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Imgart, H. – Schlichterle, P. – Wittine, S. – Reich, G. – Haase, I.

Interpersonelle Probleme bei Jugendlichen


mit einer Essstörung
strukturellen Zusammenfassung circumplexer Daten (Structural Summary Method for Circumplex
Data).

Ergebnisse
HINTERGRUND
Erwachsene Patientinnen mit einer Essstörung berichten vermehrt über interpersonelle Probleme. Die- lung darstellt (Vall & Wade 2015). Aktuell gibt es jedoch nur wenige Informationen darüber, inwieweit
se spielen auch bei der Aufrechterhaltung der Essstörungssymptomatik eine wesentliche Rolle (Hart- interpersonelle Probleme bereits bei Jugendlichen mit einer Essstörung die Erkrankung beeinflussen
mann, Zeeck & Barrett, 2010; Arcelus et al. 2013). Eine Meta-Analyse zeigte, dass das interpersonelle und sich in der Behandlung auswirken. Dies erscheint umso relevanter vor dem Hintergrund, dass Ess-
Funktionsniveau bei Beginn einer Behandlung einen relevanten Prädiktor für den Erfolg der Behand- störungen ihren Beginn häufig im Jugendalter der Betroffenen haben (z. B. Micali et al., 2013).

HYPOTHESEN
(1) Jugendliche mit einer Anorexia nervosa vom restriktiven Typ (AN-R), Anorexia nervosa vom Binge- (2) Interpersonelle Probleme sind mit der Krankheitsschwere der Essstörung assoziiert sowie mit der
Purge-Typ (AN-BP), Bulimia nervosa (BN), Binge-Eating-Disorder (BED) oder einer nicht näher be- allgemeinen psychischen Symptombelastung
zeichneten Essstörung (EDNOS) berichten häufiger von interpersonellen Problemen als die deutsche (3) Das Ausmaß interpersoneller Probleme bei Beginn der Behandlung kann als Prädiktor für den klini-
Normstichprobe schen Outcome dienen

METHODIK
Wir befragten jugendliche Patientinnen mit einer Essstörung zwischen 13 und 18 Jahren vor Beginn (SCL-90) und die interpersonellen Probleme operationalisierten wir mittles des Inventory of Interperso-
ihrer stationären Behandlung in der Parkland-Klinik. Beim Vergleich mit der deutschen Normstichprobe nal Problems (IIP-C).
des IIP orientierten wir uns an den Normtabellen von Brähler (1999). Neben Deskriptive Statistiken nutzten wir z-Transformationen, T-Tests und ANOVA inkl. Post-Hoc-Tests
Es handelt sich um ein Prä-Post-Design. Bei Beginn der Behandlung (T0) lag das N bei 805, bei Ende sowie Korrelationsanalysen und die multiple Regression. Weiterhin verwendeten wir Methoden zur
der Behandlung (T1) bei N=540. Die Schwere der Essstörung wurde mit dem Eating Disorder Inven- strukturellen Zusammenfassung circumplexer Daten (Structural Summary Method for Circumplex Data).
Abbildung 1: Alle Essstörungen zeigen signifikante Unterschiede zur dt. Normstichprobe. Die größten
strukturellen
tory (EDI-2) Zusammenfassung circumplexer
erhoben, die allgemeine Daten (Structural
psychische Summary Method
Symptombelastung durchfordieCircumplex
Symptom-Checkliste Unterschiede zeigten sich hier auf den IIP-Subskalen „sozial-vermeidend“, „ausnutzbar“, „übermäßig
Data). fürsorglich“.

ERGEBNISSE
Ergebnisse

IIP-Gesamtwert (T0)
Symptomschwere (T0) Korrelation nach Signifikanz N
Pearson
SCL-90-R (GSI) .619 <.001 805
BMI -.064 .066 805
Binge-Eating .008 .032 479
Purging .106 .020 479
EDI-2- Gesamtwert .483 <001 805

Abbildung 2: Interpersonelle Probleme sind mit der allgemeinen psychischen Symptombelastung so-
Abbildung 2:Krankheitsschwere
wie mit der Interpersonelle Probleme sind mit der
der Essstörung allgemeinen
assoziiert, psychischen
nicht aber Symptombelastung
mit spezifischen sowie
Essstörungssym-
mit
ptomenderwieKrankheitsschwere der Essstörung assoziiert,
die Häufigkeit von Binge-Purge-Verhalten oder dem BMI.nicht aber mit spezifischen
Essstörungssymptomen wie die Häufigkeit von Binge-Purge-Verhalten oder dem BMI.

IIP- Skalenbezeichnung Zusammenhang Gewichtung


Skala
BC Streitsüchtig/konkurrierend Geringere Streitsüchtigkeit verspricht: Jeweils
• Mehr Zuwachs im BMI bei AN-R tendenziell
• Mehr Therapieerfolg im SCL-90-R
(bei allen Essstörungen)
JK Ausnutzbar/nachgiebig Geringerer Ausnutzbarkeit/Nachgiebigkeit tendenziell
verspricht größere Gewichtsreduktion bei
BED

Abbildung 3: Diese beiden Skalen waren sowohl in der Korrelationsanalyse und der Regressionsanalyse
Abbildung 1: Alle Essstörungen zeigen signifikante Unterschiedezurzur
dt.dt. Normstichprobe.
DieDie größten Abbildung 3: Diese beiden Skalen deutete
waren sowohl in der Korrelationsanalyse
Abbildung 1: Alle Essstörungen zeigen signifikante Unterschiede Normstichprobe. größten auffällig. Bei AN-R-Patientinnen eine niedrigere Ausprägung auf und der Regressionsanalyse
der Skala „streitsüchtig“ auf
Unterschiede zeigten
sichsich
hierhier
aufauf
denden IIP-Subskalen „sozial-vermeidend“, „ausnutzbar“, „übermäßig auffällig. Bei AN-R-Patientinnen
Unterschiede zeigten IIP-Subskalen „sozial-vermeidend“, „ausnutzbar“, „übermäßig eine stärkere Gewichtszunahmedeutete
hin. Beieine niedrigere Ausprägung
BED-Patientinnen wies eineauf der Skala Wert
niedrigerer „streitsüchtig“ auf
auf der Skala
fürsorglich“. eine stärkere Gewichtszunahme hin. Bei BED-Patientinnen
fürsorglich“. „ausnutzbar“ auf einen stärkeren Gewichtsverlust hin. Beiwies
alleneine niedrigererweist
Essstörungen Werteine
auf niedrigere
der Skala
„ausnutzbar“
Ausprägung auf auf der
einen stärkeren
Skala Gewichtsverlust
rachsüchtig hin. Bei
auf eine größere allen Essstörungen
Verbesserung weist
im SCL-R-90 eine niedrigere
hin.
Ausprägung auf der Skala rachsüchtig auf eine größere Verbesserung im SCL-R-90 hin.

ZUSAMMENFASSUNG UNDIIP-Gesamtwert
FAZIT (T0) Zusammenfassung und Fazit
Symptomschwere (T0) Korrelation nach Signifikanz N
Dies ist die erste umfassende Pearson
Arbeit, die sich mit den interpersonellen Problemen von essgestörten Dies ist dieDiese
nutzbar. erste umfassende Arbeit, diejedoch
Probleme scheinen sich mitstärker
den interpersonellen Problemen psychischen
mit der allgemeinen von essgestörtenSymptombelas-
SCL-90-R (GSI)beschäftigt.
Jugendlichen .619 <.001 mit Essstörungen
Jugendliche Patientinnen 805zeigen stärkere interpersonelle Jugendlichen beschäftigt. Jugendliche
tung zusammenzuhängen, als mitPatientinnen
spezifischen mitCharakteristika
Essstörungen zeigen der stärkere interpersonelle
Essstörungen. Dennoch erscheint
BMI -.064 .066 805 Probleme
Probleme auf als der Durchschnitt. Im Circumplex-Modell der interpersonellen Probleme zeigt sich bei der IIP-C auf zudemals der Durchschnitt.
kein Im Circumplex-Modell
zuverlässiger Prädiktor für dender interpersonellen
klinischen Outcome Probleme zeigt sich bei
im stationären Setting zu sein.
Binge-Eating .008 .032 479 allen untersuchten Jugendlichen eine Verschiebung in den freundlich-submissiven Bereich: die
allen untersuchten Jugendlichen eine Verschiebung in den freundlich-submissiven Bereich: die Jugend- Interessant wäre es an dieser Stelle zukünftig zu untersuchen, wie sich dies im längeren Behand-
Purging .106 .020 479 Jugendlichen beschreiben Probleme, dominantes Verhalten zu zeigen und fühlen sich zu freundlich
lichen beschreiben Probleme, dominantes Verhalten zu zeigen und fühlen sich zu freundlich und aus- lungsverlauf verhalten würde (z. B. im Rahmen einer ambulanten Langszeittherapie).
EDI-2- Gesamtwert .483 <001 805 und ausnutzbar. Diese Probleme scheinen jedoch stärker mit der allgemeinen psychischen
Symptombelastung zusammenzuhängen, als mit spezifischen Charakteristika der Essstörungen.
Dennoch erscheint der IIP-C zudem kein zuverlässiger Prädiktor für den klinischen Outcome im
Abbildung 2: Interpersonelle Probleme sind mit der allgemeinen psychischen Symptombelastung sowie
Literaturangaben:
mit der Krankheitsschwere der Essstörung assoziiert, nicht aber mit spezifischen stationären Setting zu sein. Interessant wäre es an dieser Stelle zukünftig zu untersuchen, wie sich dies
Arcelus et al. (2013).The role of interpersonal functioning in the maintenance of eating psychopathology: A systematic review and
Essstörungssymptomen wie die Häufigkeit von Binge-Purge-Verhalten oder dem BMI. imMicalilängeren Behandlungsverlauf
et al. (2013). verhalten
The incidence of eating disorders inwürde
the UK in(z.B. im Rahmen
2000-2009: einer
findings from ambulanten
the General Practice Research Data-
testable model. Clinical Psychology Review, 33 (1), 156-167. base. BMJ Open 2013;3 (5).
Langszeittherapie).
Brähler et al. (1999). Validation of the Inventory for Interpersonal Problems (IIP). Results of a representative study in East and West Vall & Wade (2015). Predictors of treatment outcome in individuals with eating disorders: A systematic review and meta-analysis.
Germany. Psychotherapie, Psychosomatik, Medizinische Psychologie, 49 (11), 422-431. International Journal of Eating Disorders, 48 (7), 946-971.
Hartmann, Zeeck & Barrett (2010). Interpersonal problems in Eating Disorders. International Journal of Eating Disorders, 43 (7),
Literaturangaben
619-627.
Arcelus et al. (2013). The role of interpersonal functioning in the maintenance of eating
Kontakt:
psychopathology: A systematic review and testable model. Clinical Psychology Review, 33 (1), 156-167.
Patti-Sue.Schlichterle@parkland-klinik.de Brähler et al. (1999). Validation of the Inventory for Interpersonal Problems (IIP). Results of a
representative study in East and West Germany. Psychotherapie, Psychosomatik, Medizinische
Psychologie, 49 (11), 422-431.
Hartmann, Zeeck & Barrett (2010). Interpersonal problems in Eating Disorders. International Journal
Parkland-Klinik · Im Kreuzfeld 6 · 34537 Bad Wildungen · www.parkland-klinik.de of Eating Disorders, 43 (7), 619-627.
Micali et al. (2013). The incidence of eating disorders in the UK in 2000-2009: findings from the General

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