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Grundlagen

Explosionsschutz
Grundlagen Explosionsschutz

Die Broschüre wurde nach dem derzeitigen


Stand der Normen und Vorschriften sorgfältig
zusammengestellt. Verbindlich ist der jeweils
aktuelle Stand der technischen und gesetzlichen
Regeln. Irrtümer und Druckfehler begründen
keinen Anspruch auf Schadensersatz.

Alle Rechte, insbesondere das Recht der


Vervielfältigung, Verbreitung und Übersetzung
vorbehalten.

BARTEC Broschüre
Grundlagen Explosionsschutz
14. überarbeitete Auflage - Ausgabe 2021

Verfasser:
Dr.-Ing. Hans-Jürgen Linström
Dipl.-Ing. Johannes Buhn
Dipl.-Ing. Karel Neleman

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Inhalt

Technische Entwicklung 6-8 Sekundärer 15 - 26


des Explosionsschutzes Explosionsschutz
Harmonisierung des 8 Bedeutung und Nutzen der 15
Explosionsschutzes Zoneneinteilung in Arbeitsstätten
Explosionstechnische Kennzahlen 17

Explosionsschutz 9 - 14 Zündtemperatur 17
Explosion 9
Gruppen 19
Bedingungen für eine Explosion 9
Schutzprinzipien 21
Die drei Faktoren 10
Baustandards und Verhinderung von 22
wirksamen Zündquellen bei Geräten
Explosionsbereich 13
Normen zum Explosionsschutz 23
Vermeidung von Explosionen 13

Primärer Explosionsschutz 14

Sekundärer Explosionsschutz 14

Tertiärer Explosionsschutz 14

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Grundlagen Explosionsschutz

Zündschutzarten 27-37 Kennzeichnung 38-42


Allgemeine Bestimmungen 27 Inhalt der Kennzeichnungen 38
nach RL 2014/34/EU, IEC- und
EN-Normen
Zündschutzarten elektrischer Geräte 28

Einsatzbereiche - Gerätekategorien - 39
Zündschutzarten nicht-elektrischer 29
Geräteschutzniveaus
Geräte
Erhöhte Sicherheit 30
Kennzeichnungsbeispiele für 40
Nichtfunkende Geräte 30 elektrische und nicht-elektrische
Geräte
Konstruktive Sicherheit 31
Elektrisches Gerät – 41
Gas/Dampf und Staub
Eigensicherheit 31

Zündquellenüberwachung 32
Nicht-elektrisches Gerät – 42
Gas/Dampf und Staub
Vergusskapselung 32

Nichtzündfähiges Teil 32

Abgedichtete Einrichtung 32 Konformität 43 - 45


ATEX-Konformität (CE) 43
Hermetisch dichte Geräte 33

IECEx-Konformität 44
Flüssigkeitskapselung 34

ATEX- und IECEx-System im Vergleich 45


Überdruckkapselung 35

Schwadensicherheit 35

Schutz durch Gehäuse 36

Druckfeste Kapselung 36

Sandkapselung 37

Sonderschutz 37

Optische Strahlung 37

Elektrische Widerstands-
Begleitheizung
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5
Grundlagen Explosionsschutz

Technische Entwicklung
des Explosionsschutzes
Ungewollte Zündungen sind älter als der Mensch. möglichst klein zu haltende Flamme im inneren Sieb
Atmosphärische Entladungen – Gewitterblitze – vom anstehenden brennbaren Gemisch, ließen aber
lösten Brände aus, lange, bevor der Mensch die Erde eine Verbrennung innerhalb der Siebe zu. Die Siebe
betrat. 1753 als der erste Blitzableiter erfunden verhinderten - bei entsprechendem Umgang - eine
wurde konnten die elektrostatisch erzeugten äußere Zündung.
Gefahren als Zündquellen für Brände deutlich
reduziert werden. „Brandgefährlich“ war lange Zeit Im 19. Jahrhundert hielt die Elektrotechnik ihren
auch die Beleuchtung im Bergbau, denn Grubenluft Einzug in Industrie und Haushalte. Unmittelbar
mit Methan vermischt – sogenannte schlagende danach entwickelten sich, begründet durch das
Wetter – konnten durch ausreichend starke im Steinkohlenbergbau auftretende Methan und
Zündquellen zu Explosionen führen. 1815 stellte den Kohlenstaub, die ersten Grundlagen für den
Sir Humphrey Davy die erste Benzinsicherheit- elektrischen Explosionsschutz. Die Vorteile der
slampe, ein nicht-elektrisches Betriebsmittel, für Elektrizität waren so überzeugend, dass man
den Bergbau vor. Zwei übereinander angeordnete intensiv daran arbeitete, Mittel und Wege zu finden,
feinmaschige Metalldrahtgewebe trennten die wie das Zusammentreffen von explosionsfähiger
Atmosphäre und Zündquellen - bedingt durch die
Anwendung elektrischer Betriebsmittel - aus-
geschlossen und wie somit Explosionen vermieden
werden können.
HERSTELLER GESETZGEBER
Baustandards Baubestimmungen
Nach anfangs bitteren Erfahrungen konnten die
Schlagwetterexplosionen sehr stark zurückgedrängt
werden und elektrische Betriebsmittel mit hohem
Sicherheitsstandard eingesetzt werden.
Heute ist die Zahl der Ereignisse, die durch elek-
trische Zündquellen verursacht werden, erfreulich-
erweise gering. Der Aufwand an Entwicklung und
Fertigung sowie die gesetzlichen Regelungen haben
sich bewährt, deshalb muss die häufig gestellte
Frage „ob der Aufwand gerechtfertigt ist“ mit ja
beantwortet werden.

Ein Nachlassen wäre sträflicher Leichtsinn. Leider


gibt es noch genügend Beispiele, die uns die ver-
heerenden Auswirkungen von Explosionen für Men-
schen, Umwelt und Anlagen, bei Vernachlässigung
bekannter Zusammenhänge, vor Augen führen.
ALLE BETEILIGTE Vor den Lösungen, die die Vermeidung wirksamer
eigene Verantwortung ANWENDER Zündquellen betreffen, man bezeichnet sie als
und Vorsichtsmaßnahmen Errichterbestimmungen
sekundären Explosionsschutz, hat der primäre
Abbildung 1
Explosionsschutz Vorrang, d.h. man bemüht sich
um Maßnahmen (nicht-brennbare Stoffe, Lüftung),
die die Bildung einer explosionsfähigen Atmosphäre
vermeiden.

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Brennbare Stoffe, z.B. Methan oder Steinkohlen- 100 Jahren elektrischer Explosionsschutz sind
staub in Gruben sowie Benzin oder vielleicht zukün- Prinzipien und Techniken entwickelt worden, die es
ftig Wasserstoff beim Kraftfahrzeug können nicht ermöglichen, elektrische Sensoren und Messtech-
immer ausgeschlossen werden. Schutz und Sicher- niken auch dann einzusetzen, wenn die explosions-
heit gewährleisten in diesem Fall Betriebsmittel, die fähige Atmosphäre in Reaktionsgefäßen permanent
zuverlässig explosionsgeschützt sind. Eine solche vorhanden ist.
Lösung durch Bereitstellung von Zündschutzarten
wird als sekundärer Explosionsschutz bezeichnet. Der Anwendungsbereich im Bergbau war der
Heute geht die Ausführung explosionsgeschützter Anfang. Die Nutzung und Verarbeitung von Erdöl und
Geräte und Maschinen längst über das Gebiet der Erdgas ist ein weites Einsatzfeld für explosions-
Elektrotechnik hinaus. Auch nicht-elektrische geschützte Betriebsmittel. Die organische Chemie,
Betriebsmittel sind prüf- oder wenigstens beurtei- die Lack- und Farbenindustrie oder die phar-
lungspflichtig. Jahrzehntelange Erfahrungen mazeutische Industrie verarbeiten brennbare Flüs-
und das angesammelte Wissen der Hersteller sigkeiten und brennbare Gase. Mit der Gewinnung
elektrischer Betriebsmittel auf dem Gebiet des und Nutzung von Biogas entwickeln sich ständig
Explosionsschutzes ist nun für Hersteller nicht-ele- neue Anwendungsbereiche. Die Nutzung von Wass-
ktrischer Betriebsmittel nützlich. erstoff wird intensiv diskutiert, in Versuchsanlagen
Es gibt vielfältige Anwendungsfälle, die explosions- praktiziert und wird als erneuerbare Energie in
geschützte Betriebsmittel erfordern. In den über unser Leben treten.

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Grundlagen Explosionsschutz

Harmonisierung des Konstruktion und Beurteilung des Explosions-


schutzes davon ausgehen, dass er sichere, der

Explosionsschutzes Ex-Richtlinie 2014/34/EU entsprechende, explosi-


onsgeschützte Systeme, Geräte und Komponenten
entwickelt, die dann bei einer notifizierten Stelle
International werden die Standpunkte zum Explo-
der EU nach einheitlichen, verbindlichen Verfahren
sionsschutz elektrischer und nicht-elektrischer
der Prüfungen unterzogen werden. Die in der EU
Geräte heute über IEC- und ISO-Arbeitskreise
notifizierten Prüfstellen stellen nach bestandener
fachlich abgestimmt. Auf dem Gebiet der Elektro-
Prüfung EU-Baumusterprüfbescheinigungen aus,
technik wurden international vereinheitlichte
die in Europa die einheitliche Beschaffenheit
Baubestimmungen in IEC-Standards bereits
hinsichtlich der geforderten Sicherheit der explo-
sehr früh formuliert. Dies erfolgte weitgehend in
sionsgeschützten Betriebsmittel mit höchstem
Übereinstimmung mit den CENELEC-Standards.
oder erhöhtem Sicherheitsniveau gewährleisten.
Sichtbares Zeichen für die Harmonisierung ist, dass
Diese EU-Baumusterprüfbescheinigungen oder vom
die relevanten Normendokumente IEC/ISO (Global),
Hersteller durchgeführte Beurteilungen sind eine
EN (Europa) und DIN EN (Deutschland) inhaltlich
Voraussetzung für eine Fertigung und das Inverkehr-
und in der Registriernummer (60079 Serien) über-
bringen von Systemen, Geräten und Komponenten
einstimmen. Gegenwärtig wird an der Vereinheit-
mit höchstem und erhöhtem Sicherheitsniveau
lichung intensiv gearbeitet. Die Umstellung bringt
gekennzeichnet durch Kategorie 1 und 2.
laufende Veränderungen, vereinfacht aber auch die
zukünftige internationale Arbeit. Im Rahmen von
Für Kategorie 3, mit nur einem erhöhten Sicher-
ISO/IEC-Arbeitskreisen werden die Normen aus
heitsniveau, ist ein anderer Ansatz akzeptabel. Der
dem Explosionsschutz elektrischer Betriebsmittel
Hersteller kann in eigener Verantwortung erklären,
auch für die nicht-elektrischen Geräte sinngemäß
dass das Ex-Gerät oder die Ex-Komponente die
angepasst (80079 Serien).
Anforderungen erfüllt, ohne eine Benannte Stelle
einzuschalten. Inzwischen bitten mehr Hersteller
Mit dem IECEx-System werden elektrische Geräte
die Benannten Stellen (auf freiwilliger Basis), die
und zukünftig auch Baugruppen und nicht-elekt-
vorgesehenen Prototypen zu prüfen und Baumus-
rische Geräte nach den international einheitlichen
terprüfbescheinigungen auszustellen.
Anforderungen (IEC/ISO-Normen) entwickelt und
geprüft und mit einem Konformitätszertifikat (IECEx
Eine einheitliche Einstufung explosionsgefährdeter
CoC) bescheinigt.
Bereiche (Anlagen) ist Basis für die Auswahl und
Zuordnung der Schutzsysteme und Ex-Geräte, ein-
Die Akzeptanz von Zertifikaten basiert allerdings
schließlich ihrer Installation. Nach der EU-Richtlinie
nach wie vor auf der Grundlage regionaler (z. B. in
1999/92/EG ist ein Ex-Dokument Voraussetzung für
Europa mit EU-Konformitätserklärungen des Her-
die Errichtung und den Betrieb einer explosions-
stellers) und lokaler (z. B. Brasilien INMETRO-Zer-
gefährdeten Anlage. Ein solches Dokument schafft
tifikaten, USA UL/FM-Zertifikaten etc.) gesetzlicher
erst die Möglichkeit, Schutzsysteme, Ex-Geräte
und versicherungsrechtlicher Regelungen. Oft
und Komponenten nach dem Gesichtspunkt des
werden Anpassungen, z.B. Neu-Bescheinigungen,
Explosionsschutzes auszuwählen, normengerecht
an nationale Anforderungen notwendig. Im Rahmen
zu installieren, zu betreiben, zu warten und schließ-
von internationalen Projekten gilt es daher, die Spe-
lich auch zu reparieren. Entsprechende Technische
zifikation hinsichtlich der Explosionsschutzanfor-
Regeln und Regelwerke werden auf nationaler
derungen mit den Anwendern detailliert abzuklären.
Ebene erarbeitet und verabschiedet.
Die Richtlinie 2014/34/EU formuliert somit EU-weit
Die Europäische Gemeinschaft hat sich mit der
einheitliche Bauforderungen an Geräte zum Einsatz
Ex-Richtlinie 2014/34/EU eine Basis für verbind-
in explosionsgefährdeten Bereichen, während die
liche einheitliche Beschaffenheitsanforderungen
Richtlinie 1999/92/EG Mindestforderungen an den
hinsichtlich des Explosionsschutzes von Systemen,
Arbeitsschutz enthält, die national erhöht werden
Geräten und Komponenten geschaffen. Diese
können. Durch die beiden genannten Richtlinien
werden durch harmonisierte EN-Standards der
entsteht ein geschlossenes System, mit dem Explo-
CENELEC- und CEN-Normenorganisation unterlegt.
sionen wirksam vorgebeugt wird, um Menschen,
Umwelt und Sachwerte wirkungsvoll zu schützen.
Mit diesen Standards kann der Hersteller bei der

8
Explosionsschutz
Explosion
Als Explosion bezeichnet man eine plötzliche,
d. h. mit großer Reaktionsgeschwindigkeit SAUERSTOFF
ablaufende, Oxidations- oder Zerfallsreaktion,
die eine Temperatur- oder Druckerhöhung oder
beides gleichzeitig erzeugt. Am bekanntesten sind
Reaktionen brennbarer Gase, Dämpfe oder Stäube
mit dem Sauerstoff der Luft.

Bedingungen für EXPLOSION


eine Explosion
Damit Explosionen in atmosphärischer Luft statt- BRENNBARER
finden, müssen in der Regel drei Faktoren zusam-
ZÜNDQUELLE
STOFF
menkommen (s. Abbildung 2):

– brennbarer Stoff
– Sauerstoff (Luft) Abbildung 2

– Zündquelle
In Produktions- und Arbeitsstätten können sich
Gefahrenbereiche für Explosionen ausbilden, wenn
die ersten zwei Voraussetzungen für eine Explosion
erfüllt sind. Typische Gefahrenbereiche entstehen
in chemischen Fabriken, Raffinerien, Lackfabriken,
Lackierereien, Reinigungsanlagen, Mühlen und
Lagern für Mahlprodukte und andere brennbare
Stäube, in Tank- und Verladeanlagen für brennbare
Gase, Flüssigkeiten und Feststoffe.

Die ersten beiden Faktoren - brennbarer Stoff


und Luft - müssen in einem entsprechenden
Mengenverhältnis vorhanden sein, damit sie eine
explosionsfähige Atmosphäre bilden können.
Die verbindlichen Festlegungen des Explosions-
schutzes - abgeleitet aus dem Arbeitsschutzrecht
- betreffen die Arbeitsstätte. Beschreibungen zum
Explosionsschutz beschränken sich deshalb im
Allgemeinen auf Darstellungen von Reaktionen mit
Luftsauerstoff. Oxidationsreaktionen, die meist
mit Erwärmung und Druckanstieg verbunden sind,
erfüllen somit Kriterien einer Explosion.

9
Grundlagen Explosionsschutz

Die drei Faktoren Beim Versprühen von brennbaren Flüssigkeiten


können Nebel entstehen, sehr kleine Tröpfchen mit
einer in der Summe sehr großen Oberfläche, wie
Brennbare Stoffe sie von Spraydosen oder aus der Autolackierung
Brennbare Stoffe können gasförmig, flüssig oder fest bekannt sind. Solche Nebelwolken sind zu Explo-
sein. Unter der allgemeinen Betrachtung hinsichtlich sionen fähig. Hier ist der Flammpunkt von unterge-
der Arbeitsstätten wird ihre Reaktionsfähigkeit mit ordneter Bedeutung. Für feine Gase, Dämpfe, Nebel
dem Sauerstoff der Luft beurteilt. brennbarer Flüssigkeiten kann man das Verhalten
für Sicherheitsbetrachtungen grob aus dem bekann-
Brennbare Gase ten Verhalten des Flüssigkeitsdampfes herleiten.
Ein brennbares Gas kann ein elementares Gas wie
z. B. Wasserstoff sein, der bereits mit sehr geringer Brennbare Feststoffe (Stäube)
Energie zur Reaktion mit Sauerstoff angeregt wird. Brennbare Feststoffe können in aufgewirbelter
Vielfach sind brennbare Gase Verbindungen, die Form von Staub oder Flusen mit dem Luftsauerstoff
Kohlenstoff und Wasserstoff enthalten. Durch reagieren und verheerende Explosionen zur Folge
Zuführung meist geringer Energien können die haben. Im Allgemeinen ist die zur Anregung der
brennbaren Gase und Dämpfe mit dem Luftsauer- Explosion erforderliche Energie der Gemische mit
stoff reagieren. Luft größer als bei den Gasen und Dämpfen. Einmal
zur Verbrennung angeregt, erzeugt die durch die
Als Dämpfe bezeichnet man die Anteile von Flüs- Verbrennungsreaktion freiwerdende Energie hohe
sigkeiten (in Bezug auf den Explosionsschutz von Temperaturen und Drücke. Neben den chemischen
brennbaren Flüssigkeiten) die in Folge des Dampf- Eigenschaften des Feststoffes spielen Feinheit der
druckes über einer Flüssigkeitsoberfläche, um Feststoffpartikel und ihre mit der Feinheit
einen Flüssigkeitsstrahl oder um Tröpfchen in die zunehmende Gesamtoberfläche eine wesentliche
umgebende Luft übergetreten sind. Eine Sonderform Rolle. Die Eigenschaften werden durch Vorgänge
sind Nebel, die man hinsichtlich des Explosionsver- bestimmt, die unmittelbar an der Feststoffoberflä-
haltens den Dämpfen zurechnen kann, womit dem che ablaufen.
Sicherheitsaspekt Rechnung getragen wird.
An der Entzündung und dem Verlöschen einer Par-
Brennbare Flüssigkeiten (Dämpfe) affinkerze lässt sich erkennen, dass bei Feststoffen
Brennbare Flüssigkeiten sind häufig Kohlenwasser- in kurzer Zeit eine Reihe von Vorgängen ablaufen
stoffverbindungen wie Äther, Aceton oder Benzin. müssen, die nicht so leicht vereinfacht dargestellt
Sie können schon bei Raumtemperatur in solchen werden können.
Mengen in die Dampfphase übertreten, dass sich an
ihrer Oberfläche eine explosionsfähige Atmosphäre Ein einfacher Versuch zeigt: Beim Entzünden des
bildet. Andere Flüssigkeiten bilden erst bei höheren Dochtes einer Kerze wird Pa-raffin abgeschmolzen,
Temperaturen eine solche Atmosphäre an ihrer es verdampft und dieser Dampf speist die Flamme.
Oberfläche. Bei atmosphärischen Bedingungen ist Nach dem Auslöschen kann man Paraffindämpfe
dieser Vorgang stark von der Flüssigkeitstemperatur wahrnehmen, das geschmolzene Paraffin erstarrt
abhängig. wieder, der Paraffindampf ist verflogen und die Par-
affinkerze ist wieder ein harmloses Gebilde.
Eine wichtige Kenngröße für brennbare Flüssig- Staub verhält sich sehr unterschiedlich, wenn er in
keiten ist deshalb der Flammpunkt, besser die abgelagerter und in aufgewirbelter Form vorliegt.
Flammpunkt-Temperatur. Der Flammpunkt ist die Abgelagerte Staubschichten neigen an heißen
niedrigste Temperatur, bei der eine brennbare Flüs- Flächen zu Glimmbränden, während aufgewirbelte
sigkeit unter speziellen Untersuchungsbedingungen Staubwolken, die durch lokale Energiezufuhr oder
an ihrer Oberfläche eine geeignete Menge von an heißen Flächen gezündet werden, unmittelbar
Dampf entstehen lässt, so dass mit einer effektiven Explosionen erzeugen können. Nicht selten sind
Zündquelle eine Entzündung des Dampf-Luft-Gemi- Staubexplosionen die Folge aufgewirbelter glim-
sches möglich wird. mender Staubschichten, die das Zündinitial in sich
tragen. Wenn solche Schichten beispielsweise beim
Der Flammpunkt ist für die Einstufung von explosi- Transport durch mechanisches Reinigen oder durch
onsgefährdeten Bereichen wichtig. Brennbare Flüs- unsachgemäße Löscharbeiten aufgewirbelt werden,
sigkeiten mit hoher Flammpunkt-Temperatur sind so kann dadurch eine Staubexplosion ausgelöst
weniger kritisch als solche mit einem Flammpunkt werden.
bei Raumtemperatur oder darunter.

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Heiße Oberflächen (5.1)
Auch ablaufende Gas- oder Dampf-Luft-Explosionen
treten auf als Ergebnis von Verlustleistungen, die
können den Staub aufwirbeln, wobei dann häufig
beim Betrieb von Systemen, Geräten und Kompo-
die eine - die Gasexplosion - in die andere - die
nenten im Normalbetrieb entstehen. Bei Heizungen
Staubexplosion - übergeht. In Steinkohlengruben
sind sie gewollt. Diese Temperaturen sind in der
haben Methangas-Schlagwetter-Explosionen häufig
Regel beherrschbar. Im Störungsfall, bei Überlas-
Kohlenstaubexplosionen zur Folge gehabt, die in
tungen oder schwergängigen Lagern beispielsweise,
ihrer Wirkung die Schlagwetterexplosion übertroffen
steigt die Verlustleistung und damit zwangsläufig
haben.
die Temperatur. Technische Einrichtungen müssen
immer dahingehend beurteilt werden, ob sie stabili-
Sauerstoff sierend sind, d. h. überhaupt nur eine Endtemperatur
annehmen können, oder ob unzulässige Tempera-
Die in der Luft vorhandene Menge Sauerstoff kann
turerhöhungen möglich sind, die durch geeignete
nur eine bestimmte Menge brennbaren Stoffs
Maßnahmen ausgeschlossen werden müssen.
oxidieren, d. h. verbrennen. Theoretisch kann dieses
Beispiele: Spulen, Widerstände oder Lampen,
Mischungsverhältnis bestimmt werden, es wird
erwärmte Betriebsmitteloberflächen, Bremsen oder
stöchiometrisches Gemisch genannt. Im Bereich
heiß gelaufene Lager
dieses Gleichgewichtes, zwischen der Menge brenn-
baren Stoffes und vorhandenem Luftsauerstoff sind
Flammen, heiße Gase und Partikel (5.2)
die Wirkungen der Explosion, die Temperatur- und
Innerhalb von Verbrennungskraftmaschinen oder
Druckerhöhung, am heftigsten. Ist der Anteil an
in Analysengeräten sowie an deren Gasaustritts-
brennbarem Stoff zu gering, so kann sich die Ver-
stellen können Flammen, heiße Gase und Partikel
brennung nur mühsam fortpflanzen oder sie kommt
im Normalbetrieb oder im Störungsfall auftreten.
zum Erliegen. Ähnlich sind die Verhältnisse, wenn
Hier sind Schutzmaßnahmen erforderlich, die eine
der Anteil an brennbarem Stoff für den in der Luft
Übertragung aus dem Gehäuse heraus dauerhaft
verfügbaren Sauerstoff zu hoch ist.
ausschließen.
Beispiele: Auspuffanlagen von Verbrennungskraft-
Die brennbaren Stoffe haben einen stoffbezogenen
maschinen oder Partikel, die durch Schaltfunken
Explosionsbereich, der auch vom Zündinitial abhän-
von Leistungsschaltern von den Schaltkontakten
gig ist. In aller Regel wird er durch Zündung mit elek-
abgelöst werden
trischen Funken bestimmt. Der Explosionsbereich
wird durch die untere und obere Explosionsgrenze
Mechanisch erzeugte Funken (5.3)
begrenzt. Das bedeutet, dass unterhalb und ober-
treten beispielsweise bei Schleif- und Trenngeräten
halb dieser Grenzen Explosionen auszuschließen
auf, die betriebsmäßig solche Funken erzeugen und
sind. Dies kann ausgenutzt werden, indem die
sich im explosionsgefährdeten Bereich verbieten.
brennbaren Stoffe mit Luft ausreichend verdünnt
So können Brüche an rotierenden Teilen oder schlei-
werden oder indem der Zutritt von Luft/Sauerstoff
fend hin- und her bewegte Teile mit ungenügender
in Anlagenteile verhindert wird. Letzteres ist in der
Schmierung bspw.im Störungsfall auch derartige
Umgebung, in der Menschen regelmäßig arbeiten,
Funken verursachen. Besondere Forderungen an
nahezu unmöglich und beschränkt sich somit auf
Gehäusewerkstoffe dienen dazu, das Risiko derarti-
technologische Anlagen.
ger Zündquellen zu verringern.
Beispiele: Werkzeuge wie rostige Hammer und
Zündquellen Meißel in Verbindung mit Leichtmetallen oder
Metallgabeln von Gabelstaplern
Im Zusammenhang mit technischen Einrichtungen
sind eine Vielzahl von Zündquellen möglich. Die in
Sichtbare elektrische Funken (5.4)
der nachfolgenden Übersicht angegeben Ziffern
sind in der Regel als zündfähig anzusehen. Nur sehr
hinter den Zündquellen beziehen sich auf die jewei-
energiearme Funken im Bereich von Mikrowattse-
ligen Abschnitte in der Grundnorm (EN 1127-1:2019
kunden können als nicht zündfähig gelten. Deshalb
„Explosionsfähige Atmosphäre - Explosionsschutz
sind durch geeignete Maßnahmen diese Zündquel-
- Teil 1: Grundlagen und Methodik)
len auszuschließen.
Beispiele: Schaltfunken, Funken an Kollektoren oder
Schleifringen

11
Grundlagen Explosionsschutz

Elektrische Ausgleichsströme (5.5) Blitzschlag (5.7)


Elektrische Bahnen und andere geerdete Span- und die Folgen eines Blitzschlags können zu der
nungsquellen z. B. für den kathodischen Schutz von Entzündung einer explosionsfähigen Atmosphäre
Anlagenteilen, können elektrische Ausgleichsströme führen. Bei einem Blitzschlag wird eine explosions-
in der Erde hervorrufen, die zwischen verschiedenen fähige Atmosphäre stets gezündet. Eine Zündmög-
Erdungspunkten Spannungsdifferenzen zur Folge lichkeit besteht aber auch durch starke Erwärmung
haben können. Deshalb sind gute leitfähige Verbin- der Ableitwege eines Blitzes. Starke Ströme, die
dungen aller im Bereich vorhandenen leitfähigen von Blitzeinschlagstellen aus fließen, können in der
Anlagenteile herzustellen, die Spannungsdifferen- Umgebung der Einschlagstelle Funken hervorrufen.
zen zwischen Anlagenteilen auf ungefährliche Werte
reduzieren. Dabei ist es ohne Bedeutung, ob die Hochfrequente (HF)
leitfähigen Anlagenteile elektrische oder nicht-elek- elektromagnetische Wellen von 104 kHz bis
trische Teile der Anlage sind, da die Ursache für 300 GHz sind nicht die einzigen Zündquellen, bei
diese Ströme außerhalb der Anlage liegen kann. Der denen Strahlungsenergie in das explosive Gemisch
Potenzialausgleich ist immer herzustellen, unabhän- gelangt:
gig davon, ob mit diesen Strömen gerechnet werden
muss, ob die Quellen bekannt sind oder nicht. Elektromagnetische Strahlung -
Beispiele: Elektrische Bahnen und andere geerdete Radiostrahlung (5.8),
Spannungsversorgungen z. B. für den elektrischen
Korrosionsschutz von Geräten Elektromagnetische Strahlung -
IR, sichtbares und UV-Licht (5.9)
Statische Elektrizität (5.6)
Ganz unabhängig vom Vorhandensein einer elek- Ionisierende Strahlung -
trischen Spannungsquelle können elektrische Röntgen und Gamma (5.10)
Funken durch statische Elektrizität auftreten. Die
gespeicherte Energie kann sich in Form von Funken Ultraschall (5.11).
entladen und so ebenso als Zündquelle wirken. Da
die Entstehung dieser Zündquelle ganz unabhängig Systeme, Geräte und Komponenten, die Strahlung
von elektrischen Spannungsquellen auftreten kann, nutzen, dürfen im Ex-Bereich errichtet und betrieben
ist sie auch bei allen nichtelektrischen Geräten und werden, wenn ihre Parameter dauerhaft und sicher
Komponenten zu beachten. Sie ist nur an Trennvor- begrenzt und diese Einrichtungen geprüft sind.
gänge gebunden, es müssen somit die Fälle beurteilt Beispiele: Funksprechgeräte, Handys, Lichtschran-
werden, in denen mit dieser Zündquelle gerechnet ken und Scanner
werden muss.
Adiabatische Kompression und Stoßwellen
Reibvorgänge im Normalbetrieb können als Ursache (5.12)
für elektrostatische Aufladungen angesehen werden. Schließlich können auch adiabatische Kompression
Beispielsweise können tragbare Geräte - funktions- und Stoßwellen (5.12) zur Zündquelle werden,
bedingt - nicht geerdet oder in einen Potenzialaus- welche in röhrenförmigen Gebilden auftreten, die mit
gleich einbezogen werden. In Verbindung mit der Unterdruck betrieben werden
nicht genauer definierten Kleidung des Trägers kann Beispiele: Transportröhren mit engem Durchgang,
es zu Aufladungen im Normalbetrieb kommen. Durch zerbrechende lange Leuchtstofflampen in einer
geeignete Maßnahmen ist die statische Elektrizität Wasserstoff-Luft-Atmosphäre
als Zündquelle auszuschließen.
Beispiele: Transmissionsriemen aus Kunststoff, Exotherme Reaktionen (5.13)
Gehäuse tragbarer Geräte, synthetische Kleidung, sind zusammen mit der Selbstentzündung von
Trennvorgänge beim Abrollen von Papier oder Kunst- Stäuben die abschließend definierte mögliche Art
stofffolien, Kunststoff-Rohrsysteme von Zündquellen.

12
Explosionsbereich Austritt brennbarer Gase oder die Einschränkung der
Belüftung, können in Verbindung mit Zündquellen zu
(Grenzen) Explosionen führen.
Am einfachsten und sichersten lässt sich eine kleine
In den Verbrennungsmotoren wirken die drei Fakto- ungefährliche Explosion an einem Gasfeuerzeug
ren sinnvoll zusammen: Benzin, Luft/Sauerstoff und nachvollziehen. Die Düse des Feuerzeuges lässt
Zündfunke, sie führen im geschlossenen Zylinder beim Öffnen nur eine geringe Menge brennbaren
zu einer Explosion. Dabei muss das Mengenver- Gases ausströmen. Dieses Gas mischt sich in der
hältnis zwischen Benzin und Luft stimmen. Ist der Umgebung der Düse mit Luft, der Reibfunken des
Benzintank leer, der Luftfilter verstopft oder die Zündsteines bringt das Gemisch zur Entzündung,
Zündung fällt aus, so fehlt jeweils eine Komponente ein schwaches Geräusch ist zu hören - es brennt. In
für die Auslösung dieser gesteuerten nutzbringenden einiger Entfernung von der Düse ist der Mengenan-
Explosion und der Motor läuft nicht. teil des Brenngases bereits so gering, dass sich die
Die brennbaren Stoffe haben in Mischung mit Luft Explosion und die Flamme auf den unmittelbaren
eine untere (UEG) und eine obere (OEG) Explosions- Bereich um die Düse beschränkt. Das heißt, die
grenze, zwischen diesen Grenzen befindet sich konstruktiven Bedingungen des Gasfeuerzeuges
der Explosionsbereich. Vom Sicherheitsaspekt der gewährleisten, dass es handhabungssicher ist.
Arbeitsstätte ist die untere Explosionsgrenze (UEG) Die Explosionswirkung ist in abgeschlossenen
der bedeutendere Wert, eine mögliche Konzentration Räumen und unter nicht-atmosphärischen Bedin-
von nachweisbar ständig oder dauerhaft ≤ 10 % gungen - z. B. erhöhtem Druck - häufig stärker. Denkt
dieses Wertes wird vielfach als sicher angesehen. man nur an die nutzbare Anwendung der Explo-
sionen in den Kraftfahrzeugmotoren.

Vermeidung von Wirksamer vorbeugender Explosionsschutz für nicht


gesteuerte, nicht gewollte und deshalb oft mit ver-
Explosionen heerenden Folgen verbundenen Explosionen, kann
das sichere Ausschließen eine der drei Faktoren sein.
Explosionsgeschützte Betriebsmittel können eine Elektrische explosionsgeschützte Geräte verhindern
Voraussetzung für das Entstehen einer Explosion das Zusammentreffen von Zündquellen oder das
- die Zündquelle - ausschalten und sind so ein Entstehen von solchen beim Einsatz von Elektrizität
wichtiger Beitrag zum Explosionsschutz. Im Wohn- mit explosionsgefährlicher Atmosphäre. Sie verhin-
bereich wird durch bauliche Maßnahmen erreicht, dern Explosionen wirksam, da die beiden anderen
dass sich im Normalfall keine explosionsfähige Faktoren - in Arbeitsstätten der Sauerstoff der Luft
Atmosphäre bilden kann. Das bewusste Unterbinden und vielfach auch der brennbare Stoff - häufig nicht
dieser Maßnahmen, z. B. der gezielte ungehinderte mit Sicherheit und dauernd auszuschließen sind.

13
Abbildung 3
Grundlagen Explosionsschutz

Primärer für die Definition des Schutzniveaus bei Geräten ist


die Unterteilung explosionsgefährdeter Bereiche in
Explosionsschutz Zonen (Häufigkeit und Dauer des Auftretens gefähr-
licher explosionsfähiger Atmosphäre, sowie die örtli-
Maßnahmen des primären Explosionsschutzes chen Umgebungsbedingungen). Weiterhin notwendig
zielen darauf ab, die brennbaren Stoffe oder den ist die Kenntnis der explosionstechnischen Kenn-
Luftsauerstoff zu ersetzen oder ihre Mengen so zu zahlen brennbarer Stoffe (Temperaturklassen, Zünd-
verringern, dass die Bildung eines explosionsfähigen temperaturen der Stäube, Explosionsuntergruppen
Gemisches ausgeschlossen wird. etc.) sowie die örtlichen Umgebungsbedingungen.

Eine erhöhte Luftzufuhr - Spülung - durch Belüftung Die explosionstechnischen Kennzahlen dienen dem
kann durch bauliche Maßnahmen erreicht werden; Betreiber zur genauen Benennung der Gefahr im
z. B. durch einen offenen Aufbau bei Tankstellen, Bereich, dem Betriebsmittelhersteller zur Auswahl
in denen es nur einen sehr eingeschränkten explo- einer geeigneten Lösung für die Betriebsmittel und
sionsgefährdeten Bereich gibt. schließlich dem Errichter für die Auswahl und Zuord-
nung der geeigneten Geräte. Schließlich finden sich
Der Ersatz des Luftsauerstoffs ist in Arbeitsstätten, die Angaben in der Gerätekennzeichnung wieder.
in denen sich Menschen aufhalten, unmöglich,
deshalb beschränken sich die Maßnahmen dort auf: Die Vorgehensweise bei der Anwendung der Schutz-
– die Vermeidung oder Einschränkung des maßnahmen des sekundären Explosionsschutzes
Einsatzes von brennbaren Stoffen, die eine werden im nächsten Kapitel detaillierter behandelt.
explosionsfähige Atmosphäre bilden können

– die Verhinderung oder Einschränkung des


Austritts von brennbaren Stoffen und damit der
Bildung explosionsfähiger Gemische, sowohl
Tertiärer
im Inneren als auch in der Umgebung von
Armaturen,
Explosionsschutz
z. B. durch: Reichen die primären und sekundären Explosions-
schutzmaßnahmen nicht aus, müssen zusätzliche
– Konzentrationsbegrenzung
Schutzmaßnahmen getroffen werden. Diese dienen
– Inertisierung in einem Umgehäuse dazu, die Auswirkungen einer Explosion zu begren-
zen bzw. auf ein unbedenkliches Maß zu reduzieren.
– natürliche oder technische Belüftung
Zu den gängigsten Maßnahmen zur Begrenzungen
– Konzentrationsüberwachung durch gefährlicher Auswirkungen von Explosionen
Gaswarnanlagen, mit Warnung und/oder gehören:
Abschaltung
– Explosionsfeste Bauweise: Behälter, Apparate,
Rohrleitungen werden druckstoßfest gebaut, um

Sekundärer einer Explosion im Inneren standzuhalten.

– Explosionsdruckentlastung: Berstscheiben oder


Explosionsschutz Explosionsklappen werden eingesetzt, um beim
Entstehen einer Explosion in eine ungefährliche
Ist die Bildung einer gefährlichen explosionsfähigen Richtung zu öffnen und zu bewirken, dass die
Atmosphäre in einer Menge, die Maßnahmen zum Anlage nicht über ihre Explosionsfestigkeit
Schutz der Arbeitnehmer vor Explosionsgefahren hinaus beansprucht wird.
erforderlich macht, trotz Maßnahmen des primären
– Explosionsunterdrückung und
Explosionsschutzes möglich, muss die Zündung
Verhindern der Explosionsübertragung:
dieser gefährlichen explosionsfähigen Atmos-
Explosionsunterdrückungseinrichtungen
phäre wirksam verhindert werden. Alle möglichen
verhindern durch schnelles Einblasen von
Zündquellen werden beurteilt und entsprechende
Löschmitteln in Behälter und Anlagen das
Schutzmaßnahmen angewendet.
Erreichen des maximalen Explosionsdruckes.
Durch explosionstechnische Entkopplung werden
Wirksame Zündquellen an Geräten und Anlagen
mögliche Explosionen auf einzelne Anlagenteile
werden z.B. mit Hilfe von Zündschutzarten entspre-
beschränkt.
chend des Schutzniveaus vermieden. Grundlage

14
Sekundärer
Explosionsschutz
Hierunter werden Prinzipien verstanden, die
Geräte und Komponenten als Zündquelle
ausschließen.

Bedeutung und
Pumpenhaus (Gase und Dämpfe)

Nutzen der
Zoneneinteilung
in Arbeitsstätten
Es hat sich bewährt, explosionsgefährdete Bereiche
in Zonen einzuteilen. Diese Einteilung berück-
sichtigt die unterschiedlichen Gefahren durch
explosionsfähige Atmosphären und ermöglicht
einen Explosionsschutz, der den Verhältnissen
sowohl aus sicherheitstechnischer Sicht als auch Abbildung 4

der Wirtschaftlichkeit entspricht. Für die Europäi-


sche Union ist die Zonendefinition in der Richtlinie
1999/92/EG einheitlich geregelt. Sie muss mit Silo (Staub)
Sachverstand auf die konkreten Verhältnisse
übertragen werden.

Explosionsgefährdete Bereiche werden nach Häu-


figkeit und Dauer des Auftretens von explosions-
fähiger Atmosphäre in Zonen unterteilt.

Die Darstellungen in Abb. 4 und 5 sind als Anregung


zu sehen. Im konkreten Fall sind für die Zonen-
einteilung viele Details und Einflussfaktoren zu
berücksichtigen.

Bildlegende

Zone 0, Zone 20

Zone 1, Zone 21

Zone 2, Zone 22

Abbildung 5 (Quelle: Fa. AZO, Osterburken)

15
Grundlagen Explosionsschutz

Explosionsgefährdete Bereiche
Anmerkungen:
Gase, Dämpfe
Zone 0 1. Schichten, Ablagerungen und Aufhäufungen
Bereich, in dem explosionsfähige Atmosphäre als von brennbarem Staub sind wie jede
Gemisch aus Luft und brennbaren Gasen, Dämpfen andere Ursache, die zur Bildung einer
oder Nebeln ständig, über lange Zeiträume oder explosionsfähigen Atmosphäre führen kann,
häufig vorhanden ist. zu berücksichtigen.
Zone 1
2. Als Normalbetrieb gilt der Zustand, in
Bereich, in dem sich bei Normalbetrieb gelegentlich
dem Anlagen innerhalb ihrer Ausle-
eine explosionsfähige Atmosphäre als Gemisch aus
gungsparameter benutzt werden.
Luft und brennbaren Gasen, Dämpfen oder Nebeln
bilden kann. 3. Die Definitionen für explosionsfähige
Zone 2 Atmosphären entsprechen den
Bereich, in dem bei Normalbetrieb eine explosions- europäischen Richtlinien und EN-IEC
fähige Atmosphäre als Gemisch aus Luft und brenn- Normen:
baren Gasen, Dämpfen oder Nebeln normalerweise
– Explosionsfähige Atmosphäre:
nicht oder aber nur kurzzeitig auftritt.
Gemisch aus Luft und brennbaren Gasen,
Dämpfen, Nebeln oder Stäuben
Staub
unter atmosphärischen Bedingungen,
Zone 20
indem sich der Verbrennungsvorgang
Bereich, in dem explosionsfähige Atmosphäre
nach erfolgter Entzündung auf das
in Form einer Wolke aus in der Luft enthaltenem
gesamte unverbrannte Gemisch
brennbaren Staub ständig, über lange Zeiträume
überträgt.
oder häufig vorhanden ist.
Zone 21 – Gefährliche explosionsfähige
Bereich, in dem sich bei Normalbetrieb gelegentlich Atmosphäre:
eine explosionsfähige Atmosphäre in Form einer Explosionsfähige Atmosphäre, die bei
Wolke aus in der Luft enthaltenem brennbaren Explosion zu Schaden führt und
Staub bilden kann. Maßnahmen zum Schutz der
Zone 22 Arbeitnehmer vor Explosionsgefahren
Bereich, in dem bei Normalbetrieb eine explosions- erforderlich machen.
fähige Atmosphäre in Form einer Wolke aus in der
Luft enthaltenem brennbaren Staub normalerweise
nicht oder aber nur kurzzeitig auftritt.
Organisatorische Maßnahmen
IEC 60079-10-1 geht für Gase und Dämpfe von einer Hersteller explosionsgeschützter Systeme, Geräte
annähernd gleichen Einteilung aus, die auch für und Komponenten, Errichter und Betreiber von
zukünftige Anlagen nach USA-Norm NEC 505 Gül- Anlagen schaffen gemeinsam die Voraussetzungen
tigkeit hat. IEC 60079-10-2 gibt Unterstützung für für den sicheren Betrieb von Anlagen in explosions-
die Zoneneinteilung bei Stäuben und gilt auch für gefährdeten Bereichen. Beim Betreiber ist das
Anlagen, die nach der US-Norm NEC 506 errichtet Wissen der Mitarbeiter um die Zusammenhänge
wurden. des Explosionsschutzes und um die getroffenen
Maßnahmen, die zu ihrer Vermeidung angewendet
Aus dieser Einteilung ergibt sich der Umfang der zu werden, eine wichtige Voraussetzung dafür.
ergreifenden Maßnahmen nach Anhang II, Abschnitt
A der Richtlinie 1999/92/EG in Verbindung mit Über den Inhalt des Explosionsschutzdokumentes
Anhang I der Richtlinie 2014/34/EU. nach Richtlinie 1999/92/EG in Europa und die
betrieblich geltenden Regelungen sollten die
In Arbeitsstätten weisen die explosionsgefährdeten Mitarbeiter in regelmäßigen Zeitabständen geschult
Bereiche allgemein höchstens Zone 1 oder 2 und 21 und mit schriftlichen Betriebsanweisungen, die
oder 22 auf. Die Zonen 0 und 20 beschränken sich regelmäßig aktualisiert werden müssen, informiert
auf sehr kleine unzugängliche Abschnitte von werden.
Arbeitsstätten oder sind in der Regel dem Innenbe-
reich technologischer Einrichtungen vorbehalten.

16
Explosionstechnische Temperatur-
klassen
Zündtemperatur-
bereich
zulässige
Oberflächen-

Kennzahlen T1
der Gemische
> 450 °C
temperatur der Geräte
450 °C
Damit eine optimierte Zuordnung der Maßnahmen T2 > 300 °C ... ≤ 450 °C 300 °C
zum Explosionsschutz zu den chemisch-physikali- T3 > 200 °C ... ≤ 300 °C 200 °C
schen Eigenschaften der brennbaren Gase, Dämpfe
und Stäube erfolgen kann und damit eine Standar- T4 > 135 °C ... ≤ 200 °C 135 °C
disierung der Zündschutzarten für die Hersteller T5 > 100 °C ... ≤ 135 °C 100 °C
möglich ist, wurde ein System explosionstechni- T6 > 85 °C ... ≤ 100 °C 85 °C
scher Kennzahlen geschaffen. Diese werden nach
Tabelle 1
anwendungsorientierten vereinbarten Prüfverfahren
bestimmt.
Zündtemperatur von Stäuben
Damit brennbare Stoffe durch die Reaktion mit (Schicht und Wolke)
dem Sauerstoff in der Luft einen explosionsartigen
Für Stäube ist das Bestimmungsverfahren der
Ablauf hervorrufen können, ist die Zufuhr von
Zündtemperatur ebenfalls vereinheitlicht und in
Energie erforderlich.
dem Dokument EN-ISO/IEC 80079-20-2 festge-
schrieben. Zu beachten ist, dass der Staub in abge-
Diese Energie wird beispielsweise an Flächen aus-
lagerter Form - als Schicht - und in aufgewirbelter
getauscht. Eine erwärmte Fläche erhöht den Ener-
Form - als Wolke - unterschiedliche Zündtemperatu-
gieinhalt des kontaktierenden explosionsfähigen
ren aufweist (lese: schwelend).
Gemisches. Bei ausreichender Oberflächentempera-
tur führt dann der erhöhte Energieinhalt im Gemisch
Die zulässige Oberflächentemperatur (für den Staub
zum Ablauf der Explosionsreaktion. Die Energie kann
zugängliche Teile der Systeme, Geräte und Kompo-
aber auch durch einen Funken oder einen aus einem
nenten) ergibt sich, indem von der Zündtemperatur
Spalt austretenden heißen Gasstrahl in das explosi-
der Staubschicht der Wert 75 K (Tmax.= T5 mm - 75 K)
onsfähige Gemisch eingebracht werden. Beide Arten
abgezogen wird und von der Zündtemperatur der
führen zur Festlegung unterschiedlicher explosions-
Staubwolke 2/3 (Tmax.= 2/3 TWolke) errechnet wird.
technischer Kennwerte.

Die zulässige Oberflächentemperatur des Betriebs-


mittels muss immer kleiner sein als das niedrigste

Zündtemperatur Ergebnis der mit den oben genannten Formeln


ermittelten Tmax-Werte. Für Stäube sind keine
Temperaturklassen definiert, es muss also immer
Temperaturklassen der Gase eine konkrete Staubart betrachtet werden. Die
Parameter werden in umfangreichen Tabellen zur
und Dämpfe Verfügung gestellt, Laboratorien ermitteln die Werte
Vielfältige Faktoren wie Größe, Gestalt, Art und auf Anfrage, eine kleine, nicht amtliche Übersicht
Beschaffenheit der Oberfläche beeinflussen die enthält die folgende Tabelle 2.
Zündtemperatur. ISO, IEC und CENELEC haben sich
für Gase und Dämpfe auf ein EN-ISO/IEC 80079-
400
20-1 festgelegtes „Verfahren zur Ermittlung der
°C
Zündtemperatur“ verständigt. Dieses Verfahren
wurde so definiert, dass mit ihm der niedrigste,
Max. zulässige
Oberflächentemperatur des Gerätes

praktisch mögliche Wert sehr nahe bestimmt wird. 300

Nach diesem Verfahren teilt man die Gase und


Dämpfe in Temperaturklassen ein. Gemäß diesen
200
Temperaturklassen werden explosionsgeschützte
Betriebsmittel und andere technologische Einrich-
tungen in ihren Oberflächentemperaturen so aus-
gelegt, dass eine Oberflächentemperaturzündung 100

ausgeschlossen wird. In den Normen sind zulässige


Überschreitungen und zwingende Unterschreitun-
gen dieser Regelwerte differenziert festgelegt. 0
0 10 20 30 40 50 mm

Schichtdicke
Abbildung 6

17
Grundlagen Explosionsschutz

Beispiele für Zündtemperaturen von Stäuben


Bezeichnung Zündtemperatur Zündtemperatur Zulässige Grenztemperatur des Gerätes
des Feststoffes EN ISO/IEC EN ISO/IEC Kleinster Wert der Rechnung (T5 mm Schicht -75 K) und 2/3* TWolke
80079-20-2 80079-20-2
> 300 > 280 > 260 > 230 > 215 > 200 > 180 > 165 > 160 > 135
T5 mm Schicht (°C) T5 mm Wolke (°C)
...450 ...300 ...280 ...260 ...230 ...215 ...200 ...180 ...165 ...160

Stäube von Naturprodukten (Beispiele)


Baumwolle 350 560 275

Braunkohle 225 380 150

Cellulose 370 500 295

Getreide 290 420 215

Holzmehl 300 400 225

Kakao 460 580 385

Kork 300 470 225

Kraftfutter 295 525 220

Milchpulver 340 440 265

Papier 300 540 225

Soja 245 500 170

Stärke 290 440 215

Steinkohle 245 590 170

Tabak 300 450 225

Tee 300 510 225

Weizenmehl 450 480 320

Stäube von chemisch-technischen Produkten (Beispiele)


Celluloseether 275 330 200

Isosorbiddinitrat 240 220 146

Kautschuk 220 460 145

Petrolkoks 280 690 205

Polyvenylacetat 340 500 265

Polyvenylchlorid 380 530 305

Ruß 385 620 310

Schichtpressstoff 330 510 255

Schwefel 280 280 186

Metallstäube (Beispiele)
Aluminium 280 530 205

Bronze 260 390 185

Eisen 300 310 206

Magnesium 410 610 335

Mangan 285 330 210

Tabelle 2

18
Explosionsuntergruppen Der Wert der Grenzspaltweite ist von erheblicher Bedeu-
tung für Konstruktionen der Zündschutzart „Druckfeste

für Gase/Dämpfe Kapselung“; der Wert des Mindestzündstromverhältnisses


für solche der Zündschutzart „Eigensicherheit“. Für diese
beiden Zündschutzarten sind die Untergruppen IIA, IIB und
Mindestzündstromverhältnis (MIC)
IIC der Gase und Dämpfe von Bedeutung. Die Aussagen für
Grenzspaltweite (MESG)
Gase und Dämpfe lassen sich annähernd auch auf Nebel
Die Zündung an heißen Flächen läuft in einem verhält-
übertragen.
nismäßig großen „makroskopischen“ Teil der Gemische
ab. Dagegen breitet sich die durch einen Funken
Für die Beurteilung von Bedingungen, die die Eigensicher-
verursachte Zündung von einem vergleichsweise
heit betreffen, werden die MIC-Verhältniswerte üblicher-
kleinen „mikroskopischen“ Teil des Volumens aus. Die
weise nicht verwendet. Da es auch um Spannungen geht, ist
Entladung eines Kondensators (Staub) oder die Unter-
es vorzuziehen, die Mindestzündenergie M I E [in Joule] von
brechung eines vereinbarten ohmschen/induktiven
Gasen und Dämpfen zu verwenden, wobei eine allgemein
Stromkreises (Gas und Dämpfe) wird zur Einteilung der
akzeptierte, aber indikative Tabelle für die Gruppen IIA, IIB
brennbaren Stoffe nach ihrer Entzündbarkeit im mikro-
oder IIC wie folgt zur Verfügung steht:
skopischen Teil des Gemischvolumens genutzt.

– IIA MIE = 180 µJ


Für die Graduierung der Zündung der Gase und Dämpfe
im Stromkreis mit einer in EN-IEC 60079-11 festgeleg- – IIB MIE = 60 µJ
ten Apparatur wird eine Vergleichszahl zu Methan
– IIC MIE = 20 µJ
mit einem Normstromkreis verwendet. Diese Ver-
gleichszahl ist das Mindestzündstromverhältnis MIC.
Danach lassen sich die Gase und Dämpfe innerhalb der
Explosionsgruppe II in die Untergruppen IIA, IIB und IIC
Explosionsuntergruppen
einteilen, wobei Methan zum Verhältnis 1 wird. für brennbare Stäube
Aus der Sicht der Elektrotechnik können die Stäube nicht
Eine analoge Einteilung ergibt sich, wenn die Zünd-
so feingliedrig zugeordnet werden, wie die chemisch
fähigkeit eines aus einem Spalt austretenden heißen
definierten Gase und Dämpfe. Deshalb begnügt man sich
Gasstrahls zur Klassifizierung genutzt wird. Das ist das
mit Art und Leitfähigkeit des Staubes zur Unterteilung. Die
urspüngliche Verfahren. Später wurden die Grenzen der
EN-ISO/IEC 80079-20-2 beinhaltet das Prüfverfahren zur
MIC-Werte an die MESG-Werte angeglichen. In EN-ISO/
Bestimmung des spezifischen elektrischen Widerstandes
IEC 80079-20-1 „Prüfverfahren zur Feststellung der
von Stäuben. Entsprechend dieses Widerstandes werden
experimentell ermittelten Grenzspaltweite“ ist eine
Stäube in 3 Untergruppen aufgeteilt:
Apparatur vereinbart, bei der ein kugelförmiges Gasvo-
lumen von 20 cm³ von zwei Halbkugelschalen gebildet
– IIIA brennbare Flusen
wird. Diese weisen einen Flansch von 25 mm Breite auf.
Dieses Kugelgebilde wird in einem größeren Gefäß – IIIB nicht leitfähiger brennbarer Staub,
angeordnet und beide Räume werden mit dem Gemisch spezifischer elektrischer Widerstand > 10³ Ω • m
gefüllt, für welches die Bestimmung der Grenzspalt-
– IIIC leitfähiger brennbarer Staub,
weite vorgenommen werden soll. Der Abstand des
spezifischer elektrischer Widerstand ≤ 10³ Ω • m
25 mm breiten Flansches, bei dem bei zehn Zündungen
im Kugelvolumen gerade keine Zündung des Gemisches
im äußeren Gefäß hervorgerufen wird, ist eine gemisch- Die Mindestzündenergie, eine dem Mindestzündstrom
spezifische Größe und wird als maximal experimentell ähnliche Größe, wird nach EN-ISO/IEC 80079-20-2 für
ermittelte sichere Spaltweite - MESG - bezeichnet. brennbare Stäube oder Flugstoffe ermittelt und liegt im
mJ-Bereich (um den Faktor 1000 höher als die MZE für
Die Vorgänge der Verhinderung oder des Stattfin- Gase und Dämpfe).
dens der Explosionsübertragung im Spalt sind sehr
komplex. Die Einteilung der Gase und Dämpfe nach der
Grenzspaltweite ergibt angenähert - mit geringen Über-
schneidungen - die gleiche Zuordnung, wie sie nach
dem Mindestzündstromverhältnis erfolgt. EN-ISO/IEC
80079-20-1 liefert eine Übersicht über die Zuordnung
zu den beiden Bestimmungsverfahren MESG und MIC.

19
Grundlagen Explosionsschutz

Beispiele für die Zuordnung von Gasen und Dämpfen zu den jeweiligen
Temperaturklassen und Explosionsuntergruppen
Untergruppen (Kennzeichnung)

IIA IIB IIC Zuordnung der Gase Temperaturklasse


und Dämpfe nach der
Zündtemperatur
Aceton Stadt-(Leucht-) gas Wasserstoff > 450 °C T1
Ammoniak
Benzol - rein
Essigsäure
Ethan
Ethylacetat
Ethylchlorid
Methan
Methanol
Methylenchlorid
Naphthalin
Phenol
Propan
Toluol
n-Amylacetat Butanol (Butylalkohol) Acetylen (Ethin) > 300 °C bis < 450 °C T2
n-Butan Ethanol (Ethylalkohol)
Essigsäureanhydrit Ethylen
Ethylenoxid
Cyclohexan Schwefelwasserstoff > 200 °C bis < 300 °C T3
Petroleum
Dieselkraftstoff
Düsenkraftstoff (Kerosin)
n Hexan
Acetaldehyd Ethylether > 135 °C bis < 200 °C T4

> 100 °C bis < 135 °C T5

Ethylnitrit Schwefelkohlenstoff > 85 °C bis < 100 °C T6

Zuordnung der Gase und Dämpfe nach:


1. Grenzspaltweite (MESG)

> 0.9 mm 0.5 mm < MESG < 0.9 mm < 0.5 mm

2. Mindestzündstromverhältnis (MIC-Verhältnis) (bezogen auf Methan = 1)

> 0.8 0.45 < MIC < 0.8 < 0.45

Explosionsuntergruppe

IIA IIB IIC

Tabelle 3

20
Schutzprinzipien Explosionsfähige Gemische können in das Betriebs-
mittel, in dem sich eine Zündquelle befinden kann,
eindringen und gezündet werden. Die Übertragung
Um zu verhindern, dass Geräte und Komponenten
der im Inneren ablaufenden Explosion auf den
zu Zündquellen werden, sind vier Schutzprinzipien
umgebenden Raum wird ausgeschlossen.
definiert.

Zündschutzarten Beispiele:
Die Schutzprinzipien können für elektrische und
– Druckfeste Kapselung (Ex d) -
nicht-elektrische Betriebsmittel und für Gase oder
elektrische und nicht-elektrische Geräte
Stäube angewendet werden. Die Prinzipien ermög-
lichen eine Auslegung in verschiedenen Sicher- – Sandkapselung (Ex q) - elektrische Geräte
heitskategorien gemäß der Richtlinie 2014/34/EU
bzw. dem Geräteschutzniveau (EPL) nach der Reihe
EN- IEC 60079-0:
Das Betriebsmittel besitzt eine Kapselung, die das
Eindringen des explosions-fähigen Gemisches und/
Geräte- sehr hoher Schutzgrad oder den Kontakt mit den funktionsbedingten mög-
kategorie 1 und damit sehr hohes Maß an lichen inneren Zündquellen verhindert.
Sicherheit
Zündschutzarten Beispiele:
Geräte- hoher Schutzgrad – Überdruckkapselung (Ex p) -
kategorie 2 und damit hohes Maß an Sicherheit elektrische und nicht-elektrische Geräte

– Schutz durch Gehäuse (Ex t) - elektrische Geräte


Geräte- normaler Schutzgrad
kategorie 3 und damit erhöhtes Maß an – Ölkapselung (Ex o)  elektrische Geräte
Sicherheit – Flüssigkeitskapselung (Ex h (alt k)) -
nicht-elektrische Geräte
Geräte- sehr hoher Schutzgrad
schutzniveau und damit sehr hohes Maß an – Vergusskapselung (Ex m) - elektrische Geräte
a Sicherheit

Geräte- hoher Schutzgrad und Explosionsfähige Gemische können in das Gehäuse


schutzniveau damit hohes Maß an Sicherheit des Betriebsmittels eindringen, dürfen aber nicht
b gezündet werden.
Funken und zündfähige Temperaturen müssen
Geräte- normaler Schutzgrad und damit verhindert sein.
schutzniveau erhöhtes Maß an Sicherheit
c Zündschutzarten Beispiele:
– Erhöhte Sicherheit (Ex e) - elektrische Geräte
Eine wesentliche Grundvoraussetzung für alle
Schutzprinzipien ist, dass die Teile, zu denen die – Konstruktive Sicherheit (Ex h (alt c)) -
explosionsfähige Atmosphäre ungehinderten nicht-elektrische Geräte
Zugang hat, hinsichtlich der Zündtemperatur der
am Einsatzort vorhandenen Stoffe keine unzuläs-
sigen Temperaturen annehmen können. Damit ist
Explosionsfähige Gemische können in das Gehäuse
die Zündtemperatur für alle Schutzprinzipien von
des Betriebsmittels eindringen, dürfen aber nicht
Bedeutung. Vier Schutzprinzipien können Betriebs-
gezündet werden.
mittel als Zündquelle ausschließen. Die in der
Funken und erhöhte Temperaturen dürfen nur
Übersicht als Beispiel genannten Zündschutzarten
begrenzt auftreten.
werden in einem weiteren Abschnitt behandelt.

Zündschutzarten Beispiele:
Zündquellen, die aus Reib- und Schlagfunken sowie
– Eigensicherheit (Ex i) - elektrische Geräte
elektrostatischen Aufladungen herrühren, sind
an explosionsgeschützten Betriebsmitteln durch – Zündquellenüberwachung (Ex h (alt b)) -
Werkstoffauswahl wie auch durch konstruktive nicht-elektrische Geräte
Maßnahmen auszuschließen. Dieser Sachverhalt
wird durch entsprechende Prüfungen nachgewiesen
und bestätigt.

21
Grundlagen Explosionsschutz

Baubestimmungen und
Verhinderung von
wirksamen
Produktidee

Zündquellen bei
elektrischen Geräten
Konstruktion nach den
Baubestimmungen
Gefahren, die beim Umgang mit brennbaren Gasen,
EN IEC 60079-0 ff
Dämpfen und Stäuben auftreten, beruhen auf (Gase, Dämpfe und Stäube)
einheitlichen chemischen und physikalischen
Abläufen. Deshalb kann auch die Abwehr dieser
Gefahren nur einheitlich erfolgen.
Prüfung und Zertifizierung
In der Internationalen Elektrotechnischen Kommis- von einer notifizierten Stelle
sion IEC und der ISO, in den Europäischen Normen- EG-Baumusterprüfbescheinigung
gremien CENELEC und CEN sowie in DKE und DIN oder einer zertifizierten Stelle
sind inzwischen nahezu durchgängig einheitliche IECEx Certificate of Conformity
Forderungen formuliert.

Deren Einhaltung wird von den Herstellern und Anerkanntes


Betreibern gefordert und bei erhöhten Schutzan- Qualitätssicherungssystem des
Herstellers nach
forderungen von anerkannten Prüfstellen und
Richtlinie 2014/34/EU
Behörden überwacht. oder IECEx System (QAR)
und EN-ISO/IEC 80079-34

Herstellen -
Stückprüfen

Auswahl und Installation


nach den
Errichterbestimmungen
EN IEC 60079-14

Inbetriebnahme
nach der Richtlinie 1999/92/EG
(EU) oder EN IEC 60079-14

Wartung und Reparatur


nach der Richtlinie
1999/92/EG,
nationale Forderungen
EN IEC 60079-17
EN IEC 60079-19

22
Normen zum
Explosionsschutz
Eine Übersicht über Normen für die Kennzahlen-
bestimmung, die Klassifizierung der Bereiche, die
Baubestimmungen für Systeme, Geräte und Kompo-
nenten sowie Installation und Betrieb im Geltungs-
bereich der explosionsfähigen Gase, Dämpfe und
Stäube zeigt nachfolgende Tabelle (vorbehaltlich
späterer Änderungen, Stand August 2020):

Titel/Inhalt Registrier-Nr.
ISO/IEC CEN/CENELEC

Explosionsschutz Grundlagen und Kennzahlen

Grundlagen

Explosionsfähige Atmosphären - Explosionsschutz - - EN 1127-1


Teil 1: Grundlagen und Methodik

Explosionsfähige Atmosphären - Explosionsschutz - - EN 1127-2


Teil 2: Grundlagen und Methodik in Bergwerken

Explosionsgefährdete Bereiche - - EN 13237


Begriffe für Geräte und Schutzsysteme
zur Verwendung in explosionsgefährdeten Bereichen
Internationales Elektrotechnisches Vokabular (IEV) IEC 60500-426
Teil 426: Geräte für explosionsgefährdete Bereiche
www.electropedia.org
Explosionsgefährdete Bereiche - IEC TS 60079-32-1 CLC/TR 60079-32-1
Teil 32-1: Elektrostatische Gefährdungen, Leitfaden

Explosionsgefährdete Bereiche - IEC 60079-32-2 EN 60079-32-2


Teil 32-2: Elektrostatische Gefährdungen – Prüfverfahren

Kennzahlen brennbarer Gase, Dämpfe und Stäube


Explosionsfähige Atmosphären - ISO/IEC 80079-20-1 EN-ISO/IEC 80079-20-1
Teil 20-1: Stoffliche Eigenschaften zur Klassifizierung
von Gasen und Dämpfen - Prüfmethoden und Daten
Explosionsfähige Atmosphären - ISO/IEC 80079-20-2 EN-ISO/IEC 80079-20-2
Teil 20-2: Werkstoffeigenschaften - Prüfverfahren für brennbare Stäube

23
Grundlagen Explosionsschutz

Titel/Inhalt Registrier-Nr.
ISO/IEC CEN/CENELEC

Explosionsschutz an Geräten /Zündschutzarten

Zündschutzarten explosionsgeschützter elektrischer und nicht-elektrischer Geräte -


brennbare Gase, Dämpfe und Stäube

Explosionsfähige Atmosphäre - IEC 60079-0 EN IEC 60079-0


Teil 0: Geräte - Allgemeine Anforderungen

Explosionsfähige Atmosphären - ISO 80079-36 EN-ISO 80079-36


Teil 36: Nicht-elektrische Geräte für den Einsatz
in explosionsfähigen Atmosphären - Grundlagen und Anforderungen

Zündschutzarten explosionsgeschützter elektrischer Geräte - brennbare Gase, Dämpfe und Stäube


Explosionsfähige Atmosphäre - IEC 60079-1 EN 60079-1
Teil 1: Geräteschutz durch druckfeste Kapselung "d"

Explosionsfähige Atmosphäre - IEC 60079-2 EN 60079-2


Teil 2: Geräteschutz durch Überdruckkapselung "p"

Explosionsfähige Atmosphäre - IEC 60079-5 EN 60079-5


Teil 5: Geräteschutz durch Sandkapselung "q"

Explosionsfähige Atmosphäre - IEC 60079-6 EN 60079-6


Teil 6: Geräteschutz durch Ölkapselung "o"

Explosionsfähige Atmosphäre - IEC 60079-7 EN 60079-7


Teil 7: Geräteschutz durch erhöhte Sicherheit "e"

Explosionsfähige Atmosphäre - IEC 60079-11 EN 60079-11


Teil 11: Geräteschutz durch Eigensicherheit "i"

Explosionsfähige Atmosphäre - IEC 60079-13 EN 60079-13


Teil 13: Schutz von Einrichtungen durch einen
überdruckgekapselten Raum "p"
und künstlich belüfteter Raum "v"
Explosionsfähige Atmosphäre - IEC 60079-15 EN 60079-15
Teil 15: Geräteschutz nach Schutzart "n"

Explosionsfähige Atmosphäre - IEC 60079-18 EN 60079-18


Teil 18: Betriebsmittel mit der Schutzart Vergusskapselung "m"

Explosionsfähige Atmosphäre - IEC 60079-25 EN 60079-25


Teil 25: Eigensichere Systeme

Explosionsfähige Atmosphäre - IEC 60079-26 EN 60079-26


Teil 26: Betriebsmittel mit Geräteschutzniveau (EPL) Ga

Explosionsfähige Atmosphäre - IEC 60079-28 EN 60079-28


Teil 28: Schutz von Einrichtungen und Übertragungssystemen,
die mit optischer Strahlung arbeiten
Explosionsfähige Atmosphäre - IEC 60079-29-1 EN 60079-29-1
Teil 29-1: Gasmessgeräte - Anforderungen an das Betriebsverhalten
von Geräten für die Messung brennbarer Gase

24
Titel/Inhalt Registrier-Nr.
ISO/IEC CEN/CENELEC

Explosionsfähige Atmosphäre - IEC 60079-29-4 EN 60079-29-4


Teil 29-4: Gasmessgeräte - Geräte mit offener Messstrecke:
Allgemeine Anforderungen und Prüfverfahren
Explosionsfähige Atmosphäre - IEC/IEEE 60079-30-1 EN 60079-30-1
Teil 30-1: Elektrische Widerstands-Begleitheizungen -
Allgemeine Anforderungen und Prüfanforderungen
Explosionsfähige Atmosphäre - IEC 60079-31 EN  60079-31
Teil 31: Geräte - Staubexplosionsschutz durch Gehäuse "t"

Explosionsfähige Atmosphäre - IEC 60079-33 CLC/TR 60079-33


Teil 33: Geräteschutz durch Sonderschutz "s"

Explosionsfähige Atmosphäre - IEC 60079-35-1 EN 60079-35-1


Teil 35-1: Kopfleuchten für die Verwendung
in schlagwettergefährdeten Grubenbauen -
Allgemeine Anforderungen -
Konstruktion und Prüfung in Relation zum Explosionsrisiko
Explosionsfähige Atmosphäre - IEC 60079-35-2 EN 60079-35-2
Teil 35-2: Kopfleuchten für die Verwendung
in schlagwettergefährdeten Grubenbauen -
Gebrauchstauglichkeit und Sicherheit

Zündschutzarten explosionsgeschützter nicht-elektrischer Geräte - brennbare Gase, Dämpfe und Stäube


Nicht-elektrische Geräte für den Einsatz - EN 13463-2
in explosionsgefährdeten Bereichen -
Teil 2: Schutz durch schwadenhemmende Kapselung 'fr'
Nicht-elektrische Geräte für den Einsatz - EN 13463-3
in explosionsgefährdeten Bereichen -
Teil 3: Schutz durch druckfeste Kapselung 'd'
Explosionsgefährdete Bereiche - ISO 80079-37 EN ISO 80079-37
Teil 37: Nicht-elektrische Geräte für den Einsatz
in explosionsgefährdeten Bereichen -
Schutz durch konstruktive Sicherheit "c",
Zündquellenüberwachung "b", Flüssigkeitskapselung "k"
Explosionsfähige Atmosphären - ISO/IEC 80079-38 EN ISO/IEC 80079-38
Teil 38: Geräte und Komponenten in explosionsfähigen
Atmosphären in untertägigen Bergwerken

Technische Spezifikationen und Entwicklungen


Explosionsfähige Atmosphären - IEC TS 60079-39 CLC IEC/TS 60079-39
Teil 39: Eigensichere Systeme mit elektronisch gesteuerter
Funkendauerbegrenzung
Explosionsfähige Atmosphären - IEC TS 60079-40
Teil 40: Anforderungen an die Prozessabdichtung zwischen brennbaren
Prozessflüssigkeiten und elektrischem System
Explosionsfähige Atmosphären - IEC TS 60079-42
Teil 42: Elektrische Sicherheitseinrichtungen zur Beherrschung von
potentiellen
Zündquellen für Ex-Geräte
Explosionsfähige Atmosphären - IEC TS 60079-43
Teil 43: Geräte unter ungünstigen Betriebsbedingungen

Explosionsfähige Atmosphären - IEC TS 60079-44


Teil 44: Spezifikation für persönliche Kompetenz

Explosionsfähige Atmosphären - IEC TS 60079-45


Teil 45: Elektrische Zündsysteme für Verbrennungsmotoren

Explosionsfähige Atmosphären - IEC TS 60079-46


Teil 46: Gerätebaugruppen

Explosionsfähige Atmosphären - IEC TS 60079-47


Teil 43: Geräteschutz durch 2-Wire Intrinsically Safe Ethernet Konzept
(2-WISE)
25
Grundlagen Explosionsschutz

Titel/Inhalt Registrier-Nr.
ISO/IEC CEN/CENELEC

Herstellung & Qualitätsmanagementsystem


Explosionsgefährdete Bereiche - ISO/IEC 80079-34 EN-ISO/IEC 80079-34
Teil 34: Anwendung von Qualitätsmanagementsystemen
für die Herstellung von Geräten

Explosionsschutz in Anlagen

Einstufung gefährdeter Bereiche brennbare Gase, Dämpfe und Stäube


Explosionsfähige Atmosphäre - IEC 60079-10-1 EN 60079-10-1
Teil 10-1: Einteilung der Bereiche -
Gasexplosionsgefährdete Bereiche
Explosionsfähige Atmosphäre - IEC 60079-10-2 EN 60079-10-2
Teil 10-2: Einteilung der Bereiche -
Staubexplosionsgefährdete Bereiche

Planung, Auswahl, Installation, Inspektion, Wartung und Reparatur elektrischer Anlagen


Explosionsfähige Atmosphäre - IEC 60079-14 EN 60079-14
Teil 14: Projektierung, Auswahl und Errichtung elektrischer Anlagen

Explosionsfähige Atmosphäre - IEC 60079-17 EN 60079-17


Teil 17: Prüfung und Instandhaltung elektrischer Anlagen

Explosionsfähige Atmosphäre - IEC 60079-19 EN 60079-19


Teil 19: Gerätereparatur, Überholung und Regenerierung

Explosionsfähige Atmosphäre - IEC 60079-29-2 EN 60079-29-2


Teil 29-2: Gaswarngeräte - Auswahl, Installation, Verwendung und Wartung
von Detektoren für brennbare Gase und Sauerstoff
Explosionsfähige Atmosphäre - IEC/IEEE 60079-30-2 EN 60079-30-2
Teil 30-2: Elektrische Widerstands-Begleitheizung -
Anwendungsleitfaden für Konstruktion, Installation und Wartung

Tabelle 4

Hinweis zum Umgang mit der Tabelle Für elektrische Betriebsmittel werden die
Die Tabelle soll eine Informationsübersicht über Baubestimmungen bei BARTEC
das Normengebäude zum Explosionsschutz konsequent umgesetzt. Deren Übereinstimmung
geben. Für die konkrete Arbeit mit den Normen wird - nach der Entwicklung bei BARTEC - von
und die Beschaffung derselben sollte beim Verlag benannten Prüfstellen in der EU, Prüfstellen
oder den Normengremien nach dem aktuellen des IECEx-Systems oder nationalen
Stand gefragt werden. Prüfstellen geprüft und bestätigt sowie ihre
Einhaltung in der Fertigung wiederum durch
Mit Hilfe dieser Tabelle können die genannten ein Qualitätssicherungssystem an jedem
Inhalte aus der Spalte Titel/Inhalt den regionalen hergestellten Betriebsmittel realisiert und
Entsprechungen (EU) zugeordnet werden. Der EU überwacht. Durch Stückprüfung werden nach den
Titel muss nicht immer mit dem internationalen Festlegungen entsprechend sicherheitsrelevante
Titel übereinstimmen. Forderungen am Produkt überprüft und mit einer
Kennzeichnung bestätigt.
Einige Zündschutzarten (Ex d, Ex p und Ex t)
sind in der Basis für elektrische Betriebsmittel Auch im Bereich der nicht-elektrischen
aufgeführt, können aber auch für nicht- Betriebsmittel unterstützt BARTEC seine
elektrische Betriebsmittel angewendet werden Kunden mit den über Jahrzehnte gesammelten
(siehe: EN-ISO 80079-36). Erfahrungen.

26
Zündschutzarten

Für alle Zündschutzarten gilt, dass die Teile, zu Diese Forderungen basieren teilweise auf denen
denen die explosionsfähige Atmosphäre ungehin- für elektrische Betriebsmittel.Abweichungen für
derten Zugang hat, keine unzulässig hohen Tempe- nicht-elektrische Betriebsmittel sind in den einzel-
raturen annehmen dürfen. nen Basisnormen enthalten.

Die Temperaturen dürfen unter Berücksichtigung Der allgemeine Temperaturbereich zum Einsatz
der Umgebungstemperatur und der Erwärmung explosionsgeschützter elektrischer Betriebsmittel
maximale Werte annehmen, die der Temperatur- wird mit -20 °C bis +40 °C festgelegt. Zulässige
klasse oder der für brennbare Stäube bestimmten abweichende Erweiterungen oder Einschränkungen
zulässigen Oberflächentemperatur entsprechen, des Temperaturbereiches sind anzugeben.
nach denen die explosionsfähige Atmosphäre ein-
gestuft ist. Die Parameter wie MESG und MIC-Verhältnis für die
Untergruppen IIA, IIB und IIC werden bei ca. +20 °C
im Labor ermittelt und gelten für einen Temperatur-
Allgemeine bereich von ± 40 K - also von -20 °C bis +60 °C.

Bestimmungen Diese beiden Temperaturbereiche berücksichtigen


einerseits die Verhältnisse in der Arbeitsstätte und
eine gewisse Erwärmung der Betriebsmittel im
Prinzip Betrieb. Explosionsdruck, zulässige Spaltweiten
Alle zu verallgemeinernden Forderungen an und zulässige nichtzündfähige Ströme ändern sich
die Betriebsmittel werden in diesen Normen außerhalb des Temperaturbereiches. Dies ist bei
zusammengefasst: dem Einsatz der Betriebsmittel durch den Hersteller
oder Betreiber zu beachten und kann abweichende
– EN IEC 60079-0 Prüfbedingungen oder Einschränkungen zur Folge
für elektrische Geräte haben.

– EN ISO 80079-36
Historisch wurden die Zündschutzarten basierend
für nicht-elektrische Geräte
auf vier Schutzprinzipien mit einem hohen Sich-
Die Zündschutzartnormen können Forderungen erheitsniveau (heutigen EPL b oder europäsische
ergänzen oder aufheben. Steht eine Anforderung im Kategorie 2) entwickelt.
Widerspruch zu einer allgemeinen Anforderung, so
hat die spezifische Anforderung aus der Schutzart Mit der Graduierung der Ex-Bereiche in Zonen wird
Vorrang. versucht, auch die Zündschutzarten zu graduieren
und unterschiedlichen Schutzniveaus zuzuordnen.
Einheitliche, aber mehrere Zündschutzarten Dies findet in den Normengremien statt. Einer-
betreffende Schutzanforderungen wie Schutz gegen seits werden die bekannten Zündschutzarten Ex
elektrostatische Aufladungen, Schaffung eines n (Zone 2) dem Schutzniveau EPL c zugeordnet.
Potenzialausgleiches für metallische Gehäuse Andererseits werden für EPL a (Zone 0/20) die
oder mechanische Festigkeit gegen Stöße werden bisher bekannten Forderungen für EPL b (Zone 1/21)
in diesen Normen als allgemein technische Forde- Anforderungen teilweise verschärft.
rungen zusammengefasst. Dabei können einzelne
nachgeschaltete Normen höhere Forderungen
enthalten oder auch geringere.

27
Grundlagen Explosionsschutz

Zündschutzarten elektrischer Geräte


Schutzprinzipien Zündschutzarten Brennbarer Kategorie 1 Kategorie 2 Kategorie 3
Stoff EPL a EPL b EPL c

sehr hohes hohes erweitertes


Schutzniveau Schutzniveau Schutzniveau

Alle Allgemeine Anforderungen Gase/Dämpfe (G) + + +


EN IEC 60079-0 Stäube (D)

Schutzprinzip stellt sicher, Erhöhte Sicherheit Ex e Gase/Dämpfe (G) – Ex eb Ex ec


dass eine Zündquelle nicht EN IEC 60079-7
auftreten kann.

Optisches System mit Verriegelung Gase/Dämpfe (G) – Ex op sh +


EN IEC 60079-28 Stäube (D)

Schutzprinzip verhindert, Intrinsic safety Ex i Gase/Dämpfe (G) Ex ia Ex ib Ex ic


dass eine Zündquelle wirksam EN IEC 60079-11 Stäube (D)
werden kann. EN IEC 60079-25 systems

Inherently safe optical radiation Gase/Dämpfe (G) Ex op is + +


EN IEC 60079-28 Stäube (D)

Schutzprinzip verhindert, Vergusskapselung Ex m Gase/Dämpfe (G) Ex ma Ex mb Ex mc


dass die Ex-Atmosphäre EN IEC 60079-18 Stäube (D)
die Zündquelle erreicht.
Nicht brennbar Ex nC Gase/Dämpfe (G) – – Ex nC
eingeschränkte Atmung Ex nR Ex nR
EN IEC 60079-15

Ölkapselung Ex o Gase/Dämpfe (G) – Ex ob Ex oc


EN IEC 60079-6

Überdruckkapselung Ex p Gase/Dämpfe (G) – Ex pxb, pyb Ex pzc


EN IEC 60079-2 Stäube (D)

Schutz durch Gehäuse Ex t Stäube (D) Ex ta Ex tb Ex tc


EN IEC 60079-31

Geschützte optische Strahlung Gase/Dämpfe (G) – Ex op pr +


EN IEC 60079-28 Stäube (D)

Schutzprinzip verhindert Druckfeste Kapselung Ex d Gase/Dämpfe (G) Ex da Ex db Ex dc


die Flammenfortpflanzung durch EN IEC 60079-1
ein Gehäuse.

Sandkapselung Ex q Gase/Dämpfe (G) – Ex q +


EN IEC 60079-5

Tabelle 5

+ bedeutet: Anwendung möglich


- bedeutet: NICHT möglich anzuwenden.
Einsatz im Ex-Bereich, abhängig von G oder D
Zone 0/20 Zone 1/21 Zone 2/22
Zone 1/21 Zone 2/22
Zone 2/22

28
Zündschutzarten nicht-elektrischer Geräte
Schutzprinzipien Zündschutzarten Brennbarer Kategorie 1 Kategorie 2 Kategorie 3
Stoff EPL a EPL b EPL c

sehr hohes hohes erweitertes


Schutzniveau Schutzniveau Schutzniveau

Alle Allgemeine Anforderungen Gase/Dämpfe (G)


EN ISO 80079-361)/EN IEC 60079-02) Stäube (D) + + +

Schutzprinzip stellt sicher, Konstruktive Sicherheit Gase/Dämpfe (G)


dass eine Zündquelle nicht EN ISO 80079-371) Stäube (D) Ex h Ex h Ex h
auftreten kann.

Schutzprinzip verhindert, Zündquellenüberwachung Gase/Dämpfe (G)


dass eine Zündquelle wirksam EN ISO 80079-371) Stäube (D) Ex h Ex h Ex h
werden kann.

Schutzprinzip verhindert, Flüssigkeitskapselung Gase/Dämpfe (G)


dass die Ex-Atmosphäre EN ISO 80079-371) Stäube (D) Ex h Ex h Ex h
die Zündquelle erreicht.

Überdruckkapselung Gase/Dämpfe (G)


EN IEC 60079-2 2) Stäube (D) – Ex pxb, pyb Ex pzc

Schwadenhemmende Kapselung Gase/Dämpfe (G)


EN 13463-2 – – fr

Schutz durch Gehäuse Stäube (D)


EN IEC 60079-312) Ex ta Ex tb Ex tc

Schutzprinzip verhindert die Druckfeste Kapselung Gase/Dämpfe (G)


Flammenfortpflanzung durch EN IEC 60079-12) – d +
ein Gehäuse. – Ex db Ex dc

Tabelle 6

1)
Die Normen EN ISO 80079-36 und -37 bilden ergänzend mit
der Normenreihe EN IEC 60079-0 ein ganzheitliches,
technisches Normenwerk für die Entwicklung,Prüfung und Einsatz im Ex-Bereich, abhängig von G oder D
Zertifizierung explosionsgeschützter Geräte.
Zone 0/20 Zone 1/21 Zone 2/22
2)
Die Norm für elektrische Geräte wird auch für nicht-
elektrische Geräte angewandt.. Zone 1/21 Zone 2/22
Zone 2/22
+ bedeutet: Anwendung möglich
- bedeutet: NICHT möglich anzuwenden.

29
Grundlagen Explosionsschutz

Erhöhte Sicherheit Ex eb nach EN IEC 60079-7


Prinzip Wichtige konstruktive Parameter
Zusätzliche Maßnahmen sorgen für ein hohes – für nichtisolierte, aktive Teile gelten besondere
Schutzniveau "b". Damit werden unzulässig hohe Schutzanforderungen
Temperaturen und Funken bzw. Lichtbögen sowohl an
– Luft- und Kriechstrecken sind größer bemessen
den inneren als auch an den äußeren Teilen elektri-
als im allgemeinen industriellen Bereich,
scher Betriebsmittel, bei deren bestimmungsgemä-
besondere Anforderungen gelten für die
ßem Betrieb keine unzulässig hohen Temperaturen
einzuhaltenden IP-Schutzarten
auftreten, zuverlässig verhindert.
– für Wicklungen, deren Ausführung, mechanische
Anwendungen
Festigkeit und Isolierfähigkeit gelten höhere
– Installationsmaterialien wie Abzweig- und
Forderungen und die Wicklungen müssen gegen
Verbindungskästen, Anschlussräume
erhöhte Temperaturen geschützt sein
für Heizungen, Akkumulatoren,
Transformatoren, induktive Vorschaltgeräte, – Mindestquerschnitte für Wickeldrähte, für die
Kurzschlussläufermotoren Tränkung und Verfestigung von Spulen sowie für
thermische Überwachungen sind festgelegt.

Erhöhte Sicherheit Ex ec nach EN IEC 60079-7


(bisher nicht funkenbildend Ex nA nach EN IEC 60079-15)
Prinzip drehende elektrische Maschinen spezielle
Es ist ein normales Schutzniveau "c" vorgesehen. Schmelzsicherungen, Leuchten, Zellen und
Die Konstruktion gewährleistet eine zuverlässige Batterien, Transformatoren, Betriebsmittel mit
Verhinderung von unzulässig hohen Temperaturen geringer Energie.
und Funken oder elektrischen Lichtbögen, sowohl
Wichtige konstruktive Parameter
an den inneren als auch an den äußeren Teilen elek-
– für nichtisolierte, aktive Teile gelten besondere
trischer Betriebsmittel, bei deren normalem Betrieb
Schutzanforderungen
keine unzulässig hohen Temperaturen, Funken oder
Lichtbögen auftreten. Vereinfachte Darstellung der – Luft- und Kriechstrecken sind besonders
Schutzart eb. festgelegt

Anwendungen – an einzelne Betriebsmittelarten werden besondere


– Installationsmaterialien wie Abzweig- und Anforderungen gestellt.
Verbindungskästen, Anschlussräume,

Konstruktive Sicherheit c mit Kennzeichnung


Ex h nach EN ISO 80079-37
Prinzip Wichtige konstruktive Parameter
Die Systeme, Geräte und Komponenten sind so – Anforderungen an Gehäusewerkstoffe gelten wie
konstruiert, dass sie im Normalbetrieb und bei einer bei den anderen Zündschutzarten auch
Störung (mit der man üblicherweise rechnen muss)
– die Bauteile sind so auszuwählen, dass
nicht zur Zündquelle werden können.
beispielsweise durch Reibung Erwärmungen
Anwendungen ausgeschlossen sind
– Kopplung zwischen Pumpe und Antriebsmotor,
– im Normalbetrieb auftretende Reibung darf auch
Ventilatoren.
nicht zu elektrostatischen Aufladungen oder
Reibfunken führen

– die konstruktiven Anforderungen sind - abgeleitet


aus der EN 1127-1 - hinsichtlich möglicher
Zündquellen zu überprüfen

30
Eigensicherheit Ex ia, ib, ic nach EN IEC 60079-11
(Ex ic = bisher Begrenzte Energie; Ex nL nach EN IEC 60079-15)
Prinzip Wichtige konstruktive Parameter
Eigensichere Betriebsmittel enthalten nur Strom- – Auswahl bestimmter (unfehlbarer) Bauelemente
kreise, die den Anforderungen an eigensichere für elektrische und elektronische Schaltungen.
Stromkreise genügen. Eigensichere Stromkreise sind
– Reduzierung der zulässigen Belastung der
Stromkreise, in denen kein Funke oder kein thermi-
Bauelemente gegenüber üblichen industriellen
scher Effekt, der unter den in der Norm festgelegten
Anwendungen, in Bezug auf
Prüfbedingungen auftritt, eine Zündung einer explosi-
- Spannung, wegen der elektrischen Festigkeit
onsfähigen Atmosphäre der Untergruppen IIA, IIB oder
- Strom, hinsichtlich der Erwärmung
IIC beziehungsweise eines Staub-Luft-Gemisches der
Gruppe III verursachen kann. Die Prüfbedingungen – die Spannungs- und Stromwerte sind,
umfassen den Normalbetrieb und bestimmte in der einschließlich eines Sicherheitsfaktors, ständig
Norm festgelegte Fehlerbedingungen. auf ein so geringes Niveau begrenzt, dass mit
Sicherheit unzulässige Temperaturen nicht
Anwendungen auftreten und Funken und Lichtbögen bei
– Mess-, Überwachungs- und Informationsanlagen Unterbrechung oder Kurzschluss eine so geringe
und -geräte Energie aufweisen, dass sie zur Zündung einer
explosionsfähigen Atmosphäre nicht ausreichen.
– Sensoren - auf physikalischem, chemischem
oder mechanischem Prinzip und mit begrenzter – eine Vorstellung vermittelt die Tatsache, dass
Leistung explosionsfähige Atmosphären der Untergruppe IIA
nur einige 100 µJ und die der Untergruppe IIC nur
– Messumformer und Remote-I/O-Technik, die auf
10 µJ zur Zündung benötigen.
verschiedenen Feldbusanwendungen basieren

– Enterprise Mobility Geräte wie Mobile Computer,


Tablets, Kameras und Smartphones.

Überwachung von Zündquellen b mit Kennzeichnung


Ex h nach EN ISO 80079-37
Prinzip Wichtige konstruktive Parameter
Überwachung potenzieller Zündquellen bzw. früh- – Einsatz von Sensor-/Aktor-Einrichtungen zur
zeitige Feststellung sich anbahnender gefährlicher Überwachung verschiedener physikalisch-
Bedingungen (beispielsweise erwärmte Teile) bei technischer Größen (Temperatur, Druck,
Normalbetrieb, einer Störung oder einer seltenen Durchfluss, Drehzahl, Schwingungen usw.)
Störung und Einleitung von Gegenmaßnahmen.
– um das Zündrisiko zu begrenzen, werden an
Anwendungen den mechanischen Geräten die Zündquellen
– Gleitlager, Pumpe, Rührwerk, Vakuumpumpen, und die entsprechenden Sensor-/Aktor-
Gasturbinen Überwachungseinrichtungen hinsichtlich ihrer
Qualität (Funktion) bewertet

– die Funktionssicherheit (Mindestqualität) der


Sensor-/Aktor-Überwachungseinrichtungen wird in
Form von Zündschutzniveaus (ignition prevention
level, IPL) festgelegt

31
Grundlagen Explosionsschutz

Vergusskapselung Ex ma, mb, mc nach EN IEC 60079-18


Prinzip Wichtige konstruktive Parameter
Teile, die eine explosionsfähige Atmosphäre durch – Vergussmasse:
Funken oder durch Erwärmung zünden könnten,
– Durchschlagsfestigkeit
sind so in eine Vergussmasse eingebettet, dass
– geringe Wasseraufnahme
die explosionsfähige Atmosphäre nicht entzündet
– Beständigkeit gegen verschiedene Einflüsse
werden kann. Dies geschieht durch allseitige
– Umhüllung muss allseitig vorgegebene
Umhüllung (Gießen) der Bauteile mit einer gegen
Wandstärken erfüllen
physikalische - insbesondere elektrische, thermische
– Hohlräume sind nur begrenzt zulässig
und mechanische - sowie chemische Einflüsse
– nur die Einführungen elektrischer Leitungen
resistenten Vergussmasse.
durchdringen in der Regel die Vergussmasse
Anwendungen – Belastung der Bauelemente ist begrenzt oder
– ruhende Spulen von Vorschaltgeräten, reduziert
Magnetventilen oder Motoren, Relais und andere
– erhöhte Abstände spannungsführender Teile
Schalteinrichtungen begrenzter Leistung sowie
komplette Leiterplatten mit elektronischen
Schaltungen.

Nichtzündfähiges Teil Ex nC nach EN IEC 60079-15 (Klausel 7)


Prinzip Wichtige konstruktive Parameter
Variante der Zündschutzart Ex n mit Kontakten,
– Die Kontaktanordnung löscht eine entstehende
die einen möglicherweise zündfähigen Stromkreis
Flamme
schließen und öffnen, bei der entweder der Kontakt-
mechanismus oder das Gehäuse in dem die Kontakte – Begrenzte Maximalbelastbarkeit auf AC 254 V und
eingeschlossen sind, so konstruiert sind, dass eine 16 A AC sowie DC
Zündung eines Gemisches der Untergruppe IIA, IIB
– L und C sind Bestandteil der Prüfung
oder IIC in der Umgebung des Teiles unter festge-
legten Betriebsbedingungen verhindert ist. – Die Explosionsuntergruppen IIA, IIB und IIC sind
unterschiedlich zu behandeln
Anwendungen
– Kontaktsysteme

Gekapselte Einrichtung Ex nC nach EN IEC 60079-15 (Klausel 8)


Prinzip Wichtige konstruktive Parameter
Die Einrichtung kann Hohlräume enthalten, die analog
– Versiegeln durch Löten, Schweißen oder
zur Zündschutzart Vergusskapselung völlig z. B. in
Verschmelzen von Metall mit Metall oder Glas mit
eine Dichtmasse eingeschlossen sind, so dass das
Metall gilt als Erfüllung der Anforderungen an
Eindringen von äußerer Atmosphäre verhindert ist.
dichte Geräte ohne Prüfung.
Anwendungen
– Funkenerzeugende Geräte oder Komponenten wie
Schnittstellenrelais.

Abgedichtete Einrichtung Ex nC nach EN IEC 60079-15 (Klausel 9)


Prinzip Wichtige konstruktive Parameter
Die Einrichtung kann Hohlräume enthalten, die – Einrichtungen dürfen im Normalbetrieb nicht
analog zur Zündschutzart Vergusskapselung völlig geöffnet werden können, inneres freies Volumen
eingeschlossen sind, so dass das Eindringen von ≤ 100 cm³
äußerer Atmosphäre verhindert ist.
– äußere Anschlussteile, Klemmen oder Leitungen
Anwendungen (Zündschutzart Ex ex) müssen vorhanden sein
– Kontaktsysteme, ruhende Spulen von
– elastische Abdichtungen dürfen unter normalen
Magnetventilen und komplette Leiterplatten mit
Betriebsbedingungen nicht mechanisch
elektronischen Schaltungen.
beschädigt werden können, sie müssen ihre
Dichteigenschaften während der Lebensdauer der
Einrichtung beibehalten.
32
Öl-/Flüssigkeitskapselung Ex ob, oc nach EN IEC 60079-6
(elektrische Betriebsmittel)
Öl-/Flüssigkeitskapselung k mit Kennzeichnung Ex h
nach EN ISO 80079-37
(nicht elektrische Geräte)
Prinzip Wichtige konstruktive Parameter
Teile, an denen sich explosionsfähige Atmosphäre – festgelegte, isolierende Flüssigkeiten, z. B. Öl
entzünden könnte, werden soweit in elektrisch Sicherung des Zustandes der Flüssigkeit,
isolierendes Öl oder eine andere nicht brennbare hinsichtlich Verschmutzung und Feuchtigkeit
Flüssigkeit getaucht, dass oberhalb der Flüssigkeit
– nicht-elektrische Geräte
und außerhalb des Gehäuses befindliche Gase
- Flüssigkeiten
und Dämpfe durch unter dem Flüssigkeitsspiegel
- benetzte Oberflächen
entstehende Lichtbögen bzw. Funken, heiße Restgase
von Schalthandlungen oder heiße Teile - wie – Gewährleistung und Kontrollmöglichkeit des
Widerstände - nicht gezündet werden können. sicheren Ölstandes
- bei Erwärmung und Abkühlung
Anwendungen
- zum Erkennen von Leckagen
– große Transformatoren,
Hochleistungsschaltgeräte, Anlasswiderstände – Beschränkung auf ortsfeste Geräte.
und komplette Anlaufsteuerungen

– Getriebe.

33
Grundlagen Explosionsschutz

Überdruckkapselung Ex pxb, Ex pyb nach EN IEC 60079-2


Prinzip Wichtige konstruktive Parameter
Das Eindringen einer umgebenden Atmosphäre in – Festigkeit des Gehäuses das umgebende,
das Gehäuse von elektrischen Betriebsmitteln wird durchspülte Gehäuse muss die 1,5-fache
dadurch verhindert, dass ein Zündschutzgas (Luft, Festigkeit des Betriebs überdruckes haben
inertes oder anderes geeignetes Gas) in seinem
– freispülen vor Inbetriebnahme des elektrischen
Innern unter einem Überdruck gegenüber der umge-
Betriebsmittels (nur für EPL Gb, also nicht für
benden Atmosphäre gehalten wird. Der Überdruck
EPL Db)
wird mit oder ohne laufende Zündschutzgas-
durchspülung aufrechterhalten. – Obligatorische Abschaltung und Alarm für EPL
Gb oder Db bei Ausfall des Spülgasflusses oder
Anwendungen
Überdrucks.
– Betriebsmittel, bei denen betriebsmäßig
Funken, Lichtbögen oder heiße Teile auftreten
und komplexe industriemäßige Ausführungen
(Steuerungen), die durch die Zündschutzart im
explosionsgefährdeten Bereich betrieben werden
können

– Großmaschinen, Schleifring- bzw.


Kollektormotoren, Schalt- und Steuerschränke
oder Analysengeräte.

Vereinfachte Überdruckkapselung Ex pzc nach EN IEC 60079-2


Prinzip Wichtige konstruktive Parameter
Anwendung eines Zündschutzgases in einem – Festigkeit des Gehäuses
Gehäuse, um die Bildung einer explosionsfähigen
– Vorspülung vor Inbetriebnahme des elektrischen
Atmosphäre innerhalb des Gehäuses zu verhindern,
Betriebsmittels (nur bei EPL Gc, also nicht bei
indem ein Überdruck gegenüber der umgebenden
EPL Dc)
Atmosphäre aufrechterhalten wird.
– Wesentlicher Unterschied zu Ex pxb, Ex pyb:
Anwendungen
zwingender Alarm nur, wenn der Spülgasfluss
– Betriebsmittel, bei denen betriebsmäßig
oder Überdruck ausfällt.
Funken, Lichtbögen oder heiße Teile auftreten
und komplexe industriemäßige Ausführungen
(Steuerungen), die durch die Zündschutzart im
explosionsgefährdeten Bereich betrieben werden
können

– Große Maschinen, Schleifring- oder


Kollektormotoren, Schalt- und Steuerschränke
und Analysegeräte.

34
Schwadensicherheit Ex nR nach EN IEC 60079-15
(für elektrische Geräte)
Durchflussbegrenzer fr nach EN 13463-2
(für nicht-elektrische Geräte)
Prinzip Wichtige konstruktive Parameter
Die Gehäuse sind so konstruiert, dass das Eindrin- – die Verlustleistung im Inneren der Gehäuse, darf,
gen von Gasen beschränkt wird. wenn es funkengebende Teile enthält, nur zu
Temperaturerhöhungen gegenüber der
Anwendungen
Umgebung von ≤ 20 K führen
– Schalteinrichtungen, Mess-, Überwachungs- und
Informationsanlagen und -geräte (elektrisch) – Vorrichtungen müssen bei diesen Gehäusen nach
Installation und Wartung eine Überprüfung der
– Beleuchtungskörper (elektrisch).
Schwadensicherheit - Dichtheit - ermöglichen

– elastische Abdichtungen dürfen unter normalen


Betriebsbedingungen nicht mechanisch
beschädigt werden können, sie müssen ihre
Dichteigenschaften während der Lebensdauer
der Einrichtung beibehalten

– vergossene Dichtungen und Vergussmassen


müssen eine Dauergebrauchstemperatur von
≥ 10 K zur maximalen Betriebstemperatur haben

Schutz durch Gehäuse Ex ta, tb, tc nach EN IEC 60079-31


(auch für nicht-elektrische Geräte anwendbar)
Prinzip Wichtige konstruktive Parameter
Das Gehäuse ist so dicht, dass kein brennbarer – Mindestschutzgrade nach IEC/EN 60529 ≥ IP 6X,
Staub in das Innere eindringen kann. Die Ober- je nach Gruppe und Schutzart
flächentemperatur des äußeren Gehäuses ist
– Ex ta, die zusätzliche IP 6X-Gehäuse
begrenzt.
für funkenbildende Teile innerhalb des
Anwendungen Gesamtgerätegehäuses erfordern
– verschiedene Betriebsmittel, bei denen
– Berücksichtigung von Staubansammlungen auf
betriebsmäßig Funken, Lichtbögen oder heiße
der Oberfläche und Reduzierung der zulässigen
Teile auftreten und komplexe industriemäßige
Oberflächentemperatur bei möglichen
Ausführungen (Steuerungen), die durch die
Staubschichtdicken ≥ 5 mm nach
Zündschutzart im explosionsgefährdeten
EN IEC 60079-14
Bereich (Staub) betrieben werden können.
– Die Oberflächentemperatur des Betriebsmittels
wird bei Ex tb und Ex tc berücksichtigt, wobei
bei Ex ta auch die Oberflächentemperaturen der
internen Komponenten berücksichtigt werden.

35
Grundlagen Explosionsschutz

Druckfeste Kapselung Ex da, db, dc nach EN IEC 60079-1


(für elektrische Geräte)
Druckfeste Kapselung d nach EN 13463-3
(für nicht-elektrische Geräte)
Prinzip Wichtige konstruktive Parameter
Zündschutzart, bei der Teile, die eine explosions- – mechanische Festigkeit entsprechend einem
fähige Atmosphäre zünden können, in einem festgelegten Sicherheitsfaktor gegen innere
Gehäuse angeordnet sind, das bei der Explosion Explosionsdrücke
eines explosionsfähigen Gemisches im Innern des
– als Orientierung kann gelten, dass in einer Kugel
Gehäuses dem Explosionsdruck sicher standhält
etwa 0,8 MPa (8 bar) erzeugt werden und diese
und eine Übertragung der Explosion auf die das
Kugel als Ex d-Gehäuse einem Druck von 1,2 MPa
Gehäuse umgebende explosionsfähige Atmosphäre
(12 bar) standhalten müßte
verhindert.
– Spaltverbindungen zwischen zwei
Technologisch erforderliche Spalte sind so lang und
Gehäuseteilen sind so eng und so lang zu
eng gestaltet, dass austretende heiße Gase außerh-
gestalten, dass austretendes heißes Gas
alb des Gehäuses ihre Zündfähigkeit verloren haben
eine explosionsfähige Atmosphäre, die im
oder, wenn Spalte nur für den Fertigungsprozess
explosionsgefährdeten Bereich möglicherweise
erforderlich sind, können sie verklebt sein.
vorhanden ist, nicht zünden kann
Anwendungen
– die Parameter der zünddurchschlagsicheren
– Betriebsmittel, bei denen betriebsmäßig Funken
Spalte (Weite/Länge) sind für die
oder Lichtbögen und/oder heiße Teile auftreten,
Explosionsuntergruppen IIA, IIB und
wie Schaltgeräte, Schleifringe, Kollektoren,
IIC unterschiedlich, die höchsten Forderungen
Stellwiderstände, Schmelzsicherungen
hinsichtlich der Spaltparameter werden an
bzw. Lampen, Heizpatronen und
Gehäuse der Explosionsuntergruppe IIC gestellt
Reibungsbremsen.
– Ex d ist grundsätzlich für die Schutzstufe 'b'
ausgelegt, die zusätzliche Schutzstufe 'a' gilt
nur für katalytische Sensoren für Detektoren für
brennbare Gase, ebenso wie die Schutzstufe 'c'
für gekapselte Abreißvorrichtungen mit einem auf
20 cm3 = 0,02 Liter begrenzten Innenvolumen gilt.

Sandkapselung Ex q nach EN IEC 60079-5


Prinzip Wichtige konstruktive Parameter
Durch die Füllung eines Gehäuses mit einem – das Füllgut, wie Sand, Glaskugeln o. ä. unterliegt
feinkörnigen Füllgut (z. B. Quarzglas) wird erreicht, besonderen Anforderungen, ebenso die
dass bei bestimmungsgemäßem Gebrauch ein in Gestaltung des Gehäuses, es darf nicht aus dem
seinem Gehäuse entstehender Lichtbogen eine das Gehäuse austreten, weder im Normalbetrieb,
Gehäuse umgebende explosionsfähige Atmosphäre noch durch Lichtbögen oder andere
nicht zündet. Es darf weder eine Zündung durch Vorgänge im Inneren der Sandkapselung.
Flammen oder zündfähige Bauteile, noch eine
Zündung durch erhöhte Temperatur auf der Gehäu-
seoberfläche erfolgen.

Anwendungen
– Kondensatoren, Elektronikbaugruppen oder
Transformatoren wie HMI-Systeme oder auch
mobile Computer, die im explosionsgefährdeten
Bereich eingesetzt werden, vielfach Bauteile,
die Funken oder heiße Teile aufweisen, deren
Funktion aber durch das feinkörnige Füllgut nicht
beeinträchtigt wird.

36
Sonderschutzart Ex sa, sb, sc nach CLC/TR 60079-33 oder IEC 60079-33
Prinzip Wichtige konstruktive Parameter
Geräte, die einer Zündschutzart nicht vollständig Je nachdem, welches Schutzniveau erforderlich ist,
entsprechen, aber eine vergleichbare Sicherheit sind ein oder mehrere unabhängige Prüfer erforder-
gewährleisten. lich, um die Konformität des Geräts zu überprüfen.
Weitere Details siehe IEC 60079-33.
Anwendungen
Neuentwicklungen wie druckfeste Gehäuse mit
Explosionsöffnungen und Druckabbaugitterplatten
in der Seitenwand.

Optische Strahlung Ex op is, op pr, op sh nach EN IEC 60079-28


Prinzip Wichtige konstruktive Parameter
Optische Strahlung kann entweder in der Strahl- Drei Möglichkeiten:
ungsenergie begrenzt werden, durch ein Medium
– Laser mit konvergenten optischen Strahlen
geschützt werden oder durch eine Verriegelung
müssen bei offener Abstrahlung im
geschützt werden.
explosionsgefährdeten Bereich energetisch
Anwendungen sicher sein (Ex op is).
Optische Lasersensoren, Auto-Identifikationssys-
– Wenn der Laser ein Medium wie einen
teme, faseroptische Koppler zur Datenübertragung.
Lichtwellenleiter durchläuft, kann er entweder
mit einem mechanischen Schutzsystem (Ex op
pr) oder mit einer Verriegelung ausgestattet
werden, die eine sichere Absicherung durch ein
Handshaking-Verfahren hat.

– Wenn die gesendete Ausgabe nicht vom


Empfänger über die Empfangsleitung quittiert
wird, stellt er die Übertragung ein (Ex op sh).

Elektrische Widerstands-Begleitheizung Ex 60079-30-1


nach EN IEC/IEEE 60079-30-1
Prinzip Wichtige konstruktive Parameter
Sicherheitsanforderungen gemäß der oben genann- – Ex-Begleitheizung Heizleitung muss mit einem
ten Norm. Die Kennzeichnung ist abweichend von geerdeten Geflecht ausgestattet sein.
anderen Zündschutzarten durch die Angabe auf
– Die Temperaturbegrenzung erfolgt entweder in
Heizleitungen Ex 60079-30-1 als Hinweis auf die
stabilisierter oder in geregelter Ausführung.
Zündschutzart.
Anwendungen
Überwinterung oder Prozessbeheizung durch den
Einsatz von Begleitheizkabeln an Rohrleitungen
oder Behältern.

37
Grundlagen Explosionsschutz

Kennzeichnung
Für alle Geräte, die zum Einsatz in explosions- 5. die Kategorien (1, 2 oder 3), die angeben,
fähigen Atmosphären bestimmt sind, soll die welche Sicherheitsstufe gilt und ob das Gerät in
Kennzeichnung alle wesentlichen Informationen bestimmten Zonen eingesetzt werden darf
für den sicheren Betrieb liefern. Außerdem sollen
6. die Zündschutzart/-arten, die das Betriebsmittel
alle Angaben vorhanden sein, die üblicherweise
erfüllt
für ein gleiches Gerät in industrieller Ausfertigung
erforderlich sind. 7. die Explosionsgruppe und
Explosionsuntergruppe, für die das
Betriebsmittel geeignet ist
Inhalt der Kennzeichnung nach
8. die Temperaturklasse (G) oder max.
RL 2014/34/EU und EN-Normen Oberflächentemperatur (D), der das
In der RL 2014/34/EU sind die Forderungen Betriebsmittel genügt
und Bewertungen (inkl. der Kennzeichnung) für
9. das Geräteschutzniveau (EPL nach EN 60079-0
elektrische und nicht-elektrische „Geräte und
und EN ISO 80079-36) und der Einsatzbereich
Schutzsysteme zur bestimmungsgemäßen Ver-
Gase und Dämpfe (G), Stäube (D) oder Bergbau
wendung in explosionsgefährdeten Bereichen“
(M) die aussagen, ob das Gerät in bestimmten
einheitlich definiert. Die Kennzeichnung der Geräte
Zonen eingesetzt werden darf
und Komponenten wird zusätzlich in den Normen
für die allgemein technischen Forderungen 10. Die ggf. einzuhaltenden besonderen
(EN 60079-0 für elektrische Geräte oder EN ISO Verwendungsbedingungen, erkennbar an einem
80079-36 für nicht-elektrische Geräte) festgelegt. X hinter der Bescheinigungsnummer (Kategorie 1
und 2) oder der Zündschutzart (Kategorie 3, wenn
Die Gesamtkennzeichnung eines ATEX-Gerätes keine freiwillige Baumusterprüfbescheinigung
oder -Komponente setzt sich demnach aus den vorliegt)
Forderungen der RL 2014/34/EU und den Forderun-
11. die Prüfbescheinigung mit der Prüfstelle, dem
gen der EN-Normen zusammen. Beide Quellen
Jahr der Ausstellung und die Registriernummer
definieren zum Teil gleiche Anforderungen.
der Bescheinigung bei der Prüfstelle,
Dadurch ergeben sich redundante Informationen
z. B. PTB 20 ATEX 9999 X
auf dem Kennzeichnungsschild. Ob und wann diese
doppelten Informationen abgeglichen werden, ist Die Kennzeichnung nach EU-Richtlinie 2014/34/EU
nicht abschätzbar. sieht für alle Geräte beispielsweise wie folgt aus:

Aus der Kennzeichnung soll erkennbar sein: 0044 II 2 G - Gas/Dampf


0044 II 2 D - Staub
1. der Hersteller, der das Gerät in Verkehr gebracht
hat mit Name und Adresse
Konformitätszeichen
2. die Typ-Bezeichnung, nach der das Gerät 0044 Kennnummer, benannte Stelle, die - wo
identifizierbar ist erforderlich -das QS-System (bei Serien-
fertigung) zertifiziert oder die Produkte (bei
3. der Einsatzbereich, unter Tage I oder übrige
Einzelfertigung) überprüft hat
Bereiche II

4. der Einsatzbereich, Gase und Dämpfe (G), Stäube


(D) oder Gruben (M)

38
Kennzeichnung nach IECEx 4. die Explosionsgruppe und
Explosionsuntergruppe, für die das
System auf Basis von ISO- Betriebsmittel geeignet ist
oder IEC-Normen 5. die Temperaturklasse (G) oder die max.
International wird die Kennzeichnung der Ex-Geräte Oberflächentemperatur (D), der das
und Komponenten in IEC-Normen definiert. Die Betriebsmittel genügt
wesentlichen Punkte zur Kennzeichnung und
6. das Geräteschutzniveau (EPL nach IEC 60079-0
Information sind in den Normen für die allgemeine
Reihe) und der Anwendungsbereich Gase und
technische Anforderung (IEC 60079-0 bzw. ISO
Dämpfe (G), Stäube (D) oder Bergbau (M) gefolgt
80079-36) und die Zündschutzarten (IEC 60079-
von einer Schutzstufe a, b oder c, die angibt,
Reihe bzw. ISO 80079-37) festgelegt.
ob das Gerät in bestimmten Zonen eingesetzt
werden darf
Aus der Kennzeichnung soll erkennbar sein:
7. Die ggf. einzuhaltenden spezifischen
1. der Hersteller des Gerätes
Einsatzbedingungen, erkennbar an einem (X)
2. die Typ-Bezeichnung, nach der das Gerät hinter der Konformitätsbescheinigung
identifizierbar ist
8. Die Konformitätsbescheinigung mit der IECEx-
3. die Zündschutzart/-arten, die das Betriebsmittel Zertifizierungsstelle, dem Ausstellungsjahr und
erfüllt der Registriernummer des Zertifikats bei der
IECEx ExCB z. B. IECEx PTB 20.9999 X

39
Grundlagen Explosionsschutz

Einsatzbereiche –
Gerätekategorien –
Geräteschutzniveaus
Die nachfolgende Tabelle beschreibt die Einsatz-
bereiche von Geräten und Komponenten nach
ihrer Gerätegruppe und Gerätekategorie bzw. dem
Geräteschutzniveau.

Explosionsgefährdeter Bereich Geräte

Bedingungen und Einteilung Erforderliche Kennzeichnung des Betriebsmittels

Brennbare Temporäres Verhalten Einteilung Gerätegruppe Gerätekategorie Gerätegruppe Geräteschutz-


Stoffe der explosionsfähigen explosionsge- im Sinne der im Sinne der im Sinne der niveau
Atmosphäre fährdeter RL 2014/34/EU RL 2014/34/EU EN IEC 60079-0 (EPL) im Sinne der
Bereiche EN ISO 80079-36 EN IEC 60079-0
EN ISO 80079-36

Gase ist ständig, langzeitig Zone 0 II 1G II Ga


Dämpfe oder häufig vorhanden

tritt im Normalbetrieb Zone 1 II 2G oder 1G II Gb oder Ga


gelegentlich auf

tritt im Normalbetrieb Zone 2 II 3G oder II Gc oder


normalerweise nicht auf 2G oder 1G Gb oder Ga
oder aber nur kurzzeitig

Stäube ist in Form einer Wolke Zone 20 II 1D III Da


ständig, langzeitig oder
häufig vorhanden

tritt im Normalbetrieb Zone 21 II 2D oder 1D III Db oder Da


in Form einer Wolke auf

tritt im Normalbetrieb Zone 22 II 3D oder III Dc oder


in Form einer Wolke 2D oder 1D Db oder Da
normalerweise nicht auf
oder aber nur kurzzeitig
Methan Betrieb bei - II M1 I Ma
Kohlestaub Explosionsgefahr

Abschaltung bei - I M2 oder M1 I Mb oder Ma


Explosionsgefahr

Tabelle 7

40
Elektrisches Gerät – Gas/Dampf und Staub

Kennzeichnungsbeispiel gemäß Richtlinie 2014/34/EU nach Reihe


EN 0079 und IECEx System nach Reihe IEC60079

B 5 11 13 A

Allgemeine Herstellerangaben
A Hersteller Name und Adresse
Typ 07-3513 B Typ-Nummer des Produktes
C Sonstige Angaben mit Relevanz
97980 Bad Mergentheim
CML 14 ATEX 3073 X Germany
für industrielle Geräte

II 2G Ex db eb IIC T6 Gb
3
II 2D Ex tb IIIC T80°C Db 2020 14
IECEx CML 14.0029
Ex d e IIC T6 Gb
12
< <
-55°C Ta +60°C Ui 690 V NCC 14.02974 0044

Abbildung 8

4 7 6 8 C 9 10 1 2

Ex spezifische Angaben (Kennzeichnung)


ATEX-Richtlinie und EN-Normen IECEx-System und IEC-Normen
1 Konformitätszeichen (CE)
2 Kennnummer der notifizierten Stelle, die - wo erforderlich
- das QS System zertifiziert oder die Produkte überprüft
hat (Kategorie 1 und 2)
3 Ex-Zeichen (Gemeinschaft Epsilon x Logo)
4 Gerätegruppe II - übrige Bereiche (über Tage)
Gerätekategorie 2 entweder Gase/Dämpfe G, geeignet für
Zone 1 und 2 oder Stäube D, geeignet für Zone 21 und 22
(siehe Tabelle 7)
5 EU-Baumusterprüfbescheinigung 6 IECEx Certificate of Conformity (CoC)
Name oder Symbol der Prüfstelle, Jahr und Name oder Symbol der Prüfstelle, Jahr und
Registrierungsnummer der Prüfstelle Registrierungsnummer der Prüfstelle
7 Explosionsschutz nach der Reihe EN 60079-0, 7 Explosionsschutz nach der Reihe EN 60079-0,
Zündschutzart "druckfeste Kapselung" und "erhöhte Zündschutzart "druckfeste Kapselung" und "erhöhte
Sicherheit" (Gas) - Kennzeichnung Ex d und Ex e, "Schutz Sicherheit" (Gas) - Kennzeichnung Ex d und Ex e, "Schutz
durch Gehäuse" (Staub) - Kennzeichnung Ex t alle durch Gehäuse" (Staub) - Kennzeichnung Ex t alle
Zündschutzarten mit hohem Schutzniveau b Zündschutzarten mit hohem Schutzniveau b
8 Explosionsgruppe IIC (am leichtesten entzündbare Gase), Explosionsgruppe IIIC (leitfähige Stäube)
9 Temperaturklasse T6 (Gas), max. Oberflächentemperatur +80 °C (Staub)
10 Geräteschutzniveau Gb (hohes Schutzniveau) (Gas), Geräteschutzniveau Db (hohes Schutzniveau) (Staub)
(siehe Tabelle 7)
11 1. "X" besondere Bedingungen beachten: z. B. Das Leuchtmodul ist so zu errichten, dass es vor einer
Stoßenergie gemäß EN IEC 60079-0 mechanisch geschützt ist.
2. "U" Ex-Bauteil mit Teilbescheinigung alleine nicht einsatzfähig. CE-Konformität wird mit dem Einbau in ein
komplettes Betriebsmittel bescheinigt. Komponenten haben keine Temperaturklasse.
12 Umgebungstemperaturbereich
13 Kennzeichnung nach INMETRO (Beispiel)
14 Jahr der Herstellung

41
Grundlagen Explosionsschutz

Nicht-elektrisches Gerät – Gas/Dampf und Staub

Kennzeichnungsbeispiel gemäß Richtlinie 2014/34/EU nach


EN ISO 80079-36 und IECEx System nach ISO 80079-36

B A

Allgemeine Herstellerangaben
Beispiel
A Hersteller Name und Adresse
Typ 7BA16 B Typ-Nummer des Produktes
C Sonstige Angaben mit Relevanz
Nr. 12345678
6 n1 1350 min-1 97980 Bad Mergentheim
für industrielle Geräte
(getriebespezifische Angaben)
IECEx DMT 20.9999 X p1 0,2 kW Germany
5
3 II 2G Ex h IIC T4 Gb X n2 20 min-1
2020 6
II 2D Ex h IIIB T110°C Db M2 100 Nm
Ta -20 bis -40 °C FR2 3,5 kN
12

Abbildung 9

4 7 8 9 10 11 C 1 2
(Fallbeispiel)

Ex spezifische Angaben (Kennzeichnung)


ATEX-Richtlinie und EN-Normen IECEx-System und ISO-Normen
1 Konformitätszeichen (CE)
2 Kennnummer der notifizierten Stelle, die - wo erforderlich
- das QS System zertifiziert oder die Produkte überprüft
hat (nur bei Kategorie 1)
3 Ex-Zeichen (Gemeinschaft Epsilon x Logo)
4 Gerätegruppe II - übrige Bereiche (über Tage)
Gerätekategorie 2 entweder Gase/Dämpfe G, geeignet für
Zone 1 und 2 oder Stäube D, geeignet für Zone 21 und 22
(siehe Tabelle 7)
5 EU-Baumusterprüfbescheinigung 5 IECEx Certificate of Conformity (CoC)
Name oder Symbol der Prüfstelle, Jahr und Name oder Symbol der Prüfstelle, Jahr und
Registrierungsnummer der Prüfstelle (nur bei Kategorie 1 Registrierungsnummer der Prüfstelle (in IECEx-
oder oder auf freiwilliger Basis für Kategorie 2) Geschäftsordnung zwingend erforderlich für jede EPL)
6 Jahr der Herstellung
7 Explosionsschutz nach EN ISO 80079-36, -37 Alle 7 Explosionsschutz nach ISO 80079-36, -37
Zündschutzarten - Kennzeichnung Ex h Alle Zündschutzarten - Kennzeichnung Ex h
8 Explosionsgruppe IIC (die meisten leicht entzündlichen Gase), Explosionsgruppe IIIB (nicht leitfähige Stäube)
9 Temperaturklasse T4 (Gas), max. Oberflächentemperatur T110 °C (Staub)
10 Geräteschutzniveau Gb (hohes Schutzniveau) (Gas), Geräteschutzniveau Db (hohes Schutzniveau) (Staub)
(siehe Tabelle 7)
11 1. "X" besondere Bedingungen beachten: z. B. das Getriebe ist nur in bestimmter Einbaulage einzubauen.
2. "U" Ex-Bauteil mit Teilbescheinigung alleine nicht einsatzfähig. CE-Konformität wird mit dem Einbau in ein
komplettes Betriebsmittel bescheinigt. Komponenten haben keine Temperaturklasse.
12 Umgebungstemperaturbereich

42
Konformität
Wege zur Konformität und zur
- Kennzeichnung nach RL
2014/34/EU
In der RL 2014/34/EU sind die
Konformitätsbewertungsverfahren für "Geräte
und Schutzsysteme zur bestimmungsgemäßen
Verwendung in explosionsgefährdeten Bereichen"
festgelegt.

Abhängig von der Gerätekategorien schreibt die


Richtlinie vor, welchen Weg der Hersteller bis
zur Anfertigung der EU-Konformitätserklärung
einzuhalten hat. Nachfolgende Übersicht zeigt diese
Wege für die unterschiedlichen Gerätekategorien.

Verfahren zur Konformitätsbewertung

Geräte der Gruppe I und II,


Geräte der Gruppe I und II, Geräte der Gruppe II,
Kategorie M1 und 11)
Kategorie M2 und 2 1) Kategorie 31)
und autonome Schutzsysteme

Verbrennungsmotor oder
elektrisches Gerät
ja nein

Interne Interne
EU-Baumuster-Prüfung EU-Baumuster-Prüfung
Fertigungs- Fertigungs-
Anhang III Anhang III
kontrolle kontrolle
Anhang VIII Anhang VIII

und und
entweder/ entweder/
oder oder
Technische
Dokumentation
an die
Konformität benannte
QS-Produktion Prüfung Produkt QS-Produkt
mit Bauart Stelle
Anhang IV Anhang V Anhang VII
Anhang VI übermitteln

EU- EU- EU- EU- EU- EU-


Konformitäts- Konformitäts- Konformitäts- Konformitäts- Konformitäts- Konformitäts-
erklärung erklärung erklärung erklärung erklärung erklärung

CE-Zeichen
CE-Zeichen mit CE-Zeichen mit CE-Zeichen mit CE-Zeichen mit CE-Zeichen ohne
ohne
Kennnummer 2) Kennnummer 2) Kennnummer 2) Kennnummer 2) Kennnummer 2)
Kennnummer 2)

Abbildung 10
1)
und deren Geräte und Komponenten, wenn gesondert bescheinigt.
2)
Kennnummer der notifizierten Stelle, die das QS-System zertifiziert oder die Produkte überprüft hat.

43
Grundlagen Explosionsschutz

Konformität nach dem werden, unabhängig vom Geräteschutzniveau.


Das Ergebnis der Prüfung ist ein IECEx-
IECEx-System Konformitätsbescheinigung. Gleichzeitig muss
Das IECEx-System legt die Verfahren für die Prüfung der Hersteller sein Qualitätsmanagementsystem
und Zertifizierung von elektrischen Geräten zum (bei Serienfertigung) durch eine IECEx-
Einsatz in Ex-Bereichen fest. Es müssen alle Geräte Zertifizierungsstelle prüfen und auditieren lassen.
von einem IECEx ExTL (Ex-Prüflabor) geprüft und von Alternativ besteht auch die Möglichkeit einer
einer IECEx ExCB (Zertifizierungsstelle) zertifiziert sogenannten Unit Verification.

IECEx-Konformitätszertifikat (IECEx CoC) Anerkanntes Qualitätsmanagementsystem (QAR)

Hersteller beantragt für sein Produkt (alle EPLs) ein IECEx


Hersteller beantragt QAR bei einer ExCB
CoC bei einer Zertifizierungsstelle (ExCB)

Die ExCB prüft und beurteilt das Produkt mit einem ExCB auditiert Quality Management System
Prüflabor (ExTL) des Herstellers

ExTL erstellt einen Prüfbericht (ExTR), der durch


das ExCB validiert wird und das ExCB prüft den QAR ExCB führt ein Monitoring-/Überwachungssystem ein
(für die Serienproduktion)

ExCB veröffentlicht das IECEx CoC im ExCB veröffentlicht QAR Bericht im


IECEx-Online-System IECEx-Online-System

Abbildung 11

ExCB (Ex Certification Body)


unterliegt Auditierung, Anerkennung; stellt ExTR, QAR und CoC aus

ExTL (Ex Testing Laboratory)


unterliegt Auditierung, Anerkennung; prüft auf Übereinstimmung mit den IEC oder ISO-Normen

ExTR (IECEx Test Report)


Von ExTL auf Basis einheitlicher Formblätter erstellt, von ExCB freigegeben

QAR (IECEx Quality Assessment Report)


Nach Audit des QMS (Quality Management System) eines Herstellers von ExCB ausgestellt

CoC (IECEx Certificate of Conformity)


Bauart entspricht IEC-Normen (ExTR); Fertigung unter anerkanntem QMS (QAR)
für Serienproduktion oder Einzelprüfbescheinigung für Einzelfertigung

44
ATEX- und IECEx-System im Vergleich
Zertifizierung ATEX IECEx
Gesetzlich erforderlich in der EU Freiwillig in der EU
Unterschiedliche Akzeptanz weltweit
Prüfung und Konformität Gerätekategorie 1 und 2 Gerätekategorie 3 Geräteschutzniveau (EPL a, b, c)
elektrischer Geräte
– anerkanntes QS-System – Freiwillige – Quality Assessment Report (QAR)
– EU-Baumusterprüfbescheinigung Baumusterprüfbescheinigung – Test Report (ExTR)
– EU-Konformitätserklärung – Interne Fertigungskontrolle – Certificate of Conformity (CoC)
– CE-Kennzeichnung – EU-Konformitätserklärung – Kennzeichnung
– CE-Kennzeichnung
Prüfung und Konformität Gerätekategorie 1 Gerätekategorie 21) und 3 Geräteschutzniveau (EPL a, b, c)
nicht-elektrischer Geräte – anerkanntes QS-System – Freiwillige – Quality Assessment Report (QAR)
– EU-Baumusterprüfbescheinigung Baumusterprüfbescheinigung – Test Report (ExTR)
– EU-Konformitätserklärung – Interne Fertigungskontrolle – Certificate of Conformity (CoC)
– CE-Kennzeichnung – EU-Konformitätserklärung – Kennzeichnung
– CE-Kennzeichnung
1)
Hinterlegung der technischen
Dokumentation bei einer
notifizierten Stelle

Zertifikate Hersteller (oft online) IECEx Online Datenbank

Reparaturwerkstätten keine EU-zertifizierten Werkstätten (national geregelt) Certified Service Facilities

Servicepersonal keine EU-zertifizierten Personen (national geregelt) Certified Competent Persons

Zoneneinteilung keine EU-zertifizierten Stellen (national geregelt) Certified Service Facilities (im Aufbau)

Anbieter von Schulungen keine EU-anerkannten Schulungsanbieter Anerkannte Schulungsanbieter

Tabelle 8

Weitere Informationen zum Explosionsschutz


Rubrik Ex-Schutz-Informationen auf der Seite www.bartec.de/safet-academy

45
BARTEC

Safety Academy
Max-Eyth-Str. 16
97980 Bad Mergentheim
Deutschland

Tel.: +49 7931 597 0


Fax: +49 7931 597 119
Mail: info@bartec.com

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D-D-EXC700588 - 04/2021 - 119138

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