4Þ ¼ ln 2
248 Mathematische Streifzüge

Wie Euler Logarithmen berechnete


Heute ist es sehr einfach, den Logarithmus einer Zahl zu ermitteln. Jeder wissenschaftliche
Taschenrechner verfügt über entsprechende Tasten. Bevor es Taschenrechner gab, wurden Loga-
rithmen aus Tabelle – sogenannten Logarithmentafeln – abgelesen. Aber wie wurden diese
Tafeln aufgestellt?

Es sind verschiedene historische Verfahren


zur Berechnung von Logarithmen bekannt.
Eines beschreibt Leonhard Euler
(1707–1783) in seinem berühmten Werk
Introductio in Analysin Infinitorum.

Die Schöpfer der ersten Logarithmentafeln mussten ihr Werk allein mithilfe der vier Grundre-
chenarten erledigen. Außerdem beherrschten sie die Berechnung von Quadratwurzeln beispiels-
weise mit dem Verfahren von Heron, bei dem nach der Vorschrift xn + 1 = _12 ( xn + __ xn ) ausgehend
a

von einem beliebigen __


Startwert x0 iterativ eine Zahlenfolge x1, x2, x3, … erzeugt wird, die gegen
die gesuchte Zahl √a strebt.
Das von Euler beschriebene Verfahren zur Berechnung von Logarithmen verwendet nur Multi-
plikationen und das Quadratwurzelziehen sowie die Bildung des arithmetischen Mittels zweier
Zahlen. Es beruht im Wesentlichen __
auf der Anwendung zweier Rechengesetze für Logarithmen:
1 _
ln c
ln(a · b) = ln a + ln b und ln√ c = ln c = ___
2

2
. (vgl. roten Kasten auf S. 247)
_____
Demnach gilt für zwei positive Zahlen A und B: ln A + ln B
ln√A · B = ________ .
2

Diese Beziehung bildet die Grundlage für Eulers Berechnungsverfahren für Logarithmen.
Wie Euler Logarithmen berechnete 249

Die Beziehung sagt aus: Kennt man die Logarithmen zweier Zahlen A und B, dann ist das arith-
metische Mittel der beiden Logarithmen ln A und ln B gleich dem Logarithmus der Quadratwur-
zel aus dem Produkt der beiden Zahlen.
Soll nun der Logarithmus einer Zahl Z berechnet____
werden, die zwischen A und B liegt, dann kann
man den Logarithmus einer weiteren Zahl C = √ AB bestimmen durch die Mittelbildung ______
ln A + ln B
2
.
Anschließend wählt man von den drei Zahlen A, B, C diejenigen beiden Zahlen aus, zwischen
denen Z liegt, und verfährt in gleicher Weise.
Der nebenstehende Ausschnitt
aus einer Seite der Introductio
zeigt die Vorgehensweise von
Euler bei der Berechnung des
dekadischen Logarithmus von 5.
Die Berechnung von log10 5 be-
ginnt Euler mit den Zahlen A = 1
und B = 10, deren Logarithmen
bekannt sind; Euler schreibt da-
neben____
lA = 0 und lB = 1, setzt
C = √AB und notiert in der drit-
ten Zeile den Wert dieser Wur-
zel. lC berechnet er als arithme-
tisches Mittel von lA und lB,
usw.
Als Ergebnis erhält Euler
schließlich log10 5 = 0,698 970 0.
Abschließend soll der natürlichen Logarithmus der Zahl 2 ermittelt werden. Als erste Näherungs-
zahl wird A = 1 gewählt, als zweite B = e ≈ 2,718 281 828, denn ln e = 1 ist bekannt und 2 liegt
zwischen 1 und e. Die Quadratwurzeln der ersten Spalte (ab Zeile 3) werden der Einfachheit
halber nicht mit „Heron“, sondern mit einem zehnstelligen Taschenrechner bestimmt. Die Zahlen
in der zweiten Spalte (ab Zeile 3) sind die Mittelwerte von zwei bereits berechneten Logarithmen.

A = 1,000 000 000 ln A = 0,000 000 000 Es sei:____


B = 2,718 281 828 ln B = 1,000 000 000 C = √AB
___
C = 1,648 721 271 ln A + ln B = 0,500 000 000
ln C = ________ D = √BC
2 ____
ln B + ln C
D = 2,117 000 017 ln D = ________
2
= 0,750 000 000 E = √CD
___
ln C + ln D
E = 1,868 245 958 ln E = ________
2
= 0,625 000 000 F = √DE
___
F = 1,988 737 470 ln D + ln E = 0,687 500 000
ln F = ________ G = √DF
2 ___
G = 2,051 866 774 ln D + ln F = 0,718 750 000
ln G = ________ H = √ FG
2 ___
ln F + ln G
H = 2,020 055 528 ln H = ________
2
= 0,703 125 000 I = √ FH
___
I = 2,004 335 331 ln F + ln H = 0,695 312 500
ln I = ________ J = √ FI
2 __
J = 1,996 521 168 ln F + ln I = 0,691 406 250
ln J = _______ K = √IJ
2

Setzen Sie das Verfahren fort, bis in der ersten Spalte 2,000 000 000 steht. Vergleichen Sie Ihren
Wert für ln 2 mit dem Näherungswert, den Ihr Taschenrechner liefert.
250 IX. Logarithmusfunktionen

3. Die Ableitung von f(x) = ln x


Logarithmische Integration
A. Graphische Differentiation von f (x) = ln x

Mithilfe des Differentialquotienten kann fðx þ hÞ  fðxÞ


man Ableitungsregeln gewinnen. Bei der f 0 ðxÞ ¼ lim h
h!0
Logarithmusfunktion gelingt dies nicht, da lnðx þ hÞ  lnðxÞ
der im Differenzenquotienten auftretende ¼ lim h
¼?
h!0
Term ln(x+h) nicht weiter umformbar ist.
Aus diesem Grund versuchen wir, die Ableitung der Funktion zeichnerisch zu gewinnen.

c Beispiel: Gegeben sei die natrliche Logarithmusfunktion f(x) =ln x. Bestimmen Sie zeich-
.......................................................................................................................................

nerisch die Ableitungsfunktion von f.

Lsung:
Wir zeichnen den Graphen von f und tra- lnð2 þ hÞ  lnð2Þ
gen in einigen Punkten die Tangenten an, f 0 ð2Þ ¼ lim h
h!0
deren Steigungen wir angenhert ablesen lnð2 þ 0,01Þ  lnð2Þ
und tabellieren. Falls die Ablesungen zu  0,01
ungenau erscheinen, knnen wir die Stei-  0,6931
 0,69810,01
gungen auch rechnerisch mithilfe des Dif-
ferenzenquotienten ermitteln, wie rechts  0,5
fr das Beispiel f 0 ð2Þ dargestellt. y
3 ? 1
x 0,5 1 2 3 f '(x) = x

f 0 ðxÞ 2 1 0,5 0,3


2

Mithilfe dieser Wertetabelle skizzieren 0,3


m=
wir die Ableitungsfunktion f 0 , deren Funk- 1 0 ,5 f(x) = ln x
tionswerte die Steigungen von f sind. m=
1
=
Aufgrund des Verlaufs des Graphen von f 0 m
liegt die Vermutung nahe, dass es sich hier- 1 2 3 4 x
2

bei um die Reziprokenfunktion handelt.


m=

-1
Die Tabellenwerte bekrftigen diese Ver-
mutung, denn offenbar gilt stets angen-
hert der Zusammenhang f 0 ðxÞ ¼ 1x . Logarithmische Ableitung
Dies vertrgt sich auch mit der Beobach- Die natrliche Logarithmusfunktion
tung, dass die Logarithmusfunktion immer f(x)=ln x ist fr x >0 differenzierbar.
steiler wird, so dass ihre Steigung ber alle Es gilt die sog. logarithmische Ablei-
Grenzen wchst, wenn man sich von rechts tungsregel:
der Stelle x=0 nhert, und dass ihre Stei- ðln xÞ0 ¼ 1x :
c gung fr x ! 1 gegen null tendiert.
3. Die Ableitung von fðxÞ ¼ ln x 251

B. Rechnerische Differentiation von f (x) = ln x

Der rechnerische Nachweis der Gltigkeit Beweis der logarith. Ableitungsregel:


der Regel fr die Ableitung der Funktion
1
f ðxÞ ¼ ln x kann mithilfe der Formel fr f 0 ðxÞ ¼ Umkehrformel
ðf 1 Þ0 ðf ðxÞÞ
die Ableitung der Umkehrfunktion gefhrt
werden, denn die Ableitung der Umkehr- f ðxÞ ¼ ln x
funktion f 1 ðxÞ ¼ ex ist uns bekannt. Es f 1 ðxÞ ¼ ex
0
gilt nmlich ðf 1 Þ ðxÞ ¼ ex . ðf 1 Þ0 ðxÞ ¼ ex
Setzen wir diese drei Identitten in die Um-
ðf 1 Þ0 ðf ðxÞÞ ¼ eln x
kehrformel ein, so erhalten wir laut neben-
stehender Rechnung die logarithmische f 0 ðxÞ ¼ eln1 x ¼ 1x
Ableitungsformel, die damit bewiesen ist.

bung 1
a) Welche Steigung m und welchen Steigungswinkel a hat die Funktion f ðxÞ ¼ ln x an den
Stellen x ¼ 1 und x ¼ 2?
b) An welcher Stelle x steigt die Funktion f ðxÞ ¼ ln x unter einem Winkel von 30° gegen die
Horizontale an?

C. Ableitungsbungen
Wir ben nun das Differenzieren von Funktionen, deren Gleichungen logarithmische Terme
enthalten. Dabei wenden wir bereits bekannte Regeln wie Produkt- und Kettenregel an.

c Beispiel: Bestimmen Sie die Ableitungsfunktion f 0 von f. Dabei gelte stets x > 0.
...............................

a) f ðxÞ ¼ lnð2 xÞ b) f ðxÞ ¼ lnðx3 Þ c) f ðxÞ ¼ x  lnð2 xÞ

Lsung zu a und zu b: Lsung zu c:


Wir verwenden hierbei die Kettenregel. Wir verwenden Produkt- und Kettenregel.
0 0
a) f 0 ðxÞ ¼ ½lnð2 xÞ ¼ 21x  2 ¼ 1x c) f 0 ðxÞ ¼ ½x  lnð2 xÞ
0 ¼ 1  lnð2 xÞ þ x  21x  2
c b) f 0 ðxÞ ¼ ½lnðx3 Þ ¼ x13  3 x2 ¼ 3x
¼ lnð2 xÞ þ 1

bung 2
Bestimmen Sie die Ableitungsfunktionen f 0 und f 00 . Nennen Sie jeweils die Definitionsmenge.
a) f ðxÞ ¼ lnð5 xÞ b) f ðxÞ ¼ lnðx2 Þ c) f ðxÞ ¼ x þ lnð2 xÞ
ln x
pffiffiffi
2
d) f ðxÞ ¼ x  lnðxÞ e) f ðxÞ ¼ x f) f ðxÞ ¼ ln x
3 pffiffiffiffiffiffiffiffi
g) f ðxÞ ¼ lnð2 e2x Þ h) f ðxÞ ¼ ðln xÞ i) f ðxÞ ¼ ln x

bung 3 h   i0
0 0
Berechnen Sie ½lnðxn Þ , ln 1x und ½lnða xÞ auf zwei verschiedene Arten ðx > 0, a > 0, n 2 NÞ.
0 0 0
Beispiel: Fr x > 0 gilt ½lnðx2 Þ ¼ x12  2 x ¼ 2x , aber auch ½lnðx2 Þ ¼ ½2  ln x ¼ 2  1x ¼ 2x .
252 IX. Logarithmusfunktionen

D. Die logarithmische Integration

Die Funktion gðxÞ ¼ 1x ¼ x1 war die einzige Potenzfunktion, die sich nicht mithilfe der verall-
gemeinerten Potenzregel integrieren ließ. Das unbestimmte Integral dieser Funktion und das
0ð Þ
unbestimmte Integral einer Funktion der Form gðxÞ ¼ f ð xÞ lassen sich jedoch mit Hilfe der
f x
natrlichen Logarithmusfunktion darstellen. Wir begrnden dies nun genauer.
0
Fr x > 0 gilt: ½ln x ¼ 1x . Fr f ðxÞ > 0 gilt nach der Kettenregel
0
Daher ist FðxÞ ¼ ln x fr x > 0 eine ½ln f ðxÞ0 ¼ ð1 Þ  f 0 ðxÞ ¼ f ððxÞÞ .
f x f x
Stammfunktion von f ðxÞ ¼ 1 . x Daher ist FðxÞ ¼ lnðf ðxÞÞ fr f ðxÞ > 0 eine
0 0ð Þ
Fr x < 0 gilt: ½lnðxÞ 1 ð
¼ x  1Þ ¼ 1x . Stammfunktion von ff ðxxÞ .
Also ist FðxÞ ¼ lnðxÞ fr x < 0 eine Fr f ðxÞ < 0 ist analog FðxÞ ¼ lnðf ðxÞÞ
0ð Þ
Stammfunktion von f ðxÞ ¼ 1 . x
eine Stammfunktion von ff ðxxÞ .

Diese beiden Aussagen knnen wir fol- Dies fhrt auf die folgende Verallgemei-
gendermaßen zusammenfassen: nerung der logarithmischen Integration:

Die logarithmische Integration Verallgemeinerte


logarithmische Integration
Fr x 6¼ 0 ist f ðxÞ ¼ 1x integrierbar: f sei eine differenzierbare Funktion, die
nicht null wird. Dann gilt:
ð ð
1 f 0 ðxÞ
x
dx ¼ ln jxj þ C. f ðxÞ
dx ¼ ln jf ðxÞj þ C.

c Beispiel: Gesucht ist jeweils der Inhalt der abgebildeten Flche A.


..........................................................................

y y
1
f(x) = x
2
1
f(x) = 2x−3
1

1 2 3 x
2 4 x
Lsung: Lsung:
FðxÞ ¼ ln jxj ist eine Stammfunktion von Der Zhlerterm 2 ist die Ableitung des
f ðxÞ ¼ 1x . Daher gilt: Nennerterms 2 x  3, daher kann logarith-
misch integriert werden:
ð3 ð4
A¼ 1
x
dx ¼ ½ln jxj31 A¼ 2
dx ¼ ½ln j 2 x  3 j42
2x  3
1 ¼ ln 3  ln 1 2
 1,099  0 ¼ ln 5  ln 1 ¼ ln 5  1,609
c  1,1
3. Die Ableitung von fðxÞ ¼ ln x 253

E. EXKURS: Flcheninhaltsbestimmungen mit logarithmischer Integration

Mit der logarithmischen Integration lassen sich Flchenprobleme fr den Fall lsen, dass die
Randkurven einfache gebrochen-rationale Funktionen sind.

y
c Beispiel: Gegeben sind die Funktionen
...............................................................................................................

gðxÞ ¼ 32 x und hðxÞ ¼ 2 x6þ 2 ðx > 0Þ so- g


wie die vertikale Gerade k mit der Glei-
chung x ¼ 4. k
Welchen Inhalt hat die Flche A, die von
1 A h
den drei Graphen von g, h und k sowie
A1 A2
der x-Achse umschlossen wird?
Fertigen Sie zunchst eine Skizze an. 1 x
x=4

Lsung:
Anhand der Skizze erkennen wir, dass die Schnittstellen von g und h:
3
Flche A in die Teilflchen A1 und A2 zer-
2
x ¼ 2 x6þ 2
legbar ist. 6 x2 þ 6 x ¼ 12
Die Schnittstelle der Funktionen g und h x2 þ x  2 ¼ 0
liegt bei x ¼ 1. x ¼ 1, ðx ¼ 2Þ

A1 hat den Inhalt 0,75. Flcheninhalte:


Zur Berechnung des Inhaltes von A2 ms- ð1 h i1
3
A1 ¼ x dx ¼ 34 x2 ¼ 0,75
sen wir im Integranden 2 x6þ 2 den Faktor 3 2 0
0
ausklammern, um einen Bruchterm der ð4 ð4
0ð Þ
Form ff ðxxÞ zu erhalten, den wir mittels loga- A2 ¼ 6
2x þ 2
dx ¼ 3 2
2x þ 2
dx
rithmischer Integration behandeln knnen. 1
 4
1

A2 hat den Inhalt 2,75. ¼ 3  ln j2 x þ 2j 1 ¼ 3ðln 10  ln 4Þ


 2,75
c Als Gesamtinhalt erhalten wir A  3,5. Resultat: A ¼ A1 þ A2  3,5

bung 4
Berechnen Sie den Inhalt der Flche A unter dem Graphen von f ber dem Intervall I.
x
a) f ðxÞ ¼ x þ1 3, I ¼ ½0 ; 4 b) f ðxÞ ¼ x24þx 2 , I ¼ ½0 ; 3 c) f ðxÞ ¼ exeþ 1 , I ¼ ½2 ; 2

bung 5
Die Graphen von f und g schließen eine Flche A ein. Bestimmen Sie deren Inhalt.
a) f ðxÞ ¼ 2x10þ 1 b) f ðxÞ ¼ 21x c) f ðxÞ ¼ 3 x2  10 x þ 9
gðxÞ ¼ 5 x þ 10 gðxÞ ¼  56 x þ 83 gðxÞ ¼ 2x

bung 6
Bestimmen Sie den Inhalt der Flche A, die von den Graphen der Funktionen f ðxÞ ¼ 3 x12þ 1 und
gðxÞ ¼ x2 þ 2, der vertikalen Geraden x ¼ 3 und den Koordinatenachsen umschlossen wird.
254 IX. Logarithmusfunktionen

bungen

Ableitungsbungen

7. Bestimmen Sie die Ableitungsfunktion f 0 .


aÞ fðxÞ ¼ ln ðx2  2 xÞ bÞ fðxÞ ¼ ln ðln xÞ cÞ fðxÞ ¼ ln ðex þ ex Þ
pffiffiffiffiffiffiffiffi pffiffiffi
dÞ fðxÞ ¼ ln1x eÞ fðxÞ ¼ ln x fÞ fðxÞ ¼ x  ln x
2
gÞ fðxÞ ¼ x3  ln ð2 xÞ hÞ fðxÞ ¼ ðx þ 1Þ  ln ðx2  1Þ iÞ fðxÞ ¼ lnx x
    qffiffiffiffiffiffiffiffiffix
x
jÞ fðxÞ ¼ ln 11 þ
x
x
kÞ fðxÞ ¼ ln 1 þe ex lÞ fðxÞ ¼ ln 11 þ  ex
e

8. a) Entwickeln Sie eine Ableitungsregel fr die allgemeine Logarithmusfunktion


fðxÞ ¼ loga x ða > 0, a 6¼ 1 und x > 0Þ. Verwenden Sie hierbei die aus der 10. Klasse
log x
bekannte Regel fr die Basistransformation: loga x ¼ logb a ðb > 0, b 6¼ 1Þ.
b

b) Berechnen Sie mit der in a) entwickelten Ableitungsregel die Ableitung f 0 folgender


Funktionen fr x > 0:
1: fðxÞ ¼ log2 x 2: fðxÞ ¼ log 1x 3: fðxÞ ¼ log x  log5 x

9. Bestimmen Sie die Ableitungsfunktion von fðxÞ ¼ xx fr x > 0.


Hinweis: Schreiben Sie den Funktionsterm als Potenz mit der Basis e.

10. Welches ist die richtige Stammfunktion (fr x > 0)? Weisen Sie Ihre Behauptung nach.

x
A. f(x) = ln x + x
2 IV. F(x) = x · ln II. F(x) = ln (x2)
x
B. f(x) )=
= ln x +1 f(x
C. I. F(x) = x(ln x + ln 2-1)

D. f(x) = ln (2x) III. F(x) = x · ln


x- x + 0,5x2

Die logarithmische Integration

11. Berechnen Sie mittels logarithmischer Integration eine Stammfunktion von f.


3
aÞ fðxÞ ¼ x22þx 3 bÞ fðxÞ ¼ 3 x6 9 cÞ fðxÞ ¼ x4x þþ2xx2
x x x
dÞ fðxÞ ¼ x  1ln x eÞ fðxÞ ¼ 1x þ e
þ ex
fÞ fðxÞ ¼ eex þ e
 ex

12. Berechnen Sie den Inhalt der Flche A unter dem Graphen von f ber dem Intervall I.
2x
aÞ fðxÞ ¼ x þ1 2 , I ¼ ½0 ; 4 bÞ fðxÞ ¼ x26þx 3 , I ¼ ½0 ; 3 cÞ fðxÞ ¼ 1 þe e2 x , I ¼ ½10 ; 11
4.
3. Elementare von fðxÞ ¼ ln x
Funktionsuntersuchungen
Die Ableitung 255

4. Elementare Funktionsuntersuchungen
In diesen Abschnitt werden unterschiedliche Problemstellungen aus der Differentialrechnung
der Logarithmusfunktionen exemplarisch angesprochen, die spter im Rahmen von umfassen-
deren Kurvenuntersuchungen als Teilaufgaben oder als Zusatzaufgaben wieder auftreten.

y
c Beispiel: Definitionsmenge und Graph
f
...................................................................................

Gegeben ist die Logarithmusfunktion


2
fðxÞ ¼ ln ð4  2 xÞ.
a) Bestimmen Sie die Definitionsmen-
ge der Funktion f.
b) Wo liegt die Nullstelle von f ?
c) Wo hat die Funktion f den Wert 2? -2 -1 1 x
d) Zeichnen Sie den Graphen von f.

Lsung: Definitionsmenge:
Die Logarithmusfunktion gðxÞ ¼ ln x ist 4  2x > 0
nur fr x > 0 definiert. 4 > 2x
Daher muss auch bei der Funktion f das
Funktionsargument, d. h. der innere Term x<2
4  2 x, positiv sein. Dies ist fr x < 2 der
Fall. Daher gilt: Df ¼ fx 2 R: x < 2g. Nullstelle: Funktionswert 2:
Die Nullstelle von f liegt laut nebenstehen- ln ð4  2 xÞ ¼ 0 lnð4  2 xÞ ¼ 2
der Rechnung bei x ¼ 1,5. 4  2x ¼ 1 4  2 x ¼ e2
Der Funktionswert y ¼ 2 wird an der Stelle 2

c x  1,7 angenommen.
x ¼ 1,5 x ¼ 4 2 e  1,69

t
c Beispiel: Steigung und Tangente
y P(e|2)
................................................

Gegeben ist fðxÞ ¼ ln ðx2 Þ fr x 6¼ 0. f


a) Welche Steigung und welchen Stei-
gungswinkel hat f bei x ¼ 1? 1
b) Wie lautet die Gleichung der Tan-
gente t an den Graphen von f in 1 2 3 x
Pðe j 2Þ?
Lsung zu b:
Lsung zu a: Die Tangente geht durch den Punkt Pðe j 2Þ
f hat die Ableitung f 0 ðxÞ ¼ 2x . Die Steigung des Graphen von f und hat dort die Steigung
an der Stelle 1 betrgt also f 0 ð1Þ ¼ 21 ¼ 2. m ¼ f 0 ðeÞ ¼ 2e . Ihre Gleichung lautet daher
c Steigungswinkel: a ¼ arctan 2  63,4 . tðxÞ ¼ f 0 ðeÞ  ðx  eÞ þ 2 ¼ 2e x:

bung 1
Gegeben ist die Funktion fðxÞ ¼ ln ð0,5 x þ 3Þ. Bestimmen Sie die Definitionsmenge von f, skiz-
zieren Sie den Graphen von f und stellen Sie die Gleichung der Normalen in der Nullstelle auf.
256 IX. Logarithmusfunktionen

y e
Beispiel: Tangente erad
c
ru ngsg
Ursp
.....................................................................................

1 f(x) = ln x
Gegeben ist die Funktion fðxÞ ¼ ln x.
Welche Ursprungsgerade gðxÞ ¼ m  x
1 2,8 x
berhrt den Graphen von f als Tangente?
Bestimmen Sie die Berhrstelle x.

Lsung:
Die zeichnerische Lsung ist rechts darge- Berhrstelle:
stellt. Rechnerisch geht man davon aus, fðxÞ ¼ gðxÞ ) ln x ¼ mx ð1Þ
dass an der Berhrstelle x sowohl die f 0 ðxÞ ¼ g0 ðxÞ ) 1x ¼ m ð2Þ
Funktionswerte als auch die Steigungen
der beiden Funktionen bereinstimmen: Einsetzen von (2) in (1):
0 0
fðxÞ ¼ gðxÞ und f ðxÞ ¼ g ðxÞ: ln x ¼ 1
x ¼e
Diese beiden Gleichungen bilden ein Glei-
chungssystem, das mit dem Einsetzungs-
oder dem Gleichsetzungsverfahren leicht
gelst werden kann. Wir erhalten eine Be-
rhrstelle bei x ¼ e. Hieraus folgt fr die Tangentengleichung:
Geradensteigung m ¼ 1e . Die Tangenten- Einsetzen von x ¼ e in (2):
1
c gleichung ist also gðxÞ ¼ x.
e
m ¼ 1e ) gðxÞ ¼ 1e  x

y
c Beispiel: Extremalproblem
........................................................................

Gegeben ist die Funktion fðxÞ ¼ 2  ln x. f


Wie muss der Punkt Pðz j fðzÞÞ des Gra-
P
phen von f gewhlt werden ð1 < z < eÞ, 1
damit der Umfang des dargestellten
Rechtecks mglichst groß wird?
1 z e x

Lsung:
Die Lnge des Rechtecks betrgt ðe  zÞ, Extremalrechnung:
die Hhe betrgt fðzÞ ¼ 2  ln z. UðzÞ ¼ 2  ðe  zÞ þ 4  ln z
Damit gilt fr den Umfang U die Bezie-
hung: UðzÞ ¼ 2  ðe  zÞ þ 4  ln z. U0 ðzÞ ¼  2 þ 4z
Mithilfe der Differentialrechnung knnen U00 ðzÞ ¼  z82
wir das Maximum der Funktion U errech-
nen. Es liegt nach nebenstehender Rech- U0 ðzÞ ¼ 0 )  2 þ 4z ¼ 0 , z ¼ 2
nung bei z ¼ 2. U00 ð2Þ ¼  2 < 0 ) Maximum
Der zugehrige Maximalumfang hat den
c Wert UMAX ¼ Uð2Þ  4,21.
UMAX ¼ Uð2Þ ¼ 2  ðe  2Þ þ 4  ln 2  4,21

bung 2
Die Graphen von fðxÞ ¼ x2 und gðxÞ ¼ 2  ln x schneiden aus der senkrechten Geraden
x ¼ t ðt > 0Þ eine Strecke heraus. Fr welchen Wert von t ist die Lnge dieser Strecke am kleins-
ten? Lsen Sie die Aufgabe zeichnerisch und rechnerisch.
4.
3. Elementare von fðxÞ ¼ ln x
Funktionsuntersuchungen
Die Ableitung 257

bungen

3. Bestimmen Sie die Definitionsmenge von f.


a) f ðxÞ ¼ lnð2 xÞ b) f ðxÞ ¼ lnðx þ 3Þ c) f ðxÞ ¼ lnð5  xÞ d) f ðxÞ ¼ lnð4  6 xÞ
pffiffiffiffiffiffiffi
e) f ðxÞ ¼ lnðx2 Þ f) f ðxÞ ¼ lnðx2 þ 1Þ g) f ðxÞ ¼ lnð1  x2 Þ h) f ðxÞ ¼ ln x

4. Welche Steigung hat der Graph der 6. Gesucht ist die Gleichung der Tan-
Funktion f an der Stelle x? gente t bzw. der Normalen n an den
a) f ðxÞ ¼ lnð3xÞ, x ¼ e Graphen von f im Punkt P.
 
b) f ðxÞ ¼ lnðx2 Þ, x ¼ 1 a) Tangente in P 2 j ln 4 , f ðxÞ ¼ lnð2 xÞ
b) Normale in Pð1j 0Þ, f ðxÞ ¼ lnð2  xÞ
5. An welchen Stellen betrgt der Stei-  
gungswinkel von f 45°? c) Tangente in P e j 2 , f ðxÞ ¼ lnðx2 Þ
a) f ðxÞ ¼ lnð3 xÞ d) Normale in Pð1j 0Þ, f ðxÞ ¼ x  ln x
b) f ðxÞ ¼ lnðx2 Þ

7. Welche Parallele n zur eingezeichne- y


n(x) = ?
ten Geraden g ist Normale an den Gra- 2
phen von f ðxÞ ¼ ln x?
g
Lsen Sie die Aufgabe zeichnerisch 1 f(x) = ln x
nherungsweise und rechnerisch exakt.
x
1

8. Die Graphen von f ðxÞ ¼ ln x und y g(x) = x


gðxÞ ¼ x schneiden aus der senkrech-
ten Geraden x ¼ z eine Strecke he-
1 f(x) = ln x
raus. Fr welchen Wert von z ist die
Lnge dieser Strecke minimal? Lsen
Sie die Aufgabe zeichnerisch nhe- 1 x
rungsweise und rechnerisch exakt. x=z

9. Gesucht ist der Inhalt der Flche A, die vom Graphen von f ðxÞ ¼ lnð4  xÞ und den beiden
Koordinatenachsen im 1. Quadranten umschlossen wird.
a) Verwenden Sie eine Stammfunktion F von f.
b) Verwenden Sie die Umkehrfunktion f 1 von f.

10. Gesucht ist der Inhalt der abgebilde- y x2


ten Flche A.
1 ln x
A

1 x
258 IX. Logarithmusfunktionen

5. Kurvendiskussionen
A. Kurvenuntersuchungen
Im Folgenden werden Funktionen untersucht, deren Funktionsgleichungen logarithmische
Terme enthalten. Dabei werden die Standarduntersuchungen (Definitionsmenge, Nullstellen,
Extrema, Wendepunkte, Graph) durchgefhrt und durch einige weitere Zusatzprobleme ergnzt.

c Beispiel: Betrachtet wird fðxÞ ¼ xln x: y x


..............................................

Skizzieren Sie die Graphen der Einzel-


terme x und ln x und entwickeln Sie hier- f(x) = x - ln x
aus den Graphen von f durch additive
berlagerung. ln x

Lsung: 1
Der Graph von f wird durch Differenzbil-
dung aus den beiden Graphen der Einzel-
terme gewonnen. Es entsteht der abgebil- 1 x
dete Graph, der außer einem Minimum
c keine weiteren Besonderheiten aufweist.

c Beispiel: Diskutieren Sie fðxÞ ¼ x  ln x (Definitionsmenge, Ableitungen, Nullstellen, Ex-


..................................................................................................

trema, Wendepunkte, Verhalten fr x ! 1, Verhalten fr x ! 0).

Lsung:
1. Definitionsmenge:
Der Term x ist fr x 2 R definiert, der Term ln x nur fr x > 0. Daher ist der Differenzterm
x  ln x ebenfalls nur fr x > 0 definiert: Df ¼ Rþ :

2. Ableitungen:
f 0 ðxÞ ¼ 1  1x , f 00 ðxÞ ¼ x12 , f 000 ðxÞ ¼  x23

3. Nullstellen:
f hat keine Nullstellen. Wir knnen die Gleichung x  ln x ¼ 0 nicht nach x auflsen und
mssen daher den Nachweis argumentativ fhren.
Fall 1: x  1: In diesem Bereich ist x > 0 und ln x  0, daher ist hier x  ln x > 0. Es gibt
also keine Nullstelle.
Fall 2: x  1: In diesem Bereich ist 1x  1 und damit f 0 ðxÞ ¼ 1  1x  0. f ist hier also mo-
noton steigend. Daher nimmt die Funktion ihren kleinsten Wert an der Stelle
x ¼ 1 an, nmlich fð1Þ ¼ 1. Also hat f auch fr x  1 keine Nullstelle.

4. Extrema:
Die Funktion besitzt ein Minimum an f 0 ðxÞ ¼ 0: 1  1x ¼ 0 , 1
x
¼1 , x¼1
der Stelle x ¼ 1. Es handelt sich um ei- y ¼ fð1Þ ¼ 1  ln 1 ¼ 1
. nen Tiefpunkt Tð1 j 1Þ. f 00 ð1Þ ¼ 1 > 0 ) Minimum
5. Die Ableitung von fðxÞ ¼ ln x
3. Kurvendiskussionen 259
....................................................

5. Verhalten fr x  ‘: 6. Verhalten fr x  0:


Wir prfen das Verhalten fr x ! 1 Hier verwenden wir ebenfalls eine
mithilfe einer Wertetabelle: Wertetabelle:
x 1 10 100 1000 !1 x 1 0,1 0,01 0,001 !0
f (x) 1 7,7 95,4 993,1 !1 f (x) 1 2,4 4,6 6,9 !1
0 0
f ðxÞ 0 0,9 0,99 0,999 !1 f ðxÞ 0 –9 – 99 – 999 !  1

Fr x!1 wachsen die Funktionswerte Fr x ! 0 streben die Funktionswerte


ebenfalls gegen 1, whrend die Stei- ebenfalls gegen 1, die Steigung f 0 da-
gung f 0 sich dem Wert 1 nhert. Der gegen strebt nach  1. Der Graph geht
Graph verluft also dann fast parallel zur also fast senkrecht rechts neben der
c Winkelhalbierenden des 1. Quadranten. y-Achse in die Hhe.

y
c Beispiel: Gegeben ist wieder die
........................................................

Funktion fðxÞ ¼ x  ln x. P
Wie lautet die Gleichung der Kurven-
normalen im Punkt Pðe j e  1Þ?

No
1

rm
f(x) = x - ln x

ale
Lsung:
Wir gehen von der allgemeinen Norma- 1 e x
lengleichung aus, die rechts dargestellt ist.
Dort setzen wir z ¼ e, fðzÞ ¼ fðeÞ ¼ e  1 nðxÞ ¼  f 01ðzÞ  ðx  zÞ þ fðzÞ
und f 0 ðzÞ ¼ f 0 ðeÞ ¼ 1  1e ¼ e e 1 ein.
nðxÞ ¼  e e 1  ðx  eÞ þ e  1
Mit dem Nherungswert e  2,72 erhalten
nðxÞ  1,58  ðx  2,72Þ þ 1,72
wir nðxÞ  1,58 x þ 6,02 als Normalen-
c gleichung. nðxÞ  1,58  x þ 6,02

y f(x) = x- ln x
c Beispiel: Gegeben sind fðxÞ ¼ x  ln x
............................................................

sowie gðxÞ ¼ ln x. Die Graphen von f


und g schneiden aus der senkrechten Ge-
raden x ¼ z eine Strecke heraus.
Fr welchen Wert von z ist die Lnge 1 g(x) = ln x
dieser Strecke am kleinsten?

1 x=z x
Lsung:
Die Lnge dieser Strecke ist die Differenz
der Funktionswerte von f und g an der Stel- lðzÞ ¼ fðzÞ  gðzÞ ¼ z  2  ln z
le x ¼ z, also lðzÞ ¼ z  2  ln z. l0 ðzÞ ¼ 1  2z ¼0
Gesucht ist das relative Minimum dieser z¼2
Funktion. Die Extremalberechnung zeigt,
dass es bei z ¼ 2 liegt. Die minimale Stre-
c ckenlnge betrgt dann lMIN  0,61: lMIN ¼ lð2Þ ¼ 2  2  ln 2  0,61
260 IX. Logarithmusfunktionen

c Beispiel: Gegeben ist die Funktion fðxÞ ¼ ln x þ ln ð4  xÞ.


..................................................................................................................................................................................................

Bestimmen Sie die Definitionsmenge von f. Untersuchen Sie f auf Nullstellen, Ableitungen,
Extrema und Wendepunkte. Wie verhlt sich f an den Rndern der Definitionsmenge?
Skizzieren Sie den Graphen von f.

Lsung:
1. Definitionsmenge:
Der Term ln x ist fr x > 0 definiert, der Term ln ð4  xÞ genau dann, wenn 4  x > 0 gilt, also
fr x < 4. Daher ist der Summenterm ln x þ ln ð4  xÞ nur dann definiert, wenn beide Be-
dingungen zugleich gelten, also fr 0 < x < 4.

2. Nullstellen: Nullstellen:
Die Berechnung der Nullstellen gestal- fðxÞ ¼ 0
tet sich relativ kompliziert. Bei den ln x þ ln ð4  xÞ ¼ 0
rechts dargestellten Umformungen be- ln x ¼  lnð4  xÞ
ntigen wir an einer Stelle die Bezie-
ln x ¼ ln 4 1 x ðda ln 1z ¼  ln zÞ
1
hung ln ¼ ln 1  ln z ¼  ln z, um
z x ¼ 4 1 x
weiter zu kommen.
x2  4 x þ 1 ¼ 0 pffiffiffi
Es ergeben sich zwei Nullstellen bei
x  0,27 und x  3,73. x¼2 3
x  0,27, x  3,73
3. Ableitungen: Ableitungen:
Bei der Berechnung der Ableitungen f 0 ðxÞ ¼ 1x  4 1 x
bentigen wir fr das Differenzieren
des Terms ln ð4  xÞ die Kettenregel: f 00 ðxÞ ¼  x12  1
ð4  xÞ2
ðln ð4  xÞÞ 0 ¼ 4 1 x  ð1Þ:

4. Extrema: Extrema:
Die erste Ableitung hat nach nebenste- f 0 ðxÞ ¼ 1x  4 1 x ¼0 j  x  ð4  xÞ
hender Rechnung eine Nullstelle bei
x ¼ 2. Hier liegt wegen f 00 ð2Þ < 0 ein ð4  xÞ  x ¼0
Maximum: Hochpunkt Hð2 j 1,39Þ. 4  2x ¼0
x ¼ 2, y ¼ 2  ln 2  1,39
5. Wendepunkte: f 00 ð2Þ ¼  12 < 0 ) Maximum
Es gibt keine Wendepunkte, da die
zweite Ableitung stets negativ ist.
y
H
6. Verhalten fr x À 0 bzw. x À 4:
1
x 1 0,1 0,01 0,001 !0

f (x) 1,1 – 0,94 – 3,22 – 5,52 !  1 1 2 3 4 x

-1
f(x) = ln x+ ln (4-x)
x 3 3,9 3,99 3,999 !4
-2
f (x) 1,1 – 0,94 – 3,22 – 5,52 !  1
c
5. Die Ableitung von fðxÞ ¼ ln x
3. Kurvendiskussionen 261

bungen

1. Gegeben ist die Funktion fðxÞ ¼ x2  ln x.


a) Skizzieren Sie die Graphen der Einzelterme x2 und ln x. Fertigen Sie anschließend eine
Skizze des Graphen von f an, indem Sie die Einzelterme subtraktiv berlagern.
b) Errechnen Sie den Tiefpunkt des Graphen von f.
c) Begrnden Sie anhand der Ergebnisse aus b), dass f keine Nullstellen besitzt.
d) Wie verhlt sich die Funktion fr x ! 0?
e) Bestimmen Sie die Gleichung der Tangente an den Graphen von f im Punkt Pð1 j 1Þ.
f) Bestimmen Sie eine Stammfunktion von f.
g) Gesucht ist der Inhalt der Flche A, die vom Graphen von f, der Parabel gðxÞ ¼ x2 , der
senkrechten Geraden x ¼ e und der x-Achse im ersten Quadranten eingeschlossen wird.
Fertigen Sie zunchst eine Skizze an.

2. Gegeben ist die Funktion fðxÞ ¼ ln x  ln ð6  xÞ:


a) Bestimmen Sie die Definitionsmenge von f. Wie verhlt sich die Funktion an den Rn-
dern der Definitionsmenge?
b) Errechnen Sie die Ableitungen f 0 und f 00 :
c) Wo liegt die Nullstelle von f ?
d) Zeigen Sie, dass f keine Extremalstellen besitzt.
e) Untersuchen Sie f auf Wendepunkte. Die dritte Ableitung von f hat die Funktionsglei-
chung f 000 ðxÞ ¼ x23 þ 2 3 , die zur Untersuchung verwendet werden kann.
ð6  xÞ
f) Skizzieren Sie den Graphen von f.
g) Stellen Sie die Gleichung der Wendetangente t auf.
h) Wo schneidet der Graph von f die horizontale Gerade gðxÞ ¼ 1?
i) Bestimmen Sie eine Stammfunktion von f.
j) Berechnen Sie den Inhalt der Flche A zwischen dem Graphen von f, der horizontalen
Geraden gðxÞ ¼ 1 und den beiden Koordinatenachsen.
Verwenden Sie die Ergebnisse aus c), h) und i).

Knobelaufgabe

Aus dem Buch „Vollstndige Anleitung zur Algebra“, das 1770 von
Leonard Euler herausgegeben wurde und mehr als 100 Jahre lang zu
den beliebtesten und meist gelesenen Lehrbchern gehrte, stammt die
Problemstellung zu folgender Aufgabe:
Ich habe einige (nicht unbedingt ganzzahlige) Ellen Tuch gekauft und
dabei fr je 5 Ellen 7 Taler bezahlt. Dann habe ich das gesamte Tuch
wieder verkauft, wobei ich fr je 7 Ellen 11 Taler bekam. Bei diesem
Handel habe ich 100 Taler gewonnen.
Wie viele Ellen Tuches habe ich gekauft und anschließend wieder ver-
kauft?
(Mathematik-Olympiade, Aufgabe 430722)
262 IX. Logarithmusfunktionen

c Beispiel: Gegeben sei fðxÞ ¼ x  ln x, x > 0: Fhren Sie eine Kurvendiskussion von f durch.
.....................................................................................................................................................................

Lsung:
1. Ableitungen: Ableitungen:
Unter Verwendung der Produktregel f 0 ðxÞ ¼ 1  ln x þ x  1x ¼ ln x þ 1
bestimmen wir f 0 und f 00 . f 00 ðxÞ ¼ 1x

2. Nullstellen: Nullstellen:
Wegen x > 0 kann der Faktor x des fðxÞ ¼ 0
Funktionsterms nicht null werden, son- x  ln x ¼ 0 j : x, da x > 0:
dern nur der Faktor ln x. ln x ¼ 0
Dies fhrt zur einzigen Nullstelle x ¼ 1. x¼1

3. Extrema: Extrema:
Die nebenstehende Extremalberech- f 0 ðxÞ ¼ 0
nung liefert ein relatives Minimum bei ln x þ 1 ¼ 0
x ¼ e1 . Es handelt sich um einen Tief- ln x ¼ 1
punkt Tðe1 j  e1 ÞTð0,37 j  0,37Þ: x ¼ e1  0,37, y   0,37
f 00 ðe1 Þ ¼ e > 0 ) Minimum

4. Wendepunkte: Wendepunkte:
Es gibt keine Wendepunkte, da der f 00 ðxÞ ¼ 1x > 0 ) keine Wendepunkte
Graph von f wegen f 00 ðxÞ > 0 bestndig
mit Linkskrmmung verluft.

5. Verhalten fr x  ‘: 7. Graph:


x 1 10 100 1000 !1 y
f (x) 0 23 461 6908 !1
f 0 ðxÞ 1 3,3 5,6 7,9 f(x) = x · ln x
1

6. Verhalten fr x  0:
x 1 0,1 0,01 0,001 ! 0
fðxÞ 0 – 0,23 – 0,046 – 0,0069 ! 0
1 2 x
f 0 ðxÞ 1 – 1,3 – 3,6 – 5,9 ! 1
T
Der Funktionsgraph verluft also in der
c Nhe des Ursprungs nahezu senkrecht.

bung 3
Fhren Sie eine Kurvendiskussion von f durch.
aÞ fðxÞ ¼ x2  ln x, x > 0 bÞ fðxÞ ¼ x  lnðx2 Þ, x 6¼ 0
5. Die Ableitung von fðxÞ ¼ ln x
3. Kurvendiskussionen 263

bungen

4. Gegeben sei fðxÞ ¼ x2 ðln x1Þ, x > 0. y


Mithilfe eines Funktionsplotters wur-
de der abgebildete Graph von f erstellt.
f(x) = x2 · [ ln (x) -1]
Folgende Fragen bleiben offen:
a) die exakte Lage der Nullstelle, des 1
Tiefpunktes, des Wendepunktes,
b) das Steigungsverhalten von f bei
der rechtsseitigen Annherung an 1 2 3 x
die Stelle x ¼ 0.
Versuchen Sie, die Fragen zu klren.

5. Gegeben sei wieder fðxÞ ¼ x2  ðln x  1Þ, x > 0:


a) Wie lautet die Gleichung der Wendetangente?
b) Welche Steigung liegt in der Nullstelle vor, wie groß ist der Steigungswinkel?
c) Bestimmen Sie eine Stammfunktion von f.
d) Berechnen Sie den Inhalt der Flche A, die vom Graphen von f, der x-Achse und den
senkrechten Geraden x ¼ 1 und x ¼ e im 4. Quadranten eingeschlossen wird.

6. Gegeben sei die Funktion y


fðxÞ ¼ 2 x  ln x, 0 < x  1 P
deren Graph rechts abgebildet ist.
Wie muss der Punkt P des Graphen f(x) = -2x · ln x
von f gewhlt werden, damit der In-
halt des abgebildeten Dreiecks maxi-
mal wird?
1 x

7. Die Funktion fðxÞ ¼  y


 x  ln x, x > 0,
1 1 1
hat einen Hochpunkt H e e .
Durch den Ursprung O und den Punkt H
wird eine Sehne g gelegt. Die Graphen
von f und g schneiden aus der senkrech-
H
ten Geraden x ¼ z ð0 < z  1eÞ eine
Strecke heraus. f(x) = -x · ln x
Fr welchen Wert von z ist die Stre-
ckenlnge maximal?
O 1 x
z
264 IX. Logarithmusfunktionen

c Beispiel: Diskutieren Sie die Funktion fðxÞ ¼ 5  lnxx , x > 0.


.......................................................................................................................................................

Lsung:
1. Ableitungen: Ableitungen:
Wir knnen die Ableitung mithilfe der fðxÞ ¼ 5  lnxx ¼ 5x  ln x
Quotientenregel oder nach Umfor-  
mung des Funktionsterms in ein Pro- f 0 ðxÞ ¼  x52  ln x þ 5x  1x ¼ x52 ð1  ln xÞ
dukt mithilfe der Produktregel be-
rechnen. Die zweite Vorgehensweise f 00 ðxÞ ¼ x53 ð2 ln x  3Þ
ist rechts dargestellt. f 000 ðxÞ ¼ x54 ð11  6 ln xÞ
Analog berechnen wir f 00 und f 000 .

2. Nullstellen: Nullstellen, Extrema, Wendepunkte:


Nullstelle: Nð1 j 0Þ fðxÞ ¼ 0 , 5  lnxx ¼ 0
, ln x ¼ 0 ,x¼1
f 0 ðxÞ ¼ 0 , x52 ð1  ln xÞ ¼ 0
3. Extrema:   , 1  ln x ¼ 0 ,x¼e

Hochpunkt: H e 5e  Hð2,72 j 1,84Þ
y ¼ fðeÞ ¼ 5e
f 00 ðeÞ ¼  e53 < 0 ) Maximum
00
4. Wendepunkte: f ðxÞ ¼ 0 , 2 ln x  3 ¼ 0 , x ¼ e3=2
Wðe3=2 j 7,5 e3=2 Þ  Wð4,48 j 1,67Þ y ¼ fðe3=2 Þ ¼ 7,5 e3=2
f 000 ðe3=2 Þ ¼ 10 e 6 > 0 ) R-1-WP

5. Verhalten fr x  ‘ und x  0: 6. Graph:


y h g
x 1 10 100 1000 !1
W
fðxÞ 0 1,151 0,230 0,034 !0 f
H
1
f 0 ðxÞ 5 – 0,07 – 0,002 – 0,00003 ! 0
N
x 1 0,1 0,01 0,001 !0 1 x

f(x) 0 – 115 – 2303 – 34 539 !  1


0 5
f ðxÞ 5 1651 2,8  10 3,95  107 ! 1
c

bung 8
Gegeben sei wieder die Funktion fðxÞ ¼ 5  lnxx , x > 0, aus dem obigen Beispiel.
a) Bestimmen Sie eine Stammfunktion von f.
b) Berechnen Sie den Inhalt der Flche A zwischen dem Graphen von f und der Geraden g durch
die Nullstelle und den Hochpunkt von f.
c) Eine Ursprungsgerade h berhrt den Graphen von f im Punkt Pðz j fðzÞÞ. Berechnen Sie die
Abszisse z des Berhrpunktes.
5. Die Ableitung von fðxÞ ¼ ln x
3. Kurvendiskussionen 265

bungen

9. Gegeben ist die Funktion fðxÞ ¼ 2  ln ðx  1Þ  x þ 2.


a) Wie lautet die Definitionsmenge von f ?
b) Bestimmen Sie die Ableitungen f 0 und f 00 .
c) Weisen Sie nach, dass bei x ¼ 2 eine Nullstelle von f liegt.
Zeigen Sie, dass zwischen x ¼ 4,4 und x ¼ 4,6 eine weitere Nullstelle liegt.
d) Untersuchen Sie die Funktion f auf Extrema.
e) Untersuchen Sie das Verhalten von f fr x ! 1 und x ! 1.
f) Skizzieren Sie den Graphen von f fr 1 < x  7.
g) Wo schneidet die Tangente an den Graphen von f an der Stelle x ¼ 2 die y-Achse?
pffiffiffi
10. Gegeben sei die Funktion fðxÞ ¼ 2 x  ln x , x > 0.
a) Bestimmen Sie f 0 und f 00 .
b) Untersuchen Sie f auf Nullstellen, Extrema und Wendepunkte.
c) Untersuchen Sie, wie sich fðxÞ und f 0 ðxÞ verhalten, wenn x gegen 0 strebt.
d) Skizzieren Sie den Graphen von f fr 0 < x  3.
e) Bestimmen Sie eine Stammfunktion von f.
f) Bestimmen Sie den Inhalt der Flche A, die im 4. Quadranten von dem Graphen von f,
der x-Achse und der senkrechten Geraden durch den Tiefpunkt von f umschlossen wird.
g) In welchem Punkt P hat der Graph von f eine Tangente, die parallel zur Winkelhalbie-
renden des 1. Quadranten ist? In welchem Punkt Q ist die Kurventangente parallel zur
Winkelhalbierenden des 4. Quadranten?
h) Wo schneiden sich die beiden Tangenten aus g)?
11. Gegeben sei die Funktion fðxÞ ¼ x  ðln ðx2 Þ  2Þ.
a) Wie lautet die Definitionsmenge von f ?
b) Begrnden Sie, weshalb x ¼ 0 keine Nullstelle von f ist, obwohl fr x ¼ 0 ein Faktor des
Funktionsterms null wird.
c) Bestimmen Sie die Nullstellen von f.
d) Untersuchen Sie f auf Extrema und Wendepunkte.
e) Skizzieren Sie den Graphen von f fr  4  x  4.
f) Wo schneidet die Gerade gðxÞ ¼  2 x den Graphen von f ?
g) Die vertikale Gerade x ¼ z mit 0 < z  1 schneidet den Graphen von f im Punkt A und
den Graphen von g im Punkt B. Wie muss z gewhlt werden, damit die Lnge der Strecke
AB mglichst groß wird?
h) Bestimmen Sie eine Stammfunktion von f.
i) Der Graph von f schließt mit den Koordinatenachsen im 4. Quadranten ein Flchenstck
ein. Berechnen Sie dessen Inhalt.

Knobelaufgabe

Ein Hase und ein Spanferkel wiegen zusammen 20 Pfund. Hasen kosten pro
Pfund 20 Cent weniger als Ferkel. Der Hase soll 8 Euro und 20 Cent
kosten, fr das Ferkel will der Bauer 27 Euro und 60 Cent haben.
Berechnen Sie das Gewicht des Hasens und des Spanferkels.
266 IX. Logarithmusfunktionen

B. Kurvenscharen

Im Folgenden werden logarithmisch dominierte Scharkurven untersucht. Dabei werden die


Standardelemente der Kurvendiskussion verkrzt dargestellt zu Gunsten von scharbezogenen
Problemstellungen wie z.B. Ortskurven.

c Beispiel: Diskutieren Sie die Kurvenschar fa ðxÞ ¼ ln x þ xa fr a  1 und x > 0.


............................................................................................................................................

Skizzieren Sie die Graphen f1 , f2 und f3 , und bestimmen Sie die Ortskurve der Extrema.

Lsung:
1. Ableitungen: 4. Nullstellen:
Die Nullstellenuntersuchung findet
fa ðxÞ ¼ ln x þ xa
erst hier statt, weil die direkte Aufl-
fa0 ðxÞ ¼ 1x  xa2 sung der Nullstellengleichung nicht
mglich ist, sondern die Extremwerte
fa00 ðxÞ ¼  x12 þ 2x3a zur Argumentation genutzt werden
knnen. Da die Ordinate ln a þ 1 des
fa000 ðxÞ ¼ x23  6x4a Tiefpunktes wegen a  1 stets grßer
oder gleich 1 ist, gilt dies auch fr alle
2. Extrema: anderen Funktionswerte: fðxÞ  1 fr
alle x > 0. Daher hat die Funktion
fa0 ðxÞ ¼ 1x  xa2 ¼ 0 keine Nullstellen.
xa¼0 5. Ortskurve der Tiefpunkte:
x¼a Tiefpunktordinate: y ¼ ln a þ 1 ð1Þ
y ¼ fðaÞ ¼ ln a þ 1 Tiefpunktabszisse: x ¼ a ð2Þ
Einsetzen von (2) in (1):
fa00 ðaÞ ¼ a12 > 0 ) Minimum Ortskurve: y ¼ ln x þ 1
y
Tiefpunkt Tða j ln a þ 1Þ

f3
3. Wendepunkte:
f2
fa00 ðaÞ ¼  x12 þ 2x3a ¼ 0
1 f1
x þ 2a ¼ 0
x ¼ 2a
y ¼ fð2 aÞ ¼ lnð2 aÞ þ 12 1 x
fa000 ð2 aÞ ¼  81a3
< 0 ) L-r-WP Ortskurve der
  Tiefpunkte

c Wendepunkt W 2 a lnð2 aÞ þ 12 266-1

bung 12
Betrachtet wird die Schar fa ðxÞ ¼ ln x þ xa aus dem obigen Beispiel.
a) Welche Scharfunktion besitzt einen Wendepunkt, der auf der Geraden gðxÞ ¼ 2 liegt?
b) Wie lautet die Gleichung der Ortskurve der Wendepunkte der Schar?
c) Diskutieren Sie die Schar fa ðxÞ ¼ ln x þ xa fr 0 < a  1 bzw. fr a < 0.
5. Die Ableitung von fðxÞ ¼ ln x
3. Kurvendiskussionen 267

c Beispiel: Gegeben sei die Kurvenschar fa ðxÞ ¼ a x  ln x fr a > 0 und x > 0.
........................................................................................................................................................................

Untersuchen Sie die Schar auf Extrema und Wendepunkte. Untersuchen Sie das Verhalten
von fa fr x ! 0 und x ! 1. Skizzieren Sie die Graphen von f1=2 , f1=3 , f1 und f3 .

Lsung:
1. Ableitungen: Ableitungen:
Wir berechnen zunchst die Ablei- fa0 ðxÞ ¼ a  1x
tungsfunktionen. fa00 ðxÞ ¼ x12

2. Extrema: Extrema:
Die notwendige Bedingung fr Extre- fa0 ðxÞ ¼ 0
ma fa0 ðxÞ ¼ 0 ist fr die Stelle x ¼ 1a a  1x ¼ 0
erfllt. Der dazugehrige Funktions-
wert ist 1 þ ln a. x ¼ 1a

Die berprfung der Stelle x ¼ 1a mit- y ¼ f 1a ¼ 1  ln 1a ¼ 1 þ ln a
tels fa00 ergibt dort eine 
Linkskrmmung,
 
fa00 1a ¼ a2 > 0 ) Mininum
d. h. ein Minimum: T 1a 1 þ ln a .
 

Tiefpunkt T 1a 1 þ ln a

3. Wendepunkte: Wendepunkte:
Es gibt keine Wendepunkte, da die not- fa00 ðxÞ ¼ x12 > 0 fr alle x > 0
wendige Bedingung fa00 ðxÞ ¼ 0 fr
) keine Wendestellen
keine Stelle x erfllt ist.

4. Verhalten fr x  0 und x  ‘: 5. Graphen:


Fr x ! 0 strebt der Teilterm ða xÞ ge-
y
gen 0 und der Teilterm ln x gegen  1. f3
Der Funktionsterm fa ðxÞ ¼ a x  ln x
strebt daher gegen 0  ð 1Þ ¼ 1.
f1
lim fa ðxÞ ¼ 1
x!0
Fr x ! 1 strebt der Teilterm ða xÞ ge-
gen 1: Der Teilterm ln x strebt eben-
falls gegen 1, allerdings aufgrund des
extrem schwachen Wachstums des Lo- f1/2
garithmus sehr langsam. 1
Die Differenz a x  ln x strebt daher f1/3
auch gegen 1, was Tests besttigen. x
1
c lim fa ðxÞ ¼ 1
x!1

bung 13
Gegeben ist die Schar fa ðxÞ ¼ a x  ln x fr a > 0 und x > 0.
a) Welche Funktion der Schar besitzt ein Extremum mit der Ordinate y ¼ 2?
b) Wie lautet die Gleichung der Ortskurve der Extrema dieser Schar?
268 IX. Logarithmusfunktionen

bungen

14. Gegeben ist die Kurvenschar fa ðxÞ ¼ x  ða  ln xÞ, a > 0 und x > 0.
a) Bestimmen Sie die Ableitungen fa0 und fa00 .
b) Untersuchen Sie fa auf Nullstellen.
c) Bestimmen Sie den Extremalpunkt von fa . Zeigen Sie, dass fa keine Wendepunkte be-
sitzt.
d) Untersuchen Sie, wie sich die Funktion f1 fr x ! 1 bzw. fr x ! 0 verhlt.
e) Skizzieren Sie die Graphen von f1 und f2 fr 0 < x  8.
f) Bestimmen Sie eine Stammfunktion von fa.
g) Berechnen Sie den Inhalt der Flche, die im 1. Quadranten vom Graphen von f1 , der
x-Achse und der senkrechten Geraden durch den Hochpunkt von f1 umschlossen wird.
h) Geben Sie den Inhalt der Flche, die im 1. Quadranten vom Graphen von fa und den
Koordinatenachsen begrenzt wird, in Abhngigkeit von a an.

15. Gegeben ist die Kurvenschar fa ðxÞ ¼ a2  x2  a  ln x, a > 0 und x > 0.


a) Bestimmen Sie die Ableitungen fa0 und fa00 .
b) Untersuchen Sie fa auf Extrema und Wendepunkte.
c) Skizzieren Sie die Graphen von f1 und f2 .
d) Zeigen Sie, dass der Graph von f1 keine Nullstellen hat. Argumentieren Sie mit den
bisher erhaltenen Vorergebnissen.
e) Fr welchen Wert von a liegt der Extremalpunkt von fa auf der x-Achse?

16. Gegeben ist die Kurvenschar fa ðxÞ ¼ x2  a  ln x, a > 0 und x > 0.


a) Bestimmen Sie die Ableitungen fa0 und fa00 .
b) Zeigen Sie, dass fa Extremalpunkte, aber keine Wendepunkte besitzt.
c) Skizzieren Sie die Graphen von f1 und f3 .
d) Fr welchen Wert von a liegt der Tiefpunkt von fa auf der x-Achse?
e) Untersuchen Sie aufgrund des Ergebnisses von d) die Anzahl der Nullstellen von fa in
Abhngigkeit von a.
f) Bestimmen Sie eine Stammfunktion von fa.
g) Untersuchen Sie die Kurvenschar fa ðxÞ ¼ x2  a  ln x fr a < 0.
Wie ndert sich das Erscheinungsbild der Schar (Skizze) fr nunmehr negative Parame-
terwerte a?

17. Gegeben ist die Kurvenschar fa ðxÞ ¼ ðlnða xÞÞ2  a, a > 0 und x > 0.
a) Bestimmen Sie die Ableitungen fa0 und fa00 .
b) Untersuchen Sie fa auf Nullstellen und Extrema.
c) Zeigen Sie, dass alle Funktionen der Schar fa bei x ¼ ea eine Wendestelle besitzen.
d) Skizzieren Sie die Graphen von f1 und f2 .
e) Wie verhlt sich der Graph von fa fr x ! 1 bzw. x ! 0 ?
f) Fr welchen Wert von a schneidet die Wendetangente die y-Achse im Punkt Pð0 j  4Þ?
g) Bestimmen Sie die Gleichung der Ortskurve der Extremalpunkte von fa .
h) Bestimmen Sie die Gleichung der Ortskurve der Wendepunkte von fa .
i) Bestimmen Sie eine Stammfunktion von fa.
IX. Logarithmusfunktion 269

berblick
Ableitung von Umkehr- f sei eine umkehrbare, an der Stelle x differenzierbare Funktion
funktionen: mit f 0 ðxÞ 6¼ 0. Dann gelten die so genannten Umkehrformeln:

1. Fassung 2. Fassung
f 0 ðxÞ ¼ 1
ðf 1 Þ0 ðxÞ ¼ f 0 ðf 11 ðxÞÞ
ðf 1 Þ0 ðfðxÞÞ

Die Ableitung einer Funkti- Die Ableitung einer Umkehr-


on an der Stelle x ist gleich funktion an der Stelle x ist
dem Kehrwert der Ablei- gleich dem Kehrwert der Ab-
tung ihrer Umkehrfunktion leitung der Funktion an der
an der Stelle f(x). Stelle f 1 ðxÞ.

y
Die natrliche Loga- fðxÞ ¼ ln x f(x) = ln x
rithmusfunktion: 1

D ¼ Rþ , W ¼ R, x
1
streng monoton steigend,
ln e ¼ 1, ln 1 ¼ 0

Logarithmengesetze: ln ða  bÞ ¼ ln a þ ln b
ln ba ¼ ln a  ln b
ln ðab Þ ¼ b  ln a
ln ðex Þ ¼ x
eln x ¼x

Ableitungsregeln: ðln xÞ0 ¼ 1x ðx > 0Þ


0
ðln ðaxÞÞ ¼ 1x ðx > 0, a 2 R, a > 0Þ

ð
1
Logarithmische Inte- x
dx ¼ ln j x j þ C ðx 6¼ 0Þ
gration
ðFr eine differenzierbare Funktion, die nicht null wird, gilt:
f 0 ðxÞ
fðxÞ
dx ¼ ln j fðxÞ j þ C
270 IX. Logarithmusfunktionen

Test
Logarithmusfunktionen
1. Bestimmen Sie die Definitionsmenge von f.
aÞ fðxÞ ¼ lnðx  5Þ bÞ fðxÞ ¼ lnðx2  4Þ cÞ fðxÞ ¼ ln 24 þ
x
x

2. Bestimmen Sie die Ableitungsfunktion f 0 .


aÞ fðxÞ ¼ 0,5  ln ðx2 þ 1Þ bÞ fðxÞ ¼ x2  ln ð2 xÞ cÞ fðxÞ ¼ lnx2x

3. Bestimmen Sie eine Stammfunktion von f.


2x
aÞ fðxÞ ¼ x3  ln ð4 xÞ bÞ fðxÞ ¼ 1
cÞ fðxÞ ¼ 4ee2 x þþx2
x  ðln xÞ3

4. Lsen Sie die Gleichung ln ðe x þ 2 eÞ ¼ 1 þ ln ðx2 Þ.

5. Gesucht ist der Inhalt des abgebil- y f(x) = x2 + 1


deten Flchenstckes A.
2
g(x) = x

0 e x

6. Gegeben ist die Funktion fðxÞ ¼ x  ð2  ln xÞ, x > 0.


a) Bestimmen Sie die Ableitungsfunktionen f 0 und f 00 .
b) Untersuchen Sie f auf Nullstellen, Extrema und Wendepunkte.
c) Skizzieren Sie den Graphen von f fr 0 < x  8.
d) Untersuchen Sie das Verhalten der Funktionswerte fðxÞ und der Ableitungswerte f 0 ðxÞ,
wenn x gegen null strebt.
e) Wie lautet die Gleichung der Tangente an den Graphen von f in dessen Nullstelle?
f) Bestimmen Sie eine Stammfunktion von f.
g) Berechnen Sie den Inhalt der Flche A, die im 1. Quadranten von dem Graphen von f,
der x-Achse und der senkrechten Geraden durch den Hochpunkt von f begrenzt wird.
h) Die Gerade gðxÞ ¼ 14 x teilt die Flche A aus g) in zwei Teile A1 und A2 .
A1 liegt oberhalb und A2 unterhalb der Geraden g.
Welche Teilflche hat den grßeren Flcheninhalt?

Lsungen unter 270-1


X. Weiterführung
der Integralrechnung
Ebenso wie die Flächeninhaltsberechnung kann auch die Volumen-
berechnung von Körpern, die analytisch durch Funktionen be-
schrieben werden können, mithilfe der Integralrechnung erfolgen.
Ein besonders einfaches Verfahren ergibt sich für Rotationskörper.
Durch die Einführung sogenannter uneigentlicher Integrale kann
nunmehr auch für bestimmte unbegrenzte Flächen ein Inhalt
definiert und berechnet werden.
Häufig gelingt es nicht, zu einer gegebenen Funktion eine Stamm-
funktion zu finden. In solchen Fällen half bei der Berechnung
bestimmter Integrale bisher nur eine Näherungsrechnung über
Ober- bzw. Untersummen, die häufig erst bei großer Streifenzahl
brauchbare Ergebnisse liefern. Im letzten Abschnitt dieses Kapitels
werden effektive Quadraturverfahren entwickelt.

x
272 X. Weiterfhrung der Integralrechnung

1. Das Volumen von Rotationskrpern


A. Die Rotationsformel
Flaschen, Vasen, Scheinwerfer und Ku- y f
geln sind rotationssymmetrische Krper,
deren Form durch Rotation einer Randkur-
ve um eine Achse erzeugt werden kann. x
Mit der Integralrechnung kann das Volu-
men solcher Krper rechnerisch bestimmt a b
werden.
Die Grundidee stammt von Archimedes. Analog zur Einschachtelung von Flchen durch archi-
medische Rechteckstreifen kann ein Rotationsvolumen durch Zylinderscheiben eingeschachtelt
werden. Die folgende Gegenberstellung fhrt so zur Rotationsformel.

y y x

f f

a = x0 x1 x2 x3 xn= b x x
x

Die Flche A unter dem Graphen von f Das Volumen V des durch Rotation des
ber dem Intervall [a ; b] wird nach Archi- Graphen von f um die x-Achse ber dem
medes durch eine Treppenflche aus n Intervall ½a ; b entstehenden Krpers wird
rechteckigen Streifen approximiert. durch einen Treppenkrper aus n zylind-
rischen Scheiben approximiert.
Der Inhalt dieser Treppenflche ist eine Das Volumen dieses Treppenkrpers ist
Produktsumme der Gestalt eine Produktsumme der Gestalt
X X
f ðxi Þ  D x; p  f 2 ðxi Þ  D x;

denn das Rechteck Nr. i besitzt den Inhalt denn die Scheibe Nr. i besitzt das Volu-
f ðxi Þ  D x. men p  f 2 ðxi Þ  D x.
Lsst man die Anzahl n der Rechteckstrei- Lsst man die Anzahl n der Scheiben ge-
fen gegen unendlich und ihre Breiten D x gen unendlich und ihre Hhe D x gegen
gegen null streben, so strebt die Produkt- null streben, so strebt die Produktsumme
summe gegen das bestimmte Integral von gegen das bestimmte Integral von p  f 2 ðxÞ
f ðxÞ in den Grenzen von a bis b. in den Grenzen von a bis b.
Daher gilt fr den Flcheninhalt A: Daher gilt fr das Rotationsvolumen V:
ðb ðb2
A ¼ f ðxÞ dx: V ¼ p  fðxÞ dx:
a a
1. Das Volumen von Rotationskrpern 273

Wir erhalten als Resultat folgende Formel zur Berechnung des Volumens von Rotationskrpern.
Auf den Beweis verzichten wir.

Die Rotationsformel

f sei eine ber dem Intervall [a ; b] differenzierbare und nicht negative Funktion. Rotiert der
Graph von f ber dem Intervall [a ; b] um die x-Achse, so entsteht ein Rotationskrper mit dem
Volumen
ðb 2
V ¼ p  fðxÞ dx:
a

273-1

B. Grundlegende Beispiele
Mit dieser Formel kann man fr konkrete Randfunktionen f Rotationsvolumina ebenso leicht
wie ansonsten Flcheninhalte berechnen. Man kann darber hinaus die uns schon bekannten
Volumenformeln fr Zylinder, Kegel und Kugel theoretisch herleiten. Wir rechnen im Folgen-
den einige Beispiele hierzu.

y
c Beispiel: Berechnen Sie das Volumen
....................................................

V desjenigen Krpers, der durch Rota- f


tion des Graphen von f ðxÞ ¼ 12 x2 ber
dem Intervall I ¼ ½0 ; 1 um die x-Achse 1 x
entsteht.

Lsung:
Es entsteht ein Rotationskrper, der die
ðb
2 ð 1
2
Gestalt eines Spitzhutes hat.
V ¼ p  fðxÞ dx ¼ p  12 x2 dx
Sein Volumen betrgt nach nebenstehend a 0
p
aufgefhrter Rechnung V ¼ 20  0,16 Vo- ð1 h i1
1 4 1 5
c lumeneinheiten (VE). ¼p 4
x dx ¼ p  20 x
0
0
p
¼ 20  0,16 VE

bung 1
x

Ein Behlter zur Herstellung von Eis hat 30 cm


20 cm

ein parabelfrmiges Profil mit den ange-


gebenen Maßen. Stellen Sie zunchst die
Gleichung der Profilkurve auf.
pffiffiffi Verwen- Poly Freeze
y

den Sie den Ansatz fðxÞ ¼ a  x. Errech-


nen Sie sodann das Fassungsvermgen des
Behlters.
274 X. Weiterfhrung der Integralrechnung

y
Beispiel: Ein Parabolscheinwerfer f
c
pffiffiffi hat
......................................

das Randkurvenprofil f ðxÞ ¼ 32


x. Der
Scheinwerfer ist 4 cm lang. 1
Wie groß ist sein Luftvolumen?
4 x
Lsung:
Das Rotationsvolumen berechnet sich fol-
gendermaßen:
ðb ð4 ð4
2 3
pffiffiffi2 9
h i4
9 2
c V ¼ p  fðxÞ dx ¼ p 
2
x dx ¼ p  4
x dx ¼ p  8
x ¼ p  18  56,55 cm3 .
0
a 0 0

Auch allgemeingltige Volumenformeln lassen sich mit der Rotationsmethode einfach gewin-
nen, wie das folgende Beispiel des Kreiskegels zeigt.

y
c Beispiel: Die Formel fr das Volumen
r
.............................................................................

eines geraden Kreiskegels mit dem Ra-


dius r und der Hhe h soll durch Anwen-
den der Volumenformel fr Rotations-
krper hergeleitet werden. x
h

Lsung:
Wir legen einen Querschnitt des Kegels
wie abgebildet in ein Koordinatensystem.
Die Randkurve f ist dann eine Ursprungs- ðb 2 ðh 2
gerade zu f ðxÞ ¼ m  x, wobei fr deren V ¼ p  fðxÞ dx ¼ p  hr x dx
Steigung gilt: m ¼ hr . a 0

ðh h ih
Also gilt: f ðxÞ ¼ hr  x. r2 2 r2 1 3
¼ p h2
x dx ¼ p   x
h2 3 0
Als zugehriges Rotationsvolumen ergibt 0
sich laut nebenstehender Rechnung die 2
¼ p  hr 2  13 h3 ¼ p3 r2 h
klassische Formel fr das Kegelvolumen:
c V ¼ p3 r2 h.

bung 2 bung 3 y
Gesucht ist das Volumen Leiten Sie die klassische r
des Krpers, welcher durch Formel fr das Volumen
Rotation der Randkurve des geraden Kreiszylin-
h x
f ðxÞ ¼ x2 þ 1 ber dem Inter- ders mit dem Radius r
vall ½1 ; 2 entsteht. und der Hhe h her.
1. Das Volumen von Rotationskrpern 275

x
c Beispiel: Welches Volumen hat das
......................................................................................................

rechts dargestellte Glas? Die Randkur-


ve ist eine quadratische Parabel vom
Typ f ðxÞ ¼ a x2 .

8
7
1. Bestimmung der Parabelgleichung
Aus der Zeichnung kann man ablesen, dass

6
der Punkt Pð8 j 2Þ auf der Parabel liegt.
Daher gilt f ð8Þ ¼ 2, d. h. 64  a ¼ 2.

f(x) = ax2

5
1
Hieraus folgt a ¼ 32 .
Die Gleichung der Parabel lautet also

4
f ðxÞ ¼ 1 x2 .
32

3
2. Berechnung des Rotationsvolumens
Das Flssigkeitsvolumen reicht von x ¼ 3

2
bis maximal x ¼ 8.
Daher ergibt sich der Inhalt des Glases

1
nach der Rotationsformel.
ð8 2 ð8
y

−2
1

-1
1 2 1
V¼ p  32
x dx ¼ p  1024
x4 d x
3 3
h i8
1
c ¼ p  5120 x5  19,96 cm3
3

y
c Beispiel: Leiten Sie die Formel fr das
.................................................................

Volumen einer Kugel mit dem Radius r


her.
r
y
Lsung: x
Die Kugel lsst sich durch Rotation eines
Halbkreises mit dem Radius r um die x-
Achse ber dem Intervall ½– r ; r gewin-
nen. Der Halbkreis hat die Funktionsglei-
pffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffi
chung f ðxÞ ¼ r2  x2 .
Daher erhalten wir:
ðr pffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffi ðr h ir
2
V¼ p r2  x 2 d x ¼ p  ðr2  x2 Þ d x ¼ p  r2 x  13 x3
r
r
   r
2 3
c ¼p 3
r  23 r3 ¼ 43 p r3 .
276 X. Weiterfhrung der Integralrechnung

bungen
4. Bestimmen Sie das Volumen des Krpers, der durch Rotation des Funktionsgraphen von f
um die x-Achse ber dem Intervall I entsteht. Fertigen Sie eine Skizze an.
pffiffiffi
aÞ f ðxÞ ¼ x, I ¼ ½1 ; 4 bÞ f ðxÞ ¼ x4  x2 , I ¼ ½ 1 ; 1
2
cÞ f ðxÞ ¼ 0,5 x þ 2, I ¼ ½ 2 ; 1 dÞ f ðxÞ ¼ ðx  2Þ þ 4, I ¼ ½0 ; 4
pffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffi 2
eÞ f ðxÞ ¼ 1  x2 , I ¼ ½ 1 ; 1 fÞ f ðxÞ ¼ xðx  1Þ , I ¼ ½0 ; 2

5. Bestimmen Sie das Volumen des Krpers, der entsteht, wenn der Graph von f zwischen den
angegebenen Grenzen um die y-Achse rotiert.
a) f ðxÞ ¼ 3 x  2, y ¼ 1 bis y ¼ 4 b) f ðxÞ ¼ x2  1, y ¼ 0 bis y ¼ 3
c) f ðxÞ ¼ x2 þ 1, y ¼ 1 bis y ¼ 2 d) f ðxÞ ¼ 1x, y ¼ 12 bis y ¼ 2

6. Gesucht ist das Volumen des abgebil- 7. Kugelkappe


deten Footballs, der durch Rotation ei- Bestimmen Sie das Volumen der Ku-
ner Parabel um die x-Achse entsteht. gelkappe in Abhngigkeit vom Radius
Bestimmen Sie zunchst die Glei- r der Kugel und der Hhe h der Kugel-
chung der Randparabel f. kappe.
y y
f(x) = ax2 + b
7 inch

r
x x

h
1 inch = 2,54 cm
1
11 inch
4

8. Kegelstumpf b) Zeigen Sie, dass die als


y
Die Formel fr das Volu- Randkurve verwendete Ur-
R
men des Kegelstumpfs mit sprungsgerade die Steigung
r
den Radien R und r und der m ¼ R h r hat.
Hhe h soll hergeleitet wer-
den. a b x
c) Weisen Sie nach, dass
a) Das Kegelvolumen lsst a ¼ Rr hr und b ¼ RR hr die In-
sich als Rotationsvolu- tegrationsgrenzen sind.
men darstellen. Begrn- h
d) Berechnen Sie das Rota-
den Sie dies anhand der tionsvolumen des Kegel-
Skizze. stumpfes.
y
9. Eine Kugel mit 10. f ðxÞ ¼ x2 þ 1 ro- y
dem Radius 5 tiert ber [ 1 ; 1]
4
R ¼ 4 wird durch um die x-Achse.
eine ringartige x Ist die Maßzahl des
Schale eingefasst, Rotationsvolumens x
deren Volumen grßer als 5?
gesucht ist.
11
1. Das Volumen von Rotationskrpern 277

11. Der Haupttreibstofftank des Space-Shuttle hat die Form eines Zylinders mit zwei Aufst-
zen. Der untere Aufsatz ist nherungsweise halbkugelfrmig, der obere Aufsatz hat para-
bolische Form. Die Maße sind gerundet in der Skizze enthalten. 277-1

Sauerstofftank a) Bestimmen Sie zunchst die


8
m

Wasserstofftank Gleichung des parabolischen


Teils. Verwenden
pffiffiffi Sie den An-
satz f ðxÞ ¼ a x.
9

b) Berechnen Sie das Volumen


m

des parabolischen Teils mit


der Rotationsformel. Wie groß
ist das Gesamtvolumen des
Tanks?
30
m

Booster
4
m

5
12. Ein Glas mit Flssigkeit ro- y a) Bestimmen Sie die Para-
tiert. Dabei nimmt die Fls- belgleichung.
4

sigkeitsoberflche unter b) Berechnen Sie das Fls-


3

dem Einfluss von Schwer- sigkeitsvolumen.


2

kraft und Fliehkraft ein pa- c) Wie hoch steht die Fls-
rabelfrmiges Profil an. sigkeit im Glas, wenn
1

dieses nicht rotiert?


x
−1

−2 −1 1 2 3

13. Das abgebildete Fass hat ein parabel- Kepler’sche Fassformel:


frmig gebogenes Daubenprofil. h
V ¼ 15  p  ð8 R2 þ 4 R r þ 3 r2 Þ
a) Der Mathematiker und Astronom
Johannes Kepler (1571–1630) y
gab die dargestellte Formel fr
das Volumen eines solchen Fasses
R r
an. Fhren Sie den Nachweis.
b) Leiten Sie aus der Fassformel die x
Formel fr das Zylindervolumen
ab.
h
278 X. Weiterfhrung der Integralrechnung

2. Uneigentliche Integrale
In diesem Abschnitt werden wir den Inhalt von Flchen untersuchen, die unbegrenzt sind und
sich bis ins Unendliche ausdehnen.

Typ 1: Integral ber einem unbeschrnkten Intervall

y
c Beispiel: Der Graph von fðxÞ ¼ x13 , die x=1 x=k
..............................................................................................................................................

Gerade x ¼ 1, die x-Achse und die Ge-


rade x ¼ k mit k > 1 schließen eine Fl- 1
che ein.
a) Berechnen Sie deren Inhalt AðkÞ in
Abhngigkeit von k. f(x) = 13
x
b) Untersuchen Sie das Grenzwertver-
x
halten des Flcheninhalts AðkÞ fr 1
k ! 1.

Lsung zu a:
1. Stammfunktion: fðxÞ ¼ x13
Wir bestimmen zunchst eine Stammfunk-
FðxÞ ¼ 21x2
tion von f.

2. Flcheninhaltsbestimmung: ðk
1
Der gesuchte Flcheninhalt kann nun als AðkÞ ¼ x3
dx ¼ FðkÞ  Fð1Þ
bestimmen Integral von f ber dem Inter- 1
vall ½1 ; k ðk > 1Þ berechnet werden. ¼  21k2 þ 2 1 1 ¼ 12  21k2
Resultat: AðkÞ ¼ 12  21k2

zu b: Verhalten von A(k) fr k ! 1:


Mit zunehmendem k wandert die Gerade Grenzwertbestimmung:
x ¼ k weiter nach rechts, und die Flche ðk
AðkÞ dehnt sich immer weiter aus. 1
lim AðkÞ ¼ lim dx
Fr k ! 1 erstreckt sich die Flche bis ins k!1 k!1 x3
Unendliche. Man knnte vermuten, dass 1
 
diese unendlich ausgedehnte Flche einen ¼ lim 12  21k2 ¼ 12
k!1
unendlich großen Flcheninhalt hat. Dass
dies nicht so ist, knnen wir durch Grenz-
wertbestimmung nachweisen. Der Inhalt
der Flche wchst nicht ber alle Grenzen,
sondern nhert sich berraschenderweise
c immer mehr der Zahl 0,5.

Unser Beispiel zeigt, dass auch Flchen, die nicht nach allen Seiten durch Randkurven begrenzt
sind, sondern sich bis in alle Unendlichkeit erstrecken, unter bestimmten Umstnden durchaus
einen (endlichen) Flcheninhalt haben knnen.
2. Uneigentliche Integrale 279

Im obigen Beispiel haben wir die obere Uneigentliches Integral:


Grenze der Flche AðkÞ, also den Parame- 1 1
ð ð ðk
ter k, weiter nach rechts wandern lassen 1 1
fðxÞ dx ¼ dx ¼ lim dx ¼ 12
und den Grenzwert bestimmt. Man x3 k!1 x3
bezeichnet diesen grenzwert auch als un- 1 1 1

eigentliches Integral von f ber ½1 ; 1½.

Definition X.1: Ist die Funktion f auf einem Intervall ½a; 1½ stetig und existiert der Grenzwert
ðk
lim fðxÞ dx, dann definiert man diesen Grenzwert als uneigentliches Integral von f
k!1 1
a ð
ber ½a; 1½ und schreibt hierfr fðxÞ dx.
a

Existiert der Grenzwert nicht, so sagt man, dass das uneigentliche Integral nicht existiert.
ðb
Das uneigentliche Integral fðxÞ dx wird in analoger Weise definiert.
1

Wir erlutern nun die Vorgehensweise zur Bestimmung eines uneigentlichen Integrals.

1
ð
4
c Beispiel: Berechnen Sie, sofern es existiert, das uneigentliche Integral x2
dx.
.......................................................

Lsung: 1
ð ðk
Zunchst schreiben wir das uneigentliche 4 4
dx ¼ lim dx
Integral als Grenzwert eines bestimmten x2 k!1 x2
Integrals und berechnen dieses fr eine be- 2 2
h ik
liebige obere Grenze k mit k > 2.
¼ lim  4x
Anschließend lassen wir die obere Grenze k!1 2
k ber alle Grenzen wachsen, d. h., wir be-  
stimmen den Grenzwert des bestimmten ¼ lim  4k þ 2
k!1
Integrals fr k ! 1. Dieser Grenzwert
ist, sofern er existiert, das gesuchte un- ¼2
c eigentliche Integral.

bung 1
Berechnen Sie, sofern sie existieren, die folgenden uneigentlichen Integrale.
1
ð 1
ð ð0 2
ð
5 p1ffiffiffi 1 xþ1
aÞ 8 x dx bÞ dx cÞ dx dÞ dx
x ð4  xÞ3 x4
2 1 1 1
280 X. Weiterfhrung der Integralrechnung

Das folgende Beispiel zeigt die prinzipielle Vorgehensweise bei der Untersuchung des Inhalts
von Flchen, die sich bis ins Unendliche ausdehnen.

y
c Beispiel: Bestimmen Sie den Inhalt g f
.................................................................................................................................................................

der Flche A, die sich – begrenzt vom


Graphen der Funktion fðxÞ ¼ x2 , vom 1
Graphen der Funktion gðxÞ ¼ x12 und
von der x-Achse – lngs der positiven A1 A2
x-Achse ins Unendliche erstreckt. x
1 k

Lsung:
1. Schnittpunktbestimmung:
Wir bestimmen als erstes die Schnittstelle fðxÞ ¼ gðxÞ
von f und g. Im 1. Quadranten finden wir x2 ¼ x12
die Schnittstelle bei x ¼ 1. Wir zerlegen
die gesuchte Flche A in zwei Teilflchen x4 ¼ 1
A1 und A2 . x ¼ 1; x ¼ 1

2. Der Inhalt der Flche A1: ð1 h i1


1 3
A1 ist die Flche unter fðxÞ ¼ x2 ber dem A1 ¼ x2 dx ¼ 3
x ¼ 13
0
Intervall ½0 ; 1, die wir in gewohnter Wei- 0
se berechnen knnen.

3. Der Inhalt der Flche A2(k): ðk h ik


1
Wir bestimmen nun den Inhalt der Flche A2 ðkÞ ¼ x2
dx ¼  1x ¼ 1  1k
1
A2 ðkÞ unter dem Graphen von f ber ei- 1
nem beliebigen Intervall ½1 ; k ðk > 1Þ.

4. Der Inhalt von A2(k) fr k ! 1:


Lassen wir die obere Grenze der Flche ðk
1
A2 ðkÞ, also den Parameter k, weiter nach lim A2 ðkÞ ¼ lim x2
dx
k!1 k!1
rechts wandern, so dehnt sich die Flche
1 
immer weiter aus.
¼ lim 1  1k ¼ 1
Allerdings wchst der Inhalt nicht ber k!1
alle Grenzen, sondern er nhert sich immer
mehr der Zahl 1: lim A2 ðkÞ ¼ 1.
k!1

5. Der Inhalt von A:


Der Inhalt von A ist die Summe der Inhalte
von A1 und A2 . A ¼ A1 þ lim A2 ðkÞ ¼ 13 þ 1 ¼ 43
k!1
c Resultat: A ¼ 43 < 1
280-1
bung 2
Bestimmen Sie den Inhalt der Flche A, die sich – begrenzt von den Graphen von fðxÞ ¼ 13 x und
gðxÞ ¼ 1 2 und von der x-Achse – lngs der positiven x-Achse ins Unendliche erstreckt.
ðx  2Þ
2. Uneigentliche Integrale 281

Typ 2: Integral einer unbeschrnkten Funktion

Bisher haben wir ins Unendliche ausgedehnte Flchen betrachtet, die als bestimmte Integrale
ber unbeschrnkten Intervallen darstellbar waren. Das folgende Beispiel zeigt, dass ins Un-
endliche ausgedehnte Flchen bei bestimmten Funktionen auch in anderen Zusammenhngen
auftreten knnen.

y
c Beispiel: Berechnen Sie den Inhalt der
....................................................................................................................

Flche A, die vom Graphen der Funk-


x=2
tion fðxÞ ¼ p1ffiffix , von der Geraden x ¼ 2 2

und der x-Achse im 1. Quadranten be-


grenzt wird. 1
A
Lsung: x
k 1 2
Die Funktion f ist fr x ¼ 0 nicht definiert.
Es gilt: lim p1ffiffixffi ¼ 1.
x!0

Die Flche A dehnt sich also „nach oben“ 1. Der Inhalt der Flche A(k):
bis ins Unendliche aus, da f in der Nhe ð2 ð2
von 0 unbeschrnkt ist. Um deren Flchen- AðkÞ ¼ fðxÞ dx ¼ p1ffiffiffi dx
x
inhalt zu untersuchen, gehen wir prinzipi- k k
ell wie in den obigen Beispielen mittels pffiffiffi 2 pffiffiffi pffiffiffi
Grenzwertbestimmung vor. Als erstes be- ¼ ½2 x k ¼ 2 2  2 k
rechnen wir den Inhalt der Flche AðkÞ un-
ter dem Graphen von f ber einem beliebi-
gen Intervall ½k ; 2 mit 0 < k < 2.

Lassen wir nun die untere Grenze der Fl- 2. Der Inhalt der Flche A(k) fr k ! 0:
che AðkÞ „nach links wandern“, so dehnt ð2
sich die Flche immer weiter aus. Der In- lim AðkÞ ¼ lim fðxÞ dx
k!0 k!0
halt der Flche A ergibt sich dann als k
Grenzwert des Flcheninhalts AðkÞ fr pffiffiffi pffiffiffi pffiffiffi
k ! 0. ¼ lim ð2 2  2 k Þ ¼ 2 2
pffiffiffi k!0
c Resultat: A ¼ 2 2

Im obigen Beispiel konnten wir nicht di- Uneigentliches Integral:


rekt das Integral von 0 bis 1 bilden, da die ð2 ð2
Funktion f bei x ¼ 0 nicht definiert, son- A ¼ fðxÞ dx ¼ lim fðxÞ dx
dern dort unbeschrnkt ist. Auch in diesem k!0
0 k
Fall kann man den errechneten Grenzwert ð2 pffiffiffi
als uneigentliches Integral bezeichnen ¼ lim p1ffiffiffi dx ¼ 2 2
k!0 x
und hierfr die nebenstehende Schreib-
k
weise verwenden.
282 X. Weiterfhrung der Integralrechnung

Definition X.2: Ist die Funktion f an der Stelle a nicht definiert, aber auf dem Intervall a ; b
ðb
stetig und existiert der Grenzwert lim fðxÞ dx, so definiert man diesen Grenzwert als un-
k!a
k ðb
eigentliches Integral von f ber a ; b und schreibt fðxÞ dx.
a

Analog definiert man ein uneigentliches Integral, wenn die Funktion f an der oberen Integra-
tionsgrenze nicht definiert ist.

Im folgenden Beispiel berechnen wir exemplarisch den Inhalt einer auf beiden Seiten unbe-
grenzten Flche.

y
c Beispiel: Berechnen Sie den Inhalt der
......................................................................................................

Flche A, die der Graph der Funktion f


1
fðxÞ ¼ pffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffi
2
mit der x-Achse ber
1x
dem Intervall ½1 ; 1 einschließt.
1

Lsung:
Die Funktion f ist sowohl fr x ¼ 1 als A
auch fr x ¼ 1 nicht definiert. Es gilt:
lim fðxÞ ¼ 1 und lim fðxÞ ¼ 1. -1 a b 1 x
x!1 x!1

Daher ist die Flche A an beiden Rndern 1. Inhalt der Flche A ber [a; b]:
unbegrenzt. Mit Hilfe der mit Substitution ðb ðb
ermittelten Stammfunktion von f berech- fðxÞ dx ¼ 1
pffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffi dx ¼ ½arcsin xba
nen wir zunchst den Inhalt der Flche 1  x2
a a
unter f (vgl. Band 1, S. 273) ber dem In-
tervall ½a ; b mit 1 < a < b < 1. ¼ arcsin b  arcsin a
Den Inhalt der gesuchten Flche A erhal-
ten wir dann als Grenzwert. Hierzu mssen 2. Grenzwertbestimmung:
wir zwei Grenzprozesse nacheinander ðb
durchfhren, fr b ! 1 und fr a ! 1, lim fðxÞ dx ¼ lim ðarcsin b  arcsin aÞ
b!1 b!1
wobei die Reihenfolge der Grenzwertbil- a
dung keine Rolle spielt. ¼ p2  arcsin a
   
Wir erhalten als Resultat fr den gesuchten
lim p2  arcsin a ¼ p2   p2 ¼ p
c Flcheninhalt schließlich A ¼ p. a!1

bung 3
Berechnen Sie, sofern existent, die folgenden uneigentlichen Integrale.
ð1 ð4 ð1 1
ð
1 ffi 1 x 1
aÞ pffiffiffiffiffiffiffiffiffiffi dx bÞ dx cÞ pffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffi dx dÞ dx
xþ3 ðx  4Þ2 1  x2 x2
3 2 0 0
2. Uneigentliche Integrale 283

bungen
4. Berechnen Sie, sofern sie existieren, die folgenden uneigentlichen Integrale.
1
ð 1
ð 2
ð
aÞ 4 x6 dx bÞ p 2ffiffiffi
dx cÞ 1
dx
3
x ðx þ 1Þ2
2 1 1

1
ð  1
ð 1
ð
2 x4  5
dÞ x2 þ x13 dx eÞ dx fÞ x
dx
x4 ð4 þ x2 Þ2
1 1 2
5. a) Bestimmen Sie den Inhalt der Flche A, die sich – begrenzt vom Graphen der Funktion
fðxÞ ¼ 18 x2 , vom Graphen der Funktion gðxÞ ¼ 2 2 und von der x-Achse – lngs der
ðx  3Þ
positiven x-Achse ins Unendliche erstreckt.
b) Bestimmen Sie den Inhalt der Flche A, die sich – begrenzt vom Graphen der Funktion
fðxÞ ¼ 1,5 x2 , vom Graphen der Funktion gðxÞ ¼ 0,5 x2 þ 1 und von der x-Achse – lngs
der positiven x-Achse ins Unendliche erstreckt.
c) Berechnen Sie den Inhalt der Flche A, die rechts von x ¼ 2 zwischen den Graphen der
Funktionen fðxÞ ¼ x13 und gðxÞ ¼ x12 liegt. Fertigen Sie zunchst eine Skizze an.

6. Berechnen Sie, sofern sie existieren, die folgenden uneigentlichen Integrale.


ð1   p p
ð2 ð2 ð9
aÞ x þ p1ffiffixffi dx bÞ 1
cos2 x
dx cÞ sin 2 x
cos x
dx dÞ x ffi
pffiffiffiffiffiffiffiffiffiffi dx
9x
0 0 0 0

7. Gegeben ist die Funktion fðxÞ ¼ cosx x  sin


x2
x
:
a) Zeigen Sie, dass FðxÞ ¼ sinx x fr 0 < x < p2 eine Stammfunktion von f ist.
p
ð2
b) Berechnen Sie das uneigentliche Integral fðxÞ dx.
0

8. berprfen Sie, ob die folgende Rechnung richtig ist:


ð0 h i0
1
dx ¼  x þ1 1 ¼ 1  13 ¼  43
ðx þ 1Þ2 4
4

9. Gegeben ist die Funktion fðxÞ ¼ 1 þ1 x2 :


a) Skizzieren Sie den Graphen von f mithilfe einer Wertetabelle fr 3  x  3.
b) Bestimmen Sie mithilfe der Substitution x ¼ tan z eine Stammfunktion von f.
1
ð
c) Berechnen Sie das uneigentliche Integral fðxÞ dx.
1
284 X. Weiterfhrung der Integralrechnung

3. Numerische Integrationsverfahren
Flcheninhalte und bestimmte Integrale knnen oft mithilfe exakter Integrationsmethoden er-
rechnet werden. Allerdings gibt es auch Flle, in denen dies nicht mglich oder unpraktisch ist:

1. Der Integrand besitzt keine geschlossen darstellbaren Stammfunktionen.


2. Die Stammfunktionen des Integranden sind schwierig zu bestimmen.
3. Die Randkurve einer Flche ist nicht durch eine mathematische Funktionsgleichung gege-
ben, sondern nur zeichnerisch oder durch Messwerte definiert.

In solchen Fllen gibt es stets die Mglichkeit, das gesuchte bestimmte Integral wenigstens
nherungsweise zu bestimmen. Man spricht von numerischer Integration.
Alle numerischen Integrationsverfahren hneln dem Archimedischen Streifenverfahren. Wir
stellen die verschiedenen Verfahren zunchst im berblick dar. Details werden spter behan-
delt.

1. Die Streifenmessung
ber die Flche wird ein Raster gleich breiter Streifen gelegt.
Die Schnitte der Streifenmittellinien mit der Flche definie-
ren Rechteckshhen, die ausgemessen werden. Die Recht-
ecksinhalte werden berechnet und aufsummiert.
Das Verfahren ist stets anwendbar. Die Genauigkeit ist durch
die zugrunde liegende Zeichnung begrenzt.

2. Das Rechteckverfahren
Die Flche unter einem Funktionsgraphen wird in Streifen y
eingeteilt. Die Streifenmittellinien stellen Rechteckshhen
dar, die als Funktionswerte berechnet werden knnen.
Je grßer die Streifenanzahl, umso genauer approximieren die
Rechtecksflchen die Flche unter dem Graphen.
x

3. Das Trapezverfahren
Die Flche unter einem Graphen wird wiederum in Streifen y
geteilt. Die Schnittpunkte der Streifenbegrenzungslinien mit
dem Graphen werden geradlinig miteinander verbunden, so
dass Trapeze entstehen, deren Flcheninhalte aufsummiert
werden.
Das Verfahren ist hnlich genau wie das Rechteckverfahren. x

4. Parabel-Verfahren
Die Schnittpunkte der beiden Streifenbegrenzungen und der y
el
Streifenmittellinie mit dem Graphen legen jeweils einen Pa- rabel ar
ab
Pa ara
P
P

rabelbogen fest. Die Flcheninhalte unter den Parabelbgen b el


werden durch Integration bestimmt und aufsummiert. Das
Verfahren ist wesentlich genauer als die drei oben charakte-
risierten Verfahren. x
3. Numerische Integrationsverfahren 285

A. Die Streifenmessung – eine Praxismethode

Ein Maler bentigt fr die Bestimmung seines Materialbedarfs den Flcheninhalt einer Wand,
ein Glaser kalkuliert die Glasflche eines Wintergartens, ein Straßenbauer schtzt die Grße der
Pflasterflche eines Platzes ab.
Fr solche Flcheninhaltsbestimmungen gengen in den meisten Fllen einfache Rechtecks-
oder Dreiecksberechnungen. Sind die Flchen jedoch krummlinig begrenzt, so funktioniert das
nicht mehr. Man kann dann folgende Methode der Streifenmessung anwenden, die zwar ver-
gleichsweise primitiv erscheinen mag, aber universal einsetzbar ist.

c Beispiel: Der Mitarbeiter einer Werbeagentur soll eine Broschre ber einen neuen
................................................................................................................

Landschaftspark erstellen. Hierfr bentigt er den Oberflcheninhalt eines Sees, von


dem nur eine maßstbliche Architektenzeichnung vorliegt. Wie knnte er vorgehen?

Lsung:
Er zeichnet ein Streifenraster ber die Kar-
N
te. Er knnte auch eine Folie nehmen, um
eineBeschdigungderKartezuvermeiden. S
Alle Streifen sind gleich breit, in unserem
Beispiel whlte er die Breite von 0,9 cm.

Nun markiert er die Schnittpunkte der


Streifenmittellinien mit dem Seerand.
Durch diese Punkte sind in den Streifen
Rechtecke festgelegt, deren Flchenin- M = 1 : 10000
halte ein Nherungsmaß fr die im jewei-
ligen Streifen liegende Seeflche ergeben. Rechteck Breite Hhe Flche
Nr. in cm in cm in cm2
Die Rechteckshhen werden mit dem Li- 1 0,9 1,0 0,90
neal gemessen und mit der Streifenbreite 2 0,9 1,9 1,71
multipliziert. Die Summe aller Recht- 3 0,9 2,4 2,16
ecksinhalte approximiert den Flchenin- 4 0,9 2,7 2,43
halt des Bildes des Sees auf der Karte. 5 0,9 2,4 2,16
6 0,9 1,3 1,17
10,53
Durch eine Maßstabsumrechnung ergibt 1cm ¼ ^ 10 000 cm ¼ 100 m
sich das reale Flchenmaß des Sees, in un- 1cm2 ¼^ ð100 mÞ2 ¼ 10 000 m2
2 2
c serem Beispiel ca. 105 300 m . 10,53 cm ¼^ 105 300 m2

bung 1
Eine Mikrobe wurde bei 2000facher Ver-
grßerung fotografiert. Bestimmen Sie ei-
nen Nherungswert fr ihren Flchenin-
halt.

Hinweis: Der Vergrßerungsfaktor beim


Mikroskop gibt an, wie stark die beobach-
tete Flche vergrßert wird.
286 X. Weiterfhrung der Integralrechnung

B. Das Rechteckverfahren

Das einfachste Nherungsverfahren zur beliebig genauen Approximation bestimmter Integrale


ist das im Folgenden dargestellte Rechteckverfahren.
y
5
c Beispiel: f(x) = x
4
........................................................................................

Berechnen Sie einen Nherungswert


ð
55
fr das bestimmte Integral dx. 3
1x
Approximieren Sie hierzu die Flche 2
unter dem Graphen von f durch vier
gleich breite Rechtecke, so wie 1
rechts graphisch dargestellt.
1 2 3 4 5 x
Lsung:
Das Integrationsintervall hat die Breite 4. Nherungsrechnung fr 4 Streifen:
Die einzelnen Rechtecke haben daher die Rechteck Breite Hhe Inhalt
Breite 1.
1 1 fð1,5Þ  3,33 3,33
Die Rechteckshhen sind die Funktions-
2 1 fð2,5Þ ¼ 2 2,00
werte in den Streifenmitten, also an den
Stellen 1,5, 2,5, 3,5 und 4,5. 3 1 fð3,5Þ  1,43 1,43
Wir errechnen die Summe der vier Recht- 4 1 fð4,5Þ  1,11 1,11
ecksinhalte. Diese betrgt 7,87. Flchensumme: 7,87

Der wirkliche Wert des bestimmten Inte- Genauer


ð
Wert des Integrals:
55
grals betrgt ca. 8, 05. Die Abweichung dx  8,05
1x
c betrgt also nur ca. 2%.

Man kann die Approximationsgenauigkeit durch eine hhere Zahl von Rechtecken steigern,
wobei natrlich auch der Rechenaufwand hher wird. Im obigen Beispiel ergibt sich so mit acht
Rechtecken der Breite 0,5 der Nherungswert 8. Der Fehler betrgt dann nur noch ca. 0,5%.

bung 2 bung 3
Gesucht ist ein Nherungswert
ð fr das be- Berechnen Sie den Inhalt der abgebildeten
2 1 2 Flche nherungsweise mithilfe von
stimmte Integral x dx.
0 2 sechs Rechtecken.
a) Verwenden Sie das Rechteckverfah- y
ren mit 4 gleich breiten Rechtecken. f(x) = sin x
Berechnen Sie anschließend zum Ver-
gleich den exakten Wert des Integrals.
b) Fhren Sie schließlich eine genauere
p x
Nherung mit 8 Rechtecken durch.
3. Numerische Integrationsverfahren 287

Das Rechteckverfahren liefert schon fr kleine Streifenanzahlen brauch-


bare Nherungswerte. Das liegt daran, dass sich in der Regel schon inner-
halb eines Streifens die Fehler teilweise ausgleichen. Durch das Rechteck -
nicht erfasste Flchenteile ðÞ werden durch berstehende Rechteckteile +
ðþÞ grob kompensiert. Dennoch werden grßere Streifenzahlen erforder-
lich, wenn erhhte Genauigkeit gewnscht wird oder das Integrationsinter-
vall groß ist. Dann kann der Rechenaufwand so hoch werden, dass man
programmierbare Systeme (Taschenrechner oder Computer) als Rechen- Fehlerausgleich
über einem
hilfe einsetzt. Eine dafr geeignete Formel stellen wir nun dar. Streifen

Nherungsformel zum Rechteckverfahren


f sei eine auf dem Intervall I ¼ ½a ; b stetige Funktion. Dann gilt die Nherungsformel
ð
a
fðxÞ dx  b n a  ðy0 þ y1 þ . . . þ yn1 Þ
b
 
mit yi ¼ fðxi Þ ¼ f a þ i  b n a þ b2na , 0  i  n  1:
x0 x1 ... xn-1

Zum Nachweis teilen wir das Integrationsintervall I ¼ ½a ; b in Teilintervalle I0 , . . . , In1 ein,


die alle die gleiche Breite b n a besitzen. xi sei die Mitte des Teilintervalls Ii .
ba
Von a aus erreichen wir xi durch i-fache Addition der Streifenbreite n
plus einer weiteren
halben Streifenbreite b2na , d. h. xi ¼ a þ i  b n a þ b2na : Die Hhe des Rechtecks ber Ii ist dann
 
yi ¼ fðxi Þ ¼ f a þ i  b n n þ b2na : Die Rechteckflche ist b n a  yi . Die Summe aller Rechteck-
flchen ist b n a  ðy0 þ y1 þ . . . þ yn1 Þ. Solche Summen kann man leicht mit CAS berechnen.
Zunchst wird dem Funktionseditor des
CAS der Funktionswert bergeben, z. B.
y1(x) = 5/x. Soll spter eine andere Funktion
nherungsweise integriert werden, so ist
nur der Term y1 zu ndern.
Dann wird die Formel des Rechteckverfah-
rens in der Eingabezeile notiert und als
Funktion rechv(a, b, n) im CAS gespeichert:
P
(y1(a+i(b-a)/n+(b-a)/(2n)),i,0,n-1)(b-a)/n § rechv(a,b,n) O
ENTER
Das nebenstehende Bild zeigt im Protokoll-
bereich noch die Formel, darunter die N-
herungswerte fr n ¼10, 100, 1000 Strei-
fen zum Integrationsintervall [1 ; 5].1
Der exakte Integralwert ist 8,04718956 . . .,
der letzte Nherungswert ist also bereits
auf 6 Dezimalen genau. Dies ist schon
ein beachtliches Ergebnis.

1
Man beachte, dass die Berechnung bei großer Streifenzahl n einige Zeit erfordert.
288 X. Weiterfhrung der Integralrechnung

C. Das Trapezverfahren 288-1

SchonArchimedesverfolgtedieIdee,dieFlche f
Trapezfläche:
unter einer Kurve durch trapezfrmige Streifen  
zu approximieren (Trapezverfahren). Solche A ¼ 12 ðb  aÞ  fðaÞ þ fðbÞ
Streifen folgen dem Kurvenverlauf nmlich f(a) f(b)
recht gut. Man erhlt daher schon fr kleine
Streifenzahlen brauchbare Nherungen.
a b
ð
55 y
c Beispiel: Das bestimmte Integral dx
1x
........................................................................................................

soll mithilfe von Trapezstreifen approxi-


miert werden.
5
a) Verwenden Sie – wie abgebildet – vier f(x) = x
Trapezstreifen.
b) Steigern Sie die Genauigkeit durch
Verwendung von acht Streifen. 1

Lsung zu a: 1 2 3 4 5 x
Die Trapeznherung sieht schon graphisch recht
genau aus. Wir errechnen die vier Trapezstreifen Approximation mit4 Streifen

mit der oben dargestellten Formel und erhalten A1 ¼ 12 ð2  1Þ  5 5
þ
1 2
die Inhaltssumme 8,42, die nur ca. 4,5% grßer  
ist als der exakte Wert des Integrals. A2 ¼ 12 ð3  2Þ  5 5
þ
2 3
 
Lsung zu b: A3 ¼ 12 ð4  3Þ  5 5
þ
3 4
 
Bei doppelter Streifenzahl ist die Streifen- A4 ¼ 12 ð5  4Þ  54 þ 55
breite nur noch halb so groß und wir erhalten ð  
5
als Nherungswert 8,14. Der Fehler betrgt 5
dx  1
 1  5
þ 2  5
þ 2  5
þ 2  5 5
þ
1 x 2 1 2 3 4 5
nun nur noch ca. 1,1%.
 8,42
Interessant ist, dass die Funktionswerte an den
ußeren Teilungsstellen x ¼ 1 und x ¼ 5 in Approximation mit 8 Streifen
ð  
einfacher Zhlung eingehen, whrend die 5
5 1 1 5 5 5 5
dx    þ 2  þ . . . þ 2  þ
Funktionswerte x ¼ 1,5; x ¼ 2,5; . . . ; x ¼ 4,5 1 x 2 2 1 1,5 4,5 5

c doppelt in die Summe eingehen.  8,14

bung 4 ð
4 pffiffiffi y
aÞ Berechnen Sie x dx mithilfe des Tra-
0 1
pezverfahrens (4 Streifen und 8 Streifen).
Vergleichen Sie mit dem exakten Wert. f(x) = √ 1- x2
bÞ Berechnen Sie den Inhalt des rechts dar-
gestellen Einheitsviertelkreises mit 5
bzw. 10 Trapezstreifen nherungsweise.
Welcher Nherungswert fr die Zahl p
ergibt sich hieraus?
0,2 0,4 0,6 0,8 1 x
3. Numerische Integrationsverfahren 289

Um das Trapezverfahren fr beliebige Streifenzahlen mit CAS zu verwenden, bentigen wir
eine Formel. Schon anhand der Beispiele ist leicht zu erkennen, wie eine solche Formel aussieht:

Nherungsformel zum Trapezverfahren


f sei eine auf dem Intervall I ¼ ½a ; b stetige Funktion. Dann gilt die Nherungsformel
ð
b
fðxÞ dx  12  b n a  ðy0 þ 2 y1 þ 2 y2 þ . . . þ 2 yn1 þ yn Þ
a
 
mit yi ¼ fðxi Þ ¼ f a þ i  b n a , 0  i  n: ...
x0= a x1 x2 xn= b

c Beispiel: Trapezverfahren mit CAS


....................................................................................

Definieren Sie eine CAS-Funktion trapv(a, b, n) zum Trapezverfahren, wobei der Integrand
unter dem Funktionsterm y1(x) im Funktionseditor zu speichern ist.
ð
5 5
Berechnen Sie dann Nherungswerte des bestimmten Integrals dx fr n ¼ 10, 100 und
1 x

1000 Trapezstreifen. Vergleichen Sie mit dem Rechteckverfahren von Seite 255.

Lsung:
Die Formel des Trapezverfahrens wird in der Eingabezeile notiert und als Funktion trapv(a, b, n)
im CAS gespeichert:
P
(y1(a)+2 (y1(a+i(b-a)/n),i,1,n-1)+y1(b))(b-a)/(2n) § trapv(a,b,n) O
ENTER
Das nebenstehende Bild zeigt im Proto-
kollbereich noch Teile der Formel, darun-
ter die Nherungswerte fr n ¼ 10, 100
und 1000 Trapezstreifen zum Integrati-
onsintervall [1 ; 5].
Ein Vergleich mit den Ergebnissen des
Rechteckverfahrens (S. 255) zeigt, dass
c beide Verfahren etwa gleichwertig sind.

Information zur Approximationsgte in Abhngigkeit von der Streifenzahl:


Bei Verwendung von archimedischen Untersummen oder Obersummen gewinnt man durch eine
Verzehnfachung der Streifenzahl nur eine Dezimale Genauigkeit. Beim Rechteckverfahren und
Trapezverfahren gewinnt man bei verzehnfachter Streifenzahl ca. 2 Dezimalen Genauigkeit.
y
bung 5 bung 6 f(x) = tan x
Berechnen Sie einen Nherungswert fr Errechnen Sie 1
ð pffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffi
1
das bestimmte Integral 1 þ x dx :2 den Inhalt der
0 rechts darge-
a) Arbeiten Sie mit 4 Trapezstreifen und stellen Flche
benutzen Sie Ihren Taschenrechner. auf ca. zwei
b) Verwenden Sie n ¼ 10, 100 und 1000 Nachkomma-
Streifen unter Einsatz des Computers. stellen genau. 0 p/4 x
290 X. Weiterfhrung der Integralrechnung

D. Die Keplersche Fassregel


Der bekannte Mathematiker und weltberhmte Astro-
nom Johannes Kepler (1571 – 1630) war ein Freund
des Weines. Eines Tages berkam ihn der Verdacht,
beim Weinkauf von den Hndlern bervorteilt zu
werden, da diese den Inhalt der Weinfsser mit Mess-
stben maßen, was Kepler suspekt war. Fortan be-
schftigte er sich mit Verfahren zur Berechnung des
Rauminhaltes von Fssern, und hierbei fand er auch
ein Nherungsverfahren zur Berechnung bestimmter
Integrale, die so genannte Kepler’sche Fassregel,
die eine berraschende Genauigkeit besitzt.
B

Die Grundidee des Kepler’schen Verfahrens ist f M

Keplers Idee
es, die zu integrierende Funktion in einem Strei- A
fen durch eine quadratische Parabel zu appro-
ximieren in der Erwartung, dass diese sich der
Kurve noch besser anpassen kann als eine
Strecke wie beim Trapezverfahren.
a m b
Kepler whlte diejenige Parabel, welche durch
die drei Kurvenpunkte A und B an den Streifen- Die Keplersche Fassregel
ð  
enden und M in der Streifenmitte geht. b
fðxÞ dx  b 6 a  fðaÞ þ 4  fðmÞ þ fðbÞ
Der Inhalt der Flche unter dieser Parabel lsst a
sich nach Keplers rechts aufgefhrter Formel mit m ¼ a þ2 b
errechnen, die wir aber hier nicht beweisen.

c Beispiel: Gesucht ist der Inhalt der Flche unter dem Graphen von fðxÞ ¼ sin x ber dem
...............................

Intervall ½0 ; p. Verwenden Sie zur Approximation die Kepler’sche Fassregel.

Lsung:
Wir wenden die Kepler-Formel mit a ¼ 0, b ¼ p und m ¼ p2 an. Wir erhalten:
ð  
p
sin x dx  p 6 0  sin 0 þ 4  sin p2 þ sin p ¼ p6  4 ¼ 23 p  2,09:
0
c Da der exakte Wert des Integrals tatschlich 2 ist, betrgt der Fehler nur knapp 5%.

bung 7 bung 8
Die Kepler’sche Fassregel liefert fr Poly- Berechnen Sie den Inhalt der Flche A mit
nomfunktionen bis dritten Grades erstaunli- der Fassregel von Kepler.
cherwei-se sogar exakte Ergebnisse.
Prfen Sie dies an folgenden Integralen 1 y
f(x) = 2 x−x2
nach.
ð2 ð4 ð1
A
aÞ x3 dx bÞ ð2 x  3Þ dx cÞ ðx2 þ xÞ dx
0 0 0

1 x
3. Numerische Integrationsverfahren 291

E. Das Simpson-Verfahren 259-1


Der englische Mathematiker Thomas Simpson
(1710 – 1761) entwickelte ein Nherungsver-
fahren, das auf der Mehrfachanwendung der
Kepler’schen Fassregel beruhte.
Dieses Verfahren liefert schon mit geringen
Streifenzahlen sehr gute Nherungswerte. Es
wird als Simpson-Verfahren bezeichnet.

ð
55
c Beispiel: Berechnen Sie das bestimmte Integral dx mithilfe des Simpson-Verfahrens
1x
............................................................................

nherungsweise. Verwenden Sie als Streifenzahl n ¼ 2.

Lsung: y
Wir teilen die Flche ber dem Integrationsintervall f(x) = 5
x
½1 ; 5 in zwei Streifen ein, welche wir als Simpson-
Streifen bezeichnen. In jedem der zwei Simpson- Parabelbögen
Streifen wird die Keplersche Fassregel angewandt.
Der Integrand wird also streifenweise durch Parabel- 1
bgen approximiert.
1 2 3 4 5 x
Durch zweimalige Anwendung von Keplers Formel x0 x1 x2 x3 x4
erhalten wir dann:
ð  
35
Inhalt des 1: Streifens: x
dx  3 6 1  fð1Þ þ 4  fð2Þ þ fð3Þ  5,555
1
ð  
55
Inhalt des 2: Streifens: dx  5 6 3  fð3Þ þ 4  fð4Þ þ fð5Þ  2,555
3x
ð  
55
c Inhalt der Gesamtfläche: dx  26  fð1Þ þ 4  fð2Þ þ 2  fð3Þ þ 4  fð4Þ þ fð5Þ  8,11
1x

Anhand des Beispiels knnen wir problemlos die verallgemeinerte Formel fr das Simpson-Ver-
fahren aufstellen. Wir gehen von einer Unterteilung a ¼ x0 , x2 , x4 , . . . , x2 n ¼ b des Intervalls
½a ; b in n Simpson-Streifen aus, deren Mittelpunkt bei x1 , x3 , x5 , . . . , x2 n1 liegen. Dann gilt:

Nherungsformel zum Simpson-Verfahren


f sei eine auf dem Intervall ½a ; b stetige Funktion. Dann gilt die Nherungsformel
ð
b
fðxÞdx  b6na ðy0 þ4 y1þ2 y2 þ4 y3 þ. . .þ2 y2 n2 þ4 y2 n1þy2 n Þ
a
 
mit yi ¼ fðxi Þ ¼ f a þ i  b2na , 0  i  2 n: x =a x2 ... x2n= b
0

bung 9 bung 10
Bestimmen Sie fr das obige Beispiel die Errechnen Sie mit 2 Simpson-Streifen den
Funktionsgleichungen der beiden Kepler’- Inhalt der Flche unter dem Graphen von
schen Nherungsparabeln explizit. fðxÞ ¼ x3 þ 1 ber dem Intervall ½1 ; 1.
292 X. Weiterfhrung der Integralrechnung

Das Simpson-Verfahren arbeitet schon fr kleine Streifenzahlen erstaunlich exakt. Bei jeder
Verzehnfachung der Streifenzahl steigt die Genauigkeit um ca. vier Dezimalstellen. Dennoch ist
der manuelle Rechenaufwand groß, so dass auch hier die Anwendung von Computern vorteilhaft
ist. Wie das Rechteck und das Trapezverfahren kann auch das Simpson-Verfahren als CAS-
Funktion – etwa simpv(a, b, n) – definiert werden, wobei a und b wieder die Intervallgrenzen sind,
n dagegen die Anzahl der „Doppelstreifen“ ist.

c Beispiel: Simpson-Verfahren mit CAS


.......................................................................................

Definieren Sie eine CAS-Funktion simpv(a, b, n) zum Simpson-Verfahren, wobei der Inte-
grand unter dem Funktionsterm y1(x) im Funktionseditor zu speichern ist. Berechnen Sie dann
ð
55
Nherungswerte des bestimmten Integrals dx fr n ¼ 5, 50 und 500 Streifen.
1x

Lsung:
In der Formel des Simpson-Verfahrens tritt der Faktor 4 bei den Summanden mit ungeradem
Index i ¼ 1, 3, . . . , 2 n  1 und der Faktor 2 bei den Summanden mit geraden Index
i ¼ 2, 4, . . . , 2 n  2 auf. Allgemein kann man diese alternierende Folge 4, 2, 4, 2, 4, . . . durch
3  ð1Þi darstellen.
P
(y1(a)+ ((1-(-1)^ i)y1(a+i(b-a)/2n),i,1,2n-1)+y1(b))(b-a)/(6n) § simpv(a,b,n) O
ENTER
Wir geben wieder y1(x) = 5/x ein. Um einen
realistischen Vergleich mit Rechteck- und
Trapezverfahren zu gestatten, werden N-
herungswerte fr n ¼ 5, 50 und 500 Strei-
fen zum Integrationsintervall [1 ; 5] be-
rechnet. Der letzte Nherungswert stimmt
bereits in allen angezeigten Stellen mit
c dem exakten Wert berein.

bung 11 bung 12 pffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffi


Berechnen Sie mithilfe des Simpson-Ver- Die Funktion fðxÞ ¼ ðx  3Þ x2 þ 1 soll
fahrens folgende bestimmte Integrale n- ber dem Intervall ½0 ; 3 nherungsweise
herungsweise. Verwenden Sie Taschen- mit dem Simpson-Verfahren integriert
rechner oder Computer. Vergleichen Sie werden.
mit dem exakten Resultat. Berechnen Sie a) Skizzieren Sie den Graphen von f mit-
den prozentualen Fehler. hilfe einer Wertetabelle.
ð ð
1 3 10 pffiffiffi b) Berechnen Sie die Nherungswerte des
aÞ x dx bÞ x dx Integrals durch 2 bzw. 10 Simpson-
0 0
5 Streifen und 10 Streifen Streifen.
ð pffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffi
2
cÞ 4  x2 dx 1 Streifen, 4 Streifen
2

bung 13
Schreiben Sie einen mathematischen Aufsatz mit dem Thema: Die Grundideen und die Genauig-
keiten der numerischen Nherungsverfahren fr Integrale im Vergleich.
3. Numerische Integrationsverfahren 293

bung 14 Die Bogenlnge einer Kurve


Die Fahrbahn der bekannten Golden-Gate-
Brcke ist an dicken Stahlseilen aufge-
hngt. Die Seilkurve kann durch eine ma-
thematische Funktion beschrieben werden,
die so genannte Kettenlinie. Sie lsst sich
angenhert durch eine Parabel beschrei-
ben. Im Folgenden wird der Frage nachge-
gangen, wie man die Lnge einer solchen
gekrmmten Linie berechnen kann, deren
Funktionsgleichung bekannt ist.

Man sucht also die Bogenlnge einer Funktion f ber dem Intervall [a ; b]. Um diese zu berech-
nen, wird das Intervall [a ; b] in n gleich große Teilintervalle der Breite D x unterteilt.
Der Funktionsgraph von f ber dem Intervall [a ; b] kann nun durch n Strecken li approximiert
werden. Die Bogenlnge L kann durch die Summe der Streckenlngen angenhert werden.

Nach dem Satz des Pythagoras gilt fr die y


Lnge der i-ten Strecke:
rffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffi
 2
pffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffi Dy
2 2
li ¼ D x þ D yi ¼ 1 þ D xi  D x. f
Die Gesamtlnge erhlt man durch Sum- li
mation der n einzelnen Streckenlngen. Δyi
rffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffi
 2 Δx
P P
L  li ¼ 1 þ DDyxi  D x

a = x0 b = xn x

Es handelt sich um eine Produktsumme, die sich im Grenzprozess D x ! 0, n ! 1 in ein In-


tegral verwandelt. Da lim DD yx ¼ f 0 ðxÞ gilt, erhalten wir folgende Formel fr L.
D x!0

Die Bogenlnge ðb qffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffi


 2
Fr die Bogenlnge L des Graphen von f L¼ 1 þ f 0 ðxÞ dx
ber dem Intervall ½a ; b gilt:
a 261-1

I. Berechnen Sie die Bogenlnge der Funktion f ber dem Intervall I exakt.
a) fðxÞ ¼ 2 x  1, I ¼ ½0 ; 2 b) fðxÞ ¼ 18 x4 þ 41x2 , I ¼ ½1 ; 3
pffiffiffiffiffi pffiffiffi
x  ð4 x  3Þ
c) fðxÞ ¼ x3 , I ¼ ½0 ; 4 d) fðxÞ ¼ 6
, I ¼ ½0 ; 9

II. Meistens kann das Bogenlngenintegral nur durch Nherungsintegration berechnet werden.
Fhren Sie dies in den folgenden Fllen durch.
a) fðxÞ ¼ x2 , I ¼ ½0 ; 1; Rechteckverfahren: 5 Rechteckstreifen
b) fðxÞ ¼ 8  2 x2 , I ¼ ½ 2 ; 2; Trapezverfahren: 8 Trapezstreifen
c) fðxÞ ¼ x3 , I ¼ ½1 ; 1; Simpson-Verfahren: 10 Rechteckstreifen
294 X. Weiterfhrung der Integralrechnung

bung 15 Ellipsen
Eine Ellipse mit den Halbachsen a und b 2a
 2  2
hat die Gleichung xa þ yb ¼ 1.
a) Errechnen Sie den Flcheninhalt der e
abgebildeten Ellipse mit den Halbach- 2b
F M F
sen a ¼ 3 und b ¼ 2. e2 = a2 - b2
b) Welchen Umfang hat die Ellipse?
Diese Aufgabe ist relativ schwierig.

bung 16 Messwertkurven
Bei einem Aufprallversuch wird die Kraft F/N Kraftstoß
in zeitlichen Abstnden von 10 ms gemes-
50
sen, wobei sich folgende Messtabelle er-
gibt.
Zeit t in ms 0 10 20 30 40 50 60 70 80
Kraft F in N 2 5 15 37 50 60 55 35 0 10

Wie groß ist die Flche unter der Aus- 10 50 t/ms


gleichskurve durch die Messwerte? Be-
rechnen Sie diese numerisch-manuell mit-
hilfe des
aÞ Trapezverfahrens, 8 Trapezstreifen,
bÞ Simpson-Verfahrens, 4 Simpson-
Streifen.

bung 17
Skizzieren und berechnen Sie den Inhalt der Flche unter dem Graphen von f ber dem Intervall I
(8 Trapezstreifen, 4 Simpson-Streifen oder Rechnereinsatz).
pffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffi 2
aÞ fðxÞ ¼ 4 x  x2 , I ¼ ½0 ; 4 bÞ fðxÞ ¼ x þ2 1 , I ¼ ½1 ; 2 cÞ fðxÞ ¼ x2xþ 1 , I ¼ ½1 ; 1

bung 18 bung 19
Ein Schiff fhrt mit einer Geschwindigkeit Gesucht ist der Flcheninhalt unter der
von 8 km/h auf dem abgebildeten Kurs. Kurve durch die gegebenen 7 Messwerte.
Wie lange dauert die Fahrt von A nach B? a) y
y/km 50
4 A

4
f(x) = x 10

10 50 x

B b)
1 x 0 2 4 6 8 10 12
y 5 8 10 11 10 9

1 4 x/km
X. Weiterfhrung
3. Numerische der Integralrechnung
Integrationsverfahren 295

berblick
Rotationsvolumen
Die Funktion f sei ber dem Intervall ½a ; b differenzierbar und nicht negativ. Rotiert der Graph
von f ber ½a ; b um die x-Achse, so entsteht ein Rotationskrper mit dem Volumen
ðb  y f
2
V¼p fðxÞ dx:
a
a b x

Uneigentliche Integrale
Ist die Funktion f auf dem Intervall ½a; 1 Ist die Funktion f an der Stelle a nicht defi-
stetig und existiert der Grenzwert niert, aber auf dem Intervall a; b stetig
Ðk Ðb
lim fðxÞdx, dann definiert man diesen und existiert der Grenzwert lim fðxÞdx,
k!1 a k!1 k
Grenzwert als uneigentliches Integral dann definiert man diesen Grenzwert als
von f ber ½a; 1½ und schreibt hierfr uneigentliches Integral von f ber a; b
1
Ð Ðb
fðxÞdx. und schreibt hierfr fðxÞdx.
a a

Nherungsformeln fr Integrale


f sei eine auf dem Intervall ½a ; b stetige Funktion.
ðb  
Rechteckverfahren fðxÞ dx  b n a  ðy0 þ y1 þ . . . þ yn1 Þ, yi ¼ f a þ i b n a þ b2na
a
ðb  
Trapezverfahren fðxÞ dx  b2na ðy0 þ 2 y1 þ . . . þ 2 yn1 þ yn Þ, yi ¼ f a þ i b n a
a
ðb  
Keplersche Fassregel fðxÞ dx  b 6 a  fðaÞ þ 4 fðmÞ þ fðbÞ , m ¼ a þ2 b
a
ðb  
Simpson-Verfahren fðxÞ dx  b6na  ðy0 þ 4y1 þ 2y2 þ . .. þ 4 y2n1 þ y2n Þ, yi ¼ f a þ i b2na
a
296 X. Weiterfhrung der Integralrechnung

Test
Weiterfhrung der Integralrechnung
1. Der Graph von fðxÞ ¼ a x2 þ 4 a x schließt mit der x-Achse ein Flchenstck ein.
Fr welche Werte des Parameters a > 0 hat diese Flche den Inhalt A ¼ 163
?

2. Gegeben sind die Funktionen fðxÞ ¼ x3 und gðxÞ ¼  x2 þ 2 x


aÞ Berechnen Sie die Schnittpunkte der Graphen von f und g.
bÞ Skizzieren Sie die Graphen von f und g in ein gemeinsames Koordinatensystem.
cÞ Berechnen Sie den Inhalt der Flche zwischen f und g.

3. Bestimmen Sie den Inhalt A der mar- y


kierten Flche. f (x) = x3 – 4 x

1
x

4. Berechnen Sie den Inhalt der gelben y


Flche. Bestimmen Sie dazu die Funk- f
1
tionsgleichungen der Funktionen 1. und g
2. Grades, deren Graphen dargestellt 5 x
sind und diese Flche begrenzen.
h

5. Gegeben sind die beiden Funktionen fðxÞ ¼  x2 þ 6 x  5 und gðxÞ ¼  13 x2 þ 43 x þ 53 fr


 1  x  5.
aÞ Fhren Sie eine Kurvendiskussion durch (Nullstellen, Extrema, Graphen skizzieren in
einem gemeinsamen Koordinatensystem).
bÞ Welchen Inhalt besitzt die Flche, die von den Graphen von f und g im 1. Quadranten
umschlossen wird?

6. Abgebildet ist der Graph einer quadra- y


tischen Parabel. u2
Wie muss die Zahl u > 0 gewhlt wer-
den, wenn der Inhalt der markierten Fl-
che 36 betragen soll? u x

Lsungen unter 296-1


XIV. Skalarprodukt
und Vektorprodukt
Neben der Addition und der Vielfachenbildung
erlauben die Verknüpfungen zweier Vektoren
durch das Skalarprodukt und das Vektorprodukt
zahlreiche Berechnungsmöglichkeiten von
Objekten des dreidimensionalen Raumes.

__›
c

__ __› __
V = ( a› × b ) · c›
__›
b

__›
a
390 XIV. Skalarprodukt und Vektorprodukt

5. Das Vektorprodukt
A. Die Definition des Vektorprodukts
Im 2. Abschnitt haben wir auf Seite 379 zu zwei gegebenen, linear unabhngigen Vektoren einen
orthogonalen Vektor durch Lsen des zugehrigen Gleichungssystems ermittelt. Solche ortho-
gonale Vektoren sind in der Geometrie und Technik hufig gesucht und werden im folgenden
Kapitel bentigt. Daher entwickeln wir im Folgenden eine Formel, mit der man zu zwei gege-
benen Vektoren des Raums schnell einen orthogonalen Vektor bestimmen kann.

! !
Gesucht ist ein Vektor ~ x, der zu zwei ge- a1 x1
gebenen Vektoren ~ a und ~b des Raums or- a ~
I ~ x¼ a2  x2 ¼0
thogonal ist. Daher mssen die Skalarpro- a3 x3
! !
dukte~ x und ~
a ~ b ~
x null ergeben. Das zuge- b1 x1
hrige Gleichungssystem, das sich durch II ~
b ~
x¼ b2  x2 ¼0
Einsetzen der Spaltenvektoren ergibt, hat b3 x3

unendlich viele Lsungen.


!
a 2 b3  a 3 b2 I a1 x1 þ a2 x2 þ a3 x3 ¼ 0

Der Vektor ~ a 3 b1  a 1 b3 ist eine L-
a 1 b2  a 2 b1 II b1 x1 þ b2 x2 þ b3 x3 ¼ 0
sung, wie sich leicht beweisen lsst:

I a1 ða2 b3  a3 b2 Þ þ a2 ða3 b1  a1 b3 Þ þ a3 ða1 b2  a2 b1 Þ ¼


a1 a2 b3  a1 a3 b2 þ a2 a3 b1  a1 a2 b3 þ a1 a3 b2  a2 a3 b1 ¼ 0
II b1 ða2 b3  a3 b2 Þ þ b2 ða3 b1  a1 b3 Þ þ b3 ða1 b2  a2 b1 Þ ¼
a2 b1 b3  a3 b1 b2 þ a3 b1 b2  a1 b2 b3 þ a1 b2 b3  a2 b1 b3 ¼ 0

Der obige Lsungsvektor ~ a und ~


x ist aus Koordinatenprodukten der Vektoren ~ b aufgebaut. Er
wird als Vektorprodukt der Vektoren ~a und ~ a ~
b bezeichnet und symbolisch als ~ b dargestellt.

Definition des Vektorprodukts


0 1 0 1 0 1
a1 b1 a2 b3  a3 b2
Fr zwei Vektoren ~ a ¼ @ a2 A und ~
b ¼ @ b2 A des Raums heißt ~ b ¼ @ a3 b1  a1 b3 A
a ~
a3 b3 a1 b2  a2 b1
~ ~
(gelesen: „a kreuz b“) das Vektorprodukt von a und b.

390-1

Whrend das Skalarprodukt fr alle Vektoren gilt, also fr Spaltenvektoren mit 2 Koordinaten, 3
Koordinaten, 4 Koordinaten usw., ist das Vektorprodukt nur fr Vektoren im dreidimensionalen
Raum definiert. Ferner stellt das Vektorprodukt zweier Vektoren wieder einen Vektor dar im
Unterschied zum Skalarprodukt, dessen Ergebnis eine reelle Zahl ist.
5. Das Vektorprodukt 391

! !
3 1
c a¼
Beispiel: Gegeben sind ~ 2 und ~
b¼ 1 a ~
. Berechnen Sie ~ b.
....................

1 2

! ! ! ! ! ! !
Lsung: 3 1 a1 b1 a 2 b 3  a 3 b2 2  2  ð1Þ  1 5
2  1 ¼ a2  b2 ¼ a 3 b 1  a 1 b3 ¼ ð1Þ  1  3  2 ¼ 7
1 2 a3 b3 a 1 b 2  a 2 b1 3121 1
c

Das nebenstehende Schema dient als Merkregel:


! !
Merkregel fr das Vektorprodukt. Man er- 1. Koordinate 3 1
hlt die 1. Koordinate des Vektorprodukts, 2  1 2  2  ð1Þ  1 ¼ 5
indem man die 1. Koordinaten der gegebe- 1 2
nen Vektoren streicht, die brigen Koordi- ! !
naten ber Kreuz multipliziert und die Dif- 3 1
2. Koordinate 2  1 ð3  2  ð1Þ  1Þ ¼ 7
ferenz der Produkte bildet. Analog erhlt 1 2
man die 2. und 3. Koordinate. Bei der
! !
Kreuzmultiplikation fr die 2. Koordinate 3 1
muss allerdings zustzlich das Vorzeichen 2  1 3121¼1
umgekehrt werden. 3. Koordinate 1 2

bung 1
a und ~
Berechnen Sie fr die Vektoren ~ a ~
b das Vektorprodukt ~ b ohne und mit CAS.
! ! ! ! ! ! ! !
2 3 1 2 1 2 2 4
a) ~
a¼ 1 ,~
b¼ 4 b) ~
a¼ 3 ,~
b¼ 0 c) ~
a¼ 8 ,~
b¼ 1 d) ~
a¼ 1 ,~
b¼ 2
5 2 7 1 0 1 3 6

Der Vektor ~a ~ b ist, wie oben bereits be- a × b


wiesen, orthogonal zu ~ a und zu ~
b.
Die Vektoren~ a, ~
b und~ a ~b bilden ein sog.
„Rechtssystem“ wie auch die Koordinaten- b
achsen im rumlichen kartesischen Koordi-
natensystem. Die abgebildete „Rechte-
Hand-Regel“ veranschaulicht diesen Be- a
griff. Diese Eigenschaft ist in physikali-
schen Zusammenhngen wichtig.

Eigenschaften des Vektorprodukts:


Fr linear unabhngige Vektoren ~ a und ~
b im Raum gilt:
~ a und zu ~
a  b ist orthogonal zu ~
(1) ~ b.
(2) Die Vektoren ~ a, ~ a ~
b und ~ b bilden ein „Rechtssystem“.

! ! !
bung 2 1 5 2

Gegeben sind die Vektoren ~ 1 ,~
b¼ 2 c¼
und ~ 3 .
3 3 0

Bilden Sie a ~
a) ~ b, a ~
b) ~ c, c) ~
b ~
c, c ~
d) ~ a, a  ð~
e) ~ b ~
cÞ.
392 XIV. Skalarprodukt und Vektorprodukt

B. Rechengesetze fr das Vektorprodukt

Auch fr das Vektorprodukt gelten einige Rechengesetze, von denen wir die wichtigsten auf-
listen und exemplarisch beweisen.

Rechengesetze fr das Vektorprodukt


(1) a ~
~ b ¼ ð~b ~ aÞ Anti-Kommutativgesetz
(2) aÞ  ~
ðr ~ b ¼ r  ð~a ~bÞ fr r 2 R Assoziativgesetz
(3) ~ ~
a  ðb þ~ cÞ ¼ ð~a ~ bÞ þ ð~
a ~cÞ Distributivgesetz

Exemplarischer Beweis zu (1):


! ! !
b 2 a3  b 3 a2 b2 a3 þ b3 a2 a2 b 3  a3 b 2
ð~
b ~
aÞ ¼  b3 a1  b1 a3 ¼ b3 a1 þ b1 a3 ¼ a3 b 1  a1 b 3 a ~
¼~ b
b 1 a2  b 2 a1 b1 a2 þ b2 a1 a1 b 2  a2 b 1

bung 3
Beweisen Sie die Aussagen (2) und (3) im obigen Kasten.

bung 4
Beweisen Sie: Fr jeden Vektor ~
a des Raumes gilt: ~ a ¼~
a ~ 0.

bung 5
Beweisen Sie folgende Eigenschaft des Vektorprodukts:
a und ~
Sind die Vektoren ~ a ~
b linear abhngig, dann gilt: ~ b ¼~
0.

bung 6
a ~
Gilt fr das Vektorprodukt das Assoziativgesetz ð~ bÞ ~ a  ð~
c ¼~ b ~
cÞ?

bung 7
Wahr oder falsch? berprfen Sie die Richtigkeit folgender Gleichungen fr beliebige Vektoren
des Raumes!
a ~
a) ~ b ~b ~a ¼~0 a þ~
b) ð~ a þ~
bÞ  ð~ bÞ ¼~ a þ~
a ~ b ~b

Knobelaufgabe

Zwei Glser sind mit gleichem Volumen gefllt, ein Glas mit Rotwein, das andere mit Weiß-
wein. Aus dem Rotweinglas wird ein Lffel Rotwein entommen und in das Weißweinglas
gegeben. Anschließend wird, ohne sorgfltig umzurhren, aus dem
Weißweinglas dieselbe Portion entnommen und in das Rotwein-
glas zurckgegeben. Befindet sich nun anteilig mehr Rotwein im
Weißweinglas oder mehr Weißwein im Rotweinglas? Htte eine
sorgfltige Mischung zu einem anderen Ergebnis gefhrt?
5. Das Vektorprodukt 393

C. Exkurs: Anwendungen des Vektorprodukts 393-1

Auch mithilfe des Vektorprodukts lsst sich der Flcheninhalt eines Parallelogramms im drei-
dimensionalen Raum berechnen.

Flcheninhalt eines Parallelogramms


Fr den Flcheninhalt des von den Vek- b៬
a und ~
toren ~ b im Raum aufgespannten h
Parallelogramms gilt:
a ~
A ¼ j~ aj  j~
bj ¼ j~ bj  sin g: g
a៬
Beweis:
Wir gehen von der Flcheninhaltsformel Flcheninhalt des Parallelogramms:
fr Parallelogramme A ¼ g  h ¼ j~ aj  h A ¼ j~ aj  j~
aj  h ¼ j~ bj  sin g, 0°  g  180°
~
aus und setzen fr die Hhe h ¼ jbj  sin g
ein, wobei g der von den Vektoren~ a und ~ b
eingeschlossene Winkel ist. Dann erhalten
wir sofort den zweiten Term.
a ~
Es bleibt zu zeigen: j~ aj  j~
bj ¼ j~ bj  sin g.
Hierzu betrachten wir zunchst j~ a ~ bj2 ¼ ð~ bÞ2 .
a ~
!2
a 2 b3  a 3 b2
bÞ2 ¼
a ~
ð~ a 3 b1  a 1 b3 ¼ ða2 b3  a3 b2 Þ2 þ ða3 b1  a1 b3 Þ2 þ ða1 b2  a2 b1 Þ2
a 1 b2  a 2 b1

¼ a22 b23  2 a2 b3 a3 b2 þ a23 b22 þ a23 b21  2 a3 b1 a1 b3 þ a21 b23 þ a21 b22  2 a1 b2 a2 b1 þ a22 b21
¼ a22 b23 þ a23 b22 þ a23 b21 þ a21 b23 þ a21 b22 þ a22 b21  2 a2 a3 b2 b3  2 a1 a3 b1 b3  2 a1 a2 b1 b2
þa21 b21 þ a22 b22 þ a23 b23  a21 b21  a22 b22  a23 b23
¼ ða21 þ a22 þ a23 Þ  ðb21 þ b22 þ b23 Þ  ða1 b1 þ a2 b2 þ a3 b3 Þ2
aj2  j~
¼ j~ bj2  ð~ bÞ2
a ~
aj2  j~
¼ j~ bj2  j~
aj2  j~
bj2  cos2 g
aj2  jbj2  ð1  cos2 gÞ
¼ j~
aj2  j~
¼ j~ bj2  sin2 g

a ~
Da sin g  0 fr 0°  g  180° ist, folgt nun durch Wurzelziehen j~ aj  j~
bj ¼ j~ bj  sin g.

bung 8
Berechnen Sie mithilfe des Vektorprodukts den Flcheninhalt
a) des Parallelogramms ABCD mit Að3; 0; 4Þ, Bð4; 6; 0Þ, Cð0; 7; 1Þ, Dð1; 1; 5Þ,
b) des Dreiecks ABC mit Að5; 0; 0Þ, Bð0; 4; 0Þ, Cð0; 0; 6Þ:
394 XIV. Skalarprodukt und Vektorprodukt

Mithilfe der eben bewiesenen Flcheninhaltsformel fr Parallelogramme lsst sich eine einfache
Formel zur Volumenberechnung eines Spats bzw. einer dreiseitigen Pyramide herleiten.

Volumen eines Spats


Der von den Vektoren ~ a, ~
b, ~
c aufge-
spannte Spat hat das Volumen a × b g
V ¼ jð~ a ~
bÞ ~
cj: c
h
b
g
Beweis:
Wir gehen von der Volumenformel a
V ¼ G  h fr Prismen aus. Die Grundfl- V¼Gh Volumen eines Prismas
che kann mit dem Vektorprodukt als
a ~
j~ bj dargestellt werden, da es sich um a ~
¼ j~ bj  h, a ~
da G ¼ j~ bj
eine Parallelogrammflche handelt. Fr
die Hhe des Spats h gilt h ¼ j~ cj  cos g, a ~
¼ j~ bj  j~
cj  cos g, da h ¼ j~
cj  cos g
wobei g der Winkel zwischen ~ c und h ist.
Da der Vektor ~ a ~ b senkrecht zu~ a und zu a ~
¼ jð~ bÞ ~
cj Definition des SP
~
b steht, verluft er parallel zur Spathhe h.

Wir nehmen an, dass ~ a, ~


b, ~
c rechtssystemartig zueinander liegen (s. Abb.). Dann ist der Winkel
zwischen den Vektoren ~ a ~ b und ~ c ebenfalls g. Der Term j~ a ~bj  j~
cj  cos g stellt daher das
Skalarprodukt von ~ a ~ b und ~ c dar.
Liegen ~ a, ~ c linkssystemartig zueinander, so ergibt sich die Rechnung V ¼ j~
b, ~ a ~
bj  h ¼
a ~
j~ bj  j~
cj  cos g ¼ j~a ~bj  j~ a ~
cj  ð cos g0 Þ ¼ ð~ bÞ ~c, wobei g0 ¼ 180°  g der Winkel zwi-
a ~
schen ~ b und ~ c ist. Insgesamt gilt also V ¼ jð~ a ~bÞ ~cj.

a ~
Bemerkung: Der Term ð~ c wird auch als Spatprodukt bezeichnet.
bÞ ~ 394-1

Beweis:
Volumen einer dreiseitigen Pyramide Die Pyramide hat bekanntlich ein Drittel
Eine von den Vektoren ~ a, ~
b, ~
c aufge- des Volumens eines Prismas mit derselben
spannte dreiseitige Pyramide hat das Grundflche und Hhe. Ein Prisma mit
Volumen dreieckiger Grundflche ist die Hlfte ei-
a ~
V ¼ 16 jð~ bÞ ~
cj: nes Spats. Daher ist das Pyramidenvolu-
men ein Sechstel des Spatvolumens.

! ! !
bung 9 8 2 1

Berechnen Sie das Volumen des von den Vektoren ~ 0 ,~
b¼ 2 c¼
,~ 1 aufgespann-
ten Spats. 0 1 3

bung 10
Berechnen Sie das Volumen der dreiseitigen Pyramide mit den Eckpunkten Að4; 4; 3Þ,
Bð1; 5; 2Þ, Cð1; 1; 4Þ, Dð1; 4; 6Þ. Fertigen Sie ein Schrgbild an.
5. Das Vektorprodukt 395

bungen

a und ~
11. Berechnen Sie fr die Vektoren ~ a ~
b das Vektorprodukt ~ b.
! ! ! ! ! !
0 2 3 2 4 2

a) ~ 3 ,~
b¼ 1 a¼
b) ~ 1 ,~
b¼ 2 c) a¼
~ 1 ,~
b¼ 1
5 1 2 4 2 2

! ! !
6 3 0

12. Gegeben sind die Vektoren ~ 1 ,~
b¼ 2 c¼
,~ 4 .
1 1 1

a ~
a) Bilden Sie ~ b, ~
b ~ c ~
a, ~ a ~
a, ð~ bÞ ~ a ~
c, ð~ bÞ ~
c.
b) Weisen Sie fr die gegebenen Vektoren nach, dass ~a ~ a und zu ~
b senkrecht zu ~ b ist.
c) Beschreiben Sie die Gemeinsamkeiten und die Unterschiede der Vektoren ~ a ~b und
~
b ~a geometrisch-anschaulich.

13. Beweisen Sie:


a und ~
Fr die Vektoren ~ aÞ  ðs  ~
b des Raums gilt: ðr ~ a ~
bÞ ¼ r  s  ð~ bÞ, r, s 2 R.

14. Beweisen Sie:


a, ~
Fr alle Vektoren ~ b und ~ a ~
c des Raums gilt: ð~ c ¼ ð~
bÞ ~ b ~
cÞ ~
a ¼ ð~ aÞ  ~
c ~ b.

15. Berechnen Sie den Flcheninhalt des Dreiecks ABC.


a) Að3; 0; 2Þ, Bð1; 4; 1Þ, Cð1; 3; 2Þ b) Að4; 1; 0Þ, Bð2; 4; 3Þ, Cð1; 1; 5Þ

16. Gegeben sind die Punkte Að1; 3; 6Þ, Bð5; 1; 8Þ, Cð3; 5; 2Þ und Dð3; 3; 4Þ.
a) Zeigen Sie, dass ABCD ein Parallelogramm bilden.
b) Berechnen Sie den Flcheninhalt des Parallelogramms ABCD.

17. Berechnen Sie das Volumen des Spats ABCDEFGH mit Að4; 1; 1Þ, Bð4; 8; 1Þ,
Cð1; 8; 1Þ und Eð3; 2; 3Þ. Fertigen Sie ein Schrgbild des Spats an.

18. Berechnen Sie das Volumen einer dreiseitigen Pryramide mit den Eckpunkten
a) Að5; 0; 0Þ, Bð0; 4; 0Þ, Cð0; 0; 0Þ, Dð2; 2; 6Þ
b) Að4; 0; 1Þ, Bð1; 4; 1Þ, Cð1; 1; 0Þ, Dð1; 1; 5Þ

19. Berechnen Sie mithilfe des Spatprodukts das Volumen einer Pyramide mit viereckiger
Grundflche ABCD und der Spitze S. Die Eckpunkte lauten: Að4; 3; 1Þ, Bð1; 7; 1Þ,
Cð3; 2; 0Þ, Dð0; 0; 0Þ, Sð0; 3; 4Þ. Fertigen Sie ein Schrgbild der Pyramide an.

a, ~
20. a) Zeigen Sie: ~ c sind linear unabhngig, wenn ð~
b, ~ a ~
bÞ ~c 6¼ 0 ist.
b) Zeigen Sie: Wenn ~ a, ~
b, ~ a ~
c linear unabhngig sind, dann gilt: ð~ bÞ ~
c 6¼ 0.
c) Weisen Sie mithilfe des Spatprodukts die lineare Unabhngigkeit der Vektoren
! ! !
1 2 2

~ 2 ,~
b¼ 3 c¼
,~ 0 nach.
4 1 3
396 XIV. Skalarprodukt und Vektorprodukt

D. Zusammengesetzte Aufgaben

1. In einem kartesischen Koordinatensystem sind die Punkte Að5; 1Þ, Bð2; 4Þ und Cð1; 1Þ
gegeben.
a) Zeigen Sie, dass das Dreieck ABC rechtwinklig und gleichschenklig ist.
b) Berechnen Sie den Flcheninhalt des Dreiecks ABC.
c) Bestimmen Sie den Ortsvektor eines Punktes D so, dass ABCD ein Quadrat ist.
d) Bestimmen Sie die Koordinaten des Mittelpunktes des Quadrats ABCD.

2. In einem kartesischen Koordinatensystem sind die Punkte Að2; 2; 3Þ, Bð 2; 0; 3Þ und
Cð 4; 2; 6Þ gegeben.
! !
a) Zeigen Sie, dass die Vektoren AB und AC nicht kollinear sind.
b) Bestimmen Sie den Ortsvektor eines Punktes D so, dass ABCD ein Parallelogramm ist.
c) Berechnen Sie die Innenwinkel des Dreiecks ABC.

3. In einem kartesischen Koordinatensystem sind die Punkte Að1; 1; 1Þ, Bð4; 5; 9Þ und
Ct ð1; t; 5Þ gegeben.
! !
a) Zeigen Sie, dass die Vektoren AB und ACt fr kein reelles t kollinear sind. Fr welchen
! !
Wert fr t sind die Vektoren ACt und BCt kollinear?
! !
b) Fr welchen Wert fr t sind die Vektoren AB und ACt orthogonal?
c) Berechnen Sie fr t ¼ 2 den Flcheninhalt des Dreiecks ABC2 .

4. In einem kartesischen Koordinatensystem sind die Punkte Að3; 0; 0Þ, Bð0; 3; 0Þ, Cð 3; 0; 0Þ,
Dð0; 3 ; 0Þ, Eð0; 0; 3Þ und Fð0; 0; 3Þ gegeben. Sie bilden die Eckpunkte eines Oktaeders.
a) Zeigen Sie, dass ABCD ein Quadrat ist.
b) Zeichnen Sie ein Schrgbild des Oktaeders.
c) Berechnen Sie Volumen und Oberflche des Oktaeders.

5. In einem kartesischen Koordinatensystem sind die Punkte A(2; 2; 2), Bt (2 ; 1; 3 t) und
Ct ð 2 t  2; 5; 1Þ gegeben.
! ! !
a) Zeigen Sie, dass die Ortsvektoren OA , OBt , OCt nur fr t ¼ 1 paarweise orthogonal sind.
b) Die Punkte O, A, Bt , Ct sind Eckpunkte einer Pyramide. Zeichnen Sie fr t ¼ 1 ein Schrg-
bild der Pyramide und berechnen Sie unter Verwendung von Aufgabenteil a das Volumen
dieser Pyramide.
c) Berechnen Sie die Innenwinkel des Dreiecks AB1 C1 (fr t ¼ 1).
d) Zeigen Sie, dass die Seitenmittelpunkte des rumlichen Vierecks OABt Ct (in der ange-
gebenen Reihenfolge) ein Parallelogramm bilden.
! ! !
6 2 1

6. Die Vektoren ~ 0 ,~
b¼ 4 c¼
,~ 1 spannen einen Spat ABCDEFGH auf.
0 0 3

a) Zeichnen Sie ein Schrgbild des Spats.


b) M sei der Mittelpunkt der Strecke EH, L sei der Mittelpunkt der Strecke BC und K sei der
Mittelpunkt der Raumdiagonalen AG. Bestimmen Sie die Ortsvektoren von M, L und K.
c) In welchem Verhltnis teilt K die Strecke ML?
XIV.
5. DasSkalarprodukt
Vektorproduktund Vektorprodukt 397

berblick
Skalarprodukt: Kosinusformel: a ~
~ aj  j~
b ¼ j~ bj  cos g ð0  g  180 Þ
   
a1 b1
a ~
Koordinatenform: ~ b¼  ¼ a1 b1 þ a2 b2
a2 b2
0 1 0 1
a1 b1
b ¼ @ a2 A  @ b2 A ¼ a1 b1 þ a2 b2 þ a3 b3
a ~
~
a3 b3

Rechenregeln fr das a ~


~ b ¼~ b ~
a Kommutativgesetz
Skalarprodukt: ~ ~
ðr~aÞ  b ¼ rð~
a  bÞ fr r 2 R
a þ~
ð~ bÞ ~
c ¼~ c þ~
a ~ b ~
c Distributivgesetz
a 2 ¼~
~ a ~ a 6¼ ~
a > 0 fr ~ 0
a 2 ¼~
~ a ~ a ¼~
a ¼ 0 fr ~ 0

Der Betrag eines Vektors: Fr den Betrag (die Lnge) eines Vektors ~
a gilt die Formel
2
pffiffiffiffiffiffiffiffi
j~
a j ¼~
a ~
a bzw: j~aj ¼ ~a ~a:

Orthogonale Vektoren: a ?~
~ a ~
b , ~ b¼0
0 1
a2 b3  a3 b2
Vektorprodukt: ~ b ¼ @ a3 b1  a1 b3 A
a ~
a1 b2  a2 b1

Rechengesetze fr das a ~


(1) ~ b ¼ ð~b ~ aÞ Anti-Kommutativgesetz
Vektorprodukt: aÞ  ~
(2) ðr ~ b ¼ r  ð~a ~bÞ fr r 2 R Assoziativgesetz
a  ð~
(3) ~ b þ~cÞ ¼ ð~a ~ bÞ þ ð~
a ~cÞ Distributivgesetz

qffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffi
Flcheninhalt eines A¼ a 2 ~
~ b2  ð~ a ~ bÞ2 a ~
oder A ¼ j~ aj  j~
bj ¼ j~ bj  sin g
Parallelogramms:

Volumen eines Spats: a ~


V ¼ jð~ bÞ ~
cj

Volumen einer a ~
V ¼ 16jð~ bÞ ~
cj
dreiseitigen Pyramide:
398 XIV. Skalarprodukt und Vektorprodukt

Test
Skalarprodukt und Vektorprodukt
a und0~
1. Berechnen Sie das Skalarprodukt von ~ b. 1 0 1 0 1 0 1
1 3 1 2a
a) a b) a¼@
~ ~
2 ; b ¼ @3A
A c) ~ A ~
a ¼ a ; b ¼ 3A
@ @
2 4 2 a
1
b
0 1 0 1
3 1
2. Wie groß ist der Winkel zwischen den a ¼ @2A
Vektoren ~ und ~
b ¼ @ 4 A?
4 3
0 1 0 1 0 1 0 1
2 1 2 1
3. Gegeben sind die Geraden x ¼ 0 þ r 2A
g: ~ @ A @ und x ¼ 1 þ s 1 A.
h: ~ @ A @
4 1 1 2
a) Berechnen Sie den Schnittpunkt und den Schnittwinkel von g und h.
b) Fertigen Sie eine Skizze an.

4. Vom abgebildeten Quader (Lnge 8, z


Breite 4, Hhe 4) wurde ein Eckteil ab-
getrennt. 4
B
a) Gesucht sind die Innenwinkel und C 2
der Flcheninhalt der Schnittflche 3
ABC.
b) Welches Volumen hat das abge- 8 y
trennte Eckstck? 4
A
x
0 1 0 1
4 1
5. Bestimmen Sie einen Vektor ~
n, der zu den a ¼ @ 6 A, ~
Vektoren ~ b ¼ @4A orthogonal ist.
2 2

6. Prfen Sie, ob das Dreieck ABC mit Að3 j 0 j 0Þ, Bð5 j 4 j1Þ und Cð0 j 6 j 3Þ rechtwinklig ist.
0 1
3
7. a) Welchen Winkel bildet die Ursprungsgerade x ¼ r@ 4 A
g: ~ mit der x-Achse, mit der
y-Achse und mit der z-Achse? 3 0 1
3
x ¼ r@ 4 A mit der
b) Wie groß muss t > 0 gewhlt werden, damit die Ursprungsgerade g: ~
z-Achse einen Winkel von 45 bildet? t

8. Gegeben ist eine dreiseitige Pyramide mit den Eckpunkten Að2 j 2 j 3Þ, Bð4 j 8 j 0Þ, Cð1 j 6 j 1Þ
und Dð2 j 5 j 6Þ.
a) Zeichnen Sie ein Schrgbild der Pyramide.
b) Berechnen Sie die Oberflche der Pyramide.
c) Berechnen Sie das Volumen der Pyramide.

Lsungen unter 398-1


XVII. Kugeln

Auch Kugeln im Raum können mithilfe von


Vektoren analytisch beschrieben werden.
Damit gelingt auf rechnerischem Wege sowohl
die Untersuchung von Lagebeziehungen
als auch die Bestimmung von Schnittmengen.
466 XVII. Kugeln

Berliner Fernsehturm – Erffnung: 3. Oktober 1969 – Hhe: 368 m – Kugel in 200-232 m Hhe – Kugeldurchmesser: 32 m
1. Kugelgleichungen
Kugeln im Raum knnen analog zu Kreisen in der Ebene sowohl
durch eine Vektorgleichung als auch durch eine Koordinaten-
gleichung dargestellt werden.

z Jeder Punkt X der Kugel hat den glei-


X chen Abstand r vom Kugelmittelpunkt
!
M. Daher hat der Vektor MX ¼~ xm ~
x$ stets den Betrag r.
M
Die Gleichung j~ xm~ j ¼ r bzw. die
m
$ quivalente Gleichung ð~ xm ~ Þ2 ¼ r2
wird also genau von den Punkten er-
y
x fllt, die auf der Kugel liegen.

Kugelgleichungen
K sei eine Kugel um den Mittelpunkt Mðm1 jm2 jm3 Þ mit
dem Radius r.
Ein Punkt X liegt genau dann auf der Kugel K, wenn eine
der folgenden Gleichungen erfllt ist:

Vektorgleichung der Kugel


K: j~
xm~ j ¼ r oder K: ð~ ~ Þ2 ¼ r2
xm

Koordinatengleichung der Kugel


K: ðx  m1 Þ2 þ ðy  m2 Þ2 þ ðz  m3 Þ2 ¼ r2

466-1

c Beispiel: Kugelgleichung
..............................................

Wie lautet die Gleichung der Kugel K mit dem Mittelpunkt


Mð2 j 3 j 1Þ und dem Radius r ¼ 3?

Lsung:
 ! " !#2
Durch Einsetzen des Ortsvektors bzw. der  2  2
 
Koordinaten von M und des Radius in die K: ~x 3  ¼ 3; K: ~
x 3 ¼9
 1  1
obigen Gleichungen erhalten wir die
rechts dargestellte Vektorgleichung und
die Koordinatengleichung der Kugel. Die K: ðx  2Þ2 þ ðy  3Þ2 þ ðz  1Þ2 ¼ 32
Koordinatengleichung lsst sich durch
c Klammerauflsung noch vereinfachen. K: x2  4 x þ y2  6 y þ z2  2 z ¼ 5

bung 1
Gesucht sind Gleichungen der Kugel K mit dem Mittelpunkt
pffiffiffi M und dem Radius r.
a) Mð4 j 2 j 1Þ, r ¼ 5 b) Mð2 j 1 j 4Þ, r ¼ 3 c) Mð0 j  4 j 0Þ, r ¼ 16
1. Kugelgleichungen 467

c Beispiel: Punktprobe
.............................................................

Prfen Sie, ob die Punkte Að6 j 1 j 2Þ, Bð4 j 3 j 4Þ und Cð6 j 5 j 3Þ auf der Kugel K um den
Mittelpunkt Mð2 j 1 j 5Þ mit dem Radius r=5 liegen.

Lsung:
Wir stellen zunchst die Koordinatenglei- Kugelgleichung:
chung der Kugel K auf. ðx  2Þ2 þ ðy  1Þ2 þ ðz  5Þ2 ¼ 25
Anschließend setzen wir die Koordinaten
der gegebenen Punkte in die linke Seite der Punktproben:
Kugelgleichung ein. Nur der Punkt A er-
fllt die Kugelgleichung. Er liegt auf der A: ð6  2Þ2 þ ð1  1Þ2 þð2 5Þ2 ¼ 25
Kugeloberflche. Der Punkt B liegt in der B: ð4  2Þ2 þ ð3  1Þ2 þ ð4  5Þ2 ¼ 9 < 25
Kugel, da sein Abstand zum Mittelpunkt C: ð6  2Þ2 þ ð5  1Þ2 þ ð3  5Þ2 ¼ 36 > 25
3 < 5 betrgt. Der Punkt C liegt außerhalb A liegt auf K.
der Kugel, denn sein Abstand zum Mittel- B liegt innerhalb von K.
c punkt ist 6 > 5. C liegt außerhalb von K.

bung 2
Prfen Sie, ob A und B auf der Kugel K mit dem Mittelpunkt M und dem Radius r liegen.
a) Mð2 j 1 j 4Þ, r ¼ 3 b) Mð1 j 1 j 5Þ, r ¼ 5 c) Mð 2 j 4 j 3Þ, r ¼ 6
Að4 j 1 j 5Þ Að5 j  2 j 5Þ Að0 j 0 j 0Þ
Bð3 j 2 j 1Þ Bð1 j 3 j 3Þ Bð4 j 1 j 5Þ

bung 3
a) Fr welche Werte des Parameters t liegt der Punkt Pðt j  2 j 12Þ auf der Kugel mit dem Mittel-
punkt Mð1 j 3 j 2Þ und dem Radius r ¼ 15?
b) Wie lautet die Gleichung der Kugel K um den Mittelpunkt Mð2 j 1 j 5Þ, die den Punkt
Að 6 j 5 j 4Þ enthlt?

c Beispiel: Radius und Mittelpunkt


.....................................................

Eine Gleichung der Form x2 þ a x þ y2 þ b y þ z2 þ cz ¼ d kann eine Kugel K darstellen.


Bestimmen Sie Mittelpunkt und Radius der Kugel K: x2  2 x þ y2  4 y þ z2 þ 8 z ¼ 15.

Lsung:
Die Kugelgleichung enthlt drei quadrati- K: x2 2x þy2  4yþ z2 þ8z ¼ 15
sche Terme fr x, y und z. Wir formen jeden K: x2 2xþ1þ y2  4yþ4þ z2 þ8zþ16
dieser Terme mittels quadratischer Ergn- ¼ 15þ21
zung in ein Binom um. Die rechte Seite der
K: ðx 1Þ2 þ ðy 2Þ2 þ ðz þ 4Þ2 ¼ 36
Gleichung ergnzen wir durch Addition ent-
sprechend. Wir erhalten eine Gleichung der K: ðx 1Þ2 þ ðy 2Þ2 þ ðz þ 4Þ2 ¼ 62
Form ðx  aÞ2 þ ðy  bÞ2 þ ðz  cÞ2 ¼ r2 ,
aus der wir Mittelpunkt M und Radius r un- Mittelpunkt: Mð1 j 2 j  4Þ
c mittelbar ablesen knnen. Radius: r¼6

bung 4
Bestimmen Sie Mittelpunkt M und Radius r der Kugel K.
a) K: x2 þ 4 x þ y2  6 y þ z2 þ 10 z ¼ 62 b) K: x2 þ y2 þ z2  2 x þ 4 y ¼ 11
468 XVII. Kugeln

bungen
5. Wie lautet die Gleichung der Kugel K um den Mittelpunkt
pffiffiffi M mit dem Radius r?
a) Mð2 j 1 j 2Þ, r ¼ 4 c) Mð0 j 1 j 1Þ, r ¼ 5 e) Mð0 j 0 j 0Þ, r ¼ 4
b) Mð1 j 4 j 0Þ, r ¼ 3 d) Mð2 j 1 j 1Þ, r ¼ 1 f) Mð1 j 1 j 1Þ, r ¼ 2
Vektorgleichung Koordinatengleichung beide Gleichungsarten

6. Prfen Sie, ob die Punkte A und B auf, innerhalb oder außerhalb der Kugel K liegen.
" !# 2 " !#2
0 6
a) K: ~
x 0 ¼ 169, Að5j12j0Þ, Bð10j8j2Þ b) K: ~
x 5 ¼ 25, Að2j2j2Þ, Bð3j3j2Þ
0 2

c) K: ðx  3Þ2 þ ðy þ 1Þ2 þ ðz  1Þ2 ¼ 49, d) K: x2 þ y2 þ ðz þ 3Þ2 ¼ 121,


Að6 j 1 j  5Þ, Bð4 j 5 j  2Þ Að0 j 0 j 8Þ, Bð2 j 6 j 6Þ
pffiffiffiffiffi
e) K: Mð2j0j3Þ, r ¼ 9, Að6j4j10Þ, Bð5j7j8Þ f) K: Mð0j0j2Þ, r ¼ 17, Að4j1j3Þ, Bð2j3j0Þ

7. Die gegebene quadratische Gleichung stellt eine Kugel K dar. Bestimmen Sie Mittelpunkt
und Radius dieser Kugel.
a) K: x2 þ y2  2 y þ z2 þ 2 z ¼ 2 b) K: x2 þ y2 þ z2  8 x þ 4 y þ 10 z ¼ 4
2 2 2
c) K: x þ y þ z  2 ¼ 4 x  2 y þ 8 d) K: ðx  1Þ2 þ y2 ¼ 2 y þ 2 z  z2  1
2 2 2
e) K: x þ y þ z ¼ 8 x  4 z f) K: x2 2axþz2 ¼ y2 2azþ7a2 ða > 0Þ

8. Gesucht ist die Gleichung einer Kugel K mit folgender Eigenschaft:


a) K hat den Mittelpunkt Mð1 j 2 j  4Þ und geht durch den Punkt Að3 j 6 j 3Þ.
b) K ist eine Ursprungskugel, welche die Ebene E: z=5 berhrt.
c) K ist eine Ursprungskugel, welche den Punkt Að6 j 17 j 6Þ enthlt.

9. Eine Gerade g durch den Mittelpunkt der Kugel K schneidet die Kugel in den Punkten A und
B. Bestimmen Sie Mittelpunkt und Radius der Kugel K.
a) Að3 j 7 j 10Þ b) Að4 j 3 j 9Þ c) Að4 j 13 j 12Þ
Bð1 j  5 j  8Þ Bð 4 j  5 j  5Þ Bð 6 j  7 j  8Þ

10. Der Punkt A liegt auf der Kugel K. Welcher Punkt B der Kugel K liegt exakt gegenber von
Punkt A?
a) K: ðx  6Þ2 þ ðy þ 2Þ2 þ z2 ¼ 121, Að8j4 j9Þ b) K: x2 þ ðy  4Þ2 þ z2 ¼ 361, Að6 j21 j6Þ

11. Die Kugeln K1 und K2 schneiden sich nicht. Welche beiden Punkte von K1 bzw. K2 haben
den geringsten Abstand voneinander?
a) K1 : x2 þ y2 þ z2 ¼ 81 b) K1 : ðx1Þ2 þðy1Þ2 þðz1Þ2 ¼ 49
2 2 2
K2 : ðx  6Þ þ ðy  12Þ þ ðz  12Þ ¼ 36 K2 : ðx9Þ2 þðy13Þ2 þðz25Þ2 ¼ 196

12. Die Kugel K um den Mittelpunkt M soll die Ebene E in einem Punkt B berhren. Welchen
Radius r besitzt die Kugel? Wie heißt der Berhrpunkt B?
a) E: 4 x  4 y þ 7 z ¼ 81, Mð0 j 0 j 0Þ b) E: 2 x þ 3 y þ 6 z ¼ 42, Mð2 j  4 j  8Þ

13. Bestimmen Sie eine Gleichung der Kugel K durch den Punkt Pð12 j 4 j 16Þ, welche die x-y-
Ebene im Ursprung berhrt.
2. Kugeln, Geraden und Ebenen 469

2. Kugeln, Geraden und Ebenen


A. Die gegenseitige Lage von
Kugel und Gerade

te

ante
ante

gen

Pass
Sek

Tan
Eine Gerade g im Raum kann Passante,
Tangente oder Sekante einer gegebenen
Kugel sein.
Man berprft dies durch Einsetzen der K
Geradenkoordinaten in die Kugelglei-
chung.

c Beispiel: Passante/Tangente/Sekante pffiffiffiffiffi


..............................................................................................................

Gegeben sind die Kugel K um den Mittelpunkt Mð5 j 1 j 0Þ mit Radius r ¼ 14 sowie die
Geraden g1!
, g2 und g3 . !
Welche gegenseitige
! Lage besitzen
! die Geraden!und die Kugel?
!
6 1 4 2 2 1

g1 : ~ 1 þs 1 x¼
g2 : ~ 4 þs 4 x¼
g3 : ~ 2 þs 1
7 2 3 1 1 1

Lsung:
Wir stellen zunchst die Koordinatenglei- Kugelgleichung:
chung der Kugel auf. K: ðx  5Þ2 þ ðy  1Þ2 þ z2 ¼ 14

In diese setzen wir die allgemeinen Koordi- Lage von g1 und K:


naten x ¼ 6 þ s, y ¼ 1  s und z ¼ 7 þ 2 s ð6 þ s  5Þ2 þ ð1  s  1Þ2 þ ð7 þ 2sÞ2 ¼ 14
der Geraden g1 ein. Wir erhalten eine quad- 6 s2 þ 30 s þ 50 ¼ 14
ratische Gleichung fr den Geradenpara- s1 ¼ 3 und s2 ¼ 2 ) Sekante
meter s, die die beiden Lsungen s1 ¼ 3 S1 ð3 j 4 j 1Þ, S2 ð4 j 3 j 3Þ
und s2 ¼ 2 hat. Die Gerade g1 ist also Ku-
gelsekante.

Analog verfahren wir mit der Geraden g2 . Lage von g2 und K:


Sie hat nur einen gemeinsamen Punkt 21 s2 þ 42 s þ 35 ¼ 14
Bð2 j 0 j 2Þ mit der Kugel. Die Gerade g2 s ¼ 1 ) Tangente
ist Kugeltangente. Bð2 j 0 j 2Þ

Die Gerade g3 hat gar keine gemeinsamen Lage von g3 und K:


Punkte mit der Kugel. Es ist eine Kugel- 3 s2  10 s þ 51 ¼ 14
c passante. unlsbar ) Passante

bung 1 pffiffiffi
Gegeben sind die Kugel K mit dem Mittelpunkt Mð 2 j 1 j 3Þ und dem Radius r ¼ 6 sowie die
Gerade g durch die Punkte A und B. Untersuchen Sie die gegenseitige Lage von g und K.
a) Að 3 j  7 j 8Þ b) Að1 j 4 j 4Þ c) Að2 j 2 j 2Þ
Bð 2 j  4 j 6Þ Bð1 j 5 j 4Þ Bð 3 j 2 j 7Þ
470 XVII. Kugeln

B. Die gegenseitige Lage von Kugel und Ebene

Eine Kugel K und eine Ebene E knnen prinzipiell drei verschiedene Lagen zueinander ein-
nehmen. Dazu betrachtet man den Abstand d des Kugelmittelpunktes M von der Ebene E, den
man mit der Abstandsformel (Hesse’sche Normalenform der Ebene) errechnet und mit dem
Kugelradius r vergleicht.

E E E
r r r
d d d
M M M F
F F

Ist d > r, so schneiden sich Ebene Ist d ¼ r, so berhrt die Ebene E Ist d < r, so schneidet die Ebene E
E und Kugel K nicht. die Kugel K im Fußpunkt F des die Kugel K in einem Kreis k0 ,
Der Lotfußpunkt F des Lotes von Lotes von M auf E. den man als Schnittkreis von Ku-
M auf E ist dann derjenige Ebe- E ist eine Tangentialebene von K. gel und Ebene bezeichnet.
nenpunkt, der den kleinsten Ab-
stand zur Kugel K hat.

bung 2
Prfen Sie, ob die Ebene E die Kugel K schneidet, berhrt oder verfehlt.
" !# !
4 1
x
a) E: ~ 2  2 ¼0 b) E: 2 x  4 y þ 4 z ¼ 38
5 2

K: x2 þ y2 þ z2 ¼ 25 K: ðx  3Þ2 þ ðy  3Þ2 þ ðz  2Þ2 ¼ 36

C. Der Schnittkreis von Kugel und Ebene

c Beispiel: Berechnung des Schnittkreises


...................................................................

ZeigenSie,dass dieEbene E: 2x  y  2z ¼ 7 dieKugel K: ðx  2Þ2 þ ðy þ 1Þ2 þ ðz  3Þ2 ¼ 9


schneidet. Bestimmen Sie den Radius r0 und den Mittelpunkt M0 des Schnittkreises k0 .

Lsung:
Wir stellen zunchst eine Hesse’sche Nor- Hessesche Normalengleichung von E:
" !# !
malengleichung von E auf. Hierzu entneh- 0 2=3
men wir der Koordinatengleichung einen x
E: ~ 7  1=3 ¼0
Ebenenpunkt, z. B. Að0 j 7 j 0Þ, sowie einen 0 2=3
Normalenvektor.
Den Abstand des Kugelmittelpunktes
Mð2 j 1 j 3Þ zur Ebene E ermitteln wir Abstand des Mittelpunktes M von E:
" ! !# !
durch Einsetzen in die linke Seite der Hes-  2 0 2=3 

se’schen Normalengleichung. Wir erhal- d ¼  1  7  1=3  ¼ 2 < 3
 3 0 2=3 
ten d ¼ 2. Da dieser Wert kleiner als der
Kugelradius r ¼ 3 ist, schneidet die Ebene ) Die Ebene E schneidet die Kugel K.
. E die Kugel K.
2. Kugeln, Geraden und Ebenen 471

Der Radius r0 des Schnittkreises k0 von Ku-


.................................................................................................

gel und Ebene kann mithilfe des Satzes von M'


Pythagoras errechnet werden, was aus der k' r' E
nebenstehenden Grafik ersichtlichpist: d
ffiffiffi
ðr0 Þ2 ¼ r2  d2 . Wir erhalten r0 ¼ 5. r
M
K

Der Mittelpunkt M0 des Schnittkreises k0 Der Radius r' des Schnittkreises k':
pffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffi pffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffi pffiffiffi
ist der Fußpunkt des Lotes von M auf die r 0 ¼ r2  d2 ¼ 32  22 ¼ 5
Ebene E.
Als Sttzpunkt der Lotgeraden g knnen
wir den Mittelpunkt M verwenden und
als Richtungsvektor einen Normalenvek- Der Mittelpunkt M' des Schnittkreises k':
tor ~
n der Ebene. Dies fhrt auf: " ! ! !# !
2 2 0 2
! ! 1 þs 1  7  1 ¼0
2 2 3 2 0 2

g: ~ 1 þs 1 : |fflfflfflfflfflfflfflfflfflfflfflfflfflffl{zfflfflfflfflfflfflfflfflfflfflfflfflfflffl}
3 2 Gerade g

Durch Einsetzung hiervon in die Ebenen-


gleichung errechnen wir den Schnittpunkt 9 s þ 6 ¼ 0, s ¼  23
M0 von g und E.
c Das Resultat ist M ð j j Þ. M0 ð23j13j13

0 2 1 13
3 3 3

bung 3
Untersuchen Sie die gegenseitige Lage der Ebene E und der Kugel K. Bestimmen Sie ggf. Radius
und Mittelpunkt des Schnittkreises.
" !# ! " !#2
1 2 3
x
a) E: ~ 0  1 ¼ 0, K: ~
x 2 ¼ 25
2 2 1

b) E: 2 x þ 3 y þ 6 z ¼ 21, K: ðx þ 1Þ2 þ ðy  2Þ2 þ ðz  4Þ2 ¼ 100

c Beispiel: Spurkreise einer Kugel


.........................................................

Die Kugel K um den Mittelpunkt Mð 2 j 4 j 3Þ mit dem Radius r ¼ 4 schneidet die y-z-Ebene.
Bestimmen Sie den Mittelpunkt M0 und den Radius r0 des Schnittkreises k0 von Kugel und
y-z-Ebene, den man als Spurkreis der Kugel in der y-z-Ebene bezeichnet.

Lsung:
z
Der Spurkreismittelpunkt M0 ist der Fuß-
punkt des Lotes vom Kugelmittelpunkt K
Mð 2 j 4 j 3Þ auf die y-z-Ebene, d. h. der
Punkt M0 ð0 j 4 j 3Þ. k'
Der Abstand d des Kugelmittelpunktes M
r
von der y-z-Ebene ist der Abstand von M d
r' M'
und M0 , also d ¼ 2.
0
Der pRadius
ffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffir des Spurkreises
pffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffi pffiffiffiffiffiist daher
c r0 ¼ r2  d2 ¼ 42  22 ¼ 12.
y
x
472 XVII. Kugeln

D. Tangentialebenen

Besitzen eine Ebene E und eine Kugel K nur genau einen gemeinsamen Punkt B, so bezeichnet
man die Ebene E als Tangentialebene von K im Punkt B. Der Punkt B heißt Berhrpunkt von
E und K.
!
Der Vektor BX , der vom Berhrpunkt B zu z
einem beliebigen Ebenenpunkt X fhrt, ist
! X
orthogonal zum Radiusvektor MB. Es gilt
! !
x~
also: BX MB ¼ 0 bzw. ð~ bÞð~ ~ Þ ¼ 0.
b m
B
x៬ E
Gleichung der Tangentialebene b៬
Die Tangentialebene E, welche die Ku- M
gel K um den Mittelpunkt M im Punkt B ៬
m
berhrt, hat die Gleichung y
x ~
E: ð~ bÞ  ð~
bm
~ Þ ¼ 0.
x
K

c Beispiel: Gleichung einer Tangentialebene


.................................................

Gegeben ist die Kugel K um den Mittelpunkt Mð4 j 2 j 3Þ mit dem Radius r ¼ 3.
Wie lautet die Gleichung der Tangentialebene E, welche die Kugel im Punkt Bð3 j 0 j 5Þ
berhrt?

Lsung: " !# " ! !#


Wir setzen in die allgemeine Tangential- 3 3 4
ebenengleichung E: ð~ x ~bÞ  ð~
bm
~Þ ¼ 0 x
E: ~ 0  0  2 ¼0
5 5 3
die Ortsvektoren des Berhrpunktes B
" !# !
und des Mittelpunktes M ein. Auf diese 3 1
Normalen-
Weise erhalten wir die rechts dargestellte x
E: ~ 0  2 ¼0 gleichung
Normalengleichung, die wir in eine Koor- 5 2
c dinatengleichung umwandeln knnen. Koordinaten-
E:  x  2 y þ 2 z ¼ 7 gleichung

c Beispiel: Berechnung des Berhrpunktes


.................................................

Weisen Sie nach, dass die Ebene E:  2 x þ 2 y  z ¼ 26 eine Tangentialebene der Kugel K
um den Mittelpunkt Mð2 j 2 j 1Þ mit dem Radius r ¼ 9 ist.
Bestimmen Sie den Berhrpunkt B von E und K.

Lsung:
Wir stellen eine Hesse’sche Normalen- Hessesche
" Normalengleichung
!# ! von E:
gleichung von E auf und errechnen durch 0 2=3
Einsetzung des Ortsvektors von M den Ab- x
E: ~ 0  2=3 ¼0
26 1=3
stand d von M zur Ebene E.
Wir erhalten d ¼ 9. Da dies genau der Ra- Abstand
" !von M und E:
!# !
dius r ¼ 9 ist, handelt es sich bei der Ebene  2 0 2=3 
 
. E um eine Tangentialebene zur Kugel K. d:  2  0  2=3 ¼9
 1 26 1=3 
2. Kugeln, Geraden und Ebenen 473
...................................

Der Berhrpunkt B ist der Schnittpunkt Lotgerade g von M auf E:


! !
der Lotgeraden g von M auf E. Als Sttz- 2 2
vektor von g verwenden wir den Ortsvek- x¼
g: ~ 2 þs 2
tor von M und als Richtungsvektor einen 1 1
Normalenvektor von E.
Die Schnittpunktberechnung erfolgt durch Schnittpunkt von g und E:
Einsetzung der Koordinaten von g in die 2  ð2  2sÞ þ 2  ð2 þ 2 sÞ  ð1  sÞ ¼ 26
Koordinatengleichung von E. ) s=3
c Resultat: Bð 4 j 8 j  2Þ ) Bð 4 j 8 j  2Þ

bung 4
Betrachtet werden die Kugel K um den Mittelpunkt M mit dem Radius r sowie der Punkt B.
Zeigen Sie, dass B auf K liegt, und bestimmen Sie die Gleichung der Tangentialebene E, welche
die Kugel K in B berhrt.
pffiffiffi
a) Mð1 j  2 j 1Þ, r ¼ 6, Bð0 j 0 j 2Þ b) Mð5 j 1 j  2Þ, r ¼ 6, Bð7 j 5 j 2Þ

bung 5
Gesucht ist der Berhrpunkt B der Kugel K um den Mittelpunkt M mit ihrer Tangentialebene E.
a) Mð1 j 1 j  2Þ, E: 2 x þ 3 y  6 z ¼ 81 b) Mð1 j 1 j 2Þ, E: 2 x  y þ z ¼ 13

c Beispiel: Zu einer Ebene parallele


.............................................................................................................

Tangentialebenen n៬
Gegeben sind die Kugel K um den E
Mittelpunkt Mð2 j 1 j 0Þ mit dem B1
Radius r ¼ 6 sowie die Ebene E1
M
E: 2 x  y þ 2 z ¼ 30. Wie lauten die B2
Gleichungen der beiden Tangentialebe-
nen von K, die zu E parallel sind? E2

Lsung:
Wir bestimmen zunchst eine Gleichung Lotgerade g von M auf E:
! !
der zur Ebene E orthogonalen Geraden g, 2 2
die durch den Kugelmittelpunkt M geht x¼
g: ~ 1 þs 1
(Sttzvektor: Ortsvektor von M, Rich- 0 2
tungsvektor: Normalenvektor von E).
Gleichung der Kugel K:
Die Schnittpunkte B1 und B2 dieser Lotge- K: ðx  2Þ2 þ ðy  1Þ2 þ z2 ¼ 36
raden mit der Kugel sind die Berhrpunkte Schnittpunkte von g und K:
der gesuchten Tangentialebenen an die ð2 þ 2 s  2Þ2 þ ð1  s  1Þ2 þ ð2 sÞ2 ¼ 36
Kugel. Wir errechnen sie durch Einsetzen 9 s2 ¼ 36
der allgemeinen Koordinaten von g in die s ¼ 2: B1 ð6 j 1 j 4Þ
Kugelgleichung. s ¼ 2: B2 ð 2 j 3 j  4Þ
Die Tangentialebenen E1 und E2 besitzen Tangentialebenen:
den gleichen Normalenvektor wie E und E1 : 2 x  y þ 2 z ¼ 21
enthalten die Punkte B1 bzw. B2 , was auf E2 : 2 x  y þ 2 z ¼ 15
c die rechts dargestellten Gleichungen fhrt. 473-1
474 XVII. Kugeln

bungen
6. Untersuchen Sie die gegenseitige Lage der Kugel K und der Geraden g.
Berechnen Sie ggf. die gemeinsamen Punkte von Kugel und Gerade.
pffiffiffiffiffi pffiffiffiffiffi
a) K: Mð6 j 1 j 4Þ, r ¼ 17 b) K: Mð8 j 2 j 2Þ, r ¼ 50
! ! ! !
4 1 6 1

g: ~ 1 þs 2 x¼
g: ~ 10 þs 1
3 1 11 3

pffiffiffi
c) K: Mð8 j 2 j 4Þ, r ¼ 3 d) K: Mð2 j 1 j 6Þ, r ¼ 5
! ! ! !
2 4 10 2

g: ~ 8 þs 4 x¼
g: ~ 10 þs 2
7 2 4 1

7. Untersuchen Sie die gegenseitige Lage der Ebene E und der Kugel K.
Berechnen Sie hierzu den Abstand des Kugelmittelpunktes von der Ebene E.
a) E: 2 x þ 2 y  z ¼ 9 b) E: 2 x  2 y  z ¼ 35
K: Mð0 j 0 j 0Þ, r ¼ 6 K: Mð5 j  4 j 1Þ, r ¼ 5
" !# !
7 1
c) E: 2 x þ 3 y þ 6 z ¼ 12 x
d) E: ~ 6  2 ¼0
12 2

K: Mð5 j 5 j 6Þ, r ¼ 25 K: ðx  1Þ2 þ ðy  1Þ2 þ ðz  2Þ2 ¼ 169


" !# ! ! ! !
19 2 10 0 1
x
e) E: ~ 0  4 ¼0 x¼
f) E: ~ 6 þs 1 þt 2
0 4 2 4 0

K: x2  6 x þ y2  6 y þ z2  4 z ¼ 14 K: ðx  1Þ2 þ ðy  3Þ2 þ ðz  5Þ2 ¼ 144

8. Die Ebene E und die Kugel K schneiden sich. Weisen Sie dies nach und berechnen Sie
Radius r0 und Mittelpunkt M0 des Schnittkreises k0 .
a) E: 8 x þ 4 y þ z ¼ 106 b) E: x  4 y  4 z ¼ 33 c) E: x  2 y þ 2 z ¼ 19
K: Mð1 j 3 j 5Þ, r ¼ 12 K: x2 þ y2 þ z2 ¼ 49 K:ðx3Þ2 þðy3Þ2 þðz2Þ2 ¼36

9. Die Ebene E und die Kugel K mit dem Radius r schneiden sich im Kreis k0 mit dem Mittel-
punkt M0 und dem Radius r0 . Bestimmen Sie den Mittelpunkt M der Kugel K.
(Es gibt zwei Mglichkeiten M1 und M2 .)
a) E: x  2 y þ 2 z ¼ 1 b) E: 2 x þ 3 y þ 6 z ¼ 40 c) E: 3p þ 4 y ¼ 25
x ffiffiffiffiffi
0 0
r ¼ 15, M ð3 j 2 j 2Þ, r ¼ 12 r ¼ 50, M ð5 j 2 j 6Þ, r ¼ 48 r ¼ 41, M0 ð3 j 4 j 0Þ, r0 ¼ 4
0 0

10. Gegeben sind die Kugel K und die Ebene E. Gesucht sind Mittelpunkt M0 und Radius r0 des
Spurkreises von k0 in der Ebene E.
a) K: Mð7 j 20 j 15Þ, r ¼ 25 b) K: Mð4 j 4 j 12Þ, r ¼ 13 c) K: Mð8 j 6 j 7Þ, r ¼ 10
E: y-z-Ebene E: x-y-Ebene E: x-z-Ebene
2. Kugeln, Geraden und Ebenen 475

11. Gegeben ist die Kugel K um den Mittelpunkt M mit dem Radius r. Zeigen Sie, dass der Punkt
B auf der Kugel liegt, und bestimmen Sie die Gleichung der Tangentialebene E, welche die
Kugel in B berhrt.
a) Mð2 j 5 j 6Þ, r ¼ 14, Bð6 j 1 j  6Þ b) Mð5 j 4 j 1Þ, r ¼ 7, p ffiffiffi j 7 j 7Þ
Bð7
c) Mð4 j 5 j 1Þ, r ¼ 9, Bð5 j 9 j 9Þ d) Mð0 j  3 j 3Þ, r ¼ 6, Bð1 j 1 j 4Þ

12. Die Kugel K um den Mittelpunkt M berhrt die Ebene E im Punkt B.


Berechnen Sie die Koordinaten des Berhrpunktes B.
a) Mð2 j 1 j 3Þ, E: 2" x þ 2 y þ!z#¼ 18 ! b) Mð3 j 5 j 7Þ, E: 12 x þ 3 y !
 4 z ¼!
192 !
10 8 4 0 2
c) Mð4 j 8 j 2Þ, E: ~
x 30  1 ¼0 d) Mð6 j 12 j  4Þ, E: ~
x¼ 0 þs 1 þt 1
25 4 6 3 0

13. Gegeben sind die Kugel K um den Mittelpunkt M mit dem Radius r sowie die Ebene E.
Gesucht sind die Gleichungen der zu E parallelen Tangentialebenen von K.
a) K: Mð1 j 1 j 4Þ, r ¼ 6 b) K: Mð2 j 0 j 1Þ, r ¼ 14
E: x þ 2 y þ 2 z ¼ 38 E: 2 x þ 3 y þ 6 z ¼ 108

14. Ein kugelfrmiger Gasbehlter K (Durchmesser 10 m) berhrt direkt eine senkrechte Mauer
in 6 m Abstand vom linken Mauerende im Punkt Tð 6 j 0 j 5Þ. Er soll durch eine schrge
Platte, die am Boden bei Að0 j 16,25 j 0Þ und Bð12 j 16,25 j 0Þ verankert ist und in den
Punkten Cð0 j 5 j 15Þ und Dð12 j 5 j 15Þ durch senkrechte Streben gesttzt wird, abgedeckt
werden.
a) Wie lautet die Gleichung der Kugel K
im gegebenen Koordinatensystem? z
b) Wie lautet die Gleichung der Schutz-
plattenebene E? D
c) Wie groß ist der Sicherheitsabstand
zwischen Schutzplatte E und Kugel K? C
d) Die Schutzplatte E soll aus Kosten-
grnden durch eine parallele Platte H F
ersetzt werden, welche die Kugel be- B
rhrt. Wo liegt der Berhrpunkt F?
Wo liegen nun die Bodenveranke-
rungspunkte? Auf welche Lnge ms- x A y
sen die Sttzstreben verkrzt werden?

15. Gegeben ist die abgebildete Dreiecks-


flche mit den Ecken Að4 j 0 j 0Þ, z
Bð0 j 4 j 0Þ, Cð0 j 0 j 2Þ.
In dieser Flche befindet sich ein kreis- M
frmiges Loch um den Mittelpunkt K
M0 ð1 j 1 j 1Þ mit dem Radius r0 ¼ 1.
In dieses Loch wird pffiffiffiffiffieine Kugel K mit M' k'
dem Radius r ¼ 10 gelegt. y
Bestimmen Sie den Mittelpunkt M der
Kugel K. x
476 XVII. Kugeln

E. Zusammengesetzte Aufgaben

1. Kugel und Ebene K


E K'
Gegeben sind die Kugel K um den Mit-
M'
telpunkt Mð2 j 2 j 2Þ mit dem Radius
M
r ¼ 5 sowie die Ebene
E: 2 x  y þ 2 z ¼ 11.
a) Bestimmen Sie eine Koordinaten-
r' g
gleichung der Kugel K. r .
M'
b) Welchen Abstand hat der Kugelmit- d
telpunkt M von der Ebene E? M

Sc
c) Begrnden Sie mit dem Ergebnis

hn
ittk
von b), dass K und E sich schneiden.

rei
d) Wie lautet die Gleichung der Ge-

sK
raden g, welche durch M geht und

'
senkrecht auf E steht?
Bestimmen Sie den Mittelpunkt M0 des Schnittkreises als Schnittpunkt von g und E.
e) Bestimmen Sie den Radius r0 des Schnittkreises anhand der Vorergebnisse und der Ab-
bildung.

2. Kugel und Tangentialebene


F
Gegeben sind die Kugel K um den Mit-
telpunkt Mð2 j 2 j 0Þ mit dem Radius F'
r ¼ 5 sowie der Punkt Pð2 j 6 j 3Þ. P
M
a) Zeigen Sie, dass der Punkt P auf der
Kugel liegt. P'
b) Bestimmen Sie die Gleichung der
Tangentialebene F, welche die Ku-
gel in P berhrt. M*
K*
c) Wie lautet die Gleichung einer zwei-
ten Tangentialebene F0 , die parallel K M
F
zu F ist?
Wo berhrt sie die Kugel?
d) Die Kugel K wird an der Ebene F gespiegelt. Wie lautet die Gleichung der Spiegelkugel
K*?

3. Eine kugelfrmige Beobachtungsstation mit einem z


Durchmesser von 10 m und dem Mittelpunkt
Mð0 j 0 j 12Þ wird von vier Stahlsttzen wie dargestellt ge-
tragen. Die Stahlsttzen verlaufen in Richtung der Kanten
einer quadratischen Pyramide mit der Spitze M.
a) Wo sind die Stzen mit der Kugel verbunden? −9
b) In 16 m Hhe ber dem Erdboden befindet sich die
oberste Geschossebene der Station. Welche Grundfl- −9 9 y
che hat dieses Geschoss?
x 9
2. Kugeln, Geraden und Ebenen 477

4. Gegeben sind die Ebene E: 2xþ3yþ6z ¼ 29, die Kugel K: ðxþ2Þ2 þðy5Þ2 þðz3Þ2 ¼ 196
sowie die Punkte Pð2j7j23Þ und Qð4j9j15Þ.
a) Bestimmen Sie den Abstand d des Kugelmittelpunktes M von der Ebene E.
Welche gegenseitige Lage von E und K ergibt sich hieraus?
b) Gesucht sind der Mittelpunkt M0 und der Radius r0 des Schnittkreises k0 von E und K.
c) Bestimmen Sie die Gleichungen der beiden zu E parallelen Tangentialebenen E1 und E2 der
Kugel K.
d) Die Gerade h durch die Punkte P und Q durchdringt die Kugel K.
Wie lang ist die Durchdringungsstrecke AB?
e) Es gibt zwei Ebenen F1 und Fp 2 , ffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffi
die parallel
ffi zur Ebene E verlaufen und die Kugel in
Schnittkreisen mit dem Radius 183,75 schneiden.
Bestimmen Sie Gleichungen von F1 und F2 .

5. Ein Hersteller von Kugellagern hat auf


z
dem geneigten Dach seiner Fabrikati-
onshalle ein riesiges Kugelmodell auf-
gestellt. Die Dachflche kann durch die
Ebene E: x þ 2 y þ 2 z ¼ 10 beschrie- C
ben werden.
a) Bestimmen Sie die Achsenschnitt-
punkte A, B, C der Ebene E. B y
b) Weisen Sie nach, dass der Punkt F
Fð2 j 4 j 0Þ der Fußpunkt des Lotes
vom Punkt C auf die Gerade gAB A
x
durch die Punkte A und B ist.
c) Ein Kugelmodell mit r ¼ 3 m ist im Punkt C tangential an der Ebene E fixiert. Bestimmen
Sie den Kugelmittelpunkt M.
d) Beim Austauschen der Kugel rollt sie auf der Geraden gCF durch die Punkte C und F die
Ebene E hinab. Auf welcher Geraden h bewegt sich dabei ihr Mittelpunkt?
e) Die Kugel setzt schließlich auf der x-y-Ebene auf. Wie lauten die Koordinaten des Auf-
setzpunktes?

6. Gegeben sind die Kugel K: ðx  2Þ2 þ y2 þ ðz  2Þ2 ¼ 25 sowie die Ebene E: 2x  2y þ z ¼ 15.
a) Weisen Sie nach, dass die Ebene E die Kugel K schneidet.
b) Bestimmen Sie den Mittelpunkt M0 und den Radius r0 des Schnittkreises k0 von E und K.
c) Gesucht ist die Gleichung einer zweiten Kugel K*, die den gleichen Radius wie K besitzt
und E ebenfalls im Schnittkreis k0 schneidet.
d) Prfen Sie, ob eine der beiden Kugeln K oder K* den Ursprung enthlt.
e) Bestimmen Sie z so, dass der Punkt Pð2 j 3 j zÞ auf der Kugel K liegt.
f) Gesucht ist derjenige Punkt A der Kugel K, welcher den geringsten Abstand zur Ebene
F: 8 x þ 6 z ¼ 103 besitzt. Welcher Ebenenpunkt B von F liegt dem Punkt A am nchsten?
478 XVII. Kugeln

7. Gasspeicher

M S
T
B

Am Flussufer liegt ein kugelfrmiger Gasspeicher.


(Mittelpunkt Mð22 j  8 j 8Þ, Radius r ¼ 7, Angaben in m).
a) Wo liegt der hchste bzw. der tiefste Punkt des Speichers?
b) Vom Pumpwerk Pð2 j 4 j 0Þ fhrt eine Pipeline in Richtung des Mittelpunktes M.
Wo trifft sie auf den Speicher? Wie lang ist sie? Welche Neigung hat sie?
c) ber der Strecke AB mit Að6 j  10 j 0Þ und Bð14 j 6 j 0Þ erhebt sich eine senkrechte Schutz-
mauer. Wie lautet ihre Ebenengleichung? Wie weit ist die Mauer von dem Kugelmittelpunkt
entfernt? Wo durchdringt die Pipeline die Mauer?
d) Der Speicher soll neu gestrichen werden.Die Farbschicht soll 1 mm dick sein. Ein Liter Farbe
kostet 10 Euro. Reicht der Farbetat von 5000 Euro aus?

8. Flugberwachung

D
A NEW MEXIKO ARIZONA
B Q
P

M
L
C

Eine Raumfhre passiert bei ihrem Landeanflug die Koordinaten Að18 j  13 j12Þ und
Bð10 j  8 j 9Þ. Im Punkt Mð0 j 0 j 0Þ steht eine Radarstation, die einen halbkugelfrmigen Raum-
bereich mit dem Radius r ¼ 7 erfasst.
Die Fluggeschwindigkeit der Raumfhre betrgt 595 km/h. 1 LE entspricht 1 km.
a) An welchen Koordinaten P und Q dringt die Fhre in den berwachten Radarbereich ein bzw.
verlsst sie ihn? Wie lange dauert der Durchflug in Sekunden angenhert?
b) In welchem Punkt L setzt die Fhre voraussichtlich auf?
c) In welcher Hhe berfliegt die Fhre die Staatsgrenze, die zwischen Cð13 j  4,5 j 0Þ und
Dð7 j 13,5 j 0Þ verluft?
XVII. Kugeln
2. Kugeln, Geraden und Ebenen 479

berblick
Vektorgleichung der Kugel: z
X
Eine Kugel K mit dem Mittelpunkt Mðm1 jm2 jm3 Þ
und dem Radius r hat die Gleichung: x៬
M
K: j~
xm~ j ¼ r oder K: ð~
xm ~ Þ2 ¼ r2

m
Koordinatengleichung der Kugel: y
x
2 2 2 2
K: ðx  m1 Þ þ ðy  m2 Þ þ ðz  m3 Þ ¼ r

ente

nte
te
an

a
Relative Lage von Kugel und Gerade:

Pass
Sek

Tan
Eine Gerade g im Raum kann Passante, Tangente
oder Sekante einer gegebenen Kugel sein.
Man prft dies durch Einsetzen der Geradenkoor- K
dinaten in die Kugelgleichung.
Relative Lage von Kugel und Ebene:
Um die gegenseitige Lage der Kugel K (Mittelpunkt M, Radius r) und der Ebene E zu bestim-
men, berechnet man den Abstand d des Kugelmittelpunktes von der Ebene E.
1. Fall: kein Schnittpunkt 2. Fall: Berhrpunkt 3. Fall: Schnittkreis

E E E
r r r
d d d
M M M F
F F

Ist d > r, so schneiden sich Ebene Ist d ¼ r, so berhrt die Ebene E Ist d < r, so schneidet die Ebene E
E und Kugel K nicht. die Kugel K im Fußpunkt F des die Kugel K in einem Kreis k0 ,
Der Lotfußpunkt F hat den kleins- Lotes von M auf E. den man als Schnittkreis von Ku-
ten Abstand zur Kugel K. E ist eine Tangentialebene von K. gel und Ebene bezeichnet.

Schnittkreis von Kugel und Ebene:


Ist der Abstand d ¼ jFMj einer Ebene vom Mittelpunkt M einer Kugel kleiner als derenpRadius
ffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffir,ffi
so ist das Schnittgebilde ein Kreis k0 mit dem Mittelpunkt M0 ¼ F und dem Radius r0 ¼ r2  d2 .
Die Koordinaten von M0 berechnet man mit einem Lotfußpunktverfahren.
(Das gesamte Berechnungsverfahren ist auf den Seiten 186–187 detailliert dargestellt.)

Tangentialebene einer Kugel: z


Die Tangentialebene E, die die Kugel K um den X
Mittelpunkt M in Punkt B berhrt, hat die Glei-
chung: B
x៬ E
b៬
x ~
E: ð~ bÞ  ð~
bm
~ Þ ¼ 0.
M

m
y
x
K
480 XVII. Kugeln

Test
Kugeln
1. Stellen Sie eine Gleichung der Kugel K um den Mittelpunkt Mð1 j 4 j 2Þ mit dem Radius r ¼ 9
auf.
Prfen Sie, ob die Punkte Að3 j 1 j 8Þ und Bð2 j  4 j 6Þ innerhalb, auf oder außerhalb der Kugel
K liegen.
! !
10 8

2. Untersuchen Sie die gegenseitige Lage der Geraden g: ~ 6 þs 3 und der Kugel
K: x2 þ ðy  3Þ2 þ ðz þ 2Þ2 ¼ 121: 14 7

3. Untersuchen Sie die gegenseitige Lage der Ebene E: 2 x  6 y þ 9 z ¼ 98 und der Kugel
K: ðx þ 4Þ2 þ ðy  4Þ2 þ ðz  1Þ2 ¼ 484:
Berhrt, verfehlt oder schneidet die Ebene die Kugel?

4. Die Ebene E: 4xþ7yþ4z¼91 schneidet die Kugel K: ðx2Þ2 þðy2Þ2 þðz1Þ2 ¼324. Be-
stimmen Sie den Mittelpunkt M0 und den Radius r0 des Schnittkreises k0 .

5. Zeigen Sie, dass die Ebene E1 :  3 x þ 4 y  12 z ¼ 55 eine Tangentialebene der Kugel


K: ðx  6Þ2 þ y2 þ ðz  8Þ2 ¼ 169 ist.
Bestimmen Sie den Berhrpunkt von E1 und K.
Welche zur Ebene E1 parallele Ebene E2 ist ebenfalls Tangentialebene von K?

6. Stellen Sie eine Gleichung derjenigen Kugel K auf, welche den Punkt Að1 j 5 j 8Þ enthlt und
die y-z-Ebene im Punkt Bð0 j 4 j 4Þ berhrt.

Lsungen unter 480-1


XXII. Die Normalverteilung

Die wichtigste stetige Wahrscheinlichkeitsverteilung ist


die Normalverteilung. Es besteht ein enger Zusammen-
hang zur Binomialverteilung für große Stichproben-
umfänge. In der Praxis bietet sich deshalb die Normalver-
teilung als Approximation für die Binomialverteilung an.

x
600 XXII. Die Normalverteilung

1. Die Normalverteilung
Die zur Auswertung von Bernoulli-Ketten verwendeten Tafelwerke zu Binomialverteilungen
knnen nur eine kleine Auswahl von Kettenlngen abdecken. In diesem Buch sind Tabellen fr
Bernoulli-Ketten der Lngen n ¼ 1 bis n ¼ 20 sowie n ¼ 50, n ¼ 80 und n ¼ 100 dargestellt.
In der Praxis kommen natrlich auch Bernoulli-Ketten vor, die durch diese Tabellen nicht erfasst
werden, z. B. sehr lange Bernoulli-Ketten.

Soll beispielsweise die Wahrscheinlichkeit dafr bestimmt werden, dass beim 500-maligen
Werfen einer fairen Mnze hchstens 260-mal Kopf kommt, so ist der Wert F(500; 0,5; 260)
der kumulierten Binomialverteilung zu berechnen. Eine Tabelle fr die Kettenlnge n ¼ 500
steht uns nicht zur Verfgung. Die direkte Berechnung des Wertes F(500; 0,5; 260) ist so zeit-
aufwndig, dass wir einen Computer einsetzen mssen. Aber auch der CAS-Taschenrechner
bentigt fr diese Berechnung bereits ca. 3 Minuten. Bei entsprechend langen Ketten ist schließ-
lich auch ein CAS ohne Chance.

Dennoch mssen wir nicht passen, denn es gibt die Mglichkeit, die Werte aller kumulierten
Binomialverteilungen bei gengend großem Stichprobenumfang nherungsweise durch Funk-
tionswerte einer einzigen relativ einfachen Funktion F darzustellen. Im Folgenden wird der
nicht ganz einfache Prozess dargestellt, der schließlich zu dieser Funktion fhrt.

A. Die Standardisierung der Binomialverteilung


Die Gestalt des Histogramms zu einer P(X = k)
binomialverteilen Zufallsgrße X hngt p = 0,5
nur von den Parameters n und p ab. Diese n=4
μ= 2
bestimmen die Anzahl und die Hhe der 0,2 s=1
Sulen sowie die Position der hchsten
Sule, whrend die Sulenbreite stets 1
ist, sodass die Flche der Sule Nr. k gleich 0 1 2 3 4 k
B(n; p; k) ist.
P(X = k)
p = 0,5
Halten wir die Grundwahrscheinlichkeit p n=8
fest, so ist Folgendes zu beobachten: μ= 4
0,2 s = √2
1. Mit wachsendem n rckt die hchste
Sule des Histogramms weiter nach
rechts.
0 1 2 3 4 5 6 7 k
Der Erwartungswert m ¼ EðXÞ ¼ n  p
wchst mit n an. P(X = k)

2. Mit wachsendem n wchst die Anzahl p = 0,5


n = 12
der Sulen des Histogramms an, das μ= 6
Histogramm wird breiter und flacher. 0,2
s = √3
Die Streuung, d.
ph. die Standardabwei-
ffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffi

chung sðXÞ ¼ n  p  ð1  pÞ wird mit
n grßer. 0 2 4 6 8 10 k
1. Die Normalverteilung 601

Wird der Stichprobenumfang n fr eine P(X = k)


feste Grundwahrscheinlichkeit p weiter p = 0,5
n = 50
vergrßert, so nhert sich die Form des His-
0,1
togramms im Grenzfall einer „Glocken-
kurve“ an.
Es ergeben sich dabei je nach Wert von p
unterschiedliche Glockenkurven.
10 20 30 k

Allerdings kann man eine sogenannte Standardisierung durchfhren. Dabei wird durch eine
geeignete Transformation allen Histogrammen eine relativ einheitliche Form und Lage verpasst.
Noch wichtiger ist, dass die transformierten Histogramme sich mit wachsendem n allesamt
unabhngig von p ein und derselben „Glockenkurve“ anpassen.

Der Standardisierungsprozess

Schritt 1: Durch einen ersten bergang Die unten dargestellten Histogramme sind
von der Zufallsgrße X zur Zufallsgrße die standardisierten Formen der auf der
Y ¼ X  m wird der Erwartungswert nach vorherigen Seite abgebildeten Histo-
0 verschoben. Das mit wachsendem n zu gramme. Beachten Sie die mit wachsen-
beobachtende Auswandern des Histo- dem n eintretende Annherung an die ein-
gramms nach rechts wird vermieden. gezeichnete Glockenkurve.
P(Z = z)
Schritt 2: Anschließend sorgt ein weiterer 0,4 p = 0,5
bergang zu Z ¼ X  s
m
dafr, dass die n=4
Standardabweichung auf 1 normiert wird.
Der wesentliche Teil des Histogramms
bleibt dann unabhngig von n stets etwa
gleich breit.
-3 -2 -1 1 2 3 z
Die Streifenbreiten verndern sich aller-
1
dings von 1 auf sðXÞ . P(Z = z)
0,4 p = 0,5
Der Erwartungswert wird nicht weiter be- n=8
einflusst. Er bleibt bei 0.

Schritt 3: Zum Ausgleich der Streifen-


breitennderung werden die Streifenh-
hen mit s(X) multipliziert. -3 -2 -1 1 2 3 z
Dadurch erreicht man, dass die Streifen-
P(Z = z)
flcheninhalte gleich bleiben, sodass 0,4
Streifen Nr. k auch in der standardisierten p = 0,5
Form den Flcheninhalt B(n; p; k) besitzt. n = 12

Die rechts dargestellte Bildfolge verdeut-


licht das Verhalten einer standardisierten
Zufallsvariablen fr wachsendes n. -3 -2 -1 1 2 3 z
602 XXII. Die Normalverteilung

B. Die Nherungsformel von Laplace und de Moivre

Jede binomialverteilte Zufallsgrße X


kann in der beschriebenen Weise standar-
disiert werden. Das Histogramm der zuge-
hrigen standardisierten Zufallsgrße Z
kann in jedem Fall durch ein und diesselbe
Glockenkurve approximiert (angenhert)
werden. Es handelt sich um die sogenannte
Gauß’sche Glockenkurve.

Sie ist nach dem Mathematiker und Astro-


nomen Carl Friedrich Gauß (1777–1855)
benannt, der sie im Zusammenhang mit
der Fehlerrechnung entdeckte.

Ihr Graph ist rechts abgebildet. Ihre Funk-


tionsgleichung lautet:

Gaußsche Glockenkurve
1 2
jðtÞ ¼ p1ffiffiffiffiffiffi e 2 t
2p

Mithilfe der Funktion j kann das Histo- ϕ


1 −0,5t2
gramm einer binomialverteilten Zufalls- ϕ(t) = e

variablen mit hoher Genauigkeit ange-
nhert werden, wenn die sogenannte
Laplace-Bedingung erfllt ist:

Laplace-Bedingung 0,1
pffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffi
s ¼ n  p  ð1  pÞ > 3
−3 −2 −1 1 2 3

Satz XXII.1: Die lokale Nherungsformel von Laplace und De Moivre


pffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffi
Die binomialverteilte Zufallsgrße X erflle die Laplace-Bedingung s ¼ n  p  ð1  pÞ > 3.
Dann giltpdie folgende Nherungsformel
ffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffi
ffi fr B(n; p; k), wobei m ¼ n  p der Erwartungswert
und s ¼ n  p  ð1  pÞ die Standardabweichung von X sind:
1 2
PðX ¼ kÞ ¼ B(n; p; k)  1 ffiffiffiffiffiffi  2 z
p e ¼ s1  jðzÞ mit z ¼ k s m
s 2p
602-1

bung 1 pffi
Definieren sie auf einem CAS die Funktion j z. B. durch e^(– t^2/2)/ (2  p) § phi (t) und
verwenden Sie phi (t) zur Darstellung des Graphen. Wie kann phi (t) fr Berechnungen mit der
lokalen Nherungsformel genutzt werden?
1. Die Normalverteilung 603

c Beispiel: Geben Sie die Tabellenwerte und die Nherungswerte der Gauß’schen Glocken-
.................................................................................................................

kurve fr die folgenden Ereignisse an:


a) Bei 100 Wrfen einer Laplace-Mnze erscheint genau 50-mal Wappen.
b) 100 Wrfe mit einem Laplace-Wrfel ergeben exakt 20 Sechsen.

Lsung:
Die Werte B(n; p; k) der Binomialvertei- zu a: n ¼ 100; p ¼ 0; 5; k ¼ 50
lung erhalten wir aus den Tabellen zur m ¼ 50; s ¼ 5
kumulierten Binomialverteilung, indem Tabelle:
wir die dort notierten Wahrscheinlichkei- B(100; 0,5; 50)
ten der Ereignisse X  k und X  k  1 =F(100; 0,5; 50) – F(100; 0,5; 49)
voneinander subtrahieren:  0,0796
PðX ¼ kÞ ¼ PðX  kÞ  PðX  k  1Þ.
Gauß’sche Glockenkurve:
Fr die Nherungslsung der Gauß’schen z ¼ k s m ¼ 50 5 50 ¼ 0
Glockenkurve berechnen wir zunchst den B(100; 0,5; 50)
Wert, den die Hilfsgrße z ¼ k s m an-  s1  jð0Þ ¼ 1 ffiffiffiffiffi
p ¼ 0,0798
5  2p
nimmt. Dann setzen wir in die Nherungs-
formel ein. zu b: n ¼ 100; p ¼ 16; k ¼ 20
m  16,67; s  3,7268
Im ersten Fall erhalten wir fast vllige Tabelle:
bereinstimmung der Nherungslsung
Bð100; 16; 20Þ  0,0678
mit der exakten Lsung.
Gauß’sche Glockenkurve:
Im 2. Fall betrgt die Abweichung ca. 6 %.
z ¼ k s m  203,7268
 16,67
 0,8935
Das liegt daran, dass hier die Laplace-
c Bedingung nur knapp erfllt ist. Bð100; 16; 20Þ  s1 jð0,8935Þ  0,0718

bung 2
a) 3 % der elektronischen Bauteile entsprechen nicht der Norm. Mit welcher Wahrscheinlichkeit
sind in einer Charge von 500 Teilen genau 12 defekt?
b) Wie groß ist die Wahrscheinlichkeit, dass bei 1000 Roulette-Spielen genau 500-mal die
Kugel auf einem schwarzen Feld liegen bleibt?
c) Mit welcher Wahrscheinlichkeit haben genau 2 der 968 Schler der Schule am 24. Dezember
Geburtstag? Ermitteln Sie den exakten Wert sowie die Nherungslsung mithilfe der Gauß’-
schen Glockenkurve.

bung 3
X sei eine binomialverteilte Zufallsgrße mit den Parametern n ¼ 10 und p ¼ 0,4.
Z sei die zugehrige standardisierte Zufallsgrße.
a) Zeichnen Sie das Histogramm der Verteilung der Zufallsgrße X.
b) Bestimmen Sie Erwartungswert und Standardabweichung von X.
c) Welche Werte kann die standardisierte Zufallsgrße Z annehmen?
d) Stellen Sie das Histogramm der Verteilung der standardisierten Zufallsgrße Z und die
Gauß’sche Glockenkurve in einem Diagramm dar.
604 XXII. Die Normalverteilung

C. Die globale Nherungsformel von Laplace und de Moivre

Eine Zufallsgrße, deren Wahrscheinlichkeitsverteilung die Gauß’sche Glockenkurve ist, wird


als normalverteilte Zufallsgrße bezeichnet. Binomialverteilte Zufallsgrßen sind fr großes n
annhernd normalverteilt.

Im Folgenden betrachten wir die kumu- P(X = k)


lierte Binomialverteilung. F(n;p;k)
F(n; p; k) kann wegen
F(n; p; k) ¼ B(n; p; 0) þ . . . þ B(n; p; k)
als Summe der Flcheninhalte der Sulen
Nr. 0 bis Nr. k der Binomialverteilung
gedeutet werden. k
2 4 6 8 10 k 14
Man kann aber auch die entsprechenden P(Z = z)
Sulen der zugehrigen standardisierten
Form verwenden, da diese inhaltsgleich F(n;p;k)
sind (siehe auch Seite 601).

Diese Flche wiederum kann durch


diejenige Flche unter der Gauß’schen
Glockenkurve approximiert werden, die −4 −2 4 z
k−μ
sich von t ¼ 1 bis t ¼ z erstreckt, wobei σ
z ¼ k  msþ 0,5 der rechte Randwert der stan-
dardisierten Sule Nr. k ist. F(n;p;k) Φ(z)
Der angegebene Wert der Hilfsgrße z er-
gibt sich, wenn zur Mitte der k-ten Sule – ϕ(z)

also zu k s m – die halbe Sulenbreite 2s


1
ad-
diert wird. Diese Stetigkeitskorrektur ist
z
notwendig, um die Flche der k-ten Sule k−μ+0,5
z= σ
vollstndig zu bercksichtigen.
Den Flcheninhalt kann man als Integral
von j berechnen. Fr das entsprechende Gaußsche Integralfunktion
Integral von 1 bis z verwendet man ab- ðz
1 2
krzend die Bezeichnung F(z). FðzÞ ¼ p1ffiffiffiffiffi e 2 t dt
Die Funktion F heißt Gauß’sche Inte- 2p
1
gralfunktion. 604-1
Weil man F nicht durch elementare Funktionen ausdrcken kann, sind die Werte dieser wich-
tigen Funktion im Tabellenteil auf Seite 715 als „Normalverteilung“ tabelliert. Ein CAS ermit-
telt solche Integralwerte durch numerische Integration. In der folgenden bung soll die Integral-
funktion auf CAS definiert werden. Da der Flcheninhalt unter der Glockenkurve insgesamt
gleich 1 ist, folgt Fð0Þ ¼ 0,5. Diese Eigenschaft nutzen wir bei der neuen CAS-Funktion iphi (z).

bung 4 Ð
Definieren Sie auf einem CAS die Funktion F z. B. durch 0.5 + phi ((t),t,0,z) § iphi (z).
1. Die Normalverteilung 605

Mchte man fr eine binomialverteilte Zufallsgrße X mit den Parametern n und p die kumu-
lierte Wahrscheinlichkeit PðX  kÞ ¼ F(n; p; k) nherungsweise berechnen, so geht man in der
Praxis nach folgendem Rezept vor, das als Nherungsformel von Laplace bekannt ist.

Satz XXII.2: Die globale Nherungsformel von Laplace und de Moivre


fr Binomialverteilungen
pffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffi
1. Prfe, ob die Laplace-Bedingung s ¼ n  pð1  pÞ > 3 grob erfllt ist.
k  n  p þ 0,5
2. Bestimme die obere Integrationsgrenze z ¼ k  msþ 0,5 ¼ pffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffi .
n  p  ð1  pÞ
3. Lies aus der Tabelle der „Normalverteilung“ den Funktionswert F (z) ab.
Dann gilt die Nherung: P(X  k) = F(n; p; k)  F(z) 605-1

Anhand eines typischen Beispiels erkennt man, wie die Laplace’sche Nherungsformel unter
Verwendung der Tabelle zur Gauß’schen Integralfunktion praktisch eingesetzt wird.

c Beispiel: Einfhrendes Beispiel zur Nherungsformel von Laplace


.......................................................................................................................

Berechnen Sie, mit welcher Wahrscheinlichkeit bei 100 Wrfeln mit einer fairen Mnze
hchstens 52-mal Kopf kommt. Verwenden Sie die Nherungsformel von Laplace.

Lsung:
X sei die Anzahl der Kopfwrfe beim 100- Gesuchte Wahrscheinlichkeit:
maligen Mnzwurf.
X ¼ Anzahl der Kopfwrfe bei 100
X ist binomialverteilt mit den Parametern
Mnzwrfen
n ¼ 100 (Lnge der Bernoulli-Kette) und
p ¼ 0,5 (Wahrscheinlichkeit fr Kopf bei PðX  52Þ ¼ Fð100; 0,5; 52Þ
einmaligem Mnzwurf).
Gesucht ist PðX  52Þ ¼ F(100; 0,5; 52).
Die Nherungsformel von Laplace und de Anwendbarkeit der Nherungsformel:
Moivre ist anwendbar, da die Bedingung pffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffi pffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffi
s ¼ n  p  ð1 pÞ ¼ 100  0,5  0,5
s > 3 erfllt ist. pffiffiffiffiffi
¼ 25 > 3
Also ist die gesuchte Wahrscheinlichkeit Bestimmung der Hilfsgrße z:
annhernd gleich F(z), wobei der Wert
z ¼ k  msþ 0,5 ¼ 52  505 þ 0,5
des Arguments z mithilfe der angegebenen
Formel errechnet werden muss.
¼ 2,5 ¼ 0,50
Wir erhalten z ¼ 0,50. 5
Nun lesen wir aus der Tabelle zur Normal- Bestimmung von F(z) mittels Tabelle:
verteilung (Seite 715) den Funktionswert
Fð0,50Þ  0,6915
F(0,50) ab und erhalten folgendes End-
resultat:
PðX  52Þ  Fð0,50Þ  0,6915 ¼ 69,15 %. Vergleich mit der Tabelle zur kumulierten
Binomialverteilung:
Das Ergebnis stimmt fast mit dem Tabel-
c lenwert F(100; 0,5; 52) ¼ 0,6914 berein. F(100; 0,5; 52) ¼ 0,6914
606 XXII. Die Normalverteilung

2. Anwendung der Normalverteilung


A. Bestimmung von P(X  k) = F(n; p; k) fr großes n
Anhand eines typischen Beispiels kann man am besten erkennen, wie die globale Nherungs-
formel von Laplace und de Moivre fr Binomialverteilungen unter Verwendung der Tabelle zur
Gauß’schen Integralfunktion oder eines CAS praktisch eingesetzt wird.

c Beispiel: Ein fairer Wrfel wird 1200-mal geworfen. Mit welcher Wahrscheinlichkeit fallen
.......................................................................................................................

a) hchstens 10 % mehr Sechsen als die zu erwartende Anzahl,


b) mindestens 5 % weniger Sechsen als die zu erwartende Anzahl?

Lsung:
Theoretisch sind 200 Sechsen zu erwarten. Gesuchte Wahrscheinlichkeiten:
 
Gesucht ist also
PðX  220Þ ¼ F 1200; 16 ; 220
a) PðX  220Þ, b) PðX  190Þ,
 
wobei X die Anzahl der in den 1200
PðX  190Þ ¼ F 1200; 16 ; 190
Wrfeln fallenden Sechsen sei.

Die Nherungsformel ist anwendbar, denn


Bestimmung der Hilfsgrße z:
es gilt:
pffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffi pffiffiffiffiffiffiffiffi  200 þ 0,5
s ¼ n  p  ð1  pÞ > 166 > 3. a) z ¼ 220
qffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffi  1,59
1 5
Nebenstehende Rechnung liefert: 1200  6  6

a) PðX  220Þ  Fð1,59Þ,


 200 þ 0,5
b) PðX  190Þ  Fð 0,74Þ. b) z ¼ 190
qffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffi   0,74
1 5
1200  6  6

Tritt ein negatives Argument auf, ist die


Funktionalgleichung FðzÞ ¼ 1  FðzÞ Anwendung der Nherungsformel:
hilfreich, so dass auch bei b) die Tabelle
zur Normalverteilung (Seite 715) verwen- a) PðX  220Þ  Fð1,59Þ ¼ 94,41 %
det werden kann. Wir erhalten als Resul- b) PðX  190Þ  Fð 0,74Þ
tate:
¼ 1  Fð0,74Þ
a) PðX  220Þ  94,41 %,
b) PðX  190Þ  22,97 %.  1  0,7703
¼ 0,2297 ¼ 22,97 %
Die genauen Werte betragen brigens
c a) 94,24 % und b) 23,21 %.

bung 1
Mit welcher Wahrscheinlichkeit fllt bei 500 Mnzwrfen hchstens 260-mal Kopf?

bung 2
Eine Maschine produziert Knpfe mit einem Ausschussanteil von 3%. Ein Abnehmer macht
eine Stichprobe, indem er 1000 Knpfe prft. Mit welcher Wahrscheinlichkeit findet er
a) nicht mehr als 42 ausschssige Knpfe, b) hchstens 25 ausschssige Knpfe?
2. Anwendung der Normalverteilung 607

bung 3
In einem Spiel wird eine Mnze 80-mal geworfen. Erzielt man hchstens 40-mal Kopf, so hat
man gewonnen. Berechnen Sie zunchst die Gewinnwahrscheinlichkeit mithilfe der Formel von
Laplace nherungsweise. Wie groß ist der exakte Wert?
a) Die Mnze ist fair. b) Die Mnze ist geflscht mit P(Kopf) ¼ 0,6.

Die inhaltlichen Konsequenzen des folgenden Beispiels sind von großer Praxisrelevanz. Es
zeigt, in welchem Maße eine entschlossene Minderheit Entscheidungsfindungen in ihrem Sinn
beeinflussen kann.

c Beispiel: Die Dominanz einer Minderheit ber eine Mehrheit


..................................................................................................................

Die 200 Mitglieder des Tennis-Clubs mchten einen Pressesprecher whlen. Es melden sich
nur zwei Bewerber, Hein und Johann. Es handelt sich um einfache Mehrheitswahl ohne die
Mglichkeit der Enthaltung. Die beiden Kandidaten haben bisher kein Profil erworben, so-
dass die Wahlchancen ausgeglichen erscheinen.
Kurz vor der Wahl gewinnt Hein die Clubmeisterschaft. Das beeindruckt 20 Clubmitglieder
so sehr, dass diese spontan beschließen, ihre Stimmen geschlossen fr Hein abzugeben. Wie
verndern sich dadurch die Wahlchancen der beiden Kandidaten?

Lsung:
Hein wird gewhlt, wenn er insgesamt 101 X: Anzahl der Stimmen fr Hein aus dem
Stimmen auf sich vereint. Da ihm 20 Stim- Kreis der Unentschlossenen
men ohnehin sicher sind, reichen ihm 81
Stimmen der verbleibenden 180 Stimmbe- Binomialverteilung: n ¼ 180; p ¼ 0,5
rechtigten. Die Wahrscheinlichkeit, dass
er diese Stimmen erhlt oder bertrifft,
ist gegeben durch Berechnung der Hilfsgrße z:
PðX  81Þ ¼ 1  PðX  80Þ
z ¼ k  msþ 0,5 ¼ 80qffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffi
90 þ 0,5
1 1
ffi  1,42
¼ 1  Fð180; 0,5; 80Þ 180  2  2

 1  Fð1,42Þ
¼ Fð1,42Þ  0,9222. Tabellenwert: Fð1,42Þ ¼ 0,9222

Johann hat nur noch eine Restchance von


7,78 % (exakte Rechnung: 7,83 %).

Der kleinen 10 %-Minderheit von 20 Personen ist es also gelungen, die zunchst ausgeglichenen
c Wahlchancen auf ca.12:1 zu Gunsten von Hein zu steigern.

bung 4
Eine Volksabstimmung soll mit einfacher Mehrheit ber eine Gesetzesnderung entscheiden,
der die rund 4 Millionen Stimmberechtigten recht gleichgltig gegenberstehen. Allerdings ist
eine relativ kleine Interessengruppe von ca. 3000 Personen wild entschlossen, gegen die Ge-
setzesnderung zu stimmen. Mit welcher Wahrscheinlichkeit setzt die Minderheit ihren Willen
durch?
608 XXII. Die Normalverteilung

B. Bestimmung von P(k1  X  k2 ) fr großes n

In der statistischen Praxis sind hufig Wahrscheinlichkeiten der Form Pðk1  X  k2 Þ zu be-
rechnen. Auch in diesen Fllen kann die Nherungsformel von Laplace fr binomialverteilte
Zufallsgrßen angewandt werden, sofern die Laplace-Bedingung erfllt ist.
In solchen Fllen wendet man die Laplace-Formel zweimal an:

Pðk1  X  k2 Þ ¼ Fðn; p; k2 Þ  Fðn; p; k1  1Þ  Fðz2 Þ  Fðz1 Þ

mit den Hilfsgrßen z2 ¼ k2  msþ 0,5 und z1 ¼ k1  1 s m þ 0,5 ¼ k1  ms 0,5 .

c Beispiel: Im Automobilwerk sind 300 Mitarbeiter in der Produktion beschftigt. Der Kran-
.........................................................................................................................

kenstand liegt bei 5 %.


a) Wie groß ist die Wahrscheinlichkeit, dass mindestens 12 und hchstens 20 Personen er-
krankt sind?
b) Die Produktion verluft nur reibungslos, wenn an allen 300 Pltzen gearbeitet wird. Um
die krankheitsbedingten Ausflle zu kompensieren, gibt es eine „Springergruppe“, deren
Mitglieder bei Bedarf einspringen. Wie viele Personen mssen bereitstehen, um mit min-
destens 99 % Sicherheit eine reibungslose Produktion sicherzustellen?

Lsung:
a) Gesucht ist die Wahrscheinlichkeit Pð12  X  20Þ ¼ PðX  20Þ  PðX  11Þ
Pð12  X  20Þ, wobei X die Anzahl ¼ F(300; 0,05; 20) – F(300; 0,05; 11)
der erkrankten
pffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffi Mitarbeiter ist. Wegen
s ¼ 14,25 > 3 ist die Anwendung Hilfsgrßen:
der Nherungsformel berechtigt. Die
nebenstehende Rechnung liefert: m ¼ 15
Pð12  X  20Þ  Fð1,46Þ  Fð0,93Þ pffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffi
s ¼ 14,25
¼ Fð1,46Þ  ð1  Fð0,93ÞÞ
¼ 0,9279  ð1  0,8238Þ z2 ¼ 20  15 þ 0,5
pffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffi  1,46
14,25
 0,7517 ¼ 75,17 %.
z1 ¼ 12  15  0,5
pffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffi  0,93
b) Die Tabelle zur Normalverteilung 14,25
zeigt, dass FðzÞ  0,99 fr z  2,33
Ansatz: PðX  kÞ  FðzÞ  0,99
gilt.
Dieses erlaubt den Rckschluss, wel-
) z  2,33 (Tabelle)
che Werte k fr die Zufallsgrße X
k
p15 þ 0,5
nun erlaubt sind. ) ffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffi  2,33
14,25
Ergebnis: Stehen mindestens 24 Perso-
nen in Reserve, so ist die Produktion zu ) k  23,29
c 99 % sichergestellt.

bung 5
Die Wahrscheinlichkeit einer Jungengeburt betrgt bekanntlich 51,4 %.
In einem Bundesland werden jhrlich ca. 50 000 Kinder geboren.
Mit welcher Wahrscheinlichkeit werden zwischen 25 500 und 26 000 Jungen geboren?
2. Anwendung der Normalverteilung 609

bungen
Approximation der Binomialverteilung durch die Normalverteilung
6. Eine Reißnagelsorte fllt mit Wahrscheinlichkeiten von 23 in Kopflage und von 13 in Seiten-
lage. Es werden 100 Reißngel geworfen.
a) Mit welcher Wahrscheinlichkeit wird genau 66-mal die Kopflage erreicht?
b) Mit welcher Wahrscheinlichkeit wird die Kopflage genau 50-mal erreicht?

Approximation der kumulierten Binomialverteilung durch die Normalverteilung


7. Wie groß ist die Wahrscheinlichkeit dafr, dass bei 6000 Wrfelwrfen hchstens 950-mal
die Augenzahl Sechs fllt?

8. Eine Maschine produziert Schrauben. Die Ausschussquote betrgt 5 %.


a) Wie groß muss eine Stichprobe sein, damit die Normalverteilung anwendbar ist?
b) Mit welcher Wahrscheinlichkeit befinden sich in einer Stichprobe von 500 Schrauben
mindestens 30 defekte Schrauben?
c) Mit welcher Wahrscheinlichkeit sind weniger als 20 defekte Schrauben in der Probe?

9. Die Wahrscheinlichkeit einer Knabengeburt betrgt ca. 51,4 %. Mit welcher Wahrschein-
lichkeit befinden sich unter 500 Neugeborenen mehr Mdchen als Knaben?

10. Bei einem geflschten Wrfel ist die Wahrscheinlichkeit fr eine Sechs auf 12 % reduziert.
Wie groß ist die Wahrscheinlichkeit, dass dieser Wrfel bis 150 Wurfversuchen dennoch
mehr Sechsen zeigt als bei einem fairen Wrfel zu erwarten wren?

11. Eine Mnze wird 1000-mal geworfen.


a) Wie groß sind Erwartungswert und Standardabweichung der Anzahl X der Kopfwrfe?
b) Wie groß ist die Wahrscheinlichkeit dafr, dass die Abweichung der Kopfzahl X vom
Erwartungswert nach oben/unten hchstens die einfache Standardabweichung betrgt?

12. Ein Multiple-Choice-Test enthlt 100 Fragen mit jeweils drei Antwortmglichkeiten, wo-
von stets genau eine richtig ist. Befriedigend wird bei mindestens 50 richtigen Antworten
vergeben. Ausreichend wird bei mindestens 40 richtigen Antworten vergeben.
Ein Proband rt nur. Mit welcher Wahrscheinlichkeit besteht er den Test mit Befriedigend
bzw. besteht er nicht bzw. erzielt er 28 bis 38 richtige Antworten?

13. Ein Reifenfabrikant garantiert, dass 95 % seiner Reifen


keine Unwucht aufweisen. Ein Großhndler nimmt
500 Reifen ab.
a) Wie groß sind Erwartungswert und Standardabwei-
chung fr die Anzahl X der unwuchtigen Reifen?
b) Mit welcher Wahrscheinlichkeit weisen hchstens
zehn der Reifen eine Unwucht auf? Mit welcher Wahr-
scheinlichkeit betrgt die Anzahl der unwuchtigen Rei-
fen 20–30?
610 XXII. Die Normalverteilung

C. Exkurs: Normalverteilung bei stetigen Zufallsgrßen

Eine Zufallsgrße, die nur ganz bestimmte isolierte Zahlenwerte annehmen kann, bezeichnet
man als diskrete Zufallsgrße. Ein Beispiel ist die Augenzahl beim Wrfeln. Sie kann als Werte
nur die diskreten Zahlen 1 bis 6 annehmen. Im Unterschied hierzu spricht man von einer stetigen
Zufallsgrße, wenn diese innerhalb eines bestimmten Intervalls jeden beliebigen reellen Zah-
lenwert annehmen kann. Beispiele hierfr sind die Krpergrße eines Tieres, die Lnge einer
Schraube oder das Gewicht einer Kirsche.

Stetige Zufallsgrßen sind oft von Natur aus normalverteilt. Man stellt dies durch empirische
Messreihen fest. Aus den Messwerten kann man dann auch den Erwartungswert m und die
Standardabweichung bestimmen. Anschließend kann man mithilfe der Normalverteilungsta-
belle diverse Problemstellungen lsen. Dabei wendet man den folgenden Satz an.

Satz XXII.3: Normalverteilte stetige Zufallsgrßen


– r) = Φ(z)
P(X <
X sei eine normalverteilte stetige Zufallsgrße ϕ
mit dem Erwartungswert m und der Standardab-
weichung s.
Dann gilt fr jedes reelle r die Formel r−μ r
PðX  rÞ ¼ FðzÞ mit z ¼ r s m . z= s

c Beispiel: Die Krpergrße


..................................................................................................

Die Krpergrße X von erwachsenen mnnli-


chen Grizzlys ist eine normalverteilte Zufalls-
grße.
Aus empirischen Untersuchungen sind Mittel-
wert und Standardabweichung bekannt.
m ¼ 240 cm, s ¼ 10 cm.
Fr einen zoologischen Garten wird ein Jung-
tier gefangen. Mit welcher Wahrscheinlichkeit Ursus Arctus Horribilis
wird seine Krpergrße maximal 230 cm er-
reichen?

Lsung:
Wir mchten PðX  230Þ berechnen. Aus Berechnung der Hilfesgrße z:
r ¼ 230, m ¼ 240 und s ¼ 10 erhalten wir den
z ¼ r s m ¼ 230 10
 240
¼ 1
Wert der Hilfsgrße z. Er ist z ¼ 1.

Nun knnen wir die gesuchte Wahrscheinlichkeit Berechnung von PðX  230Þ:
PðX  230Þ mithilfe der Normalverteilungsta- PðX  230Þ ¼ FðzÞ ¼ Fð1Þ
belle bestimmen (vgl. rechts).
¼ 1  Fð1Þ
Resultat: Der Grizzly wird mit einer Wahrschein- ¼ 1  0,8413
lichkeit von ca 16 % relativ klein bleiben, d. h. ¼ 0,1587
c 230 cm nicht berschreiten.
2. Anwendung der Normalverteilung 611

bung 14
Eine Maschine produziert Schrauben mit einer durchschnittlichen Lnge von m ¼ 80 mm und
einer Standardabweichung von s ¼ 2 mm.
a) Wie groß ist der Prozentsatz aller produzierten Schrauben, die lnger sind als 78 mm?
b) Wie groß ist der Prozentsatz der Schrauben, deren Lngen zwischen 78 und 82 mm liegen?
c) Nach lngerer Laufleistung steigt die Standardabweichung auf s ¼ 4 mm. Welcher Prozent-
satz der Schrauben liegt nun innerhalb des Toleranzbereichs von 78 mm bis 82 mm?

Abschließende Bemerkungen
Bei einer diskreten Zufallsgrße X gibt es zu jedem Wert k, den X annehmen kann, eine Sule im
Verteilungsdiagramm, deren Flche die Wahrscheinlichkeit PðX ¼ kÞ darstellt. Als Beispiel
hierfr kann eine binomialverteilte Zufallsgrße gelten.

Bei einer stetigen Zufallsgrße X hat jeder Einzelwert r die Wahrscheinlichkeit Null, denn ihm
entspricht im Verteilungsdiagramm keine Sule, sondern nur noch ein Strich. Man betrachtet
daher fr stetige Zufallsgrßen keine Punktwahrscheinlichkeiten, sondern nur Intervallwahr-
scheinlichkeiten PðX  rÞ, PðX > rÞ bzw. Pða  X  bÞ.

Hieraus ergibt sich: Die Formel aus Satz XXII.3 bentigt keine Stetigkeitskorrektur im Gegen-
satz zu der Formel aus Satz XXII.2 fr eine binomialverteilte Zufallsgrße.

bungen
15. Ein Intelligenztest liefert im Bevlkerungsdurchschnitt einen Mittelwert von
m ¼ 120 Punkten bei einer Standardabweichung von s ¼ 10 Punkten.
a) Eine zufllig ausgewhlte Person wird getestet. Mit welcher Wahrscheinlichkeit erreicht
sie weniger als 100 Punkte?
b) 20 Personen werden getestet. Mit welcher Wahrscheinlichkeit erreicht davon mindestens
eine Person 130 oder mehr Punkte?

16. Eine Maschine produziert Stahlplatten mit einer durchschnittlichen Strke von 20 mm. Die
Standardabweichung betrgt s ¼ 0,8 mm. Die Platten knnen nicht verwendet werden,
wenn sie unter 19 bzw. ber 22 mm stark sind.
a) Berechnen Sie, mit welcher Wahrscheinlichkeit eine Platte verwendet werden kann.
b) Ein Abnehmer kauft 500 Platten. Wie viele kann er voraussichtlich verwenden?
c) Die Maschine wird neu justiert. Ihre Standardabweichung betrgt nun nur noch 0,6 mm.
Wie viele brauchbare Platten enthlt nun der Abnehmer von 500 Platten?

17. Die EG-Richtlinie fr Abfllmaschinen besagt: Die tatschliche Fllmenge darf im Mittel
nicht niedriger sein als die Nennfllmenge. Bei Literflaschen betrgt die Nennfllmenge
1000 ml. Ein Abfllbetrieb hat seine Maschinen auf den Mittelwert m ¼ 1005 ml eingestellt.
Die unvermeidliche Streuung betrgt s ¼ 3 ml.
a) Berechnen Sie, mit welcher Wahrscheinlichkeit ein Kunde eine unterfllte Flasche er-
hlt, d. h. mit weniger als 1000 ml tatschlicher Fllmenge.
b) Eine neue Maschine hat eine Streuung von nur s ¼ 1 ml. Wie muss der Mittelwert ein-
gestellt werden, wenn die Wahrscheinlichkeit fr eine Unterfllung gleich bleiben soll?
612 XXII. Die Normalverteilung

18. Die mittlere Windgeschwindigkeit an der westlichen Ostsee betrgt 18 km/h. Die Stan-
dardabweichung betrgt 6 km/h. Zur Vorbereitung von Segelregatten werden Messungen
vorgenommen bzw. Wahrscheinlichkeiten berechnet.
a) Mit welcher Wahrscheinlichkeit wird bei ei-
ner Messung eine Windgeschwindigkeit ber
25 km/h gemessen?
b) Wie wahrscheinlich ist es, dass beim Start der
Regatta der Wind mit einer Geschwindigkeit
von ber 15 km/h blst?
c) Es werden fnf zufllige Messungen vorge-
nommen. Mit welcher Wahrscheinlichkeit lie-
gen alle Messwerte ber 15 km/h?
d) Mit welcher Wahrscheinlichkeit wird die
Windgeschwindigkeit bei mindestens drei Die Kieler Woche: Das grßte Se-
der zehn geplanten Regatten ber 15 km/h lie- gelsport-Ereignis der Welt
gen?

19. Das Durchschnittsgewicht eines Erwachsenen betrgt 70 kg mit einer Standardabweichung


von 10 kg.
a) Mit welcher Wahrscheinlichkeit wiegt eine
zufllig ausgewhlte Person mehr als 85 kg?
b) Acht Personen besteigen einen Aufzug, der
eine Tragfhigkeit von 650 kg besitzt. Mit
welcher Wahrscheinlichkeit wiegt keine der
Personen mehr als 80 kg, so dass die Tragf-
higkeit in jedem Fall gewhrleistet ist?
c) Fr einen Test werden zwanzig Personen mit
einem Gewicht zwischen 65 kg und 75 kg be-
ntigt. Wie viele Personen muss man berpr-
fen, um die zwanzig Testkandidaten zu fin-
den?

20. Die Strandstraße ist eine 30-km-Zone. Die Fahrgeschwindigkeit wurde durch Radarmes-
sungen statistisch in der Hauptverkehrszeit zwischen 15 und 17 Uhr erfasst. Es ergab sich
eine angenherte Normalverteilung mit m ¼ 32 km/h und s ¼ 7 km/h.
a) Welcher Prozentsatz der Fahrzeuge ber-
schreitet das Geschwindigkeitslimit?
b) Welcher Prozentsatz der Fahrer erhlt ein
Bußgeld, wenn dies ab 35 km/h verhngt
wird?
c) Die Geschwindigkeitsbegrenzung wird ver-
suchsweise auf 50 km/h angehoben. Danach
ergibt eine Messung, dass nur noch 30 % der
Fahrer das Limit berschreiten. Welche Durch-
schnittsgeschwindigkeit wird nun gefahren,
wenn die Standardabweichung 10 km/h ist?
XXII. Die Normalverteilung
2. Anwendung der Normalverteilung 613

berblick
Die Gaußsche Glockenkurve ϕ(t)
2
jðtÞ ¼ p1ffiffiffiffiffiffi e
1
t
ϕ
2

2p

Die Gaußsche Integralfunktion ϕ(t)


ðz
t2 ϕ Φ(z)
e
1
FðzÞ ¼ p1ffiffiffiffiffiffi 2

2p
1
Tabelle Seite 715
z t

Die lokale Nherungsformel


Approximation der Binomialverteilung mithilfe der Gauß’schen Glockenkurve
1 ffiffiffiffiffiffi  12 z2
X sei eine binomialverteilte Zufallsgrße. PðX ¼ kÞ ¼ Bðn; p; kÞ  p e
s 2p
Dann kann PðX ¼ kÞ ¼ Bðn; p; kÞ mit der
rechts aufgefhrten Formel angenhert be- mit
rechnet werden, wenn die sog. Laplace Be- pffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffi
pffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffi z ¼ k s m , m ¼ n  p, s ¼ n  p  ð1  pÞ
dingung s ¼ n  p  ð1  pÞ > 3 erfllt ist.

Die globale Nherungsformel


Approximation der kumulierten Binomialverteilung mithilfe der Gauß’schen Integralfunk-
tion

X sei eine binomialverteile Zufallsgrße. PðX  kÞ ¼ Fðn; p; kÞ  FðzÞ


Dann kann PðX  kÞ ¼ Fðn; p; kÞ mit der
rechts aufgefhrten Formel angenhert be- mit
rechnet werden, wenn die sog. Laplace Be- pffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffi
pffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffi z ¼ k  msþ 0,5 , m ¼ n  p, s ¼ n  p  ð1  pÞ
dingung s ¼ n  p  ð1  pÞ > 3 erfllt ist.
F ist die Gauß’sche Integralfunktion.

Normalverteilung einer stetigen Zu- PðX  rÞ ¼ FðzÞ


fallsgrße
X sei eine normalverteilte stetige Zufalls- mit
grße mit dem Erwartungswert m und der
z ¼ r s m
Standardabweichung s.
Dann gilt fr jedes reelle r die rechts auf-
gefhrte Formel.
614 XXII. Die Normalverteilung

Test
Normalverteilung
1. Das abgebildete Glcksrad wird 200-mal gedreht.
X sei die Anzahl der dabei insgesamt erzielten ro-
ten Sterne.
a) Berechnen Sie den Erwartungswert m und die
Standardabweichung s von X.
b) Wie groß ist die Wahrscheinlichkeit fr folgen-
de Ergeignisse?
A: Es kommt genau 80-mal ein roter Stern.
B: Die Anzahl der roten Sterne ist nicht grßer
als die Anzahl der grnen Scheiben.
C: Es gilt 60  X  100.

2. a) Welche Bedingung muss erfllt sein, damit die Binomialverteilung mit den Parametern n
und p durch die Normalverteilung approximiert werden darf?
b) Eine Maschine produziert mit einem Ausschussanteil von 5 %. Die Zufallsgrße X be-
schreibt die Anzahl der fehlerhaften Teile in einer Stichprobe. Welchen Umfang muss die
Stichprobe mindestens haben, damit die Binomialverteilung von X durch die Normalver-
teilung approximert werden darf?

3. Eine Maschine befllt Flaschen. In 2 % der Flle wird die Normfllmenge unterschritten.
Ein Großkunde fhrt eine Stichprobe durch, indem er 1000 Flaschen prft.
a) Welche Anzahl von unterfllten Flaschen wird bei einer solchen Stichprobe im Durch-
schnitt erwartet? Wie groß ist die Standardabweichung?
b) Ist die Stichprobe hinreichend groß, um die Normalverteilung anwenden zu knnen?
c) Mit welcher Wahrscheinlichkeit findet der Kunde hchstens zwanzig unterfllte Fla-
schen? Mit welcher Wahrscheinlichkeit findet er dreißig oder mehr unterfllte Flaschen?
d) Mit welcher Wahrscheinlichkeit findet der Kunde 20 bis 30 unterfllte Flaschen?

4. In der Schatztruhe des sagenhaft reichen Knigs


befinden sich zahllose Golddukaten und Silberlin-
ge. Der Anteil der Golddukaten liegt bei 60 %.

a) Der Knig lsst sich von seinem Schatzkanzler


50 zufllig aus der Truhe gegriffene Geldstcke
bringen. Wie viele Golddukaten kann er erwar-
ten? Wie groß ist die Wahrscheinlichkeit dafr,
dass er genau 30 Golddukaten erhlt?

b) Fr ein großes Festbankett werden der Schatztruhe zufllig 400 Geldstcke entnommen.
Bestimmen Sie die Wahrscheinlichkeit folgender Ereignisse.
A: Unter den entnommenen Geldstcken sind mindestens 250 Golddukaten.
B: Unter den Geldstcken sind mindestens 230 und hchstens 245 Golddukaten.
Lsungen unter 614-1
Tabellen zur Stochastik 715

Tabelle 3: Normalverteilung

f (z) = 0, ...
f (– z) = 1 – f (z)

f (t) f (t)

F(z) 1– F(z) F(–z) 1 – F(z)


0,1 0,1

–3 –2 –1 0 z1 2 3 t –3 –z –1 0 1 z 3 t

z 0 1 2 3 4 5 6 7 8 9
0,0 5000 5040 5080 5120 5160 5199 5239 5279 5319 5359
0,1 5398 5438 5478 5517 5557 5596 5636 5675 5714 5753
0,2 5793 5832 5871 5910 5948 5987 6026 6064 6103 6141
0,3 6179 6217 6255 6293 6331 6368 6406 6443 6480 6517
0,4 6554 6591 6628 6664 6700 6736 6772 6808 6844 6879
0,5 6915 6950 6985 7019 7054 7088 7123 7157 7190 7224
0,6 7257 7291 7324 7357 7389 7422 7454 7486 7517 7549
0,7 7580 7611 7642 7673 7703 7734 7764 7794 7823 7852
0,8 7881 7910 7939 7967 7995 8023 8051 8078 8106 8133
0,9 8159 8186 8212 8238 8264 8289 8315 8340 8365 8389
1,0 8413 8438 8461 8485 8508 8531 8554 8577 8599 8621
1,1 8643 8665 8686 8708 8729 8749 8770 8790 8810 8830
1,2 8849 8869 8888 8907 8925 8944 8962 8980 8997 9015
1,3 9032 9049 9066 9082 9099 9115 9131 9147 9162 9177
1,4 9192 9207 9222 9236 9251 9265 9279 9292 9306 9319
1,5 9332 9345 9357 9370 9382 9394 9406 9418 9429 9441
1,6 9452 9463 9474 9484 9495 9505 9515 9525 9535 9545
1,7 9554 9564 9573 9582 9591 9599 9608 9616 9625 9633
1,8 9641 9649 9656 9664 9671 9678 9686 9693 9699 9706
1,9 9713 9719 9726 9732 9738 9744 9750 9756 9761 9767
2,0 9772 9778 9783 9788 9793 9798 9803 9808 9812 9817
2,1 9821 9826 9830 9834 9838 9842 9846 9850 9854 9857
2,2 9861 9864 9868 9871 9875 9878 9881 9884 9887 9890
2,3 9893 9896 9898 9901 9904 9906 9909 9911 9913 9916
2,4 9918 9920 9922 9925 9927 9929 9931 9932 9934 9936
2,5 9938 9940 9941 9943 9945 9946 9948 9949 9951 9952
2,6 9953 9955 9956 9957 9959 9960 9961 9962 9963 9964
2,7 9965 9966 9967 9968 9969 9970 9971 9972 9973 9974
2,8 9974 9975 9976 9977 9977 9978 9979 9979 9980 9981
2,9 9981 9982 9982 9983 9984 9984 9985 9985 9986 9986
3,0 9987 9987 9987 9988 9988 9989 9989 9989 9990 9990
3,1 9990 9991 9991 9991 9992 9992 9992 9992 9993 9993
3,2 9993 9993 9994 9994 9994 9994 9994 9995 9995 9995
3,3 9995 9995 9996 9996 9996 9996 9996 9996 9996 9997
3,4 9997 9997 9997 9997 9997 9997 9997 9997 9997 9998

Beispiele fr den Gebrauch der Tabelle:


f (2,37)=0,9911; f (– 2,37)=1 – f (2,37)=1 – 0,9911=0,0089;
f (z)=0,7910 ) z=0,81; f (z)=0,2090 =1 – 0,7910 ) z = – 0,81
Im Überblick
Bigalke/Köhler Mathematik · Gymnasiale Oberstufe · Nordrhein-Westfalen

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978-3-06-041906-7 Q 21,95 (2. Quartal 2011)
Lösungen Einzellizenz, ca. 720 S., Festeinband
96 S., kartoniert 978-3-06-041910-4 Q 23,50
978-3-06-041907-4 27 17,00 N Lösungen
Qualifikationsphase (3. Quartal 2011)
für den Grundkurs ca. 352 S., geblockt
978-3-06-041911-1 27 ca. 25,00
N Schülerbuch mit CD-ROM
Einzellizenz, 560 S., Festeinband
978-3-06-041908-1 Q 23,50
N Lösungen
(2. Quartal 2011)
288 S., kartoniert
978-3-06-041909-8 27 ca. 25,00

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Jürgen Bieschewski

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