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Tag 2 Teil 2 - 1 Geomorphologie und Quartärforschung WS 2021/22

Geomorphologie und
Quartärforschung

Relative Datierungsmethoden
in Theorie und Praxis

WS 2021/2022
(09-Geo-SPG3) Spezielle Physische Geographie 3
Stefan Winkler
Tag 2 Teil 2 - 2 Geomorphologie und Quartärforschung WS 2021/22

Relative Datierungsmethoden I
Lichenometrie

Bickerton & Matthews 1993


Tag 2 Teil 2 - 3 Geomorphologie und Quartärforschung WS 2021/22

Lichenometrie
Grundprinzip:
• Flechten als robuste symbiotische Organismen besiedeln frisch exponierte Gesteins- oder
Blockoberflächen unterschiedlichster Landformen recht schnell und nach ihrer Etablierung
nimmt ihre Größe proportional zum Alter relativ langsam konstant zu.
• Zur Lichenometrie geeigneten Flechtenspezies bilden eine klar definierbare Thallusmorpho-
logie, so dass die Größe (d.h. das Wachstums) dieser Flechtenthalli erfassenden Parameter
(z.B. durchschnittlicher Durchmesser einer festgelegten Anzahl von Individuen auf einer
bestimmten Fläche) ein relatives Expositionsalter der Moräne etc. der liefert.
• Die Ansprüche dieser Spezies an Umweltbedingungen müssen gering, so dass mikroökologi-
sche Faktoren die altersspezifische räumliche Verbreitung nicht in den Hintergrund drängen.
• Die Kombination mit Fixpunkten (historische Belege etc.) erlaubt die Konstruktion regionaler
Wachstums-/Datierungskurven für die jeweilige Flechtenpopulation (nicht die Einzelflechte !).
Tag 2 Teil 2 - 4 Geomorphologie und Quartärforschung WS 2021/22

Lichenometrie
Grundprinzip:
• Flechten sind symbiotische Organismen: (a)
Mycobiont (lichenisierte Pilze: z.B. Schlauch-/ Ständer-
pilze); (b) Phytobiont (Algen: Grün- und Blaualgen)
• Definition: “Assoziation von Pilzen mit photosynthe-
tischen Symbionten, resultierend in einem stabilem
Thallus von spezifischer Struktur”.
• Geschichteter Aufbau aus gemeinsamer Schicht,
welche oben und unten von Schutzschicht aus Pilzen
umgeben ist
• Krustenflechten (krustose Flechten) sind auf ganzer
Fläche mit dem Untergrund (Gesteinsblock etc.)
verbunden, foliose Flechten nicht

Rhizocarpon subgenus Rhizocarpon

1. Section: Superficiale
2. Section: Alpicola
3. Section: Viridatrum
4. Section: Rhizocarpon

(nach POELT 1988)


Tag 2 Teil 2 - 5 Geomorphologie und Quartärforschung WS 2021/22

Lichenometrie
Grundprinzip:
• Rhizocarpon subgenus normalerweise
angewendete Flechtenspezies: tritt
global auf nicht-carbonatischem Gestein
auf und ist extrem widerstandsfähig
• Verschiede Messverfahren, verbreitet
Durchschnitt der 5 oder 10 größten
Thalli eines Messareals
• Ideal sind mehrere Messareale und
das “green zone”-Konzept (optimale
mikro-ökologischen Standorte)
Winkler 2004
Unverzichtbar für erfolgreiche Anwendung:
• Das Messdesign (Größe Messareal, morphologische
Position, Anzahl der gemessenen Flechten etc. ) muss
immer identisch sein ⇒ Grundregel relativer Datierung
• Messdesign muss genetischem Prozess angepasst
sein (z.B. proximal bei Moränen)
• Sorgfältige Suche erforderlich (Schattenlage bevor-
zugt – Feuchtigkeitsangebot entscheidend)
Rhizocarpon subgenus
Tag 2 Teil 2 - 6 Geomorphologie und Quartärforschung WS 2021/22

Lichenometrie
Grundprinzip:

Alte Flechtenpopulation (> 200 a) mit vielen


zusammengewachsenen Flechten (unter-
schiedlicher Spezies)
• Wenig geeignet für exakte Datierungen
• Größere Unsicherheit da kein optimaler
mikro-ökologischer Standort (Moränenkamm)

Junge Flechtenpopulation (~ 70 a) mit


gut ausgebildete Flechtenthalli (und
schwarzen Hypothalli als Abgrenzung)
• Einfache Identifikation der Individuen
• Gute Eignung für Datierung und i.d.R.
exakte Altersansprache
• Suche nach größeren Flechten biswei-
len zeitaufwendig
Tag 2 Teil 2 - 7 Geomorphologie und Quartärforschung WS 2021/22

Lichenometrie
Anwendung:

Gesicherter Anwendungszeitraum Der Lichenometrie im Regelfall einige hundert Jahre (d.h. für
die „Kleine Eiszeit“ bis maximal 400 - 500 Jahre zurück, selten länger) – Gründe:
• Zusammenwachsen der Flechtenthalli (individuelle Thalli nicht eindeutig zu identifizieren)
• Schwierigkeit der Ausweisung von Fixpunkten mit ausreichender Präzision
⇒ Schwierigkeiten und große Unsicherheiten mit der Extrapolation
• Unsicherheiten über den Trend/Verlauf der Wachstumskurve bei sehr alten Flechten (geringer
Erfahrungswert und zunehmende Mortalität der Flechten)
• Kalkulation der Datierungskurven zusammen mit verlässlichen Fixpunkten entscheidend für
die Qualität der Datierung: empirische Studien zeigen, dass semi-logarithmisch Funktionen die
besten Resultate liefern (d.h. Abnahme des Wachstums mit dem Alter, aber nicht exponentiell)
• Mögliche Auflösung: im Idealfall wenige Jahre (abhängig von Qualität der Fixpunkte)

Winkler Bickerton &


2003 Matthews 1993
Tag 2 Teil 2 - 8 Geomorphologie und Quartärforschung WS 2021/22

Lichenometrie
Anwendung:
Nigardsbreen/Norwegen

1748

ca. 1850

1869
Winkler 2020
Tag 2 Teil 2 - 9 Geomorphologie und Quartärforschung WS 2021/22

Lichenometrie
Anwendung:
Nigardsbreen/Norwegen

1748

ca. 1850
Bickerton & Matthews 1992

1869
Winkler 2020
Tag 2 Teil 2 - 10 Geomorphologie und Quartärforschung WS 2021/22

Lichenometrie
Anwendung:

Svartisen

Winkler (2003)
Tag 2 Teil 2 - 11 Geomorphologie und Quartärforschung WS 2021/22

Lichenometrie
Anwendung:

Svartisen

Winkler (2003)
Tag 2 Teil 2 - 12 Geomorphologie und Quartärforschung WS 2021/22

Lichenometrie
Anwendung:

Svartisen

Karlén 1979

Winkler (2003)
Tag 2 Teil 2 - 13 Geomorphologie und Quartärforschung WS 2021/22

Lichenometrie
Anwendung:
Øvre Beiarbre

Austre Okstindbre
Austerdalsisen

Winkler (2003)
Tag 2 Teil 2 - 14 Geomorphologie und Quartärforschung WS 2021/22

Lichenometrie
Anwendung:

Bull 2014
Tag 2 Teil 2 - 15 Geomorphologie und Quartärforschung WS 2021/22

Relative Datierungsmethoden II
SRD (Schmidt-hammer relative-age dating)
SHD (Schmidt-hammer exposure-age dating)
Tag 2 Teil 2 - 16 Geomorphologie und Quartärforschung WS 2021/22

Schmidt-Hammer SRD/SHD
Grundprinzip:
• Die Oberflächenhärte von Gesteins-/Blockoberflächen gleicher Lithologie ist primär eine
Funktion des Grades der oberflächlichen Verwitterung bzw. des Faktors Zeit (seit Exposition)
• Eine Messung des oberflächlichen Verwitterungsgrads über die Oberflächenhärte/Kompres-
sionsstärke liefert ein (zunächst) relatives Expositionsalter
• Der Schmidt-Hammer (original ein Betonprüfhammer) liefert durch seinen “Rückprallwert” (R-
Wert) ein Maß für diese Kompressionsstärke = oberflächliche Verwitterung = Expositionsalter

R(ückprall)-Wert
⇒ Oberflächenhärte
⇒ Verwitterungsgrad
⇒ Expositionsalter (relativ)
Tag 2 Teil 2 - 17 Geomorphologie und Quartärforschung WS 2021/22

Schmidt-Hammer SRD/SHD
Grundprinzip:
Voraussetzungen für erfolgreiche Anwendung:
• Homogene Lithologie und Block-/Gesteinsober-
fläche (möglichst) frei von Flechten etc.
• Impakt mit Abstand zu Kanten und sichtbaren
Rissen oder anderen Schwachstellen
• Block bei Test keine Bewegung (Mindestgröße)
• Hohe Anzahl an Impakten bzw. getesteten
Blöcken an jeder Lokalität
• Testdesign muss einheitlich sein (= Grundprinzip
jeder relativen Datierungsmethode), kann aber je
nach individueller Studie vorab angepasst werden
Tag 2 Teil 2 - 18 Geomorphologie und Quartärforschung WS 2021/22

Schmidt-Hammer SRD/SHD
Grundprinzip:
• Originaler Schmidt-Hammer misst den Rück-
prallwert mechanisch (Rückpralldistanz), neuer
elektronischer Schmidt-Hammer (RockSchmidt)
mittels Sensor (Rückprallgeschwindigkeit)
• Rückprallwert bei RockSchmidt winkelunab-
hängig und Messung wird intern gespeichert
⇒ gesteigerte Effizienz: Höhere Anzahl von
Messungen pro Tag, Verzicht auf Geländehelfer

N-Typ:
Schlagenergie 2,207 Nm
L-Typ:
Schlagenergie 0,735 Nm
Tag 2 Teil 2 - 19 Geomorphologie und Quartärforschung WS 2021/22

Schmidt-Hammer SRD/SHD
Anwendung:

• Methode besonders geeignet für blockreiche glaziale und periglaziale Landformen (z.B.
Moränen, Blockgletscher) bzw. glazial überformte Gesteinsoberflächen
• Für Vergleich unterschiedlicher Lokalitäten Berechung von Mittelwerten und anderen statisti-
schen Parametern (z.B. per Konvention häufig die 95% Konfidenz)
• Ggf. Erstellung von Histogrammen zur Detektion bimodaler Verteilungen und Anwendung
statistischer Tests (Kuskal-Wallis, U-Test etc.) zur Prüfung statistischer Signifikanz
• Maximale Auflösung: wenige hundert Jahre; Anwendungszeitraum in Abhängkeit von Gesteins-
typ (Geschwindigkeit der oberflächlichen Verwitterung) bis einschließlich das Spätglazial
• Erfolgreiche Anwendung auf Moränen, Blockgletschern, Massenbewegungen, (glazi)fluvialen
Terrassen, marinen Strandwällen, Frostmusterböden, periglazialen Blockfeldern etc.

MMM
LIA

Foliage Hill

White Horse
Hill

Reznichenko et al. 2016


Tag 2 Teil 2 - 20 Geomorphologie und Quartärforschung WS 2021/22

Schmidt-hammer exposure-age dating (SHD)


Anwendung:
• Da beide Methoden Expositionsalter von Block-
oberflächen liefern, kann der Schmidt-Hammer
(SRD) mit der numerischer Datierungsmethode
TCND kombiniert werden ⇒ SHD
• TCND-Alter dienen als Fixpunkte für eine Kali-
brierungskurve des lokalen/regionale Gesteins
• Vorteil dieser Kombination ist eine numerische
Altersabschätzungen in Verbindung mit großem
Probenumfang (Repräsentativität)
⇒ ideal für dynamische Prozess-Systeme
Matthews & Owen 2010

• Bei homogener Lithologie ist die Erstellung regionaler SHD-Kalibrierungs-


kurven möglich (Jotunheimen, Jostedalen, Aoraki/Mt.Cook NP)
• Einsatz auch mit wenigen oder bei fehlenden lokalen Fixpunkten mit
akzeptabler Genauigkeit (bei geringem finanziellen Spielraum)
• Verlauf der Kalibrierungskurven empirisch recht gut abgesichert, für das
Holozän scheint linearer Verlauf der Normalfall zu sein
• Gegenseitige Überprüfung von TCND und Schmidt-Hammer erhöht die
Zuverlässigkeit von Datierungen (“Multi-proxy approaches”)
Tag 2 Teil 2 - 21 Geomorphologie und Quartärforschung WS 2021/22

Schmidt-Hammer SRD/SHD
Anwendung:
Regionale SHD-Kalibrierungskure für
Jotunheimen/Jostedalsbreen
(Matthews & Owen 2010)
Tag 2 Teil 2 - 22 Geomorphologie und Quartärforschung WS 2021/22

Schmidt-Hammer SRD/SHD
Anwendung:
Regionale SHD-Kalibrierungskure für
Jotunheimen/Jostedalsbreen
(Matthews & Owen 2010)
Tag 2 Teil 2 - 23 Geomorphologie und Quartärforschung WS 2021/22

Schmidt-Hammer SRD/SHD
Anwendung:
Regionale SHD-Kalibrierungskure für
Jotunheimen/Jostedalsbreen
(Matthews & Owen 2010)
Tag 2 Teil 2 - 24 Geomorphologie und Quartärforschung WS 2021/22

Schmidt-Hammer SRD/SHD
Anwendung:

Strauchon Glacier / NZ

Winkler 2014
Tag 2 Teil 2 - 25 Geomorphologie und Quartärforschung WS 2021/22

Schmidt-Hammer SRD/SHD
Anwendung:
SS 138.1
16
14
12
10
8
6
4
2
0

SS 177.5 SS 193.2
14 18

12 16
14
10
12
8 10
6 8
6
4
4
2 2
0 0 Strauchon Glacier / NZ

Winkler 2014
Tag 2 Teil 2 - 26 Geomorphologie und Quartärforschung WS 2021/22

Schmidt-Hammer SRD/SHD
Anwendung:

Strauchon Glacier / NZ

Winkler 2014
Tag 2 Teil 2 - 27 Geomorphologie und Quartärforschung WS 2021/22

Schmidt-Hammer SRD/SHD
Anwendung:

Strauchon Glacier / NZ

Winkler 2014
Tag 2 Teil 2 - 28 Geomorphologie und Quartärforschung WS 2021/22

Schmidt-Hammer SRD/SHD
Anwendung:

Strauchon Glacier / NZ

Winkler 2014
Tag 2 Teil 2 - 29 Geomorphologie und Quartärforschung WS 2021/22

Schmidt-Hammer SRD/SHD
Anwendung:

Strauchon Glacier / NZ

Winkler 2014
Tag 2 Teil 2 - 30 Geomorphologie und Quartärforschung WS 2021/22

Relative Datierungsmethoden III


Verwitterungsrinden (Weathering-rind thickness)
Grundprinzip:
• Gesteins- und Blockoberflächen unterliegen nach
Exposition der subaërischen Verwitterung
• Der Verwitterungsgrad steigt proportional zum Faktor
Zeit an (d.h. je länger exponiert, desto stärker verwittert).
• In verschiedenen Gesteinen entwickeln sich Verwit-
terungsrinden (mm/cm-Mächtigkeit)
• Die Mächtigkeit/Stärke der Verwitterungsrinden steigt
proportional zum Expositionsalter
• Vergleichbarer Ansatz zum Schmidt-Hammer (Verwitte-
rung kausal verknüpft mit Faktor Zeit)
• Ursprünglich Einsatz als relative Datierungsmethode
• Kombination mit numerischen Datierungsmethoden
(TCND, 14C) ergibt Fixpunkte und erlaubt Konstruktion
regionaler (gesteinspezifischer Datierungskurven)
• Anwendungszeitraum der Methode vergleichbar mit
SRD/SHD, d.h. Holozän und Spätglazial ggf. LGM
• Maximale Auflösung etwas schlechter als SRD/SHD –
d.h. mehrere hundert Jahre
Tag 2 Teil 2 - 31 Geomorphologie und Quartärforschung WS 2021/22

Relative Datierungsmethoden III


Verwitterungsrinden (Weathering-rind thickness)
Grundprinzip:
• Gesteins- und Blockoberflächen unterliegen nach
Exposition der subaërischen Verwitterung
• Der Verwitterungsgrad steigt proportional zum Faktor
Zeit an (d.h. je länger exponiert, desto stärker verwittert).
• In verschiedenen Gesteinen entwickeln sich Verwit-
terungsrinden (mm/cm-Mächtigkeit)
• Die Mächtigkeit/Stärke der Verwitterungsrinden steigt
proportional zum Expositionsalter
• Vergleichbarer Ansatz zum Schmidt-Hammer (Verwitte-
rung kausal verknüpft mit Faktor Zeit)
• Ursprünglich Einsatz als relative Datierungsmethode
• Kombination mit numerischen Datierungsmethoden
(TCND, 14C) ergibt Fixpunkte und erlaubt Konstruktion
regionaler (gesteinspezifischer Datierungskurven)
• Anwendungszeitraum der Methode vergleichbar mit
SRD/SHD, d.h. Holozän und Spätglazial ggf. LGM
• Maximale Auflösung etwas schlechter als SRD/SHD –
Amos et al. 2011
d.h. mehrere hundert Jahre
Tag 2 Teil 2 - 32 Geomorphologie und Quartärforschung WS 2021/22

Geomorphologie und
Quartärforschung

Stratigraphisch-chronologische
Datierungsmethoden (Kurzübersicht)

WS 2021/2022
(09-Geo-SPG3) Spezielle Physische Geographie 3
Stefan Winkler
Tag 2 Teil 2 - 33 Geomorphologie und Quartärforschung WS 2021/22

Stratigraphisch-chronologische Datierungsmethoden I
Dendrochronologie
Zwei differente Anwendungsbereiche:
1.) Direkte chronologische Datierung (ggf.
in Kombination mit 14C-Datierung)
2.) Klimaproxies (primär für sommerliche
Lufttemperaturen etc.)
• Nicht alle Baumarten geeignet (typische
Ausbildung von Jahresringen, z.B.
Kiefern oder Eichen in Mittelbreiten)
Prinzip: Zellenwachstum nur im Frühjahr
und Sommer bzw. jahreszeitlich unter-
schiedliche Zellgröße (klare Struktur)
⇒ Baumringe, reflektieren lokales Klima
Hauptprobleme:
• Fehlende oder unvollständige Ringe
(schlechtes Wachstumsjahr, Unter-
brechung des Wachstums im Frühjahr =
Pseudoringe); Abnahme der Ringweite
mit zunehmendem Alter (kalibrierbar);
“Floating chronologies” und Suche nach
„Markerjahren“ Bradley 2015
Tag 2 Teil 2 - 34 Geomorphologie und Quartärforschung WS 2021/22

Stratigraphisch-chronologische Datierungsmethoden I
Dendrochronologie

Sirocko 2009
Tag 2 Teil 2 - 35 Geomorphologie und Quartärforschung WS 2021/22

Dendrochronologie

Bradley 2015

• Problem der eindeutigen Identifikation von jährlich gebildeten


Ringen durch fehlende oder unvollständige Ringe (z.T. in
Abhängigkeit der Probenentnahme) etc.
• Notwendigkeit von Vergleichsproben und großer Expertise
Bradley 2015
Tag 2 Teil 2 - 36 Geomorphologie und Quartärforschung WS 2021/22

Dendrochronologie

Stoffel et al. 2013


Bradley 2015

• Problem der eindeutigen Identifikation von jährlich gebildeten


Ringen durch fehlende oder unvollständige Ringe (z.T. in
Abhängigkeit der Probenentnahme) etc.
• Notwendigkeit von Vergleichsproben und großer Expertise
Bradley 2015
Tag 2 Teil 2 - 37 Geomorphologie und Quartärforschung WS 2021/22

Dendrochronologie
Stoffel et al. 2013

Bradley 2015

• Problem der eindeutigen Identifikation von jährlich gebildeten


Ringen durch fehlende oder unvollständige Ringe (z.T. in
Abhängigkeit der Probenentnahme) etc.
• Notwendigkeit von Vergleichsproben und großer Expertise
Bradley 2015
Tag 2 Teil 2 - 38 Geomorphologie und Quartärforschung WS 2021/22

Dendrochronologie

Bradley 2015
Tag 2 Teil 2 - 39 Geomorphologie und Quartärforschung WS 2021/22

Dendrochronologie

Bradley 2015
Tag 2 Teil 2 - 40 Geomorphologie und Quartärforschung WS 2021/22

Dendrochronologie

Bradley 2015
Tag 2 Teil 2 - 41 Geomorphologie und Quartärforschung WS 2021/22

Dendrochronologie

Bradley 2015
Tag 2 Teil 2 - 42 Geomorphologie und Quartärforschung WS 2021/22

Dendrochronologie

• Praktische Anwendung der


Dendrochronologie (Beispiele)

Hubbard & Glasser 2005 Stoffel et al. 2013


Tag 2 Teil 2 - 43 Geomorphologie und Quartärforschung WS 2021/22

Dendrochronologie

• Praktische Anwendung der


Dendrochronologie (Beispiele)

Stoffel et al. 2013


Tag 2 Teil 2 - 44 Geomorphologie und Quartärforschung WS 2021/22

Dendrochronologie

Hubbard & Glasser 2005


Stoffel et al. 2013
Tag 2 Teil 2 - 45 Geomorphologie und Quartärforschung WS 2021/22

Dendrochronologie

• Praktische Anwendung der


Dendrochronologie in Gletscher-
vorfeldern

• Dendroglaziologie

Hubbard & Glasser 2005


Tag 2 Teil 2 - 46 Geomorphologie und Quartärforschung WS 2021/22

Dendrochronologie

• Praktische Anwendung der


Dendrochronologie in Gletscher-
vorfeldern

• Dendroglaziologie

Stoffel et al. 2013


Hubbard & Glasser 2005
Tag 2 Teil 2 - 47 Geomorphologie und Quartärforschung WS 2021/22

Dendrochronologie

• Praktische Anwendung der


Dendrochronologie in Gletscher-
vorfeldern

• Dendroglaziologie

Coulthard & Smith 2013

Stoffel et al. 2013

Hubbard & Glasser 2005


Tag 2 Teil 2 - 48 Geomorphologie und Quartärforschung WS 2021/22

Dendrochronologie

Coulthard & Smith 2013


Tag 2 Teil 2 - 49 Geomorphologie und Quartärforschung WS 2021/22

Dendrochronologie

Coulthard & Smith 2013


Tag 2 Teil 2 - 50 Geomorphologie und Quartärforschung WS 2021/22

Stratigraphisch-chronologische Datierungsmethoden II
Warvenchronologie

Klassische Methode, zuerst angewendet zur Datie-


rung des Eisrückzugs in Schweden (G.J. De Geer)
Prinzip: Unterschiedliche jahreszeitliche glazifluviale
Sedimentschichten (bzgl. Korngrößen, organischem
Gehalt, Farbe etc.) lagern sich in proglazialen Seen
oder im küstennahen Meeresbereich ab
• Eine “Warve” entspricht jeweils einer Sommer-
und einer Winterschicht (im Regelfall)
• Analog zum Verfahren bei der Dendrochronologie:
bei angenommener kontinuierlicher Bildung von
Strömberg 1983
jährlichen Warven erhält man individuelle Zeitreihen
• Durch Vergleich und Suche nach “Markerjahren”
können diese zusammengeführt werden
• Durch 14C-Datierung und Korrelation sind auch
numerische Altersansprachen möglich
Hauptproblem:
• Fehlende Warven oder nicht-annuelle Ablagerung Powell 2012
durch Einzelereignisse (massive subglaziale
Seeausbrüche o.ä.) können Chronologie stören
Strömberg 1983
Tag 2 Teil 2 - 51 Geomorphologie und Quartärforschung WS 2021/22

Warvenchronologie
Durch Warvenchronologie erzielt Chronologie des Eisrückzugs in Skandinavien

Prinzip der Korrelation von Warven

Ising 2001
Donner 2000
Tag 2 Teil 2 - 52 Geomorphologie und Quartärforschung WS 2021/22

Warvenchronologie
Durch Warvenchronologie erzielt Chronologie des Eisrückzugs in Skandinavien

Prinzip der Korrelation von Warven

Ising 2001
Donner 2000
Tag 2 Teil 2 - 53 Geomorphologie und Quartärforschung WS 2021/22

Warvenchronologie
Durch Warvenchronologie erzielt Chronologie des Eisrückzugs in Skandinavien

Prinzip der Korrelation von Warven

Ising 2001
Donner 2000
Tag 2 Teil 2 - 54 Geomorphologie und Quartärforschung WS 2021/22

Warvenchronologie

Prinzip der Korrelation von Warven

Ising 2001
Donner 2000
Tag 2 Teil 2 - 55 Geomorphologie und Quartärforschung WS 2021/22

Warvenchronologie

Bradley 2015
Tag 2 Teil 2 - 56 Geomorphologie und Quartärforschung WS 2021/22

Warvenchronologie

Bradley 2015
Tag 2 Teil 2 - 57 Geomorphologie und Quartärforschung WS 2021/22

Warvenchronologie

Zolitschka 2013
Tag 2 Teil 2 - 58 Geomorphologie und Quartärforschung WS 2021/22

Stratigraphisch-chronologische Datierungsmethoden III


Tephrochronologie

Tephra genereller Begriff für äolisches pyroklasti-


sches (fragmentiertes) Material, welche während
einer Eruption ausgestoßen wird.
Grundprinzip:
• Tephralagen lassen sich durch Chemismus und
physikalische Eigenschaften (Korngröße und –form)
individuellen Eruptionen zuordnen
• Diese Tephralagen stellen in einem Sedimentprofil
(Löß, See-/Meeressedimente etc.) eine unverwech-
selbare Zeitmarke dar
• Mittels der räumlichen Verbreitung von Tephra
sind Rückschlüsse auf die Ausdehnung von Eisschil-
möglich (keine permanente Akkumulation auf Eis)
• Tephralagen können radiometrisch (numerisch)
datiert werden, oder mittels Korrelation (z.B.
Eiskerne)
• Hauptproblem ist eine durch die Windrichtung
während der Eruption evtl. nur unregelmäßige
Verbreitung der Tephra selbst in der jeweiligen
vulkanischen Region
Alloway et al. 2013
Tag 2 Teil 2 - 59 Geomorphologie und Quartärforschung WS 2021/22

Stratigraphisch-chronologische Datierungsmethoden III


Tephrochronologie

Tephra genereller Begriff für äolisches pyroklasti-


sches (fragmentiertes) Material, welche während
einer Eruption ausgestoßen wird.
Grundprinzip:
• Tephralagen lassen sich durch Chemismus und
physikalische Eigenschaften (Korngröße und –form)
individuellen Eruptionen zuordnen
• Diese Tephralagen stellen in einem Sedimentprofil
(Löß, See-/Meeressedimente etc.) eine unverwech-
selbare Zeitmarke dar
• Mittels der räumlichen Verbreitung von Tephra
sind Rückschlüsse auf die Ausdehnung von Eisschil-
möglich (keine permanente Akkumulation auf Eis)
• Tephralagen können radiometrisch (numerisch)
datiert werden, oder mittels Korrelation (z.B.
Eiskerne)
• Hauptproblem ist eine durch die Windrichtung
während der Eruption evtl. nur unregelmäßige
Verbreitung der Tephra selbst in der jeweiligen
vulkanischen Region
Alloway et al. 2013
Tag 2 Teil 2 - 60 Geomorphologie und Quartärforschung WS 2021/22

Stratigraphisch-chronologische Datierungsmethoden III


Tephrochronologie

Tephra genereller Begriff für äolisches pyroklasti-


sches (fragmentiertes) Material, welche während
einer Eruption ausgestoßen wird.
Grundprinzip:
• Tephralagen lassen sich durch Chemismus und
physikalische Eigenschaften (Korngröße und –form)
individuellen Eruptionen zuordnen
• Diese Tephralagen stellen in einem Sedimentprofil
(Löß, See-/Meeressedimente etc.) eine unverwech-
selbare Zeitmarke dar
• Mittels der räumlichen Verbreitung von Tephra
sind Rückschlüsse auf die Ausdehnung von Eisschil-
möglich (keine permanente Akkumulation auf Eis)
• Tephralagen können radiometrisch (numerisch)
datiert werden, oder mittels Korrelation (z.B.
Eiskerne)
• Hauptproblem ist eine durch die Windrichtung
während der Eruption evtl. nur unregelmäßige
Verbreitung der Tephra selbst in der jeweiligen
vulkanischen Region
Alloway et al. 2013
Tag 2 Teil 2 - 61 Geomorphologie und Quartärforschung WS 2021/22

Tephrochronologie

Biadley 2015
Tag 2 Teil 2 - 62 Geomorphologie und Quartärforschung WS 2021/22

Tephrochronologie

Biadley 2015
Tag 2 Teil 2 - 63 Geomorphologie und Quartärforschung WS 2021/22

Tephrochronologie

Biadley 2015
Tag 2 Teil 2 - 64 Geomorphologie und Quartärforschung WS 2021/22

Tephrochronologie

Alloway et al. 2013


Tag 2 Teil 2 - 65 Geomorphologie und Quartärforschung WS 2021/22

Tephrochronologie

Alloway et al. 2013


Tag 2 Teil 2 - 66 Geomorphologie und Quartärforschung WS 2021/22

Tephrochronologie

Alloway et al. 2013


Tag 2 Teil 2 - 67 Geomorphologie und Quartärforschung WS 2021/22

Tephrochronologie

Alloway et al. 2013


Tag 2 Teil 2 - 68 Geomorphologie und Quartärforschung WS 2021/22

Tephrochronologie

Biadley 2015
Tag 2 Teil 2 - 69 Geomorphologie und Quartärforschung WS 2021/22

Tephrochronologie

Biadley 2015

Kirkbride & Dugmore 2008


Tag 2 Teil 2 - 70 Geomorphologie und Quartärforschung WS 2021/22

Tephrochronologie

Biadley 2015
Tag 2 Teil 2 - 71 Geomorphologie und Quartärforschung WS 2021/22

Stratigraphisch-chronologische Datierungsmethoden IV
Paläomagnetik

Grundprinzip: Erdmagnetfeld ist in etwa ein Dipol-


feld und unterliegt permanenten Änderungen:
• Polaritätsumkehr: normale Polarisierung
(„normal“): Magnetnadel nach Nord; inverse
(„revers“) Polarisierung: Magnetnadel nach Süd
• Intensitätsschwankungen
• Wanderung der magnetischen Pole
Chron: Periode stabiler Polarisierung
von 40 – 100 ka Dauer
Subchron: Periode stabiler Polarisierung
von 20 – 50 ka Dauer
Exkursion: Änderung von nur 45 – 135° in Ab-
ständen von 50 – 100 ka (nicht zwingend global)
• Durch numerische Datierung (z.B. Laven) für
die letzten 10 Ma Kalibrierung auf 1 – 2 % genau
• Chronologische bzw. stratigraphische Einord-
nung von Sediment- oder Lavasequenzen wird
durch Paläomagnetik möglich
Andersen et al. 2008
Tag 2 Teil 2 - 72 Geomorphologie und Quartärforschung WS 2021/22

Paläomagnetik

Hambach et al. 2008


Tag 2 Teil 2 - 73 Geomorphologie und Quartärforschung WS 2021/22

Paläomagnetik

Paläomagnetische Grenzen werden im Quartär gerne zur Identifikation von


stratigraphischen Grenzen herangezogen (da in marinen und terrestrischen
Sedimenten bzw. Laven global feststellbar):
Brunhes/Matuyama- (780 ka) und Matuyama/Gauss-Grenze (2,558 Ma)
Jaramillo (0,99 – 1,07 Ma) und Olduvai Sub-Chron (1,95 – 1,78 Ma)

Hambach et al. 2008


Tag 2 Teil 2 - 74 Geomorphologie und Quartärforschung WS 2021/22

Paläomagnetik

Paläomagnetische Grenzen werden im Quartär gerne zur Identifikation von


stratigraphischen Grenzen herangezogen (da in marinen und terrestrischen
Sedimenten bzw. Laven global feststellbar):
Brunhes/Matuyama- (780 ka) und Matuyama/Gauss-Grenze (2,558 Ma)
Jaramillo (0,99 – 1,07 Ma) und Olduvai Sub-Chron (1,95 – 1,78 Ma)

Roberst &
Turner
2013
Hambach et al. 2008
Tag 2 Teil 2 - 75 Geomorphologie und Quartärforschung WS 2021/22

Paläomagnetik

Channell et al. 2020


Tag 2 Teil 2 - 76 Geomorphologie und Quartärforschung WS 2021/22

Paläomagnetik

Channell et al. 2020


Tag 2 Teil 2 - 77 Geomorphologie und Quartärforschung WS 2021/22

Paläomagnetik

Channell et al. 2020


Tag 2 Teil 2 - 78 Geomorphologie und Quartärforschung WS 2021/22

Paläomagnetik

Channell et al. 2020


Tag 2 Teil 2 - 79 Geomorphologie und Quartärforschung WS 2021/22

Stratigraphisch-chronologische Datierungsmethoden V
Historische und archäologische Methoden

• Historische Bild- und Schriftquellen für geomorphologische und klimatische Extremereignis-


se oder Darstellungen eines exakt datierbaren Zustands der natürlichen Umgebung (z.B.
Gletscherhochstände, Hochwasserereignisse, Sturmfluten, Stürme etc.)
• Quellenkritik unbedingt erforderlich, da wissenschaftliche Exaktheit gewährleistet werden
muss (z.B. Zeitraum zwischen Beobachtung und Werkentstehung bei künstlerischen Darstel-
lungen oder Manipulation bei nicht-wissenschaftlichen Dokumenten – Steuerdokumente etc.)
• Archäologische Funde können mit Hilfe klimarelevanter Erkenntnisse bei der Datierung
bestimmter Landformen oder zeitlichen Einordnung geomorphologischer Prozesse
helfen, zumeist aber erst nach deren eigenen Datierung mittels 14C-Datierung o.ä. („Ötzi“)

Nussbaumer & Zumbühl 2012 Nicolussi 2013

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