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Goethe-Institut / Max Mueller Bhavan Mumbai

Fortbildung B2.1 / B2.2

Geht uns der Müll aus?

In Deutschland zeichnen sich zunehmend Entsorgungsengpässe ab. Diese spiegeln sich in


zum Teil dramatisch steigenden Gebühren und Abfallexporten. Diese Entwicklung war
mitverantwortlich für das Umschwenken auf eine Kreislauf- und Stoffstrompolitik, die vor
allem auf die weitgehende Vermeidung und Verwertung von Abfällen setzt. Der Gesetzgeber
hat diesem Trend mit dem Kreislaufwirtschafts- und Abfallgesetz Rechnung getragen, das im
Herbst 1996 in Kraft getreten ist. Ziel dieses Gesetzes ist die Aufhebung der zuvor
bestehenden Arbeitsteilung zwischen Produktion und Handel einerseits und Entsorgung und
Verwertung andererseits. Die Verantwortung soll auf diejenigen zurückverlagert werden, die
Güter herstellen und vertreiben. Die Chancen und Probleme, die mit dieser Entwicklung
verbunden sind, wurden auf der Fachkonferenz "Abfallmanagement im Rahmen der
Kreislaufwirtschaft" diskutiert, die die Friedrich-Ebert-Stiftung im Dezember in Bonn
durchgeführt hat.

Marion Caspers-Merk, Vorsitzende der Enquete-Kommission "Schutz des Menschen und der
Umwelt" des Deutschen Bundestages, stellte fest, dass die Umsetzung der Kreislaufwirtschaft
sehr holprig und mit vielen Trial-and-Error-Unternehmungen begann. Zwar wurden die
Schlagwörter Abfallvermeidung und Produktverantwortung häufig gebraucht, um den
Pioniercharakter des Kreislaufwirtschaftsgesetzes herauszustellen. Aber diese Ziele blieben
bisher leider Utopie, da die notwendigen Verordnungen nicht erlassen wurden.

Beispielsweise fehlt eine Elektronikschrottverordnung. Das Aufkommen an Elektro- und


Elektronikschrott wird für die Bundesrepublik Deutschland für das Jahr 1994 auf 1,3 bis 1,5
Millionen Tonnen geschätzt. Hiervon sind etwa 600.000 Tonnen ausgediente Investitionsgüter
aus dem industriellen/gewerblichen Bereich und ca. 850.000 Tonnen Altgeräte aus den
Haushalten. 1998 ist mit einem prognostizierten Elektroschrottaufkommen von 1,8 Millionen
Tonnen oder rund 10 Millionen Kubikmetern zu rechnen. "Um diesen Abfallstrom zu regeln,
brauchen wir eine Verordnung. Sechs Jahre Warten müssen ein Ende haben, sonst begräbt uns
der Elektronikschrottberg", so Caspers-Merk. Eine Elektronikschrottverordnung würde
Konkurse von Aufbereitungsanlagen vermeiden und 1500 neue Arbeitsplätze schaffen.

MdB Reinhard Schultz wies auf Ökodumping und Mülltourismus hin. Hiermit werden in
einer Zeit mit hochentwickelter Technik und Organisation der Abfallwirtschaft erneut
Billiglösungen angeboten und genutzt. Kontroverse Auffassungen zeigten sich auf der
Fachkonferenz auch in Bezug auf die Privatisierungswirkungen des Gesetzes. Hier sieht die
private Entsorgungswirtschaft Potentiale für eine Diversifizierung und Verbreiterung der
betrieblichen Angebotspalette. Der Deutsche Städtetag rechnet dagegen mit einer
Privatisierung der Chancen und einer Sozialisierung der Risiken. Ob so der vom Gesetzgeber
beabsichtigte Leistungs- und Preiswettbewerb zustande kommt, wird zumindest bezweifelt.

Die Frage, ob uns durch Vermeidung und Verwertung von Abfällen, also durch nachhaltiges
Wirtschaften der Müll ausgeht, wurde vom Wuppertal-Institut eindeutig verneint. Zwar kann
eine deutliche Abnahme des Abfallaufkommens und eine Zunahme des der
Wiederverwertung zugeführten Abfalls festgestellt werden. Aber der nicht verwertete Teil der
Abfälle beläuft sich immer noch auf ca. 250 Mio. t. oder 3,8 t pro Kopf! Die Durchsetzung
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einer Wirtschafts- und Lebensweise, die den Grundsätzen der Produktverantwortung und
Kreislaufwirtschaft entspricht, bleibt deshalb beständige Aufgabe der Abfallpolitik.

Neue Wege für den Abfall

"Sinkende Müllberge, aber steigende Kosten und Gebühren – Was tun?" Dieses Paradoxon
markierte den Ausgangspunkt einer Fachtagung des Landesbüros Thüringen in Eisenach, in
der Vertreter der Landesregierung Thüringen, Kommunalpolitiker und Vertreter der
Abfallentsorgungsunternehmen mit einem fachkundigen Publikum verbraucherfreundlichere
und für die Kommunen kostensparendere Lösungsansätze diskutierten.

Besonders in den neuen Bundesländern sehen sich Verbraucher und Kommunen belastet u.a.
durch die enormen Überkapazitäten bei Deponieflächen, deren Unterauslastung
kostentreibend auf die Abfallgebühren wirkt.

Und schon droht Kommunen und Verbraucher neues Ungemach: Die 1993 vom Gesetzgeber
verabschiedete TA-Siedlungsabfall (technische Anleitung zur Behandlung von
Siedlungsabfällen) verpflichtet ab dem Jahr 2005 alle Kommunen, Siedlungsabfälle vor dem
Deponieren so vorzubehandeln, dass die zu deponierende Abfallmenge verringert wird, um
somit langfristig Deponieflächen einsparen zu können. Dies erfordert den Bau von sog.
Vorbehandlungsanlagen, deren Herstellungs- und Betriebskosten abermals an Kommunen und
Verbraucher weitergegeben werden sollen.

Dr. Koth, Mitglied des Umweltausschusses des Thüringer Landtags, stellte vor, wie den
Auflagen des Bundesgesetzgebers einerseits Rechnung getragen werden kann, andererseits
Kosten gespart werden können. Wichtigstes Ziel sei die Vermeidung weiterer
Überkapazitäten von Deponien und Vorbehandlungsanlagen, die überdies künftig in der Lage
sein müssen, technisch wie finanziell flexibel auf sinkende Abfallmengen zu reagieren.
Wichtig sei vor allem, so Dr. Koth, der politische Konsens und die Akzeptanz bei den
Verbrauchern für die Umsetzung der gesetzlichen Vorgaben, die für private Haushalte und
Gewerbe weitere Gebührenerhöhungen nach sich ziehe.

Weitere Fachreferenten, die technische Aspekte der Vorbehandlung und Sparmöglichkeiten


durch eine effizientere Organisation der Deponien vorstellten, konnten letztlich das
Unverständnis der Bürger/innen angesichts drohender Gebührenerhöhungen nicht dämpfen.
Pressevertreter und der Verband der Arbeitssuchenden drohten juristische Schritte gegen die
Betreiber des DSD an und erhoffen sich u.a. davon auch ein politisches Signal, das jede
weitere ordnungspolitische Reglementierung der Abfallwirtschaft unterbindet. Weitere
Teilnehmer forderten den Thüringer Landtag auf, ihre Verpflichtung gegenüber dem Bund zur
Übernahme der ordnungspolitischen Regelung der Abfallwirtschaft zurückzunehmen und
nach ökonomisch sinnvollen Wegen in der Abfallwirtschaft zu suchen.

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Wie steht das im Text?

1. plötzliche und unerwartete Änderung der Meinung oder Haltung : ………………………………….


2. uneben, voller Löcher: ………………………………….
3. nutzlos : ………………………………….
4. sich auf längere Zeit stark auswirkend: …………..
5. lange dauernd, stabil: ………………………………….
6. ein großes Gebiet, auf dem Müll gelagert wird:………………………………….
7. Übereinstimmung der Meinungen: ………………………………….
8. etwas abschwächen: ……..

Beantworten Sie die Fragen!

1. Woran ist es zu erkennen, dass die Entsorgung ein ernst zu nehmendes Problem geworden
ist?
2. Wozu wurde das Abfallgesetz erlassen?
3. Wovor warnt der Vorsitzende der Enquete-Kommission?
4. Über welchen Widerspruch wurde auf der Fachtagung des Landesbüros Thüringen diskutiert?
5. Wie betrachten die Verbraucher in den neuen Bundesländern die Überkapazitäten?
6. Wie kann der Müll reduziert werden?
7. Wessen Kooperation ist notwendig um die Ziele des Thüringer Landtags zu realisieren?

Richtig oder falsch!

Beispiel : Die Abfallexporten Deutschlands steigen ständig. R/F

1. Auf der Fachkonferenz „Abfallmanagement im Rahmen der Kreislaufwirtschaft“ wurde über


die Abfallexporten diskutiert. R/F
2. Laut des Vorsitzenden der Enquete-Kommission ist das Kreislaufwirtschafts- und Abfallgesetz
ein großer Erfolg. R/F
3. Dem Gesetz fehlen Verordnungen. R/F
4. Die Teilnehmer der Fachkonferenz waren sich einig. R/F
5. Die Unterauslastung der Deponieflächen beeinflussen die Abfallgebühren. R/F
6. Die Kapazität der Deponieflächen spielt bei der Abfallpolitik eine Rolle. R/F
7. Die Bürger sind mit den geplanten Gebührenerhöhungen einverstanden. R/F

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