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Demotivierung und Motivierung im Fremdsprachen-Lernprozess.

Mamadou Ndiaye
DaF Multi /Prytanée Militaire 9611936/ Fax 9612858
CPI/Allemand 5424439
montyndiaye@hotmail.com
montyndiaye@yahoo.de
www.sn.resafad.org/dafmultis
1. Einleitendes

Warum behandele ich heute und im Rahmen eines Seminars wie eine Sommer-Universität gerade ein
Thema über „Motivation und Demotivation im Fremdsprachenunterricht“? Die Antwort könnte
einfach sein: aus Motivation, aus Spaß oder persönlichem Engagement. Es bewegen mich aber dabei
zwei Gründe, die meine Motivation zur Behandlung dieses Themas erklären können. Der eine Grund
ist aus meinen Gedanken entwachsen, warum die Zahl der Deutschlernenden hierzulande in den
letzten Jahren zurückgegeangen ist. Der andere Grund erklärt sich wohl in den Zielen, die in dem
zehnjährigen Erziehungs- und Ausbildungsprogramm des senegalesischen Erziehungsministeriums
gesetzt sind. Den jungen Lehrern, Berufsanfänger oder Vacataires eine gute Ausbildung anzubieten
und somit ein qualitativer Schulunterricht zu vermitteln.

Ich möchte Sie aber zunächst darum bitte, anhand eigener Erfahrungen oder Beobachtungen aus
Ihrem schulischen Alltag oder persönlicher Umgebung die Definition der Motivation und
Demotivation auf einer Wandzeitung anzuschreiben oder Ihre Assoziation mit den Begriffen zu
beschreiben, bevor ich auf die Begriffsbestimmungen eingehen.

Ich erlaube mir, mich dabei auf einige Definitionen wie die von Rainer E. Wicke in seinem Buch
„Aktiv und kreativ lernen“ oder den Artikel von Regula D. Naef „Die Motivation“ zu stützen. .

2. Zur Begriffsbestimmung

Was ist eigentlich allgemein unter dem Begriff der Motivation zu verstehen? Im alltäglichen Gebrauch
wird der Begriff Motivation häufig mit Motiv gleichgesetzt. Darunter ist zu verstehen, dass man
die Summe der Gründe(Motive), die jemanden zu einer Entscheidung oder Handlung bewegen,
als dessen Motivation bezeichnet. Aber diese Definition kann nicht ausreichen, denn Motive
stellen lediglich einen Teil der Motivation dar. Motive erklären vielleicht die Frage, warum wir
etwas lernen möchten, womit meist nur die Anfangssmotivation beschrieben wird. Lernprozesse
spielen sich in der Regel über längere Zeiträume ab, und es bedaarf mehr als nur eines Motivs,
um sich dauerhaft erfolgreich mit dem Lerngegenstand auseinander setzen zu können.

Rainer E. WICKE gibt in seinem Buch „ Aktiv und kreativ lernen“ die folgende Definition von
Motivation: „Grundsätzlich handelt es sich hier um eingagiertes und ausdauerndes Verfolgen
eines bestimmten Zieles, das im schulischen Unterrichts erreicht werden soll. Aus vielen
Curricula und Veröffentlichungen wird deutlich: der schulische Unterricht kann nur zum Erfolg
führen, wenn die Schüler, aber auch die Lehrer, entsprechend motiviert sind“.

Ohne Motivation gibt es kein Lernen. Ein wichtiger Aspekt zu betrachten ist auch, dass beim
Sprachenlernnen nicht nur das Erlernen von Strukturen und Wortschatz eine Rolle spielen,
sondern, vor allem im Hinblick auf die Motivation, der kulturelle Aspekt mitberücksichtigt
werden muss, ich meine also die Auseinandersetzung mit der jeweiligen Sprechergruppe und
Kultur. Interessant ist der Artikel von Regula D. Naef zum Thema Motivation, da wo sie sich
mit dem Begriff der Lernmotivation auseinander setzt und sagt, ich zitiere, „Für unsere
Lerntechnik interessiert uns in erster Linie, welche Motive den Menschen dazu treiben, neues
Wissen aufzunehmen, sich in Schulen und Kursen weiterzubilden“. Sie betont auch in ihrem
Artikel wie besonders ausgeprägt ist der Wissensdrang bei den kleinen Kindern; sie wollen ihre
Welt kennen lernen, ihre Tage sind gefüllt mit Forschungen, Entdeckungen und – oft zum
Leidwesen der geplagten Mutter – mit endloser Fragerei. Der Begriff der Motivation spielt in der
Psychlogie im Allgemeinen und in der Lernpsychologie im Besonderen eine große Rolle.
Unter dem Begriff Motivation versteht man den Grund für die Aktivität eines Lebewesens, die
Antriebskräfte des menschlichen und tierischen Verhaltens.
General Eisenhower sagte einmal den Begriff definierend:
„Motivieren heißt, einen Menschen dazu zu veranlassen, etwas zu tun, weil er es selber will“.
Dies sei also der schönste Erfolg einer Motivvation zu betrachten. Ein Seminar zu diesem Thema zu
veranstalten, zum Beispiel in den Sommerferien oder in den Weihnachtsferien oder auch hier im Busch
weit weg von der Stadt, weil die KollgInnen es selber wollen, nicht weil andere es wollen.
Voraussetzung dafür sollte sein, Begeisterung für die Arbeit in den Gruppen und den Spaß daran zu
erwecken. Zusammen etwas bearbeiten oder etwas gemeinsam produzieren fördert Motivation und eine
Begeisterung kann anstecken. Ihr Zusammenschluss zu den Arbeitsgruppen kann sich aus
verschiedenen Gründen positiv auf unsere Motivation auswirken. D. Naef betont gerade das
gemeinsame Lernen, das dem Bedurfnis nach Kontakt entgegenkommt und wobei es für die
Zusammenkünfte Ziele festgesetzt und Erfolgserlebnisse vermittelt werden, wenn in den Diskussionen
der gegenseitige Lernfortschritt festgestellt wird.

Für Referenten, die eine anstrengende, aber auch spaßige Arbeit zu leisten haben, kann es schwer sein,
Anreize zu schaffen, die über das Materielle oder das Finanzielle hinausgehen. Deshalb sollte es unser
Ziel sein, die Arbeit so interessant wie möglich zu gestalten und dem einzelnen Teilnehmer möglich
viel Freiraum für eigene Entscheidungen ( Mitbeteiligung an der Gruppenarbeit, Moderations- oder
Protokollarbeit für die Gruppen) zu lassen – sofern es seine Aus- oder Fortbildung im didaktisch-
methodischen Bereich erlaubt.

Ich bin aber sicher und ganz optimistisch, mit wie viel schöpferischer Kraft, mit wieviel Engagement
und mit wie viel Motivation die Kollegen neue und interessante Ideen zu unserem heutigen Thema
entwickeln und gestalten werden, gerade deshalb weil Ihre Liebeserklärung zum Deutschlehrer-Beruf
nicht in Frage zu stellen ist.

Daher sind deshalb folgende Fragen in Gruppenarbeiten zu beantworten.

Was demotiviert den Lehrer beim schulischen Unterricht?

Was demotiviert den Schüler beim Fremdsprachenerwerb?

Was motiviert den Lehrer beim schulischen Unterricht?

Was motiviert den Schüler beim Fremdsprachenunterricht?

5) Wie motiviere ich meine Schüler zum Deutschunterricht?

3. Arbeitsergebnisse und Diskussion:

Gruppe 1: Was demotiviert den Schüler?

1. Schlechte Arbeitsbedingungen
• Mangel an Materialien
• Lage der Schule bzw. des Raumes (Enge, Hitze,Schmutz......)
• Verhalten der Schulbehörden

2. Benehmen des Lehrers


• Keine Motivation
• Keine Vorbereitung
• Schlechte Noten
• Ungerechtigkeit des Lehrers
• Wechsel des Lehrers (undeutliche Aussprache, unklare Erklärungen)
• Langweiliger Unterricht

3. Zwei unterschiedliche Niveaus in einer Klassse


4. Perspektivlosigkeit
5. Andere Schüler

Teilnehmer: Massamba Thioye (Protokollant), Mamadou Coulibaly (Moderator), Ana Diop Sarr,
Aldjouma Sarr, Nafi Faye, Astou M.B. Gaye Deme

Gruppe 2: Was demotiviert den Lehrer?

• Keine Hilfe der Schulleitung


• Mangel an Materialien
• Sehr geringe oder große Schülerzahl
• Mangel an Klassenräumen (Bedingungen)
• Klassen mit unterschiedlichen Niveaus
• Lehrergehalt
• Schlechte Lehrerbenotung
• Disziplinprobleme
• Schwaches Niveau der Schüler; kein Spass am Lernen
• Viele Unterbrechungen im Lernprozess
• Schwierige Prüfungstexte
• Mangel an Fortbildung
• Zu viele oder zu wenige Unterrichtsstunden
• Versetzung in eine ungewünschte Umgebung

Teilnehmer: Nyakassi Manga (Protokollant), ThiernoDiouf (Moderator), Abdoulaye Wane, Fatoumata


Diop Sall, Abdou Salam Diallo, Yaya Ba

Gruppe 3: Was motiviert den Lehrer?

• Genügende Lehr- und Lernmaterialien (Bücher, Kreide, Bänke, .....)


• Benehmen der Schüler: Disziplin, Interesse, Interaktion
• Benehmen der Verwaltung
• Gute Atmosphäre zwischen den Kollegen
• Gute Stimmung zu Hause
• Hoher Lohn
• Weiterbildung (Stipendien, Seminare)
• Angemessene Schülerzahl
• Anständige Klassenräume

Teilnehmer: Anto B. Sadio (Protokollant), Fanta S. Diall (Moderatorin), Ousmane NGom, Amadou A.
Samb, Madou Mbodj, El Mamadou Diouf, Ousmane Thiam

Gruppe 4: Was motiviert den Schüler?

• gute Lernatmosphäre
• Lehrerverhalten:
 korrekte Kleidung
 gute Stimmung
 Geduld / Toleranz
 charmant / aktiv
• gute Vorbereitung des Unterrichts
• die Schüler nach den Namen benennen
• Abwechsungsreicher Unterricht
• das Lehrwerk / die Noten
• die Umgebung
• Deutschclub (Partnerschaft, KK, Preise....)

Teilnehmer:Rokhaya Diop (Protokollant), Malick NDAO (Moderator), Siny Ndiaye, Adama Faye,
Babacar Ndione

Zusammenfassung und Diskussion der Ergebnisse

Das Erkenntnisinteresse der Ateliers kann demnach folgendermaßen formuliert werden:

• Welche Motive und Motivationen haben senegalesische Schüler beim Deutschlernen?


• Inwieweit hat das soziale Umfeld die Mottive und Motivation beeinflußt?
• Welche Rolle spielen interne Persönlichkeitsfaktoren der Schüler bei der Ausprägung ihrer
Motivation bzw. Demotivation?
:

Ich möchte an dieser Stelle darauf hinweisen, dass, die folgenden Ergebnisse nicht den Anspruch
der Vollständigkeit und Generalisierbarkeit erheben. Sie können wohl aber einen Beitrag zur
Diskussion und Motivation beim Deutschlernen liefern.
Etwas ist erfreulich: die Tatsache, dass ich es hier mit „guten“ Deutschlehrern zu tun habe, schlägt
sich auch in den Ergebnissen nieder.

Der in diesen letzten Jahren festgestellten Rückgang des Interesses der senegalesischen Schüler am
Deuschen hängt nicht nur mit den erwähnten Faktoren zusammen, viel mehr spielen auch
folgende Faktoren eine Rolle:

• Das fehlende Bewußtsein für den Nutzen der Sprache


• Das geringe Ausmaß an Kontakt zur Zielsprachenkultur (auch in den Medien)
• Die Möglichkeit an den CEM statt Deusch viel leichtere, nichtsprachliche Fächer zu wählen
(wie Physik, Chemie).
Anhang:

Vorgeschlagener Text zur Diskussion im Plenum: Zum Beispiel


Lehrer Sauer

Er brüllt durch die Klasse, schlägt knallend mit der Hand auf den Tisch: „Jetzt aber Ruhe, los,
Hermann, komm mal an die Tafel. Jetzt schreibst du mir fein säuberlich hier rechts neben die
Jahreszahlen die Ereignisse aus der Reformationszeit hin. Aber ein bisschen dalli, jetzt geht’s nämlich
um die Zeugnisnote!“ Lehrer Sauer lässt den Schüler an sich vorbeigehen, folgt ihm dann zur Tafel.
Plötzlich dreht er sich zur Klasse um und brüllt: „Wer blättert denn da? – Ach, der Theo! Sieh mal
einer an. Was hast du denn da?“ Theo legt etwas betreten sein Französischbuch zur Seite – sieht scheu
zum Lehrer, weiß nicht so recht, woran er ist. Da dröhnt es auf ihn ein: „Steh auf, wenn ich mit dir
rede, du Idiot .Was ist denn das ?“ Er nimmt das Buch hoch. „Wir haben doch Geschichte und kein
Französisch!“ Sauer knallt das Buch wieder auf den Tisch, es fällt herunter, verlegen lächelt Theo.
„Grins nicht so blöd!“ Sauer wendet sich von Theo ab, geht wieder zur Tafel - und schon wieder fährt
er herum: „Wer kichert denn da, sieh an, unsere liebe Gaby. Los, Klassensprecher, aufschreiben: Gaby
stört den Unterricht“. Er schaut sie wütend an: „Dein Verweis ist auch bald fällig, meine Dame!“ Die
Klasse wird unruhig. Sauer scheint die Fassung zu verlieren. Er beginnt zu schreien: „Ihr denkt wohl,
ich lass den Affen aus mir machen? Was glaubt ihr denn, wofür ich da bin?“ Er deutet auf die Tafel.
„Hier ,das muss in eure Köpfe rein , nicht in meinen“ .Hermann druckst noch immer an der Tafel
herum. „Aha, du bist wohl am Ende, wollen mal sehen, was der Hermann fertiggebracht hat. Sie da ,
1525 - Luther, ausgerechnet! Ist wohl alles , was du weißt, was ? Nie was von der Schlacht von Pavia
gehört? Karl V.? Und hier ? – Fehlanzeige!“ Sauer hakt die Jahreszahlen ab, zu denen Hermann nichts
hingeschrieben hat. „Fehlanzeige! Fehlanzeige! Fehlanzeige!“ Er kommt zur letzten Zahl: 1546.
„Schmalkaldischer Krieg – wohl das einzige, was du weißt? Das kennt doch jeder. Setzen! Sechs! –
Also ihr Kanacken, wenn ihr nicht mehr fertig bringt ...“ Da klingelt es zum Ende der Stunde. Unruhe
entsteht, die Schüler stehen auf. Sauer brüllt noch einmal in die Klasse: „Also, für die nächste Stunde
Kapitel sieben!“ Er packt seine Mappe und verschwindet. Die Schüler strömen ihm nach aus der
Klasse.
(Nach einem typischen Unterrichtsablauf 1973 in einem Münchner Gymnasium.)

Einleitende Fragen zur Diskussion

1. Wo hat Lehrer Sauer überall versagt? 2. Worin bbestand seine Methode?


3. Hat er Motivation geliefert? 4. Hat er Neugierde geweckt? 5. Hat er Erfolgserlebnis vermittelt?
6. Wer hat Ihrer Meinung nach eine dicke Sechs verdient? Der Lehrer oder der Schüler?

In Kaolack am 13. Januar 2005 EFI/Kaolack

Ndéné Ndao CEM Tété Diédhiou/ Ziguinchor


Nyakassi Manga CEM Ahoune Sané /Bignona
Ousmane Thiam CEMT Amilcar Cabral Ziguinchor
Yaya Ba (CPI / Kaolack) Lycée Valdiodio Ndiaye/Kaolack
Ana Diop Lycée Valdiodio Ndiaye/Kaolack
Adama Faye Lycée Valdiodio Ndiaye/Kaolack
El Hadj Mamadou Diouf Lycée Valdiodio Ndiaye/Kaolack
Babacar Sarr (CPI / KL CEM 1 Valdiodio Ndiaye/Kaolack
Fatoumata Sall Diop Lycée Valdiodio Ndiaye/Kaolack
Abdoulaye Wane Lycée Basile Diogoye Senghor/Fimela
Boubacar Anthou Sadio Lycée Basile Diogoye Senghor/Fimela
Rokheya Diop L ycée Mamadou Diouf/Foundiougne
Coumba Ndofféne Diouf Cem Khar Ndofféne Diouf/Fatick
Mamadou Coulibaly CEM Palmarin
Amadou Anta Samb LCND/fatick
Modou Mbodj Lycée Khar Kane /Gossas
Ousmane Ngom IA /Fatick
Mme Siny Ndiaye LEG/Diourbel
Astou Mbène Gaye Dème Lycée de Bambey
Babacar Ndione LEG /Diourbel
Massamba Thioye LCND