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Baugeschichte (I) Antike – Bogen-, Gewölbe- und Kuppelformen | 11.12.

2020

Prof. Udo Gleim || 1


Baugeschichte (I) Antike – Bogen-, Gewölbe- und Kuppelformen | 11.12.2020

Rom | Das Forum Romanum etwa im 1. Jh. n. Chr. | Rekonstruktion

Prof. Udo Gleim Römische Antike – Tektonik und Raumbildung || 2


Baugeschichte (I) Antike – Bogen-, Gewölbe- und Kuppelformen | 11.12.2020

Das Herrschaftsgebiet der Etrusker

Prof. Udo Gleim Römische Antike – Tektonik und Raumbildung || 3


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„Architektur IV. Etruskische und Römische Baukunst“ | Darstellung aus Meyers Großes Konversationslexikon, 1905

Prof. Udo Gleim Römische Antike – Tektonik und Raumbildung || 4


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Die hellenistische Welt, um 300 v. Chr.

Prof. Udo Gleim Römische Antike – Tektonik und Raumbildung || 5


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Das Römische Reich und seine Provinzen unter Kaiser Trajan, 117 n. Chr.

Prof. Udo Gleim Römische Antike – Tektonik und Raumbildung || 6


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Tonnengewölbe mit Ziegelrippen in Betonschalen

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Pantheon auf dem Marsfeld in Rom | Fertiggestellt unter Kaiser Hadrian, zwischen 125 und 128 n. Chr. | Ansicht

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Pantheon auf dem Marsfeld in Rom | Fertiggestellt unter Kaiser Hadrian, zwischen 125 und 128 n. Chr. | Innenraum

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Der Parthenon auf der Akropolis in Athen


(Iktinos und Kallikrates) 447 – 432 v. Chr.

Pantheon auf dem Marsfeld in Rom | Fertiggestellt unter Kaiser Hadrian, zwischen 125 und 128 n. Chr. | Innenraum

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Baugeschichte (I) Antike – Bogen-, Gewölbe- und Kuppelformen | 11.12.2020

Das Pantheon in Rom


• ist ein zur Gänze aus Gussmau-
erwerk verschiedener Rohdichte
bestehender Baukomplex aus
Vorhalle und überkuppeltem
Rundbau.
• beeindruckt bis heute mit seinem
reich gegliederten Innenraum,
dessen Durchmesser mit ca.
43,3 m exakt der Scheitelhöhe
der halbkugelförmigen Kuppel
entspricht.
• wird ausschließlich durch das
„Opaion“ („Auge“, Ø ≈ 9 m) im
Scheitel der kassettierten Kuppel
natürlich belichtet.
• besitzt eine ausgeklügelte Statik,
die den Lastabtrag der Kuppel
möglich macht.

Pantheon auf dem Marsfeld in Rom | Fertiggestellt unter Kaiser Hadrian, zwischen 125 und 128 n. Chr. | Grundriss und Schnitt

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Pantheon auf dem Marsfeld in Rom | Fertiggestellt unter Kaiser Hadrian, zwischen 125 und 128 n. Chr. | Grundriss und Schnitt

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Pantheon auf dem Marsfeld in Rom | Fertiggestellt unter Kaiser Hadrian, zwischen 125 und 128 n. Chr. | Konstruktion und Statik

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Georg Moller

Die (katholische) Kirche St. Ludwig in Darmstadt | Georg Moller (1784 – 1852), 1822 – 1827 | Entwurfszeichnung

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Die (katholische) Kirche St. Ludwig in Darmstadt | Georg Moller (1784 – 1852), 1822 – 1827 | Zustand vor 1944

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Die (katholische) Kirche St. Ludwig in Darmstadt | Georg Moller (1784 – 1852), 1822 – 1827 | Entwurfszeichnung

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Die (katholische) Kirche St. Ludwig in Darmstadt | Georg Moller (1784 – 1852), 1822 – 1827 | Zustand vor 1944

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Die (katholische) Kirche St. Ludwig in Darmstadt | Georg Moller (1784 – 1852), 1822 – 1827 | Zustand heute

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Pantheon auf dem Marsfeld in Rom | Fertiggestellt unter Kaiser Hadrian, zwischen 125 und 128 n. Chr. | Innenraum

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H = 49 m
oben (ca. 275 x 3 x 7 m): 35 Bögen
mitte (ca. 240 x 4 x 20 m): 11 Bögen
unten (ca. 140 x 6 x 22 m): 6 Bögen
Wasserrinne (1,2 x 1,8 m) mit 0,4 % Gefälle

„Pont du Gard“ bei Nîmes | Römischer Aquädukt zur Versorgung der Stadt mit ca. 20.000 m3 Wasser pro Tag | 1. Jh. n. Chr.

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„Pont du Gard“ bei Nîmes | Römischer Aquädukt zur Versorgung der Stadt mit ca. 20.000 m3 Wasser pro Tag | 1. Jh. n. Chr.

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Bogenkonstruktion und Bautechnik

Prof. Udo Gleim Römische Antike – Tektonik und Raumbildung || 22


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Lehrgerüstformen für Tonnengewölbe und Brückenbögen, schematische Rekonstruktionen

Prof. Udo Gleim Römische Antike – Tektonik und Raumbildung || 23


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Bögen
• sind gewölbte Konstruktionen in einer Mauer-
öffnung oder Halle, die die Last abfangen bzw.
sie auf Stützen (Pfeiler, Säulen) überleiten.
• überspannen Öffnungen im Mauerwerk (z. B.
Türen, Fenster, Portale),
• dienen aber auch oft als dekoratives
Element (Blendarkaden).
• ermöglichen das Überbrücken großer Spann-
weiten im Steinbau (Brücken). Bogen aus keilförmigen Steinen
Die Bogenformen
• sind meist aus dem Kreis entwickelt oder aus
mehreren Kreissegmenten zusammengesetzt.
• bleiben meist in einer Ebene, können aber
auch räumlich gekrümmt sein.
• sind meist formalen Ursprungs, erfüllen je-
doch durchaus auch statisch-konstruktive
Anforderungen.

Bogen mit keilförmigen Fugen

Prof. Udo Gleim Bogenformen | Allgemeines || 24


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Bogenelemente
• W = Widerlager
• K = Kämpfer
• A = Anfänger(stein)
• S = Schlussstein
• Sp = Spannweite
• St = Stich(-pfeil)höhe
• H = Haupt (Stirn)
• L = Laibung
• R = Rücken

Prof. Udo Gleim Die Elemente eines Bogens || 25


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Rundbogen Gestelzter Hufeisen-


Bogen bogen

Korbbogen Segmentbogen
Eselsrücken
(Kielbogen)

Spitzbogen Spitzbogen Spitzbogen


(normal, gleichseitig) (gedrückt, flach) (überhöht, Lanzettb.)

Prof. Udo Gleim Bogenformen | Übersicht und Schemaskizzen || 26


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Rundbogen oder Halbkreisbogen


• frühe Bogenform
• Der Kreisbogenmittelpunkt
befindet sich mittig zwischen bei-
den Kämpferpunkten.

Rundbogen | Halbkreisbogen

Gestelzter Bogen
• Die Bogenkrümmung beginnt erst
nach einem kurzen vertikalen Auf-
satz über der Kämpferlinie.

Gestelzter Bogen

Prof. Udo Gleim Bogenformen | Rundbogen | Gestelzter Bogen || 27


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Rundbogen | Saint Remi | Reims (F) | Chorumgang

Prof. Udo Gleim Bogenformen | Rundbogen | Gestelzter Bogen || 28


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Spitzbogen
• Bogen mit spitzer Kontur
• aus zwei Kreisbogenstücken zusammengesetzt.
• gleichseitiger Spitzbogen
• Die Mittelpunkte beider Kreissegmente liegen auf den Kämpferpunkten.
• gedrückter Spitzbogen:
• Die Mittelpunkte beider Kreissegmente liegen zwischen den Kämpferpunkten.
• überhöhter Spitzbogen | Lanzettbogen:
• Die Mittelpunkte beider Kreissegmente liegen außerhalb der Kämpferpunkte.

gleichseitiger gedrückter Lanzettbogen


Spitzbogen Spitzbogen (überhöhter SB)

Prof. Udo Gleim Bogenformen | Spitzbogen | Lanzettbogen || 29


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Spitzbogen | Notre-Dame de Paris Lanzettbogen | Salisbury-Kathedrale


Vierung mit Chor und nördlichem Querhausarm Ostjoche des Chors

Prof. Udo Gleim Bogenformen | Spitzbogen | Lanzettbogen || 30


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Segmentbogen | Flachbogen
• Bogen mit flacher Kontur
• Der Kreisbogenmittelpunkt liegt
- wie beim Rundbogen - mittig
zwischen den Kämferpunkten,
allerdings unterhalb der Kämpfer-
linie.
• Je nachdem, wie weit der
Mittelpunkt in der Vertikalen
verschoben wird, nähert sich der
Segmentbogen dem Halbkreis-
bogen oder dem Horizontalbogen
Segmentbogen | Flachbogen
(scheitrechter Bogen) an.

Prof. Udo Gleim Bogenformen | Segmentbogen || 31


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Segmentbogen | Bauakademie | Berlin | Karl-Friedrich Schinkel (1781 – 1841), 1832 – 1836

Prof. Udo Gleim Bogenformen | Segmentbogen || 32


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Korbbogen
• flacher Bogenverlauf
• zusammengesetzt aus mehre-
ren Kreissegmenten mit unter-
schiedlichem Radius
• fließender Übergang zwischen
allen Kreissegmenten und den
Kämpferpunkten

Korbbogen

Prof. Udo Gleim Bogenformen | Korbbogen || 33


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Korbbogen | Lombardsbrücke | Hamburg

Prof. Udo Gleim Bogenformen | Korbbogen || 34


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Hufeisenbogen
• Sonderform des Rundbogens
• Da dem Hufeisenbogen ein
Dreiviertelkreis zugrunde liegt,
ist er unten eingezogen.
• Der Kreisbogenmittelpunkt liegt
- wie beim Rundbogen - mittig
zwischen den Kämpferpunkten,
allerdings oberhalb der Kämp-
ferlinie.

Hufeisenbogen

Prof. Udo Gleim Bogenformen | Hufeisenbogen || 35


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Hufeisenbogen | San-Miguel-de-Escalada | Leon, Kastilien | Gesamtansicht des Inneren nach Westen

Prof. Udo Gleim Bogenformen | Hufeisenbogen || 36


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Eselsrücken
auch: Kielbogen | Sattelbogen
• aus mehreren Kreisbogen-
segmenten zusammengesetzt
• Die konkave Wölbung wird nach
oben hin konvex fortgesetzt.
• fließender Übergang zwischen
allen Kreissegmenten und den
Kämpferpunkten

Eselsrücken | Kielbogen | Sattelbogen

Prof. Udo Gleim Bogenformen | Eselsrücken | Kielbogen || 37


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Kielbogen | Burgruine Finkenstein | Kärnten (Ö) stark gedrückter Kielbogen | München


spätgotischer Torturm, frühes 16. Jh. ehemalige Stadtschreiberei, 1552

Prof. Udo Gleim Bogenformen | Eselsrücken | Kielbogen || 38


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Gewölbe
• sind gekrümmte obere Raum-
abschlüsse, die sich zwischen
Widerlagern verspannen.
• ermöglichen große Spannweiten.
• erfordern je nach Form kompli-
zierte Auflager, die neben senk-
rechten Lasten auch Horizontal-
kräfte aufnhemen können.
• können unterschiedlichste Quer-
schnitte (Wölblinien) aufweisen
(vgl. Bogenformen) und durch
Verschneidung mehrerer (einfa-
cher) Gewölbe äußerst komple-
xe Geometrien haben.

St. Leonhard | Frankfurt am Main | Blick ins Gewölbe des Hochchores

Prof. Udo Gleim Gewölbe | Allgemeines || 39


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Wange

Kappe

Widerlager | ggf. Kämpfer

Grat(bogen)

Wölblinie | Querschnittslinie
ggf. Gurt(bogen) | Schildbogen

Stich

Verschiedene Gewölbeformen und -typen | Auswahl Elemente und Begriffe

Prof. Udo Gleim Gewölbe | Übersicht und Schemata || 40


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Tonnengewölbe
• sind die einfachste Gewölbeform.
• haben zwei gleich lange, parallele Wi-
derlager.
• können unterschiedliche Querschnitte
haben („Rundtonne“, „Spitztonne“ etc.)
• können u. U. von „Gurtbögen“ unterstützt vlnr:
Tonnengewölbe (Rundtonne) mit Gurtbögen
und durch sie in einzelne „Joche“ unter- Tonnengewölbe (Spitztonne)
teilt werden. Tonnengewölbe (Halbtonne) mit Gurtbögen

Prof. Udo Gleim Tonnengewölbe || 41


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St. Andrea di Mantua | Leon Battista Alberti (1404–1472), ab 1472

Prof. Udo Gleim Tonnengewölbe || 42


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Kreuzgratgewölbe
• entstehen bei der orthogonalen Durch-
dringung zweier Tonnengewölbe
in gleicher Höhe
• haben vier Kappen,
deren Schnittlinien sog. „Grate“ bilden.
einfaches Tonnengewölbe und Kreuzung zweier Tonnen
• sind seit der Antike bekannt, wurden im
Frühmittelalter wieder ausgeführt.
• können nur auf einer vollflächig ge-
schlossenen Schalung erstellt werden,
da sie ihre Tragwirkung erst mit Fertig-
stellung erreichen.
• sollten nicht mit „Stichkappen“ ver-
wechselt werden, die entstehen durch
Verschneiden kleinerer und größerer
Tonnen mit unterschiedlicher Scheitel-
höhe (z.B. für Fensteröffnungen).
• können „Zierrippen“ haben, diese sind
jedoch statisch funktionslos.

Kreuzgratgewölbe

Prof. Udo Gleim Kreuzgratgewölbe || 43


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Kirche in Vouvant, Westfrankreich | Seitenschiffjoch mit Kreuzgratgewölbe (Rundtonnen auf Gurtbögen)

Prof. Udo Gleim Kreuzgratgewölbe || 44


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Residenz, München | Antiquarium

Prof. Udo Gleim Tonnengewölbe mit Stichkappen || 45


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Kreuzrippengewölbe
• ähneln in ihrer Form den Kreuzgrat-
gewölben, folgen jedoch gänzlich
anderen konstruktiven Prinzipien.
• werden von gemauerten Rippen
getragen, im Scheitelpunkt befindet
sich der Schlussstein.
• können daher sogar u. U. ohne
Lehrgerüst gemauert werden.
• sind mindestens „vierteilig“, können
jedoch auch „sechsteilig“ oder gar
„achtteilig“ sein.

Ruine der Abteikirche Ourscamp (F)


Gurtbögen | Kreuzrippen mit Schlusssteinen

Prof. Udo Gleim Kreuzrippengewölbe || 46


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Notre Dame de Chartres | vierteiliges Kreuzrippengewölbe im Langhaus

Prof. Udo Gleim Kreuzrippengewölbe || 47


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Ruine der Abteikirche Ourscamp (F) | Gurtbögen | Kreuzrippen mit Schlusssteinen

Prof. Udo Gleim Kreuzrippengewölbe || 48


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Kreuzgratgewölbe(!) | Les Fontenelles (F)

Prof. Udo Gleim Kreuzgratgewölbe mit Zierrippen || 49


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Netzgewölbe | Münster Unserer Lieben Frau | Freiburg im Breisgau

Prof. Udo Gleim Rippengewölbe | Sonderformen | Netzgewölbe || 50


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Sterngewölbe | St. Nikolai | Lüneburg

Prof. Udo Gleim Rippengewölbe | Sonderformen | Sterngewölbe || 51


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Rippengewölbe | Sonderformen | Schlingrippengewölbe

Prof. Udo Gleim || 52


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Bogentypen
• Je nach Lage und Funktion innerhalb eines
Gewölbes haben Bögen – unabhängig von
ihrer Form – spezielle Bezeichnungen:
• Hauptsächlich unterscheidet man
• Schildbögen,
• Gurtbögen und
• Scheidbögen
• Schildbögen entstehen beim „Auftreffen“ von
Tonnengewölben auf senkrechte Wände.
• Gurtbögen verlaufen quer zur Längsachse
von Gewölben, teilen es in Joche und verbin-
den ggf. gegenüberliegende Stützglieder.
• Scheidbögen „scheiden“ (d.h. trennen) die
Joche des Mittelschiffs von denen des Seiten-
schiffs. Sie sind Teil der sog. „Scheidmauer“

Salisbury-Kathedrale | Ostjoche des Chors

Prof. Udo Gleim Bogentypen || 53


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Kuppeln
• sind Gewölbe- und Dachformen,
deren Mantelfläche i.d.R. ein
Kugelabschnitt ist.
• überspannen Räume, deren
Grundfläche idealerweise rund,
aber auch quadratisch oder po-
lygonal sein kann.
• werden nicht nach einheitlicher
Systematik benannt, sondern tlw.
• nach Form oder Geometrie
• nach Ausführung des Gewölbes
• nach ihrem Unterbau
• erreichten bereits in der (röm.)
Antike beeindruckende Spann-
weiten und Raumwirkungen

Deutscher Bundestag | Berlin | Blick von Westen auf Mittelrisalit, Portikus und Kuppel

Prof. Udo Gleim Kuppeln | Allgemeines || 54


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Hängekuppel Böhmische Kappe Flachkuppel


(Stutzkuppel)
Kuppel auf Tambur

Halbkuppel (Konche) Spitzkuppel Zwiebelkuppel Faltkuppel

Schalenkuppel Hohlkörperkuppel Rippenkuppel Kassettenkuppel

Prof. Udo Gleim Kuppeln | Formen und Typen || 55


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Prof. Udo Gleim Kuppeln | Formen und Typen || 56


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Hängekuppeln
• entstehen, wenn das Grundqua-
drat in den Fußkreis einer Kup-
pel so einbeschrieben ist, dass
vier Kalotten entfallen.
• Entfernt man die Scheitelkalotte,
so verbleiben vier Pendentifs (P).
Pendentifkuppeln
• sind Kuppeln mit kreisförmigem
Grundriss über quadratischen
Räumen, bei denen die Über-
leitung vom Quadrat des Unter-
baus zum Fußkreis der Kuppel
über spährische Dreiecke (Pen-
dentifs) erfolgt
• Der Fußkreis ist in das
Grundquadrat einbeschrieben.

links: Hängekuppel | rechts: Pendentifkuppel


F = Fußkreis | H = Hängezwickel | P = Pendentif

Prof. Udo Gleim Hänge- und Pendentifkuppel || 57


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Pfarrkirche Saint-Léon-sur-Vésère (F) | 11. Jh. n. Chr. | Pendentifkuppel der Vierung

Prof. Udo Gleim Pendentifkuppel || 58


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Hagia Sophia | Istanbul | Anthemios von Tralleis und Isidor von Milet | 6. Jh. n. Chr. | Blick in die Zentralkuppel

Prof. Udo Gleim Pendentifkuppel || 59


Baugeschichte (I) Antike – Bogen-, Gewölbe- und Kuppelformen | 11.12.2020

Hagia Sophia | Istanbul | Anthemios von Tralleis und Isidor von Milet | 6. Jh. n. Chr. | Blick in die Zentralkuppel

Prof. Udo Gleim Pendentifkuppel || 60


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Trompenkuppeln
• sind Kuppeln mit kreisförmigem
Grundriss über quadratischen
Räumen, bei denen die Über-
leitung vom Quadrat des Unter-
baus zum Fußkreis der Kuppel
über trichterförmige, halbe Hohl-
kegel (= „Trompe“) erfolgt
• Da die geometrische Überleitung
hier über das Oktogon funktio-
niert, tragen Trompen zumeist
keine Kuppeln sondern 8-teilige
Klostergewölbe.
Tambourkuppeln
• sind Kuppeln mit zylinderförmi-
gem oder polygonalem Unterbau
(= „Tambour“ frz. Trommel)
• lassen sich über Öffnungen im
Tambour gut belichten.

links: Trompenkuppel | rechts: Tambourkuppel


T = Trompe | Kl = (8-teiliges) Klostergewölbe | Tb = Tambour | F = Fußkreis | P = Pendentif

Prof. Udo Gleim Trompen- und Tambourkuppel || 61


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Notre-Dame de Saint-Saturnin | bei Clermont-Ferrant (F) | 12. Jh. n. Chr. | Trompenkuppel über der Vierung

Prof. Udo Gleim Trompenkuppel || 62


Baugeschichte (I) Antike – Bogen-, Gewölbe- und Kuppelformen | 11.12.2020

Pfarrkirche Saint-Léon-sur-Vézère (F) | 10./11. Jh. n. Chr. | Vierung mit Trompen und 8-teiligem Klostergewölbe

Prof. Udo Gleim Trompenkuppel || 63


Baugeschichte (I) Antike – Bogen-, Gewölbe- und Kuppelformen | 11.12.2020

Basilica Sancti Petri in Vaticano (Petersdom) | Rom (I) | 1506 – 1626 | Blick von der Engelsburg

Prof. Udo Gleim Tambourkuppel || 64


Baugeschichte (I) Antike – Bogen-, Gewölbe- und Kuppelformen | 11.12.2020

Basilica Sancti Petri in Vaticano (Petersdom) | Rom (I) | 1506 – 1626 | Blick in die Kuppel

Prof. Udo Gleim Tambourkuppel || 65


Baugeschichte (I) Antike – Bogen-, Gewölbe- und Kuppelformen | 11.12.2020

Prof. Udo Gleim Vielen Dank! || 66


Baugeschichte (I) Antike – Bogen-, Gewölbe- und Kuppelformen | 11.12.2020

Prof. Udo Gleim || 67


Baugeschichte (I) Antike – Bogen-, Gewölbe- und Kuppelformen | 11.12.2020

Prof. Udo Gleim || 68

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