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Landtagsklub.

Tirol, den 14. Dezember 2021.

Tagesordnung zum Haushaltsgesetz Nr. 101/21:

Autonomie schützen - Proporz einhalten:


Haushaltsmittel für die Anwerbung deutschsprachiger Fachkräfte
zur Verfügung stellen.

Der Proporz, mit dem die Aufteilung der öffentlichen Arbeitsstellen in Süd-Tirol
gemäß der Sprachgruppenstärke erfolgt, ist einer der wichtigsten Säulen der
Autonomie, die hart erkämpft werden musste. Mit dem Proporz konnte
sichergestellt werden, dass junge Süd-Tiroler in Süd-Tirol Arbeit finden und nicht
abwandern müssen, gleichzeitig wurde damit die Verwendung der deutschen
Sprache bei allen öffentlichen Diensten sichergestellt.

In den letzten Jahren ist es zu jedoch einer Aufweichung dieser unverzichtbaren


Autonomiebestimmung gekommen. Besonders spürbar ist die Situation im
Gesundheitswesen. 2019 waren es 127 Stellen, 2020 waren es 183 Stellen und
heuer sind es allein im Gesundheitsbezirk Bozen bereits 320 Stellen, die mittels
Beschluss der Landesregierung an Italiener vergeben wurden, obwohl die Stellen
für die deutsche und ladinische Sprachgruppe vorgesehen wären.

Die Folge dieser Entwicklung ist, dass die deutsche Sprache in den öffentlichen
Einrichtungen zurückgedrängt wird. Einen deutschsprachigen Arzt oder Pfleger in
Süd-Tirol anzutreffen war vor einigen Jahren noch eine autonomiepolitisch
geschützte Selbstverständlichkeit, heute kann das Recht auf Gebrauch der
deutschen Sprache nicht mehr durchgängig gewährt werden. Arztberichte,
Medikamentenbestellungen, Befunde, Rezepte, Therapiepläne, ja selbst das für
eine erfolgreiche Behandlung so wichtige Gespräch zwischen Arzt und Patient gibt
es allzu oft nur mehr in italienischer Sprache.

Die Ursachen für diese Entwicklung sind vielfältig und auch auf den
Fachkräftemangel zurückzuführen. Umso wichtiger ist es daher, dass rechtzeitig
erhoben wird, welche und wie viele Fachkräfte in den kommenden Jahren
gebraucht werden, um diese rechtzeitig auszubilden bzw. anzuwerben. Zwar hat
es in den letzten Jahren einige Versuche gegeben, Fachkräfte in den
umliegenden deutschsprachigen Ländern anzuwerben, eine gezielte Suche nach
deutschsprachigen Fachkräften in den europäischen Nachbarstaaten ist jedoch
größtenteils aus- bzw. erfolglos geblieben.

Süd-Tiroler Freiheit | Freies Bündnis für Tirol


landtag@suedtiroler-freiheit.com
Neben Österreich, Deutschland und der Schweiz, gibt es auch in den Benelux-
Ländern, in Dänemark, Böhmen und Mähren, der Slowakei, Ungarn, Siebenbürgen,
Slowenien und Kroatien viele Fachkräfte, die bereits in der Schule die deutsche
Sprache erlernen und für die ein Arbeitsplatz in Süd-Tirol interessant sein könnte.
Selbst in Italien gibt es Fachkräfte, die der deutschen Sprache mächtig sind. Diese
deutschsprechenden Fachkräfte gilt es ganz gezielt anzuwerben.

Aus diesem Grunde stellen die Gefertigten den

Antrag:

Der Süd-Tiroler Landtag wolle beschließen:

1. Der Süd-Tiroler Landtag bekräftigt das unverzichtbare Recht auf Gebrauch


der Muttersprache in Süd-Tirol und fordert die Landesregierung auf, die
Einhaltung des Proporzes sicherzustellen.

2. Die Landesregierung wird beauftragt, eine Erhebung durchzuführen, welche


Fachkräfte in den folgenden 5 Jahren in der öffentlichen Verwaltung in Süd-
Tirol benötigt werden.

3. Die Landesregierung wird beauftragt, im Haushalt Mittel zur Verfügung zu


stellen, um gezielt deutschsprachige Arbeitskräfte in anderen europäischen
Ländern anzuwerben, sofern die Stellen nicht mit deutsch- und
ladinischsprachigen Süd-Tirolern besetzt werden können.

L.-Abg. Sven Knoll. L.-Abg. Myriam Atz-Tammerle.

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