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Stahlbau Arbeitshilfe

2.2 Brandschutz bei Wänden


Eine Gemeinschaftsorganisation von
stahlerzeugenden Unternehmen und dem
Deutschen Stahlbau-Verband DSTV

Vernünftig: Funktionen von


abschließenden sowie tragenden und nicht-
Baulicher Brandschutz „nach Maß“! tragenden Wänden unterschieden; manche

raumabschließend
Wänden
Brand ist ein Lastfall wie in der Statik; Brand- Bauteile haben doppelte Funktion.

abschließend

nichttragend
schutzmaßnahmen sollten daher stets „nach

nichtraum-
Maß“ bemessen werden – also nach der Brandschutzanforderungen

tragend
jeweils von Bauart und Nutzung abhängigen DIN 4102 Teil 2 enthält die Prüfanforderun-
Brandgefährdung. Eine höhere Feuerwider- gen an raumabschließende und/oder tra-
standsklasse als hiernach erforderlich ist un- Trennwände • • • gende Wände zur Einreihung in die einzelnen
wirtschaftlich. Der Brandschutz von Bauteilen Feuerwiderstandsklassen F 30 (feuerhemmend,
Wände in Rettungswegen • • •
ist nicht immer der einzige und günstigste Feuerwiderstandsdauer mindestens 30 Minu-
Weg; Brandgefahr und Brandschutzaufwand Treppenraumwände • • • ten), F 60, F 90 (feuerbeständig), F 120, F 180.
lassen sich oft auch durch andere, gleich- Raumabschließende Wände sollen die Brand-
Brandwände • • •
wertige Maßnahmen verringern – z. B. Be- übertragung auf andere Räume bzw. Gebäude
grenzung des Brandes durch Unterteilung in Innenwandscheiben mit (-teile) verhindern und müssen daher während
• •
Brandabschnitte, Konzentration der Brand- und ohne Öffnungen der geforderten Feuerwiderstandsdauer
belastung in besonderen Gebäudeabschnitten, • dicht anschließen (kein Feuerdurchgang),
Außenwandscheiben
Dachöffnungen für Wärmeabzug, selbsttätige (raumhoch) b > 1,0 m
• • • • wärmedämmend sein (keine unzulässige
Feuerlöschanlagen (z. B. Sprinkler). Erwärmung auf der dem Feuer
Außenwandscheiben abgewandten Seite),
• •
Begriffe b < 1,0 m • stoßfest sein und
Aus der Sicht des Brandschutzes wird zwi- Brüstungen, Schürzen • • • unter der Gebrauchs- bzw. Eigenlast
schen raumabschließenden und nichtraum- standfest bleiben.

Beispiele gebräuchlicher Wandkonstruktionen


Konstruktion Baustoffe Dicke für Funktion* Anmerkung
F 90 in mm A B C D
Massiv-Wände Normalbeton – DIN 1045 100 • • Bekleidungen dürfen
einschalig, auch mit Bekleidung 140/170** • • • als wirksame Wanddicke
Gasbeton – DIN 4223 100 • • herangezogen werden
200/225** • • •
Massiv-Wände gemauert/Wandbauplatten Mauerziegel – DIN 105 115 • • Als Ausfachung für
einschalig gemauert, auch mit Bekleidung Kalksandsteine – DIN 106 Stahlskelette gut
115/140** • • •
Hüttensteine – DIN 398 geeignet
ein- oder zweischalig versetzt, vergossene oder Gips-Wandbauplatten –
80 • •
vermörtelte Fugen, ggf. mit Dämmstoff-Füllung DIN 18163
Innen- und Außenwände

ein- oder zweischalig, Wandbauplatten: auch für Aufzugsschächte


als Kern für weitere Beschichtungen Fiber-Silikat, Calcium-Silikat, 40 – 60 • • und als Rückwände von
und Bekleidungen Spezialgips Nischen und Schränken
Gerippewände Holz, Dämmstoffstreifen, umsetzbar, wenn die Fugen
Gerippe (Kopf- und Fußleisten, Pfosten, Riegel) Stahl offen oder mit Deckleisten
Beplankung (geschraubt, genagelt) Holzwerkstoff – DIN 68763 verschlossen sind. Wände
Gipskartonpl. – DIN 18180 aus Holz und Holzwerk-
• •
Holzwolleleichtbaupl. – DIN 1101 Nach stoffen sowie aus Stahl und
Wandbaupl. s. o. DIN 4102 Fiber-Silikat auch mit tragen-
Dämmschicht (falls erforderlich) Mineralfaserdämmstoff Teil 4 bzw. der Funktion
Holzwolleleichtbaupl. – DIN 1101 Prüfzeugnis
Wandsysteme Pfosten- oder Tafelsysteme Holzelemente eignen sich vorzüglich für
• •
mit Fuß- und Kopfschienen Stahlblechelemente elementierte Stahlbausysteme
Fachwerkwände Gerippe: auch mit Stahl Bekleidung ist auch
aussteifenden Vertikalverbänden • • für Fachwerkträger
Beplankung Beton, Mauerwerk, Wandbaupl. s. o. geeignet
Massiv-Wände Normalbeton unbewehrt – DIN 1045 200
Brandwände

ein- oder zweischalig Normalbeton bewehrt – DIN 1045 120 • • •


Leichtbeton – DIN 4232, Mauerwerk 240 – 300
Gerippe-Wände Gerippe: Stahl • • • Genehmigung im Einzelfall
Beplankung: Fiber-Silikat mit Stahlblech (außen) erforderl. o. allg. Bauaufs. Zul.

* A: raumabschließend B: nicht raumabschließend C: tragend D: nicht tragend ** nach statischer Berechnung


Stahlbau Arbeitshilfe 2.2 Brandschutz bei Wänden

Bauaufsichtliche Vorschriften entsprechenden Innenwände zu behandeln. Die Anforderungen an die Feuerwiderstands-


Die Anforderungen ergeben sich im Regelfall Dasselbe gilt vereinfachend auch für raum- klassen von nichttragenden Außenwänden
wie folgt: abschließende, nichttragende Außenwände. (u. a. Brüstungen und Schürzen), W 30, 60,
• tragende und aussteifende Wände 80, 120, 180, bestimmt DIN 4102 Teil 3.
im Geschossbau: Brüstungen und Schürzen
bei 1- und 2geschossigen Gebäuden: F 30 sind zwar nach DIN 4102 nichttragend und Es gilt dieselbe Klassifizierung in die Feuer-
ab 3 Geschosse: F 90 nichtraumabschließend, erfüllen jedoch zu- widerstandsklassen wie bei nichttragenden
• Wände in Rettungswegen (Fluren): F 30 weilen ebenfalls Brandschutzaufgaben. Innenwänden, wenn nicht besondere Prüf-
• Trennwände zwischen Wohnungen zeugnisse gemäß DIN 4102 Teil 3 vorliegen.
und zwischen besonders brand- Um den Feuerüberschlag zu verhindern,
gefährdeten und anderen Räumen: F 90 fordern die bauaufsichtlichen Vorschriften, Literatur
• Brandwände: F 90 dass Außenwände in bestimmten Bandbreiten • DIN 4102 – Brandverhalten von Bau-
• Treppenraumwände: F 90 feuerwiderstandsfähig sind (Sturz + Decken- stoffen und Bauteilen,
bei mehr als 2 Geschossen: höhe + Brüstung = Feuerüberschlagsweg = Ausgabe Sept. 1977/März 1994
so dick wie Brandwände min. 1 m); dies gilt z. B. im Zwischendecken- • Stahlbau-Handbuch Band 1*
bereich übereinanderliegender Brandab- • Haß, Meyer-Ottens, Quast:
Innenwände schnitte in Hochhäusern. Der Feuerüber- Verbundbau-Brandschutz-Handbuch*
Im Skelettbau haben die Wände meist nur schlag kann dabei auch durch auskragende • Stahlbau-Arbeitshilfen
raumabschließende Funktion, abgesehen von Decken, Fluchtbalkone oder Sonnenschutz – 2.1 Brandschutz für Stützen und Träger
aussteifenden und zugleich vertikal belasteten verhindert werden. – 2.4 Brandschutz für Decken
raumabschließenden Wänden.
* erhältlich über Stahlbau Verlags-
Ausführungsmöglichkeiten für
Die Feuerwiderstandsdauer tragender Wände Brüstungen und Schürzen und Service GmbH, Düsseldorf
wird durch das temperaturabhängige Festig-
keitsverhalten von Beton, Stahl und Stein Architektur, Sicherheit und
bestimmt. Bei massiven Wandtypen ist dies A B Wirtschaftlichkeit im Einklang
abhängig von der Wanddicke bzw. der Beton- Wirtschaftliche und architektonisch interes-
überdeckung der Bewehrung, bei Gerippe- sante Lösungen sind möglich, wenn der
wänden von Profilabmessungen sowie Brandschutz bereits in der frühen Planungs-
Bekleidungsart und -dicke. phase Berücksichtigung findet.
Der Service von BAUEN MIT STAHL e. V.
Wände sind allseitig so anzuschließen, dass vorgehängte Außen- Brüstung
und dessen Brandschutzingenieur stehen
ihre trennenden und dämmenden Funktionen wand mit aus- unabhängig von der Ihnen hierfür unterstützend und firmen-
nicht beeinträchtigt werden. Tragende Stahl- reichender Feuer- Außenwand geführt neutral zur Verfügung.
stützen, auch mit dazwischenliegenden aus- widerstandsdauer
steifenden Vertikal-Verbänden, können insge-
samt durch beidseitige Beplankung oder Ver-
kleidung geschützt werden (Fachwerkwände). C D
Dies gilt auch für Fachwerkträger (Binder).

Brandwände
dienen zur Trennung oder Abgrenzung von
Brandabschnitten und müssen zusätzliche
Anforderungen nach DIN 4102 Teil 3 (z. B.
Brüstung als Brüstung mit Decke
gegen Stoßbeanspruchung) erfüllen. Die Vor- vorgehängte Tafel zusammen betoniert
schriften der Bauordnung regeln ihre Anord-
nung sowie ihre Verbindung mit abstützenden
A B C D Baustoffe
Bauteilen.
• • Ortbeton
Brandwände können Tafeln aus:
• für sich allein standfest sein, • • • Schwer-, Gas-, Bims- oder
Holzspanbeton
• sich an das Gebäude oder ein Gebäudeteil
anlehnen (mit oder ohne Aufnahme von • Mauerwerk
Vertikallasten) oder Wandbauplatten aus:
• von den Geschossdecken getragen wer- • Gips, Fiber-Silikat,
6. überarbeitete Auflage 6/01

den, ohne Vertikallasten zu übernehmen. Calcium-Silikat


Gerippewände mit Sohnstraße 65 · 40237 Düsseldorf
Außenwände Beplankung aus: Holzwerk- Postfach 10 48 42 · 40039 Düsseldorf
können tragend oder nichttragend, raumab- • stoffen, Gipskarton, Telefon (02 11) 67 07-828
schließend oder nicht raumabschließend sein Holzwolleleichtbauplatten,
Telefax (02 11) 67 07-829
Calcium-Silikat, Spezialgips
(siehe umseitige Tabelle). Tragende Außen- Internet: www.bauen-mit-stahl.de
wände sind brandschutztechnisch wie die • • umsetzbare Tafelsysteme E-Mail: zentrale@bauen-mit-stahl.de

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