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Markus Groß I Karl-H,eIin Ohlig (Hg.

Die Entstehung
einer ~eltrehgionI1 -
Schriften zur frühen Islamgeschichte und zum Koran

Hg. von Inirah - Institut zur Erforschung


der frühen Islamgeschichte und des Koran
Veranhvortiich: Karl-Heinz Ohlig
Markus Groß / Karl-Heinz Ohlig (Hg.)

Die Entstehung
einer Weltreligion II
Von der
koranischen Bewegung
zum Frühislam

INARAH
Schriften zur frühen Islamgeschchte und zum Koran
Band 6

Verlag Hans Schiler


Bibliographische Information der Deutschen Bibliothek:
Die Deutsche Bibliothek verzeichnet diese Publikation
in der Deutschen Nationalbibliographie;
detaillierte bibliographische Daten sind
im Internet abnifbar unter: http://dnb.ddb.de

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O 2011 Verlag Hans Schiler BerlidTübingen


Erstausgabe
1. Auflage 2012
Umschlaggestaltung: textintegration.de
Umschlagabbildungen: siehe Hinweis am Ende, Seite 814
Dmck: CPI Books
Printed in Germany
ISBN: 978-3-89930-345-2
Inhalt

DIEENTSTEHUNG
EINER WELTRELIGION
11

MARKUSGRO~,
KARL-HEINZ
OHLIG: Einführung ....................................................................
7

I. Zur Vor- und Frühgeschichte des Islam

Geschichte und Geschichten ....................................


13

Epigraphische Spuren frühislamischer


Gemeindebildung......................................................
34

Nochmals: Hieß der Prophet


Muhammad? ............................................................
53

Hellenistische Traditionen im frühen Islam,


Kunst, Architektur und literarische Libertinage...96

Frühe 'Ali -Verehrung und die Schöpfung des


abbasidischen Weltbilds .........................................
164

11. Zum Koran

Ein früher Koranpaiimpsest aus Sanaa I1


(DAM 01-27.1) - Teil IV: Die scriptio
inferior auf den Blättern 17, 18 und 19.................3 11

Variants and Substantiated Qirä'ät: A few Notes


Exploring their Fluidity in the Oldest Qur'anic
Manuscripts ..............................................................
403
Die erfundenen arabischen Relativpronomen -
Ein Beitrag zur Entstehungsgeschichte des
Klassisch-Arabischen.............................................
441

Von der aramäischen Lesekultur zur


arabischen Schreibkultur I1 -
Der aramäische Wortschatz des Koran ................553

Keine Polygamie und kein Konkubinat im


Koran (Sure 4:3) Teil 1............................................ 615

TEXTUM CORRUPTUM: Gibt es eine


syro-aramäische Lesart der „verderbten
Stellen" des hebräischen Psalters?.........................
646

Die „Legenden der Alten" im Koran -


Die Erzählung von den Schläfern in der Höhle
und der Alexander-Roman anhand von Sure 18
(Übers.: Werner Müller) ..........................................
661

- 111. Z u r heutigen Situation der Islamwissenschaften

MARCIN
GRODZKI: Von Lüling zu Inarah - ein Blick auf die
Fortentwicklung einiger Forschungsaspekte
in den letzten Jahrzehnten......................................
709

GERD-R.PUIN: Der Koran nach der Lesart von


Angelika Neuwirth .................................................. 753

PIOTR0 . SCHOLZ: Einige Bemerkungen aus der Sicht der Kunde vom
Christlichen Orient .................................................
762
11. Zum Koran
Ein früher Koranpalimpsest aus San'ä' (DAM 01-27.1)
Teil IV:
Die scriptio inferior auf den Blättern 17, 18 und 19 der
Handschrift DAM 0 1-27.1
(Sure 9:106-Ende, dann 19:1-67 und weiter)

Elisabeth Puin

1. Einführung
Als Anfang der 1970er Jahre die Westmauer der Großen Moschee in San'ä',
einer der ältesten Moscheen der Welt, erneuert wurde, fanden sich in einem
Zwischenboden zwischen Decke und Dach etwa 40.000 Blätter bzw.
Blattfragmente aus Pergament und Papier, die allermeisten davon Reste von
Koranhandschriften. Sie wurden zunächst sichergestellt und die Pergamente
dann in einem durch Prof. Dr. Albrecht Noth (Hamburg) initiierten und
von der Kulturabteilung des deutschen Auswärtigen Amts finanzierten
Projekt in San'ä' inventarisiert und restauriert. Das Projekt wurde res-
tauratorisch betreut von der UB Göttingen und im Jemen zunächst (1981-
1985) von Dr. Gerd-R. Puin und anschließend (1985-1986) von Dr. Hans-
Caspar Graf V. Bothmer geleitet; danach wurde es (1987-1992 und 199617)
als Drittmittelprojekt der Universität des Saarlandes unter der Verantwor-
tung Graf V.Bothmers weitergeführt und die Pergamente, soweit restauriert
und katalogisiert, schließlich auf Mikrofilm fotografiert1.
Die Koranblätter, soweit auf Pergament, ,,stammen aus 926 verschiede-
nen (...) Handschriften. Keine von ihnen ist auch nur annahernd vollständig
erhalten; von manchen blieben nur eines oder wenige Blätter, von anderen

1 Gerd-R. Puin Bedeutung 37 und Bothmer Anfänge der Koranschreibung 40; s.


auch Bothmer Meisterwerke 177.
gibt es weit über h ~ n d e r t " ~
Bei
. einer dieser Handschriften handelt es sich
um einen Palimpsest3, d. h. ein Manuskript, bei dem die erste Schrift abge-
waschen und dann das Pergament neu beschriftet wurde, bei dem dann aber
die abgewaschene Schrift teilweise wieder zum Vorschein kam. Der größte
Teil dieser Handschrift4 wird unter der Inventarnummer DAM 01-27.1 im
Där al-M-tütät in San'ä' aufbewahrt. Dabei handelt es sich u m 36 hoch-
formatige Pergamentblätter in der Größe von ca. 36,5x28,5 Cm; etliche Fo-
lios sind allerdings nur noch als mehr oder weniger große Blattfragmente
erhalten. Zwei weitere Blätter gehören sicherlich ebenfalls zu demselben
Manuskript, befinden sich jedoch außerhalb des Jemen: Eines (im folgenden
„Christie's" genannt) wurde von Christie's 2008' versteigert, das andere im
Jahr 2000 von Bonham6. Hinzu kommen zwei weitere Blätter, die ebenfalls
in Europa versteigert wurden und jetzt in Stanford bzw. Copenhagen
liegen7;ihre Zugehörigkeit zu der Handschrift wurde behauptet und ist auch

Bothmer Anfänge der Koranschreibung 40-41.


Teil des $anCa'-Fundesist allerdings mindestens noch ein weiteres Palimpsest-
blatt; dieses ist aber querformatig, und seine scriptio superior stammt wohl aus
dem 3. oder 4. Jahrhundert AH, ist also deutlich jünger als seine scriptio inferior
aus dem 1.12. Jahrhundert. - Foto einer Seite s. UNESCO CD-ROM, Foto Nr.
043020C; Kurzbeschreibung s. Small/Puin Unesco CD 64.
Liste der erhaltenen Blätter mit Angabe der Inhalte der scriptio superior s. Noja-
Noseda La mia visita; mit Angabe der Inhalte beider Schriftschichten s. Puin, E.
Koranpalimpsest 111 249-250 sowie im Internet unter htt~://www.isiamic-
awareness.org/Ouran/Text/Mss/soth.html. Übersicht über die vier außerhalb
des Jemen aufbewahrten Blätter s. Sadeghi Codex of a Companion 355.
Christie's London, April 2008, Sale 7571, lot 20. Abb. beider Seiten derzeit
(März 201 1) auf htt~:l/www.islamic-awareness.org/OuranlTe/Mss als „Chris-
tie's 2008" sowie bei www.christies.com unter „Auction Results". Beide Schrift-
schichten dieses Blattes wurden von Behnam Sadeghi (Codex of a Companion)
untersucht.
Bonhams Islarnic Sale, 11. Oktober 2000, lot 13. Abb. beider Seiten auf der o. e.
Webseite von Islarnic Awareness als "Bonham's 2000". - Die scriptio inferior
dieses Blattes wurde untersucht in Fedeli Evidences; zur Untersuchung beider
Schriftschichten s. Sadeghi Codex of a Companion.
Das mittlerweile in Stanford aufbewahrte Blatt wurde von Sotheby's in London,
22.10.1993, Lot 34 versteigert. Hochauflösende Fotos beider Seiten s. unter
http://ssrl.slac.stanford.edu/quranleaf.
Das andere, mittlerweile in der David-Collection in Copenhagen, Inv.Nr.
8612003 befindliche Blatt wurde von Sotheby's in London, 22. und 23. Oktober
1992, Lot 551, sowie von Christie's in London, 1. Mai 2001, Sale 6428, lot 12,
nicht unwahrscheinlich, aber bislang nicht gesicherts. Auf fast allen er-
haltenen Blättern ist außer der deutlich lesbaren sekundären Schrift, der
scriptio superior in dunkler Tinte, auch die primäre scriptio inferior (oder
zumindest Teile davon) als hellbraune „Schattenschrift" zu sehen. Bei bei-
den Schriftschichten handelt es sich um Koran, und die Spanne von zumin-
dest ausschnittweise erhaltenem Text ist jeweils so groi3, dass man davon
ausgehen kann, dass es sich in beiden Schriftschichten um jeweils einen
vollständigen Korankodex gehandelt hat9.
Der Palimpsest ist insofern ungewöhnlich, als die Zweitschrift sehr früh,
wohl noch im ersten Jahrhundert islamischer Zeitrechnung, entstand, also
nur wenige Jahrzehnte jünger ist als die Erstschrift. Überalterung und
Verfall, die sonst üblichen Gründe für das Abwaschen einer Erstschrift und
das Wiederverwenden von Pergament, sind in diesem Fall also nicht
wahrscheinlich, so dass der Verdacht nahelag, es sei vielmehr die Textfas-
sung der Erstschrift gewesen, die theologisch Anstoß erregt haben könnte
und deshalb getilgt werden solltelO;die sekundäre scriptio superior hingegen
entspricht, bis auf die in frühen Handschriften üblichen kleinen, vor allem
orthographischen Abweichungen, dem Standardtext. Inzwischen ist es mög-
lich geworden, die unter der scriptio superior schwach sichtbare scriptio
inferior zu untersuchen", und tatsächlich bestätigt die Analyse der scriptio

versteigert. Abb. beider Seiten derzeit (März 201 1) auf der o. e. Webseite von
Islamic Awareness als ,,Sotheby's 1992", eine der Avers-Seite bei
www.christies.com unter ,,Auction Results". In sehr guter Qualität sind beide
Seiten abgebildet bei Fogg Calligraphy. Die scriptio inferior dieses Blattes wurde
untersucht von Fedeli in Evidences. Sadeghi (Codex of a Companion) untersucht
beide Schriftschichten.
Die Zugehörigkeit wurde zunächst behauptet von Fogg (Islamic Calligraphy, 6 )
und dann auf wwwislamic-awareness.com,unter ,,Codex $an%' DAM 01-27.1,
sowie von Sadeghi in Codex of a Companion 354. Diskussion s. Puin, Elisabeth
Koranpalimpsest I1 528.
Ausführliche Begründungs. Puin, Elisabeth Koranpalimpsest I11 251-252.
Bothmer Meisterwerke 178.
Dr. Gerd-R. Puin und Dr. Hans-Caspar Graf V. Bothmer (Universität des
Saarlandes) haben mir Zugang zu den von ihnen aufgenommenen Kleinbild-,
6x6- und Mikrofilm-Fotografien(zum Teil in Farbe) gewährt, wofür ich ihnen
sehr herzlich danken möchte. Möglich wurde das Entziffern der scriptio inferior
durch verschiedene Techniken der Bildbearbeitung am Computer, mit deren
Hilfe die eingescannten Fotos sehr stark vergrößert sowie Tonwertbereich und
Kontrast nach Bedarf so verändert werden können, dass die scriptio inferior
inferior die Vermutung: Publiziert wurden bisher (mit ihrer scriptio inferior)
die vier außerhalb des Jemen befindlichen Blätter und ein Teil von Folio
14vI2 sowie die Folios 2, 4, 5 und 1613von DAM 01-27.1. Auf ihnen sowie
auch auf den anderen untersuchten Blättern mit nennenswerten Mengen an
lesbarer scriptio inferior finden sich zahlreiche gravierende UnterschiedeL4
zum Wortlaut des heute alleingultigen Korans 'utmänischer Redaktion (im
folgenden StandardtextI5, abgekürzt StT, genannt). Zunächst hatte man
noch versucht, ihren Text im Sinne einer zwischenzeitlich erfolgten Stan-
dardisierung zu korrigieren; das zeigen zahlreiche Stellen, an denen die
Erstschrift ausgekratzt bzw. geschwärzt und dadurch endgültig vernichtet
wurde, sowie korrigierende Einfügungen und Überschreibungen16. Doch
gab man das Unternehmen, vielleicht angesichts der Überfülle von Abwei-
chungen, bald auf und wusch stattdessen die ganze Erstschrift ab.

stärker hervortritt. - Auch Sadeghi (Codex of a Companion) führte seine Ana-


lyse anhand z. T. hochauflösender Fotos durch. - Außerdem ist zu erwarten,
dass auf den W-Fotografien des Manuskripts, die Prof. Dr. Sergio Noja-
Noseda (t 2008) und Dr. Alba Fedeli (Universita degli Studi di Milano) im
Rahmen des Amari-Projekts haben anfertigen lassen und die hoffentlich bald
als Faksimile-Nachdruck publiziert werden können, noch erheblich mehr von
der Originalschrift zu erkennen ist als auf herkömmlichen Fotografien und
womöglich mehr, als auf dem Original mit bloßem Auge zu erkennen ist.
Sadeghi Codex of a Companion.
Puin, E. Koranpalimpsest (Folio 2); Koranpalimpsest I1 (Folio 4 und 5);
Koranpalimpsest 111 (Folio 16).
Übersicht über die verschiedenen Kategorien von Textabweichungen s. Sadeghi
Codex of a Companion 417 ff. und Puin, E. Koranpalimpsest 111262-277.
Referenztext ist der 1924 und öfter in Kairo gednickte sogenannte "King-
Fu'ädn-Koran; diese Ausgabe wurde mit kleineren Korrekturen vielfach
wiederaufgelegi und ist in der Orthographie identisch mit den kürzlich in
Saudi-Arabien veröffentlichten, als ,,Medina-Koran(e)" oder „KFC-Korane"
(für King Fahd Complex) bekannten Ausgaben.
Diskussion und Abbildung von Korrekturen s. Puin, E. Koranpalimpsest III
253-255 sowie die Publikation von Folio 2 in Puin, E. Koranpalimpsest 475-490.
- Sadeghi schreibt über die Korrekturen auf den von ihm untersuchten Blättern,
sie seien erst angebracht worden, nachdem der sekundäre Codex (mit der
scriptio Superior) schon nicht mehr in Gebrauch gewesen sei (Codex of a
Companion 358). Dies ist theoretisch denkbar, aber nicht plausibel; auch
überzeugen seine Argumente hierfür (andere Tinte, angeblich anderer Schrift-
stil) nicht.
Zudem entspricht die Surenfolge weder der des StT noch auch der der Ko-
dizes von Ibn Mas'üd oder Ubayy ibn Ka'b, wenn auch gewisse Ahnlich-
keiten mit der Surenfolge beider Kodizes bestehen": Sure 25 folgt unmit-
telbar auf Sure 15 (Folio 15v), Sure 19 auf Sure 9 (Folio 18r), Sure 62 auf 63
(Christie's, recto) und 89 auf 62 (Christie's, verso). Nur zwei der erhaltenen
Surenwechsel entsprechen dem StT: Sure 9 folgt auf Sure 8 (Folio 4r), und
90 folgt auf 89 (Christie's, verso). Doch war dies wohl nicht der Grund für
die Zerstörung der Erstschrift, denn abweichende Surensequenzen finden
auch in anderen frühen Koranmanuskripten aus $an'äqs.
Hier wird nun die Erstschrift auf drei weiteren Blättern, nämlich Folio
17, 18 und 19 des Manuskripts DAM 01-27.1, vorgestellt; auf die Analyse
der Zweitschrift muss hier aus Platzgründen vorerst verzichtet werden. Die
drei Blätter folgen textlich nahtlos aufeinander, und zwar (wie auch einige
andere Blattgruppen innerhalb der Handschrift19) nicht nur in der scriptio
inferior, sondern auch in der scriptio superior, dabei haben die Inhalte von
scriptio inferior und scriptio superior, wie auch im Rest des Fragments,
nichts miteinander zu tun, vielmehr handelt es sich um ganz verschiedene
Ausschnitte aus dem Koran: Bei der scriptio inferior um Sure 9:106-Ende,
dann 19:l-67 (und weiter), bei der scriptio superior hingegen um Sure 31:24
bis Ende, Sure 32 (ganz) und Sure 33:l-37.
Zudem stehen die Blätter 17, 18 und 19 in engem Zusammenhang mit
dem bereits publizierten Folio 16, und zwar wiederum in bezug auf beide
(voneinander unabhängigen) Schriftschichten: Der Text der scriptio inferior
auf Folio 16 endet mit 9:84 (bzw. noch etwas weiter), während Folio 17 mit
9:106 beginnt; berechnet man den Platzbedarf der Textmenge dazwischen,
so ergibt sich, dass an dieser Stelle genau ein Blatt des primären Codex
verloren ist. Dasselbe gilt auch fiir den sekundären Codex: Der Text der
scriptio superior auf Folio 16 reicht von Sure 30:26 bis 30:54, wahrend Folio

17 Diskussion zum Befund auf dem Christie's-Folio s. Sadeghi Codex of a


Companion 393-4; zu DAM 01-27.1 s. Puin, E. Koranpalimpsest 111256-257.
18 Puin, Gerd-R. Observations 1 11 (die Signatur der Manuskripte wird dort nicht
genannt); für DAM 01-32.1 s. auch Small Unesco CD Part 2 (er übernimmt die
Benennung auf der CD: Showcase 12, Ms. 35).
19 Puin, Elisabeth Koranpalimpsest 111, 252-3. Sadeghi (S. 357) beschreibt für die
beiden Palimpsestblätter, die er als „Stanford 07" und „David (für David
Collection in Copenhagen) benennt und die möglicherweise zu demselben
Manuskript gehören wie DAM 01-27.1, dass sie ebenfails sowohl in der unteren
ais auch in der oberen Schriftschicht zusammengehören.
17 mit 31:24 beginnt; offenbar fehlt an dieser Stelle auch in bezug auf den
sekundären Codex genau ein Blatt.

2 Kodikologische Beobachtungen
2.1 Zustand des Pergaments
Folio 17 ist praktisch vollständig erhalten, lediglich die Ränder und Ecken
sind stellenweise etwas beschädigt, und etwa in der Blattmitte befindet sich
ein kleinerer Riss, was aber die Schrift(en) kaum in Mitleidenschaft zieht.
Etwas unterhalb des Risses und weiter in Richtung Außenrand befindet sich
ein größeres Loch, das offenbar während der Lagerung entstand; auch gibt
es zahlreiche dunkle Flecken, die auf Feuchtigkeitseinwirkung zurückgehen.
Folio 18 und 19 bilden ein Doppelblatt und weisen etliche gleiche Be-
schädigungen an spiegelbildlich denselben Positionen auf; diese Schäden
dürften entstanden sein, während das Doppelblatt zusammengeklappt ge-
lagert war. Ein gekrümmter Riss teilt Folio 18 und ebenso, gespiegelt, Folio
19 etwa in ein oberes Drittel und untere zwei Drittel. An den oberen
Außenecken fehlt jeweils ein größeres Stück des Pergaments. Die Ränder
sind brüchig, z. T. auch ausgebrochen.
Alle drei Blätter weisen zahlreiche dunkle, durch die Einwirkung von
Feuchtigkeit entstandene Flecken auf, vor allem einen sehr großen Fleck
jeweils im unteren äußeren Viertel der Blätter 18 und 19.
Andere Schäden bestanden bereits vor der ersten Beschriftung der
Blätter, das für die Handschrift verwendete Pergament war von Anfang an
zwar von guter, aber nicht von bester Qualität: Vier auf Folio 18, nicht aber
auf Folio 19 vorkommende, kleine runde bis ovale Löcher wurden
vermutlich von Dasselfliegenlarvennoch zu Lebzeiten des Tieres verursacht,
aus dessen Haut später das Pergament gefertigt wurde. Eines der Löcher
befindet sich am Innenrand des Blattes, etwas oberhalb der Mitte und au-
ßerhalb des Schriftspiegels. Auf zwei andere, recht weit unten in der Nähe
des Außenrandes nebeneinander sitzende Löcher nimmt die scriptio supe-
rior (die scriptio inferior ist an dieser Stelie nicht sichtbar) auf der Verso-
Seite Rücksicht, und ein viertes, etwa in der gleichen Höhe in der Nähe des
Innenrandes befindliches Loch wird (auf der Recto-Seite) bereits von der
scriptio inferior sowie (auf der Verso-Seite) von der scriptio superior
berücksichtigt. Ähnliche Löcher finden sich auch auf den Blättern 2,4,7, 14,
16 und 28" von DAM 01-27.1; und auch das in Stanford befindliche Blatt,
das möglicherweise ebenfalls zu derselben Handschrift gehört, weist
mindestens zwei solche Dasselfliegen-Löcher auf, die bereits von der
Erstschrift berücksichtigt werden2'.

2.2 Erhaltungszustand der Schriften


Die Tinte der scriptio superior ist auf Folio 17 auf der Revers-Seite an vielen
Stellen abgeblättert und daher wesentlich weniger klar lesbar als auf der
Avers-Seite. Auch auf dem Doppelblatt 18 und 19 ist die scriptio superior auf
einer Seite, nämlich auf Folio 18v und dem gegenüberliegenden Folio 19r,
an vielen Stellen abgeblättert, wahrend sie auf der anderen Seite (Folio 18r
und 19v) weitgehend intakt und daher klar lesbar ist.
Die scriptio inferior ist auf den Blättern 17 und 18 auf beiden Seiten etwa
gleich gut bzw. (aufgrund dunkler Feuchtigkeitsflecken) schlecht zu lesen.
Anders auf Folio 19: Dort ist sie auf der Rückseite sehr viel schlechter zu
erkennen als auf der Vorderseite des Blattes (ähnlich, wie es auch auf den
Blättern 5 und 16 der Fall ist). Vielleicht wurde die Schrift auf der Rückseite
besonders intensiv getilgt, oder die Schäden durch die Lagerung sind
zufällig größer.

3 Die scriptio inferior: Allgemeine Beobachtungen


3.1 Schriftspiegel, Zeilen und Schrift
Der Schriftspiegel der scriptio inferior ist auf allen untersuchten Blättern
etwas höher als der der scriptio superior (s. U. Tabelle), links und rechts
hingegen sind die Schriftspiegel in etwa gleich (überall ,,Flattersatz1' an den
Zeilenenden); lediglich auf Folio 19 begannen die Zeilen der Erstschrift
etwas (aber nur wenig) weiter rechts.

20 Genaueres s. Puin, Elisabeth Koranpalimpsest 111,239,


21 Vgl. das Foto der Recto-Seite sowie Sadeghis Umzeichnung der scriptio inferior
darauf, Sadeghi Codex o f a Companion 349 und 351: Betroffen sind die zweite
und diel3. Zeile der scriptio inferior.
Schriftspiegel der scriptio inferior:
Folio 17r 17v 18r 18v 19r 19v
oben: Zeilen oberhalb der s. sup. 1 1 1 % 1 1
unten: Zeilen unterhalb der s. sup. 1 ? 1-2 %-I ?h2* 1 1

Die Zeilen der scriptio inferior verlaufen nicht (mehr) horizontal, sondern
mehr oder weniger stark gekrümmt und schief: Offenbar wurde das
Pergament beim Vorgang der Wiederaufbereitung stark verzogen23.Durch
die Beschneidung der unteren Rands fiel auf Folio 17r der Anfang der
letzten Zeile (aber nur dieser) weg, auf Folio 18r gingen der Anfang der
vorletzten Zeile sowie Ca. das erste Drittel der letzten Zeile verloren.

Die Anzahl der Zeilen pro Seite ist, wie in Higäzi-Manuskripten üblich,
nicht konstant:
Folio 17r: 25 Zeilen
Folio 17v: wohl 25 Zeilen24

Folio 18r: 28 Zeilen


Folio 18v: wohl 27 Zeilen2'

Folio 19r: 30 Zeilen


Folio 19v: wohl 28 Zeilenz6

In der scriptio inferior sind diakritische Punkte auf den Blättern 17 und
18 nicht zu sehen; lediglich auf Folio 19r ist ein einziger Buchstabe, nämlich
das Nün von nabiyya'" (19:41; Zeile 15) punktiert. Allerdings waren sehr

Der letzte sichtbare Text liegt etwa '/2 Zeile unterhalb der scriptio Superior, doch
könnte darunter noch eine Zeile gefolgt sein.
Auch Sadeghi (Codex of a Cornpanion 360 und Fn. 22) bemerkt auf den von
ihm untersuchten Blättern, dass die Zeilen nicht immer gerade oder perfekt
waagerecht sind, geht allerdings davon aus, dass dies von Anfang an so war und
dass es sich um einen vom Schreiber so gewollten Jack of linear discipline"
handelt.
Auf Folio 17v sind 23 Zeilen erkennbar, doch enthielt die Seite mehr, wohl
ebenfalls 25 Zeilen.
Schon in Zeile 26 ist nur noch sehr wenig Text zu erkennen; es dürfte aber noch
eine weitere Zeile gefolgt sein.
Nach Zeile 21 ist fast nichts mehr erkennbar.
wahrscheinlich mehr diakritische Punkte vorhanden und sind lediglich
nicht mehr sichtbar. Auf anderen Blättern sind außer Nun (2x) auch Tä'
(5x), Däl (lx), Zä' (lx) und Qäf (lx) punktiert, so dass man davon ausgehen
kann, dass das System der Disambiguierung von sonst identischen
Buchstaben durch Diakritika bereits voli entwickelt war und lediglich nicht
durchgehend angewendet wurde; dasselbe wurde auch für andere frühe
Handschriften beobachtet2'.

3.2 Surentrenner, Verstrenner und Verszählung


Der Wechsel von Sure 9 zu Sure 19 ist durch einen ornamentierten, wohl
mit der Schreibfeder gezeichneten SurentrenneP markiert; naheres s. U.
Kapitel 5.3 (Folio 18r).
Die Verstrenner bestehen auf den Blättern 17 und 18 aus 3-4 Punkten,
die, zwischen zwei Buchstabenblöcken bzw. von den Enden der finalen
Nüns am Ende der Verse aus, senkrecht oder leicht schräg übereinander-
gesetzt sind. Auf Folio 19 hingegen bestehen sie (soweit klar erkennbar)
sämtlich aus zwei dicht nebeneinanderstehenden Türmen aus je 3-4
übereinandergesetzten Punktenz9. Spezielle Dekadenzeichen (Markierun-
gen jedes zehnten Verses) fehlen auf den hier untersuchten Blättern wie
auch in der ganzen scriptio inferioPO. - Die unterschiedliche Gestaltung der
Verstrenner könnte ein Hinweis darauf sein, dass zwei verschiedene
Schreiber am Werk waren, was für frühe Handschriften nicht ungewöhnlich
ist; doch kann diese Frage derzeit nicht geklärt werden.
Über die Verszähiung in der auf den drei Blättern geschriebenen
Textpassage kann nur ganz allgemein ausgesagt werden, dass sie weder ganz

Gruendler Arabic Script 139; Grohmann The Problem of Dating Early Qurnns
226; Small Mapping a New Country Kapitel 3.2.1.3.1.
Ob das Ornament auch zusätzlich farbig hervorgehoben war, kann derzeit nicht
geklärt werden, s. V. Bothmer Meisterwerke 178. Abbildung s. Puin, Elisabeth
Koranpalimpsest 111246.
Abbildung der beiden Arten von Verstrennern s. Puin, Elisabeth
Koranpalimpsest 111243-244.
Dass eine Zählung bzw. Bündelung von Versen intendiert war, zeigt allerdings
ein Hunderterzeichen auf dem bereits untersuchten Folio 2v (Puin, Elisabeth
Koranpalimpsest 474, 488) sowie ein weiteres auf dem mögiichenveise zum
selben Manuskript gehörigen Stanford-Folio (s. Sadeghi Codex of a Companion
409).
mit der kufischen Zahlung des StT noch mit einem der anderen aner-
kannten Zählsysteme übereinstimmt, da das Manuskript einige Verstrenner
an Positonen aufiveist, die von keinem der Systeme dafur vorgesehen sind.
Die jeweilige „Nummer" der Verse ist nicht angegeben und auch nicht
bestimmbar, da zum einen die Zwischeneinteilung in Dekaden fehlt und
zum anderen dort, wo (nach dem StT) Verstrenner zwar erwartbar wären,
aber keine sichtbar sind, meist unklar ist, ob sie tatsächlich nicht gesetzt
worden waren oder ob sie lediglich zu gut getilgt wurden.
Auf Folio 17 (Sure 106-120) sind insgesamt sieben Verstrenner an den
gemäß StT dafur vorgesehenen Stellen sichtbar; hinzu kommt aber ein (im
Vergleich zu allen kanonischen Zkhlweisen) zusätzlicher, nach einem
passenden Reimwort gesetzter Verstrenner „mitten in" 9:117 (Folio 17v,
Zeile 8). Womöglich um einen neunten Verstrenner handelt es sich bei den
beiden, Ca. das letzte Achtel der letzten Zeile von Folio 17r fullenden
übereinanderliegende horizontale Punktreihen3'; s. U.5.1.
Auf Folio 18 (Sure 9:121-129, dann Sure 19:l-27) sind insgesamt 12
Verstrenner an den gemäß StT dafür vorgesehenen Positionen zu sehen; 2
weitere Verstrenner sind jedoch (im Vergleich zu allen kanonischen Zahl-
weisen) zusätzlich: einer nach der Basmalah am Beginn von Sure 19 (Folio
18r, Zeile 24) sowie einer mitten in Vers 19:7, innerhalb einer vom StT
verschiedenen Textpassage, nach einem ins Schema passenden Reimwort
(Folio 18v, Zeile 2).
Lediglich auf Folio 19 (Sure 19:29-65) sitzen alle 23 sichtbaren
Verstrenner an den nach dem StT vorgesehenen Positionen.

Im Folgenden soll die scriptio inferior der Blätter 17, 18 und 19 analysiert
werden; die Untersuchung der scriptio superior wird in einer späteren
Publikation nachgeholt. Die Bezeichnung ,,Manuskript" wird im folgenden
synonym zu „scriptio inferiorWverwendet!
Die scriptio inferior wird, Zeile für Zeile, im direkten Vergleich mit dem
StT dokumentiert, und zwar zunächst (Kapitel 4) ohne Kommentar, um
einen Eindruck des Textes zu vermitteln. Jede Zeile des Manuskripts erhält
einen Kasten, der horizontal in zwei oder ggf. drei Zeilen geteilt ist. Unten
steht der Text der scriptio inferior, oben dieselbe Passage in der Version des

31 Abbildung s. Puin, Elisabeth Koranpalimpsest 111245.


StT; wo nötig, gibt eine dritte, mittlere Zeile die Fassung der „Korrek-
turschicht" der scriptio inferior wieder. Die Wiedergabe der scriptio inferior
soil so genau wie möglich sein; so werden diakritische Punkte nur dort
gesetzt, wo sie auch im Manuskript geschrieben sind. Das Aussehen der
Higäzi-Schrift allerdings soll nicht nachgeahmt werden, sondern sie ist um
größtmöglicher Lesbarkeit d e n in einem schlichten Nashi-Zeichensatz
wiedergegeben. Unterschiede in der Breite der Abstände zwischen den
Buchstabengnippen sind (in der Wiedergabe) rein technisch bedingt und
haben nichts mit ihrer tatsächlichen Breite im Manuskript zu tun.
Auf allen drei Blättern finden sich zahlreiche orthographische und auch
textliche Abweichungen vom StT (s. U.). Um die Ubereinstimmungen und
Unterschiede von StT und scriptio inferior in der Wiedergabe so augenfdig
wie möglich zu machen, werden die verschiedenen Arten von Abwei-
chungen und die Korrekturen am Manuskript durch verschiedene Rahmen
und, in Kapitel 4, auch durch verschiedene Farben markiert. Der verwen-
dete Rahmen- und Farbencode wurde entwickelt, um die arabische Schrift
so wenig wie möglich zu stören, und ist auf jeder Doppelseite unten erklärt;
eine ausfuhrIiche Erläuterung des Codes und auch der besonderen
Umschrift erfolgte bereits in den vorangegangenen Publlkationen3*und soll
daher hier nicht wiederholt werden.
Die textlichen und orthographischen Abweichungen werden in Kapitel 5
kommentiert, wobei zur größeren Anschaulichkeit die betreffenden Zeilen
nochmals, allerdings in Schwarzweiß, angefuhrt werden. Der Kommentar
beschränkt sich im Wesentlichen auf die Beschreibung der Abweichungen
bzw. Korrekturen, die Feststellung eventueller Parallelen des abweichenden
Textes zu anderen Passagen irn StT oder zu überlieferten Varianten sowie
die Ubersetzung abweichender Textstellen. Eine tiefergehende Analyse, et-
wa zu Fragen der Textkomposition oder möglichen theologischen Konse-
quenzen des „anderen1'Textes, wird nicht vorgenommen.
Bis auf eine Ausnahme (Vers 19:19, Folio 18v; s. U. 4.4 und 5.4) ist keine
der Abweichungen der scriptio inferior in der Qirä'ät-Literatur verzeichnet;
doch finden sich gelegentlich Ähnlichkeiten mit den Kodizes von Ibn
Mas'üd und Ubayy.

32 S. Puin, Elisabeth Koranpalirnpsest 11532-533 und Koranpalirnpsest 111260-261.


4 Dokumentation der scriptio inferior im Vergleich mit dem
Standardtext
4.1 Folio 17r, scriptio inferior: Sure 9106-113: Dokumentation im
Vergleich mit dem StT, ohne Kommentar

(z.5 1
Fol. 17r
r&l
>> StT
9110
FoL 17r
2.13
I
..
. . ...
.
1 .
4.2 Folio 17v, scriptio inferior. Sure 9:114-120: Dokumentation im
Vergleich mit dem StT ohne Kommentar

. . . . . . . . . . . . . . . . . . .B
.
b- Z. 1117v
Fol.

&J
Fol. 17v

Idefektivlwentper als StF


E
&C%% mUerText tb. Radierg.
E
da* C d e
--
s e d i c h ~ ~ l
Der Rest des Textes ist völlig unleserlich; es dürften noch zwei oder drei
weitere Zeilen gefolgt sein. Da die nächste Seite, Folio 18r, mit dem Anfang
von Vers 9:121 beginnt, dürfte Folio 17v mit dem Ende von Vers 9:120
geendet haben.

4.3 Folio 18r, scriptio inferior: Sure 9:121- 195: Dokumentation irn
Vergleich mit dem StT, ohne Kommentar
) Fol. 18r
2.7

H -0 J- 9123

) Fol.
2.8
l8r

Fol. l8r
y FoL 18r
1
2
-. 15

r s ? , Y B.L StT
{ \ y Y 1 3 w f39.127 I
L StT
9:129

StT
19:l
Fol. 181
:o: 0:0:0:0:0:0:0:0:0:0:0:0:0:0:0:0: 2.23

-
, L----
neuer Text üb. Radier
.-
-
4.4 Folio 18v,sniptio inferior: Sure 196-28: Dokumentation irn
Vergleich mit dem StT, ohne Kommentar

r r

Fol. 18v
z. 1

~ciektivlwtinigerals St'
Der Text von Z. 4/1 und 412 steht im Manusmrpt in nur 1 Zeile und ist hier
lediglich aus technischen Gründen aufgeteilt!

"1 Fol. 18v


Fol. 18v
uLg
d
z. 9
>

-
Fol. 18v
P' J z. 10

-' f Fol. 18v


z.12
,j!$a
I
aO,j keGk-
StT
1923
H Y

I
Y / ,
-
Fol. 18v
Unter Zeile 26 dürfte noch eine weitere Zeile gestanden haben, deren Text
aber nicht mehr zu erkennen ist. Da die erste Zeile des anschließenden
Blattes (Folio 19r) ebedds nicht mehr lesbar ist, kann (zumindest anhand
des mir zur Verfügung stehenden Fotomaterials) nicht geklärt werden, an
welcher Textstelle genau Folio 18v endete und Folio 19r begann.

4.5 Folio 19r, scriptio inferior: Sure 19:30-53: Dokumentation im


Vergleich mit dem StT, ohne Kommentar
In der ersten, oberhalb des Schriftspiegels der scriptio superior liegenden Zeile
sind nur wenige einzelne Buchstaben lesbar, die mit dem erwartbaren Text
L (19:29) nicht oder nicht sicher verglichen werden können.
t
, Auch in der zweiten Zeile ist fast nichts lesbar; ob sie, wie hier
angenommen, mit inni beginnt oder mit dem vorausgehenden qäla, ist
unklar.

hlrfektivlwrnirrer als St :hr als Stl


.---
ders als St
-
Fol. 19r
2.3

4 .-J&*\ . & d;j.1 1 % ~ ~ I


$J\
.I >,., 0 StT

#= Radierg. 1
--
S;rl~l"e;;"sT'
neuer Text LRadieik
: einlronig d e ~
-
e r l i c h ~ ~ I
it'ektivlwe~ii~er

#= kdieg. -&
als St'

#=
neuerTexi iib. Radiergg einkorrig
-
u n l e s e r l i c h ~ ~ l
3
1J 4&
0
LL&+¿FI;JU~
Fol. 19r
$

1 43
0 /$G&i StT
931948
4.6 Folio 19v, scriptio inferior: Sure 1954-67 (und weiter):
Dokumentation im Vergleich mit dem StT, ohne Kommentar

. . -
Fol. 19v
.......................... i

z. 1
Fol. 1%
2.4
Fol. 1%
- 2.21

In den sieben Zeilen nach Zeile 21 sind nur noch hier und da einzelne
Buchstaben zu lesen, die nicht mit dem StT verglichen werden können.

:uer Text üb. R a d i t ~ ~


- -
5 Kommentar zu den Abweichungen der scriptio inferior vom
Standardtext
5.1 Folio 17r, scriptio inferior: Sure 9:106-113: Kommentar zu den
orthographischen und textlichen Abweichungen

Die Schrift ganz am Anfang der Zeile ist nicht zu erkennen, und das diesem
Folio ursprünglich vorausgehende Blatt mit dem Ende der vorausgehenden
Zeile ist verloren; vom Platzbedarf her beurteilt, dürfte der Text aber etwa an
der hier angegebenen Stelle begonnen haben.

Statt des StT (wa-) tafriqa'n (Verbalsubstantiv zum II. Verbalstamm) steht im
Manuskript ein Schriftzug, der vielleicht als (wa-) tafriqatan zu deuten ist;
dieses ebenfalls aus dem II. Stamm gebildete VerbaLsubstantiv kommt im StT
nirgends vor, ist synonym zu tafriqa'n und bedeutet ebenfalls ,,um Spaltung zu
stiften". - Die Schrift zwischen diesem Wort und masgida'n wurde so sorg-
fältiggetilgt, dass sie nicht mehr lesbar ist. Von dem darüber einkorrigierten
Schriftzug in schwarzer Tinte sind nur noch Spuren sowie, vor dem (wa-)
tafriqatan,ein finales oder isoliertes Qäf zu sehen; welches Wort damit endete,
ist unklar.
Die beiden Häkchen des ersten Wortes, bayna, sind nachträglich einkorrigiert.
Ob dort ursprünglich etwas anderes stand oder ob die beiden Häkchen
vielleicht nur nicht deutlich geschrieben gewesen waren, ist allerdings derzeit
nicht zu klären.
Die orthographische Variante der Defektivschreibung von Längungs-Al$
wie hier in irsädaIn,findetsich in Higzi-Manuskripten häufig.
Statt des StT li-man häraba steht im Manuskript li-'lladina härabü'. Das
Relativpronomen man ist also durch das Relativpronomen alia&na ausge-
tauscht, was an der Bedeutung nichts Grundsätzliches ändert. Allerdings ist
bei der Version des StT man häraba unklar, ob es sich nur u m eine oder u m
mehrere Personen handelt, so dass es entweder als ,,für Leute1 dieienigen. die
... Krieg geführt haben" oder aber als ,für einenIden. der ... Krieg geführt
hatu übersetzt werden kann; da nach den ,,Kommentatoren (...) damit ein
besonders hartnäckiger Gegner namens Abü %mir gemeint sein" soll3>
bevorzugen viele muslimische Übersetzer die singularische Übersetzung. Die
Version des Manuskripts li-'lla&na härabü' „für diejenigen. die ... Krieg
geführt haben" bezieht sich hingegen klar auf eine Mehrzahl, stützt also die
Interpretation der Korankommentatoren nicht.

Statt des StT La-yahlifunna I sie schwören bestimmt (von halafa I schwören)
verwendet das Manuskript das synonyme la-yuqsimunna (von qasama IV
aqsama); auch in 9:74 verwendet das Manuskript eine Form des synonymen

33 Vgl. Koranübersetzung von Paret: Fui3note 124 zu 9:107, sowie Paret


Kommentar und Konkordanz 2121213.
Verbs aqsarna statt von StT halafa (Folio 16r, Zeile10)34.- Ergänzt ist das
Verb, anders als im StT, durch bi-'llahi 1 bei Gott, was am Sinn nichts ändert;
im StT steht dieser Zusatz an mehreren Stellen (4:62, 9:42, 974) nach einer
Form von halafa.
Der Folgesatz mit dem Inhalt des Schwurs beginnt im Manuskript nicht
wie im StT mit der Negation in, sondern mit der Negation ma; inhaltlich
bleibt sich beides gleich.

2.5
F01i17r
Y {I dvd
p \ . + @ \ , ~ Y
Statt des durch den Artikel determinierten StT al-husd steht im Manuskript
das indeterminierte husnhn; am Sinn ändert sich kaum etwas, die
Übersetzung lautet dann etwa „Wir haben nur Gutes gewollt" statt StT „Wir
haben nur das Beste gewollt".

- -
- -
- Fol. 17r
~ Y L -- *- I~ ~J \~L Y \ ~ J z .~7 \ &
Die orthographische Variante der Defektivschreibung von Längungs-Al$ wie
hier in ri@lun,findet sich in Higzi-Manuskripten häufig.

Statt der Satzeinleitung wa- des StT (in „B-'llahu yuhibbu '1-mu8ahhirinac')
verwendet das Manuskript inna, was am Sinn nichts ändert; allerdings muss

34 Puin, Elisabeth Koranpalimpsest 111,220.


dasfolgende Wort statt, wie im StT im Nominativ allahu, im Akkusativ allaha
gelesen werden: inna 'llaha yuhibbu ....
Das letzte Wort der Zeile und des Verses lautet im Manuskript al-
mutatahhirina statt des StT al-munahhirina; das T%'-Präfix des V.
Verbalstammes ist nicht an das folgende Tä' assimiliert, so wenig wie (auch lt.
StT) im kurz vorher stehenden yatatahharü'.Auch im StT kommt das Partizip
in der nicht-assimilierten Variante an anderer Stelle (2:222) durchaus vor.

Das StT wa-ridwäninfehlt im Manuskript; übersetzt lautet die Passage dann


„Ist denn einer, der seinen Bau auf Furcht Gottes gegründet hat, besser
(daran) ...?" statt StT „Ist denn einer, der seinen Bau auf Furcht Gottes und
auf Wohlgefallen (von ihm) gegründet hat, besser daran ...?"
I

J.$c p, $5 $1 > 9:lo9 C StT

J dJ& - & U%\


-
Die orthographische Variante der Defektivschreibung von Längungs-Al$ wie
hier in härinund fa-'nhära,findet sich in Hi&izi-Manuskripten häu$g.

Nach bihi steht i m Manuskript noch etwas zusätzlicher Text, beginnend mit
Alif; um welches Wort es sich handelte (vielleicht das Subjekt des Satzes, die
Erbauer?), ist unklar.

Die orthographische Variante der Defektivschreibung von Längungs-Al$ wie


hier in yazälu,findet sich in Higzi-Manuskripten häufig.
1111111111

--
r s -
-

---
-
-=
+ss*

Radierg.I
*
--.-
*..-
anders als StT kdentisch mit StT 4Rketffkeit4imfttBcti.
----W

Lu neuer Text iib. Radierg. T o J V = einkorrig.


T --"
Das Wort nach yazälu ist nicht mehr lesbar; falls es bunyän 1 Bauwerke
gelautet hat, was naheliegt, dann ohne das angehängte Possessivpronomen -
hum des StT, denn die Besitzer sind anschlie$?end genannt: Durch das im
Vergleich zurn StT zusätzliche Nün wird aus dem Singular des Relativ-
pronomens alladi (StT) im Manuskript ein Plural alladina; dieser kann sich
nicht auf das Singularwort bunyän, sondern muss sich dann auf die Erbauer
beziehen (zu deren Mehrzahl s. das pluralische qulübihim später im Vers, Z.
13). - Trotz des anderen grammatischen Bezuges bleibt der Sinn praktisch
gleich. Zur Übersetzung der Passage s. Kommentar zur nächsten Zeile.

A m Anfang der Zeile steht etwas mehr Text als im StT, von dem aber nur
noch wenige Buchstaben lesbar sind und der daher unklar bleibt; die Lesung
des zweiten Buchstabens als DällDäl ist nicht sicher, es könnte sich auch um
ein Käf handeln.
Nach qulübihim steht im Manuskript offenbar abada'n 1 niemals (das
zweite Alif von abadaIn ist allerdings nicht mehr lesbar), so dass das 1%yazälu 1
es wird aufhören des StT zu „es wird aufhören" verstärkt wird.
Der nachfolgende (Neben-) Satz beginnt nicht wie im StT mit illä an 1 es
sei denn dass, sondern mit der Konjunktion hattä 1 bis (wie in Higazi-
Manuskripten häufig, mit Alif statt Yä' am Ende geschrieben) - eine Parallele
zurn Codex von Ubayy, in dem an dieser Stelle ebenfalls hattä (allerdings
nicht noch abada'n) gestanden haben Die beiden darauf folgenden
Worte stimmen bei Ubayy - wie auch hier im Manuskript - im Rasm mit
dem StT überein. Bei Ubayy werden sie jedoch anders interpretiert als im StT,
so dass auch das Manuskript eine solche Deutung zulässt:
wie im StT als t a q a ~ a ' aals
~ ~ 3. rp- wird nicht
, Person Femininum Singular onjunktiv vom
5. Verbalstamm ,,zerreit3ene (intransitivisch gebraucht), gelesen, sondern als
taqta'a, also dieselbe Form vom 1. Verbalstamm ,,zerreit3enU(transitivisch
gebraucht). ,+& wiederum wird nicht als Nominativ qulübuhum I ihre

35 JefferyMaterials 134.
36 wobei tataqaEa'a zu taqana'a verkürzt ist
Herzen gelesen, sondern als Akkusativ desselben Wortes qulübahum, ist also
nicht Subjekt, sondern Objekt des Nebensatzes; dessen Subjekt wäre dann das
Subjekt des Hauptsatzes bunyänuhum 1 ihr Bau.
Übernimmt man diese Interpretation Ubayys, lautet die ganze Passage in
der Manuskriptversion dann übersetzt „Der Bau (?) derjenigen, die gebaut
haben, [... unklarer Zusatz ...I wird in ihren Herzen ständig Zweifel
hervorrufen (wörtl.: wird nie aufhören, hervorzurufen), solan~ebis er ihre
Herzen zerreißt". Diese Formulierung scheint einleuchtender als die des StT
,,Der Bau, &Q sie errichtet haben, wird in ihren Herzen immer wieder
Zweifel hervorrufen, es sei denn, ihre Herzen zerreißen (und hören auf zu
schlagen)."

Im Manuskript fehlt das „anfusahum wa- I ihre Person und" an der gemäJ
StT erwartbaren Stelle; dafür stand nach amwälahum / ihr Vermögen noch
etwas zusätzlicher Text, der aber nicht mehr lesbar ist. Vermutlich (s. o.
Rekonstruktion) handelte es sich dabei u m wa-anfusahum, so dass nichts
fehlte, sondern nur die Reihenfolge umgekehrt war, wie so oft im Koran: Die
Paarung (euerlihr) Vermögen und Person f&\, bzw. ,+,L\,
kommt im StT 9 mal vor (3:186, 9:41, 61:11, 4:95, 8:72, 9:44, 9231, 9:88,
49:15), und zwar immer in dieser Reihenfolge; Vers 9:111 bildet im StT die
einzige Ausnahme.

-.-
-
... =
.
Radierg. &T
- - "-
Lneuer Text üb. Radierg.
J

Bei dem ersten Wort der Zeile handelt es sich nicht wie im StT u m das
Substantiv wa'dain I als Versprechen. Lesbar sind die Buchstaben 'H-D;
danach könnten noch ein oder mehrere Buchstaben gefolgt sein, die aber nicht
mehr zu sehen sind. Der Schrifzug könnte als das Verb 'ähada ('alayhi) I er
[= Gott] hat (es) versprochen zu deuten sein: Diese (zu wa'dain synonyme,
lediglich verbal anstatt substantivisch formulierte) Wortwahl würde genatt zu
dem nur wenig später im Vers (Z. 18) folgenden „wa-man a& bi--hb-
mina 'llahi" passen; 'ahada (111. Verbalstamm) + 'ala kommt zweimal (33:23
und 48:10) im (StT-) Koran vor, beide Male in derselben Bedeutung „etwas
versprechen" und beide Male defektivgeschrieben, so wie (vermutlich) hier.
Die Manuskriptversion der Passage wäre dann einfach zu übersetzen:
„Gott hat es in der Thora, im Evangelium und im Koran versprochen" statt,
wie im StT, „(Dies ist) ein Versprechen, das (einzulösen) ihm obliegt, und
als solches Wahrheit (?wa'dan 'alayhi haqqan) (so wie es) in der Thora, im
Evangelium und im Koran (verzeichnet ist)". - Das etwas rätselhafte (s. o.,
in Parets Übersetzung mit Fragezeichen versehene) haqqa'" des StT fehlt im
Manuskript.

Statt StT wa- steht im Manuskript fa-; die Schreibung von fa- statt wa- (und
umgekehrt) ist eine kleinere textliche Variante, die in der scriptio inferior des
P ~ l i m p s e s t s(vgl.
~ ~ z. B. Folio 19r, Z. 12, Vers 19:38) und auch in anderen

37 Auch in der scriptio inferior auf dem Bonham-Folio sowie auf dem evtl. zu
demselben Manuskript gehörigen Stanford-Folio, vgl. Sadeghi 419.

dentisch mit StT


frühen Manuskripten gelegentlich auffritP und auch als Qirä'ah, an
verschiedenen Stellen des Koran, verzeichnet ist3>a m Sinn ändert sich nichts.

Der erklärende Relativsatz des StT 'lladi bäya'tum bi-hi / den ihr mit ihm
abgeschlossen habt fehlt im Manuskript, ohne dass dadurch u m Sinn der
Passage etwas geändert würde; die Übersetzung der Manuskriptversion lautet
dann ,,Freut euch über diesen Handel! Das ist das große Glück statt StT
,,Freut euch über diesen Handel, den ihr mit ihm ab~eschlossenhabt! Das
ist das große Glück".

d,Y Y - \ zLI
Die Elemente in der Aufzählung der wahren Gläubigen des StT al-hhidüna
;7r

/ die, die Gott loben und al-sägidüna / die, die sich (im Gebet) niederwerfen
fehlen im Manuskript.
>
*T3 0 @i
0 0

-
d,p*c ,
0 !W
9:112

@\2 ~ Y-A \ ,
D\, 0,
Die orthographische Variante der Defektivschreibung von Längungs-Al$ wie
hier in al-nähüna,findet sich in Hi@zi-Manuskripten häufig.

38 Vgl. Small Mapping a New Country Kapitel 3.2.4.2: ein Beispiel; die Variante
findet sich aui3erdem an mehreren Stellen in zwei weiteren Manuskripten aus
San'ä' (noch nicht veröffentlicht).
39 Vgl. Puin, Gerd-R. Utopie 546-549 (er zitiert al-SigistäniKitäb al-Mqähiß.

dentisch mit StT

--- " " "


-- Fol. 17r
-- I} & ' d \ ~-J a \ ~ J2.22
~ d
Im Manuskript wird Vers 113 von der (zum StT) zusätzlichen Kopula wa- 1
und eingeleitet; an der Bedeutung ändert sich dadurch nichts. Fehlendes oder
zusätzliches wa- am Satzanfang kommt sowohl in der scriptio inferior des
Palimpsests (s. etwa Folio 18r, 2. 3, 18 und 25 sowie 18v, Z. 9 und 17) als
auch in anderen fi-ühen Koranhandschriften gelegentlich vov4" und ist auch
als Qirä'ah fiir mehrere Koranstellen (allerdings nicht die hier behandelten)
verzeichnet4'.

Statt des Relativsatzes des StT lladina ämanü' / diejenigen, die glauben steht
im Manuskript das Partizip al-mu'minina / die Gläubigen; umgekehrf steht
kurz darauf statt des Partizips des StT li-'1-muSrikina 1 für die Ungläubigen
der Relativsatz li-'lladina aSrakül / diejenigen, die ungläubig sind. Die
~ e d e u t u ändert
n ~ sich dadurch nicht.

Das Alifam Beginn der Zeile ist der letzte Buchstabe von airakii' (s. Zeile 23).

40 Eigene Beobachtung an zwei weiteren Manuskripten aus San'ä', noch nicht


veröffentlicht.
41 Vgl. Puin, Gerd-R. Utopie 546-549 (er zitiert al-Sigistäni Kitäb al-Ma~ähiß.
Etwa das letzte Achtel von Zeile 25 füllen zwei übereinanderliegende
horizontale Punktreihen - offenbar ein ungewöhnlicher Verstrenner (s. o.
3.2). Es wäre möglich, dass er in dieser besonderen Weise gestaltet wurde, weil
es sich in der originalen Zählung der scriptio inferior u m ein Dekaden- oder
gar Hunderterzeichen handelte; allerdings ist das weder nach dem StT noch
nach den anderen kanonischen Zählungen der Fall, sondern diese zählen dort
Vers 113 (StT) bzw. 114. Wahrscheinlicher ist die Erklärung, dass der
Verstrenner i m Manuskript aus rein äußerlichen Gründen in dieser
besonderen Weise gestaltet wurde, nämlich weil der Schreiber das Bedürfnis
fuhlte, die Zeile auszufillen, auf dieser Seite aber keinen neuen Vers mehr
anfangen wollte; auch Folio 16r, 17v, 19r und 19v enden (z. T. mitten in der
letzten Zeile) mit dem Ende eines Verses - eine in Hi@zi-Manuskripten eher
ungewöhnliche Gestaltungsweise.

5.2 Folio 17v, scriptio inferior: Sure 9114-120: Kommentar zu den


orthographischen und textlichen Abweichungen

L
+;iiqy ,AFs\;wiss~3
*-; , - / I,:„ I
StT

Der Text auf Folio 17v düifte mit dem Anfang von Vers 114 beginnen, da es
sich bei dem Ornament am Ende der Recto-Seite vermutlich u m einen
Verstrenner handelt und Folio 17r also genau mit dem Ende von Vers 113
endet; auch würde der Platzfur den vorgesehenen Text genau passen. Doch
ist die Schrift am Anfang der Zeile nicht mehr zu erkennen.

1 1 1 1 1 1 1 1 1
efektivlwenigerals S t ~ b e h als
r StT &<den ds StT gdentiscb mit StT
*'" -1. .E
1111
5s.-
1111

---- Radierg.&T
-....
-

--"
.

" T " -
L neuer Text üb. R a d q , 10X=
-"--
e~nkorr~g.
Die orthographische Variante der Defektivschreibung von Längungs-Al$ wie
hier in iyähu,findet sich in Hi@zi-Manuskripten häufig.

Statt des StT ba'da id / nachdem verwendet das Manuskript die synonyme
(und gebräuchlichere) Präposition ba'da ma; an der Bedeutung oder
Konstruktion des Satzes ändert sich dadurch nichts.
Der lange /U/-Lautwird in hadähum mit Alifwiedergegeben statt, wie im
StT, mit (punktlosem) Yä'-Häkchen hadihum - eine orthographische Varian-
te, die sich in der Schreibung von hattä mit Alif statt mit Yä' um Ende wieder-
holt und in Hi@zi-Manuskripten nicht selten ist; selbst noch in der scriptio
superior wird an einer Stelle (Folio 2v, Z. 4; 6:161)" hadäni mit Alifstatt mit
Yä'-Häkchen geschrieben.

Das Wort Say' wird (im Nominativ und Genitiv) in fligazi-Manuskripten


allgemein häufig mit Alif in der Mitte geschrieben.
Vers 116 wird im Manuskript mit der (im Vergleich zum StT)
zusätzlichen rhetorischen Frage a-lam ta'lam / weiBt du denn nicht

42 Puin, Elisabeth Koranpalimpsest 47112.

dentisch mit StT


eingeleitet, so dass die darauf folgende Partikel (Anfang Zeile 6) nicht, wie im
StT, inna, sondern mna gelesen werden muss; an anderer Stelle im
Manuskript (s. U.:Sure 9:126, Folio 18r, Z. 13/14) ist hingegen eine ähnliche
rhetorische Frage des StT, „sehen sie denn nicht", weggelassen. Weiterer
Kommentars. U . zu Zeile 7.

Das erste Wort der Zeile muss (s. Kommentar zu Zeile 5 ) anna, statt, wie im
StT, inna gelesen werden - eine Abweichung, die im Schriftbild des
Manuskripts nicht aufscheint, da Vokalzeichenfehlen.

Die Worte des StT yuhyi wa-yumitu I Er macht lebendig und lässt sterben
fehlen im Manuskript.
Der (im Vergleich zum StT) a m Anfang ergänzte (Z. 5) und in der Mitte
gekürz!e (2. 7)Vers hat eine (jäst) g e n p c h e Parallele in StT 2:107 31@&
&
' y3~3w&ib,<G+~52J$39~~~&&i.
f, " H

Allerdings steht im Manuskript l A m statt StT 9:116 (und auch 2:107)


l a b . Die Manuskriptversion lautet dann übersetzt: Weißt du denn nicht,
dass Gott die Herrschaft über Himmel und Erde hat? Außer ihm haben &
weder Freund noch Helfer. Da in den vorausgehenden Versen über den
Propheten und die Gläubigen (9:113), über Abraham und seinen Vater sowie
über ,,Leutewgesprochen wird, macht die Version mit l a h m /sie haben statt
I h I ihr habt mehr Sinn (während in 2:197 Gott explizit iden Gläubigen
spricht und daher die 2. Person Plural dort gutpasst).
die Auswanderer (mit Muhammad aus
Mekka) steht i m allgemeinere al-mu'minin 1 die Gläubigen,
StT) zusätzlicher Verstrenner folgt; da al-
Reimschema (die Reimwörter enden auf
und Übersetzungs. Z. 9.

Das laut StT am Anfang der Zeile erwartbare wa-'1-ansäri fehlt im


Manuskript an dieser Stelle, ist aber wohl nur etwas nach hinten gewandert:
Nach 'ttaba'ühu steht im Manuskript zusätzlich mina '1-muhägirina wa-. Das
Wort danach ist nicht lesbar, doch dürj?e es sich dabei u m 'I-ansäri gehandelt
haben, das auch im StT auf al-muhägirina folgt; d. h. die Position beider
Wörter ist im Text lediglich etwas verschoben.
Durch den Einschub von al-mu'minina (Z. 8) und die Zäsur durch den
Verstrenner ergibt sich eine etwas andere Akzentuierung als im StT. Im StT
lautet die Übersetzung dieser Passage (einschlieJlich der nächsten Zeile):
„Gott hat sich doch dem Propheten wieder zugewandt, (ihm) und den
muhägirün (aus Mekka) und den ansär (aus Medina), die ihm in der Stunde
der Bedrängnis folgten ..."; die Übersetzung der Manuskriptversion lautet
hingegen etwa: ,,Gott hat sich doch dem Propheten und den Gläubigen
wieder zugewandt - denjenigen von den muhägirün und den ansär, die ihm
in der Stunde der Bedrängnis folgten ...."

Die orthographische Variante der Defektivschreibung von Längungs-Al$ wie


hier in sa'ati,findet sich in fli@zi-Manuskripten häufig.
Nach käda scheint noch etwas (im Vergleich zum StT zusätzlicher) Text
gestanden zu haben, der aber nicht mehr lesbar ist.

Statt StT fariqin (minhum) / eine Gruppe (von ihnen) steht im Manuskript
ein Schriftzug, der wohl als katirin (minhum) / viele (von ihnen) zu deuten
ist. Die Übersetzung der Passage in der Manuskriptversion lautet dann nicht,
wie im StT, ,nachdem eine Gruvve von ihnen mit dem Herzen beinahe
(vom rechten Weg) abgeschweift wäre", sondern „nachdem viele von ihnen
mit dem Herzen beinahe (vom rechten Weg) abgeschweift wären".

-/
G ai a
, i$ 3 { \ \ v } a
-- -
"
J
- -
5

-
., *;* $, S~T
9117
Fol. 17v
- --- Y -
Die zusätzliche, bekrafcigende Partikel la- vor ra'üfun ändert am Sinn nichts.

Durch das (im Vergleich zum StT) zusätzliche Alifam Anfang der Zeile wird
aus hullifu' (U.Stamm, 3. Pers. pl. pass.) im Manuskript d a f ü ' (IV. Stamm,
3. Pers. pl. akt.); übersetzt heiJt die Passage in der Manuskriptversion somit
,,Auch den Dreien, die (ihr Versprechen) nicht einhielten" statt dem etwas
kryptischen, eine lange Erklärung verlangenden StT ,,Auch den Dreien, die
-
zurückeelassen wurden (anstatt ins Feld mitgenommen zu werden(?), aber
nachträglich bereuten)". Damit passt die Passage in der Manuskriptversion
problemlos in den Zusammenhang der vorausgehenden Verse, in denen es u m
den Vertrag der Gläubigen mit Gott, u m Vertragsbruch und Abfall vom
Glauben und u m Gottes Vergebung dafUr geht.

dentisch mit StT


-*% C.*-
--
g\zgkJJ=\$S
--
-- - --
-L 3-
-
Fol.
2.1417v

Die orthographische Variante der Defektivschreibung von Längungs-Al$ wie


hier in wa-däqat,findet sich in Hi@zi-Manuskripten häufig,

Die Zeile enthielt mehr Text als gemäJ StT erwartbar, doch ist von dem
Zusatz nur ein isoliertes Alifzu erkennen. Zur Übersetzungs. nächste Zeile.

Das illa ilayhi des StT scheint zu fehlen. Falls der vorausgehende Text trotz
des Zusatzes inhaltlich dem StT entspricht, lautet die Passage in der
Manuskriptversion übersetzt „Und sie wussten (wörtl.: meinten), dass es
keine Zuflucht ... vor Gott gibt" statt des etwas widersinnigen StT „Und sie
wussten (wörtl.: meinten), dass es keine Zuflucht vor Gott gibt, außer (eben)
zu ihm".
Die orthographische Variante der Defektivschreibung von Längungs-Al$ wie
hier in al-alräb,findet sich in Hijäzi-Manuskripten häu&

Der Rest des Textes ist völlig unleserlich; es dürften noch zwei oder drei
weitere Zeilen gefolgt sein. Da die nächste Seite, Folio 18 recto, mit dem
Anfang von Vers 9:121 beginnt, scheinen auf Folio 17v Seiten- und Versende
(9:120) zusammengefallen zu sein - vgl. ebenso die Folio 16r, 17r, 19r und
19v!
5.3 Folio 18r, scriptio inferior: Sure 9:121 - 19:s:Kommentar zu den
orthographischen und textlichen Abweichungen

D$ Satzeinleitung durch wa- / und a m Beginn von Vers 122fehlt, was an der
Bedeutung nichts ändert; zu fehlendem oder zusätzlichem wa- a m Satzanfang
s. Kommentar zu 9:113 (Folio 17r).

Das Wort nach kulli enthält ein isoliertes Alif (oder beginnt mit einem?),
kann also nicht firqatin lauten; der Rest des Wortes ist nicht zu erkennen. -
A u c h f i r den Codex von Ibn ist an dieser Stelle eine Abweichung
vom StT überliefert: Statt StT firqatin / Gruppe verwendet er das synonyme
tä'ifatin und statt StT (nach minhum) tä'ifatun das ebenfalls synonyme
'usbatun.

43 S. Jeffery Materials 45
Im StT ist die Temporalpartikel ibä / wenn zu idä mä 1 wenn erweitert,
während im Manuskript das mä fehlt; vgl. dasselbe Phänomen in Zeile 15
(9:127). An der Bedeutung ändert sich nichts.
Statt des StT maradun / Krankheit verwendet das Manuskript rigsun /
Unreinheit, das dann nur wenig später im Vers, im Manuskript wie im StT,
(noch) zweimal vorkommt (s. Z. 13). Die Übersetzung der Manuskriptversion
lautet dann ,,Diejenigen dagegen, die im Herzen Unreinheit haben, die
bestärkt sie [= die herabgesandte Sure] noch in ihrer Unreinheit zu ihrer
(bisherigen) Unreinheit hinzu" statt wie die des StT „Diejenigen dagegen,
die im Herzen eine Krankheit haben, die bestärkt sie noch in ihrer
Unreinheit zu ihrer (bisherigen) Unreinheit hinzuu. Durch die Nennung der
Unreinheit rigsun und anschliegende Wiederholung des Wortes ist die
Manuskriptversion stärker als der StT parallel zu der vorausgehenden
Aussage konstruiert, die dasselbe Wort (glauben) zweimal verwendet:
„Diejenigen, die p g , die bestärkt sie noch in ihrem Glauben". Der StT
andererseits vermeidet durch die Verwendung von maradun die dreifache
Wiederholung desselben Wortes kurz hintereinander; zudem ist die
Formulierung fi qulübihim maradun eine Art Standardformel, die 12 mal im
Koran vorkommt (2:10, 5:52, 8:49, 9:125, 22:53, 24:50, 33:12, 33:32, 33:60,
47:20, 47:29, 74:31); tatsächlich erscheint das Wort maradun ausschlie$lich
innerhalb dieser Formel.

Statt des StT käfirüna / Ungläubige verwendet das Manuskript das fast
synonyme fäsiqüna / Gottlose, Frevler; statt StT „und sie sterben als
Ungläubige" lautet die Manuskriptversion übersetzt „und sie sterben als
Frevler". Dieselbe Formulierung mit fäsiqüna wie in der Manuskriptversion
Ghnlichem Zusammenhang, auch in StT 9.84
j\,k5j~+$üSie haben an Gott und seinen Gesandten nicht
\j$
Y $5
und sie sind als Frevler gestorben. Im Manuskript sind die letzten

11111111111
Idefektiv/wenigernders als StT bdentisch mit StT

unleserlich
Wörter dieser Passage zufällig ebenfalls erhalten (Folio 16v, Zeile 11/12)44und
stimmen mit dem StT überein.
Ganz a m Ende der Zeile ist keine Schrifr mehr zu erkennen; das gern$
StT zu erwartende Alif(die Fragepartikel U-)scheint aber (s. Rekonstruktion)
tatsächlich zu fehlen, s. Kommentar zur nächsten Zeile.

Anstelle der rhetorischen Frage a-wa-1%yarawna / sehen sie denn nicht..?


steht im Manuskript als Einleitung des Verses lediglich wa- I und; statt
-annahum 1 dass sie ... muss das folgende Wort demnach innahum / (wahr-
lieh,) sie ... gelesen werden. Die Übersetzung der Manuskriptversion lautet
dann „Sie werden jedes Jahr ein- oder zweimal einer Prüfung ausgesetztu
statt, wie StT, „Sehen sie denn nicht, dass sie jedes Jahr ein- oder zweimal
einer Prüfung ausgesetzt werden?". - An anderer Stelle im Manuskript (s. 0.:
Sure 9:116, Folio 17v, Z. 5) steht hingegen eine ähnliche rhetorische Frage
„weißt du denn nicht" zusätzlich zum StT.
Auch für die Kodizes von Ubayy und Ibn M ~ s ' U ist ~an~dieser
~ Stelle eine
(bei beiden gleiche, aber vom hier diskutierten Manuskript verschiedene)
Abweichung v'om StT verzeichnet: Statt StT a-wa-lä yarawna / sehen sie denn
nicht steht dort a-wa-lä tarh / siehst du denn nicht.

Das im StT zur Verstärkung verwendete Personalpronomen hum 1 sie fehlt


im Manuskript, ohne dass sich dadurch an der Bedeutung etwas ändert; die
Übersetzung lautet weiterhin ,, ... und sie lassen sich nicht mahnen".

44 Puin, Elisabeth Koratjpulimpsest lil285,299


45 JefferyMaterials 45 und 135
Das (im Vergleich zum StT) hinzugefugte I n f x des 5. Stammes, ta-, in
yatadakkarüna stellt lediglich eine orthographische Variante (nämlich: keine
Assimilation des ta- an das Däl) dar.
Im StT ist die Temporalpartikel idä / wenn zu idä-mä / wenn erweitert,
während im Manuskript das mä fehlt; vgl. dasselbe Phänomen in Zeile 9
(9:124). An der Bedeutung ändert sich nichts.

Statt des StT tumma 1 dann steht im Manuskript die Partikel fa-, die ebenso
(unter anderem) eine zeitliche Aufeinandefolge ausdrückt; an der Bedeutung
ändert sich dadurch nichts.
Allerdings ist auch sarafa, das nächste Verb, anders als im StT mit der
Partikel fa- eingeleitet, die die Aussage als Folge der vorhergehenden Aussage
kennzeichnet. Statt StT „Hierauf wenden sie sich weg. Möge Gott ihr Herz
wegwenden!" (so Paret) bzw. ,,...Allah hat ihre Herzen abgewendet" (so
bevorzugt durch Ibn Rassoul) lautet die Manuskriptversion übersetzt etwa
,,Hierauf wenden sie sich weg, und so wendet Gott (dereinst?) ihre Herzen
weg". Zu der so vom StT abweichenden Passage AU\ &+ \$+L &-
'nsarafii' &-sarafa 'llähu qulübahum gibt es eine zwar nicht wortgleiche, aber
parallel konstruierte Stelle in 9:79 in der Manuskriptversion (Folio 16r, Z.
22)4. aul +. ++ i
\3+ sahirü' minhum fa-sahira 'IIahu minhum, „sie
[= die Ungläubigen] spotten über jene [= die Gläubigen], und so spottet
Gott (dereinst?) über sie (nämlich die Spötter)" (statt StT
... und die über sie spotten - über sie spottet (dereinst?) Gott). Im
Manuskript steht dort also, wie hier, das erste Verb im Perfekt (statt, wie im

46 Puin, Elisabeth Koranpalimpsest 111 283,294


StT in 9:79, im Imperjekt), und das zweite Verb ist wie hier, anders als im
StT, mit fa- eingeleitet.
Der nächste Satz, im StT ,,weil sie Leute sind, die es nicht begreifen",
wird im Manuskript durch (zusätzliches) dglika / dies (geschieht) eingeleitet;
die so entstehende Konstruktion dalika bi-anna ... kommt im StT mehrjach
vor. A m Sinn ändert sich dadurch nichts, die Stelle lautet dann „Dies
(geschieht), weil sie Leute sind, die es nicht begreifen". Vgl. das ebenfalls
„zusätzliche" dälika im Manuskript in 9:77 (Fol. 16r, Z. 17)47.

Die im Vergleich zum StT zusätzliche Kopula wa- 1 und am Anfang von Vers
128 ändert an der Bedeutung nichts; zu fehlendem oder zusätzlichem wa- am
Satzanfang s. Kommentar zu 9:113 (Folio 17r).
Die Schrifi a m Ende der Zeile ist nicht mehr sichtbar, doch reicht der Platz
nach rasÜlun m-:.. nicht für das nach StT vorgesehene (m-)in anfusikum,
sondern nur für sehr wenige Buchstaben; vermutlich ist (m-)inkum zu
ergänzen (s. Rekonstruktion), was an der Bedeutung nichts ändert: „Nun ist
ein Gesandter aus euren eigenen Reihen (wörtl.: aus euch) zu euch
gekommen".

Statt des StT 'mit- steht im Manuskript '-n-t-kum;das im StT intransitive


Verb ist also transitiv verwendet. Seine Bedeutung ist im StT unklar, es wird
meist als ,,in Bedrängnis geraten" v e r ~ t a n d e n ~Bei
~ . dem Transitivum im
Manuskript könnte es sich u m den II. Verbalstamm 'annata(-kum) handeln,
der im klassischen Arabisch ,,zu etwas schwer Durchfihrbarem zwingen"
bedeutet und im StT nicht vorkommt; er könnte hier als Kausativ im Sinne

47 Puin, Elisabeth Koranpalimpsest 111 282,29213


48 Ambros S. 195
des IV. Stamms gemeint sein, der ,,jdn. in Bedrängnis bringen" bedeutet und
auch im StT (2:220) vorkommt. Die Übersetzung der Passage in der
Manuskriptversion hie$'e dann „... ein Gesandter ..., dem das nahegeht, was
euch in Bedrängnis bringt", statt StT „... dem es nahegeht, wenn ihr in
Bedrängnis kommt".

T StT
;
9:128
-- 0 -0 J

~\sqFl
-- Gdb {}
Fol. 18r
( P J ~ ~ . ~ ~
Das im Vergleich zum StT zusätzliche minka 1 von dir ergänzt das fa-in
tawallaw': ,,Wenn sie sich aber von dir abwenden", ohne dass sich dadurch
am Verständnis der Passage etwas ändert.

sü!!E3 &
=+ 5 - Ypq
- Y \ 3\ 2.21
FO1.

Das im Vergleich zum StT zusätzliche Relativpronomen d a & 1 (von)


welchem (gilt) macht aus den folgenden Worten einen Nebensatz; die Passage
(beginnend in Zeile 20) in der Manuskriptversion lautet dann übersetzt: „...
dann sag: Ich lasse mir an Gott genügen, außer dem es keinen Gott gibt"
statt StT „... dann sag: Ich lasse mir an Gott genügen. Es gibt keinen Gott
außer ihm".

Kommentars. Zeile 24.

0 +
3Zd\
; .#
\
/.#
d\
0

:o: 0:0:0:0:0:0:0:0:0:0:0:0:0:0:0:0:
StT
19:l

-
Kommentars. Zeile 24.
Von der zum StT zusätzlichen (doppelt gerahmt), das Ende der Sure
markierenden Formel hädihi hätimatu sürati I-tawbah 1 Dies ist das Ende
der Sure al-Tawbah sind zwar nur die beiden Ha's von hädihi (Zeile 22)
sowie die beiden letzten Buchstaben -bah (Zeile 23) zu sehen, doch kann sie
mit groJer Sicherheit ergänzt werden, zumal besser lesbare Parallelen in
demselben Manuskript erhalten sind.
Auf die Endformel folgt ein mit der Schreibfeder gezeichneter
ornamentierter Surentrenner: eine Reihe aus abwechselnden Kreisen und
,,Doppelpunkten" (kurzen, übereinanderliegenden Strichen, die jeweils durch
einfaches Aufsetzen der Feder entstanden), eingerahmt von einer umgebenden
Linie und äuJerer Punktreihe44 Weder beginnt der Surentrenner mit dem
Zeilenanfang, denn dort steht noch das -bah von '1-tawbah, noch endet er mit
dem Zeilenende, denn dort steht der Beginn der Basmalah.
Danach beginnt Sure 19 (Maryam) - eine Reihenfolge, die weder dem StT
(Surenfolge: 9+1O) noch dem Kodex von Ibn Mas'Ud (Surenfolge: 9+16)
entspricht. Auch mit dem Kodex von Ubayy stimmt sie nicht genau überein,
doch zeigt sich dort ebenfalls eine g@e Nähe beider Suren zueinander (bei
ihm ist aber Sure 11 dazwischen: Surenfolge bei Ubayy: 9 3 1 1 +19).
Nach der Basmalah steht ein im Vergleich zum StT zusätzlicher Vers-
trenner; in frühen Handschriften wird die einleitende Basmalah häufig als
eigener Vers gekennzeichnet, so etwa noch regelmäJig in der scriptio
Superior, z. B. am Anfang von Sure 17 (Folio 5v, Zeile 19)5".
Die Surenübergänge sind, soweit erhalten, innerhalb der scriptio inferior
leicht verschieden gestaltet: Sie sind (alle? durch gezeichnete Surentrenner

49 Foto des Surentrenners s. Puin, Elisabeth Koranpalimpsest 111246.


50 Puin, Elisabeth Koranpalimpsest I1 534.
51 Zu den Surenübergängen 8+9, 15+25 Fotos s. Puin, E. Koranpalimpsest II1
246-247. Für den Christie's-Folio (Surenübergänge 63+62+89+90) s. Sadeghi
Codex of a Companion 359: Er erwähnt Surentrenner, ohne sie aber zu
beschreiben; es wird auch nicht klar, ob alie drei Surenübergänge Surentrenner
besitzen.

dentisch mit StT


akzentuiert, undficnf der sechs Surenenden sind auch durch parallel formu-
lierte Endformeln, immer mit Nennung des Namens der Sure, abgeschlossen;
doch fehlt eine solche nach Sure 1552.Eine Basmalah ist immer vorhanden,
doch kann ihre Position durchaus zwischen dem Anfang der nächsten Sure
und dem Ende der vorigen schwanken: Im Falle des Surenwechsels 8 3 9 etwa
steht sie zwar nach dem Surentrenner, aber noch vor der Endformel, sich
somit eher auf das Surenende beziehend. Ofenbar war die Position der
Basmalah in der scriptio inferior nicht genau festgelegP3 - was vermutlich
einer Tradition entspricht, nach der die Basmalah ofenbart wurde, u m
Muhammad anzuzeigen, dass das Ende einer Sure erreicht war und nun die
nächste beginnen würde, also die Funktion einer Zäsur hatte54.
In der Frühzeit des Islam wurde die Frage, ob man im Koran die
Surenanfänge bzw. -enden durch die Zusätze fätihatu sürati N. N. bzw.
hätimatu sürati N. N. markieren dürfe, kontrovers diskutiert; das Argument
der Gegner solcher Formeln war, dass man sie als Teil des Korantextes der
Ofenbarung, missverstehen könntess. In jüngeren Handschriffen und auch in
den rnodemern gedruckten Versionen des StT besteht eine solche Gefahr
nicht, da die Surenüberschriften (immer den Anfang einer Sure bezeichnend)
immer klar vom eigentlichen Text unterschieden sind, etwa durch oma-
mentierte Einrahmung und/oder einen anderen Schriffstil. Nicht so in der
scriptio inferior: Hier sind die Endformeln in keiner Weise vom eigentlichen
Korantext unterschieden, obwohl sie sicher nicht als Teil der Oflenbarung
aufgefasst wurden.

52 Zum Surenübergang 8 3 9 s. Puin, E. Koranpalimpsest II 560; 15325 auf Folio


15v, noch nicht veröffentlicht. Für den Christie's-Folio (63+62389+90) s.
Sadeghi Codex of a Companion 433.
53 Dasselbe gilt für ein weiteres Manuskript aus San'ä', DAM 01-28.1, vgl.
Bothmer Anfänge der Koranschreibung 44.
54 al-Suyüri (st. 911 AH / 1505 AD) Itqän 1, 112.
55 d-Sigiistäni Masähif 138

dentisch mit StT


Statt des StT rabbah I seinen Herrn steht im Manuskript rabbakk / deinen
Herrn; gemeint ist in beiden Fällen (derselbe) Gott. - Das im Vergleich zum
StT zusätzliche Zakariyä nennt das Subjekt des Satzes explizit, ohne dass sich
dadurch etwas an der Bedeutung ändern würde. Die Übersetzung von Vers 3
lautet in der Manuskriptversion: „Als Zakarivä im Stillen deinen [=
Mulpmmads] Herrn anrief statt wie im StT „alser im Stillen seinen Herrn
anrief.
Die im Vergleich zum StT zusätzliche Kopula wa- / und um Anfang von
Vers 4 (vgl. auch Z. 18, 9:128) ändert an der Bedeutung nichts; zu fehlendem
oder zusätzlichem wa- um Satzanfangs. Kommentar zu 9:113 (Folio 17r).
Die Defektivschreibung von Längungs-Al$ wie hier in qäla,findet sich in
HiBzi-Manuskripten häufig.
Während der StT rabbi / Herr! (wie im Vokativ häufig) gekürzt, d. h.
ohne Yä' am Ende schreibt, ist das Personalsuffix im Manuskript
ausgeschrieben; s. aber die mit dem StT identische Orthographie in Zeile 26.
Die Worte des StT inni wahana '1-'qmu minni wa- fehlen im Manu-
skript, so dass die Passage statt StT ,,Er sagte: Herr! Das Gebein ist mir
schwach geworden. und der Kopf altersgrau" in der Manuskriptversion (s.
auch nächste Zeile) lediglich hegt: ,,Er sagte: Herr! Der Kopf ist (mir)
altersgrau geworden"

Im Manuskript steht das Wort rabbi I Herr! (hier, anders als in Z. 25, ohne
finales Yä'geschrieben), anders als im StT, m r bi-du'ä'ika; da die Schrifi um
Ende von Zeile 26 aufgrund von dunklen Verjärbungen nicht mehr lesbar ist
und evtl. vorhandener Text vor & um Beginn der nächsten Zeile bei der
Neubeschneidung des Pergaments wegfiel, kann nicht mit Sicherheit geklärt
werden, ob es zusätzlich zum oder anstelle des gern@ StT erwartbaren rabbi
nach bi-du'ä'ika steht.

dentisch mit StT


es.-

-"-
Zu dem vermutlich fehlenden rabbi um Zeilenanfang s. Kommentar zu Zeile
26.
Das inni / (wahrlich)ich, das im StT nach dem wa- am Anfang des Verses
5 zur Verstärkung des hiftu / ich fürchte steht, fehlt im Manuskript, was aber
an der Bedeutung nichts ändert.

Die Defektivschreibung von Längungs-Al$ wie hier in 'äqiraIn,findet sich in


Higzi-Manuskripten häufig.
Die Schrift am Ende der Seite ist ebensowenig zu erkennen wie die um
Anfang der Verso-Seite, aber die Zeile und Seite dürfte mit dem Ende von
Vers 5 geendet haben.

5.4 Folio 18v, scriptio inferior: Sure 19:6-28: Kommentar zu den


orthographischen und textlichen Abweichungen vom StT

Bis in Höhe v o n ~ e i l e6 der scriptio inferior ist der Aujlenrand des Blattes ein
gutes Stück weit abgebrochen, 50 dass die Anfänge dieser Zeilen (jeweils ca.
1/5 - 1/4 des Textes) verloren sind. Von der erwartbaren Textmenge her
geschätzt, dürfte die Seite in etwa mit dem Anfang des Verses 6 begonnen
haben (vgl. auch Ende von Folio 18r).
Die Rekonstruktion des ersten lesbaren Wortes als wahabnä / wir [= GO;]
schenk(t)en dir ist nicht ganz sicher, die Schrij? ist hier recht undeutlich, doch
kommt wahabnä im StT fast ausschlie~lich im Zusammenhang
,,Nachkommenschaff schenken'' vor und würde daher genau passen. Die
Passage würde dann lauten wahabnä laka guliiman zakiya'"/ wir schenk(t)en
dir einen lauteren Jungen.Eine fast identische Parallele dazu findet sich im
StT in Vers 19:19: (innamä anä rasülu rabbiki) li-ahaba laki @&man ~akiya'~
/,
-,
p
J
.'
y+@&,,,J J '~ ~LL L (Ich
o*'-.?
I bin doch der Gesandte deines Herrn,
[gesandt]) um dir einen lauteren Jungen zu schenken). Im Manuskript ist
diese Passage zufällig ebenfalls erhalten (s. U . Folio 18v, Zeile 15) und lautet
fast gleich wie im StT; allerdings ist das Verb im Manuskript in der 3. Person
statt in der 2. Person gehalten.
Der Verstrenner danach steht hinter einem passenden Reimwort (auf -
iyä).
Wie die Buchstaben zu Beginn des nächsten Verses zu lesen sind,
ist nicht ganz klar; das nubaiiiruka des StT legt nahe, sie als eine Form von
baSSara 1 verkünden, vermutlich wa-baiiamähu / und wir verkündeten ihm
zu interpretieren, das im StT zweimal (37:101 und 37:112) vorkommt, beide
Male, wie hier, defektiv geschrieben und in ganz ähnlichem Zusammenhang.
Der Adressat der Verkündigung, Zakariyä (ausgedrückt durch das
Personalsujix -hu), steht damit nun in der dritten Person und nicht mehr,
wie im Vers zuvor, in der zweiten. Übersetzungs. Kommentar zur nächsten
Zeile.

1 j
0
$&-51 +3
I //

0
${Y}
# 0 ' G
J5 H A J - + ~ &StTG ~ ~ ~ : ~

Der (verlorene) Text zu Beginn der Zeile könnte mit dem StT identisch
gewesen sein; die Passage in der Manuskriptversion nach dem Verstrenner in
Zeile 2 bis zum Verstrenner in Zeile 3 hiej3e dann übersetzt: „Und wir
verkündeten ihm Y&yi, dem wir zuvor keinen gleichnamig gemacht
haben".
Die orthographische Variante der Defektivschreibung wie hier in qala
findet sich in Hi@zi-Manuskripten häufg.

&,B &JJ., &dJ.,F01.18v


L 2.412
Der Text von Z. 4/1 und 2. 4/2 steht im Manuskript in nur einer Zeile und ist
hier lediglich aus technischen Gründen aufgeteilt!
Der Platz u m Anfang der Zeile reicht ausfirr wa-qad balagtu min a-, aber
nicht noch firr das gemäy StT davor stehende wa-känat 'mra'ati 'äqira'n, so
dass dieser Teil wohl fehlte. Die Übersetzung von Vers 8 (ab Zeile 3) lautet
dann statt StT „Er sagte: Herr! Wie soll ich einen Jungen bekommen, wo
doch meine Frau unfruchtbar war und ich steinalt geworden bin?" in der
Manuskriptversion lediglich ,,Er sagte: Herr! Wie soll ich einen Jungen
bekommen, wo ich doch steinalt geworden bin?"
Die orthographische Variante der Defektivschreibung wie hier zweimal in
qalafindet sich in Hijiizi-Manuskripten häufg.
Im Text um Anfang von Vers 9 - das Manuskript entspricht dort genau
dem StT - sind die Bezüge etwas unklar; so bietet ParetS6 neben der
Übersetzung „Gott sagte: So (ist es, wie dir verkündet wurde). Dein Herr
sagt: Es fällt mir leicht . .." noch die Alternative ,,Gott sagte: So hat dein Herr
(es an)gesagt. Es fällt mir leicht ...". Der ganz ähnliche Vers 19:21 (s. U . Zeile
17) ist im Manuskript (leicht vom StT abweichend) so formuliert, dass dort -
und entsprechend möglicherweise auch hier in Vers 19:9 - die zweite
Übersetzung die richtige ist.

56 Der Koran. Obersetzung 248 und Fn. 9


Das Wort Say' wird in HiBzi-Manuskripten zwar häufig mit Alifin der Mitte
geschrieben, so wie hier (doppelt gerahmt) - allerdings normalerweise nur im
Nominativ und Genitiv (Say'un und Say'in). Die Orthographie des Akkusativs
Say'a'n hingegen ist in der Regel mit der des StT identisch, so z. B. an 24 von 25
erhaltenen Stellen in einem anderen Higzi-Manuskript aus San'ä: DAM 01-
28.1, wo er nur an einer Stelle abweichend, nämlich mit Alif nach dem Sin,
geschrieben ists7. Die Schreibung im vorliegenden Manuskript stellt also eher
eine orthographische Ausnahme dar. Allerdings begegnet dieselbe Schreibung
in der scriptio inferior auch auf einem anderen Blatt derselben Handschrif,
nämlich auf Folio 5r, Z. 24 (9:25)58;vgl. aber die mit dem StT identische
Orthographie auf Folio 19r, Zeile 17 (19:42).
Die orthographische Variante der Defektivschreibung wie hier in qäla
findet sich in Hitäzi-Manuskripten häufig.

Die orthographische Variante der Defektivschreibung wie hier in qäla und


layälinjndet sich in Higzi-Manuskripten häufig.

& J $\'
0

0
226 +:I*"
, '
+A& && StT

P-L'\&JCI)J\~U[&\~ v & ~ L
Die Partikel fa-, die die Aussage als Folge der vorausgehenden Aussage
kennzeichnet, fehlt im Manuskript vor Saraga und awipi, ohne dass dies am
Sinn etwas ändert: „Da kam er aus dem Tempel zu seinem Volk heraus und
gab ihm zu verstehen ...".

57 Eigene Beobachtung, noch unveröffentlicht.


58 Puin, Elisabeth Koranpalimpsest 11557 und 576.
Die orthographische Variante der Defektivschreibung wie hier in '1-mihräbi
findet sich in Higzi-Manuskripten häufg.

Das erste Wort von Vers 12 - dü$e wie im StT als die Anrede yä-Y&y&
/ o Johannes! zu lesen sein. Das zweite Wort jedoch beginnt mit einem Al$
der Rasm ist vermutlich als A-H-D zu interpretieren und also keinesfalls als
das gemä-JJStT erwartbare hud zu lesen. Entweder handelt es sich u m eine
ungewöhnliche Imperativform uhud, die allerdings sonst weder im Koran
noch auch im klassischen Arabisch vorkommt, oder aber es ist gar kein
Imperativ gemeint, sondern die 3. Person Singular Per$ekt I a d a . Im letzteren
Falle hiejZe die Stelle dann &ada '1-kitäba bi-qüwatin / er hielt die Schrift
fest. Diese Interpretation als Schilderung passt gut zum vorausgehenden und
nachfolgenden Text, in dem über Zacharias bzw. über Johannes berichtet
wird; die Anrede o Johannes! zu Anfang des Verses wäre dann eher als
Erinnerung an Johannes denn als Beginn einer Handlungsanweisung zu
verstehen.
Statt StT ' e k ataynähu (al-hukma) / wir gaben ihm (Urteilsfähigkeit)
h e g t es im Manuskript, in diesem Zusammenhang synonymisch, L&
'allamnähu ('1-bkma) / wir lehrten ihn (Urteilsfähigkeit).
Der ganze Vers lautet dann übersetzt statt StT „Johannes! die
Schrift fest! Und wir gaben ihm (schon) als Knaben Urteilsfähigkeit" in der
Manuskriptversion ,,Johannes! Er hielt die Schrift fest, und wir lehrten ihn
(schon) als Knaben Urteilsfähigkeit".

Die Kopula wa- / und am Anfang von Vers 13fehlt im Manuskript, ohne dass
sich am Sinn etwas ändert; zu fehlendem oder zusätzlichem wa- am
Satzanfang s. Kommentar zu 9:113 (Folio 17r).
Die orthographische Variante der Defektivschreibung wie hier in hanäna'"
findet sich in Higzi-Manuskripten häufig.
Wie der (im Vergleich zum StT) zusätzliche Schriftzug L am Ende der Zeile
zu deuten ist, ist unklar.

Statt der Vollform des Apocopatus, StT & yakun, steht im Manuskript die
Kurzform L& yaku, ohne dass sich am Sinn etwas ändert.
Die orthographische Variante der Defektivschreibung von Längungs-Alif
wie hier in gabb&aInfindet sich in Hi@zi-Manuskripten häufig.
Statt des StT wa-salämun 'alayhi 1 Heil sei über ihm stehen im
Manuskript die Wörter in umgekehrter Reihenfolge: wa-'alayhi '1-saläm 1
über ihm sei Heil.

Nach dem wa-'dkur steht ein (im Vergleich zum StT) zusätzliches AI$ das
den Imperativ Singular ,,gedenkeu scheinbar in einen Imperativ Dual
,,gedenket beide" verwandelt, der aber keinen Sinn macht; vermutlich
handelt es sich u m einen Irrtum des Schreibers.

Das letzte Tä' von intabadat trägt zwei übereinandergelagerte diakritische


Punkte. - Die orthographische Variante der Defektivschreibung von
Längungs-Al$ wie hier in makäna'n, findet sich in Higzi-Manuskripten
häufig.

dentisch mit StT


r. a
Die orthographische Variante der Defektivschreibung von Längungs-Al$ wie
hier in hi@ba1n,findetsich in ffigzi-Manuskripten häufig.

Die orthographische Variante der Defektivschreibung von Längungs-Al$ wie


hier in qäla,findet sich in ffigzi-Manuskripten häufig.

Statt mit einem Alif wie im StT li-ahaba (I. Person Singular) beginnt das
Verb im Manuskript mit einem Häkchenbuchstaben, der sinnvollerweise als
Yä' gelesen werden kann; das Verb stünde dann in der 3. Person
Singular:& li-yahaba (Konjunktiv) oder la-yahabu (Indikativ). Statt des
StT: ,,Er sprach: Ich bin der Gesandte deines Herrn. (Ich bin von ihm zu dir
geschickt,) damit ich dir einen lauteren Jungen schenke" würde die
Übersetzung der Manuskriptversion dann lauten: ,,Er sprach: Ich bin der
Gesandte deines Herrn, (ausgesandt,) damit er dir einen lauteren Jungen
schenkt (li-yahaba)"oder: „Er sprach: Ich bin der Gesandte deines Herrn. Er
schenkt dir einen lauteren Jungen (la-yahabu)". Die Lesarten von Wars",Abü
'Amr und Ya'qüb stützen die Deutung mit dem Verb in der 3. Person, und
zwar im Konjunktiv; Koranausgaben nach War$ schreiben zwar Alif, setzen
aber ein kleines Yä' darüber zum Zeichen, dass nicht li-ahaba, sondern li-
yahaba gelesen werden soll. - Möglich wäre aber auch eine Deutung des
Häkchenbuchstabens als Nün. Das Verb stünde dann in der 1. Person Plural;
dazu s. eine ähnlich konstruierte Stelle in StT Vers 19:21 (im Manuskript
erhalten, s. U . Zeile 17).
Die orthographische Variante der Defektivschreibung von Längungs-Al$ wie
hier in qälat,findet sich in Hi@zi-Manuskripten häufig.

Die orthographische Variante der Defektivschreibung von Längungs-Al$ wie


hier in qäla,findet sich in Hi&izl-Manuskripten häufig.

A m Anfang des nach rabbuka folgenden Satzes steht im Manuskript ein (im
Vergleich zum StT) zusätzliches wa-. Fehlendes oder zusätzliches wa- am
Satzanfang kommt in frühen Koranhandschriften gelegentlich vor (s.
Kommentar zu 9:113 (Folio 17r)), und in der Regel ändert sich dadurch an
der Bedeutung nichts. Hier jedoch legt die durch das wa- gebildete Zäsur
nahe, dass nicht bereits nach ka-däliki I so eine Zäsur zu denken ist, wie Paret
und andere bevorzugt übersetzen: ,,Er [= derEngel1 sagte: So (ist es). Dein
Herr sagt: ...", sondern dass die drei Worte ka-däliki qäla rabbuka vor dem
wa- gemeinsam einen Satz bilden, so wie es Paret alternatig9 vorschlägt: ,,Er
[= der Engel] sagte: So hat dein Herr es gesagt". Der Engel bestätigt damit
das, was er zuvor gesagt hatte, nämlich seine - von Maria angezweifelte -
Verkündigung.
Statt wie im StT 'alayya (= 'ab + Personalsufix der 1. Person Singular)
steht im Manuskript 'alayhi ( ' a b +Personalsufix der 3. Person Singular), der
Satz lautet also im Manuskript „wa-huwa 'alayh hayyinun / Und es fällt ihm
leicht" statt, wie im StT „huwa ' a l a m hayyinun / Es fällt leicht": Da das
qäla rabbuki sich auf das davor stehende ka-däliki bezieht und nicht auf die
nach ihm folgenden Worte, sind diese nicht als wörtliche Rede Gottes zu
verstehen (wie nach der Interpretation „Dein Herr sagt: ..."), sondern als

59 Der Koran. Übersetzung Fn. 20 zu 19:21, sowie Kommentar und Konkordanz


Anmerkung zu 3:40.
Bericht des Engels über Gott. Die ganze Passage lautet dann statt wie im StT
„Er [= der Engel] sagte: ,So (ist es). Dein Herr sagt: Es fällt mir leicht" in der
Manuskriptversion „Er [= derEngel] sagte: ,So hat dein Herr es gesagt, und
es failt ihm leicht'".
Der nächste Satz ist dann, wie im StT (das minnä, s. Ende der Zeile, lässt
keine andere Interpretation zu), in der I . Person Plural formuliert, es handelt
sich also u m (durch den Engel wörtlich zitierte) Rede Gottes. In der
Manuskriptversion vollzieht sich damit ein plötzlicher Wechsel vom Sprechen
über Gott zum m t Gottes. Im StT stellt sich diese Schwierigkeit nicht, das
wörtliche Zitat wird dortja einfach fortgesetzt; doch tritt auch dort ein ebenso
ungeklärter Wechsel von der 1. Person Singular zur 1. Person Plural ein.

Das im StT an das fa-harnalat angehängte Personalsufix -hu fehlt im


Manuskript; zu übersetzen ist die Manuskriptversion also „Da war sie nun
schwanger" statt wie im StT „Da war sie nun schwanger mit ihm", ohne dass
sich der Sinn ändert.
Die orthographische Variante der Defektivschreibung von Längungs-Al$
wie hier in makäna'",findet sich in Higzi-Manuskripten häufig.

Die orthographische Variante der Defektivschreibung von Längungs-Al$ wie


hier in al-m&ädu und qälat,findet sich in Higazi-Manuskripten häufig.

Das im Vergleich zum StT zusätzliche r$\ al-yawma präzisiert die Passage
etwas, ohne ihren Sinn zu verändern; sie heiJt in der Manuskriptversion
übersetzt: „Wäre ich doch vor diesem Ta3 gestorben ..!^ statt, wie im StT,
„Ware ich doch vorher gestorben ...!"

A m Beginn der Zeile ist Platz für mehrere zusätzliche Buchstaben, die aber
nicht mehr erkennbar sind.
StT
- : 19:25
- -
----
- 2.22
Nach dem Käf von fa-kuli steht irrtümlich (?) ein zusätzliches Al$

Unter Zeile 26 dürfe noch eine weitere Zeile gestanden haben, deren Text
aber nicht mehr zu erkennen ist. Da die erste Zeile des anschlieJenden Blattes
(Folio 19r) ebenfalls nicht mehr lesbar ist, kann zumindest anhand des mir
zur Ve$Ügung stehenden Fotomateriak; nicht geklärt werden, an welcher
Textstellegenau Folio 18v endete und Folio 19r begann.

5.5 Folio 19r, scriptio inferior: Sure 19:30-53: Kommentar zu den


orthographischen und textlichen Abweichungen

Ob die Zeile, wie hier angenommen, mit inni beginnt oder mit dem laut StT
vorausgehenden qäla, ist unklar.

Die Zusammenschreibung von StT ayna mä zu ayna-mä ist eine


orthographische Variante, die in Higzi-Manuskripten häufiger vorkommt.

Das 'alayya, das im StT erst etwas später folgt, dü$e im Manuskript a m Ende
dieser Zeile gestanden haben; vgl. Kommentar zur nächsten Zeile.

Im Manuskript fehlt das 'alayya an der nach dem StT dafür vorgesehenen
Stelle hinter '1-salämu; vermutlich war die Reihenfolge beider Wörter
umgekehrt, und es stand stattdessen vor '1-salämu am Ende von Zeile 4. Eine
genaue Parallele dazu findet sich im Manuskript in Folio 18v, Zeile 10
(19:lS): Dort steht, in sehr ähnlichem Zusammenhang, ebenfalls 'alayhi '1-
salämu statt StT salämun'alayhi.

Nach alladi steht ein (im Vergleich zum StT) zusätzliches Wort, von dem nur
noch die ersten beiden Buchstaben kä- sichtbar sind; danach ist das Blatt
abgebrochen. Vermutlich stand dort das Verb käna / war oder känü' / waren,
doch wäre dahinter in der Zeile noch Platzfir etwas mehr Text als nur das
evtl. vorhandene (und gemä;P StT erwartbare) fhi. Möglicherweise handelt es
sich u m eine Parallele zu dem Kodex von Ubayy, in dem an dieser Stelle6',
zusätzlich zum StT, käna al-näsu steht; durch die Verbindung mit käna wird
das Verb yamtarüna (s. Zeile 7) in die Vergangenheitgesetzt, und das Subjekt
die Menschen ist explizit genannt. Statt StT „Das ist 'Ish, der Sohn Maryams.
(Er ist) das Wort der Wahrheit, woran sie zweifelnS6llautet der Text bei
Ubayy (und vielleicht auch im Manuskript) also ,,Das ist 'Tsh, der Sohn
Maryams. (Er ist) das Wort der Wahrheit, woran die Menschen gezweifelt
haben".

Statt des StT min waladin steht itn Manuskript der Akkusativ waladain;am
Sinn ,,Es steht Gott nicht an, sich irgendein Kind zuzulegen" ändert sich
dadurch nichts.

60 JefferyMaterials 145
61 aersetzung nach Ibn Rassoul
Die Kopula wa- am Anfang von Vers 36 fehlt im Manuskript, ohne dass sich
dadurch am Sinn etwas ändert. Dieselbe Abweichung vom StTfindet sich an
dieser Stelle auch im Kodex von Ubayybz;fehlendes oder zusätzliches wa- am
Satzanfang kommt in der scriptio inferior aber insgesamt recht häufig vor (s.
Kommentar zu 9:113 (Folio 17r)), so dass diese Übereinstimmung keine
Signifikanz besitzt.

Y,
*a
{ r ~ p" 2 L%
.H
Mi
P StT
19:36
-
Y I u L c b {},.-'TAq,\U.,%b - $ J
;ygr
Bei dem zusätzlichen Häkchen in sirätun handelt es sich nicht u m einen
zufälligen Lapsus des Schreibers, sondern u m eine echte orthographische
Variante: Dasselbe Wort ist auch in Zeile 18 (19:43) genauso geschrieben.
Dieselbe Orthographie mit zusätzlichem Häkchen statt Längungs-Alif (bzw.
Defektivschreibung) findet sich in Higzi-Koranen häufig bei dem Plural
äyät; wahrscheinlich soll das Häkchen die Aussprache des Langvokals mit
Imälah anzeigen.
,
+
e
5 ,

L? ' \ CF'
StT
$9 1937

P-
Die orthographische Variante der Defektivschreibung von Längungs-Al$ wie
i;;igr
hier in (al-a)hzäb,findet sich in fii@izi-Manuskripten häufig.
Das StT min vor baynihim fehlt im Manuskript, was am Sinn nichts
ändert; gelesen werden muss dann allerdings baynahum statt baynihim. -
Nach baynahum steht im Manuskript (im Vergleich zum StT) zusätzlich min
amrihim 1 in (?) ihrer Angelegenheit; statt des StT ,Aber dann wurden die
Gruppen untereinander uneins" lautet die Übersetzung der

62 JefferyMaterials 145

i l"
-
3.a.

--=- Radierg. I&


-....
5 @..'
>neuer Text üb. Radierg. 3&= einkorrig.
Manuskriptversion etwas ausführlicher „Aber dann wurden die Gruppen
ihrer Angelegenheit untereinander uneins". Wenig später, in 19:39, wird die
Angelegenheit / auch im StT (wie im Manuskript, s. U. Z. 13) erwähnt:
Es wird vor dem Taggewamt, an dem die Angelegenheit entschieden sei.
Über dem letzten Wort der Zeile, maihadi, war etwas (korrigierend?)
eingefugt worden, wurde dann aber (vor der Abwaschung der scriptio
inferior) mit Tinte übemalt und unleserlich gemacht.

i&k,+s~3*, I*/,
,, I:; {+L . ,r*„ StT
19:37

Statt StT wa- steht im Manuskript fa-; zu dieser Textvariante s. 0.


Kommentar zu 9911 (Folio 17r).
>
p p q i& 9 5 SEjg
' I
1{ ~ 4 } 5 & 3 Y i ~ ;
&j j 5

Fol. 19r
{ h ~ d p J ~ ~ ( s ~ r z.is
Y ~ $ ~ ~

Das Niin von nabiyyaIn


. . ist mit einem diakritischen Punkt versehen.
Die orthographische Variante der Defektivschreibung von Längungs-Al$
wie hier in qäla,fndet sich in Hi@zi-Manuskripten häufg.
Fol. 19r
2.16
Das Häkchen fUr den langen /i:/-Laut in li-abihifehlt im Manuskript, als sei
die Aussprache li-abihi (mit kurzem lil) gemeint.
Das Manuskript wiederholt das Relativpronomen mä vor 15 yugni, ohne
dass sich um Sinn etwas ändert; die Übersetzung des Verses lautet in der
Manuskriptversion wie im StT: „Als er zu seinem Vater sagte: Vater! Warum
verehrst du etwas, was weder hört noch sieht noch dir (irgend) etwas hilft?"

Die Orthographie von iay'ain stimmt hier mit dem StT überein; vgl. aber die
abweichende Orthographie LSL (für den Akkusativ!) auf Folio Sr, Zeile 24
(9:25) und Folio 18v, Zeile 5 (19:9).

:&iluY..&{LTl+;&
.. Y 9 "
,
StT
'23 + j H . * ' ~19:43
Si,\
- - U Y -L {} Ly J@ AU\ -b :1;igr
Zur Schreibung von sirätain mit zusätzlichem Häkchen s. dieselbe
Orthographie in Zeile 9.
.- 0
StT

-
3j 5 gf ;;\&tt}u+y,
I
A' ,/ ~C;;O~$L 19:44
FO1. lgr
I- \ I L {} I-PT p - y$&J\ J Z. 19
Die orthographische Variante der Defektivschreibung von Längungs-Al$ wie
hier in &iifu,findet sich in Higzi-Manuskripten häufig.
\ Y J Kr
19:46

........................................................................:Fol. 19r
7 ?lh

Während die SchrifC in den Zeilen davor und danach klar und fast)
vollständig lesbar ist, war diese Zeile (vor der endgültigen Abwaschung der
scriptio inferior) gezielt und fast komplett getilgt - wohl ausgekratzt -
worden. Lediglich einige Hasten, die bis zur nächsthöheren Zeile reichen, sind
noch zu erkennen; welcher Text ursprünglich dort stand, ist völlig unklar.
Einige Tintenspuren deuten daraufhin, dass sekundär ein korrigierender Text
eingefügt wurde; lesbar ist davon allerdings nichts mehr. S. auch Kommentar
zur nächsten Zeile.

- Fol. 19r
............L..........I
Fol. 19r
- - - -
Auch der Anfang dieser Zeile, bis einschlieJlich 'hbr, wurde ausgekratzt (s.
-
Zeile 2Zb). Mitten in dem ausgekratzten Teil der Zeile steht ein sekundär
einkorrigiertes Al$ auperdem scheint der „Schwanzwdes retroflexen Al$ des
folgenden, originalen ni (von 'hbrni) sekundär bis zum Anfang der Zeile hin
verlängert worden zu sein, und Tintenspuren weisen darauf hin, dass noch
mehr Text korrigierend eingefigt worden war.
Trotz der Korrekturen ist der ursprüngliche Text teilweise noch bzw.
wieder lesbar (s. Zeile 22a) - und stimmt mit dem StT überein; weshalb
Korrekturen für nötig befunden worden waren und ob sie im Sinne des StT
erfolgten, ist daher unklar.
Die orthographische Variante der Defektivschreibung von Längungs-Al$
wie hier in qäla,$ndet sich in fii@zi-Manuskripten häufig.

..... dentisch mit StT


> 0 0 0
StT
2-L 0 5 i;t Y \ 230
jee,
\ +>\j +\ $2 19:48
Fol. 19r
~ \ L ~ . L ~ W ~ J \ P W J J 2.24
\ ~ J
Die Satzeinleitung durch (im Vergleich zum StT) zusätzliches wa- vor 'asi
bekräfiigt, dass im folgenden ein neuer Satz beginnt; dies ist auch in der
Version des StT klar ersichtlich, so dass sich nichts am Verständnis des Textes
ändert. Zu fehlendem oder zusätzlichem wa- am Satzanfang s. Kommentar
zu 9:113 (Folio 17r).

Der Text zwischen ['Iliahi und ishaiqa wurde (einschlieplich des Alifs von
Ishaqa) sekundär so gründlich getilgt, dass nichts mehr davon zu sehen ist.
Welcher Text dort stand, ist völlig unklar. Tintenspuren weisen darauf hin,
dass sekundär ein korrigierender Text eingefugt wurde; klar erkennbar ist
davon nur noch die Spitze einer Haste, vermutlich das Läm von lahu, s.
Rekonstruktion.
L
., StT
, 5Gp . 1950

........................................................Pol. 19r
1

Die komplette Zeile war in derselben Weise getilgt worden wie Zeile 21, so
dass (abgesehen von einer einzigen Haste) gar nichts mehr lesbar ist. Spuren
von Tinte deuten auf sekundäre Einfügung vom korrigierendem Text hin;
auch von diesem ist aber nichts mehr lesbar.

Die ersten zwei Drittel der Zeile wurden sekundär so gründlich getilgt, dass
nur noch vereinzelt etwas lesbar ist. Wie aus Tintenspuren ersichtlich, wurde
wohl sekundär ein korrigierender,jetzt aber unleserlicher Text eingefugt.
In der ursprünglichen Fassung (s. Zeile 29a) fehlte das wa-käna rasda'"
des StT, es ist kein Platz dajür vorhanden. Von dem kurzen Wort um Anfang
der Zeile ist nur noch der letzte Buchstabe, ein Alif (sowie der anschlieJende
Verstrenner), zu sehen; es könnte sich also sehrgut (s. o. Rekonstruktion) u m
das vom StT vorgesehene nabiya'"gehandelt haben. Die Passage hieJe dann
in der Manuskriptversion: wa-'&ur fi '1-kitäbi Müsi innahu käna muhli~a'n
nabiya'"„Und gedenke in der Schrift des Mose! Er war ein Auserlesener und
ein Prophet" statt StT „Und gedenke in der Schrift des Mose! Er war ein
Auserlesener und ein Gesandter und Prophet". - Die gegenüber dem StT
kürzere Manuskriptversion wäre damit genau parallel zu StT 19:41 (im
Manuskript identisch. s. o. Zeile 14/15) konstruiert: &\ p3\ &\
~ A ;)gQ wa-'&ur fi '1-kitäbi Ibrähima innahu käna sadiqaInnabiyaIn
„Und gedenke in der Schrift des Abraham! Er war ein Wahrhaftiger und ein
Prophet".
A m Anfang von Vers 52 befand sich eine (im Vergleich zum StT)
zusätzliche, längere Passage, die aber ebenfalls so gründlich (sekundär) getilgt
wurde (s. Zeile 29b), dass vom Original nur noch ihr erster Buchstaben, ein
Al$ lesbar ist. Ob darüber etwas einkorrigiert wurde, ist unklar.
Die orthographische Variante der Defektivschreibung von Längungs-Al$
wie hier in min gänibi,fndet sich in Hi@zi-Manuskripten häufig.

Der Text am Anfang der Zeile wurde sekundär (s. Zeile 30b) getilgt, so dass
nur noch ganz wenig davon sichtbar ist. Wie an Tintenspuren ersichtlich,
wurde sekundär auch ein (mittlerweile unleserlicher) korrigierender Text
eingefügt.
In der ursprünglichen Fassung (s. Zeile 30a) reicht der Platz am Anfang
der Zeile nicht aus ficr das ganze vom StT vorgesehene al-aymani wa-
qarrabnähu nagiya'n, sondern nur für ein recht kurzes Wort (plus
Verstrenner); dabei könnte es sich sehr gut (s. o. Rekonstruktion) u m nagiyatn
gehandelt haben. Die Passage hiej'e dann in der Manuskriptversion (s. auch
Zeile 29a) wa-nädaynähu min-gänibi '1-Wri nagiyaIn „Wir riefen ihn von
der Seite des Berges her zu vertraulichem Gespräch" statt StT „Wir riefen
ihn von der rechten Seite des Berges her und ließen ihn zu vertraulichem
Gespräch nahekommen".
Wiederum fallen Vers- und Seitenende zusammen, vgl. auch Folio 16r,
17r, 17v sowie 19v!
5.6 Folio 19v, scriptio inferior: Sure 19:54-67 (und weiter): Kommentar
zu den orthographischen und textlichen Abweichungen

Die orthographische Variante der Defektivschreibung von Längungs-Al$ wie


hier in sädiqa,findet sich in Higzi-Manuskripten häufig.

j ~ ~ ~ 3 { ,o o } ~ ,9 54g 33 5
0 00 ~ g 3 i 3,
5StT
1
19:55

Zu welchem (im Vergleich zum StT zusätzlichen oder anderen) Wort das Al$
um Ende der Zeile gehörte, ist unklar, da der Anfang der nächsten Zeile
verloren ist.
Das min vor ba'dihim fehlt, was am Sinn („nach ihnen") nichts ändert;
allerdings muss der Schriffiug dann ba'dahum gelesen werden.
Die orthographische Variante der Defektivschreibung von Längungs-Al$
wie hier in adäCü',jndetsich in Hi@zi-Manuskripten häufg.

,=, ,. UL Y\ 0 - ,& -
Fol. 1%
~ -= ~ E- ~ z , l o

Der Text von Vers 61 lautete ganz anders als im StT: Selbst die Lesung des
ersten, noch mit dem StT übereinstimmenden Wortes, gannäti, ist nicht ganz
sicher, da die Schrift undeutlich geworden ist. Das folgende Wort beginnt mit
einem Al$ lautete also sicher nicht 'adnin. Von dem restlichen Text der Zeile
sind nur einige wenige Buchstaben zu erkennen, die weder mit StT 19:60 in
Zusammenhang gebracht werden können noch auch mit anderen Koran-
stellen, an denen auf das gannät ein Alif (etwa von al-nacimi)folgt. Ob die
Schrift zu Korrekturzwecken besonders gründlich getilgt wurde, ist derzeit
nicht zu entscheiden.

Wirklich zu lesen sind lediglich wenige Worte arn Ende der Zeile: 'alA '1-
ara'iki I auf Ruhebetten - ein Ausdruck, der (allerdings immer plene ge-
schrieben) an 5 Stellen im StT vorkommt (18:31, 36:56, 76:13, 83:23 und
83:35), immer im Zusammenhang einer Paradiesbeschreibung und insofern
gut zu dem Textpassend, dergemä$ StT hier stehen sollte.

-9
E\ Fol. 19v
- -Z . 14
\
1
StT
1962

Die Reihenfolge von rizquhum und fhä scheint gegenüber dem StT
vertauscht, doch ist diese Lesung nicht ganz sicher: Die Schrift in dieser wie
auch den umgebenden Zeilen ist sehr undeutlich.

Statt StT bayna aydia I vor uns dü@e im Manuskript (gegen Ende der Zeile)
- - -

bayna a y d i h I vor euch gestanden haben - s. die Entsprechung h a l f & ~


in der nächsten Zeile.

efektivlweniger als StT


Statt des StT mä halfann / hinter uns steht im Manuskript mä h a l f & /
hinter euch,vermutlich (s. Rekonstruktion Zeile 16) lauteten die Worte davor
auch bayna a y d i k c . Die ganze Passage hieJe dann übersetzt „Ihm [= Gott]
gehört, was vor &, was hinter &, und was dazwischen liegt", wobei sich
„euchwauf die von den Engeln angeredeten Menschen bezieht, während im
StT die Engel von sich selbst sagen „Ihm gehört, was vor uns,was hinter U,
und was dazwischen liegt". Inhaltlich macht dies wenig Unterschied.

A m Anfang der Zeile ist nichts lesbar, doch scheint dort etwas mehr Text
gestanden haben, als der StT vorsieht.

Der Text der Zeile, soweit lesbar, entspricht nicht der gemä. StT an dieser
Stelle erwartba~enPassage. Die Schrift um Ende der Zeile ist vielmehr zu lesen
als G %. Der Schluss des letzten y r t e s stand offenbar in der
nächsten Zeile; es ist sicher zu ergänzen zu ; die ganze Passage
lautet dann 'i$maIn a-innä la-mab'ü~ünaIm StT kommt diese Formulierung
an 3 Stellen (23232, 37:l: und 56;47) yor, und zwar jedesmal ,innerhalb
genau desselben Textes: ~4~ \ 5 j\3 L&, G ,& (@($)
a-idä mitnä wa-kunnä turäbaIn wa-'izämain a-innä la-mab'ü[tüna] „(Sie
sagen:) Sollen wir etwa, wenn wir gestorben und zu Erde und Knochen

entisch mit StT 4ielienekeft4kwet8er-


-Pm.-

-"--
geworden sind, auferweckt werden?"; vermutlich (s. Rekonstruktion) stand
also dieser Text hier im Manuskript, zumal die ersten beiden Buchstaben von
mitnä lesbar sind. Trotz des anderen Wortlauts ist der Sinn der
Manuskriptversion sehr weitgehend derselbe wie das gemä,P StT 19:66
erwartbare „Der Mensch sagt: Werde ich etwa, wenn ich gestorben bin,
lebendig wieder hervorgebracht werden?".
Das a-innä ist im Manuskript mit zwei Häkchen geschrieben, also mit
einem Häkchen mehr als an den genannten Stellen des StT, wo das zweite
Hamzah (nach dem Aliß keinen Träger besitzt; die Orthographie mit zwei
Häkchen findet sich allerdings an anderer Stelle auch im StT, nämlich in
27:67 und 37:36.63

In den 7 Zeilen nach Zeile 21 sind nur noch hier und da einzelne Buchstaben
zu lesen, die nicht mit dem StT verglichen werden können.
A m Ende der letzten Zeile ist ein Verstrenner zu sehen, der, wie die
anderen auf diesem Blatt, aus zwei dicht nebeneinanderstehenden Türmen
aus je 4 übereinandergesetzten Punkten besteht; wiederum fallen also Vers-
und Seitenende zusammen, vgl. auch Folio 16r, 17r, 17v sowie 19r - ein in
HiBzi-Manuskripten eher ungewöhnlicher Befund.

Auf den folgenden Seiten sollen Abbildungen der Recto-Seite von Folio 17
und der Verso-Seite des Doppelblatts Folio 18/19 einen Eindruck von deren
Aussehen vermitteln. Um eine bessere Vergrößerung zu erreichen, sind die
obere und die untere Hälfte jeweils auf zwei Seiten verteilt. Die dunkle
Schrift ist die scriptio superior (auf die in diesem Beitrag nicht näher
eingegangen wird), die hellere darunter die scriptio inferior, Gegenstand der
Analyse.

63 Dazu vgl. Puin, Gerd-R.: Vowel Letters, Beispiele (51) - (59).


Folio 17r, obere Hälfte.
Die Nummern beziehen sich auf die Zeilen der scriptio inferior.
397

Folio 17r, untere Hälfte


Die Nummern beziehen sich auf die Zeilen der scrivtio inferior.
Folio 18v (und Rand von Folio 19r), obere Hälfte
Die Nummern in normalem Format beziehen sich auf den Anfang der
Folio 18v (und Rand von Folio 19r), untere Hälfte
Die Nummern in normalem Format beziehen sich auf den Anfang der
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