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1.

Auftritt:
Der reiche Jude und Schuldeneintreiber Nathan kehrt von einer Geschäftsreise nach
Babylon nach Jerusalem zurück und erfährt dort von Daja, seiner christlichen Haushälterin
und der Gesellschafterin seiner Tochter Recha, dass sein Haus während seiner
Abwesenheit brannte und Recha fast in den Flammen umgekommen wäre. Gerettet wurde
sie von einem Tempelherrn, der wenige Tage vorher von Sultan Saladin überraschend
begnadigt wurde und den Recha nun für einen Engel hält.
Der Tempelherr wollte keinen Dank für seine Tat und verschwand direkt in der Menge.
Daja berichtet, dass sie ihn in den folgenden Tagen mehrfach am Grab Jesu Christi
gesehen und aufgesucht hat, um ihm doch noch zu danken, er sie aber jedes Mal
davongejagt hat. Mittlerweile ist der Tempelherr allerdings spurlos verschwunden, aber
Nathan will ihn unbedingt finden, um ihm zu danken und Recha zu zeigen, dass er kein
Engel sondern ein Mensch ist.
Im ersten Auftritt deutet sich außerdem ein Geheimnis an, das scheinbar Recha betrifft
und von dem nur Nathan und Daja wissen. Daja spricht von der Last ihres Gewissens,
lässt sich aber mit teuren Geschenken von Nathan kaufen.
2. Auftritt:
Recha kommt dazu und macht ihrem Vater Vorwürfe, weil er nicht sofort zu ihr geeilt ist,
als er zurück war. Sie steht noch ganz unter den Eindrücken des Feuers und erzählt
Nathan dann von ihrem Engel, den Gott ihr geschickt hat und den sie sehen durfte.
Nathan versucht sie davon zu überzeugen, dass es kein Engel sondern ein Mensch war,
aber ihre Rettung trotzdem ein Wunder ist, zumal der Tempelherr selbst durch ein Wunder
gerettet wurde. Der Sultan hat nämlich das erste Mal einen gefangenen Tempelherrn
begnadigt. Der Grund dafür war, dass er ihn an seinen verstorbenen Bruder erinnert hat.

Daja springt Recha bei, die noch immer der Meinung ist, dass der Tempelherr ein Engel
sei. Nathan macht deutlich, dass es reiner Stolz ist, wenn man lieber von einem Engel als
von einem Menschen gerettet wird. Er sieht das sogar als Gotteslästerung, wenn man
selbst so besonders sein will, dass Gott persönlich einen Engel schickt. Daja und Recha
verteidigen sich damit, dass der Tempelherr so in sich geruht habe, wie es nur Engel
können und er dann verschwunden sei. Nathan lässt aber auch das nicht gelten, denn nur
weil er nicht mehr unter den Palmen am Heiligen Grab spazieren ginge, hieße das nicht,
dass er ein Engel ist. Er könnte genauso gut erkrankt sein, schließlich sei er als Franke
das Klima nicht gewohnt und könnte sogar gerade im Sterben liegen.Diese Vorstellung
erschreckt Recha so sehr, dass sie fast zusammenbricht. Nathan lenkt nun ein und sagt
ihr, dass der Tempelherr nicht krank ist und er ihr dies nur gesagt hat, um ihr den
Engelglauben auszutreiben. Denn von einem Engel zu schwärmen ist leichter als selbst
die Initiative zu ergreifen und gute Taten zu vollbringen. Recha fleht ihn darauf an, sie nicht
mehr allein zu lassen.
Nathan entdeckt nun einen Muslim, der auf sein Haus zukommt. Daja erkennt in diesem
sofort den Derwisch Al-Hafi, mit dem Nathan öfter Schach spielt und den der Sultan zum
Schatzmeister ernannt hat. Nathan schickt die Frauen ins Haus und ist gespannt, was sein
Freund ihm erzählen wird.
3. Auftritt:
Der Derwisch Al-Hafi trägt nun statt seiner Bettelmönchtracht ein prächtiges Gewand, das
ihn als Schatzmeister ausweist. Er befürchtet, dass Nathan nun nicht mehr sein Freund
sein möchte, aber Nathan kann diese Bedenken zerstreuen. Al-Hafi erzählt ihm dann,
dass er zum Schatzmeister des kleinen Schatzes wurde, weil er sich vom Sultan
einwickeln ließ. Dieser hat ihm damit geschmeichelt, dass sie beide gleich denken und
fühlen würden und der Derwisch gut zu den Bettlern sein wird, weil er selbst einer ist und
damit weiß, wie sich diese fühlen.
Mittlerweile bereut er, sich darauf eingelassen zu haben, da in den Kassen des Sultans
immer Ebbe ist, weil die Fürsten des Reiches das Geld für sich beanspruchen. Er hat
Schwierigkeiten neue Geldgeber zu finden und will deshalb seinen Freund Nathan um
welches bitten. Aber dieser ist nicht bereit, dem Sultan Geld zu leihen, würde aber seinem
Freund stets zur Seite stehen.

Der Derwisch sagt daraufhin, dass er bald kein Schatzmeister mehr sein wird und
stattdessen seinen Traum leben wird. Dieser besteht darin, am Ganges (Fluss in Indien
und Bangladesch) mit Lehrern seines Glaubens spazieren zu gehen und Schach zu
spielen. Er befürchtet nämlich in seiner Position als Schatzmeister das Menschliche zu
verlernen, da er es nicht so sein darf, wie es ihm entspricht. Er eilt davon, ohne dass
Nathan ihn nach dem Tempelherrn fragen kann.
4. Auftritt:
Daja kommt aufgeregt zu Nathan und berichtet ihm, dass Recha den Tempelherrn aus
dem Fenster entdeckt hat, wie er wieder unter den Palmen spazieren geht. Nathan möchte
ihm nicht in seiner Reisekleidung gegenübertreten und will deshalb Daja schicken, damit
sie ihn in seinem Namen einlädt. Daja weiß aber, dass er sich darauf nicht einlassen wird,
weil er nicht das Haus eines Juden betritt.
Nathan bittet sie daraufhin, den Tempelherrn zu beobachten, denn er will sich noch schnell
umziehen und ihr dann folgen.
5. Auftritt:
Der Tempelherr geht unter den Palmen spazieren und bemerkt einen Klosterbruder, der
ihm bereits eine Weile folgt. Als er ihn anspricht, erfährt er, dass dieser ihm vom Patriarch
nachgeschickt wurde, weil dieser mehr über den Tempelherrn erfahren möchte. Der
Tempelherr reagiert darauf ablehnend und meint, es sei mehr als genug, wenn dieser
weiß, dass er gefangen genommen und begnadigt wurde. Weshalb er als einziger vom
Tod verschont wurde, weiß der Tempelherr allerdings nicht.
Der Patriarch schließt daraus aber, dass er von Gott für große Taten auserwählt wurde.
Eine solche wäre es, König Philipp einen Brief zu übermitteln, in dem die genaue Stärke
Saladins aufgeführt ist, damit der König überlegen kann, ob er den gebrochen
Waffenstillstand wiederherstellt oder nicht. Der Tempelherr soll außerdem, da er sich
überall frei bewegen kann, die neue zweite Mauer Jerusalems inspizieren, um deren
Schwachstellen herauszufinden. Der Tempelherr möchte aber kein Spion sein und lehnt
ab.
Der Klosterbruder dachte sich das bereits, legt aber noch weitere Pläne des Patriarchen
offen. Er erzählt, dass dieser eine Burg im Libanon kennt, von der aus der Vater Saladins
das Heer besolden lässt. Außerdem weiß er, dass Saladin manchmal im Geheimen und
kaum bewacht dorthin reist und es daher leicht wäre, ihn unterwegs zu töten. Auch daran
soll der Tempelherr sich beteiligen. Er reagiert darauf entsetzt, da er nicht den Mann töten
will, dem er sein Leben verdankt. Der Patriarch sieht darin allerdings kein Unrecht, da
Saladin ein Feind der Christenheit ist und daher kein Freund des Tempelherrn sein kann.
Außerdem würde Gott diese Tat befürworten. Der Klosterbruder verrät dann im weiteren
Gespräch, dass der Patriarch weiß, weshalb er von Saladin begnadigt wurde. Es läge
daran, dass er dessen Bruder ähnlich sehe. Der Tempelherr ist nun noch stärker gegen
den Patriarchen aufgebracht. Er ist noch weniger bereit, diesem einen Gefallen zu tun und
gegen sein Gewissen zu handeln. Den Klosterbruder freut dies und er betont, dass er nur
Befehlen gehorcht habe, als er mit dem Tempelherrn sprach. Dann geht er fort.
6. Auftritt:
Daja hat das Gespräch von weitem beobachtet und merkt, dass der Tempelherr nun
schlechte Laune hat. Trotzdem nähert sie sich ihm und spricht ihn an. Er hat keine Lust,
sich mit ihr zu unterhalten und ist daher sehr einsilbig. Daja erfährt aber, dass er verreist
war und am Vortag zurückgekommen ist.
Sie lädt ihn in Nathans Haus ein und wirbt für ihren Brotherrn, indem sie erzählt, dass er
von den Juden als ein Weiser verehrt wird, obwohl er so reich ist. Sie beschreibt wie gut
Nathan ist und dass auch sie als Christin nur deshalb bei ihm bleibt und die Jüdin Recha
erzieht. Außerdem erzählt sie, dass sie damals mit ihrem aus der Schweiz stammenden
Mann, der unter Kaiser Friedrich diente, ins Heilige Land gekommen sei.
Ihr Mann ist allerdings zusammen mit dem Kaiser in einem Fluss ertrunken. Der
Tempelherr unterbricht sie genervt, weil er diese Geschichte schon kennt und nicht mehr
von ihr belästigt werden will. Er wirft ihr sogar an den Kopf, dass er wahrscheinlich das
nächste Mal niemanden mehr aus dem Feuer retten würde, da er so genervt davon ist,
ständig daran erinnert zu werden. Er will von ihr in Ruhe gelassen werden und auch von
Nathan und Recha. Sie will ihn aber nicht gehen lassen, weshalb der Tempelherr noch
deutlicher wird. Daja lässt ihn gehen, folgt ihm aber von weitem.

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