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Die deutschen Brauer


Deutscher Brauer-Bund e. V.
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Alkoholkonsum
in der
Öffentlichkeit
Verantwortung & Dialog in der Praxis
Inhalt

Vorwort 3

1. Kontext 4

2. Gesetzliche Rahmenbedingungen und Selbstverständnis 5

3. Handlungsbereiche 6

3.1. Alkohol im öffentlichen Raum 6

3.2. Alkohol im öffentlichen Personennahverkehr 9

3.3. Alkohol bei Veranstaltungen 10

4. Handlungsoptionen 12

4.1. Handlungsoptionen für den öffentlichen Raum 12

4.2. Handlungsoptionen im öffentlichen Personennahverkehr 13

4.3. Handlungsoptionen bei Veranstaltungen 14

5. Zusammenfassung 16

6. Anlagen und Planungshilfen 17

6.1. Übersicht - Jugendschutzgesetz 17

6.2. Umsetzung des Jugendschutzes 19

6.3. Vorbereitung einer Veranstaltung 20

6.4. Erziehungsbeauftragung - Hinweise für den Veranstalter 21

6.5. Checkliste - Jugendschutz auf Veranstaltungen 23

6.6. Sportveranstaltungen 25

6.7. Grundsätze kommunaler Alkoholpolitik 26

6.8. Konkrete Maßnahmen - Handlungskonzept 28

6.9. Best Practice im ÖPNV 31

2
Vorwort

Der Alkoholkonsum im Allgemeinen und Diesem Ziel soll der Leitfaden, erstellt vom
im öffentlichen Raum im Besonderen gerät Deutschen Brauer-Bund e. V., Rechnung
zusehends in die Kritik. Wenn auch der tragen. Mit dieser Handlungsanleitung
Alkoholkonsum in Deutschland insgesamt sollen Kommunen, Vereine, Jugendorga-
rückläufig ist, fallen unerlaubter Alkohol- nisationen und öffentliche Verkehrsunter-
konsum durch Kinder und Jugendliche nehmen motiviert werden, den Alkohol-
sowie Trinkexzesse im öffentlichen Be- konsum in der Öffentlichkeit zu gestalten
wusstsein verstärkt auf. Stimmen aus und effektiven Jugendschutz zu gewähr-
Politik und Gesellschaft fordern sowohl aus leisten.
Gründen des Jugend- und Gesundheits-
schutzes als auch aus Gründen der öffent- Der Leitfaden „Alkoholkonsum in der
lichen Sicherheit Verzehrs- und Abgabever- Öffentlichkeit“, ist ein weiterer Beitrag der
bote für das Trinken im öffentlichen Raum, deutschen Brauer zu Verantwortung und
im öffentlichen Personennahverkehr Dialog in der Praxis.
(ÖPNV) oder bei und um Veranstaltungen
insbesondere von Sportvereinen. Die deutschen Brauer
September 2010
Unzulässiger und übermäßiger Alkohol-
konsum mit den negativen Erscheinungen
in der Öffentlichkeit sind ein gesamtge-
sellschaftliches Problem - vor Ort in den
Kommunen, in Vereinen und sonstigen
öffentlichen Bereichen. Deshalb gilt es dort
anzusetzen, anstatt „von oben“ Verbote
anzuordnen.

Kommunen, Betreiber des ÖPNV und


Vereine - die wesentlichsten Akteure vor
Ort - sind ebenso wie Veranstalter auf-
gerufen, einen Handlungsrahmen zu setzen,
der auf Aufklärung, Prävention und Kontrolle
setzt. Dabei steht der Kinder- und Jugend-
schutz besonders im Vordergrund.

3
1. Kontext

Alkoholhaltige Getränke haben in Zentral- Alkoholmissbrauchsprävention beschränkt


europa seit jeher eine gesellschaftliche sich nicht nur auf die Vermeidung von
Bedeutung und einen besonderen kultu- Missbrauch, sondern stellt auch ab auf das
rellen Stellenwert. Mit alkoholhaltigen gesamte öffentliche Leben. Mit dem
Getränken verbinden sich Genuss, aber Jugendschutzgesetz, dem Gaststättenrecht
auch gesellschaftliche, sozialpolitische und und dem öffentlichen Recht für Sicherheit
wirtschaftliche Interessen. Das individuelle und der Gefahrenabwehr besteht ein
Trinkverhalten steht dabei auch im Zusam- gesetzlicher Rahmen. Diesen gilt es anzu-
menhang mit den jeweiligen gesamtge- wenden und zu gestalten und zwar von
sellschaftlichen Verhaltensweisen und allen relevanten gesellschaftlichen Gruppen
Einstellungen. Das hebt allerdings die je nach der jeweiligen Verantwortung.
individuelle Verantwortung nicht auf.
Ziel ist es, Bewusstsein und Verantwortung
Die deutschen Brauer tragen als Teil unserer im Umgang mit Alkohol vorzuleben, junge
Gesellschaft Mitverantwortung insbe- Menschen aufzuklären und zu begleiten.
sondere im Bereich des Kinder- und Das Zusammenspiel der konkreten An-
Jugendschutzes, aber auch im gesamten sprechpartner ist einzufordern.
öffentlichen Leben. Die Zielsetzung der

Verantwortung im Umgang mit Alkohol

Kommunen /
Brau- Handel / Schulen /
Eltern Verkehrs-
wirtschaft Gastro Vereine
unternehmen

• Verantwort- • Aufklärung • Schulung • Aufklärung • Welche


ungsvoller über Abgabe- des Verkaufs- über Gefahr Abgabe-
Vertrieb grenzen personals des alkoho- grenzen?
lisierten
• Verantwort- • Einhaltung • Einhaltung Autofahrens • Wie wirkt
ungsvolle der Abgabe- der Abgabe- Alkohol?
Vermarktung grenzen grenzen • Erklärung der
rechtlichen
• Bekenntnis Konsequenzen
zu Abgabe-
grenzen

4
2. Gesetzliche Rahmenbedingungen und
Selbstverständnis

Das gesellschaftliche Leben und das indi- Der schlichte Alkoholkonsum in der Öffent-
viduelle Verhalten sind geprägt von der lichkeit ist durch Art. 2 Abs. 1 GG geschützt.
Einhaltung gesetzlicher Rahmenbeding- Vor allem ist das störungsfreie Trinken von
ungen. Verschiedene Akteure setzen eigene Alkohol in der Öffentlichkeit zur Durstlösch-
zusätzliche Spielregeln, wie etwa die Ver- ung oder zum Genuss keine Polizeigefahr.
haltensregeln zur Bewerbung und den Maßnahmen der Gefahrenvorsorge be-
Vertrieb von alkoholhaltigen Produkten. Das dürfen einer eigenen Rechtsgrundlage.
umfassende gesetzliche Regelwerk (z. B. Sachlich sind sie im Ordnungsbehörden-
im Gaststätten- und im Jugendschutzrecht), bzw. Polizeigesetz eines Landes ange-
das den Alkoholkonsum klar beschränkt, siedelt.
wird ergänzt durch freiwillige Selbstver-
pflichtungen von Herstellern alkoholhaltiger Der Inhaber einer Gaststättenerlaubnis darf
Getränke. nicht dem Alkoholmissbrauch Vorschub
leisten und dadurch die Gesundheit gefähr-
den § 4 Abs. 1, S. 1 GastG.
Grundsätzlich darf kein Alkohol an
Jugendliche unter 16 abgegeben oder Die Ladenöffnungsgesetze der Länder
ausgeschenkt werden. Ab 16 sind gestatten an Tankstellen außerhalb der
Wein, Bier und Sekt, ab 18 brannt- allgemeinen Öffnungszeiten und damit
wein- oder spirituosenhaltige abends bzw. nachts nur den Verkauf von
Getränke, zu denen alkoholische „Reisebedarf“, im Einzelnen auch Lebens-
Cocktails und Alkopops gehören, und Genussmittel in kleine Mengen. Diese
erhältlich. Maßgeblich hierbei ist die Voraussetzung lässt sich quantifizieren. Mit
Herstellungsart, nicht der Alkohol- Blick auf straßenverkehrsrechtliche Oblie-
gehalt. Jugendlichen unter 16 darf genheiten (§§ 24a Abs. 1, 24c StVG) ist die
der Konsum derartiger Getränke Abgabemenge „strikt begrenzt auf das
nicht gestattet werden. Dies betrifft Nötigste“. Bei gesetzeskonformem Verhal-
auch mitgebrachte Getränke! ten leistet der späte Alkoholverkauf durch
Tankstellen keinen nennenswerten Beitrag
für exzessiven Alkoholgenuss im öffent-
Ferner liefern das Straßen- als auch das lichen Bereich. In Anbetracht zahlreicher
Gefahrenabwehrrecht Eingreifmöglichkei- alternativer Beschaffungsmöglichkeiten
ten zur Einhaltung der öffentlichen Sicher- lassen sich Trinkbereitschaft und Gewohn-
heit und Ordnung. Relevante Gesetze sind: heit nicht messbar über Ladenöffnungs-
zeiten oder Verkaufsverbote steuern.
• Grundgesetz
• Jugendschutzgesetz
• Gaststättengesetz
• Öffentliches Gefahrenabwehrrecht
(Bundes- & Landespolizeigesetz)
• Landesgesetze über die öffentliche
Sicherheit & Ordnung
• Ladenöffnungsgesetze (Bund & Länder)

5
3. Handlungsbereiche

Der Genuss von Alkohol ist Teil der Alltags- Rahmenbedingungen. Dabei verlieren die
kultur. Alkoholische Getränke sind Bestand- klassischen sozialen Strukturen an Bedeu-
teil des Gesellschaftslebens. Mit der Plura- tung. Erlebnis- und Genussorientierung
lisierung der Lebens- und Konsumstile sind stehen im Vordergrund. Damit einher geht
auch Veränderungen der Lebens- und Kon- eine Zunahme von Wahlmöglichkeiten. Die
sumgewohnheiten einhergegangen. Der moderne Erlebnisgesellschaft, ist unter
ökonomische und soziale Wandel bewirkt anderem gekennzeichnet durch Massen-
auch Veränderungen im Konsumverhalten. konsum und Massenproduktion. Dazu
Eine Folge davon ist die Zunahme des gehört auch das Erleben im öffentlichen
Konsums außer Haus. Essen und Trinken Raum. Dort sind Essen und Trinken zum
finden zusehends in der Öffentlichkeit statt. Normalfall geworden. Gerade im Hinblick
Die Befriedigung von Bedürfnissen und auf die öffentliche Sicherheit und Ordnung
Wünschen ist nicht mehr an bestimmte werden aber generelle Konsumverbote von
Orte und Zeiten gebunden; sie steht im alkoholhaltigen Getränken im öffentlichen
Zusammenhang mit den gesellschaftlichen Raum gefordert.

3.1. Alkohol im öffentlichen Raum

In Deutschland ist Alkoholkonsum grund- Alkoholgenuss in der Öffentlichkeit stellt


sätzlich erlaubt und in der Öffentlichkeit auch keine abstrakte Gefahr für die öffent-
toleriert. Wer auf einem öffentlichen Platz liche Sicherheit und Ordnung dar und kann
alkoholische Getränke konsumiert, verstößt somit nicht Gegenstand eines Verbots
nicht gegen die anerkannten sozialen Re- durch eine Gefahrenabwehrverordnung
geln über das Verhalten des Einzelnen in gemacht werden. Die psychischen Hemm-
der Öffentlichkeit und stört nicht die öffent- schwellen können in Folge von Alkoholge-
liche Ordnung. Alkoholisierte Personen sind nuss gesenkt werden. Es kann somit die
zwar für die Kommunen ein Ärgernis, diese Bereitschaft zunehmen, Handlungen zu
stellt aber keine Gefahr im Sinne der Polizei- begehen, die eine Gefährdung beziehungs-
und Ordnungsgesetze dar. Der bloße Alko- weise Störung der öffentlichen Sicherheit
holkonsum stellt keine konkrete Gefahr dar. und Ordnung darstellen. Vor dem Hinter-
grund des Prinzips der unmittelbaren Ver-
Eine konkrete Störung bzw. Gefahr für die ursachung reicht aber auch eine solche
öffentliche Ordnung ist durch den bloßen Folge des Alkoholgenusses nicht aus, um
Alkoholgenuss regelmäßig nicht gegeben. ihn zu einer abstrakten Gefahr zu erklären.
Diese Möglichkeit scheidet schon deshalb Auch beim Alkoholgenuss müssen weitere
aus, weil angesichts der Trinkgewohnhei- Handlungen desjenigen hinzutreten, der
ten der Bevölkerung der Bundesrepublik den Alkohol zu sich nimmt, um Gefahren
Deutschland nicht davon ausgegangen beziehungsweise Störungen der öffentlich-
werden kann, dass der Alkoholkonsum den en Sicherheit und Ordnung zu verursachen.
herrschenden sozialen und ethischen
Anschauungen auch nur ansatzweise wider- Der bloße Alkoholgenuss stellt für sich
spricht. allein gesehen somit keine Gefahr für die

6
öffentliche Sicherheit und Ordnung dar. die mitgebrachten Alkohol konsumieren
Entsprechende ordnungsrechtliche Maß- oder auch nur in Konsumabsicht mit sich
nahmen sind daher rechtswidrig. Zum führen, regelmäßig gewalttätig werden.
Vorgehen gegen störende Ansammlungen Davon kann jedoch weder aufgrund der
alkoholisierter Personen bieten Polizei- und Lebenserfahrung, noch aufgrund polizei-
Ordnungsrecht hinreichende Möglichkeiten, licher Erhebungen zur Entwicklung der
ohne dass es allgemeiner Verbote bedarf, Gewaltkriminalität ausgegangen werden.
die in einigen Kommunen erlassen worden Die enthemmende Wirkung von Alkohol
sind. kann zwar zu aggressivem Verhalten führen,
Eine Regelung in einer Polizeiverordnung, aber nicht typischerweise bei Jedem.
wonach es im zeitlichen und örtlichen
Geltungsbereich der Verordnung auf den Alkoholkonsum in der Öffentlichkeit ist
öffentlich zugänglichen Flächen verboten grundsätzlich durch Art. 2 Abs. 1 Grund-
ist, alkoholische Getränke zu konsumieren gesetz (GG) geschützt. Ein Eingriff in dieses
oder in Konsumabsicht mit sich zu führen, Grundrecht wäre nur über eine Befugnis-
ist nur dann zulässig, wenn hinreichende norm möglich. Eine solche verfassungskon-
Anhaltspunkte dafür vorliegen, dass das forme und verhältnismäßige Norm gibt es
verbotene Verhalten regelmäßig und nicht, da das störungsfreie Trinken von
typischerweise Gewaltdelikte oder andere Alkohol in der Öffentlichkeit per se keine
Straftaten zur Folge hat1. Gefahr darstellt2.

Generelle Alkoholverbote sind von den Der Erlass von allgemeinen Verbotsver-
Ermächtigungen der Polizeigesetze nicht fügungen unterliegt natürlich auch dem
gedeckt. Diese erlauben eine selbst gering- Grundsatz der Verhältnismäßigkeit.
fügige Freiheitseinschränkung durch Ver-
ordnungen nur, wenn typischerweise von
jedem Normadressaten auch eine Gefahr
ausgeht. Die Feststellung einer Gefahr ver- 1
VGH Mannheim AZ 1 S 2200/08 und 1 S 2340/08
langt eine in tatsächlicher Hinsicht abge-
2
Aufsatz von Jürgen Wohlfarth „Über Feuchtgebiete
sicherte Prognose. Es müssen hinreichende
zwischen Schluck und Suff – der Kampf der Gemeinden
Anhaltspunkte vorliegen, dass all diejenigen, gegen Alkoholmissbrauch“, LKRZ 2/2009, S. 49

Alkoholkonsum im öffentlichen Raum


– mögliche Gefahr –

KEINE GEFAHR SCHEINGEFAHR GEFAHR-VERDACHT GEFAHR


Keine hinreichende Keine hinreichende Keine sichere Hinreichende
Wahrscheinlichkeit Wahrscheinlichkeit Prognose, jedoch Wahrscheinlichkeit
eines eines Schadensein- Tatsachen, die die eines Schadens-
Schadenseintrittes trittes, aber fälschlich Annahme eintrittes
angenommen rechtfertigen

7
Ein Verbot verlagert die Problematik auf
Für ein präventives Verbot des Alko- andere Bereiche des öffentlichen Lebens.
holgenusses müssen in einem be- Die Verdrängung kann damit zu einer
stimmten Gebiet vermehrt und nach- gesteigerten Konzentration von Alkohol-
weisbar Ordnungswidrigkeiten oder missbrauch in Problembezirke führen, in
Straftaten aufgetreten sein, der Ein- denen bereits ein soziales Ungleichgewicht
satz milderer Mittel muss erfolglos vorherrscht.
gewesen sein, das Verbot muss gege-
benenfalls zeitlich und räumlich auf Als mögliche Ursachen für das Rausch-
die betroffenen Bereiche begrenzt trinken in der Öffentlichkeit kommen Ein-
werden und eindeutig formuliert sein, flussfaktoren wie das familiäre und soziale
und es darf nicht höherrangiges Recht Umfeld, das Freizeitverhalten, Gruppen-
geben, das den Fall bereits erfasst. zwang und die Suche nach Grenzerfah-
rungen in Betracht. Diesen kommt weit
Grundsätzliche Alkoholverbote als größere Bedeutung zu als der Verfügbarkeit
Abwehr einer Gefahr sind somit nicht von Alkohol.
zulässig!
Die Trinkaffinität Jugendlicher ist darüber
hinaus nach eine aktuelle Studie der BZgA
rückläufig3. Der wöchentliche Alkoholkon-
Generelle Alkoholverbote in Innenstädten sum sowohl bei männlichen als auch bei
und Verkaufseinschränkungen sind darüber weiblichen Jugendlichen (12-17 Jahre) ist
hinaus auch wenig zielführend. Kommunen, um 4,2% zurückgegangen. Weiterhin ist
Ärzte und Kassen müssen im Kampf gegen ein Rückgang des monatlichen Rausch-
das Komatrinken zusammenarbeiten und trinkens Jugendlicher (12-17 Jahre) um
eine Aufklärungskampagne initiieren. 5,1% festgestellt worden.

Nicht die Tatsache einer leichten Verfügbarkeit führt zu missbräuchlichem


Verhalten. Vielmehr geht es um die Einstellung zum Konsum von Alkohol in
bestimmten Situationen. Zu Jugendlichen muss daher der intensive Kontakt
gesucht werden und mit Aufklärung und Verständnis der Situation gearbeitet
werden. Vielen Jugendlichen ist nicht bewusst, welche Gefahren sich aus
übermäßigem Alkoholkonsum ergeben. Sie haben deshalb auch kein klares
Unrechtsbewusstsein. Ein Verbot und eine damit einhergehende Strafandro-
hung wirkt daher kaum abschreckend.

3
Die Drogenaffinität Jugendlicher in der Bundesrepublik
Deutschland 2008, Juni 2009, S. 28

8
3.2. Alkohol im öffentlichen Personennahverkehr

Alkoholkonsum im ÖPNV gerät zunehmend und gegebenenfalls die Polizeikräfte


in den Fokus der Öffentlichkeit. Nicht zuletzt hinzuziehen.
im Zusammenhang mit Groß- und Sportver-
anstaltungen entwickelt sich die An- und Allerdings erscheint ein höherer Personal-
Abreise der Teilnehmer mit öffentlichen einsatz nicht realisierbar. Daher ist eine
Verkehrsmitteln zum Brennpunkt. Hierbei gemeinsame Suche nach Lösungen ange-
steht oftmals eine Gruppe von Störern im zeigt, wie das Problem grundsätzlich zu
Mittelpunkt, die durch übermäßigen Alko- bekämpfen ist. Dies sehen auch Vertreter
holkonsum und unangemessenes Verhalten der Fahrgastverbände (Allianz Pro Schiene
Mitreisende belästigen und die übrigen und Pro Bahn e.V., 2009). Ein Alkoholverbot
Teilnehmer in Misskredit bringen. muss letztlich von den Zugbegleitern vor
Ort durchgesetzt werden, was aber laut
Neben Städten und Kommunen, versuchen GDBA nur schwer zu verwirklichen ist.
auch Verkehrsunternehmen mittels Alkohol- Alkoholisierte Personen weichen als Kon-
verboten Belästigungen anderer Fahrgäste sequenz verstärkt auf den Individualverkehr
zu vermeiden und so des Problems Herr aus, steigen also ins Auto. Das kann nicht
zu werden. Die Beförderungsbedingungen im Interesse der öffentlichen Sicherheit sein.
von Verkehrsträgern sehen teilweise ein
Verbot des Konsums von alkoholhaltigen Nur die frühzeitige Aufklärung und Informa-
Getränken vor. Nach den Regeln vieler Be- tion, die einhergehen mit einer wirksamen
förderungsbedingungen dürfen stark alko- Abschreckung und Durchsetzung geltenden
holisierte Personen, die eine Gefahr für Rechts, sind hier erfolgversprechend. Zu
sich und andere darstellen, die öffentlichen der alkoholhaltige Getränke missbrauchen-
Verkehrsmittel des jeweiligen Unterneh- den, gewaltbereiten Problemgruppe muss
mens nicht benutzen. Im Rahmen der den daher vor, während und nach Nutzung der
Verkehrsträgern zustehenden Regelungs- Bahn oder anderer öffentlicher Beförder-
kompetenz sind solche Verbote statthaft. ungsmittel ein intensiver Kontakt gesucht
Allerdings wird oftmals gegen sie versto- werden. Dabei sollte mit Aufklärung und
ßen. Einer der Hauptursachen hierfür liegt Verständnis gearbeitet, aber ggf. auch
in einem eklatanten Vollzugsdefizit. Kräfte, situationsbedingt mit der notwendigen
die die Einhaltung der Verbote kontrollieren, Härte gehandelt werden. Viele Alkoholi-
gibt es überhaupt nicht oder in einer zu sierte haben kein klares Unrechtsbewusst-
geringen Anzahl. Die Regelungen in den sein. Ihnen sollte ihr sozialschädliches,
Beförderungsbedingungen gehen somit teilweise strafbares Verhalten vor Augen
vielfach ins Leere. geführt werden, damit die in den Gesetzen
festgelegte Strafandrohung für die Zukunft
Das vorhandene Ordnungsrecht reicht aus, eine abschreckende Wirkung entfalten
den Trinkexzessen und der in diesem kann.
Zusammenhang stehenden Kriminalität
frühzeitig entgegenzuwirken. Bahnbetreiber Vorschläge der Innenministerkonferenz des
können hier ihr Hausrecht geltend machen Bundes und der Länder (IMK) beinhalten

9
die Erhöhung der Polizeipräsenz, der Video- dieser Vorschriften ist, wie in vielen anderen
überwachung und den effizienteren Einsatz Bereichen auch, einmal mehr der Schlüssel
von Notrufeinrichtungen. Grund-sätzlich ist zum Erfolg. Eine geeignete Maßnahme zur
ein Alkoholverbot bereits jetzt in vielen Präsenzerhöhung in öffentlichen Verkehrs-
Hausordnungen von ÖPNV oder Bahnen mitteln ist nach Auffassung der IMK die
zu finden. Die Kontrolle der Einhaltung Nutzung uniformierter Polizeibeamte4.

3.3. Alkohol bei Veranstaltungen

Im gesellschaftlichen Leben ist der Konsum Beziehungen zum Veranstalter besteht


alkoholischer Getränke gerade bei Veran- eine persönliche Verbundenheit. Eine
staltungen eher die Regel als die Aus- namentliche Auflistung – möglichst mit
nahme. Neben Sport- und Tanzveranstal- Geburtsdaten – aller Teilnehmer wäre
tungen, sowie regionalen Festveranstal- möglich.
tungen, aber auch bei Großveranstaltungen
(Karneval, Konzerten, Oktoberfest) ist der Öffentliche Veranstaltungen, die die Merk-
Genuss von Alkohol selbstverständlich. male des erlaubnispflichtigen Gaststätten-
Prinzipiell ist eine Unterscheidung im Vor- gewerbes erfüllen, bedürfen der vorherigen
feld, ob es sich um eine öffentliche, für alle Genehmigung durch die zuständige Ord-
zugängliche, oder um eine geschlossene, nungsbehörde (§12 Gaststättengesetz,
nur für bestimmte Personen zugängliche GastG) basierend auf einem schriftlichen
Veranstaltung handelt, unabdingbar. Danach Antrag. Nach §6 GastG muss mindestens
richtet sich, ob und wie der Jugendschutz ein alkoholfreies Getränk billiger angeboten
gehandhabt werden muss. Im Folgenden werden, als das billigste alkoholische
werden einige Anhaltspunkte für die Unter- Getränk, auch bekannt als „Apfelsaftge-
scheidung gegeben. setz“. Eine Veranstaltung ist für Jugendliche
zwischen 16 und 18 Jahren grundsätzlich
• Öffentliche Veranstaltung: um 24 Uhr zu beenden.
Für eine Mehrzahl von Personen allge-
mein zugänglich, die weder zuvor ange- Mit Unterschrift unter die Antragsformulare
meldet waren, noch deren Personalien übernimmt der Veranstalter die Verant-
kontrolliert wurden. (Dabei kommt es wortung in ordnungsrechtlicher Hinsicht.
nicht auf die Festlegung bzw. Bezeich- Er ist also für Ordnungswidrigkeiten oder
nung durch den Veranstalter an.) Straftaten in Zusammenhang mit der Durch-
führung einer Veranstaltung haftbar!
Unterliegt automatisch ordnungsrecht-
lichen Schutzvorschriften. Im Umfeld von Sportveranstaltungen ins-
besondere im Bereich Fußball gelten
• Nicht-öffentliche/Geschlossene
Veranstaltung:
Personen-/Teilnehmerkreis ist bestimmt 4
Beschluss der 189. IMK, 4.12.2009 zu Ziffer 16. Sicherheit
abgegrenzt, d. h. durch gegenseitige im Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV)

10
ordnungsrechtliche Bestimmungen der aufgrund alkoholbedingter Ausschreitungen
Länder und Kommunen sowie die der weitere Vorkommnisse zu erwarten sind.
entsprechenden Sportverbände, vor, Alkoholisierte Personen im Bereich des
während und nach, sowie auf und im Stadions sind zu verweisen!
unmittelbaren Umkreis der eigentlichen
Sportstätte. So lässt sich beispielsweise Insbesondere die Betreuung der Fans ist
im Stadion-Handbuch des Deutschen bei öffentlichen Veranstaltungen wie bei-
Fußball Bundes (DFB) eine Regelung für spielsweise bei Fußballspielen von großer
den Alkoholausschank in Stadien finden: Bedeutung. Damit kann auf vielseitige
So dürfen alkoholische Getränke nur in gruppendynamische Prozesse in der Fan-
Plastikbehältern ausgeschenkt werden, die szene eingewirkt werden. Eine umfassende
nicht splittern können und nicht als Wurf- Fanarbeit schließt Sportvereine, Polizei,
oder Schlagwerkzeug geeignet sind. Der Sponsoren wie Brauereien u.ä. und die Fans
Verkauf und die öffentliche Abgabe alko- selber mit ein. Fanarbeit sollte präventiv
holischer Getränke vor und während des konzipiert sein, um einer Gewaltbereitschaft
Spiels sind grundsätzlich untersagt5. im Vorfeld entgegen zu wirken und die
Sicherheit bei Sportveranstaltungen zu ge-
ABER: Der Veranstalter kann eine Aus- währleisten. Auch wenn die problematischen
nahmegenehmigung für den Ausschank Fangruppen vermutlich nur schwer oder gar
von Bier und Getränke mit vergleichbar nicht erreicht werden, so ist es ein guter
geringem Alkohol beantragen. Die Geneh- Ansatz, um Vereinen und Brauereien die
migung muss hinreichend begründet sein Mitarbeit zu ermöglichen und damit den
und wird unverzüglich widerrufen, wenn Alkoholmissbrauch einzudämmen.

Fan Verantwortlicher

Sozial-
Umfassende Polizeiliche
pädagogische
Fanarbeit Fanarbeit Fanarbeit

Fan Initiativen

5
DFB Stadion-Handbuch, 4.10.2007, Art. 64: Alkohol und
Getränkeausschank

11
4. Handlungsoptionen

4.1. Handlungsoptionen für den öffentlichen Raum

Gemeinsamer Konsens aller Beteiligten ist, Tipps zur altersgerechten und lebens-
dass die Bekämpfung von Alkoholmiss- nahen Vermittlung des verantwortungs-
brauch in der Öffentlichkeit eine verstärkte vollen Umgangs mit alkoholhaltigen
Präventionsarbeit erfordert und nur durch Getränken gegeben.
regelmäßige, effektive Kontrollen ein wirk-
samer Schutz der Jugend und vor Alkohol- • Stadt Ingelheim „Green Room“, das auf
exzessen in der Öffentlichkeit ermöglicht vier Säulen setzt:
wird. Grundsätzliche Alkoholverbote sind 1. Sensibilisierung: Infomaterial insbe-
nicht geeignet, um die negativen Folgen sondere für Erziehungsberechtigte
öffentlichen Alkoholkonsums langfristig zu über den Jugendschutz
unterbinden. Die Optionen für Städte und 2. Kontrollen: Kooperation von Ord-
Kommunen sind vielfältig, setzen jedoch nungsamt, Jugendamt und Polizei
immer eine enge und aktive Zusammen- 3. Integration: Jugendeinrichtungen als
arbeit aller Beteiligten voraus. Ergebnis direkter/alternativer Anlaufpunkt
einer solchen konzeptionellen Arbeit sollte 4. Partizipation: Einbindung von Jugend-
ein umfangreiches Programm mit durch- lichen/jungen Erwachsenen und
dachter Präventionsstrategie sein. Darüber anderen Ehrenamtlichen, u. a. für
hinaus sind alternative Freizeitangebote für Patrouillen und Streitschlichtungs-
Kinder und Jugendliche unabdingbar. aufgaben
Hierbei sollen die Jugendlichen mitreden
dürfen und als Experten in eigener Sache Auch andere Akteure haben Beispiele der
anerkannt werden. Nutzungsreglements effektiven Eindämmung des Alkoholmiss-
für wichtige öffentliche Plätze können brauchs zur Gewaltprävention und konse-
Entlastung bringen. quenten Durchsetzung des Jugend-
schutzgesetzes und Gaststättengesetzes
Der Deutsche Städte- und Gemeindebund zusammengetragen:
hat zu diesem Thema eine Dokumentation
„Alkoholprävention in den Städten und • Baden-Württemberg: Tatzeit- und brenn-
Gemeinden“ erarbeitet, die beispielhaft punktorientierte Jugendschutzstreifen,
verschiedene Modelle anführt, wie in Jugendschutzmerkblätter und Anord-
Städten mit dem Thema umgegangen nungen zur Bekämpfung der Gewalt-
wird6. Diese Best-Practice Modelle sollen kriminalität und des Alkoholmissbrauchs,
für Möglichkeiten der Kommunen stehen, mit u.a. Runden Tischen, Norm verdeut-
wie man Jugendschutz umsetzt und öffent- lichenden Gesprächen und freiwillige
lichem Alkoholkonsum entgegenwirkt, wie selbst verpflichtende Erklärungen von
etwa: Konzessionsinhabern

• Stadt Münster: Motto „Voll ist OUT“,


gezielte Elternarbeit: Eltern werden im
Rahmen eines Onlineangebots sowie 6
DStGB Dokumentation Nr. 91 „Alkoholprävention in den
mit Informationsflyern Hinweise und Städten und Gemeinden“.

12
• Heilbronn: Jugendschutz-Eingreif-Teams Bildung und Förderung situationsbedingter
– JETs aus 3-4 Beamten, die Jugend- Handlungskompetenz. Dabei wird nicht zu
schutzbestimmungen verdeutlichen, verhindern sein, finanzielle Mittel für derar-
(alkoholbedingte) Aggressionen und tige Verhaltens- und Verhältnisprävention
Konflikte erkennen und frühzeitig inter- bereitzustellen, da ohne Aufwand eine
venieren effektive Präventionsarbeit nicht realisierbar
ist. Hierbei ist auch ein Zusammenspiel
• Bremen: „Nachtwanderer“ geschulte aller Beteiligten zum Beispiel über Spon-
Ehrenamtliche und Professionelle ab 25 soringmaßnahmen und Kooperationsver-
Jahren ohne Behördenstatus oder einbarungen denkbar. Zuvor sollte aber
Ordnungsfunktion zur Hilfe, Ansprache auch eine verstärkte Einbeziehung von
und Unterstützung von Jugendlichen geeigneten Ehrenamtlichen in Betracht
und anderen Personen auf Plätzen und gezogen werden.
Straßen.
Nicht nur die Kommunen profitieren von
Zentraler Bestandteil bei der Verhinderung der Verhinderung von alkoholbedingter
von alkoholbedingten Störungen der öffent- Gewalt, effektivem Jugendschutz und
lichen Ordnung bzw. bei Alkoholmissbrauch einem gesunden Nachwuchs. Die Initial-
von Jugendlichen ist dabei Aufenthalts- ausgaben für Prävention rechnen sich im
und Beschäftigungsalternativen zu bieten, Hinblick auf Gesundheits-, Familien- und
aber auch die direkte Ansprache und die Wirtschaftspolitik der Region.

4.2. Handlungsoptionen im öffentlichen Personennahverkehr

Für Unternehmen des ÖPNV sollten allge- gangbaren Weg. Die Deutsche Bundesbahn
meine Alkoholverbote in ihren Transport- wird in ihren Zügen nach bisherigem Kennt-
mitteln ultima ratio sein. Die meisten nisstand weiterhin Alkohol verkaufen.
Unternehmen haben in Ihren Beförderungs-
bedingungen bereits einen Passus Eine weitergehende Regelung hinsichtlich
bezüglich betrunkener Fahrgäste und der eines dauerhaften und umfassenden Alko-
Mitnahme alkoholischer Getränke. Hier holverbots auf Bahnhöfen und in Bahnen,
kann der Fahrgast bereits heute durch ei- kann die bereits im Vorfeld entstandene
nen Verweis aus dem Fahrzeug entfernt Problematik nicht beheben. Die üblichen
werden. Dazu kommt jedoch die Notwen- Verkehrsteilnehmer im Berufs- oder Frei-
digkeit für eine größere Zahl an Sicher- zeitverkehr sind nur selten problematisch.
heitskräften auf den Bahnhöfen, aber auch Das Problem entsteht vornehmlich bei
Zugpersonal in den Zügen zu sorgen. Nur Groß- und Massenveranstaltungen. Der
so kann der pflegliche Umgang mit dem Ansatz muss also im Vorfeld erfolgen.
Verkehrsmittel und das Benehmen gege-
nüber Mitreisenden kontrolliert und damit Bei Nichteinhaltung des bestehenden
auch sichergestellt werden. Die Bahn- Verbotes kann die Weiterfahrt untersagt
gewerkschaften sehen darin den einzig werden. Einen Platzverweis kann der

13
jeweilige Betreiber bei auffälligem oder bei der Arbeit fühlen. Knapp die Hälfte fühlt
aggressivem Verhalten grundsätzlich immer sich nicht sicher und nur 22% sind mit dem
aussprechen. Es empfiehlt sich seitens der Sicherheitsstatus in öffentlichen Verkehrs-
Kommune den Schulterschluss mit dem mitteln zufrieden. Hierbei ist nicht nur ein
Betreiber zu suchen, um im Vorfeld Ansätze Deeskalationstraining wie von der Deut-
zur Vermeidung von Vorfällen zu entwickeln. schen Bahn AG sinnvoll, sondern auch eine
Hilfestellung für Betroffene in einer gefahr-
Sicherlich ist Gewalt im ÖPNV nicht grund- geneigten Situation.
sätzlich ein durch Alkohol induziertes
Problem. Analog kann als gutes Beispiel Folgende Maßnahmen im präventiven
für Best Practice in diesem Sinne die Bereich werden daher empfohlen:
Vereinbarung von GDBA und Transnet
„sicher unterwegs“ angeführt werden7. In • Bessere Zusammenarbeit mit Bahn-
der Broschüre soll in Zusammenarbeit mit personal, Bahnschutz, Landes- und
den Sozialpartnern, aber auch mit den Bundespolizei
politisch Verantwortlichen, das Problem • Bessere technische Ausrüstung (Handy,
der Gewalt an Mitarbeitern in Verkehrsbe- Funkgerät, Videokamera)
trieben aufgegriffen und gemeinsam nach • Evtl. leichte Verteidigungshilfsmittel
Lösungen gesucht werden. Damit soll ein (Pfefferspray, Handschellen,
nachhaltiger und lösungsorientierter Dialog Schutzweste)
angeregt werden. • Kontinuierliche Kurse zur Selbstvertei-
digung / Selbstbehauptung
Dazu wurden Mitarbeiter von Nahverkehrs- • Bessere Personalausstattung (min.
unternehmen befragt, wie sicher sie sich Zweierteams)

4.3. Handlungsoptionen für Veranstaltungen

Veranstalter von Feiern, Sport-, Freizeiter- • Vorbildfunktion ausüben


eignissen und Parties, werden gelegentlich • Image verbessern
damit konfrontiert, dass Gäste übermäßig • Verantwortungsvolles Handeln
Alkohol konsumieren. Angetrunkene oder • Einhalten gesetzlicher Bestimmungen
betrunkene Menschen setzen sich und
andere Risiken aus. Problemen, die so ent- Weitere Maßnahmen, die Veranstaltern für
stehen, kann man entgegenwirken oder sie eine erfolgreiche Durchführung zur Verfü-
verhindern. Es ist nicht das Ziel, Alkohol gung stehen, wären:
gänzlich von Veranstaltungen zu verbannen.
Ziel ist, eine Veranstaltung gesetzeskonform • Schulung des Verkaufspersonals für
und ohne Schäden verantwortungsvoll zu Alkoholabgabe
planen und durchzuführen. • Vorbereitung auf schwierige Situationen
• Regelung der Zutritts- und Altersvoraus-
Wenn eine Veranstaltung geplant wird, sind setzungen
folgende Grundsätze zu beachten: 7
Broschüre „Sicher unterwegs“ GDBA und Transnet

14
• Ausgewogenes und attraktives Angebot werden an Kinder und Jugendliche unter
an alkoholfreien Getränken (Gegenkultur 18 Jahren nicht abgegeben und der
bilden) Verzehr wird nicht gestattet (§ 9 JuSchG).
• Sponsoren für alkoholfreie Getränke • Andere alkoholhaltige Getränke (z. B.
finden Bier, Wein, Sekt) werden an Kinder und
• Verbot der Mitnahme von Glasflaschen Jugendliche unter 16 Jahren nicht abge-
oder Gegenständen, deren Gebrauch geben (§ 9 JuSchG).
andere Veranstaltungsbesucher • Alle Maßnahmen zur Trinkanimation, wie
gefährden könnten Happy Hours, Trinkspiele, Kübelsaufen
• Fahrdienst für das Veranstaltungsende etc., werden unterlassen, da dies gemäß
organisieren Gaststättengesetz verboten ist (Vorschub
• Weisungsauflagen und Befolgen solcher leisten zum Alkoholkonsum).
Weisungen • Werbung bzgl. Flatrate-Party oder ähn-
• Sanktionen wie Entfernen vom Veran- liches ist nach einem Beschluss des
staltungsgelände und Platzverweise Bund-Länder-Ausschusses Gewerbe-
recht (BMWi) vom Mai 2007 verboten.
• Auf Werbemitteln und -plakaten auf die
Grundsätzlich steht und fällt der Erfolg
Ausweispflicht und Altersbeschränkung
einer Veranstaltung mit der Einhal-
hinweisen.
tung des Jugendschutzgesetzes. Die
• Das Personal wird vor der Veranstaltung
Einhaltung muss gewährleistet sein
angewiesen, junge Besucher/innen zum
und durch die Behörden letztlich
Vorzeigen des Ausweises aufzufordern
kontrolliert werden. Das Ausschank-
und – falls der notwendige Altersnach-
personal ist der wichtigste Faktor für
weis nicht erbracht wird – keinen Alkohol
die korrekte Alkoholabgabe.
auszugeben.

Folgende Regelungen sind verbindlich Für Trainer oder Betreuer in Sportver-


für Veranstalter vorgesehen: einen gilt Ähnliches:

• Veranstalter kennen die geltenden • Trainer und Betreuer sind aufsichtspflich-


Bestimmungen, treffen die nötigen tig gegenüber minderjährigen Sportler-
Vorkehrungen zur Umsetzung und innen und Sportlern. Das beinhaltet die
weisen die Helfer entsprechend ein. Untersuchung der Sportstätten, der
• Sie hängen die Vorschriften deutlich Sportgeräte und der Umkleiden. Hin-
sichtbar und gut lesbar aus, um sie weisen auf Gefahren sind nachzugehen
bekannt zu machen (§ 3 JuSchG). und die Jugendlichen sind im Blick zu
• Sie achten auf die gesetzlich vorgege- behalten.
benen Zeiten, zu denen sich Kinder und • Das Erscheinungsbild von Trainern und
Jugendliche bei der Veranstaltung auf- Betreuern sollte immer angemessen
halten dürfen (§ 5 JuSchG). sein.
• Branntwein, branntweinhaltige Getränke • Tabak- sowie Alkoholkonsum während
oder Lebensmittel, dazu gehören auch der Trainings- oder Spielzeit ist grund-
so genannte Alkopops und Mix-Getränke, sätzlich zu unterlassen.

15
5. Zusammenfassung

Mit dieser Broschüre leisten die deutschen Bekämpfung des Alkoholmissbrauchs im


Brauer einen Beitrag zum verantwortungs- öffentlichen Raum, auf Veranstaltungen
vollen Umgang mit alkoholhaltigen Geträn- und im ÖPNV stellen derzeit eine besondere
ken. Sie zeigt auf, welche Handlungsbe- Herausforderung im gesellschaftlichen
reiche im Einzelnen bestehen und mit Diskurs dar. Auch hier können Verbote und
welchen Instrumenten die gesellschaftliche eine pauschale Diskriminierung die
Akzeptanz eines verantwortungsvollen Alko- Ursachen
holkonsums sicher gestellt werden kann. der Problematik nicht beseitigen.

Voraussetzung hierfür ist der offene Dialog Die deutschen Brauer zeigen Verantwor-
und die Übernahme von Verantwortung tung bei der Herstellung, der Bewerbung
durch Gastronomie, Handel, aber auch und dem Verkauf von Bier. Neben der
Sportvereine und Unternehmen unter Einhaltung von gesetzlichen Regelungen,
Berücksichtigung des gesellschaftlichen sollte verstärkt auf freiwillige Selbstver-
Umfeldes und des Jugendschutzes. Getra- pflichtungen gesetzt werden. Vorrangig
gen vom Grundkonsens, dass Alkoholmiss- sind diese im Bereich der kommerziellen
brauch nicht widerspruchslos hingenom- Kommunikation und im Sponsoring ange-
men werden darf, soll diesem nicht siedelt, sie finden darüber hinaus auch
moralisierend mit Verboten, sondern durch Ausdruck in bundesweiten Kampagnen zur
einen präventiven Ansatz entgegen gewirkt Einhaltung des Jugendschutzes, des Abga-
werden. bealters, des Alkoholverzichts im Straßen-
verkehr sowie während der Schwanger-
Es gibt ausreichend gesetzliche Möglich- schaft.
keiten zur Verhinderung des Alkoholmiss-
brauchs insbesondere durch Jugendliche. Die deutschen Brauer zeigen ihre Dialog-
Die Broschüre macht ferner deutlich, dass bereitschaft mit ihrem Engagement gegen
unerwünschte Verhaltensweisen von Men- den Missbrauch von Alkohol und laden alle
schen im öffentlichen Raum, ausgelöst relevanten gesellschaftlichen Gruppen dazu
durch exzessiven Alkoholkonsum, nicht ein, sich der Verantwortung durch die
durch rein ordnungsrechtliche Maßnahmen gemeinsame Intensivierung der Aufklär-
beseitigt werden können. ungs- und Präventionsbemühungen zu
stellen.
Verbote sind in der Regel ungeeignet, die
Ursachen zu verändern. Ein Verbot von
Alkoholkonsum im Allgemeinen kann auch
nicht Sinn eines Präventionskonzeptes sein.
Hier stehen die Kommunen und alle gesell-
schaftlichen Gruppen in der Verantwortung
durch Aufklärung und Prävention vor Ort
Verhaltensänderungen zu bewirken.

Die in der vorliegenden Broschüre ange-


sprochenen Handlungsbereiche:

16
6.1. Übersicht - Jugendschutzgesetz

Die Erziehungsberechtigten sind nicht verpflichtet, alles zu erlauben, Kinder Jugendliche Jugendliche
was das Gesetz gestattet. unter unter unter
Sie tragen bis zur Volljährigkeit die Verantwortung. 14 Jahren 16 Jahren 18 Jahren

Aufenthalt in Gaststätten
bis
24 Uhr

Aufenthalt in Nachtbars, Nachtclubs


oder in vergleichbaren Vergnügungsbetrieben

Anwesenheit in der Disco


bis
Ausnahmegenehmigung durch zuständige Behörde möglich 24 Uhr

Anwesenheit bei Tanzveranstaltungen von anerkannten


bis bis bis
Trägern der Jugendhilfe 22 Uhr 24 Uhr 24 Uhr
Bei künstlerischer Betätigung oder zur Brauchtumspflege

Anwesenheit in öffentlichen Spielhallen


Teilnahme an Spielen mit Gewinnmöglichkeit

Aufenthalt an jugendgefährdenden Orten

Abgabe/Konsum von Branntwein


(branntweinhaltige Getränke und Lebensmittel)

Abgabe/Konsum anderer alkoholhaltiger Getränke


z.B. Bier, Wein o. ä. (Ausnahme: Erlaubt bei 14- und 15-jährigen
in Begleitung einer personensorgeberechtigten Person)

Rauchen in der Öffentlichkeit

Besuch öffentlicher Filmveranstaltungen*


bis bis bis
Nur bei Freigabe des Films und Vorspanns: 20 Uhr 22 Uhr 24 Uhr
„ohne Altersbeschränkung ab 6 / 12 / 16 Jahre”

Abgabe von Bildträgern (z. B. Videos, DVDs usw.)


Nur entsprechend der Freigabekennzeichnung
„ohne Altersbeschränkung ab 6 / 12 / 16 Jahre”

Nicht Erlaubt Nicht Erlaubt aber Beschränkungen Erlaubt *Kinder unter 6 Jahre nur mit einer
werden durch die erziehungsberechtigten Person. Die Anwesenheit ist
Begleitung einer grundsätzlich an die Altersfreigabe gebunden
erziehungsbeauftragten
Person aufgehoben

17
6.2. Umsetzung des Jugendschutzes

Bereits bei der Ankündigung der Veranstaltung (Plakate, Einladungen, Zeitungsberichte etc.)
einen kurzen Hinweis auf die Bestimmungen des Jugendschutzes aufnehmen.

Direkt bei der Einlasskontrolle, am Eingang und besonders am Ausschank / Tresen


wird ein deutlich sichtbarer und entsprechend großer Hinweis (z. B. Plakat, großer
Aufkleber) zum Jugendschutz angebracht.

Durch Nutzung von unterschiedlich farbigen Armbändern und durch Ausgabe an


Jugendliche und Erwachsene oder Stempel für Handrücken oder Arm direkt am
Eingang wird die Unterscheidung schnell und unkompliziert möglich.

Mitarbeiter dazu einsetzen, dass gleich am Eingang bzw. bei der Einlasskontrolle die
jungen Besucher/innen mündlich auf die Einhaltung der Jugendschutzbestimmungen
aufmerksam gemacht werden.

Besonders darauf achten, dass junge Besucher/innen nicht selbst alkoholhaltige


Getränke mitbringen, die sie nicht konsumieren dürfen. Hier sei explizit auf eine
Taschen- und Rucksackkontrolle hingewiesen.

Erwachsenes Personal einsetzen, das hinsichtlich der Vorgaben des Jugendschutz-


gesetzes eingewiesen wurde und sich beim Verkauf bzw. bei der Abgabe alkoholhaltiger
Getränke dementsprechend verhält.

Das Ausschankpersonal darf im Zweifelsfall, d. h. wenn der Altersnachweis bei Nach-


frage nicht erbracht wird, keinen Alkohol abgeben. Unter dem Hinweis auf gesetzliche
Vorgaben und mögliche Strafzahlungen bei Missachtung, sollten aufkommende Dis-
kussionen freundlich, aber bestimmt verhindert oder beendet werden.

Gesetzlich muss mindestens ein Getränk günstiger angeboten werden, als ein mengen-
mäßig vergleichbares alkoholhaltiges Getränk („Apfelsaft-Gesetz“).

Spirituosen und branntweinhaltige Getränke sollten nicht in Flaschen, sondern nur in


Gläsern abgegeben werden, um eine Weitergabe an Jugendliche möglichst zu verhindern.

An offensichtlich Betrunkene sollte grundsätzlich kein Alkohol abgegeben werden.

Bei besonderen Vorkommnissen, etwa betrunkene Jugendliche, die offensichtlich


nicht älter als 15 Jahre sind, sollten die Eltern telefonisch verständigt und zur Abholung
aufgefordert werden.

Unter bestimmten Bedingungen kann für die Teilnehmer der Veranstaltung die Organi-
sation eines vergünstigten Transports hilfreich sein.

19
6.3. Vorbereitung einer Veranstaltung

1. Checkliste und Formblätter für Veranstaltungen nutzen

2. Rechtzeitig Vorgespräche mit zuständigen und einzubindenden Behörden, Institutionen


und Helfern führen (z.B. Ordnungsbehörde, Polizei, Feuerwehr, Sanitäter)

3. Benennung von Projektbeauftragten / Verantwortlichen

4. Festlegung der Art und des Umfangs von Einlasskontrollen, dabei sorgfältige Auswahl
und Einweisung des Sicherheitspersonals

5. Form, Art und Weise der Werbung festlegen

6. Hinweise auf Plakaten, Flyern, Eintrittskarten zu Abgabe- und Altersbeschränkungen


für Zugang und Aufenthaltsdauer oder einfach den Passus „Die Jugendschutz-
bestimmungen werden beachtet“ gegebenenfalls mit Zusatz: „Bier und Wein ab 16
Jahre, Spirituosen ab 18 Jahre“

7. Regelung der Sicherheit im Umfeld der Veranstaltung

8. Notfallplan und Abläufe bei Unfällen / Vorkommnissen festlegen. Hinweise für Jugend-
schutzbeauftragte

Informationen, Checklisten und Leitfäden für die Planung und Durchführung sind bei
Polizei, Ordnungsamt und Jugendamt erhältlich. Vorgespräche sind angeraten, ebenso
deutliche Hinweise auf Einhaltung der Jugendschutzbestimmungen auf der Veranstaltung
selber. Das Personal sollte vorab eingewiesen werden, die Jugendlichen können je nach
Alter in geeigneter Weise gekennzeichnet werden (Armbänder, Stempel).

Kein Ausschank & Verkauf von Bier an unter 16-jährige

Kein Ausschank & Verkauf von Spirituosen an unter 18-jährige

Schulung & Information des Personals betreffend Alkoholausschank

Im Zweifel immer Alterskontrolle

20
6.4. Erziehungsbeauftragung - Hinweise für
den Veranstalter

1. Der Veranstalter hat die Pflicht, die Erziehungsbeauftragung zu prüfen.

2. Bei offensichtlicher Fälschung ist der Zugang / die Abgabe von Alkohol abzulehnen.

3. Blanko-Unterschriften der Eltern sowie eine damit zusammenhängende Eintragung


eines beliebigen Volljährigen als erziehungsbeauftragte Person sollten ebenfalls zur
Abweisung / Ablehnung der Abgabe führen.

4. Bei Alkoholisierung, Gewalttätigkeit oder anderen Gründen, die dazu führen, dass die
erziehungsbeauftragte Person nicht in der Lage ist, ihre Aufsichtspflicht vollumfänglich
zu erfüllen, ist schon im ersten Zweifelsfall die Beauftragung als ungültig anzusehen.
Der Zutritt / Aufenthalt bzw. die Abgabe muss dann auf jeden Fall verweigert werden.

5. Veranstalter oder Gewerbetreibende dürfen keinen Erziehungsauftrag übernehmen.

6. Mit der schriftlichen Erziehungsbeauftragung sollte eine Kopie des Elternausweises


verlangt werden (ggf. telefonisch rückfragen).

7. Mögliche Erziehungsbeauftragte:
• Lehrer/innen
• Vereinsbetreuer/innen
• Erzieher/innen
• Ausbilder/innen
• Großeltern/Verwandte
• Volljährige Geschwister

21
22
6.5. Checkliste – Jugendschutz auf
Veranstaltungen
Ja Nein Namenszeichen
1 Hauptverantwortlicher benannt

2 Jugendschutzbeauftragter benannt

3 Ausreichend erkennbare Ordner (2–3 pro 100 Besucher)

4 Sicherheitsgespräch mit örtlicher Polizei

5 Genehmigungen eingeholt

6 Hinweis auf Jugendschutz bei Werbung

7 Beginn und Ende der Veranstaltung festgelegt

8 Altersgrenzen festgelegt (Ausnahme beantragt)

9 Einlasskontrollen wurden informiert über:

• Mitgebrachte Alkoholika

• Unerlaubte Gegenstände

10 Eingangsschleuse eingerichtet

11 Ein- und Ausgang räumlich getrennt

12 Ausreichend Notausgänge

13 Formblatt Erziehungsbeauftragte Person vorrätig

14 Schild mit Altersgrenzen Eingang /Ausschank

15 Plastikarmbänder / farbige Stempel

16 Erziehungsbeauftragte zur Abholung informiert

17 Außenkontrollen

18 Jugendschutzbestimmungen sichtbar angebracht

19 Günstige/attraktive alkoholfreie Getränke im Angebot

20 Verhalten bei Betrunkenen allen bekannt (kein Ausschank,


Information der Polizei bzw. Verantwortlicher)

21 Anwesenheitskontrollen 22 Uhr (Ende für 14-jährige) / 24


Uhr (Ende für 16-jährige); Durchsage / Licht und Pause dazu

22 Zufahrt für Einsatzfahrzeuge festlegen und freihalten

23 Notfalltelefon bereitgestellt; wichtigste Telefonnummern


bereitgelegt

23
6.6. Sportveranstaltungen

Um eine Verbesserung der Zusammenarbeit aller beteiligten Partner zu erreichen, werden


auf lokaler Ebene Vereinbarungen getroffen, in denen man sich auf eine gemeinsame
Politik im Umgang mit Gewalt im Sport verständigt.

Folgende Punkte sind zu vereinbaren:

• Ticketverkauf (Heimfans, Gästefans, Modi, Kombitickets)

• Regelmäßige Sicherheitsmeetings (Turnus, Inhalt, Teilnehmer)

• Konkretisierung und klare Festsetzung der Verantwortlichkeiten aller Partner

• Konkretisierung und Umsetzung der vereinbarten Maßnahmen

• Festlegung über den Umgang mit dem Personal (Heim- und Gästefans)

• Notfall- und Evakuierungspläne

• Regelungen betreffend die An- und Abfahrtswege respektive Reisemittel der Supporter
sowie deren Überwachung

• Einbindung der Fanprojekte und Fanarbeit

• Gegenseitige Zusammenarbeit und Information

• Identifizierung von gewalttätigen Personen (Informationsfluss)

• Medienarbeit

• Kontrollgremium über die Vereinbarung

• Bewertung, Evaluation und Aktualisierung der Vereinbarung

25
8
6.7. Grundsätze kommunaler Alkoholpolitik

1. Agendasetting Ziel: Schriftlicher Bericht über die Ergeb-


Die Verwaltung einer Gemeinde beschließt nisse der Situationsanalyse liegt vor.
die Entwicklung einer lokalen Alkoholpolitik
und überträgt die Aufgabe dem zuständigen
Beauftragten. 4. Handlungsfelder
In einem weiteren Schritt werden mögliche
Ziel: Beschluss der Verwaltung zur Entwick- Handlungsfelder beschrieben.
lung einer lokalen Alkoholpolitik liegt vor.
Fragestellung: Wo entstehen schwierige
Situationen?
2. Bildung einer Präventionskommission
Eine breit abgestützte Präventionskom- Sobald die Handlungsfelder aufgezeigt,
mission mit Vertretern aller betroffenen besprochen und von allen anerkannt sind,
Kreise wird gebildet. wird erarbeitet, wo Handlungsbedarf be-
steht. Es geht um die Erstellung einer
Ziel: Relevante Institutionen, Wirtschafts- Prioritätenliste.
vertreter und Gruppierungen bzw. Schlüs-
selpersonen sind in der Präventionskom- Fragestellung: Wo muss wie gehandelt
mission vertreten. Die Verantwortlichkeiten werden? Welche Situationen sollen sich
sind verteilt. verändern?

Aus dem Handlungsbedarf werden Ziele


3. Situationsanalyse abgeleitet. Diese können auf verschiedenen
Unter Einbeziehung verschiedener Akteure Ebenen gesetzt werden.
(Gewerbe, Vereine, Polizei, Schule, Eltern,
Jugendliche usw.) wird die Ausgangslage Fragestellung: Was soll mit welchem Ziel
im Zusammenhang mit risikoreichem Alko- erreicht werden?
holkonsum in der Gemeinde erfasst und
beschrieben. Dadurch kennen die Gemein-
deverantwortlichen die lokale Situation in 5. Beschluss Maßnahmenplan
ihrem Verantwortungsbereich. Die Behör- Auf Basis der Situationsanalyse werden
den organisieren ein Treffen, zu dem Schwerpunkte und Ziele der lokalen Alko-
Verantwortungsträger zu einer Situations- holprävention festgelegt. Die zur Zielerrei-
analyse zusammenkommen. Angesprochen chung notwendigen Maßnahmen werden
werden Lehrpersonen, Elternvertretungen, definiert. Die Exekutive beschließt die
Wirte, Ladenbesitzer, Polizisten, Pfarrer, Umsetzung des Maßnahmenplans, stellt
Vereinspräsidenten, Feuerwehrleute, Ärzte die dazu notwendigen Ressourcen zur
und Jugendarbeitende. Verfügung und erteilt der Präventionskom-
mission den Auftrag zur Umsetzung.
Fragestellung: Wie werden die Jugend-
lichen (mit Fokus Alkohol) in der Gemeinde 8
Leitfaden für eine Alkoholpolitik in der Gemeinde, Fachstelle
wahrgenommen? Fallen sie auf? Wenn ja, für Gesundheitsförderung und Prävention Nidwalden und
wann und wie? Obwalden, Schweiz 2009

26
Die Planung, Durchführung und Umsetzung Ziel: Die geplanten Maßnahmen sind um-
der vorgesehenen Maßnahmen nehmen gesetzt.
Leistungen auf verschiedenen Ebenen in
Anspruch.
7. Verankerung
Fragestellung: Welche personellen und Die Verwaltung veranlasst die langfristige
finanziellen Mittel erfordern die geplanten Verankerung der Alkoholprävention in den
Maßnahmen? Welche Interessen sollen entsprechenden Strukturen der Gemeinde
beachtet werden? Welche Verantwortungs- (= Alkoholpolitik). Die Gemeinde und die
träger müssen unbedingt eingebunden Verwaltung kennen den Nutzen, den ihnen
werden? ihre Alkoholpolitik gebracht hat.

Ziel: Der erarbeitete Maßnahmenplan ist Ziel: Es bestehen klar definierte, verbind-
mehrheitsfähig. Ein Beschluss der Verwal- liche Richtlinien bezüglich des Umgangs
tung zur Umsetzung des Maßnahmenplans mit risikoreichem Alkoholkonsum in der
liegt vor. Gemeinde. Die Verantwortlichkeiten sind
geregelt. Die notwendigen Ressourcen
stehen zur Verfügung.
6. Umsetzung Maßnahmenplan
Die Präventionskommission setzt mit ihren
Partnern die geplanten Maßnahmen zur 8. Auswertung
Alkoholprävention um. Die Vorgehenswei- Im vorgegebenen Rahmen wird die Errei-
sen, die zu den Zielen führen sollen, werden chung der gesetzten Ziele überprüft.
aufgelistet.
Fragestellung: Was haben wir erreicht?
Fragestellung: Wie gehen wir vor? Welche Welche Erfahrungen haben wir gemacht?
Methoden setzen wir wann ein? Was hat sich bewährt? Was hat sich verän-
dert? Wie geht es weiter?
Die besprochenen Maßnahmen werden in
einer bestimmten Zeit umgesetzt. Ein Ziel: Eine Auswertung über Prozess, Zieler-
konkretes Zeitraster - mit klar definierten reichung und Verankerung des Projektes
Aufgaben und eingeplanter Auswertung - liegt vor.
berücksichtigt und unterstützt die Ressour-
cen der Beteiligten. Bei längeren Projekten
ist es sinnvoll, Zwischenstandortbestim- 9. Nachhaltigkeit
mungen oder Meilensteine einzuplanen. Erreichtes soll beibehalten werden. Es
sollen Voraussetzungen geschaffen wer-
Fragestellung: Welches sind unsere den, die eine lang anhaltende Wirkung
zeitlichen Ressourcen? Wie sieht ein ermöglichen.
sinnvoller Zeitplan aus? Wie erfolgreich
haben wir die Teilschritte gestaltet? Wie Ziel: Die Alkoholpolitik der Gemeinde zeigt
weit haben wir die Ziele erreicht? langfristig positive Wirkung.

27
6.8. Konkrete Maßnahmen -
Handlungskonzept

Ob Restaurant, Schule, Elternhaus oder mungen aufmerksam machen. Mit der


Freizeitanlage: konkrete Handlungen vor Aktion „Gütesiegel“ verpflichten sich
Ort sind nötig, um Kinder und Jugendliche Alkoholverkaufsstellen freiwillig, den
vor Alkoholmissbrauch zu schützen. Ein- Jugendschutz ernst zu nehmen, die gesetz-
zelne Bereiche sind zu vernetzen. lichen Vorgaben genau einzuhalten und bei
Unsicherheiten über Altersangaben einen
Restaurants und Läden Ausweis zu verlangen. Alle Verkäuferinnen
Restaurants und Lebensmittelgeschäfte und Verkäufer, die eine entsprechende
sind als Verkaufsstellen von Alkohol beson- Vereinbarung mit der Behörde eingehen,
ders gefordert. Es besteht ein Interessen- bekommen ein „Gütesiegel“ (Aufkleber,
konflikt zwischen dem Ziel, möglichst viel Hinweisschild etc.). Die Liste der ausge-
Umsatz zu machen, und der Verantwortung zeichneten Alkoholverkaufsstellen wird
für die Gesundheit junger Kundschaft. veröffentlicht (Gemeindeblatt, lokale
Presse). In regelmäßigen Zeitabständen
Behörden markieren Präsenz und Interesse wird die Einhaltung der Vereinbarung
überprüft.
Betreiber von Restaurants und Verkaufs-
stellen mit jugendlicher Kundschaft werden Schule
periodisch kontaktiert und auf die Wichtig- Neben dem Lernen des Schulstoffes
keit des Jugendschutzes hingewiesen. Sie werden auch soziale Muster erworben. Vor
werden motiviert, mit dem Service- und allem in der Oberstufe ist der soziale
Verkaufspersonal den Jugendschutz zu Vergleich wichtig. Positionen, Macht und
thematisieren und auf die gängigsten Instru- Einfluss werde geklärt und das Erwach-
mente (Ausweispflicht, Hinweisschilder, sensein wird unter Gleichaltrigen eingeübt.
örtlich getrenntes Angebot etc.) aufmerk- Dabei spielt Alkohol seit jeher eine bedeu-
sam zu machen. Grundlegend wichtig ist, tende Rolle. Die Schule hat hierbei einen
dass das Interesse am Vollzug eines wirk- großen Einfluss: einerseits geht es um ihre
samen Jugendschutzes und der Anstoß klare Haltung gegenüber Alkohol anderer-
dazu von der Geschäftsleitung initiiert seits kann die Schule die Jugendlichen im
werden. Erwachsenwerden unterstützen.

Ansätze und Methoden Zuständigkeiten

Durch gezielte Instruktionen kann das Bei den Gemeinde- und Schulbehörden
Personal auf wichtige Fragen und Problem- sind die Zuständigkeiten in Fragen des
situationen vorbereitet werden. Mit Flyern, Jugendschutzes geregelt. Diese Behörden
Plakaten, Tischreitern und Sets mit mar- informieren sich gegenseitig und sprechen
kanten Slogans können gleichzeitig zwei ihre Ziele und Maßnahmen ab. Für die
Ziele erreicht werden: das Personal kann Umsetzung in der Schule ist die Schulbe-
sich in der konkreten Situation auf die hörde zuständig.
Vorschriften beziehen und die Kundschaft
(Jugendliche und Erwachsene) auf die Zusammenarbeit Schulbehörde und
Thematik und die entsprechende Bestim- Lehrpersonen

28
Die Schulbehörde erarbeitet zusammen Projektarbeit, Arbeitsgruppen von Lehrper-
mit Lehrpersonen und der zuständigen sonen und Lernenden, Kreativwerkstätten.
Suchtpräventionsstelle des Bezirks eine
Grundhaltung zum Alkohol sowie ein Eltern
Handlungskonzept. Gemeinsam werden Treten Probleme im Zusammenhang mit
Jahresziele entwickelt; die Eltern werden Alkohol auf, werden diese oft als Versagen
informiert und eingebunden. Die Projekte der Familie gedeutet. Dies kann zu einem
der Schule werden in der Gemeinde kom- Teufelskreis führen, d. h., Familien bleiben
muniziert, zum Beispiel im Gemeindeblatt zu lange allein mit ihren Schwierigkeiten.
oder in der Lokalpresse oder mit einer Im Austausch mit anderen Betroffenen, in
Impulsveranstaltung. Zusammenarbeit mit der Schule, durch
Veranstaltungen und die Entlastung von
Lehrerinnen und Lehrer der „Schuldfrage“ können Eltern in ihren
Erziehungsaufgaben wesentlich unterstützt
Die Schule übernimmt die Ausgestaltung werden. So ist ein vorzeitiges Erkennen
des Themas und der gesetzten Ziele. Sie und Handeln bei Risikoverhalten Jugend-
erarbeitet Umsetzungsmodule und leitet licher möglich.
sie ein. Die Schulbehörde ist informiert und
fordert eine Vernetzung der Schulen (zum Zusammenarbeit Gemeinde- und
Beispiel Real-, Sekundar-, Mittel- und Schulbehörde
Berufsschule einer Gemeinde, eines
Gemeindeverbandes) zu schulübergreifen- Gemeinde- und Schulbehörde sprechen
den Zielen, Regelungen und Maßnahmen. die Elternarbeit miteinander ab: wer soll
wann was anbieten und organisieren? Ein
Eltern gemeinsamer Auftritt erhöht die Wirkung.

Die Eltern werden informiert und einge- Gemeindebehörde


bunden. Ist finden Gesprächs-, Informa-
tions- und Schulungsanlässe statt. Die Die Gemeinde informiert Eltern über die
Veranstaltung wird im Gemeindeblatt oder rechtlichen Grundlagen sowie die Bestim-
in der Lokalpresse ausgeschrieben, es wird mungen des Jugendschutzes und weist
informiert und kommentiert. auf die Verantwortung der Eltern hin. Sie
gibt Anstoß zu Informations- und Bildungs-
Schülerinnen und Schüler veranstaltungen, unterstützt Gesprächsan-
gebote und Kurse. Sie fördert den Aus-
Die Schülerinnen und Schüler werden in tausch verschiedener Interessengruppen.
die Prozesse mit eingebunden. Mitbestim-
mungs- und Partizipationsmodelle (Schüler- Bestehende Strukturen nutzen
rat, Schülerparlament) erhöhen die Verbind-
lichkeit der getroffenen Maßnahmen und Durch Absprachen mit bestehenden Ein-
Regelungen. Erwachsensein kann eingeübt richtungen können Angebote und Maß-
werden; Mitverantwortung führt zu Achtung nahmen koordiniert werden. Das Thema
und Anerkennung. Weitere Möglichkeiten: „Umgang mit Alkohol“ soll auf verschie-

29
denen Ebenen und in verschiedenen zur Abgabe alkoholischer Getränke hin. Die
Zusammenhängen aufgenommen werden. Bewilligung kann mit Auflagen verknüpft
werden:
Freizeit • Verkauf alkoholischer Getränke durch
Für Jugendliche ist die Freizeit zentral: Sie entsprechende Angebote und Preisge-
sind unter sich und erproben sich. Es gibt staltung
Gruppen, bei denen die Gestaltung der • alkoholfreies Getränk - spendiert durch
Freizeit und der Konsum von Alkohol mit- die gastgebende Gemeinde
einander verknüpft sind. Alkohol gehört • Kontrolle von Bestimmungen
dazu, er enthemmt.
Polizei
Vereine Die Polizei hat - so sagt es die Tradition -
für Recht und Ordnung zu sorgen. Diese
Für die Freizeit spielen Vereine eine wichtige Aufgabe ist im Rahmen der gesamtgesell-
Rolle. Es ist also dringend nötig, dass sie schaftlichen Entwicklung sehr komplex
in Bezug auf Jugendliche und deren Alko- geworden. Früher kannte der Dorfpolizist
holkonsum eine eindeutige Haltung ent- die meisten Heranwachsenden und ihre
wickeln. Diese Fragen gilt es zu klären: Familien persönlich. Heute ist die Bevölke-
• Wie gehen erwachsene Vereinsmitglie- rung einer Gemeinde anonymer, die soziale
der mit Alkohol um, wenn Jugendliche Kontrolle geringer.
dabei sind?
• Welche Regeln gelten, wenn Jugend- Auftrag
liche dabei sind?
• Welche Regeln gelten für die Jugend- Der Auftrag der Polizei gegenüber der
lichen? gesamten Bevölkerung und damit auch
• So sollen die Jugendlichen dabei sein? gegenüber den Jugendlichen soll auf
Gemeindeebene konzeptuell geklärt sein.
Alternativen Transparente strukturierte Abläufe lassen
das Problem nachvollziehen.
• Welche Möglichkeiten haben Jugend-
liche, ihre Freizeit spaßvoll und spannend Wichtig
- ohne die „Unterstützung“ von Alkohol -
zu genießen. Den Jugendlichen müssen einerseits klare
• Wo ist die Gemeinde gefordert, Ange- Grenzen aufgezeigt werden. Sie brauchen
bote zu machen? auf dem Weg zu ihrer Identitätsentwicklung
• Welche Wege des Erwachsenwerdens aber auch die wohlwollende Unterstützung
haben Jugendliche in der Gemeinde? der Erwachsenen und Freiräume zur Selbst-
erfahrung. Lassen Verantwortungsträger
Anlässe und Veranstaltungen einer Gemeinde Situationen eskalieren,
muss die Polizei sanktionierend eingreifen.
Die Gemeindebehörde hat Weisungsbe-
fugnis bei der Bewilligung von Festen. Sie
weist auf die gesetzlichen Bestimmungen

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6.9. Best Practice im ÖPNV

Basierend auf der Broschüre „Sicher unter- ansprechen und um Hilfe bitten!
wegs“ der GDBA und Transnet, lassen sich • Sicherheitsdienst bzw. die jeweils zu-
einzelne Maßnahmen und Grundsätze im ständige Bundes- bzw. Landespolizei
Umgang mit alkoholisierten und/oder rufen, wenn möglich, jedoch lange
gewaltbereiten Personen herausgreifen. Wartezeit!
Die Mehrheit der Arbeitnehmer in Nahver- • Fakten merken, um gegenüber den
kehr sind nach der GDBA Befragung Opfer Behörden (Polizei/Gericht, etc.) präzise
eines Übergriffes direkt am Arbeitsplatz, Mitarbeit zu gewährleisten!
also in Fahrzeugen, gewesen (70%). Bei • Öffentlichkeit herstellen – Stimme
mehr als der Hälfte handelt es sich dabei erheben!
um Bedrohungstatbestände, Beschimpf-
ung, Beleidigung, Belästigung oder alkohol- Für die Umsetzung solcher Grundsätze sind
induzierte Provozierungen. Das Verhalten einige Voraussetzungen notwendig:
der Mitarbeiter bei derartigen Übergriffen • Schulungen der Mitarbeiter
muss im Vorfeld geschult werden, damit • Videoüberwachung an Haltestellen und
es im Ernstfall koordiniert ablaufen und in Fahrzeugen
wenn möglich durch soziale Kompetenz • Notruftaste am Arbeitsplatz und mobil
begleitet werden kann: mit Standortangabe
• Gefährdungsschwerpunkte ermitteln
• Sachlich bleiben, Ruhe bewahren! und Maßnahmen festlegen
• Notruf auslösen, wenn vorhanden bzw. • Öffentlichkeitsarbeit („Fahrgäste sind
intakt und Möglichkeit gegeben ist! mitverantwortlich für die Sicherheit“)
• Dritte (Kollegen/Reisende/Fahrgäste)

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