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Von Euw | Alimpic | Hildebrand

Gebäudetechnik
Systeme integral planen
Inhalt

1. Integrale Gebäudetechnik 3 5. Warmwasserversorgung 141


1.1 Vorteile der Teamarbeit 3 5.1 Aufbau und Komponenten 141
1.2 Graue Energie 6 5.2 Hydraulische Einbindung von
1.3 Im Spannungsfeld Gebäude- WW-Anlagen 144
technik und Architektur 10 5.3 Wassererwärmung mittels
1.4 Komfortbedürfnisse, Abwärme 152
Behaglichkeit 12 5.4 Legionellen 153
1.5 Grundprinzipien der sanften
Klimatechnik 17 6. Diverse Gebäudetechnik 157
1.6 Energie und Gebäudetechnik 18 6.1 Versorgung mit elektrischer
1.7 Beispielhafte integrale Energie 157
Gebäudetechnik 25 6.2 Aufzüge und Fahrtreppen 161
6.3 Geräte und Betriebs-
2. Heizungsanlagen 33 einrichtungen 163
2.1 Komponenten einer 6.4 Sonnenschutz 165
Heizungsanlage 33 6.5 Gebäudeautomation 168
2.2 Hydraulik von Heizungsanlagen 35 6.6 Messeinrichtungen für
2.3 Wärmepumpen 42 Photovoltaikanlagen 172
2.4 Praxisbeispiele zu
Wärmepumpen 50 7. Anhang 173
2.5 Feste Brennstoffe 62 7.1 Quellen 173
2.6 Praxisbeispiel zu Holzfeuerung 66 7.2 Weiterführende Infos 174
2.7 Fernwärme 68 7.3 Autorenverzeichnis 175
2.8 Praxisbeispiele Fernwärme- 7.4 Schlagwortverzeichnis 176
nutzung 68
2.9 Wärmekraftkopplung 71
2.10 Praxisbeispiele zu Wärmekraft-
kopplungen (WKK) 72
2.11 Thermische Solarwärmenutzung 74
2.12 Praxisbeispiele zur
Solarwärmenutzung 80
2.13 Wärmeverteilung und
Wärmeabgabe 87

3. Klimakälte 89
3.1 Bedeutung, Begriffe 89
3.2 Kältemittel 92
3.3 Kühllasten 97
3.5 Kälteabgabe im Raum 109
3.6 Trends in der Kältetechnik 113

4. Lufterneuerung 115
4.1 Typologie der Lüftungsanlagen 115
4.2 Systemwahl 132
4.3 Wärmerückgewinnung 133
4.4 Luftförderung und
Luftbehandlung 134
Impressum

Gebäudetechnik – Systeme integral


planen

Herausgeberin: Fachhochschule Nord-


westschweiz, Institut Energie am Bau

Autoren: Reto von Euw, Zoran Alimpic,


und Kurt Hildebrand mit Beiträgen von
Ruben Lüthy, Heinrich Manz, Jürg Nipkow,
Jürg Tödtli und Volker Wouters

Projektleitung: Fachhochschule Nord-


westschweiz; Institut für Energie am Bau,
Muttenz; Armin Binz, Achim Geissler,
Barbara Zehnder

Lektorat und Seitenherstellung: Faktor


Journalisten AG, Zürich; Othmar Humm,
Christine Sidler, Sarah Jost

Diese Publikation ist Teil der Fachbuchreihe


«Nachhaltiges Bauen und Erneuern».
Grundlage bilden die Zertifikatskurse des
Masterstudienganges «Energie und Nach-
haltigkeit am Bau» (www.enbau.ch), ein
Weiterbildungsangebot von fünf schwei-
zerischen Fachhochschulen. Die Publika-
tion wurde durch das Bundesamt für Ener-
gie BFE / EnergieSchweiz und die Konfe-
renz Kantonaler Energiedirektoren (EnDK)
finanziert.

Bezug: Als Download (kostenfrei) unter


www.energiewissen.ch oder als Buch
beim Faktor Verlag, info@faktor.ch oder
www.faktor.ch

Oktober 2012.
ISBN: 978-3-905711-18-9
Kapitel 1

Integrale Gebäudetechnik

Reto von Euw 1.1 Vorteile der Teamarbeit Ein interdisziplinäres Team muss sich um
Kurt Hildebrand die Gesamtheit eines Bauwerkes küm-
Die Parameter sind klar zu definieren. mern. Bauherrschaft, Architekt, Kostenpla-
«Bauen» bedeutet eine gestalterisch an- ner, Tragwerk- und Bauingenieur sowie die
sprechende Verbindung von Konstruktion, Gebäudetechnikplaner müssen in einem
Material und Gebäudetechnik – eine Auf- partnerschaftlichen Zusammenwirken die
gabe für ein interdisziplinäres Team. Durch Nutzungsvereinbarungen, Ziel- und Pro-
diese Zusammenarbeit wird ein Mehrwert jektdefinition im Hochbau treffen. In jeder
erzeugt. Dieser widerspiegelt sich im Kom- Projektphase muss die Möglichkeit beste-
fort und im Energieverbrauch, aber auch hen, dies zu hinterfragen, zu optimieren
in der Zufriedenheit der Nutzer. Um diese und dafür Verantwortung zu übernehmen.
Ziele zu erreichen, muss an einem neuen
Verständnis für Planung, Bau und Betrieb Die modulare Darstellung der Gebäude-
von Bauten gearbeitet werden. Die Pla- technik, kurz «Modula GT», zeigt die Zu-
nenden müssen Aspekte der Architektur, sammenhänge der Gebäudetechnik aller
der Raumorganisation und der Gebäude- Gewerke. Die Idee ist, dass ein interdis-
technik verbinden und nach aussen kom- ziplinäres Team eine gemeinsame Termi-
munizieren; sie müssen den Mut aufbrin- nologie nutzt und dadurch zu einem
gen, der Bauherrschaft ein Gesamtkon- besseren gegenseitigen Verständnis ge-
zept zu verkaufen. Dies zwingt die Planen- langt. Die Methode enthält jedoch keine
den dazu, sich mit dem «Gebäude als Anforderungen an gebäudetechnische
System» auseinanderzusetzen, das Kon- Systeme. Das Instrument Modula GT kann
zept zu verstehen und im Kontext zum für bestehende Bauten wie für Neu-
Nutzenden bzw. zur Bauherrschaft zu bauten angewendet werden. Dieses
sehen (Abbildung 1). Dabei sollten sie die Instrument wird mit der Norm SIA 410
im Team erarbeiteten Ziel- und Projektdefi- (Vernehmlassung) beschrieben.
nition laufend überprüfen und die heute Neubauten:
möglichen dynamischen Planungsinstru- Konzept- und Variantenstudien
mente wie Simulationen, Regel- und Füh- Machbarkeitsprüfungen, Systemwahl
rungshilfen der Gebäudeautomation an- Vorprojekt bis Realisation
gemessen einsetzen.

Angemessene Lösungen. Die heutige


Technik im Bauwesen erlaubt uns, kom-
plexe Aufgaben zu lösen – nicht nur kom-
Architektur
plex im Sinne von viel eingesetzter Tech-
nik, sondern angemessene Lösungen mit
angemessener Technik. Wir streben nach
wie vor kompakte Gebäude an unter Be-
rücksichtigung der Tageslichtnutzung, der Gebäude
Fassadenorientierung, des Glasanteiles, als System
der Speichermasse, der Luftdichtheit, des Bau- Gebäude-
Schallschutzes, der Sicherheit und nicht ingenieur- technik
wesen (HLKSE)
zuletzt der Gestaltung und der sozialen
Verträglichkeit. Dies bedingt eine stetige
Iteration der einzelnen Planungsschritte Abbildung 1:
des Planungsteams unter Berücksichti- Das Gebäude als
gung der Wünsche der Bauherrschaft. System.
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Integrale Gebäudetechnik

Sanierungen respektive Betriebsoptimie- Bürobauten wird bei der Umbau- und


rungen: Anpassungsflexibilität erwartet, dass die
Analyse der bestehenden Systeme Hohlräume unter den Fussböden oder
Erfassen bestehender Teilsysteme in den Decken für gebäudetechnische
Erfassung der «Hardware» (Installatio- Installationen Anpassungen erlauben. Aus-
nen) schlaggebend für die Planung sind vor
Darstellung der «Software» (Gebäu- allem die Nutzungsformen sowie die Ver-
deautomation) fügbarkeit von Energieressourcen am
Standort des Gebäudes. Anzustreben sind
Anlagen der klassischen Haustechnik – nach wie vor kompakte Gebäude, unter
Heizungs-, Lüftungs-, Klima- und Sanitär- Berücksichtigung der Ziele der 2000-Watt-
anlagen, Elektroversorgung und Gebäu- Gesellschaft.
deautomation – werden in zunehmendem
Masse miteinander vernetzt. Deshalb ist Gebäudeorientierung
ein gesamtheitliches Verständnis dieser Das Angebot an Solarstrahlung ist je nach
Disziplinen H – L – K – S – E – GA sehr wich- Tageszeit, Standort, Wetterlage und Aus-
tig – als einzelne Funktionen wie auch als richtung der Fläche stark unterschiedlich.
gebäudetechnisches Gesamtsystem. Zudem kann die Nutzung von Sonnenen-
Tabelle 1: Für den Planer schwinden die Unterschiede ergie durch Verschattung beeinträchtigt
Zuordnung der ge- zwischen Neubauten und Sanierungen. sein. Es ist ein Optimum zwischen der
bäudetechnischen In beiden Fällen gelten dieselben Regeln Wärmenutzung und Schutz vor Überhit-
Teilsysteme zu den
der integralen Planung. Bei hochwertigen zung anzustreben. In Abbildung 2 ist dar-
Hauptbegriffen.

Teilsysteme Quelle/Senke Umwandlung Speicherung Verteilung Raum/Übergabe


Systeme
Wärme-
Heizungsanlagen Energiezufuhr Wärmeerzeugung Wärmeverteilung Wärmeabgabe
speicherung
Lüftungs- und Aussenluft-/ Luftwärme-
Luftaufbereitung Luftverteilung Luftabgabe
Klimaanlagen Fortluftführung speicherung
Energiezufuhr Kälteerzeugung
Kälteanlagen Kältespeicherung Kälteverteilung Kälteabgabe
Wärmesenke Rückkühlung
Sanitäranlagen
Wasser-
Wasserversorgungsanlage Wasserquelle Wasserbehandlung Wasserverteilung Entnahmestelle
speicherung
Abwasser- Entwässerungs-
Wasserentsorgungsanlage Abwasser Abscheideanlage Abwasserleitung
speicherung gegenstand
Gasverbrauchs-
Gasversorgungsanlage Gasquelle Gasbehandlung Gasspeicher Gasverteilung
apparat
Druckluft-/
Druckluft- und Kompressor/ Druckluft-/
Aussenluft Luftverteilung Vakuum-
Vakuumanlage Luftbehandlung Vakuumbehälter
verbraucher
Elektro- und Kommunikationsanlagen
Installationen
Starkstrom- Starkstrom-
Elektroanlage Energiespeicher (Stark- bzw. Verbraucher
anschlussleitung erzeugung
Schwachstrom)
Daten- und Daten- und
Kommunikations-
Kommunikationsanlage Datenquelle Datenspeicher Kommunikations- Kommunikations-
einspeisung
installation verbraucher

Gebäudeautmationssysteme Feldebene Automationsebene Managementebene


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Gebäudetechnik

gestellt, wie die Verschattung eines Gelän-


des auf einem Papier sich darstellt. Hori-
zontaufnahmen mit Panoramabildern kön-
nen heute auch digital erfasst (z. B. www.
energieburo.ch/fr_produkte.htm) und elek-
tronisch ausgewertet werden.

E -120° -100° -80° -60° -40° -20° S -20° -40° -60° -80° -100° -120° W
66° A: 22. Juni 66°
Sonnenbahnen gültig
B: 20. Mai, 24. Juli
63° für 47° geogr. Breite 63°
8° 20‘ geogr. Länge C: 14. April, 27. Aug.
60° Zentralschweiz D: 21. März, 23. Sept. 60°
E: 23. Feb.,19. Okt
55° 55°
F: 21. Jan., 22.Nov.
50° G: 21. Dez 50°
45° 45°
40° 40°
35° 35° Abbildung 2:
30° 30° Beispiel eines
20° Bäume Haus 20° Sonnenstands-
10° 10° diagrammes mit
5° 5°
eingezeichneter
60° 80° 100° 120° 140° 160° 180° 200° 220° 240° 260° 280° 300°
Horizontaufnahme.

Tageslichtnutzung versus Kompaktheit, d.h. Raumtiefen


Tageslichtnutzung
bis 6 m (Fenster: Lichttransmission)
Passive Sonnenenergienutzung mitberücksichtigen.
Fassadenorientierung Orientierung nach Nutzung (z. B. Wohnen Südwest-
Nordost, Büro Süden-Norden)
Angemessene Glasan- Reine Glasfassaden sind nicht behaglich – zu grosser
teile, optimierte Glasan- Strahlungsaustausch, negativer Einfluss der
teile pro Fassade Oberflächentemperaturen, etc.
Selbstregeleffekte, dämpfende Wirkung von Wärme-
Speichermasse
und Kälteeinflüssen (von innen und aussen)
Verhindern von ungewolltem Luftaustausch und damit
Luftdichtheit
unkontrolliertem Energiefluss
Schallschutz SchalIimmissionen gezielt beschränken
Wärmeschutz Ziel: hoher Komfort und eine optimale Energiebilanz
Berücksichtigung von grauer Energie und gesundheits-
Materialwahl
schädlichen Einflüssen, Schonung von Ressourcen
Dämmperimeter möglichst einfach definieren, unter
Dämmperimeter
Minimierung von Wärmebrücken
Leistungs- und Energieaufwand ist möglichst mit dyna-
Bilanz von Energieflüs-
mischen Rechenmodellen zu berechnen und zu opti-
sen
mieren.
Betriebliche Sicherheit, Unfallsicherheit, Brandschutz,
Sicherheit
etc. Tabelle 2: Abhän-
gigkeiten zwischen
Für Menschen gebaut, schön und richtig, in der Funkti-
Soziale Verträglichkeit Architektur und
onalität überzeugend
Gebäudetechnik.
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Integrale Gebäudetechnik

1.2 Graue Energie zontalen) Steigzonen organisiert, verrin-


gert sich der Anteil der grauen Energie.
Form, Hülle und Tragstruktur sind für die Ausserdem: Lüftungsanlagen in Büroge-
Massenbilanz sowie die graue Energie ei- bäuden setzen höhere Luftvolumenströme
nes Gebäudes bestimmend. Überaus rele- um, weshalb die Aggregate mehr Masse
vant für die Primärenergiebilanz sind aber und einen im Vergleich zu Wohnungslüf-
auch die gebäudetechnischen Anlagen. tungsanlagen höhren Primärenergiebedarf
Die berechneten Resultate zweier ver- (pro m2 EBF) aufweisen.
schiedener Gebäudetypen mit unter-
schiedlichem Technisierungsgrad zeigen Heizung
dabei konstant hohe Anteile: Beim Neu- Wärmeverteilung und Abgabesystem tra-
bau Bettenhaus Stadtspital Triemli liegt der gen hauptsächlich zum Anteil der grauen
Anteil der Haustechnik am Gesamtbetrag Energie eines Heizsystems bei. In einer Fall-
der grauen Energie bei knapp einem Vier- studie sind neun reale Beispiele bilanziert:
tel. Und für die Wohnsiedlung «Sihlbo- Der Primärenergiebedarf von Heizungsan-
gen» der Baugenossenschaft Zurlinden lagen ist demjenigen von Lüftungsinstalla-
beträgt der Anteil der Haustechnik ähnlich tionen in etwa gleichzusetzen. Wird der
hohe 23 % (Abbildung 3 und Tabelle 4). flächenbezogene Primärenergiebedarf des
Darin schlägt sich die kurze Lebensdauer Wärmeabgabesystems berechnet, zeigt
der Anlagen nieder. Die meisten techni- sich der Einfluss des spezifischen Leis-
schen Systeme müssen während eines Ge- tungsbedarfs. Eine Gegenüberstellung von
bäudelebenszyklus von rund 60 Jahren Heizkörper versus Bodenheizung ist an-
mindestens einmal ersetzt werden. Die hand pauschaler Werte aber nicht sinnvoll.
ökologische Bewertung von Gebäude- Bei Feuerungsanlagen macht die Periphe-
technikanlagen zeigt weitere energetisch rie den Unterschied aus: Für die Ölheizung
relevante Aspekte von Haustechnikanla- ist der Tank zusätzlich zu bilanzieren, bei
gen. den Holzfeuerungen ist es der häufig bei-
gestellte Energiespeicher und bei der Wär-
Lüftungsanlagen mepumpe ist insbesondere das Abtiefen
Untersucht wurden Wohnungslüftungsan- der Erdsonde von hoher Relevanz. Im wei-
lagen in einem Dutzend Mehr- respektive teren ist die Primärenergiebilanz von Hei-
Einfamilienhäusern. Bei Letzteren liegt der zungsanlagen ebenfalls abhängig vom
nicht erneuerbare Primärenergiebedarf spezifischen Leistungsbedarf.
bezogen auf einen m2 EBF jeweils bei rund
200 MJ/m2 EBF. Die Kanalsysteme bergen Elektroanlagen
jeweils den Hauptanteil der grauen Ener- Kunststoffe und Kupfer prägen die
gie. Besonders zu Buche schlagen Rohre Material- und Energiebilanz von haus-
aus verzinktem Stahl gegenüber den PE- internen Elektroanlagen. Die Verkabelung
Kanälen mit geringerem Anteil an grauer und die Beleuchtung tragen daher – je
Energie. Zentrale Anlagen schneiden – nach Ausrüstungsstandard – zu einem
trotz längeren Verteilwegen – günstiger ab hohen flächenspezifischen Primärener-
als dezentral installierte Lüftungsanlagen. giebedarf bei. In Bürogebäuden mit vielen
Erdregister verursachen, insbesondere Steckdosen und Datenkabelanschlüssen
wenn mit Beton anstelle von PE oder PVC ist der Installationsgrad hoch. Im hoch
konstruiert, einen relevanten Primärener- technisierten «Triemli» liegt der Graue-
giebedarf. Der Primärenergiebedarf von Energie-Anteil der Elektroanlagen bei über
Abluftanlagen beträgt aufgrund des gerin- 10 % des gesamten Gebäudes (berechnet
geren technischen Aufwands deutlich we- auf ein Jahr).
niger als die Hälfte als bei einer einfachen
Wohnungslüftung. Bemerkenswert zu- Sanitäranlagen
dem: Wird die Küchenabluft ausschliess- Zum Grundinventar der sanitären Anlagen
lich in vertikalen (möglichst wenigen hori- gehören neben den Wasserleitungen der
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Gebäudetechnik

Warmwasserboiler und Badezimmerappa- Primärenergiebedarf ist bei der Installation


raturen. Die Zahl der Steigzonen und der einer solarthermischen Anlage (Warmwas-
Ausrüstungsstandard bestimmen den Pri- serspeicher, Leitungen, Dämmungen und
märenergiebedarf; bei Wohnhäusern liegt Pumpen mitgerechnet) relevant und liegt
er typischerweise etwas höher als bei Bü- bei maximal 100 MJ/m2 EBF. Beeinflusst
rogebäuden. Bezogen auf die Energiebe- wird die Primärenergiebilanz von solarther-
zugsfläche liegt die Graue Energie von mischen Anlagen insbesondere vom Ein-
Sanitäranlagen in einem vergleichbar satzzweck. Anlagen, welche nur für Warm-
relevanten Bereich wie Heizsysteme oder wassererzeugung eingesetzt werden, kom-
Lüftungsanlagen. men günstiger weg als bei der Kombina-
tion mit Heizungsunterstützung. Hierzu ist
Solaranlagen ein Wärmespeicher erforderlich, was mehr
Die energetische Amortisation ist bei Solar- Masse und mehr graue Energie erfordert.
thermie- und Photovoltaikanlagen von
grossem Interesse: Flachkollektoranlagen
liefern spätestens nach 2½ Jahren «posi-
tive» Wärmeenergie. Zwischen ein bis drei
Jahren müssen photovoltaische Zellen (je
nach Wirkungsgrad) in Betrieb sein, um
den Primärenergiebedarf abzuzahlen. Der

Haustechnik: Graue Energie

Anlagen Primärenergiebedarf *
(in MJ pro m2 EBF)

Lüftung Merkmale
(für Wohnraumlüftung) Stahlzinkkanal 210
PE-Kanäle 131
Erdregister 60

Heizung Leistungsbedarf
(Erdwärmepumpe) 10 W/m2 70
30 W/m2 210
50 W/m2 340

Heizung Leistungsbedarf
(Heizöl, Erdgas, Holz) 10 W/m2 10
30 W/m2 30
50 W/m2 40

Elektro Installationsgrad
gering 150
mittel 250
hoch 500

Sanitär Typologie
Bürogebäude 160
Wohnbaute 230 Tabelle 3: Richt-
Solarthermie (nur Typologie werte für den
Warmwassererzeugung) Einfamilienhaus 112 Primärenergie-
Mehrfamilienhaus 67 aufwand zur
Erstellung von
* Durchschnittswerte gemäss SIA 2032; Quelle: Basler & Hofmann, 2008 haustechnischen
Installationen.
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Integrale Gebäudetechnik

Beispiel Sihlbogen
Das Gebäude weist sieben Wohnge-
schosse und ein Untergeschoss auf. Es hat
eine einfache, kubische Form, mit einer se-
paraten, vorangestellten Balkonschicht.
Fünf innenliegende Treppenhäuser er-
schliessen pro Geschoss je zwei Wohnun-
gen. Ein einfaches Tragsystem ermöglicht
eine hohe Flexibilität. Die Nasszonenberei-
che sind konzentriert in einer Mittelzone
angeordnet. Konstruktiv gesehen handelt
es sich um eine Mischbauweise aus massi-
ven Decken und Innenwänden, sowie ei-
ner tragenden und dämmenden Leicht-
konstruktion in Holz bei den Fassaden, mit
einer hinterlüfteten Bekleidung.

$CNMQP

+PPGPCWUDCW
  )GDkWFGJ€NNG
 

*CWUVGEJPKM
Abbildung 3: An-
 
teile der Gewerke
an der gesamten 6TCIUVTWMVWT
grauen Energie  
(Beispiel Sihlbogen
in Zürich-Leimbach).

Bauteile, Gewerke MJ pro m2 MJ pro m2 Anteil


EBF und Jahr GF und Jahr

Haustechnik 23,46 20,47 23 %


(inkl. Elektro, Heizung, Lüftung, Sanitär)

Tragkonstruktion 22,44 19,58 22 %


(inkl. Innenwand, Stützen, Decke)

Innenausbau 15,3 13,35 15 %


(inkl. Trennwände, Bodenbeläge,
Wand-, Deckenbekleidung)
Tabelle 4: Beispiel
Gebäudehülle, inkl. 36,6 30,8 36 %
Sihlbogen. Primär-
Fenster, Türen 12,24 10,68 12 %
energiebilanz der
Aussenwand über Terrain (inkl. Bekleidung) 11,22 9,79 11 %
einzelnen Bauteile
Dach (inkl. Dachhaut) 6,12 5,34 6%
und Gewerke
Aushub, Fundament 5,1 4,45 5%
Aussenwand unter Terrain (inkl. Bekleidung) 2,04 1,78 2%
EBF: Energie-
bezugsfläche Balkone 4,08 3,56 4%

Total 102 89 100 %


GF: Geschossfläche
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Gebäudetechnik

Objektdaten
Standort Zürich-Leimbach
Gebäudetyp 7-geschossiger Wohn- und
Gewerbebau Abbildung 4: Die
Baujahr 2012 Siedlung Sihlbogen
in Zürich-Leimbach:
Gesamtbaukosten (BKP 2) ca. 90 Mio. Franken
Rendering, Grund-
Geschossfläche 9860 m2 riss Obergeschoss
und Schnitt.
Aussengeschossfläche Balkone 1326 m2
Energiebezugsfläche 8583 m2 Tabelle 5: Objekt-
Gebäudehüllfläche 8149 m2 daten Sihlbogen
(Quellen: Ökologi-
Gebäudehüllzahl 0,95 sche Bewertung von
Heizwärmebedarf Qh 56 MJ/m2 a Gebäudetechnikan-
lagen für SIA 2032,
Graue Energie für Erstellung 3590 MJ/m2 EBF Schlussbericht; Bas-
Graue Energie für Entsorgung 627 MJ/m2 EBF ler & Hofmann In-
genieure und Pla-
Graue Energie total pro Jahr 102 MJ/m2 a
ner AG, 2008).
10
Integrale Gebäudetechnik

1.3 Im Spannungsfeld Gebäu- bar und enthält in erster Linie die Ele-
detechnik und Architektur mente:
Innenausbau (Wände, Böden, Decken)
Schachtkonzept, Situierung der Zent- Gebäudetechnische Installationen
ralen, Installationsebenen und Instal-
lationszonen Das Tertiärsystem ist eine mittel- bis
kurzfristige Investition (Nutzungsdauer 5
Systemtrennung – primäre, sekundäre bis 15 Jahre) und ohne grössere bauliche
und tertiäre Systeme: Aufgrund der un- Massnahmen veränderbar. Zu diesem Sys-
terschiedlichen Lebenszyklen der Bauteil- tem zählen vor allem:
systeme und deren Bewirtschaftung wird Einrichtung und das Mobiliar
wieder vermehrt auf die Zugänglichkeit zu Apparate (inklusive derer Anschlüsse an
Leitungen, Kanalsystemen, etc. geachtet. das Sekundärsystem)
Integrale Gebäudetechnik bedeutet auch, EDV-Verkabelung
auf Unterschiede in der Nutzungsdauer zu
achten. Die Gebäudetechnik – ein Teil des
Sekundärsystems
Das Primärsystem ist eine langfristige In- Heizungsanlagen
vestition (Nutzungsdauer 50 bis 100 Jahre) Lüftungs- und Klimaanlagen
und versteht sich als weitgehend unverän- Kälteanlagen
derbarer Rahmen für das Sekundärsystem. Sanitäranlagen (Wasser-, Gas- und Druck-
Es umfasst im Wesentlichen: luftanlagen)
Tragkonstruktion (horizontales und verti- Beleuchtungsanlagen
kales Raster) Anlagen zur Elektroversorgung
Gebäudehülle (Fassade und Dach) Kommunikationsanlagen
Äussere Erschliessung (Arealerschlie- Gebäudeautomationsanlagen
ssung) Transportanlagen
Innere Erschliessung (Haupterschliessung Sicherheitsanlagen, z. B. Brandschutzan-
horizontal und vertikal) lagen
Grundstruktur der Gebäudetechnik (Kon- Sonnenschutzsysteme
zept der technischen Erschliessung hori-
zontal und vertikal, Standort der Technik- Wird eine Differenzierung der Systeme
räume) nach ihrer Nutzungsdauer eingefordert, so
ist dies im Planungsprozess rechtzeitig zu
Abbildung 5: Das Sekundärsystem stellt eine mittel- berücksichtigen. Die Disposition der Zent-
System- fristige Investition dar (Nutzungsdauer 15 ralen steht an erster Stelle, denn Zentralen
differenzierung bis 50 Jahre) und sollte über einen hohen und Dezentralen wie auch Mischformen
nach der
Variabilitätsgrad verfügen. Es ist anpass- haben erheblichen Einfluss auf die Schacht-
Nutzungsdauer.
dispositionen und auf die Komponenten-
qualität (Apparate und Geräte). Lage,
Primärsystem Grösse und Zugänglichkeit von Zentralen
(Nutzungsdauer 50−100 Jahre)
Tragkonstruktion, Gebäudehülle, sind ein wichtiges Element der integralen
äussere und innere Erschliessung Planung. Dies gilt insbesondere hinsicht-
lich des Energieverbrauches, der Instand-
Sekundärsystem haltung und der Wartung, des Messkon-
(Nutzungsdauer 15−50 Jahre) zeptes und der Sicherheit (z. B. Brand-
Innenausbau, Gebäudetechnik
schutz). Sowohl die Grösse als auch die
Tertiärsystem Geometrie des Raumes müssen Anpassun-
(Nutzungsdauer 5−15 Jahre) gen an den Installationen sowie Ergän-
Betriebseinrichtungen, Mobiliar, zungen ermöglichen. Die Zugänglichkeit,
EDV-Verkabelung
auch für grössere Komponenten, muss
gewährleistet sein. Die Berücksichtigung
11
Gebäudetechnik

dieser Aspekte in einer frühen Planungs- zungsentwicklungen und Umnutzungen


phase ist von eminenter Bedeutung. Eine entscheidend sind (z. B. Raumhöhe, Nutz-
Ausnahme bilden Tabs (thermoaktive Bau- lasten, installationstechnisches und logisti-
teilsysteme), die im Konstruktionsbeton sches Erschliessungspotenzial) massgeb-
eingelassen sind. Risikoanalysen haben lich bestimmt. Durch die Systemtrennung
jedoch gezeigt, dass die Nutzungsdauer erhalten Gebäude einen Mehrwert für die
solcher Systeme, sofern sie nicht beim Zukunft. Der Mehraufwand für das Pri-
Einbringen mechanisch verletzt werden, märsystem wird durch die reduzierten Fol-
länger als 50 Jahre beträgt. geaufwendungen und die vorteilhafte
Der SIA hat in den Normen SIA 382/1 und Nutzungsflexibilität kompensiert. In grö-
SIA 384/1 Diagramme publiziert, die zur sseren Einheiten, z. B. in einem Masterplan
Dimensionierung von gebäudetechni- eines Areals, soll für Umnutzungen und
schen Infrastrukturen dienen, z. B. Quer- Sanierungen eine Rochade möglich sein.
schnitte von Installationsschächten, Grö- Das heisst, ein Gebäude oder eine Einheit
sse der Zentralen, Dimensionierung von muss aufgrund der Flexibilität eine tempo-
Brennstofflagern. Die Infrastruktur der Ge- rär auszulagernde Abteilung oder eine Ein-
bäudetechnik kann zwischen 10 % und heit aufnehmen können.
30 % der Gebäudefläche einnehmen. Da-
mit wird sie für den architektonischen Ent- Die Grundversorgung eines Gebäudes
wurf relevant. wie auch die dazu supplementären Instal-
lationen, zum Beispiel ein Mieterausbau,
Flexibilität bedeutet auch Offenheit des sollten spätere Änderungen und Ergän-
Gebäudes für zukünftige Nutzungsände- zungen zulassen. Entsprechend flexibel
rungen. Gebäude werden oft nur für eine sind die Konzepte zu gestalten.
geplante Nutzung konzipiert. Dies führt Unter Beachtung der oben dargestellten
bei Umnutzungen zu grossen Aufwendun- Rahmenbedingungen und energetisch
gen, da die Gebäudestruktur stark auf die sinnvollen Ausstattung mit energieeffizi-
Erstnutzung ausgerichtet ist. Bei Neubau- enten Geräten wird das Gebäude «fehler-
ten und Erneuerungen muss durch die tolerant». Das heisst, Störeinflüsse werden
Bauherrschaft der Spielraum für modifi- grundsätzlich in ihrer Wirkung gedämpft
zierte Nutzungen definiert werden. Die wahrgenommen, entsprechend kann die
Qualität der Primärstruktur wird durch die Gebäudetechnik massvoll und optimiert
langfristig zweckmässige Dimensionie- darauf reagieren – wenn überhaupt not-
rung der Grundgrössen, welche für Nut- wendig.

Additive
Massnahme Abbildung 6:
Nutzung 1 Nutzung 2 Nutzung 1 Nutzung 1 Zur Typologie der
Flexibilität in einem
Hochbau (HSLU).
12
Integrale Gebäudetechnik

1.4 Komfortbedürfnisse, Da heute das Rauchen in den meisten


Behaglichkeit Gebäuden und Büroanlagen untersagt ist,
richten sich die Aussenluftraten nach den
Die Verantwortung für ein gutes Innen- Nichtrauchern. In Räumen, in denen das
raumklima und für einen energie- und Rauchen erlaubt ist, hat sich die notwen-
kostensparenden Betrieb kehrt wieder ins dige Luftrate an den Rauchern zu orien-
Tätigkeitsfeld der Architekten zurück. Das tieren.
Planungsteam muss die Gebäude so pla-
nen, dass sie mit nur wenigen angemesse- Zur Physiologie des Wärmeempfindens
nen mechanischen Hilfsmitteln einen opti- Menschen verfügen über ein äusserst flexi-
malen Komfort sicherstellen. Abhängig bles Thermo-Kontrollsystem, das ihre
vom Verwendungszweck stellen sich die Kerntemperatur durch die Balance zwi-
Anforderungen an die Komfortbedürf- schen der chemischen Wärmeerzeugung
nisse. In einem Kunstmuseum hat die Kon- ihres Metabolismus und der Kühlung
stanz der relativen Raumluftfeuchte und durch Abstrahlung an Umgebungsflächen,
deren absoluten Betrag erste Priorität. In durch Konvektion an die Umgebungsluft
einem Bürobau spielt der Einfluss des ther- und durch Wasserverdunstung in engen
mischen Komforts auf die kreative Leis-
tungsfähigkeit eine bedeutende Rolle. Im Masse 60 kg bis 90 kg
Wohnungsbau muss individuellen Lebens-
Körpervolumen 0,075 m3
gewohnheiten mehr Rechnung getragen
werden als beispielsweise im Schulhaus- Puls 60/min bis 80/min
bau. Selbstverständlich werden die Archi-
Atemzüge 16/min
tekten zur Lösung der Aufgaben auf Spe-
zialisten für bauphysikalische, raumakusti- Atemluftmenge 0,5 m3/h
sche und raumklimatechnische Fragen zu- CO2-Ausatmung
rückgreifen. Entscheidend ist aber die Ge- 18 l/h bis 20 l/h
(ruhend)
samtverantwortung des Architekten, denn
die Sicherstellung des Komforts soll haupt- Körpertemperatur 37 °C
sächlich mit baulichen Massnahmen ga- mittlere
rantiert werden. 32 °C bis 33 °C
Hauttemperatur

Grundwärme-
Bezüglich Komfortanforderungen unter- 70 W bis 80 W
umsatz
scheiden sich Wohn- und Büroräume Tabelle 6:
kaum noch. Die Aktivitätsgrade sind ein- Dauerleistung 85 W Biophysikalische
ander ähnlich und die Bekleidung kann Daten des
Verdunstungsrate 40 g/h bis 50 g/h
individuell leicht angepasst werden. Menschen.

Parameter Empfindlichkeitsschwelle Beurteilung

Raumlufttemperatur ± 0.5 °C sehr empfindlich

Unterschied zwischen Luft- 2K sehr empfindlich


und Oberflächentemperatur

Luftbewegung in Hautnähe 1 m/s sehr empfindlich

Strahlungswärme 25 W/m2 empfindlich


Tabelle 7: Die
Relative Luftfeuchtigkeit ±15 % wenig empfindlich Empfindsamkeit des
Körpers.
13
Gebäudetechnik

Grenzen hält. Kleinere Schwankungen der Abbildung 7:


3 km/h 5 km/h 10 km/h
Raumbedingungen werden als stimulie- Wärmeproduktion
rend empfunden und halten den Kontroll- und «met»-Werte
mechanismus in Gang. Als wichtigster Be- in Abhängigkeit
haglichkeitsparameter gilt die operative der Tätigkeit
Temperatur, der arithmetische Mittelwert (Körperoberfläche
der mittleren Oberflächentemperaturen erwachsene Person
ca. 1,8 m2; siehe
0,8 1,0 1,4 2,0 3,0 8,0 met der Umbebungswände und der Raumluft-
auch Tabelle 52 auf
temperatur. Die Grundgrösse «met» (me-
Seite 101).
tabolism) dient als Mass für den energeti-
schen Grundumsatz des Körpers in Funk-
Tätigkeit met W/m2
tion der physischen Aktivität. 1 met  60
ruhig liegend 0,8 47 W/m2, dies entspricht etwa der metaboli-
ruhig sitzend 1,0 58 schen Wärmeentwicklung einer still sitzen-
sitzende Arbeit (Büro, 1,2 70 den Person, bezogen auf 1 m2 Körper-
Wohnung, Schule, Labor) oberfläche.

entspannt stehend 1,2 70


Besonders wohl fühlen sich die Menschen,
leichte Arbeit, stehend 1,6 93 wenn sich ihre Wärmeabgabe durch Ab-
(Laden, einkaufen, Labor, strahlung an die Umgebungsflächen und
leichte Werkarbeit) durch Konvektion (einschliesslich Atmung)
mittelschwere Arbeit stehend 2,0 117 an die Luft im Verhältnis 45 zu 50 aufteilt.
(Verkauf, Hausarbeit, Dies ist mitunter ein Grund dafür, dass die
Werkstatt, Garage) konventionelle Klimatechnik, bei der aus- Tabelle 8: Wärme-
schliesslich die Lufttemperatur kontrolliert produktion und
Schwerarbeit, Indoor-Sport 3,0 175
«met»-Werte in
(Schwerindustrie, Tanz, wird, nie voll befriedigen konnte. Erst
Abhängigkeit der
Tennis, Gymnastik) wenn die operative Temperatur – sei es
Tätigkeit.
durch eine zu hohe mittlere Temperatur
der Umgebungsflächen oder durch eine
zu hohe Raumlufttemperatur – so weit
ansteigt, dass die notwendige Kühlung
nicht mehr gewährleistet ist, setzt eine
Abbildung 8:
über den Grundwert hinausgehende Küh- Thermischer
lung durch erhöhte Verdunstung ein Widerstand von
(Schwitzen). Dieser Effekt wird durch den Bekleidung und
0 0,1 0,3 0,5 0,8 1,0 1,5 3 clo erhöhten Wassertransport an die Hauto- entsprechende
berfläche ausgelöst. «clo»-Werte.

Bekleidungsart clo m2K/W Die optimale Raumtemperatur als empfun-


dener Mittelwert aus der Raumlufttempe-
unbekleidet, nackt 0 0
ratur und dem Mittelwert der Temperatu-
Turnbekleidung, Tropenbe- 0,3 bis 0,4 0,06 ren der Umgebungsflächen richtet sich
kleidung: Unterwäsche, Shorts, nach dem Aktivitätsgrad und dem integra-
Socken, Turnschuhe, Sandalen len Wärmedämmwert der Bekleidung. Für
einen Mann mit mittelschwerem Anzug,
leichte Sommerbekleidung: 0,5 0,078
offenes, kurzes Hemd, lange, Langarm-Hemd, Krawatte, kurzen Socken
leichte Hosen, Socken, Schuhe und leichten Strassenschuhen ist ein Beklei-
dungsfaktor von 1,1 anzunehmen. Für eine Tabelle 9: «clo»-
feste Arbeitskleider, leichter  1,0 0,16 angenehme Sommerbekleidung mit Kurz- Werte von Beklei-
Strassenanzug, Hausbekleidung arm-Hemd, leichter Baumwollhose und dungsvarianten und
im Winter: Hemd (langarm),
nackten Füssen in leichten Moccasins be- deren thermischer
Hose, leichte Jacke, Pullover
trägt der entsprechende Wert nur 0,5. Widerstand.
14
Integrale Gebäudetechnik

Nur 3 % der befragten Personen mit leich-


ten Hausschuhen beurteilen einen 24 °C Leistungsfähigkeit in %
warmen Fussboden als leicht zu warm, 100
während gleichzeitig weitere 3 % finden, %
er sei leicht zu kühl. Insgesamt also 6 %
leicht Unzufriedene. Liegt die Fussboden- 85
temperatur bei 22 °C, dann steigt die Zahl
der nicht gänzlich Zufriedenen auf 8 %, das
75
heisst, nur noch 2 % finden den Fussboden
Abbildung 9: leicht zu warm; dafür sagen jetzt 6 %, er
65
Geistige Leistungs- dürfte leicht wärmer sein. Erst unter 20 °C
fähigkeit in Abhän- und über 27 °C sind sich alle einig bei 22 23 24 25 26 27 28 ºC 30
gigkeit der Raum- «leicht zu kühl» respektive «leicht zu Raumlufttemparatur
lufttemperatur. warm». Für den direkten Wärmefluss von
der Fusssohle zum Fussboden und die Ab-
strahlung vom Fussgelenk zur Umgebung
wäre eine Fussboden-Oberflächentempe- Strahlung 45%
ratur von 24 °C ideal. Bei der Komfortbeur-
Atmung 10%
teilung der Fussbodentemperatur spielt
aber wegen dem direkten Kontakt noch
eine zweite Grösse eine wichtige Rolle,
nämlich die Wärme-Eindringzahl. Die Wär-
meeindringzahl hängt vom Material des Verdunstung 15%
Fussbodenbelages ab. Je geringer die Wär-
meleitung der obersten Schicht ist, umso
weniger Wärme fliesst von der Fusssohle in
den Fussboden. Das bedeutet, dass in der
obersten Schicht ein Wärmestau stattfin-
det und den Wärmeabfluss bremst. Der
Ausscheidung 5%
gebremste Wärmefluss wird zudem als
Abbildung 10: «angewachsene Umgebungstemperatur»
Wärmeabgabe des
wahrgenommen, ein Effekt, der im Winter Konvektion 15%
Menschen. Quelle:
als angenehm empfunden wird. Der PPD-
Robert Meierhans
Index ist ein dem PMV-Index fest zugeord-
neter Prozentsatz, der mit dem mittleren
Wärmeabgabe [W]
Prozentsatz einer grösseren Anzahl von
180
Versuchspersonen innerhalb der statisti-
schen Unsicherheit übereinstimmt. PPD 160
steht für «predicted percentage of dissa-
140
tisfied», PMV für «predicted mean vote».
Der PMV- und der PPD-Index beschreiben 120
thermische Empfindungen von «zu heiss» 100
bis «zu kalt» für den ganzen Körper als
80 Konvektion Verdunstung
Ganzes. Thermische Unbehaglichkeit kann
aber auch bezüglich einzelner Kriterien 60
Abbildung 11: Wärmeleitung
empfunden werden. Zugserscheinungen
Wärmeabgabe des 40
zählen hierbei zu den am häufigsten ge-
Menschen (sitzend, Strahlung
nannten Ursachen. 20
keine körperliche
Tätigkeit, normale 0
Bekleidung, Im Winter sind bei guter Wärmedäm- 10 14 18 22 26 30 34 38
ruhende Luft. mung die inneren Oberflächentemperatu-
Lufttemperatur [°C]
Quelle: Recknagel ren und damit der Strahlungskomfort ent-
15
Gebäudetechnik

scheidend höher. Gut wärmegedämmte nahme gegen Pilzbefall eine wichtige


Gebäude benötigen geringere Heizleistun- Rolle. An schlecht gedämmten, kalten Au-
gen und erlauben deshalb sanftere Mass- ssenwänden stellt sich nämlich eine höhere
nahmen zur Kontrolle der Raumtempera- relative Luftfeuchtigkeit ein, die schnell zu
tur. Diese Bauweise vermeidet Lufttro- Schimmelpilz mit toxischen Zerfallspro-
ckenheit, Kaltluftabfall an Aussenwänden dukten führt und für ernsthafte Allergien
und Fenstern und unangenehme Wärme- sorgen kann.
abstrahlung gegen kalte Oberflächen. Aus
hygienischen Gründen spielen warme Im Sommer kann die durch Wärmedäm-
Oberflächentemperaturen auch als Mass- mung und Beschattung auf nahezu Raum-

Tropenbeklei- leichte Arbeitsbe- traditionelle europäische


dung (T-Shirt, kleidung (Arbeitshose, Stadtbekleidung (Hemd,
Spezifische Wärmeabgabe (met bzw. W/m2)

nackt Shorts) Langarmhemd) Anzug, Weste)


leichte Som-
merkleider Hausbekleidung im Winter
Shorts (lange Hose) (Langarmhemd, Pullover)
0 0,1 0,2 0,3 (m2 K/W)
(met) (W/m2)
3,0 175 schwere Werkstattarbeit

Abbildung 12:
10 °C 150
Spezifische Wärme-
12 °C
14 °C ± 5 °C
125
abgabe (met) des
2,0 16 °C mittelschwere Tätigkeit (Verkäufer,
18 °C Hausarbeit, Werkstattarbeit)
Menschen in
20 °C 100 Abhängigkeit des
leichte, stehende Tätigkeit (Einkaufen,
22 °C
24 °C Labor, leichte Werkbankarbeit, Unterricht)
± 4 °C
Wärmedämmwertes
26 °C 75 sitzende Tätigkeit (Büro, Wohnung,
Schule, Labor); entspannt stehend (clo) der Beklei-
1,0 28 °C ± 3 °C
ruhig, sitzend (Büro, PC-Arbeit) dung. Rahmen-
50
ruhig, liegend
0
± 1 °C ± 1,5 °C ± 2 °C ± 2,5 °C
bedingungen: 50 %
0 0,5 1 1,5 2 (clo)
relative Feuchte,
0,15 m/s Luftge-
schwindigkeit und
Wärmedämmwert der Bekleidung (clo bzw. m2 K/W)
10 % Unzufriedene.
Quelle: ISO 7730

PPD; erwarteter Anteil unzufriedener Personen


(Predicted percentage of dissatisfied)

100

10

Abbildung 13:
Zusammenhang
zwischen dem
erwarteten Anteil
1 unzufriedener
Personen und der
-2 -1.5 -1 -0.5 0 0.5 1 1.5 2
durchschnittlichen
kühl leicht neutral leicht warm Bewertung des
thermischen
kühl warm
Komforts. Abwei-
PMV; erwartete durchschnittliche Bewertung chungen von der
(Predicted mean vote) «neutralen»
Temperatur in K.
16
Integrale Gebäudetechnik

temperatur gehaltene Gebäudemasse als


Pufferspeicher für Wärmelast-Spitzen ge-
nutzt werden. Mit flexiblen Beschattungs-
einrichtungen lässt sich der Gewinn von Kategorie Beschreibung
Tageslicht gut dosieren und übermässiger (Anteil Unzufriedene)
Wärmeeintrag vermeiden. Energieinten-
A: unter 6 % Hohes Mass an Erwartungen an das
sive Klimatisierungsmassnahmen mit den
Raumklima; empfohlen für Räume,
sattsam bekannten Begleiterscheinungen
in denen sich sehr empfindliche und
wie lästige Geräusche und Luftzug werden anfällige Personen mit besonderen
Tabelle 10:
Anforderungs- dadurch reduziert. Bedürfnissen aufhalten.
kategorien der
thermischen Zum guten Innenraumklima gehören B: unter 10 % Normales Mass an Erwartungen
Behaglichkeit aber auch schadstoffarme Ausbaumateri-
C: unter 15 % Annehmbares, moderates Mass an
(gemäss EN ISO alien, ein gutes Tageslicht- und Farbdesign
Erwartungen
7730). sowie ein guter Schallschutz und eine gute
Raumakustik. Ausbaumaterialien haben
einen wesentlichen Einfluss auf die not- Kategorie Raumtemperatur °C Raumtemperatur °C
wendige Raumlüftung, die Tageslichtnut- Sommer, Winter,
zung wirkt sich insofern auf die Kühlleis- Sommerbekleidung: Winterbekleidung:
tungen aus, als dass der Einsatz von elekt- 0,5 clo/1,2 met, 1,0 clo/1,2 met,
rischer Beleuchtung die Wärmelasten er- Toleranzbereich Toleranzbereich

Tabelle 11: höht.


A 24,0 °C – 26,0 °C 20,0 °C – 22,5 °C
Angemessene
Temperaturbereiche Für die Heizungs- und Klimaindustrie
B 23,5 °C – 26,5 °C 19,0 °C – 24,0 °C
für konditionierte stellen gut wärmegedämmte Gebäude ver-
Wohnungen und änderte Anforderungen an die Konzepte C 23,0 °C – 27,0 °C 18,0 °C – 24,0 °C
Büros. für Heizung und Kühlung. Schnell reagie-
rende und leistungsstarke Systeme sind
kaum mehr notwendig. Die neue Strategie Raumluft mit mittlerer Typische Wohn- und
Tabelle 12: Werte heisst «Sanfte Klimatechnik». Die Klima- Luftqualität Büroräume
für eine mittlere technik hat ausser der Aussenluftzufuhr
CO2-Pegel 950 ppm bis Luftrate 22 m3/h · P bis
Luftqualität gemäss und dem Abtransport von Feuchtigkeit und
1350 ppm 36 m3/h · P
EN 13779 Gerüchen nur noch wenig zu einem kom-
fortablen Innenraumklima beizutragen.

Temperatur-Asymmetrie: Komfortmän-
gel können auch aufgrund einer Tempera- Anteil Unzufriedener in %
turasymmetrie entstehen, beispielsweise 100
wegen unterschiedlichen Temperaturen
warme Decke
von Raumumschliessungsflächen. Der kalte Wand
Mensch reagiert gegenüber kalten Wän-
den wesentlich intoleranter als gegenüber
warmen. Das heisst: Achtung vor kalten 10
kalte Decke
Aussenwand- und Fensterflächen! Beim
Vergleich von warmen und kalten Decken warme Wand
sieht es umgekehrt aus: Während bei De-
Abbildung 14: Zu
cken eine Untertemperatur von 10 K tole-
erwartender Anteil
riert wird, liegt die Grenze für warme De- 1
Unzufriedener in- 0 5 10 15 20 25 30 35
folge Asymmetrie cken wesentlich näher, nämlich schon bei
5 K. Das heisst: Deckenheizungen eignen Asymmetrie der Strahlungstemperatur in K
der Strahlungs-
temperatur. sich nur für sehr kleine Leistungen mit ent-
(Norm SIA 180) sprechend tiefen Deckentemperaturen.
17
Gebäudetechnik

1.5 Grundprinzipien der sanf-


ten Klimatechnik
Das wichtigste Grundprinzip ist denkbar
einfach: Je weniger Wärme ein Gebäude
bei kaltem Wetter verliert und je weniger
Sonnenhitze und Feuchtigkeit im Sommer
durch seine Fenster eindringt, desto gerin-
ger ist der Aufwand, um ein annehmbares
Innenraumklima sicherzustellen. Das Kühl-
wasser wird oft noch mittels einer Klima-
kältemaschine erzeugt oder als «Abwär-
Abbildung 15: mequelle» einer reversiblen Wärmepumpe
Wärmefluss Heizen/ genutzt. Erneuerbare Energien, wie die Di-
Kühlen. Quelle: Ro- rektnutzung von Grundwasserkälte oder
bert Meierhans 90/70°C 6/12°C
Erdsondenkälte, sind der motorischen Käl-
Abbildung 16: teerzeugung vorzuziehen.
= =
Schwache Däm-
mung erzwingt eine Nachtkühlung: Wenn die Nachtluft kühl
hohe Heizleistung genug ist, kann die Gebäudemasse durch Wärme fliesst ab: Heizen Wärme fliesst zu: Kühlen
bei hoher Heizflä- natürliches Auskühlen auf den nächsten
chentemperatur warmen Tag vorbereitet werden. Bei wär-
(links). Gute Däm- meren Klimaverhältnissen kann dieser «Vor-
mung ermöglicht kühlung» mit einer Kältemaschine nachge-
geringere Heizleis- holfen werden. Mit dieser Strategie kann
tung bei tieferer 90/70 °C (früher) 40/30°C
die Spitzenkühlleistung gekappt und ein
Heizflächentempe-
Teil der Kühlarbeit in die Nachtstunden ver- =
ratur (rechts). Die =
schoben werden. Oft ergibt sich, dass mit
bessere Dämmung
erlaubt bei gleicher freier Nachtkühlung auch ohne Klimakälte-
Heizfläche eine tie- maschine genügend gekühlt werden kann. Schwache Dämmung: hohe Gute Dämmung: geringere
fere Oberflächen- Heizleistung bei hoher Heizleistung bei tieferer
Oberflächentemperatur Oberflächentemperatur
temperatur. Quelle: Wärmeabgabe: Der Wärmetransfer ergibt
Robert Meierhans sich proportional zur exponierten Oberflä-
che, zum Wärmedämmvermögen und zur
Temperaturdifferenz zwischen aussen und
innen. Der Heizeffekt der Wärmequelle
richtet sich nach ihrer Oberfläche (Grösse 45°C
Abbildung 17: und Beschaffenheit), ihrer Form und ihrer
Relativ kleine mittleren Oberflächentemperatur. = =
Heizfläche (links), 22°C
möglichst grosse Die grosse Oberfläche der Fussboden-Hei-
Oberfläche (rechts). Relativ kleine Heizkörper- möglichst grosse Oberfläche
zung erlaubt tiefere Betriebstemperatu-
Quelle: Robert Oberfläche
ren. Im Idealfall liegen diese bei tiefster
Meierhans
Aussentemperatur nur 2 K über der ge-
wünschten minimalen Raumlufttempera-
tur. Das heisst, dass die Dämmung der Ge-
Abbildung 18: 11 W/m2 K
bäudehülle so zu bemessen ist, dass der 7 W/m2 K
Heizen und kühlen
mit gewärmten Raum mit einer Oberflächentemperatur 22 °C 20 °C 22 °C 26 °C
und gekühlten von 22 °C auf 20 °C geheizt werden kann.
Die maximale Oberflächentemperatur er- 11 W/m2 K 7 W/m2 K
Oberflächen.
Quelle: Robert gibt sich also – je nach kältester Aussen-
Meierhans lufttemperatur eines Ortes – aus der Wär-
18
Integrale Gebäudetechnik

medämmung der Bauhülle. Diese Eigen- 1.6 Energie und Gebäude-


schaft ist aus zwei Gründen günstig: technik
Die Heizung wird selbstregulierend, das Die «Energiequelle» ist in einem abge-
heisst, dass sie bei Fremdwärmeanfall, wie schlossenen System jenes Element, welches
z. B. bei Sonneneinstrahlung und dadurch die Energie, meist durch Umwandlung aus
ansteigender Raumlufttemperatur keine einer anderen Energieform, zur Verfügung
Wärme mehr abgibt, weil sich das Tempe- stellt, der «Energieträger» ist die mengen-
raturgefälle zwischen Heizfläche und mässige bilanzierfähige Einheit, welche
Raumluft bis «Null Kelvin» reduziert. Energie enthält oder überträgt.

In Abbildung 18 wird dargestellt, dass Als fossile Energieträger gelten Kohle,
mit einem Fussboden, der sich für eine Erdgas, Erdöl und Methanhydrat. Allen
selbstregulierende Heizung eignet, auch im fossilen Energieträgern ist gemeinsam,
Sommer gekühlt werden kann. Dies gilt dass sie nur in begrenztem Mass vorhan-
insbesondere bei mehrgeschossigen Bau- den sind und ihre Verwendung mit mehr
ten, in denen sich die Heiz- und Kühlleis- oder weniger hohen CO2-Emissionen ver-
tung auf Fussböden und Decken verteilt. bunden ist. Nicht erneuerbare Energie-
quellen: Kohle (Steinkohle, Braunkohle),
Pro 1 Kelvin (Grad Celsius) Temperaturdif- Torf, Erdöl, Ölsande und Ölschiefer, Erd-
ferenz zwischen Raumluft- und Decken- gas, Gashydrat, Uran, Plutonium.
oberfläche können im Heizfall ca. 7 W/m2
und im Kühlfall ca. 11 W/m2 ausgetauscht Erneuerbare Energiequellen: Biomasse,
werden. Zwischen Raumluft- und Fussbo- Geothermie, Solarenergie, Wasserkraft,
den-Oberflächentemperatur beträgt der Windenergie.
entsprechende Wert im Heizfall 11 W/m2
und im Kühlfall 7 W/m2. Im oben darge- Definitionen und Begriffe: SIA 416/1,
stellten Beispiel wird also mit 2-mal 18 W/ SIA-Merkblatt 2025, SIA-Merkblatt 2031,
m2 = 36 W/m2 geheizt und mit 4-mal 18 SIA-Merkblatt 2032
W/m2 = 72 W/m2 gekühlt.
Primärenergie (Rohenergie): Unter Pri-
Bei einer Klimaanlage, die die Raumluft märenergie versteht man Energieträger,
3- bis 6-mal pro Stunde umwälzt, müsste die man in der Natur vorfindet und welche
für die gleichen Leistungen mit 26 °C bzw. noch keiner Umwandlung oder Umfor-
mit 14 °C eingeblasen werden. Dies führt mung unterworfen wurden, unabhängig
tendenziell dazu, dass im Winter die davon, ob sie in dieser Rohform direkt
warme Luft an der Decke hängen bleibt verwendbar sind oder nicht; also Energie
und dass die kalte Kühlluft im Sommer zu in jenem Ausgangszustand, wie er für
Zuglufterscheinungen führt. Wenn wir die wirtschaftliche Nutzung zur Verfü-
diese Grundsätze beachten, werden Bau- gung steht. Z. B. Erdöl, Erdgas, Steinkohle,
ten fehlertolerant und damit flexibler für Uran, Laufwasser, Brennholz und andere
Nutzungen verschiedenster Art bei unver- Biomasse, Sonneneinstrahlung, Wind,
änderter Gebäudetechnik. Umgebungswärme (Umweltenergie), Erd-
wärme. Die Primärenergie wird gewöhn-
Die wesentlichen Rahmenbedingungen lich unterteilt in die nicht erneuerbaren
Gebäude mit kompakten Formen und und die erneuerbaren (regenerativen)
sorgfältig bemessenem Glasanteil Energieträger.
Abstimmung von Gebäudespeicherma-
ssen und Raumoberflächen zur Einspeiche- Sekundärenergie: Energie, die durch
rung von solaren Wärmeeinträgen Umwandlung aus Primärenergie oder aus
Sommerlicher und winterlicher Wärme- anderer Sekundärenergie (unter Entste-
schutz hung von Umwandlungsverlusten) ge-
19
Gebäudetechnik

wonnen wurde und für die weitere Umset- dem Netz bezogene Elektrizität, die vom
zung bzw. Nutzung zur Verfügung steht. Betrieb energetisch genutzten Industrie-
Beispiele: Erdölprodukte (Heizöl, Benzin, abfälle.
Dieselöl, etc.), Flüssiggas, Koks, Biogas,
Elektrizität, Fernwärme, Abwärme. Einsatzenergie: Die beim Verbraucher
unmittelbar vor der letzten Umwandlungs-
Endenergie: Energie, welche vom End- stufe (der Umwandlung zu Nutzenergie)
verbraucher (z. B. einem Industriebetrieb, bereitgestellte Energie. Einsatzenergie ist
einem Gebäude, einem Haushalt) zum also z. B. Strom, welcher der Klemme des
Zwecke der weiteren Umwandlung und Elektromotors oder der Glühlampe zuge-
Nutzung bezogen bzw. eingekauft wird. führt wird, oder Heizwasser, welches in
Beispiele: Heizöl, Erdgas, Fernwärme (als den Heizkörper strömt.
Heisswasser oder Prozessdampf), die aus

Primärenergie

Nichtenergetischer Verbrauch

Transport Transport- und Umwandlungsverluste


Umwandlung Eigenbedarf

Sekundärenergie

Nichtenergetischer Verbrauch

Transport Transport- und Verteilverluste


Verteilung Eigenbedarf

Zurückgelieferte Energie
Bilanzperimeter

Gelieferte Energie Eigenenergieproduktion

Endenergie

Umwandlung Umwandlungs- und Verteilverluste


Verteilung

Einsatzenergie

letzte Umwandlung Umwandlungsverluste


Abbildung 19:
Stufen der Energie-
Nutzenergie umwandlung von
der Primärenergie
Wärme, Kraft, Licht ungenutzte Abwärme bis zur Nutzenergie,
schematisch. Quelle:
Norm SIA 410;
Vernehmlassung.
20
Integrale Gebäudetechnik

Nutzenergie: Energie, die dem Energie-


anwender nach der letzten Umwandlung Verwendungs- Raumwärme Wasser-
(am Ausgang der energieverbrauchenden zweck erwärmung
Geräte, z. B. an der Antriebswelle des Mo-
tors, am Heizkörper im Zimmer) in der für
den jeweiligen Zweck benötigten techni- Energie- thermischer Warmwasser
schen Form zur Verfügung steht. dienstleistung Komfort

Nutzenergie
Abwärme: Die in einem Prozess nicht
nutzbare Wärme. Die Abwärme wird thermische Nutz- Heizwärmebedarf Wärmebedarf
entweder an die Umgebung oder über energie Heizwämeleistung für WW
Wärmerückgewinnungsanlagen einem Wärmeleistung
anderen System zugeführt. Abwärme- für WW
träger sind z. B. Raumabluft, Kühlwasser,
Abdämpfe, Abgase aus Öfen und Ver-  
brennungsmotoren. Je nach Abwärme-
träger und Temperaturniveau ergeben gebäudetech- Heizungsanlage Wasserer-
sich unterschiedliche Nutzungsmöglich- nische Anlage wärmungsanlage
keiten.

Brennwert (oberer Heizwert): Wärme- gebäudetech- Heizwärme- Wärmeerzeuger


menge, die bei vollständiger Verbrennung nische Teil- erzeuger für WW
Gebäudetechnik

eines Brennstoffes frei wird, wenn der bei anlagen Heizwärmespei- WW-Speicher
der Verbrennung entstehende Wasser- cher Heizwärme- WW-Verteilung
dampf kondensiert. verteilung

Eigenenergieproduktion: Innerhalb des


Bilanzperimeters aus erneuerbaren Ener- Wärmeverlust … der … der Wasser-
gien (mit Sonnenkollektoren, Sonnen- Heizungsanlage erwärmungs-
anlage
zellen usw.) produzierte Energie, die ent-
weder innerhalb des Bilanzperimeters
genutzt oder an den Handel zurückgelie- Hilfsenergie … der … der Wasser-
Heizungsanlage erwärmungs-
fert wird. Die passive Nutzung von Son-
anlage
nenenergie gilt nicht als Eigenenergie-
produktion.
 
Eigenproduktion erneuerbarer Ener-
Endenergie

netto gelieferte Heizenergie Energie für WW


gien: Eigenenergieproduktion aus erneu- Energie Heizleistung Leistung für WW
erbaren Energien (mit Sonnenkollektoren,
Sonnenzellen usw.). Die passive Nutzung
von Sonnenenergie gilt nicht als Eigen-
energieproduktion.  

Heizwert (unterer Heizwert): Wärme- Gewichtungs- Gewichtungs-


Gewichtete Energie

menge, die bei vollständiger Verbrennung faktoren faktoren


eines Brennstoffes frei wird, wenn der bei
der Verbrennung entstehende Wasser-
dampf nicht kondensiert. netto gelieferte Teilenergie- Teilenergie-
gewichtete kennzahl kennzahl
Tabelle 13: Stufen Energie Heizung Warmwasser
der Energie in der Graue Energie: Gesamte Menge nicht er-
Gebäudetechnik. neuerbarer Primärenergie, die für alle vor-
Merkblatt SIA 2025. gelagerten Prozesse, vom Rohstoffabbau
21
Gebäudetechnik

Raumkühlung/ Lüftung Befeuchtung Beleuchtung diverse Betriebsein- Elektrizitäts- Total


Entfeuchtung Gebäude- richtungen produktion
technik

thermischer Luft- Befeuchtung Beleuchtung Gebäude- Kochen,


Komfort austausch managment, Rechenlei-
Transport … stung, usw.

Klimakälte- Energie auf Nutzebene nicht definiert


bedarf
Klimakälte-
leistung

Klimakälte- Lüftungs- Befeuchtungs- Beleuchtungs- div. Anlagen div. Geräte Photovoltaik-


anlage anlage anlage anlage anlage, WKK

Klimakälte-
erzeuger
Klimakälte-
speicher
Klimakälte-
verteilung

… der
Klimaanlage

… der
Klimaanlage

Klimakälte- Energie für Energie für Energie für Energie für Energie für Elektrizität aus Gesamt-
energie Lüftung Befeuchtung Beleuchtung diverse Betriebs- erneuerbaren energie
Klimakälte- Gebäude- einrichtungen Energien
leistung technik

      

Gewichtungs- Gewich- Gewichtungs- Gewichtungs- Gewichtungs- Gewichtungs- Gewichtungs- Gewich-


faktoren tungs- faktoren faktoren faktoren faktoren faktoren tungs-
faktoren faktoren

Teilenergie- Teilenergie- Teilenergie- Teilenergie- Teilenergie- Teilenergie- Teilenergie- Energie-


kennzahl kennzahl kennzahl kennzahl kennzahl kennzahl kennzahl kennzahl
Raumkühlung/ Lüftung Befeuchtung Beleuchtung diverse Betriebs- Elektrizität aus
Entfeuchtung Gebäude- einrichtung erneuerbaren
technik Energien
22
Integrale Gebäudetechnik

Kennwerte von Energieträgern

Endenergieträger Energie- Primärenergie- Anteil Treibhausgasemissionen


Gewichtungs- faktor erneuerbarer spezifisch
faktor Primärenergie

Referenz EnDK SIA 2031 SIA 2031 SIA 2031

g/MJ g/kWh

Feste Brennstoffe

Koks 1,0 1,66 0,7 % 120 g/MJ 432 g/kWh

Briketts 1,0 1,19 0,6 % 107 g/MJ 385 g/kWh

Stückholz 0,7 1,06 95,2 % 3 g/MJ 11 g/kWh

Holzschnitzel 0,7 1,14 94,6 % 3 g/MJ 11 g/kWh

Pellets 0,7 1,22 83,0 % 10 g/MJ 36 g/kWh

Flüssige Brennstoffe

Heizöl 1,0 1,24 0,7 % 82 g/MJ 295 g/kWh

Propan 1,0 1,15 0,5 % 67 g/MJ 241 g/kWh

Butan 1,0 1,15 0,5 % 67 g/MJ 241 g/kWh

Gasförmige Brennstoffe

Erdgas 1,0 1,15 0,5 % 67 g/MJ 241 g/kWh

Propan 1,0 1,15 0,5 % 67 g/MJ 241 g/kWh

Butan 1,0 1,15 0,5 % 67 g/MJ 241 g/kWh

Biogas (mit 40 % bis 75 % Methan) 0,7 0,48 8,2 % 38 g/MJ 137 g/kWh

Elektrizität
Produktion Inland (Strom aus . . .)

Verbrauchermix Schweiz 2,0 2,97 15 % 43 g/MJ 155 g/kWh

Wasserkraft (ohne Pumpspeicher) 2,0 1,22 97 % 3 g/MJ 11 g/kWh

Wasserkraft (Pumpspeicherung) 2,0 4,25 15 % 55 g/MJ 198 g/kWh

Photovoltaik 2,0 1,66 76 % 25 g/MJ 90 g/kWh

Windenergie 2,0 1,33 92 % 8 g/MJ 29 g/kWh

Biomasse (Holz) 2,0 3,80 96 % 32 g/MJ 115 g/kWh

Biogas 2,0 0,20 20 % 52 g/MJ 187 g/kWh

Kernenergie 2,0 4,08 0,1 % 5 g/MJ 18 g/kWh

Erdöl 2,0 3,36 2% 277 g/MJ 997 g/kWh

Erdgas 2,0 3,30 1% 205 g/MJ 738 g/kWh

Kehricht 2,0 0,02 0% 2 g/MJ 7 g/kWh


23
Gebäudetechnik

Stromproduktion Ausland (Strom aus . . .)

Wasserkraft (ohne Pumpspeicher) 2,0 1,23 97 % 3 g/MJ 11 g/kWh

Photovoltaik 2,0 1,74 74 % 25 g/MJ 90 g/kWh

Kernenergie 2,0 4,25 0% 5 g/MJ 18 g/kWh

Erdöl 2,0 3,85 0% 277 g/MJ 997 g/kWh

Erdgas 2,0 3,22 0% 180 g/MJ 648 g/kWh

Kohle 2,0 3,92 2% 344 g/MJ 1238 g/kWh


Nicht überprüfbare Quelle 2,0 3,53 6% 165 g/MJ 594 g/kWh
(UCTE*-Strommix)

* UCTE: Union for the Co-ordination of Transmission of Electricity (Union für die Koordinierung des Transports von Elektrizität)

Tabelle 14:
über Herstellungs- und Verarbeitungspro- Räume kann je nach Verwendungszweck
Kennwerte von
zesse und für die Entsorgung, inkl. der unterschiedlich sein. Energieträgern.
dazu notwendigen Transporte und Hilfs-
mittel, erforderlich ist. Sie wird auch als Raumnutzung: Die Räume werden auf
kumulierter, nicht erneuerbarer Energie- Grund ihrer vorherrschenden Nutzung ei-
aufwand bezeichnet. ner von rund 40 Nutzungen gemäss Merk-
blatt SIA 2024 zugeteilt.
Hilfsenergie: Von den gebäudetechni-
schen Anlagen verbrauchte Elektrizität, Standardnutzung: Nutzungsbedingun-
um die gelieferte Energie in Nutzenergie gen, welche bei der Berechnung des Pro-
umzuwandeln. jektwertes eingesetzt werden müssen,
wenn dieser mit den Grenz- und Zielwer-
Energie-Gewichtungsfaktor: Von der ten verglichen werden soll. Die Standard-
Energiepolitik festgesetzter Bewertungsfak- nutzungswerte der Raumnutzungen sind
tor. Die Energie-Gewichtungsfaktoren wer- dem Merkblatt SIA 2024 entnommen.
den auf der Homepage der Energie-
direktorenkonferenz (www.endk.ch) publi- Wärmerückgewinnung: Bei der Wärme-
ziert. rückgewinnung wird die bei einem Prozess
oder in einer Anlage (z. B. raumlufttechni-
Bilanzperimeter: Perimeter, der das Ge- sche Anlage) anfallende nutzbare Ab-
bäude (oder die Gebäudeteile, für welche wärme demselben System ohne Zeitver-
die Berechnung der Energiebilanz durch- schiebung als Nutzwärme (Rückwärme)
geführt werden soll) inkl. der dazugehöri- wieder zugeführt. Der Gesamtnutzungs-
gen Aussenanlagen vollständig um- grad des Systems kann damit erheblich
schliesst. Er definiert insbesondere die Ab- erhöht werden. Beispiele:
grenzung gegen benachbarte Gebäude Wärmerückgewinnung aus Fortluft einer
oder gegen Gebäudeteile, die nicht in die mechanischen Lüftungs- und Klimaanlage
Berechnung einbezogen werden sollen. Rückführung von Prozessabwärme in ei-
nem Waschprozess (z. B. Geschirrwäscher)
Raumgruppe, Zone: Gruppe von Räu- Wärmerückgewinnung aus dem Abwas-
men, welche in Bezug auf die Betriebsein- ser in einem Schwimmbad
richtungen bzw. die Beleuchtung bzw. für
Lüftung und Klimatisierung gleichartige
Voraussetzungen haben (gleiche Grenz-
und Zielwerte). Die Gruppierung der
24
Integrale Gebäudetechnik

Brenn- und Heizwerte von Energieträgern

Energieträger Dichte Heizwert Brennwert Verhältnis


Heizwert zu
kg/l MJ/kg kWh/kg MJ/kg kWh/kg Brennwert
Erdölprodukte
Heizöl extra leicht 0,84 42,6 11,8 45,0 12,5 0,94
Propan (flüssig) 0,51 46,3 12,9 50,3 14,0 0,92
Butan (flüssig) 0,58 45,7 12,7 49,5 13,8 0,92
Benzin 0,74 42,5 11,8 45,8 12,7 0,93
Diesel 0,84 42,8 11,9 45,7 12,7 0,94
Flugtriebstoffe 0,82 43,0 11,9 45,7 12,7 0,94

Kohle
Steinkohle 28,1 7,8 29,3 8,1 0,96
Braunkohle 20,1 5,6 20,9 5,8 0,96
kg/m3 MJ/kg kWh/kg MJ/kg kWh/kg

Holz Feuchtegehalt
Stückholz (Weich-) 20 % 540 15,7 4,4 17,0 4,7 0,92
Stückholz (Hart-) 20 % 780 15,0 4,2 16,3 4,5 0,92
Holzschnitzel (Weich-) 50 % 675 12,4 3,4 13,6 3,8 0,91
Holzschnitzel (Hart-) 50 % 975 11,6 3,2 13,1 3,6 0,89
Holzkohle 5 % – 35 % 250 30,0 8,3 31,0 8,6 0,96
Pellets 8 % – 11 % 1200 16,7 4,6 18,3 5,1 0,91

Abfall
Kehrichtverbrennung 11,9 3,3

kg/m3 MJ/m3 kWh/m3 MJ/m3 kWh/m3

Gase
Erdgas 0,76 36,3 10,1 40,3 11,2 0,90
Biogas (40% – 75% Methan) 1,01 – 1,46 14,4 – 27,0 4,0 – 7,5 15,9 – 29,9 4,4 – 8,3 0,90
Methan 0,72 35,9 10,0 39,8 11,1 0,90
Propan 2,01 93,1 25,9 101,2 28,1 0,92
Butan 2,70 117,8 32,7 125,9 35,0 0,94

Anmerkungen
Holz: Die Angaben kg/m3 beziehen sich auf Fest-Kubikmeter (Holzschnitzel: 1 Fest-Kubikmeter = 2,8 Schnitzel-Kubikmeter;
Pellets: 1 Fest-Kubikmeter = 1,8 Schütt-Kubikmeter); Gase: Pro Norm-m3 (0 °C, 1013 mbar).

Tabelle 15: Brenn- und Heizwerte von Energieträgern


(Quellen: SIA 416/1; Gesamtenergiestatistik; Recknagel/Sprenger/
Schramek; Holzenergie Schweiz; Erdölvereinigung; Ecoinvent;
VDI-Wärmeatlas).
25
Gebäudetechnik

1.7 Beispielhafte integrale Gebäudetechnik


Konzeptüberlegungen: Alle Bauten sind gerleistung lassen sich auch auf andere
mit einer Wärmepumpe ausgerüstet. Die Komponenten und Einrichtungen über-
beiden älteren (1970 und 1990) werden tragen, z. B. Lagerplatz für das Brennholz.
saniert, das 2010 Haus ist ein Neubau und Die Daten zeigen, dass der Energiebedarf
als einziges mit einer lüftungstechnischen für die Bereitstellung des Warmwassers
Anlage ausgerüstet (Tabelle 16). bei 3500 kWh/a liegt. Der Aufwand zur
Deckung der Transmissionsverluste bei
Wärmepumpe und Erdsonde: Je grösser 1000 kWh/a und die Lüftungswärmever-
der Energiebedarf des Gebäudes, desto luste bei 500 kWh/a liegen. Das Summen-
leistungsfähiger die Wärmepumpe und häufigkeitsdiagramm der Aussentempe-
desto mehr Erdsonden-Meter müssen ge- raturen in Abbildung 21 zeigt, dass etwa
bohrt werden. Der Anteil der grauen Ener- zwei Drittel aller Werte eines Jahres (Me-
gie ist deutlich höher. teodaten Zürich) über 5° C liegen und da-
mit die Energiequelle Luft etwa dieselbe
Zu den abweichenden Kosten: Einen Temperatur aufweist wie eine übliche Erd-
Teil der abweichenden Kosten wird für die sonde.
thermisch bessere Hülle (Dämmung, Fens-
ter), für die mechanische Lüftung und die Die Erdsonden-WP wird eine JAZ von 3 bis
Photovoltaik-Anlage eingesetzt. Die Ener- 4 aufweisen und die Aussenluft-WP eine
gieeffizienz steigt merklich und die Wär- JAZ von ebenfalls 3 bis 4. Tendenziell wird
mepumpe kann aufgrund des geringeren diese jedoch besser abschneiden als die
Bedarfes mit solarem Strom betrieben Erdsondenanlage, da die Wassererwär-
werden. mung über das ganze Jahr erfolgt – auch
in den warmen Sommertagen mit spürbar
Die Erkenntnis, dass der grösste Energie- höheren Lufttemperaturen und die kriti-
aufwand für die Wassererwärmung benö- sche Temperatur für den Vergleich der
tigt wird, sollte zu besseren Lösungen beiden WP-Arten bei rund 5 ° C liegt bzw.
führen, insbesondere zur Nutzung geeig- die übrigen 35 % der winterlichen Tempe-
neter Energiequellen. Die beispielhaften raturen die Erdsonde die Gesamtbetrach-
Angaben zur Reduktion der Wärmeerzeu- tung nicht verbessert (Abbildung 21).

MJ/m2a

800

Abbildung 20. Inte-


grale Konzepte und
ihre technische Ent-
wicklung: Entwick-
lung der Gebäude-
hülle und deren
Auswirkung auf die
Wärmeerzeugung
(Beispiel Wärme-
80
pumpe). Für alle
Gebäude Energie-
1970 1990 2010 bezugsfläche EBF
ca. 150 m2.
26
Integrale Gebäudetechnik

Gebäude 1970 1990 2010

Eigenschaften Schlechte Dämmung Verbesserte Dämmung Gute Dämmung


(4 cm) (10 cm) (über 20 cm, U-Werte
Grosse thermische Weniger thermische der Aussenwand
Verluste Verluste unter 0,12 W/m2 K,
Hohe Betriebstempe- Tiefere Betriebstempe- des Fensters unter 1,0
raturen (90 °C/70 °C) raturen (55 °C/45 °C) W/m2 K)
Ungenügender Ungenügender Kleine Verluste
Komfort Komfort Tiefe Betriebstempe-
raturen (30 °C/25 °C)
Erneuerbare Energien
nutzen
Kontrollierte Lüftung
(36 m3/h Person)
Guter Komfort

Transmissionswärme- 24 000 kWh/a 10 000 kWh/a 1 000 kWh/a


verluste

Lüftungswärmeverluste 8 000 kWh/a 8 000 kWh/a 500 kWh/a

Energiebedarf 8 000 kWh/a 6 000 kWh/a 3 500 kWh/a


Warmwasser

Total 40 000 kWh/a 24 000 kWh/a 5 000 kWh/a


960 MJ/m2a 576 MJ/m2a 120 MJ/m2a
266 kWh/m2a 160 kWh/m2a 33 kWh/m2a

Verhältnis Transmission,
Tabelle 16: Lüftung und Warmwasser 60 % / 20 % / 20 % 40 % / 35 % / 25 % 20 % / 10 % / 70 %
Vergleich von 3
Wärmeerzeugerleistung 18 kW 12 kW 3 kW
Hauskonzepten
1970, 1990 Elektrische 7 kW 5 kW 1,2 kW
und 2010 (Abbil- Anschlussleistung
dung 20).
Annahmen: Jahresarbeitszahl WP 3,5 3,5 2,5
Erdsonde pro Meter
80 Franken (ohne Erdsondenlänge 450 m 300 m 75 m
Anschlüsse und (40 Wth/m) Gesamtlänge
WP). Die Differenz
Kosten Erdsonde 36 000 Fr. 24 000 Fr. 6 000 Fr.
der kleineren Hei-
zungsinfrastruktur Kosten Wärmepumpe 20 000 Fr. 14 000 Fr. 5 000 Fr.
etc. wird vernach-
lässigt. Einheitlicher Total 56 000 Fr. 38 000 Fr. 11 000 Fr.
Kostenstand (2010).
Die Vergleiche be-
Abweichung 45 000 Fr. 27 000 Fr. --
ziehen sich auf 150
Kosten in % 100 % 68 % 20 %
m2 EBF.
27
Gebäudetechnik

Fazit: Bessere Konzepte sind in der sehr stark verbessert wird. Kaltluftabfall
Summe «Gebäude als System» nicht teu- an den Fenstern und Diskomfort wegen
rer. Entgegen der häufigen Meinung, kalten Wandoberflächen gehört der Ver-
können solche Konzepte in grösseren gangenheit an. Der Komfort und die Be-
Wohn- und Dienstleistungsbauten zu haglichkeit steigen sofort merklich. Die
spürbar tieferen Investitionskosten und Lüftungswärmeverluste nehmen rapide ab
tieferen Betriebs-, Instandhaltungs- und durch den Einsatz einer einfachen Lüf-
Wartungskosten führen. tungsanlage. Dank der Wärmerückgewin-
nung (WRG-Anteil über 90 %) wird der
Erkenntnisse aus der Analyse der drei Bei- thermische Energieaufwand für die Luft-
spiele 1970 bis 2010: Die Entwicklung erneuerung schon fast vernachlässig-
zeigt, dass der thermische Energieauf- bar klein. Eine gute lüftungstechnische
wand zur Deckung der Transmissionsver- Anlage ermöglicht einen elektrothermi-
luste dank der optimierten Gebäudehülle schen Verstärkungsfaktor von bis zu 30!

Mittlere jährliche Stundenzahl za mit Temperaturen unter AUL [h]


Anzahl Stunden

8'500

8'000

7'500

7'000

6'500

6'000

5'500 12, 5'523

5'000

4'500

4'000

3'500

3'000

2'500

2'000

1'500

1'000
Abbildung 21: Sum-
menhäufigkeit der
500 Aussenlufttempera-
tur, über das ganze
0 Jahr, 24-h-Betrieb,
-20 -18 -16 -14 -12 -10 -8 -6 -4 -2 0 2 4 6 8 10 12 14 16 18 20 22 24 26 28 30 32 34
Standort Zürich,
Aussenlufttemperatur AUL [°C]
Quelle: SMA 1995
28
Integrale Gebäudetechnik

Das heisst: Um einen Faktor 7 besser als lichtoptimiert (mit einem grossen Oblicht)
eine Wärmepumpe mit einer Jahresar- schafft die Voraussetzungen für eine opti-
beitszahl von 4,3. male Gebäudetechnik. Als Energiequellen
werden Solarstrahlung und Erdreich ge-
Schlussfolgerung nutzt. Im Sommer erfolgt ein Wärmeent-
Eine Lüftungsanlage, korrekt dimensio- zug (Kühlen direkt über die Erdsonden) und
niert als Hygienelüftung, ist eine effektive im Winter ein Wärmeeintrag (Heizen mit-
Massnahme. tels Wärmepumpe). Die hygienisch not-
Die Wärmepumpe übernimmt die Um- wendige Lufterneuerung erfolgt über eine
wandlung von Umgebungswärme auf das Lüftungsanlage mit Feinstaubfilter und ei-
notwendige Temperaturniveau, um den ner maximalen Wärmerückgewinnung, die
marginalen Anteil der Wärmeverluste eine Nachheizung der Luft mit der Wärme-
durch die Hülle zu kompensieren. pumpe überflüssig macht. Die Räume wer-
Die Luft-Wasser-Wärmepumpe erfährt den mit einem thermoaktiven Bauteilsys-
auf Grund der minimierten Wärmeverluste tem (Tabs) beheizt und gekühlt. Das Tabs ist
«Hülle und Lufterneuerung» ein Revival. in einem überdurchschnittlich dicken Est-
Letztlich bleibt der grösste Aufwand für rich verlegt. Damit wird die Trennung zwi-
die Wassererwärmung. Die Gewohnheiten schen Primär- und Sekundärsystem respek-
der Menschen in unserem Land sind dies- tiert. Die Luftzufuhr erfolgt über eine im-
bezüglich weitgehend unverändert. pulsarme Verdrängungslüftung (Quelllüf-
tung), integriert in den sekundären Innen-
Beispiel Medienhaus Marburg ausbau. Die Teamarbeit und konsequente
Sanfte Klimatechnik, Energie- und Gebäu- Zielüberprüfung erbringen optimale Resul-
detechnik nach den Zielen der 2000-Watt- tate. Simulationen während des Entwurfes
Gesellschaft und der Umsetzung sowie eine angemes-
sene Gebäude- und Raumautomation tra-
Die Organisation gibt vor, was ge- gen ebenfalls dazu bei.
braucht wird: Das Konzept ist eine Team-
arbeit mit Ziel- und Projektdefinition. Die
Bauherrschaft verlangte ein funktionales
Medienhaus mit grosser Transparenz.

Die Anforderungen an die Architektur


und Materialisierung wurden im inter-
disziplinären Planungsteam erarbeitet und
definiert. Gefordert war eine Energie- und
Gebäudetechnik nach den Zielen der
2000-Watt-Gesellschaft und eine Gebäu-
detechnik, die nicht als Störung empfun-
den wird.

Entwurfsphase mit permanenter Re-


flexion und Zielüberprüfung. Die Ent-
wurfsphase entspricht einer Iteration von
Architektur, Material, Tragwerk und Tech-
nikkonzepten. Begleitet von periodischen
Überprüfungen durch thermische und
Raumströmungssimulationen konnten die
Risiken minimiert werden.

Das Gebäude als System. Die Hülle kom-


pakt, gut gedämmt und trotzdem tages-
29
Gebäudetechnik

Abbildung 22: Das Medienhaus in


Marburg. Beteiligte: Architekten: Deon Ar-
chitekten; Konzept Energie- und Gebäude-
technik: Kurt Hildebrand, Hochschule Lu-
zern; Gebäudesimulationen: Iwan Plüss,
Hochschule Luzern.

Abbildung 23: Luftströmung im Raum bei


Aussentemperatur 0 ° C, U-Wert Vergla-
sung 0,5 W/m2K.
30
Integrale Gebäudetechnik

Solarstrom
(Photovoltaik) Nutzung von Strom-, Wärme-, Kältegewinn

statische Speicherwasser- Fussboden Lüftung


Heizkörper erwärmer - Heizung - Lufterhitzung
- Kühlung - Luftkühlung

Wärmepumpe

Abbildung 24:
Gebäudetechnik im
Medienhaus Mar- Wärmequelle: Erdwärmesonde
burg, schematisch. - Erdwärme als Quelle für die Wärmepumpe
- Erdkälte direkt genutzt
Abbildung 25:
Modula GT am Bei-
spiel des Medien-
hauses Marburg

Quelle Umwandlung Speicher Verteilung Raum

Technischer Speicher Fussbodenheizung/


Heizung Erdsonde Wärmepumpe 2-Rohr-System
Wärme Fussbodenkühlung

Heizkörper
Untergeschoss
Technischer Speicher
Kühlung
Kälte

Aussenluft Lüftungsgerät mit Quellluftauslässe


Lüftung 1-Kanal-System
via 60 m Erdregister WRG (im UG) Erd- / Obergeschoss

Öffnen der
Aussenluft
Lüftungsflügel

Licht / Kraft /
Elektro Öffentliches Netz Hauptverteilung Unterfluhrkanäle
Apparate

Photovoltaik /
Sonne
Wechselrichter

Hauseintritt mit Speicherwasser- Warmwasser- Armaturen /


Sanitär Öffentliches Netz
Druckreduzierventil erwärmer verteilung Apparate

Kaltwasser-
verteilung
31
Gebäudetechnik

Abbildung 26: Das Medienhaus in der


Abenddämmerung

T emperaturverteilung Bürotyp Ost <= 22°C 22 - 26°C 26 - 28°C 28 - 30°C > 30°C
100%

90%

80%
P rozentualer Anteil [-]

70%

60%

50%

40%

30%

20%

10%

0%
S tandard Vers ch. 0.7 Versc h. 0.3 Glas 0.5 Glas 0.4 LW 2 LW 5
1 2 3 4 5 6 7
Variante
Variante 1 (Standard) Verschattung Transparenz: 0.5 [–]
LW: Luftwechsel Glas g-Wert: 0.62 [–]
Lüftung: 2 x 36 m3/h => ca. LW 1/h
Variante 2 (Verschattung 0.7) Verschattung Transparenz: 0.7 [–]
Variante 3 (Verschattung 0.3) Verschattung Transparenz: 0.3 [–]
Variante 4 (Glas 0.5) Glas g-Wert: 0.5 [–] Abbildung 27: Thermische Simulation –
Variante 5 (Glas 0.4) Glas g-Wert: 0.4 [–] Variantenübersicht. Anteile der Tempera-
turstufen an der gesamten Betriebszeit von
Variante 6 (LW 2) Lüftung LW 2/h (Nacht)
1215 Stunden (100 %) für 7 Varianten der
Variante 7 (LW 5) Lüftung LW 5/h (Nacht)
Gebäudetechnik.
Kapitel 2

Heizungsanlagen

Reto von Euw 2.1 Komponenten einer Heizungsanlage


10 10
7 7
7

9 9

WW 4 4

5 8 8
8 SPWE
WE ES 8 WA WA
1 11 8 2 3 3
8 Abbildung 28:
4 KW Wesentliche
6 Komponenten einer
Heizungsanlage

1 Wärmeerzeuger (WE) Ein Wärmeerzeuger formt Endenergie und allfällige


weitere zugeführte Energien in direkt nutzbare
Wärme um. Er überträgt die Wärme an ein Heizme-
dium.

2 Energiespeicher (ES) Ein Energiespeicher sorgt mit seiner Wärmespeicher-


kapazität den zeitlichen Ausgleich zwischen Ange-
bot und Bedarf an Energie. Mit Energiespeichern
werden unter anderem Sperrzeiten des Elektrizitäts-
versorgungsunternehmens überbrückt und kleine
Schalthäufigkeiten des Wärmeerzeugers erreicht.
Grundsätzlich unterscheidet man die Energiespei-
cher nach deren Funktionen:
Technischer Speicher: hydraulische Entkoppelung
und Reduzierung der Schalthäufigkeit
Energie-Wärmespeicher: Speicherung von Wärme-
energie zur Spitzenabdeckung und Überbrückung
von Sperrzeiten

3 Wärmeabgabe (WA) Die Wärmeabgabe an einen Raum erfolgt meistens


mit Heizkörpern, Fussbodenheizung (FBH) oder
thermoaktive Bauteilsysteme (Tabs).

4 Umwälzpumpe (P) Die Umwälzpumpe fördert das Heizungswasser


(siehe Abschnitt «Hydrau- durch einen definierten Kreislauf. Bei Heizungs-
lik von Heizungsanlagen») umwälzpumpen wird zwischen ungeregelten und
geregelten Umwälzpumpen unterschieden.

5 Sicherheitsventil (SV) Versagen die thermostatischen Regel- und Begren-


zungseinrichtungen oder liegt ein Bedienungsfehler
vor, kann ein gefährlicher Druckanstieg in einem hy-
draulischen Kreislauf resultieren. In diesem Fall öff-
net das Sicherheitsventil.
34
Heizungsanlagen

6 Ausdehnungsgefäss In Heizungsanlagen findet eine laufende Tempera-


turänderung statt und mit dieser eine Dichte- und
Volumenänderung des Wassers. Das Ausdehnungs-
gefäss nimmt bei der Erwärmung des Wassers die
Volumenzunahme auf und gibt diese bei einer Ab-
kühlung wieder ans Netz ab.

7 Regler Regler bewirken das Einhalten von vorgegebenen


Soll-Werten (z. B. Raumtemperatur, Vorlauftempera-
tur). Messfühler erfassen den Ist-Wert und mittels
Stellorganen (z. B. Ventile, Klappen) werden die zu
regelnden Grössen eingestellt.
Grundsätzlich unterscheidet man in der Regelungs-
technik zwischen Regelung und Steuerung. Bei der
Regelung wird der Ist-Wert erfasst. Weicht der Ist-
Wert vom Soll-Wert ab, reagiert das Regelorgan.
Man spricht von einem geschlossenen Regelkreis
(z. B. Raumtemperaturregelung).
Die Steuerung wirkt auf einen offenen Regelkreis.
Dabei wird der Ist-Wert nicht mit dem Soll-Wert
verglichen (z. B. Einfache Abluftanlage mit Nachlauf-
betrieb).

8 Fühler (F) Fühler erfassen den Ist-Wert und geben diesen dem
Regelgerät weiter. Es wird zwischen Fühler und Ther-
mostaten unterschieden. Bei Fühlern wird der Soll-
Wert am Regelgerät eingestellt. Hingegen wird beim
Thermostaten der Soll-Wert an Ort und Stelle direkt
eingestellt.

9 Stellorgan Stellorgane (z. B. Ventile, Klappen) bestehen aus dem


Stellantrieb und dem Stellglied. Das Stellorgan stellt
aufgrund des Eingangssignals eine Grösse (z. B. Hub)
im Stellglied ein.

10 Aussentemperaturfühler, Eine aussentemperaturgeführte Regelung ist die am


Witterungsfühler häufigsten eingesetzte Art einer Heizungsregelung.
(siehe Abschnitt «Witte- Dabei wird die Vorlauftemperatur in Abhängigkeit
rungsgeführte Vorlauf- der Aussentemperatur geregelt. Welche Vorlauftem-
temperaturregelung») peratur bei welcher Aussentemperatur notwendig
ist, wird durch die Heizkurve definiert.

11 Speicherwasser- Eine Speicherwassererwärmung (SPWE) ist eine Was-


erwärmung (SPWE) sererwärmung in Form eines Behälters mit eingebau-
ten Heizflächen, in denen das Kaltwasser erwärmt
und gespeichert wird.

Warmwasserspeicher Ein Warmwasserspeicher (WWSP) ist ein Behälter


(WWSP) zum Speichern von Warmwasser ohne eingebaute
Heizflächen.
35
Gebäudetechnik

2.2 Hydraulik von Heizungs-


anlagen
Damit die notwendige Wärme in den
Gebäuden bereitgestellt, verteilt und am
richtigen Ort abgegeben wird, kommen
in Gebäudetechnikanlagen hydraulische
Netze zum Einsatz. In der Gebäudetechnik
kennt man 6 Grundschaltungen derartiger
Netze:
Beimischschaltung
Direktschaltung
Drosselschaltung
Umlenkschaltung (in der Schweiz für
Neubauten nicht mehr zu verwenden)
Einspritzschaltung mit 3-Weg-Stellorgan
(in der Schweiz für Neubauten nicht mehr
zu verwenden)
Einspritzschaltung mit Durchgangs-
Stellorgan

1 4

WE WA WE WA

2 5
Abbildung 29:
Hydraulische
WE WA WE WA Grundschaltungen
(Quelle: Norm
SIA 384/1)
1 Beimischschaltung
2 Direktschaltung
3 Drosselschaltung
4 Umlenkschaltung
5 Einspritzschaltung
3 6
6 Einspritzschaltung
mit Durchgangs-
Stellorgan
WE WA WE WA
WE Wärmeerzeuger
oder -übertrager
WA Wärmeabgabe
(z. B. Heizkörper,
Lufterhitzer)
36
Heizungsanlagen

In den folgenden Ausführungen werden nur Merkmale


auf die Beimischschaltung (Grundschaltung Tiefe Rücklauftemperatur bei kleiner Last
1) und die Einspritzschaltung mit Durch- (gut geeignet bei kondensierendem Wär-
gangs-Stellorgan (Grundschaltung 6) einge- meerzeuger)
gangen. Diese sind die meist eingesetzten Konstanter Massenstrom mit variabler
Schaltungen in der Gebäudetechnik. Vorlauftemperatur im Verbraucherkreis,
sofern keine Massenstromregler (z. B. Ther-
Beimischschaltung mostatventile) bei der Wärmeabgabe ein-
Funktionsweise gesetzt sind
Bei der Beimischschaltung wird das Rück- Gleichmässige Temperaturverteilung
laufwasser mit dem Vorlaufwasser auf die über dem Heizkreis
gewünschte Temperatur (VL-Temperatur Geringe Einfriergefahr bei Lufterwärmern
der Heizgruppe) gemischt. Die gewünschte Bei differenzdruckarmen Verteiler (kleine
VL-Temperatur der Heizgruppe ist mit der Anlagen) benötigt es keine Hauptpumpe.
Heizkurve definiert und ist abhängig von Dadurch wird der Massenstrom über dem
der Aussentemperatur. Wärmeerzeuger variabel.
Beim Einsatz von Thermostatventilen wird
der Massenstrom im Wärmeabgabekreis- Einsatzgebiet
lauf variabel. In diesem Fall sollte eine ge- Regelung von Heizkörper- und Fussbo-
regelte Umwälzpumpe eingesetzt werden. denheizungen
Lufterwärmer mit Einfriergefahr
Beimischschaltung mit internem Bypass: Anlagen mit Niedertemperatur-Wär-
Ist die vom Wärmeerzeuger erzeugte Vor- meerzeugern (kondensierende Wärmeer-
lauftemperatur bei Auslegebedingungen zeugung; Brennwertkessel) oder Wärme-
Abbildung 30: Abbildung 31:
Beimischschaltung
(Volllast-Betrieb) höher als die Vorlauftem- pumpen Beimischschaltung
(Grundschaltung 1) peratur in der Heizgruppe, muss bei der mit internem Bypass
1 Stellorgan, Beimischschaltung ein interner Bypass ein- Einspritzschaltung mit Durchgangs- 1 Stellorgan,
2 Umwälzpumpe gebaut werden. Durch das stetige Beimi- stellorgan 2 Umwälzpumpe
3 Fühler schen des abgekühlten Rücklaufwassers Funktionsweise 3 Fühler
4 Abgleichdrossel via Bypass sinkt die Vorlauftemperatur. Da- Je nach Stellung des Durchgangsventils 4 Abgleichdrossel
5 Aussenfühler mit steht dem Stellorgan der komplette (4), wird mehr oder weniger Vorlaufwasser 5 Aussenfühler
6 Regler Hub für die Regulierung zur Verfügung. des Wärmeerzeugers in den Heizkreis ein- 6 Regler
7 Sicherheits- Dadurch wird die Regulierfähigkeit des gespritzt. Wie bei der Beimischschaltung 7 Sicherheits-
temperaturbe- temperaturbe-
Stellorgans optimal ausgenutzt. ist auch bei der Einspritzschaltung die VL-
grenzung bei FBH grenzung bei FBH

5 5
6 6

1 1

2 2
3 3
7 7

WE WA WE 4 WA

4 4
37
Gebäudetechnik

Temperatur des Heizkreises von der defi- Energieinhalt nutzen, muss die Abluft so-
nierten Heizkurve gegeben und ist abhän- weit heruntergekühlt werden, bis sich
gig von der Aussentemperatur. Kommen Wassertropfen (Kondensat) bilden. Heiz-
Thermostatventile zum Einsatz, so gelten kessel, welche die Kondensationswärme
die gleichen Aussagen, wie bei der Bei- nutzen, bezeichnet man als Brennwertkes-
mischschaltung. sel (kondensierende Heizkessel). Dabei
wird mit einer niedrigen Rücklauftempera-
Merkmale tur die Kondensation ermöglicht und somit
Tiefe Rücklauftemperatur eine Nutzung des Brennwerteffekts.
Gleichmässige Temperaturverteilung
über dem Heizkreis Kommen Heizkessel zum Einsatz, welche
Geringe Einfriergefahr bei Lufterwär- die speziellen materialtechnischen Anfor-
mern derungen an die Heizkesselkonstruktion
Bei Einspritzschaltungen mit Durch- nicht erfüllen und somit die Kondensati-
gangsstellorgan muss immer eine Haupt- onswärme nicht nutzen können, darf die
pumpe berücksichtigt werden. Rücklauftemperatur in den Heizkesseln
Massenstrom über dem Wärmeerzeuger den Taupunkt des jeweiligen Brennstoffs
ist variabel. nicht unterschreiten. Dies kann mit einer
hydraulischen Schaltung, der Kesselrück-
Einsatzgebiet laufhochhaltung, garantiert werden.
Wärmepumpen und Brauchwarmwas-
serladung Funktionsweise
Anlagen mit Niedertemperatur-Wärme- Liegt die Rücklauftemperatur (K,RL,min.)
erzeugern (kondensierende Wärmeerzeu- unter dem Taupunkt des jeweiligen Brenn-
gung; Brennwertkessel oder Wärmepum- stoffs, wird heisses Vorlaufwasser mittels
pen) 3-Weg-Ventil dem Rücklauf zugemischt.
Direkte Fernheizungsanschlüsse Haben Kesselkreis und Heizgruppen stark
Regelung von Heizkörper- und Fussbo- unterschiedliche Rücklauftemperaturen,
denheizungen so ist auf der Kesselseite ein konstanter in-
terner Bypass vorzusehen.
Kesselrücklaufhochhaltung
In den Abgasen ist Feuchtigkeit (aus Brenn-
stoff und Verbrennungsluft) in Form von
Wasserdampf vorhanden. Will man diesen

5
6

1 Abbildung 32:
2 Einspritzschaltung
7
1 Umwälzpumpe
WA 2 Fühler
WE 3 Abgleichdrossel
3 4 Stellorgan
5 Aussenfühler
6 Regler
4 7 Sicherheits-
temperaturbe-
grenzung bei FBH
38
Heizungsanlagen

Merkmale als bei nicht geregelten Pumpen. Gere-


Sichere Lösung gelte Umwälzpumpen eignen sich daher
Geeignet, wenn zwischen Wärmeerzeu- nur, wenn folgende Fälle eintreten:
ger und Verbraucher grosse Distanzen Der Durchfluss variiert um mehr als 1 zu 2.
liegen (z. B. Fernwärme). Keine ungeregelte Pumpe mit ausreichend
Stellglied kann gleichzeitig auch genutzt flacher Pumpenkennlinie zu finden ist.
werden, um die Kesselvorlauftemperatur Für grosse Heizungskreise mit Heizleis-
zu regeln. tungen über 300 kW bis 400 kW.

Einsatzgebiet Bei der Auslegung von Umwälzpumpen


Bei nichtkondensierenden Heizkesseln sollte darauf geachtet werden, dass sie
(z. B. Holzheizkessel) während des Betriebs mit einem guten
Mustervorschriften der Kantone im Ener- Wirkungsgrad läuft. Deshalb sollten bei
giebereich (MuKEn): Mit fossilen Brenn- der Auslegung auf folgende Punkte ge-
stoffen (Gas, Öl) betriebene Heizkessel bei achtet werden:
Neubauten und Kesselersatz muss die Bei ungeregelten Umwälzpumpen sollte
Kondensationswärme genutzt werden. der Auslegebetriebspunkt im mittleren
Der Einsatz von Brennwertkessel ist des- Drittel der Pumpenkennlinie liegen.
halb unumgänglich. Bei geregelten Umwälzpumpen sollte
der Auslegungsbetriebspunkt im hinteren
Umwälzpumpen Drittel der Pumpenkennlinie liegen. Somit Abbildung 34:
Bei Heizungsumwälzpumpen wird zwi- wird ein grosser Regelbereich und im Teil- Empfohlene
schen ungeregelten und geregelten Um- lastfall ein guter Wirkungsgrad erreicht. Bereiche bei der
wälzpumpen unterschieden. Bei geregel- Wichtig ist, dass gewählte Umwälzpum- Pumpenauslegung
ten Umwälzpumpen ist der Wirkungsgrad pen immer der effizientesten Energieklasse von ungeregelten
und geregelten
im Teillastbereich oft deutlich schlechter entsprechen.
Pumpen.

ungeregelte
Druckdifferenz (kPa) Umwälzpumpe

geregelte
QK, VL Umwälzpumpe

Pumpen-
kennlinie
WE
(Holz) 1/ 2/ 3/
3 3 3 Volumenstrom
(m3/h)
Wirkungsgrad (%)

QK, RL, min.

Abbildung 33:
Kesselrücklauf- Volumenstrom
hochhaltung mit (m3/h)
internem Bypass
39
Gebäudetechnik

Ungeregelte Umwälzpumpen flüssen verbessert werden. In diesem Fall


Bei ungeregelten Umwälzpumpen befin- spricht man von einer witterungsgeführ-
det sich der Betriebspunkt immer auf der ten Vorlauftemperatur.
konstanten Pumpenkennlinie. D.h., der Auch kann der zusätzliche Wärmeanfall
Volumenstrom und die Förderhöhe verän- mit einer Raumtemperaturkompensation
dern sich nicht. Ungeregelte Umwälzpum- korrigiert werden. Dazu wird die Raum-
pen werden eingesetzt, wenn die hydrau- temperatur in einem Referenzraum ge-
lischen Daten während eines Ladevor- messen und bei einem zusätzlichen Wär-
gangs konstant bleiben (z. B. Warmwas- meeintrag wird die Heizkurve entspre-
serladung, Hauptpumpe bei differenz- chend der Raumtemperaturabweichung
druckloser Verteilung). parallel nach unten verschoben. Voraus-
setzung für den Erfolg dieser Methode ist,
Geregelte Umwälzpumpen dass die Störgrössen (interner und exter-
Geregelte Umwälzpumpen passen die För-
derhöhe bei ändernden Lastzuständen im Druckdifferenz (kPa)
Heizungskreis laufend an. Dabei können
Betriebspunkt (Teillast)
zwei verschiedene Betriebsarten gewählt
Anlagenkennlinie
werden:
Regelung mit konstantem Betriebsdruck
Betriebspunkt (Auslegung)
(CP): Dabei bleibt der Differenzialdruck der
Anlage bei änderndem Volumenstrom Pumpenkennlinie
konstant. Diese Betriebsart kommt zum
Abbildung 35: Einsatz bei kleineren Heizungsanlagen mit
Pumpendiagramm konstanten Druckverlusten im Voll- und Volumenstrom
einer ungeregelten Teillastbetrieb. (m3/h)
Umwälzpumpe Regelung mit proportionalem Betriebs-
druck (PP): Bei dieser Regelungsart sinkt
der Differenzdruck mit abnehmendem Vo- Druckdifferenz (kPa)
lumenstrom und steigt mit zunehmendem
Betriebspunkt (Teillast)
Volumenstrom. Dabei wird der Differenz-
druck in der Pumpe gemessen und gere-
gelt. Proportionaldruckgeregelte Pumpen
kommen bei Anlagen mit variablen Druck- Betriebspunkt (Auslegung)
verlusten im Teillastbetrieb zum Einsatz.
Abbildung 36:
Pumpendiagramm
einer geregelten Witterungsgeführte
Umwälzpumpe mit Vorlauftemperaturregelung
Volumenstrom
konstantem Die witterungsgeführte Vorlauftempera- (m3/h)
Betriebsdruck (CP) turregelung beeinflusst die Raumtempera-
tur. Dabei stellt sich bei schlechtem Wetter
und tiefen Aussentemperaturen eine hö- Druckdifferenz (kPa)
here Vorlauftemperatur ein, um die ge-
Betriebspunkt (Teillast)
wünschte Raumtemperatur zu erreichen.
Mit der eingestellten Heizkurve können
die intern und extern anfallenden Wärme-
lasten im Raum nicht erfasst werden. Betriebspunkt (Auslegung)
Besonders bei gut gedämmten Gebäuden
Abbildung 37:
Pumpendiagramm sinkt der Einfluss einer Aussentempera-
einer geregelten turänderung auf die Raumtemperatur. Die
Umwälzpumpe mit nur aussentemperaturgeführte Vorlauf-
Volumenstrom
proportionalem temperaturregelung kann mit dem Zu- (m3/h)
Betriebsdruck (PP) schalten von Wind- respektive Sonnenein-
40
Heizungsanlagen

ner Wärmeeintrag) auf alle Räume gleich- Die Heizkurve sollte nach der Inbetrieb-
mässig einwirken. Dies ist leider in der Re- nahme überwacht und optimiert werden.
gel nicht der Fall – Störgrössen treten viel- Es empfiehlt sich, dass im Referenzraum
mehr in einzelnen Räumen unterschiedlich (ungünstigster Raum) die Thermostatven-
auf. Hier helfen nur Thermostatventile in tile an kalten Tagen geöffnet bleiben und
allen Räumen. Deshalb wird die witte- die Rückmeldungen vom Nutzer angefor-
rungsgeführte Vorlauftemperaturregelung dert werden. Je nach Rückmeldung wird
heute oft mit Thermostatventilen kombi- die Heizkurve nach unten oder oben korri-
niert. giert. Ist die Heizkurve korrekt eingestellt,
so wird die gewünschte Raumtemperatur
Platzierung von Aussenfühlern an kalten Wintertagen und ohne intensive
Nie direkter Sonneneinstrahlung ausset- Sonneneinstrahlung gerade noch erreicht.
zen. Mit Aufzeichnungen der Aussen- und der
Nie auf Fassaden mit grosser Auftriebs- Raumtemperatur während einer Heizperi-
wärme montieren. ode können die korrekten Einstellungen
Nicht über Lüftungs-Austrittsöffnungen an der Heizkurve einfacher und präziser
montieren. vorgenommen werden.

Die früher allgemein gültige pauschale Re-


gel «Immer Nordseite für den Aussenfüh-
ler» ist heute mit Sicherheit nicht mehr
gültig, sondern sie ist zu differenzieren.
Bei gut gedämmten Gebäuden mit massi-
ven Bauteilen möchte man die Speicherfä-
higkeit der Masse nutzen. Dabei wird die
anfallende Wärme in Bauteilen gespei-
chert und zeitverzögert an die sinkende
Temperatur der Umgebungsluft wieder
abgegeben. Fühler an der Ostfassade soll-
ten in den Morgenstunden von einem Na-
delbaum (Achtung: Laubbäume haben im
Winter keine Blätter), Nachbargebäude
oder Balkon beschattet sein. Ansonsten
kann der Fühler von der Morgensonne zu
fest aufgeheizt werden, sodass die Vor-
lauftemperatur zu niedrig ist.

Heizkurve
Die Heizkurve beschreibt die Zuordnung
der Vorlauftemperatur zur Aussentempe-
ratur. Im Regler wird die Heizkurve einge-
stellt; sie ist abhängig vom Gebäude und
vom Wärmeabgabesystem.
Mit Vorlauftemperatur bezeichnet man die
Temperatur des der Wärmeabgabe (Fuss-
bodenheizung, Heizkörper) dienenden
Heizungswassers. Sie liegt je nach Aussen-
temperatur und dem Wärmeabgabesys-
tem zwischen 25 °C und 50 °C. Anlagen
mit reinen Flächenheizungen (z. B. Fussbo-
denheizungen) kommen mit 25 °C bis
35 °C aus.
41
Gebäudetechnik

5
Qa
1

2 Abbildung 38: Witterungsgeführte


Vorlauftemperaturregelung in Verbindung
Heizgruppe
mit Thermostatventilen
3 1 Vorlauftemperatur-Regelung
7 2 Stellorgan
Qi 4 3 Heizgruppenpumpe
WE
4 Thermostatventil
5 Aussentemperatur-Fühler
WA
6 Heizkurve (VL-Sollwertgeber)
Raum 7 Vorlauftemperaturfühler
a = Aussentemperatur
i = Raumtemperatur

Tagesaufenthaltsräume Aussenfühler Abbildung 39: Platzierung von Witterungs-


fühlern

Vor- und Rücklauftemperatur (˚C)

50

40 QVL
QRL Heizgrenze

21

-7 0 10 21
Aussentemperatur (˚C) Abbildung 40: Beispiel einer Heizkurve
(Wärmeabgabe über Heizkörper)
42
Heizungsanlagen

2.3 Wärmepumpen giepotenzial, welche mit dem Verdampfer


aus Abwärme oder aus der Umwelt entzo-
Eine Wärmepumpe (WP) entspricht im gen wird. Nach dem Verdampfer ist das
technischen Aufbau einer Kältemaschine Kältemittel in einem gasförmigen Zustand
(KM). Im Gegensatz zur KM erwärmt die und wird mittels Verdichter auf ein höhe-
WP ein Wärmeträgermedium, das Hei- res nutzbares Temperaturniveau gebracht.
zungswasser. Die von der WP erzeugte
Wärme stammt aus einem tieferen Ener-

Kältemittel GWP100a Praktischer Angaben zur Kritische Temperaturgleit Siede-Tempe-


(CO2 = 1,0) Grenzwert Sicherheit Temperatur bei 1 bara(K) ratur bei 1 bara
(kg/m3) (°C) (°C)

R-134a 1200 0,25 – 101 0 – 26

R-407C 1520 0,31 – 87 7,4 – 44

R-404A 3260 0,48 – 73 0,7 – 47

R-410A 1720 0,44 – 72 < 0,2 – 51

R-417A 1950 0,15 – 90 5,6 – 43

R-507A 3300 0,52 – 70 0 – 47

R-290 (Propan 3 0,008 brennbar 97 0 – 42

R-717 (NH3) 0 0,00035 giftig 133 0 – 33

R-723 (NH3 & DME) 8 – giftig 131 0 – 37


Tabelle 17: Kälte-
R-744 (CO2) 1 0,07 hoher Druck 31 0 – 57*
mittelkennwerte
(siehe auch Tabelle R-718 (H20) 0 – – 374 0 100
48 auf Seite 93)
Kursiv: Natürliche Kältemittel
Abbildung 41: *CO2 muss wegen Eisbildung über 5,3 bar betrieben werden (Tripelpunkt)
Prinzip eines «GWP100a» bezeichnet den Treibhauseffekt bezogen auf CO2 = 1, der über einen Zeitraum von 100 Jahren verursacht wird.
Kältekreislaufes Der «Praktische Grenzwert» bezeichnet den maximal zulässigen Grenzwert des Kältemittels in der Luft. Darin sind
Sicherheitsmargen für ungleichmässige Konzentrationen (Schichtung) bereits berücksichtigt.
Abbildung 42: Die «Kritische Temperatur» bezeichnet die Temperatur, oberhalb der es unmöglich ist, ein Gas unter Anwendung noch so
Kältekreislauf im hoher Drücke zu verfüssigen.
Die «Temperaturgleit» bezeichnet die Differenz zwischen Siede- und Taupunkttemperatur bei konstantem Druck.
h-log-p-Diagramm
dargestellt

Druck, log p (bar)

Flüssigkeit Dampf
Verflüssigung
3 p = konstant 2
Verflüssiger pc
Hochdruck

3 2
Expansion Verdichtung
h = konstant s = konstant
Drosselorgan Verdichter p0
Kompressor 4 Verdampfung 1
Niederdruck

p = konstant

4 1 Enthalpie
Verdampfer
 hVerdampfer hVerdichter (kJ/kg)

 hVerflüssiger
43
Gebäudetechnik

Arten von Energiequellen erreicht. Die JAZ beschreibt das Verhältnis


Wichtigste Voraussetzung, um mit einer des gesamten Jahreswärmebedarfs (Q) des
Wärmepumpe eine gute Jahresarbeitszahl zu erwärmenden Gebäudes zur gesamten
(JAZ) zu erreichen, ist eine geeignete Ener- aufgenommenen elektrischen Energie (E),
giequelle. Ihre Temperatur sollte möglichst einschliesslich aller elektrischen Geräte der
hoch und konstant sein und damit wird Heizungsanlage (WP mit Regler, Primär-
eine kleine Temperaturdifferenz zwischen und Sekundärpumpe, etc.).
Energiequelle und Verflüssigertemperatur

Die Leistungszahl
Heizungsanlage einer Wärme-
Wärmeerzeugungsanlage
Wärmenutzungs- pumpe wird als
anlage
COP «Coefficient
Wärmepumpenanlage Zusatzheizungs- Wärmeabgabe
anlage
of Performance»
Wärme- WP Speicheranlage bezeichnet. Der
quellen- Verflüssiger
anlage COP gibt an, wie
Spei- viel nutzbare Wär-
cher meleistung im Ver-
Kessel hältnis zur aufge-
Wärme- Verdampfer nommenen elektri-
quelle
Wärmeverteilung
schen Leistung eine
Wärmepumpe bei
einem genormten
Betriebspunkt in
Leistungszahl Coefficient of Performance COP
· ·
Form von Wärme
QWP QWP
= COP = abgibt. Der COP
PWP PWP + PV + PK + PSR + PA
darf nicht mit der
Jahresarbeitszahl
Jahresarbeitszahl JAZ (JAZ) verwechselt
JAZ =
QWP - QSPA werden.
EWP + EP,V + EP,K + ESR + EA + EC

Jahresnutzungsgrad der Wärmeerzeugungsanlage WEA


WEA = QWEA
EWP + EP,V + EP,K + ESR + EA + EC + EKEA + EKEA,H

Leistungen (Momentanwerte oder Energiemengen (Jahreswerte)


Mittelwerte über kurze Zeitdauer)
·
QWP Heizleistung der Wärmepumpe QWP von der Wärmepumpe produzierte
PWP Verdichter-Leistungsaufnahme der Wärmemenge
Wärmepumpe QSPA Wärmeverluste der Speicheranlage
PV Leistungsanteil zur Überwindung des QWEA von der ganzen Wärmeerzeugungsanlage
Verdampferdruckabfalls produzierte Wärmemenge
PK Leistungsanteil zur Überwindung des EWP Verdichter-Energieverbrauch der Wärmepumpe
Verflüssigerdruckabfalls EP,V Energieverbrauch der Verdampferpumpe (Anteil)
PSR Leistungsaufnahme der Steuerung und EP,K Energieverbrauch der Verflüssigerpumpe (Anteil)
Regelung innerhalb der Wärmepumpe
ESR Energieverbrauch der Steuerung und Regelung
PA mittlere Leistungsaufnahme der
EA Energieverbrauch der Abtaueinrichtung
Abtaueinrichtung
EC Energieverbrauch der Carterheizung Abbildung 43:
EKEA Brennstoffverbrauch der Kesselanlage Systemgrenzen von
EKEA,H Hilfsenergieverbrauch der Kesselanlage Wärmepumpenan-
lagen
44
Heizungsanlagen

Für die JAZ können folgende Zahlen aufgestellt) und einem Verflüssiger mit
als Richtgrössen angenommen werden Verdichter (innen aufgestellt). Die beiden
(Quelle: Europäischer Wärmepumpenver- Teile sind mit Kältemittelleitungen verbun-
band EHPA): den.
Wasser-Wasser-Wärmepumpenanlagen
4,5 Planungshinweise für Luft-Wasser-WP
Direktverdampfer-Wärmepumpenanla- (Quelle: Handbuch Wärmepumpen)
gen 4,2 Elektroanschluss ist bewilligungs-
Sole-Wasser-Wärmepumpenanlagen 4,0 pflichtig: Die Nutzung von Aussenluft ist
Luft-Wasser-Wärmepumpenanlagen 3,5 nicht bewilligungspflichtig. Hingegen muss
der Elektroanschluss vom zuständigen
Für eine WP eignen sich folgende Energie- Elektrizitätswerk bewilligt werden.
quellen: Zeitweise eingeschränkte Heizsys-
Luft (Umgebungswärme aus Aussenluft temtemperaturen: Aufgrund von saiso-
und Fortluft) nal tiefen Aussenlufttemperaturen kann
Wasser (Oberflächenwasser und unterir- unter Umständen die Heizsystemtempera-
disches Wasser, Abwasser) tur nicht erreicht werden oder die Wärme-
Geothermie (oberlächennahe und tiefe pumpe wird mit einem schlechten COP
Geothermie) betrieben.
Abwärme (gewerbliche Kälte, Klimakälte Automatische Abtauung des Ver-
oder Prozesskälte) dampfers: Bei Aussentemperaturen unter
ca. 5 °C und entsprechender Luftfeuchtig-
Luft-Wasser-WP keit kann der Verdampfer vereisen. Es ist
Die Luft-Wasser-WP entzieht Wärme der eine automatische Abtauung notwendig.
Aussenluft oder der Fortluft von raumluft- Kondenswasserbildung beim Ver-
technischen Anlagen (RLT-Anlagen). Diese dampfer muss abgeführt werden:
Luftquellen stehen in unbeschränkten Durch die Abkühlung unter den Taupunkt
Mengen zur Verfügung. Nachteilig sind der Luft im Verdampfer entsteht Kondens-
die saisonal tiefen Aussenlufttemperatu- wasser. Dieses muss gesammelt und in
ren und deren Luftfeuchte. So kann es einer frostsicheren Leitung abgeführt
sein, dass bei tiefen Aussenlufttemperatu- werden.
ren Reif und Eis am Verdampfer ansetzen. Keinen Kurzschluss von gefasster
Mittels Abtaueinrichtung in der WP wird und abgekühlter Aussenluft: Es ist zu
der vereiste Lamellenwärmeübertrager beachten, dass die zum Verdampfer ge-
wieder abgetaut. führte Luft nicht abgekühlte Luft ansaugt

Wärmequelle: Aussenluft
Bei der Aussenluft-Wasser-WP unterschei-
det man Kompaktgeräte und Splitgeräte.
Wobei bei den Kompaktgeräten zwischen
zwei Bauformen unterschieden wird: In-
nenaufstellung und Aussenaufstellung.
Die Luft wird bei der Innenaufstellung aus-
sen gefasst und mit einem Luftkanal zur
WP geführt. Besteht im Gebäude Platz-
mangel, kann ein Kompaktgerät für Aus-
senaufstellung zum Einsatz kommen.
Kann wegen grossen Luftvolumenströmen
der Luftkanal nicht im Gebäude installiert
werden, wird die WP in zwei Teile gesplit- Abbildung 44:
tet. Ein Splitgerät besteht demzufolge aus Luft-Wasser-WP;
zwei Teilen: einem Verdampfer (aussen Kompaktgerät
45
Gebäudetechnik

und dadurch zu einem Kurzschluss kom- ligungspflichtig und die Art der Entnahme,
men kann. die Rückgabe sowie die minimale Rückga-
Steigerung der Energieeffizienz betemperatur des Wassers sind mit den
durch idealen Luftfassungsstandort: zuständigen Amtsstellen abzuklären.
Wird die Luft an «warmen» Standorten ge-
fasst, z. B. in Autoeinstellhallen, Gebäude- Wärmequelle: Grundwasser
abluftanlagen oder in Erdluftwärmetau- Durch das Einsickern von Oberflächenwas-
schen, kann die Energieeffizienz der WP ser oder Niederschlagswasser sammelt
gesteigert werden. sich das Wasser in Hohlräumen von tiefe-
Aussenluftfassung ist zu schützen: ren Bodenzonen an. Die mittlere Jah-
Die Aussenluftfassung ist vor Beschädi- restemperatur des Grundwassers ist ziem-
gung durch Personen sowie Schnee, Laub, lich konstant und liegt zwischen 9 °C und
Staubpartikeln und Kleintieren zu schüt- 11 °C.
zen.
Bewilligung für Aussengeräte: Eine Planungshinweise für Wasser-
Installation von Aussengeräten bedingt Wasser-WP
eine Baubewilligung. (Quelle: Handbuch Wärmepumpen)
Kältetechnische Regeln bei der Pla- Das Nutzen von Grundwasser und Ober-
nung von Split-Anlagen beachten. flächenwasser ist bewilligungspflichtig.
Schallemissionen beachten. Geologisches und Hydrologisches Gut-
achten: Planung und Umsetzung muss mit
Wasser-Wasser-WP einer geologischen oder hydrologischen
Wasser-Wasser-WP beziehen Wärme aus Beratung erfolgen.
Abwasser, Grundwasser oder Oberflä- Infiltration von Oberflächenwasser be-
chengewässern (Flüssen oder Seen). Wär- achten: Bei Fassungen in der Nähe von
mequellen aus Abwasser und Grundwas- Oberflächengewässern ist eine mögliche
ser haben gegenüber der Luft-Wasser-WP Infiltration durch diese zu beachten.
den grossen Vorteil, dass die Quellentem- Grundwasserströmung bei der Wahl von
peratur das ganze Jahr hindurch fast kon- der Entnahme- und Rückgabestelle be-
stant ist. Aufgrund des relativ hohen und rücksichtigen.
konstanten Temperaturniveaus eignet sich Wasseranalyse berücksichtigen. Folgende
Grundwasser als die beste Wärmequelle Grenzwerte sollten nicht überschritten
für WP. Aber auch Oberflächenwasser aus werden:
Seen und Flüssen können eingesetzt wer- pH-Wert über 7
den. Wasser-Wasser-WP sind immer bewil- Eisen (gelöst) unter 0,15 mg/l

Abbildung 46:
Abbildung 45: Wasser-Wasser-WP;
Luft-Wasser-WP; Grundwasserfas-
Splitgerät sung
46
Heizungsanlagen

Mangan (gelöst) unter 0,1 mg/l 100 Wh pro m Erdsonde (ohne sommerli-
Anlage auf den niedrigsten zu erwarten- che Regeneration) angenommen werden.
den Grundwasserstand auslegen: Die Leis-
tung der Förderpumpe sollte auf diesen Planungshinweise für Erdwärme-
ausgelegt werden. sonden-WP
Temperatur- und Stömungsüberwa- (Quelle: Handbuch Wärmepumpen)
chung: Diese bietet Schutz vor Abkühlung EWS-Anlagen sind bewilligungs-
des genutzten Wassers unter den Gefrier- pflichtig.
punkt sowie vor Übernutzung. Regeneration des Erdreichs durch
Free-Cooling-Betrieb: EWS dienen wäh-
Sole-Wasser-WP rend den Sommermonaten als direkte
Die Sole-Wasser-WP bezieht die Wärme Kältequelle.
über einen geschlossenen Solekreis der Keinen Einsatz für die Bauaustrock-
Erde. Hierfür kommen horizontale Register nung
(Erdwärmeregister) oder vertikale Sonden Sondenbohrungen durch zertifizierte
(Erdwärmesonden) zum Einsatz. Da das Bohrfirma
Erdreich über das ganze Jahr eine nahezu Sondenzuleitung unter der Frost-
konstante Temperaturkonstanz aufweist, schutztiefe verlegen: Werden die Son-
ist die Erdwärme eine ideale Wärmequelle denzuleitungen über der Frostschutztiefe
für die WP. Weitere Technologien kommen verlegt, sind diese zu dämmen.
zum Einsatz: Mindestabstand zwischen den Son-
Energiepfähle den beachten.
Erdwärmekörbe EWS-Felder sind von Spezialisten zu
Erdwärmegraben berechnen.
Schlitzwände
Wärmequelle: Erdwärmeregister
Wärmequelle: Erdwärmesonden (EWS) Erdwärmeregister bestehen aus horizontal
Erdwärmesonden werden vertikal an- verlegten Rohren, welche im Erdreich zwi-
gesetzt und reichen zwischen 50 m bis schen 1,2 m bis 1,5 m unter dem Terrain
350 m tief in den Boden. Damit der Sole- liegen. Ebenfalls sollte bei diesem Verfah-
kreis im Verdampfer der WP nicht einfriert, ren ein Frostschutzgemisch als Wärmeträ-
wird ein Frostschutz-Gemisch (Glykol- ger eingesetzt werden (Glykol-Wasser).
Wasser) als Wärmeträger verwendet. Für
einen regulären WP-Betrieb kann ein Planungshinweise für Erdregister-WP
Energiebezug zwischen 70 bis max. (Quelle: Handbuch Wärmepumpen)
Erdwärmeregister können bewilligungs-
pflichtig sein.
Maximale Entzugsleistung beachten (Ta-
belle 19).
Sorgfältiges Eindecken des Erdregisters:
Damit allfällige Schäden an den Rohren er-
kennbar sind, sollte das ganze System beim
Eindecken unter Druck sein.
Erdregister vor Wurzelwuchs schützen
(Bepflanzung, Bäume).

Mögliche Störungen
Hochdruckstörung: Kann die Kondensa-
Abbildung 47: tionswärme nicht abgeführt werden, ent-
Sole-Wasser-WP; steht im Kältemittelkreis einen zu hoher
Wärmequelle: Druck und die WP geht auf Hochdruckstö-
Erdwärmesonden rung. Ein Überschreiten der Betriebsgrenze
47
Gebäudetechnik

des Kondensationsdruckes wird durch den rung gehen kann. Dabei schaltet der Nie-
Hochdruck-Sicherheitspressostat verhin- derdruck-Sicherheitspressostat den Ver-
dert. Er schaltet den Verdichter aus und die dichter aus. Ein rasches Umstellen von
Wärmepumpe geht ausser Betrieb. Dies Wassererwärmung auf Heizbetrieb kann
kann unter anderem eintreten, wenn die eine Niederdruckstörung auslösen.
Verflüssigereintrittstemperatur des Heiz-
wassers zu hoch oder der Volumenstrom Hydraulische Einbindung
über dem Verflüssiger zu klein ist. Grundsätzlich sollte in jedes WP-Heizsys-
tem ein Energiespeicher eingebaut wer-
Niederdruckstörung: Durch einen massi- den. So werden lange WP-Laufzeiten er-
ven und raschen Temperaturabfall beim reicht und somit kein unzulässiges Takten.
Eintritt des Verflüssigers, kann der Kälte- Dies ist für die Lebensdauer der WP von
mitteldruck beim Verflüssiger so stark ab- grösster Bedeutung. Mit einem Energie-
sinken, dass die WP auf Niederdruckstö- speicher können auch Sperrzeiten über-

Spezifische Entzugsleistung
Untergrund
qE in W/m
Allgemeine Richtwerte
Schlechter Untergrund (trockenes Sediment)
20
( < 1,5 W/mK)
Normaler Festgesteinsuntergrund und
wassergesättigtes Sediment 50
(1,5    3,0 W/mK)
Festgestein mit hoher Wärmeleitfähigkeit
70
( > 3,0 W/mK)
Einzelne Gesteine
Kies, Sand (trocken) < 20
Kies, Sand (wasserführend) 55 – 65
Ton, Lehm (feucht) 30 – 40 Tabelle 18: Mögliche
Kalkstein (massiv) 45 – 60 spezifische Entzugs-
leistungen qE für
Sandstein 55 – 65 Erdwärmesonden
mit Doppel-U-
Saure Magmatite (z. B. Granit) 55 – 70
Rohrsonden nach
Basische Magmatite (z. B. Basalt) 35 – 55 VDI 4640 Blatt 2
(Quelle: Planungs-
Gneis 60 – 70
anleitung KWT)

Erdwärmeregister (Die spezifische


Entzugsleistung der oberen Erdschichten ist Spezifische Entzugsleistung
abhängig von der Beschaffenheit des Erdreichs qE in W/m2
und deren Wasserinhalt.)

Trockener sandiger Boden 10 – 15


Tabelle 19: Mögli-
Feuchter sandiger Boden 20 – 25 che spezifische Ent-
zugsleistungen qE
Trockener lehmiger Boden 20 – 25
für Erdwärmeregis-
Feuchter lehmiger Boden 25 – 30 ter
(Quelle: Planungs-
Grundwasserführender Boden 30 – 35
anleitung KWT)
48
Heizungsanlagen

brückt und Tag-Nacht-Tarife berücksichtigt Bivalent-alternativer Betrieb


werden. Weiter kann bei sinkender Heiz- Die Wärmepumpe erzeugt bis zu einer be-
last (Teillastbetrieb) mit einem Energiespei- stimmten Aussentemperatur – den soge-
cher eine hydraulische Entkoppelung er- nannten Bivalenzpunkt – die gesamte
reicht werden. Grundsätzlich ist ein Ener- Wärmeleistung. Wird dieser Bivalenzpunkt
giespeicher notwendig: unterschritten, übernimmt der zweite
wenn mehrere Heizkreise geregelt sind Wärmeerzeuger die Deckung des Wärme-
(hydraulische Entkoppelung notwendig, da
die Heizkreise je nach Bedarf gedrosselt
Wärmeleistungsbedarf Fh (kW)
werden).
wenn die Heizungsanlage einen grösse-
100%
ren Thermostatventil-Anteil als 40 % der
Heizfläche hat (hydraulische Entkoppelung
notwendig, da die Thermostatventile je
nach Bedarf schliessen und so den Volu-
menstrom drosseln).
WP
wenn die Aussenluft-WP mit Abtauungs-
vorgang über Heizwasser funktioniert (Hei-
zungswasservolumen notwendig für Ab-
tauphase).
Abbildung 48: bei Heizungsanlagen mit geringem Hei- 0%
Monovalente zungswasservolumen (Heizungswasservo- -7 21
Aussentemperatur (˚C)
Betriebsweise lumen notwendig für unzulässiges Takten).
wenn Sperrzeiten der WP zu überbrü-
cken sind. Wärmeleistungsbedarf Fh (kW)

Beim Wärmeabgabesystem Fussboden- 100%


heizung oder Tabs dient die speicherwirk-
same Gebäudemasse ebenfalls als Ener-
giespeicher. So kann beim Einhalten des Zusatz- Bivalenzpunkt
Mindest-Volumenstroms des Heizwassers heizung
auf einen Energiespeicher verzichtet wer- WP
den. Der notwendige Mindest-Volumen-
strom muss dabei mit einer hydraulischen
Entkoppelung erreicht werden. Dies kann
mittels Bypass, hydraulischer Weiche oder
0%
eines Überströmventils erfolgen. Weiter
Abbildung 49: -7 Qu 21
kann unter Umständen auf einen Energie-
Bivalent-alternative Qu = Umschaltpunkt Aussentemperatur (˚C)
speicher verzichtet werden, wenn eine
Betriebsweise
modulierende WP zum Einsatz kommt
(Sperrzeiten beachten).

Monovalenter Betrieb
Bei monovalenten Anlagen stellt die WW
Wärmepumpe in allen möglichen Betriebs- WE SPWE
zuständen den erforderlichen Wärme- WP (Holz) ES WA
leistungsbedarf bereit. Die Wärmepumpe
Abbildung 50:
Beispiel eines syn-
wird auf den maximalen Wärmeleis-
KW
optischen Schemas tungsbedarf des Gebäudes sowie für die
für eine bivalent- maximal notwendige VL-Temperatur aus-
alternative Betriebs- gelegt.
weise
49
Gebäudetechnik

leistungsbedarfs. Der zweite Wärmeerzeu- Bivalent-teilparalleler Betrieb


ger muss somit auf den maximalen Wär- Ein bivalent-teilparalleler Betrieb stellt eine
meleistungsbedarfs des Gebäudes sowie Zwischenlösung zwischen Alternativ- und
für die maximal notwendige Vorlauftem- Parallelbetrieb dar. Die Wärmepumpe wird
peratur ausgelegt werden. Die WP kann wie im alternativen Betrieb ausgelegt.
auf einen kleinen Wärmeleistungsbedarf Diese deckt den gesamten Wärmeleis-
ausgelegt werden. tungsbedarf bis zum Bivalenzpunkt – den
Einschaltpunkt des zweiten Wärmeerzeu-
Bivalent-paralleler Betrieb gers. Dabei wird bei tieferen Aussentem-
Die Wärmepumpe liefert bis zu einer be- peraturen der zweite Wärmeerzeuger zu-
stimmten Aussentemperatur – den soge- geschaltet und arbeitet mit der WP im pa-
nannten Bivalenzpunkt – die gesamte rallelen Betrieb. Fällt die Aussentempera-
Wärmeleistung. Wird dieser Bivalenzpunkt tur noch tiefer bis zum definierten Um-
Abbildung 51: Abbildung 53:
Bivalent-
unterschritten, schaltet der zweite Wär- schaltpunkt, geht die WP ausser Betrieb Bivalent-parallele
teilparallele meerzeuger zu. Somit arbeiten an Tagen und der zweite Wärmeerzeuger deckt den Betriebsweise (z. B.
Betriebsweise mit tiefen Aussentemperaturen beide gesamten Wärmeleistungsbedarf bis zur Luft-Wasser-WP und
Wärmeerzeuger und ergänzen sich in der tiefsten Aussentemperatur alleine. Der Zusatzheizung)
Abbildung 52: Wärmeproduktion. Der zugeschaltete zweite Wärmeerzeuger muss somit auf
Beispiel eines Wärmeerzeuger muss nicht auf den maxi- den maximalen Wärmeleistungsbedarf des Abbildung 54:
synoptischen malen Wärmeleistungsbedarf des Gebäu- Gebäudes ausgelegt werden. Dabei ist es Beispiel eines
Schemas für eine des ausgelegt werden. Hingegen ist es wichtig, dass die maximal notwendige synoptischen
bivalent- wichtig, dass die maximal notwendige Vorlauftemperatur erreicht werden kann. Schemas für eine
teilparallele bivalent-parallele
Vorlauftemperatur erreicht werden kann.
Betriebsweise Betriebsweise

Wärmeleistungsbedarf Fh (kW) Wärmeleistungsbedarf Fh (kW)

100% 100%

Zusatz- Bivalenzpunkt Zusatz- Bivalenzpunkt


heizung heizung
WP WP

0% 0%
-7 QE 21 -7 Qu QE 21
QE = Einschaltpunkt Aussentemperatur (˚C) QE = Einschaltpunkt Aussentemperatur (˚C)
Qu = Umschaltpunkt

WW WW

WE SPWE
WE
WP ES (Gas) WA WP ES (Gas) SPWE WA

KW KW
50
Heizungsanlagen

2.4 Praxisbeispiele zu Ladung des SPWE (Speicherwasser-


Wärmepumpen erwärmers)
Die SPWE-Ladung kann als Vorrangschal-
Beispiel 1: Wärmepumpe ohne Ener- tung konzipiert werden. Dabei würde
giespeicher (MuKEn-Standardlösung Nr. beim Bedarf der SPWE-Ladung (WW) der
6 und 7, MuKEn steht für Mustervorschrif- Heizungskreis unterbrochen und die WP
ten der Kantone im Energiebereich, 2008). fährt auf das notwendige Temperaturni-
veau hoch. Da die WP am Verflüssiger ei-
Funktionsbeschrieb nen konstanten Temperaturhub (zwischen
Heizbetrieb 5 K und 10 K) hat, erfolgt die SPWE-La-
Die Wärmeabgabe (WA) erfolgt mit einer dung in Stufen, bis die gewünschte VL-
Fussbodenheizung. Je nach Wärmebedarf Temperatur am Fühler (VL,1) gemessen
des Raumes, sinkt respektive steigt die RL- wird.
Temperatur (RL). Dementsprechend er- Diese Ladevariante ist zeitintensiv und
folgt der Temperaturanstieg beim Verflüs- sollte somit während der Nacht freigege-
sigeraustritt (VL-Temperatur). Überschrei- ben werden. Da während dieser Zeit keine
tet die RL-Temperatur (RL) den Soll-Wert Wärmeabgabe an den Raum erfolgt, kann
gemäss der Heizkurve, schaltet die WP ab. es zu einer Absenkung der Raumtempera-
Der Soll-Wert der RL-Temperatur ist ab- tur kommen.
hängig von der Aussentemperatur und der
eingestellten Heizkurve. Kritische Elemente
Keine hydraulische Entkoppelung zwi-
schen WP und Heizkreis

Heizung Wassererwärmung
Quelle Umweltwärme / Abwärme –
Umwandlung Wärmepumpe Indirekte Wassererwärmung
Zusatzheizung elektrisch
möglich
Speicherung – SPWE mit innenliegendem
Wärmeübertrager (Stufenla-
dung)
Variante: SPWE mit aussenlie-
gendem Wärmeübertrager
(Schichtladung)
Bemerkungen Monovalenter Betrieb Vorerwärmung SPWE mittels
Ohne Energiespeicher WP und Nacherwärmung mit-
Witterungsgeführte RL-Tem- tels Elektro-Heizeinsatz mög-
peratur (RL) lich.
Temperaturhub über Verflüs- Erwärmung sollte in der
siger zwischen 5 K und 10 K Nacht erfolgen.
Ungeregelte Heizgruppe
MuKEn 2008 Standardlösung 6 Standardlösung 7
WP mit Erdsonde oder Was- WP mit Aussenluft für Hei-
ser für Heizung und Warm- zung und Warmwasser ganz-
wasser ganzjährig jährig
Bei Elektro-Heizeinsatz für Max. VL-Temperatur von
Nacherwärmung, wird ein 35 °C für Heizung
rechnerischer Nachweis not- Bei Elektro-Heizeinsatz für
wendig. Nacherwärmung wird ein
rechnerischer Nachweis not-
Tabelle 20: wendig.
Spezifikationen zu SPWE: Speicherwassererwärmer
Beispiel 1.
51
Gebäudetechnik

Minimaler Volumenstrom über dem Ver- Hochdruck- und Niederdruckstörung (Er-


flüssiger höhung der Verflüssigereintrittstemperatur
Umwälzpumpe mit mindestens 2 Be- beim Ende der SPWE-Ladung respektive
triebspunkten – Betriebspunkt für Heizbe- beim schnellen Umschalten von der SPWE-
trieb und einer für Warmwasserladung Ladung auf Heizbeitrieb)
oder der Einsatz von zwei Umwälzpumpen Jahresarbeitszahl sinkt, falls eine SPWE-
Abbildung 55: WP
(je eine Pumpe in SPWE-Ladekreis und im Temperatur von 60 °C erreicht werden
mit monovalentem
Heizkreis) muss.
Betrieb; ohne Ener-
Notwendiges Heizungswasservolumen Wird die SPWE-Temperatur von 60 °C
giespeicher und ei-
ner Heizgruppe
und genügend speicherfähige Masse mit der WP nicht erreicht, muss eine Zu-
Thermostatventile können hydraulische satzheizung vorgesehen werden.
Abbildung 56. Probleme ergeben (bei Thermostatventil- SPWE-Ladung erfolgt in Stufen, somit
Beispiel Regelfunk- anteil grösser als 40 % muss eine hydrauli- zeitintensiv.
tion: Verlauf der sche Entkoppelung eingebaut werden). Unterbrechung des Wärmeabgabesys-
Heiztemperatur mit Abtauung des Verdampfers mit Hei- tems während SPWE-Ladung
einer witterungsge- zungswasser nicht möglich.
führten Rücklauf- Speicherfähigkeit des Gebäudes bei ei- Einsatz
temperatur und ner SPWE-Vorrangschaltung und Nachtab- Für EFH und kleine MFH mit einer Heiz-
konstantem Tempe-
senkung beachten. gruppe
raturhub

Vorlauf-, Rücklauf- und WW-Temperatur (˚C)

Umstellventil (UV) 65
60
QVL,1
QVL,1 QWW
50
WW
WP WA QRL
SPWE

QWW 35
30
Abbildung 57.
QRL KW Beispiel Regelfunk-
100
Ladezustand (%) tion: SPWE-Ladever-
Freigabe der SPWE-Ladung lauf mit konstan-
tem Temperaturhub

Vor- und Rücklauftemperatur (˚C) Ladezustand

Variante
35 Ladefreigabe: SPWE-Temperatur (QWW)
EIN
30 QVL
AUS
Heizgrenze
QRL
50 60 QWW (˚C)
Variante
21
Ladefreigabe: Zeitschaltuhr
EIN Abbildung 58.
Beispiel Regelfunk-
AUS tion: Freigabe für
-7 0 10 21 Freigabe SPWE-Ladung (tem-
Aussentemperatur (˚C) peraturgesteuert
2200 0600 Zeit (h)
oder zeitgesteuert)
52
Heizungsanlagen

Beispiel 2: Wärmepumpe mit Energie- Speicherfähigkeit des Gebäudes bei ei-


speicher (MuKEn-Standardlösung Nr. 6 ner SPWE-Vorrangschaltung und Nachtab-
und 7) senkung beachten.
SPWE-Ladung erfolgt in Stufen, somit
Funktionsbeschrieb zeitintensiv.
Heizbetrieb Wird die SPWE-Temperatur von 60 °C
Erreicht der Energiespeichertemperatur- mit der WP nicht erreicht, sollte eine Zu-
fühler (1) nicht den geforderten Soll-Wert, satzheizung vorgesehen werden.
geht die Wärmepumpe und die Umwälz- Jahresarbeitszahl sinkt, falls eine SPWE-
pumpe (P1) in Betrieb. Der Soll-Wert der Temperatur von 60 °C erreicht werden
Energiespeichertemperatur ist abhängig muss.
von der Aussentemperatur und der defi- Hochdruck- und Niederdruckstörung (Er-
nierten Heizkurve. Die Wärmeerzeuger- höhung der Verflüssigereintrittstemperatur
Vorlauftemperatur entspricht der höchs- beim Ende der SPWE-Ladung respektive
ten Vorlauftemperatur (VL,x) der Heiz- beim schnellen Umschalten von der SPWE-
gruppe. Die Umwälzpumpe (P1) fördert Ladung auf Heizbeitrieb).
das Heizungswasser über das 3-Weg-
Ventil (Stellung Durchgang) zum Energie- Einsatz
speicher bis der Energiespeichertempera- Für EFH und MFH
turfühler (2) dem Soll-Wert entspricht. Kleine Gewerbebauten mit maximal
Die Vorlauftemperaturen (VL,x) von den zwei unterschiedlichen Nutzerverhalten
Heizgruppen werden witterungsgeführt
geregelt.

Ladung des SPWE


(Speicherwassererwärmer)
Die SPWE-Ladung kann als Vorrangschal-
tung konzipiert werden. Dabei würde
beim Bedarf der SPWE-Ladung (WW) der
Heizkreis unterbrochen (Stellung 3-Weg-
Ventil: Abzweig) und die WP fährt auf das
notwendige Temperaturniveau hoch, bis
die geforderte VL-Temperatur (VL,1) er-
reicht ist.
Gemäss SIA 385/1 muss die Warmwasser-
versorgung so ausgelegt sein, dass beim
Austritt des Wasserwärmers 60 °C erreicht
werden kann. Erreicht somit die SPWE-La-
dung mit der WP eine Speichertemperatur
von 60 °C nicht, muss mit einem Elektro-
Heizensatz die Temperatur auf 60 °C er-
höht werden können.

Kritische Elemente
Minimaler Volumenstrom über dem Ver-
flüssiger
Umwälzpumpe (P1) mit mindestens 2 Be-
triebspunkten – Betriebspunkt für Heizbe-
trieb und für Warmwasserladung oder der
Einsatz von zwei Umwälzpumpen (je eine
Pumpe im SPWE-Ladekreis und im Heiz-
kreis)
53
Gebäudetechnik

Umstellventil (UV)

Px
QVL, 1 QVL,x
Q1
WW
WP ES WAx
SPWE
Q2 Abbildung 59: WP
P1 QWW mit monovalentem
Betrieb, Energie-
speicher und meh-
KW
reren Heizkreisen
(HK)

Heizung Wassererwärmung
Quelle Umweltwärme respektive –
Abwärme
Umwandlung Wärmepumpe Heizung indirekt
Zusatzheizung elektrisch
möglich
Speicherung Energiespeicher SPWE mit innenliegendem
Wärmeübertrager (Stufenla-
dung)
Variante: SPWE mit aussenlie-
gendem Wärmeübertrager
(Schichtladung)
Bemerkungen Monovalenter Betrieb Vorerwärmung SPWE mittels
Witterungsgeführte VL-Tem- WP und Nacherwärmung
peraturregelung des Primär- mittels Elektro-Heizeinsatz
kreises und der Heizgruppe möglich. Tabelle 21:
SPWE: Speicherwassererwärmer Spezifikationen zu
Beispiel 2.
54
Heizungsanlagen

Beispiel 3: Wärmepumpe mit dezent-


raler Wassererwärmung (MuKEn-Stan-
dardlösung Nr. 6 und 7)

Funktionsbeschrieb
Heizbetrieb
Der Heizbetrieb funktioniert konventionell
(Beispiel Nr. 2) mit einer witterungsgeführ-
ten Vorlauftemperaturregulierung. In den
Heizkreisen werden die Vorlauftemperatu-
ren (VL,1) durch witterungsgeführte VL-
Temperaturen geregelt.

Ladung aller dezentralen SPWE


(Speicherwassererwärmer)
Sämtliche dezentralen Speicherwasserer-
wärmer werden gleichzeitig geladen. Dies Heizkreis (HK)
kann einmal am Tag respektive während HV = Heizverteiler
der Nacht erfolgen. Dabei gibt die pro- (FBH, Heizkörper)
grammierte Zeitschaltuhr die Warmwas-
UV Wärmeabgabe (WA)
serladung frei. Das Umstellventil (UV) stellt
vom Heizbetrieb auf Warmwasserladung HV WW
um. Weiter fährt die WP auf das notwen-
HV SPWE
dige Temperaturniveau hoch, bis die Rück-
lauftemperatur (Fühler RL) den Soll-Wert
erreicht hat. Danach wird von Warmwas-
serladung auf Heizbetrieb umgestellt. KW
Wird ein anderer Wärmeerzeuger (z. B.
Holz- oder Gaskessel) eingesetzt, kann
während der Warmwasserladung auf eine
UV Wärmeabgabe (WA)
konstante VL-Temperatur (z. B. 65 °C) ge-
fahren werden. HV WW

HV SPWE
Abbildung 60: Kritische Elemente
QVL,1
Heizkreis (HK) mit Umwälzpumpe (P2) mit mindestens 2
P2
der Heizungsvertei- Betriebspunkten; Betriebspunkt für Heiz-
lung und der Spei- betrieb und einer für Warmwasserladung KW
cherwassererwär-
Hohe VL-Temperaturen auf die FBH nach
mung (dezentrale
der Warmwasserladung
Wassererwärmung)
Mehrere dezentrale SPWE-Ladungen an
einem gemeinsamen Heizkreis
Wahl der Freigabe für die Warmwasser-
ladung und Unterbrechung der Wärmeab-
P2
gabe ist abhängig von der speicherwirksa-
Q1 QVL, 1
men Gebäudemasse.
Abbildung 61: WP WP ES HK
mit monovalentem
Einsatz Q2
Betrieb und mit
Energiespeicher;
MFH, Reihen-EFH mit zentraler Wär-
P1
Speicherwasser- meerzeugung
erwärmung erfolgt Sanierungsbereich von dezentralen elek-
QRL
dezentral in den trischen SPWE-Erwärmung
Heizkreisen.
55
Gebäudetechnik

Heizung Wassererwärmung
Quelle Umweltwärme / Abwärme –

Umwandlung Wärmepumpe Heizung indirekt,


Zusatzheizung elektrisch
möglich

Speicherung Energiespeicher SPWE mit innenliegendem


Wärmetauscher (Stufenla-
dung)
Bemerkungen Monovalenter Betrieb Nacherwärmung mittels
Bivalenter Betrieb möglich Elektro-Heizeinsatz möglich
Sonnenenergienutzung in ES Ungeregelte SPWE-Ladung
möglich Warmwasserladung wird fix
Witterungsgeführte VL-Tem- freigegeben.
peraturregelung des Primär-
kreises und der Heizgruppe
Tabelle 22:
Spezifikationen zu
SPWE: Speicherwassererwärmer
Beispiel 3.

Vorlauf-, Rücklauf- und WW-Temperatur (˚C) Ladezustand

65 EIN
60
VL
WW AUS
50

RL
60 60 QRL (˚C)
Abbildung 62. 35 Freigabe Freigabe
Beispiel Regelfunk- 30 SPWE SPWE
tion: SPWE-Ladever-
lauf mit konstan- 100 2400 0200 1400 1600 Zeit (h) Abbildung 63.
tem Temperaturhub Ladezustand (%) Beispiel Regelfunk-
über dem Verflüssi- Freigabe der SPWE-Ladung tion: Freigabe der
ger SPWE-Ladung
56
Heizungsanlagen

Beispiel 4: Wärmepumpe mit Kombi- Kritische Elemente


speicher (MuKEn-Standardlösung Nr. 6 Minimaler Volumenstrom über dem Ver-
und 7) flüssiger
Wird die Warmwassertemperatur von
Funktionsbeschrieb 60 °C mit der WP nicht erreicht, muss eine
Heizbetrieb Zusatzheizung (z. B. Elektro-Heizeinsatz)
Erreicht der Fühler im Kombispeicher (1) vorgesehen werden.
nicht den geforderten Soll-Wert, schalten Jahresarbeitszahl sinkt, falls eine SPWE-
die Wärmepumpe und die Umwälzpumpe Temperatur von 60 °C erreicht werden
(P1) ein und der untere Teil des Kombispei- muss.
chers wird geladen. Bei zwei getrennten Hochdruck- und Niederdruckstörung (Er-
Stufenladungen ist das Umstellventil (UV) höhung der Verflüssigereintrittstemperatur
auf der Stellung Durchgang. beim Ende der Warmwasser-Ladung res-
Der Soll-Wert der Energiespeichertempe- pektive beim schnellen Umschalten von der
ratur ist abhängig von der Aussentempe- Warmwasser-Ladung auf Heizbeitrieb).
ratur und der definierten Heizkurve. Die
Wärmeerzeuger-Vorlauftemperatur ent- Einsatz
spricht der höchsten Vorlauftemperatur EFH, MFH
(VL,x) der Heizgruppen. Der Kombispei-
cher wird solange geladen, bis der Fühler
(2) den Soll-Wert erreicht hat.
perforiertes Blech
Ladung des oberen Speicherbereichs P2 QVL,1 WW
via getrennter Stufenladung (Abbil-
SPWE
dung 64): Sobald die Warmwasserladung
anspricht (WW), fährt die WP auf das not- QWW QVL,x
wendige Temperaturniveau in Stufen
WP Q1
hoch. Dabei schaltet die Umwälzpumpe P1 WAx
Abbildung 64: WP
(P2) ein und das Umstellventil (UV) schaltet
im monovalenten
Betrieb und mit
auf Umlenkung. Der obere Speicherbe-
UV Q2
Kombispeicher reich wird geladen, bis die Soll-VL-Tempe- ES
welcher mit zwei ratur (VL,1) erreicht ist. KW
getrennten Stufen-
ladungen geladen Ladung des oberen Speicherbereichs
wird. via gemeinsamer Stufenladung (Abbil-
dung 65): Muss die Warmwassertempera-
tur erreicht werden, erwärmt die WP mit-
tels VL-Temperaturhochhaltung das Hei-
zungswasser auf eine konstante VL-Tem-
peratur (K,VL). Das warme Heizungswasser WW
tritt im mittleren Bereich des Kombispei-
chers ein. Durch den Dichteunterschied SPWE QWW
QK,VL
ergibt sich eine natürliche Konvektion und QVL,x
der obere Kombispeicherbereich wird kon-
tinuierlich erwärmt. Diese Ladung erfolgt WP Q1 WAx
Abbildung 65: WP
solange, bis die Soll-Temperatur (WW) er-
im monovalenten
reicht ist. P1
Betrieb und mit Q2
Kombispeicher ES
welcher mit einer KW
QRL
gemeinsamen
Stufenladung gela-
den wird.
57
Gebäudetechnik

Heizung Wassererwärmung

Quelle Umweltwärme respektive –


Abwärme
Sonnenenergienutzung ist
möglich

Umwandlung Wärmepumpe Heizung indirekt, Zusatz-


heizung elektrisch möglich.

Speicherung Kombispeicher Im Kombispeicher liegender


Warmwasserspeicher

Bemerkungen Monovalenter Betrieb. Bei der gemeinsamen Stu-


Wird der Kombispeicher mit fenladung wird während der
zwei getrennten Stufenla- Warmwasserladung die Vor-
dungen geladen, so sollte im lauftemperatur hochgehal-
Tabelle 23:
Kombispeicher ein Lochblech ten.
Spezifikationen zu
eingeschweisst werden.
Beispiel 4.

Vorlauf-, Rücklauf- und WW-Temperatur (˚C)

65
QVL,1
60
QWW

50 QRL

35
Abbildung 66.
30
Beispiel Regelfunk-
100 tion: Ladeverlauf
Freigabe der Ladezustand (%) des oberen Kombi-
SPWE-Ladung speicherbereichs
(Abbildung 64)

Vorlauf-, Rücklauf- und WW-Temperatur (ºC)

QK,VL
65
60

50 QWW

QRL
30
Abbildung 67.
Beispiel Regelfunk-
tion: Ladeverlauf
des oberen Kombi-
speicherbereichs
50 100
mit VL-Temperatur-
Freigabe der Ladezustand (%)
hochschaltung (Ab-
SPWE-Ladung
bildung 65)
58
Heizungsanlagen

Beispiel 5: Wärmepumpe und Zusatz- erreicht man bei bivalent-alternativen An-


heizung (keine MuKEn-Standardlösung) lagen nur mit der Zusatzheizung. Somit
schaltet bei der Freigabe der SPWE-Ladung
Funktionsbeschrieb die WP ab und die Zusatzheizung geht in
Heizbetrieb (Abbildung 68 und Abbil- Betrieb.
dung 69)
Bis zum Bivalenzpunkt deckt die WP den Kritische Elemente
notwendigen Wärmeleistungsbedarf (dito Auslegung der Zusatzheizung auf den
Beispiel Nr. 1). Wird durch das Sinken der maximalen Wärmeleistungsbedarf
Aussentemperatur der Bivalenzpunkt un- Holzheizkessel mit Rücklaufhochhaltung
terschritten, schaltet die WP aus und die – da tiefe RL-Temperaturen möglich sind
Zusatzheizung (z. B. Biomassekessel oder und somit eine Kondensation im Heizkessel
Gas-Brennwertkessel) deckt den notwen- vermieden werden kann.
digen Wärmeleistungsbedarf. Somit ist die Temperatur- und Leistungsbetrachtung
WP nur bei mildem und durchschnittli- für Umschaltpunkt
chem kalten Wetter in Betrieb.
Die Regelung der WP erfolgt mit einer wit- Einsatz
terungsgeführten VL-Temperaturregelung. MFH
Wird mit dem Unterschreiten des Bivalenz- Gewerbe- und Industriebauten
punktes auf den Gas-Brennwertkessel um-
geschaltet, wird ebenfalls die VL-Tempera-
tur witterungsgeführt geregelt. Wird hin-
gegen auf den Holzkessel umgeschaltet,
wird die VL-Temperatur unabhängig von
den Aussenbedingungen auf einen kons-
tanten Wert hochgefahren.

Ladung des SPWE (Speicherwasser-


erwärmer)
Für die SPWE-Ladung müssen hohe
VL-Temperaturen erzeugt werden. Diese

Heizung Wassererwärmung
Quelle Umweltwärme respektive –
Abwärme
Fester Brennstoff (Biomasse)
Alternative: Gasförmiger
Brennstoff

Umwandlung Wärmepumpe Heizung indirekt


Heizkessel

Speicherung Energiespeicher SPWE mit innenliegendem


Wärmeübertrager (Stufenla-
dung)
Bemerkungen Bivalent-alternativer Betrieb Nacherwärmung mittels Elek-
Energiespeicher vor Gasheiz- tro-Heizeinsatz nicht nötig.
kessel
Energiespeicher nach Heiz-
kessel
Tabelle 24: Rücklaufhochhaltung beim
Spezifikationen zu Holzheizkessel
Beispiel 5.
59
Gebäudetechnik

Vorlauf-, Rücklauf- und WW-Temperatur (˚C)

QK,VL
WW QK,VL
80
WE SPWE
WP (Holz) QWW ES WAx QK,RL
60
QWW
QK,RL KW
40

QRL
10 Abbildung 71.
Beispiel Regelfunk-
50 100 tion: SPWE-Ladever-
Freigabe Ladezustand (%) lauf mit konstanter
der SPWE-Ladung VL-Temperatur (Ab-
WW bildung 68)

WE SPWE
WP ES (Gas) QVL,1 WAx Vorlauf-, Rücklauf- und WW-Temperatur (˚C)
QWW
KW
QVL,1
65
60
QWW
QRL
50 QRL

Abbildung 68: 40
Wärmepumpe mit 35
Holzheizkessel und Vor- und Rücklauftemperatur (˚C) 30
Energiespeicher
im bivalent-alter- 10
Abbildung 72.
nativen Betrieb 50
Beispiel Regelfunk-
QVL tion: SPWE-Ladever-
Abbildung 69: 40 Freigabe 100% lauf mit konstanter
QRL Bivalenzpunkt der SPWE-Ladung Ladezustand
Wärmepumpe mit VL-Temperatur (Ab-
Heizgrenze
Gas-Brennwertkes- bildung 69)
sel und Energiespei-
cher im bivalent-al- 21
Gas- Ladezustand
ternativen Betrieb WP
Brennwertkessel
Variante
Abbildung 70. -7 5 12 21
Ladefreigabe: SPWE-Temperatur (QWW)
Beispiel Regelfunk- Aussentemperatur (˚C) EIN
tion: Bivalent-alter-
nativer Betrieb mit AUS
WP oder Gas-Brenn-
wertkessel während 50 60 QWW (˚C)
Heizbetrieb Variante
Ladefreigabe: Zeitschaltuhr
EIN

AUS
Freigabe Abbildung 73.
Beispiel Regelfunk-
2200 0600 Zeit (h) tion: Freigabe für
SPWE-Ladung
60
Heizungsanlagen

Beispiel 6: Wärmepumpe und Gas- bei der Freigabe der SPWE-Ladung die WP
heizkessel ab und die Zusatzheizung geht in Betrieb.
(Keine MuKEn-Standardlösung) Im bivalent-parallel Betrieb öffnet das
Durchgangsventil (V2), so dass das RL-Hei-
Funktionsbeschrieb zungswasser direkt dem Wärmeerzeuger
Heizbetrieb (Abbildung 74) zugeführt werden kann.
Im Heizbetrieb deckt die WP bis zum Biva-
lenzpunkt den notwendigen Wärme- Kritische Elemente
leistungsbedarf im monovalenten Betrieb Maximale zulässige Kondensator-Ein-
ab (dito Beispiel Nr. 2). Wird mit tiefer trittstemperatur der WP – maximaler Kon-
Aussentemperatur der Bivalenzpunkt un- densationsdruck für den Normalbetrieb
terschritten, deckt die WP zusammen mit Bei bivalent-teilparallelem Betrieb deckt
der Zusatzheizung den notwendigen Wär- die Zusatzheizung den gesamten maxima-
meleistungsbedarf. Da die WP und die Zu- len Wärmeleistungsbedarf.
satzheizung hydraulisch in Serie geschaltet Bei Gas-Brennwertkessel muss die Kon-
sind, erhöht die Zusatzheizung die Verflüs- densator-Austrittstemperatur der WP unter
siger-Austrittstemperatur von der WP auf der Kondensationstemperatur von Erdgas
die notwendige VL-Temperatur (VL). liegen.
Leistungsgeregelte (modulierende) Gas-
Heizbetrieb (Abbildung 75) Brennwertkessel
Bei Luft-Wasser-WP sollte im bivalent-
teilparallelen Betrieb gefahren werden. In Einsatz
diesem Fall schaltet die WP ab einer be- MFH
stimmten Aussentemperatur ganz ab und Gewerbe- und Industriebauten
der notwendige Wärmeleistungsbedarf
wird von der Zusatzheizung vollständig
gedeckt. Dabei ist garantiert, dass die WP
immer effizient betrieben werden kann.

Ladung des SPWE


Für die SPWE-Ladung müssen hohe VL-
Temperaturen erzeugt werden. Diese er-
reicht man bei bivalenten Anlagen mit WP
nur mit der Zusatzheizung. Somit schaltet

Heizung Wassererwärmung
Quelle Umweltwärme respektive –
Abwärme
Gasförmiger Brennstoff
(Erdgas)

Umwandlung Wärmepumpe Heizung indirekt


Heizkessel

Speicherung Energiespeicher SPWE mit innenliegendem


Wärmeübertrager (Stufen-
ladung)
Bemerkungen Bivalent-teilparalleler Betrieb Nacherwärmung mittels
bei Luft-Wasser-WP Elektro-Heizeinsatz nicht
Tabelle 25: Bivalent-paralleler Betrieb bei nötig.
Spezifikationen zu anderen WP
Beispiel 6.
61
Gebäudetechnik

QVL Vor- und Rücklauftemperatur (˚C)

WW 50
WE SPWE QVL
WP ES QWW
(Gas) WAx 40
QRL
Bivalenzpunkt
Heizgrenze
KW Gas- WP +
Brennwert- Gas-Brenn-
V1 kessel
21 wertkessel
V2 WP

-7 0 5 12 21
QVL Aussentemperatur (˚C)

Abbildung 77.
WW Beispiel Regelfunk-
Vorlauf-, Rücklauf- und WW-Temperatur (˚C) tion: Bivalent-
WE SPWE teilparalleler
WP ES (Gas) QWW
WAx Betrieb mit WP und
Brennwertkessel
KW VL
65
Abbildung 78.
V1 60
WW Beispiel Regelfunk-
tion: SPWE-Ladever-
50 RL
lauf mit konstanter
VL-Temperatur
40
(Abbildung 74 und
35
Vor- und Rücklauftemperatur (˚C) 30 Abbildung 75)

10 Abbildung 79.
50 Beispiel Regelfunk-
tion: Freigabe für
Bivalenzpunkt
40 SPWE-Ladung
Freigabe 100%
QVL Heizgrenze
WP + QRL der SPWE-Ladung Ladezustand
Gas-Brenn-
wertkessel
21
WP
Ladezustand

-7 5 12 21
Variante
Aussentemperatur (˚C)
Ladefreigabe: SPWE-Temperatur (QWW)
EIN
Abbildung 74: Wärmepumpe mit Gas-Brennwertkessel und Ener-
giespeicher im bivalent-parallelen Betrieb AUS

Abbildung 75: Wärmepumpe mit Gas-Brennwertkessel und Ener- 50 60 QWW (˚C)


giespeicher im bivalent-teilparallelen Betrieb (z. B. bei Luft-Was- Variante
ser-WP) Ladefreigabe: Zeitschaltuhr
EIN
Abbildung 76. Wärmepumpe mit Beispiel Regelfunktion: Bivalent-
AUS
paralleler Betrieb mit WP und Brennwertkessel
Freigabe

2200 0600 Zeit (h)


62
Heizungsanlagen

2.5 Feste Brennstoffe den Betrieb von Nahwärmverbünden seit


Jahren mit Erfolg eingesetzt. Dank enor-
Allgemeines mer technischer Entwicklungen stehen
Bei der Verbrennung von Holz, spricht man Schnitzelheizungen aber auch für Objekte
auch von einer CO2-neutralen Verbren- mit kleinem Wärmebedarf zur Verfügung.
nung. Weshalb CO2-neutral, wenn die Die kleinsten Kesseltypen verfügen über
Holzverbrennung mit einem CO2-Ausstoss eine regelbare Wärmeleistung ab 5 kW.
belastet ist?
Die Bäume nehmen aus der Luft Kohlendi- Pellet
oxid (CO2) und aus dem Boden Wasser Zur Herstellung der kleinen, 5 mm bis 45
(H2O) auf und wandeln diese mit Hilfe der mm langen und zylinderförmigen Pellets
Photosynthese in Sauerstoff (O2) und Trau- werden Sägemehl und Hobelspäne aus
benzucker (Clycose: C6H12O6) um. Somit der holzverarbeitenden Industrie unter ho-
kann bei einer Verbrennung von Holz nur hem Druck durch ein Sieb gepresst, ver-
so viel CO2 frei gesetzt werden, wie für das gleichbar der Produktion von Vermicelle.
Wachstum des Holzes an CO2 aufgenom- Dank der homogenen Eigenschaft des
men wurde. Holz ist somit eine erneuer- Brennstoffs wird in den vollautomatisch
bare Energiequelle und deren Verbren- betriebenen Pelletheizungen eine sehr ef-
nung ist CO2-neutral. (Quelle: Holzenergie fiziente und gleichmässige Verbrennung
Schweiz) erreicht, bei der nur wenig Asche anfällt.
Die Dichte von Pellets ist je nach Holzart
Stückholz 1,5- bis 2-mal höher als diejenige von
Stückholz ist nach wie vor ein gebräuchli- Stückholz. 2 kg Pellets ersetzen 1 Liter
cher Holzbrennstoff. Wer sich für Stück- Heizöl und benötigen für die Lagerung nur
holz entscheidet, verfügt über genügend etwa doppelt soviel Platz.
Platz zur Lagerung des Brennstoffes und Im Gegensatz zu anderen automatischen
hat meistens eine enge Beziehung zu Wald Holzzentralheizungen sind Pellet-Heizkes-
und Holz. Stückholz ist in Form von Rugeln sel bereits ab einer regulierbaren Leistung
und Spälten in Längen von 100 cm, 50 cm, von 3 kW erhältlich. Dadurch eignen sie
33 cm oder 25 cm in Freizeitmärkten oder sich besonders für den Einsatz in Einfa-
beim örtlichen Forstbetrieb erhältlich. milienhäusern, welche einen geringen
Energiebedarf aufweisen (z. B. Minergie-
Schnitzel Häuser).
Automatische Holzschnitzelfeuerungen
werden für die Beheizung von grossen Ge-
bäuden und Industriebetrieben sowie für

CO2

Wasser
CO2 H2O2 Verluste
H2O2
Nutzwärme
O2

Abbildung 80:
¨Mineralstoffe Asche
Kreislauf der
Biomasse
63
Gebäudetechnik

Holzbriketts
Unter Holzbriketts versteht man Presslinge
unterschiedlicher Form und Grösse, die
aus trockenen, unbehandelten Holzresten,
wie beispielsweise Hobel- und Sägespä-
nen, unter hohem Druck zu gleichmässig
grossen und harten Briketts verpresst wer-
den. Je nach Ausgangsmaterial der Bri-
ketts, haben diese unterschiedliches
Brandverhalten. So brennen die einen wie
ein Scheitholzstück, die anderen glimmen
Abbildung 81:
mehr, als dass sie eine Flamme bilden. Im
Stückholz
Schnitt kann man sagen, dass durch die
hohe Verdichtung beim Brikettieren das
Naturprodukt Holz in etwa das Brennver-
halten von Braunkohle hat. Im Unterschied
zur Braunkohle produzieren Holzbriketts
beim Abbrand jedoch weniger Russ, Asche
und Schwefel, sind also umweltfreundli-
cher und sauberer. Zudem bleibt die CO2-
Bilanz ausgeglichen, da die Briketts aus
einem nachwachsenden Rohstoff, nämlich
Holz, hergestellt werden.
Briketts weisen gegenüber dem klassi-
Abbildung 82:
schen Brennholz einige Vorteile auf. Sie
Schnitzel
haben z. B. auf das Volumen bezogen
einen vielfach höheren Heizwert. Dies
bedeutet für den Kunden, dass er für die
Lagerung des Holzbrennstoffes viel weni-
ger Platz benötigt. Man kann sagen, dass
abhängig von der Qualität des Briketts, 1
Tonne Holzbriketts (die klassische Liefer-
menge) etwa 3 bis 5 Raummeter trockenes
Buchenbrennholz ersetzen. Dabei nimmt
die Tonne Holzbriketts lediglich den Platz
von ca. 1,5 Raummetern ein. Ein weiterer
Vorteil ist die praktische Verpackung, denn
Abbildung 83:
die meisten Briketts kommen in handli-
Pellets
chen Paketen zu etwa 10 kg, die auf eine
Palette gesetzt sind.

Abbildung 84:
Holzbriketts
64
Heizungsanlagen

Holzfeuerungssysteme Lastbereich betrieben werden, da die nicht


In Holzfeuerungssystemen findet der Ver- abgenommene Wärme im Energiespeicher
brennungsprozess statt und die freige- zwischengelagert wird. Verzichtet man auf
setzte Energie kann genutzt werden. Da- einen Energiespeicher, wird die Hydraulik
mit dieser Energieinhalt von Holz genutzt und die Regelung wesentlich anspruchs-
werden kann, muss es verbrannt werden. voller. Ist die Wassermenge im Kesselkreis
Die Verbrennung von Holz erfolgt in drei und der temperaturmässige Spielraum
Phasen. klein, sollte nie auf einen Energiespeicher
verzichtet werden.
Trocknungsphase: Bei der Trocknungs-
phase wird das im Holz enthaltene Wasser Darauf ist beim Kauf zu achten
bei Temperaturen bis zu 150 °C verdampft. Qualitätssiegel von Holzenergie
Schweiz: Das Qualitätssiegel gewährleis-
Phase der thermischen Zersetzung (Py- tet, dass die Feuerungen bei korrektem Be-
rolyse): Mit der Pyrolyse werden die gas- trieb einen hohen Wirkungsgrad erzielen
förmigen Verbindungen im Holz freige- und tiefe Emissionen aufweisen.
setzt. Diese Entgasung erfolgt bei Tempe- Automatische Holzfeuerungen: Diese
raturen zwischen 150 °C und 600 °C. Nach verringern die Gefahr des unsachgemässen
dieser Phase bleibt die Holzkohle zurück. Betriebs wesentlich. Kleinere Nahwärme-
netze mit automatischen Holzfeuerungen
Verbrennungsphase: Mit der Zugabe sind deshalb eine sinnvolle Alternative zu
von Luft (Sauerstoff) und einer Temperatur Einzelheizungen.
von 400 °C bis 1 300 °C findet die Verbren- Korrekter Betrieb: Vorgaben des Feue-
nung statt. Bei der letzten Phase verbren- rungsherstellers müssen im Betrieb über-
nen die Holzkohle und die freigesetzten prüft und eingehalten werden.
Gase in einem Holzfeuerungssystem. Verbrennung von naturbelassenem
Holz: In Holzheizkesseln, Öfen und Chemi-
Hydraulische Einbindung nées darf nur naturbelassenes Holz ver-
Mit einem Energiespeicher kann bei gerin- brannt werden. Wer Restholz, Altholz, Ab-
ger Heizlast der Taktbetrieb verhindert fälle etc. verbrennt, handelt nicht nur wi-
werden. Dies ist bei einer Holzfeuerung derrechtlich, sondern beschädigt die Feue-
eminent wichtig, da ein Takten eine un- rung, emittiert unzulässig grosse Schad-
vollständige Verbrennung und somit hö- stoffmengen und beeinträchtigt damit die
here Emissionen zur Folge hat. Somit kann Gesundheit von Mensch und Tier.
die Holzfeuerung bei geringer Wärme- Optimales Anfeuern und Holznachle-
nachfrage in einem emissionsgünstigen gen: Zum Anfeuern wird nur wenig und
feines Holz verwendet, das am besten auf
etwas gröberes Holz gelegt und so ange-
zündet wird, dass das Feuer von oben die
darunter liegenden Scheiter entfacht.
Sobald das Holz voll brennt oder spätes-
tens, wenn noch Glut und etwas Flammen
Trocknung vorhanden sind, sollten immer nur kleine
Mengen trockenes Holz nachgelegt wer-
den.
Pyrolyse Zu vermeiden ist ein Überfüllen des
Feuerraums und zwar sowohl beim Anfeu-
Abbildung 85: ern als auch beim Nachlegen: Das Anzün-
Verbrennung den eines grossen Brennstoffstapels mit
Phasen der
Holzverbrennung in darunter liegendem Anzündmaterial führt
einem Holzfeue- zu starker Rauchentwicklung, ebenso aber
rungssystem auch das Nachlegen von zu viel Holz. Ganz
65
Gebäudetechnik

zu vermeiden ist ein vollständiges Schlie- halt verwenden: Bei grösseren automati-
ssen der Luftklappen, so lange noch unter schen Holzheizungen sollte der Betreiber
Flammenbildung abbrennendes Holz im sicherstellen, dass nur Brennstoff mit ge-
Ofen ist, da dies einen Schwelbrand mit eigneten Abmessungen und Wassergehalt
sehr hohen Russemissionen verursacht. verwendet und kein Altholz eingesetzt
Nur geprüfte Qualitätspellets ver- wird. Mindestens einmal pro Jahr sowie bei Tabelle 26:
wenden einem Wechsel des Brennstoffsortiments Holzheizungen im
Wohnbereich
Bei Grossanlagen nur Holz mit geeig- sollte die Anlage neu einreguliert werden.
(Quelle: Holzener-
neten Abmessungen und Wasserge-
gie Schweiz)

Beschreibung Feuerraum Verbrennungs- Wirkungs- Wärme- Trümpfe


technik grad*) speicherung

Geschlossenes eingebaut, mit aus Metall oder moderne um 75 % ohne hoher dekora-
Cheminée geschlossenem Schamottier, Modelle mit Speichermasse tiver Wert,
(alle Varianten) Feuerraum, relativ gross, wirksamer gering, bei schnelle Raum-
häufig mit Scheiter 25 bis Nachverbren- Beheizung eines erwärmung
Warmluft- 33 cm nung Speicherkörpers
kanälen, z.T. mehrere
Beheizung eines Stunden
Speicherkörpers,
Strahlungs-
wände

Cheminéeofen freistehend, gross, wird moderne Geräte 60 bis 80 % 0 bis 2 Stunden hoher dekora-
verkleidet mit er ganz mit einfacher tiver Wert, preis-
Metall, Scha- ausgenützt, Nachverbren- wert, einfache
mottsteinen, entsteht schnell nung Installation,
Kacheln oder grosse Hitze schnelle Raum-
Speckstein erwärmung

Pelletofen freistehend, klein ausgereift um 90 % 0 bis 2 Stunden automatische


automatischer Zündung, wenig
Betrieb, Asche, geringe
Anschluss an Emissionen,
Zentralheizungs- kleineres Brenn-
system möglich stofflager

Holzkochherd mit verlängerter klein, meist für bei fach- 50 bis 70 %, mit 1 bis 2 Stunden
Zugführung, Scheiter 25 bis gerechtem Sitzbank bis im Herd, 3 bis 6
beheizbare Sitz- 33 cm Betrieb gut 80 % Stunden in
bank möglich Sitzbank, je
nach Grösse

Speicherofen fest aufgebaut, Anlage und gut bis sehr gut 75 bis 90 % 18 bis 36 hoher dekorati-
mit Kacheln, Brennstoff Stunden, je ver Wert, wenig
Speckstein oder angepasst, nach Speicher- Holz nachlegen,
Verputz verklei- Scheiter 25 bis volumen gute Wärme-
det, viel Strah- 50 cm speicherung,
lungswärme gemütlich

*) Wirkungsgrad wird auf Heizwert (unterer Heizwert) bezogen.


66
Heizungsanlagen

2.6 Praxisbeispiel zu Kritische Elemente


Holzfeuerung Kondensatbildung im Holzheizkessel bei
nicht kondensierenden Heizkesseln; Kes-
Beispiel 1: Heizkessel mit festem Brenn- sel-Rücklaufhochhaltung von mindestens
stoff (MuKEn-Standardlösung Nr. 5) 60 °C vorsehen.
Abführung der Überschussenergie des
Funktionsbeschrieb Heizkessels; Energiespeicher vorsehen.
Heizbetrieb
Der Temperaturfühler (1) ist abhängig von Einsatz
der Heizkurve. Unterschreitet die Tempera- EFH; MFH; Überbauungen
tur (1) die VL-Temperatur des Heizkreises Gewerbebauten
(VL,1), geht der Holzheizkessel und die
Umwälzpumpe (P1) in Betrieb. Der ge-
samte Energiespeicher wird mit heissem
Heizungswasser geladen, bis die VL-Tem-
peratur am Temperaturfühler (2) erreicht
ist. Die Heizkreispumpe (P3) fördet den
notwendigen Volumenstrom vom Energie-
speicher durch die Heizgruppe. Die Vor-
lauftemperaturen (VL,x) der Heizkreise
werden witterungsgeführt geregelt.

Ladung des SPWE (Speicherwasserer-


wärmung)
Wird im SPWE die Soll-Temperatur (WW)
unterschritten, öffnet das Durchgangsven-
til (V2 hat keine Regelfunktion) und die
Umwälzpumpe (P2) im SPWE-Ladekreis
schaltet ein. Das Heizungswasser fliesst
durch den innenliegenden Rohrbündel-
wärmetauscher und das Brauchwarmwas-
ser wird auf die gewünschte Temperatur
(WW) erwärmt.

Heizung Wassererwärmung

Quelle Fester Brennstoff –

Umwandlung Heizkessel Heizung indirekt

Speicherung Energiespeicher SPWE mit innenliegendem


Wärmeübertrager

Bemerkungen Monovalenter Betrieb, Sonnenenergienutzung im


Sonnenenergienutzung im SPWE möglich
Energiespeicher möglich

MuKEn Standardlösung 5: Automatische Holzfeuerung für Heizung und


Tabelle 27: Warmwasser ganzjährig
Spezifikationen zu
Beispiel 1.
67
Gebäudetechnik

Vorlauf-, Rücklauf und WW-Temperatur (˚C)

V3 QK,VL
QK,VL 80
V2 WW P3
QVL,1 QK,RL
(Holz) P2 SPWE Q1 60
QWW
WE ES WAx
QWW
Q2 40
QK,RL
KW
P1

v1 10
Abbildung 88.
Beispiel Regelfunk-
50 100
Freigabe der tion: SPWE-Ladever-
SPWE-Ladung Ladezustand (%) lauf mit konstanter
VL-Temperatur
Abbildung 86:
Holzheizkessel mit
Energiespeicher Ladezustand
Vor- und Rücklauftemperatur (˚C)

Heizgrenze Variante
QK,VL Ladefreigabe: SPWE-Temperatur (QWW)
80
EIN
QK,RL
60 AUS

40 50 60 QWW (˚C)
Variante
Abbildung 87. Ladefreigabe: Zeitschaltuhr
Beispiel Regelfunk- 21
EIN
tion: Verlauf der
Heiztemperatur AUS
über dem Holzheiz- -7 12 21 Freigabe Abbildung 89.
kessel während der Aussentemperatur (˚C) Beispiel Regelfunk-
22 00
0600 Zeit (h)
Ladung des Ener- tion: Freigabe für
giespeichers SPWE-Ladung
68
Heizungsanlagen

2.7 Fernwärme 2.8 Praxisbeispiele Fern-


wärmenutzung
Fernwärme bedeutet, dass die Wärmeer-
zeugung nicht unmittelbar am Ort des Beispiel 1: Fernwärme mit konstan-
Verbrauchs erfolgt und die vom Endkun- tem Massenstrom sekundärseitig
den genutzte Wärme angeliefert wird. (MuKEn-Standardlösungen Nr. 10 und 11)

Fernwärme wird in einer zentralen Anlage Funktionsbeschrieb


– zum Beispiel einer Kehricht-, Holz- Heizbetrieb
schnitzel-, Verbrennungs- oder Kläranlage Bei Wärmebedarf, schaltet die Umwälz-
oder einem Heizkraftwerk – erzeugt und pumpe (P1) im Verbraucherkreis ein. Die
über ein Rohrleitungsnetz den Kunden VL-Temperatur (VL) ist witterungsgeführt
zum Heizen und zur Wassererwärmung und wird mit dem Durchgangsventil (3)
zugeleitet. Bildlich ausgedrückt funktio- auf die von der Heizkurve vorgegebene
niert die Fernwärme wie eine grosse Temperatur geregelt. Da eine ungeregelte
Zentralheizung, die Gemeinden, Quar- Umwälzpumpe (P1) zum Einsatz kommt,
tiere, Städte und Regionen mit Wärme wird im Teillastbetrieb ein Teil des Hei-
von einem oder mehreren grossen zungswassers durch den Bypass gefördert.
Wärmequellen versorgt. Als Wärmequel-
len kommen in Frage: Kehricht, Abwärme Ladung des SPWE (Speicherwasser-
aus thermischen Kraftwerken und indust- erwärmers)
riellen Prozessen, Holzschnitzel, Kläranla- Unterschreitet die Ist-Temperatur die Soll-
Abbildung 90: gen, Geothermie sowie Umweltwärme. Temperatur am SPWE-Temperatursensor
Fernwärmean- (WW), schalten die Umwälzpumpe (P1) und
schluss mit System-
Die Fernwärme wird über ein gut isoliertes die SPWE-Pumpe (P2) ein und das Durch-
trennung und kons-
Verteilnetz in Form von heissem Wasser gangsventil öffnet (besitzt keine Regel-
tantem Massen-
(80 °C bis 130 °C) zum Endverbraucher zu- funktion). Die VL-Temperatur (VL) wird
strom
geleitet. Das in den Heizungen abgekühlte hochgefahren und konstant gehalten.
A Fernwärmenetz Wasser (rund 50 °C oder tiefer) fliesst über
B Übergabestation ein zweites Rohr in die Fernwärmezentrale Kritische Elemente
C Hausinterner Ver- zurück, womit der Kreislauf geschlossen RL-Temperaturen in der Übergabestation
braucherkreis ist. und im hausinternen Verbraucherkreis
1 Druckdifferenz- können im Teillastbereich hoch sein.
Regler Druckloser Verteiler im Verbraucherkreis Abbildung 91: Vor-
2 Wärmezähler und Rücklauf-
3 Sekundär-VL- Einsatz temperatur in
Regelung Abhängigkeit der
MFH und Gewerbebauten
4 Wärmeübertrager Aussentemperatur

Vor- und Rücklauftemperatur (˚C)

QVL
WW 50
3
P2 SPWE Q QVL,1 VL
4 WW 40
WAx

RL Heizgrenze
KW
1 m3
2 21
m
˚ P1
˚ = konstant
m
VL RL
-7 5 12 21
A B C
Aussentemperatur (˚C)
69
Gebäudetechnik

Heizung Wassererwärmung
Quelle Fernwärme –

Umwandlung Wärmeübertrager Heizung indirekt

Speicherung – SPWE mit innenliegendem


Wärmeübertrager (Stufenla-
dung)
Bemerkungen Mit einem Bypass wird ein –
konstanter Massenstrom auf
der Sekundärseite erreicht.
Witterungsgeführte VL-Tem-
peratur
Konstante VL-Temperatur
möglich.

MuKEn Standardlösung 10: Standardlösung 11:


Abwärmenutzung für Wärme aus Wärmekraft-
Heizung und Warmwasser kopplung (WKK)
ganzjährig Elektrischer Wirkungsgrad
z. B. Abwärme aus Fern- mindestens 30 %
wärme (KVA, ARA, etc.) oder Abdeckung des Wärmebe-
Tabelle 28:
Industrie darfs von Heizung und WW
Spezifikationen zu
von mindestens 70 %
Beispiel 1.

Vorlauf-, Rücklauf- und WW-Temperatur (˚C) Ladezustand

Variante
VL
65 Ladefreigabe: SPWE-Temperatur (QWW)
60 EIN
WW
AUS
50 RL

50 60 QWW (˚C)
40
Abbildung 92. Variante
35
Ladefreigabe: Zeitschaltuhr
Beispiel Regelfunk- 30
tion: SPWE-Ladever- EIN
lauf mit konstanter 10 AUS
VL-Temperatur (Bei- Freigabe
spiel: SPWE-Ladung Abbildung 93.
vom Heizbetrieb 2200 0600 Zeit (h) Beispiel Regelfunk-
Freigabe 100%
35 °C/30 °C ausge- der SPWE-Ladung Ladezustand tion: Freigabe für
hend) SPWE-Ladung
70
Heizungsanlagen

Beispiel 2: Fernwärme mit variablem funktion). Die VL-Temperatur (VL) wird


Massenstrom sekundärseitig (MuKEn- hochgefahren und konstant gehalten.
Standardlösungen Nr. 10 und 11)
Kritische Elemente
Funktionsbeschrieb Minimaler Volumenstrom auch im Teil-
Heizbetrieb lastbereich beachten
Bei Wärmebedarf schaltet die Umwälz- Hydraulischer Abgleich der Heizgruppen
pumpe (P1) im Verbraucherkreis ein. Die Drehzahlregulierte Umwälzpumpe
VL-Temperatur (VL) ist witterungsgeführt
und wird mit dem Durchgangsventil (3) Einsatz
auf die von der Heizkurve vorgegebene EFH und MFH
Temperatur geregelt.
Im Teillastbetrieb regelt die drehzahlregu-
lierte Umwälzpumpe (P1) den Massen-
strom.

Ladung des SPWE (Speicherwasser-


erwärmer)
Unterschreitet die Ist-Temperatur die Soll-
Temperatur am SPWE-Temperatursensor
(WW), schalten die Umwälzpumpe (P1) und
die SPWE-Pumpe (P2) ein und das Durch-
gangsventil (5) öffnet (besitzt keine Regel-

3 QVL WW
5
SPWE Q
P2 WW
WAx

KW
Abbildung 94: Fern- P1
wärmeanschluss

mit Systemtrennung
und variablem ˚ = variabel
m
Massenstrom

Heizung Wassererwärmung
Quelle Fernwärme –
Umwandlung Wärmeübertrager Heizung indirekt
Speicherung – SPWE mit innenliegendem
Wärmeübertrager (Stufenla-
dung)
Bemerkungen Keinen Bypass (Massenstrom –
variabel),
Witterungsgeführte VL-Tem-
peratur,
Konstante VL-Temperatur
Tabelle 29:
möglich.
Spezifikationen zu
Geregelte Umwälzpumpe
Beispiel 2.
(P1)
71
Gebäudetechnik

2.9 Wärmekraftkopplung

Eine Wärmekraftskopplung (WKK) produ- Blockheizkraftwerke (BHKW)


ziert neben der Wärme auch noch Strom. Wärmekraftkopplungsanlagen sind meist
Der Verbraucher wird so mit den beiden Blockheizkraftwerke (BHKW), die aus ei-
wichtigsten Energiearten, Strom und nem Verbrennungsmotor und einem Ge-
Wärme, versorgt. Die bei der Stromerzeu- nerator bestehen. Als Treibstoff kommt
gung anfallende Wärme wird hierbei sinn- vorwiegend Gas zum Einsatz. Das Leis-
voll zur Bereitstellung von Heizwasser, tungsspektrum dieser Technologie liegt
Dampf oder Trocknungswärme verwen- zwischen 15 kWe und 1 000 kWe. Ein
det. Der Brennstoff wird somit zu 90 % bis BHKW ist eine modular aufgebaute An-
95 % genutzt. WKK-Anlagen gehen in Be- lage, die vorzugsweise am Ort des Wärme-
trieb, sobald Wärme benötigt wird; sie verbrauchs betrieben wird, die aber auch
sind somit wärmegeführt. Nutzwärme in ein Nahwärmenetz einspei-
Die Mikro-Wärmekraftkopplung (Mikro- sen kann.
WKK) steht für eine Klasse von WKK-Anla-
Abbildung 95:
gen, die das unterste Leistungssegment
Produzierte Ener-
der WKK abdeckt (ca. 1 kWe bis 15 kWe
gien aus einer Gas-
und 3 kWth bis 70 kWth). Die Mini-Wärme-
Wärmekraftkopp-
lung kraftkopplung (Mini-WKK) umfasst im
Vergleich zur Mikro-WKK den Bereich der
Abbildung 96: WKK-Anlagen von 3 kWe bis 50 kWe.
Ansicht eines BHKW

Abgas

Wärme- nutzbare
tauscher Wärmeenergie

Erdgas
elektrische
WKK-Anlage Generator
Energie
72
Heizungsanlagen

2.10 Praxisbeispiele zu Wär- SPWE durch das Umschalten des 3-Weg-


mekraftkopplungen (WKK) Ventils (1) geladen. Durch die Temperatur-
hochhaltung erfolgt eine konsequente
Beispiel 1: BHKW und Heizkessel mit Temperaturschichtung im SPWE.
gasförmigem Brennstoff (MuKEn-Stan-
dardlösungen Nr. 11) Kritische Elemente
Tiefe RL-Temperaturen im BHKW nicht
Funktionsbeschrieb erwünscht; somit Rücklauftemperatur-
Heizbetrieb hochhaltung vorsehen.
Mit dem Energiespeicher werden lange Tiefe RL-Temperaturen bei Brennwert-
Laufzeiten des BHKW erreicht. Bis zu einer kessel erwünscht.
definierten Aussentemperatur (dem Biva- Drehzahlregulierte Umwälzpumpe bei
lenzpunkt) erfolgt die Erwärmung des Hei- Gaskessel
zungswassers über das BHKW. Wird dieser Lange Ladezeit mittels BHKW erwünscht
Punkt unterschritten, wird die zu errei- Energiemanagement des Energiespei-
chende VL-Temperatur (VL)mit der Zusatz- chers
heizung garantiert.
Einsatz
Ladung des SPWE (Speicherwasser- MFH
erwärmer) Wärmeverbund von mehreren MFH
Unterschreitet die Ist-Temperatur die Soll- Gebäude mit grossem Warmwasserbe-
Temperatur am SPWE-Temperatursensor darf (Spitäler, Altersheime, Sportanlagen)
(WW,1), schaltet der Primärkreis ein. Wer-
den aus dem Energiespeicher die notwen-
digen VL-Temperaturen erreicht, bezieht
die Temperaturhochhalteladung das Was-
ser aus dem Energiespeicher. Ansonsten
wird die Wärme mit dem Spitzenheizkes-
sel bereitgestellt.
Dabei wird das Heizungswasser über den
aussenliegenden Wärmetauscher geför-
dert. Das zu erwärmende Trinkwasser wird Abbildung 97:
solange über den Bypass geführt, bis die BHKW und Gas-
Tabelle 30: Warmwasserladetemperatur (1) erreicht Brennwertkessel im
Spezifikationen zu bivalent-parallelen
ist. Ist diese Temperatur erreicht, wird der
Beispiel 1. Betrieb

Heizung Wassererwärmung
QVL
Quelle Gasförmiger Brenn- –
stoff (Erdgas) QK,VL
Q1 WW
Umwandlung WKK Heizung indirekt
Heizkessel QWW,1
BHKW WE
Speicherung Energiespeicher SPWE mit aussenlie-
ES (Gas) QWW,2 WAx
gendem Wärme- QK,RL
übertrager (Schicht- KW
1
ladung)
Bemerkungen Blockheizkraftwerk –
(BHKW),
Varianten: Biva-
lent-alternativer
oder bivalent-teil-
paralleler Betrieb
73
Gebäudetechnik

Beispiel 2: BHKW und WP mit Frisch- sertemperaturen (z. B. Spültische, Duschen)


wassermodul (MuKEn-Standardlösungen Ausstosszeiten des Warmwassers – Zir-
Nr. 6, 7 und 11) kulation, somit Legionellenschaltung vor-
sehen.
Funktionsbeschrieb Notwendiger Energieinhalt für das
Ladung der Energiespeicher Frischwassermodul
Der Energiespeicher ist mittels Lochblech Kalkausscheidung im Wärmeübertrager
in zwei unterschiedliche Temperaturzonen des Frischwassermoduls
eingeteilt. Mit dem oberen Speicherbe-
reich wird das Frischwassermodul geladen. Einsatz
Der untere Speicherbereich speichert die MFH
Energie für die Heizgruppen (Niedertem- Gebäude mit grossem Warmwasserbe-
peratur). Spricht der obere Energiespei- darf (z. B. Sportanlagen; Legionellenprob-
chertemperatursensor (1) an, gehen die lematik beachten).
Wärmepumpe und das BHKW in Betrieb.
Dabei erwärmt die WP das RL-Wasser auf
den Niedertemperaturbereich. Das BHKW
erwärmt das vorgewärmte Heizungswas-
ser in etwa auf die Soll-Temperatur (VL)
und leitet dieses in den oberen Energie-
speicherbereich ein. Dieser wird von oben
bis zum Temperaturfühler (2) geschichtet
geladen. Spricht der untere Niedertempe-
raturbereich (3) an, wird die notwendige
Wärme nur von der WP bereitgestellt.

Kritische Elemente
Lange Laufzeit des BHWKs erwünscht
Lademanagement des Energiespeichers
Tiefe VL-Temperaturen für WP (Steige-
rung der Effizienz)
Hydraulische Einbindung des BHKW Abbildung 98:
Nieder- und Hochtemperatur-Massen- BHKW und WP im
Tabelle 31: ströme Grund für gegenseitige Störung bivalent-teilparalle-
Spezifikationen zu len Betrieb und mit
Unterschiedlicher Bedarf an Warmwas-
Beispiel 2. Frischwassermodul

Heizung Wassererwärmung
Frischwasser-
Quelle Gasförmiger – modul
Brennstoff WW
ES 1
(Erdgas), 2 KW
Umweltwärme 3
4
Umwandlung WKK (BHKW), Heizung indirekt mit-
WP tels Frischwassermo-
WP
dul
BHKW
Speicherung Energiespeicher – WAx
Auch Kombispei-
VL
cher möglich

Bemerkungen Bivalent-teilparalle- Elektrische Nacher-


ler Betrieb wärmung möglich
74
Heizungsanlagen

2.11 Thermische können auf Gestellen aufgeständert bzw.


Solarwärmenutzung auf Dächern über der Dachhaut installiert
(Aufbaukollektoren) oder ins Hausdach
Thermische Solaranlagen nutzen solare oder in die Fassade integriert werden (Ein-
Wärme zur Unterstützung bzw. Deckung baukollektoren). Ebenfalls zählen die un-
des häuslichen Warmwasserbedarfs und verglasten Kollektoren zu den Flachkollek-
der Wohnungsheizung. Zentrales Bauteil toren. Diese kommen im unteren Tempe-
thermischer Solaranlagen ist der Sonnen- raturbereich (z. B. für Erwärmung von Frei-
kollektor. Das «Herz» des Kollektors sind badanlagen) zum Einsatz.
die Absorber. Das sind schwarze Metallflä-
chen, in denen in einem System von kleinen Auf welche technische Details ist bei der
Röhren eine Flüssigkeit zirkuliert, die durch Wahl eines Flachkollektors zu achten?
die Wirkung der Sonnenstrahlung erwärmt Zertifizierung: Das Institut für Solar-
wird. Die im Absorber erwärmte Flüssigkeit technik SPF an der Hochschule Rapperswil
gibt Wärme über einen Wärmetauscher testet Sonnenkollektoren auf Ertrag und
an das Warmwasser- und Heizungssystem
des Hauses ab. Die solare Wärme steht
den Nutzern z. B. am Warmwasserhahn,
am Heizkörper / Fussbodenheizung und im
Schwimmbecken zur Verfügung.
Die direkt von der Sonne gewonnene
Wärme reicht häufig für den aktuellen
Nutzwärmebedarf eines Hauses nicht aus, Boiler
wenn z. B. Wolken die Sonnenkollektoren Solarkreis
beschatten. Dann übernimmt eine weitere
Wärmequelle, die Zusatzheizung, die Er-
Heizkessel
wärmung des Speicherinhalts.

Das Strahlungsangebot auf der Speicher


Abbildung 99: Erdoberfläche
Aufbau einer ther- Sonnenstrahlen sind elektromagnetische
mischen Solaran- Wellen, deren Energieinhalt sich nach dem
lage Eintritt in die Erdatmosphäre durch Refle-
xion und Absorption an Bestandteilen der
Luft (z. B. Wasserdampf, Ozon, etc.) redu-
ziert. So liegt die Gesamtleistung der Son-
neneinstrahlung an der Aussenhülle der
Erdatmosphäre bei 1 355 kW/m2 (Solar-
konstante), wovon im Maximum ca. 1 000
W/m2 (Globalstrahlung) auf den Erdboden
auftreten. Die Globalstrahlung besteht
aus:
Solarkonstante (1‘355 kW/m2)
direkten Strahlungen (Sonnenlicht, das
bei klarem Himmel direkt auf den Erdbo- Reflexion
Streuung in der
durch Wolken
den trifft) und dichteren Atmosphäre
indirekten Strahlungen (Diffusstrahlung,
Sonnenlicht, das durch Wolken gestreut
Absorption in diffuse Strahlung
(abgelenkt) auf den Erdboden trifft). der Atmosphäre direkte Strahlung
Bodenreflexion
Abbildung 100: Flachkollektoren
Begriffe der Son- Flachkollektoren sind die meistverbreitete
nenstrahlung Bauart von Kollektoren. Flachkollektoren
75
Gebäudetechnik

Kollektorbauarten Einsatzbereich Stagnations- Typische


temperatur *) Anwendung
Unverglaste Flachkol- 20 °C bis 40 °C ca. 80 °C Freibadanlagen für Tabelle 32: Einsatz-
lektoren aus Kunst- private und kommu- bereich von Flach-
stoff nale Bäder kollektoren (wei-
Verglaste Flachkollek- 30 °C bis 100 °C 160 °C bis 220 °C Wassererwärmung tere Infos: Leitfaden
toren mit spektralse- und Raumheizung Solarthermie, Swis-
lektiver Beschichtung solar)

Vakuumröhrenkollek- 50 °C bis 150 °C 250 °C bis 350 °C Wassererwärmung Tabelle 33: Einsatz-
toren mit Metallab- und Raumheizung, bereich von Vaku-
sorber Prozesswärme umröhrenkollekto-
ren (weitere Infos:
*) Stagnationstemperatur gelten bei 30 °C Umgebungstemperatur und einer
Leitfaden Solarther-
Einstrahlung in die Kollektorebene von 1 000 W/m2
mie, Swissolar).

andere Kriterien. Die Resultate sind unter


www.solarenergy.ch verfügbar.
Absorberbeschichtung: Der Absorber
muss entweder schwarz eingefärbt oder
mit einer speziellen Beschichtung versehen
sein, die selektiv wirkt (selektive Absorber-
beschichtung). D.h., die von aussen kom-
Abbildung 101:
mende kürzerwellige Sonnenenergie mög-
Flachkollektor
lichst gut aufnimmt und die längerwellige
1 Glas
Wärmeenergie des Absorbers nur schlecht
2 Wärmeträgerme-
abgibt.
dium
Grossflächenkollektor: Dieser hat Vor-
3 Kupferrohr
teile im Vergleich zu mehreren Einzelmo-
4 Aluminiumwanne
dulen.
5 Absorber, schwarz
Dämmung: Der Kollektor muss gegen
oder selektiv be-
Wärmeverluste mit mineralischem Dämm-
schichtet
stoff gut gedämmt sein.
6 Wärmedämmung

Vakuumröhrenkollektoren
Vakuum ist ein besonders guter thermi-
scher Isolator. Dadurch weisen Vakuum-
röhrenkollektoren einen wesentlich kleine-
ren Wärmeverlust auf als Flachkollektoren.
Vakuumröhrenkollektoren sind besonders
Abbildung 102:
leistungsstarke Kollektoren, welche für die
Vakuumröhren-
Bereitstellung von Prozesswärme im Be-
kollektor
reich von 100 °C bis 150 °C eingesetzt
1 Glas
werden.
2 Wärmeträgerme-
dium
3 Distanzhalter
4 Wärmedämmung
(Vakuum)
5 Einlauf
6 Auslauf
7 Absorber, schwarz
selektiv beschichtet
76
Heizungsanlagen

Planungshinweise für thermische So- Neigungswinkel unter 20° führen zu man-


larnutzung (weitere Infos: Leitfaden gelhafter Belüftung und somit zu Konden-
Solarthermie, Swissolar) sationsniederschlägen an der Innenseite
des Kollektors. Zudem rutscht der Schnee
Vereinbarungen mit dem Nutzer schlecht ab. Orientierung: Weicht die opti-
schriftlich festhalten: Anlagedaten male Orientierung von Süden ab, ist dies
schriftlich fixieren, welche für die Planung mit einer Vergrösserung der Kollektorflä-
verbindlich sein sollten (z. B. Platzierung che zu kompensieren. Südabweichung von
der Kollektoren, allgemeine Platzverhält- +/-90° sind für Neigungswinkel bis zu 50°
nisse, solarer Deckungsgrad, Anlagedaten, mit einer Vergrösserung der Kollektorflä-
Lieferfristen von Kollektoren, Anwendun- che um 50 % bis 75 % zu kompensieren.
gen der Sonnenenergie, Wärme- und Bei Neigungswinkel von bis zu 75° wird
Warmwasserbedarf, Investitionslimiten, eine Einschränkung der Orientierung auf
Randbedingungen der konventionellen +/-45° empfohlen.
Haustechnik, etc.) Ausrichtung von Flachkollektoren
In den meisten Kantonen ist die Ins- für Heizungsunterstützung. Der Nei-
tallation einer Sonnenkollektoranlage gungswinkel sollte zwischen 30° und 70°
bewilligungspflichtig: Ansprechpartner liegen. Anlagen mit hohem Neigungswin-
für das Bewilligungsverfahren ist das Bau- kel haben den Vorteil, dass im Sommer
amt der Gemeinde, in der die Anlage reali- kaum überschüssige Wärme anfällt und im
siert werden soll. Winter auch grosse Schneemengen kein
Einreichung von allfälligen Förderan- Problem darstellen. Orientierung: Südab-
trägen weichung von +/-45° sind für Neigungs-
Genügend Raum- und Platzbedarf winkel bis zu 75° mit einer Vergrösserung
für Kollektoren, Speicher und Rohrlei- der Kollektorfläche von etwa 20 % zu
tungstrassee vorsehen. kompensieren. Bei höheren Neigungswin-
Unterschiedliche Offerten von Kol- keln empfiehlt sich eine Einschränkung der
lektoren oder ganzen Solaranlagen an- Orientierung auf +/-45°.
fordern und vergleichen: Es lohnt sich Zusatzheizung: Die Wahl der Zusatz-
Offertvergleiche bezüglich Fabrikate, Sys- heizung hat einen grossen Einfluss auf die
teme, Qualität, Quantität, Preise, Rabatte, Ökologie des gesamten Systems. Holzhei-
Wirtschaftlichkeit, Leistungsfähigkeit, Ter- zungen und Wärmepumpen sind dafür be-
mine, Organisation, etc. vorzunehmen. sonders geeignet.
Kompromiss zwischen Wärmekosten Überhitzungsschutz: Ist das Sonnen-
und solaren Deckungsanteil: Der solare energieangebot grösser als der Wärmebe-
Deckungsgrad für Heizung und Warmwas- darf, besteht Gefahr einer Speicherüberhit-
ser liegt bei EFH im Minergiestandard bei zung oder einer Verdampfung des Wasser-
30 % bis 50 % (gilt für Mittelland). Glykol-Gemischs im Kollektor. Es sind
In EFH und MFH stellen Kompaktanlagen Überhitzungsschutz-Massnahmen (Hyd-
zur Brauchwassererwärmung mit einem raulik, Regulierung) einzuplanen.
solaren Deckungsgrad von 50 % bis 70 % Volumenströme durch Kollektoren:
das wirtschaftliche Optimum dar. Für optimale Energiegewinnung eignet sich
Warmwasserbedarf richtig abschät- die High-flow-Anlage mit einem Volumen-
zen: Für die Dimensionierung von Anlagen strom zwischen 30 l und 50 l pro Stunde
zur Wassererwärmung sollten Bedarfspro- und m2 Kollektorfläche. Low-flow-Anlage
file erhoben werden. Als Standardver- mit einem Volumenstrom zwischen 10 l
brauchswerte gelten bei EFH 40 Liter und 20 l pro Stunde und m2 Kollektorfläche
Warmwasser zu 60 °C pro Person und Tag, eignen sich für die Erzeugung von hohen
bei MFH sind es 35 Liter. Temperaturen.
Ausrichtung von Flachkollektoren
für Wassererwärmung. Der Neigungs-
winkel sollte zwischen 20° und 50° liegen.
77
Gebäudetechnik

Tabelle 34:
Einsatzgebiet Unverglaster Verglaster Vakuumröhren- Auswahl von geeig-
Flachkollektor Flachkollektor kollektor neten Kollektoren
(weitere Infos: Leit-
Schwimmbad faden Solarthermie,
++ -- --
Sommerbetrieb Swissolar)

Hallenbad mit Legende:


-- ++ + ++ gut geeignet
Sommerbetrieb
+ geeignet
Brauchwassererwärmung - nicht
-- ++ +
im EFH empfehlenswert
-- vermeiden
Brauchwassererwärmung
-- ++ +
und Schwimmbad im EFH

Brauchwasservorerwärmung
-- ++ --
im MFH

Brauchwassererwärmung
- ++ ++
im MFH

Brauchwassererwärmung
und Heizungsunterstützung -- ++ ++
im EFH und MFH

Gewerbliche Anwendung
für die Vorerwärmung bis
50 °C (Hotels, Kantinen, -- ++ +
Campingplätze, etc.)

Gewerbliche Anwendung
für die Wärmenutzung bis
80 °C (Wäschereien, Auto- -- ++ ++
waschstrassen, etc.)

Gewerbliche Anwendung
für Prozesswärme bis 150 °C
(Nahrungsmittelindustrie, - - ++
etc.)
78
Heizungsanlagen

Richtwerte für den Bau von thermi- Für eine genaue Auslegung einer Solaranlage
schen Solaranlagen (Projektphase) sollte man die Berechnungen mit Hilfe eines Si-
Bei der Ermittlung von Investitionskosten mulationsprogrammes (z. B. Polysun), allenfalls
für Solaranlage müssen auch die Abzüge in mehreren Varianten, am Computer ausfüh-
von möglichen Förderbeiträgen und steu- ren.
erlichen Vergünstigungen berücksichtigt
werden.

Anlagen zur Wassererwärmung Kombianlagen2)

Flachkollektor- Vorwärmvolumen1) 3) Flachkollektor- Vorwärmvolumen1)3)


Wohngebäude Belegung fläche1) m2/Person l/m2 fläche1) m2/(MWh·a) l/ m2

kleine Gebäude bis 20 Personen 1,2 50 1 120

mittlere Gebäude bis 20 Personen 0,8 40 0,8 90

grosse Gebäude über 100 Personen 0,5 30 0,8 60

1) Bezugsfläche: Absorberfläche
2) Wassererwärmung und Heizungsunterstützung
3) Das Totalvolumen (VT) des Speicher-Wassererwärmers ist die Summe des Vorwärmvolumens (VV), des Bereitschaftsvolumens
(VZ) und des Totvolumens. Das Bereitschaftsvolumen (VZ) ist abhängig von der Verfügbarkeit der Zusatzenergie und beträgt
maximal einen Tageswarmwasserbedarf, (inkl. Zirkulation).

Ausrichtung Vergrösserung bei Wassererwärmung Vergrösserung bei Kombianlagen

Neigung Korrektur der Kollektorfläche Neigung Korrektur der Kollektorfläche

Süd, Südwest (+45°), 20° bis 50° keine Korrektur 30° bis 50° keine Korrektur
Südost (-45°)
60° +15 % 75° +20 %

75° +50 % > 75° Korrektur berechnen

> 75° Korrektur berechnen

West (+90°), Ost (-90°) 20 bis 50° +5 % 20° bis 45° keine Korrektur

50° +10 % 50° +10 %

> 50° Korrektur berechnen > 50° Korrektur berechnen


Tabelle 35: Grobe Richtwerte für die benö-
tigte Kollektorenfläche mit optimaler Aus-
richtung (Quelle: Solarordner und Merk-
blatt «Sonnenenergie: Kosten und Kenn-
zahlen» des BFE)

Tabelle 36: Vergösserung der Kollektorflä-


che bei nicht idealer Ausrichtung (weitere
Infos: Leitfaden Solarthermie, Swissolar)
79
Gebäudetechnik
80
Heizungsanlagen

2.12 Praxisbeispiele zur Innenliegende Wärmeübertrager können


Solarwärmenutzung zur Vermischung der Temperaturschichten
führen.
Beispiel 1: Thermische Sonnenenergie- Schichtladung ist mit High-flow-Betrieb
nutzung zur Wassererwärmung (Mu- nicht möglich.
KEn-Standardlösungen Nr. 3 und 4) Fliessgeschwindigkeit im Solarkreislauf
Druckhaltung im Solarkreis
Funktionsbeschrieb
Warmwasserladung mittels Einsatz
High-flow-Solaranlage (Abbildung 103) EFH und MFH
Ist die Kollektorfeldtemperatur (1) 3 K bis
5 K wärmer als die Temperatur im SPWE
Q1
(WW), schaltet die Solarpumpe ein. Die
Speicherladung erfolgt von unten nach
oben durch die induzierten Konvektions-
strömungen. Sobald der Temperaturunter-
schied zwischen Kollektorfeld und SPWE WW
(1 – WW) kleiner als 3 K respektive 5 K ist, SPWE
schaltet die Solaranlage wieder ab. Abbildung 103:
QWW High-flow-Solar-
Kann die SPWE-Ladung nicht mittels Kol-
lektoren erwärmt werden, erwärmt der anlage für indirekte
Wassererwärmung
Elektroheizeinsatz (andere Wärmequelle KW
mit elektrischer Zu-
möglich) das obere Speichervolumen
satzheizung
(meistens Stundenspitze) nach.

Warmwasserladung mittels Low- Q1


flow-Solaranlage (Abbildung 104)
Die Temperaturfühler (WW,1 und WW,2) im
SPWE geben den Solarladekreis frei, sobald WW
eine der beiden Temperaturen kleiner ist als SPWE
die Temperatur im Kollektorfeld (1). Wird
im oberen Bereich (WW,1) eine Temperatur- QWW,1
differenz zum Kollektorfeld (1) von 3 K bis
QWW,2 Abbildung 104:
5 K festgestellt, schaltet das 3-Weg-Ventil Low-flow-Solaran-
auf Umlenkung und der obere SPWE-Be- lage für indirekte
reich wird geladen. Die Restwärme im So- KW
Wassererwärmung
larkreis wird mit dem zweiten Wärmeüber- mit elektrischer Zu-
trager dem unteren SPWE-Bereich zuge- satzheizung
führt. Ist die Temperatur im oberen Bereich
(WW,1) höher als die Kollektorfeldtempera-
tur (1), kann nur die anfallende Wärme Q1
mittels dem unteren Wärmeübertrager-
dem Trinkwasser abgegeben werden. Es
erfolgt eine Vorerwärmung des Trinkwas-
sers. Der Elektroheizeinsatz (andere Wär-
WW Abbildung 105:
mequellen möglich) wärmt das obere Spei-
SPWE Thermische Solaran-
chervolumen nach (meistens Stunden-
lage mit aussenlie-
spitze). gendem Wärmetau-
QWW,1
scher für indirekte
Kritische Elemente QWW,2 Wassererwärmung
Überhitzungsproblematik Solar- und KW
mit elektrischer Zu-
WW-Kreis satzheizung
81
Gebäudetechnik

Beispiel 2: Thermische Sonnenener- Überhitzungsproblematik im Solar- und


gienutzung mit aussenliegendem WW-Kreis
Wärmetauscher für Wassererwärmung Kleine Eintrittsgeschwindigkeiten in den
(MuKEn-Standardlösungen Nr. 3 und 4, SPWE notwendig (Zerstörung der Tempe-
Abbildung 105) raturschichtung)
Im EFH ist der Wärmeeintrag in den
Funktionsbeschrieb SPWE mittels freier Konvektion möglich
Sobald die Speichertemperaturen (WW,1) (ohne Umwälzpumpe).
tiefer liegen als im Kollektorfeld (1), gehen Druckhaltung im Solarkreis
der Primär- und Sekundärkreis in Betrieb;
der SPWE wird geladen bis der Tempera- Einsatz
turfühler (WW,2) die Temperaturdifferenz Nachrüstung im EFH und MFH
zum Kollektorfeld (1) unterschreitet. Grosse Solaranlagen

Kritische Elemente
Kalkausscheidung im Wärmeübertrager
Verluste im Wärmeübertrager

Beispiel 1 Heizung Wassererwärmung


Quelle – Sonnenenergie
Elektrizität
Umwandlung – Sonnenkollektoren
Speicherung – SPWE mit innenliegendem
Wärmeübertrager (Stufenla-
dung)
Bemerkungen – Zusatzheizung mit anderen
Quellen möglich.
MuKEn Standardlösung 3: Standardlösung 4:
Solaranlage zur Wasserer- Holzfeuerung für Heizung
wärmung und Solaranlage zur Wasse-
Kollektorenfläche mindes- rerwärmung
tens 2 % der Energiebezugs- Kollektorenfläche mindes-
fläche tens 2 % der Energiebezugs-
Tabelle 37:
Verbesserte Wärmedäm- fläche
Spezifikationen zu
mung der Gebäudehülle
Beispiel 1.

Beispiel 2 Heizung Wassererwärmung


Quelle – Sonnenenergie
Elektrizität
Umwandlung – Sonnenkollektoren
Speicherung – SPWE mit aussenliegendem
Wärmeübertrager (Schichtla-
dung) für thermische Solarnut-
zung und direkte Wassererwär-
mung mit Elektroheizeinsatz
für Zusatzheizung
Bemerkungen – Zusatzheizung mit anderen
Quellen möglich,
Tabelle 38:
High-flow-System für Sonnen-
Spezifikationen zu
kollektoren
Beispiel 2.
82
Heizungsanlagen

Beispiel 3: Vorerwärmung mit Einsatz


thermischer Sonnenenergienutzung Grosse Wassererwärmungsanlagen
(MuKEn-Standardlösungen Nr. 3 und 4,
Abbildung 106) Beispiel 4: Thermische Sonnen-
energienutzung für Wassererwär-
Funktionsbeschrieb mung und Heizungsunterstützung
Die thermische Sonnenenergienutzung (MuKEn-Standardlösungen Nr. 8 und 9,
erfolgt nach Beispiel Nr. 1 (Warmwasser- Abbildung 107)
ladung mittels High-flow-Solaranlge). So-
bald die Temperatur (WW,2) im Vorwärm- Funktionsbeschrieb
speicher (1) wärmer ist als die Temperatur Ladung des Energiespeichers über
(WW,1) im Nachwärmspeicher 2, geht die thermische Sonnenenergienutzung
Umwälzpumpe (P1) in Betrieb. Damit wer- Der Einschaltpunkt des Solarkreises wird
den die beiden Speicher umgeschichtet durch die Einschalttemperaturdifferenz
respektive umgeladen, bis die Temperatur (2 und 3) definiert. Diese ergibt sich aus
(WW,2) kleiner ist als die Temperatur (WW,1) den Temperaturmessungen (2) im Energie-
speicher und im Kollektorfeld (3). Ist die
Kritische Elemente Temperatur im Kollektorfeld 3 K bis 5 K hö-
Überhitzungsproblematik im Solar- und her als im Energiespeicher, schaltet die So-
WW-Kreis larladepumpe ein, das Umstellventil (UV)
Kleine Eintrittsgeschwindigkeiten in den steht auf Durchgang und der Energiespei-
Vorwärme- und Nachwärmespeicher (Zer- cher wird im unteren Bereich geladen.
störung der Temperaturschichtung)

Q1

WW

SPWE QWW,2 SPWE


VE P1 NE
1 2

Abbildung 106: Vor- QWW,3


QWW,1
erwärmung mit Heizung
Umschichtung und
KW
mit Zusatzheizung

Beispiel 3 Heizung Wassererwärmung


Quelle – Sonnenenergie
Zusatzheizung elektrisch oder
mittels Heizungsanlage
Umwandlung – Sonnenkollektoren
Heizung indirekt
Speicherung – Sonnenenergie für Vorerwärmung
mit innenliegendem Wärmetau-
scher (Stufenladung) und Nacher-
wärmung mit Zusatzheizung
Bemerkungen – Zusatzheizung mit Heizungsan-
lage; elektrische Zusatzheizung
möglich
High-flow-System für Sonnenkol-
Tabelle 39: lektoren, Umschichtung von Vor-
Spezifikationen zu wärmespeicher in Nachwärme-
Beispiel 3. speicher
83
Gebäudetechnik

Ladung des SPWE via thermischer Innenliegende Wärmetauscher können


Sonnenenergienutzung zur Vermischung der Temperaturschichten
Die thermische Sonnenenergienutzung er- führen.
folgt nach Beispiel Nr. 1 (Warmwasserla- Überhitzungsschutz im WW-Kreis
dung mittels High-flow-Solaranlage). Die Richtige Platzierung des Temperaturfüh-
SPWE-Wassererwärmung erfolgt bei aus- lers im Kollektorfeld
reichendem Sonnenenergieangebot mit- Mit der SPWE-Ladung via Temperatur-
tels Sonnenkollektoren. Wird die Ist-Tem- hochhaltung wird eine Schichtladung er-
peratur im SPWE nicht erreicht, kann mit zwungen – Wärmeeintrag durch innenlie-
der WP das Temperaturniveau auf dieses genden Solar-Wärmetauscher darf nicht zu
angehoben werden. Bei ausreichender gross sein, da ansonsten die Temperatur-
Sonneneinstrahlung heizt die Solaranlage schichtung durchbrochen würde.
den unteren SPWE-Bereich auf.
Einsatz
Kritische Elemente MFH
Wird die SPWE-Temperatur von 60 °C Gewerbebauten
mit der WP nicht erreicht, muss eine Zu-
satzheizung vorgesehen werden.
Überhitzungsproblematik im Solar- und
WW-Kreis

3
WW

1
WP WWSP WAx
UV ES
2

Abbildung 107: WP
KW mit monovalentem
Betrieb und solarer
Unterstützung

Beispiel 4 Heizung Wassererwärmung


Quelle Umweltwärme und Abwärme –
Sonnenenergie
Umwandlung Wärmepumpe Heizung indirekt
Sonnenkollektoren Sonnenkollektoren
Speicherung Energiespeicher SPWE mit aussenliegendem
Wärmeübertrager (Schicht-
ladung)
Indirekte Wassererwärmung
Bemerkungen Monovalenter Betrieb mit WP, Elektrische Zusatzheizung mög-
Holzfeuerung und Gas möglich lich
MuKEn Standardlösung 8: Standardlösung 9:
Komfortlüftung Solaranlage für Heizung und
Solaranlage für Heizung und Wassererwärmung
Warmwasseraufbereitung Kollektorfläche mindestens
Kollektorfläche mindestens 7 % der EBF
5 % der EBF Bei Elektro-Heizeinsatz wird
Bei Elektro-Heizeinsatz wird ein rechnerischer Nachweis Tabelle 40:
ein rechnerischer Nachweis notwendig. Spezifikationen zu
notwendig. Beispiel 4.
84
Heizungsanlagen

Beispiel 5: Holzfeuerung und thermi- wälzpumpe (P1) in Betrieb. Der obere Teil
sche Solaranlage mit Kombispeicher des Kombispeichers wird mit heissem Hei-
(MuKEn-Standardlösung Nr. 4, Abbildung zungswasser geladen, bis am Temperatur-
108) fühler (WW) der Sollwert wieder erreicht ist.

Funktionsbeschrieb Heizbetrieb mit Holzheizkessel


Wegen der Problematik der Kondensatbil- Der VL-Temperaturfühler (VL,1) ist abhän-
dung im Holheizkessel, wird mit der Kes- gig von der Heizkurve. Fällt die Energie-
sel-Rücklaufhochhaltung der Kessel-RL speicher-Temperatur (1) unter die VL-Tem-
(K,RL) angehoben. Die Ladung des Kombi- peratur der Heizgruppe (VL,1), geht der
speichers erfolgt durch die Dichtedifferenz Holzheizkessel und die Umwälzpumpe (P1)
des einströmenden Heizungswassers. Die in Betrieb. Der untere Kombispeicherbe-
Heizgruppen werden witterungsgeführt reich wird mit Heizungswasser geladen,
geregelt. bis am Temperaturfühler (2) der Sollwert
erreicht ist.
Warmwasserladung mit
Holzheizkessel Warmwasserladung mit Solaranlage
Spricht der Fühler im Kombispeicher (WW) Ist die Kollektorfeldtemperatur (S,3) 3 K bis
an, geht der Holzheizkessel und die Um- 5 K wärmer als die Temperatur im Kombi-

QS,3

WW
QWW
SPWE P2
QS,1 UV
WE QVL,1
Q1
(Holz)
Q2 WAx
QS,2

Abbildung 108: QK,RL ES


P1 KW
Holzfeuerung und
Thermische
Solaranlage mit
Kombispeicher

Beispiel 5 Heizung Wassererwärmung


Quelle Fester Brennstoff –
Sonnenenergie
Umwandlung Heizkessel Heizung indirekt
Sonnenkollektoren
Speicherung Kombispeicher Im Kombispeicher liegender
SPWE
Bemerkungen Thermische Sonnenenergie- –
nutzung mit Schichtladung
(Low-flow-System)
MuKEn Standardlösung 4:
Holzfeuerung für Heizung und Solaranlage für Warmwasser-
Tabelle 41:
aufbereitung
Spezifikationen zu
Kollektorfläche mindestens 2 % von der Energiebezugsfläche
Beispiel 5.
85
Gebäudetechnik

speicher (S,1), schaltet die Solarpumpe (P2)


ein und das Umstellventil (UV) geht auf
Umlenkung. So erfolgt der Wärmeeintrag
im oberen Bereich. Sobald der Temperatur-
unterschied zwischen Kollektorfeld (S,3)
und Kombispeicher (S,1) kleiner als 3 K res-
pektive 5 K ist, schaltet die Solaranlage ab.

Heizbetrieb mit Solaranlage


Ist die Kollektorfeldtemperatur (S,3) 3 K bis
5 K wärmer als die Temperatur im Kombi-
speicher (S,2), schaltet die Solarpumpe (P2)
ein und das Umstellventil (UV) geht auf
Durchgang. So erfolgt der Wärmeeintrag
im unteren Bereich. Sobald der Temperatur-
unterschied zwischen Kollektorfeld (S,3)
und Kombispeicher (S,2) kleiner als 3 K res-
pektive 5 K ist, schaltet die Solaranlage ab.

Kritische Elemente
Kondensatbildung im Holzheizkessel bei
nicht kondensierenden Heizkesseln; Kes-
sel-Rücklaufhochhaltung von mindestens
60 °C vorsehen.
Überhitzungsproblematik im Solar- und
WW-kreis
Verdampfung Wasser-Glykol-Gemisch
Fliessgeschwindigkeiten im Solarladekreis
Erhöhte Wärmeverluste durch den grö-
sseren Kombispeicher
Kleine Fliessgeschwindigkeiten beim Ein-
tritt in den Energiespeicher
Überhitzungsschutz im WW-Kreis

Einsatz
EFH und MFH
86
Heizungsanlagen

Beispiel 6: WP und thermische Erreicht im Heizbetrieb der Fühler im Kom-


Sonnenenergienutzung mit Kombi- bispeicher (1) nicht den geforderten Soll-
speicher (MuKEn-Standardlösungen Nr. 8 Wert, schalten die WP und die Umwälz-
und 9, Abbildung 109) pumpe (P1) ein und der untere Teil des Kom-
bispeichers wird geladen. Dabei geht das
Funktionsbeschrieb Umstellventil (UV) auf Umlenkung.
Warmwasserladung und Heizbetrieb
mit Solaranlage Kritische Elemente
Die solare Energienutzung im Kombispei- Überhitzungsschutz im Solar- und WW-
cher ist dito Beispiel Nr. 5. kreis
Grosser Temperaturhub der WP bei der
Warmwasserladung und Heizbetrieb Ladung des oberen Speicherbereichs
mit Wärmepumpe Verdampfung Wasser-Glykol-Gemisch
Muss die Warmwassertemperatur erreicht Fliessgeschwindigkeiten im Solarladekreis
werden, erwärmt die WP mittels VL-Tem- Erhöhte Wärmeverluste durch den grö-
peraturhochhaltung das Heizungswasser sseren Kombispeicher
auf eine konstante VL-Temperatur (K,VL). Umwälzpumpe (P1) mit mindestens 2 Be-
Das warme Heizungswasser wird im obe- triebspunkten; Betriebspunkte für obere
ren Bereich des Kombispeichers eingelei- Speicherladung und untere Speicherladung
tet. Dabei schaltet das Umstellventil (UV)
auf Durchgang. Einsatz
EFH und MFH

QS,3

WW
UV
SPWE
QK,VL QWW
QS,1
QVL,1
WP
Q1 WAx
Abbildung 109: Q2
P1 QS,2
Wärmepumpe im
monovalenten ES
Betrieb mit thermi- KW
scher Solaranlage
und Kombispeicher

Beispiel 6 Heizung Wassererwärmung


Quelle Umweltwärme und Ab- --
wärme
Sonnenenergie
Umwandlung Wärmepumpe Heizung indirekt via Kombi-
Sonnenkollektoren speicher
Speicherung Kombispeicher Kombispeicher
Indirekte Wassererwärmung
Bemerkungen Monovalenter Betrieb mit Elektrische Nachwärmung
Tabelle 42: WP möglich
Spezifikationen zu Solaranlage mit Low-flow-
Beispiel 6. Betrieb
87
Gebäudetechnik

2.13 Wärmeverteilung und interne Wärmequellen oder die Bele-


Wärmeabgabe gung mit Personen von den Projektgrund-
lagen abweichen.
Wärmeabgabe die Nutzung gegenüber den Projekt-
Bei neuen wie bei alten Anlagen sollen in- grundlagen abweicht.
nerhalb eines Heizkreises oder Heizgrup-
pen oder Zonen nur Wärmeabgabekom- Wärmeverteilung mit mechanischer
ponenten (Heizkörper, Flächenheizungen, Lüftung
Lufterhitzer usw.) mit gleicher Ausle- Lüftungsanlagen sollen nur dann zur Wär-
gungstemperatur eingesetzt werden. Ist meverteilung eingesetzt werden, wenn
dies nicht möglich, müssen neue Heiz- dadurch der Aussenluftvolumenstrom
kreise gebildet werden. nicht über dem hygienisch notwendigen
Wert liegt. Im Heizfall ist insbesondere das
Anordnung der Wärmeabgabekompo- Risiko von zu geringer Raumluftfeuchte zu
nenten und thermische Behaglichkeit: Die berücksichtigen. Bei Dienstleistungs- und
Anordnung sowie die Art und Grösse der Wohnbauten soll die Heizwärme nicht
Heizflächen im Raum beeinflussen in über Lüftungsanlagen verteilt werden,
Kombination mit den Eigenschaften des wenn die spezifische Norm-Heizlast über
Raumes die Raumtemperatur (operative 10 W/m2 liegt (bezogen auf die Energiebe-
Temperatur), die Strahlungsasymmetrie zugsfläche). Dies ist in der Regel nur bei
sowie die Raumluftgeschwindigkeit. In neuen Gebäuden mit einer aussergewöhn-
kritischen Lagen soll zusammen mit der lich guten Wärmedämmung, wie z. B.
Auftraggeberschaft festgelegt werden, Minergie-P-Gebäuden, erfüllt.
für welche Räume die Berechnung der
thermischen Behaglichkeit, z. B. Asymmet-
rie der Strahlungstemperatur, durchge-
führt wird. Massgebend ist der Aufent-
haltsbereich. Die Vorlauftemperaturen von
Heizflächen (auch Lufterhitzer) sind ge-
mäss den Grenz- und Zielwerten gemäss
Tabelle 44 auszulegen.

Leistung von Heizflächen


Heizflächen müssen auf Grundlage der
raumweise ermittelten Norm-Heizlast
nach SIA 384.201 ausgelegt werden, wo-
bei andere Wärmeabgaben (z. B. Rohr-
netz, Öfen) zu berücksichtigen sind. Die
Planung muss alle Faktoren einbeziehen,
welche die Leistung der Heizflächen nen-
nenswert beeinflussen können, z. B. Ver-
kleidungen, Anschlüsse, Durchflüsse, Ab-
deckungen, Anstriche, Fussbodenbeläge,
Teppiche, Vorhänge. Bei präzis dimensio-
nierten Wärmeabgabesystemen kann die
garantierte Raumtemperatur nicht einge-
halten werden, wenn
die durchschnittliche Aussentemperatur
unterhalb der Norm-Aussentemperatur
liegt.
benachbarte Räume gegenüber der An-
nahme reduziert beheizt werden.
88
Heizungsanlagen

Art der Wärmeabgabe Grenzwert Zielwert

Wärmeabgabe allgemein, ohne Fussbodenheizung 50 °C 40 °C

Fussbodenheizung (bis Raumtemperaturen von 22 °C) 35 °C 30 °C Tabelle 43: Vorlauftemperaturen bei Di-
mensionierungsbedingungen (SIA 384/1).

System Maximale Maximale Maximale Minimale Medium Bemerkungen


Leistung Vorlauf- oder Leistung Vorlauf- oder
Heizung Zuluft- Kühlung Zuluft-
temperatur temperatur

W/m2 NGF °C W/m2 W/ °C


NGF Person

Heizkörper 50 50 Wasser

Deckenheizung 40 30 Wasser

Fussbodenheizung 40 35 20 19 Wasser

Tabs 40 30 40 19 Wasser

Kühldecke 80 17 Wasser

Luftheizung 50 Luft bei 36 m3/h P

Mischlüftung 120 16 Luft bei 36 m3/h P

Quelllüftung 70 20 Luft bei 36 m3/h P

Umluftkühler  100 16 Luft

Tabelle 44: Leistungsgrenzen und Tempera-


turniveaus von Heiz- und Kühlsystemen.
Bei den Werten handelt es sich um Richt-
werte. Im Einzelfall können diese je nach
konkreter Lösung abweichen. Insbeson-
dere sind die Abgrenzungen zwischen den
einzelnen Systemen nicht immer eindeutig.
NGF: Nettogeschossfläche (Quelle: SIA
382/2)
Kapitel 3

Klimakälte

Zoran Alimpic 3.1 Bedeutung, Begriffe Hydraulische Grundschaltung


Bei einer Grundschaltung gemäss Abbil-
Im Zentrum steht die Beschreibung von dung 110 ist es wichtig, dass jeweils die ein-
Kälteanlagen im Temperaturbereich zwi- zelnen Kreisläufe wie Rückkühlung, Kälteer-
schen ca. 0 °C bis ca. 20 °C. Dazu gehören zeugung und Kälteverteilung sorgfältig aus-
insbesondere die Komfortklima-Anlagen. gelegt werden. Dabei gilt zu beachten, dass
Alle anderen industriellen und verfahrens- der Erzeugerkreis (Primär-Kreislauf) mittels
technischen Tiefkühlanlagen, beispiels- Kältespeicherung hydraulisch vom Verbrau-
weise Gefriertrocknung, Gas-Verflüssigun- cherkreis (Sekundär-Kreislauf) abgekoppelt
gen, Vakuumtechnik und Supraleitung, ist. Damit wird gewährleistet, dass die Pri-
sind nicht Gegenstand dieses Buches. märkreispumpe (Verdampferpumpe) die
Stellenwert: Kältetechnik hat in den letz- beiden Kältespeicher ohne Beeinträchti-
ten Jahren an Bedeutung gewonnen. Ei- gung der beiden Sekundärkreispumpen
nerseits sind die Komfortansprüche der (Hauptpumpen) laden kann. Diese wiede-
Nutzer gestiegen, andererseits sind die in- rum entladen die Speicher ohne den Kälte-
ternen Abwärmen durch den höheren maschinen-Primärkreis zu beeinflussen. Abbildung 110:
Komponenten einer
Technisierungsgrad angestiegen.
Kälteanlage

Komponente einer Kälteanlage


Wärmerzeugung mit Erdsonden-Wärmepumpe
Rückkühler: Hybrid- und mit Doppelkondensator und Brennwertkessel Solaranlage zur
Trockenkühler mit modulierendem Gasbrenner (10% bis 100%) zur Wassererwärmung
Spitzenlast-Abdeckung und Wasser-Nachwärmung
respektive Legionellenschaltung

- - = BWW Photovolaik
>60°C
Wasser-
Glykol M
M M

M
+
+

Warm- Warm-
M M + wasser wasser
(WW) (WW)
Wärme BWW
+
+

--
M Kalt-
= Wasser
10°C

=
-
=
+

M
M

=
+

-
Free-
Cooling M
Kälte Kälte

M M - -
+ +
+ -
-

Getränke- Tiefkühl-
Kondensator Kühlraum raum

M
Klimakälte mit Kompressions-
Kältemaschinen und Direktkühlung
=
M

Erdsonden
für Heizung Wärmerückgewinnung aus Klimakälte
und Kühlung mit Enthitzer
90
Klimakälte

Symbole in der Kältetechnik

Symbol Bedeutung nach SIA 410 Symbol Bedeutung nach SIA 410

Verdunstungsverflüssiger Geschlossenes Membran-


und Verdunstungskühler Ausdehnungsgefäss mit
+
oder hybrider Rückkühler Luftkompressor

Verdichter: Geschlossenes Membran-


Allgemeines Sinnbild Ausdehnungsgefäss

Kolben-Verdichter,
Platten-Wärmetauscher
2 2-stufig, offene Bauweise

Kolben-Verdichter, Wärmezähler mit elektro-


1 1-stufig, halbhermetisch nischem Zählwerk

Kolben-Verdichter,
Dreiweg-Mischventil
1-stufig, hermetische Bau- M
1 mit Antrieb
weise

Rotations-Kolben- Durchgangs-Regelventil
Verdichter M
mit Antrieb

Turbo-Verdichter,
Sicherheitsventil mit Feder
1 1-stufig
Tabelle 45: Symbole
der Kältetechnik Rückflussverhinderer,
Schrauben-Verdichter
(Quelle: SIA 410 Rückschlagventil
und EN 1861)
Umwälzpumpe Filter, Schmutzfänger
Abbildung 111:
Hydraulische
Grundschaltung Messfühler, Sonde:
Ventilator
einer grösseren Temperatur
Kälteanlage

Rückkühlung Kälteerzeugung Kältespeicherung Kälteverteilung Kälteabgabe

M M
-
=
=
Kältemaschine
Leistungsregelung: Kälte Kälte
20%-100%
M M
+
+ - FU

FU DP

Primär-Kreislauf Sekundär-Kreislauf
91
Gebäudetechnik

Frequenz-Umformer: In grösseren Anla- Schnittstellen zu anderen


gen wird empfohlen, die Differenzdruck- Fachbereichen
messung am Ende des Leitungsnetzes, Die Kältetechnik darf nie isoliert betrachtet
beispielsweise beim ungünstigsten Ver- werden, weil es immer mit anderen Fach-
braucher, zu installieren. Damit resultiert gewerken verknüpft ist. Deshalb sind die
eine erhebliche Einsparung von Pumpen- Schnittstellen ein wichtiges Thema (Tabelle
strom bei den beiden Inline-Hauptpumpen 46). Tabelle 46:
Schnittstellen in der
(Trockenläufern).
Kältetechnik

Fachgewerk, Spezialist Wichtigste Schnittstellen mit der Klimakälte

Architektur Ästhetik des Rückkühlers auf dem Flachdach, Farb- und Materialkonzept, Abklärungen mit Denkmal-
Kunst am Bau pflege, Mithilfe bei Baueingabe, Transportwege und Einbringöffnungen, Berücksichtigung längerer
Bewilligungsverfahren und Lieferzeiten, Prüfen von Dachsanierungen, Schallschutzwänden und örtliche
Trennung von Maschinenräumen.

Akustik Schallschutz, insbesondere von Kompressoren und drehzahlgeregelten Ventilatoren und Umwälz-
pumpen, Unterscheidung von Tages- und Nachtbetrieb.

Bauphysik Anbringung schalldämmender Materialien an Wänden und Decken.

Baustatik, Festigkeit Gewicht der Kältemaschine, des Rückkühlers und der Energiespeicher, Aussparungen und Sockel für
alle Apparate.

Elektroanlagen Anschlüsse aller Elektromotoren, insbesondere der Kompressoren, Rückkühlventilatoren und Haupt-
pumpen.

Heizungsanlagen Einbindung der Abwärmenutzung in die Hydraulik der Wärmeerzeugung, Doppelnutzung der Wärme-
pumpe auch als Kältemaschine, Direktkühlung mittels Energiequellen wie Erdsonden und Grundwasser.

Gewerbliche Kälte WRG-Nutzung für andere Prozesse, insbesondere die Wassererwärmung. Prüfung eines gemeinsamen
Rückkühlers.

Lüftungs- und Bestimmung von möglichst hohen Betriebstemperaturen zur Luftkühlung und zur Entfeuchtung, Berück-
Klimaanlagen sichtigung von Revisionsöffnungen bei Monoblocs, korrekte Dimensionierung von Siphons für Konden-
satabscheidung.

Sanitäranlagen Einbindung der Abwärmenutzung in die Hydraulik der Brauchwarmwasser-Erzeugung, Montage korrek-
ter Schwitzwasser-Siphons, Wasseraufbereitung für besprühte Rückkühler, respektive Nasskühler.

Steuerung und Definition der minimalen Laufzeiten pro Kompressorstufe, Analyse des Teillastverhaltens, hydraulische
Regelung Abkoppelung von Energieerzeugung und Energieverteilung, optimale Kaskadenregelung aller Energie-
erzeuger.

Sicherheit Füllen aller Wasserrohre im Freien mit einem Frostschutzgemisch, Korrosionsschutz der Leitungen mit
2-Komponenten-Anstrich, Auswahl der vorgeschriebenen Dämmungen im Bereich von Brandabschnit-
ten, Fernüberwachung durch Fachspezialisten, Sturmlüftung in Technikzentralen für Absaugung von
Kältemitteln im Störfall, Vermeidung von Temperaturstaus durch Minimallüftung der Technikzentralen,
Anbringung von Geländern und Schutzabsperrungen respektive Verschalungen von aussen aufgestellten
Apparaten, Instruktion der Nutzer und Anlagebetreiber.

Energie Gewährleistung von maximalen COP und EER unter Berücksichtigung des Teillastverhaltens, Messung
und Auswertung aller relevanten Energieströme, Reduktion der Energieverluste und Vermeidung von
Kondensat durch optimale Dämmung, Prüfung von Optionen wie Enthitzern, Doppelkondensatoren und
Free-Cooling.
92
Klimakälte

3.2 Kältemittel Halogeniert: Kohlenwasserstoff-Verbin-


dungen mit Halonen. Halone sind: Brom,
R290: Propan, R600a: Isobutan, R717: Fluor, Jod und Chlor.
NH3, Ammoniak, R718: H2O, Wasser (bei Teil-halogeniert: Bei diesen Verbindun-
Pilotprojekten schon eingesetzt). gen sind die Wasserstoffatome nur teil-
FCKW /CFC: Vollhalogenierte Fluor- weise durch Chlor- oder Fluoratome ersetzt.
Chlor-Kohlen-Wasserstoffe (Chlor Fluor ODP: Wert für Ozonabbau-Potenzial
Carbone) (Ozon Depletion Potential)
FKW/HFC: Fluor-Kohlen-Wasserstoffe GWP: Wert für das Erwärmungspoten-
(Hydro Fluor Carbone) zial oder Treibhauspotenzial (Global War-
H-FCKW/HCFC: Teilhalogenierte Fluor- ming Potential)
Chlor-Kohlen-Wasserstoffe Blends: Kältemittel aus mehreren ver-
HFKW: Teilhalogenierte Fluor-Kohlen- schiedenen Kältemitteln.
Wasserstoffe

Kältemittel

reine Fluide Gemische

FCKW H – FCKW HFKW Natürlich Zeotrop Azeotrop

R11 R22 R32 R717: Ammoniak R404a R502


Abbildung 112: R12 R123 R125 R718: Wasser R407c R507
Gängige Kältemit- R134a R744:CO2 R410a R410a
tel, wie sie zur Pro- R143a
duktion von Klima- R290: Propan
kälte eingesetzt
werden.

Verbotente Kältemittel: Es gilt zu beachten, dass die Kältemittel R11, R12,


R22 und R502 verboten sind. Diese sollten gemäss der untenstehenden Ta-
belle durch chlorfreie Kältemittel ersetzt werden.

Kälte- Mittel- und langfristige (chlorfreie) Alternativen


mittel
HFCKW HFCKW Blends Zusammen- Halogenfreie
setzung Stoffe
R11 R134a,R243c
R12 R134a,R152a R134a, R152a R290, R600a
R22 R134a, R32 R407c (AC9000, R32, R125, R134a R717, R290
Klea66, HX3)
R22 R134a, R32 R410a (AZ20); R32/125: R717, R290
FX220 R32/23/ 134a
R502 R32 R404a R134a/125/ 134a R290, R717
(HP62,FX70) R134a/125
R507 (AZ50)
R502 R125 FX40; HX4 R134a/125/ 32 R290, R717
R143a/125/32/134a

Tabelle 47: Ersatz R502 R143 R407a(KLEA60); R32/125/ R134a R290, R717
FCKW R407b (KLEA61)
93
Gebäudetechnik

Grundsätze Als Alternative zu den HFKW bieten sich


FCKW (vollhalogenierte Fluor-Chlor- zeotrope Gemische wie beispielsweise das
Kohlen-Wasserstoffe) respektive CFC (Chlor R407c an. Diese haben das Merkmal, dass
Fluor Carbone) dürfen nicht mehr ein- beim Phasenwechsel zwischen Flüssigkeit
gesetzt werden. Dies gilt auch grösstenteils und Dampf die unterschiedliche Zusam-
für H-FCKW (teilhalogenierte Fluor- mensetzung sichtbar wird. Dementspre-
Chlor-Kohlen-Wasserstoffe) respektive chend verlaufen Verdampfung und Kon-
CFC (Chlor Fluor Carbone) wie beispiels- densation zwar bei konstantem Druck ab,
weise das R22. nicht aber bei konstanter Temperatur (Tem-
Können natürliche Kältemittel aus peraturgleit).
sicherheitstechnischen, prozessbeding- Azeotrope sind zwar Gemische wie bei-
ten oder wirtschaftlichen Gründen nicht spielsweise das Kältemittel R410a, die sich
eingesetzt werden, so können HFKW (teil- aber wie Einstoff-Kältemittel verhalten.
halogenierte Fluor-Kohlen-Wasserstoffe)
verwendet werden.

Typ Einsatz Hinweis ODP GWP Toxität in


R11=1,0 CO2=1,0 ppm

R11 Klimabereich verbotenes Kältemittel 1.0 3 500 0

R12 Klima- und Normalbereich verbotenes Kältemittel 1,0 1 700 1 000

R502 Normal- und Tiefkühlbe- verbotenes Kältemittel 0,23 4 300 1 000


reich

R22 Klima- und Normalbereich Übergangs-Kältemittel 0,05 1 600 1 000

R410a Klima- und Normalbereich Retrofit Blends mit R22 0,03 1 025 800

R401b Tiefkühlbereich Retrofit Blends mit R22 0,035 1 120 840

R409a Normalbereich Retrofit Blends mit R22 0,05 1 340 0

R134a Klima- und Normalbereich langfristige Alternative 0 1 200 1 000

R404a Normal- und Tiefkühl- langfristige Alternative; 0 3 520 1 000


bereich Blends

R407a Normal- und Tiefkühl- langfristige Alternative; 0 1 960 1 000


bereich Blends

R407b Normal- und Tiefkühl- langfristige Alternative; 0 2 680 1 000


bereich Blends

R407c Klima- und Normalbereich langfristige Alternative; 0 1 600 1 000


Blends

R507 Klima- und Normalbereich langfristige Alternative; 0 3 600 1 000


Blends

R290 Klima- und Normal- und langfristige Alternative 0 0 1 000


Tiefkühlbereich (natürliches Kältemittel)

R600a Klima- und Normal- und langfristige Alternative 0 0 1 000


Tiefkühlbereich (natürliches Kältemittel) Tabelle 48:
Kältemittel (KM,
R717 Klima- und Normal- und langfristige Alternative 0 0 50
siehe auch Tabelle
(NH3) Tiefkühlbereich (natürliches Kältemittel)
17 auf Seite 42)
94
Klimakälte

In Abbildung 113 sind Kältemittel zu TEWI kann wie folgt berechnet werden:
Gruppen zusammengefasst:
Berechnungsverfahren für TEWI
Die (rot-markierten) Kältemittel wie das
R11, R12, R22 und R502 sind aufgrund des TEWI = Total Equivalent Warming Impact
hohen Ozonabbau-Potenzials (ODR: Ozon TEWI = (GWP · L · n) + (GWP · m [1 -  recovery ] + (n · Eannual · )
Depletion Potential) verboten. | Leckage| Rückgewinnungsverluste | Energiebedarf|
Die (grün-markierten) natürlichen Kälte- |  direkter Treibhauseffekt  |  indirekter  |
mittel wie das R290, R717, R718 und R744 Treibhauseffekt
können bedenkenlos eingesetzt werden.
GWP100a = Treibhauspotenzial als CO2-Äquivalent pro kg
Diese haben weder ein Ozonabbau- noch
Kältemittel (kgKM)
ein Treibhauseffekt-Potenzial.
L = Leckrate pro Jahr in kgKM/a
Alle übrigen chlorfreien Kältemittel sind
ebenfalls erlaubt, tragen aber zum Erwär- n = Betriebszeit der Anlage in Jahren
men der Atmosphäre bei (GWP: Wert für m = Anlagefüllmasse in kg Kältemittel
das Erwärmungspotenzial oder Treib-  Rückgewinnung = dimensionslos
hauspotenzial, respektive Global Warming EJahr = Energiebedarf pro Jahr in kWhel gemäss Stom-
Potential). mix [CO2-Äquivalent/kWhel]

Treibhauseffekt und TEWI-Kennwert: Nutzen des TEWI-Kennwertes:


Mit der Berechnung des Kennwertes TEWI Bei einer gegebenen Anlage umfasst der
(Total Equivalent Warming Impact) kann TEWI einerseits die direkte Auswirkung auf
die Abschätzung der globalen Erwärmung den Treibhauseffekt durch Kältemittelver-
vorgenommen werden. Diese erfolgt lust unter bestimmten Bedingungen, ande-
durch die Erfassung sowohl des direkten rerseits die indirekte Auswirkung auf den
Beitrags der Kältemittelemissionen in die Treibhauseffekt durch das CO2 (CO2 wird
Atmosphäre als auch des indirekten Bei- bei der Erzeugung der zum Betrieb der An-
trags der Kohlendioxidemissionen, verur- lage erforderlichen Energie freigesetzt).
sacht durch die Erzeugung der für den Es ist möglich, durch den TEWI die wir-
Betrieb der Kälteanlage benötigten Ener- kungsvollsten Massnahmen zur Abschwä-
gie während ihrer technischen Lebens- chung des tatsächlichen Einflusses einer
dauer. Kälteanlage auf den Treibhauseffekt zu be-
werten.

Fluor: F R11 Chlor: CI


R12
(chlorfreie) Kältemittel (verbotene) Kältemittel
R22
mit Fluor und mit hohem Ozonabbau-
Treibhauseffekt-Potenzial Potenzial ODR
GWP R322R123
R125 R502
R134a R143a
R404a R407c
R410a

R290, R717, R718, R744,


Propan Wasser Ammoniak CO2

anorganische
natürliche Kältemittel
Wasserstoff: H Kältemittel
Abbildung 113:
Eigenschaften der
Kältemittel
95
Gebäudetechnik

Der TEWI könnte stark reduziert werden,


wenn die Kältemaschine mit Ökostrom be-
trieben würde, der vollständig aus erneuer-

Tconstant
baren Energiequellen stammt.
Der TEWI hat einen Einfluss auf die Be-

log p
triebskosten.
Zurzeit werden bei Neuanlagen der Klima- 3 3‘ 2‘‘ 2‘ 2
kälte oftmals folgende Kältemittel einge-
setzt, welche auch einen guten TEWI-Wert

Tconstan
liefern: R290 (Propan), R717 (Ammoniak),
R718 (Wasser), R744 (CO2) und R134a

t
4 1‘ 1
(CF3CH2F).

x=1
x=
Kreisprozess
Der Kreisprozess erfolgt grundsätzlich in
h
vier Phasen (Abbildung 114): Die Strecke 4
– 1 entspricht der Kühlleistung und ist die
Nutzleistung der Kälteanlage. Die Strecke
Abbildung 114:
1 – 2 ist die über den Verdichter aufge- Merkblatt SIA 2044: Klimatisierte Ge-
Kälte-Kreisprozess
wendete Antriebsleistung. Die Strecke 2 – bäude – Standard-Berechnungsverfahren
im Druck-Enthalpie-
3 entspricht der über den Verflüssiger ab- für den Leistungs- und Energiebedarf, 2011
Diagramm (respek-
gegebenen Wärmeleistung. Es ist die Ab- EnergieSchweiz: Hocheffiziente Kühlsys- tive log-p/h-Dia-
wärme der Kälteanlage. Aus dem Verhält- teme für Gebäudesanierungen; Kühlung gramm) dargestellt.
nis von Nutzleistung zu Antriebsleistung Serverräume, 2010.
lässt sich die Leistungszahl COP (Coeffici- EnDK, Konferenz Kantonaler Energiedi-
ent of Performance) bestimmen. COP wird rektoren: Mustervorschriften der Kantone
bei WP verwendet. im Energiebereich (MuKEn); Ausgabe
2008.
EER (Energy Efficiency Ratio)
EER ist das Verhältnis von erzeugter Kühl-
leistung (QKtot) zur Energiezufuhr (Pe).
(Häufig wird statt EER der Wert COP ver-
wendet. EER und COP sind gleichwertig;
EER wird bei Költeanlagen verwendet.)
QK tot
EER =
Pe
Pe = Leistungsaufnahme von Verdichter,
Verdampferpumpe, Verflüssigerpumpe,
sowie Regel-, Steuer- und Sicherheitsein-
richtungen

Gesetzliche Vorschriften und Normen


Empfehlung SIA 382/2: Klimatisierte Ge-
bäude – Leistungs- und Energiebedarf,
2011
Norm SIA 382/1: Lüftungs- und Klimaan-
lagen – Allgemeine Grundlagen und An-
forderungen, 2011
Merkblatt SIA 2024: Standard-Nutzungs-
bedingungen für die Energie- und Gebäu-
detechnik, 2006
96
Klimakälte

Mittlere Tagessumme der Gesamtwärmelast


(solare und interne Wärmelasten) Qtotal in Wh/m2 d
150 250 350 450
System für Lüftung und Kühlung Risikobeurteilung des thermischen Komforts und Beurteilung der Systemwahl
[0] Nur Fensterlüftung**
Komfort Fensterlüftung tags evtl. genügend ungenügend unzumutbar unzumutbar
Wahl Haustechnik-System evtl. genügend ungenügend ungenügend ungenügend
[1] Mechanische Lüftung und Nachtlüftung 28 °C bis 29 °C 29 °C bis 31 °C 30 °C bis 32 °C 31 °C bis 34 °C
Luftwechselrate 2,0/h
Komfort ohne Fensterlüftung tags evtl. genügend ungenügend unzumutbar unzumutbar
Komfort mit Fensterlüftung tags** genügend evtl. genügend ungenügend unzumutbar
Wahl Haustechnik-System angemessen evtl. genügend ungenügend ungenügend
[2] Wie 1 und Primärluftkühlung 26 °C bis 27 °C 27 °C bis 29 °C 28 °C bis 31 °C 29 °C bis 33 °C
Komfort ohne Fensterlüftung tags gut genügend ungenügend unzumutbar
Komfort mit Fensterlüftung tags** sehr gut gut evtl. genügend ungenügend
Wahl Haustechnik-System optimal angemessen evtl. genügend ungenügend
[3] Wie 2 und Zusatzkühlung tags mit 20 W/m2 << 26°C < 26°C 26°C bis 27°C 27° bis 28°C
Komfort ohne Fensterlüftung tags gut gut genügend* ungenügend*
Komfort mit Fensterlüftung tags** gut sehr gut gut evtl. genügend*
Wahl Haustechnik-System überdimensioniert optimal angemessen evtl. genügend*
Anmerkungen:
* Bei hohen Gesamtlasten muss die Zusatzkühlung (Leistung respektive Laufzeit) entsprechend erhöht werden, um den gewünsch-
ten thermischen Komfort zu erreichen.
** Die unterstützende Fensterlüftung tagsüber muss am gegebenen Standort (Lärmbelastung) machbar sein: Die Angaben setzen
eine angemessene manuelle Bedienung durch die Benutzer voraus. Zudem muss die zu öffnende Fensterfläche eine minimale Ab-
messung (d.h. mehr als 3% EBF) aufweisen.
Tabelle 49: Risiko-
beurteilung bezüg-
Nutzungsbedingungen
lich des thermischen
(z.B. gemäss SIA 2024)
Komforts und Beur-
teilung der System-
wahl. Quelle: Merk-
blatt SIA 2021. Opake Interne*
Klimadaten Raumab- Fenster, Tageslicht, Lüftung, Wärme-/
Bauteile, Wärme- und
(SIA 2028) messungen Sonnenschutz Beleuchtung Infiltration Kälteabgabe
Wärmebrücken Feuchtquellen

Thermisches Raummodell
(z.B. gemäss SIA 2044)

Heizwärmeleistung &H
Klimakälteleistung &C
Raumlufttemperatur 1l
Abbildung 115: empfundene Temperatur 1o
Thermisches Raum- Raumluftfeuchte Vl
modell nach SIA
* Wärmeeinträge und Feuchtquellen durch Personen und Betriebseinrichtungen sowie zusätzliche Feuchtequellen
382/2 (Beschrieb in wie Zimmerpflanzen, Duschen, Kochen
SIA 2044)
97
Gebäudetechnik

3.3 Kühllasten fern Stammdaten, welche in der Praxis


bestätigt wurden.
Anforderungen und Quantifizierung
Grundsätzlich sind Gebäude baulich (mit Die Berechnung der notwendigen Kälte-
Sonnenschutz) so zu konzipieren, dass bei leistung ist sehr detailliert und muss durch
normaler Nutzung nicht mechanisch ge- den Gebäudetechnikingenieur gemacht
kühlt werden muss. Dazu kann eine Risiko- werden. Deshalb ist es für Planer wichtig,
beurteilung des thermischen Komforts im in einer frühen Projektphase die Wärme-
Sommer gemäss Merkblatt SIA 2021 ge- last abzuschätzen. Beispiele: Mittlere und
macht werden (Tabelle 49). maximale Personenbelegung, Laufzeit und
Einschaltdauer von internen Lasten und
Als mittlere Tagessumme der Gesamtwär- gewünschte oder vorgeschriebene Raum-
melast können beispielsweise die Stan- zustände im Raum.
dardwerte aus SIA 2024 eingesetzt wer-
den. Ist eine Fensterlüftung nicht möglich, Fazit: Es ist wichtig, dass alle Annahmen
beispielsweise aufgrund schalltechnischer, aufgelistet und mit dem Nutzer respektive
architektonischer oder wärmetechnischer Bauherrschaft oder dem Betreiber bespro-
Gegebenheiten, so müssen aufgrund der chen werden. Erst nach einer Einigung
Flussdiagramme nach SIA 382/1 und SIA sollte die Anlagen-Dimensionierung aus-
382/2 die technischen Anforderungen an geführt werden. Eine Kühlung ist nach SIA
eine Kälteanlage geprüft werden. 382/2 notwendig, wenn die Wärmeein-
träge den Werten in Tabelle 50 ent-
Falls Kühlung notwendig ist sprechen.
Sollte aufgrund dieser ersten Abschätzung
eine mechanische Kühlung notwendig Wärmelasten im Raum
sein, soll diese möglichst energieeffizient Die in einem Raum anfallenden Wärmelas-
erfolgen. Beispiele dafür sind: ten teilen sich in externe und interne Las-
Nutzung kühler Aussenluft in der Nacht ten auf. Die externe Wärmelast (Transmis-
(Nachtabsenkung) sion und Strahlung) ist hauptsächlich von
Direktkühlung mit Erdsonden, Erdregis- folgenden Faktoren abhängig:
tern, Grundwasser- oder Oberflächenwas- Geographische Lage des Gebäudes:
ser (Free-Cooling) Himmelsrichtung, Standort, Höhe über
Kühlung mittels Absorbtionskühlung mit Meer, Sonneneinstrahlung (direkte und dif-
Abwärme, Fernwärme aus KVA, thermi- fuse Strahlung).
sche Solarenergie, etc. Beschattung des Gebäudes, äusserer
Um einen Kälteerzeuger richtig zu dimen- und beweglicher Sonnenschutz vor licht-
sionieren, muss zuerst die Klimakälteleis- durchlässigen Bauteilen, korrekte Bedie-
tung nach SIA 382/2 berechnet werden. nung des Sonnenschutzes, Wahl des Vor-
Als erster Schritt dienen jeweils die Stan- platzes des Gebäudes, Gewährleistung ei-
dardnutzungen nach SIA 2024. Diese lie- ner energieeffizienten Nachtauskühlung.

Interne Wärmeeinträge pro Tag in Wh/m2d Kühlung


mit Fensterlüftung mit Fensterlüftung ohne Fenster-
Tag und Nacht nur am Tag lüftung

> 240 > 200 > 160 notwendig


160 – 240 120 – 200 80 – 160 erwünscht*
< 160 < 120 < 80 nicht notwendig Tabelle 50: Abschät-
zung der Notwen-
* Es ist nur eine minimale Kühlung erlaubt: 7 W/m² (Nettogeschossfläche). Bei beste- digkeit respektive
henden Anlagen oder Sanierungen sind sogar 12 W/m² erlaubt (Mustervorschriften der Wünschbarkeit
der Kantone im Energiebereich (MuKEn), Ausgabe 2008). einer Kühlung ge-
mäss SIA 382/2.
98
Klimakälte

Geometrie des Gebäudes (Gebäudehüll- beträgt die sensible (fühlbare) Wärmeab-


zahl), mit optimaler Konstruktion und Hin- gabe zwischen 61 W/Personen und 72 W/
terlüftung der Gebäudehülle (opake Bau- Personen (von ruhig sitzend bis leichter
teile und Fenster) und des Daches. Wahl Werkbankarbeit).
des optimalen Verglasungsanteils je Him- Betriebseinrichtungen: Geräte, Standby-
melsrichtung. Verlust und Volllaststunden in h/d. Bei-
Wahl der optimalen Speichermasse des spiele: In einem Einzel- oder Gruppenbüro
Gebäudes mit Speicheraktivierung für ein betragen nach SIA 2024 die Abwärmen
ausgeglichenes Raumklima. Bei lichtdurch- von Arbeitshilfen wie beispielsweise Com-
lässigen Bauteilen wie Fenster und Oblich- puter, Bildschirm, Drucker, Kühlschrank,
ter gelangt Wärme sofort ins Gebäude. Bei Büro- und Haushaltgeräte ca. 3 W/m² bis
opaken Bauteilen trifft zwar die Strahlung 15 W/m². Bei hochinstallierten, modernen
sofort auf, die Wärme strömt aber durch Rechenzentren oder Produktionsküchen
die Massenträgheit erst Stunden später in beträgt der innere Wärmeanfall heute
die Räume. schon teilweise über 2 000 W/m².
Beleuchtung: Spezifische elektrische
In jedem Fall muss der Gesamtdurchlass- Leistung, Korrekturfaktoren für Präsenz-
grad (g-Wert) weniger als 15 % betragen. melder und Dimmung und Volllaststunden
Dies wird beispielsweise erreicht mit einer in h/d. Beispiel: In einem Einzel- oder Grup-
Doppelverglasung und hellen Aussenla- penbüro betragen nach SIA 2024 die Ab-
mellenstoren. Bei gekühlten Räumen kann wärmen der Beleuchtungen im Raum ca.
davon ausgegangen werden, dass die ex- 11,6 W/m² bis 15,9 W/m².
ternen Lasten ca. 10 W/m² ausmachen im Lüftung: Spezifische elektrische Ventila-
Randstreifen von 5 Metern ab der Aussen- torleistung und Volllaststunden. Beispiel: In
fassade (Abbildung 116). einem Einzel- oder Gruppenbüro betragen
Die interne Wärmelast ist hauptsächlich nach SIA 2024 die Abwärmen des Lüf-
von folgenden Faktoren abhängig: tungsventilators im Raum ca. 0,5 W/m² bis
Personen: Belegung, Aktivität, Beklei- 1,1 W/m².
dung und Volllaststunden in h/d. Beispiel: Beleuchtung: Muss ein Raum aus irgend-
Bei einer maximalen Raumlufttemperatur einem Grund be- und entfeuchtet werden,

Externe Wärmelast abhängig von: Lage, Geometrie & Vorplatz des Hauses,
Direkte Sonnenein-

Beschattung, Sonnenschutz, Konstruktion mit Hinterlüftung & Masse


strahlung

Energieaustausch
zwischen Raumluft
und Speichermasse
ABL ZUL
Wärme-Aufnahme
durch Kühldecke
Gesamtdurchlass-
grad: g < 0.15 Internlasten im
Heizdecke Raum wie:
Beleuchtungs- - Personen
im Winter
Storen & Gläser

Abwärme - Beleuchtung
Reflexion an

Wärmabfuhr Ventilator-
durch Abluft Personen- - Betriebs-
Abwärme Abwärme
Wärmeleitung & Geräte- in Zuluft einrichtungen
Konvektion Abwärme - Lüftung
- Sonstige
Wärmequellen
Wärme-Aufnahme
Diffuse durch Boden-
Strahlung kühlung & Bauteil-
Abbildung 116: Externlasten: Annahme von ca. 10 W/m² in Aktivierung
Thermische Ein- 5-Meter-Zone von Aussenfassade
flüsse auf einen
Raum.
99
Gebäudetechnik

so steigt der Energieverbrauch an. Deshalb Der Gesamtenergiedurchlassgrad der Ver-


sollten nur spezielle Räume wie beispiels- glasung mit Sonnenschutz (g-Wert) be-
weise Operationssäle, Intensivpflegestatio- zeichnet das Verhältnis von der im Raum
nen und Radiologien befeuchtet werden. ankommenden zur aussen senkrecht auf-
treffenden Strahlungsenergie.
Fazit: Aus Tabelle 51 geht klar hervor, dass
Fenster mit hellen Aussenlamellenstoren Mit Aussenlamellenstoren reduziert sich
die tiefsten Werte aufweisen. Deshalb soll- demnach die Sonnenstrahlung durch die
ten diese, wenn immer möglich, in gekühl- Fenster so stark, dass hauptsächlich die in-
ten und klimatisierten Räumen eingesetzt ternen Lasten für die Berechnung der erfor-
werden (g-Wert unter 0,15). Quelle: SIA derlichen Kälteleistung massgebend sind.
380/1, EN 13363-1/2 Deshalb gelten für Räume mit hohen inter-
nen Wärmelasten folgende Grundsätze:

ng
strahlu
Diffus

Direk
Dire tstra
ktst hlun opakes Bauteil
rah g
lun
g
Dif

transluzentes Bauteil
fus
str
ah
lun
g

Abbildung 117:
Sonneneinstrahlung
auf das Gebäude

Art der Beschrieb der Kombination: Gesamtenergie-


Verglasung Verglasung mit Sonnenschutzeinrichtung Durchlassgrad g

2-IV Klarglas 0,75


Klarglas + Aussenlamellenstoren hell 0,15
Klarglas + Innenlamellen hell 0,45
2-IV-IR Wärmeschutzglas 0,55
Wärmeschutzglas + Aussenlamellenstoren hell 0,12
Wärmeschutzglas + Innenlamellen hell 0,47
2-IV Reflexionsglas 0,26
3-IV Klarglas 0,70
Klarglas + Aussenlamellenstoren hell 0,13
Klarglas + Innenlamellen hell 0,43 Tabelle 51: Beispiele
für Gesamtenergie-
3-IV-IR Wärmeschutzglas mit 2 Beschichtungen 0,45 durchlassgrade von
Wärmeschutzglas + Aussenlamellenstoren hell 0,11 Verglasungen
Wärmeschutzglas + Innenlamellen hell 0,42 (g-Wert). Siehe
3-IV Reflexionsglas 0,23 auch Abbildung 180
auf Seite 167.
100
Klimakälte

Bei einem optimalen Sonnenschutz Rechenzentren: Bei hochinstallierten Re-


dringt genügend Tageslicht in die Räume chenzentren beträgt der innere Wärmean-
ein. Deshalb muss die Beleuchtung nur in fall bis zu 2 000 W/m², Tendenz steigend.
Geschossflächen eingeschaltet werden, Hierbei müssen leistungsfähige Umluft-
welche mehr als 5 m Abstand zu den Fens- kühler oder direktgekühlte Apparate ein-
tern aufweisen. gesetzt werden.
Dabei werden die externen Lasten wie
folgt berücksichtigt: In dieser nicht künst- Küchen: Bei Produktionsküchen sind die
lich beleuchteten Randzone von 5 m wird elektrischen Anschlusswerte meistens sehr
mit einer Raumbelastung von 10 W/m² hoch mit Werten über 2 000 W/m². In sol-
gerechnet. chen Fällen ist es sehr wichtig, mit Spezia-
listen die Gleichzeitigkeiten festzulegen
Interne Wärmelasten und Absaugvorrichtungen wie Ablufthau-
Die interne Wärmelast ist hauptsächlich ben unmittelbar bei den Apparaten vorzu-
von folgenden Abwärmequellen abhängig, sehen.
deren Werte der Standardnutzung nach
SIA 2024 entnommen werden können: Wärmeabgabe von Beleuchtungen: In
1. Personen: Belegung, Aktivität, Beklei- Tabelle 53 ist eine Auswahl von typischen
dung und Volllaststunden in h/d. Grenz- und Zielwerten für den jährlichen
2. Betriebseinrichtungen: Geräte, Standby- Energiebedarf Beleuchtung E'Li aufgelis-
Verlust und Volllaststunden in h/d. Bei- tet. Diese basieren auf Standardnutzun-
spiele: Abwärmen von Arbeitshilfen wie gen gemäss SIA 2024.
Computer, Bildschirm, Drucker, Kühl-
schrank, Büro- und Haushaltgeräte, Medi-
zinalgeräte, etc.
3. Beleuchtung: Spezifische elektrische
Leistung, Korrekturfaktoren für Präsenzmel-
der, Dimmung und Volllaststunden in h/d.
4. Lüftung: Spezifische elektrische Ventila-
torleistung und Volllaststunden.
Diese vier Abwärmequellen sind im fol-
genden detailliert beschrieben.

Wärmeabgabe von Personen


In Tabelle 52 ist die Wärmeabgabe von
Personen, bei verschiedenen Raumtempe-
raturen (relative Raumfeuchte: 30 % bis
70 %), aufgelistet.

Wärmeabgabe von Betriebseinrich-


tungen
Die Wärmeabgaben von Betriebseinrich-
tungen sind gemäss SIA 2024 eher be-
scheiden. Ganz anders sieht es in hoch
technisierten Räumen aus. Beispiele für
solche Räume sind:
Rechenzentren, Serverräume
ICT Kommunikationsräume, EDV-Leit-
zentralen
Küchen, Produktionsküchen
101
Gebäudetechnik

Tabelle 52: Wärme-


Kat. Tätigkeit Anwendungs- Sensible respektive fühlbare (qs) und latente (qi) abgabe von Perso-
Bereich Wärmeabgabe in Watt pro Person, in Abhängig- nen in Watt (siehe
keit der Raumluft-Temperatur auch Tabelle 8 auf
Seite 13)
26 °C 24 °C 22 °C 20 °C

qs qi qs qi qs qi qs qi

1 ruhig sitzend Theater, Primarschule 61 41 68 34 74 28 79 23

1 sitzend, sehr Sekundarschule 62 54 70 46 77 39 80 36


leichte Arbeit

1 Büroarbeit Büro, Hotel, Hoch- 63 68 71 60 80 51 86 45


schule

2 stehend, langsam Kaufhaus, Laden, 64 83 75 72 82 65 87 60


gehend Bank (Schalter)

2 sitzend Restaurant 71 91 83 79 91 71 96 66

2 leichte Werkbank- Fabrik, leichte Arbeit 72 148 86 134 100 120 115 105
arbeit

3 tanzend Tanzsaal 80 169 95 154 109 140 124 125

3 gehend Fabrik, ziemlich 97 196 112 181 127 166 143 150 Tabelle 53: Grenz-
schwere Arbeit und Zielwerte für
den jährlichen
3 schwere Arbeit Bowlingbahn, Fabrik 142 284 154 272 167 259 184 242 Energiebedarf der
Beleuchtung

Nr. Raumnutzung Lichtstärke lx Spezifische Leistung Volllaststunden Spezifischer Strom-


PLi in W/m² tLi in h/a bedarf E'Li in kWh/m²

Grenzwert Zielwert Grenzwert Zielwert Grenzwert Zielwert

2.1 Hotelzimmer 200 (50) 3,0 2,0 1 270 1 170 4 2

3.1 Einzel-, 500 16,0 11,5 1 500 580 24 7


Gruppenbüro

6.1 Restaurant 200 7,0 4,5 2 410 1 600 17 7

6.3 Küche zu 500 16,0 11,5 2 400 1 810 38 21


Restaurant

8.1 Bettenzimmer 200 (100) 4,5 3,0 3 800 2 640 17 8


102
Klimakälte

3.4 Kälteerzeugung 60 °C). Der Vorteil dieser Lösung ist, dass


die Kältemaschine nicht auf einen höheren
Nach der Berechnung der maximalen Kondensationsdruck heraufgefahren wer-
Kühllast folgt die Auslegung der Kältema- den muss. Dadurch resultieren höhere
schine mit der entsprechenden Rückküh- Leistungszahlen (EER) und eine längere
lung. Dabei sind folgende Punkte zu be- technische Lebensdauer der Kältema-
rücksichtigen: schine. Die zweite Möglichkeit ist die Nut-
Verdampfer: Die Kaltwassertemperatu- zung der gesamten Kondensatorwärme
ren beim Verdampfer sollten so hoch wie für Niedertemperatur-Verbraucher wie Bo-
möglich sein. Für Klimakälte sollten die Be- denheizung oder Tabs. Sind höhere Be- Abbildung 118:
COP-Vergleich von
triebstemperaturen von 8 °/ 16 °C nicht un- triebstemperaturen (über ca. 50 °C) gefor-
Kompressor-Bauar-
terschritten werden. Bei Bodenkühlung, dert, so muss die Kondensationstempera-
ten mit einer Ver-
Kühldecken und Bauteilkühlung (Tabs) tur und damit der kältemittelseitige Druck
dampferleistung
kann die Temperatur sogar auf mindestens erhöht werden. Der Vorteil dieser Lösung von ca. 400 kW.
16 °/ 19 °C angehoben werden.
Kondensator: Die Rückkühltemperatu-
ren am Kondensator respektive Enthitzer 12
sollten so tief wie möglich sein (ca. 10,6
11,5
10
28 °/34 °C). Bei einem allfälligen WRG-Be-
Turbocor 8,1
trieb (Wärmerückgewinnung) sollten die 8
Schraube
Betriebstemperaturen (ca. 44 °/50 °C) nur 7,5 6,2
EER

6
kurzzeitig erhöht werden. 6,8 6,0
4,8
Wärmerückgewinnung (WRG): Die 4
2,8 3,6
Rentabilität einer WRG aus einem Kälte- 2 Kolben 3,2
2,1
prozess muss immer geprüft werden. Die
0
erste Möglichkeit ist der Einbau eines
25,0 37,5 50,0 62,5 75,0 87,5 100,0
Enthitzer-Kondensators zur Nutzung von
Tabelle 54: Techno- Leistungsbereich des Kompressors in %
max. 15 % der Abwärme auf höherem
logien zur Produk-
Temperaturniveau (Heissgas-Kühlung, ca.
tion von Kälte

Übersicht über Kälteanlagen-Technologien

Kompressions- Absorptions- Adsorptions- DEC1-Anlage


kälteanlage kälteanlage kälteanlage
physikalischer Verdampfen des Kältemittels (Kaltdampfprozess) Verdunstung des Kälte-
Kühlungs-Effekt mittels
Verdichtungsprinzip mechanische Verdich- thermisch, Absorptions- thermisch, Adsorption sorptive Entfeuchtung
tung lösungskreislauf von Wasserdampf

Antriebsenergie Elektroenergie Wärmeenergie 85 °C bis Wärmeenergie 55 °C bis Wärmeenergie 50 °C bis


180 °C 95 °C 100 °C
Kältemittel chlorierte oder chlorfreie Wasser mit LiBr oder Wasser mit Feststoff als Wasser
Kohlenwasser-stoffe NH3 als Absorptions- Adsorptionsmittel
mittel (Silica-Gel)
spezifischer Primär- 1,3 bis 1,65 0,6 bis 1,0 0,4 bis 0,6 0,3
energieverbrauch2

1
Dessicative and Evaporative Cooling
2
Der spezifische Primärenergieverbrauch errechnet sich aus dem Verhältnis der produzierten Kältemenge zur eingesetzten elektri-
schen bzw. thermischen Energie. Eine Zahl von 0,6 bis 1,0 (Absorptionskälteanlage) bedeutet, dass je eingesetzter Kilowattstunde
Wärme 0,6 bis 1,0 Kilowattstunden Kälte bereitgestellt werden.
103
Gebäudetechnik

ist, dass in diesem Fall ein Grossteil der Ab- kleinere Leistungen werden eher Hubkol-
wärme genutzt werden kann. ben- und Scroll-Verdichter, für mittlere bis
Druckverlust: Zur Vermeidung von Stö- grössere Leistungen eher Schrauben- und
rungen sollten die Durchflüsse am Konden- Turbomaschinen eingesetzt.
sator und am Verdampfer möglichst kons-
tant sein, mit minimalem Druckverlust von In den letzten Jahren sind sogenannte
maximal 0,3 bar. «Turbocor»-Kältemaschinen im Leistungs-
Kältespeicher: Zur Gewährleistung ei- bereich von 300 kW bis 800 kW aufgekom-
ner Minimallaufzeit muss ein Speicher vor- men. Diese neuartigen ölfreien Aggregate
gesehen werden, damit die Kältemaschine basieren auf magnetisch gelagerten Ver-
auf der untersten Stufe eine Mindestlauf- dichtern mit Frequenzregelung (Inverter),
zeit von 20 Minuten aufweisen kann. welche eine extrem hohe Drehzahl erlau-
Rückkühler: Ein maximaler Free-Coo- ben (bis zu 40 000 U/min) und dadurch be-
ling-Betrieb des Rückkühlers sollte vor al- sonders im Teillastbereich beste Energie-
lem im Winter, in der Übergangszeit und in werte erzielen. Der integrierte Sanftanlas-
den Sommernächten gewährleistet sein. ser erlaubt dem Verdichter, einen progressi-
ven Start mit extrem niedrigen Anlaufströ-
Zur Kälteerzeugung stehen hauptsächlich men. Weil das Aggregat ohne Öl funktio-
drei Technologien zur Auswahl (Tabelle niert, ist ein Tandembetrieb von mehreren
54). Der EER ist in diesem Fall der spezifi- Verdichtern im Parallelbetrieb möglich, was
sche Primärenergieverbrauch, welcher sich wiederum ein Optimum an Energie-Effizi-
aus dem Verhältnis der produzierten Kälte- enz und besten Teillastwerten mit sehr gu-
menge zur eingesetzten elektrischen bzw. ten COP ergeben. Die Energieeffizienz wird
thermischen Energie errechnet. weiter gesteigert durch die Anwendung ei-
nes «überfluteten Verdampfers», ohne die
Kompressionskältemaschinen Probleme der Ölrückführung, weil im kom-
Für die Erzeugung von Klimakälte werden pletten Kältekreis kein Öl enthalten ist. Tabelle 55: Verdich-
ter-Bauarten.
am häufigsten strombetriebene Komp-
Quelle: Wärme-
ressions-Kältemaschinen eingesetzt. Für
pumpen

Verdichterbauart Hubkolben Spiralkolben (Scroll) Schraube Turbo

Arbeitsprinzip Verdränger Verdränger Verdränger Strömungsmaschine

Verdichtung statisch statisch statisch dynamisch

Hubvolumen geometrisch geometrisch geometrisch abhängig vom


Gegendruck

Förderung pulsierend stetig stetig stetig

Volumenstrom (Bereich) bis 1000 m3/h bis 500 m3/h 100 bis 10000 m3/h 100 bis 50000 m3/h

Heizleistung (Bereich bei B0/W35) bis 800 kW bis 400 kW 80 bis 8000 kW 80 bis 40000 kW

Druckverhältnis im Regelfall bis 10 bis 10 bis 30 bis 5


(einstufig)

Regelbarkeit bei konstanter Stufen schwierig stufenlos stufenlos


Drehzahl

Drehzahlregelung möglich möglich möglich möglich

Empfindlichkeit gegen Flüssig- hoch gering gering gering


keitsschläge

verursacht Erschütterungen ja nein nein nein


104
Klimakälte

Teillastverhalten: Eine Kältemaschine für Fazit: Beim Einsatz von Turbocor-Kom-


die Klimakälte wird meistens im Teillastbe- pressoren ist es wichtig, diesen stets im
reich (ca. 25 % bis 60 %) betrieben, zur unteren Leistungsbereich zwischen 25 %
Versorgung der Umluftkühler (Abbildung bis 60 % zu betreiben. Nur damit resultie-
118). Nur im Hochsommer, in den Mona- ren hohe COP und dementsprechend ein
ten Juli und August, wird die volle Leistung tiefer Stromverbrauch. Es gilt zudem zu
des Kompressors für die Komfortklimaan- beachten, dass im Idealfall ein hybrider
lagen benötigt. Deshalb ist es wichtig, bei Rückkühler mit tieferer Betriebstempera-
der Wirtschaftlichkeitsberechnung das tur kondensatorseitig eingesetzt wird.
Teillastverhalten zu berücksichtigen. Ge-
mäss der Graphik weisen die Turbocor- Absorptionskältemaschinen
Kältemaschinen im Teillastbereich gegen- Das Funktionsprinzip des Absorbers be-
über den Kolben- und Schraubenkompres- ruht auf der Tatsache, dass Wasser bei ei-
soren einen wesentlich höheren COP nem Luftdruck nahe dem Vakuum auch
(blaue Kurve) auf. bei niedrigen Temperaturen (um 5 °C) ver-
dampft. Um den Verdampfungsprozess

Wasserdampf
Schwache
Lösung Kondensator 32°C
Wärme-
Austreiber zufuhr Kühlturm
Starke
27°C
Lösung

Lösungs-
Wärme- Wasserdampf
Tauscher
Vakuum
Verdampfer
6°C
Kühlwasser
Kaltwasser für
Klimatisierung
Lithiumbromid
Abbildung 119: 12°C
Prinzip der Kälte-
erzeugung mittels Pumpe Pumpe
Absorption

Kühlmöbel

Ölabscheider Wassererwärmer
Verdichter
Kältemittel
Dampf
M
Kältemittel Luft-
flüssig, teilweise Dampf erwärmer
Abbildung 120:
Produktion gewerb- Sammler Kältemittel
flüssig
licher Kälte mit Kondensator
Kühlmöbel
105
Gebäudetechnik

aufrechtzuerhalten, wird der Wasser- gende Kohlenwasserstoffe als Kältemittel.


dampf mit Hilfe einer Lithiumbromid- oder Der Platzbedarf für eine Absorptionskäl-
Zeolith-Lösung kontinuierlich abgesaugt. teanlage und für die Rückkühlung ist je-
Die durch diesen Vorgang verdünnte Salz- doch deutlich grösser als für eine Kom-
lösung muss durch Verdampfen des Was- pressionskältemaschine.
sers eingedickt werden. Dies geschieht im
Austreiber mit Hilfe von hochwertiger Absorptionskältemaschinen sind interes-
Wärme. Der dadurch entstehende Wasser- sant, wenn die eingekaufte Wärme sehr
dampf wird im Rückkühler kondensiert günstig ist respektive aus erneuerbaren
und das Kondenswasser wieder dem Ver- Quellen stammt.
dampfer zugeleitet. Damit schliesst sich
der Absorberkreislauf. Gewerbliche Kälte
Gewerbliche Kälte dient dazu, die Kühl-
Weil Absorptionskälteaggregate ohne me- räume und Kühlmöbel der Küche auf die
chanisch bewegte Teile arbeiten, sind sie gewünschte Temperatur herunterzuküh-
nahezu wartungsfrei. Während die Nut- len. Bei allen Kälteprozessen muss die auf-
zungsdauer einer Kompressionskältema- genommene Wärme wieder abgeführt
schine mit mindestens 15 Jahren an- werden. Dabei kann ein Grossteil beispiels-
gegeben wird, erreichen Absorptionskälte- weise für die Vorwärmung des Warmwas-
anlagen mindestens 20 Jahre. Im Gegen- sers genutzt werden, mit relativ kurzen
satz zur Kompressionskältemaschine be- Pay-back-Zeiten (weniger als 5 Jahre). Die
nötigt der Absorber fast keine elektrische restliche Wärme muss zwangsläufig mit-
Energie und enthält keine klimaschädi- tels Rückkühler respektive Kondensator
abgeführt werden.

Verdunstungskühlung
Abluftven- Befeuchter
Eine Alternative zu Kältemaschinen ist die
tilator
Verdunstungskühlung. Dieses Verfahren ist
in der Industrie schon länger bekannt. Im
Komfortklima-Bereich konnte sich dieses
WRG System erst in den letzten 15 Jahren unter
Raum
der Bezeichnung adiabatische Kühlung re-
spektive adiabatische Fortluftbefeuchtung
-
durchsetzen. Eine weitere Möglichkeit ist
die Sorptionskühlung. Die adiabatische Abbildung 121:
Filter Luft- Zuluftven- Fortluftbefeuchtung wird oftmals in der Adiabatische
kühler tilator Komfortlüftung eingesetzt und erfolgt Befeuchtung der
nach dem Prinzip in Abbildung 121. Fortluft

Die direkte Befeuchtungskühlung im Au-


Abluftven- Befeuchter ssen- bzw. Zuluftstrom führt wegen des
tilator
+ Anstiegs der relativen Luftfeuchte der Zu-
luft in der Regel zu Reklamationen. Bei ho-
her Luftfeuchtigkeit wird die Wärmeab-
Sorpti- WRG fuhr des menschlichen Körpers mittels
onsrad Raum Verdunstung erschwert. Der Schweiss ver-
bleibt als Wasserfilm auf der Haut, sodass
+ sich der Mensch unbehaglich fühlt. Dieses
Verfahren ist dementsprechend nur für be-
Filter Erhitzer Zuluftven- grenzte Anwendungen einsetzbar. Die Abbildung 122:
(Winter) tilator Sorptionskühlung ist eine Weiterentwick- Prinzip der Sorp-
lung der Verdunstungskühlung, zur Errei- tionskühlung
106
Klimakälte

chung höherer Kälteleistungen (Abbildung (RK) eingesetzt. Diese unterteilen sich in


122). Sorptionskühlung: Bei diesem physi- zwei Hauptgruppen:
kalischen Verfahren wird in einer ersten Offene oder nasse Rückkühler: Bei die-
Stufe die zu kühlende Luft entfeuchtet. sen Anlagen wird das im Kondensator der
Dabei wird mit einem Sorptionsmaterial Kältemaschine erwärmte Kühlwasser in di-
wie beispielsweise Silikagel Feuchte der rektem Kontakt mit Aussenluft gebracht.
Luft entnommen, mit dem Resultat, dass Vorteile: Geringer Platzbedarf, höhere Leis-
sich die Luft erwärmt. In einer zweiten tungszahl der Kältemaschine. Nachteile:
Phase kann die Luft durch Energierückge- Hohe Betriebs- und Wartungskosten, Was-
winnung, durch Luftkühler respektive adi- ser-Aufbereitung und Verlust durch Ver-
abatischer Befeuchtung mehrstufig ge- dunstung und Abschlämmung, Frostge-
kühlt werden. Die im Silikagel aufgenom- fahr, Nebelschwaden-Bildung, Verunreini-
mene Flüssigkeit muss mit Wärme ausge- gung des Kühlwassers mit möglicher Kor-
trieben werden (Desorption). rosion, Algen- und Legionellenbildung.
Geschlossene oder trockene Rückkühler:
Rückkühler und Free Cooling Bei diesen Anlagen ist das Kühlwasser
Zum Abführen von Kondensationswärme von der Aussenluft getrennt und mit einem
eines Kälteerzeugers werden Rückkühler Expansionsgefäss abgesichert. Vorteile:
verschiedene Bauarten der Rückkühler

Trockenkühler;
Beispiel: 38/44˚C
direkter
Verflüssiger, Luftkühler/-konden-
luftgekühlt sator: 32/34˚C mögliche
Kondensations-
Verdunstungs- geschlossener temperatur der
kühler Trockenkühler: 31/37˚C
Kältemaschine
Hybrid benetzter Trocken-
kühler: 28/34˚C

offener Verdunstungs-
kühler: 27/33˚C
Abbildung 123:
Temperatur-
24 26 28 30 32 34 36 38 40 42 44 46 48 50 52 ˚C
Bereiche von übliche Rückkühltemperaturen
Rückkühlern

Grundwasser Oberflächenwasser Abwasser

Abbildung 124: Erdsonden Erdregister Erdregister mit


Energiequellen zur unabgedecktem
direkten oder indi- Kollektor zur
rekten Nutzung für Entlastung
die Kühlung
107
Gebäudetechnik

Kein Wasserverbrauch, kleinere Investi- titionskosten im Vordergrund stehen, so


tion, Wartungs- und Unterhaltskosten. empfiehlt sich der Einsatz von betriebssi-
Nachteile: Grosser Platzbedarf und klei- cheren und hygienisch unbedenklichen
nere Leistungszahl der Kältemaschine. Trockenkühlern.
Als Kompromisslösung bieten sich auch
hybride Rückkühler an. Free Cooling: Das System der freien Küh-
lung nutzt in der Winterperiode die tiefen
Diese hybriden Rückkühler arbeiten Aussentemperaturen, um Kaltwasser zu
meistens als konventionelle Trockenkühler erzeugen. Dabei muss ein zusätzlicher
bei tieferen Aussentemperaturen. Bei hö- Wärmetauscher installiert werden. Vor al-
heren Temperaturen wird eine wohl do- lem bei Wärmeabgabesystemen mit ho-
sierte Menge von entmineralisiertem Was- hen Wassertemperaturen (Kühldecken,
ser auf die Kühloberfläche gesprüht, wel- Tabs, Bodenkühlung) ist das Free Cooling
ches grösstenteils auf der Oberfläche ver- empfehlenswert. In der Schweiz erlauben
dampft (zwischen 70 % bis 100 %). Da- die durchschnittlichen Aussenklimata,
durch wird die Rückkühlleistung drastisch meistens bei Temperaturen unter 8 °C,
erhöht. Vorteile: Geringerer Platzbedarf, diese kostengünstige Energie zu nutzen.
höhere Leistungszahl der Kältemaschine, Damit reduzieren sich die Betriebskosten
minimale Energie- und Wasserkosten, um bis zu 35 % pro Jahr.
keine Nebelschwaden, kein zirkulierendes
Wasser und damit keine Algen- und Legi- Wärmerückgewinnung
onellenbildung. Die wichtigsten Nachteile Zur Wärmerückgewinnung von Kondensa-
dieser Systeme sind: Höhere Investition torwärme stehen folgende Möglichkeiten
und notwendige Wasseraufbereitung, oft- zur Verfügung:
mals mit Gegenosmose. Einbau eines Enthitzer-Kondensators zur
Nutzung von Abwärme auf höherem
Eine optimale Lösung, insbesondere Niveau (Heissgas-Kühlung). Der Vorteil
punkto Energie- und Platzbedarf, bieten dieser Lösung ist, dass die Kältemaschine
Abbildung 125:
die hybride Rückkühler mit Rückkühltem- nicht auf einen höheren Kondensations-
Nutzung von Erd-
peraturen von 28 °/34 °C. Wenn die Inves- druck heraufgefahren werden muss. Da-
wärme (Übersicht)

Oberflächennahe Geothermie (etwa 8 ºC–25 ºC) Tiefe Geothermie (etwa 20 ºC–200 ºC)

Erdwärmesonde Kollektoren Grundwasserbrunnen Hydrogeothermie Enhanced Geothermal


Körbe mit Systems (EGS)
Energiepfähle Wiederversickerung
einige 10 m bis 400 m wenige 10 m tief meist < 50 m tief einige 100 m bis > 5000 m tief bis 5000 m tief
tief
Hydrogeothermische Thermalwasser-
Singlet/Dublette gewinnung

Geschlossenes System Offenes System Offenes System

Nutzung durch Einsatz von Wärmepumpen


Nutzung mit Wärmeübertrager
und direkte Warmwassernutzung

Wärmeerzeugung Kühlung Direkte Nutzung


des heissen Wassers

Stromerzeugung mit ORC- oder Kalina-Anlagen


Wärmenutzung und Thermalwassernutzung

Stromerzeugung
und Abwärmenutzung
108
Klimakälte

durch wird eine lange technische Lebens-


dauer der Kältemaschine gewährleistet.
Leider können nur ca. 10 % der gesamten
Kondensatorwärme auf höherem Tempe-
raturniveau genutzt werden.

Zur vollen Wärmerückgewinnung der


Kondensatorwärme muss die Betriebs-
temperatur der Verbraucher tief gewählt
werden (Bodenheizung, Tabs, Niedertem-
peratur-Heizkörper, BWW-Vorwärmung,
usw.). Sind höhere Betriebstemperaturen
(über ca. 55 °C) gefordert, so muss die
Kondensationstemperatur erhöht werden.
Der Vorteil dieser Lösung ist, dass in
diesem Fall ein Grossteil der Abwärme
genutzt werden kann. Der Nachteil liegt
beim höheren Betriebsdruck und schlech-
terer Leistungszahl der Kältemaschine.

Energiequellen
Mit natürlichen Energiequellen ist es mög-
lich, Räume und Anlagen direkt zu kühlen.
Es besteht aber auch die Möglichkeit,
solche Quellen indirekt, beispielsweise für
die Rückkühlung, zu nutzen.

Die in Abbildung 124 dargestellten Ener-


giequellen können in zwei Gruppen auf-
geteilt werden:
Offene Systeme mit Grund- und Ober-
flächenwasser aus oberflächennahen Geo-
thermie. Die Betriebstemperaturen betra-
gen 8 ° bis 25 °C. Bei der Abwassernut-
zung treten teilweise auch höhere Tempe-
raturen auf.
Geschlossene Systeme mit einem Was-
ser-Frostschutz-Gemisch, welche sich des-
halb auch mit einer Solaranlage kombi-
nieren lassen. Die Betriebstemperaturen
betragen 0 ° bis 18 °C.

Gemäss SIA 384/6 sind dabei folgende


Nutzungen sinnvoll (Abbildung 125). Die
drei oberflächennahen Energiequellen
Erdwärmesonden, Energiepfähle und
Grundwasserbrunnen können auch zu
Kühlzwecken genutzt werden.
109
Gebäudetechnik

3.5 Kälteabgabe im Raum der und benötigen Antriebsstrom fürs Ge-


bläse (zusätzliche Wartung ). Sie sind auch
Zur Kälteabgabe in Räumen stehen ganz aus hygienischen Gründen nicht ganz un-
unterschiedliche Systeme zur Verfügung problematisch.
(Tabelle 56). Gebäude können mit zentra-
len Lüftungs- und Klimaanlagen gekühlt Stadtwasserkühlungen sind grundsätzlich
werden. Für einzelne Räume mit höheren verboten. In Ausnahmefällen wie beispiels-
Internlasten sind zwei Methoden möglich: weise Notstromdiesel-Kühlung und MRI-
Serverkühlung sind solche Notkühlungen
Mittels Tabs und Kühldecken respektive zugelassen.
statischen Kühlflächen unterhalb der De-
cke ist es möglich, Wärme lautlos, zugsfrei Sowohl Bauteilkühlung (z. B. Tabs) als auch
und energetisch günstig dem Raum zu ent- Kühldecken können dort eingesetzt wer-
ziehen. Daher wird diese Art auch als «stille den, wo sensible, fühlbare Wärme abge-
Kühlung» bezeichnet. führt werden muss. Diese beiden Systeme
Umluftkühler werden in Räumen mit ho- nutzen die Speichermasse des Raumes und
hen internen Wärmelasten eingesetzt. Bei- sind deshalb sehr energieeffizient.
spiele: Rechenzentren, Serverräume, OP-
Räume, Sterilisation, Radiologie, Gross- Bauteilkühlung (Tabs)
raumbüros, etc. Die Umluftkühler dienen Thermoaktive Bauteilsysteme (Tabs), auch
lediglich dazu, interne Wärme abzuführen. Betonkern- oder Thermokernkühlung ge-
Der hygienische Luftwechsel muss durch nannt, nutzen die Gebäudespeichermasse Tabelle 56: Systeme
die Lüftungsanlage sichergestellt werden. für die Raumkühlung. Dadurch müssen die zur Kälteabgabe so-
im Raum anfallenden Wärmelasten von wie deren Arbeits-
Wenn immer möglich, sollten keine Um- Personen, Geräten und Besonnung nicht temperaturen und
luftkühler in stark frequentierten Perso- sofort abgeführt werden, sondern können Leistungsgrenzen.
Quelle SIA 382/2
nenräumen installiert werden. Diese sind in der Bauteilmasse zwischengespeichert
NGF: Netto-
laut, brauchen einen Kondensatabschei- werden. In den kühleren Nachtstunden
geschossfläche

System Maximale Maximale Maximale Minimale Medium Bemerkungen


Leistung Heizen Vorlauf- Leistung Kühlen Vorlauf-
oder Zuluft- oder Zuluft-
Temperatur °C Temperatur
W/m2 W/P W/m2 W/P °C
NGF NGF

Heizkörper 50 50 Wasser

Deckenheizung 40 30 Wasser

Fussbodenheizung 40 35 20 19 Wasser

Thermoaktive Bau- 40 30 40 19 Wasser


teilsysteme (Tabs)

Kühldecke 80 17 Wasser

Luftheizung 360 50 Luft Bei 36 m3/h P

Mischlüftung 120 16 Luft Bei 36 m3/h P

Quelllüftung 70 20 Luft Bei 36 m3/h P

Umluftkühler 100 16 Luft


110
Klimakälte

kann diese Wärme dem Gebäude entnom- ren, Händlerarbeitsplätze in Banken, usw.
men werden. Günstige Kälteerzeuger-Va- Das Gesamtkonzept der Bauteilkühlung
rianten sind: basiert auf folgenden fünf wesentlichen
Direktkühlung mittels Erdsonden Elementen:
Free-Cooling mittels Hybrid-Rückkühler 1. Hochwärmegedämmte Gebäudehülle,
Kühlung mit Kältemaschine, inkl. Ab- welche die externen thermischen Lasten
wärmenutzung für Warmwasser, mit güns- niedrig hält und auch einen guten Sonnen-
tigerem Niedertarif-Strom und kleineren schutz gewährleistet (g-Wert unter 0,15,
Rückkühlleistungen. Beispiel: helle Aussenlamellenstoren).
Tabs sind effizienter, wenn der Strahlungs- 2. Maximale interne Wärmelasten bis 150
anteil der Wärmequellen im Raum hoch Wh/m²d
ist. In Tabelle 57 werden die Strahlungs- 3. Kontrollierte Hygiene-Lüftung mit WRG
und Konvektionsanteile aufgezeigt. 4. Unverkleidete Betondecke (Akustik!)
mit eingelegten Kühl- und Heizrohren
Aus Tabelle 56 ist klar erkennbar, dass die 5. Kühlmöglichkeit mittels Rückkühler,
Bauteilkühlung die Abwärmen mit gros- Erdsonden, Kältemaschine, usw.
sem Strahlungsanteil wie Beleuchtung,
Personen und Externlasten effizient abfüh- Kühldecken
ren kann. Für Räume mit grossem Anteil Mittels Kühldecken respektive statischen
von Bürogeräten muss eine andere Lösung Kühlflächen unterhalb der Decke, ist es
Tabelle 57: Wärme-
gesucht werden. Beispiele: Rechenzent- möglich, die Wärme lautlos, zugsfrei und
quellen
energieeffizient dem Raum zu entziehen.
Quellen Strahlungsanteil Konvektions- Daher wird diese Art auch als «stille Küh-
anteil lung» bezeichnet.
Bürogeräte und 10 % 90 %
Server, mit Ventilator Kühldecken entsprechen von der Funktion
her Heizwänden, müssen jedoch aus phy-
Bürogeräte und Ser- 20 % 80 % sikalischen Gründen an der Decke mon-
ver, ohne Ventilator Abbildung 126:
tiert werden. Die warme Luft im Raum
Beleuchtung 50 % 50 % steigt zur Decke hoch und wird unterhalb Prinzip einer Küh-
der Decke abgekühlt. Danach fällt die Luft lung mittels Kühl-
Personen 70 % 30 %
wieder in den Aufenthaltsbereich nahezu decke, die auch
Solarstrahlung 90 % 10 % Heizfunktionen
zugfrei ab. Kühldecken haben nur zwei
übernehmen kann.

2 x Durchgangsventil Abluft
Heizen/Kühlen, pro Zone 21 °C −28 °C

Abluft Zuluft

F
Feuchte

T Raumtemperatur
Raumregler

Hybriddeckenmodul 500 x 800 mm


Funktionen: Heizen, Kühlen, Massenaktivierung der
Betondecke, Schallabsorption, Lufteinführung und
Zuluft Beleuchtung. Druckverluste: Wasserseitig ca. 10‘000
Heizverteiler Kälteverteiler 20 °C −24 °C Pa; lüftungsseitig ca. 20 Pa
111
Gebäudetechnik

Nachteile: Hohe Investition und Empfind- darf nie den Taupunkt im Raum unter-
lichkeit auf hohe Raumluftfeuchten (Kon- schreiten. Absicherung mittels Kondensat-
densationsbildung). fühler.
Kühldecken müssen 100 % diffusions-
In Abbildung 126 ist eine Kühldecke dar- dicht (Sauerstoff) ausgeführt werden, an-
gestellt, mit 4-Leiter-Anschluss und der sonsten ist eine Netztrennung erforderlich.
Möglichkeit für die gleichzeitige Heizung Die Regulierung muss zusammen mit der
und Kühlung innerhalb derselben Zone. Lüftung erfolgen. Wird der Sollwert im
Raum erreicht, muss der Durchfluss durch
In Abbildung 126 ist ersichtlich, dass die die betreffenden Kühldecken-Elemente
heutigen Kühldecken auch mit anderen unterbrochen werden.
Anwendungen wie Lüftung, Beleuchtung Einzelne Kühldeckenelemente müssen
und Schallabsorption kombiniert werden separat absperr- und entleerbar ausgeführt
können. Somit fallen etliche Schnittstellen werden.
weg. Es empfiehlt sich, besonders in kritischen
Räumen, bei der Inbetriebnahme jedes
Mit Kühldecken können auch Räume be- Kühldeckenelement mittels Thermografie
heizt werden. Der Vorteil bei der Lösung zu prüfen.
gemäss Abbildung 126 ist, dass nur der Zur Aktivierung der Betondecke sollte
Fassadenbereich beheizt wird. Also nur der freie Querschnitt der Doppeldecke
dieser Teil des Raumes, in dem die gröss- mindestens 50 % betragen. Es empfiehlt
ten Wärmeverluste auftreten. Dies erhöht sich aus diesem Grund, die Kühldecken als
den Raumkomfort und die Energieeffizi- «Segel» im Raum auszuführen.
enz, weil nicht die gesamte Deckenmasse
erwärmt werden muss. In jedem Fall ist es
wichtig, dass die Gebäudehülle sehr gut
gedämmt und dicht ist, damit keine Zugs-
erscheinungen auftreten.

Zur Auslegung einer Kühldecke ist Spezial-


wissen notwendig. Dabei sind folgende
Punkte zu berücksichtigen:
Oberflächentemperatur der Kühldecke

Kurzbeschrieb Kühlfall Heizfall

Spezifische Leistung
Strahlungsdecken mit Taupunkt- 70 W/m² – 100 W/m² bis 200 W/m²
überwachung
Konvektionsdecken mit Luft- 100 W/m² – 50 W/m² bis 300 W/m²
geschwindigkeiten unter 0,15 m/s

Leistungsabgabe zur Raum- Sehr genau möglich Problematisch wegen


temperatur-Einhaltung Temperatur-Schichtung

Behaglichkeitskriterien
Temperaturschichtung praktisch keine lastabhängig, ca. 2 K/m
Strahlungsasymmetrie angenehmehmes Empfinden bis 54 W/m² behaglich
Raumluftgeschwindigkeiten unter 0,15 m/s evtl. Kaltluftabfall
Tabelle 58: Typolo-
gie der Kühldecken
Anforderung an Glasfassade kein Einfluss U-Wert unter 1,3 W/m²K
sowie dazugehörige
Leistungswerte
112
Klimakälte

Tabelle 59: Die wichtigsten Kälteabgabesysteme, welche in der


Klimakälte eingesetzt werden. Dabei wird vorausgesetzt, dass im
Raum die Feuchte nicht eingehalten werden muss.

Nr. Kälteangabe mit Funktion Skizze Vorteile Nachteile


Kaltwasser

1 Thermoaktive Bauteilkühlung mit Kostengünstige, stille Teilweise unkontrollierte


Bauteilsysteme Masseaktivierung Kühlung nach oben und Kühlung; Integration im
Tabs nach unten bis 40 W/m² Betonbauteil

2 Kühldecke, mit Geschlossen, Kostengünstige, stille Keine direkte Masse-


Decke verbunden minimale Masse- Kühlung; platzsparend, aktivierung möglich
aktivierung im Raum kaum sichtbar

3 Kühlmodul Einbindung der Kostengünstige, stille Schwierige Montage bei


Deckenmasse Kühlung; Aktivierung heruntergehängter
der Speichermasse Doppeldecke

4 Kühldecke unter- Offen, mit Bauteil- Stille Kühlung; teilweise Schwierige Reinigung;
halb der Decke aktivierung; Aktivierung der geringere lichte Raum-
konvektive Decke Speichermasse je nach höhe
freiem Querschnitt

5 Kühlsegel unter- Freie Strömung im Stille Kühlung, thermisch Schwierigere Reinigung;


halb der Decke Raum mit Bauteil- aktive Lösung mit hoher partiell geringere lichte
Aktivierung Leistung Raumhöhe

6 Bodenkühlung Changeover mit Kostengünstige, stille Kälteleistung mit


Bodenheizung Kühlung, mit Masse- 18°/21 °C max. 15 W/m²
aktivierung

7 Kühlbalken; Kühlpanel mit Grössere Leistung Partiell geringere lichte


Kühlbaffel Primärluft auf kleinstem Raum; Raumhöhe; Zugs-
nur teilweise Decken- erscheinungen möglich;
belegung Servicekosten

8 Brüstungsgerät Induktionsgerät mit Grössere Leistung auf Teilweise Zugserschei-


Primärluft kleinstem Raum; ein nungen, Schallemission,
Element für Beheizung, energetisch aufwändi-
Kühlung und Lüftung ger; Brüstung muss
geplant werden, Service-
kosten

9 Umluftkühler Ventilator-Konvek- Mit Kondensatablauf Schallemission im Raum;


tor mit oder ohne grosse Leistung; kosten- Trockenkühlung mit be-
Kondensatabschei- günstige Lösung grenzter Leistung; Ser-
der vicekosten
113
Gebäudetechnik

3.6 Trends in der Kältetechnik Abwärmen nutzen und somit die Umwelt
nachhaltig entlasten. Aus diesem Grund
In welche Richtung wird sich die Kälte- zeichnen sich heute schon gewisse Trends
technik entwickeln? Auf der einen Seite ab. Zukünftig werden vermehrt erneuer-
wird dichter gebaut. Es steigen sowohl die bare Energiequellen eingesetzt, sowohl für
Komfortansprüche der Menschen als auch die Wärme- als auch für die Stromproduk-
der Technisierungsgrad. Zudem steigen tion. Zudem werden die Wirkungsgrade
auch die mittleren Aussenlufttemperatu- aller Energieumformer stark verbessert
ren. Diese Entwicklung führt zwangsläufig und die Energiespeicherung über einen
zu höheren Kälteleistungen und damit zu längeren Zeitraum gewährleistet. Daraus
höherem Stromverbrauch für die Kom- könnte eine optimale WRG-Nutzung aus
pressoren, Ventilatoren und Umwälzpum- allen Prozessen und somit eine längerfris-
pen. Auf der anderen Seite möchte man tige Energieeinsparung resultieren – trotz
ernsthaft den Energiebedarf senken, ver- höherer Komfortansprüche!
mehrt erneuerbare Energiequellen und

Energie- Energie- Energie- Energie-


gewinnung umformung speicherung verbrauch

Smart -
> 110°C Prozesswärme
Grid
~ 100°C
Abfallverbrennung Nahwärmeverbund;
Fernleitungen
~ 90°C
Bio-
Biomasse-
masse
Heizkessel
~ 80°C

~ 70°C
Aus- Konden-
Sonnen- treiber sator
Kollek-
WRG-Nutzung für BWW
toren ~ 60°C - Nachwärmung
Ab- Ver-
sorber dampfer

PV ~ 50°C
Absorptions- WRG-Nutzung für BWW
Kältemaschine - Vorwärmung
~ 40°C
+

WRG-Nutzung für
Raumheizung & Lüftung
+

WRG-Nutzung für
Wind- ~ 30°C Bauteilheizung
Wärmepumpe
kraft
Kältemaschine
-- ~ 20°C
Bauteilkühlung &
Umluftkühler
Klimakälte
~ 10°C Prozesskälte
Erdreich als
Energiespeicher Langzeit - Speicher
Abbildung 127:
Trends in der Kälte-
technik
Kapitel 4

Lufterneuerung

Kurt Hildebrand 4.1 Typologie der Lüftungsanlagen

Anlagetypen von Lüftungs- und Klimaanlagen nach Funktionen

Farbcode der Zuluft


Filterung der Zuluft
Abluftförderung
Zuluftförderung

WRG und AWN

Befeuchten

Enfeuchten
Kühlen
Heizen
Anlagetyp

Einfache Zuluftanlage x – – x – – – – grün

Zuluftanlage mit Lufterwärmung x – – x x – – – rot

Einfache Abluftanlage – x – – – – – – –

Abluftanlage mit
– x x – – – – – –
Abwärmenutzung

Einfache Lüftungsanlage x x x x – – – – grün*


Lüftungsanlage

Lüftungsanlage mit
x x x x x – – – rot
Lufterwärmung

Lüftungsanlage mit Lufterwär-


x x x x x – x – blau
mung und -befeuchtung

Einfache Klimaanlage x x x x x x – (x) blau


Klimaanlage

Klimaanlage mit
x x x x x x x (x) blau
Luftbefeuchtung

Klimaanlage mit Luftbefeuch-


x x x x x x x x violett
tung und -entfeuchung

* Wenn mit der WRG die Zulufttemperatur auf über 17 °C gehalten werden kann,
kann der Farbcode rot verwendet werden.
– Nicht beeinflusst durch das System bzw. nicht möglich oder nicht vorhanden.
x Durch das System kontrolliert und Einhaltung entsprechender Garantiewerte im Raum.
(x) Durch das System beeinflusst, aber ohne Garantiewerte im Raum.

Tabelle 60: Anlagetypen von Lüftungs- und Klimaanlagen nach Funktionen (SIA 382/1).
Bei Lüftungs- und Klimaanlagen ist sie abhängig von der Möglichkeit zur Kontrolle der
Temperatur und des Feuchtegehaltes der Raumluft.
116
Lufterneuerung

Die wichtigsten Komponenten

Ventilator mit Expansionsteil Luftbefeuchter


Schalldämpfer Lufterhitzer
Kreislauf- Luftkühler mit Tropfenabscheider
Verbundsystem, (Feinstaub-)Filter
WRG
Leerteil


FOL M6 ABL
LT + LT
M

M
M
+ + −
+
AUL M6 F9 ZUL
LT − − LT LT

Abbildung 128: Manschette


Komponenten von Motorklappe
Lüftungsanlagen

Funktionsbeschriebe Fremdstoffe wie Laub, Staub, etc eindrin-


Anmerkungen zu den Funktionen der dar- gen kann. Möglicher Vandalismus muss
gestellten Anlagen. berücksichtigt werden. Die Norm (SIA
382/1) besagt, dass Aussenluft mindestens
Ventilatorüberwachung: Die Funktion drei Meter über dem Erdboden gefasst
des Ventilators wird meist mittels einer werden soll. Lüftungsanlagen für Wohn-
Drehzahlüberwachung an der Laufrad- bauten können davon abweichen. Fortluft
achse oder Luftgeschwindigkeitsmessung soll über Dach geführt werden, damit keine
am Ventilatorsaugstutzen überwacht und Irritierungen durch kontaminierte und
mit dem vorgegebenen Sollwert vergli- geschmacklich angereicherte Luft entsteht.
chen.
Brandfall: Im Regelfall werden lüftungs-
Filterüberwachung: Die Filter werden und klimatechnische Anlagen im Brandfall
manuell mit einer Druckanzeige am RLT- ausgeschaltet. Eine Entrauchungsschal-
Gerät überwacht. Eine elektronisch-auto- tung wird nicht vorgesehen und die Klap-
matische Überwachung ist möglich aber pen werden zugefahren.
bei kleineren Anlagen nicht üblich.
Notstromberechtigung: Im Regelfall
Klappen: Aussenluft- und Fortluftklappen sind lüftungs- und klimatechnische Anla-
müssen bei Anlagestillstand und Strom- gen nicht für den Bezug von Notstrom be-
ausfall schliessen. Die Klappenmotoren rechtigt.
sollen stromlos die Klappen selbsttätig
schliessen. Die Klappen schliessen zeitver- Gebäudeautomation: Selbstverständlich
zögert zur Ventilatoren Abschaltung und können Anlagen mit ihren Regeltechni-
öffnen vor dem Start der Anlagen. schen-, Überwachungs- und Sicherheits-
Funktionen immer soweit ausgebaut und
Aussenluftfassung und Fortluftaus- automatisiert werden, dass sie mittels Ge-
tritt: Die Aussenluft sollte möglichst auf bäudeautomation ihren Betrieb aufrecht-
einer beschatteten Gebäudeseite gefasst erhalten. Die Notwendigkeit und Ange-
werden und so konstruiert sein, dass keine messenheit ist zu prüfen.
117
Gebäudetechnik

Einfache Zuluftanlage und Zuluft-


M
anlage mit Lufterwärmung
+
Aufgabe: Die Anlage versorgt Räume mit
AUL F7 ZUL
der nötigen Zuluft. Oft sind dies Räume,
LT LT
die nicht oft genutzt oder schnell einer
starken Belastung von Personen oder Pro-
Abbildung 129: zessen ausgesetzt sind. Die Abluft ent-
Einfache Zuluftan-
weicht über kontrollierte Öffnungen. Die
lage, wahlweise mit
Zuluft wird je nach Notwendigkeit er-
Zulufterwärmung
wärmt.

Betriebsstufen: Dieser Anlagetyp wird Raum- und Vorlauftemperatur (˚C)


meist einstufig betrieben (Stufe 0 –I).
Vorlauftemperatur Raumtemperatur a,i
Sollwertregelung: Die Anlage wird von Lufterwärmer H,SU
Hand oder einer Schaltuhr ein- oder aus-
geschaltet.
Im Anlagetyp 2 kann die ZUL geregelt wer-
den – meist auf eine konstante ZUL-Tem-
Abbildung 130: peratur.
Vorlauf- und Raum-
temperatur in Ab-
Besonders zu beachten e
hängigkeit der Au- Aussenlufttemperatur (˚C)
Leerteile für die Wartung und Reinigung
ssenlufttemperatur
vorsehen.
Eventuell Defroster über Erdreich-Wär-
meübertrager führen. Zuluftvolumenstrom (qV, SUP)
Gebäudeautomation: meist keine
Bei sehr guter WRG erübrigt sich oft der
Lufterhitzer.
Die Abluftführung aus dem Gebäude
muss sorgfältig realisiert werden. Entweder
sind Abluftanlagen mit gleich grossen Luft-
volumenströmen und gleichen Betriebszei-
Abbildung 131: ten zu planen oder es sind gezielt Abluft-
Zuluftvolumen- durchlässe einzusetzen.
strom in Abhängig- e
keit der Aussenluft- Einsatz Aussenlufttemperatur (˚C)
temperatur Kleinere Bürobauten
Kleinere Gewerbebauten
118
Lufterneuerung

Nach SIA 382/1


Quelle Aussenluft Klassierung der
Aussenluft

Umwandlung Lüftungsanlage mit:


Zuluft-Ventilator
Filtern der Zuluft
Heizen
Speicherung Entsprechend den bauphysikalischen
Gegebenheiten und Konstruktionen im
Baukörper selbst
Verteilung Luftleitungen:
Einkanalsystem mit konstantem oder
variablem Volumenstrom
Raum Lufteinbringung: Klassierung der
Komfortbereich oft nach dem Raumluft bzw.
Quellluftprinzip Zuluft
Mischlüftung
Tabelle 61:
Bemerkungen Einkanalsystem entspricht einem Zuluft-
Spezifikationen zur
kanal und einem Abluftkanal.
einfachen Zuluftan-
Bei reinen Zuluftanlagen sind die Druck-
lage und zur Zuluft-
verhältnisse im Gebäude genau zu
anlage mit Lufter-
betrachten (ausgeglichene Luftbilanzen).
wärmung.

Abbildung 132:
Kompaktes
Lüftungsgerät mit
Kreuzstrom-Wärme-
tauscher inkl.
Lufterhitzer.
(Bild: Seven Air)
119
Gebäudetechnik

Einfache Abluftanlage
Aufgabe: Die Anlage entlüftet geruchlich
belastete Räume wie z.B Toilettenanlagen,
kleinere Gewerbebetriebe mit entspre-
chenden Fertigungs-Einrichtungen. Oft
sind diese Räume nicht permanent ge- M
nutzt oder schnell einer starken Belastung
von Personen oder Prozessen ausgesetzt. ABL FOL
Abbildung 133:
Einfache Es muss sichergestellt werden, dass die Er-
Abluftanlage satzluft über kontrollierte Öffnungen
nachströmen kann.

Abluftvolumenstrom (qV, ETA)


Betriebsstufen: Dieser Anlagetyp wird
meist einstufig betrieben (Stufe 0 –I).

Sollwertregelung: Die Anlage wird von


Hand oder mittels einer Schaltuhr ein-
oder ausgeschaltet.

Abbildung 134: Besonders zu beachten


Abluftvolumen- Meist keine Gebäudeautomation
strom in Die Aussenluft-Zufuhr muss sorgfältig
Abhängigkeit e
umgesetzt werden. Entweder sind Zuluft- Aussenlufttemperatur (˚C)
der Aussenluft-
anlagen mit gleich grossen Luftvolumen-
temperatur
strömen und gleichen Betriebszeiten zu
planen oder es sind kontrollierbare Aussen-
luft-Durchlässe zu realisieren. Nach SIA 382/1
Leckagen in der Gebäudehülle können Quelle Abluft Klassierung der
dazu führen, dass Aussenluft über hygie- Abluft
nisch problematische oder unerwünschte
Weg nachströmt. Reine Abluftanlagen sol- Umwandlung Anlage mit:
ABL-Ventilator
len daher nur bei Gebäuden mit hoher
Luftdichtigkeit und definierten Nachström- Speicherung keine
öffnungen eingesetzt werden.
Der Unterdruck im Gebäude ist zu be- Verteilung Luftleitungen:
achten. Wenn sich in den versorgten Räu- Einkanalsystem
men Feuerungen wie Cheminées, Öfen,
Raum Abluftabführung Klassierung der
Gasthermen, etc. befinden, soll keine ein- Raumluft bzw.
fache Abluftanlage eingesetzt werden. Zuluft
Bei mittlerem und erhöhtem Radonrisiko
ist der Einsatz von einfachen Abluftanlagen Bemerkungen Bei der Abluftan-
lage muss die
kritisch zu prüfen.
Nachströmung
der Ersatzluft be-
Einsatz achtet und
Kleinere Bürobauten definiert werden.
Wohnbauten Bei reinen Abluft-
anlagen sind die
Druckverhältnisse
Tabelle 62: im Gebäude ge-
Spezifikationen zur nau zu betrachten
einfachen Abluftan- (ausgeglichene
lage. Luftbilanzen).
120
Lufterneuerung

Abluftanlage mit Abwärmenutzung nisch problematische oder unerwünschte


Varianten Weg nachströmt. Reine Abluftanlagen sol-
Fortluft als Quelle einer Luft-Wasser-Wär- len daher nur bei Gebäuden mit hoher
mepumpe oder FOL-Wärmetauscher als Luftdichtigkeit und definierten Nachström-
Quelle der Sole-Wasser-Wärmepumpe öffnungen eingesetzt werden.
Der Unterdruck im Gebäude ist zu be-
Aufgabe: Die Anlage entlüftet geruchlich achten. Wenn sich in den versorgten Räu-
belastete Räume wie z.B Toilettenanlagen, men Feuerungen wie Cheminées, Öfen,
Gewerbebetriebe mit entsprechenden Fer- Gasthermen, etc. befinden, soll keine ein-
tigungseinrichtungen. Oft sind diese fache Lüftungsanlage eingesetzt werden.
Räume gut genutzt und benötigen des- Bei mittlerem und erhöhtem Radonrisiko
halb eine beachtliche Luftleistung. Damit ist der Einsatz von einfachen Abluftanlagen
wird die AWN mittels einer Wärmepumpe kritisch zu prüfen.
wirtschaftlich. Dieser Aussage steht die
Anwendung im Kleinstbereich, nämlich Einsatz
von Lüftungen in Wohnbauten, entgegen. Bürobauten
Hier kann es sein, dass die FOL verwendet Wohnbauten
wird, um eine WW-Erwärmung mittels ei- Produktionsstätten
ner Kleinst-WP zu ermöglichen («All in
One»-Systeme).
Anwendung findet dieser Anlagetyp auch
in Bereichen mit dezentralen ZUL-Einhei-
ten wie z. B. Luftboxen.
Es muss sichergestellt werden, das die Er-
satzluft über kontrollierte Öffnungen M
nachströmen kann.
Abbildung 135: ABL M5 FOL V K
FOL als Quelle einer
Betriebsstufen: Dieser Anlagetyp kann
Luft-Wasser-
ein- oder mehrstufig betrieben werden
Wärmepumpe
(Stufe 0 – I – II, eventuell Drehzahlreguliert
in Abhängigkeit der WP).

Sollwertregelung: Die Anlage wird von


Hand oder entsprechend definierter Regel- +
Abbildung 136: ABL M5 FOL V K
FOL-Wärmetauscher parameter aufgrund des Luftbedarfes oder −
LT LT
als Quelle einer des WP-Bedarfs betrieben. M
Sole-Wasser-
Wärmepumpe Besonders zu beachten
Leerteile für die Wartung und Reinigung
vorsehen.
Raum- und Rücklauftemperatur, WP (˚C)
Wärmepumpen zur Wärmerückgewin-
nung (WRG) kann praktisch überall einge-
H,ret,HP
setzt werden. Raumtemperatur a,i
Keine Gebäudeautomation
Die Aussenluft-Zufuhr muss sorgfältig
umgesetzt werden. Entweder sind Zuluft-
Abbildung 137:
anlagen mit gleich grossen Luftvolumen-
Fortluftvolumen-
strom in strömen und gleichen Betriebszeiten zu
Abhängigkeit der planen oder es sind Aussenluft-Durchlässe
WP-Wärmeleistung zu realisieren. e
respektive der Leckagen in der Gebäudehülle können Aussenlufttemperatur (˚C)
Aussentemperatur dazu führen, dass Aussenluft über hygie-
121
Gebäudetechnik

ABL Abluft
AUL Aussenluft
FOL Fortluft
ZUL Zuluft
RAL Raumluft
AWN Abwärmenutzung
WRG Wärmerückgewinnung
WP Wärmepumpe
WW Warmwasser
GA Gebäudeautomation

Nach SIA 382/1


Quelle Abluft Klassierung der
Abluft

Umwandlung Anlage mit:


ABL-Ventilator
WRG respektive Abwärmenutzung
(AWN)

Speicherung keine

Verteilung Luftleitungen:
Einkanalsystem

Raum Abluftabführung Klassierung der


Raumluft bzw.
Zuluft
Bemerkungen Fortluft als Quelle einer Luft-Wasser-
Wärmepumpe
Die Fortluft (FOL) dient als Energiequelle
und wird direkt in die Luft-Wasser-Wär-
mepumpe geleitet, wo ihr die Wärme
entzogen wird.

Fortluft-Wärmetauscher als Quelle der


Sole-Wasser-Wärmepumpe
Die Fortluft gibt die Wärme an einen
Wärmeübertrager ab. Die Wärme aus
der Fortluft wird mit einem Wassersys-
tem an die Sole-Wasser-Wärmepumpe
abgegeben.
Bei der Abluftanlage muss die Nachströ-
mung der Ersatzluft beachtet und defi-
niert werden.
Tabelle 63:
Bei reinen Abluftanlagen sind die Druck-
Spezifikationen zur
verhältnisse im Gebäude genau zu be-
Abluftanlage mit
trachten (ausgeglichene Luftbilanzen).
Abwärmenutzung.
122
Lufterneuerung

Einfache Lüftungsanlage Hydraulische Schaltung mit Einspritz-


Lüftungsanlage mit Lufterwärmung schaltung mit Durchgangsventil oder Bei-
(mit WRG über Plattenwärmetau- mischschaltung am Lufterwärmer
scher) Filterstufen in der Aussen- und in der
Fortluft so wählen, dass eine sinnvolle In-
Aufgabe: Gebäude, in denen der Luft- standhaltung möglich ist, d.h. möglichst
austausch ohne zusätzliche mechanische gleiche Filter.
Kühlung und ohne Feuchtekontrolle erfol- Leerteile für die Wartung und Reinigung
gen kann, werden mit einfachen Lüftungs- vorsehen.
anlagen ausgerüstet. Defroster über Erdluftansaug
Ob Wohn-, Büro- oder Gewerbe-Bauten: Plattenwärmetauscher Dichtheit definie-
die einfache Lüftungsanlage mit oder ren.
ohne zusätzliche Lufterwärmung nach der Gebäudeautomation sorgfältig prüfen.
Wärmerückgewinnung ist der am häufigs-
ten anzutreffende Lüftungsanlagentyp. Einsatz
Die Luftzuführung in die Räume erfolgt Administrations- und Dienstleistungs-
am einfachsten mit einer sogenannten bauten
Quelllüftung. Spitäler (Bettenzimmer, Behandlungs-
räume, etc.)
Betriebsstufen: Dieser Anlagetyp kann Produktionsbetriebe mit entsprechenden
ein- oder mehrstufig betrieben werden, Produkten
entsprechend dem tatsächlichen Bedarf. Wohnbauten
(Stufe 0 – I – II - III, auch drehzahlreguliert).

Sollwertregelung: Die Anlage wird ent-


sprechend den definierten Regelparame-
ter betrieben. Dies können sowohl defi-
nierte Betriebszeiten, Anwesenheitskrite- M M

rien (Bewegungsmelder etc.) respektive


AUL F7 M5 ABL
Kriterien wie eine zu hohe CO2- (VOC-)
Konzentration bis hin zu zu hohen Raum- +
luftfeuchtewerten (Raum «ausspülen») FOL ZUL
sein. LT LT
Die AUL wir durch die Filterstufe über die M

WRG geführt und danach mittels Ventila-


Abbildung 138: tor ohne weitere Behandlung dem Raum
Einfache Lüftungs- zugeführt. Die heute sehr guten WRG-
anlage Systeme erlauben eine Rückwärmezahl
von 80 % bis 88 %, was eine weitere Luft-
erwärmung oft unnötig erscheinen lässt.
Ventil- bzw. Klappenstellung (y)
Die ZUL wird über die Bypass-Klappen-
steuerung soweit möglich geregelt. Sollte
Raumtemperatur Qa,i
eine Lufterwärmung nach der WRG not-
wendig sein, wird diese in Sequenz zur
WRG zu- oder weggeschaltet. Die Regulie- Lufter- WRG
wärmer
rung erfolgt über das Regelventil des Luft-
erwärmers im Heizungskreislauf.
Abbildung 139:
Ventilstellung bzw.
Klappenstellung in Besonders zu beachten
Kondenswasser-Siphon mit Nachfüllde- Qe
Abhängigkeit des
Aussenlufttemperatur (˚C)
Lufterwärmers und ckel versehen (Kontrolle, ob der Siphon
der WRG austrocknet).
123
Gebäudetechnik

Nach SIA 382/1


Quelle Aussenluft Klassierung der
Aussen-, Fort- und
Abluft
Umwandlung Lüftungsanlage mit:
ZUL- und ABL-Ventilator
WRG respektive Abwärmenutzung
(AWN)
Filtern der Zuluft
Heizen (bei Anlagen mit Lufterwärmung)

Speicherung Entsprechend den bauphysikalischen


Gegebenheiten und Konstruktionen im
Baukörper selbst
Verteilung Luftleitungen:
Einkanalsystem mit konstantem oder
variablem Volumenstrom
Raum Lufteinbringung: Klassierung der
Komfortbereich oft nach dem Quell- Raumluft bzw.
luftprinzip Zuluft
Produktionsbetriebe: Oft Mischlüftung,
um den ganzen Raum gleichmässig zu
konditionieren.
Tabelle 64:
Spezifikationen zur
Bemerkungen Übliche Lüftungsanlage für Wohn und
einfachen Lüftungs-
Nichtwohnbaute
anlage.
124
Lufterneuerung

Lüftungsanlage mit Lufterwärmung feuchtewerten (Raum «ausspülen») sein.


und Luftbefeuchtung (mit WRG über Aussenluft wird durch die Filterstufe über
Plattenwärmetauscher) die WRG und danach mittels Ventilator in
den Raum geführt. Die heute sehr guten
Aufgabe: Gebäude in denen der Luft- WRG-Systeme erlauben eine Rückwärme-
austausch ohne zusätzliche mechanische zahl von über 80 %. Die ZUL wird über die
Kühlung aber mit Luftbefeuchtung erfol- WRG-Bypass-Klappensteuerung geregelt.
gen soll, werden mit einer Lüftungsanlage Die Luftnacherwärmung wird in Sequenz
mit Lufterwärmung und Luftbefeuch- zur WRG zu- oder weggeschaltet. Die Regu-
tung ausgerüstet. Die Luftzuführung in die lierung erfolgt über das Regelventil des
Räume erfolgt oft mit Mischluftauslässen Lufterwärmers im Heizungskreislauf. Die
oder mit Quelllüftung. Luftbefeuchtung wird im Winter auf maxi-
mal 5 Gramm Wasser pro Kilogramm Luft
Betriebsstufen: Dieser Anlagetyp kann dimensioniert. Die Verdampfungsenergie
ein- oder mehrstufig betrieben werden, wird je nach Befeuchter-Prinzip der Luft ent-
entsprechend dem tatsächlichen Bedarf zogen (adiabatische Systeme) oder es wird
(Stufe 0 – I – II - III, auch drehzahlreguliert). direkt ein Dampfbefeuchter eingesetzt.

Sollwertregelung: Die Anlage wird ent- Besonders zu beachten


sprechend den definierten Regelparame- Kondenswasser-Siphon mit Nachfüllde-
ter betrieben. Dies können sowohl defi- ckel versehen (Kontrolle, ob Siphon aus-
nierte Betriebszeiten, Anwesenheitskrite- trocknet).
rien (Bewegungsmelder etc.) respektive Hydraulische Schaltung mit Einspritz-
Kriterien wie eine zu hohe CO2- (VOC-) schaltung oder mit Durchgangsventil oder
Konzentration oder zu tiefen Raumluft- Beimischschaltung am Lufterwärmer

M M

Abbildung 140:
AUL F7 M6 ABL
Lüftungsanlage mit
Lufterwärmung und
+
Luftbefeuchtung FOL ZUL
LT
Abbildung 141: M
Ventil- bzw. Klap-
penstellung in
Abhängigkeit des
Lufterwärmers und
des Befeuchters

Ventil- bzw. Klappenstellung (y) Ventilstellung (y)

Raumtemperatur a,i

Lufter- WRG
wärmer Befeuchter

e x
Aussenlufttemperatur (˚C) Wassergehalt der Luft (gW/kgL)
125
Gebäudetechnik

Filterstufen in der Aussen- und in der


Fortluft so wählen, dass eine sinnvolle In-
standhaltung möglich ist, d.h. möglichst
gleiche Filter.
Leerteile für die Wartung und Reinigung
vorsehen.
Defroster prüfen mit Meteodaten bzw.
Erdluftansaug vorsehen.
Plattenwärmetauscher Dichtheit definie-
ren.
Allenfalls angemessene Gebäudeauto-
mation.

Einsatz
Administrations- und Dienstleistungs-
bauten
Spitäler (Bettenzimmer, Behandlungs-
räume, etc.)
Produktionsbetriebe mit entsprechenden
Produkten

Nach SIA 382/1


Quelle Aussenluft Klassierung der
Aussen-, Fort- und
Abluft
Umwandlung Lüftungsanlage mit:
ZUL- und ABL-Ventilator
WRG respektive Abwärmenutzung
(AWN)
Filtern der Zuluft
Heizen
Befeuchten

Speicherung Entsprechend den bauphysikalischen Ge-


gebenheiten und Konstruktionen im
Baukörper selbst.

Verteilung Luftleitungen:
Einkanalsystem mit konstantem oder va-
riablem Volumenstrom

Raum Lufteinbringung: Klassierung der


Komfortbereich oft nach dem Quellluft- Raumluft bzw.
Tabelle 65:
prinzip Zuluft
Spezifikationen zur
Produktionsbetriebe: Oft Mischlüftung
Lüftungsanlage mit
um den ganzen Raum gleichmässig zu
Lufterwärmung und
konditionieren.
Luftbefeuchtung.
126
Lufterneuerung

Einfache Klimaanlage Systeme) oder es wird direkt mit einem


Klimaanlage mit Luftbefeuchtung Dampfbefeuchter befeuchtet.
(mit Wärmerad)
Besonders zu beachten
Aufgabe: Gebäude in denen der Luft- Wasserqualität für die Luftbefeuchtung
austausch mit zusätzlicher gezielter Küh- Kondenswasser-Siphon mit Nachfüllde-
lung und mit Luftbefeuchtung erfolgen ckel versehen (Kontrolle austrocknen des
soll, werden mit einer einfachen Klimaan- Siphon)
lage mit Lufterwärmung, Luftkühlung und Hydraulische Schaltung mit Einspritz-
Luftbefeuchtung ausgerüstet. schaltung mit Durchgangsventil am Luft-
Die Luftzuführung in die Räume erfolgt oft kühler
mit Mischluftauslässen oder vorzugsweise Hydraulische Schaltung mit Einspritz-
mit Quelllüftung. Oft werden solche Anla- schaltung mit Durchgangsventil am Lufter-
gen auch in Kombination mit Kühldecken- wärmer
systemen gebaut. Filterstufen in der Aussen- und in der
Fortluft so wählen, dass eine sinnvolle In-
Betriebsstufen: Dieser Anlagetyp wird in standhaltung möglich ist, d.h. möglichst
der Regel drehzahlreguliert betrieben, ent- gleiche Filter.
sprechend dem tatsächlichen Bedarf (dreh- Leerteile für die Wartung und Reinigung
zahlreguliert oder auch Stufe 0 – I – II - III). vorsehen.
Defroster prüfen mit Meteodaten.
Sollwertregelung: Die Anlage wird ent- Pumpenkaltwassertemperaturen der Ent-
sprechend den definierten Regelparame- feuchtung entsprechend wählen (z. B. 10°/
ter betrieben. Dies können sowohl defi- 16 °C).
nierte Raumtemperaturen, Betriebszeiten, Anordnung der Ventilatoren beachten in
Anwesenheitskriterien (Bewegungsmelder Bezug auf die Druckverhältnisse an der
etc.) respektive Kriterien wie eine zu hohe WRG und deren Leckluftrate (Undichtheit
CO2- (VOC-) Konzentration oder zu tiefe des Systems).
Raumluftfeuchtewerten (Raum «ausspü- Sinnvolle und angemessene Gebäudeau-
len) sein. tomation
AUL wird durch die erste Filterstufe über
die WRG geführt. Nach der Luftaufberei- Einsatz
tung wird sie mittels Ventilator über die Administrations- und Dienstleistungs-
zweite Filterstufe dem Raum zugeführt. bauten
Die heute sehr guten WRG-Systeme erlau- Spitäler
ben eine Rückwärmezahl von normaler- Produktionsbetriebe mit entsprechend
weise über 80 %. Die ZUL wird über die sensiblen Produkten
WRG-Rotorumlaufgeschwindigkeit gere-
gelt. Die Luftnacherwärmung wird in Se-
quenz zur WRG zu- oder weggeschaltet.
Die Regulierung erfolgt über das Regel-
ventil des Lufterwärmers im Heizungs-
kreislauf. Die Luftbefeuchtung wird im
Winter auf maximal 5 Gramm Wasser pro
Kilogramm Luft dimensioniert. Eine ge-
zielte Entfeuchtung ist nicht vorgesehen.
Die Kaltwassertemperaturen sollen über
14 °C betragen (Energieeffizienz, siehe
dazu SIA 382/1).

Die Verdampfungsenergie wird je nach


Prinzip der Luft entzogen (adiabatische
127
Gebäudetechnik

Abbildung 142: Klimaanlage mit


M
Luftbefeuchtung und Luftentfeuchtung

FOL M6 ABL
Abbildung 143: Ventilstellung bzw. Wär-
LT LT LT
+ meradgeschwindigkeit in Abhängigkeit
AUL M6 F9 ZUL der Lufterwärmung, -kühlung und des Be-
LT LT LT − feuchters (oben) sowie Zulufttemperatur in
M Abhängigkeit der Aussenlufttemperatur
M
bzw. Raumtemperatur

Ventilstellung (y) Ventilstellung (y)

Raumtemperatur a,i

Lufter- WRG Luftkühler


wärmer
Befeuchter

e x
Aussenlufttemperatur (˚C) Wassergehalt der Luft (gW/kgL)

Zulufttemperatur sup (˚C)

max sup, max Zulufttemperatur max

a,i,set Raumtemperatur Soll-Wert

min qv sup Zuluftvolumenstrom min

e
Aussenlufttemperatur (˚C)
128
Lufterneuerung

Nach SIA 382/1


Quelle Aussenluft Klassierung der
Aussen-, Fort- und
Abluft
Umwandlung Klimaanlage mit:
ZUL- und ABL-Ventilator
WRG respektive Abwärmenutzung (AWN)
Filtern der Zuluft
Heizen
Kühlen
Befeuchten (bei Anlage mit Luftbefeuchtung)
Entfeuchten, abhängig von der PKW-Temperatur (PKW: Pum-
penkaltwasser)

Speicherung Entsprechend den bauphysikalischen Gegebenheiten und Kons-


truktionen im Baukörper selbst.

Verteilung Luftleitungen:
Einkanalsystem mit konstantem oder variablem Volumenstrom
Zweikanalanlagen mit konstantem oder variablem Volumen-
strom (meist Bestandsanlagen) und differenziert nach Hoch-
druck oder Niederdruckanlagen.
Ältere Bestandsanlagen mit Luft-Wasser-Systemen, zum Teil äl-
ter als 30 Jahre

Raum Lufteinbringung: Klassierung der


Komfortbereich oft nach dem Quellluftprinzip Raumluft bzw.
Produktionsbetriebe: Oft Mischlüftung, um den ganzen Raum Zuluft
gleichmässig zu konditionieren.
Reinräume oft nach dem Turbulenzarmen Verdrängungsprinzip
(Laminar-Flow)
Induktionsgeräte mit respektive ohne variablem Luftvolumen-
strom, passend zu den Luft-Wasser-Systemen

Bemerkungen Klimatisierung bedeutet auch immer eine sorgfältige Prüfung,


ob mit Wassersystemen Kühlleistung erbracht werden kann –
energetische Optimierung mit z. B. Bauteilkühlung, Kühldecken-
systemen, etc.
Zweikanalanlage: Die Zuluft wird mit zwei Kanälen geführt –
mit einem Warmluftkanal (ca. 28 °C) und einem Kaltluftkanal
(ca. 16 °C). Vor jeder Zone respektive Büro wird über eine
Mischbox die im Raum gewünschte individuelle Temperatur ein-
gestellt und an den Raum abgegeben. Solche energieintensive
und technisch aufwändige Anlagen werden heute im Komfort-
bereich nicht mehr gebaut.
Tabelle 66:
Die Ventilatoranordnung hat einen massgebenden Einfluss auf
Spezifikationen zur
die Leckage (Übertragung von Abluft auf die Zuluft) und muss
einfachen Klima-
je nach Verwendungszweck sorgfältig geplant werden.
anlage.
129
Gebäudetechnik

Klimaanlage mit Luftbefeuchtung Die Verdampfungsenergie wird je nach


und Luftentfeuchtung (mit Kreislauf- Prinzip der Luft entzogen (adiabatische
verbund Wärmerückgewinnung) Systeme) oder es wird direkt mit einem
Dampfbefeuchter gearbeitet.
Aufgabe: Gebäude in denen der Luftaus-
tausch mit zusätzlicher Kühlung und Besonders zu beachten
Raumluftfeuchtekontrolle erfolgen soll, Wasserqualität für die Luftbefeuchtung
werden mit einer Klimaanlage mit Luftbe- Kondenswasser-Siphon mit Nachfüllde-
feuchtung und Luftentfeuchtung ausge- ckel versehen (Kontrolle, ob Siphon aus-
rüstet. trocknet).
Die Luftzuführung in die Räume erfolgt oft Hydraulische Schaltung mit Einspritz-
mit Mischluftauslässen oder vorzugsweise schaltung mit Durchgangsventil am Luft-
mit Quelllüftung. Oft werden solche Anla- kühler
gen auch in Kombination mit Kühldecken- Hydraulische Schaltung mit Einspritz-
systemen gebaut. schaltung mit Durchgangsventil am Lufter-
wärmer
Betriebsstufen: Dieser Anlagetyp wird in Filterstufen in der Aussen- und in der
der Regel drehzahlreguliert betrieben, ent- Fortluft so wählen, dass eine sinnvolle In-
sprechend dem tatsächlichen Bedarf. standhaltung möglich ist, d.h. möglichst
gleiche Filter.
Sollwertregelung: Die Anlage wird ent- Leerteile für die Wartung und Reinigung
sprechend den definierten Regelparame- vorsehen.
ter betrieben. Dies können sowohl defi- Defroster prüfen mit Meteodaten.
nierte Raumtemperaturen, Raumluft- Pumpenwahl beachten – nicht alle Pum-
feuchtigkeit, Betriebszeiten, Anwesen- pen sind für die Gemische von Glykol und
heitskriterien (Bewegungsmelder etc.) res- Wasser geeignet.
pektive Kriterien wie eine zu hohe CO2- Pumpenkaltwassertemperaturen der
(VOC-) Konzentration. Entfeuchtung entsprechend wählen (z. B.
Die AUL wird durch den Luftvorwärmer 6°/12 ° C).
der WRG («Defroster») und die erste Filter- Sinnvolle und angemessene Gebäudeau-
stufe über die WRG geführt. Nach der tomation
Luftaufbereitung wird die Zuluft mittels
Ventilator über die zweite Filterstufe und Einsatz
Luftnachbehandlung dem Raum zuge- Administrations- und Dienstleistungs-
führt. Die heute sehr guten WRG-Systeme bauten
erlauben eine Rückwärmezahl von über Spitäler
80 %. Die ZUL wird über das KVS-WRG- Produktionsbetriebe mit entsprechend
Regelventil geregelt. Die Luftnacherwär- sensiblen Produkten
mung wird in Sequenz zur WRG zu- oder
weggeschaltet. Die Regulierung erfolgt
über das Regelventil des Lufterwärmers im
Heizungskreislauf. Die Luftbefeuchtung
wird im Winter auf maximal 5 Gramm, die
Luftentfeuchtung im Sommer auf 13,5
Gramm Wasser pro Kilogramm Luft di-
mensioniert. Um eine gezielte Entfeuch-
tung zu erreichen, soll die Kaltwassertem-
peratur rund 6 °C betragen (SIA 382/1). Es
ist unumgänglich nach der gezielten Ent-
feuchtung die Luft nachzuwärmen – oft
kann dies mit Abwärme der Kältemaschine
realisiert werden.
130
Lufterneuerung

Nach SIA 382/1


Quelle Aussenluft Klassierung der
Aussen-, Fort- und
Abluft
Umwandlung Klimaanlage mit:
ZUL- und ABL-Ventilator
WRG respektive Abwärmenutzung (AWN)
Filtern der Zuluft
Heizen
Kühlen
Befeuchten
Entfeuchten

Speicherung Entsprechend den bauphysikalischen Gegebenheiten und


Konstruktionen im Baukörper selbst

Verteilung Luftleitungen:
Einkanalsystem mit konstantem oder variablem Volumenstrom
Zweikanalanlagen mit konstantem oder variablem Volumen-
strom (meist Bestandsanlagen) und differenziert nach Hoch-
druck oder Niederdruckanlagen
Ältere Bestandsanlagen mit Luft-Wasser-Systemen, zum Teil
älter als 30 Jahre

Raum Lufteinbringung: Klassierung der


Komfortbereich oft nach dem Quellluftprinzip Raumluft
Produktionsbetriebe: Oft Mischlüftung, um den ganzen Raum
gleichmässig zu konditionieren.
Reinräume, oft nach dem turbulenzarmen Verdrängungsprinzip
(Laminar-Flow)
Induktionsgeräte mit respektive ohne variablem Luftvolumen-
strom passend zu den Luft-Wasser-Systemen

Bemerkungen Klimatisierung bedeutet auch immer eine sorgfältige Prüfung,


ob mit Wassersystemen Kühlleistung erbracht werden kann –
energetische Optimierung mit z. B. Bauteilkühlung, Kühldecken-
systemen, etc.
Zweikanalanlage: Die Zuluft wird mit zwei Kanälen geführt –
mit einem Warmluftkanal (ca. 28 °C) und einem Kaltluftkanal
Tabelle 67: (ca. 16 °C). Vor jeder Zone oder Büro wird über eine Mischbox
Spezifikationen zur die im Raum gewünschte individuelle Temperatur eingestellt
Klimaanlage mit und an den Raum abgegeben. Solche energieintensive und
Luftbefeuchtung technisch aufwändige Anlagen werden heute im Komfortbe-
und Luftentfeuch- reich nicht mehr gebaut.
tung.
131
Gebäudetechnik

Abbildung 144: Klimaanlage mit Luftbe-


− feuchtung und Luftentfeuchtung
FOL M6 ABL
LT + LT Abbildung 145: Ventilstellung in
M Abhängigkeit der Lufterwärmung, -küh-
M
lung und des Befeuchters (oben) sowie Zu-
M
lufttemperatur in Abhängigkeit der Au-
+ + −
+ ssenlufttemperatur bzw. Raumtemperatur
AUL M6 F9 ZUL
LT − − LT LT

Ventilstellung (y) Ventilstellung (y)

Raumtemperatur a,i
Lufter- WRG Luft- Lufter-
wärmer kühler wärmer Befeuchter
(AWN)

e x
Aussenlufttemperatur (˚C) Wassergehalt der Luft (gW/kgL)

Zulufttemperatur sup

max sup, max Zulufttemperatur max

a,i,set Raumtemperatur Soll-Wert

min qv supZuluftvolumenstrom min

e
Aussenlufttemperatur (˚C)
132
Lufterneuerung

4.2 Systemwahl gleiches Innenklima


gleiche Nutzung
Die Systemwahl erfolgt durch eine sorgfäl- gleiche Aussenkühllast
tige Bedarfsabklärung mit nachfolgender gleiche Luftreinheitsanforderungen
Bedarfsminimierung. Lüftungs- und Klima- gleiche Sicherheitsanforderungen
anlagen werden angemessen automati-
siert und vom tatsächlichen Bedarf abhän- Flexibilität und zukünftige Entwick-
gig geregelt. Dabei ist ein besonderes Au- lung
genmerk auf eine integrale Betrachtung Die Nutzungsänderungen betreffen oft:
zu legen. WRG, AWN, minimale Luftmen- innere Abwärme durch Maschinen und
gen, Regelungen mit Und-oder-Funktio- Geräte
nen in Bezug auf Kriterien wie CO2, Personenbelegung
Feuchte, Stoff-MAK-Werte können für Luftreinheitsanforderungen
den optimalen Betrieb herangezogen wer- andere Nutzugsbeschränkungen
den. Die Wahl der Flexibilitätsstrategie erfolgt
in Absprache zwischen Planungsteam und
Vorgabe Bauherrschaft.
Architektonisches Konzept mit Raumpro-
gramm Wahl der Lufteinführung
Grenzen in Bezug auf die abzuführende
Anforderungen an die Räume fest- Kühllast beachten.
legen Anforderungen an die Luftreinheit
Nutzung Nutzungsflexibilität
Belegungszeiten Komfort
Anzahl Personen
interne Lasten Wahl des Lüftungs-Klimasystems
Schadstoffquellen inkl. Regelung
Lärmpegel funktionelle Kriterien (z. B. Lastschwan-
Innenklima kungen)
Raumluftkonditionen mit Extremwerten technische Kriterien (z. B. Platzbedarf)
und Toleranzgrenzen finanzielle Kriterien (z. B. Investitionskos-
Häufigkeit der Überschreitung der Raum- ten, Energiekosten, Unterhaltskosten)
lufttemperatur im Sommer
mininmaler Aussenluftvolumenstrom Wahl des Wärmerückgewinnungs-
maximaler Luftgeschwindigkeit im Raum systems
Anforderungen an Luftqualität (MAK-
Werte, Staub, Keime) Wahl des Messkonzeptes
Sicherheitsanforderrungen (z. B. definier-
ter Overflow für Operationssaal)
Andere Kriterien
Beleuchtung
Tageslichtnutzung
Sonnenschutz
Aussenlärm
Nutzungsbeschränkung (Wand, Boden,
Decke, Geräte)
dynamisches Verhalten des Gebäudes

Bildung der Zonen


Räume können zu Zonen zusammenge-
fasst werden.
funktionelle Abhängigkeit
133
Gebäudetechnik

4.3 Wärmerückgewinnung Platten- und Rohr-Wärmeübertrager


Kreislaufverbundsysteme (Wasser-Glykol-
Die WRG entnimmt der Fortluft Wärme- Systeme)
energie und führt diese der zu erwärmen- Heat Pipe (Wärmerohr)
den (kühlen) Aussenluft zu. Ein Prozess- Wärmepumpe
vorgang, welcher in einer Lüftungsanlage
stattfindet. Die anfallende Wärme kann WRG-Systeme mit Speichermasse wer-
sofort wieder verwendet werden. den auch als regenerative WRG-Systeme
bezeichnet. Sie übertragen fühlbare und
Die AWN führt der Aussenluft Wärme- latente Wärme. Damit die latente Wärme
respektive Kälteenergie zu, ein entspre- übertragen werden kann, muss die Spei-
chend prozessübergreifender Vorgang. Oft chermasse entsprechend konfiguriert sein.
wird es bei der AWN nötig, technische Zwi- Regenerativ-Wärmeübertrager (rotieren-
schenspeicher zu schaffen, da die Nutzung des Wärmerad)
nicht unmittelbar erfolgt. Ein klassisches
Beispiel ist die Abwärme einer gewerbli- Dichtheit von Systemen
chen Kältemaschine. Diese Wärme wird in Ein System darf im Maximum 3 % Umluft
einem technischen Speicher eingelagert, beinhalten, damit es als dicht gilt. Jedoch
um danach wieder verwendet zu werden. auch diese Limite kann ungenügend sein,
wenn es sich um RLT-Anlagen handelt, die
Anmerkung: Die Wärmepumpe kann so- mit stark kontaminierter Luft arbeiten.
wohl für WRG- als auch für AWN-Funktio-
nen eingesetzt werden. Umluft gilt nicht Klassierung der Zuluft (ZUL)
als WRG. Kategorie nach EN 13779. Beschreibung.
ZUL 1: Die Zuluft enthält mindestens 97 %
WRG-Systeme mit Austauschflächen Aussenluft. ZUL 2: Die Zuluft enthält
werden auch als rekuperative WRG- Aussenluft und einen Umluftanteil von Tabelle 68: Die
gebräuchlichen
Systeme bezeichnet. Sie übertragen über 3 %.
WRG-Systeme in
vorwiegend fühlbare Wärme.
Komfortanlagen

Plattenwärmeübertrager Regenerativ-Wärme- Kreislaufverbundsystem Wärmepumpe


tauscher (Wärmerad)

Üblicher Einsatz Üblicher Einsatz Üblicher Einsatz Üblicher Einsatz


bis ca. 5 000 m3/h bis ca. 10 000 m3/h unbegrenzt unbegrenzt

Mit und ohne Feuchterück- Mit und ohne Feuchterück- Ohne Feuchterückgewinnung Ohne Feuchterückgewinnung
gewinnung möglich gewinnung möglich

Filterschutz mit WRG nicht Filterschutz mit WRG nicht Filterschutz direkt möglich; Filterschutz direkt möglich;
direkt möglich; Erdluft- direkt möglich; Erdluft- Defrosterschaltung Wärmeübertrager vor den
Wärmeübertrager prüfen Wärmeübertrager prüfen ersten Filter
Undicht gegenüber AUL und Undicht gegenüber AUL und Dicht gegenüber AUL und ZUL Dicht gegenüber AUL und ZUL
ZUL, sofern der Wärmeüber- ZUL
trager nicht «dicht» bestellt
wird.
Platzierung der Ventilatoren Platzierung der Ventilatoren Platzierung der Ventilatoren Platzierung der Ventilatoren
beachten, wegen Leckluftrate beachten, wegen Leckluftrate hat in Bezug auf die Leckluft- hat in Bezug auf die Leckluft-
Undichtheit Undichtheit rate WRG keinen Einfluss. rate WRG keinen Einfluss.
Ortsfest: ZUL- und ABL-Gerät Ortsfest: ZUL- und ABL-Gerät Ortsunabhängig: ZUL- und Ortsunabhängig: ZUL- und
stehen übereinander. stehen übereinander. ABL-Gerät werden mit dem ABL-Gerät werden mit dem
Kreislaufverbund zusammen- Kreislaufverbund zusammen-
geführt. geführt.
134
Lufterneuerung

4.4 Luftförderung und Teillastbetrieb die Wirkungsgrade deutlich


Luftbehandlung tiefer liegen.

Wirkungsgrad von Ventilatoren Spezifische Ventilatorleistung


Die Beurteilung der Gesamtwirkungs- Die spezifische Ventilatorleistung von Zu-
grade der Ventilatoren stützt sich auf die und Abluftventilatoren muss die Anforde-
europäischen Vorschriften, welche von der rungen gemäss Tabelle 69 erfüllen. Für all-
EU auf der Basis der Directive 2009/125/EC fällige separate Umluftventilatoren gelten
vom 21. Oktober 2009 für Ventilatoren mit SFP 1 bis SFP 2.
einer elektrischen Aufnahmeleistung der SFP steht für Spezifische Ventilatorleistung
Motoren von 125 W bis 500 kW erlassen (specific fan power).
worden sind.
Für Anlagen im Anwendungsbereich die- Filterung der Luft
ser Richtlinie sind ausschliesslich Axial- oder Mit der Filtrierung der Aussenluft soll die
Radialventilatoren einzusetzen, welche die Staub- und Schadstoffbelastung der Zu-
ab 2015 geltenden Effizienzanforderungen
der EU erfüllen (second tier). Der Einsatz von Kategorie PSFP PSFP
Querstromgebläsen (crossflow fans) ist auch W/m3/s W/m3/h
bei Einhaltung der genannten Anforderun- SFP 1 + < 300 < 0,083
gen nur mit spezieller Begründung zulässig. SFP 1 300 - 500 0,083 – 0,14
Den Einbaubedingungen und dem Teil- SFP 2 500 – 750 0,14 – 0,20
lastbetrieb der Ventilatoren ist besondere SFP 3 750 – 1 250 0,20 – 0,35
Aufmerksamkeit zu schenken. Die Ausle- SFP 4 1 250 – 2 000 0,35 – 0,56
gung soll so erfolgen, dass im ganzen An-
SFP 5 * 2 000 - 3 000 0,56 - 0,83
Tabelle 69: wendungsbereich ein möglichst guter Wir-
SFP 6 * 3 000 - 4 500 0,83 - 1,25
Effizienz- kungsgrad erzielt wird.
anforderungen an SFP 7 * > 4 500 > 1,25
Für energetische Betrachtungen ist der
Ventilatoren nach energiegewichtete mittlere Wirkungsgrad * Die Kategorien SFP 5, SFP 6 und SFP 7 werden in der Norm
Kategorien geord- SIA 382/1 nicht verwendet.
unter den tatsachlichen Betriebsbedingun-
net. Quelle: SIA SPF: Spezifische Ventilatorleistung
gen massgebend. Zu beachten ist, dass im
382/1

Anlagetyp SFP-Kategorie

Zuluftventilator Abluftventilator

Grenzwert Zielwert Grenzwert Zielwert

Einfache Zuluftanlage SFP 1 SFP 1+ - -


Zuluftanlage mit Lufterwärmung, SFP 1 SFP 1+ - -
Umluftkühlgerät
Einfache Abluftanlage - - SFP 1 SFP 1+
Abluftanlage mit Abwärmenutzung - - SFP 1 SFP 1+

Einfache Lüftungsanlage SFP 1 SFP 1+ SFP 1 SFP 1+


Lüftungsanlage mit Lufterwärmung SFP 2 SFP 1 SFP 1 SFP 1+
Lüftungsanlage mit Lufterwärmung und SFP 2 SFP 1 SFP 1 SFP 1+
Luftbefeuchtung
Tabelle 70:
Zuordnung von Einfache Klimaanlage SFP 3 SFP 2 SFP 2 SFP 1
Kategorien der Klimaanlage mit Luftbefeuchtung SFP 3 SFP 2 SFP 2 SFP 1
spezifischen Venti- Klimaanlage mit Luftbefeuchtung und SFP 3 SFP 2 SFP 2 SFP 1
latorleistung zur Luftentfeuchtung
Anlage-Typologie.
Quelle: SIA 382/1
SFP: Spezifische Ventilatorleistung
135
Gebäudetechnik

und Raumluft auf das gewünschte Mass gestrebter Raumluftqualität Filterklassen


reduziert werden. Gleichzeitig werden das pro Filterstufe gemäss Tabelle 72 und Ta-
Kanalnetz und die Komponenten vor Ver- belle 74 empfohlen.
unreinigungen geschützt. Ohne besondere Vereinbarung gelten
Die Wahl der Filtrierung ist der jeweili- bei allen Lüftungs- und Klimaanlagen die
gen Situation anzupassen und soll die Anforderungen für RAL 3.
Betriebszeiten der Anlage, die Belastung Bei Anlagen mit einer Filterstufe sind die
der Aussenluft mit Staub und anderen Filter vor der WRG anzuordnen. Dabei ist
Luftverunreinigungen sowie die Anfor- ein Ventilatorantrieb ohne Abrieb einzuset-
derungen an die Luftqualität im Raum zen (Direktantrieb oder Flachriemen) und
berücksichtigen. es ist besonders darauf zu achten, dass die
Bei Lüftungs- und Klimaanlagen für Filter trocken bleiben. Bei Anlagen mit zwei
Wohn- und Büroräume werden je nach Ka- oder mehr Filterstufen ist die erste Filter-
tegorie der Aussenluft und angestrebter stufe vor, die weiteren Filterstufen nach der
Raumluftqualität entsprechende Filterstu- Luftaufbereitung anzuordnen.
fen empfohlen. Mit geeigneten Massnahmen wie Vor-
wärmer, genügend Kanallänge, Luft-Erd-
Filterung der Aussenluft respektive Register, usw. ist sicherzustellen, dass die
der Zuluft relative Feuchte der Aussenluft vor der ers-
Alle Zuluftanlagen, Lüftungsanlagen und ten Filterstufe in der Regel unter 80 %
Klimaanlagen müssen mit einer Filterung bleibt.
der Aussenluft ausgerüstet werden. Mit
der Filterung soll die Staub- und Schad- Empfehlungen zur Tabelle 72
stoffbelastung der Zu- und Raumluft auf Die Tabelle 72 (SIA 382/1) entspricht der
das gewünschte Mass reduziert werden. Konsenslösung der europäischen EN
Gleichzeitig werden das Luftkanalnetz und 13779-Kommission. Da diese Tabelle nicht
die Komponenten vor Verunreinigungen der schweizerischen Praxis entspricht und
geschützt. zum Teil unlogisch aufgebaut ist, wird nach
Bei Lüftungs- und Klimaanlagen werden einer praxistauglichen nationalen Lösung
je nach Kategorie der Aussenluft und an- gesucht. Im Wesentlichen soll für RLT-Anla-

Anlagetyp Spezifische Ventilatorleistung in W pro m3/h

Zuluftventilator Abluftventilator

Alle Werte in W/m3/h Grenzwert Zielwert Grenzwert Zielwert

Einfache Zuluftanlage 0,14 0,083 - -


Zuluftanlage mit Lufterwärmung, 0,14 0,083 - -
Umluftkühlgerät
Einfache Abluftanlage - - 0,14 0,083
Abluftanlage mit Abwärmenutzung - - 0,14 0,083

Einfache Lüftungsanlage 0,14 0,083 0,14 0,083


Lüftungsanlage mit Lufterwärmung 0,20 0,14 0,14 0,083
Lüftungsanlage mit Lufterwärmung und 0,20 0,14 0,14 0,083
Luftbefeuchtung

Einfache Klimaanlage 0,35 0,20 0,20 0,14 Tabelle 71:


Klimaanlage mit Luftbefeuchtung 0,35 0,20 0,20 0,14 Spezifische Leistung
Klimaanlage mit Luftbefeuchtung und 0,35 0,20 0,20 0,14 von Ventilatoren
Luftentfeuchtung für normale Anla-
gen in W/m3/h.
SFP: Spezifische Ventilatorleistung Quelle: SIA 382/1
136
Lufterneuerung

gen im Komfortbereich folgendes gelten: der Abluft vor Verunreinigungen geschützt


Jede Anlage hat in der Zuluft mindestens werden. Ob dies erforderlich ist, muss ob-
einen F7 Filter. Besondere Beachtung ist jektbezogen beurteilt werden. Wenn eine
der Trockenhaltung der Filter und der Zu- Filterung der Abluft ausgeführt wird, soll
luftbelastung durch Keilriemenabrieb zu diese mindestens mit einem Filter der
schenken. Klasse M5 erfolgen.
Bei zweistufiger Filtrierung ist der Haupt- Bei einer Umluftbeimischung muss diese
filter somit mindestens der Klasse F7 ent- zum Schutz des Systems mindestens mit
spreched und der zugehörige Vorfilter der einem Filter der Klasse M5 versehen wer-
Filterklasse M5. den. Anzustreben ist, dass die Filter der
Bei Anlagen mit speziellen Anforderun- Umluft die gleiche Qualität haben wie die
gen an Mensch oder Produkt ist die Luftfil- Filter im entsprechenden Hauptstrom.
trierung gezielt festzulegen. So können Bei störenden oder schädlichen Emissio-
z. B. gasförmige Verunreinigungen in allen nen muss die Abluft bzw. Fortluft so weit
AUL Kategorien vorhanden sein entspre- gereinigt werden, dass ein Ausstoss in die
chend muss ein Molekularfilter gezielt, wo Atmosphäre zulässig ist. Die Anforderun-
erforderlich, eingesetzt werden. Der Mole- gen sind in der LRV festgelegt (LRV: Luft-
kularfilter hat auch immer einen Vorfilter. reinhalte-Verordnung).
Fetthaltige Abluft muss mit gut zugäng-
Filterung der Abluft respektive der lichen und einfach zu pflegenden Fettfil-
Fortluft tern gereinigt werden.
Mit einer Filterung der Abluft können
das Luftkanalnetz und die Komponenten in

Kategorie der Aussenluft Filterklassen pro Filterstufe


je nach Kategorie der Raumluft

RAL 1 RAL 2 RAL 3 RAL 4

AUL 1 (sauber) F9 F8 F7 M5
Tabelle 72: Empfoh-
lene Filterklassen in AUL 2 (hohe Konzentrationen) F7 + F9 M5 + F8 M5 + F7 M5 + M6
Abhängigkeit der
geforderten Raum- AUL 3 (sehr hohe Konzentrationen) F7 + GF* + F9 F7 + GF* + F9 M5 + F7 M5 + M6
luftqualität. Quelle
SIA 382/1 *GF = Gasfilter (Molekularfilter, Aktivkohle) respektive chemischer Filter

Die ZUL 1 bis ZUL 4 wird ensprechend der VDI 6022 Blatt 3; 2011, Tabelle 6, Zuluftqualitäten
in Ergänzung, definiert:
ZUL 1 hoch Räume, die von Personen mit Intensiv- und Pflegeräume mit erhöhten
erhöhtem Gesundheitsrisiko Anforderungen
genutzt werden
ZUL 2 mittel Räume für dauerhaften Aufent- Räume in Seniorenhäusern oder Kinder-
halt von Personen gärten, Klassen-, Büro-, Wohn-, Hotel-,
Speise-, Umkleide- und Versammlungs-
räume, Schwimmbäder, Saunen
ZUL 3 mässig Räume für zeitlich reduzierten Flure, Wasch-, Kopier-, Server- und Lager-
Aufenthalt von Personen räume mit geringer Belastung, Wäschereien

Tabelle 73: ZUL 4 niedrig Räume für stark reduzierte Treppenhäuser, Lagerräume, Toilettenräume
ZUL-Definitionen Aufenthaltszeiten
nach VDI 6022
(Zul 5 ist nicht definiert.)
Blatt 3
137
Gebäudetechnik

Luftbefeuchtung: Dimensionierung lativen Raumluftfeuchte von 30 %) und


und Systeme 13,5 g/kg (obere Grenze im Sommerbe-
SIA 382/1 definiert die Luftfeuchtewerte in trieb; bei einer Raumlufttemperatur von
mechanisch belüfteten Räumen mit Klima- 26,5 °C entspricht dies einer relativen
anlagen wie folgt: Innerhalb des typischen Raumluftfeuchte von 60 %).
Bereiches der Raumlufttemperatur von
21 °C bis 26,5 °C spielt die Verdunstung Dimensionierungswerte Befeuchtung
bei der Temperaturkontrolle des menschli- für übliche Komfortanlagen: Die Grenz-
chen Körpers eine untergeordnete Rolle. werte der relativen Luftfeuchte (r. F. in %)
Entsprechend erstreckt sich der Behaglich- im Raum sind:
keitsbereich für die absolute Raumluft- Sommer
feuchte bei Wohn- und Büronutzungen 70 % relative Feuchte bei 22 °C bis 28 °C
auf Werte zwischen 5 g/kg (untere Grenze Winter
im Winterbetrieb; bei einer Raumlufttem- 30 % relative Feuchte bei 19 °C bis 24 °C
peratur von 21 °C entspricht dies einer re-

Kategorie Beschreibung Beispiele

RAL 1 Raumluft mit hoher Luftqualität

Luft in Räumen mit besonderen Anfor- Labor- und Produktionsräume für


derungen an den Gehalt von Fremd- und empfindliche Arbeiten bzw. Güter.
Geruchsstoffen in der Raumluft.
RAL 2 Raumluft mit mittlerer Luftqualität

Luft in Räumen, die dem Aufenthalt von Räume mit speziellen Ansprüchen an
Personen dienen und bei denen erhöhte Gerüche, insbesondere für eintretende Per-
Ansprüche gestellt werden; CO2-Pegel sonen.
< 950 ppm*, Luftrate > 36 m3/h·Person.

RAL 3 Raumluft mit mässiger Luftqualität

Luft in Räumen, die dem Aufenthalt von Typische Wohn- und Büroräume
Personen dienen; CO2-Pegel 950 bis 1300
ppm*, Luftrate 22 bis 36 m3/h·Person.
RAL 4 Raumluft mit niedriger Luftqualität

Luft in Räumen, in denen sich nur selten Lagerräume, Korridore; alle Räume, in
oder keine Personen aufhalten sowie Luft in denen geraucht wird.
Räumen, in denen geraucht wird. Tabelle 74: Katego-
* Die angegebenen CO2-Pegel gelten für einen CO2-Gehalt der Aussenluft von 400 ppm und eine rien der Raumluft-
CO2-Emission pro Person von 20 l/h. qualität (RAL).
Quelle: SIA 382/1

Auslegungswert der Auslegungswert der


relativen Feuchte relativen Feuchte
Art des Gebäudes bzw. Raums Kategorie
für Entfeuchtung für Befeuchtung
% %

Räume, in denen die Feuchte- I 50 30


kriterien durch die Belegung durch Tabelle 75: Werte
II 60 25
Personen bestimmt werden. Beson- zur Auslegung von
dere Räume (Museen, Kirchen, usw.) III 80 20 Anlagen zur Ent-
können andere Grenzen erfordern. feuchtung respek-
IV > 70 < 20
tive Befeuchtung
138
Lufterneuerung

Empfohlene Kriterien für die Dimensio- ganz fein in den Luftstrom ein. Diese Sys-
nierung von Be- und Entfeuchtung teme erreichen heute einen Hygienestan-
nach SN-EN 15251: Bei Einsatz von Anla- dard wie ein Dampfbefeuchter.
gen zur Be- oder Entfeuchtung werden die
in Tabelle 75 dokumentierten Werte als Ultraschallbefeuchter
Auslegungswerte unter Auslegungsbe- Der Ultraschallbefeuchter zerstäubt das
dingungen empfohlen. Üblicherweise ist Reinwasser auf einer Membrane im Be-
Be- oder Entfeuchtung nur in besonderen reich der Ultraschallfrequenz von über 20
Gebäuden wie Museen, Gesundheitsein- kHz. Hygienisch sind diese Systeme ge-
richtungen und Papierindustrie erforderlich. prüft und bekommen ein gutes Zeugnis.
Darüber hinaus wird eine Begrenzung der
absoluten Feuchte auf 12 g / kg empfohlen. Der Luftwäscher als eines der ältesten
Achtung: Befeuchten ist mit einem adiabatischen Systeme kommt selten zum
grossen Energieaufwand verbunden. Einsatz, da dies hygienische Probleme
nach sich ziehen kann. Neuere Untersu-
Befeuchtungssysteme chungen zeigen, dass dies bei korrekter
Der Dampfbefeuchter ist bis heute das Anwendung aber nicht der Fall ist.
meistverwendete Befeuchtungssystem im
Bereich der hygienisch anspruchsvollen Strömungsgeschwindigkeiten in
Anlagen (z. B. Spital). Es wird Reinwasser Lüftungsgeräten und Luftverteilungs-
verwendet, das in der Regel mit einem systemen
Druck von 0,5 bar bis 4,0 bar zerstäubt Bei Einhaltung der Richtwerte für die ma-
wird. Die Energiezufuhr erfolgt über das ximalen Strömungsgeschwindigkeiten er-
Dampfsystem selbst. füllen die resultierenden Druckdifferenzen
im Allgemeinen die Anforderungen. Ent-
Der Kaltdampfzerstäuber bringt das sprechende Werte werden auch in Vor-
Reinwasser unter 80 bar bis 120 bar Druck schriften von Kantonen gefordert und

Smog/Rauch/Dunst Nebel/ Staub Regen


Luftinhaltsstoffe

Ölnebel Flugasche
Tabakrauch Asche
Metalische Räuche Metallische Stäube
Art der

Russ Zementstaub
Lungengängiger Staub Pflanzensporen
Gasmoleküle Pigmente Pollen
Schwebestaub Sedimentierender Feinstaub/Industrieller Grobstaub
Viren Bakterien Haar
Wirksamkeit der
Filterklassen

G1…G4
M5…F9
H10…H14
Abbildung 146: Teil-
chengrösse und Fil- U15…U17
terwirkung. Quelle:
SWKI-Richtlinie VA 0.0001 0.001 0.01 0.1 1 10 100 1000
101-01, Klassifizie-
rung, Testmethoden Partikeldurchmesser in Mikrometer
und Anwendung
von Luftfiltern
139
Gebäudetechnik

müssen in jedem Fall eingehalten werden. Hygiene


Richtwert für die effektive maximale Strö- Die Hygienerichtlinien nach SWKI sind
mungsgeschwindigkeit in Apparaten (be- einzuhalten.
zogen auf die Nettoflächen): 2 m/s. Ziel der Hygiene-Bemühungen ist es,
Richtwerte für die maximalen Strömungs- dass die Luft durch das RLT-Gerät oder die
geschwindigkeiten in Kanälen in Abhän- RLT-Anlage mindestens nicht verschlechtert
gigkeit des Luftvolumenstroms: wird.
Im Lüftungsgerät 2 m/s, bezogen auf die SWKI-Richtlinie VA 104-02: Hygiene-An-
Netto-Wärmeübertragerfläche forderungen an Raumlufttechnische Anla-
bis 40 m3/h: 2.5 m/s gen und Geräte – Messverfahren und Un-
bis 1 000 m3/h: 3 m/s tersuchungen bei Hygienekontrollen und
bis 2 000 m3/h: 4 m/s Hygieneinspektionen
bis 3
4 000 m /h: 5 m/s
bis 10 000 m3/h: 6 m/s
über 10 000 m3/h: 7 m/s

Bei verzweigten Kanalsystemen sind diese


Richtwerte im Strang mit dem grössten
Druckverlust einzuhalten. In untergeord-
neten Strängen sind höhere Strömungs-
geschwindigkeiten zulässig. Zu beachten
sind jedoch die schalltechnischen Kon-
sequenzen.

Der Dichtheit von Luftleitungen ist


spezielle Aufmerksamkeit zu widmen. Je
nach Qualitätsstufen liegen die Undicht-
heiten bei mehr als 20 % des Nenn-Vo-
lumenstromes.

Brandschutz und Raumlufttechnik


Im Regelfall werden raumlufttechnische
Anlagen im Brandfall ausgeschaltet.
Das Brandschutzkonzept zum Personen-
und Objektschutz ist mit der zuständigen
Feuerpolizei abzusprechen.
Gemäss der VKF-Brandschutzrichtlinie
26-03d sind lufttechnische Anlagen so oft
zu reinigen und in Stand zu halten, dass die
Betriebsbereitschaft stets gewährleistet ist
und keine Brandgefahr entsteht. Brand-
schutzklappen und Brandfallsteuerungen
sind periodisch zu kontrollieren.
Der Anlageeigentümer oder Anlagebe-
treiber ist dafür verantwortlich, dass die
lufttechnischen Anlagen bestimmungsge-
mäss in Stand gehalten und jederzeit be-
triebsbereit sind.
Richtlinien dazu gibt die Vereinigung
Kantonaler Feuerversicherungen (VKF) ab.
140
Lufterneuerung

Tabelle 76: Definitionen Luftverteilungssysteme (Quelle SIA 410; Vernehmlassung 2011)

Symbol Benennung Anwendung und Bemerkung

Einkanalanlage Einkanal-System: System mit einer Luftleitung (Rohr oder Kanal) an den Versor-
gungsstellen

Einkanalanlage mit Konstant-Volumenstrom-Anlage (KVS-Anlage) [CAV: constant air volume]: Sys-


konstantem Volumen- tem mit ungeregeltem oder durch Regelung konstant gehaltenem Volumen-
strom – einstufig strom an den Versorgungsstellen (Raum). Der Gesamtvolumenstrom, der vom
Ventilator gefördert wird, kann dabei durchaus variabel sein. Für eine Leistungs-
regelung müssen KVS-Anlagen mit einer variablen Zulufttemperatur betrieben
werden.

Einkanalanlage mit Konstant-Volumenstrom-Anlage (KVS-Anlage) [CAV: constant air volume]: Sys-


konstantem Volumen- tem mit ungeregeltem oder durch Regelung konstant gehaltenem Volumen-
strom – mehrstufig strom an den Versorgungsstellen (Raum). Der Gesamtvolumenstrom, der vom
Ventilator gefördert wird, kann dabei durchaus variabel sein. Für eine Leistungs-
regelung müssen KVS-Anlagen mit einer variablen Zulufttemperatur betrieben
werden.

Einkanalanlage mit Variabel-Volumenstrom-Anlage (VVS-Anlage) [VAV: variable air volume]: System


variablem Volumen- mit lastabhängig geregeltem Volumenstrom an den Versorgungsstellen (Raum).
strom Bei VVS-Anlagen ist der Zuluftstrom variabel und die Temperatur konstant.

Zweikanalanlagen Zweikanal-System: System mit Zuluftleitungen (Rohre oder Kanäle) unterschiedli-


cher Luftart oder unterschiedlichen Luftzustandes (z. B. Lufttemperatur) an den
Versorgungsstellen (Raum). Nach einer Grundaufbereitung der Aussenluft wird
die Zuluft in zwei Kanälen, dem Warm- und dem Kaltluftkanal, gefördert. In die-
sen zwei Kanälen wird die Zuluft über einen dort angeordneten Erhitzer bzw.
Kühler auf unterschiedliche Temperaturen geregelt. Jeder einzelne Luftdurchlass
ist über Mischkästen an beide Kanäle angeschlossen. In diesen Mischkästen wird
die Warm- und Kaltluft auf die erforderliche Zulufttemperatur gemischt.

Zweikanalanlagen mit Konstant-Volumenstrom-Anlage (KVS-Anlage) [CAV: constant air volume]: Sys-


konstantem Volumen- tem mit ungeregeltem oder durch Regelung konstant gehaltenem Volumen-
strom strom an den Versorgungsstellen (Raum). Der Gesamtvolumenstrom, der vom
Ventilator gefördert wird, kann dabei durchaus variabel sein. Für eine Leistungs-
regelung müssen KVS-Anlagen mit einer variablen Zulufttemperatur betrieben
werden. Räume mit maximaler Kühllast erhalten nur Kaltluft, Räume mit maxi-
maler Heizlast nur Warmluft, Räume mit Teillast eine Mischung von Kalt- und
Warmluft.

Zweikanalanlagen mit Variabel-Volumenstrom-Anlage (VVS-Anlage) [VAV: variable air volume]: System


variablem Volumen- mit lastabhängig geregeltem Volumenstrom an den Versorgungsstellen (Raum).
strom Zweikanalanlagen können im Kühlbetrieb auch mit variablem Volumenstrom be-
trieben werden. Der Kaltluftkanal wird das ganze Jahr über mit Aussenluft kons-
tanter Temperatur, aber variabler Luftmenge entsprechend der erforderlichen
Kühllast betrieben. Bei Unterschreitung der Mindestaussenluftrate wird eine ent-
sprechende Warmluftmenge beigemischt.
Kapitel 5

Warmwasserversorgung

Reto von Euw 5.1 Aufbau und Komponenten mestellen mit geringem Warmwasserbe-
darf (Wasch- und Spültische) in Industrie-
Arten der Warmwasserversorgung und in Gewerbebauten. Diese können mit
Eine Warmwasserversorgung umfasst die Kleinspeicherwassererwärmern (bis ca. 30
Wassererwärmungs- und Warmwasserver- l Inhalt) oder Durchflusswassererwärmern
teilanlage bis zu den Entnahmestellen ein- versorgt werden. Da in solchen Grossbau-
schliesslich allfälliger Zirkulationsleitungen. ten die Warmwasserentnahmestellen ver-
einzelt im ganzen Bau verteilt sein können,
Einzelversorgung fallen die Wärmeverluste durch lange
Eine Einzelversorgung versorgt eine ein- Rohrleitungswege weg.
zelne Warmwasser-Entnahmestelle von ei-
ner Wassererwärmungsanlage aus. Dabei Gruppenversorgung
handelt es sich um Warmwasserentnah- Die Gruppenversorgung (auch dezentrale
Wassererwärmung) beliefert eine Warm-
wassergruppe von zwei oder mehreren
Entnahmestellen von einer Wassererwär-
mungsanlage aus. Da die Entnahmestellen
nahe beieinander liegen, kann auf eine Zir-
kulationsleitung respektive auf ein Warm-
halteband verzichtet werden. Die neue Abbildung 147:
Gesetzgebung lässt eine Gruppenversor- Schematische Dar-
Wasserverteilanlage stellung einer
gung mit einer direkt-elektrischen Erwär-
Warmwasserversor-
Wassererwärmungsanlage mung in Wohnbauten nur noch in Aus-
gung
nahmefällen zu. Direkt-elektrische Erwär-
mung des Warmwassers ist nur noch er-
laubt, wenn während der Heizperiode das Abbildung 148:
Warmwasser mit dem Wärmeerzeuger für Schematische Dar-
die Raumheizung erwärmt oder vorge- stellung einer
wärmt wird oder wenn das Warmwasser Warmwasser-Einzel-
primär mittels erneuerbarer Energie oder versorgung
mit Abwärme erwärmt wird.

Zentralversorgung Abbildung 149:


Die Zentralversorgung versorgt sämtliche Schematische Dar-
stellung einer
Warmwasser-Entnahmestellen eines Ge-
Warmwasser-Grup-
bäudes oder einer Gebäudegruppe über
penversorgung
ein gemeinsames Leitungssystem von ei-
ner zentralen Wassererwärmungsanlage
aus. Eine direkt-elektrische Erwärmung
des Warmwassers ist in Wohnbauten nicht
mehr erlaubt (Mustervorschriften der Kan-
tone, MuKEn). Bei Neubauten dürfen zu-
dem höchstens 80 % des zulässigen Wär-
mebedarfs für Heizung und Warmwasser Abbildung 150:
mit nicht erneuerbaren Energien gedeckt Schematische Dar-
werden. Diese Verschärfungen fördern stellung einer
den Einbau von Sonnenkollektoren für die Warmwasser-Zent-
Wassererwärmung. ralversorgung
142
Warmwasserversorgung

Komponenten einer Warmwasserversorgung

WW
WWZ
10
4

3 VL RL
SPWE 7
11
2 8
9
KW 6
1 5

Abbildung 151: Die


wichtigsten Kompo-
12
nenten einer An-
lage zur Wasser-
erwärmung

1 Druckreduzierventil Sobald zu hohe Wasserdrücke aus dem Versor-


(DRV) gungsnetz wirksam sind, muss der Druck reduziert
werden. Das Druckreduzierventil vermindert den
Wasserdruck aus dem Versorgungsnetz (Vordruck)
auf einen niedrigeren Nachdruck.

2 Absperrventil Dieses Ventil trennt Netzteile voneinander.

3 Rückflussverhinderer Der Rückflussverhinderer verhindert die Druckaus-


(RV) breitung ins ganze Kaltwassernetz, welche bei der
Erwärmung des Wassers erfolgt.

4 Sicherheitsventil (SV) Wird kaltes Wasser erwärmt, so steigt durch die


Volumenzunahme der Druck im Leitungssystem an.
Infolge dessen öffnet das SV und lässt Wasser ab.
Sicherheitsventile sind auf einen maximal 1 bar
höheren Druck einzustellen als der Ruhedruck.
Meistens sind die Sicherheitsventile vom Werk auf
einen Druck von 6 bar eingestellt.

5 Wärmeübertrager Wärmeübertrager übertragen die Wärme von einem


(WT) Medium auf ein anderes. Man unterscheidet innen-
liegende und aussenliegende Wärmeübertrager.

6 Fühler Fühler erfassen den Ist-Wert und geben diesen dem


Regelgerät weiter. Bei Speicherfühlern wird zwi-
schen Speicher-Fühlern und Speicher-Thermostaten
unterschieden. Bei Speicher-Fühlern wird der Soll-
Wert am Regelgerät eingestellt. Hingegen wird beim
Speicher-Thermostat der Soll-Wert am Ort des Spei-
chers direkt eingestellt.

7 Warmwasserumwälz- Die Umwälzpumpe fördert das Warmwasser durch


pumpe (oder den Zirkulationskreis. Es wird zwischen ungeregelten
Zirkulationspumpe) und geregelten Umwälzpumpen unterschieden.

8 Abgleichdrossel Mit der Abgleichdrosselung wird auf den effektiven


Betriebspunkt auf der Pumpenkennlinie gefahren.
143
Gebäudetechnik

9 Stellorgan Stellorgane (z. B. Ventile, Klappen) bestehen aus


dem Stellantrieb und dem Stellglied. Das Stellorgan
stellt aufgrund des Eingangssignals eine Grösse im
Stellglied ein.

10 Regler Regler bewirken das Einhalten von vorgegebenen


Sollwerten.

11 Speicherwasser- Eine Speicherwassererwärmung (SPWE) ist eine


erwärmung (SPWE) Wassererwärmung in Form eines Behälters mit
eingebauten Heizflächen, in denen das Kaltwasser
erwärmt und gespeichert wird.

Warmwasserspeicher Ein Warmwasserspeicher (WWSP) ist ein Behälter


(WWSP) zum Speichern von Warmwasser ohne eingebaute
Heizflächen.

12 Entleerung Entleerung des Speichers


144
Warmwasserversorgung

5.2 Hydraulische Einbindung


Umwandlung/
von WW-Anlagen Speicherung
Quelle Verteilung
Allgemeine Hinweise für die Warmwasser
Wassererwärmung
Wählt man eine Standardlösung aus den Speicher- oder Durchflusssystem
Mustervorschriften der Kantone im Ener-
giebereich (MuKEn 2008), ist eine kombi-
nierte Wärmeerzeugung für Heizung und Energiezufuhr
Abbildung 152: Warmwasser erforderlich (ausser Stan-
Prinzipschema Di- dardlösung Nr. 4: Holzfeuerung für Hei- Kaltwasser
rekte Beheizung zung und Solaranlage für Warmwasser).
Mit einem Leistungszuschlag für die
Warmwasserladung wird die gleichzeitige
Wärmeerzeugung für den Heizbetrieb und WP
die Warmwasserladung ermöglicht. Dabei WA
ist zu achten, dass:
bei der Ladung zwischen Winter- und
Sommerbetrieb unterschieden werden
kann. WW
ein modulierender Brenner zum Einsatz
Abbildung 153: SPWE
kommt oder bei mehreren Wärmeerzeu- EIN/AUS
Beispiel Wärme- gern bivalente Betriebsweisen berücksich-
pumpe mit direkter
tigt werden.
Verflüssigung im
hydraulische Massnahmen in der Heiz- KW
SPWE
gruppe gegen zu hohe Vorlauftemperatu-
ren vorgenommen werden (z. B. Sicher-
Speicherung
heitstemperaturbegrenzer für Wärmeab- Quelle Umwandlung Verteilung
gabesysteme).
Warmwasser
Erfolgt kein Zuschlag, so müssen die Heiz-
gruppen während der Warmwasserladung
Speicher- oder Durchflusssystem
gesperrt werden. Dabei ist zu achten, dass:
keine Behaglichkeitsprobleme entstehen.
bei langer Ladephase und bei Nachtab- Heizung
senkungsmöglichkeit, die Ladung während Energiezufuhr WE
Abbildung 154:
Prinzipschema Indi- der Nacht erfolgt. Kaltwasser
rekte Beheizung bei mehreren Ladephasen gezielte
Zwangsladungen berücksichtigt werden.

Im Heizbetrieb kann die Wärmeerzeugung


in Abhängigkeit der Witterungsregelung
gefahren werden. In diesem Fall muss die
Wärmeerzeuger-Vorlauftemperatur wäh-
rend der Warmwasserladung angehoben EIN
(z. B. 65 °C) werden. WP ES WAx
SPWE
AUS
Wassererwärmungsarten
EIN/AUS
Abbildung 155: Bei- Direkte Wassererwärmung
spiel Wärmepumpe Die Energieumwandlung erfolgt direkt im
mit indirekter Be- Speicherwassererwärmer (SPWE) oder im
heizung des SPWE Durchfluss-Wassererwärmer (DWW). Da-
145
Gebäudetechnik

bei ist die Umwandlung (Wärmeerzeu- Gute Arbeitszahlen bei WP, da


gung) im Speicher installiert. Günstige Bauart
Kein grosser regeltechnischer Aufwand
Einsatzgebiet Kontrollierte Ladetemperatur bei Vor-
Mit Elektroeinsatz (direkt-elektrische Er- lauftemperaturregelung
wärmung); bei Einzelversorgung Verschmutzungs- respektive Verkal-
Bei Wärmepumpenanlagen möglich kungsgefahr weniger gross als bei einem
Bei Abwärmenutzung möglich (z. B. Käl- aussenliegenden Plattenwärmetauscher.
temaschinen) als Vorerwärmung
Bei Abwasserwärmenutzung (z. B. Feka: Nachteile von innenliegenden Wär-
Energie aus Abwasser) meübertragern
Wärmeübertragung durch Konvektion:
Indirekte Wassererwärmung schlechter Wärmeduchgangskoeffizient
Die Wassererwärmung erfolgt indirekt Gesamte Speichernutzung nicht möglich
über einen Energiemittelträger, in dem (Misch- und Kaltwasserzone)
Quellenenergie in einem Wärmeerzeuger Ladetemperatur schwankt bei ungere-
(Heizkessel) ausserhalb des Speicherwas- gelter VL-Temperatur je nach Kesselaus-
sererwärmers (SPWE) zugeführt wird. trittstemperatur.
Anstieg der RL-Temperatur gegen Ende
Einsatzgebiet der Ladung
Bei Gruppen- und Zentralversorgungen Soll-Warmwassertemperatur erst gegen
In Kombination mit Heizungs- und Ende des Ladeprozesses vorhanden
Warmwasseranlagen Wärmeübetragerleistung sinkt gegen
Ender der Ladung.
Wassererwärmung mit innenliegen-
dem Wärmeübertragung
Innenliegende Wärmeübertragungen wer-
den bei standardisierten Speicherwasse-
rerwärmern am häufigsten eingesetzt. Die
Ladung des Wassererwärmers erfolgt mit
einer durch den innenliegenden Wärme-
übertrager induzierten Konvektion. Der
Massenstrom ist über dem Wärmeübertra-
ger konstant und somit erfolgt die Tempe-
raturanhebung um eine bestimmte Tem-
peraturdifferenz; man spricht von einem
hinaufschaukeln der Wassertemperatur.
Da diese Speicherladung in Stufen erfolgt, Tabelle 77: Vor-
wird sie als Stufenladung bezeichnet. dimensionierung ei-
nes innenliegenden
Vorteile von innenliegenden Wärme- Glattrohrwärmetau-
übertragern schers (Quelle: Stan-
Tiefe RL-Temperaturen; somit sind in der dardschaltungen
WP tiefe Verflüssigereintrittstemperaturen für Kleinwärme-
pumpenanlagen
möglich.
(Stasch), BFE 2002)

Wärmetauscherbauart Wärmedurchgangs- Wärmetauscherfläche Temperaturdifferenz


koeffizient m2/kW Vor- und Rücklauf
W/m2 K K

Glattrohrwärmetauscher 400 bis 600 0,30 6


146
Warmwasserversorgung

Mit Ladepumpe und ohne Vorlauf-


RL VL
temperaturregelung
Funktionsweise: Die Temperaturen wer- WW
den über einen Thermostaten erfasst.
Abbildung 156:
Anschluss des Sinkt die Wassertemperatur im Speicher- SPWE
innenliegenden wassererwärmer unter die Soll-Tempera- EIN/AUS
WT mit tur, schaltet die Ladepumpe ein und lädt
Ladepumpe ohne den Speicher solange, bis die Soll-Tempe-
KW
Vorlaufregelung ratur wieder erreicht ist. Oft wird bei dieser
Ladung ein Durchgangsventil eingesetzt.
Dieses hat keine Regelfunktion, sondern Ladezustand
hat nur eine Auf-Zu-Funktion. Das Durch-
gangsventil kann auch gegen ein Rück-
schlagventil ersetzt werden. EIN
Abbildung 157:
Ladezustand in AUS
Abhängigkeit der Eigenschaften
Warmwasser- Einfache Hydraulik; kleine Investitions-
50 60 WW (˚C)
temperatur kosten
Kein Verkalkungsschutz, da konstante
SPWE-Ladetemperaturen nicht garantiert Vorlauf-, Rücklauf- und Warmwassertemperatur (˚C)
ist.
SPWE-Ladung erfolgt mittels Stufenla-
dung (induzierte Konvektionsströme im 65
SPWE). 60
QVL
Konstante Massenströme über Wär-
meerzeuger und über innenliegenden QWW
50
Abbildung 158. Wärmeübertrager.
QRL
Beispiel Durch den Einbau des Wärmeübertragers
Regelfunktion: entsteht im Speicher ein nicht zu erwärmen-
35
SPWE-Ladeverlauf des Volumen (Kalt- und Mischwasserzone).
mit konstantem 30
Die RL-Temperatur steigt gegen Ende der
Temperaturhub Ladung an (WP kann in Hochdruckstörung 100%
(VL = variabel),
gehen und Brennwertkessel kann die Kon- Ladezustand
z. B. bei Wärme-
densationswärme nicht mehr nutzen). Freigabe der SPWE-Ladung
pumpenladung.
Der Wärmeerzeuger sollte eine VL-Tem-
peratur erreichen, welche mindestens 2 K
bis 5 K über dem Sollwert der Speichertem- Vorlauf-, Rücklauf- und Warmwassertemperatur (˚C)
peratur liegt.
Gegen Ende der Ladung sinkt die Wär-
65 VL
meübertragerleistung.
Bei einer Vorrangschaltung wird die Wär- 60
meabgabe in den Raum unterbrochen; WW
50 RL
Anforderungen an die Behaglichkeit be-
rücksichtigen. (Lufterhitzer sollten nicht
40
unterbrochen werden). 35
Abbildung 159.
Damit bei der Wärmepumpenwärmeer- 30
Beispiel Regelfunk-
zeugung keine Hochdruckstörung eintritt,
tion: SPWE-Ladever-
lauf mit konstanter
sollte im VL des SPWE-Ladekreis ein Fühler 10
VL-Temperatur eingesetzt werden. Dieser schaltet die WP
(VL = konstant), ab, sobald die Verflüssiger-Austrittstempe-
Freigabe der 100%
z. B. bei Gas- ratur erreicht ist.
SPWE-Ladung Ladezustand
Brennwertkessel
147
Gebäudetechnik

Einsatzgebiet Eigenschaften
Wärmepumpenanlagen und Wärmeer- Bei nicht konstanten Kessel-VL-Tempera-
zeugern mit einer konstanten SPWE-Lade- turen werden konstante Temperaturen (2)
temperatur im SPWE-Ladekreis erreicht.
Anlagen, bei welchen längere Brauch- Daraus ergibt sich ein Verkalkungs-
warmwasser-Ladezeiten möglich sind. schutz, da konstante SPWE-Ladetempera-
EFH und MFH (Erwärmung während den turen erreicht werden.
Nachtstunden) SPWE-Ladung erfolgt mittels Stufenla-
dung (induzierte Konvektionsströme im
Mit Ladepumpe und mit Vorlauftem- SPWE).
peraturregelung Variabler Massenstrom über dem Wär-
Funktionsweise: Sinkt die Speichertem- meerzeuger möglich
peratur (1) unter den Sollwert, startet die Konstanter Massenstrom über innenlie-
SPWE-Ladung. Ist die VL-Temperatur nach gendem Wärmeübertrager
dem Wärmeerzeuger höher als die SPWE- Durch den Einbau des Wärmeübertra-
Ladetemperatur (2), so regelt das 3-Weg- gers entsteht im Speicher ein nicht zu er-
Ventil mittels Beimischung des RL-Hei- wärmendes Volumen (Kalt- und Mischwas-
zungswassers auf eine konstante VL-Tem- serzone).
peratur (2). Somit wird eine zu hohe Lade- Die RL-Temperatur steigt gegen Ende der
temperatur verhindert und mit dieser eine Ladung an (Brennwertkessel kann die Kon-
Kalkausscheidung an dem innenliegenden densationswärme nicht mehr nutzen).
Wärmeübertrager reduziert. Ist die Spei- Die VL-Temperatur nach dem Wärmeer-
chertemperatur (1) erreicht, schaltet die zeuger sollte mindestens 2 K bis 5 K über
konstant laufende Umwälzpumpe (P1) dem Sollwert der Speichertemperatur lie-
wieder ab. gen.
Gegen Ende der Ladung sinkt die Wär-
RL VL meübertragerleistung.
Bei einer Vorrangschaltung wird die Wär-
WW
meabgabe in den Raum unterbrochen; An-
forderungen an die Behaglichkeit berück- Abbildung 160:
P1 SPWE Anschluss des in-
sichtigen. (Lufterhitzer sollten nicht unter-
Q2 Q1 nenliegenden WT
brochen werden.)
mit Ladepumpe und
Vorlauftemperatur-
KW Einsatzgebiet
regelung (2)
In Anlagen mit gross schwankenden VL-
Temperaturen in der Wärmeerzeugung
Vorlauf, Rücklauf- und Warmwassertemperatur (˚C) Anlagen, bei welchen längere Warm-
wasser-Ladezeiten möglich sind.
EFH und MFH (Erwärmung während den
80
Nachtstunden)
VL
65
60
WW
50
RL

Abbildung 161.
Beispiel Regelfunk-
10
tion: SPWE-Ladever-
lauf mit Vorlauf-
100 temperaturrege-
Freigabe der Ladezustand (%)
Ladung lung (VL =kons-
tant), z. B. bei Holz-
kesselladung.
148
Warmwasserversorgung

Wassererwärmung mit aussenliegen- Vorteile von aussenliegenden Wärme-


der Wärmeübertragung übertragern
Im Sekundärkreis (Wassererwärmerkreis) Aussenliegende Wärmeübertrager besit-
wird mittels Umwälzpumpe (P2) das Kalt- zen einen guten Wärmedurchgangskoeffi-
wasser über den aussenliegenden Wärme- zienten.
übertrager befördert. Das erwärmte Was- Gesamte Speichernutzung möglich
ser wird im oberen Speicherbereich wieder (keine Misch- und Kaltwasserzone).
eingeführt und es folgt eine Speicherla- Tiefe RL-Temperaturen (Optimal bei
dung von oben nach unten; man spricht Brennwertkessel)
von einer Schichtladung. Dabei ergibt sich Kontrollierte Ladetemperatur bei Tempe-
ein Temperatursprung von KW- auf WW- raturhochhaltung im Primär- und Sekun-
Temperatur innerhalb weniger Zentimeter. därkreis
Meistens kommen aussenliegende Plat-
tenwärmeübertrager zum Einsatz. Da die Nachteile von aussenliegenden
Wärmeübertragung in feinen Wasserka- Wärmeübertragern
nälen erfolgt, kann es bei hartem Wasser Erschwerte Kombination mit Solarener-
zu Verstopfungen kommen. Deshalb sollte gienutzung (Temperaturmischung kann
die Warmwassertemperatur auf maximal zerstört werden).
65 °C begrenzt werden oder das Kaltwas- Gegen Ende der Ladung steigt die RL-
ser wird enthärtet. Temperatur an.
Verschmutzungs- respektive Verkal-
kungsgefahr von Plattenwärmeübertra-
gern
VL Höhere Investitionskosten
Aufwändigere Hydraulik und Regelungs-
P1 Q4 WW
technik
Q3
Q1 Zusätzliche Wärmeverluste des aussen-
WWSP liegenden WT (WT muss gut gedämmt
Q2 werden).
RL
A1 KW
Abbildung 162:
Wassererwärmung mit aussenliegen-
Anschluss des aus- P2
der Wärmeübertragung ohne Tempe-
senliegenden WT
raturhochhaltung auf der Primär- und
Sekundärseite
Vorlauf-, Rücklauf- und
Warmwassertemperatur (˚C) Funktionsweise: Wird der Soll-Wert der
Speichertemperatur (1) unterschritten,
schaltet der Primärkreis (Heizkreis) ein. Der
(Q ) Temperaturfühler (3) gibt den Sekundär-
3
65
60 kreis (Speicherladekreis) frei, sobald die
WW (Q )
4 gewünschte VL-Temperatur erreicht ist.
Dadurch wird in der Startphase ein Aus-
kühlen respektive Durchmischen im Spei-
40 cher verhindert.
35 Damit die Speicher-Ladetemperatur kons-
30
tant gehalten werden kann, wird anhand
WW (Q ) des Temperaturfühlers (4) der Massen-
2
10
Abbildung 163. strom auf der Primärseite mittels Durch-
Beispiel Regel- gangsventil (A1) geregelt. Mit einem varia-
funktion: Speicher- Freigabe 100% blen Massenstrom erfolgt eine leistungs-
ladung führt zu der SPWE-Ladung Ladezustand geregelte Wärmeübertragung an den Se-
einer Schichtladung kundärkreis. Die Ladung des Speichers
149
Gebäudetechnik

erfolgt von oben nach unten mit einem


konstanten Massenstrom einer annä-
hernd konstanten Eintrittstemperatur und
niedriger Eintrittsgeschwindigkeit. Mit ei-
nem impulsarmen Eintritt in den Warm-
wasserspeicher verhindert man eine Tem-
peraturdurchmischung. Dies kann mit ei-
nem Sprührohr (horizontales Lochrohr)
erfolgen.

Eigenschaften
Kein «Verkalkungsschutz», da konstante
SPWE-Ladetemperaturen nicht garantiert
ist.
SPWE-Ladung erfolgt mittels Schichtla-
dung (Magro-System).
Variabler Massenstrom über Primärkreis
Konstanter Massenstrom über SPWE-
Wärmeübertrager (Sekundärkreislauf)
Ganzer Warmwasserspeicher kann aus-
genutzt werden (keine Kalt- und Misch-
wasserzone).
Die RL-Temperatur steigt gegen Ende der
Ladung an.
Gegen Ende der Ladung sinkt die Wär-
meübertragerleistung.
Bei einer Vorrangschaltung wird die Wär-
meabgabe in den Raum unterbrochen; An-
forderungen an die Behaglichkeit berück-
sichtigen. (Lufterhitzer sollten nicht unter-
brochen werden).
Tiefe RL-Temperaturen; somit gut geeig-
net für Brennwertkessel

Einsatzgebiet
Bei mittlerem und grossem Warmwas-
serbedarf und bei grossen Warmwasser-
spitzen Tabelle 78: Vor-
MFH, Krankenhäuser, Sportzentren, dimensionierung
Schwimmbäder, Hotel, etc. eines aussenliegen-
den Plattenwärme-
tauschers (Quelle:
Standardschaltun-
gen für Kleinwär-
mepumpenanlagen
(Stasch), BFE 2002)

Wärmetauscherbauart Wärmedurchgangs- Wärmetauscherfläche Temperaturdifferenz


koeffizient m2/kW Vor- und Rücklauf
W/m2K K

primärseitig: 6
Plattenwärmetauscher 800 bis 1 200 0,15
sekundärseitig: 6
150
Warmwasserversorgung

Wassererwärmung mit aussenliegen- Die RL-Temperatur steigt gegen Ende der


der Wärmeübertragung mit VL-Tem- Ladung an.
peraturregelung auf der Primär- und Gegen Ende der Ladung sinkt die Wär-
Sekundärseite meübertragerleistung.
Geeignet für Brennwertkessel, da tiefe
Funktionsweise: Wird die Speichertempe- RL- Temperaturen sich einstellen.
ratur (1) unterschritten, schaltet der Pri- Kein Pendeln des Brenners gegen Ende
märkreis (Heizkreis) ein. Der Temperatur- der Warmwasserladung.
fühler (3) gibt den Sekundärkreis (Spei- Bei einer Vorrangschaltung wird die Wär-
cherladekreis) frei, sobald die gewünschte meabgabe in den Raum unterbrochen; An-
VL-Temperatur (3) erreicht ist. Die Tempe- forderungen an die Behaglichkeit berück-
ratur (4) steigt, weil die Förderung über sichtigen.
den Bypass (3-Weg-Ventil) erfolgt, bis der
Fühler (4) die Soll-Temperatur erreicht. Ist Einsatzgebiet
diese erreicht, öffnet das 3-Weg-Ventil auf Bei stark schwankenden VL-Temperatu-
Durchgang und der Speicher wird geladen. ren in der Wärmeerzeugung
Mit der konstanten Eintrittstemperatur in Bei mittlerem und grossem Warmwasser-
den Speicher wird eine Auskühlung respek- bedarf und bei grossen Warmwasserspitzen
tive Durchmischung verhindert. Die Mas- MFH, Krankenhäuser, Sportzentren,
senströme auf der Primär- und auf der Se- Schwimmbäder, Hotel, etc.
kundärseite werden mit einer ungeregelten
Umwälzpumpe (P1 und P2) konstant gehal-
ten. Damit beim Speichereintritt keine Auf-
VL
wirbelung des Wassers entstehen kann,
sollte der Speichereintritt mit einem Sprüh- P1 Q4 WW
rohr (horizontales Lochrohr) erfolgen. Q3
Liegt die VL-Temperatur nach dem Wärme- Q1
erzeuger unter dem Soll-Wert der Ladetem- WWSP
Abbildung 164: An- Q2
peratur (3), so muss die VL-Temperatur RL
schluss des aussen- nach dem Wärmeerzeuger (z. B. mittels VL- P2
liegenden WT mit Temperaturhochhaltung) angehoben wer- KW
VL-Temperaturrege-
den. Dabei kann auf die VL-Temperatur-
lung primär- und
regelung verzichtet werden.
sekundärseitig

Eigenschaften Vorlauf-, Rücklauf- und


Kontrollierte Wärmeübertragung von Warmwassertemperatur (˚C)
der Primär- auf die Sekundärseite mittels
Temperaturregelung
Bei hohen Kessel-VL-Temperaturen kön- (Q )
3
65
nen bewusst tiefere Temperaturen (3) im 60
Primärkreis erreicht werden; Verkalkungs- WW (Q4)
schutz.
SPWE-Ladung erfolgt mittels Schichtla-
Abbildung 165. 40
dung (Magro-System). 35
Beispiel Regelfunk-
Variabler Massenstrom über dem Primär- 30
tion: SPWE-Ladever-
kreis
lauf mit konstanter
Konstanter Massenstrom über aussenlie-
VL-Temperatur und WW (Q2)
konstantem
gender Wärmeübertrager (Sekundärkreis- 10
Massenstrom lauf)
(3 und 4 = kons- Ganzer Warmwasserspeicher kann aus- 100%
Freigabe
tant; mP1 und genutzt werden (keine Kalt- und Misch- Ladezustand
der SPWE-Ladung
mP2 = konstant) wasserzone).
151
Gebäudetechnik

Durchlaufwassererwärmung System Sämtliches Wärmeangebot (Abwärme,


«Frischwassermodul» Sonnenenergie, etc,) kann im Energiespei-
cher genutzt werden.
Funktionsweise: Im Frischwassermodul Keine Verbrühungsgefahr
sind Volumenstrom- und Temperaturfühler Falls kein Zirkulationsnetz vorhanden ist,
(Mikroprozessregelung) installiert. Falls herrscht auch bei niedrigen Temperaturen
diese ansprechen, fördert die leistungsge- kein Legionellenwachstum.
regelte Frischwasserladepumpe warmes
Heizungswasser aus dem oberen Energie- Nachteile
speicherbereich durch den Plattenwärme- Aufwendige hydraulische Regelung im
tauscher des Frischwassermoduls. Der Frischwassermodul
Rücklauf strömt zurück in den unteren Be- Unterschiedliche Temperaturniveaus
reich des Energiespeichers. müssen mit Zusatzheizungen nacher-
Die Mikroprozessregelung misst die Volu- wärmt werden.
menströme und die Temperaturen auf der Legionellenschaltung bei Zirkulationssys-
Heizungs- und Trinkwasserseite und er- tem
rechnet den momentan notwendigen Vo-
lumenstrom der Frischwasserladepumpe. Einsatzgebiet
Diese sorgt dafür, dass auch bei kleinen EFH und MFH
Warmwasserbezügen und unterschiedli- Duschen in Sportzentren und Schwimm-
chen Energiespeichertemperaturen eine bädern
gleichmässige Erwärmung des Trinkwas-
sers erfolgt.

Vorteile
Tiefe Warmwassertemperaturen; da-
durch werden Wärmepumpensysteme effi-
zienter.
Warmwasserspeicherung erfolgt im
Energiespeicher auf der Heizungsseite und
nicht auf der Trinkwasserseite; somit resul-
tiert kein stehendes Warmwasser.

Solarkollektor Optional:
Thermische Desinfektion
bei Zirkulationssystem
Energiespeicher

Frisch-
Zirkulation

wasser- Warmwasser
modul 45˚C

Kaltwasser-
Eintritt

Verteilnetz
Raumheizung
Abbildung 166:
Einbindung eines
Frischwassermoduls
(Quelle: KWT)
152
Warmwasserversorgung

Abbildung 167: 5.3 Wassererwärmung mittels


Feka-Modul mit in-
Abwärme
tegriertem Filter
10
und Wärmetauscher Wassererwärmung mittels Abwasser- 8
im Abwasserschacht wärmenutzung (System Feka) 2
(Quelle: Feka Ener- 5 11
giesysteme AG) 12 1
Funktionsweise: Sämtliches häusliches
1. Niveaubirne Was- Abwasser fliesst via Filter in einen Fäkalien- 3 6
serstand minimal Abwasserschacht. Im Abwasserfilter wer-
4
2. Niveaubirne Was- den die Fäkal- und Schmutzstoffe zurück- 9
serstand zu hoch gehalten. Diese Feststoffe werden täglich
3. Spülpumpe mit der Spülpumpe direkt in die Kanalisa- 7
4. Standrohr isoliert tion gefördert. Bei Wärmebedarf wird dem
5. Überlaufleitung im Fäkalien-Abwasserschacht gesammelte
6. Temperaturfühler Grauwasser so viel Wärme entzogen, wie
7. Abwasserschacht der Verdampfer in der WP benötigt. Das
(isoliert bei Grund- abgekühlte Grauwasser fliesst natürlich WW
wasservorkommen) (kommunizierende Röhre) in die Kanalisa-
8. Be- und tion. Das Grauwasser kann bis auf eine
Entlüftung Temperatur von 5 °C abgekühlt werden. WP Optional
Feka-Tank H
9. Wärmetauscher Kommunale Vorschriften für die minimale Zusatz-
WWSP heizung
10. Soleleitung zum Abwassertemperatur müssen beachtet
und vom WP- werden.
Verdampfer
11. Abwasser- Vorteile
KW
Zulauf Sämtliches Abwasser kann genutzt wer-
12. Abwasser zur den (allgemeines häusliches Abwasser inkl.
Kanalisation WC, Schwimmbädern, Hotels, Spitälern,
Abbildung 168: Grossküchen, Wäschereien, etc.)
Abwärmenutzung hochwertiges Temperaturangebot bei
(Feka-Anlage) für WW
häuslichem Abwasser mit 20 °C bis 25 °C Q6
direkte Wasser- Täglicher Wärmeentzug von 10 h bis 18
erwärmung Q4
h + WWSP
Zusatz-
Warmwassertemperaturen von 60 °C Nacher-
heizung
sind problemlos erreichbar. wärmung

Saubere Schichtladung (keine Stufenla- Q5


dung) möglich
Zusatzheizung nur bei Inbetriebnahme
und bei Revisionsarbeiten notwendig.

Nachteile
Nur bei grossem Warmwasserbedarf Q3
sinnvoll. Q1
Zusätzliche elektrische Hilfsenergie für + WWSP
Vorer-
Spülpumpe im Fäkalien-Abwasserschacht
wärmung
Regelmässige Wartung notwendig. Kälte-
anlage Q2
+
Einsatzgebiet KW
Abbildung 169: Ab-
Warmwasserbedarf (WW)  70 kW, Notver-
wärmenutzung (aus
gewerblicher Kälte)
MFH, Schwimmbäder, etc. flüssiger
für direkte Wasser-
erwärmung
153
Gebäudetechnik

Wassererwärmung mittels Abwärme- 5.4 Legionellen


nutzung aus gewerblichen Kältema-
schinen Legionellen sind stäbchenförmige Bakte-
rien, von denen es mehr als 40 unterschied-
Funktionsweise: Mit der Abwärme von liche Arten gibt. 18 Arten davon können in
gewerblichen Kältemaschinen kann das Menschen eine Erkrankung auslösen und
Warmwasser auf ca. 40 °C vorerwärmt werden deshalb als humanpathogen be-
werden. Dabei nutzt die Warmwasserla- zeichnet. Die bekannteste Art der Legionel-
dung die überschüssige Abwärme aus len ist die Legionella pneumophile, welche
dem Verflüssiger der Kältemaschine. So- auch der Hauptverursacher der meisten Le-
bald von der gewerblichen Kälte die Ab- gionellenerkrankungen ist. Allerdings sind
wärme zur Verfügung steht, wird die Ab- diese Bakterien nur gefährlich, wenn man
wärmenutzung frei gegeben. Die Nacher- legionellenkontaminierte Aerosole einat-
wärmung mit dem Heizsystem schaltet met und diese so in die Lunge gelangen
ein, wenn die Soll-Temperatur im (4) können. Aerosole sind feinste Wassertröpf-
WWSP-Nacherwärmer unterschritten wird. chen Durchmesser um 5 µm, welche in der
Luft verteilt sind. Hingegen kann mit Legi-
Kritische Elemente onellen belastetes Trinkwasser ohne jegli-
Notverflüssiger im Kältemaschinenkreis- che Gefahr getrunken werden.
lauf notwendig
Lademanagement Die Legionellenvermehrung findet haupt-
Notwendiges Vorerwärmervolumen im sächlich bei einer Temperatur von 25 °C bis
WWSP 45 °C statt. Ab einer Temperatur von 55 °C
Nacherwärmung notwendig beginnen Legionellen abzusterben und
Temperaturniveau liegen im Vorerwär- zwar je schneller, je höher die Temperatur
mer ideal für Legionellenbildung; Legionel- ist. Bei Wassertemperaturen kleiner 20 °C
lenschaltungen vorsehen. sind sie zwar lebens- aber nicht vermeh-
rungsfähig (Dieter Kreysig: Legionellen –
Einsatz Mode-Bakterium oder tödliche Gefahr?
Gewerbe- und Industriebauten (Gastro- Wärme und Versorgunstechnik, 6/2001
und Lebensmittelindustrie) und 11/2001).

Die wichtigsten Infektionsquellen im Trink-


wasserbereich sind:
Zapfstellen von Warmwasserverteilsyste-
men, besonders mit der Bildung von Aero-
selen wie z. B. beim Duschen
Kühltürme
Whirlpoolanlagen
Apparate zur direkten Raumluftbefeuch-
tung

Grundsätze der Vorbeugung einer Le-


gionellenvermehrung
Im Warmwasserverteilsystem darf keine
unbenutzte Leitung vorhanden sein, die
mit Wasser gefüllt ist. Dies gilt insbeson-
dere bei der nachträglichen Stilllegung ei-
ner Entnahmestelle.
Trinkwasser, das bei einer Temperatur
von 25 °C bis 50 °C während mehr als 24
Stunden nicht genutzt wird, muss ther-
154
Warmwasserversorgung

misch desinfiziert, d.h. während einer möglich in diesem Temperaturbereich sein.


Stunde auf 60 °C erwärmt werden. In Ge- Deshalb sollte das Bereitschaftsvolumen
bäuden mit geringem Risiko wird diese Re- des Speicher im Bereich der Nacherwär-
gel nur empfohlen. mung des Trinkwassers nie unter 60 °C sin-
Die Warmwasserversorgung wird so aus- ken. Das Bereitschaftsvolumen ist das zu
gelegt, dass die Wassertemperatur am erwartende Spitzenvolumen (gewöhnlich
Ausgang des Wassererwärmers 60 °C be- ist dieses Volumen die grösste Stunden-
trägt, 55 °C in den warm gehaltenen Lei- spitze) und entspricht dem Volumen, wel-
tungen und 50 °C an den Entnahmestellen ches bis zum Einschaltpunkt der Speicher-
erreicht werden können. ladung reicht. Die Nacherwärmung des
Für Durchflusswassererwärmer gelten Trinkwassers muss mit einer Sekundären-
die Mindesttemperaturen nicht, wenn das ergiequelle erfolgen, welche immer min-
Warmwasser im angeschlossenen Warm- destens die 60 °C erreichen kann.
wasserverteilsystem bis zu seiner Entnahme
nicht länger als 24 Stunden bei einer Tem- Laufzeit der Zirkulationspumpe und
peratur von 25 °C bis 50 °C bleibt. der Heizbänder
Die Warmwassermenge, die gespeichert Um die Abkühlung des Warmwasserlei-
werden soll, wird knapp ausgelegt (keine tungssystems bei Stillstandzeiten zu ver-
überdimensionierten SPWE). hindern, sollte die Zirkulationspumpe oder
Behälter mit Warmwasser müssen regel- das Heizband im Dauerbetrieb laufen.
Tabelle 79: Überle-
bensdauer von Legi- mässig gereinigt, insbesondere entkalkt
onellen. D-Wert: werden. (Rost-, Kalk- und weitere Ablage- Zentrale Mischwasseranlagen
Der als dezimale Re- rungen begünstigen die Bildung von Biofil- Beim Einsatz von Zentralmischorganen
duktionszeit oder men und dienen Legionellen und anderen werden Versorgungs- und Ausstossleitun-
D-Wert bezeichnete Bakterien als Träger für ihre Vermehrung.) gen mit Trinkwassertemperaturen im Ide-
mikrobiologische Kaltwasserleitungen sollten so installiert albereich der Legionellenvermehrung
Parameter ist ein werden, dass eine Erwärmung durch paral- (25 °C bis 45 °C) betrieben. Aus diesem
Mass, welches das lel laufende Warmwasser- oder Heizungslei- Grund sind diese Anlagen ohne spezielle
Abtötungsverhalten tungen vermieden und eine Kaltwassertem- Massnahmen (z. B. Ionisierung oder Ozo-
von Mikroorganis-
peratur von höchstens 20 °C erreicht wird. nisierung) für die Risikogruppen 1 und 2
men charakterisiert.
Selten benutzte Entnahmestellen sollten nicht geeignet. Für die Risikogruppe 3 ist
Der D-Wert gibt an,
regelmässig gespült werden. es empfehlenswert, das Warmwasser in
welche Zeit zur Ab-
tötung von 90 % der Installation einmal täglich während
der Mikroorganis- Wärmerückgewinnung respektive mindestens einer Stunde auf 60 °C zu er-
men einer Popula- Vorerwärmung mit einem techni- wärmen.
tion bei einer gege- schen Speicher
benen Temperatur Die Wassertemperatur in einem Speicher
notwendig ist, um zur Vorwärmung erreicht systembedingt
die Population auf nicht mehr als 45 °C und ist somit im Ide-
10 % der Anfangs- albereich der Legionellenvermehrung. Das
population zu erwärmte Trinkwasser sollte so wenig wie
senken.

Temperatur Zeit Wirkung


(°C) (Minuten)

55,0 19
Reduktion der
57,5 6
Legionellenanzahl
um je eine 10er-
60,0 2
Potenz (D-Wert)
70,0 Einige Sekunden
155
Gebäudetechnik

Risikogruppe 1 – Hohes Risiko Gebäudekategorien Empfohlene Massnahmen


Gebäude, in denen sich Men- Spitäler mit Intensivpflege- (nach SVGW)
schen mit geschwächtem Im- stationen, Transplantations- Befolgung der Instruktionen,
munsystem aufhalten. abteilung respektive Spezial- welche von den Verantwortli-
Gebäude mit umfangreichen abteilungen (Onkologie, chen für die Hygiene zusammen-
Rohrleitungssystemen sowie Neonatologie). gestellt wurden.
Installationen mit unregelmässi- Routinemässige Warmwasser-
ger Wasserentnahme (lange temperaturkontrolle und bakte-
Stagnationsphasen). riologische Analysen

Risikogruppe 2 – Mittleres Gebäudekategorien Empfohlene Massnahmen


Risiko Wohnen MFH mit Warmwas- (nach SVGW)
In diesen Gebäuden resultieren Ri- ser-Zentralversorgungen, Schu- Regelmässige Kontrolle der
siken überwiegend aus umfangrei- len mit Duschen, Hotels, Kaser- Warmwassertemperatur (mindes-
chen Installationen mit z.T. langen nen, Gefängnisse, Spitäler tens alle 2 Monate)
Stagnationsphasen. ohne die oben erwähnten Einhaltung der Warmwassertem-
Abteilungen, Alters- und peratur: in der ganzen Aufberei-
Pflegeheime, Sportbauten, Hal- tungsanlage mindestens 60 °C
len- und Freibäder während einer Stunde pro Tag,
an den Zapfstellen mindestens
50 °C.
Wenn aus technischen Gründen
oder in Folge des Energiesparens
die Sicherheitstemperaturen
nicht eingehalten werden, sind
bakteriologische Kontrollen oder
Alternativsysteme (Ionisierung,
Ozonisierung oder andere) vor-
zusehen.
Wasseranalysen hinsichtlich von
Legionellen sind nur bei Auftre-
ten von Krankheitsfällen oder
aufgrund der erwähnten Grün-
den notwendig.
Bei Krankeitsfällen und positivem
Befund der Wasseranalyse müs-
sen zusätzliche Massnahmen er- Tabelle 80: Risiko-
griffen werden. gruppen für Ge-
bäude und Anlagen
Risikogruppe 3 – Geringes Gebäudekategorien Empfohlene Massnahmen und deren empfoh-
Risiko Wohnen EFH, Wohnen MFH (nach SVGW) lene Massnahmen.
Gebäuden mit überwiegend lan- ohne Warmwasser-Zentralver- Wenn Zweifel an der Hygiene Weitere Infos: Nach
gen Stagnationsphasen. sorgung, Verwaltung, Schulen der Trinkwasserinstallationen be- SIA 385/1 «Anlagen
ohne Duschen, Verkauf, Res- stehen, können entsprechende für Trinkwasser in
taurants, Versammlungslokale, Untersuchungen durchgeführt Gebäuden – Grund-
Lager werden. lagen und Anforde-
Massnahmen müssen ergriffen rungen»; Nach dem
werden bei Auftreten von Krank- SVGW-Merkblatt
heitsfällen und positivem Befund «Legionellen in
der Wasseranalyse. Trinkwasserinstalla-
tionen – was muss
beachtet werden?»
Kapitel 6

Diverse Gebäudetechnik

Volker Wouters 6.1 Versorgung mit des EVU ist. Der Raum für die zur Bedie-
elektrischer Energie nung und zum Schutz der Transformato-
ren notwendige Schaltanlage sowie für die
Je nach Anschlussbedarf des Gebäudes Transformatoren, ist in unmittelbarer Nähe
oder Areals kann die Erschliessung mit der Werkleitungseinführung zu platzieren,
elektrischer Energie ab öffentlichem Netz d.h. üblicherweise in Strassennähe. Da
mit unterschiedlicher Spannung erfolgen, heute die Elektrowerkleitungen vorwie-
was wiederum unterschiedliche spezifi- gend im Erdreich verlegt sind (1,3 m bis
sche Energiekosten nach sich zieht. In der 0,7 m) macht eine Platzierung der Elektro-
Regel gilt: je höher die Spannung, desto Erschliessung im ersten Untergeschoss für
tiefer fallen die gesamtheitlichen Energie- eine direkte Einführung der Werkleitun-
kosten pro kWh an. Die gesamtheitlichen gen durchaus Sinn. Für die Platzierung der
Energiekosten setzen sich zusammen aus Räume mit Transformatoren ist zu beach-
den eigentlichen Energiekosten, den Netz- ten, dass diese nicht unmittelbar an Räume
kosten und den Abgaben pro kWh. Ein mit ständig besetzten Arbeitsplätzen gren-
Anschluss auf höherer Spannungsebene zen. Hierbei gilt es, den Anforderungen
(Mittel- oder Hochspannung) hat jedoch der Richtlinie über nichtionisierende Strah-
zur Folge, dass die Transformierung auf die lung gerecht zu werden. Ein Bezug der
Verbraucherspannung von 230 V respek- elektrischen Energie in Hoch- oder Mittel-
tive 400 V durch den Nutzer zu erfolgen spannung ist in der Regel nur grossen Be-
hat. Dies bedingt die Installation von zügern (ab ca. 1 000 kVA Anschlussleis-
Transformatoren (Spannungswandler) und tung) vorbehalten.
die Bereitstellung der entsprechenden Erfolgt die Einspeisung in Niederspan-
Räumlichkeiten. Dies hat wiederum zur nung, stellt der Hausanschlusskasten oder
Folge, dass weitere Untermessungen für das Einspeisefeld die Leistungsgrenze zum Abbildung 171:
Abbildung 170: zum Beispiel Drittnutzungen durch den Ei- EVU dar. Für die Platzierung gelten diesel- Prinzip Netzversor-
Prinzip Netzversor- gentümer oder Betreiber selber bewirt- ben Grundsätze wie bei der Erschliessung gung über Mittel-
gung über Nieder- schaftet werden müssen. Die Leistungs- in der Mittelspannung (vorzugsweise Un- spannung (EVU:
spannung (EVU: grenze zwischen EVU und Eigentümer tergeschoss, Nähe Werkleitung). Für EFH Energieversor-
Energieversorungs- gungsunterneh-
stellt üblicherweise die Abgangsseite der wird der Hausanschlusskasten auch häufig
unternehmen; HA: men; MS: Mittel-
Messung dar, die in der Regel im Eigentum direkt in die Fassade integriert.
Hausanschluss spannung)

Niederspannungs-
Zähler- schaltanlage
Wh einrichtung
~
Leistungs-
grenze EVU
EVU-Netz EVU-Netz HA MS-Schaltanlage
Mittel- Nieder- EVU-Netz
Zählerein-

Hausanschluss
richtung

spannung spannung Mittel-


span-
nung

Leistungsgrenze EVU
Quelle: Atlas Gebäudetechnik Quelle: Atlas Gebäudetechnik
158
Diverse Gebäudetechnik

Die Abgangsseite (Niederspannung 230V/ Weitere Ansprüche könnten sein:


400V) eines Transformators oder der Ab- Netzersatzanlage (Notstromdieselaggre-
gang eines Hausanschlusskastens wird in gat)
die Gebäudehauptverteilung, eine Nieder- Räume für unterbruchsfreie Stromversor-
spannungsschaltanlage, eingeführt. Haus- gung (USV), Batterieanlagen
anschlusskasten können auch direkt in die Schwachstromräume für Brandmeldean-
Gebäudehauptverteilung integriert wer- lagen, Lautsprecheranlagen, Notlichtanla-
den. Gebäudehauptverteilungen sollen gen, usw.
aus Gründen der verlust- und kostenopti- Kommunikationsräume für Telefoniean-
mierten Anbindung in unmittelbarer Nähe lagen, IT Anlagen, usw.
der Transformatoren platziert sein. Weil Sicherheitsanlagen wie Einbruch, Wert-
die Niederspannungsschaltanlage eine schutz, Videoüberwachung, usw.
eine wesentliche Brandlast aufweist, darf
diese nicht direkt in Fluchtwegen platziert Ab der Gebäudehauptverteilung erfolgt die
werden. Wenn dies trotzdem unumgäng- Verteilung der elektrischen Energie bis zu
lich ist, muss die Schaltanlage mit einer den Unterverteilungen innerhalb des Ge-
Brandschutzverkleidung versehen sein. bäudes. Diese Verteilung kann entweder
Für grosse und leistungsintensive Nieder- mittels Einzelanspeisung respektive Strah-
spannungsschaltanlagen ist auf Grund be- lennetz oder Gruppenanspeisung oder ei-
schränkter Zutrittsrechte ein separater ner Mischform der beiden Möglichkeiten
Raum vorzusehen. Gebäudehauptvertei- erfolgen. Für leistungsintensive Gruppenan-
lungen sind nebst den vorgenannten Plat- speisungen kommen zudem als Alternative
zierungskriterien sinnvollerweise auch in zu den Kabeln für den Transport der elektri-
der Nähe von Lastschwerpunkte zu instal- schen Energie Stromschienen in Frage.
lieren, um leistungsintensive Anbindun-
gen verlusttechnisch und ökonomisch zu Strahlennetz
optimieren. Lastschwerpunkte sind typi- Für Verbraucherstromkreise ist das Strah-
scherweise Lüftungs- und Kältezentralen. lennetz die häufigste Art. Eigenschaften:
Ziel einer optimalen Platzierung muss es Einfache Netzüberwachung
sein, die Kabelwege zu minimieren. Dies Einfache Fehlerlokalisierung
spart wertvollen Platz und Kosten. Aus be- Einfache Betriebsführung
trieblichen und unterhaltstechnischen Diese Eigenschaften resultieren vor allem
Gründen sollten auch weitere Räume für aus dem Umstand, dass die an die «Strah-
die Elektroanlagen in der Nähe der Ge- len» angeschlossenen Verbraucher und
Abbildung 172:
bäudehauptverteilung platziert sein. Verteilungen eindeutig zugeordnet sind.
Netzformen
Hingegen resultiert im Vergleich zur Grup-
penanspeisung ein erhöhter Platzanspruch
in den speisenden Verteilungen sowie, bei
mehrstöckigen Gebäuden, ein unregelmä-
ssiger Platzanspruch in den Steigzonen.

Gruppennetz
Für Verbraucherstromkreise ist die Grup-
penversorgung weniger verbreitet als
die Strahlenversorgung. Möglichkeiten für
Gruppenanspeisungen bilden die soge-
nannten Flachbandkabel oder Stromschie-
nen, die es erlauben Verbraucherabgriffe
direkt am Versorgungspfad vorzunehmen.
Eigenschaften:
Reduzierter Platzbedarf in der speisen-
Strahlennetz Gruppennetz, Stichnetz
den Verteilung
159
Gebäudetechnik

Dimensionierung nach mittlerer Belas- Typischerweise wird für die Sicherheits-


tung des Versorgungszweig stromversorgung ein Notstromdiesel-
Reduzierte Betriebssicherheit aggregat vorgesehen. Eine zweite unab-
Gleichmässiger Platzanspruch bei Steig- hängige Netzeinspeisung des EVU gemäss
zonen Abbildung 174 kann allenfalls auch als Al-
ternative vorgesehen werden.
Diese Eigenschaften resultieren vor allem
aus dem Umstand, dass alle an die Gruppe Typische Verbraucher, die an das unter-
angeschlossenen Verbraucher denselben bruchsfreie Stromversorgungsnetz ange-
Auswirkungen unterliegen. Ein Fehler in schlossen werden, sind sensible Verbrau-
der Gruppe wirkt sich auf alle angeschlos- cher mit hohen Anforderungen an die
senen Komponenten aus. Verfügbarkeit, die keinen Spannungsun-
terbruch und auch keine Spannungs- res-
Netzarten pektive Frequenzschwankung ertragen.
Mit den Netzarten allgemeine Stromversor- Die Autonomiedauer kann dabei sehr indi-
gung, Sicherheitsstromversorgung und un- viduell sein. Es empfiehlt sich aber grund-
terbruchsfreie Stromversorgung werden sätzlich, dass bei längerer Autonomie und
unterschiedliche Ansprüche hinsichtlich gerade bei höheren Leistungen die unter-
Versorgungssicherheit und Autonomie er- bruchsfreie Stromversorgung durch eine
füllt. An die allgemeine Stromversorgung Netzersatzanlage, wie erwähnt, gestützt
werden alle Verbraucher angeschlossen, wird. Dies reduziert eine hohe und vor al-
die im Ereignisfall (Stromunterbruch, Span- lem teure Batteriekapazität. Typische Ver-
nungsschwankung) keinen Anspruch auf braucher für eine unterbruchsfreie Strom-
einen reibungslosen Weiterbetrieb haben. versorgung sind: IT-Einrichtungen, Kom-
Abbildung 173:
Typische Verbraucher, die an das Sicher- munikationseinrichtungen, Sicherheitsein-
Netzarten in der
Elektroversorgung.
heitsstromversorgungsnetz angeschlossen richtungen und sensible Prozesseinrich-
Quelle: Siemens Ap- werden, sind leistungsintensive Verbrau- tungen. Als Quelle für die unterbruchsfreie
plikationshandbuch cher, die einen kurzen Spannungsunter- Stromversorgung eignet sich eine batterie-
– Grundlagener- bruch ertragen und in der Regel eine län- gestützte Versorgung oder ein dynami-
mittlung und Vor- gere Autonomiedauer verlangen, wie zum scher Energiespeicher.
planung (Quelle: Beispiel: Feuerwehraufzüge, Sprinkleran-
Klaus Daniels, Ge- lagen, Druckbelüftungen und Kühleinrich-
bäudetechnik, ein tungen.
Leitfaden für
Architekten und
Ingenieure)

T1 T2 T3
G USV

AV-Netz NEA-Netz

AV-Verbraucher SV-Verbraucher USV-Verbraucher


160
Diverse Gebäudetechnik

F4 Sicherheitszuleitung
von den übrigen Leitungen getrennt
und gegen Brandeinwirkung
geschützt
Z
nur für die Versorgung von Brand-
schutzeinrichtungen
F2 F3

F1

Niederspannungs-
zuleitung EW

T T

Ring Hochspannungsleitung EW

Legende:
Abbildung 174: F1 Anschlussüberstromunterbrecher
Versorgung mit F2 Bezügerüberstromunterbrecher
zwei unabhängigen F3 Überstromunterbrecher Sicherheitsnetz (plombiert)
Einspeisungen. F4 Überstromunterbrecher Netz
(Quelle: VKF Brand- T Transformatorenstation EW
schutzrichtlinie Z Zähler / Messeinrichtung
17-03d)
161
Gebäudetechnik

6.2 Aufzüge und Fahrtreppen ausmachte. Die europäische Aufzugsin-


dustrie entwickelte eine Richtlinie VDI
Jürg Nipkow Aufzüge und Fahrtreppen beanspruchen 4707 für eine Energie-Etikette für Auf-
zusammen rund 1 % des Schweizer Strom- züge. Vom Verband VFA Interlift e.V.
verbrauchs. In transport-intensiven Ge- wird ein Berechnungstool für die Aufzugs-
bäuden kann ihr Anteil am Stromver- Energie-Etikette angeboten (VFA-Software
brauch bis ca.10 % ausmachen. Sie dienen EnergyLabel und VFA-EnergyCertificate).
in erster Linie dem Personentransport. Die Fahrten brauchen auch Energie; und
Aufzüge für den Gütertransport sind vom dabei gibt es grosse Unterschiede der Effi-
Stromverbrauch her weniger bedeutend. zienz. Wichtigste Einflussgrössen auf die
Effizienz des Aufzugsantriebs sind:
Zusammensetzung des Energiever- Traktion oder Hydraulik: Kostengünstige
brauchs und Einflussgrössen Hydraulikantriebe arbeiten verlustreich we-
Die messtechnische Untersuchung von gen der Umwandlungsverluste des Hyd-
zahlreichen Aufzügen aller Art zeigte un- raulikmotors und fehlender Rekuperation
Abbildung 175: ter anderem, dass der Standby-Verbrauch bei Abwärtsfahrt. Moderne Konzepte ver-
Aufteilung des (Abbildung 175) vor allem bei Aufzügen meiden diesen Nachteil weitgehend und
Standby-Verbrauchs mit kleineren Fahrtenzahlen (z. B. Wohn- können ähnlich effizient arbeiten wie Trak-
von Aufzügen
bauten) bis 80 % des Stromverbrauchs tionsaufzüge.
(Quelle: Nipkow)
Fahrgeschwindigkeit: je höher, desto
grössere Verluste durch Beschleunigen und
Aufteilung des Standby- Bremsen, auch mit geregelten Antrieben.
Energieverbrauchs von Steuerung Für Wohnhäuser ist der Geschwindigkeits-
Aufzügen (typische Werte) bereich 0,25 m/s bis 0,4 m/s empfehlens-
Anzeiger auf der wert, für Nichtwohnbauten bei 10 und
Etage
mehr Geschossen bis über 1 m/s.
25% Druckknopf Tableaus Motorentechnik und Regelung: Moderne
auf den Etagen
Konzepte mit effizienten Motoren (z. B. ge-
Kabinentableau triebelose Antriebe, Permanentmagnetmo-
1% 51% toren) bieten einen guten Wirkungsgrad.
Lichtvorhang an der Mit 4-Quadranten-Umformern ist Rekupe-
7% Kabinentüre
ration (Rückspeisung ins Netz) möglich; ein
Frequenzumrichter Rekuperationsgrad von 40 % erfordert
9%
7%
schon sehr gute Technik.
Reibungsarme Systemarchitektur (wenig
Tabelle 81: Bau-
Exzentrizität, wenig Querkräfte). Traktion
und Ausführungs-
mit Riemen statt Seilen bietet Vorteile.
merkmale

Anzahl Aufzüge Maschinenraum Traktionsantrieb Hydraulikantrieb Antrieb mit Netz- Lift-Kommando-


und Nennlast Rückspeisung Steuerung
Sorgfältige Abklä- Maschinenraumlose Traktion mit Seilen Technisch einfache Bei leistungsstarken Soll auf die Bedürf-
rung nötig, wenn Aufzüge sind tech- oder Riemen ist und robuste Auf- Anlagen eine Option nisse der Passagiere
die Kapazität eines nisch anspruchsvol- meist effizienter als züge für kleine Hub- für höhere Energie- abgestimmt sein
Aufzuges knapp ler, komplexer und Hydraulik, aber höhen (mit Maschi- effizienz. Höhere In- und soll verhindern,
scheint. Mehr Inves- beanspruchen mehr technisch aufwändi- nenraum unterhalb). vestition; Wirtschaft- dass unnötige Fahr-
titionskosten für Raum im Lift- ger. Hoher Energiever- lichkeitsrechnung ten gemacht wer-
zwei kleinere Auf- schacht. brauch, mit neuen mit Rekuperations- den.
züge statt eines (teureren) Konzep- grad nötig.
grossen versus Kom- ten reduzierbar. Ty-
fort (Wartezeit). pischer Einsatz: Las-
tenaufzüge und Pa-
norama-Aufzüge.
162
Diverse Gebäudetechnik

Optimierte Steuerung (Lift-Kommando Aufzuges – evtl. mit Verzögerung – aus;


und System selber, z. B. Sleep-Modus). trotzdem sollte eine effiziente Beleuchtung
mit Leuchtstofflampen, Stromsparlampen
Darauf achten bei Planung und oder LED installiert werden. Bei LED kann
Bestellung auf eine Nachlaufzeit verzichtet werden,
Schon bei der Planung der Gebäudeer- da sie schaltfest sind und zudem sofort
schliessung soll der Energieverbrauch von volle Leuchtkraft liefern. Die beliebten Ha-
Aufzugsanlagen berücksichtigt werden. logenlampen sind Energieverschwender
Gebäudenutzung, zu erwartende Benut- und heizen oft unangenehm.
zerfrequenzen und deren zeitliche Vertei-
lung, Anforderungen an Warte- und Trans-
portzeiten sind einzubeziehen. Eine Ge-
samtbetrachtung muss auch Ressourcen
und Graue Energie für Liftschacht und Ma-
schinenraum sowie bauliche und lufttech-
nische Massnahmen zur Vermeidung un-
nötiger Wärmeverluste aufgrund der Auf-
zugsanlagen berücksichtigen.

Bei der Bestellung von Aufzugsanlagen


soll Energieklasse A angestrebt werden.
Angebotsvarianten mit entsprechenden
Betriebskosten- und Energieverbrauchsan-
gaben können die Handlungsmöglichkei-
ten erweitern. Bei Fahrtreppen sollte – ne-
ben effizienten Komponenten – eine Be-
darfssteuerung selbstverständlich sein.
Eine detaillierte Berechnungsmethode für
den Stromverbrauch von Aufzugsanlagen
findet sich in der Norm SIA 380/4 «Elektri-
sche Energie im Hochbau». Es werden
zwei Verfahren angegeben, nämlich ein
Näherungsverfahren im frühen Projektsta-
dium sowie eine Methode für einen bereits
dimensionierten Aufzug.

Erneuerung und Nachrüstung beste-


hender Aufzüge
Auslöser für Erneuerungs- oder Nachrüs-
tungsmassnahmen sind oft die ungenü-
gende Anhaltegenauigkeit älterer Aufzüge
(unfallträchtig, Stolpern) oder nicht mehr
erhältliche Ersatzteile. Auch hier ist bei der
Planung und Bestellung auf die Energieef-
fizienz zu achten. Wenn die technische
Anlage weitgehend erneuert wird, lässt
sich die Energieeffizienz dem Stand der
Technik anpassen.

Beleuchtung
Moderne Aufzugssteuerungen schalten
zwar die Beleuchtung eines stehenden
163
Gebäudetechnik

6.3 Geräte und Betriebs- lässt sich der Anteil am Schweizer Strom-
einrichtungen verbrauch auf etwa 10% abschätzen (inkl.
Server und Rechenzentren). Der Stromver-
Jürg Nipkow Bedeutung, Anteile Stromverbrauch brauch der Betriebseinrichtungen eines
Haushaltgeräte beanspruchen rund 11 % neu ausgerüsteten Büro-Arbeitsplatzes
des Schweizer Stromverbrauchs. In den (ohne zentrale Einrichtungen) kann grob
letzten 15 Jahren hat sich zwar die Effizi- auf 250 kWh geschätzt werden (Abbil-
enz der Neugeräte stark verbessert; ob- dung 177). Folgende Hauptkategorien las-
wohl der Anteil der Bestgeräte an den Ver- sen sich unterscheiden:
käufen nur langsam steigt. Im Gegenzug Büroelektronik am Arbeitsplatz (PC, Dru-
kompensieren die Zunahmen bei der An- cker, etc., weitere Kommunikationsgeräte
zahl Haushalte, dem Ausstattungsgrad wie Telefon, Router, Fax).
(z. B. mehr als 1 Kühlgerät, zusätzliche Server und Rechenzentren als zentrale
Gefriergeräte) und der Gerätegrösse die Dienste. Da Rechenleistung und zugehöri-
effizienzbedingten Einsparungen. ger Stromverbrauch zunehmend von den
Arbeitsplätzen zu zentralen Rechnern ver-
In einem gut ausgestatteten Zweiperso- schoben werden, verändern sich die ent-
nen-Haushalt mit einem Jahres-Stromver- sprechenden Stromverbrauchsanteile.
brauch von 3 500 kWh (Zahlen 2007) ma- Haushaltgeräte im Büro (Kaffeemaschi-
chen die Haushaltgeräte etwa 60 % bzw. nen, Kühlschränke, Staubsauger, etc.). Ihr
2 150 kWh aus. Die Stromverbrauchsauf- Stromverbrauchsanteil ist im Mittel gering;
teilung (Abbildung 176) zeigt, dass Be- es gelten die gleichen Effizienzkriterien wie
leuchtung und maschinelles Wäschetrock- im Haushalt.
nen mit herkömmlichen Tumblern (Effizien- Spezielle Betriebseinrichtungen wie z. B.
zklasse B/C) Schwergewichte sein können. Betriebsrestaurant. Bei der Planung ist si-
cherzustellen, dass die jeweiligen Fachpla-
Stromverbrauch und Bedeutung der Be- ner Effizienzkriterien angemessen einbe-
Abbildung 176: triebseinrichtungen in Dienstleistungs- ziehen. Abbildung 177:
Stromverbrauch im gebäuden wurden für die SIA-Norm 380/4 Stromverbrauch Be-
Haushalt (2 Perso- triebseinrichtungen
«Elektrische Energie im Hochbau» sowie Der Auswirkungen von Betriebseinrichtun-
nen, typisch) 3500 Büroarbeitsplatz,
in diversen Studien untersucht. Insgesamt gen auf Gebäude und Gebäudetechnik
kWh ca. 250 kWh

Stromverbrauch im Haushalt Stromverbrauch Betriebseinrichtungen


(2 Personen, typisch) Büroarbeitsplatz, ca. 250 kWh
3500 kWh
Kaffee-
Kochen/ Kühlschrank
maschine
Backen inkl. A++, Anteil
Spezialgeräte (Label A),
Allgemein
MFH Geschirr- 10% Anteil PC mit
spüler
Flach-
Haushaltgeräte

Unterhaltung Netzwerk- bildschirm


Kühlschrank
übriges

und Heimbüro drucker/


MFG, Anteil
Separates
Gefriergerät
Beleuchtung Drucker
Wasch-
(Wohnung) Arbeitsplatz
maschine

Trocknen
Standby
Div. Pflege-
und diverse, inkl.
Kleingeräte Telefon
164
Diverse Gebäudetechnik

Betriebseinrichtungen können nicht ohne Beschaffung, Planungsvorgaben


Rücksicht auf das Gebäude bzw. die Haus- Die Beschaffung energieeffizienter Haus-
technik eingesetzt werden. Zu beachten haltgeräte wird immer einfacher, da für
sind insbesondere: fast alle Geräte Energie-Etiketten vorhan-
Der Stromverbrauch der Betriebseinrich- den sind oder erarbeitet werden (Ecode-
tungen wird grösstenteils als Abwärme in sign-Richtlinien der EU). Bei vielen Geräten
den Räumen frei. Diese trägt in der Heizpe- sind jedoch die Klassierungen für die Aus-
riode zur Raumwärme bei, muss aber in wahl höchster Energieeffizienz zu wenig
der warmen Jahreszeit allenfalls zusätzlich aussagekräftig. Als Empfehlung oder Pla-
weggekühlt werden. Daraus ergibt sich oft nungsvorgabe bzw. als «Grenzwert» für
ein Bedarf zur Raumkühlung mit dem da- hohe Energieeffizienz sollten die Angaben
mit verbundenen Stromverbrauch. Bei der auf www.topten.ch dienen.
Wärme- bzw. Kältebedarfsberechnung Bei der Beschaffung von Bürogeräten darf
sollten Varianten mit kleinerem bzw. grö- man sich nicht nur auf das «Energy Star»-
sserem Abwärmeanfall der Betriebseinrich- Label verlassen; für die meisten Geräte
tungen studiert werden. gibt es auf www.topten.ch Listen mit De-
Bei Haushalt- wie auch Bürogeräten tailangaben zum Stromverbrauch sowie
müssen Wechselwirkungen mit dem Ge- Ratgeber. Für die Konfiguration von PC-
bäude beachtet werden. Arbeitsplätzen sowie für energieeffiziente
Wäschetrocknen beansprucht mehr PC-Netzwerke geben die Ratgeber von
oder weniger Raum, je nach Geräteart. www.topten.ch/standby (nach unten
(Wärmepumpen-) Tumbler brauchen we- scrollen) Auskunft und Hilfe.
nig Raum, während Raumluft-Wäsche-
trockner eine Hängemöglichkeit, in der Sowohl für die professionelle Beschaffung
Regel einen Trockenraum benötigen. In von Haushalt- wie auch von Bürogeräten
Trockenräumen ohne Trocknungsgeräte ist sind Hinweise in Flyern von Topten zusam-
die Trockenleistung jedoch meist ungenü- mengestellt: www.topten.ch, Top-The-
gend. Mit Minergie-Lüftung ist sie unter men. Die Angaben der Norm SIA 380/4 zu
günstigen Bedingungen nur für ein EFH Betriebseinrichtungen sind z.T. schon
ausreichend (1 Tag Trockenzeit). Wo im- überholt.
mer möglich, soll eine attraktive Hänge-
möglichkeit im Freien (oder sogar unter Eine wichtige Grundlage für den späteren
Dach) angeboten werden, welche das energieeffizienten Betrieb der Betriebsein-
energieeffizienteste Trocknen erlaubt. Im richtungen ist die Abrechnung nach indivi-
MFH mit Gemeinschaftswäscheanlagen ist duellem bzw. effektivem Verbrauch, wel-
immer eine minimale Hängemöglichkeit che Anreize zu sparsamem Verhalten gibt.
vorzusehen, da nicht alle Wäsche getumb- Dafür sind folgende planerischen Vorkeh-
lert wird. ren zu treffen:
Eine Dunstabzugshaube erfordert in der Haushalt: Verbrauchsabrechnungssystem
Regel Anpassungen bei der Komfortlüf- für Waschen und Trocknen bei Gemein-
tung. Auch Gas-Kochgeräte erfordern eine schaftseinrichtungen planen und installie-
angepasste Lüftung. ren. Dies gilt auch für Warmwasser und ist
Räume mit vielen Bürogeräten (Server- für Kaltwasser ebenfalls zu empfehlen.
oder Druckerraum) erfordern häufig eine Nicht-Wohnbauten: Für jede Energie-
Lüftung respektive eine Kühlung, um die und (Warm- und Kalt-) Wasserversorgung
Raumtemperatur in Grenzen zu halten. sollen Mess- bzw. Zähleinrichtungen so ge-
Eine Lüftung ist auch wegen möglicher plant und installiert werden, dass damit die
Schadstoffemissionen von grossen Dru- effektiven Verbräuche den jeweiligen Ver-
ckern zu empfehlen. ursachern zugeordnet und belastet werden
Möblierung und Beleuchtung von Büro- können.
Arbeitsplätzen müssen ergonomisch auf
die Bildschirmarbeit abgestimmt sein.
165
Gebäudetechnik

6.4 Sonnenschutz parenten Bauteils. Auch der sekundäre


Energieabgabegrad ist von diesen Grössen
Heinrich Manz Wenn Sonnenstrahlung auf ein transpa- abhängig und wird letztlich durch die auf
rentes Bauteil fällt, z. B. eine Verglasung der Innenseite auftretenden Oberflächen-
mit oder ohne Sonnenschutz, wird ein Teil temperaturen sowie den Wärmeübergang
der einfallenden Energie reflektiert d.h. in bestimmt.
den Aussenraum zurückgelenkt, ein Teil
wird im Bauteil absorbiert und ein Teil wird Sonnenschutzvorrichtungen können ent-
vom Bauteil in den dahinterliegenden In- weder zeitlich fest, d.h. unveränderlich,
nenraum transmittiert (Abbildung 178). oder variabel sein. Der Sonnenschutz kann
Die absorbierte Sonnenstrahlung bewirkt örtlich unterschiedlich platziert werden:
eine Erwärmung des Bauteils. Ein Teil die- aussen, integriert in das Fenster oder in-
ser Wärme fliesst in den Innenraum. Der nen (Tabelle 82).
Gesamtenergiedurchlassgrad entspricht
dem Anteil der einfallenden Strahlungsen- Ausserhalb der Verglasungsebene lie-
ergie, welcher im Innenraum als Wärme gende Beschattungsvorrichtungen haben
anfällt, und setzt sich zusammen aus dem den grossen Vorteil, dass die absorbierte
Strahlungstransmissionsgrad und dem se- Sonnenenergie direkt an die Umgebung
kundären Energieabgabegrad. (Aussenraum) abgegeben werden kann
(Abbildung 179). Bei innenliegenden Be-
Der Strahlungstransmissionsgrad ist insbe- schattungsvorrichtungen erfolgt die Ab-
sondere abhängig vom Einfallswinkel der sorption der Sonnenstrahlung innerhalb
Strahlung, den Materialeigenschaften und der Wärmedämmung. Dies ist bezüglich
von der geometrischen Struktur des trans- Überwärmung des Innenraumes sehr un-

transparentes Bauteil

einfallende
Sonnenstrahlung Strahlungstransmissions-
grad e

Strahlungs-
reflexion e Strahlungsabsorptions- Gesamtenergie-
durchlassgrad Abbildung 178: De-
grad e
g   e  qi finition von Strah-
lungstransmissions-
grad, sekundärem
sekundärer Wärme-
Energieabgabegrad
abgabegrad qi
und Gesamtener-
giedurchlassgrad

aussenliegender Sonnenschutz innenenliegender Sonnenschutz

g g
Temperatur
Temperatur

Abbildung 179:
Energieströme und
Temperaturprofile
bei aussen- und in-
nenliegendem Son-
nenschutz
166
Diverse Gebäudetechnik

vorteilhaft. Mit aussenliegenden Sonnen- Rauminnern als Wärme anfällt. Gesam-


schutzsystemen können deshalb tendenzi- tenergiedurchlassgrade g unter 0,15 sind
ell wesentlich tiefere Gesamtenergie- mit aussenliegenden oder integrierten, gut
durchlassgrade erreicht werden, als mit (evtl. mechanisch) belüfteten Sonnen-
innenliegenden. schutzvorrichtungen einfach zu erreichen
und sind anzustreben.
Feste Beschattungsvorrichtungen wie Vor-
bauten nutzen die saisonalen Unterschiede Aufgrund der Vielzahl von Kombinations-
der Sonnenposition: Die Sonnenhöhe ist möglichkeiten ist es in kritischen Fällen –
im Winter klein und im Sommer gross. z. B. bei hochverglasten Bürobauten –
Diese Beschattungsvorrichtungen eignen sinnvoll, den g-Wert eines transparenten
sich jedoch vor allem zur Abschirmung der Bauteils entweder rechnerisch oder experi-
direkten Sonnenstrahlung bei Südfassa- mentell (Solarkalorimeter) zu bestimmen.
den. Ihre Wirkung ist bei Ost- und West- Da die optischen Eigenschaften von Son-
fassaden und bezüglich der Diffusstrah- nenschutzvorrichtungen und Verglasun-
lung beschränkt. Feste Beschattungsvor- gen z.T. stark wellenlängenabhängig sind,
richtungen blenden zudem oft einen we- muss eine Berechnung des Gesamtener-
sentlichen Teil des Tageslichtes (Zenital- giedurchlassgrades – und des Lichttrans-
licht) aus – dies auch während Zeiten, in missionsgrades – im allgemeinen wellen-
denen das Solarstrahlungsangebot klein längenabhängig erfolgen. So kann z. B.
ist. Aus Sicht der Tageslichtnutung ist dies eine Sonnenschutzverglasung sichtbare
unvorteilhaft. Strahlung gut transmittieren, im nahen In-
frarot aber praktisch opak sein. Auch der
Zusätzlich zum Lichttransmissionsgrad, ist Sonnenschutz kann Sonnenstrahlung se-
der Gesamtenergiedurchlassgrad die lektiv reflektieren oder transmittieren. Zur
wichtigste Kenngrösse eines Sonnenschut- spektralen Berechnung des Lichttransmis-
zes. Der Gesamtenergiedurchlassgrad sionsgrades und des Gesamtenergiedurch-
wird dabei für die ganze Schichtenfolge, lassgrades eignen sich Programme, welche
z. B. für eine 3-fach-Verglasung mit au- auch Datenbanken mit kommerziellen
ssenliegender Lamellenstore, angegeben. Gläsern und Sonnenschutzvorrichtungen
Nicht nur die optischen Eigenschaften aller enthalten. Bei Glasdoppelfassaden sind
Schichten, sondern z. B. auch der thermi- die auftretenden Strömungsmuster oft
sche Widerstand der Verglasung (U-Wert), wichtig für den resultierenden Gesam-
beeinflussen den resultierenden g-Wert. tenergiedurchlassgrad.
Der Gesamtenergiedurchlassgrad gibt an,
welcher Anteil der einfallenden Sonnenen- Bei der Wahl eines geeigneten Aufbaus
ergie bei geschlossenem Sonnenschutz im aus der Vielzahl der Kombinationsmög-

Örtlich Zeitlich variabel Fest

aussen Stoffstoren Vorbauten

Lamellenstoren

integriert in Fenster Folienrollo Sonnenschutzverglasungen

Stoffstoren

Lamellenstoren

elektrochrome Schichten
Tabelle 82:
Klassifizierung von innen Vorhänge
Sonnenschutz-
Lamellenstoren
einrichtungen
167
Gebäudetechnik

lichkeiten von Verglasungen und Sonnen- muss praktisch immer der Windruck auf
schutzvorrichtungen in verschiedenen An- den Sonnenschutz mit einer aussenliegen-
ordnungen (aussen, integriert oder innen) den Glasscheibe reduziert werden (z. B. in-
und Belüftungsvarianten (natürlich oder tegrierter Sonnenschutz, Sonnenschutz-
mechanisch) gilt es zu bedenken: verglasung, natürlich belüftet nach aussen
Ein äusserer, variabler Sonnenschutz ist oder mechanisch mit Lüftungsanlage).
grundsätzlich die beste Lösung, wenn es
Kosten, Beanspruchung und architektoni-
scher Ausdruck erlauben.
Je weiter innen der Sonnenschutz
angeordnet wird, desto geringer ist die
Sonnenschutzwirkung. Die auf dem Son-
nenschutz absorbierte Energie kann umso
leichter in den Innenraum gelangen, je ge-
ringer der thermische Widerstand zwi-
schen Sonnenschutz und Innenraum bezo-
gen auf den thermischen Widerstand
zwischen Sonnenschutz und Aussenraum
ist ( U-Wert der Verglasung).
Sonnenschutzvorrichtungen aus voll-
ständig oder teilweise opakem Material
können auch als Blendschutz dienen. Es
können sich allerdings widersprüchliche
Anforderungen ergeben.
Lamellenstoren (aussen, integriert oder
innen) ermöglichen auch, in gewissen
Grenzen, eine Umverteilung des Tageslich-
Abbildung 180:
tes (Lichtlenkeffekt der Lamellen).
Anforderungen an Die Wahl von Sonnenschutz und Vergla-
den g-Wert von sung ist auch bedeutsam hinsichtlich der
Fassadenfenstern sich einstellenden inneren Oberflächen-
(Verglasung und temperatur und der thermischen Behag-
Sonnenschutz) je lichkeit. Stark absorbierende Schichten,
nach Glasanteil und besonders falls sie innen angeordnet sind,
Orientierung. wirken sich im Sommer nachteilig aus.
Quelle: SIA 382/1, Bei windexponierten Situationen wie bei
siehe auch Tabelle
Hochhäusern, Bauten im Gebirge, usw.,
51 auf Seite 99.
Gesamtenergiedurchlassgrad g

60%

50%
N
40%
NE, NW
30%

20% E, SE, SW, W


10%

0%
0 0.2 0.4 0.6 0.8 1
Glasanteil der Fassade fg
168
Diverse Gebäudetechnik

6.5 Gebäudeautomation SWKI BA 101-01 beschrieben. Bei der Pla-


nung werden Anforderungen an die Funk-
Jürg Tödtli Ein Gebäudeautomationssystem dient der tionen, welche das GA-System zu leisten
automatischen Steuerung, Regelung und hat, festgelegt. Hilfsmittel dazu sind
Überwachung von gebäudetechnischen Automationsschemata, GA-Funktionslis-
Anlagen (HLK-, Beleuchtungs- und Be- ten, Funktionsbeschreibungen. Die erfor-
schattungsanlagen). Zudem unterstützt derliche Hardware folgt aus diesen funkti-
sie den Menschen bei diesen Aufgaben, onellen Anforderungen.
soweit sie noch nicht automatisiert sind,
durch Bedienelemente, Anzeigen und Vi- Gebäudeautomation und Energie-
sualisierungen. Heute werden auch kleine effizienz
Systeme, zum Beispiel ein Heizungsregel- Gebäudetechnische Anlagen sollen so ge-
gerät zusammen mit seinen Antrieben, steuert und geregelt werden, dass die ver-
Fühlern und Verbindungsleitungen als Ge- einbarten Komfortanforderungen mit ge-
bäudeautomationssystem bezeichnet. Der ringem Energieverbrauch eingehalten
Begriff «Gebäudeautomation» löst in der werden. Der Beitrag der GA an eine gute
Gebäudetechnik den früheren Begriff Energieeffizienz des Gebäudes wird meist
«MSRL» ab. unterschätzt. Die europäische Norm EN
15232 (SIA 386.110) stellt Hilfsmittel zur
Abbildung 181 zeigt ein allgemeines Mo- Verfügung, erstens zur Planung eines GA-
dell der Hardware (gerätetechnische Sicht) Systems, das wesentlich zu einer guten
eines GA-Systems. Hervorzuheben sind in Energieeffizienz des Gebäudes beiträgt,
grösseren Anlagen die Automationsstatio- und zweitens zur Abschätzung der Grösse
nen (Controller, veraltet Unterstation), wel- dieses Beitrags.
che direkt (über zwei oder drei Drähte) mit
den Antrieben und Fühlern der gebäude- In der erwähnten EN-Norm ist eine Liste
technischen Anlagen verbunden sind, und von GA- und TGM-Funktionen enthalten
diese steuern, regeln und überwachen. (TGM = Technisches Gebäudemanage-
Die Automationsstationen kommunizieren ment), die die Energieeffizienz des Gebäu-
über ein Netzwerk mit einer Bedienstation, des verbessern. Tabelle 84 zeigt die Liste
auf welcher der Betreiber an zentraler Stelle zusammengefasst. Zu jeder der aufgeliste-
Einblick in die Anlagen erhält und Eingriffe ten Funktionen werden in der Norm ver-
vornehmen kann, z. B. Istwerte von Tempe- schiedene Varianten (in der Norm «Art»
raturen ablesen, Sollwerte von Temperatu- oder in der englischen Fassung «Type» ge-
ren verstellen, Zeitschaltprogramme einge- nannt) aufgezeigt, aus denen der Planer
Tabelle 83: Zur Liste ben, Alarmmeldungen quittieren. eine auswählen kann. Tabelle 83 zeigt dies
von GA- und TGM- beispielhaft für die Funktion «Regelung
Funktionen: Varian- Wichtig bei der Planung anspruchsvoller des Luftstromes auf Raumebene». Bei der
ten zur Funktion Anlagen ist, dass genügend früh ein GA- letzten Variante, «bedarfsabhängige Rege-
«Regelung des Luft- Planer einbezogen wird. Seine Aufgaben lung», kann es sich zum Beispiel um eine
stromes auf Raum-
und die Zusammenarbeit mit andern Pla- bedarfsgeregelte Lüftung mit CO2-Fühler
ebene». Quelle: EN
nern, Bauherrn und Unternehmern sind in handeln, wie sie in Abbildung 182 darge-
15232
stellt ist. Dass eine solche Funktionsvari-
Regelung der Lüftung und des Klimas ante den Energiebedarf des Gebäudes re-
duzieren kann, zeigt folgende Überlegung:
Regelung des Luftstromes auf Raumebene
Sinkt die Anzahl Personen im Raum, wird
0 Keine Regelung der von ihnen durch Atmung erzeugte und
1 Manuelle Regelung dem Raum zukommende CO2-Volumen-
2 Zeitabhängige Regelung strom abnehmen, was mindestens vor-
übergehend eine Abnahme der CO2-Kon-
3 Anwesenheitsabhängige Regelung
zentration im Raum bewirkt. Der Regler
4 Bedarfsabhängige Regelung
reagiert darauf so, dass er den Sollwert des
169
Gebäudetechnik

Zuluft-Volumenstroms reduziert. Der da- nächst eine von vier verschiedenen GA-Effi-
durch verkleinerte Zuluft-Volumenstroms zienzklassen (Tabelle 85) wählen muss.
bewirkt wiederum, dass der zentrale Venti- Getrennt für Wohn- und Nichtwohnbauten
lator weniger Luft fördern muss. Es wird bestimmt dann die Norm für jede GA-Effi-
auf diese Weise elektrische Antriebsener- zienzklasse, welche Variante der einzelnen
gie für den Ventilator gespart, ohne dass Funktionen der Funktionsliste zu nehmen
die CO2-Konzentration im Raum zunimmt, ist. Bei diesen Klassen handelt es sich also
das heisst, ohne dass die Luftqualität im um vier Grade von Ausstattungen mit GA-
Raum abnimmt. und TGM-Funktionen.

Anstatt sich bei jeder Funktion der Liste ein- Weiter gibt die Norm mit seinem GA-Effizi-
zeln für eine Variante zu entscheiden, bie- enzfaktorverfahren eine Methode an, mit
tet die Norm dem GA-Planer eine verein- dem die relative Verbesserung des Energie-
fachte Vorgehensweise an, bei der er zu- bedarfs des Gebäudes beim Wechsel von

System für System für


Bedienstation, Program- Datenschnitt-
besondere An- besondere An-
Bedieneinheit miereinheit stelleneinheit
wendungen wendungen
Management

Netzwerk
Netzwerk

Datenverarbei-
Datenschnitt-
tungseinrichtung,
stelleneinheit
Serverstation

System für
Program- Bedienstation, Datenschnitt-
besondere An-
miereinheit Bediengerät stelleneinheit
wendungen
Automation

Netzwerk

Anwendungsspezi-
Kommunikationseinheit, Controller, Automations-
Bediengerät fische Steuer- und
Controller, ASR station, ASR
Regeleinheit (ASR)

Lokale Vor-
Raum-
rang-Bedien-
bediengerät
einheiten

Netzwerk
Feld

M M M M

Verbindungen innerhalb der funktionalen Ebenen Abbildung 181:


Allgemeines Modell
Verbindungen zwischen den funktionalen Ebenen
der Hardware (ge-
Jalousien, Sonnenschutz rätetechnische
Sicht) eines GA-Sys-
Licht, Dimmen
tems. Quelle: EN-
ISO 16484-2
170
Diverse Gebäudetechnik

einer GA-Effizienzklasse in eine andere Lüftung nur dort einsetzen, wo die Raum-
grob abgeschätzt werden kann. Das Ver- belegung stark variiert und zeitlich nicht
fahren gibt ohne Aufwand eine grobe Vor- voraussehbar ist. Bei zeitlich voraussehbarer
stellung von den möglichen Energieeinspa- Variation der Belegungen genügt eine zeit-
rungen. Bei einer Investition, bei der man abhängige Regelung, bei welcher der
die GA von der GA-Effizienzklasse C auf die Frischluftstrom nach einem vorprogram-
Klasse A ausbaut, erzielt man bei Büros bei- mierten Zeitplan verändert wird.
spielsweise eine Einsparung von 30 % bei
der thermischen Energie (Heizung und Vermehrt wird gefordert, den durch die
Kühlung) und von 13 % bei der elektri- GA und das TGM erzielten Einsparungen
schen Energie (Beleuchtung und Hilfsge- des Energieverbrauchs den Eigenenergie-
räte). Diese Werte stammen aus einem ty- bedarf des GA-Systems gegenüberzustel-
pischen Bürogebäude und in einem Klima len. Vor allem gilt es zu vermeiden, dass
wie in Würzburg. die Zunahme des Eigenenergiebedarfs für
Besonders wichtig sind die TGM-Funktio- einzelne Funktionen (bzw. Funktionsvari-
nen, vor allem bei anspruchsvolleren Anla- anten) grösser als die damit erzielte Ein-
gen. Die TGM-Funktionen unterstützen die sparung ist. Zu beachten ist, dass für die
Betreiber der gebäudetechnischen Anlagen Beurteilung des Eigenenergiebedarfs der
beim TGM, und zwar durch Anzeigen, Pro- GA die Hardware des GA-Systems, inklu-
tokolle, Berichte und Visualisierungen, die sive Antriebe und Fühler, von Bedeutung
das GA-System automatisch erzeugt. Zum ist, während für die Beurteilung der mit
TGM gehört, dass das GA-System während der GA erzielten Einsparungen die Funkti-
der ersten Betriebsphase an das Gebäude, onen der GA massgebend sind.
die Anlage und das Benutzerverhalten an-
gepasst wird, und das beim späteren Be- Normen
trieb Fehleinstellungen und Defekte er- EN ISO 16484-2:2004 (SIA 386.152),
kannt und beseitigt werden. Selbstver- Systeme der Gebäudeautomation (GA) –
ständlich sind die erwähnten Einsparungen Teil 2: Hardware
nur dann erreichbar, wenn das Betriebsper- EN ISO 16484-3:2005 (SIA 386.153),
sonal das TGM tatsächlich umsetzt. Systeme der Gebäudeautomation (GA) –
Teil 3: Funktionen
Gute Prozesskenntnisse sind für die GA- SWKI BA 101-01, Leistungen der Fachin-
Planung sehr wichtig: genieure für Gebäudeautomation, 2010
GA-Funktionen sollten nur dort einge- EN 15232:2007 (SIA 386.110), Energieef-
setzt werden, wo sie einen Nutzen bringen. fizienz von Gebäuden – Einfluss von Gebäu-
Zum Beispiel die erwähnte Regelung der deautomation und Gebäudemanagement

2 1
a .
vZL
n
i soll . i
vZLsoll

1 Raum
2 Volumenstromregler mit Fühler und Regelklappe

n = Anzahl Personen im Raum


.
vZL = Zuluft-Volumenstrom (m3 /h)
i = CO2-Konzentration in Raumluft
Abbildung 182: a = CO2-Konzentration in Aussenluft
Bedarfsgeregelte i soll = Soll-Wert für CO2-Konzentration in Raumluft
.
Lüftung mit CO2- vZL soll = Soll-Wert für Zuluft-Volumenstrom
Fühler.
171
Gebäudetechnik

Automatische Steuerung und Regelung


Regelung des Heizbetriebs
Regelung der Übergabe
Regelung der Warmwassertemperatur im Verteilungsnetz (Vor- oder Rücklauf)
Regelung der Umwälzpumpen
Regelung der Übergabe respektive der Verteilung bei intermittierendem Betrieb
Regelung der Erzeuger
Betriebsabfolge der verschiedenen Erzeuger
Regelung des Kühlbetriebs
Regelung der Übergabe
Regelung der Kaltwassertemperatur im Verteilungsnetz (Vor- oder Rücklauf)
Regelung der Umwälzpumpen
Regelung der Übergabe respektive der Verteilung bei intermittierendem Betrieb
Verriegelung zwischen heizungs- und der kühlungsseitiger Regelung der Übergabe
und/oder der Verteilung
Regelung der Erzeuger
Betriebsabfolge der verschiedenen Erzeuger
Regelung der Lüftung und des Klimas
Regelung des Luftstromes auf Raumebene
Regelung des Luftstromes auf der Ebene der Luftbehandlungsanlage
Regelung der Abtauvorgänge des Wärmeübertragers
Überheizregelung des Wärmeübertragers
Freie maschinelle Kühlung
Regelung der Zulufttemperatur
Regelung der Luftfeuchte
Regelung der Beleuchtung
Regelung entsprechend der Belegung
Regelung abhängig vom Tageslichteinfall
Regelung des Sonnenschutzes
Gebäudeautomationssystem Tabelle 84: Liste von
Zentrale Anpassung des Haus- und Gebäudeautomationssystems an die Bedürfnisse GA- und TGM-Funk-
der Nutzer: z. B. Zeitplan, Sollwerte usw. tionen, die dazu
beitragen, die Ener-
Zentrale Optimierung des Haus- und Gebäudeautomationssystems: z. B. Abstimmen
gieeffizienz des Ge-
der Regeleinrichtungen, Sollwerte usw.
bäudes zu verbes-
Technisches Haus- und Gebäudemanagement (TGM) sern. Quelle: EN
Feststellung von Fehlern der haus- und gebäudetechnischen Anlagen und Unterstüt- 15232
zung der Diagnose dieser Fehler
TGM: Technisches
Angabe von Informationen zum Energieverbrauch, zu den Innenraumbedingungen
Gebäudemanage-
und zu Möglichkeiten der Verbesserung
ment

GA-Effizienzklasse D Nicht energieeffiziente GA


GA-Effizienzklasse C Standard GA (oft als Referenz verwendet)
GA-Effizienzklasse B Weiterentwickelte GA und einige spezielle TGM Funktionen Tabelle 85: GA-Effi-
zienzklassen nach
GA-Effizienzklasse A Hoch energieeffiziente GA und TGM
EN 15232
172
Diverse Gebäudetechnik

6.6 Messeinrichtungen nungsebene, bei Anlagen bei welchen der


für Photovoltaikanlagen Einspeisepunkt der PV-Anlage hinter der
Bezugsmessung angeordnet ist zum Ein-
Ruben Lüthy Direkteinspeisung: Soll die Energie durch satz. Namentlich sind das Arealnetze und
die Kostendeckende Einspeisevergütung Mittelspannungskunden. Der Rückliefer-
(KEV) vergütet oder an einer Solarstrom- zähler der Produktion liefert das Lastprofil
börse gehandelt werden, so ist die Mes- für die Vergütung der gelieferten Energie.
sung zwingend nach dem Prinzip Direkt- Die Lastgänge des Bezugs- und des Rück-
einspeisung zu realisieren. Bei diesem Prin- lieferzählers müssen für die Ermittlung der
zip wird der produzierte Strom direkt ins bezogenen Energie saldiert werden. Unter
Netz eingespeist. Der Verbraucher bezieht Rücksprache mit Swissgrid kann auch die-
die Energie dann wieder aus dem Netz. ses Messprinzip für KEV-Anlagen einge-
Vorteile für den Betreiber setzt werden.
Dieses Prinzip bietet grosse Flexibilität für
die Zukunft, da der gewonnene Solarstrom
auch an Dritte verkauft werden kann.
Es ist keine Privatmessung für statistische
Zwecke notwendig.
Nachteile für den Betreiber
Es ist ein zusätzlicher Zähler des Energie-
versorgungsunternehmens (EVU) not-
wendig, mit diesem Zähler fallen Kosten
für Beschaffung, Ablesung und Aufberei-
tung an.
Eigenverbrauch: Die gewonnene Energie Abbildung 183:
deckt in erster Linie den Verbrauch des Be- Direkteinspeisung
treibers ab. Allfällige Differenzen werden
mit Bezug aus dem Netz bzw. Abgabe an
das Netz ausgeglichen und über einen Zäh-
ler gemessen. Für dieses Messprinzip gibt
es zwei verschiedene Zählerarten. Der Zäh-
ler mit Lastprofil saldiert die bezogene und
die zurückgespeiste Energie und der Zähler
mit zwei Registern misst die bezogene bzw.
zurückgespeiste Energie separat.
Vorteile für den Betreiber
Es ist kein zusätzlicher Zähler des EVU
notwendig. Abbildung 184:
Der gewonnene Solarstrom wird selber Eigenverbrauch
verbraucht.
Nachteile für den Betreiber
Dieses Prinzip bietet nur wenig Flexibili-
tät für die Zukunft, da die Energie nur an
das EVU verkauft werden kann.
Für einen allfälligen Verkauf der Energie
an Dritte fallen Installationskosten für die
Anpassung der Anlage an.
Zu statistischen Zwecken ist eine Privat-
messung einzubauen. Diese muss aber
nicht geeicht sein.
Hinterschaltung: Die Hinterschaltung Abbildung 185:
kommt bei Bezug auf einer höheren Span- Hinterschaltung
173
Gebäudetechnik

Kapitel 7

Anhang

7.1 Quellen
Grundprinzipien der sanften Klimatech- Norm SIA 382/2, Ausgabe 2011. Klimati-
nik (Kap. 1.5). Von Robert Meierhans () sierte Gebäude – Leistungs- und Energie-
Hydraulik in der Gebäudetechnik, Sie- bedarf
mens Schweiz AG, Zug Norm SIA 384/1, Ausgabe 2009. Hei-
Regeln und Steuern von Heizungsanla- zungsanlagen in Gebäuden – Grundlagen
gen, Siemens Schweiz AG, Zug und Anforderungen
Handbuch Wärmepumpen: Planung, Norm SIA 410, Stand Februar 2011 (Ent-
Optimierung, Betrieb, Wartung. Von Peter wurf). Klassierungsmethodik für die Sys-
Kunz, Thomas Afjei, Werner Betschart, Pe- teme der Gebäudetechnik
ter Hubacher, Rolf Lohrer, Andreas Müller, Norm SIA 416/1, Ausgabe 2007. Kenn-
Vladimir Prochaska. Faktor Verlag 2008 zahlen für die Gebäudetechnik – Bauteilab-
Ökologische Bewertung von Gebäude- messungen, Bezugsgrössen und Kennzah-
technikanlagen für SIA 2032, Schlussbe- len für Bauphysik, Energie- und Gebäude-
richt. Alex Primas, Basler & Hofmann Inge- technik
nieure und Planer AG 2008 Merkblatt SIA 2021, Ausgabe 2002. Ge-
Taschenbuch für Heizung + Klimatech- bäude mit hohem Glasanteil – Behaglich-
nik. Von Recknagel, Sprenger, Schramek, keit und Energieeffizienz
2011/2012 Merkblatt SIA 2024, Ausgabe 2006.
VDI-Wärmeatlas. 10. Auflage. VDI-Ver- Standard-Nutzungsbedingungen für die
lag 2006 Energie und Gebäudetechnik
Planungsanleitung zu Wärmepumpen. Merkblatt SIA 2028, Ausgabe 2010. Kli-
KWT, Kälte-Wärmetechnik AG, Worb, 2010 madaten für Bauphysik, Energie und Ge-
Der Solarordner: Empfehlungen zur Nut- bäudetechnik
zung von Sonnenenergie. Swissolar, Schwei- Merkblatt SIA 2031, Ausgabe 2009.
zerischer Fachverband für Sonnenenergie Energieausweis für Gebäude
Standardschaltungen von Kleinwärme- Merkblatt SIA 2032, Ausgabe 2010.
pumpenanlagen (Stasch). Bundesamt für Graue Energie von Gebäuden
Energie, BFE Richtlinie SWKI VA101-01, Ausgabe
2007. Klassifizierung, Testmethoden und
7.2 Weiterführende Infos Anwendung von Luftfiltern
Allgemeine Literatur Europäische Norm (EN) 15232, Ausgabe
Bauphysik, Bau & Energie. Von Christoph 2007. Energieeffizienz von Gebäuden –
Zürcher, Thomas Frank. 3. Auflage. VDF Einfluss von Gebäudeautomation und Ge-
Hochschulverlag 2010 bäudemanagement
Element 29. Wärmeschutz im Hochbau. Europäische Norm (EN) ISO 16484-2,
Von Thomas Frank, Jutta Glanzmann, Ausgabe 2004. Building automation and
Bruno Keller, Andreas Queisser, Marco Ra- control systems (BACS) – Part 2: Hardware
gonesi. Zürich, Faktor Verlag 2010
Internet
Normen und Regelwerke www.faktor.ch
Norm SIA 180, Ausgabe 1999. Wärme- www.sia.ch
und Feuchteschutz im Hochbau www.solarenergy.ch
Norm SIA 380/1, Ausgabe 2009. Thermi- www.vdf.ethz.ch
sche Energie im Hochbau www.holzenergie.ch
Norm SIA 382/1, Ausgabe 2007. Lüf- www.ehpa.org
tungs- und Klimaanlagen – Grundlagen www.swissolar.ch
und Anforderungen
174
Anhang

7.3 Autorenverzeichnis Weitere Autoren


Ruben Lüthy, Elektroplaner, Nussbaumer
Reto von Euw, dipl. HLK-Ing. FH, dipl. Sa- Elektro AG, Zug
nitärtechniker TS
2001 bis 2003: Wissenschaftlicher Mitar- Heinrich Manz, Prof. Dr., Hauptamtlicher
beiter an der Hochschule Luzern – Technik Dozent an der Hochschule Luzern – Tech-
& Architektur im Zentrum für Integrale Ge- nik & Architektur, Horw
bäudetechnik (ZIG); 2003 bis 2008: Pro-
jektleitung bei Reuss Engineering AG in Jürg Nipkow, dipl. Elektro-Ing. ETH/SIA,
Gisikon und bei Harald Kannewischer und S.A.F.E. Schweizerische Agentur für Ener-
Team in Zug; 2008 bis 2009: Practical trai- gieeffizienz, Zürich
ning in HVAC in den USA; seit 2009:
Hauptamtlicher Dozent an der Hochschule Jürg Tödtli, Dr. sc. techn. ETH, Zürich (bis
Luzern – Technik & Architektur, Abteilung 2009 Leiter Forschung Europa in «HVAC
Gebäudetechnik Products», Siemens; heute Consulting
Jürg Tödtli)
Zoran Alimpic, dipl. HLK-Ing. FH; MBA;
eidg. dipl. Energieberater Volker Wouters, Prof., dipl. El. Ing. HTL/
1986 bis 1992: Gesamtprojektleiter bei SIA, Dozent Gebäude-Elektroengineering
Hälg-Engineering in St. Gallen; 1993 bis an der Hochschule Luzern – Technik & Archi-
2000: Bereichsleiter und Partner bei Am- tektur, Horw; Geschäftsleitung Herzog Kull
stein + Walthert AG in Zürich; 2000 bis Group, Beratende Elektro-Ingenieure SIA
2009: Technischer Direktor bei Hirslanden
AG Head Office in Zürich; 2009 bis 2012:
Bereichsleiter und Geschäftsleitung bei Al-
piq Eco-Services in Zürich; ab September
2012: Hauptamtlicher Dozent an der
Hochschule Luzern – Technik & Architek-
tur, Abteilung Gebäudetechnik.

Hildebrand Kurt, dipl. Ing. FH/SIA, Prof.


für Gebäudetechnik
1982: Diplom an der Hochschule Luzern –
Technik & Architektur. 1982 bis 1986: Aus-
landjahre in Wien; 1986 bis 2000: Projekt-
leiter und Partner bei Meierhans & Partner
AG, Fällanden; 2000 bis 2003: Aufbau
und Leiter des Zentrums für interdiszipli-
näre Gebäudetechnik (ZIG) an der Hoch-
schule Luzern; seit 2003: Hauptamtlicher
Dozent für Gebäudetechnik (Studiengang
Gebäudetechnik und Architektur) an der
Hochschule Luzern. Aktiv im nationalen
wie internationalen Normenschaffen (SIA
KGE, SWKI, VDI, CEN, ISO).

Unterstützt wurden die Autoren von Prof.


Werner Betschart, Dozent an der Hoch-
schule Luzern – Technik & Architektur, und
Urban Frei, Geschäftsführer Alpiq Eco-Ser-
vices AG.
175
Gebäudetechnik

7.4 Schlagwortverzeichnis

A Brüstungsgerät 112
Abgleichdrossel 36, 142 Bürogeräte 164
Abluftanlage 120
Absorbtionskühlung 97 C
Absorption 104 Changeover 112
Absperrventil 142 Cheminéeofen 65
Abtauung 44 CO2-Konzentration 169
Abwärme 20, 152 Crossflow fans 134
Abwärmenutzung 120
Abwasserwärmenutzung 152 D
Adiabatische Befeuchtung 105 Deckenheizung 88, 109
Ammoniak 95 Defroster 125
Anfeuern 64 Diffusstrahlung 74
Arbeitsplatz 163 Direkteinspeisung 172
Architektur 3 Direkte Wassererwärmung 144
Asymmetrie 87 Direktkühlung 97
Atmung 14 Direktschaltung 35
Aufbaukollektoren 74 Doppeldecke 111
Aufzüge 161 Drosselschaltung 35
Ausdehnungsgefäss 34 Druckreduzierventil 142
Ausscheidung 14 Dunstabzugshaube 164
Aussenlamellenstoren 99 Durchlaufwassererwärmung 151
Aussenliegender Wärmeübertragung 148
Aussenluft 44 E
Aussenluftfassung 116 EER (Energy Efficiency Ratio) 95
Aussentemperaturfühler 34 Eigenenergieproduktion 20
Automation 169 Eigenverbrauch 172
Automationsebene 4 Einbaukollektoren 74
Automatische Holzfeuerungen 64 Einkanalsystem 121
Axialventilator 134 Einkanal-System 140
Azeotrope 93 Einsatzenergie 19
Einspritzschaltung 35, 36, 122
B Einzelversorgung 141
Bauteilkühlung 109 Elektrochrome Schichten 166
Befeuchtungssysteme 138 Endenergie 19
Behaglichkeit 12 Energiebedarf Warmwasser 26
Beimischschaltung 35, 122 Energie-Gewichtungsfaktor 23
Bekleidungsart 13 Energiepfähle 107
Beleuchtung 98 Energiequellen 43
Betriebseinrichtungen 163 Energiespeicher 33
Bilanzperimeter 23 Enhanced Geothermal Systems (EGS) 107
Biomassekessel 58 Entleerung 143
Bivalent-alternativer Betrieb 48 Entzugsleistung 46
Bivalent-paralleler Betrieb 49 Erdluftansaug 125
Bivalent-teilparalleler Betrieb 49 Erdsonde 25
Blends 93 Erdsondenlänge 26
Blockheizkraftwerke 71 Erdwärmeregister 46
Brandschutz 139 Erdwärmesonden 46
Brennwert 20 Erneuerbare Energiequellen 18
Briketts 63
176
Anhang

F Heizungsanlage 33
Fahrtreppen 161 Heizwert 20
FCKW/CFC 92 H-FCKW/HCFC 92
Feld 169 HFKW 92
Feldebene 4 High-flow-Solaranlage 80
Fensterlüftung 97 Hilfsenergie 23
Feste Brennstoffe 62 Hinterschaltung 172
Feuchterückgewinnung 133 Hochdruckstörung 46
Filterüberwachung 116 Holzbriketts 63
Filterung 134 Holzfeuerungssysteme 64
FKW/HFC 92 Holzheizungen 65
Flachkollektoren 74 Holzkochherd 65
Flexibilität 11 Horizontaufnahme 5
Folienrollo 166 Hybride Rückkühler 107
Fortluftaustritt 116 Hydraulik 35
Fossile Energieträger 18 Hydraulikantrieb 161
Free Cooling 106 Hydraulische Einbindung 47, 64
Freibadanlagen 75 Hydrogeothermie 107
Frequenz-Umformer 91 Hygienerichtlinien 139
Frischwassermodul 151
Fühler 34, 142 I
Fussbodenheizung 88, 109 Indirekte Wassererwärmung 145
Induktionsgerät 112
G Innenliegender Wärmeübertrager 145
GA-Effizienzklassen 169 Innenraumklima 16
Gasheizkessel 60 Installationszonen 10
Gas-Kochgeräte 164 Interner Bypass 36
GA-System 169 Interne Wärmelasten 100
Gebäudeautomation 168
Gebäudeorientierung 4 K
Gefriergeräte 163 Kaffeemaschinen 163
Geräte 163 Kalkausscheidung 81
Geregelte Umwälzpumpen 39 Kaltdampfzerstäuber 138
Gesamtdurchlassgrad 98 Kälteabgabe 90
Gesamtenergiedurchlassgrad 165 Kälteerzeugung 90, 102
Gewerbliche Anwendung 77 Kältemittel 42, 92
Gewerbliche Kälte 91, 105 Kältespeicherung 90
Graue Energie 6, 20 Kälteverteilung 90
Grundwasser 45 Kesselrücklaufhochhaltung 37
Gruppennetz 158 Klappen 116
Gruppenversorgung 141 Klimaanlage 126
g-Wert 99, 167 Klimatechnik 17
GWP 92 Kombispeicher 56, 86
Komfort 12
H Kompressionskältemaschinen 103
Hallenbad 77 Kompressor 102
Halogeniert 92 Kondensator 102
Haushaltgeräte 163 Kondenswasserbildung 44
Heat Pipe (Wärmerohr) 133 Kondenswasser-Siphon 122
Heizbänder 154 Konstant-Volumenstrom-Anlage 140
Heizkörper 88, 109 Konvektion 14
Heizkurve 40 Konvektionsdecke 111
177
Gebäudetechnik

Konvektive Decke 112 ODR: Ozon Depletion Potential 93


Kostenplaner 3 Operative Temperatur 87
Kreislaufverbundsysteme 133
Kreuzstrom-Wärmetauscher 118 P
Küchen 100 Pellet 62
Kühldecke 88, 109, 110 Photovoltaikanlagen 172
Kühllasten 97 Platzierung von Aussenfühlern 40
Kühlpanel 112 PMV 14
Kühlschränke 163 PPD 14
Kühlsegel 112 Primärenergie 18
Primärenergiefaktor 22
L Primär-Kreislauf 90
Ladepumpe 146 Primärsystem 10
Lamellenstoren 167 Propan 95
Laminar-Flow 128 Prozesswärme 77
Legionellen 153
Leistungsfähigkeit 14 Q
Low-flow-Solaranlage 80 Qualitätssiegel 64
Luftbefeuchtung 124, 126 Quelllüftung 88, 109
Luftbehandlung 134
Lufterhitzer 87 R
Lufterwärmung 124 Radialventilator 134
Luftfeuchtigkeit 12 RAL 1 137
Luftförderung 134 Raumgruppe, Zone 23
Luftheizung 88, 109 Raummeter 63
Lüftungswärmeverluste 26 Raummodell 96
Luftwäscher 138 Raumnutzung 23
Luft-Wasser-WP 44 Raumorganisation 3
Rechenzentren 100
M Regeneratives WRG-System 133
MAK-Werte 132 Regenerativ-Wärmetauscher 133
Management 169 Regler 34, 143
Managementebene 4 Rekuperation 161
Mischlüftung 88, 109 Retrofit Blends 93
Mischwasseranlagen 154 Risikogruppe 155
Mittelspannung 157 Rückflussverhinderer 142
Modula GT 3 Rückkühler 106
Modulierender Brenner 144 Rückkühlung 90
Monovalenter Betrieb 48, 51 Rücklaufhochhaltung 58
Rückspeisung 161
N
Nachtkühlung 17 S
Netzversorgung 157 Schachtkonzept 10
Niederdruckstörung 47 Schnittstellen 91
Norm-Heizlast 87 Schnitzel 62
Nutzenergie 20 Schwimmbad 77
Nutzungsbedingungen 96 Second tier 134
Nutzungsdauer 10 Sekundärenergie 18
Sekundär-Kreislauf 90
O Sekundärsystem 10
Oberflächennahe Geothermie 107 Server 163
ODP 92 Sicherheitstemperaturbegrenzung 36
178
Anhang

Sicherheitsventil 33, 142 Ventilatorüberwachung 116


Solarwärmenutzung 74 Verbrennungsphase 64
Sole-Wasser-WP 46 Verdampfer 102
Sonnenschutz 99, 165 Verdunstung 14
Sonnenstandsdiagramm 5 Verdunstungskühlung 105
Sorptionskühlung 105 Verkalkungsschutz 149
Speicheraktivierung 98 Vorhänge 166
Speichermasse 98 Vorlauftemperaturregelung 39
Speicherofen 65
Speicherwassererwärmer 53 W
Speicherwassererwärmung 34, 143 Wärmeabgabe 14, 33
Standardnutzung 23 Wärmeempfinden 12
Standby 161 Wärmeerzeuger 33
Staubsauger 163 Wärmekraftkopplung 71
Stellorgan 34, 143 Wärmelasten 96
Strahlennetz 158 Wärmepumpe 25
Strahlung 14 Wärmepumpen 42
Strahlungsangebot 74 Wärmerückgewinnung 23, 102
Strahlungsasymmetrie 87 Wärmeübertrager 142
Strahlungsdecke 111 Warmwasserspeicher 34, 143
Strömungsgeschwindigkeiten 138 Warmwasserversorgung 141
Stückholz 62 Wäschetrocknen 164
Wasser-Wasser-WP 45
T Witterungsfühler 34
Tabs 88 WKK-Anlagen 71
Teil-halogeniert 92
Temperatur-Asymmetrie 16 Z
Tertiärsystem 10 Zentralen 10
TEWI-Kennwert 94 Zentralversorgung 141
TGM-Funktionen 168 Zirkulationspumpe 142, 154
thermischer Komfort 97 Zulufterwärmung 117
Thermoaktive Bauteilsysteme (Tabs) 109 Zusatzheizung 58
Tiefe Geothermie 107 Zweikanal-System 140
Total Equivalent Warming Impact 94
Traktionsantrieb 161
Transmissionswärmeverluste 26
Treibhausgasemissionen 22
Turbocor 103
Turbomaschinen 103

U
Überhitzungsproblematik 80
Ultraschallbefeuchter 138
Umlenkschaltung 35
Umluftkühler 88, 109
Umwälzpumpe 33
Unverglaste Flachkollektoren 75

V
Vakuumröhrenkollektoren 75
Ventilatoren 134
Ventilatorleistung 134
Fachbuchreihe
Grundlage für die Fachbuchreihe «Nachhaltiges Bauen und Erneuern» bilden die Zertifikatskurse des Masterstudien-
ganges «Energie und Nachhaltigkeit am Bau» (www.enbau.ch), ein Weiterbildungsangebot von fünf schweizerischen
Fachhochschulen.

Licht im Haus
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Energieeffiziente Beleuchtung: Gut beleuchtete Räume haben für
Licht im Haus
Energieeffiziente Beleuchtung den Wohn- und Arbeitskomfort eine enorme Bedeutung. Tageslicht
respektive gutes Kunstlicht steigern Wohlbefinden und Konzen-
trationsfähigkeit. Dass diese gestalterischen Qualitäten auch mit
geringem Stromeinsatz möglich sind, davon handelt dieses Buch.
Herausgeberin: Fachhochschule Nordwestschweiz – Institut Energie
am Bau. Autoren: Stefan Gasser, Daniel Tschudy.
Faktor Verlag, Zürich Dezember 2011, 180 Seiten, 38 Franken.
Spezialpreis für Studenten: 25 Franken.
ISBN: 978-3-905711-15-8

Erneuerung – Nachhaltiges Weiterbauen


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Weiterbauen im 21. Jahrhundert: Die Autoren verstehen Weiter-
Erneuerung
0CEJJCNVKIGU9GKVGTDCWGP bauen nicht als ein anspruchsloses, notdürftiges Zurechtbiegen eines
Gebäudes, sondern als grosse Herausforderung, die ein integrales
Verständnis für das Bestehende, die Beherrschung der aktuellen
Techniken und Vorgaben der Nachhaltigkeit sowie eine hohe Innova-
tionsbereitschaft abverlangt.
Herausgeberin: Fachhochschule Nordwestschweiz – Institut Energie
am Bau. Autoren: Peter Schürch, Dieter Schnell.
Faktor Verlag, Zürich Oktober 2011, 150 Seiten, 38 Franken.
Spezialpreis für Studenten: 25 Franken.
ISBN: 978-3-905711-13-4

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ISBN: 978-3-905711-18-9

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