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Unendliche Reihen - II

Im folgenden sollen weitere wichtige Kriterien und Aussagen bzgl. der


Konvergenz von Reihen diskutiert werden.

P

Gegeben sei die Reihe ak (mit ak ∈ R bzw. C) . Wir betrachten dazu
p k=1
die Folge ( k |ak |) .

Satz. (Wurzelkriterium)
p P

1) ∃ q ∈ R mit 0 ≤ q < 1 und k
|ak | ≤ q für fast alle k ⇒ ak
k=1
ist absolut konvergent.
p P

2) Gilt k |ak | ≥ 1 für unendlich viele k , dann ist ak divergent.
k=1

3) Ist weder 1) noch 2) erfüllt, dann ist (vorderhand) keine Aussage


möglich.

Beweis.
zu 1) : Es gilt |ak | ≤ q k für fast alle k, und damit ist wegen |q| < 1 die
P
∞ P

geometrische Reihe q k eine konvergente Majorante von |ak | , i.e.
k=1 k=1
P

ak ist absolut konvergent.
k=1
p
zu 2) : Gilt k |ak | ≥ 1 für unendlich viele k , dann kann (ak ) keine
Nullfolge sein, also ist das notwendige Kriterium für die Konvergenz nicht
erfüllt. Damit ist die Reihe divergent.
P

1
P

1
zu 3) : Die Reihen k2 und k erfüllen beide weder 1) noch 2),
k=1 k=1
jedoch ist die erste Reihe konvergent und die zweite Reihe divergent. ¤

p
Bemerkung.
p Ist die Folge ( k
|ak |) im besonderen konvergent, also etwa
lim |ak | = q , dann liegt für q < 1 absolute Konvergenz vor, für q > 1
k

k→∞
Divergenz, und für q = 1 ist keine Aussage möglich.

1
Beispiele.
P

k4
p √
(a) Betrachte k 4 e−k . Dann ist |ak | = ek
und k
|ak | = 1e ( k k)4 →
k=1
1
e < 1 . Somit ist die Reihe absolut konvergent.

P

1 −k 1 −k k −k
(b) Betrachte (1 − k+1 ) . Dann ist ak = (1 − k+1 ) = ( k+1 ) =
p k=1
( k+1
k )
k
. Also k
|ak | = k+1
k →1.
Damit ist mit dem Wurzelkriterium keine Aussage möglich.
Allerdings gilt ak = (1 + k1 )k → e , und somit ist (ak ) keine Nullfolge.
Damit ist die Reihe divergent.

P

Nun betrachten wir zu einer Reihe ak mit ak 6= 0 für fast alle k die
k=1
Folge (| aak+1
k
|) .

Satz. (Quotientenkriterium)
P

1) ∃ q ∈ R mit 0 ≤ q < 1 und | aak+1
k
| ≤ q für fast alle k ⇒ ak ist
k=1
absolut konvergent.
P

2) Gilt | aak+1
k
| ≥ 1 für fast alle k , dann ist ak divergent.
k=1

3) Ist weder 1) noch 2) erfüllt, dann ist (vorderhand) keine Aussage


möglich.

Beweis.
zu 1) : Es gelte | aak+1
k
| ≤ q < 1 für k > N . Dann ist für k > N
|ak | = | aak−1
k
|| aak−1
k−2
|...| aaNN+1 ||aN | ≤ q k−N |aN | = | aqNN |q k = cq k .
P

Wiederum ist die geometrische Reihe c q k eine konvergente Majorante
k=1
P
∞ P

von |ak | , i.e. ak ist absolut konvergent.
k=1 k=1

zu 2) : Gilt | aak+1
k
| ≥ 1 für fast alle k , dann kann (ak ) keine Nullfolge

2
sein, und damit ist die Reihe divergent.
P

1
P

1
zu 3) : Die Reihen k2 und k erfüllen beide weder 1) noch 2),
k=1 k=1
jedoch ist die erste Reihe konvergent und die zweite Reihe divergent. ¤

Bemerkung. Ist die Folge (| aak+1 k


|) im besonderen konvergent, also etwa
ak+1
lim | ak | = q , dann liegt für q < 1 absolute Konvergenz vor, für q > 1
k→∞
Divergenz, und für q = 1 ist keine Aussage möglich.

Beispiele.
P

(k!)2 k
1) Für welche x ∈ R ist die Reihe (2k)! x konvergent?
k=1
[(k+1)!]2 (2k)!|x|k+1 (k+1)2 |x| |x|
| aak+1
k
|= (2k+2)!(k!)2 |x|k
= (2k+2)(2k+1) → 4 für k → ∞ .
|x|
Somit ist die Reihe absolut konvergent für 4 < 1 , i.e. |x| < 4 , und
divergent für |x| > 4 .
Für die Randpunkte x = ± ist eine gesonderte Untersuchung erforderlich.

P

2) Betrachte die Reihe ak = 1 + a3 + a2 + a5 + a4 + a7 + .... , wobei
k=1
|a| < 1 , a 6= 0 .
Dann ist | aak+1
k
| = |a|3
wenn k ungerade ist, und | ak+1
ak | =
1
|a| wenn k gerade
ist.
Weil | aak+1
k
| < 1 für ∞ viele k und | aak+1
k
| > 1 für ∞ viele k , ist mit dem
Quotientenkriterium keine Aussage möglich.
k
Nun ist ak = ak−1 = aa wenn k ungerade, und ak = ak+1 = aak wenn
p |a|
k gerade. Damit ist k |ak | = √ k
→ |a| < 1 , wenn k ungerade,
|a|
p p
und k |ak | = k |a||a| → |a| < 1 wenn k gerade. Somit liegt nach dem
Wurzelkriterium Konvergenz vor.

3
P

Definition. Die Reihe ak heißt alternierend, wenn zwei aufeinan-
k=1
derfolgende Summanden verschiedenes Vorzeichen haben. OBdA setzen
P

wir voraus, dass die Reihe in der Form (−1)k+1 ak mit ak ≥ 0
k=1
darstellen können.
P∞
(Also (−1)k+1 ak = a1 − a2 + a3 − a4 + a5 − ...... mit ak ≥ 0)
k=1

Satz. (Leibniz-Kriterium)
P

Sei die alternierende Reihe (−1)k+1 ak gegeben.
k=1

1) Ist (ak ) eine monotone Nullfolge, dann konvergiert die Reihe.


P

2) Ist s = (−1)k+1 ak , dann gilt für die Teilsumme sn die Abschätzung
k=1
|sn − s| ≤ an+1 .

Beweis.
Wir betrachten die beiden Partialsummenfolgen (s2n ) = s2 , s4 , s6 , .... und
(s2n−1 ) = s1 , s3 , s5 , ... .
Laut Voraussetzung ist ak − ak+1 ≥ 0 , und damit s2(n+1) − s2n = a2n+1 −
a2n+2 ≥ 0 , also ist die Folge (s2n ) monoton wachsend.
Weiters ist s2n = a1 − (a2 − a3 ) − ... − (a2n−2 − a2n−1 ) − a2n ≤ a1 , d.h. die
Folge (s2n ) ist nach oben beschränkt und somit konvergent.
Analog zeigt man, dass die Partialsummenfolge (s2n−1 ) monoton fällt und
nach unten beschränkt ist, also ebenso konvergent ist.
Wegen s2n − s2n−1 = −a2n ≤ 0 und a2n → 0 , haben beide Partial-
summenfolgen den gleichen Grenzwert s, woraus die Konvergenz der Reihe
folgt.

Wegen s2n ≤ s ≤ s2n−1 ∀ n ∈ N gilt dann


|s − s2n | = s − s2n ≤ s2n+1 − s2n = a2n+1
|s − s2n−1 | = s2n−1 − s ≤ s2n−1 − s2n = a2n

Das heißt, |s − sm | ≤ am+1 . ¤

4
Beispiele.
P

1) Betrachte (−1)k+1 k1α . Dann bilden für α > 0 die Reihenglieder eine
k=1
monoton fallende Nullfolge, also ist die Reihe nach dem Leibniz-Kriterium
konvergent.
P

Im besonderen ist die Reihe (−1)k+1 k1 = 1 − 12 + 13 − 14 + .... konvergent.
k=1

P
∞ k
2) Die Glieder der alternierenden Reihe (−1)k k+(−1)
k2 bilden zwar
k=2
eine Nullfolge, die jedoch nicht monoton fallend ist. Daher ist das Leibniz-
Kriterium nicht anwendbar.
Sie ist aber dennoch konvergent, weil
P∞ k P
∞ P

(−1)k k+(−1)
k2 = (−1) k1
k + 1
k2 .
k=2 k=2 k=2

P
∞ √
k+(−1)k
3) Die Glieder der alternierenden Reihe (−1)k k bilden eine
k=2
Nullfolge, die allerdings nicht monoton fallend ist. Daher ist auch hier das
Leibniz-Kriterium nicht anwendbar.
Man zeige, dass die Reihe nicht konvergiert.

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