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HARMONIE

PROPORTION
und

in Architektur und Musik


Vertiefungsarbeit Miriam Döhner
01 Einleitung
Harmonie
02 Definition
Inhalt 03 Harmonik
04 Wahrnehmung
05 Harmonieempfinden - Hören und Sehen
06 Wahrnehmungsgegenstände
07 Wahrnehmungsvorgänge
08 Wie hören wir?
09 Wie sehen wir?
10 Was ist schön?
11 Was geschieht im Gehirn?
12 Körperliche Auswirkungen unserer Wahrnehmungen
13 Lebensfeindlich: Überfluss und Unterernährung

Musik
14 Die Macht der Musik
15 Einfluss der Musik auf den Charakter
16 Elemente der Musik
17 Pythagoras am Monochord

18 Sphärenharmonie
19 Schwingungsverhältnisse der Obertonreihe
20 Tonsysteme
21 Harmonielehre

Proportion
22 Definition
23 Der Goldene Schnitt
24 Harmonische Proportionen
25 Proportion in der Architektur
26 Proportionen in belebter und unbelebter Natur
27 Proportionen des Menschen

28 Anwendung für Innenarchitekten


29 Layout
30 Harmonische Serien
31 Formgebung

32 Literaturverzeichnis

33 Danksagung

Inhalt
„...Es ist daher keineswegs die Absicht des Verfassers, bequeme
Schulregeln aufzustellen oder Rezepte zu vermitteln, die gedanken-
los übernommen werden können. Es sollen damit vielmehr Anregun-
gen zu eigenen Versuchen und Untersuchungen gegeben werden.
Fragen und Antworten Der Schaffende kann dann, je nachdem wie stark sein Gefühl in
Fragen der Harmonie entwickelt ist, selbst entscheiden, ob er dieses
Ich würde lieber eine einzige Tatsache entdecken, Harmoniegesetz anwenden will oder ob er darauf verzichten kann.
auch wenn sie nicht besonders bedeutend wäre, als Auf jeden Fall ist aber für iihn wichtig, daß er es kennt, denn was hier
ewig über die großen Fragen zu debattieren und erklärt wird, ist allen Zeiten und Richtungen gemeinsam und keines-
überhaupt nichts zu entdecken. wegs etwas Neues...“ [Otto Hagenmaier, Der Goldene Schnitt, S.8]
Galileo Galilei
Das Stellen von großen Fragen und das Suchen nach ihren Antwor-
ten ist spannend und inspierierend. Der Versuch sich auf eine Antwort
festzulegen jedoch frustriert den, der das Dogma scheut.
Menschen sind nicht interessiert an ewigen Antworten und feststeh-
enden Wahrheiten. Fragen faszinieren die Menschen, betreffen
jeden persönlich.
Eine „interessante Frage“, die es wert ist, gestellt zu werden, gilt
mehr als eine „langweilige Antwort“.

Als Studentin der Innenarchitektur kann ich kein Lehrbuch schreiben,


sondern nur Fragen aufwerfen und Angebote zu deren Beantwortung
machen.

Die Freiheit der Entscheidung, der Auswahl oder Ablehnung, das


Nachdenken, Sich – Fragen – Stellen, bleibt dem Leser.

Die Besucher der Ausstellung „Organische Architektur“ und die Leser


meiner Vertiefungsarbeit, sollen die Möglichkeit haben, dem eigenen
Interesse folgend die Welt der Harmonie der Proportionen kennenzu-
lernen.
Durch die Versuchsstation am Monochord und Schaubilder, die die
Verbindung von Raum und musikalischer Harmonie verdeutlichen,
kann der Blick und das Gehör sensibilisiert werden für die Propor-
tionen, die wir in unserer natürlichen und gebauten Umwelt immer
wieder finden und harmonisch empfinden.

Fragen und Antworten 01


Was ist harmonisch?
Sinneseindrücke, die eine
wohltuende Wirkung auf die
menschliche Seele haben.
Welche sind das?
Harmonie ist ein Zustand der Umwelt, der beim Menschen
positive Emotionen hervorruft ("Alles befand sich in kompletter
Harmonie.") und gleichzeitig ein innerer Zustand des Glücks.

im alltäglichen Sprachgebrauch der Begriff der Harmonie auf sehr


unterschiedliche Art und Weise verwendet wird. An der Hochschule
wird z.B. eine Harmonisierung der Studiengänge angestrebt,
wohingegen in zwischenmenschlichen Beziehungen der Begriff
“Harmonische Partnerschaft” die Runde macht. Die Werbung
verkauft uns unter dem Etikett der Wellnesskultur eine umfassende
Harmonisierung von Körper und Seele.

Harmonie 02
Werbeworte:
Harmonie kann vieles bedeuten...

... Wo soll denn der moderne Mensch noch


Harmonie empfinden in dieser geplagten,
verschmutzten und zunehmend zerstörten Welt,
wenn nicht im Hause Gottes? ...

... in Ihren Wohnräumen eine Atmosphäre zu schaffen, in der Sie neue Energie
schöpfen, Harmonie empfinden und sich rundum wohl fühlen können. ...

...total entspannen, loslassen, Frieden und Harmonie


empfinden. Und das alles in einer Atmosphäre der
Geborgenheit und menschlichen Wärme, ...

... Cliff Burton war nicht nur ein Top-Bassist,


auch sein Harmonie-Empfinden im
Songwriting zeichnete Metallica aus. ...

Harmonie 02
Das Wort Harmonie, abgeleitet aus dem griechischen
harmos = verbinden, beschreibt die Qualität
Ganzen, das verschiedene, oft kontrastierende, sich in
der Verbindung jedoch ergänzende Elemente eint.

Die tiefe innere Gemeinsamkeit


Was ist Harmonie?
Harmonie ist die Kunst Unterschiedliches oder
Entgegengesetztes in Einklang zu bringen.
Ob Töne und Klänge oder Farben und Formen, ob in
der Musik oder im Design:
Harmonie ist die Grundlage jeder ausgewogenen
Komposition.

02
Harmonie ist eine im Verborgenen bzw. in tieferliegen-
den aufbauenden Strukturen feststellbare
Übereinstimmung, die indirekt “von aussen” in weiten
Bereichen erfahrbar wird.
Die gemeinsame Verwendung und die Beschränkung
ruft bezogen auf die gesamte Erscheinung ein Gefühl
von entwickelter und ausgeglichener Einfachheit
hervor.
Daher ist Harmonie auch Abwesenheit (innerer)
Konflikte. Dies wird von einer wahrnehmenden
Instanz als angenehm, ästhetisch, schön empfunden.

02
Harmonik in der Harmonielehre ist Der Suche nach Harmonien in räumlichen und
einer der Parameter der Musik und umfasst Zahlenverhältnissen - ebenfalls Harmonik genannt -,
alle stilistischen Formen des Zusammen- die bereits antike Denker zu Erkenntnissen führte.
klangs von Musik, beginnend bei der frühen Johannes Kepler entdeckte durch sie die Planeten-
Mehrstimmigkeit des Mittelalters bis hin zu gesetze.
Klangstrukturen der Avantgarde.
Harmonikale Forschung als Universitätslehrgang ist
weltweit ausschließlich an der Universität für Musik
und darstellende Kunst Wien eingerichtet. Der
Lehrgang dient der ergänzenden Ausbildung neben
Harmonik und Harmonik oder nach einem ordentlichen Universitätsstudium.
Inspiriert wurde dieses Institut durch die Forschungen
von Hans Kayser, der die Lehren von Pythagoras
aufgriff und in moderner Form ausarbeitete.

Harmonie 03
Hazrat Inayat Khan in 'Die Sufi - Charakter des Lebens sind. richtige Proportion, mit anderen
Botschaft' Was meine ich mit dieser Dichte? Worten, der richtige Rhythmus.
Da gibt es einen Fels, und du möchtest einen Und was ist Leben?
Das Leben als Ganzes in all seinen Ton daraus erzeugen. Er gibt keine Reso- Das Leben ist das Resultat von Harmonie.
Aspekten ist eine Musik, und sich selber auf nanz, er antwortet nicht auf deinen Wunsch, Musik ist die Miniatur der großen Harmonie
die Harmonie dieser vollkommenen Musik zu einen Klang zu erzeugen, doch die Saite des Universums, weil die Harmonie des
stimmen, ist das wirkliche Ziel des Lebens. oder der Draht wird auf den Ton antworten, Universums in sich Musik ist, und der
Sie werden fragen: 'Was ist es, das den den du möchtest. Du zupfst sie, und sie Mensch, der die Miniatur des Universums ist,
Menschen von diesem Ziel fernhält?' antworten. sollte die gleiche Harmonie zeigen.
Die Antwort ist, daß es die Dichte dieser Es gibt Körper, die auf Klang antworten. Du In seinem Puls, im Schlagen seines Herzens
materiellen Existenz ist und die Tatsache, möchtest in ihnen einen Ton erzeugen und und in seinen eigenen Schwingungen zeigt
daß der Mensch sich seines geistigen sie schwingen mit; sie machen deine Musik er Rhythmus und Ton, harmonische oder
Wesens nicht bewusst ist - vollständig. So ist es auch mit der mensch- unharmonische Akkorde. Seine Gesundheit
er ist in Beschränkungen aufgespalten. lichen Natur. oder Krankheit, seine Freude oder sein
Dies verhindert jenes freie Fliessen und die Schönheit wird aus Harmonie geboren. Unwohlsein - alle zeigen die Musik oder den
freie Bewegung, welche die Natur und der Was ist Harmonie? Harmonie ist die Mangel an Musik in seinem Leben an.

Harmonie 03
Die Sinne
Warum informiere ich über Ohr und Auge
in Aufbau und Funktion, sowie über die
Phänomene, die wir mit diesen Organen
wahrnehmen?
Zwischen den Dingen, die wir über verschiedene
Sinnesorgane aufnehmen und für schön befinden
bestehen offensichtliche Zusammenhänge: Sehr
wahrscheinlich folgt unser Empfinden für Schönheit
den einfachen Gesetzen der Proportion.
Um diesen Beobachtungen und Vermutungen nachzu-
gehen, muss ich Proportionsgesetze, verschiedene
Sinneseindrücke und deren Wirkung auf Menschen,
sowie die Sinne und deren Funktionsweise
untersuchen, um zu erfahren, warum ausgerechnet
diese Proportionen eine positive Reaktion hervorrufen
- und wo diese entsteht.

Harmonie 04
Wahrnehmungspsychologie
Wie funktionieren die Sinne?
"Wenn wir hier von „Sinnen“ sprechen, dann nicht im Sinne der
Medizin, die sich für das Organ interessiert. Wir suchen vielmehr nach
dem, was uns in der Sinneswahrnehmung als Empfindung gegeben
ist und uns als Qualität der Umwelt und ihrer Wahrnehmungsgegen-
stände entgegenkommt.
Der Volksmund kennt fünf Sinne...
Die Sinnesphysiologie unterscheidet mittlerweile bis zu neun
Sinne, den Gesichts-, Gehör-, Geschmacks-, Geruchs-, Tast-,
Gleichgewichts-, Wärme-, Bewegungs- und Vitalsinn.
Die neuere Sinnesphänomenologie* beschränkt sich nicht auf
die Einzelbetrachtung der Sinne, sondern sieht sie als vollständige
„Erkenntnisorganisation“ des Menschen an. Sie geht nicht vom
physischen Organ, sondern von dem beobachtbaren Phänomen der
Wahrnehmung selbst aus, die sie in Sinnesbereiche zu ordnen sucht.
So kommt sie zur Qualifizierung und Beschreibung weiterer Sinne." **

* Basierend auf Forschungen von Victor von Weizäcker und Rudolf Steiner,
sowie Herbert Hensel, Ernst Lehrs und Hans-Jürgen Scheurle benennen
wir heute zwölf Sinne:
die Sinne des Handlungsraumes: Tastsinn, Lebenssinn, Bewegungssinn,
Gleichgewichtssinn,
die Sinne des Anmutungsraums: Geruchssinn, Geschmackssinn,
Sehsinn (Licht und Farbe), Wärmesinn (psychisch),
die Sinne des Bedeutungsraums: Proportions- oder Tonsinn, Gestaltsinn,
Gedankensinn, Identitätssinn.
Die Gliederung der Sinne entspricht den auf die Umwelt des Menschen
bezogenen Aktivitäten Denken, Fühlen und Wollen.

**[Wulf Schneider, Sinn und Un-Sinn, S.45f]

Harmonie 04
Das Empfinden von Harmonien und Disharmonien
wird keinem bestimmten Sinn zugeordnet. Der
wohltuende oder störende Eindruck entsteht aus
einem Zusammenspiel verschiedener Sinne, wie die
Harmonie selbst auch die ästhetische Einheit von
Unterschiedlichem bildet.

Aus der als Einheit zu betrachtenden Menge der Sinne


sollen hier diejenigen vertiefend erläutert werden, die
bei der Wahrnehmung von Architektur und Musik den
größten Anteil tragen.

Harmonie 04
"Nicht-Sehen-Können trennt uns von den Dingen,
nicht-Hören-Können von den Menschen"
schrieb Kant aus Königsberg

und warum sonst begehen mehr Taube Selbstmord als Blinde?


Sinn und Un-Sinn
Wechselwirkung zwischen Mensch und Raum

Entsteht der Eindruck von “schön” oder “nicht - schön” direkt im Sinnesorgan?
Geschieht Harmonieempfinden im Gehirn?
Oder mit dem gesamten Körper? Als Zusammenspiel von Schwingungen,
Bewegungen, in denen der Körper „mitschwingt“, die der Körper nachvollzieht
und nachbildet - in Harmonie

Erleben wir uns selbst und unsere Umwelt nicht sehr individuell, subjektiv?
Empfindet nicht jeder Mensch etwas anderes beim Erklingen eines Tons, beim
Betrachten einer rot gestrichenen Wand, beim Ertasten einer rauhen Fläche, beim
Durchlaufen eines Tunnels oder beim Anblick eines gotischen Kirchenschiffs?

Stellen wir uns vor, mehrere Menschen würden - ohne irgendeine Theorie der
Wahrnehmung, ganz voraussetzungslos - vor der erwähnten roten Wand ihre
Empfindung beschreiben, so würde wohl eine gemeinsame Qualitätsbeschreibung
wie "warm", "aktiv", "hervortretend" zustande kommen. Auch bei den anderen
genannten Beispielen wird es möglich sein, einen gemeinsamen
Empfindungsbereich der wahrgenommenen Qualitäten zusammenzutragen.

Existieren Erlebnisgesetze oder Qualitäten der Anmutung eines Raumes,


die uns einen allgemeinen Maßstab für gemeinsame Empfindungseigenschaften
geben, die dann für die Gestaltung herangezogen werden könnten?

Harmonie 04
Hören und Sehen

Um die Grundlagen von "Hören und Sehen" wirklich zu verstehen, ist es ratsam
sich mit den Wahrnehmungsgegenständen wissenschaftlich zu beschäftigen.
Dies geschieht auf den folgenden Seiten. Wem Physik weniger liegt, der
ist angehalten einfach weiter zu blättern.
Wichtig ist nur:
Sehen und Hören können wir nur, was unsere Seh- oder Hörzentren erregt.
Diese Erregung geschieht durch Wellen, die von Schwingungen erzeugt
wurden. Man kann also sagen, dass auch in uns etwas in Bewegung
geraten muss, wenn wir etwas wahrnehmen.

Harmonie 05
Polarität

Sämtlicher Wahrnehmung zugrunde liegt ein Prinzip von Polarität und


Verbindung, Kontrast und Steigerung, welches Wulf Schneider in
seinem Buch „Sinn und Un-Sinn“ anhand des Sehsinns erläutert:
„Licht kann nur als Licht wahrgenommen werden, wenn es in rhythmischem
Wechsel und Kontrasten dem Auge Schatten und Helligkeit, Übergänge und
Stufen bietet. Alles andere ist eine Diktatur der Helligkeit.
Farbe kann nur als Farbe wahrgenommen werden, wenn sie sich polychrom
organisch aufeinander bezieht, Klänge bildend, Zonen gliedernd, Kontraste
schaffend, Ganzheiten zwischen Funktion, Form und Farbe darstellend. Alles
andere ist Signal, Information über Nichtigkeiten, ermüdet sinnlich seelisch
und wird zum Bild von Leere und Bezugslosigkeit.“

Harmonie 05
Schwingungen

Ursache einer jeden Schallempfindung sind Schallwellen, die durch


mechanische Schwingungen hervorgerufen werden.
Eine Schwingung ist ein Vorgang in einem physikalischen System,
bei dem eine oder mehrere physikalische Größen ab- und zunehmen.
Eine mechanische Schwingung stellt eine ständige Umwandlung von
Bewegung (kinetischer Energie) in Lageenergie (potentielle Energie)
und umgekehrt dar.
In den meisten Fällen wirkt zu Beginn der periodischen Bewegung
oder Schwingung ein Kraftimpuls (Bsp. Schlag des Hammers
auf eine Klaviersaite), der dem schwingenden System Energie
zuführt. Wenn nicht regelmäßig neue Energie zugeführt wird, kommt
die Bewegung aufgrund von Reibungsverlusten (Wärme) oder
aufgrund der Abgabe von Bewegungsenergie an einen Resonator
oder von Schallenergie an die Luft allmählich zur Ruhe. (Dämpfung
einer Schwingung.)

Harmonie 06
Exkurs in die Physik
Es gilt das Naturgesetz der Energieerhaltung:
Es kann keine Energie verloren gehen. Innerhalb eines
Systems ändert sich die niemals die Gesamtsumme
der vorhandenen Energie.
Die harmonische Schwingung (Sinusschwingung) ist ein seltener
Spezialfall. Tatsächlich führen schwingungsfähige Systeme zumeist
sehr komplexe Schwingungsbewegungen aus. Diese komplexen
Schwingungen lassen sich als Überlagerungen von simultanen
Teilschwingungen verstehen. Die Teilschwingungen besitzen dabei
unterschiedliche Frequenzen, Amplituden und Nullphasenwinke. Für
musikalische Klänge sind solche komplexe Schwingungen wichtig, bei
denen die Frequenzen der Teilschwingungen ganzzahlige Vielfache
einer Grundfrequenz sind (harmonischen Obertöne oder Partialtöne).

Harmonie 06
Unter einer Welle versteht man in der Physik jeden Vorgang der Ausbreitung eines physika-
lischen Zustandes in einem elastischen Trägermedium (Ausbreitungsmedium). Wellen können
durch einen einmaligen, kurzen Anstoß ausgelöst werden (sog. Stoßwellen). Wird die Welle
durch eine periodische Schwingung ausgelöst und verläuft der Ausbreitungsvorgang
periodisch, wie im Idealfall bei Wasserwellen oder bei den Schallwellen von Tönen, so spricht
man von periodischen Wellen.

Wellen Was pflanzt sich nun bei der Wellenausbreitung eigentlich fort? Wie wir gesehen
haben, vollzieht sich im Trägermedium trotz der Schwingungen örtlicher
Luftteilchen keine Bewegung durch den Raum. Vielmehr breitet sich bei einer
Welle die Arbeit, die an dem ersten Teilchen verrichtet wurde, Stück für Stück,
von Teilchen zu Teilchen durch den Raum aus.
Wellen transportieren also Energie durch den Raum.

Harmonie 06
Datenverarbeitung beim Hören und Sehen
Mentale Objekte
Akustische Ereignisse werden als Objekte angesehen,
die sich analog zu visuellen Objekten verhalten und auf
vergleichbare Weise wahrgenommen werden (gleiche
Effekte, wie Überlagerungen, Täuschungen etc.)
Auch abstrakte musikalische Phänomene lassen sich
als geometrische Objekte darstellen. Was dabei auffällt
ist, dass sich diese Darstellungen einander oft ähneln -
ein Verweis auf die holistische Natur der Musik.

Harmonie 06
Welche Töne machen die Musik?

Alle klingenden Körper offenbaren ihren Eigenton,


definiert durch: Geräusch-, Klangcharakter, Tonhöhe.
Die Tonhöhe wird von der Frequenz des Schwingungs-
vorgangs bestimmt, der sie erzeugt.
Das menschliche Ohr hört Frequenzen zwischen etwa
16 und 16000 Hertz (Schwingungen pro Sekunde);
dazwischen gibt es unendlich viele unterschiedliche
Töne.
Dass die Musik sich aus diesem unendlichen Tonvorrat
nur an Tönen in ganz bestimmten Abständen bedient,
ist kein Zufall, und auch keine Konvention. Hier zeigt
sich die Gesetzmäßigkeit, die den Tonsinn bestimmt:
die Proportion.

Allerdings spielen für den Tonsinn nicht nur wohlpro-


portionierte Schwingungsverhältnisse eine Rolle: vom
Rauschen der Bäume bis zum Gongschlag schätzen
wir auch weniger klar definierte Geräuschphänomene.

Harmonie 06
Wesen des Schalls

Schallwellen sind Longitudinalwellen.


Sie gehen von einem schwingenden Körper aus -
der Schallquelle.
Die für das menschliche Ohr nicht hörbaren hohen
Frequenzen werden als Ultraschall, alle niederen als
Infraschall bezeichnet.

Man unterscheidet: Ton, Klang, Geräusch und Knall


Der Ton ist eine reine Sinusschwingung
Der Klang ist die Überlagerung mehrerer Töne
Das Geräusch ist eine unregelmäßige Schwingung
Der Knall ist ein kurzzeitiger und starker Schalldruck.

Harmonie 06
Schallquellen
...sind stets schwingende Körper

Schwingende Saiten
Man findet sie beim Klavier, bei der Geige und anderen Musikinstrumenten. Sie
können durch Anzupfen, Anstreichen oder Schlagen zum Schwingen gebracht
werden. In der schwingenden Saite bildet sich eine stehende Welle mit den
Knotenpunkten an den Enden. Die Saite liefert die Grundschwingung. Außer-
dem sind noch Schwingungen höherer Frequenz möglich. Diese Oberschwing-
ungen beeinflussen die Klangfarbe, nicht die Frequenz des wahrgenommen
Tones.

Schwingende Luftsäulen
Die in Pfeifen eingeschlossenen Luftsäulen schwingen stets in stehenden
Wellen. Am Mundstück befindet sich dann ein Wellenbauch. Es gibt offene und
geschlossene Pfeifen.
Der Ton einer offenen Pfeife besitzt die doppelte Frequenz des Tones einer
geschlossenen Pfeife gleicher Länge.

Harmonie 06
Sauerstoff

Luft ist der Träger von Schall. In ihr setzen sich die Schallwellen fort, in dem die
(Schall-) Druckwellen, die Luft wellenartig verdichten...
Das Sauerstoffmolekül - für den Menschen lebenswichtiger Bestandteil der Luft
- zeigt die Voraussetztungen hierfür in seiner atomaren Struktur.

Joachim - Ernst Berendt:


"...noch überraschender wird die Übereinstimmung, wenn man bemerkt, daß
das Sauerstoffatomkern - Protonen - Modell zwölf Stufen hat - soviele
also, wie die Tonleiter, die es ja tatsächlich bildet, Halbtöne besitzt.
Im Normalzustand sind sieben gefüllt und fünf leer - wie bei der Tonleiter, die
aus sieben (leitereigenen) Tönen besteht und die übrigen fünf unbenutzt lässt.

Harmonie 06
Farben Wenn es ums Messen und Zählen geht, müsste es zunächst am einfachsten
sein, im Spektrum bzw. im Regenbogen die Anzahl der Farben festzustellen –
sollte man annehmen. Um 1670 zählte Newton elf Farben, später fünf, und in
Wie viele Farben hat der Regenbogen? seinem epochalen Werk "Opticks" von 1704 schließlich sieben. Warum nun mit
einmal sieben? Weil er sie inzwischen exakter gemessen, gezählt und
analysiert hatte? Nein, weil er die Analogie zu den sieben Tönen der
abendländischen Tonleiter suchte!

Überhaupt war die Zahl der Farben, die man im Regenbogen unterscheiden zu
können meinte, meistens durch bestimmte Symbole vorgegeben. Ein unvorein-
genommener Betrachter wird allenfalls wie Goethe auf sechs Farben zu
kommen, kaum auf sieben, am leichtesten aber auf vier, was seinerzeit in die
Vier - Elementen - Lehre gepasst hätte, aber Aristoteles sprach nur von drei
Regenbogenfarben. In China, wo es fünf statt der griechischen vier Elemente
gibt, hat man konsequent auch dem Regenbogen fünf Farben zugebilligt. Die
christliche Kunst zeigt ihn manchmal dreifarbig, der Dreifaltigkeit entsprechend,
manchmal nur aus dem Blaugrün der Sintflut und dem Gelbrot des jüngsten
Gerichts gebildet oder auch allein mit einer einzigen Farbe, wie beim
smaragdenen Regenbogen am Thron Gottes in der Offenbarung des Johannes.
Antike Autoren nennen denRegenbogen als Symbol für Unzählbarkeit sogar
„tausendfarbig“

Wie viele Farben hat der Regenbogen denn nun wirklich? Da die spektralfarben
ein Kontinuum mit unendlich vielen Übergängen bilden, hängt es ganz
wesentlich auch von unserer Sensibilität ab, wie viele Farben gezählt werden. *

* (Margarete Bruns Das Rätsel Farbe – Materie und Mythos)

Harmonie 06
Die Ordnung der seelischen Wirkungen von Farbe beruht zunächst
auf einer Grundpolarität im Farbenkreises, der sich in eine Seite der
„aktiven“ und eine der „passiven“ Farben einteilen lässt.
Die Trennungsachse liegt dabei ungefähr zwischen den Farben Grün
und Purpurrot.
Zur aktiven Farbseite von Purpur über Rot zu Orange, Gelb und
Grün gehören jene Farbtöne, die wir als „auf uns zukommende“,
plastisch konvexe empfinden. Es ist die lichthafte, „warme“ Seite der
Dynamik der Farben Farbempfindung und gleichzeitig die seelisch anregende, unseren
Willenspol herausfordernde Seite.
Der Farbkreis Auf der passiven Seite von Grün und Türkis über Blau, Violett
zu Purpur, liegen Farben, die „von uns weggehen“, die einer
Landschaft Tiefe geben, die wir plastisch konkav empfinden. Es ist
die finsternisverwandte „kalte“ Seite, die seelisch konzentrierende
und beruhigende, mit unserem Denken und Erkennen verbundene
Seite.
Grün bildet dabei eine ausgleichende, entspannende Mischung, eine
„vegetative Mitte“, während Purpur (die Farbe, in der sich die Pole
licht – warm – aktiv mit dunkel – kalt – passiv in höchster Steigerung
vereinen) ein Bild seelischer Dynamik und Integration darstellt.

Harmonie 06
Das Auge reagiert auf physikalische Reize der elektromagnetischen
Strahlung mit einer Wellenlänge von ca. 350 nm bis ca. 750nm.
Dabei setzt es die Reize in die Empfindung von Licht und Farbe um.

Wellenlänge Schwingungen
rot 800 – 650 nm 400 – 470 Billionen
orange 640 – 590 nm 470 – 520 Billionen
gelb 580 – 550 nm 520 – 590 Billionen
grün 530 – 490 nm 590 – 650 Billionen
blau 480 – 460 nm 650 – 700 Billionen
indigo 450 – 440 nm 700 – 760 Billionen
violett 430 – 390 nm 760 – 800 Billionen

Harmonie 06
Proportions- oder
Ästhetischer Gegenstand:
Proportion und Maß in Zeit und Raum

Wahrnehmungsziel:
Die Herstellung von Beziehung und die Wertung als
Harmonie und Einklang der Dinge. (laut Hans Kayser)

Das Hören erschließt uns eine Wahrnehmungswelt


von Qualitäten, die über das greifbare, stoffliche
Dasein der Dinge hinausführt. Es stellt die Basis für
den Bereich der denkbetonten Erkenntnissinne
dar.
Dieser zeitbetonte Sinn verbindet Innen- und Außen-

Den Proportions- und Tonsinn erregt die komplexe Ge-


stalt eines Tons in Bezug auf die Gesamtheit der Töne
seines Tonsystems und des harmonisch – zeitlichen
Ablaufs und Zusammenhangs, in dem dieser gehört
wird.
Nicht der einzelne “perfekte” Ton (das wäre eine physi-
kalisch reine Sinusschwingung) wird vom Gehör als
höchstes Ziel erfasst, sondern, wie bei der Farbe lebt
auch hier jeder Ton erst in seiner dynamischen Vielfalt.

Jeder tönende Körper regt andere Körper - auch den


des Menschen - zum Mitschwingen und Mitklingen an
und schwingt selbst zusätzlich zur Hauptschwingung in
zahlreichen Teilschwingungen.

Harmonie 08
Das Innenohr ist unser sensibelster Körperteil – es besitzt
mehr Nervenenden, als die menschlichen Geschlechtsorgane

Harmonie 08
Das Ohr des Menschen
Beim Menschen wird das Ohr in drei Bereiche eingeteilt:
Das äußere Ohr umfasst die Ohrmuschel und den Gehörgang.
Proportions- oder Tonsinn Zum Mittelohr gehört das Trommelfell und die Gehörknöchelchen
(Hammer, Amboss und Steigbügel).
Das Innenohr besteht aus der Gehörschnecke, in der der Schall in
Nervenimpulse umgesetzt wird, und dem Labyrinth, das als
Gleichgewichtsorgan dient.
Gehörschnecke und Labyrinth sind ähnlich gebaut: Beide sind mit
einer Flüssigkeit gefüllt und besitzen Haarzellen, bei denen feine
Härchen in die Flüssigkeit reichen. Durch Bewegungen der Flüssigkeit
werden die Härchen gebogen und lösen dabei Nervenimpulse aus.

Das menschliche Gehör kann akustische Ereignisse nur innerhalb


eines bestimmten Frequenz- und Schalldruckpegelbereichs wahr-
nehmen. Zwischen der Hörschwelle und der Schmerzschwelle liegt
die Hörfläche. Die Empfindlichkeit des Ohrs ist außerordentlich. Aber
ebenso die Toleranz gegenüber Lärm.
Der leiseste wahrnehmbare Schalldruck ist etwa 20 Mikro-Pascal
(2*10-5 Pa), das entspricht 0 dBSPL Schalldruckpegel. Diese Druck-
veränderungen werden über das Trommelfell übertragen. Die
Schmerzgrenze liegt etwas über 120 dBSPL, das ist der millionen-
fache Schalldruck davon.
Dennoch oder gerade deswegen ist das Ohr sehr empfindlich, vor
allem das Innenohr nimmt bei lautem Schall Schaden.

Harmonie 08
Das Gehör

...bezeichnet den Sinn eines Tieres, mit dem es Schall


wahrnimmt.
Das Gehör besteht aus den Ohren mit ihren Bestand-
teilen, dem Hörnerv und dem Hörzentrum im Gehirn.

Das Gehör eines Säugetiers ist sein Sinnesorgan mit


der höchsten spektralen Auflösung, da es in der
Gehörschnecke einzelne Sinneszellen für sehr viele
verschiedene Frequenzen des Schalls enthält.
Ein solches Gehör, bestehend aus einem Gehörgang,
einer Schallmembran und einer flüssigkeitsgefüllten
Schnecke, ist bereits bei frühen Wirbeltieren im
Grundbauplan vorhanden und in der Regel mit dem
Gleichgewichtsorgan verknüpft. Entstanden ist sowohl
das Gleichgewichtsorgan, als auch das Hörorgan aus
dem Seitenlinienorgan der Fische.

Harmonie 08
‚Ein unmittelbarer Ausdruck des Zusammenklingens
musikalischer Elemente mit der Leibgestalt ist in der
Umsetzung von Tönen und Rhythmen in harmonischer
Gliederbewegung bei der Tanzkunst gegeben’

L. Vogel
Hörorgan: Mensch
Mit dem Körper hören

Scheuerle: „Sucht man nach einem Sinnesorgan, das nicht nur mit-
schwingt, sondern durch das der Wahrnehmende wirklich hört, so ist
es nicht das Ohr, sondern der ganze Mensch. Als gleichbedeutend mit
dem Tonempfinden kann das Empfinden für Proportionen, das die
gesamte Leibessphäre durchdringt, betrachtet werden. Einen Hinweis
darauf gibt das griechische Wort „melos“ das sowohl Melodie, als
auch Gliedmaße bedeutet. Dasselbe gilt für das deutsche Wort „Lied“,
das mittelhochdeutsch mit Ge-Lied, später Glied zusammenhängt.

Dass wir Proportionen mit unserem ganzen Körper wahrnehmen und


sie innerlich mitbewegen, zeigt, dass es beim proportionalen Erleben
um mehr geht als um ein Betrachten von ästhetischen Maßen.

Harmonie 08
Richtig sieht man nur mit dem Herzen,
das Wesentliche ist für das Auge unsichtbar.

"Der kleine Prinz"


Antoine de Saint - Exupéry
Sehsinn
Der Sehsinn ist der umfassendste und bedeutsamste
Sinn, der auch alle anderen Sinne unterstützt und
ergänzt.
Das Auge dient zunächst als Vermittler der Reize
(Licht und Farbe), die über die Hypophyse* direkt
auf das vegetative Nervensystem und die
hormonalen Prozesse des Organismus einwirken.
Das eigentliche optische Sehen erweitert die
Bedeutung dieses Sinnes noch einmal entscheidend:
das eher passive Empfinden von Licht und Lichtfarben
und erst recht das aktive Fixieren von Körpern
und Körperfarben. Im Zusammenspiel mit dem
Tastsinn und dem Bewegungssinn greift das Auge
dabei in das Chaos des Sichtbaren ein – auswählend,
ordnend, nachbildend und gestaltend.
Körper werden durch Augenbewegungen visuell
„abgetastet“ und im Inneren nachgebildet und bewegt.

*(deutsch: Hirnanhangdrüse, ist eine Hormondrüse, die in der Höhe der Nase
mitten im Kopf liegt)

Harmonie 09
Ich hab ein Bild im Kopf...
Das Auge dient zunächst als Vermittler der Reize (Licht
und Farbe), die über die Hypophyse direkt auf das
Wie kommt das dahin? vegetative Nervensystem und die hormonalen
Prozesse des Organismus einwirken.

So stark wie seine Möglichkeiten sind auch die


Gefahren des Missbrauchs und der Überlastung des
Sehsinns. Nicht umsonst ist er der einzige Sinn, der
sich – durch Schließen der Augen – „abschalten“ lässt.

Harmonie 09
Das Auge
Das Auge (von indogermanisch "ok" = sehen, Stamm:
griechisch optikos) ist das Sehorgan von Mensch und
Tier. Das Auge reagiert auf physikalische Reize der
elektromagnetischen Strahlung mit einer Wellenlänge
von ca. 350 nm bis ca. 750 nm. Dabei setzt es die
Reize in die Empfindung von Licht und Farbe um.

Obwohl sich die Augen von Wirbeltieren und Weichtieren im Aufbau


stark ähneln, haben sie sich unabhängig voneinander entwickelt. Dies
wird bei der Bildung des Auges beim Embryo sichtbar: Während sich
das Auge bei Wirbeltieren durch eine Ausstülpung der Zellen
entwickelt, die später das Gehirn bilden, entsteht das Auge der
Weichtiere durch eine Einstülpung der äußeren Zellschicht, die später
die Haut bilden.
Der Ziliarmuskel ist für die Scharfstellung (Akkomodation) zuständig
indem er sich zusammenzieht und die Linse mehr oder weniger wölbt.

Harmonie 09
Aufbau des Auges
Blinder Fleck
Hornhaut (Cornea)
Gelber Fleck (Macula)
darin die Stelle des schärfsten
Sehens auf der Netzhaut
(Fovea centralis)
Iris
Linse
Netzhaut (Retina)
Lederhaut
(Sclera; das Weiße des Auges)

Bei den meisten Wirbeltieren und einigen Weichtieren


wird im Auge ein Bild auf eine lichtempfindliche
Schicht projiziert, die Netzhaut oder Retina genannt
wird. Dort wird das Licht von Sinneszellen
wahrgenommen und die Nervenimpulse durch den
Sehnerv ans Gehirn weitergeleitet. Das Auge ist im
Allgemeinen ungefähr kugelförmig und der größte Teil,
der so genannte Glaskörper, ist mit einer gelartigen,
durchsichtigen Substanz gefüllt. Das Auge besitzt
meistens eine veränderliche Linse, um das Bild
scharf zu stellen, und oft einen Ringmuskel, die Iris,
der die Pupille bei starkem Lichteinfall verkleinern
kann, so dass das Auge vor zu viel Licht geschützt
wird. Das Auge wird oft durch Augenlider geschützt,
zum Schutz vor starken Schlägen liegt das Auge im
allgemeinen tief im Schädel, wobei teilweise Knochen-
wülste rings ums Auge weiteren Schutz bieten.

Harmonie 09
Warum
finden wir manche Proportionen schön?

Ist das Empfinden von Harmonie und Schönheit ein Ergebnis von
Prägung und Erziehung?
Lernen wir, uns einer Konvention anzupassen, die ein von Kulturkreis
zu Kulturkreis unterschiedliches Schema von Schönheit festlegt?
Schulen alle Menschen seit jeher ihren Blick für Gestalt am Bild und
der ebenmäßige Proportion der Menschen, die sie umgeben?

Oder begünstigen die physikalische Beschaffenheit und die Propor-


tionen unserer Organe (z.B. der Ohrmuschel), sowie der Stoffe,
die Reize übertragen (z.B. Proportionen im Sauerstoffatom), die Per-
zeption ähnlicher Proportionen in Tönen, Bildern oder Eindrücken?

Harmonie 10
Wir sind harmonikal strukturiert
Peter Hübner
“Über die Wirkung von Musik”

"Es ist ein Irrtum, zu glauben, Harmonieempfinden wäre eine Sache


der Übung.(...) Harmonikale Musik ist ein wissenschaftlich objektiv
verifizierbarer Sachverhalt, und was als harmonisch empfunden wird
oder nicht, ist kulturübergreifend nicht eine Frage des
Geschmacks oder irgendeiner Erziehung, sondern liegt einzig und
allein in der Tatsache begründet, dass das biologische System
auch des Menschen harmonikal strukturiert ist und dass
hier ganz besonders auch das Ohr physiologisch auf die Erkenntnis
und Bevorzugung natürlicher harmonischer Strukturen angelegt ist.
Die biologischen Systeme sind im Hinblick auf die medizinische
Wirkung von Musik mit automatischen Verstärkungs - bzw.
Dämpfungsmechanismen ausgestattet, sozusagen mit Sympathie-
und Antipathie - Mechanismen. (...)
Dissonanz / Disharmonie wird vom einfachen Menschen spontan
erkannt. Der Klang stört ihn physisch, er fühlt sich körperlich unwohl."

Harmonie 10
Was ist schön?

Die Empfindung von Schönheit ist gleichzusetzen mit


dem Gefühl von Harmonie. "Schön" ist keine Emotion,
sondern ein Stimmigkeitsgefühl, eine positive Meldung
verschiedener messender und bewertender Prozesse
im Hirn, wenn diese gefällige, wenig komplizierte Daten
verarbeiten können.

Schön ist also alles, was es den Sinnen besonders


leicht macht, es zu erfassen.

Harmonie 10
Zorn
Blut strömt zu den Händen, erleichtert,
Emotionen bewegen zum Handeln zur Waffe zu greifen oder einen Feind
zu schlagen; Puls steigt, Ausstoß von
"Emotion" Hormonen wie Adrenalin erzeugt einen
movere, lat. für "bewegen" Energieschub, der für eine energische
Präfix "E" bedeutet "hinbewegen" Aktion ausreicht.

Weisst darauf hin, dass jeder Emotion


die Tendenz zur Handlung innewohnt. Furcht
Blut fließt zu den großen Skelett-
muskeln, vor allem in die Beine, um
leichter fliehen zu können. Gesicht wird
bleich, da das Blut von ihm fortgeleitet
wird. Körper erstarrt kurz,
zerebrale Schaltungen in den emotio-
nalen Zentren lösen eine Woge von
Hormonen aus, die den Körper in einen
allgemeinen Alarmzustand versetzen,
gereizt und handlungsbereit, Aufmerk-
samkeit ist auf die Gefahr konzentriert.

Liebe Trauer
Erregung des Parasympathikus, unterstützt die Anpassung an einen
physiologischer Gegenspieler der bei großen Verlust oder eine größere Ent-
Furcht und Zorn auftretenden Mobi- täuschung.
lisierung zum "Kämpfen und Fliehen". Energie und Begeisterung für Aktivi-
Muster "Entspannungsreaktion" = den täten des normalen Lebens sinken,
ganzen Körper erfassendes Mosaik Stoffwechsel verlangsamt, innerer
von Einzelreaktionen, das einen allge- Rückzug, Gelegenheit zu trauern und
meinen Zustand der Gelassenheit und bei rückkehrender Energie einen Neu-
Zufriedenheit erzeugt und so die anfang zu planen. Dieser Energiever-
Kooperation erleichtert. lust könnte bei den frühen Menschen
dafür gesorgt haben, daß sie, wenn sie
Glück betrübt und dadurch verletzlich waren,
Aktivierung in zerebralem Zentrum, das in der Nähe ihrer Behausung blieben,
negative Gefühle hemmt und Steiger- wo sie sicherer waren. (EQ)
ung verfügbarer Energien bewirkt.
Beruhigung, die es dem Körper erlaubt,
sich rascher von unangenehmen
Emotionen zu erholen. Ruhepause für
den Körper, Bereitschaft. Begeisterung,
jede Aufgabe anzupacken, vielfältige
Ziele anzustreben.

Harmonie 10
Die Psychosynergetik umfasst die These, dass Men-
schen eine spezielle Sensibilität für die Qualität des
Zusammenwirkens von psychischen Funktionen haben.

Zu einem bestimmten Zeitpunkt kann ein Mensch nur


Harmonie, die sekundäre Emotion wenige Tätigkeitsmomente erkennen und bearbeiten
[primäre Emotionen].
Psychosynergetik
Um das auszugleichen kontrollieren sekundäre
Emotionen die Ganzheit komplexer Tätigkeitsprozesse
auf Synergität * [also auf Harmonie!].
Entsprechend bewerten sekundäre Emotionen Grad
und Güte des Zusammenwirkens aller aktiven psycho-
neuralen Prozessmomente, über das Bewusstsein
hinaus.
Unsere Stimmung zeigt also an, wie gut alle aktiven
bewussten und unbewussten Bereiche unserer
Psyche zusammenwirken bei der Bewältigung der
Lebenssituation, in der wir uns gerade befinden.

Ergo: Harmonie, ist ein Gefühl, dass auf einer anderen


Ebene entsteht, als die Emotionen, die wir kennen. Das
Zusammenspiel dieser Emotionen wird bewertet und
löst (im besten Fall) ein Stimmigkeitsgefühl aus,
das wir Harmonie nennen.

* (Synergie = effizientes Zusammenwirken)

Harmonie 10
Das Gehirn entdecken

Mit dem wissenschaftlichen Fortschritt durch innovative Methoden


gewinnen wir immer tiefere Einblicke ins Gehirn und in das, was dort
geschieht (denken, fühlen, träumen).
Wir verstehen besser, wie emotionale Hirnzentren uns zu Wut und
Tränen reizen, "wie gattungsgeschichtlich ältere Teile des Gehirns,
uns zum Kriegführen wie zum Lieben anstacheln; uns
steuern."
Die "neue Einsicht in Wirken der Emotionen und deren Schwächen
lenkt unsere Aufmerksamkeit auf ungenutzte Möglichkeiten, unserer
kollektiven emotionalen Krise Herr zu werden."

Die Forschung hat lange den Stellenwert des Fühlens im mentalen


Leben gering bewertet, sodaß Emotionen für die wissenschaftliche
Psychologie ein unerforschter Kontinent blieben. Heute ist die
Wissenschaft in der Lage, Antworten zu geben.*

*("EQ - Emotionale Intelligenz")

Harmonie 11
Das Gehirn entwickelte sich mit den Lebewesen im Laufe der
Evolution, aber erst mit dem Auftreten der Säugetiere entstanden
Schichten eines emotionalen Gehirns. Diese setzen am
Hirnstamm an, umgeben ihn, wie ein Ring. (lat. für "Ring" = "Limbus",
daher der Name "Limbisches System".)
Entstehungsgeschichte des Gehirns Dieses neue Territorium bereicherte das Repertoire des Hirns um
oder: Emotionen im eigentlichen Sinne, was vor allem das Lernen und das
Warum Emotionen unser Leben steuern Gedächtnis verfeinerte.
anstatt von Gedanken! Da wichtige Entscheidungen, wie zum Beispiel, was man frisst und
was nicht, stark vom Geruchssinn bestimmt waren, entstand verknüpft
mit dem limbischen System das "Rhinencephalon", das "Riechhirn",
aus dem später die zwei Schichten des Kortex entstanden. Der Kortex
könnte als "Ur - Hirn" bezeichnet werden. Er übernahm die Aufgaben
"Pläne machen", "Wahrnehmungen begreifen", "Bewegungen
koordinieren".
Vor rund 100 Millionen Jahren entstand in einem Wachstumsschub
der Säugetiere der Neokortex: sieben Schichten "neues" Hirn!
"Der Neokortex ist der Sitz des Denkens; er enthält die Zentren, die all
das, was die Sinne wahrnehmen, zusammenfügen und begreifen, und
ein Gefühl um all das bereichern, was wir darüber denken, - und es
zustande bringen, Vorstellungen über Ideen, Kunst, Symbole und
Imaginationen zu entwickeln." - also die Heimat unseres inneren
Kosmos: des Verstandes.

In wesentlichen Herzensangelegenheiten - und ganz besonders in


emotionalen Ausnahmezuständen - unterwerfen sich die höheren
Zentren dem limbischen System.

Es spielt entscheidende Rolle in der neurologischen Architektur.


Als die Wurzel aus der das jüngere Gehirn entspross, sind die emo-
tionalen Bereiche über unzählige Verbindungen mit allen Teilen des
Kortex und des Neokortex verflochten. Das verleiht den emotionalen
Zentren enorme Macht, das Funktionieren des übrigen Gehirns
einschließlich seiner höheren Zentren zu beeinflussen.*

*("EQ - Emotionale Intelligenz")

Harmonie 11
Und wie funktioniert
Das zentrale Nervensystem des Menschen besteht aus Rückenmark,
die Wahrnehmung im Gehirn? Stammhirn mit Gehirnmark, Brücke, Mittelhirn, Zwischenhirn,
Kleinhirn und den Hirnhemisphären (Neokortex).
Das Rückenmark nimmt Informationen von Haut und Muskeln auf
und sendet Bewegungssignale.
Die obere Fortsetzung des Rückenmarks bildet das Stammhirn. Es
empfängt und verarbeitet Informationen aus Kopf- & Nackenbereich.
Es ist der Sitz unserer Sinne - mit Ausnahme von Sehvermögen und
Geruchssinn.*

Das angelagerte Zwischenhirn steuert Körperfunktionen, wie Herz-


frequenz, Blutdruck und Atmung.
Unter den Hemisphären liegen die verschlungenen Basalganglien, die
eng mit dem Kleinhirn (der Steuerzentrale des Körpers) verknüpft sind.

* ( Was wir sehen wird direkt zur Großhirnrinde geleitet. Information


über das, was wir riechen gelangt direkt ins limbische System. Das ist
auch der Grund, warum Gerüche unmittelbar Hormonausschüttung
hervorrufen können und Empfindungen beeinflussen.)

Harmonie 11
Körperliche Auswirkungen von Wahrnehmungen
Unbewusste körperliche Reaktionen auf
Sinneseindrücke spielen eine Rolle
bei der Bewertung des Wahrgenommenen.

In den vierziger Jahren wurden in Amerika Experimente zur


unterschwelligen Wahrnehmung durchgeführt. Sie ergaben,
dass nur ein geringe Teil unserer Gesamtwahrnehmungen in die
Sphäre des Bewusstseins gelangt.
Auf unvorstellbar sensible Weise stehen wir – ohne es zu wissen –
sinnlich mit den Geschehnissen, Bewegungen, Formen, Farben und
Tönen unserer Umwelt in Beziehung. Entscheidend ist dabei, dass
gerade der unbewusste Teil dieser sinnlichen Vorgänge tief greifende
seelische und organische Wirkungen hat.

Durch unsere nachbewegende und nachschaffende


Beziehung zur Umwelt graben sich deren Formen in
unser Unterbewußtsein ein. Man kann sich vorstellen,
welche Wirkungen hier von den monotonen, mecha-
nischen, chaotischen oder erstarrten Umweltformen
ausgehen, die für viele Menschen das Alltagsmilieu
darstellen.

Harmonie 12
Überfluss

Eine Sinnesüberlastung durch sich ständig steigernde, bewegte visuelle


Umweltreize bleibt nicht ohne Folgen. Konzentrationsschwächen,
Hypermotorik, psychosomatische Störungen grassieren. Auf der anderen Seite
kommt es, auch als Abwehrreaktion, zu einer Abstumpfung. Ein derart gestörter
Sinneshaushalt führt zu vermehrt aggressiven, unausgeglichenen bis zu
manisch – depressiven Verhaltensmustern.

Harmonie 13
Die menschlichen Sinnesorgane "ernähren" sich durch eine ständige
Aufeinanderfolge von sensorischen Veränderungen.
So gilt bereits der Verzicht auf elementare Eindrücke wie z.B.
natürliches Licht als krankhaft, während der umfassende Entzug von
Reizen unter dem Begriff "Sensory Deprivation" zur Methode
Sensory Deprivation entwickelt wurde.
Unterernährung der Sinne Als mildere Form von Sensory Deprivation können
Gefängniszellen - vor allem die von
Untersuchungshaftanstalten - betrachtet werden.
Extremer Entzug von Reizen kann aber auch als
Therapie bei Überflutung (Overload of Sensory
Information) eingesetzt werden. Schlägt der Pegel zu
sehr in die eine Richtung aus, wird er durch sein
Gegenteil - welches in diesem Fall nicht repressiv,
sondern regenerativ fungiert- ausgeglichen.

Ähnlich wie Bewegungslosigkeit, wenn sie über einen längeren


Zeitraum existiert, zur irreparablen Erschlaffung und Verformung der
Muskulatur führen kann, stumpft Sensory Deprivation die
Sinnesorgane ab und legt sie nicht selten irreversibel lahm
(Sensory Paralysis).

Da die Lebewesen im Schlaf keine äußeren Sinneseindrücke


wahrnehmen, müssen die inneren (Traum) umso intensiver sein, um
die für den Organismus notwendigen Sinneseindrücke (die Lebens-
funktionen werden nämlich in erster Linie von der sinnlichen
Rezeption veränderter äußerer Reize am Leben gehalten) zu liefern.
Dies führt zur einer Intensivierung des Sensoriums bis hin zu dessen
Überforderung.
Sensory Deprivation hinterläßt daher nicht nur psychische, sondern
in der Regel auch massive organische Funktionsschäden.

Ausnüchterung der Sinne führt in jedem Fall zum Verlust


des psychischen Gleichgewichts, geringfügige
Veränderungen der Umwelt werden ausnahmslos überproportional
wahrgenommen und mit übersteigerter Angst, Freude und Wut
beantwortet (neurotisch - hysterische Reaktion).
Die Sensory Deprivation kann also auf direktem Wege in die
Sensory Depression führen: in die emotionale
Niedergeschlagenheit der Sinne (und ihres Subjekts) aufgrund eines
Mangels an Sinnesnahrung (Reiz).

Harmonie 13
„Alles Leben schien sich in bodenloser Schwärze aufzulösen, stumme Leere
umgab mich, und meine Haut war ein dumpfer Teig, der mich zu ersticken
drohte“. So klang der Bericht von Versuchspersonen, die sich für
amerikanische Forschungen zur so genannten ‚Sensory Deprivation’ –
Verarmung Beraubung aller Sinnesreize – zur Verfügung gestellt hatten. „Man legte tief
unter der Erdoberfläche ein erschütterungsfreies Bassin an, in dessen
blutwarmem Wasser sich eine ‚Testperson’ schwebend befand. Der Körper war
in Watte verpackt, um das Zustandekommen von Hautempfindungen zu
unterbinden. Dazu absolute Licht- und absolute Lautlosigkeit. Licht- und
Schallwellenzustand gleich Null. Oberirdische Monitore verzeichneten die
Reaktion aller lebenswichtigen Organe. Nach wenigen Minuten schon stellten
sich beklemmende Halluzinationen ein, Verlust raumzeitlicher Maßstäbe. Die
Halluzinationen und Zustände jagten sich zur Panik. Nach etwa 10 bis 15
Minuten begann durch Störungen der Vorgänge in Teilen des Zwischenhirns
(Hypothalamus, Hypophyse) die Versorgung des Nervensystems (besonders
das Denkhirn betreffend) mit Hormonen im gebotenen Verhältnis zu versagen;
mit dem Effekt totaler Gedankenflucht und lebensgefährlicher Störungen des
hormonalen Gleichgewichts: Die weißen Blutkörperchen setzten zu einer
sprunghaften Vermehrung an. Der Versuch musste abgebrochen werden, um
den Probanden zu retten. Er wäre zugrunde gegangen (unvorstellbar qualvoll)
mangels der Auseinandersetzung mit einer herausfordernden Außenwelt;
seine Organfunktionen hätten sich gegen ihn selbst gekehrt“*

*("Sinn und Un-Sinn", Wulf Schneider)

Harmonie 13
Erst alle Sinne machen die Umwelt wirklich

Die Versuche beweisen eindringlich, wie der Mensch einer dauernden


Belebung seiner Sinnesorgane durch die Sinneselemente der Umwelt
bedarf, um nicht organisch – geistig dahinzusiechen. Er braucht die
sinnliche Auseinandersetzung mit der Umwelt, um sich als Ich zu bestätigen
und mit seiner Umwelt identifizieren zu können. Er braucht sie, damit sich die
Eigenaktivitäten seiner Sinnesorgane nicht zerstörerisch gegen ihn selbst
richten; er braucht sie, um zu überleben.
Nicht nur das Fehlen von Eindrücken führt zu körperlichen Reaktionen –
jede sinnliche Wahrnehmung hat körperliche Folgen. *

*("Sinn und Un-Sinn", Wulf Schneider)

Harmonie 13
Musik ist eine der göttlichen Musen, und Spuren ihrer Macht finden sich selbst
in den ältesten Zeugnissen menschlicher Kultur.
Schon vor 35 000 Jahren schnitzte sich der Homo musicus Flöten aus
Tierknochen. In ägyptischen Grabkammern findet man Bilder von Menschen
mit Harfen, Trommeln und Trompeten.
Es gibt Geschichten über wundertätige Musik, wie die der Posaunen, die die
Mauern der biblischen Stadt Jericho zum Einsturz brachten, den Gesang der
Sirenen in Homers Odyssee oder das Flötenspiel das die Ratten aus Hameln
lockte.
Die Musik ist ein komplexes Gebilde, das die Seele des Menschen an-
spricht. Aber hat sie wirklich Macht über Körper und Geist?
Jeder Mensch kennt die entspannende Wirkung von sanften Klängen oder die
Die Macht der Musik gesteigerte Wut bei aggressiven Rhythmen oder die Freude am Tanzen,
die sich bis zur Ekstase steigern kann. Musik bewegt oder beruhigt, Musik
macht fröhlich oder melancholisch, beeinflußt das menschliche Gemüt, aber
auch den Körper!
Musiktherapeuten machen sich dies zu Nutzen und setzen besonders
wirksam Kinderlieder, klassische Musik und „Gebärmutterklänge“, wie das
buddhistische „OM“ zur Behandlung ein. So ließ sich in einem Experiment mit
Kindern das Beruhigungsmittel Chloralhydrat nebenwirkungsfrei durch Musik
ersetzen*, die für die Synchronisation der Atmung, Förderung des Saugrhyth-
mus, Ablenkung von Schmerzen und eine Verbesserung der Immunreaktion
sorgte. Zudem wurde das Vertrauen in die Ärzte gestärkt.
Andere Studien zeigen, daß Parkinson – Patienten und Apoplektikern ein

Marsch im Walkman als „Schrittmacher“ beim Gehen hilft und die Erinnerung
an bekannte Lieder die Wiederaufnahme des Sprechens erleichtert.**
Musik stimuliert die Hormonausschüttung im limbischen System –
dem Zentrum für Selbstbelohnung im Zwischenhirn – und setzt körpereige-
ne Drogen frei. So erklärt sich auch der Motivationsschub beim Musizieren,
der selbst stundenlanges Üben vergessen macht.
„Kein Sport, keine andere Tätigkeit außer Sex lässt die Nerven derart in
Endorphinen baden – opiatähnliche Substanzen, die Glücksgefühle aus-
lösen und Wohlbefinden.“ ***
Diese Empfindungen dringen über das unwillkürliche vegetative Nerven-
system in jeden Bereich des Körper. Zeugen hiervon sind Herzschlag,
Muskelspannung, Tränen, Schauer am ganzen Körper (von Forschern be-
ziehungsreich „Hautorgasmus“ genannt).
Wer fühlen will, muß hören!
Diesem Slogan eines Radiosenders folgend nennen heute die meisten
Menschen „Musikhören“ oder „Musizieren“ als Lieblingsbeschäftigung. Vor
allem Jugendliche beschreiben eine Art der Abhängigkeit und geben an,
*(dreijähriges Experiment der Musiktherapeutin Joanne Loewy am Israel
Medical Center / New York)
ohne Musik nicht leben zu können.
Täglich wird - bewußt und unbewußt, im Privaten oder kommerziell
**(Michael Traut, Direktor des Zentrums für biomedizinische Musikforschung genutzt - Musik zur Beeinflussung von Stimmungen eingesetzt.
der Colorado State University berichtet bei Apoplexie- und In dieser Allgegenwärtigkeit wird die Kunstform, die die Seele des Men-
Parkinsonpationenten von einer Steigerung der Heilungsrate mit Musik von
schen stimulieren soll, als eine selbstverständliche Nebensache gesehen
10% auf 25%.)
und ignoriert, daß jeder Ton, den wir hören unseren Körper und unser
***(GEO 11/2003 S.70) Empfinden beeinflußt.

Musik 14
Die Macht der Musik

Hier einige Aussagen von Jugendlichen, denen in einem sument vollständig darin „aufgehen“ kann ... · Wenn ich auf meinem Bett liege, Klängen lausche die
Diskussionsforum im Internet* die Frage gestellt wurde: für mich so schön sind, daß ich weinen muß, dann kann
Was ist in der Musik, das sie so mächtig macht? · es gibt nichts Schöneres als seine Lieblingssongs zu ich nicht glauben das Menschen sie geschaffen haben.
hören und einfach auf dem Bett zu liegen und diese Wahrscheinlich ist sie für uns genau deshalb so
· Jeder kennt das, wenn einem ein Lied „unter die Haut Melodien den Raum ausfüllen zu lassen ... berührend, weil sie dem Künstler der Seele entspringt...
geht“. Diese Lieder wurden nicht für Dich oder mich ge- also ist sie in gewisser Weise übersinnlich...
schrieben, es sind Gefühle einer völlig fremden Person; · Es ist Dionysos, der Gott der Musik der uns in seinen
sie wirken auf jeden unterschiedlich, jeder verbindet Bann zieht! · Gitarre spielen ist für mich ein Sprachrohr meiner
andere Erinnerungen / Empfindungen damit. Dennoch Menschen haben Gefühle und haben auch den Wunsch Seele nach außen, um das auszudrücken, was ich nicht
vereint die Musik, ohne, dass man darüber reden muss. sie auszudrücken, das tun wir in Form von Kunst ... in Worte fassen kann.

· Das richtige Lied im richtigen Moment kann vor Rührung · es gibt Lieder, bei denen bekomme ich eine Gänse- · Wenn ich meine Lieblingslieder laufen lasse und sie
weinen lassen, vor Kummer zusammenbrechen, vor haut wenn ich sie höre, soviel Gefühl steckt darin. mitspiele, lebe ich in der Musik. Ich bin nur noch ein Teil
Freude jubeln, vor Wut schreien... Ich spiele auch selber Gitarre, es ist einfach befreiend, davon und wenn es vorbei ist dauert es eine ganze Weile
wenn man einfach nur ein Lied spielt, ich vergesse alles wieder in die „Realität“ zurück zukommen ...
· Es gibt Lieder, die ich nur einmal hören muss um dann drum herum, und gehe völlig in der Musik auf... sie lässt
Tage lang gute Laune zu haben ... mich meine Sorgen und Ängste vergessen, meine · Musik besitzt eine schon fast erschreckende Macht.
Freude steigern, sie beruhigt mich... Songs stimmen einen ruhig, sentimental, harmonisch,
· Ich könnte ohne Musik nicht leben. Musik ist für mich glücklich, andere aggressiv, nervös... wieder andere
die beste Droge die es gibt. Wenn ich auf einem Festival · Musik ist Kunst. Kunst ist die schönste Ausdrucksform, braucht man zum Nachdenken, ob ins Depressive oder
oder einem Konzert bin und die Menge und die Musik Einstellungen, Meinungen, aber auch Ängste etc. mit ins Euphorische...
auf mich wirken lasse, kann ich mich daran regelrecht einem kreativen Kleid zu ummanteln. Musik ist da, um die Welt mit dem Gehirn sowie dem
„besaufen“ ... Gefühl besser verstehen zu können.
· Wenn es mir mal nicht so gut geht und ich sauer bin, · Nicht meine Ohren hören, aber mein Geist ... Und wenn man dazu tanzt, lässt man oft Gefühle freien
setze ich mich eine halbe bis eine Stunde ans Klavier Ich öffne mein Herz, und genau dort spüre ich die Lauf, die man im alltäglichen Leben unterdrückt.
und dann wird’s meistens besser, weil man sich sehr auf Musik...
die Noten etc. konzentriert ... ...Musik die einem in die Knochen fährt. ... die einem Musik spricht aus und mit der Seele
unter die Haut geht, die einen durchzuckt wie ein
· für mich ist Musik ein Versuch des Interpreten etwas eiskalter, wohliger Schauer. Musik die der Seele wohl tut. · Musik ist das was andere für Gott halten...
so Schönes, Interessantes, Lustiges, Intelligentes, Mit- Es gibt Abende und Nächte, da sitze ich wie verzaubert
reißendes usw. zu erschaffen, daß es den ganzen da und mache nichts anderes, als ihr zu lauschen.
Horizont des Hörers zu füllen vermag, so daß der Kon- * Quelle: www.nachwelten.de
In einer sechsjährigen Langzeitstudie hat H.G. Bastian
(Frankfurter Musikpädagoge) die schulische Entwick-
lung musikalisch nicht vorgebildeter Berliner Arbeiter-
kinder begleitet und mit einer ohne Instrumentalunter-
Einfluß der Musik auf den Charakter richt aufgewachsenen Kontrollgruppe an derselben
Schule verglichen: Ein Anstieg des Intelligenzquotien-
ten um bis zu sechs Punkte, besonders im Bereich
räumlich-mathematischer Fähigkeiten, ließ sich alleine
auf die Musikförderung zurückführen, vor allem vor
dem achten Lebensjahr. Zugleich konnten die musizie-
renden Kinder auch ihren sozialen Status verbessern.
Die Wissenschaftler haben
herausgefunden, daß die Aber: Ein intellektuelles
graue Substanz in Leichtgewicht wird durch das
bestimmten Bereichen der Musizieren kein Genie, eben
Heschlschen Querwindungen so wenig, wie ein sozialer
bei ausgebildeten Musikern Was Instrumentallehrer ihren Außenseiter sein Wesen da-
bis zu 130 Prozent größer ist Schützlingen predigen - durch ganz verändern kann.
als bei nicht-musikalischen üben, üben, üben -, verändert
Versuchspersonen - das offenbar die Aktivitätsmuster
entspricht einem Unterschied der Großhirnrinde und
von einem Kubikzentimeter begünstigt die Verknüpfungen
Hirnmasse! der Neuronen.

Hazrat Inayat Khan in "Musik" "Einer der Gründe, weshalb die Musik eine himmlische Kunst genannt
wird ist, dass sie Musik hervorbringt in der Persönlichkeit dessen,
der sie liebt.
Ton und Rhythmus – die grundlegenden Elemente, aus welchen
Musik besteht – sind die einzigen Prinzipien dieser Schöpfung und
können an ihrem Anfang, ihrer Fortdauer und an ihrem Ende erkannt
werden.

Leute mit hohen oder mit tiefen Idealen, von freundlichem oder un-
freundlichem Wesen, zeigen den Unterschied in der Tonhöhe.
Ausgeglichenheit im Menschen, in seinen Gedanken, seiner Sprache
und seinen Taten zeigen den Rhythmus in ihm. Die gewinnenden
Persönlichkeiten der Welt lassen Musik erkennen in ihrer Stimme und
ihren Worten. Und schon bevor er ein Wort sagt, zeigt ein Mensch in
den Bewegungen seines Körpers Unwissenheit an, wenn sie unrhyth-
misch sind.

Vom Rhythmus des Atems hängt die Gesundheit ab. Dieser zeigt
sofort, dass Gemüt und Körper gesund sind, wenn er musikalisch ist,
oder unordentlich, wenn er unmusikalisch ist.

Alle Schönheit im Bereich der Natur, der Kunst oder der Persönlich-
keit ist stille Musik. Jede Seele ist auf diese Erde geboren worden, das
zu lieben, was schön ist, und die Schönheit ist ihre einzige Nahrung."

Musik 15
'Das Leben ist eine Symphonie,
und mit jeder seiner Taten in diesem Leben
spielt der Mensch
sein ihm eigenes Musikstück'
Das komplexe Gebilde Musik setzt sich zusammen
aus Melodie- und Rhythmus.

Rhythmus heisst die Unterteilung der Dauer es Musik-


Einzelteile der Musik stückes in zeitliche Einheiten. In anhaltend gleichen
Abständen erklingen einzelne oder mehrere Töne.
Darauf soll hier nicht vertiefend eingegangen wer-
den, obwohl auch Rhythmusinstrumente in verschie-
denen Tönen erklingen, die zueinander Intervalle er-
geben. Andererseits ist auch jede Melodie ist
rhythmisch gegliedert.
Beide Elemente sind also nicht streng zu trennen.

Melodie ist eine Folge von Tönen bzw. von Intervallen,


den Abständen zwischen den Tönen.
Die Intervalle sind zurückzuführen auf die verwen-
dete Tonleiter: in ihr ist festgelegt, wie sich die Töne
zueinander verhalten.

Die Entstehung der Tonleiter führt uns zu Pythagoras


und seinen Experimenten am Monochord. Er fand
die Töne, die zueinander gut klingen, die Abstände
zwischen diesen Tönen, und definierte diese.

Elemente der Musik, die in ihrer Zusammensetzung


Musik ausmachen:

Melodie (Melodik),
(gr. Weise) geschlossene Folge von Tönen, die durch
Rhythmus, Tonverlauf und Betonungsverhältnisse be-
stimmt ist, sanglich und in sich gegliedert, aus einzel-
nen Phrasen und Perioden bestehend; im allgemeinen
Sprachgebrauch Weise eines Liedes mit wiederkeh-
renden Motiven, Perioden, Variierungen

Harmonie ( Akkorde), Tonalität – Atonalität,

Rhythmen (Metrik),
Anordnung von Klängen in einem unentwegt zeitteilen-
den Schema, das einem Musikstück erst den eigentl.
Charakter verleiht;
zusammengefaßt in Metren (Metrik) und gegliedert in
Takte;

Musikelemente sind ferner Dynamik, Agogik;


Instrumentation bestimmt maßgeblich die Klangfarbe;

Musik 16
„Die Musik ist eine verborgene arithmetische Übung der Seele, die nicht weiß,
daß sie mit Zahlen umgeht.“ Leibniz
In der Musik (eigentlich in aller Kunst) kann man ein Phänomen
beobachten: Es gibt nur eine ganz begrenzte Zahl von musikalischen
Intervallen (das sind Zusammenklänge zweier gleichzeitig gespielter
Töne), die das menschliche Ohr als "schön" empfindet.
Pythagoras am Monochord Pythagoras stellte fest, dass es hier um Proportionen geht, die die
Die Musik macht einen Teil der menschliche Seele misst und miteinander vergleicht, und begann mit
pythagoräischen Wissensgebiete, der dieser Erkenntnis die Ursache des menschlichen Schönheitsempfin-
Mathemata (= Lehren) aus. Sie stellt dens zu ergründen.
die Lehre von der höheren Geometrie
der harmonischen Tonerzeugung in der Er zeigte, dass die Klangwelt "geometrisch geordnet" ist und jegliche
unsichtbaren Welt des Klanges dar. Tonerzeugung, jeder Klang nur verstanden werden kann, wenn
man die dadurch erzeugte geometrische Veränderung des
Raumes (oder besser: der Luft) betrachtet.

Die Welt der Schwingungen und Wellen erschloss sich ihm in folgen-
dem Experiment, welches Pythagoras an einem alten Instrument,
dem Monochord, ausführte:
Eine Saite wird auf einen länglichen Holzkasten gespannt, damit man
die durch die Schwingungen angeregten Töne lauter hören kann.
Die an beiden Enden befestigte Saite wird nun gezupft und es erklingt
ein Ton, der Grundton oder die Schwingung der "leeren" Saite.

Jetzt misst man die Länge der Saite, halbiert sie und drückt sie mit
einem Finger genau in der Mitte auf den Kasten. Zupft man erneut,
erklingt ein viel höherer Ton. Der Grundton und dieser Ton klingen
jedoch verblüffend ähnlich - fast wie ein Ton!
Die halbierte Saite bewegt sich mit genau der doppelten Anzahl von
Schwingungen - Verhältnis 1 : 2. Außerdem kann man feststellen,
dass beide Teile der heruntergedrückten Saite denselben Ton erzeu-
gen. Dieser Ton wird Oktavton zum Grundton genannt.

Legt man als nächstes den Finger genau an den dritten Teil der Saite
und zupft, geschieht etwas merkwürdiges: die beiden Saitenteile
rechts und links vom Finger schwingen nicht jeweils in einem Bogen,
sondern das längere Stück schwingt in zwei Bögen, die beide genau
die Länge des kleineren Saitenstücks haben.
Es klingen auf diese Weise zwei Teile von dreien (Verhältnis 2 : 3) auf
der einen Seite der heruntergedrückten Saite.
Wenn man den anderen, kürzeren Teil der heruntergedrückten Saite
(Verhältnis 1 : 3) anzupft, erklingt ein anderer Ton, der dem ersten
sehr ähnlich ist. Da ein Drittel genau die Hälfte (1:2) von zwei Dritteln
ist, erklingen die beiden Teile der Saite als Oktave.

Pythagoras fand auf diese Art der Saitenteilung Oktave, Quinte und
Quarte und konnte somit alle Töne der heute bekannten Tonleiter
errechnen.

Musik 17
"Musik ist eine höhere Offenbarung als alle Weisheit und Philosophie."
Ludwig van Beethoven
Formen und räumliche Proportionen, welche uns ansprechen, ergeben
Monochord = Einsait in der klanglichen Umsetzung auch ein schön tönendes Intervall. Mit
dem Monochord ist es möglich, Proportionen von Körpern, Pflanzen,
Insekten oder eines Grundrissplanes (Haus, Brücke, Kathedrale usw.)
zu vertonen.
Ebenso spannend ist es, Schwingungen von Farben in den hör-
baren Bereich zu oktavieren und somit Farbkombinationen zum
Erklingen bringen.

Das abgebildete "Mathematische Monochord" hat 16 gleichgestimmte


Saiten, seitlich eingelassen ein Maß-band und die Spektralfarben, was
das Experimentieren und "Sich - überraschen - lassen" erleichtert.

Die stufenlos verstellbaren Stege erlauben beliebige Tonleitern


einzustellen und auch ohne mathematischen Hintergrund oder
Absicht zu musizieren und zu improvisieren.

Geeignet ist das Instrument für den Grundlagenuntericht an Schulen,


Hochschulen, in der musikalischen Frühförderung, für Meditation und
Entspannung, sowie Therapie, oder für alle, die neugierig sind, und
selbst auf akustische Entdeckungsreisen gehen möchten.

Der spielerische Umgang mit dem


Instrument kann auch in Workshops
erlernt werden. Der Instrumentenbauer
Bernhard Deutz bietet Kurse zum
Monochordbau an.
Informationen unter:

Bernhard Deutz
KLANGWERKSTATT
Atelier für Saiteninstrumente

www.deutz-klangwerkstatt.de

Musik 17
Die Zahlen 1 bis 4
und was Pythagoras in Ihnen fand

Pythagoras entdeckte, dass die einfachen, regelmäßig


fortschreitenden Zahlenverhältnisse 1:2, 2:3, und 3:4,
wunderbarerweise den grundlegenden musikalischen
Intervallen Oktave, Quinte und Quarte entsprechen.
Zahlen regieren also auch die musikalischen
Harmonien!
Der Legende nach soll Pythagoras auf diese
Entdeckung gekommen sein, als er an einer Schmiede
vorbeiging; er hörte, dass sich bei den Hammer-
schlägen eine Quinte und eine Quarte ergab; er habe
daraufhin die Hämmer gewogen und die genannten
Zahlenverhältnisse herausbekommen.

Da die "Perfektion der Töne" durch Zahlen offenbart


werden konnte, war es auch möglich alle numerischen
Proportionen als Töne sichtbar zu machen.
Dies unterstützte auch die barocke Idee, dass Musik
eine Reflexion der göttlichen Ordnung war.
*(Pythagoras *im 5. Jhd.v.Chr.
Sohn des Goldschmiedes Mnesarchos auf der Insel Samos, bei Milet.
Lehrer des Tyrannensohnes, gewann viele Anhänger, sein Einfluss wuchs,
bis er schliesslich nach Kroton in Süditalien emigrierte.
Dort gründete er dann den Bund der Pythagoräer, eine sektenartige
Lebensgemeinschaft mit philosophisch - wissenschaftlicher Ausrichtung.
Die Anhänger teilten sich in zwei Gruppen: die Akusmatiker (gebildet vom
griechischen Wort für ‚Hören’: akuo), die von Pythagoras als schillernder
Persönlichkeit angezogen wurden und sich in der Befolgung der
pythagoräischen Lebensregeln übten, als Bewunderer und bloße Zuhörer.
Und die nach Erkenntnis suchenden Mathematiker (gebildet aus dem
griechischen manthano, lernen bzw. dem griechischen Begriff für Lehre:
mathema) Diese Gruppe widmete sich voll und ganz den pythagoräischen
Wissenschaften: Geometrie und Mathematik, Musik und Astronomie. Die
einzelnen Teilgebiete ergänzen sich stimmig zu einer Lehre von der
Harmonie des Kosmos - was übersetzt nichts anderes bedeutet als:
geordnetes schönes Ganzes.
Bei den so genannten pythagoräischen Mathematikern handelte es sich um
Adepten einer höheren Stufe der Einweihung, die nach Jahren des
Schweigens das Hören gelernt hatten und die nun bereit waren auch die
verborgenen, nicht hörbaren Harmonien zu erkennen.)

Musik 17
* aus Hans Kayser "Akroasis"

Musik 17
Pythagoras übertrug diese harmonikalen Gesetz-
mäßigkeiten, dann auch auf die seiner Meinung nach
beseelte Natur und die Biologie. Er entwickelte sogar
eine musikalische Heilkunde, die den Mensch in
einen harmonischen Einklang mit dem Universum
bringen sollte. Der gesamte Kosmos sollte sich also
nach Lehrmeinung des Pythagoras durch Zahlenver-
hältnisse darstellen lassen. Dabei handelt es sich in
auffälliger Weise nicht um mathematisch beliebige
Proportionen, sondern um harmonikal sinnvolle
Intervalle, ganzzahlige Verhältnisse – Klänge eben.

Pythagoras entdeckt die Beziehungen zwischen Zahlenordnung und Geräuschfrequenz.


Er experimentiert mit Glocken, Wassergläsern, Saiten und verschiedenen großen Pfeifen.
Sein hebräisches Gegenüber,Jubal, hämmert auf einem Amboß.

Musik 17
Sphärenharmonie
Seit alter Zeit ist die Musiktheorie durch
Anwendung und Erfahrung geprägt,
also durch empirische und durch ratio-
nale mathematische Berechnungen.

Von Pythagoras bis Euler, Keppler


(Keplers Sphärenmusik), Leibnitz und
Newton usw. es ist daher nichts neues
sich mit Musiktheorie zu beschäftigen.

Die gesamte Musiktheorie beruht auf der Entdeckung des


geometrischen Paradoxons der Welt der Schwingungen und Wellen.

Pythagoras zeigte, dass die Klangwelt "geometrisch geordnet" ist und jegliche
Tonerzeugung nur verstanden werden kann, wenn man die dadurch erzeugte
geometrische Veränderung des Raumes - oder besser: der Luft - betrachtet.
Deshalb sprach er auch von einer "Sphärenharmonie", einer himmlischen
Musik, die durch die geometrisch angeordneten Planeten bei ihrer
gemeinsamen Bewegung erzeugt wird und aus diesem Grunde nannten die
Pythagoräer die irdische Musik ein Abbild der himmlischen Harmonie.

Musik 18
Keplers Weltbild
Erläuterungen

Kepler war als Anhänger der neuplatonischen Philosophie überzeugt,


dass Gott die Welt nach harmonischen Prinzipien erschaffen hat, die
der Mensch durch Anwendung geometrischer Regeln nachvollziehen
kann. Keplers harmonische Spekulationen beginnen 1596 im
"Mysterium Cosmographicum" und gipfeln 1619 in der "Harmonice
Mundi", die er als Krönung seiner Forschungen sieht.
Kepler erklärt jegliches Harmonieempfinden durch die Erregung
von Urbildern in der menschlichen Seele. Diese Urbilder sollen
gleich den Harmonien aus Zahlenverhältnissen aufgebaut sein, die
durch Einbeschreibung regelmäßiger Vielecke in einen Kreis
zustande kommen. Kepler glaubt, dass bei der Teilung einer Saite
höchstens sieben Wohlklänge entstehen können. Deshalb wählt
er sieben mit Zirkel und Lineal konstruierbare Vielecke aus, die er als
Bausteine aller musikalischen, astrologischen und kosmischen
Harmonien ansieht.
*(Johannes Kepler *1571 in Weil
der letzte große Astronom der abendländischen Kultur.
Studium an der Tübinger Universität, hörte Vorlesungen über Griechisch, Seine harmonischen Spekulationen führen Kepler zu wichtigen
Hebräisch, Astronomie, Physik. Ethik, Dialektik und Rhetorik.
Erkenntnissen. Zuerst gelingt ihm der geometrische Nachweis zweier
in Graz Lehrer für Mathematik und Astronomie
1601 in Prag Nachfolger des Kaiserlichen Hofmathematikers Tycho Brahe
bisher unbekannter Sternpolyeder. Seine wichtigste Entdeckung aber
1612 in Linz Anstellung als Landschaftsmathematiker und Kartenzeichner ist das Dritte Keplersche Gesetz:
Lehrer für Mathematik, Philosophie und Geschichte "Die Quadrate der Umlaufszeiten zweier Planeten verhalten sich wie
1630 starb Kepler 59-jährig auf einer seiner Reisen in Regensburg.) die dritten Potenzen ihrer mittleren Abstände."

Musik 18
Harmonice Mundi
"Des Weltbaus Harmonie
Dein tiefer Geist ergründet..."

Kepler schreibt in seinem Buch ‚De Harmonices Mundi’:

"Gebt dem Himmel Luft und es wird wirklich und


wahrhaftig Musik erklingen [...]
Das Planetensystem ist beherrscht von akustischen
Verhältnissen und so klingen die Akkorde des
Planentensystems."
"Die auf die Sonne bezogenen Tagesbögen der
Umlaufbahnen [bzw. die Aphele und Perihele] der
klassischen Planeten des Altertums lassen sich
komplett als harmonikale Beziehungen deuten."

Musik 18
"Die Sonne tönt nach alter Weise
In Brudersphären Wettgesang,
Und ihre vorgeschriebne Reise
Vollendet sie mit Donnergang."

Goethe in "Faust"

Musik 18
Die Klangfarbe eines Tones hängt von der Anzahl der mit dem Ton
mitschwingenden Obertöne ab.
Ein elastischer Körper schwingt nicht nur in seiner gesamten Länge,
sondern gleichzeitig auch in der Hälfte, dem Drittel, dem Viertel

Klangfarbe durch Obertöne seiner Länge usw., und so erklingen mit dem Ton auch verschiedene
andere Töne in unterschiedlicher Anzahl und Stärke.
Die meisten in der Musik verwendeten Töne bestehen aus einer
Grundschwingung und mehreren, aber gewöhnlich auch schwäche-
ren Obertönen. Unser Ohr nimmt aber diese Schwingungen nicht
einzeln wahr, sondern vermischt alle zu einem Klang. Alle Ober-
schwingungen zusammen ergeben das, was wir mit unserem Ohr als
Klangfarbe wahrnehmen.
Vergleicht man den Klang eines Klaviers mit dem einer Trompete, so
wird man in der Obertonreihe wesentliche Unterschiede feststellen;
sowohl die Frequenzen als auch die Intensitäten der Obertöne der
beiden Instrumente unterscheiden sich ganz wesentlich. Genau
diese Differenz ist es, die die unterschiedlichen Klangfarben bedingt.

Töne ohne Oberschwingung


haben im zeitlichen Verlauf
eine exakte Sinusform, kom-
men aber in der Musik selten
vor, weil fast alle Instrumente
Oberschwingungen erzeugen.

Musik 19
Schwingungsverhältnisse der Obertonreihe

Die Reihenfolge der Obertöne oder


Teiltöne, ist die unendliche Verviel-
fachung der Grundfrequenz (in Hz):
1f, 2f, 3f, 4f, 5f, 6f etc. ;
Die Intervalle zwischen den Obertönen
(1/2, 2/3, 3/4, 4/5, 5/6, 6/7, 7/8 usw.)
bilden Verhältnisse, deren arithme-
tische Abweichungen voneinander
regelmäßig kleiner werden
(1/1, 1/2, 1/3, 1/4, 1/5, 1/6, 1/7 usw.).

Anders gesagt lässt sich die Obertonreihe folgendermaßen


beschreiben: Auf dem Grundton erklingt als erster Oberton, die
Oktave; auf diese Oktave folgt eine Quinte, darauf die nächst höhere
Quarte. Dann folgt mit dem Teilungsverhältnis 4:5 eine große Terz,
und darauf dann eine kleine Terz mit dem Teilungsverhältnis 5:6 und
so weiter. Die Intervalle werden zwar immer kleiner, aber sie hören
nicht auf sich noch weiter vom Grundton zu entfernen.

Musik 19
Obertongesang
Zur Möglichkeit Obertöne zusätzlich zu
einem gesungenen Ton erklingen zu lassen

Es ist möglich mit Hilfe einer bestimmten


Gesangstechnik, diese Obertöne deutlich vernehmbar
zu singen. Zusätzlich zum Grundton lassen sich so mit
einiger Übung Obertonmelodien singen.

"Der erste Schritt ist es


einen Ton lange festzuhalten und zu beobachten.
Die Obertöne tragen das ganze Universum in sich.
Es ist vor allem eine Frage der Wahrnehmung;
nicht der Aktion, sondern der Kontemplation."

Obertonsänger Roberto Laneri

Musik 19
Tonsysteme
verschiedene Kulturen, verschiedene Musik

Innerhalb unseres westlichen Tonsystems kommt es in den Tonleitern


zu regelmäßig wiederkehrenden Tonverwandtschaften. Die Ähnlich-
keiten zwischen den Tönen sind hörbar. Die Verwandtschaft ist umso
enger, je einfacher das Zahlenverhältnis der Schwingungen zueinan-
der ist. Als fast identisch empfindet man die Oktave zum Grundton –
Schwingungsverhältnis 2:1.

Oktave und Quinte (3:2) werden in praktisch allen Musikkulturen


bevorzugt verwendet.
Welche weiteren Intervalle mit einfachen Schwingungsverhältnissen
benutzt werden, ist in verschiedenen Zeitaltern und von Kulturen zu
Kultur unterschiedlich gewesen.
Entscheidend ist: die Töne haben eine natürliche Ordnung (die
ganzzahligen, einfachen Schwingungsproportionen, die zu klaren
Regelmäßigkeiten führen);
unser Ohr erkennt dieses Phänomen, und wir bevorzugen diese
Ordnung gegenüber allen anderen komplizierten oder ungeordneten
Tonbeziehungen.

(allerdings spielen für den Tonsinn auch andere Schwingungsverhält-


nisse eine Rolle: vom Rauschen der Bäume bis zum Gongschlag...
schätzen wir auch weniger klar definierte Geräuschphänomene)

Musik 20
Stimmung

Mathematisch exakte Proportionen sind in der heutigen


westlichen Musik der Sonderfall. Das begründet sich
auf die wohltemperierte Stimmung der
Tasteninstrumente, bei der die Intervalle minimal von
den mathematischen Intervallen abweichen,
zugunsten der Spielbarkeit aller Tonleitern.

Musik 20
Wie entstanden die Tonsysteme?
Tonhöhen und Instrumente -
Vorlieben verschiedener Kulturen

Welchen Einfluss hat die Wahrnehmung von Intervallen auf die


Ausbildung von Tonsystemen und musikalischer Stimmungen?
Die Konsonanz (der Wohlklang) eines Intervalles ist keine absolute
und kontextunahängige Grösse, sondern auch beeinflusst von
sekundären Aspekten, wie Klangfarbe oder Hörerfahrung.
Hypothese: Konsonanz eines Intervalles ist quantitativ bestimmbar.

Musik 20
Ist berechenbar,
was wir harmonisch finden?
Energiegehalte von Intervallen

Durch die Funktion der "harmonischen Energie", abgeleitet von


Klarenz Barlows "Harmonizitätsformel" (auf die hier nicht näher
eingegangen werden soll) berechnetGeorg Hajdudie Energie von
Intervallen und Tonsystemen.

Basierend auf dem physikalischen Gesetz, dass Stabilität der


Zustand geringster Energie ist, kann man also durch diese
Formel die Stabilität eines Tonsystems oder Intervalls und somit
dessen Harmonizität zu bestimmen.
Diese Berechnungen zeigen, dass die Stärke des Tonhöheneindrucks
grossen Einfluss auf die Stabilität des Systems hat:
Bei niedrigen Tonhöhen ist die Pentatonik am stabilsten.
Bei hohen Tönen, die 12 stufige temperierte Stimmung.
Die äquidistante Pentatonik ist in verschiedenen Kulturen nachzuwei-
sen, in denen Xylophone und andere Instrumente mit verhältnismäßig
geringer Tonhöhenstärke vorwiegen.
Georg Hajdu schlussfolgert, dass die zunehmende Fixierung der
abendländischen Kultur auf die Tonhöhe zu einer Vorliebe für
*(das Experiment zur Energiebestimmung bei Tonsystemen heisst: “Low gewisse Instrumente geführt und die Entwicklung der
energy and equal spacing: the multifactorial evolution of tuning systems”) gleichschwebend - temperierten Stimmung nach sich gezogen hat.

Musik 20
Konsonanz und Dissonanz
Ob das gleichzeitige Erklingen zweier
Töne als Wohlklang (Konsonanz)
oder als Missklang (Dissonanz)
empfunden wird, hängt vom Frequenz-
verhältnis beider Töne ab.
Konsonanz tritt ein, wenn sich das
Frequenzverhältnis durch
ganze Zahlen kleiner als sieben
ausdrücken lässt.
Die beste Konsonanz ergibt demnach
die Oktave mit dem Verhältnis 2:1.
Konsonanz
Danach folgen: Quinte (2:3), Quarte
das als Wohlklang empfundene Zusammenklingen von Tönen, im
(3:4), Sexte (3:5), Terz (4:5) und kleine
Gegensatz zur Dissonanz. Die Konsonanz ist gekennzeichnet durch
Terz (5:6). Die Sekunde (8:9) und die
die Einfachheit der Schwingungsverhältnisse der beteiligten Töne,
Septime (8:15) ergeben Dissonanzen.
den Zusammenklang von mitschwingenden Obertönen und
Intervalltönen sowie den Fortfall von Schwebungen bei
Verschmelzung der Töne. Dies gilt am vollkommensten für die Oktave
(sowie theoretisch für den Einklang); ihr folgen dem Grad der
Konsonanz nach Quinte und Quarte, weshalb diese Intervalle auch
als „reine Intervalle“ bezeichnet werden, dann Terz und Sexte (die bis
ins 17. Jahrhundert als „unvollkommene“ Konsonanzen galten).

Dissonanz
das Zusammentreffen von einander widerstrebenden Tönen. Die
Dissonanz ist als spannungsgeladener Klang der Überführung in die
Konsonanz bedürftig, die dann als Entspannung in der Harmonie
erscheint. So erhält z.B. jeder konsonante Dur – Dreiklang durch das
Hinzutreten der großen Septime den Charakter eines dissonanten
Dominantakkords und wird damit zu einem wichtigen Mittel des
Übergangs in die Konsonanz einer anderen Tonart (Modulation). Die
Dissonanz ist dem Klangideal jeder Zeit wechselnd unterworfen.
Während früher sogar die (nichttemperierte) Terz als Dissonanz galt,
ist in der atonalen Musik der Begriff der Dissonanz völlig neu geprägt
und in mancher Hinsicht gänzlich aufgehoben worden.

Musik 21
Der Goldene Schnitt in der Musik
musikalische Harmonie

Das 1:1 – Verhältnis, welches Gleichheit bedeutet, wird Einklang oder unisono genannt.
Das 1:2 – Verhältnis, das den gleichen Ton, nur auf einer höheren Ebene produziert, wird
Oktave genannt, weil es alle acht Tonstufen des Tonsystems (die acht weißen Tasten der
Tastatur) umfasst. Die Griechen nannten dieses Verhältnis diapason: dia = durch, pason,
abgeleitet von pas oder pan = alles.
Der angenehme Klang des 2:3 – Verhältnisses wurde diapente von pente = 5 genannt; bei
uns heißt es Quinte, weil es fünf Intervalle umfasst.
Die Konsonanz des 3:4 – Verhältnisses hieß diatessaron von tessares = 4; bei uns ist es
die Quarte.
Das 2:3 = 0,666 – Verhältnis der Quinte kommt nun sehr nah an den Quotienten des
Goldenen Schnitts von 0,618... heran. Die Quarte ist identisch mit dem 3:4 – Verhältnis des
pythagoreischen Dreiecks. Die Oktave hat das 1:2 = 0,5 – Verhältnis eines aus zwei gleichen
Quadraten zusammengesetzten Rechtecks mit einer Diagonalen von der Länge Wurzel aus 5,
welche die Seitenlange zweier reziproker goldener Rechtecke ist.

Betrachten wir eine Tastatur, dann fallen uns sofort ihre harmonischen goldenen Proportionen
auf. Da sind acht weiße und fünf schwarze Tasten, und die fünf schwarzen Tasten sind in
Zweier- und Dreiergruppen unterteilt. Die Reihe 2:3:5:8 aber ist der Anfang der Summenreihe
des Fibonacci, in der die Quotienten sich alle auf den irrationalen und vollkommen
reziproken Quotienten 0,618 des Goldenen Schnittes zubewegen.

Jede Moll- und Durtonart hat ihre eigenen Dominanten und Subdominanten mit den
dazugehörigen Dreiklängen, und ihr Verhältnis zum jeweiligen Grundton entspricht wiederum
dem Verhältnis des Goldenen Schnitts. Die Dominanten beginnen und enden mit dem fünften
Ton der Tonleiter, die Subdominanten mit dem vierten.

Musik 21
Welche Töne machen die Musik?
Grundlagen derTonleitern

Die Musik verwendet aus dem unendlichen Tonvorrat


des Hörbereiches (zw. 16 und 16000 Hertz) nur Töne
in ganz bestimmten Abständen.
Innerhalb unseres westlichen Tonsystems kommt es
in den Tonleitern zu regelmäßig wiederkehrenden
Tonverwandtschaften. Akustisch bemerkbar sind die
Zusammengehörigkeiten oder Ähnlichkeiten zwischen
den Tönen. Die Verwandtschaft ist umso enger, je
einfacher das Zahlenverhältnis der Schwingungen
zueinander ist. Als fast identisch empfindet man die
Oktave zum Grundton – Schwingungsverhältnis 2:1.
Oktave und Quinte (3:2) werden in praktisch allen
Musikkulturen bevorzugt verwendet. Welche
weiteren Intervalle mit einfachen Schwingungsverhält-
nissen, ist zu verschiedenen Zeiten und in
verschiedenen Kulturen unterschiedlich gewesen.
Entscheidend ist: die Töne haben eine natürliche
Ordnung (eben diese ganzzahligen, einfachen
Schwingungsproportionen, die zu klaren Regelmäßig-
keiten führen); unser Ohr erkennt dieses Phänomen,
und wir bevorzugen diese Ordnung gegenüber allen
anderen komplizierten oder ungeordneten
Tonbeziehungen.

Musik 21
Tonleitern
Harmonische (diatonische) Tonleiter
Sie besteht aus acht Tönen. Je zwei Töne stehen in
bestimmten Frequenzverhältnissen.

Sie bestimmen die gesamte europäische Musik,


entstanden aus den Kirchentonarten des Mittelalters
und werden durch ihre jeweils charakteristischen Halb-
tonschritte definiert. Jede Skala umfasst den Umfang
einer Oktave, wobei der letzte und höchste Ton die
Oktavierung des Grundtons ist. Die sieben Tonschritte
sind je nach Tongeschlecht mit typischen Halbton-
schritten strukturiert.

Chromatische Tonleiter
Bei ihr sind die ganzen Intervalle in je zwei halbe
Intervalle aufgeteilt. Entweder wird der tiefere Ton
eines Intervalles um den Faktor 25:24 erhöht (das gibt
cis, dis, fis, gis, ais) oder die höhere Frequenz um den
Faktor 24:25 verkleinert (das gibt des, es, ges, as, b).
Die in beiden Fällen entstehenden Frequenzen
stimmen nicht überein; sie werden durch den Mittel-
wert ersetzt, dem man beide Namen zugleich gibt.
Die entstandenen 12 Halbintervalle besitzen kein
einheitliches Frequenzverhältnis. Deshalb ist diese
Tonleiter, obwohl sie die klangreinsten Intervalle (reine
Stimmung) hat, für Instrumente mit fester Stimmung
(Klavier, Orgel usw.) nicht brauchbar.

Musik 21
Proportion
Das Verhältnis der Teile
eines Ganzen zueinander

In der Architektur und der bildenden Kunst beschreibt der Begriff der
Proprotion Maßverhältnisse. Schon Baumeister des alten Orient und
der Antike beschäftigten die Verhältnisse von Gesamtbau und seinen
Bauteilen in ihrer Höhe, Breite und Tiefe. So wurde von den Griechen der
halbe untere Säulendurchmesser zum Ausgangspunkt der Proportion
genommen, alle übrigen Bauteile bildeten ein Vielfaches oder Bruchteile
hiervon (dazu wurde das Modul 30 partes unterteilt).
Für die menschliche Figur entwickelte Polyklet eine Proportionslehre.
Für die römische Baukunst wurde der von Vitruv anhand der
griechischen Tempelarchitektur festgelegte Kanon zur Vorgabe.
Antike und erneut Renaissance befassten sich auch mit der Anwendung
des Goldenen Schnittes. In der Kunst des Mittelalters stellten Quadrat,
Dreieck und Kreis grundlegende Verhältnismaßstäbe dar.

Proportion 22
Der goldene Schnitt
„Dass zwei Dinge sich auf eine schöne Art vereinigen
ohne ein drittes ist unmöglich. Denn es muss ein Band
zwischen ihnen entstehen, das sie vereinigt. Das kann
die Proportion am besten vollbringen. Denn wenn von
irgend drei Zahlen die mittlere sich zu der kleinsten
verhält, wie die größte zu der mittleren selbst und
umgekehrt, die kleinste zu der mittleren wie die mittlere
zur größten, dann wird das Letzte und Erste das
Mittlere und das Mittlere Erstes und Letztes, alles wird
also mit Notwendigkeit dasselbe, und da es dasselbe
wird, bildet es ein Einziges.“
PLATON

Proportion 23
Sectio Aurea
Die heute allgemein übliche Bezeichnung „Goldener Schnitt“ stammt
wahrscheinlich aus dem 19. Jahrhundert, aus der Verbindung des
mittelalterlichen „regula aurea“ (Regeldetrie) und der Keplerschen
Bezeichnung „sectio divina“.
Diese Proportionsbeziehungen wurden in unserem Jahrhundert
besonders durch den französischen Architekten Le Corbusier weiter-
geführt zur Entwicklung des Modulors, einer kontinuierlichen
Proportionsreihe in Goldenen – Schnitt – Verhältnissen.

* [Otto Hagenmaier, Der Goldene Schnitt]

Proportion 23
Konstruktion des Goldenen Schnittes

36
2,2
x

1,236 0,764
Major Minor
2

Proportion 23
18
0,6
6
2.23
Ö 5=
1

18
0,6

1
1 1

Oktave
Die Oktave (1:2) entspricht einem Rechteck, welches
aus zwei Quadraten gebildet wird, mit einer
Ö5 - Diagonalen, welche die Seitenlänge zweier
reziproker goldener Rechtecke oder eines Quadrats
plus zwei seitlichen goldenen Rechtecken ist.

Proportion 24
4

Quarte
Die Quarte (3 : 4) entspricht annähernd
einem Pentagon- Dreieck. 3:4 = 0,75.

Proportion 24
3 3

Quinte
Die Quinte (2 : 3) entspricht annähernd dem Verhältnis
der Seiten eines Pentagramm - Dreiecks.
2:3 = 0,66... ~ 0,618

Proportion 24
2 3

8
13

5
2
3
2:3 = 0,666... 3:5 = 0,6 5:8 = 0,625 8:13 = 0,615
8 ~ goldener Schnitt = 0,618

Von der Tastatur des Klaviers lassen sich die Proportionen in der Tonleiter
ablesen.
Die Halbtöne, die durch die schwarzen Tasten sichtbar sind und die
ganzen Tonschritte (weisse Tasten) weisen die Zahlenverhältnisse der
Fibonacci - Reihe auf.
2 : 3 : 5 : 8 : 13
In dieser Reihe ergibt die Summe zweier aufeinanderfolgender Zahlen immer
die nächste Zahl und der Quotient nähert sich stetig dem Goldenen Schnitt.

Proportion 24
„Die Grenze gibt dem Grenzenlosen Form.“

Pythagoras
Mit Hilfe der Proportionen regeln wir das Verhältnis der Teile zu dem
Ganzen, schaffen wir logische, notwendige Beziehungen, bei denen
Verstand und Augen gleichzeitig auf ihre Kosten kommen. Noch
wichtiger ist es, dem Unterschied zwischen Proportion und Dimension
nachzugehen. Die Dimensionen geben schlichtweg Höhe, Breite und
Oberfläche an, die Proportionen hingegen legen die Verhältnisse der
Teile nach einem immanenten Gesetz fest.
... Einem Botaniker wäre es ein Leichtes, zu erklären, dass es in
der gesamten Vegetation Proportionsgesetze gibt, die ein
konstantes Verhältnis der Teile zu dem Ganzen festlegen.
Proportion in der Baukunst Die auf Proportionen bezogene (Bau-)Kunst ist nicht auf das Befolgen
eines Kanons beschränkt und die Gesetze der Proportion sind nicht
etwa eine bloße Formelsammlung, zu deren Anwendung es nur ein
bisschen Kunstfertigkeit bedarf.
... die Proportionen in der Architektur sind keineswegs ein
unveränderlicher Kanon, sondern eine harmonische Maßstäblichkeit,
eine gegenseitig Abhängigkeit veränderlicher Teile, im Sinne des
gerade herrschenden Stils.
... Wir haben an anderer Stelle erläutert, dass bestimmte, aus der
Geometrie abgeleitete Gesetze bei den ägyptischen, griechischen,
römischen, byzantinischen und gotischen Baumeistern Anwendung
fanden, wenn es darum ging, sich ein Proportionsgesetz zu geben,
das auf die verschiedensten Bauwerke anzuwenden war; wir haben

dargelegt, dass solche Gesetze die Einführung neuer Formen


keineswegs behinderten, weil sie diesen Formen überlegen waren.
Sie vermochten die Beziehungen so zu lenken, dass die gleiche
Harmonie überall entstand, in Theben sowohl wie in Athen, in
Rom ebenso wie in Paris. Wir haben gesagt, dass den Proportionen
keinesfalls eine blinde Methodik zugrunde liegt, keine unerklärte oder
unerklärbare Formel, sondern eine Verhältnismäßigkeit zwischen
Fülle und Leere, zwischen Höhe und Breite, zwischen
Fassade und Oberfläche, eine Verhältnismäßigkeit, die sich der
Geometrie, deren Anwendung größte Aufmerksamkeit verlangt, ganz
verpflichtet hat und die dazu noch ganz variabel bleibt in Bezug auf
das Objekt, das entsteht.

Die Architektur, so sagen wir noch einmal, ist nicht der Sklave eines
hierarchischen Proportionssystems, sondern sie kann sich finden,
andere Proportionen schaffen und so die Anwendungsmöglichkeiten
der Geometrie unendlich variieren; denn die Proportionen sind die
Töchter der Geometrie, sowohl in der Architektur wie im Ordnungs-
gefüge der gesamten organischen und anorganischen Natur.

* [Philippe Boudon, Der architektonische Raum]

Proportion 25
A

G (4)
B

El Tajin, Mexico E (3) E (3)


Piramide de los Nichos
Nischenpyramide F

C (1.618)
D (2.618)
A (0.618)
B (1)
e f

a
e

b
f

a
a

c
c b
c b
e f

e
b
4d

c
a

f
g
5,5 d

d
3,69 4,29 4,297 4,30 4,297 4,29 3,69

h = 7,98 j = 12,894 h = 7,98

r = 12,277 s = 16,577 Parthenontempel, Athen


2 5

1
3

Neue Nationalgalerie, Mies van der Rohe

Proportion 25
Alles Lebendige ist proportioniert:
kein Maß an Pflanze, Tier und Mensch, das nicht mit
anderen Maßen seiner Gestalt in harmonischer Beziehung
stünde. Diesen Einklang erfahren wir als Schönheit.

Proportion 26
In Graz zeichnete Kepler am 9.Juli 1595 gerade eine Figur an die
Tafel, als ihn, wie er berichtet, ein Gedanke mit solcher Macht ergriff,
dass er das Gefühl hatte, den Schlüssel zum Geheimnis der
Schöpfung in Händen zu halten. Während er einem gleichseitigen
Dreieck Kreise ein- und umschrieb, erkannte er plötzlich, dass das
Verhältnis der Durchmesser der beiden Kreise (der äußere ist genau
zweimal so groß wie der innere) im wesentlichen dasselbe ist wie das
Verhältnis der Durchmesser der Bahnen von Jupiter und Saturn.
Diese Entdeckung brachte Kepler selbst auf eine neue Bahn. Er
entwarf ein Modell, in dem er die sechs unsichtbaren Sphären, deren
Drehungen den Bewegungen der sechs damals bekannten Planeten
entsprachen, so anordnete, dass jeder der fünf aus dem Altertum
bekannten regelmäßigen Körper eine der Sphären von innen, eine
andere von außen berührt.
(Die vollkommenen oder Platonischen Körper haben zueinander
kongruente, ebene Seitenflächen, die ihrerseits regelmäßige
Polygone sind. Kepler brachte sie in die Reihenfolge Tetraeder,
Würfel, Oktaeder, Dodekaeder und Ikosaeder. Die Platonischen
Körper sind bestimmt von den Proportionen des Goldenen Schnittes)
Tatsächlich ist dann das Verhältnis der Durchmesser der Sphären
fast genau dasselbe wie das der Planetenbahnen.

Keplers Modell erklärte, warum es sechs, und nur sechs, Planeten


gab – weil es fünf, und nur fünf, vollkommene Körper gibt – und
warum ihre Bahnen in diesem Verhältnis zueinander stehen. Das
ganze passte wunderbar zusammen. Nicht zum letzten Mal in seinem
Leben dachte Kepler, er habe Einblick in den Geist des Schöpfers
erhalten. Er veröffentlichte seine Erkenntnis 1596 in dem Buch
Mysterium cosmographicum, und dadurch wurde Tycho Brahe
auf ihn aufmerksam. *

* [D.L. und J.R.Goodstein, Feynmans verschollene Vorlesung]

Proportion 26
Proportion in unserer Umwelt
Bei Messungen in der Natur findet man erstaunlich oft
die Verhältnisse des Goldenen Schnittes, wobei aber
keineswegs bestritten werden soll, dass manches
organische Gebilde oder Wesen wenig oder überhaupt
keine Beziehung zur Goldenen Reihe zeigt.
Fest steht aber, dass da, wo uns die Natur infolge der
Schönheit ihrer Form oder harmonischer Maße beson-
ders befriedigt oder erfreut, meist die Verhältnisse des
Goldenen Schnittes nachweisbar sind.

So sind die Gebilde der Schneekristalle – um ein


bekanntes Beispiel eines Kristalls zu nennen – streng
geometrisch geordnet und bilden in ihrer Grundform
einen sechsstrahligen Stern. Diesen Stern finden wir in
jeder der vielen Spielarten der Kristalle wieder. Dass
dabei ungleiche Strecken häufig im Verhältnis de
Goldenen Schnittes stehen, dürfte für unsere weiteren
Betrachtungen wissenswert sein. Auch Pyrit, das
Eisenerz Schwefelkies, kristallisiert in einem nicht ganz
regelmäßigen Pentagon - Dodekaeder, einem von
zwölf Fünfecken begrenzten Zwölfeck.

Proportion 26
Am häufigsten begegnet uns das Fünfeck und das Sternfünfeck oder
Pentagramm.
In der Pflanzenwelt treffen wir diese Form am klarsten in der Blüte der
Akelei, in der Tierwelt beim Seestern an. Zahlreiche andere Blüten,
wie die Glockenblume, die Nelke, die Heckenrose, die Lindenblüte,
der Phlox und andere zeigen diese Grundform, ebenso wie diverse
Blätter, etwa das Himbeerblatt.
Sogar das Efeublatt, das große Unregelmäßigkeiten aufweist, zeigt
offenkundige Verwandtschaft mit der Fünfecksform.
Es scheint, als bemühe sich die Natur der idealen mathematischen
Akeleiblüte Grundform so nahe wie möglich zu kommen.

Efeublatt

Sehr oft lässt sich an Blättern und Blüten das Maßverhältnis des
Goldenen Schnittes nachweisen, so beim Blatt des Goldregens, der
Heckenrose
Alpengänsedistel, der Maiblume usw.
Das Schneeglöckchen ordnet seine Blütenblätter im gleichseitigen
Dreieck an, während uns die Blüten der verschiedenen Lilienarten
das zum Sechsstern verdoppelte gleichseitige Dreieck zeigen. Es ist
bekannt, dass die Bienenwabe aus vielen nebeneinander gefügten
reinen Sechsecken gebildet wird.
Auch das Quadrat lässt sich als Grundform vielfach in der Natur
nachweisen: so treffen wir es in der Verdoppelung als Achtstern bei
den Kreuzblütlern, bei Männertreu und Wiesenschaumkraut, und als
Achteck in seltener Regelmäßigkeit bei der Einbeere. Dagegen bildet
die ungefüllte Blüte der Dahlie einen achtstrahligen Stern.
Glockenblume

Proportion 26
„... Und die Blumen haben die Kathedralen geschaffen...
Die Kathedrale ist im Ebenbild der lebenden Körper erbaut.
Ihre Proportion, ihre Gleichgewichtsbeziehungen entsprechen genau
der Ordnung in der Natur.“

Auguste Rodin
Harmonische Teilung des
menschlichen Körpers Teilt man die gesamte Höhe einer stehenden Gestalt so, dass der
Minor oben, der Major unten angenommen ist, so trifft die Teilung in
den Nabel (Taille). Teilen wir den ebenso gefundenen Minor, also die
Strecke vom Scheitel bis zum Nabel, abermals und wiederum so,
dass der Minor oben liegt, so ergibt sich als neuer Minor die
Kopfhöhe, als Major die Strecke vom Kinnansatz zum Nabel. Dabei
ist allerdings zu sagen, dass der Teilungspunkt beim Mann fast
immer mit dem Nabel zusammentrifft. Bei der Frau trifft dies seltener
zu, da diese auf Grund ihrer physiologischen Aufgabe etwas anders
gebaut ist als der Mann. Zerlegt man bei der Messung der ganzen
Gestalt den Major nach oben, so trifft der Teilungspunkt in die Höhe
der Fingerspitzen, bei herabhängenden Armen. Nimmt man die
Entfernung vom Hüftgelenk zum Schultergelenk als Major an, so trifft
der obere Endpunkt den Scheitel; wird diese Länge jedoch
umgekehrt als Major angesehen, so trifft der untere Endpunkt in das
Fußgelenk. Wir haben hier also eine dreifache Goldene Reihe.
Weiterhin ist noch auffallend: Ellenbogen bis Handgelenk bildet den
Major zur ganzen Hand vom Handgelenk zur Mittelfingerspitze als

Minor. Die Hand bildet eine dreifache Goldene Reihe: 1. Mittelhand,


2. oberes, 3. mittleres, 4. unteres Glied des Mittelfingers. Auch bei den
übrigen Fingern lässt sich dieses Verhältnis feststellen. Die angefügte
Nebeneinanderstellung gibt weitere Teilungen an, wobei besonders
die Verhältnisse des Kopfes einen überraschend klaren Eindruck von
der Harmonie dieser Proportion dem Suchenden übermitteln werden.
Eigene Versuche und Messungen mit dem Goldenen Zirkel, am
normal gebauten Körper vorgenommen, werden dies bestätigen.

Proportion 27
a

Aphrodite von Kyrene a:b = b:c = c:d = d:e = 0,618


Proportion 27
Le Corbusier bringt in seinem Werk „Der Modulor“ den Menschen
in engste Beziehung zum Goldenen Schnitt und formuliert:
„Der Modulor ist ein Maßwerkzeug, das von der menschlichen
Gestalt und der Mathematik ausgeht. Ein Mensch mit erhobenem Arm
liefert in den Haupt-punkten der Raumverdrängung – Fuß,
Solarplexus, Kopf, Fingerspitze des erhobenen Arms – drei Intervalle,
die eine Reihe von Goldenen Schnitten ergeben, die man nach
Fibonacci benennt. Die Mathematik andererseits bietet sowohl die
einfachste wie die stärkste Variationsmöglichkeit eines Wertes: die
Einheit, das Doppel, die beiden Goldenen Schnitte“.

Grundlagen für das ideale Menschen – Maß:


Scheitelhöhe 183 cm
Nabelhöhe 113 cm
Fingerspitzen bei erhobenem Arm 225 cm

Diese Maßverhältnisse legt er seinem „Modulor“ zugrunde, woraus


sich eine Reihe von Goldenen Schnitten ergibt.
Über diesen harmonischen Maßstab schreibt Einstein:
„Es ist ein Maßsystem, das das Schlechte schwierig und
das Gute leicht macht.“

Proportion 27
...und wozu?
Welchen praktischen Nutzen hat das Wissen
über Proportionen, Musik, Architektur und
Harmonik für den entwerfenden Studenten,
Innenarchitekten oder Gestalter?

Mit dem Modulor hat Le Corbusier eine


einzigartige Anleitung zur Verwendung der
harmonischen Proportionen des Menschen
in Architektur und Gestaltung geschrieben.
Der praktische Nutzen seiner Arbeit ist weit-
reichend dokumentiert worden.
Hier sollen weitere Beispiele gezeigt
werden, in denen harmonische Maße dem
Entwerfenden die Hand führten.

Anwendung 28
Layout harmonisch
Ein klassisches Anwendungsgebiet harmonischer Proportionen in der
Gestaltung ist das Drucklayout.
Schon handgeschriebene Bibeln aus dem Mittelalter waren in Blöcke
und Absätze unterteilt, deren Formen harmonisch miteinander und
zur ganzen Seite in Beziehung standen. Diesen Prinzipien folgt das
Layout noch heute - in Lehrbüchern wie in Frauenzeitschriften.

Anwendung 29
Das Wort Harmonie, abgeleitet aus dem griechischen
harmos = verbinden, beschreibt die Qualität
Ganzen, das verschiedene, oft kontrastierende, sich
in der Verbindung jedoch ergänzende Elemente eint.

Harmonie ist die Kunst Unterschiedliches oder


Entgegengesetztes in Einklang zu bringen.
Ob Töne und Klänge oder Farben und Formen, ob in
der Musik oder im Design:
Harmonie ist die Grundlage jeder ausgewogenen
Die tiefe innere Gemeinsamkeit Komposition.

Was ist Harmonie?

Hier wurde als Seitenformat das Doppelquadrat


gewählt, wodurch sich bei aufgeschlagener Doppel-
seite in der Gesamtform wieder ein Quadrat ergibt.
Die Drehung des Buches, aufgrund derer jetzt nicht
mehr zuerst die linke und dann die rechte Seite
Beachtung findet, unterstützt die Intention, die
Doppelseite als Einheit zu betrachten.
Durch die Unterteilung der Seite, z.B. entlang der
Diagonalen und der Mitte, entsteht ein Netz von Linien,
die alle mit der äusseren Form in Verbindung stehen.
An dieses Raster können nun Texte ihrer Länge nach
angepasst und an ihm ausgerichtet werden.

Anwendung 29
Das Wort Harmonie, abgeleitet aus dem griechischen
harmos = verbinden, beschreibt die Qualität
Ganzen, das verschiedene, oft kontrastierende, sich in
der Verbindung jedoch ergänzende Elemente eint.

Die tiefe innere Gemeinsamkeit


Was ist Harmonie?
Harmonie ist die Kunst Unterschiedliches oder
Entgegengesetztes in Einklang zu bringen.
Ob Töne und Klänge oder Farben und Formen, ob in
der Musik oder im Design:
Harmonie ist die Grundlage jeder ausgewogenen
Komposition.
Das Wort Harmonie, abgeleitet aus dem griechischen
harmos = verbinden, beschreibt die Qualität
Ganzen, das verschiedene, oft kontrastierende, sich in
der Verbindung jedoch ergänzende Elemente eint.
Die tiefe innere Gemeinsamkeit
Was ist Harmonie?
Harmonie ist die Kunst Unterschiedliches oder
Entgegengesetztes in Einklang zu bringen.
Ob Töne und Klänge oder Farben und Formen, ob in
der Musik oder im Design:
Harmonie ist die Grundlage jeder ausgewogenen
Komposition.
Harmonie in Serie

Michael Boehm ist einer der renommiertesten europäischen Glas-


designer. Er lebt und arbeitet in Berlin und Oberfranken und entwirft
nach harmonikalen Prinzipien. Er benutzt ein Monochord und Skalen,
wie die Nebenstehende.

1944 in Merseburg geboren


1959 - 1962 Ausbildung an Glasfachschule Hadamar zum Glasmaler
1962 - 1966 Studium der freien Malerei an der Hochschule für bilden-
dene Künste in Kassel bei Arnold Bode
1966 Bühnenbildassistent am Staatstheater Kassel und Beginn der
Zusammenarbeit mit der Rosenthal AG
1982 Lehrauftrag für Gestaltung an Fachhochschule Coburg
1992 Lehrauftrag für Glasentwurf / Glasdesign an der Burg
Giebichenstein Hochschule für Kunst und Design Halle, Fachgebiet
Keramik - Glasdesign
1998 Honorarprofessur daselbst

Anwendung 30
Die Ausstellung Form & Klang führt den Besucher in die Welt der
visuellen Harmonien, wo musikalische Intervalle ihre gläserne
Gestalt finden.

Form und Klang


Nach der Prämisse von Michael Boehm sind Form und Klang wesensverwandt.
Das vereinende Prinzip ist die Zahl, die entweder als Klang oder als Proportion
wahrgenommen wird. Nun entsteht weder das musikalische noch das
formgestalterische Meisterwerk durch beliebige, willkürliche Anordnungen von
Intervallen oder Proportionen. Dem Kunstwerk liegt eine präzise Gestaltung zu
Grunde, keine subjektiven Gefallenskriterien. So theoretisch diese Arbeitsweise
auch scheinen mag, die Entwürfe von Michael Boehm bleiben immer dem
Menschen verpflichtet. Das garantiert schon sein Anspruch an eine humane
Angemessenheit, die er erreicht, indem sich sein Grundmaß am Menschen und
der Erde orientiert.

Darüber hinaus finden Theoretiker die Erklärung für Ausgewogenheit und


Harmonie der ausgestellten Kollektion in den ebenfalls präsentierten
Werkzeugen des Gestalters selbst. Ein Monochord, ein Tonmessgerät mit
Maßstab, ist zu sehen, die Tonleiter als Lineal, verschiedene Maßtabellen,
Proportionszirkel und Kurzlineale mit harmonikalen Kurven.

Die Ausstellung “Form & Klang” war bis zum 5. Juni 2005 im Freiraum des
Museum für Kunst uns Gewerbe, Hamburg zu sehen. *

* (Quelle: Pressetexte des MKG, Hamburg)

Anwendung 30
Mein Design versucht,
die Gegenstände einer Gebrauchskultur als Einheit zu verstehen.
Es ist mein Bestreben,
Menschen wieder von der Schönheit des Glases zu begeistern.

Prof. Michael Boehm


Formen
Sich harmonisch entwickelnde Raster - hier
beispielsweise ein Kreisraster, in den Proportionen des
Goldenen Schnittes - können Grundlage oder Kontrolle
für den Entwurf bilden.
Im Beispiel entstehen Bögen oder Schnecken, die eine
sich öffnende und eine sich schliessende Seite haben,
was eine harmonische Dynamik vermittelt.

21 8
1
2,6

13 18
1,6
8
5 8
1
3 0,6
12

mi
no
r
Ma
jor

Anwendung 31
Durch das Studium der unterschiedlichen Proportionen
und Formen, so wie deren Wirkungen, kann man sich
einen eigenen "Vorrat" an harmonischen Elementen
zusammenstellen, die man frei verwenden kann, wie
einen Formenbaukasten (bestehend aus Vierecken,
Dreiecken, Vielecken, Kreisen, Kreissegmenten und
Ausblick Bögen, Parabeln, Spiralen, Winkeln... etc).

Die Proportionierung eine entscheidende Qualität des Schönen.


Zwar bestehen bis heute unterschiedliche Meinungen, ob ein proportionales
Prinzip aus sich heraus zur Form führen kann, oder ob es eher eine Methode
der Entwurfsprüfung und nachträglichen Ordnung darstellt, es ist jedoch
unstreitbar, dass das Wissen über harmonische Proportionen und die
Beschäftigung mit deren Wirkung eine große Hilfe für den Gestalter sind.

Anwendung 31
Aicher, Otl
Die Welt als Entwurf

Berendt, Joachim - Ernst


Nada Brahma - Die Welt ist Klang
Empfehlenswerte Literatur
Bindel, Ernst
Pythagoras

Bindel, Ernst
Zahlengrundlagen der Musik im Wandel der Zeit

Blundell - Jones, Peter


Hans Scharoun

Boudon, Philippe
Der architektonische Raum

Bürkle, Johann Christoph


Hans Scharoun und die Moderne

Doczi, György
Die Kraft der Grenzen

Fonatti, Franco
Elementare Gestaltungsprinzipien in der Architektur

Geo 11/2003
Macht Musik den Menschen besser?

Goleman, Daniel
EQ Emotionale Intelligenz

Goodstein, J.R.
Feynmans verschollene Vorlesung

Haase, Rudolph
Das Monochord

Hagemaier, Otto
Der goldene Schnitt

Hamel, Peter Michael


Durch Musik zum Selbst

Kandinsky, Wassily
Über das Geistige in der Kunst

Literatur 32
Kayser, Hans
Akróasis

Krier, Rob
Über architektonische Komposition

Le Corbusier
Der Modulor

Neufert
Bauentwurfslehre

Schneider, Wulf
Sinn und Un-Sinn

van der Ree, Pieter


Organische Architektur

von der Maas, Jan


Das Monochord

Literatur 32
Viel Dank gebührt Herrn K.D. Bodack, der mich mit der Erarbeitung des Themas "Harmonie und Proportion"
betraute und mir die Möglichkeit gab, einen Teil der Ausstellung "Organische Architektur" zu gestalten.
Ebensosehr danke ich Herrn Auwi Stübbe für die Betreuung während der Entwurfsphase.
Herr Bernhard Deutz gewährte mir Einblick in die Kunst des Instrumentenbaus, gab Anleitung zum Bau des
Monochords und ergänzte am Eröffnungstag der Ausstellung die Präsentation durch sein Wissen und seine
Hingabe zum Thema harmonische Proportionen. Vielen Dank.
Prof. Michael Boehm nahm sich Zeit, mir Einblicke zu gewähren, in sein praktisches Arbeiten und Entwerfen
mit harmonischen Proportionen. Seine bewusste und klare Sicht der formalen Dinge und die Stärke und
Schönheit seiner Entwürfe, bestärkte mich bei der Bearbeitung des Thema, wofür ich ihm sehr dankbar bin.
Mein Dank gilt auch Herrn K.H. Schönheit, der mir alles beigebracht hat, was ich heute über Musik und
Harmonielehre weiss.
Dank dem Architekturbüro Denkerzimmer und deren Unterstützung in Vorbereitung auf die Ausstellung.
Vielen Dank auch an das Team der Werkstatt der FH Coburg.
Ich danke Christine Döhner, Marko Eska, Markus und Nancy Preller, Karin Engelhardt, Sandra Culcu, Heike
Fürstenwerth, Susanne Wilcek, die sowohl tatkräftig, als auch mit Kaffee und guten Worten immer zur Stelle
waren.

Danke! 33
Die vorliegende Arbeit entstand als Vertiefungsarbeit
im Rahmen meines Innenarchitekturstudiums als
Vorstufe der Diplomarbeit.
Der Entwurf einer Klangstation als Teil der Ausstellung
"Organische Architektur" im Foyer des Berliner
Philharmonie wurde zur Grundlage des intensiven
Studiums harmonischer Proportionen.

Miriam Döhner
Innenarchitektur

Cottastrasse 35
07407 Rudolstadt

mereeam@web.de