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Einführung in die

Technische Informatik
3. Schaltalgebra und Schaltfunktionen

Mario Porrmann

Wintersemester 2019/2020
2

Inhalte der Vorlesung

3. Schaltalgebra und Schaltfunktionen


 Schaltalgebra

 Schaltfunktionen

 Normalformen
3

Schaltalgebra und Boolesche Algebra

 Boolesche Algebra liefert Kalkül (Rechenregeln) zur Verarbeitung von


 Mengen (Mengenlehre)

 Aussagen (Aussagenlogik)

 Digitalen Schaltungen (Schaltalgebra)

 Schaltalgebra: Modell der Booleschen Algebra über der Menge B = {0, 1}


 Hilfsmittel zur Berechnung binärer Schaltnetze und Schaltwerke
 Synthese

 Analyse

 Optimierung
4

Synthese

0
1 1
0 1
0 0
1 ??? .
. .
. .
. 0
1 Schaltnetz

 Gegeben: f: {0, 1}n → {0, 1}k


 Gesucht: Schaltnetz, das diese Funktion implementiert
5

Analyse

0
1
0 &
0 & ?
1 ?
&
. ?
.
.
1 Schaltnetz

 Gegeben: Beliebiges Schaltnetz


 Gesucht: f: {0, 1}n → {0, 1}k
6

Optimierung

a
&
b 1 a
≥1 z
& ≥1 z
x 1
c 1 ≥1
&
Schaltnetz 2
Schaltnetz 1

 Eine Funktion f: {0, 1}n → {0, 1}k kann durch verschiedene Schaltnetze
realisiert werden
 Gesucht: Die beste Implementierung (z. B., die kleinste, schnellste, …)
7

Eigenschaften der Schaltalgebra

 Es existiert: Menge B := {0,1}


mit: Nullelement: 0
Einselement: 1

 Es existieren folgende Verknüpfungen:


Operation + Disjunktion, ODER, ∨
Operation * Konjunktion, UND, ∧
Operation - Negation, NICHT, -

 Es gelten die Gesetze der Booleschen Algebra


8

Operatoren der Schaltalgebra

Eingänge Ausgänge
a b a*b a+b a�
0 0 0 0 1
0 1 0 1 1
1 0 0 1 0
1 1 1 1 0

Anmerkung
 Die Negation einer Variablen wird auch geschrieben als:
¬a, /a oder a’, selten: na
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Boolesche Algebra

Definition: Eine Menge B von Elementen, über der zwei Operationen + und *
erklärt sind, ist genau dann eine Boolesche Algebra (B; +, *), wenn für
beliebige Elemente a, b, c ∈ B folgende Axiome gelten:
(1) a + b = b + a Kommutativität
a*b=b*a

(2) 0 + a = a Nullelement 0 bzw. Einselement 1


1*a=a bzgl. + bzw. * existiert (neutrale Elemente)

(3) (a + b) * c = (a * c) + (b * c) Distributivität einer Operation


(a * b) + c = (a + c) * (b + c) bzgl. der anderen

(4) a + a� = 1 Zu jedem Element a∈B existiert


a * a� = 0 ein komplementäres Element a�∈B
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Abgeleitete Regeln

Satz
Für alle Elemente a, b, c einer Booleschen Algebra (B; +, *) gilt:

(a) a+1 = 1
a*0 = 0

(b) a+a = a Idempotenzgesetz


a*a = a
11

Abgeleitete Regeln

(c1) a+(a*b) = a Absorptionsgesetz


a*(a+b) = a

(c2) a�+(a+b) = 1
a�*(a*b) = 0

(d) a+(b+c) = (a+b)+c Assoziativgesetz


a*(b*c) = (a*b)*c
12

Abgeleitete Regeln

(e1) Für jedes a aus B existiert genau ein a� aus B


(Eindeutigkeit des Komplements)
Insbesondere gilt: (�a) = a

(e2) 1� = 0
0� = 1

(f) a+b = a�*b� De Morgansches Gesetz


a∗b = a�+b�
� c*
a+b+c+d... = a�*b∗ �
̅ d… verallgemeinertes De Morgansches Gesetz
� c+
a∗b∗c∗d... = a�+b+ �
̅ d…
13

Dualitätsprinzip

 Satz (Dualitätsprinzip)
 Zu jeder Aussage, die sich aus den vier Axiomen der Booleschen Algebra
ableiten lässt, existiert eine duale Aussage, die entsteht durch
 Vertauschen der Operationen + und * und gleichzeitig

 Vertauschen von 0 und 1

 Umgangssprachliche Beispiele
 Zufrieden = warm und satt

 Duale Aussage: unzufrieden = kalt oder hungrig

 Hat Kind(er) = hat Sohn oder Tochter

 Duale Aussage: kinderlos = keinen Sohn und keine Tochter


14

Beispiel für einen Beweis

 Behauptung: a + 1 = 1

 Beweis
a + 1 = (a + 1) * 1 (neutrales Element)
= (a + 1) * (a + a�) (Komplement)
= a + (1 * a�) (Distributivgesetz)
= a + a� (neutrales Element)
=1 (Komplement)
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Vorrangregeln für Operatoren

 Die Auswertungsreihenfolge eines booleschen Ausdrucks ist


 Klammern

 NICHT (NOT)

 UND (AND) ´*´

 ODER (OR) ´+´

 Anmerkung: ´*´ kann weggelassen werden,


wenn der Zusammenhang eindeutig ist
16

Beispiel: Realisierung von Schaltfunktionen mit Schaltern

 Interpretation der Schaltalgebra durch Schaltelemente mit binärem Verhalten


 z. B.: 0 : Schalter geöffnet
1 : Schalter geschlossen
 Anschauliche Darstellung der Axiome (1) – (4) der Booleschen Algebra

(1) a + b = b + a
a b
=
a*b=b*a b a
a b b a
=

(2) 0 + a = a 0
=
a
1*a=a a

1 a a
=
17

Beispiel: Realisierung von Schaltfunktionen mit Schaltern

 Interpretation der Schaltalgebra durch Schaltelemente mit binärem Verhalten


 z. B.: 0 : Schalter geöffnet
1 : Schalter geschlossen
 Anschauliche Darstellung der Axiome (1) – (4) der Booleschen Algebra
a a c
(3) (a + b) * c = (a * c) + (b * c) c
=
b c
(a * b) + c = (a + c) * (b + c)
b

a b a b
=
c c c

(4) a + a� = 1 a
1
=
a * a� = 0 a

a a 0
=
18

Schaltfunktionen

 Schaltvariablen: Variablen, die nur endlich viele Werte annehmen können


 Eine Binäre Schaltvariable v kann nur zwei Werte annehmen:
v = 0 oder v = 1

 Schaltfunktionen: Eindeutige Zuordnungsvorschriften, die jeder


Wertekombination von Schaltvariablen einen Wert zuordnen
 Binäre Schaltfunktion nimmt in Abhängigkeit der Schaltvariablen vi
einen von zwei möglichen Werten an
f: 0,1 N → 0,1
z = f(v1, v2, …, vN); z, vi ∈ 0,1
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Wertetabelle

 Zuordnungsvorschrift kann in Form von Funktionsgleichungen oder


Wertetabellen (Funktionstabelle, Wahrheitstafel) angegeben werden

a b c f(a, b, c)
0 0 0 0
0 0 1 0
0 1 0 0 Gleichwertiger Boolescher Ausdruck:
0 1 1 0
1 0 0 0 f(a,b,c) = a ∧ (b ∨ c)
1 0 1 1
1 1 0 1
1 1 1 1
20

Wertetabelle

vN vN-1 • • • v2 v1 f0 f1 • • • fmax-1*
0 0 • • • 0 0 0 0 • • • 1
0 0 0 1 0 0 1
0 0 1 0 0 0 1
• • • • • • •
• • • • • • •
• • • • • • •

1 1 1 0 0 0 1
1 1 • • • 1 1 0 1 • • • 1

 2N mögliche Belegungen für vN, …, v1


N
 * max = 2(2 ) Möglichkeiten zur Festlegung der Funktionswerte
21

Einstellige Schaltfunktionen

v 0 1
Nullfunktion f0 0 0
Identität f1 0 1
Komplement f2 1 0
Einsfunktion f3 1 1
22

Alle 16 möglichen zweistelligen Schaltfunktionen


a 0101 alternative
Bezeichnung Beschreibung
b 0011 Darstellung
𝑓𝑓0 = 0 0000 Kontradiktion, Nullfunktion konstant 0
𝑓𝑓1 = 𝑎𝑎 ∧ 𝑏𝑏 0001 𝑎𝑎 � 𝑏𝑏 Konjunktion a UND b
𝑓𝑓2 = 𝑎𝑎� ∧ 𝑏𝑏 0010 𝑏𝑏 ↛ 𝑎𝑎 Inhibition
𝑓𝑓3 = 𝑏𝑏 0011 Identität von b identisch zu b
𝑓𝑓2 = 𝑎𝑎 ∧ 𝑏𝑏� 0100 𝑎𝑎 ↛ 𝑏𝑏 Inhibition
𝑓𝑓5 = 𝑎𝑎 0101 Identität von a identisch zu a
𝑓𝑓6 = 𝑎𝑎 ≢ 𝑏𝑏 0110 𝑎𝑎 ⨁ 𝑏𝑏 Antivalenz XOR – a ungleich b (entweder oder)
𝑓𝑓7 = 𝑎𝑎 ∨ 𝑏𝑏 0111 𝑎𝑎 + 𝑏𝑏 Disjunktion a ODER b
𝑓𝑓8 = 𝑎𝑎 ∨ 𝑏𝑏 1000 𝑎𝑎 ↓ 𝑏𝑏 Nihilition, Peirce-Funktion a NOR b (nicht ODER)
𝑓𝑓9 = 𝑎𝑎 ≡ 𝑏𝑏 1001 𝑎𝑎 ↔ 𝑏𝑏 Äquivalenz XNOR – a gleich b
𝑓𝑓10 = 𝑎𝑎� 1010 ¬𝑎𝑎, 𝑎𝑎𝑎 Negation von a nicht a
𝑓𝑓11 = 𝑎𝑎� ∨ 𝑏𝑏 1011 𝑎𝑎 → 𝑏𝑏 Implikation
𝑓𝑓12 = 𝑏𝑏� 1100 ¬𝑏𝑏, 𝑏𝑏𝑏 Negation von b nicht b
𝑓𝑓13 = 𝑎𝑎 ∨ 𝑏𝑏� 1101 𝑏𝑏 → 𝑎𝑎 Implikation
𝑓𝑓14 = 𝑎𝑎 ∧ 𝑏𝑏 1110 𝑎𝑎 | 𝑏𝑏 Exklusion, Sheffer-Funktion a NAND b (nicht UND)
𝑓𝑓15 = 1 1111 Tautologie, Einsfunktion konstant 1
23

Auswertung einer Schaltfunktion

 �B + AB� :
Mit Hilfe einer Wahrheitstafel für A
A B �B
A AB� �B ∨ AB�
A A≠B
0 0 0 0 0 0
1 0 0 1 1 1
0 1 1 0 1 1
1 1 0 0 0 0

 �B ∨ AB� entspricht also A ≠ B.


A
 Antivalenz, Exklusiv-ODER (XOR)
 XOR-Gatter mit mehr als zwei Eingängen:
Ausgang ist genau dann ´1´, wenn an einer ungeraden Anzahl von Eingängen
´1´ anliegt und an den restlichen ´0´
24

Grafische Darstellung durch Schaltsymbole

Schaltsymbole nach Symbole Logische


Freie Symbole
DIN 40 700 Teil 14 nach ASA* Darstellung
seit 1976 bis 1976

. .
x1 ∧  ∧ x n
. .
. .
.
UND .
& .
.
.
.

. . . .

x1 ∨  ∨ x n
. .
.
ODER .
≥1 . .
.
.
.
. . . .

. .
Anti-
x1 ≠  ≠ x n
.
. .
=1 .
.
.
valenz .

*) ASA: American Standards Association


25

Grafische Darstellung durch Schaltsymbole

Schaltsymbole nach Symbole Logische


Freie Symbole
DIN 40 700 Teil 14 nach ASA* Darstellung
seit 1976 bis 1976

. . .
x1 ∧  ∧ x n
.
. . .
.
NAND .
& .
.
.

. . . .
x1 ∨  ∨ x n
.
.
NOR . ≥1 . . .
.
. . . .

Negation 1 x1

x1
x2 x1 ∧ x 2 ∧ x 3 & x1 ∧ x2 ∧ x 3
x3

*) ASA: American Standards Association


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Schaltungsbeispiel Exklusiv-ODER

 Aktuelle DIN-Norm
A
& S = A B ∨ AB = A ⊕ B
B ≥1

&

 Amerikanische Symbole
A
S = A B ∨ AB = A ⊕ B
B
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Umformung von Schaltfunktionen

Satz
Zu jeder Schaltfunktion existieren beliebig viele Boolesche Ausdrücke,
die sie darstellen
 Beweisidee
Es existiert ein Ausdruck, der die Schaltfunktion beschreibt. Mit Hilfe der
Rechenregeln (z. B. De Morgan´sche Gesetze) lassen sich Schaltfunktionen
in andere Formen mit gleichem Schaltverhalten umformen bzw. erweitern
 Beispiel
Wenn der Ausdruck a die Funktion beschreibt, dann auch a+a, a+a+a, …

 Ein Boolescher Ausdruck kann mit Hilfe der Regeln der Schaltalgebra also
auch in eine bestimmte Beschreibungsform gebracht werden
28

Vollständige Verknüpfungsbasen

 Logische Operatoren lassen sich auf die Grundoperatoren zurückführen


 Das aus den Operatoren AND, OR, NOT bestehende System ist vollständig,
weil damit alle denkbaren booleschen Funktionen beschreibbar sind

 Auch mit anderen Mengen an Grundoperatoren können


alle booleschen Funktionen beschrieben werden

 Beispiele
Operatormenge Negation (NICHT) Disjunktion (ODER) Konjunktion (UND)
{',*,+} a' a+b a*b
{',*} a' (a' * b' )' a*b
{',+} a' a+b (a' + b' )'
{↓} (NOR) a↓a (a ↓ b) ↓ (a ↓ b) (a ↓ a) ↓ (b ↓ b)
{|} (NAND) a|a (a | a) | (b | b ) (a | b) | (a | b)
29

Vollständige Verknüpfungsbasen

 Die Darstellung ausschließlich durch NAND- bzw. NOR-Funktionen hat eine


besondere Bedeutung
 Anzahl der Transistoren pro Gatter in CMOS-Technik:
 AND-Gatter (2 Eingänge): 6 Transistoren NAND-Gatter (2 Eingänge): 4 Transistoren
 OR-Gatter (2 Eingänge): 6 Transistoren NOR-Gatter (2 Eingänge): 4 Transistoren
 NOT-Gatter: 2 Transistoren

 Mit der NAND-Funktion “|“


lässt sich jede beliebige Schaltfunktion darstellen
 Sie ist eine vollständige Verknüpfungsbasis (Junktorensystem)
 D.h., jede beliebige Schaltfunktion kann ausschließlich mit NAND-Gattern realisiert
werden (Umformung nach de Morgan)
 Das gleiche gilt für die NOR-Funktion “↓“
30

Vollständige Verknüpfungsbasen – NAND

Negation : f(x) = x
= ( xx ) x & x
= x|x

UND : f ( x, y ) = xy
= ( xy ) ∨ ( xy )
= ( xy ) ∨ ( xy ) x
y & & xy
= ( xy ) ( xy )
= (x | y) (x | y)
= (x | y) | (x | y)
31

Vollständige Verknüpfungsbasen – NAND

ODER : f ( x, y ) = x ∨ y
=x∨y
x &
=x y & x∨y
= x|y y &
= (x | x) | (y | y)
32

Boolesche Normalformen

 Eine Schaltfunktion kann durch beliebig viele Boolesche Ausdrücke


beschrieben werden
 Normalformen ermöglichen die Beschreibung einer Schaltfunktion in
standardisierter Gleichungsform
 Vergleich der Normalformen zeigt sofort, ob Ausdrücke äquivalent sind

 Normalformen auf Basis zweistufige Ausdrücke


 Lassen sich unmittelbar aus der Wahrheitstabelle ableiten

 Passen zu zweistufigen Schaltungsimplementierungen,


wie beispielsweise Speichern oder PLAs (Programmable Logic Arrays)
 Können mit einfachen, systematischen Verfahren optimiert werden
33

Boolesche Normalformen

 Wir unterscheiden zwei komplementäre Standardformen


boolescher Ausdrücke
 Disjunktive Normalform (DNF),
auch Sum-of-Products (SOP) genannt
 Konjunktive Normalform (KNF),
auch Product-of-Sums (POS) genannt

 Minterm und Maxterm


 Minterm: Produktterm, in dem jede Variable genau einmal vorkommt

 Maxterm: Summenterm, in dem jede Variable genau einmal vorkommt


34

Minterm

 Minterm (Vollkonjunktion):
UND-Verknüpfung, die alle Schaltvariablen jeweils einmal enthält,
wobei diese negiert oder nicht negiert vorkommen können

xN * xN-1 * xN-2 * … * x2 * x1

 Anmerkungen
 Jeder Minterm hat nur bei einer Kombination der Schaltvariablen
den Wert 1, bei allen anderen den Wert 0
 Bei N Schaltvariablen gibt es 2N verschiedene Minterme
35

Disjunktive kanonische Normalform (DKN, DKNF)

Vorgehensweise
x3 x2 x1 y 𝑦𝑦 =
 Jeder Zeile der Wahrheitstafel kann ein Minterm
0 0 0 1 𝑥𝑥3 𝑥𝑥2 𝑥𝑥1 + zugeordnet werden. Dieser entsteht durch UND-
0 0 1 0 Verknüpfung der zugehörigen Schaltvariablen,
die im Falle einer 0 negiert und für eine 1 nicht-
0 1 0 1 𝑥𝑥3 𝑥𝑥2 𝑥𝑥1 +
negiert übernommen werden
0 1 1 1 𝑥𝑥3 𝑥𝑥2 𝑥𝑥1 +
 Jeder Minterm erzwingt für „seine“ Zeile eine 1,
1 0 0 0 für alle anderen Zeilen ist er 0
1 0 1 0  Schaltfunktion aufstellen, die nur die Minterme
1 1 0 1 𝑥𝑥3 𝑥𝑥2 𝑥𝑥1 mit dem Beitrag y = 1 einschließt und all diese
1 1 1 0 Minterme entsprechend der Wertetabelle
ODER-verknüpft (Disjunktion)

DKN: 𝑦𝑦 = 𝑥𝑥3 𝑥𝑥2 𝑥𝑥1 + 𝑥𝑥3 𝑥𝑥2 𝑥𝑥1 + 𝑥𝑥3 𝑥𝑥2 𝑥𝑥1 + 𝑥𝑥3 𝑥𝑥2 𝑥𝑥1
36

Disjunktive kanonische Normalform (DKN, DKNF)

 ODER-Verknüpfung (Disjunktion) der


x3 x2 x1 y 𝑦𝑦 =
Minterme für den Funktionswert 1 liefert
0 0 0 1 𝑥𝑥3 𝑥𝑥2 𝑥𝑥1 + eindeutige Darstellung der Schaltfunktion:
0 0 1 0 Disjunktive kanonische Normalform (DKN):
0 1 0 1 𝑥𝑥3 𝑥𝑥2 𝑥𝑥1 + 𝑦𝑦 = 𝑥𝑥3 𝑥𝑥2 𝑥𝑥1 + 𝑥𝑥3 𝑥𝑥2 𝑥𝑥1 + 𝑥𝑥3 𝑥𝑥2 𝑥𝑥1 + 𝑥𝑥3 𝑥𝑥2 𝑥𝑥1
0 1 1 1 𝑥𝑥3 𝑥𝑥2 𝑥𝑥1 +
1 0 0 0  Eine DNF heißt kanonisch, wenn jeder der
1 0 1 0 Konjunktionsterme alle Variablen xi enthält
1 1 0 1 𝑥𝑥3 𝑥𝑥2 𝑥𝑥1
 Äquivalente, nicht kanonische Darstellung:
1 1 1 0
𝑦𝑦 = 𝑥𝑥3 𝑥𝑥1 + 𝑥𝑥3 𝑥𝑥2 𝑥𝑥1 + 𝑥𝑥3 𝑥𝑥2 𝑥𝑥1
Disjunktive Normalform (DNF)
37

Disjunktive kanonische Normalform vs. Disjunktive Normalform

x3 x3
x2 & &
x1 x1
x3
x2 &
x1 x3
≥1 y x2 & ≥1
x3 x1 y
x2 &
x1

x3 x3
x2 & x2 &
x1 DKN x1 DNF

𝑦𝑦 = 𝑥𝑥3 𝑥𝑥2 𝑥𝑥1 + 𝑥𝑥3 𝑥𝑥2 𝑥𝑥1 + 𝑦𝑦 = 𝑥𝑥3 𝑥𝑥1 + 𝑥𝑥3 𝑥𝑥2 𝑥𝑥1 + 𝑥𝑥3 𝑥𝑥2 𝑥𝑥1
𝑥𝑥3 𝑥𝑥2 𝑥𝑥1 + 𝑥𝑥3 𝑥𝑥2 𝑥𝑥1
38

Umformung von DNF in NAND-Realisierung

x3 x3
x1
& x1
&

x3 x3
x2 & ≥1 y
x2 & & y
x1 x1

x3 x3
x2 & x2 &
x1 DNF x1 NAND

 DNF kann durch Ersetzen der UND-Gatter und des ODER-Gatters in eine
NAND-basierte Realisierung umgeformt werden
(vgl. De Morgansches Gesetz)
39

Konjunktive kanonische Normalform (KKN)

Vorgehensweise (1)
x3 x2 x1 y 𝑦𝑦 =
 Schaltfunktion aufstellen, die nur die
0 0 0 1 Maxterme mit dem Beitrag y = 0 einschließt
0 0 1 0 𝑥𝑥3 + 𝑥𝑥2 + 𝑥𝑥1 ∗ und all diese Maxterme UND-verknüpft
(Konjunktion)
0 1 0 1
 Maxterme entstehen durch ODER-Ver-
0 1 1 1
knüpfung der zugehörigen Schaltvariablen
1 0 0 0 (𝑥𝑥3 + 𝑥𝑥2 + 𝑥𝑥1 ) ∗ in nicht-negierter Form für 0 und negierter
1 0 1 0 (𝑥𝑥3 + 𝑥𝑥2 + 𝑥𝑥1 ) ∗ Form für 1
1 1 0 1  Jeder Maxterm kann für genau eine Zeile
1 1 1 0 (𝑥𝑥3 + 𝑥𝑥2 + 𝑥𝑥1 ) eine 0 erzwingen, für alle anderen Zeilen
außer seiner eigenen ist er 1
40

Konjunktive kanonische Normalform (KKN)

Vorgehensweise (2)
x3 x2 x1 y 𝑦𝑦 =
 Die UND-Verknüpfung (Konjunktion) der
0 0 0 1 Maxterme liefert dann eine eindeutige
0 0 1 0 𝑥𝑥3 + 𝑥𝑥2 + 𝑥𝑥1 ∗ Darstellung der Schaltfunktion, die
konjunktive kanonische Normalform (KKN)
0 1 0 1
0 1 1 1  Analog zu DNF: Oft Vereinfachung zur
1 0 0 0 (𝑥𝑥3 + 𝑥𝑥2 + 𝑥𝑥1 ) ∗ (im Allg. nicht eindeutig festgelegten)
1 0 1 0 (𝑥𝑥3 + 𝑥𝑥2 + 𝑥𝑥1 ) ∗ konjunktiven Normalform (KNF) möglich
1 1 0 1 𝑦𝑦 = 𝑥𝑥3 + 𝑥𝑥2 + 𝑥𝑥1 ∗
(𝑥𝑥3 + 𝑥𝑥2 + 𝑥𝑥1 ) ∗ (𝑥𝑥3 + 𝑥𝑥1 )
1 1 1 0 (𝑥𝑥3 + 𝑥𝑥2 + 𝑥𝑥1 )

KKN: 𝑦𝑦 = 𝑥𝑥3 + 𝑥𝑥2 + 𝑥𝑥1 ∗ (𝑥𝑥3 + 𝑥𝑥2 + 𝑥𝑥1 ) ∗ (𝑥𝑥3 + 𝑥𝑥2 + 𝑥𝑥1 ) ∗ (𝑥𝑥3 + 𝑥𝑥2 + 𝑥𝑥1 )
41

Konjunktive kanonische Normalform vs. Konjunktive Normalform

x3 x3
x2 ≥1 x2
x1
≥1
x1
x3
x2 ≥1
x1 x3
& x2 ≥1 & y y
y x1
x3
x2
x1
≥1
x3
x3 ≥1
x2 ≥1
x1 KKN x1 KNF NOR
𝑦𝑦 = 𝑥𝑥3 + 𝑥𝑥2 + 𝑥𝑥1 ∗ (𝑥𝑥3 + 𝑥𝑥2 + 𝑥𝑥1 ) ∗ (𝑥𝑥3 + 𝑥𝑥2 + 𝑥𝑥1 ) ∗ (𝑥𝑥3 + 𝑥𝑥2 + 𝑥𝑥1 )
𝑦𝑦 = 𝑥𝑥3 + 𝑥𝑥2 + 𝑥𝑥1 ∗ (𝑥𝑥3 + 𝑥𝑥2 + 𝑥𝑥1 ) ∗ (𝑥𝑥3 + 𝑥𝑥1 )

 KNF kann durch Ersetzen der ODER-Gatter und des UND-Gatters in eine
NOR-basierte Realisierung umgeformt werden
42

Disjunktive und konjunktive Normalform

 DNF und KNF haben beide eine zweistufige schaltungstechnische Realisierung

Disjunktive Normalform Konjunktive Normalform

x1 x1

y y
. UND- . ODER- . ODER- . UND-
. . . .
. Funktion . Funktion . Funktion . Funktion

xn xn
43

Beziehung zwischen Mintermen und Maxtermen

𝐾𝐾𝑖𝑖 = 𝐷𝐷𝑖𝑖 𝐷𝐷𝑖𝑖 = 𝐾𝐾𝑖𝑖

Beispiel
# a b Minterme Maxterme
(Vollkonjunktion) (Volldisjunktion)
0 0 0 K0 = a'⋅ b' D0 = a + b
1 0 1 K1 = a' ⋅ b D1 = a + b'
2 1 0 K2 = a ⋅ b' D2 = a' + b
3 1 1 K3 = a ⋅ b D3 = a' + b'
44

Beziehung zwischen Mintermen und Maxtermen

 DNF und KNF beschreiben dieselbe Schaltfunktion


 Die DNF enthalte Ki mit i ∈ K
 Dann enthält die KNF alle Dj
mit j ∈ {0, …, 2n-1 \ K}

 D.h., die Indizes der Maxterme sind die Indizes, die nicht bei den
Mintermen enthalten sind, und umgekehrt

 Wenn die KNF angegeben ist, dann kann die DNF direkt angegeben
werden, und umgekehrt
45

Abkürzende Schreibweise von Mintermen und Maxtermen

 Kanonische Schreibweise:
x3 x2 x1 y Term DNF: y = m0 + m2 + m3 + m6
0 0 0 1 m0 = x´3⋅x´2⋅x´1  Summe von Produkten
0 0 1 0 M1 = x3+x2+x´1
KNF: y = M1 ⋅ M4 ⋅ M5 ⋅ M7
0 1 0 1 m2 = x´3⋅x2⋅x´1
 Produkt von Summen
0 1 1 1 m3 = x´3⋅x2⋅x1
1 0 0 0 M4 = x´3+x2+x1  Kurzschreibweise:
1 0 1 0 M5 = x´3+x2+x´1 y = ∑m(0,2,3,6)
1 1 0 1 m6 = x3⋅x2⋅x´1 bzw. y = ∏M(1,4,5,7)
1 1 1 0 M7 = x´3+x´2+x´1

Mi für Maxterme; mi für Minterme


46

Umwandlung bei der zweistufigen Darstellung

1. Kanonische DNF in kanonische KNF


 Übertrage Minterm-Kurzschreibweise in Maxterm-Kurzschreibweise

 Ersetze die Minterm-Indizes durch die nicht aufgetretenen Indizes

z. B.: y = ∑m(0,2,3,6) = ∏M(1,4,5,7)

2. Kanonische KNF in kanonische DNF


 Übertrage Maxterm-Kurzschreibweise in Minterm-Kurzschreibweise

 Ersetze die Maxterm-Indizes durch die nicht aufgetretenen Indizes

z. B.: y = ∏M(1,4,5,7) = ∑m(0,2,3,6)


47

Umwandlung bei der zweistufigen Darstellung

3. Kanonische DNF (KNF) von y in kanonische DNF (KNF) von y´


 Liste in der Minterm-Kurzschreibweise alle nicht aufgetretenen Indizes auf

z. B.: y = ∑m(0,2,3,6)  y´ = ∑m (1,4,5,7)


= ∏M(1,4,5,7) = ∏M (0,2,3,6)
48

Resümee

Die zweistufige Logik (DNF, KNF) hat den Vorteil, dass

1. Systematisch arbeitende Verfahren gut anwendbar sind


 nächstes Kapitel

2. Effiziente Schaltungsrealisierungen gefunden werden können,


d.h. kurze Laufzeiten und kostengünstige Implementierungsvarianten

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