Sie sind auf Seite 1von 40

Institut für Fertigungstechnik/Schweißtechnik

Kleb- und Löttechnik


Kapitel Löten
Unregelmäßigkeiten / Prüfung von Lötverbindungen

TU Chemnitz
Institut für Fertigungstechnik/Schweißtechnik

Reichenhainer Str. 70
D-09126 Chemnitz

Telefon: +49 (0) 371-531-35858 Dr. Ing. H. Lang


Fax: +49 (0) 371-531-23729 Dipl.-Ing. H. Letsch

1 E-Mail: schweisstech@mb.tu-chemnitz.de
Internet: http://ifs.tu-chemnitz.de
Löttechnik – Unregelmäßigkeiten beim Hartlöten / Prüfung

Gelötetes Sägeblatt
(Poröse Lotschicht / zu großer Spalt
Quelle: Braze Tec Hanau

Gelöteter Wärmeübertrager in Layertechnik


(Fluidstruktur teilweise mit Lot gefüllt)
2
Quelle: ZEBRAS Chemnitz
Löttechnik – Unregelmäßigkeiten beim Hartlöten

3
Löttechnik – Unregelmäßigkeiten beim Hartlöten

4
Löttechnik – Unregelmäßigkeiten beim Hartlöten

Hartgelötete Baugruppe Schnitt durch hartgelötete Baugruppe

5
Löttechnik – Unregelmäßigkeiten beim Hartlöten

Unregelmäßigkeiten in einer hartgelöteten Verbindung können bestehen in:

• Abweichungen von der angestrebten relativen Lage der Bauteile beim Hartlöten
• Abweichungen von den angestrebten Merkmalen einer hartgelöteten Verbindung

6
Löttechnik – Unregelmäßigkeiten beim Hartlöten

Äußere Unregelmäßigkeiten Innere Unregelmäßigkeiten


Eingefallene Lötnaht Risse
Risse Füllfehler
Offene Porosität Feststoffeinschlüsse
Unzureichende Hohlkehle Gaseinschluss
Lötgutüberlauf Flussmitteleinschluss
Lokales Aufschmelzen Bindefehler
Rauhe Lötnahtoberfläche Erosion
Ausblühungen
Verfärbungen
Spritzer
Flussmittelreste
Erosion in der Oberfläche des
Grundwerkstoffs
7
Löttechnik – Unregelmäßigkeiten beim Hartlöten

Einteilung von Unregelmäßigkeiten

Gruppe I Risse
Gruppe II Hohlräume

8 DIN EN ISO 18279 (Auszug)


Löttechnik – Unregelmäßigkeiten beim Hartlöten

Sägezahnlötung mit Bruchlinie zwischen Lot und Hartmetall


• ungenaue Geometrie zwischen Hartmetall und Stammblatt im Eckbereich
• zu großer Anpressdruck beim Löten Herauspressen des flüssigen Lotes
verbleibender Lotspalt zwischen Cu und Hartmetall tendiert gegen Null
•Lotfolie im Rückenbereich nicht bis Hohlkehle durchgeführt - Anriss

9 Gelötetes Sägeblatt Quelle: Braze Tec Hanau


Löttechnik – Unregelmäßigkeiten beim Hartlöten

Einteilung von Unregelmäßigkeiten

Gruppe II Hohlräume

10
DIN EN ISO 18279 (Auszug)
Löttechnik – Unregelmäßigkeiten beim Hartlöten

Beschreibung:
Poren oder Hohlräume in Lötstellen (Lunker)
treten bei diesem Beispiel u.a. durch
Ausgasungen aus dem organischen Basismaterial
auf. Auch Verunreinigungen an den
Anschlussbeinen begünstigen diesen Effekt. Eine
einheitliche Bewertungsgrundlage über Anzahl
und Größe der Einschlüsse ist noch nicht erfolgt.
Jedoch begünstigen in einer Kette hintereinander
liegende Poren die Rissempfindlichkeit und damit
die mechanische Belastbarkeit der Lötstellen.
Gleiches gilt für sehr große Lunker. Da diese
Einschlüsse von außen nicht sichtbar sind, ist eine
Inspektion nicht möglich (außer
Röntgeninspektion). Diese Lötstelle sollte
nachgearbeitet werden.

Ursachen/Abhilfe:
- Feuchtigkeit im Basismaterial
- organische Verunreinigungen auf dem
Basismaterial und Bauelementen
- Überlagerte Bauelemente / Lagerung

11 Poren und Hohlräume in einer Lötverbindung (Quelle: www.technolab.de)


Löttechnik – Unregelmäßigkeiten beim Hartlöten

Beschreibung:
Diese Erscheinung ist auch bei technologisch
aktuellen Bauelementen feststellbar (BGA). Hier gilt
selbstverständlich die gleiche Bewertungsweise
wie oben beschrieben. Die
Nachweiswahrscheinlichkeit ist bei diesen
Bauelementen nur wesentlich höher, da sehr oft
Röntgeninspektionssysteme für die von außen
nicht sichtbaren Lötstellen eingesetzt werden. Die
Größe der Poren ist hier ebenfalls nicht mehr
akzeptabel.

Ursachen/Abhilfe:
- Feuchtigkeit im Basismaterial
- organische Verunreinigungen auf dem
Basismaterial und Bauelementen
- Überlagerte Bauelemente / Lagerung
- Lotpaste mangelhaft oder nicht dem Zweck
angepasst
- Zeit zwischen Lotpastenauftrag und Löten zu lang
(Lotpaste ist hygroskopisch)

12 Poren und Hohlräume in einer Lötverbindung (Quelle: www.technolab.de)


Löttechnik – Unregelmäßigkeiten beim Hartlöten

Einteilung von Unregelmäßigkeiten

Gruppe III feste Einschlüsse


Gruppe IV Bindefehler

13

DIN EN ISO 18279 (Auszug)


Löttechnik – Unregelmäßigkeiten beim Hartlöten

Flussmitteleinschlüsse in einer
Lötverbindung

14
Löttechnik – Unregelmäßigkeiten beim Hartlöten

Einteilung von Unregelmäßigkeiten


Gruppe V Form und Maßabweichungen
Gruppe VI Sonstige Unregelmäßigkeiten

15

DIN EN ISO 18279 (Auszug)


Löttechnik – Unregelmäßigkeiten beim Hartlöten

Einteilung von Unregelmäßigkeiten

Gruppe V Form und Maßabweichungen


Gruppe VI Sonstige Unregelmäßigkeiten

16

DIN EN ISO 18279 (Auszug)


Löttechnik – Unregelmäßigkeiten beim Hartlöten

Quelle: ERLAS GmbH

Einseitige Benetzung beim Laserstrahllöten


17
Löttechnik – Unregelmäßigkeiten beim Hartlöten

Einteilung von Unregelmäßigkeiten

Gruppe V Form und Maßabweichungen


Gruppe VI Sonstige Unregelmäßigkeiten

18

DIN EN ISO 18279 (Auszug)


Löttechnik – Unregelmäßigkeiten beim Hartlöten

Unerwünschte Benetzung des Grundwerkstoffes mit Lötgut bzw. Lötgutüberlauf

19
Löttechnik – Unregelmäßigkeiten beim Hartlöten

• Beschreibung jeder einzelnen Unregelmäßigkeit entsprechend vorangestellter Tabelle 1

• Zuordnung einer Bewertungsgruppe B, C oder D für die untersuchte Verbindung

• Untersuchung der Verbindung nach Durchführung aller dem Hartlöten nachgeschalteten


Reinigungsprozesse

• Bei der Bewertung sind Kombinationen von Unregelmäßigkeiten in Betracht zu ziehen

• Zuweisung zu bestimmten Bewertungsgruppen sollte den Werkstoff, die Konstruktion der


Verbindung, das angewendete Hartlötverfahren, die Betriebsbedingungen und die
Anwendung der Verbindung im Betrieb einbeziehen

• Die Einführung, Anwendung und Zuordnung von Bewertungsgrenzen für


Unregelmäßigkeiten sollte mit Blick auf vorhandene Betriebserfahrungen und
Anwendungsnormen mit Umsicht vorgenommen werden und ist für den jeweiligen
Anwendungsfall zu prüfen und zu diskutieren

20
Löttechnik – Unregelmäßigkeiten beim Hartlöten

21
Lötverbindungen – Zerstörende Prüfung

22
Lötverbindungen – Zerstörende Prüfung

a) Scherzugprüfung (siehe Abschnitt 4)

b) Zugprüfung (siehe Abschnitt 5)

c) Metallographische Untersuchung (siehe Abschnitt 6)

d) Härteprüfung (siehe Abschnitt 7)

e) Schälprüfung (siehe Abschnitt 8)

f) Biegeprüfung (siehe Abschitt 9)


Ergebnisse der Prüfungen werden genutzt, um:
• Basisdaten bezüglich des Verhaltens des Zusatzwerkstoffes zu
ermitteln
• Optimale Hartlötkonstruktionen (einschließlich Hartlötspalten) und
Hartlötanweisungen zu erstellen
• Die Fertigungsergebnisse mit den Ergebnissen, die bei der Entwicklung
erzielt wurden in Beziehung zu setzen
23
Lötverbindungen – Zerstörende Prüfung

Normative Verweisungen

24
Lötverbindungen – Zerstörende Prüfung

Scherzugprüfung
Bestandteile eines Prüfberichts

25
Lötverbindungen – Zerstörende Prüfung

Scherzugprüfung

Bruchflächen der Lötverbindung Bruchflächen der Lötverbindung Bruchflächen der Lötverbindung


nach Scherzugversuch nach Scherzugversuch nach Scherzugversuch

Grundwerkstoff: Cu Grundwerkstoff: Cu Grundwerkstoff: Cu


Lotwerkstoff: S-Sn50In50 Lotwerkstoff: S-Bi57Sn43 Lotwerkstoff: S-Sn60Pb40

26
Mikroschliff (Lichtmikroskopie) Mikroschliff (Lichtmikroskopie) Mikroschliff (Lichtmikroskopie)
Schmelzzonenbreite: ~ 45 µm Schmelzzonenbreite: ~ 65 µm Schmelzzonenbreite: ~ 85 µm
Lötverbindungen – Zerstörende Prüfung

Metallographische Untersuchung
Ziel ist die Untersuchung der Makro- und Mikrostrukturen der Hartlötverbindungen um
deren Qualität zu ermitteln. Dabei ist eine der folgenden Methoden anzuwenden:

Makroschliff Lötverbindung Quelle: MIG WELD

27

Mikroschliff Lötverbindung Quelle: MIG WELD


Lötverbindungen – Zerstörende Prüfung

Metallographische Untersuchung

28
Lötverbindungen – Zerstörende Prüfung

Schälprüfung

1 - Hartlötverbindung

29
2 - Hohlkehle
Lötverbindungen – Zerstörungsfreie Prüfung

30
Lötverbindungen – Zerstörungsfreie Prüfung

a) Sichtprüfung (siehe Abschnitt 4)

b) Ultraschallprüfung (siehe Abschnitt 5)

c) Durchstrahlungsprüfung (siehe Abschnitt 6)

d) Eindringprüfung (siehe Abschnitt 7)

e) Dichtheitsprüfung (siehe Abschnitt 8)

f) Überdruckprüfung (siehe Abschnitt 9)

g) Thermographie (siehe Abschnitt 10)

31
Lötverbindungen – Zerstörungsfreie Prüfung

Normative Verweisungen

32
Lötverbindungen – Zerstörungsfreie Prüfung

Sichtprüfung
Einfache visuelle oder Sichtprüfung ist grundlegendstes und allgemein
gebräuchlichstes Verfahren der zerstörungsfreien Prüfung.
Hier: Prüfung der Verbindungsqualität nicht der Maßhaltigkeit
Der Prüfumfang und die zu kontrollierenden Merkmale sind zu vereinbaren !
Weiterhin sind zu vereinbaren:

33
Lötverbindungen – Zerstörungsfreie Prüfung

Sichtprüfung - Hinweise

a) Geeignete und ausreichende Beleuchtung


b) Weitwinkelbetrachtungsgerät mit geringer Vergrößerung (fünffach) z.B. auf
einer standardisierten optischen Bank kombiniert mit einem festmontierten
Betrachtungsgerät (eventuell mit Beleuchtung)
c) Vergleichsmessgerät für den Mindestwert der entsprechenden Größe der
Unregelmäßigkeiten: entweder ein fest montierter Draht dieses Durchmessers
(wird neben der Unregelmäßigkeit gehalten) oder achtfach vergrößernde Lupe
mit Maßraster
d) Kleiner ebener Spiegel (z.B. Dentalspiegel) für nur teilweise zugängliche
Verbindungen (in Ausnahmefällen kann auch ein Endoskop genutzt werden,
wenn die Zugänglichkeit sonst nicht gegeben ist.)
e) Mittel und Einrichtungen zur örtlichen Beleuchtung von Schattenbereichen
(z.B. Lichtwellenleiter)
f) Anerkannte Verfahren zum Markieren von Verbindungen und
Verbindungsbereichen (z.B. wasserfester Filzstift) auf Dauerhaftigkeit,
Verwechslungssicherheit und Eindeutigkeit ist zu achten!
34
Lötverbindungen – Zerstörungsfreie Prüfung

Sichtprüfung

Der Umfang der Untersuchungen ist vor der Prüfung für jedes Werkstück festzulegen!
Vereinbarte Untersuchungsstellen müssen anhand der Konstruktionszeichnung
dargestellt werden!

35
Lötverbindungen – Zerstörungsfreie Prüfung

Sichtprüfung / Metallografische Untersuchung

36
Lötverbindungen – Zerstörungsfreie Prüfung

Ultraschallprüfung

37
Lötverbindungen – Zerstörungsfreie Prüfung

Durchstrahlungsprüfung Durchstrahlungsprüfung
Mikrokanalstruktur

Fehlerfreie Lötung

38
Partielle Kanalfüllung durch Lot
Lötverbindungen – Zerstörungsfreie Prüfung

Eindringprüfung

39
Lötverbindungen – Zerstörungsfreie Prüfung

Thermografie
Prüfung der Verteilung der Wärme durch oder in einer Hartlötverbindung. Das Prüfverfahren beinhaltet
die Prüfung des Prüfstücks beim Abkühlen von einer festgelegten Temperatur oder die Prüfung nach
der Abkühlung auf eine gleichmäßige Temperatur.

40
Temperaturverteilung in einer
Wärmeübertragerstruktur

Das könnte Ihnen auch gefallen