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Zusammenfassung The Textility of Making Tim Ingold

In seinem Essay "The Textility of Making" befasst sich Tim Ingold mit der Beziehung zwischen
Kunst und Technik, indem er den Weg des abendländischen Denkens ausgehend von dem
von Aristoteles definierten hylomorphen Modell reflektiert, das die Schöpfung als einen
Prozess der Ko-Integration von Materie (hyle) und Form (morphe) bezeichnet. Gleich zu
Beginn stellt Ingold dem aristotelischen Modell zwei Grundannahmen von Paul Klee, dem
deutschen Maler des frühen 20. Jahrhunderts, gegenüber. Klee stellt nämlich fest, dass: "The
form ist the end, death"; "Form-giving is life". Ingolds Aufsatz thematisiert anhand des
aristotelischen Modells einerseits und der beiden Zitate von Paul Klee andererseits die
Neudimensionierung des Verhältnisses von Kunst und Technik in der Geschichte des
abendländischen Denkens. Das aristotelische Modell in der Geschichte des abendländischen
Denkens geht davon aus, dass der schöpferische Prozess durch die Vereinigung von Form
und Materie gekennzeichnet ist, aber im Wesentlichen war er immer durch den Vorrang der
Form vor der Materie gekennzeichnet. In den Abhandlungen der Renaissance, so Ingold
unter Berufung auf Leon Battista Alberti, ist die Form, die reine Rationalität, das primäre
Element, das das Ganze ordnet und auf die Materie einwirkt, ein sekundäres Element, auf
das die Kraft der Rationalität, der Form, einwirkt und das die Bedeutung mit der Materie
verbindet. Dieses hylomorphe Paradigma charakterisiert im Wesentlichen einen großen Teil
der Geschichte des westlichen Denkens in seiner Beziehung zur technisch-kreativen
Dimension. Andererseits bezieht sich Ingold sowohl auf Paul Klee als auch auf Gilles Deleuze
und Félix Guattari, die den schöpferischen Blick innerhalb der Beziehung zwischen Künstler
und Materie neu definieren. Anstatt von "Subjekt" und "Objekt" zu sprechen, beginnen wir,
von "Kräften" und "Materialien" oder von "Halbsubjekten" und "Halbobjekten" zu sprechen.
Jahrhunderts der ontologischen und erkenntnistheoretischen Neubewertung durch das
Zusammenwirken verschiedener Wissenschaften wie der Anthropologie, der
Religionswissenschaften, der Soziologie und der Philosophie von Heidegger über Husserl bis
hin zu Deleuze-Guattari durch die wichtige Übersetzung der Gedanken Nietzsches und
insbesondere Michel Foucaults Lektüre der "Zur Genealogie der Moral". Gerade Foucaults
Lektüre der Zur Genealogie der Moral, die Deleuze in seinen Kursen über Foucault
anerkennt, stellt einen der grundlegenden Punkte des Übergangs von einem hylomorphen
Modell zu einem dynamischen Modell dar, zu einem Modell, das im Wesentlichen auf
Körpern, Kräften und Anwendungspunkten beruht. Auf diese Tradition bezieht sich Ingold,
und auf sie bezieht sich auch der Ausdruck "textility of making". Die "Textilität des Machens"
bezieht sich in der Tat auf jene immanente, fortschreitende und stets im Prozess befindliche
Dimension, die zwischen Künstler und Schöpfung besteht und bei der man nicht von einer
rationalen und vertikalen Auferlegung ausgeht, sondern von einem in die Dinge
eingetauchten Blick, der sich den Dingen anpasst, indem er ihnen Leben gibt; in diesem
Sinne ist Klees Aussage "Form-giving is life" am besten zu verstehen. Diese Dimension der
Schöpfung, die immer im Gange ist, wird von Ingold in verschiedenen Bereichen
angesprochen: Architektur, Malerei und Zeichnung. In der Zeichnung, so zitiert Ingold den
Kunsthistoriker Norman Bryson, findet er das perfekte Beispiel für das Verständnis der
"lebensspendenden" Dimension der "technè". Derjenige, der zeichnet, kann weder die
Linien, die seine Hand geführt haben, auslöschen, noch kann er sich von dem Schicksal der
Linien, die er nicht zu zeichnen beschließt, distanzieren, er befindet sich also in einem
ständigen Aufschub, in dem die Linie die Hand ständig in Frage stellt und umgekehrt.