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CW-Marktstudie 2010: Cloud Computing Seite 17

Ergebnisanalyse in der COMPUTERWOCHE

User misstrauen Amazon und Google

Professionelle IT-Anwender interessieren sich für Cloud Computing, vertrauen aber den
derzeit führenden Anbietern nicht. Wie unsere exklusive Umfrage unter 146 IT-Experten
zeigt, haben sich bereits 85 Prozent der Befragten zum Teil intensiv mit dem Thema
auseinandergesetzt. Lediglich knapp zwölf Prozent gaben an, die IT-Wolke bislang ignoriert
zu haben. Oft wird nicht nur darüber gesprochen, sondern auch gehandelt: 42 Prozent nutzen
bereits die Cloud oder planen entsprechend. Weniger als 14 Prozent haben sich ausdrücklich
gegen diese Betriebsart entschieden.

Knapp 85 Prozent der Befragten gaben an, dass sie sich mit den Thema auseinandersetzen.
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Die Palette der Dienste, die Anwender aus der Cloud beziehen würden, umfasst alle wichtigen
Bereiche von der Geschäftsanwendung bis hin zur Anwendungsentwicklung.

Applikationen sind beliebt: Wenn sich Anwender für Cloud-Angebote interessieren, dann vor allem für
Geschäftsanwendungen und Speicherkapazitäten.
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Die derzeit führenden Anbieter Amazon.com, Google und Salesforce.com werden zwar als
umtriebige und innovative Newcomer bewundert, Vertrauen schenken die Anwender aber
eher den alten Hasen im IT-Geschäft, also IBM, Microsoft oder T-Systems. Insbesondere an
Google scheiden sich aufgrund des laxen Umgangs mit Nutzerdaten die Geister: Zufällig fiel
die Umfrage in die Zeit, als publik wurde, dass der Internet-Konzern im Zuge der Streetview-
Erhebungen mit seinen Kamera-Autos nicht nur Bilder von Straßen und Gebäuden schoss,
sondern auch die Verfügbarkeit von WLANs registrierte und unerlaubt Daten aus
ungeschützten drahtlosen Netzen speicherte. Das kommt bei deutschen Kunden nicht gut an.

Klassische Provider genießen Vertrauen: Google hat ein wesentliches Problem. Die Anwender vertrauen dem
Konzern nicht. Sie wenden sich lieber an etablierte Anbieter wie IBM und T-Systems.

Befragt nach der Marktbedeutung der Anbieter in fünf Jahren, hievten 39 Teilnehmer Google
trotzdem auf Rang eins von zehn, 18 schoben den Konzern auf Rang zwei. Der Vorsprung vor
den beiden Nächstplatzierten ist beachtlich: Nur 15 IT-Experten sehen IBM in den
kommenden fünf Jahren auf dem ersten Platz, 14 erwarten dort Microsoft. Amazon sackt in
der Gunst der Nutzer deutlich ab. Salesforce.com verorten sie künftig sogar unter "ferner
liefen".

Google wird bewundert, beachtet und beobachtet, jedoch nicht vertraut. In der Rangliste der
vertrauenswürdigsten Unternehmen findet sich der Internet-Konzern abgeschlagen hinter
Salesforce.com wieder. Wer einen zuverlässigen externen Betreiber für seine IT,
Applikationen und Daten sucht, geht zu den klassischen Betreibern IBM, T-Systems und
SAP. Sie mögen vielleicht nicht die schnellsten und innovativsten Cloud-Provider sein, aber
sie genießen das Vertrauen der Anwender - und das ist vermutlich wichtiger.

An einen flächendeckenden IT-Einsatz aus der Cloud denkt gegenwärtig niemand. Viel mehr
gilt es, ganz pragmatisch die Kosten zu senken, indem sehr schnell Lastspitzen mit Hilfe eines
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Cloud-Dienstleisters abzufedern. Im Idealfall lässt sich so der IT-Betrieb deutlich billiger


einrichten.

Cloud-Dienste gegen Lastspitzen: Die Befragten schätzen die Flexibilität der Cloud-Services. Sie nutzen
derartige Dienste beispielsweise, um Lastspitzen abzufedern.

Wie häufig, wenn neue Techniken sich einen Platz im Markt erobern, sind die Zweifel
zunächst erheblich. Viele Nutzer von IT-Diensten aus der Wolke bemängeln etwa, dass die
Angebote weder transparent und vergleichbar noch untereinander operabel seien. Ein
Teilnehmer fasste die Unsicherheiten folgendermaßen zusammen: "Was passiert mit den
Daten bei einem Anbieterwechsel? Wie sieht die tatsächliche Verfügbarkeit sowohl auf
Anbieter- als auch auf Kundenseite aus? Was passiert, wenn der Kunde einmal seinen
Zahlungsverpflichtungen nicht nachkommen kann? Alle behaupten, die Daten seien sicher -
wie sieht die Realität aus?"