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Neue Berechnung

Cannabis-Legalisierung könnte dem Staat 4,7 Milliarden Euro pro Jahr bringen

Eine kontrollierte Freigabe (выпуск) von Cannabis könnte die Finanzprobleme einer Ampelkoalition
erheblich (значительно) lindern (сократить): Ökonomen beziffern(оценивают) den Geldsegen
(непредвиденные доходы) für den Staat auf knapp fünf Milliarden Euro – pro Jahr.
Von Florian Diekmann
16.11.2021, 10.31 Uhr
 

Der deutsche Staat würde durch eine Legalisierung von Cannabis wohl deutlich stärker profitieren
(выиграет) als bislang angenommen(чем предполагалось ранее). Insgesamt gut 4,7 Milliarden Euro
würden die öffentlichen Haushalte (государственный бюджет) jedes Jahr an Mehreinnahmen
(дополнительных доходов) und Einsparungen (сбережений) verzeichnen(записыаться). Das ist
das Ergebnis einer Studie eines Forscherteams um Justus Haucap, Ökonomieprofessor an der Universität
Düsseldorf. Für die Studie wurde eine Berechnung aus dem Jahr 2018 aktualisiert, die damals einen rund
zwei Milliarden Euro geringeren jährlichen Effekt ergab(показало).

Die drei möglichen Partner einer Ampelkoalition hatten sich in ihren Wahlprogrammen allesamt in der
einen oder anderen Form für einen regulierten legalen Verkauf von Cannabis für den Freizeitgebrauch (в
развлекательных целях) an Erwachsene ausgesprochen(высказываться). Bislang darf Cannabis in
Deutschland nur zu medizinischen Zwecken gehandelt und verkauft werden.

Die Argumente für eine Legalisierung sind bei SPD, Grünen und FDP weitgehend (во многом) die gleichen
– und haben mit dem finanziellen Effekt für die Staatskasse (государственной казной) nichts zu tun: Durch
einen kontrollierten Verkauf werde der illegale Schwarzmarkt ausgetrocknet(иссякнут), auch dadurch seien
besserer Jugendschutz und effektivere Suchtprävention (предотвращение зависимости) möglich. Nicht
zuletzt (не в последнюю очередь) sei es falsch, Millionen Cannabiskonsumenten zu kriminalisieren.

1,8 Milliarden Euro durch eine Cannabis-Steuer

Der Geldsegen (непредвиденные доходы) für die öffentlichen Finanzen (государственных финансов) ist
also eher willkommener Nebeneffekt (побочный эффект) als Beweggrund (мотивация) einer möglichen
Legalisierung. Allerdings ist es ein beträchtlicher Nebeneffekt(значительный побочный эффект). Wie
kommt (складывается) die Summe von 4,7 Milliarden Euro aber zusammen?

Eine neu einzuführende Cannabis-Steuer könnte mit jährlich 1,8 Milliarden Euro Einnahmen den größten
Anteil ausmachen(составить), eine Mengensteuer(налог на объем), bei der pro Gramm ein einheitlicher
Betrag erhoben würde(в котором будет взиматься единообразная сумма за грамм). Ziel sei, dass das
Gramm Cannabis am Ende für rund zehn Euro zu kaufen sei, sagt Haucap, der früher Chef der
Monopolkommission war. Dieser Betrag entspreche dem aktuellen Durchschnittspreis auf dem
Schwarzmarkt.

Zieht (вычесть) man von gut zehn Euro die Mehrwertsteuer (НДС) von 19 Prozent ab, bleiben noch rund
8,50 Euro. Für Produktion, Verarbeitung(переработки), Transport und den Einzelhandel (розничной
торговли) inklusive Gewinnmargen (включая размер прибыли) rechnen (оценивают) die Forscher mit
Kosten von vier Euro – was eine Cannabis-Steuer von rund 4,50 Euro pro Gramm ergäbe.
Die Mehrwertsteuer (НДС) selbst brächte rund 650 Millionen Euro im Jahr. Insgesamt (в целом) würden
sich allein durch die Steuern auf den Konsum (налоги на потребление) also rund 2,45 Milliarden Euro an
zusätzlichen Einnahmen ergeben.

Den zweitgrößten fiskalischen Effekt (второй по величине фискальных эффект) ergäben (приведёт)
erhebliche Einsparungen (экономии) bei der Strafverfolgung  (уголовные преследования) und der
juristischen Verfahren(судебные разбирательства): Die Kriminalstatistik verzeichnete (зафиксировала)
für das Jahr 2020 knapp 228.000 Straftaten im Zusammenhang mit Cannabis. Allein bei
der Polizei entstehen den Berechnungen (расходы) zufolge dadurch geschätzt rund 1,05 Milliarden Euro
Kosten jährlich. Die Kosten für Staatsanwaltschaft(прокуратуры), Gerichte und
Haftanstalten(тюрем) schätzen die Ökonomen auf knapp 315 Millionen Euro im Jahr.

Der Rest der finanziellen Wirkungen auf die öffentlichen Haushalte ergäbe sich durch einen neuen
Wirtschaftszweig. (Остальное финансовое воздействие на государственные финансы будет исходить
от новой отрасли.) Rund 27.000 sozialversicherungspflichtige Vollzeit-Arbeitsplätze (рабочих мест с
полной занятостью, подлежащих отчислениям на социальное страхование) könnten in Deutschland den
Berechnungen zufolge neu entstehen, in der Produktion, der Verarbeitung (обработки) und dem Verkauf.
Das ergäbe ein Aufkommen (доход) aus Gewerbe(торговых)- und
Körperschaftsteuern(корпоративных налогов), Lohnsteuer (налог на
зп) und Sozialversicherungsbeiträgen (соц страхование) von rund 890 Millionen Euro.

Dass der fiskalische Effekt einer Cannabis-Legalisierung in der Neuberechnung nun um rund zwei
Milliarden Euro pro Jahr höher ausfällt als in der ersten Studie aus dem 2018, führt (приписывает) das
Forscherteam um Haucap auf vier Faktoren zurück:

 Der Cannabiskonsum ist laut dem Epidemiologischen Suchtsurvey (зависимость) inzwischen höher


als damals angenommen.
 Die Produktion von Cannabis ist zwischenzeitlich deutlich günstiger geworden. Dadurch kann die
Cannabis-Steuer pro Gramm erhöht werden, um dennoch (по – прежнему) auf den angepeilten
Zielverkaufspreis (целевая цена) von zehn Euro zu kommen.
 Der höhere Konsum führt auch zu mehr neuen Arbeitsplätzen.
 Durch eine verbesserte Datenlage (ситуация с данными) konnten erstmals die Kosten für die Justiz
geschätzt werden, die 2018 noch nicht berücksichtigt (учтены) wurden.
Die Berechnungen (расчеты) könnten damit zumindest (по крайней мере) die Größenordnung (масштабы)
deutlich machen, die eine Cannabis-Legalisierung für die Staatsfinanzen hätte. Auch wenn die
Ampelparteien einen Teil davon für Jugendschutz und Prävention (предупреждение, профилактика) sowie
die Beratung und Behandlung (лечение) von Süchtigen (наркоманов) reservieren wollen, könnte noch
einiges Geld für große Projekte wie den Klimaschutz oder die Rente bleiben.
 

Reuters-Interview

Merkel findet Atomausstieg (отказ от атомной энергетики) weiter richtig – trotz


geringer Alternativen

Bis Ende 2022 soll Deutschlands letztes Atomkraftwerk vom Netz gehen(отключена). Angesichts der
Klimakrise (ввиду климатического кризиса) fordern manche Politiker den Weiterbetrieb (дальнейшей
эксплуатации) der AKWs(АЭС). Doch Merkel steht zu ihrem Entschluss (придерживается своего
решения).
17.11.2021, 15.04 Uhr

Steigt (избавляется) Deutschland vorschnell (избавляется) aus der Kohle (от угля) aus?


Bundeskanzlerin Angela Merkel sieht kaum noch eine Möglichkeit, die Einstufung (классификации) der
Atomenergie als grüne Technologie in der EU zu verhindern. »Deutschland hat seinen Widerstand
(сопротивление) nicht aufgegeben (отказаться) «, betonte Merkel in einem am Mittwoch veröffentlichten
Interview mit der Nachrichtenagentur Reuters mit Blick (в свяхи) auf einen Entwurf der EU-Kommission,
die Atomenergie als nachhaltig (признана) anzuerkennen(признана).
Die EU ringt um die Frage: Kann Atomenergie als nachhaltig gelten?

Aber bei dem von der EU eingeschlagenen Weg eines sogenannten delegierten Rechtsakts auf Grundlage
der Taxonomie-Verordnung könne der Vorschlag nur abgelehnt (отклонено) werden, wenn 20 EU-
Mitglieder mit Nein stimmen würden. »Das ist eine sehr hohe Hürde (препятствие) und ist voraussichtlich
nicht der Fall(маловероятно)«, fügte (добавила) sie mit Blick auf die 27 Mitgliedstaaten hinzu. »Das
Verfahren an sich (сам процесс) kann nur schwer wieder aufgehalten (остановить) werden, wenn die EU-
Kommission etwas vorlegt(представит).«

Hintergrund ist ein Ringen innerhalb der EU um die sogenannte Taxonomie (таксономию). Damit sollen
Technologien ein Label (ярлык) als nachhaltig und unschädlich erhalten (присвоить), damit die
Finanzströme verstärkt in grüne Technologien geleitet werden. Für Frankreich zählt (относят) die
Atomenergie dazu, weil sie kaum CO₂ produziert, Deutschland ist wegen der ungelösten Frage der
Atommüll-Entsorgung (утилизация ядерных отходов) dagegen. 129 Nichtregierungsorganisationen
(неправительственных организаций) aus Europa hatten den wahrscheinlich nächsten Bundeskanzler Olaf
Scholz (SPD) in einem offenen Brief aufgefordert(обратились), die Atomenergie nicht als nachhaltig
einzustufen(относить).

Die geschäftsführende Kanzlerin Merkel betonte, dass die EU-Kommission wisse, dass es in Deutschland
parteiübergreifend (межпартийное) die Meinung gebe, dass Kernenergie (ядерная энергентика) »nicht als
gleichrangig (такая же) sauber« mit Wind- und Sonnenenergie eingestuft (классифицироваться) werden
sollte. Atomkraft sei aber zum Beispiel für Frankreich eine Brückentechnologie(переходная технология).
»Wir sagen, dass für uns Erdgas als Brückentechnologie (переходная технология) klassifiziert werden
muss«, betonte die Kanzlerin im Gegenzug(в ответ). Außerdem sei die EU-Kommission klug genug, um zu
wissen, dass am Ende eine Gesamtstrategie zum Klimaschutzprogramm »Fit for 55« nötig sei. »Da wird
man nicht durch verschiedene Rechtsetzungen ein ungutes Beratungsklima erzeugen wollen.«( Там вы не
захотите создавать неблагоприятный консультативный климат различными правовыми актами"«)

Merkel verteidigte (защищала) zugleich den in ihrer Kanzlerschaft vollzogenen (осущ) Ausstieg (отказ)
aus der Kernenergie (от ядерной энергетики). Ein weltweites Revival der Technologie (глобальное
возрождение технологий) sieht sie skeptisch. »Es stimmt natürlich, dass wir jetzt die sehr ambitionierte
und herausfordernde (сложная) Aufgabe haben, mit dem Ausstieg aus Kohle und Kernenergie die
Energiewende (переход в энергентике) zu schaffen«, sagte Merkel. »Aber es stimmt auch, dass es sich für
unser Land auch auszahlen wird(окупится), wenn wir es richtig machen.«

Merkel zweifelt an neuem Interesse an Kernenergie

Merkel bezweifelte, dass es wegen des Kampfes gegen den Klimawandel wirklich ein neues, breites
Interesse an der Atomenergie geben werde. In Frankreich sei dies anders, weil es dort Staatsbeteiligungen an
Energieunternehmen gebe. Aber private Investitionen in Kernkraftwerke seien weltweit begrenzt, betonte
die geschäftsführende Kanzlerin. »Bei den im Bau befindlichen Reaktoren gibt es häufig deutliche
Kostensteigerungen und starke zeitliche Verzögerungen«, fügte Merkel hinzu. Zudem sei die dauerhafte
Lagerung der radioaktiven Abfälle weiterhin nicht geklärt. »Und die Kilowattstunden-Preise für die
Kernenergie werden bestimmt nicht geringer sein als die Kilowattstunden-Preise für Offshore-
Windenergie«, betonte Merkel.

Bis Ende 2022 steigt Deutschland komplett aus der Atomkraft aus. Angesichts der Klimakrise stellen
manche Politiker das infrage und fordern, lieber schneller aus der klimaschädlichen Stromgewinnung
durch Kohle auszusteigen. Das soll in Deutschland spätestens bis 2038 passieren.

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