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BARBARA ANN BRENNAN

Licht-Heilung

© GOLDMANN
Lesen erleben
Barbara Ann Brennan
I

IC
Der Prozeß der Genesung auf allen
Ebenen von Körper, Gefühl und Geist

Aus dem Amerikanischen


von Gabriele Kuby

GOLDMANN
Originaltitel: Light Ernerging- The Journey ofPersonal Healing
Originalverlag: Bantarn Books, NewYork
Illustrationen von Thomas J. Schneider und Joan Tartaglia

Deutsche Erstausgabe

fJ
MIX
Papier aus verantwor·
tungsvollen Quellen
FSC
-- FSC" C014496

Verlagsgruppe Random House FSC-DEU-0100


Das für dieses Buch verwendete FSC®-zertifizierte Papier
Super Snowbright liefert Hellefass AS, Hokksund, Norwegen.

12. Auflage
Deutsche Erstausgabe Mai 1994
© 1993 by Barbara Ann Brennan
© 1994 der deutschsprachigen Ausgabe
Wilhelm Goldmann Verlag, München
in der Verlagsgruppe Random House GmbH
Umschlaggestaltung: Design Team München
Umschlagmotiv: Thomas J. Schneider und Joan Tartaglia
Satz: Filmsatz Schröter GmbH, München
Druck und Bindung: GGP Media GmbH, Pößneck
Redaktion: Diane von Weltzien
Ba • Herstellung: Martin Strohkendl
Printed in Germany
ISBN 978-3-442-12222-6

www.goldmann-verlag.de
Inhalt

Einleitung: Ein neues Paradigma:


Heilen und der schöpferischeProzeß ____ ______ 9

Teil I
Ein Überblick über Heilen in unserer Zeit
Kapitel 1 Die Gabe des Heilens 15
Kapitel 2 Die vier Dimensionen der schöpferischen Energie_ 41
Kapitel 3 Eine neue Theorie des Heilens - Die holographische
Erfahrung 79
Kapitel 4 Das innere Gleichgewichtssystem 1 10

Teil II
Die Methoden des Heilens in unserer Zeit
Einleitung: Meine persönliche Erfahrung als Heilerin 129
Kapitel 5 Die Aufgabe des Heilers im Unterschied zur Aufgabe
des Arztes und Therapeuten 13 7
Kapitel 6 Das Heiler-Arzt-Team 162

Teil III
Die persönliche Erfahrung des Heilens
Einleitung: Zeit für mich ______ 193
Kapitel 7 Die sieben Stufen des Heilens 196
Kapitel 8 Die sieben Ebenen des Heilprozesses 2 16

Teil IV
Aufstellung eines Heilplans
Einleitung: Die Entwicklung des persönlichen Heilplans 241
Kapitel 9 Die Energien der Erde als Grundlage desLebens __ 243
Kapitell0 Der physische Körper als spirituelle Wohnstätte __ 277
Kapitel 11 Selbstheilung durch Liebe und Loslassen
von Perfektionismus 303
Kapitel12 Heilen durch bewußtes Gewahrsein 335

5
Teil V
Heilen und Bezieh ungen

Einleitung: Die Bedeutung von Beziehungen für die GesundheiL 365


Kapitell3 Die Schaffung von gesunden Beziehungen 366
Kapitel 14 Die drei Typen von Aurainteraktionen
in Beziehungen 402
KapitellS Beobachtungen von Aurainteraktionen
in Beziehungen 46 7

Teil VI
Heilen durch höhere spirituelle Wirklichkeiten

Einleitung: Integration der höheren spirituellen Aspekte


und tieferen Dimensionen in den Heilplan 569
Kapitell6 DerProzeß derFührung in unseremLeben 570
Kapitell? Intentionalität und die Raradimension 626
KapitellS Der göttliche Kern 664
Schlußfolgerung: Das neueParadigma 690

Anhang

Eine Heilsitzung mit Richard W. _______ 691


Bibliographie 702
Dieses Buch ist altjenen zugeeignet,
die auf dem Heimweg zu ihrem
wahren und göttlichen Selbst sind.
Einleitung

Ein neues Paradigma: Heilen und der


schöpferische Prozeß

Seit dem Erscheinen von Licht-Arbeit, meinem ersten Buch, habe


ich die Beziehung der Lebensenergien zu Gesundheit, Krankheit
und Heilung weiter untersucht. Die tiefere Frage, warum wir
überhaupt krank werden, hat mich zunehmend interessiert. Ge­
hört »Krankwerden« einfach zum Menschsein mit einem mehr
oder weniger tiefen Sinn dahinter? Inwiefern führt es zu Krank­
heit, wenn wir ein »normales« Leben in unserer Kultur leben? Ich
fragte mich, welche Lebensrhythmen für uns am gesündesten
wären. Welche Auswirkungen haben unsere alltäglichen Entschei­
dungen und Handlungen auf unsere Gesundheit? Welche Wir­
kung hat die Veränderung unseres Bewußtseins von einem Au­
genblick zum nächsten? Gibt es eine Beziehung zwischen Krank­
heit, Kreativität und evolutionärem Prozeß und wenn ja, welche?
Ich schloß meine Heilpraxis, um mehr Zeit für den Aufbau der
Barbara Brennan School of Healing zu haben. Ich beobachtete
weiter Energiephänomene sowohl in Seminar- und Gruppensi­
tuationen wie bei einzelnen Studenten. Während meiner Lehr­
und Vortragstätigkeit wurden mir sehr interessante Zusammen­
hänge offenbart. Mein Geistführer Heyoan hatte Anfang des
Jahres versprochen, Ausführungen über den schöpferischen Pro­
zeß zu machen. Als schließlich eine Reihe seiner Darlegungen in
schriftlicher Form vorlagen, erwiesen sie sich als völlig neue
Lehre über den Zusammenhang zwischen dem evolutionären
Plan der Erde, unserer Lebensaufgabe, Kreativität, Gesundheit
und dem, was Heyoan »leben in der Entfaltung des Augenblicks«
nennt.

9
Um das neue Material zu verstehen, ist es notwendig, von
einem neuen Paradigma auszugehen. Der Duden definiert »Para­
digma« als »Beispiel, Muster«. Es ist die Art und Weise, wie wir
die Welt wahrnehmen. Ein Paradigma ist ein allgemein akzep­
tierter Satz von Grundannahmen, die uns die Welt erklären und
uns helfen, Voraussagen zu machen. Diese Grundannahmen sind
uns so selbstverständlich, daß wir sie für Realität halten und nicht
mehr in Frage stellen. Sieht ein Fisch das Wasser?
»Die meisten unserer Begriffe von der Welt entstammen einer
Reihe von Grundannahmen, die wir für selbstverständlich halten
und die wir in der Regel nicht weiter hinterfragen« , sagt Werner
Erhard, der Gründer von Est und dem Forum-Training. »Diese
Annahmen akzeptieren wir als gegeben . Sie sind so sehr ein Teil
von uns, daß wir Mühe haben, uns so weit von ihnen zu entfer­
nen, daß wir darüber sprechen können. Wir denken diese An­
nahmen nicht, unser Denken beruht auf ihnen. «
Medizinische Paradigmen bestimmen, wie wir über unseren
Körper denken. Im Laufe der Zeit hat die westliche Medizin böse
Geister, Körpersäfte, Keime und Viren als die Ursache von
Krankheit gesehen und entsprechende Behandlungen entwik­
kelt. Mit dem Fortschritt der technologischen Entwicklung in der
Medizin und wachsender Erkenntnis über den Zusammenhang
von Geist und Körper verändern sich unsere medizinischen Para­
digmen. Neue Paradigmen eröffnen neue Möglichkeiten.
In der Vergangenheit hat man zwar einen Zusammenhang
zwischen Aura, Gesundheit und Heilung gesehen, aber dieses
Wesen war sehr »esoterisch«. Es war eine Mischung aus wirk­
lichen Beobachtungen, Annahmen und Phantasien. Heute
wächst unsere Erkenntnis über Bioenergie durch Forschungen
und Laboratorien und Kliniken, so daß die Idee eines direkten
Zusammenhangs zwischen dem menschlichen Energiefeld und
der Gesundheit allmählich Eingang in das westliche medizini­
sche Paradigma findet. In diesem Buch präsentiere ich eine neue
Betrachtungsweise von Gesundheit, Heilen und Krankheit. In
Teil I stelle ich den wissenschaftlichen Hintergrund des Handauf­
legens dar. Ich stütze mich dabei auf Theorien über das Energie­
feld und die Holographie.

10
In Teil II beschreibe ich, was ein Heiler für einen Menschen tun
kann und was er nicht tun kann, die Grundstruktur einer Heilsit­
zung und die Möglichkeiten der Zusammenarbeit zwischen Hei­
ler und Arzt. Es wird das Konzept des inneren Gleichgewichtssy­
stems dargestellt, einem automatischen, unbewußten System,
das dafür sorgt, daß wir in bester Verfassung sind, sofern wir
darauf hören. Teil II zeigt außerdem, wie wir unser Leben be­
schwerlich und unseren Körper krank machen, wenn wir unse­
rem Gleichgewichtssystem nicht Folge leisten.
In Teil III werden anhand einer Reihe von Interviews mit
Patienten die Stufen des Heilprozesses so dargestellt, wie sie sich
in seiner persönlichen Erfahrung vollziehen. Ich erläutere, was
der Patient tun kann, um den größten Nutzen aus diesem Prozeß
zu ziehen, und wie er zusammen mit dem Heiler und dem Arzt
einen Heilplan erstellen kann. Fallstudien zeigen, wie sich der
Heilprozeß im alltäglichen Leben entfaltet.
In Teil IV werden Heilpläne detailliert dargestellt wie auch sehr
wirksame Heilmeditationen und Visualisationen, die den Heil­
prozeß unterstützen.
Teil V beschreibt, welchen Einfluß - positiv und negativ -
menschliche Beziehungen auf die Gesundheit haben. Es wird
konkret gezeigt, wie gesunde Beziehungen geschaffen werden
können und welche Interaktionen im Aurafeld in Beziehungen
stattfinden. Es werden Wege aufgezeigt, wie wieder ein gesunder
Energieaustausch hergestellt werden kann.
Teil VI beschreibt die höheren spirituellen Wirklichkeiten und
die tieferen Dimensionen der schöpferischen Energien; es wird
der Zusammenhang zwischen Gesundheit, Krankheit und Heilen
und dem kreativen Prozeß dargestellt.
Anhang A dokumentiert eine Heilsitzung im Wortlaut. Anhang
B gibt eine Beschreibung der Barbara Brennan School of Healing,
in der Männer und Frauen zu professionellen Heilern ausgebildet
werden. Adressenlisten von Absolventen der Schule können an­
gefordert werden. Schließlich gibt die Bibliographie Hinweise für
ein vertieftes Studium.

11
Danksagung

Besonders möchte ich meinem Mann Eli Wilner für seine liebe­
volle Unterstützung danken und für die Ermutigung der natürli­
chen Entfaltung meines Entwicklungsprozesses.
Ganz herzlich danke ich den Lehrern der Barbara Brennan
School of Healing, die bei der Entwicklung des Materials, das in
diesem Buch zusammengefaßt ist, an meiner Seite waren, Ro­
seanne Farano für ihre treue Freundschaft, ihr offenes Zuhören
und ihren klaren Rat und den Mitarbeitern der Barbara Brennan
School of H ealing für die Vorbereitung des Manuskripts.
Teil I

Ein Überblick über Heilen


in unserer Zeit
»Eine neue Idee wird zunächst als lächerlich abgetan und dann als
trivial, bis sie schließlich zum Allgemeinwissen wird. «
WlLLIAM JAMES
Teil iii

Die persönliche
Erfahrung des Heilens
»Geburt und Tod der Blätter
sind Teil des größeren Kreislaufs,
in dem sich die Sterne bewegen.«

RABINDHANATH TAGOHE
Einleitung

Zeit für mich

Als ich regelmäßig mit Patienten arbeitete, wurde mir klar, daß es
für alle notwendig war, besser für sich selbst zu sorgen. Das
bedeutet, jeder muß einen großen Schritt tun und Verantwortung
für all die verschiedenen Lebensbereiche übernehmen, in denen
er Selbst-Fürsorge braucht. Die Prioritäten müssen neu definiert
werden, und der Patient muß lernen, sich und seine Gesundheit
an erste Stelle zu setzen. Das erfordert sehr viel Anstrengung,
weil Prioritäten neu vergeben werden müssen.
Zum Beispiel waren die Prioritäten von Krebspatientinnen auf
die Bedürfnisse anderer Menschen ausgerichtet, in der Regel auf
den Ehemann und die Kinder. Die meisten fühlten sich ständig
unter Druck, so schnell wie möglich ins Haus zurückzukommen
und für alles und jeden zu sorgen. Daß dieser Druck gewöhnlich
indirekt und »Unterirdisch« war, machte die Sache für die Klien­
tin nur schwerer. Die Familienangehörigen hatten die Einstel­
lung: »Wir wollen einfach, daß unser Leben wieder normal
wird.«
Menschen mit Herzproblemen und Erschöpfungserscheinun­
gen hatten der Arbeit oberste Priorität eingeräumt. Manche muß­
ten lernen, anderen zu vertrauen und Autorität zu delegieren.
Zum Heilprozeß gehörte es, sich zu fragen, warum ihnen Kon­
trolle so wichtig war. Sie stellten meistens fest, daß sie sich ohne
Kontrolle nicht sicher fühlten. Sie wurden mehr von ihrem Willen
als von ihrem Herzen gesteuert.
Um bei guter Gesundheit zu bleiben, müssen Sie sich allumfas­
send um sich selbst kümmern - das heißt in allen Bereichen und
allen Ebenen Ihres Lebens. Der Heilprozeß verlangt große Verän-

193
derungen. Es ist nicht so, daß Sie zu einem Heiler gehen, etwas in
Ordnung bringen lassen, um dann möglichst schnell »zum nor­
malen Leben« zurückzukehren. Stellen Sie sich lieber darauf ein,
daß Sie neues Territorium betreten werden, neue Wege , für sich
selbst zu sorgen, neue Lebensprioritäten, neue Beziehungen zu
Ihren Nächsten, Partner, Kindern und Freunden. Sie werden
nicht alles ohne weiteres hinnehmen, wie Sie sich das vielleicht
wünschen; es wird Reibungen geben, die zu überwinden sind,
unterschiedliche Auffassungen. Aber langfristig werden alle da­
von profitieren. Ihre Aufgabe ist es, an Ihrer eigenen Wahrheit
festzuhalten.
Vielleicht sagen Sie : »Das klingt absurd. Wie soll ich das tun?
Ich bin doch krank! Ich brauche Ruhe und Erholung. «
Meine Antwort ist, genau das ist jetzt die Zeit, die Sie sich selbst
gegeben haben, um das zu tun. Sie haben alles, was Sie dafür
brauchen. Wenn wir die verschiedenen Ebenen der Selbstfür­
sorge durchgehen und all die Dinge, die Ihre Aufmerksamkeit
brauchen, dann werden Sie entweder selbst dafür sorgen können
oder jemand finden, der Ihnen dabei hilft. Ihr genauer Heilplan
hängt natürlich davon ab , wie sehr Sie Ihr Kranksein in den
verschiedenen Phasen behindert. Halten Sie sich immer vor
Augen: Jetzt ist Ihre Gelegenheitfür große Veränderungen. Es ist
eine Zeit der Neuorientierung, der Betrachtung Ihres Lebens und
seines tieferen Sinns. Jetzt haben Sie die Zeit, es zu tun.
Wie Sie mit dieser Zeit umgehen, ist ganz Ihre Sache. Vielleicht
ist einfach nur angesagt, daß Sie wochenlang schlafen, um eine
tiefe Verbindung mit Ihrem Selbst 'aufzunehmen. Schlafen gibt
Ihnen Zeit für sich selbst, die Sie sonst vielleicht nicht finden
würden. Oder Sie nehmen sich Zeit, um Hilfe zu bitten - was Sie
vielleicht nie getan haben. Auf jeden Fall werden Sie einen Teil der
Zeit dafür benutzen, Ihr Wertesystem durchzuforsten. Die Verän­
derungen in Ihrem Wertesystem werden holographisch Ihr Le­
ben durchwirken und noch über Jahre hinaus für Wandel sorgen.
Wenn Sie sich auf diesen Weg machen, ist es praktisch, eine
Landkarte zu haben von den persönlichen E rfahrungen, die Sie
erwarten. Damit Sie Ihren Weg besser erkennen können, werde
ich den Prozeß des Heilens von zwei verschiedenen Gesichts-

194
punkten aus beschreiben. Der erste sind die sieben Stufen, die Sie
in Ihrem Heilprozeß durchschreiten. Der zweite sind die sieben
Ebenen des Heilens. Jede Ebene steht in Beziehung zu einer
Ebene des Aurafeldes der menschlichen Erfahrung.

195
Kapitel 7

Die sieben Stufen des Heilens

Bei der Begleitung vieler Menschen durch den Heilprozeß stellte


ich fest, daß dieser Prozeß nie in einer glatten Kurve zur Gesund­
heit verläuft. Meistens erleben die Menschen am Anfang eine
plötzliche Besserung. Später scheinen sie zurückzufallen. An
diesem Punkt stellen sie die Behandlung oft in Frage. Es scheint
ihnen dann, als ginge es ihnen schlechter als vorher. Ihr Energie­
feld zeigt aber deutlich, daß es ihnen tatsächlich bessergeht Die
Störungen im Energiefeld sind geringer, die Organe arbeiten
besser. Aber nun erlebten sie die noch verbliebenen Störungen
stärker. Manchmal werden die Schmerzen sogar schlimmer. In
Wirklichkeit können sie die Gleichgewichtsstörungen in ihrem
Energiefeld, die ihnen vorher als »normal« erschienen waren,
jetzt schlechter aushalten. Kurz gesagt, ihr Gesundheitszustand
ist besser.
Ich beobachtete auch, daß der Heilprozeß in ganz bestimmten
Phasen abläuft. Diese Phasen sind Teil des normalen mensch­
lichen Transformationsprozesses. Heilen erfordert außer der
physischen Veränderung Wandlung des Denkens, des Fühlens
und des spirituellen Erlebens. Jeder Mensch muß sich mit
seinen persönlichen Themen auseinandersetzen, die im Heil­
prozeß hochkommen, und sie in einem neuen Zusammenhang
begreifen.
Zuerst muß man sich eingestehen, daß man ein Problem hat,
und zulassen, das Problem zu erfahren. Man darf das Problem
nicht leugnen. Ich habe beobachtet, daß jedesmal, wenn jemand
der Meinung war, es gehe ihm schlechter, der Schleier der
Verdrängung ein Stück weiter aufgezogen wurde, so daß ein

196
weiterer Aspekt des Problems ins Bewußtsein trat. Oft glaubten
Patienten, sie seien wütend, weil es ihnen schlechter ging. In
Wirklichkeit waren sie wütend, weil noch mehr zum Vorschein
kam, mit dem sie sich befassen mußten.
Die meisten Patienten suchten dann einen Weg, es sich leichter
zu machen, suchten nach einem Schlupfloch. Sie sagten etwa:
»Ich habe jetzt genug daran gearbeitet« oder: »0 nein, doch nicht
das wieder.« Wenn die Person sich schließlich entschloß, tiefer zu
gehen, dann fand sie den Willen zur nächsten Runde. »Wenn es
denn sein muß, dann los.«
Heilen ist wie Therapie ein zyklischer Prozeß, der den Men­
schen in eine Spirale des Lernens bringt. Jede neue Windung
erfordert mehr Selbstannahme, mehr Veränderung auf dem tie­
fer und tiefer gehenden Weg in die Wahrhaftigkeit und Klarheit
des wahren Selbst. Wie weit und wie tief jeder geht, entscheidet
jeder vollkommen frei. Welche Reise auf der Spirale jeder von uns
macht, welche Landkarte er dabei benutzt, steht unserem freien
Willen anheim. Das ist richtig so, denn jeder Weg ist anders.
Jede Krankheit verlangt Veränderungen im Patienten, um Hei­
lung zu ermöglichen, und jede Veränderung bedeutet Aufgeben,
Ergeben, Tod eines Teils des Patienten- sei es eine Gewohnheit,
Beruf, Lebensstil, Glaubensüberzeugungen oder ein physisches
Organ. Als Patient und Selbstheiler werden Sie folglich die fünf
Stufen des Todes und des Sterbens durchleben, die Dr. Elisabeth
Kühler-Ross beschrieben hat, nämlich: Verdrängung, Wut, Feil­
schen, Depression und Annahme.
Dazu kommen noch zwei Stufen: Wiedergeburt und Schaffen
eines neuen Lebens. Sie sind der natürliche Ablauf des Heilpro­
zesses. Es ist von äußerster Wichtigkeit, daß der Heiler die Stufe
annimmt, in der sich der Patient befindet, ohne zu versuchen, ihn
herauszuziehen. Es kann zwar notwendig sein, ihn hinauszufüh­
ren, um physische Gefahr abzuwenden, aber das muß sehr sanft
geschehen.
Um die persönliche Erfahrung der sieben Stufen plastisch zu
machen, habe ich zwei Fälle ausgewählt, in denen zusätzlich zum
Handauflegen Operationen notwendig waren. An diesen Fällen
werden alle Aspekte des Heilens deutlich. Selbstverständlich geht

197
auch eine Person, an der nur mit Handauflegen und »natürli­
chen« Heilverfahren gearbeitet wird, durch dieselben Stufen.
Bette B . , die erste Patientin , ist ungefähr einen Meter fünfund­
achtzig groß , hat dunkelbraunes lockiges Haar, das mit grauen
Strähnen durchzogen ist, und hat eine sehr liebenswerte Persön­
lichkeit. Sie ist Krankenschwester und widmet sich mit Hingabe
dem Studium des Heilens. Bette ist siebenundsechzig Jahre alt
und Mutter zweier Kinder. Sie lebt in der Gegend von Washing­
ton, D. C . , mit ihrem Ehemann Jack, einem pensionierten Sicher­
heitsingenieur. Bette hatte früher Schmerzen, Schwäche und
Kitzeln im linken Bein gehabt, was 1954 zu einer Lähmung von
der Taille abwärts führte. Daraufhin waren zwei Bandscheiben
im Lendenwirbelbereich entfernt worden. Nach acht Monaten
persönlicher Heilarbeit, die aus Wassertherapie, Physiotherapie
und Gebet bestand, konnte sie wieder gehen - was die Chirurgen
nicht erwartet hatten. 1976 wurde sie wieder am Rücken ope­
riert; eine weitere Bandscheibe mußte entfernt werden, zusam­
men mit Narbengewebe und Knochensplittern . Sie ging in eine
Schmerz- und Rehabilitationsklinik zur Genesung. 1986 traten
wieder Symptome von Schmerz, Schwäche und Kitzeln im linken
Arm auf, und sie bekam Schmerzen im Hals. 1987 wurde Bette
wieder operiert, diesmal am Hals. Einige Monate danach hatte
ich mein erstes Gespräch mit Bette.
Karen A . , die zweite Patientin, ist eine große, schöne, brünette
Frau Mitte Vierzig; sie ist verheiratet und hat zwei Stiefkinder. Sie
hat keine eigenen Kinder. Karen ist eine erfahrene Therapeutin.
Auch ihr Mann ist Therapeut. Während ich dies schreibe, leben
sie in Colorado.
Karens Krankheit trat auf, als sie im Gebiet Washington, D . C . ,
lebten. I h r körperliches Problem begleitete sie schon seit der
Pubertät. Sie hatte im Unterbauch jahrelang chronische Schmer­
zen. Später wurde eine Fasergeschwulst im Uterus und Entzün­
dung des rechten Eierstocks diagnostiziert. Die E ntzündung und
die Schmerzen wurden schlimmer, und sie entschied sich für eine
Ausschabung. Der Heilprozeß führte sie in eine sehr tiefe Spirale
der Selbsterfahrung und des inneren Wachstums.

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Wir gehen jetzt einzeln durch die Stufen durch, um ihre wesentli­
chen Elemente zu beleuchten.

Die erste Stufe des Heilens: Verdrängung

Jeder hat zeitweise das Bedürfnis zu verdrängen. Wir versuchen


alle, so zu tun, als wären wir von der schwierigen Lebenserfah­
rung ausgenommen. Wir erhalten den Schein durch Verdrän­
gung aufrecht, weil wir Angst haben. Wir glauben, wir wären
einer Sache nicht gewachsen, oder wir wollen uns ihr einfach
nicht stellen.
Wenn Sie krank werden, dann flüchten Sie sich wahrscheinlich
nicht nur auf der ersten Stufe der Konfrontation mit Ihrer Krank­
heit in mehr oder weniger starke Verdrängung, sondern auch
später noch von Zeit zu Zeit. Verdrängung ist eine temporäre
Verteidigungshaltung, die Ihnen Zeit gibt, sich auf das vorzube­
reiten, was auf einer späteren Stufe kommen wird. Besonders
dann, wenn Sie harte Therapien brauchen, werden Sie über Ihre
Situation wahrscheinlich nur eine gewisse Zeit lang sprechen
können. Dann müssen Sie das Thema wechseln und sich ange­
nehmeren Dingen zuwenden oder sich sogar mit Phantasien
beruhigen. Das ist in Ordnung; es ist völlig normal. Da gibt es
etwas, vor dem Sie Angst haben, und Sie sind noch nicht vorbe­
reitet, sich damit zu konfrontieren. Geben Sie sich die Zeit, die Sie
brauchen.
Sie werden mit manchen Familienmitgliedern, Freunden und
medizinischen Helfern offen über Ihre Situation sprechen kön­
nen, mit vielen anderen j edoch nicht. Und das müssen Sie auch
nicht! Es hängt sehr davon ab , wieviel Vertrauen Sie zu jeman­
dem haben, und es ist sehr wichtig, daß Sie dieses Empfinden in
sich respektieren. Es hat auch viel damit zu tun, welche Gefühle
die anderen zu Krankheit haben, zu ihrem Körper und zu Ihrer
Krankheit. Vielleicht reagieren Sie auf das, was im anderen
vorgeht. (Professionelle medizinische Helfer müssen Klarheit
über ihre eigenen Reaktionen auf Krankheit haben, wenn sie mit
Patienten arbeiten. Ihre Einstellungen spiegeln sich immer im

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Verhalten der Patienten und sind von großem Einfluß auf deren
gute oder schlechte Verfassung. )
U m es noch einmal zu sagen: Verdrängung ist ein ganz norma­
les Verhalten. Verurteilen Sie sich nicht, wenn Sie feststellen, daß
Sie es tun. Wir tun es alle, nicht nur bei Krankheit, sondern in den
meisten Bereichen unseres Lebens. Wir schützen uns auf diese
Weise davor, etwas zu sehen, für das wir uns noch nicht reif
fühlen. Es ist ein Schutzsystern, das uns davor bewahrt, verrückt
zu werden. Wenn Ihr System merkt, daß es mit der Situation
umgehen kann, dann wird es die Verdrängung aufgeben.
Langzeitverdrängung hat einen hohen Preis. Aber man muß
freundlich und mitfühlend damit umgehen. Sie werden Liebe
brauchen, Selbstliebe und Liebe von anderen, um da hindurchzu­
gehen. Deswegen ist es wichtig, daß Sie sich mit Menschen um­
geben, die Sie lieben und denen Sie vertrauen. Öffnen Sie sich für
ihre Liebe und sprechen Sie sich aus, wann immer es möglich ist.
Bette verdrängte ihren Zustand, indem sie die Botschaften
ignorierte, die sie von ihrem Körper und ihrem Gleichgewichtssy­
stem bekam. Sie erinnert sich:
»Ich hatte Schmerzen in der Schulter und hinunter in den Arm
und Ellbogen und dachte: >Du wirst einfach ein bißchen alt, und
vielleicht hast du Arthritis. Denk einfach nicht dran, es wird
schon weggehen.< Beim Malen hatte ich Schwierigkeiten, meinen
linken Arm zu benutzen.
Das Problern mit meinem Arm kam und ging. Ich glaube, das
ging ungefähr vier Jahre lang so. In den letzten eineinhalb Jah­
ren, bevor ich schließlich zum Arzt ging, um dann operiert zu
werden, verloren meine Hand und mein Arm tatsächlich ihre
Kraft. Zum ersten Mal in meinem Leben mußte ich meinen Mann
bitten, ein Glas für mich aufzumachen. Ich leugnete meinen
Zustand immer noch, indem ich mir sagte: >Du hast ein bißchen
Arthritis in der Hand. Das ist alles. Mach dir keine Sorgen.<
Ich ignorierte auch die Schwäche in meinem Arm, weil die auch
kam und ging. Ich geriet wirklich in Panik, als ich plötzlich
Einkaufstüten nicht mehr tragen konnte. Aber ich erlaubte mir
nicht, die Panik lange zu fühlen. Ich wechselte einfach den Arm
und machte die Tüten sehr viel leichter.

200
Ich glaube inzwischen, daß dieses Verdrängen im Grunde
notwendig war, damit sich die Krankheit bis zu einem Punkt
entwickeln konnte, an dem sie >operabel< war. So scheint es mir
jedenfalls heute. Ich glaube nicht, daß man damals schon hätte
viel machen können. Sie hatte sich noch nicht weit genug entwik­
kelt. Hätte ich früher gewußt, was los war, wäre ich entsetzt
gewesen. Es war leichter, meinen Zustand zu leugnen, als zum
Doktor zu rennen, weil ich mir als Krankenschwester immer
gesagt hatte, daß ich wissen will, was mit mir los ist, bevor ich
zum Arzt gehe, anstatt ahnungslos hinzugehen und zu sagen: >Sie
sind der Doktor, was fehlt mir?< Ich wollte die Antwort zuerst
wissen.
Als Krankenschwestern war uns immer beigebracht worden,
daß viele Dinge nur im Kopf sind. Meine Angst war, glaube ich,
daß gerade weil ich eine Krankenschwester war und der Arzt ein
Gott, er sagen könnte, daß es alles nur Einbildung sei. Das war
schwer zu überwinden.
Während ich dies sage, geht mir auf, wie wichtig es damals für
mich war, selbst durch diese Dinge durchzugehen, anstatt zu den
Ärzten zu rennen und mir Hilfe zu holen. Ich glaube, der Sinn
dieser ganzen Erfahrung war, mir die Fähigkeit zu geben, das
Gefühl der Ohnmacht zuzulassen und mit anderen Menschen zu
arbeiten. «
Ich fragte Bette, was sie mit ohnmächtig meinte. Sie erklärte,
sie hätte lernen müssen, sich zu ergeben und sich dabei sicher zu
fühlen. Das wird klarer werden, wenn wir die sieben Stufen mit
ihr durchgehen.
Karens Verdrängung funktionierte auch so, daß sie Botschaf­
ten ignorierte , die sie von ihrem Gleichgewichtssystem in der
Form von Schmerzen bekam. Da sie Therapeutin war, ver­
brachte sie viel Zeit damit, die psychologischen Probleme zu
bearbeiten, die damit zusammenhingen. Leider stellte sich aber
schließlich heraus, daß dies auch eine Form der Verdrängung
war. Karen mußte sich mit ihrem Problem auf der physischen
Ebene auseinandersetzen.
Sie sagt:
»Ich glaube, daß ich die ganze Zeit verdrängt habe, bis ich mich

201
schließlich zur Operation entschloß. Meine Beschwerden waren
größer, als ich mir eingestehen wollte, und ich sagte mir ständig,
wenn ich noch daran arbeiten würde, dann wäre alles okay. Ich
würde mich selbst heilen. Die Form, die das Verdrängen bei mir
annahm, war mein Versuch, alles therapeutisch aufzuarbeiten.«
Hinter jedem Leugnen, hinter jeder Verdrängung steckt Angst,
Angst vor den Dingen, denen man aufgrund des Krankseins ins
Auge blicken und die man bewältigen muß.
Karen hatte Angst, daß sie sich nicht selbst würde heilen
können. Sie hatte Angst vor der Krankenhauserfahrung und vor
dem physischen Ausgeliefertsein vor und nach der Operation. Sie
hatte sogar Angst davor, daß sie während der Operation sterben
könnte, obwohl es gar keine Frage gab, daß sie den Eingriff
erfolgreich durchstehen würde. Wegen dieser Angst schob sie die
Behandlung lange Zeit auf.
Bettes Ängste waren ähnlich:
»Ich hatte Angst vor der Operation, vor der Abhängigkeit von
anderen, weil Heilung nicht natürlich kam und ich mich operie­
ren lassen mußte. Eine andere Angst war, daß ich die Kreativität
meiner Hände verlieren könnte und dann nicht mehr fähig wäre
zu malen. Malen war eine so beruhigende, wunderbare und
schöpferische Erfahrung für mich, daß ich mehr Angst davor
hatte, nicht mehr malen als nicht mehr laufen zu können.«
Oft haben wir Ängste, die jeder Grundlage entbehren, aber
nichtsdestotrotz sind sie sehr real und machtvoll. Ob wir diese
Ängste nun irrational nennen oder sagen, sie kämen aus einem
früheren Leben, wie das viele Heiler tun, spielt keine Rolle: sie
müssen ernst genommen werden.
Bette: »Ich hatte Angst, daß mir der Kopf abgehackt würde,
wenn irgend etwas in meinem Hals nicht stimmte. Das machte
mir entsetzliche Angst. Es gab überhaupt keinen Anhaltspunkt
dafür, und doch überwältigte mich die Angst.
Ich mußte die Stufen Verdrängung/Wut/Feilschen und An­
nahme zweimal durchlaufen, einmal vor der Diagnose und das
zweite Mal, nachdem mir der Arzt gesagt hatte, ich müßte zum
Neurochirurgen. Als mir der Arzt das eröffnete, war meine Reak­
tion: >0 nein, bloß das nicht!<

202
Ich erinnere mich, wie mich mein Mann fragte : >Warum hast
du so viel Angst vor der Operation?< Und ich antwortete : >Ich weiß
nicht, warum .< Ich hatte schon zwei Operationen an der Wirbel­
säule , aber diesmal schien es, daß es mir an den Kragen ging. Ich
glaubte im Innersten tatsächlich, daß die Operation mein Leben
beenden würde.
Ich schob sie auf und auf und auf. Ich hatte einfach zu große
Angst. Ich kann mich an den Morgen erinnern, als ich das erste
Mal beim Neurochirurgen war. Wieder hatte ich diese Angst, mir
könnte der Kopf abgehackt werden.
An diesem Morgen stand ich aufund weinte bitterlich. Ich sagte
zu Jack: >Ich will nicht hingehen. Vergessen wir die ganze Sache.
Ich verkrafte das nicht. Warum muß mir das zustoßen?< Ich war
ein Bündel von Angst und weinte fünfundzwanzig Minuten, bevor
ich zu dem Neurochirurgen ging. «
Bette konnte i n ihrem Heilprozeß ihre Ängste i n der Gegenwart
ihres Mannes und ihrer Freunde zulassen. Das war wichtig für
sie, ob die Angst nun realistisch war oder nicht. Weil Bette ihre
Angst offen vor anderen Menschen ausdrückte, konnte sie sich
verwandeln. Die Angst transformierte sich in Wut, und Bette kam
zur zweiten Stufe des Heilens.

Die zweite Stufe des Heilens: Wut

Im Laufe des Heilprozesses kommt ein Punkt, an dem Sie die erste
Stufe der Verdrängung nicht mehr aufrechterhalten können.
Dann kommen höchstwahrscheinlich Gefühle wie Ärger, Wut,
Neid und Groll hoch. Sie werden fragen: »Warum ich? Warum
nicht Johann Knüppel, der Alkoholiker ist und seine Frau
schlägt?« Weil diese Art von Wut in jeder Hinsicht feh l am Platz
ist, werden Sie sie wahrscheinlich ziemlich wahllos auf Ihre
Umgebung projizieren : Freunde, Familie, Heiler, Ärzte - keiner
taugt etwas und alle tun das Falsche. Wenn Familienmitglieder
die Wut abkriegen, dann werden sie mit Kummer, Tränen,
Schuld und Scham reagieren und vielleicht sogar den weiteren
Kontakt mit Ihnen meiden. E rtragen Sie es; es ist eine der Stufen.

203
Diese Wut ist gut zu verstehen, denn Sie müssen Ihre Lebens­
aktivitäten unterbrechen und sich mit Unabgeschlossenem be­
fassen. Bei manchen wird es eine riesige Explosion geben wie bei
Bette, besonders dann, wenn Wut bisher nicht zugelassen wurde.
Als Bette die zweite Stufe erreichte, explodierte ihre Wut und
schlug alle Sicherungen durch.
Bette erinnert sich:
»Ich war sehr wütend. Ich war wütend auf Gott, weil ich dachte,
Gott hat mir die Lähmung meiner Beine geschickt und alles, was
damit zusammenhing, und meine Beine waren immer noch nicht
ganz normal. Und ich dachte: >Du kannst mir nicht außer den
Beinen auch noch die Arme wegnehmen, weil meine Arme zu
meiner Spiritualität und Kreativität gehören!«<
Wut war für Karen hingegen einfach nur eine Emotion. Karen
erzählt:
»Wut war einfach eins der vielen Gefühle, die durch mich
hindurchgingen. Wahrscheinlich war ich auch hin und wieder
wütend, je nachdem, wie schlecht ich mich fühlte, aber es war
keine ausgesprochene Wutphase. Zu verschiedenen Zeiten hatte
ich verschiedene Gefühle; dazu gehörte auch Wut, daß Men­
schen, die angeblich dazu da waren, mich zu heilen, es nicht
taten, oder auf einen der Ärzte, zu denen ich ging. Ich schwankte
zwischen Wut und dem Versuch, mit Gott einen Handel zu
machen.«
Karen bewegte sich also zwischen der zweiten Stufe der Wut
und der dritten des Feilschens hin und her.
Stellen Sie sich darauf ein, daß Sie am Feilschen weit größeres
Interesse haben werden, als Sie gedacht haben! Jeder tut es.

Die dritte Stufe des Heilens: Feilschen

Da Wut Ihnen nicht gebracht hat, was Sie wollten, werden Sie es
wahrscheinlich mit Feilschen versuchen, und zwar ganz unbe­
wußt. Sie werden sich bemühen, gut und lieb zu sein, damit Sie
bekommen, was Sie wollen. Die meisten Geschäfte werden mit
Gott gemacht und in der Regel geheimgehalten oder nur zwi-

204
sehen den Zeilen erwähnt, wie zum Beispiel das Angebot, das
Leben Gott zu weihen oder einer besonderen Aufgabe. Darunter
verbirgt sich meist ein unausgesprochenes SchuldgefühL Sie
haben vielleicht Schuldgefühle, weil Sie nicht öfter zu den Treffen
Ihrer religiösen Gemeinschaft gehen. Sie wünschen sich, daß Sie
sich »richtig« ernährt hätten, daß Sie die »richtigen Übungen«
gemacht hätten, daß Sie überhaupt »richtig« gelebt hätten. Es ist
sehr wichtig, diese Schuldgefühle wahrzunehmen und loszulas­
sen, weil sie nur zu weiterem Feilschen führen und schließlich in
die Depression. Finden Sie alle Ihre »Ich-hätte-Sollen« und lösen
Sie sie in weißem Licht auf. Oder übergeben Sie sie Ihrem Schutz­
engel oder Gott. Wenn Sie durch die sieben Stufen durch sind,
werden Sie wahrscheinlich leicht zu der Veränderung finden, die
Sie sich in Ihrem Leben wünschen, aber sie wird nicht aus Angst
erwachsen wie jetzt.
Bette wollte sich aus Ihrer Krankheit herausmanipulieren,
indem sie versuchte, irgend jemand anderen dazu zu kriegen, sie
in Ordnung zu bringen, wenn es nur nicht der Chirurg war.
»Ich wollte, daß mein Mann die Sache in die Hand nahm. Er
sollte mich beruhigen und sagen: >Das wird schon wieder.< Ich
glaube nicht, daß mir klar war, daß ich ein Geschäft zu machen
versuchte, aber ich weiß, daß ich zu mir sagte: >Wenn du mehr
meditierst, mehr Bäder machst, dich mehr massierst und weiter
mit dem weißen Licht arbeitest, dann wird es weggehen und du
brauchst keine Operation.< Ich wollte ein Mensch werden, der
sich ernsthaft der Meditation widmet, und hoffte, daß ich damit
vom Angelhaken meiner Krankheit loskäme.
Ich schwankte hin und her zwischen Einwilligung ins Unver­
meidliche und der Hoffnung, daß irgend jemand meine Wirbel­
säule in goldenes Licht hüllen und sich alles in Wohlgefallen
auflösen würde. Ich bat um Heilsitzungen, aber konnte sie nie in
meinem Terminkalender unterbringen. Ich erinnerte mich, daß
mir Ann (eine Frau, die mit ihr die Heilausbildung machte) anbot,
rüberzukommen, um Heilarbeit zu machen, und daß ich tausend­
undeinen Grund fand, warum es nicht ging. Ich vertraute ihr
nicht, ich vertraute niemandem, einfach deswegen, weil ich mir
selbst nicht traute.«

205
Karen wollte das Geschäft gleich mit Gott machen:
»Mein Feilschen kam von meinem inneren Kind, das sagte:
>Schau, Gott, du machst mich wieder gesund, und ich werde tun,
was du willst, wenn du mir diese Sache ersparst. Oder wenn ich
am Leben bleibe und alles überstanden habe (was nicht ernsthaft
in Frage gestellt war), dann werde ich ein Gelübde ablegen, daß
ich mein Leben der Heilung dieses Planeten widme, in welcher
Form auch immer.< Je mehr ich feilschte, um so deprimierter war
ich hinterher.«

Die vierte Stufe des Heilens: Depression

Depression ist der Gefühlszustand, den wir erfahren, wenn un­


sere Energie sehr niedrig ist und wir die Hoffnung verloren
haben, daß wir das, was wir wollen, so bekommen, wie wir es
wollen. Wir machen uns vor, daß es nicht so wichtig ist, aber es ist
uns wichtig. Wir sind traurig, aber wir wollen die Traurigkeit
nicht zulassen. Wir verfallen in Trübsinn und ziehen uns von
anderen zurück. Depression bedeutet, daß wir unsere Gefühle
»deprimieren«, das heißt unterdrücken.
Vom Gesichtspunkt des menschlichen Energiefeldes aus be­
trachtet bedeutet Depression, daß wir den Energiefluß abschnü­
ren, der durch unser Lebensfeld strömt. Ein Teil dieses Energie­
flusses steht mit Gefühlen in Zusammenhang. Deswegen meinen
wir mit Depression üblicherweise die Unterdrückung von Ge­
fühlen.
Es gibt drei Gründe für Depression. Einer ist Abwehr durch
Feilschen, wie oben beschrieben. Das heißt der Versuch, sich
durch Vermeidung zu heilen; dazu kommen Selbstvorwürfe we­
gen des eigenen Zustandes, anstatt wahrhaftiges Suchen nach
einer Lösung.
Der zweite Grund ist die Unterdrückung von Verlustgefühlen.
Jede Krankheit bedeutet, daß man etwas aufgeben muß, sei es
einen bestimmten Lebensstil, einen physischen Körperteil oder
eine schlechte Gewohnheit. Wenn Sie Ihre Verlustgefühle blok­
kieren, werden Sie depressiv. Wenn Sie sich erlauben, den Ver-

206
Iust zu fühlen und zu betrauern, dann hebt sich die Depression.
Trauer ist ein völlig anderer Zustand. Im Trauern darf das Gefühl
des Verlustes offen fließen, es wird nicht unterdrückt. Was immer
Sie verloren haben, trauern Sie darüber. Sie werden in Ihrem
Heilprozeß verschiedentlich durch Trauer gehen. Bleiben Sie bei
den Gefühlen des Verlustes, wann immer sie hochkommen. Das
wird Sie zur Stufe des Annehmens führen.
Ein dritter Grund für Depression sind harte Behandlung wie
Chemotherapie, Anästhesie und Operationen, die die Körperche­
mie aus dem Gleichgewicht bringen und den Patienten in Depres­
sion stürzen. Wenn der Körper sein physisches Gleichgewicht
zurückgewinnt, geht auch die Depression weg. Vom Gesichts­
punkt des menschlichen Energiefeldes aus betrachtet, . unter­
brechen, verlangsamen oder verstopfen harte Therapien und
Medikamente den normalen Energiefluß durch das Energiefeld.
Dadurch werden Sie depressiv. Wenn die Medikamente vom
Körper verarbeitet sind und der Energiefluß wieder in Gang
kommt, vergeht die Depression. Handauflegen verringert die
Zeit, bis das Energiefeld wieder geklärt ist, oft um die Hälfte, und
die Patienten kommen aus ihrer postoperativen Depression
schneller heraus.
Bettes Depression nahm die Form von Selbstvorwürfen an. Sie
zog sich in sich selbst zurück und weinte sehr viel.
»Ich hatte das Gefühl, ein schlechter Mensch zu sein. Wenn ich
mir mehr Heilung gegeben hätte, wenn ich meine Hausaufgaben
besser gemacht hätte, wenn ich mich Gott mehr zugewandt hätte,
dann hätte ich mich heilen können. Es schien fast so, als müßte
ich mich vollkommen aufgeben und mir meine Ohnmacht einge­
stehen, um jemand anderen die Arbeit tun zu lassen. Was
stimmte nicht mit mir? Ich würde nie eine Heilerin sein können.
Das war sehr, sehr bedrohlich, weil ich wirklich glaubte, daß ich
dazu bestimmt war, Heilerin zu sein, und ich glaube es immer
noch. Aber damals machte mir dieser ganze Heilprozeß sehr viel
Angst. Ich hatte sogar das Gefühl, daß ich keine gute Ehefrau
mehr war.
Es ist wirklich scheußlich, wenn dieses ganze negative Zeug
wieder hochkommt und du wieder zu diesem alten Gott zurück-

207
kehrst, an den du vor langer, langer Zeit geglaubt hast, und
meinst, du würdest bestraft, weil du nicht gut genug bist.
Ich mußte viele Dinge loslassen. Ich konnte einfach nicht im
Haushalt alles so erledigen, wie ich es wollte. Ich war unfähig,
mich auf die Hausaufgaben zu konzentrieren, die wir in der
Heilausbildung bekamen. Wir hatten verreisen wollen, aber ich
konnte es nicht, weil ich so viel Schmerzen hatte. Ich mußte mich
zu allem zwingen. Mußte mich zwingen, morgens aus dem Bett zu
kommen. Ich fühlte mich im Bett nicht wohl, aber noch schlech­
ter, wenn ich aufstand. Ich wußte wirklich nicht mehr, was ich
tun sollte. Ich vertraute mir selbst nicht mehr, aber auch keinem
anderen. Ich mußte eine Phase durchleben, in der ich Physiothe­
rapie machte, um zu sehen, ob mir das vielleicht helfen konnte,
aber es wurde nur noch schlimmer. Ich mußte also darüber
trauern, daß mir das nicht helfen konnte, bevor ich bereit war,
mich operieren zu lassen. Ein Teil von mir hoffte, daß es helfen
würde, ein anderer Teil wußte, daß es das nicht tat.
Und da ist noch etwas: Ich mußte darüber trauern, daß ich in
dieser Zeit meine Fähigkeit zu malen verloren hatte. Das war
wirklich sehr schlimm für mich, denn das war immer meine
Rettung gewesen. Es war eine Möglichkeit gewesen, Dinge zu
durchleben und dabei mit meiner Kreativität und meiner Spiri­
tualität in Kontakt zu sein. Ich konnte nicht malen, weil ich nicht
sehen konnte, und das war ein großer Verlust, ein weiterer
Verlust. Nach der Operation war ich sehr deprimiert, ich war
völlig unfähig, selbst irgend etwas für meine Heilung zu tun, ich
zwang mich nur, wenigstens ein paar Kassetten anzuhören.«
Karens Depression war auch voller Selbstverurteilung und
Selbstvorwürfen. Sie sagt:
»Meine Selbstvorwürfe machten mich einfach fertig. Ich hatte
das Gefühl zu versagen, weil ich mich nicht selbst heilen konnte.
Ich wußte nicht, ob es ein Aufgeben war, wenn ich zum Arzt ging.
Ich wußte einfach nicht mehr ein und aus.
Schließlich wachte ich eines Morgens auf und hatte wirklich
schlimme Schmerzen im Bauch auf der rechten Seite. Ich hatte
einfach das Gefühl, das halte ich nicht mehr aus. Ich wußte nicht,
ob es psychisch oder körperlich war oder zu welchem Doktor ich

208
gehen sollte. Zu meinem Gynäkologen wollte ich nicht. Ich war
wirklich am Rande, und da rief ich Sie an. Als Heyoan durch Sie
mit mir sprach, zeigte er mir eine Selbstverurteilung. Ich wußte
nicht einmal, daß ich mich verurteilt hatte. Das war der Wende­
punkt für mich. Ich konnte die Operation in ganz anderem Licht
sehen. Es schien, als würde ich dadurch meine Selbstvorwürfe
loslassen und dafür sorgen, daß meinen Bedürfnissen entspro­
chen wurde. Das wurde jetzt mein Thema. Nachdem ich mit
Ihnen gesprochen hatte, fiel etwas ab von mir, und ich rief einen
Arzt an und bekam gleich einen Termin. Ich entschloß mich zur
Operation, und von da an kam alles in Bewegung.«
Sobald Karen aufgehört hatte, sich selbst fertigzumachen und
sich zur Operation entschlossen hatte, wich die Depression und
sie gelangte zur Stufe der Annahme.

Diefünfte Stufe des Heilens: Annahme

Wenn Sie genügend Zeit und Energie hatten, die vorhergehenden


vier Stufen mit Aufmerksamkeit zu durchleben, dann gelangen
Sie auf eine Stufe, auf der Sie weder mit Wut noch mit Depression
auf Ihren Zustand reagieren. Sie haben die dazugehörigen Ge­
fühle zugelassen: Ihren Neid auf die Gesunden und Ihre Wut auf
die, die nicht mit Krankheit geschlagen sind. Sie haben über den
drohenden Verlust getrauert, den die Krankheit Ihnen abver­
langt. Sie möchten vielleicht allein gelassen werden oder auf
einer nicht verbalen Ebene des Seins kommunizieren, weil Sie
sich auf Veränderungen vorbereiten. Das ist die Zeit, in der Sie
sich auf einer ganz anderen Ebene kennenlernen werden, wo Sie
nach innen gehen und sich selbst neu begegnen. Sie stellen die
Werte in Frage, an denen Sie sich orientiert haben und die Ihre
Krankheit miterzeugt haben. Sie beginnen, Ihre wahren Bedürf­
nisse zu fühlen und nach seelischer Nahrung zu suchen, wie Sie
das vorher nie getan haben. Sie wenden sich neuen Freunden zu
und trennen sich vielleicht von alten, die zu der neuen Lebens­
phase nicht mehr passen. Sie nehmen die Veränderungen in
Ihrem Leben vor, die für Ihren Heilprozeß notwendig sind. Der

209
Prozeß beschleunigt sich. Sie fühlen sich sehr erleichtert, obwohl
vielleicht noch viel vor Ihnen liegt, um Heilung zu erlangen.
Nachdem Karen zur Annahme ihrer Krankheit gelangt war,
veränderte sich alles. Sie überprüfte alle Lebensbereiche dahin­
gehend, ob sie ihren Bedürfnissen entsprachen. Sie nahm ihr
Leben mehr in die Hand und richtete es an ihren wahren Bedürf­
nissen aus. Sie lernte, um das zu bitten, was sie brauchte.
Sie sagte: »Die Wahrheit zu sagen, die Wahrheit meiner Be­
dürfnisse, das war es, was mich befreite. E infach meine Bedürf­
nisse , ohne sie zu beurteilen. Sobald ich sie klar äußerte - man
höre und staune!-, wurden sie auch erfüllt. «
Für Bette war e s umgekehrt. Für sie bedeutete Annahme nicht
mehr Kontrolle, sondern tiefe Selbsthingabe, wovor sie sich im­
mer gefürchtet hatte . Im Laufe ihres Heilprozesses wurde das
Gefühl der Ohnmacht, das für Bette gleichbedeutend mit Schwä­
che gewesen war, zu einem Symbol für Stärke. Es bedarf sehr
starken Glaubens und großer Kraft, sich dem, was ist, hinzuge­
ben. Was ihr wie ein Zusammenbruch in Ohnmacht und Bedürf­
tigkeit erschien, wurde zu Selbsthingabe an Liebe und die höhere
Kraft, die in ihr wirkte und die sie umgab. Für sie kam das
Annehmen in mehreren Stufen. Zuerst vor der Operation. Sie
erinnert sich:
»Ich spürte tief im Inneren, daß es wichtig war, mich operieren
zu lassen. Ich mußte diese Erfahrung machen, erstens, um zu
lernen, mit anderen Leuten im Medizinbereich zu kooperieren
oder überhaupt mit anderen zu kooperieren. Ich durfte mich
nicht so auf meine Unabhängigkeit versteifen, mußte davon ab­
rücken, alles allein machen zu wollen.
Annahme ist nicht ein für allemal, sondern in kleinen, leichten
Dosen. Sie kam als: >Ja, Bette, du mußt diese Operation machen.
Es ist notwendig, daß du dich dem unterziehst, und du mußt es
tun.< Wirklich ins Krankenhaus zu gehen, war noch einmal etwas
anderes. Ich schwankte zwischen fast allen Stufen hin und her.
Wieder ging ich durch Leugnen und Verdrängung. Ich war wü­
tend. Außer einer Schwester mochte ich niemanden im Kranken­
haus. Es schien, als hätten sie alle viel zuviel zu tun. Gott sei Dank
standen mir gute Freunde bei.«

210
Die sechste Stufe des Heilens: Wiedergebu rt
Annahme und Heilen führten zur Wiedergeburt, einer Zeit, in der
Sie sich neu begegnen. Sie werden erfreut sein über den Men­
schen, den Sie vorfinden. Auf dieser Stufe brauchen Sie viel Zeit
für sich allein, um sich neu kennenzulernen. Es ist so wichtig, daß
Sie sich diese Zeit zugestehen. Vielleicht ziehen Sie sich zu einem
Retreat zurück oder gehen ein paar Tage fischen. Vielleicht
brauchen Sie auch ein paar Wochen oder Monate, in denen Sie
ganz für sich sind.
Im Prozeß der Genesung entdecken Sie Teile von sich, die lange
Zeit in der Tiefe verborgen waren. Vielleicht kommt etwas her­
vor, das Sie noch nie an sich gesehen haben. Es wird sehr viel
Licht in Ihnen frei werden. Betrachten Sie es; nehmen Sie seine
Schönheit wahr, seinen Duft, seinen Geschmack. Entzücken Sie
sich an Ihrem neuen Selbst. Sie finden neue Quellen in sich, die
bisher nicht an die Oberfläche kommen konnten. Vielleicht haben
Sie immer gefühlt, daß sie da waren, aber jetzt sprudeln sie
hervor. Es kann eine echte Wiedergeburt sein.
Ihr ganzes Leben, sowohl die Vergangenheit wie die Gegen­
wart, erscheint in neuem Licht. Das ist die Zeit, in der Sie Ihre
Geschichte neu schreiben. Sie verstehen jetzt, daß Sie Ihre Bezie­
hung zu vergangenen Ereignissen verändern können, um Sie zu
heilen. Es geschieht automatisch, weil Sie Ihre Lebenseinstellung
verändert haben. Sie haben den Bedeutungszusammenhang ver­
ändert, in dem Ihr Erleben steht. Das ist mit wahrer Heilung
gemeint.
Für Bette begann die Wiedergeburt mit Demut.
»Ich mußte erst von meinem hohen Roß heruntersteigen und
lernen, um Hilfe zu bitten; meine trotzige Abwehr wurde gerin­
ger, und ich fügte mich der Notwendigkeit, mit meinem Mann
und meinen Freunden zusammenzuarbeiten und von ihnen ab­
hängig zu sein. Ich mußte die Tatsache annehmen, daß ich nicht
alles allein machen konnte. Es fühlte sich gut an, daß mir so viel
Liebe und Fürsorge zuteil wurde. Es gab mir Wärme und Gebor­
genheit und Sicherheit.
Meine Heilung schreibe ich der phantastischen Arbeit des

211
Chirurgen zu, meiner Fähigkeit, mich selbst zu heilen, und der
Hilfe meiner Freunde in der spirituellen Gemeinschaft.
Ich habe nicht mehr so viel Angst davor, mich ohnmächtig zu
fühlen. Vorher war es, als wäre ich ein Schiff ohne Ruder.
Deswegen mußte ich stark sein . Es schien, als müßte ich isoliert
sein. Ich vertraute nicht darauf, daß mein höheres Selbst oder
eine höhere Kraft mich mit dem versorgen würde, was ich
brauchte. Ich mußte mir das mit meinem Willen verschaffen.
Jetzt ist es schön zu wissen, daß ich auf andere Menschen
vertrauen kann und daß ich mich nicht isolieren muß . Ich fühle
mich sicherer, mir selbst und anderen zu vertrauen.
Es stellte sich heraus, daß das, was ich für Ohnmacht hielt,
mich in Wirklichkeit mit der Notwendigkeit konfrontierte, mich
den höheren Kräften zu ergeben . Ich weiß, daß es eine universale
Kraft gibt, die mich mit allem versorgt, was ich brauche . Ich bin
ein Teil davon und sie ist ein Teil von mir . «
Auch Karen konnte während ihrer Wiedergeburtsphase alten
Erfahrungen neue Bedeutung verleihen. In der Phase des Feil­
schens war sie willens gewesen, alles zu erfüllen, was von ihr
verlangt würde, um den Planeten zu retten - ihr Leben dafür
hinzugeben. Als es zur Wiedergeburt kam, merkte sie, daß dieses
Angebot aus Angst erwachsen war, so als würde sie sagen:
»Lieber Gott, rette du mein Leben, und dann widme ich mein
Leben der Rettung des Planeten. «
I n der Wiedergeburt kam sie z u dem tiefen Entschluß, erst sich
selbst zu heilen und dann den Planeten. So wird ein Schuh
daraus! Heilen beginnt zu Hause und durchwirkt dann den Rest
des Lebens auf diesem Planeten. Indem man sich selbst heilt, heilt
man den Planeten. Der Entschluß kam j etzt aus Liebe. Sie hatte
das Gefühl, daß der ganze Heilprozeß ihr half, sich auf das zu
konzentrieren, was sie als nächstes in ihrem Leben wollte und
brauchte. Sie sagt:
»Das Ergebnis der Operation war, daß mein Entschluß von
einer tieferen Ebene kam. Danach hatte ich wirklich den Wunsch
zu dienen, aber es fühlte sich nicht mehr wie Feilschen an. Was
mich am meisten begeistert, ist, Heilern zu helfen, ihre ganz
besondere Art des Heilens zu finden. Ich habe das Gefühl, daß

2 12
diese Stufe jetzt sehr wichtig ist, auf der ich mich frage, was mein
Lebenssinn ist, und auf einer tieferen Ebene Verantwortung für
mich übernehme.«

Die siebte Stufe des Heilens: Das Leben neu


schaffen

Ihr Leben wird sich durch und durch ändern, wenn Sie gesunden.
Es werden sich viele neue Möglichkeiten auftun, Veränderungen,
die Sie ersehnt haben, die aber blockiert und scheinbar uner­
reichbar waren. Sie werden aufrichtiger mit sich selbst sein und
zu einem neuen Grad der Selbstannahme gelangen, den Sie
vorher nicht in sich aufrechterhalten konnten. Diese inneren
Veränderungen . ziehen automatisch äußere Veränderungen
nach sich. Sie kommen aus Ihrer schöpferischen Kraft und durch­
wirken holographisch Ihr ganzes Leben. Sie ziehen neue Freunde
an. Sie wechseln entweder Ihren Beruf oder die Art, wie Sie an
Ihre Arbeit herangehen. Vielleicht ziehen Sie sogar in eine neue
Gegend. All diese Veränderungen sind gang und gäbe , wenn ein
Heilprozeß abgeschlossen ist.
Bettes Leben hat sich unglaublich verändert. Während ich dies
schreibe, sind zwei Jahre seit ihrer Operation vergangen. Im
ersten Jahr verbrachte sie den Großteil ihrer Zeit damit, sich
selbst zu heilen und ihr Leben neu zu orientieren. Sie hatte sehr
viel Angst abgelegt. Während des Heilprozesses hatte sie ihre
irrationale Angst, daß ihr der Kopf abgeschlagen würde, mit
einem früheren Leben in Frankreich in Verbindung bringen
können, wo sie unter die Guillotine gekommen war. Natürlich
kann das nicht bewiesen werden, aber die Tatsache, daß sie sich
dieser Möglichkeit öffnete und die Gefühle, die damit zusammen­
hingen, zuließ , löste sehr viel Angst auf. Während des Jahres der
inneren Neuorientierung füllte sich ihr persönliches Leben. Die
Beziehung zu ihrem Mann wurde enger. Ihr sexuelles Leben
wurde aktiver. Im reifen Alter von siebenundsechzig Jahren sagt
sie, daß ihr sexuelles Leben besser sei denn je! Ihr Ehemann ist
hoch erfreut.

2 13
Ungefähr zwei Jahre nach der Operation, 1990, eröffnete Bette
ihre Heilpraxis. Am Anfang hatte sie nur wenige Klienten; dann
begann es langsam zu wachsen. Ich riefBette einige Zeit nach der
Operation an, um das Interview mit ihr fortzusetzen. Ich fragte sie
nach den Veränderungen in ihrem Leben, die durch die Opera­
tion ausgelöst worden seien, und wie ihre Praxis laufe .
S i e sagte:
»Ich mußte es durchstehen, um diese schreckliche Angst zu
überwinden, daß ich sterben würde. Das hatte alles mit diesem
früheren Leben zu tun, als ich von der Guillotine geköpft wurde.
Jetzt habe ich dieses entsetzliche Geschehen noch einmal durch­
lebt. Ich habe Kraft gewonnen und kann jetzt sehr viel mehr
aushalten . Als ich bereit war, anderen Menschen zu helfen,
kamen sie von ganz allein und suchten Hilfe . Jetzt kommen sie
aus j eder Ecke. Jeder, dem ich helfe, bringt zwei Freunde, die
auch Hilfe brauchen.
Meine künstlerische Arbeit ist in den Hintergrund getreten -
ich habe kaum mehr Zeit dafür. Auch hat sie ihren Charakter
verändert. Meine Bilder sind sehr viel spiritueller geworden.
Alles hat eine neue Dimension. Es scheint so, als hätten sie nicht
nur meinen Hals ausgeräumt, sondern damit auch noch ein Stück
von dem - wie haben Sie es genannt? - dem Leichentuch, das
meinen Wesenskern umhüllt. Ich bin in einer ganz anderen
Dimension. Mein Leben hat sich verwandelt, alles bekommt jetzt
seinen richtigen Platz. Ich glaube, das Größte ist, daß ich anfange
zu verstehen, warum ich hier bin - nämlich um mich selbst zu
heilen und andere Menschen zu heilen, anderen dabei zu helfen.
Ich hatte immer das Gefühl, daß überall Grenzen waren, und jetzt
scheint es so, als wären diese Grenzen weg . . Es gibt keine Grenze.
Ich glaube, es ist meine Aufgabe, anderen Menschen die Erkennt­
nis zu ermöglichen, daß sie grenzenlos sind. «
Karens Leben veränderte sich auch, aber anders. Sie und ihr
Mann entschieden sich, ihre Therapiepraxis in Washington,
D. C . , aufzugeben und in die Berge nach Colorado zu ziehen. Sie
ließen sich viel Zeit, um sich von all den Freunden der letzten
fünfzehn Jahre zu verabschieden, verkauften ihr Haus und zogen
weg. Sie verbrachten die Wintermonate in Colorado mit Medita-

2 14
tion, Lesen und einfach sein, wie sie das in ihrem allzu geschäfti­
gen Leben an der Ostküste nie gekonnt hatten. Nachdem sie sich
ein Jahr Zeit gegeben hatte, ihren Träumen zu folgen, begann
Karen wieder eine Praxis in Colorado.

215
Kapitel S

Die sieben Ebenen des Heilprozesses

Wenn wir Bettes und Karens Erfahrungen untersuchen, die sie


auf ihrem Weg durch die sieben Stufen des Heilens machten,
dann finden wir zwei Schlüsselfaktoren für die Entfaltung dieses
Prozesses. Sie sind unverzichtbar, um den persönlichen Heilpro­
zeß so umfassend wie möglich zu machen.
Der eine Schlüssel ist die Erkenntnis, daß der persönliche
Heilpro zeß eine persönliche Lebenslektio n ist. Oft ist die Erfah­
rung von Krankheit von frühen Kindheitsvorstellungen gefärbt,
daß krank sein bedeute, etwas stimme nicht mit uns . Es ist
wichtig, zwischen den alten negativen Vorstellungen über Krank­
heit, mit denen wir aufgewachsen sind, und den inneren Erfah­
rungen zu unterscheiden, die wir während einer Krankheit
durchleben. Krankheit hat uns sehr viel zu lehren, wenn wir sie in
erster Linie als Lernprozeß begreifen . Da wir, wenn wir krank
sind, leicht in unsere alten engen Vorstellungen und Urteile aus
der Vergangenheit zurückfallen, ist es wichtig, die neue Betrach­
tungsweise, nach der wir zu leben suchen, nicht aus den Augen
zu verlieren. Ein Großteil der Heilarbeit besteht darin, immer
wieder die Entscheidung zu treffen, uns im Rahmen der neuen
Sichtweise der Wirklichkeit zu bewegen, auch wenn die alten
Stimmen noch so sehr »Gefahr! « schreien. Das Durchleben des
Heilprozesses bedeutet, daß wir uns an unsere ursprüngliche
Verbindung zu unserem tieferen Selbst »er-innern«.
Der zweite Schlüssel ist penible Ehrlichkeit mit sich selbst,
insbeso ndere, was die persönlichen Bedürfnisse angeht. Es ist
wichtig, sich die eigenen Bedürfnisse einzugestehen, .zu wissen,
daß es okay ist, Bedürfnisse zu haben, und sie sich bewußtzu-

2 16
machen. Das erfordert, nach den wirklichen Bedürfnissen zu
suchen. Viele von uns kennen einen Großteil ihrer Bedürfnisse
gar nicht. Sie auf allen Ebenen zu finden und ihnen gerecht
zu werden, ist ausschlaggebend. Geduld und Selbsterforschung
sind notwendig, um unsere wahren Bedürfnisse an den Tag zu
bringen.
Die Erfüllung unserer Bedürfnisse auf jeder Seinsebene ist von
großer Bedeutung im Heilprozeß, weil unsere unerfüllten Bedürf­
nisse direkt damit zusammenhängen, wie wir überhaupt krank
geworden sind. Erinnern Sie sich, daß wir in Kapitel 1 über die
Grundursache allen Krankseins sprachen, daß wir nämlich ver­
gessen, wer wir wirklich sind und dementsprechend handeln.
Unseren wahren Bedürfnissen nicht gerecht zu werden, ist die
direkte Folge dieses Vergessens. Teil des Heilprozesses ist es,
Spuren davon zu suchen , wie wir versucht haben, unerfüllten
Bedürfnissen zu begegnen, diese Bedürfnisse anzuerkennen, wie
schmerzhaft dieser Prozeß auch sein mag, und einen Weg zu
finden, wie sie jetzt erfüllt werden können - wann immer und wo
immer das geschehen kann. Die Unterbrechung des schöpferi­
schen Prozesses in uns ist mit unerfüllten Bedürfnissen und
Schmerz verbunden. Diese inneren psychischen Räume zu ent­
decken, führt den Bedürfnissen Lebensenergie zu. Die ursprüng­
liche, positive, schöpferische Intention zu erfüllen, die aus unse­
rem Wesenskern stammt, ist das, worum es beim Heilen geht.
Das »Leichentuch«, das unseren Wesenskern umhüllt, löst sich
auf, und wir leben in der Wahrheit unseres Seins. Die Bedürfnisse
des Augenblicks zu erfüllen , bringt uns in einen holographischen
Sog, in dem alle unerfüllten Bedürfnisse der Vergangenheit ge­
heilt werden. Wir gelangen zu unserem Grundbedürfnis: dem
schöpferischen Ausdruck unseres Wesenskerns.
Betrachten wir diesen Prozeß unter einem ganz praktischen
Arbeitsgesichtspunkt, den Ebenen des menschlichen Energiefel­
des und den Bedürfnissen, die ihnen entsprechen. In der Arbeit
mit Menschen stellte ich fest, daß jedes Bedürfnis einer spezifi­
schen Ebene des Energiefeldes zuzuordnen ist. Wie in Kapitel 2
dargelegt, ist das Energiefeld ein Ausdruck der physischen, emo­
tionalen, mentalen und spirituellen Ebenen des Seins. Jede

217
Ebene des Feldes gehört zu einer bestimmten Ebene der Lebens­
erfahrung. (Schema 8-1 gibt einen Überblick über die Bedürf­
nisse j eder Ebene.)

Schema 8-1 : Die Bedürfnisse aufden sieben


Ebenen des Aurafeldes

Eins Körperliches Wohlbefinden, Vergnügen und Gesundheit


Wir brauchen viele wohltuende körperliche Empfindungen

Zwei Selbstannahme und Selbstliebe


Wir brauchen eine liebevolle und positive Beziehung zu uns selbst

Drei Klares, lineares, rationales Verstehen der Situation


Wir brauchen rationale Klarheit, die harmonisch mit unserer
I ntuition zusammenarbeitet

Vier Liebevolle Interaktion mit Freunden und Familie


Wir brauchen Geben und Nehmen von Liebe in vielen verschie-
denen Beziehungen: Ehepartner. Familie, Kinder. Freunde,
Kollegen

Fünf Übereinstimmung mit dem inneren göttlichen Willen;


Entschlossenheit, die Wahrheit zu sagen und ihr gemäß zu
handeln
Wir brauchen unsere eigene, persönliche Wahrheit

Sechs Göttliche Liebe und spirituelle Ekstase


Wir brauchen die eigene persönliche Erfahrung von Spiritualität
und bedingungsloser Liebe

Sieben Verbindung zum göttlichen Geist und Verstehen des großen


universalen Zusammenhangs
Wir brauchen die Erfahrung heiterer Gelassenheit und der
eigenen Vollkommenheit inmitten unserer Unvollkommenheit

Die erste Ebene des Feldes hat, wie Sie sich erinnern, mit dem
Funktionieren unseres physischen Körpers und mit physischer
Empfindung zu tun. Das B edürfnis auf der ersten Ebene ist
Freude an einem gesunden Körper und all den wunderbaren
körperlichen Empfindungen, die dazu gehören. Zur zweiten
Ebene gehört die emotionale Beziehung zu uns selbst. Unser
Bedürfnis auf der zweiten Feldebene ist, uns selbst so zu lieben

2 18
und anzunehmen, wie wir sind. Zur dritten Ebene gehört die
intellektuelle Aktivität und die Klarheit, die sie uns verschaffen
kann. Unser Bedürfnis auf der dritten Ebene ist ein gut funktio­
nierender, beweglicher Intellekt und klares Denken. Zur vierten
Ebene gehört unser zwischenmenschliches emotionales Leben,
unsere Ich-Du-Verbindungen. Unser Bedürfnis auf der vierten
Feldebene ist es, andere zu lieben und geliebt zu werden in
vielfältigen Beziehungsformen zu Freunden, Familie, Kollegen,
Liebespartner.
Die vierte Ebene, der Ort des menschlichen Herzens und der
Liebe, wird als Brücke zwischen der physischen Welt gesehen, zu
der die ersten drei, rein menschlichen Ebenen gehören, und der
spirituellen Welt, zu der die drei folgenden Ebenen gehören.
Zur fünften Ebene des Feldes gehört die Macht des Wortes im
schöpferischen Prozeß. Sie dient als Matrix für Form auf der
physischen Ebene. Hier hat das gesprochene Wort formschöp­
fende Macht auf der physischen Ebene. Wenn Sie die Wahrheit
sprechen, erzeugen Sie Wahrheit und Klarheit in Ihrem Leben.
Wenn Sie nicht wahrhaftig sprechen, erzeugen Sie Verwerfungen
in Ihrem Leben. Unser Bedürfnis auf der fünften Feldebene ist es
folglich, wahr zu sprechen und in der eigenen Wahrheit zu sein.
Zur sechsten Ebene gehören spirituelle Gefühle wie das Gefühl
der Ekstase, das Sie vielleicht bei einer religiösen Zeremonie
erleben oder bei inspirierender Musik, bei einem Sonnenunter­
gang, auf einem Berggipfel in der Meditation oder beim Blick in
die Augen eines geliebten Menschen. Unser Bedürfnis auf der
sechsten Ebene ist spirituelle Nahrung, die zu spiritueller Erfah­
rung führt.
Die siebte Ebene des Feldes bezieht sich auf den göttlichen
Geist. Hebt sich Ihr bewußtes Gewahrsein auf diese Ebene und ist
diese Ebene klar, stark und gesund, dann sehen Sie in allem, was
ist, göttliche Vollkommenheit. Sie verstehen alle Teile des großen
Lebenspuzzles. Sie erleben selige Gelassenheit.
Es ist die Ebene Ihrer Glaubensüberzeugungen, von denen
einige in Übereinstimmung mit dem göttlichen Gesetz sind und
andere davon abweichen. Die negativen Glaubenshaltungen sind
die Quelle all Ihrer Probleme. Auf dem Boden dieser Glaubens-

219
sätze oder »Bilder« erzeugen Sie Krankheit, auf welcher Ebene
Ihres Lebens sie sich auch manifestieren mag - der physischen,
emotionalen, mentalen oder spirituellen.
Unser Bedürfnis auf der siebten Feldebene ist heitere Gelas­
senheit. Sie stellt sich ein, wenn wir das vollkommene Lebensmu­
ster auf der Erde verstehen, und wir verstehen es durch positive
Glaubensüberzeugungen, die auf Wahrheit gegründet sind.
Wenn wir Karens Prozeß betrachten, dann sehen wir daran,
daß durch die zwei Schlüsselfaktoren - den ehrlichen Umgang
mit den eigenen Bedürfnissen und der Annahme des Krankseins
als Lebenslektion, ja Lebensabenteuer - die Heilerfahrung zu
einem persönlichen Transformationsprozeß wurde und später
zu einem transzendenten Prozeß. Im Transformationsprozeß
arbeiten wir mit Introspektion, um herauszufinden, wie wir
unbewußt funktionieren.
Es ist manchmal schwer, wirklich ehrlich mit sich selbst zu
sein. Unsere Schwächen anzuschauen und herauszufinden, was
ihnen unterliegt, und sich für die Veränderung zu entscheiden, ist
schlichtweg harte Arbeit. Aber sie lohnt sich außerordentlich.
Wenn wir das Negative in uns aufdecken, dann machen wir damit
gleichzeitig den Weg frei für unsere ursprüngliche, positive,
schöpferische Kraft, die in dem negativen Aspekt entstellt war,
den wir jetzt verändern wollen. Der Transformationsprozeß be­
schenkt uns deswegen mit der Gabe unseres ursprünglichen,
wahren, klaren und liebenden Selbst.
Nachdem wir ein gutes Stück Transformationsarbeit geleistet
haben, hebt uns die freigewordene, ursprüngliche schöpferische
Energie automatisch auf die Ebene transzendentaler Erfahrung.
Wir können dann sowohl mit dem transformativen wie mit dem
transzendenten Prozeß beim Heilen arbeiten. Wir heilten nicht
nur unseren Körper und transformieren unser Leben, sondern
wir überschreiten die menschliche Schwelle zur transzendenten
spirituellen Erfahrung. Wenn wir das Weltliche transzendieren,
dann lernen wir, höhere spirituelle Werte den praktischen
Aspekten unseres Lebens einzuverleiben. Wir vergeistigen Mate­
rie. Wir bringen unseren Geist in die physischen Aspekte des
Lebens.

220
So sieht der Transformationsprozeß unter dem Gesichtspunkt
des Aurafeldes praktisch-persönlich aus: Um Heilung auf den
ersten vier Seinsebenen zu erlangen, müssen Sie Ihr tägliches
Leben in jedem dieser Bereiche verändern. Das erfordert, daß Sie
durch einen persönlichen Transfo rmatio nspro zeß gehen und
verändern, wie Sie für sich selbst sorgen (erste Ebene), wie Sie
sich selbst lieben (zweite Ebene), wie Sie Klarheit in Ihre gegen­
wärtige Lebenssituation bringen, so daß Sie sie besser verstehen
können (dritte Ebene), und welche Beziehungen Sie zu anderen
haben (vierte Ebene).
Um Heilung auf den oberen drei Ebenen zu erlangen, ist ein
persönlicher Transzendenzpro zeß erforderlich. Sie müssen sich
selbst transzendieren, sich ausdehnen bis in den Bereich dieser
höheren Werte und sie durch einen Akt des Mutes und des
Glaubens in Ihr Leben herunterholen. Sowohl in Bettes wie in
Karens Leben war es ein Sich-der-Wahrheit-Ergeben und der
Entschluß, gemäß den Einsichten zu leben, die sie aus der Ver­
drängung und Abwehr herausgeführt hatten. Beide ließen die
Einstellung los: »Es muß nach meinem Willen geschehen; ich
mache es allein . « Beide versuchten, eine bestimmte Lebenserfah­
rung zu vermeiden, die sie brauchten . Beide mußten sich einem
Aspekt von sich selbst stellen, den sie lange Zeit aus Angst
vermieden hatten. Indem sie sich mit ihrer höheren, inneren
Kraft verbanden, konnten sie ihren Versuch, die Situation zu
beherrschen, aufgeben und den tieferen Zyklen der Lebensver­
änderungen vertrauen, durch die j eder geht. S obald sich dieses
innere Ergeben einstellte, endete die Trennung des Selbst von
dem größeren, inneren »Ich-Bin«, das die Quelle des Lebens ist.
Und damit begann die Heilung.
Auf den höheren drei Ebenen des Aurafeldes verwandelt sich
der Transformationsprozeß automatisch in einen Transzendenz­
prozeß . Das heißt, Sie gelangen in Seinsebenen, die sich auf Ihr
spirituelles Wesen beziehen und nicht so sehr auf die materiellen
Seiten der täglichen Existenz . Im Transzendenzprozeß werden
Sie Teile von sich erkennen, denen Sie vorher nicht viel Aufmerk­
samkeit geschenkt haben oder die Sie nicht für wichtig hielten.
Sie werden eine ganz neue Welt in diesen Bereichen Ihres We-

221
sens entdecken. Sie werden erkennen , daß Sie viel größer sind,
als Sie dachten. Sie werden beginnen, das universale Hologramm
zu erleben. Dieser Prozeß ist automatisch und entfaltet sich in
j edem Individuum. Aber er entfaltet sich auch in j edem Indivi­
duum anders. Freuen Sie sich an Ihrer Entfaltung.
Die zweite Landkarte für Ihren Heilprozeß bezieht sich auf die
Bedürfnisse, die mit einer bestimmten Auraebene in Beziehung
stehen. Wir werden klären, welche Bedürfnisse zu den verschie­
denen Ebenen der Erfahrung gehören.

Transformation Ihrer Gesundheit


und Ihres Lebens

Der Schlüssel zu jedem Transformationsprozeß ist die klare und


feste positive Absicht. Das ist der erste Schritt, wenn Sie Verant­
wortung für Ihre Selbstheilung übernehmen. Bringen Sie sich
ganz klar mit Ihrem guten Willen, oder dem göttlichen Willen in
Ihnen, in Übereinstimmung, um Ihre Wahrheit zu finden, sie zu
sprechen und ihr zu folgen. Stellen Sie sicher, daß Sie sich Zeit
geben, um allein zu sein und darüber zu meditieren. Machen Sie
Ihre Meditation an einem besonderen Ort, und erkennen Sie an,
daß dies der Anfang der Veränderung Ihres Lebens ist. Meditie­
ren Sie, um den göttlichen Willen in Ihrem Innern zu finden, so
wie er in Ihrem Herzen spricht. Entschließen Sie sich ganz für
Ihren Heilprozeß . Dadurch bringen Sie die niedrigen Ebenen
Ihres Feldes, die mit dem physischen Leben zu tun haben, mit
den höheren spirituellen Ebenen Ihres Feldes in Übereinstim­
mung, so daß Sie der Matrix Ihrer höheren Kraft folgen. Sie
setzen »Wie-oben-so-unten« in Kraft. Ist das geschehen, können
Sie auf den niedrigen Auraebenen mit der Arbeit beginnen.
Es ist äußerst wichtig, daß Sie nicht einfach Medikamente
absetzen, nur weil Sie sich auf Heilen durch Handauflegen einge­
lassen haben. Suchen Sie nach der besten Möglichkeit, Arznei­
mittel einzusetzen. Lassen Sie die Urteile los, die Sie über irgend­
einen Heilweg haben. Karens und Bettes Erfahrung zeigen, wie
wichtig das ist. Beide brauchten eine Operation. Ihre Urteile

222
haben eine sehr negative Wirkung auf Ihren Heilprozeß und
können ihn zum Erliegen bringen. Carlos Castaneda zitierte Don
Juan, als er sagte: »Wähle einen Weg mit Herz . « Aus Bettes und
Karens Beispiel wird deutlich, daßallein der Akt der Selbstverur­
teilung das Herz entfernt. Alle Wege haben Herz. Sie können dem
Weg, für den Sie sich entscheiden, Herz geben, aber so bald Sie
sich wegen Ihrer Wahl verurteilen, nehmen Sie das Herz weg. Die
Bedürfnisse anzuerkennen, ihnen zu entsprechen und sich selbst
zu lieben, löst die Selbstverurteilung auf und öffnet den Weg zu
einem Weg mit Herz. Ja, Sie sind ein Mensch, und Sie haben
verschiedene Ebenen von Bedürfnissen. Wenn Sie sich Ihre Be­
dürfnisse erfüllen, dann werden Sie nicht so leicht in negative
Erwartungen rutschen (bezogen zum Beispiel auf ein Treffen mit
Ihrer Schwiegermutter oder eine Operation) . Noch werden Sie
mit Ihren negativen E rwartungen in einer Erfahrung so reagie­
ren, daß Sie ein weiteres Trauma schaffen. Sie heilen also in
Wahrheit Ihr negatives Bild und Ihr negatives Glaubenssystem,
das ja die Ursache Ihres Problems ist.
Karen machte eine höchst erfreuliche Entdeckung, nachdem
sie sich dafür entschieden hatte , ihre Bedürfnisse zu erfüllen.
»Was ich allmählich erkannte , war, daß ich auf allen Ebenen
Bedürfnisse hatte. Und als ich mich für die Operation entschied,
wurde mir ganz klar, daß ich alle Bedürfnisse ernst nehmen muß .
Mit dem Entschluß , nach meinen Bedürfnissen z u handeln und
damit auf der physischen Ebene anzufangen, wurden meine
Bedürfnisse sehr klar. Ich mußte ganz bestimmte Dinge tun, um
mich auf die Operation einzulassen und möglichst großen Nutzen
daraus zu ziehen.
Ich glaube , wenn die Leute wüßten, daß auch eine Operation
ihren Bedürfnissen entsprechen kann, dann würden sie sich
nicht so sehr dagegen wehren, besonders gewisse spirituelle
Leute, die etwas vom Heilen wissen. Manchmal hört sich das an
wie : >Pech gehabt, du mußt operiert werden.< Aber aus meiner
Sicht muß das nicht so sein. Je mehr Menschen ihre Bedürfnisse
verwirklichen, um so mehr können alle Bedürfnisse erfüllt wer­
den. Die Bedürfnisse sind so viel schöpferischer und vielfältiger,
als ich dachte. Die Kreativität liegt darin, sie zu erfüllen, aber

223
wenn du daran glaubst, daß sie erfüllt werden können, dann
kannst du Millionen Bedürfnisse haben und Spaß bei ihrer Erfül­
lung. Sie sind kein Problem. «

Die Bedürfnisse auf der ersten Auraebene

Auf der ersten Ebene geht es um einfache physische Bedürfnisse.


Es ist wichtig, daß Sie Ihre Umgebung bewußt gestalten und Zeit
und Ort für Ihre Aktivitäten so festlegen, daß Sie ständig an Ihren
Transformationsprozeß erinnert werden. So wenden Sie Ihre
Aufmerksamkeit von den alten, äußerlichen Definitionen von
Krankheit ab und richten sie mehr auf die Erfahrung des Heilens.
Wenn Sie sich Untersuchungen oder Tests bei Ärzten unterzie­
hen müssen, dann achten Sie darauf, daß es für Sie stimmt.
Achten Sie in Ihrem Verhalten darauf, sich nicht von Ihrer inne­
ren Lebensquelle abgeschnitten zu fühlen. Nehmen Sie die Situa­
tion auf sanfte Weise in die Hand. Sofern Sie nicht wegen eines
Tests nüchtern sein müssen, sorgen Sie dafür, daß Sie gut geges­
sen haben, um nicht in Unterzucker zu kommen. Ziehen Sie sich
mit Bedacht an, so daß Ihre Kleidung ausdrückt, wer Sie sind.
Wenn möglich wählen Sie die Tageszeit für den Arztbesuch so,
wie es für Sie am besten ist. Bitten Sie einen Freund, Sie zu
begleiten, falls Sie mit Testergebnissen konfrontiert werden, die
vielleicht ernst sein könnten. Wählen Sie die besten Ärzte, Klini­
ken und Laboratorien aus. Es gibt viele Möglichkeiten. Machen
Sie guten Gebrauch davon. Es ist wichtig.
Ein Grundbedürfnis auf der ersten Ebene des Aurafeldes ist,
daß Sie sich wohl fühlen. Umgeben Sie sich mit Dingen, die Ihnen
helfen, die Wirklichkeit vo n diesem neuen ho lo graphischen Ge­
sichtspunkt aus zu sehen, selbst wenn keine gleichgesinnten
Menschen da sind o der wenn Sie vergessen könnten. Sollten Sie
ins Krankenhaus müssen, dann nehmen Sie Bücher mit, die Sie
mögen und die Sie an die größere Wirklichkeit erinnern. Wenn
Sie Angst bekommen, dann öffnen Sie ein Buch und lesen Sie
etwas über Angst. Emanuels Buch von Pat Rodeqast ist dafür sehr
empfehlenswert. Falls Sie Kristalle und Musikkassetten mögen,
dann nehmen Sie sie mit, damit diese Dinge Sie daran erinnern,

224
wer Sie wirklich sind und was wirklich geschieht. Sie helfen
Ihnen, auf die tiefere Ebene konzentriert zu bleiben. Falls Sie
Kassetten haben, die Sie in veränderte Bewußtseinszustände
bringen, dann hören Sie sie. Endlich haben Sie die Zeit, herumzu­
liegen und Kassetten zu hören. Sie können mit solchen Kassetten
an wunderbare Orte gelangen. Falls Ihnen das Krankenhaus
bewußtseinsverändernde Medikamente gegeben hat wie Tran­
quilizer und Sedativa, dann machen Sie das Beste daraus und
betrachten Sie sie als Freifahrt zu anderen Bewußtseinszu­
ständen.
Nachdem Karen von ihren Freunden daran erinnert wurde,
daß sie die Wahl hatte, entschloß sie sich, ein Einzelzimmer zu
verlangen, und bekam es. Das war sehr wichtig für sie. Karen
brachte Musikkassetten und Kristalle mit ins Krankenhaus. Da
sie nicht auf eine besondere Diät gesetzt war, brachte ihr ihr
Mann Essen. Sie war glücklich darüber.
»Jeder weiß, daß Krankenhausessen eine Zumutung ist. Ich
glaube, es wäre mir wirklich schlecht gegangen, wenn ich es
hätte essen müssen. Ron brachte mir Lebensmittel aus dem
Naturkostladen und Naturkostkaffee. Das war ein wichtiges kör­
perliches Bedürfnis, das erfüllt wurde, weil ich es ernst nahm und
darum bat.«
Falls Sie nach dem Krankenhausaufenthalt und dem Abschluß
Ihrer Behandlung immer noch Heilarbeit machen oder in einem
therapeutischen Prozeß sind, dann sollten Sie vielleicht die be­
drohlichen Aspekte der Behandlung noch einmal durchleben.
Auf diese Weise wird Ihr F eld von den Rückständen der Medika­
mente und des physischen Traumas gereinigt. Diese Rückstände
verlangsamen Ihren Heilprozeß. Viele Menschen durchleben das
Trauma erst Jahre später. Es ist in Ordnung, wann immer es
hochkommt. Wichtig ist nur, daß Sie es zulassen, wenn Sie dazu
bereit sind.
Karen tat es gleich und ganz unerwartet.
»Als ich vom Krankenhaus wieder zu Hause war, nahm ich
schließlich kein Dolantin (Schmerzmittel) mehr. Ich hatte die
Dosis kontinuierlich herabgesetzt, bis ich es ganz absetzte. Am
nächsten Tag fühlte ich mich schrecklich. Mit Hilfe von Ron

225
machte ich eine Atemsitzung. Ich kam in primäres Erleben und
durchlebte die Operation erneut. Als ich anfing zu atmen, kam
dieses schreckliche Gefühl, daß ich etwas nicht wahrhaben
wollte, und dann merkte ich, daß ich die Operation durchlebte.
Ich fühlte mich körperlich und emotional entsetzlich. Mein Kör­
per ging noch einmal durch die Erfahrung. Ich war erstaunt. Es
war wichtig, weil die Genesung viel rascher ging, als wenn der
Schmerz der Operation noch in mir, in meinen Zellen gewesen
wäre . «
Falls Sie merken, daß s o etwas für Sie ansteht, dann sollten Sie
j emanden haben, der Sie unterstützt. Es ist okay. Es passiert
Ihnen nichts. Lassen Sie einfach los und gehen Sie durch . Es wird
Ihnen sehr guttun.

Hier sind einige Fragen, die Sie sich stellen können:


0 Welche Umgebung brauche ich, um meinen Heilprozeß zu
unterstützen?
0 Ist die Atmosphäre in meinem Schlafzimmer gut für mich?
0 Gibt es viel Sonnenlicht und viele Pflanzen?
0 Höre ich öfter meine Lieblingsmusik?
0 Gibt es Bilder, die mich an das erinnern, woran ich erinnert
werden möchte?
0 Gibt es andere Gegenstände, die mich an die positiven Aspekte
meines Lebens erinnern? (Vielleicht Schmuckstücke , Kristalle
oder andere Lieblingsobj ekte .)
0 Gibt es Dinge, die alle meine Sinne daran erinnern, wer ich
bin?
0 Was kann ich sehen und berühren?
0 Mit welchen Düften fühle ich mich wohler?
0 Was könnte ich in meiner Ernährung so verändern, daß sie mir
in dieser Zeit mehr Genuß bereitet?

Die Bedürfnisse auf der zweiten Auraebene

Auf der zweiten Ebene geht es um Selbstannahme und Selbst­


liebe. Ein großes Problem auf dieser Ebene ist, daß man sich
selbst nicht mag, sich ablehnt und in sehr vielen Fällen sogar

226
haßt. Das sind schlechte Gewohnheiten, die Sie direkt angehen
müssen. Was sind Ihre Bedürfnisse hinsichtlich Selbstannahme
und Selbstliebe? Machen Sie eine Liste, aufwelche Weise Sie sich
an einem gegebenen Tag abgelehnt haben. Eliminieren Sie einen
Selbstvorwurf nach dem anderen, indem Sie ihn bewußt durch
ein positives Gefühl ersetzen. Schreiben Sie sich einige Affirma­
tionen mit positiven Gefühlen auf und wiederholen Sie sie mehr­
mals täglich. Sie können sie am Bettpfosten, der Kühlschranktür
oder dem Badezimmerspiegel befestigen.

Einige gute Affirmationen:


0 Ich liebe mich.
0 Ich liebe mich in meinen Unvollkommenheiten.
0 Ich bin ein starker, schöpferischer Mensch mit viel Liebe.
0 Ich liebe meine Frau (meinen Mann), meine Kinder, meine
Familie, meine Tiere .
0 Ich nehme mein Leben so an, wie ich es für mich geschaffen
habe , und ich kann das verändern, was ich nicht mag.
0 Ich kann meine Liebe zu Menschen bewahren, auch wenn ich
ganz anders denke als sie; ich werde mir nicht selbst untreu
und zwinge mich nicht, zuzustimmen oder so zu tun als ob .
0 Ich bin schön und strahlend.
0 Ich bin voller Liebe.
0 Ich erinnere mich daran, wer ich bin.

Diese kleinen »Vergißmeinnicht« helfen Ihnen, eine sehr positive


Einstellung zu sich selbst zu finden.
Karen arbeitete daran, ihre negativen Einstellungen zu über­
winden.
»Ich glaube, die Operation half mir, meinen Körper zu lieben.
Sie zwang mich, mich tiefer zu inkarnieren, als ich das bisher
getan hatte, und das half mir. Ich mußte mich auf neue Weise
lieben und annehmen. Ich mußte mich selbst wichtig nehmen.
Ich glaube , daß der größte Schmerz, den Menschen durchma­
chen, die mit einer Operation konfrontiert sind, darin besteht,
daß sie sich von ihrem Körper trennen, und dann wird das
einfach mit ihm gemacht. Sie versuchen einfach, nicht da zu sein

227
und das Ganze zu ignorieren und dann darauf zu warten, daß
sich der Körper erholt. Statt dessen könnten sie dem Körper, so
gut es geht, beistehen, ihn lieben, ihn annehmen und mit ihm
darüber sprechen, was auf ihn zukommt.«

Einige gute Fragen an sich selbst:


0 Welche Teile meines Körpers mag ich nicht? Warum nicht?
0 Wie lehne ich diese Teile ab?
0 Ich hasse . . . , weil . . .
0 Inwiefern erinnern mich diese Körperteile an meine Selbstab­
lehnung?
0 Ich hasse meinein . . . , weil er mich an . . . erinnert.
0 Auf welche Weise lehne ich mich selbst ab?

Die Bedürfnisse auf der dritten Auraebene

Die Bedürfnisse der dritten Ebene beziehen sich auf den Intellekt.
Es geht um das Bedürfnis, die Situation klar, linear und rational
zu verstehen. Das bedeutet, daß Sie sich alle Informationen über
den Krankheitsprozeß beschaffen, der in Ihnen vorgeht, und sich
nicht auf eine Betrachtungsweise fixieren.
Zuerst müssen Sie Ihre negativen Urteile über sich selbst und
Ihre Krankheit ausräumen. Sie blockieren bei der Suche nach
Lösungen Ihre Heilung.
Wir schleppen einen Haufen negative Selbsturteile mit uns
herum. Sie unterscheiden sich von Selbstablehnung insofern, als
sie Schlußfolgerungen 'd arstellen, die wir aus unserem negativen
Selbstgefühl ziehen. Negative Selbsturteile sind Teil einer negati­
ven Feedbackschlaufe, in der weitere negative Gefühle über sich
selbst erzeugt werden, die dann beweisen, daß unsere negativen
Urteile zutreffen. Viele von uns sind darin gefangen, mehr als wir
wissen. Hören Sie mal nach innen - Sie werden erstaunt sein,
welchen Raum diese inneren, elterlichen Stimmen einnehmen.
Wenn negative Urteile hochkommen, dann können Sie auf zwei­
erlei Weise damit umgehen.
Zum einen können Sie sie laut aussprechen, sich selbst oder
einem Freund gegenüber. Sie werden feststellen, daß das, was

228
Sie sich innerlich sagen, weit übertrieben ist. Was das Problem
auch sein mag, Sie sind schlimmer als j eder andere, und zwar
immer. Zum Beispiel:

0 Du hast es verdient, krank zu sein, weil du ein . . . bist.


0 Du bist nur deswegen krank, weil du immer . . .
0 Jetzt, wo du krank bist, weiß jeder, daß du ein . . . bist.
0 Alles, was du tun willst, verpfuschst du, du Idiot.
0 Du wirst nie ein(e) gute(r) . . . sein, also vergiß es doch.
0 Ich wußte gleich, daß du es nicht schaffst. Gib einfach auf und
fall den Leuten nicht zur Last. Du gehst doch nur j edem auf den
Keks, also halt die Klappe.

Wenn Sie diese Dinge einmal laut ausgesprochen haben, beson­


ders zu einem Freund, dann werden Sie merken, wie absurd sie
sind. Ihr Freund wird viele Seiten von Ihnen kennen und kann
Ihnen den Kopf zurechtrücken. Es ist erstaunlich, wie albern
manche unserer Verurteilungen klingen, wenn wir sie laut aus­
sprechen und wirklich hinhören.
Die zweite Art, mit negativen Einstellungen umzugehen, be­
steht darin, sie einfach sein zu lassen und sich schnell dem
Positiven zuzuwenden, ohne SelbsturteiL Wenn Sie zum Beispiel
zu sich sagen: »Was bin ich doch blöd ! « , dann ersetzen Sie es
einfach durch eine Aussage wie : »Ich bin gescheit. « Vielleicht
ertappen Sie sich dabei, wie Sie zu sich sagen: »Mir wird es nicht
bessergehen. « Dann ersetzen Sie es mit: »Mir geht es jeden Tag
besser. « Oder: »Mein Körper kann sich selbst heilen. «
Wählen Sie die Methode, d i e Ihnen a m meisten liegt, je nach
der Situation, in der Ihr negatives Selbsturteil hochkommt.
Wenn Sie Ihre negativen Selbsturteile ausräumen, dann stehen
Ihnen mehr Möglichkeiten offen, mit sich selbst umzugehen, weil
Sie fähig sein werden, mehr Fragen zu stellen. Selbsturteile
halten Sie davon ab, Fragen zu stellen, weil Ihren Antworten
falsche Informationen zugrunde liegen. Haben Sie die falschen
Informationen erkannt, dann ist Raum für die richtigen Antwor­
ten da. Das bringt Sie zu dem nächsten Schritt - die Suche nach
der richtigen Behandlungsart.

229
Prüfen Sie, welche Behandlungsarten Ihnen zur Wahl stehen.
Falls Sie diese Informationen nicht selbst einholen können, dann
bitten Sie jemanden, es für Sie zu tun. Falls Sie eine Operation
brauchen oder bestimmte Therapien, dann lesen Sie alles Er­
reichbare darüber. Was ist die Wirkung und was sind die Neben­
wirkungen?
Karen informierte sich ganz genau, was es mit der Operation
auf sich hatte . Das half ihr enorm.
»Ich wußte genug, um die richtigen Fragen stellen zu können,
und meine Freunde halfen mir auch dabei. Es war eine Frau, die
mich operierte, und sie beantwortete alle meine Fragen. Sie sagte
mir genau, was geschehen würde. Sie sagte, ich würde unter­
sucht, rasiert, betäubt und zum OP gefahren, sie sagte mir sogar,
wie es ist, in die Narkose zu gehen und wieder herauszukommen.
Das war sehr wichtig für mich, weil ich alle möglichen negati­
ven Vorurteile über Krankenhäuser hatte, daß ich wie ein Stück
Fleisch behandelt würde und was ich sonst noch für Befürchtun­
gen hatte . Ich hätte ohne weiteres in das Gefühl verfallen können,
man bestrafe mich dafür, daß ich meine Weiblichkeit ablehnen
und daß mir deswegen die Gebärmutter entfernt würde. Weil ich
aber an der Erfüllung meiner Bedürfnisse festhielt, konnte ich
mir das ersparen. Die Operation wurde sogar zu einem symboli­
schen Akt, meine Weiblichkeit wieder in Besitz zu nehmen -
obwohl ich meine Gebärmutter verlor.
Natürlich trauerte ich auch über den Verlust meiner Gebär­
mutter. Aber es war nicht schlimm. Es drückte mich nicht nieder
und hielt mich nicht fest.«

Einige gute Fragen an sich selbst:


0 Welche Befürchtungen habe ich, was geschehen könnte?
0 Wie kann ich herausfinden, was Schritt für Schritt geschehen
wird?
0 Kann ich irgend etwas daran ändern? Wenn ja, was?
0 Gibt es alternative Behandlungsmethoden, für die ich mich
entscheiden könnte?
0 Was werde ich loslassen und betrauern müssen?
0 Welche tiefere Bedeutung konnte all dies haben?

230
Die Bedürfnisse auf der vierten Auraebene

Auf der vierten Ebene ist das Bedürfnis nach liebevollem Aus­
tausch mit Ihren Freunden und Ihrer Familie. Oft wird die vierte
Feldebene als Brücke zwischen der materiellen und der spirituel­
len Welt bezeichnet. Sie brauchen Unterstützung von Ihren
Freunden. Schaffen Sie sich irgendeine Art Unterstützungssy­
stem, in dem Sie gut aufgehoben sind. Oder bitten Sie einen
Freund, es für Sie zu tun. Falls Sie nicht zu Hause sind, dann
können Sie über das Telefon regelmäßig Ihre nahen Freunde
anrufen oder sich anrufen lassen.
Natürlich kann es auch sein, daß Sie in einem geschwächten
Zustand sind und daß Sie Telefonanrufe und Besuche begrenzen
wollen. Wählen Sie die Menschen aus, die Ihren Heilprozeß
unterstützen. Scheuen Sie sich nicht davor, Grenzen zu setzen. Es
ist wesentlich, daß Sie sofort nein sagen, wenn Menschen Ihrem
Heilprozeß nicht förderlich sind.
Freunde und Familienmitglieder machen sich vielleicht große
Sorgen um Sie und sind vielleicht nicht einverstanden, wie Sie
damit umgehen. Benutzen Sie Affirmationen, daß Sie sich selbst
und Ihre Familie lieben können, ohne daß Sie sich untreu wer­
den. Sie sind für ihre Sorgen nicht verantwortlich. Sie sind für
ihren Kummer nicht verantwortlich. Die Angst der anderen hin­
sichtlich Ihrer Situation und Ihrer Krankheit ist wahrscheinlich
nicht auf die Realität gegründet. Meistens sind diese Ängste
unbewußt und werden nur indirekt, zwischen den Zeilen, geäu­
ßert. Achten Sie darauf, wie Sie sich nach dem Anruf oder dem
Besuch einer Person fühlen. Wenn Sie sich besser fühlen, dann
halten Sie den Kontakt aufrecht. Fühlen Sie sich schlechter, dann
ziehen Sie eine Grenze, bis ein besserer Zeitpunkt gekommen ist,
um sich mit der Person auseinanderzusetzen. (Siehe Kapitel 12
zu der Frage, wie negative Verträge mit Freunden aufgelöst
werden können.)
Freunde können Sie mit Dingen versorgen, die Sie brauchen.
Falls Sie Schwierigkeiten mit dem Krankenhausessen haben,
können Sie sich gute Nahrungsmittel bringen lassen oder Dinge,
die Sie daran erinnern, wer Sie sind - Bücher, heilige Objekte,

231
Kleider. Sie brauchen Berührung von Ihren Freunden. Bitten Sie
einfach darum, falls Ihre Freunde zurückhaltend sind.
Karen bekam viel Hilfe von Freunden. Sie sagt:
»Für mich war es wirklich ein Segen, daß jeder, der mich
besuchte, sich als eine Art Heiler erwies. Sie wußten wirklich,
was ich brauchte . Am ersten Tag kamen Freunde, die mit mir
meditierten. Pam kam und Sheila kam und meditierte. Ron war
immer da, auf j eder Ebene. Pam brachte mir homöopathische
Mittel. Die ganze Woche über kamen nur Leute, die äußerst
einfühlsam waren, und keiner schaute mich an, als wäre ich in
einer beklagenswerten Lage. Jeder bekam irgendwie mit, wo ich
war, so daß im Augenblick Heilenergie entstehen konnte, und so
war es die ganze Woche lang . «

Einige gute Fragen an sich selbst:


0 Mit wem bin ich gerne zusammen?
0 Von wem möchte ich Hilfe? Wie?
0 Mit wem bin ich nicht gerne zusammen?
0 Wie kann ich nein zu ihnen sagen?

Heilen der drei oberen A uraebenen


durch Transzendenz

Die Bedürfnisse auf der fünften Auraebene

Das Hauptbedürfnis auf der fünften Ebene ist die Ausrichtung


auf den göttlichen Willen im Inneren und die Entscheidung, die
eigene Wahrheit zu sagen und ihr zufo lgen. Die fünfte Ebene des
Aurafeldes ist die Matrix, durch die das Physische Gestalt an­
nimmt. Sie entspricht dem Negativ einer Photographie . Auf die­
ser Ebene ist die Macht des Wortes sehr stark. Das Wort ist
Trägerin der schöpferischen Kraft. Hier geht es darum, für das
einzustehen, was Sie wissen. Es ist die Ebene des Willens. Das
bedeutet, daß Sie sich mit dem göttlichen Willen im Inneren in
Übereinstimmung bringen und danach handeln. Das fünfte Cha­
kra hat mit Geben und Nehmen zu tun. Das Bedürfnis auf dieser

232
Ebene ist es, die eigene Wahrheit auszusprechen und nach ihr zu
leben. Es ist die Ebene des Klangs und die Verwendung von Klang
zur Schaffung von Form.
Karen sagt über ihre Erfahrung mit der fünften Ebene:
»Die Wahrheiten, die ich aussprach, bevor ich ins Kranken­
haus ging, hatten alle mit meinen Bedürfnissen zu tun. Mehr als je
zuvor in meinem Leben sagte ich, was ich brauchte. So wurde ich
auf die Knie gezwungen.
Ich habe das Gefühl, daß eine Verbindung zwischen der Blok­
kierung meines zweiten Chakras, zu dem Gebärmutter und Eier­
stöcke gehören, und meiner Stimme besteht. Singen wird jetzt
zum Ausdruck meines Wesenskerns. Es fühlt sich an, als käme es
direkt von hier unten (unteres Becken). Früher war das unmög­
lich. Ich mußte durch diesen ganzen Heilprozeß gehen, bis meine
Stimme frei wurde.«
Sprechen Sie Ihre Bedürfnisse und Ihre Wahrheit aus und
bleiben Sie dabei. Das ist die Zeit, in der Sie zur tiefsten Wahrheit
in Ihrem Inneren Zugang finden. Vielleicht stimmen Sie nicht mit
allem überein, was die Menschen in Ihrer Umgebung sagen.
Halten Sie positiv und liebevoll an Ihrer eigenen Wirklichkeit fest
und leben Sie danach, selbst wenn Verwandte und alte Freunde
anderer Meinung sind.
Es kann Zeiten geben, besonders im Krankenhaus, wenn nie­
mand da ist außer dem Personal, das von der Wirklichkeit, in der
Sie leben, absolut nichts weiß. Machen Sie Gebrauch von den
Dingen, die Sie an Ihre eigene Wahrheit erinnern. Geben Sie
anderen keinen Raum, in dem sie ihre negativen Ansichten über
Ihre Wirklichkeit artikulieren können. Falls sie darauf bestehen,
dann lassen Sie sie wissen, daß Sie ihnen später zuhören werden,
wenn es Ihnen wieder gutgeht, aber nicht jetzt. Lassen Sie nicht
zu, daß andere ihre Ängste und ihre Schuld auf Ihnen abladen.
Sie sind für das Mißbehagen anderer nicht verantwortlich. Das
wird Ihnen auch dabei helfen, nicht selbst in die negativen Ängste
zu verfallen, die Sie wegen Ihrer Krankheit haben.
Falls Sie aber doch in Angst und Zweifel verfallen, dann ma­
chen Sie von einer der folgenden vier Möglichkeiten Gebrauch:

233
1 . Sprechen Sie Ihre Angst vor den richtigen Menschen aus, um
sie zu transformieren.
2. Ersetzen Sie sie durch eine positive Affirmation, um sie zu
transzendieren.
3. Finden Sie den Platz in Ihrem Körper, an dem die Angst sitzt,
und lösen Sie die Spannung mit dem rosa Licht bedingungsloser
Liebe auf.
4. Bitten Sie im Gebet um Hilfe und geben Sie sich in Gottes
Hand . Hilfe kommt immer in fünfzehn bis dreißig Minuten. Die
Angst wird sich in ein anderes Gefühl verwandeln. Was sich
verändert, ist Ihr Bewußtseinszustand, nicht notwendigerweise
die äußere Situation.

Bei all diesen M öglichkeiten bleiben Sie bei Ihrer Wahrheit. Wenn
Sie Angst fühlen, dann ist dies die Wahrheit des Augenblicks.
Haben Sie Zweifel, dann ist das die Wahrheit des Augenblicks. So
einfach ist das. Gefühle sind nur Gefühle. Sie gehen vorüber.
Indem Sie die Wahrheit des Augenblicks vor Menschen ausspre­
chen, die fähig sind, sie zu hören, erfüllen Sie ein Bedürfnis der
vierten Ebene. Es ist von größter Wichtigkeit, daß Sie zu denen,
die Sie verstehen können, über Ihre Gefühle sprechen. Aber
äußern Sie Ihre Zweifel nicht in einer unpassenden Situation -
das heißt in der Gegenwart von Menschen, die dieselben Zweifel
haben und ein Interesse daran, daß Ihre bestehenbleiben. Falls
Sie es doch tun, so werden Sie wahrscheinlich zu hören bekom­
men, daß Ihre Zweifel berechtigt sind, daß ihr Weg der bessere ist
und Sie sich nach ihnen richten sollten. Finden Sie Ohren, die
hören, und Augen, die sehen können, und Sie werden die Unter­
stützung bekommen, die Sie brauchen.
Es ist von äußerster Wichtigkeit, daß Sie Ihre Wahrheit zum
Ausdruck bringen.

234
Einige gute Fragen an sich selbst:
0 Was ist es, das ich sagen muß?
0 Was ist es, das ich nahen Freunden sagen muß , auch wenn sie
vielleicht anderer Meinung sind?
0 Was habe ich viele Jahre lang verschwiegen?
0 Warum habe ich nicht zum Ausdruck gebracht, was ich
glaube?

Die Bedürfnisse auf der sechsten Auraebene

Die sechste Ebene ist die Ebene göttlicher Liebe und spiritueller
Ekstase. Indem Sie zur Wahrheit Ihrer Bedürfnisse stehen, wann
immer sie sich melden, und sie erfüllen, gelangen Sie automa­
tisch zur sechsten Ebene. Die sechste Ebene hat mehr mit Fühlen
als mit Verstehen zu tun. Sie werden einfach in ekstatische
Zustände kommen. Diese Zustände kommen und gehen. Sie
verändern sich ständig, weil Sie sich verändern. Musik kann Sie
in diese wunderbaren Seinszustände erheben. Auch Bilder, die
Sie an die Heiligkeit des inneren Lebens erinnern. Die Erfahrung
spiritueller Ekstase kann schwer in Worten ausgedrückt werden.
Jeder hat seine eigene Beschreibung dafür, die von der eigentli­
chen Erfahrung meist weit entfernt ist. Worte wie »im Licht
aufgehen«, »in den Armen der Göttin getragen sein« , »eins sein
mit Gott« oder »zu Liebe werden« sind dafür gebraucht worden.
Was sind Ihre Worte für diese Erfahrung?
Auf der sechsten Seinsebene erleben wir bedingungslose
Liebe.
Karen sagt darüber:
»Für mich hieß das , so tief in mich hineinzugehen wie möglich,
bis zu meinem göttlichen Wesen, und mich davon durch diese
Erfahrung leiten zu lassen. Schon lange Zeit spüre ich, was meine
Lebensaufgabe ist. Es geht einfach darum , meine Weiblichkeit zu
lieben und anzunehmen und aus ihr heraus zu leben und das
Männliche damit in Übereinstimmung zu bringen. Meine männli­
che Seite war vorher ziemlich aus dem Ruder gelaufen.
In den letzten zwei Wochen verabschiedeten wir uns von über
achtzig Menschen, die wir lieben und von denen wir uns trennen

235
müssen, weil wir nach Colorado ziehen. Wir taten das sehr
liebevoll. Obwohl Reaktionen kamen, die auch sehr belastend
waren, konnte ich mein Herz offenhalten und einfach da sein. Das
fühlt sich wie eine höhere Gefühlsebene an . «

Einige gute Fragen a n sich selbst:


0 Welcher Art sind meine spirituellen Bedürfnisse?
0 Gebe ich mir Zeit, damit meine spirituellen Gefühle überhaupt
aufsteigen können?
0 Welcher Art sind meine spirituellen Gefühle?
0 Wann und wie fühle ich bedingungslose Liebe?
0 In welchen Bereichen meines Lebens brauche ich bedingungs­
lose Liebe?
0 Wieviel Zeit will ich täglich damit verbringen, diesen Lebens­
bereich durch Meditation oder Visualisation mit bedingungs­
loser Liebe zu durchtränken?
0 Welche Musik bringt mich in meine Spiritualität?

Die Bedürfnisse auf der siebten Auraebene

Die siebte Ebene ist die Ebene des göttlichen Geistes, auf der Sie
das größere universale Muster erkennen können. Der göttliche
Geist führt Sie zum Lebenssinn, der Seelenaufgabe im Leben,
dem großen Muster, das sich in Ihnen und in der Welt entfaltet.
Auf dieser Ebene stellt sich ein tiefes Gefühl für die Seelenaufgabe
ein, für den Grund Ihres Hierseins, für den Sinn der Erfahrung,
die Sie durchleben - ein Gefühl des Vertrauens. Auf dieser Ebene
des spirituellen Gewahrseins wird die ganze Erfahrung in eine
höhere oder transzendente Wirklichkeit gehoben. Sie wissen
dann, daß in Gottes Welt alles stimmig ist. In göttlicher Heiterkeit
und Gelassenheit gibt es keine Schuld und keine Verfehlung, alles
entfaltet sich genau so, wie es sein soll.
Wir müssen den göttlichen Plan aller Dinge erkennen und
verstehen: das in goldenem Licht gehaltene , vollkommene Mu­
ster aller Existenz, wissend, daß alles in seiner Unvollkommen­
heit vollkommen ist. Das ist die Ebene, auf der wir selige Gelas­
senheit erleben.

236
Im Heilprozeß können wir Zugang zur siebten Ebene finden
und Freiheit erlangen.
Karen erklärt es so:
»Ich habe viel in mir, das mich trägt, selbst wenn ich vergesse.
Ich habe ein tiefes Gefühl für den Sinn meines Lebens und den
Grund, warum ich hier bin. Was auch immer vor sich ging, es gab
etwas zu lernen. Was für mich wesentlich ist und was ich nie
verloren habe, ist das Wissen, daß es Hoffnung gibt. Durch
Hoffnung verwandelt sich die Furcht in eine Art ständige Neu­
gierde.
Jetzt bin ich beim Abschied von all meinen Klienten und
Freunden ganz gelassen und heiter. Ich kann jetzt alles aus einer
höheren Perspektive sehen. Mit meinen Klienten kann ich sehen,
was wir in der Zeit, die uns noch verbleibt, zu tun haben. Ob es
nun Klienten sind oder sonst jemand, es wird eine phantastische
Symphonie gespielt. Wenn ich einfach jeden Schritt tue, der vor
mir liegt, dann kann es sich alles in Harmonie vollziehen. Bei
Dingen, bei denen ich früher ausgerastet bin und die mir Angst
gemacht haben, kann ich jetzt gelassen bleiben.«

Einige gute Fragen an sich selbst:


0 Welches größere Muster kann ich in meinem Leben erkennen?
0 Welche tiefere Hoffnung leitet mich?
0 Was ist meine Lebenssymphonie?

Teil IV wird Ihnen dabei helfen, einen ganz konkreten Heilplan


für sich zu entwickeln, der Ihre persönlichen Bedürfnisse auf
allen Ebenen berücksichtigt.

237
Teil IV

Aufstellung eines
Heilplans
»Bevor man sich nicht entschieden hat, ist Zögern da, die
Möglichkeit zurückzuziehen, immer Ineffektivität. Es
gibt eine elementare Wahrheit, die für jede Initiative und
schöpferische Tat gilt und deren Unkenntnis zahllose
Ideen und vortreffliche Pläne zunichte macht: daß in
dem Augenblick, in dem man sich ganz und gar dafür
entscheidet, auch die göttliche Fügung einsetzt. Alle
möglichen Dinge geschehen, die einem helfen, die sonst
niemals geschehen wären. Der ganze Strom der Ereig­
nisse entspringt aus dieser Entscheidung, der alle Arten
von günstigen Zufällen, Begegnungen und materieller
Unterstützung mit sich bringt, die man nicht im Traum
für möglich gehalten hätte.«

W. H . MURRAY,
The Scottish Himalayan Expedition

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