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Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung………………………………………………………………………………2
1.1. Untersuchungsgegenstand………………………………………………………..2
1.2. Zielsetzung der Arbeit……………………………………………………………2
1.3. Aufbau……………………………………………………………………………3
2. Theoretische Grundlagen…………………………………………………………......4
2.1. Phraseologie und Phraseologismen.....…………………………………………...4
2.2. Parömiologie und Sprichwörter……...…………………………………………..6
2.3. Interferenz………………………………………………………………………..8
3. Die empirische Untersuchung………………………………………………………...9
3.1. Methode………………………………………………………………………….9
3.2. Gewährspersonen……………………………………………………………….10
3.3. Über die verwendeten Sprichwörter…………………………………………….11
3.4. Vorhypothesen………………………………………………………………….12
4. Ergebnisse der Untersuchung……………………………………………………….13
4.1. Bemerkungen zu den Ergebnissen……………..…………………………….…13
4.1.1. Aufgabe 1……………………………………………………………….…13
4.1.2. Aufgabe 2……………………………………………………………….…16
4.1.3. Aufgabe 3……………………………………………………………….…19
4.1.4. Aufgabe 4…………………………………………………………….……21
4.1.5. Aufgabe 5…………………………………………………………….……23
4.1.6. Aufgabe 6…………………………………………………………….……25
4.1.7. Aufgabe 7…………………………………………………………….……27
4.2. Grundlagen der Ergebnisse……………………………………………….…….28
5. Abschließende Gedanken……………………………………………………………32

6. Literaturverzeichnis……………………………………………………………….....34
7. Anhang……………………………………………………………………………......36
8. Erklärung…………………………………………………………………………......45
1. Einleitung

1.1. Untersuchungsgegenstand

Nachdem ich viele Jahre mit dem Deutschlernen verbrachte, habe ich im dritten Jahr
meines Germanistik-Studiums schon viele Erfahrungen über den Prozess des
Fremdsprachenlernens. Meiner Meinung nach hängt die erfolgreiche Kommunikation in
einer Fremdsprache von mehreren Faktoren ab, vor allem sind aber Sprachkenntnisse die
wichtigsten Voraussetzungen zum Fremdsprachengebrauch. Dazu brauchen die
Fremdsprachenlerner das Wissen von Phraseologismen, die eine wichtige Basis der
Produktion und Wahrnehmung einer Fremdsprache sind. Sie fungieren nicht nur als
Wortschatzerweiterung, sondern sie erleichtern und fördern die Alltagskommunikation,
und sind „…ein Mittel zur Benennung und Verarbeitung der Welt in der menschlichen
Sprachtätigkeit.“(Palm 1995: 1) und „Die Befähigung zu einer auch nur begrenzten
Kommunikation in einer Fremdsprache ist ohne eine minimale Beherrschung der
Phraseologie nicht möglich.“ (Fleischer 1997: 27). Trotzdem wird heutzutage im Rahmen
des DaF-Unterrichts dem Erwerb von Phraseologismen nur wenig Aufmerksamkeit
geschenkt, deshalb haben auch die Deutschlerner Probleme mit dem Verstehen, mit der
Identifikation und Interpretation der Phraseologismen. Es ist besonders für zukünftige
Germanisten und Deutschlehrer wichtig, die idiomatischen Wendungen wahrzunehmen, sie
zu verstehen und korrekt verwenden zu können. Daneben gibt es eine eigenartige und
deshalb wichtige Gruppe der Phraseologismen, deren Einheiten heutzutage aus
verschiedenen Gründen immer seltener verwendet werden und es wird immer weniger
Aufmerksamkeit auf sie gerichtet: die Sprichwörter.

1.2 Zielsetzung der Arbeit

In dieser Arbeit möchte ich die Problematik der Mehrworteinheitskompetenz unter die
Lupe nehmen, und auf die Sprichwörter fokussieren. Einerseits möchte ich sie mit dieser
Arbeit in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit rücken, und ihre unbeachtete Rolle im
Fremdsprachenunterricht mithilfe einer empirischen Untersuchung bei BA
Germanistikstudenten im ersten Studienjahr an der ELTE nachweisen. Andererseits werde
ich das Charakteristikum des Wissens von Germanistikstudenten über deutsch-ungarische
Sprichwörter beschreiben, ihre Fehler analysieren und die Ursachen ihrer Fehler ermitteln.

1
1.3 Aufbau

Die Arbeit gliedert sich in fünf Kapitel. Im ersten Kapitel werden der Gegenstand und die
Zielsetzung meiner Diplomarbeit erörtert, und ich stelle die Untersuchung kurz vor, die ich
im Zusammenhang mit dem Thema durchführte. Im zweiten Kapitel erkläre ich die
wichtigsten Begriffe, die als Grundlagen meiner Arbeit fungieren, wie Phraseologie,
Parömiologie und Interferenz. Im dritten Kapitel geht es um meine empirische
Untersuchung, und um die Vorhypothesen über das Resultat der Untersuchung. Im vierten
Kapitel werden die Ergebnisse mit Hilfe der Statistik ausgewertet und anhand von Tabellen
und Diagrammen veranschaulicht. In diesem Kapitel werde ich noch die Ursachen der
Ergebnisse feststellen. Im letzten Kapitel findet man die Konklusion, wo ich eine kurze
Zusammenfassung darbiete, meine Fragen und Hypothesen zusammenfasse und eine
Analyse schreibe, welche Hypothesen bestätigt wurden und worauf die Ergebnisse
hindeuten.

2
2. Theoretische Grundlagen

Da man ohne genaues und gründliches Grundwissen über ein Thema glaubhaft nicht
schreiben kann, fasse ich die wichtigsten Bereiche der Linguistik zusammen, die als
Grundlagen meiner Diplomarbeit fungieren.

2.1 Phraseologie und Phraseologismen

Die Phraseologie ist eine außerordentlich junge wissenschaftliche Teildisziplin, die sich in
der Sowjetunion am Anfang des neunzehnten Jahrhundert entwickelte, und erstmals im
Jahre 1946 mit den Arbeiten von V. Vinogradov in der Sprachwissenschaft selbständig
etablierte. Seine Arbeit trug auch dazu bei, dass die erste Gesamtdarstellung der deutschen
Phraseologie von I.I Cernyseva (1970) vorgelegt wurde (Fleischer 1997: 4 f.).
Die Phraseologie beschäftigt sich mit den festen Wortverbindungen einer Sprache, die sich
heutzutage einerseits mit der Begriffsbestimmung des Phänomens der Phraseologismen,
andererseits mit der Klassifikation von Phraseologismen befasst (Fleischer 1997: 23).
Beide sind ganz schwer in einem Buch oder in ein paar Seiten zusammenzufassen, und
sind auch heutzutage umstritten, „in der Phraseologie steht wohl als einziges bisher fest,
daß noch nichts feststeht.“ (Pilz 1987: 16)
Zum Beispiel haben wir wegen der wachsenden Unklarheit mit einer Vielfalt von
Terminologie zu tun, wie Phraseologismen, Phraseme, Phraseolexeme,
Wortgruppenlexeme, Idiome, feste Wendungen usw. (Palm 1995: 2) Trotz aller
Unterschiede im Wortgebrauch stimmt aber die Meinung der Sprachwissenschaftler
überein und sie kommen zu gemeinsamen Ergebnissen. Beispielsweise sind die Kriterien,
wie man diese Mehrworteinheiten von den nicht-phraseologischen Wörtern und
Wortgruppen abgrenzen kann, in mehreren Werken zu finden (Fleischer 1997., Palm
1995.)

Erstmals ist Idiomatizität ein wichtiges Kriterium: das heißt, dass die Elemente der
phraseologischen Einheit meistens mit der Bedeutung nicht zu tun haben (Palm 1995: 2),
denn die Gesamtbedeutung lässt sich nicht additiv aus der Summe der Bedeutungen der
Elemente erschließen, sondern bedeutet mehr oder etwas anderes. Im Gegenteil zu den
freien Wortgruppen bilden die Elemente eine semantische Einheit.

3
Laut Fleischer (1997: 31) entsteht Idiomatizität meistens auf dem Wege der
Metaphorisierung, aber der Grad der Idiomatizität kann von Phraseologismus zu
Phraseologismus unterschiedlich sein. Wenn es keine semantische Kongruenz1 zwischen
den Elementen gibt, und alle Komponenten semantisch transformiert (Palm 1995: 12) sind,
spricht man über vollidiomatische Phraseologismen; wenn aber die Elemente eine freie
Bedeutung haben, ist die Wendung teilidiomatisch. (Fleischer 1997: 30 f.) Im nächsten
Beispiel ist dieser Unterschied leicht bemerkbar:

aus der Haut fahren ‚wütend, ungeduldig werden’ (vollidiomatisch)


Blut und Wasser schwitzen ‚sehr schwitzen’ (teilidiomatisch)

Das zweite Merkmal, das die Wortgruppenlexeme von den anderen Wörtern unterscheidet,
und mit Idiomatizität zusammenhängt, ist die Stabilität. Das bedeutet, dass die
Abwandlung der Phraseologismen nur gering möglich ist (Knipf 2006: 70), die
Phraseologismen eine gebundene, gemeinsame Bedeutung haben, also ihre Elemente
syntaktisch2 nicht frei kombiniert, paradigmatisch 3 nicht frei substituiert werden können.
(Palm 1995: 7) Sie sind also fixierte Einheiten, wie die als Beispiel erwähnten
Phraseologismen:

einen Kater haben ‚sich nach übermäßigem Alkoholgenuss am nächsten Tag


schlecht fühlen’
*eine Katze haben

den Rahm abschöpfen ‚sich das beste nehmen’


*die Sahne abschöpfen

1
Semantische Vereinbarkeit (Fleischer 1997: 30)
2
Wortfolge und die Struktur von Sätzen und deren Komponenten (www2.sfs.nphil.uni-
tuebingen.de/~nnsle01/Syntax%20GK%202005%20I.ppt, gesehen am 2.05.2009)
3
„Funktional und formal zusammenhängende Ausdruckseinheiten, die die einzelnen Kategorien einer
bestimmten Kategorisierung realisieren, bilden alle zusammen ein Paradigma.“ (http://hypermedia.ids-
mannheim.de/pls/public/termwb.ansicht?v_app=p&v_id=574, gesehen am 02. 05. 2009). „Als
Paradigmenkategorien bezeichnet man nach Eisenberg (1989: 36 ff.) grammatische Kennzeichnungen, die
kennzeichnend für alle Formen eines Worts einer bestimmten Klasse (also für das gesamte Paradigma) sind.
Paradigmenkategorien sind im Deutschen z.B. das Genus beim Nomen, dem immer eine Kategorie maskulin,
feminin oder neutrum zuzuordnen ist.“ (http://hypermedia.ids-mannheim.de/pls/public/termwb.ansicht?
v_app=p&v_id=99, gesehen am 02. 05. 2009)

4
Die Phraseologismen können nicht neu gebildet und nach einem syntaktischen
Strukturmodell in der Äußerung produziert werden, sondern sie werden als „fertige
lexikalische Einheit „reproduziert“. Deshalb erwähnt man die Reproduzierbarkeit als ein
weiteres wichtiges Kriterium der Phraseologismen. (Fleischer 1997: 65)

All diese Kriterien hängen sehr eng mit dem psycholinguistischen4 Aspekt der
Phraseologismen zusammen, den man bei der Durchführung einer Untersuchung nicht
außer Acht lassen darf. Die Rolle der Speicherung der Phraseologismen im mentalen
Lexikon ist nämlich bei ihrer Reproduktion sehr wichtig. Psycholinguistisch gesehen sind
also Phraseologismen sog. Automatismen5, die wegen ihrer nicht wortwörtlichen
Bedeutung im mentalen Lexikon doppelt kodiert werden. Sie werden ganzheitlich
gespeichert, und als Einheiten repräsentiert. Der Erwerb von Phraseologismen ist ein
Spezialfall, sie werden nämlich einzeln, nicht als Prinzip gelernt und bei ihrem Verstehen
geht ein top-down Prozess6 vor. (Palm 1995: 90 ff.)

2.1.1 Parömiologie und Sprichwörter

Diese Arbeit stellt als Zweck fest, die Mehrworteinheitskompetenz über Sprichwörter zu
untersuchen. Dazu brauchen wir das Wissen über die Parömiologie, die als selbständige
Disziplin die Sprichwörter als Gegenstand hat. Die Sprichwörter sind auch in der
Entwicklung der Phraseologie bedeutend, nämlich die Aufmerksamkeit gegenüber festen
Wortverbindungen erstreckte sich zuerst fast ausschließlich auf Sprichwörter. (Fleischer
1997: 11) Sie standen seit dem Mittelalter bis in die ersten Jahrzehnte nach dem zweiten
Weltkrieg im Mittelpunkt der Germanistik, die Blütezeit des Sprichwortes lässt sich in dem
15-16. Jahrhundert feststellen. (ebd. 77)
Wie im Falle der Phraseologismen, gibt es zahlreiche Definitionsversuche von
Sprichwörtern. Laut Anna T. Litovkina (2005: 13) gibt es mehr Definitionsversuche als
Sprichwörter selbst. Im Allgemeinen kann man aber feststellen, dass Sprichwörter solche

4
„Psycholinguistik (synonym: Sprachpsychologie) erforscht das kognitive (mentale) System, das den
Sprachgebrauch erlaubt.” (http://ling.uni-
konstanz.de/pages/allgemein/study/introling06/Psycholing_1_handout.pdf)
5
Als Automatismen werden in der Psychologie Vorgänge und Tätigkeiten bezeichnet, die ohne Beteiligung
des Willens und unkontrolliert vom Bewusstsein ablaufen.
6
Die Top-down-Verarbeitung oder konzeptgesteuerte Verarbeitung ist eine Form der Wahrnehmungsanalyse,
die höhere mentale Prozesse zur Identifikation und Wiedererkennung von Objekten oder Ereignissen
heranzieht. Bei dieser Art von Verarbeitung kommen also unsere Erfahrungen, unser (Vor)Wissen, unsere
Motive und unsere kulturelleren Dispositionen ins Spiel. (Goldstein 2002: 12)

5
Satzkonstruktionen sind, die eine lehrhafte Tendenz haben, und die moralische
Anschauungen der Entstehungszeit7, das heißt Volkstümlichkeit und die Erfahrungen der
einfachen Menschen wiedergeben. Sie beziehen sich auf das praktische Leben und sind
verbal entstanden und mündlich überliefert. (Fleischer 1997: 77) Von Horst und Annelies
Beyer (1984: 7) sind sie als „Kleinform der Volksdichtung“ benannt.
Es ist wichtig zu bemerken, dass heute kaum mehr Sprichwörter entstehen, und wegen
dieser historischen Begrenztheit wird ihnen - nach meiner Erfahrung- immer weniger
Aufmerksamkeit geschenkt. Deshalb möchte ich mit dieser Arbeit und mit meiner
Untersuchung die Problematik der Sprichwörter betonen.
Wie ich schon oben erwähnte, Sprichwörter sind eine spezielle Gruppe von
Phraseologismen, man kann aber auch wichtige Unterschiede zwischen diesen zwei
Gruppen feststellen (Fleischer 1997: 76 f.)
 Sprichwörter sind feste Satzkonstruktionen, es gibt also keine Möglichkeit, sie zu
reproduzieren, wie im Falle der anderen Phraseologismen. Sie funktionieren als
eigene Mikrotexte, die man als ganze Sätze zitieren kann, es ist also nicht möglich,
sie zu verändern.
 Sprichwörter vertreten einen höheren Grad der Idiomatizität, als die anderen
Mehrworteinheiten, sie haben nämlich eine metaphorische, verallgemeinerte
Bedeutung. Im Falle der Sprichwörter gibt es ein irreguläres Verhältnis zwischen
der Bedeutung der Wortkomponenten und dem ganzen Satz.
 Phraseologismen sind historisch nicht fixiert, wie die Sprichwörter, weil sie
allgemeine sprachliche Erscheinungen sind und es entstehen ständig neue.
Sprichwörter haben noch weitere wichtige Eigenschaften, die ihr Überleben sichern und
diese seit Jahrhunderten entstandene praktische Lebensregel nicht verschwinden lassen.
Sprichwörter sind merkfähige Elemente der Sprache, nämlich ihre suprasegmentale
Charakteristika, wie Knappheit, Reim (Was ich nicht weiß, macht mich nicht heiß) und
Rhythmus machen sie leicht bemerkbar und dadurch auch weit bekannt. Außerdem
besitzen sie den Charakter der Bildhaftigkeit, und haben eine metaphorische Bedeutung,
dadurch wurden sie ins mentale Lexikon der Menschen dauerhaft eingeprägt. In
Sprichwörtern findet man verschiedene Figuren und Tropen, die noch die Einprägung
erleichtern, wie Paradoxie (Eines Mannes Rede ist keines Mannes Rede),
Gegensatzverhältnis (Heute mir, morgen dir), Parallelismus oder Personifizierung von
Gegenständen. (Beyer 1984: 7 ) All diese sprachlich-stilistischen Merkmale sind also dafür
7
In den meisten Fällen die Mittelalter und die feudale Gesellschaftsordnung. (Fleischer 1997: 77)

6
verantwortlich, dass die Sprichwörter trotz ihrer historischen Begrenztheit und trotz der
verringernden Aufmerksamkeit als spielerische Weisheiten überleben und als Gegenstand
dieser Diplomarbeit fungieren.

2.2 Interferenz

Im Falle dieser Untersuchung, wenn man sowohl deutsche als auch ungarische
Sprichwörter in den Aufgaben verwendet und wenn die Aufgaben sich nach den beiden
Sprachen richten, darf man die Folgen ihres Kontakts nicht außer Acht lassen. Die
Beziehung dieser zwei Sprachen, aus denen Ungarisch die Muttersprache und Deutsch die
Fremdsprache der Studenten ist, kann sowohl positiv 8, als auch negativ beeinflusst sein.
Diese Arbeit befasst sich mit Fehlern von Studenten, deshalb eher mit dem negativen
Einfluss der Muttersprache auf die Fremdsprache.
Das Wissen der Muttersprache bedeutet feste Beziehungen zwischen sprachlichen Zeichen
und Erscheinungen der objektiven Wirklichkeit (Referenzbeziehungen), die durch den
Kontakt mit einer Fremdsprache die Auseinandersetzung mit einem anderen,
gegenüberstehenden System hervorruft, und damit den natürlichen Zustand der Sprache
verändert. Die Psyche „rebelliert“ gegen die Aneignung eines zweiten Zeichensystems,
gegen die Integration von fremden Elementen. Dadurch kommt es vor, dass die Psyche der
Fremdsprachenlerner danach strebt, ihre Gedanken in den Formen ihrer Muttersprache
auszudrücken. (Juhász 1970: 9) Diese Erscheinung wird Interferenz benannt, die laut
Juhász (ebd.) „…die durch die Beeinflussung von anderen sprachlichen Elementen
verursachte Verletzung einer sprachlichen Norm…“ ist. Der Grund dafür ist, dass die
Muttersprache auf das Fremdsprachenlernen störend wirkt, also die Muttersprache und die
Fremdsprache fügen sich wegen ihrer unterschiedlichen Struktur, Valenz,
Bedeutungsstruktur, Verwendungsweise usw. auf verschiedene Weise in das System ein.
(ebd. 31) Interferenz ist deshalb die primäre Fehlerquelle der Befragten der Arbeit, die
auch das Wissen von Mehrworteinheiten beeinflussen kann.

3. Die empirische Untersuchung

8
Beim positiven Einfluss fügen sich die Elemente der Muttersprache und der Fremdsprache auf ähnliche
Weise in das jeweilige System ein, deshalb verstößt die Psyche nicht gegen die Normen der Fremdsprache.
Diese Erscheinung, wenn die Muttersprache auf die Fremdsprache nicht störend wirkt, bezeichnet man als
Transfer. (Juhász 1970: 30)

7
3.1 Methode

Um das Wissen von Phraseologismen zu untersuchen, entschied ich mich dafür, eine
sowohl qualitative als auch quantitative Untersuchung durchzuführen, die aus einem
Fragebogen und aus einem Aufgabenblatt bestand. Auf dem Fragebogen sollte man nicht
nur die wichtigsten Daten angeben, wie Name, Alter, Muttersprache, sondern es gab auch
Fragen über die Länge und Quantität des Deutschlernens. Man sollte noch beantworten,
wie viele Jahre man im deutschsprachigen Gebiet verbrachte und vie oft man deutsche
Bücher oder andere Medien benutzt. Dadurch kann ich nach der Auswertung der Aufgaben
die wichtigsten Faktoren zum Erlernen der Mehrworteinheiten bestimmen und die
Zusammenhänge zwischen diesen Daten und ihr Wissen feststellen.
Das Aufgabenblatt besteht aus sieben Aufgaben und bezieht sich auf eine besondere Art
der Wortgruppenlexeme: auf Sprichwörter. Jede Aufgabe konzentriert auf die deutschen
Sprichwörter, manche auch auf ungarische. In der ersten Aufgabe sollen die Befragten vier
deutsche Sprichwörter beenden. Diese Aufgabe bietet eine kleine Hilfe, nämlich der größte
Teil der Sprichwörter ist schon gegeben. Diese Art der Aufgabe kann aber die Quelle
verschiedener Fehler sein, wenn die Befragten das Sprichwort nicht kennen und trotzdem
versuchen, die richtige Antwort zu tippen.
In der zweiten Aufgabe sollte man das ungarische Äquivalent von sieben deutschen
Sprichwörtern angeben. Diese Aufgabe untersucht nicht nur die Kompetenz von deutschen,
sondern auch die von ungarischen Sprichwörtern. Diese Aufgabe ist leichter als die erste,
da die ungarischen Sprichwörter den ungarischen Studenten besser bekannt sind. Die
deutschen Sprichwörter können aber in diesem Fall die Befragten verwirren, und dadurch
resultieren manchmal falsche ungarische Äquivalente als Antworten.
Die dritte Aufgabe bezieht sich auf eine Fehlersuche in deutschen Sprichwörtern und ist
meines Erachtens die schwerste Aufgabe. Die Fehlersuche ist keine häufig geübte
Aufgabe, ist aber nicht nur deshalb schwer. Wer nicht 100% sicher die vier Sprichwörter
kennt, kann die richtige Antwort mit der geringsten Chance angeben.
Die vierte Aufgabe ist eine Art Lückentest, wo man fünf deutsche Sprichwörter ergänzen
muss. In diesem Fall hat man wieder mit einer Art Hilfe und Fehlerquelle wegen dem
Tippen zu tun. Dann in der fünften Aufgabe sollen die Befragten aus den gegebenen und
gemischten Wörtern deutsche Sprichwörter rekonstruieren. Diese Aufgabe ist leichter, man
soll nämlich die Elemente nicht herausfinden, nur kombinieren. Die sechste, und die

8
leichteste Aufgabe enthält deutsche Sprichwörter, die man mit ihrem angegebenen
ungarischen Äquivalent verbinden soll. Diese Aufgabe kann mit den geringsten
Sprichwortkenntnissen gelöst werden, man muss nämlich nur die Bedeutung der sechs
Satzpaare kennen. Letztens sollen die Untersuchungspersonen vier deutsche Sprichwörter
kurz auf Deutsch erklären. Diese Aufgabe bezieht sich nicht nur auf die
Mehrworteinheitskompetenz der Studenten, sondern widerspiegelt ihre Deutschkenntnisse,
die sie in Schrift ausdrücken. Es ist noch wichtig zu erwähnen, dass in den Aufgaben nur
solche Sprichwörter verwendet werden, die auch in der ungarischen Sprache existieren,
und jedes Sprichwort hat ein ungarisches Äquivalent mit der gleichen Bedeutung. Manche
sind wortwörtlich gleich, andere hängen aber nur thematisch zusammen, sind aber
lexikalisch unterschiedlich.
Die Fragen auf dem Fragebogen und die Instruktionen zu den Aufgaben sind auf
Ungarisch formuliert, damit das Verstehen der deutschen Sprache kein Hindernis ist, und
es ist sicher, dass die Befragten die Aufgaben verstehen, die Missverständnisse der
Instruktionen die falschen Antworten nicht beeinflussen.

3.2 Gewährspersonen

Als Untersuchungspersonen wählte ich die Germanistikstudenten im ersten Studienjahr an


der Eötvös Loránd Universität aus. Sie repräsentieren die Gruppe der DaF-Lernenden kurz
nach der sekundären Bildung und sie verkörpern das Wissensniveau, das man am Ende der
sekundären Bildung erreichen kann. Obwohl die Untersuchung nicht repräsentativ ist,
ermöglicht sie allgemeine Feststellungen, weil die Studenten aus verschiedenen Schulen
kommen, sie haben verschiedene Vorkenntnisse und Erfahrungen über die deutsche
Sprache, sie lernten sie auf verschiedene Weise und sind deshalb der Querschnitt der DaF-
Lerner in Ungarn. Es gibt ca. 90 Personen im ersten Studienjahr, von denen 46 Studenten
den Fragebogen und die Aufgaben im Februar und im März im Jahre 2009 ausfüllten und
lösten.9 Die Befragten waren zwischen ca. 18 und 21 Jahre. Im Durchschnitt lernen sie seit
zehn Jahren Deutsch, ihre Muttersprache ist Ungarisch. Die Intensität ihres Deutschlernens
ist sehr unterschiedlich und variiert von zwei bis zwanzig Stunden pro Woche. 13
Studenten lernten Englisch als erste Fremdsprache, aber die Differenz der Intensität
zwischen Englisch und Deutsch ist nicht so bedeutend. Nur wenige Befragten verbrachten
beachtliche Zeit auf dem deutschsprachigen Gebiet, nur 11 Studenten waren wenigstens
9
Für die Antworten siehe Tabelle 1 beigelegt.

9
ein Monat lang in DACH-Ländern und nur 4 Studenten hielten sich Jahre lang dort auf.
76% der Befragten behaupten, dass sie regelmäßig deutsche Bücher lesen, und fast jeder
der Befragten (95%) benutzt deutschsprachige Medien.

3.3 Über die verwendeten Sprichwörter

Zu der Zusammenstellung des Aufgabenblatts verwendete ich 34 deutsche Sprichwörter.


Jedes Sprichwort hat eine ungarische Äquivalenz, die lexikalische und grammatische
Übereinstimmung ist aber unterschiedlich. Manche Äquivalenten sind adäquat 10, in diesen
Fällen spricht man über semantische, lexikalische und grammatische Kongruenz:

Wer wagt, gewinnt. Aki mer, az nyer.


Kleider machen Leute. Ruha teszi az embert.
Eigenlob stinkt. Öndicséret büdös.

In anderen Fällen gibt es eine Art semantischen Kontrast zwischen den deutsch-
ungarischen Sprichwörtern, sie können aber wortwörtlich nicht übersetzt werden, weil sie
nur semantisch zusammenhängen, sind aber manchmal grammatisch und lexikalisch
unterschiedlich. Polyseme und Synonyme spielen in diesem Fall eine wichtige Rolle:

Er bekommt grünes Licht. Zöld utat kap.


Bei Nacht sind alle Katzen grau. Sötétben minden tehén fekete.
Allzuviel ist ungesund. Jóból is megárt a sok.
Das heißt es biegen oder brechen. Megszokik, vagy megszökik.

Die dritte Kategorie enthält solche Äquivalente, die wieder nur semantisch kongruent sind,
in diesen Fällen gibt es aber lexikalische und grammatische Kontrast-Mangel, und die
lexikalischen Einheiten der Sprichwörter hängen überhaupt nicht zusammen:
Er hat kalte Beine bekommen. Inába szállt a bátorsága.
Wie du mir, so ich dir. Kölcsönkenyér visszajár.
3.4 Vorhypothesen

10
Angemessen, entsprechend (http://www.duden.de/definition/ad%C3%A4quat)

10
Während der Zusammenstellung der Aufgaben, vor der Durchführung der Untersuchung
hatte ich schon Vorstellungen über die Ergebnisse, die ich als Hypothesen vorstelle:
 Im Allgemeinen werden diese Aufgaben für die Studenten schwer sein, weil sie in
den Gymnasien nur wenige Mehrworteinheiten lernten. Nach meinen Erwartungen
können sie nur ca. 70% der Aufgaben ausfüllen.
 Da die Sprichwörter ungarische Äquivalente haben, kann man die Aufgaben
leichter ausfüllen, aber wegen der Interferenz kommt es zu mehreren Fehlern.
 Die Studenten werden am meisten solche Aufgaben ausfüllen, wo die deutschen
Sprichwörter eine adäquate Beziehung mit den ungarischen haben.
 Wenn es nur eine semantische Entsprechung zwischen den deutschen und
ungarischen Sprichwörter gibt, aber die Sprichwörter lexikalisch verschieden sind,
werden die Studenten nicht aus der ganzen Bedeutung ausgehen, sondern
versuchen die Sprichwörter wortwörtlich zu übersetzen.

4. Ergebnisse der Untersuchung

11
4.1 Bemerkungen zu den Ergebnissen

Im Durchschnitt lösten die Studenten 42% der Aufgaben richtig 11. Die erreichte Punktzahl
war aber so unterschiedlich, wie ich es mir vorstellte: von 34 Punkten erreichten 7
Studenten weniger als 10 Punkte, 3 Studenten erreichten mehr als 23 Punkte. Insgesamt
erreichten 14 Studenten 50%. Diese vielfältige Leistung ermöglicht, die Ursachen und
Quellen der Fehler zu entdecken, die nach der detaillierten Auswertung der einzelnen
Aufgaben vorgestellt werden.

4.1.1 Aufgabe 1

In der ersten Aufgabe sollten also die Studenten die folgenden vier deutschen Sprichwörter
beenden (die richtige Antworten sind in Klammern):

Zu viele Köche verderben …(den Brei)


Wer wagt, …(gewinnt)
Er bekommt grünes …(Licht)
Er fischt im Trüben …(Wasser)

Die erste Aufgabe empfand ich als eine leichte Aufgabe, die aber verschiedene falsche
Antworten beinhaltet. Diese Aufgabe war aber für die Befragten eine schwere Aufgabe,
nämlich nur 27% der Antworten waren korrekt. Die Zahl der falschen Lösungen war nicht
hoch (11%), aber die nicht beantworteten Sätze waren ziemlich hoch: 62%. Die
Gesamtergebnisse der ersten Aufgabe sind in der folgenden Abbildung vorgestellt.

Abbildung 1/a Ergebnis der Aufgabe 1

11
Für die erreichten Punkte siehe Tabelle 2.

12
Aufgabe 1

Nicht gelöst Richtig

27%
62%
11%

Falsch

Die Antworten auf die einzelnen Fragen sind aber wichtiger, weil sie uns konkrete
Probleme der Kompetenzen von Studenten aufklären.

Abbildung 1/b Ergebnisse der einzelnen Fragen in Aufgabe 1

Aufgabe 1

40 38
35
35
Zahl der Befragten

30 26
24
25 Richtig
20 18 Falsch
15 11 11 Nicht gelöst
10 7 8
4
5 2
0
0
1 2 3 4
Fragen

Aufgrund der Tabelle ist es selbstverständlich, dass die zweite Frage die einzige war, die
von der Mehrzahl der Befragten richtig beantwortet wurde. 26 Befragten konnten diese
Frage richtig beantworten, nur 2 Studenten gaben eine falsche Antwort und 18 Personen
konnten diese Fragen nicht beantworten. In diesem Fall kann das deutsche Sprichwort und
sein ungarisches Äquivalent wortwörtlich übersetzt werden, deshalb ist es in diesem Fall
keine Fehlerquelle, wenn die Befragten auf die ungarische Variante des Sprichwortes
basieren. Außerdem ist dieses Sprichwort in Ungarn ziemlich häufig verwendet und
verbreitet. Aufgrund der Untersuchungen von Anna T. Litovkina im Jahre 1993 ist dieses
ungarische Sprichwort Teil des ungarischen parömiologischen Minimums12, und ist das
zweithäufigste Sprichwort in der ungarischen Sprache (Litovkina 2005: 58).
12
Die populärste Proverbien (Litovkina 2005: 58)

13
In den anderen Fällen kommen verschiedene Fehlertypen vor. Auf die erste Frage gaben
die Studenten zahlreiche falsche Antworte:

*Zu viele Köche verderben das Essen.


*Zu viele Köche verderben die Suppe.
*Zu viele Köche verderben die Speise.

Der Grund dieser falschen Lösungen ist, dass es kein lexikalischer Zusammenhang
zwischen dem ungarischen Sprichwort (Sok bába közt elvész a gyerek) und dem deutschen
Äquivalent gibt. Die Befragten versuchten deshalb aus dem Wort Koch ausgehen, und
solche Wörter finden, die mit dem Thema Essen zusammenhängen. Deshalb kam Essen
fünfmal, am häufigsten als falsche Lösung vor. Insgesamt gibt es 11 richtig und 11 falsche
Lösungen, 24 Studenten konnten aber die Frage überhaupt nicht beantworten.

Auf die dritte Frage gaben nur 4 Personen die richtige, 7 Personen die falsche Antwort.
Trotz des Zusammenhangs zwischen dem Sprichwort ‚Zöld utat kap’ und Er bekommt
grünes Licht ist die Zahl der nicht gelösten Fragen ziemlich hoch, 35 Studenten konnten
die Frage nicht beantworten. Die Befragten versuchten in diesem Fall eine Beziehung
zwischen dem Attribut grün und der Lösung zu finden. Es ist selbstverständlich, dass die
Befragten nach solchen Begriffen suchten, die grün sein können, deshalb kommen solche
falsche Antworten vor, wie zum Beispiel:

*Er bekommt grünes Gras.


*Er bekommt grünes Auge.

Die vierte Frage übertrifft zwar die dritte, nämlich 38 Studenten konnten das Sprichwort
Er fischt im trüben Wasser nicht beenden und es gibt nur 8 richtige Lösungen. Der Grund
dafür ist aber einfacher, nämlich dieses Sprichwort existiert noch als Phraseologismus in
einer nicht festgeprägten Satzform (im Trüben fischen). Das Ergebnis impliziert, dass die
Befragten diese Mehrworteinheit nicht als Sprichwort kennen, und sie denken, dass das
Sprichwort ohne das Wort Wasser auch vollständig ist und beenden es einfach nicht.

4.1.2 Aufgabe 2

14
Die zweite Aufgabe besteht aus sieben deutschen Sprichwörtern und die Studenten sollten
die ungarischen Äquivalente dieser Mehrworteinheiten angeben. Die richtigen Antworten
waren die folgenden:

Morgenstunde hat Gold im Munde. Ki korán kel, aranyat lel.


Er hat kalte Beine bekommen. Inába szállt a bátorsága.
Unkraut verdirbt nicht. Csalánba nem üt a mennykő.
Den Bock zum Gärtner machen. Kecskére bízza a kápsztát.
Jeder Topf findet seinen Deckel. Zsák a foltját.
Man lernt nie aus. Jó pap holtig tanul.
Allzuviel ist ungesund. Jóból is megárt a sok.

Die Ergebnisse entsprechen meinen Erwartungen, nämlich diese Aufgabe war weder zu
schwer noch zu leicht zu lösen: 47% der gegebenen Antworten waren richtig, 18% falsch,
35% wurden nicht gelöst.

Abbildung 2/a Ergebnis der Aufgabe 2

Aufgabe 2

Nicht gelöst
Richtig

35%
47%

18%

Falsch

Die Zahl der einzelnen richtigen Fragen ist aber trotzdem sehr unterschiedlich.

Abbildung 2/b Ergebnisse der einzelnen Fragen in Aufgabe 2

15
Aufgabe 2

50 45

40
Zahl der Befragten

32 32 30 28 Richtig
30
22 Falsch
19 18 17
20 Nicht gelöst
12 13
11 10 8
8 8
10 5
1 0 2 1
0
1 2 3 4 5 6 7
Fragen

Die erste Frage wurde von fast allen Studenten richtig gelöst, wir haben nämlich wieder
mit einem Sprichwort des ungarischen parömiologischen Minimums zu tun, und das
deutsche Äquivalent ist ein häufig verwendetes Sprichwort in Deutschland.13

Bei der zweiten Frage ist die Zahl umgekehrt: nur 5 Studenten konnten eine richtige
Antwort geben, 19 antworteten falsch und 22 lösten die Aufgabe überhaupt nicht. Die hohe
Zahl der falschen Antworten bedeutet auch, dass ganz verschiedene Fehler vorkommen,
wie zum Beispiel (die Zahl der Studenten ist in Klammern zu sehen):

Földbe gyökerezett a lába. (5)


Bal lábbal kelt fel. (6)

Es ist bemerkbar, dass in den meisten Fällen die Studenten solche Äquivalente finden, die
die ungarische Übersetzung vom Bein enthalten. Sie gingen also aufgrund der
wortwörtlichen Übersetzung des Sprichworts aus, nicht aufgrund der Bedeutung.
Die nächsten Fragen waren ein bisschen leichter, aber ziemlich viele Personen konnten sie
nicht beantworten: es gibt 12 richtige, 2 falsche und 32 nicht gelöste Antworten zu Frage 3;
13 richtige, 1 falsche und 32 nicht gelöste Antworten zu Frage 4.
Die fünfte Frage war wieder eine ganz leichte Aufgabe: 30 Studenten antworteten richtig,
die Zahl der falschen und der nicht gelösten Antworten war in beiden Fällen 8. Die
falschen Antworten zeigen, dass die Studenten die Bedeutung des Sprichwortes klar
verstehen, aber sie haben Probleme mit dem ungarischen Äquivalent:

Mindennek megvan a maga helye (3)


13
Aufgrund der Untersuchung von Anna T. Litovkina (2005: 53)

16
Mindenki emberére talál. (1)

Auf die sechste Frage haben 18 Studenten richtige, 17 falsche und 11 keine Antwort
gegeben, so zählt diese Frage zu den schwersten. Die Zahl der falschen Lösungen
entstammt wieder aus der Nicht-Kenntnis des ungarischen Sprichworts und ergibt die
folgenden Fehler:

Holtig tanul az ember. (5)


Az ember sosem tanulhat eleget (5)

Die siebte Frage war wieder eine leichtere Aufgabe: 28 richtige, 10 falsche Antworten
wurden gegeben, 8 Personen konnten die Frage nicht beantworten. Hier kommt wieder das
Problem der genauen Kenntnis von Sprichwörtern vor:

Sok a jóból. (3)

Aufgabe 2 untersucht also nicht nur das Wissen deutscher Sprichwörter, sondern deckt das
Wissen ungarischer Proverbien auf. Mit den Ergebnissen der ersten Aufgabe verglichen
können wir über eine leichtere Aufgabe sprechen, trotzdem ist die Zahl der richtigen
Antworten (49%) ziemlich gering. Viele deutsche und auch manche ungarische
Sprichwörter sind von diesen Studenten nicht weit bekannt, was in mir Sorgen über die
Lebendigkeit von Sprichwörtern hervorruft.

4.1.3 Aufgabe 3

17
Die dritte Aufgabe bezieht sich auf eine Fehlersuche, die Befragten sollten mit der
Ersetzung der falschen Wörter ein existierendes Sprichwort finden. Diese Aufgabe war die
schwerste, nämlich nur 16% der Antworten war richtig, 28% war falsch und 56% der
Fragen wurde nicht beantwortet.

Abbildung 3/a Ergebnis der Aufgabe 3

Aufgabe 3

Richtig
Nicht gelöst

16%

56% 28%

Falsch

Die richtigen Lösungen sind die folgenden:


Auf Regen kommt Sonnenschein.
Von dem Regen in die Traufe kommen.
Er hat die Nase voll.
Bei der Nacht sind alle Katzen grau.

Diese Aufgabe wurde so erstellt, dass Wörter der ungarischen Äquivalente ins Deutsche
übersetzt und mit dem originalen Wort ersetzt wurden:

Borúra derű.  *Auf Traurigkeit kommt Sonnenschein.


Csöbörből vödörbe.  *Von dem Regen in den Eimer kommen.
Tele van a hócipője.  *Er hat die Stiefel voll.
Sötétben minden tehén fekete.  *Bei der Nacht sind alle Kühe grau.

Mit diesem Austausch von Wörtern und der Mischung von ungarischen und deutschen
Sprichwörtern kann man das Phänomen Interferenz beobachten. Die Studenten kennen die
ungarischen Varianten des Sprichwortes, in dem fremdsprachlichen Äquivalent finden sie
aber keine Fehler, weil ihre Psyche gegen die Integration von neuen Elementen arbeitet.

18
Da in den falschen deutschen Sprichwörtern sie Elemente aus ihrer Muttersprache finden,
so fallen ihnen diese Fehler nicht auf.
Anstatt die nicht passenden Wörter zu finden, suchten die Studenten grammatische Fehler,
und „korrigierten“ zum Beispiel Präpositionen und Kasus.
In der ersten Frage, wo es 15 richtige, 9 falsche Antworten gibt, und 22 Studenten keine
Antwort gaben, machten die Studenten (4) die folgende Korrektion: *Nach Traurigkeit
kommt Sonnenschein. Die Übersetzung des ungarischen Sprichworts hat sie also nicht
gestört, sie finden aber andere Fehler, die aber keine Fehler waren.
Die zweite Frage wurde nur von 2 Studenten richtig beantwortet, noch 8 Studenten
versuchten erfolglos einen Fehler finden, die Mehrheit hatte aber keine Ahnung über die
Lösung der Aufgabe. Die Fehler waren wieder mit den Präpositionen verbunden (aus, vor,
von), wie in der dritten (7 richtig, 16 falsch, 23 nicht gelöst) und in der vierten (6 richtig,
19 falsch, 21 nicht gelöst) Aufgaben.
Nur in dem letzten Sprichwort wurden vorwiegend nicht grammatische Fehler gesucht,
sondern man findet Versuche zur Ersetzung von falschen Wörtern. Der häufigste Fehler ist
aber ein typisches Vorkommen von Interferenz. Eine bedeutende Gruppe der Studenten (7)
ersetzte das richtige Wort grau mit dem Wort schwarz und so entsteht eine Übersetzung
des ungarischen Sprichwortes (Sötétben minden tehén fekete.  *Bei der Nacht sind alle
Kühe schwarz), das ein nicht existierendes (deutsches) Sprichwort ist. Dieses Ergebnis
beweist, dass das Wissen von ungarischen Sprichwörtern das Wissen von den deutschen
negativ beeinflussen kann, und wegen der Interferenz irreführend wirken kann.

Abbildung 3/b Ergebnisse der einzelnen Fragen in Aufgabe 3

40
35
30
25
20
15
10
5
0
1 2 3 4

4.1.4 Aufgabe 4

19
Wie in der ersten sollten auch in der vierten Aufgabe die Befragten wieder deutsche
Sprichwörter ergänzen, in diesem Fall sollten sie aber die Sprichwörter nicht beenden,
sondern die Lücken innerhalb der Sätze ausfüllen. Obwohl der Typ der Aufgabe ähnlich
ist, wie in der ersten, haben die Studenten bessere Ergebnisse: 43% der Fragen wurde
richtig beantwortet, 34% der Lösungen war falsch und 23% der Sätze wurde nicht ergänzt.

Abbildung 4/a Ergebnis der Aufgabe 4

Aufgabe 4

Nicht gelöst
Richtig

23%
43%

34%

Falsch

Die erwarteten Antworten waren in dieser Aufgabe die folgenden:

Man soll den Tag nicht vor dem Abend loben.


Kleider machen Leute.
Er tanzt aus der Reihe.
Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm.
Wer zuletzt lacht, lacht am besten.

Mit den Ergebnissen der anderen Aufgaben verglichen, kamen in dieser Aufgabe ganz
viele Fehler vor. Das erste Sprichwort wurde von 24 Studenten richtig, von 6 falsch und
von 16 nicht ergänzt, mehrere Studenten (4) schrieben aber das Wort Morgen als Lösung
auf das Blatt. Auf die zweite Frage gaben 13 Studenten eine richtige, aber sehr viele
Befragten (29) eine falsche Antwort, und 22 Studenten ergänzten den Satz mit dem Wort
Menschen. Dieses Ergebnis zeigt, dass sie das Sprichwort kennen und seine Bedeutung
ihnen klar ist, sie wissen aber nicht, in welcher konkreten Form es existiert.

20
Die falschen Antworten (23) auf die dritte Frage sind ganz vielfältig, nur dreimal wurde
dieser Satz richtig ergänzt, in 20 Fällen überhaupt nicht. Was die Fehler betrifft, gibt es
eine ganz breite Palette von Verben, die eine Bewegung ausdrücken, zum Beispiel:

*Er fällt aus der Reihe. (8)


*Er kommt aus der Reihe. (7)
*Er steht aus der Reihe. (5)
*Er geht aus der Reihe. (2)
*Er hielt aus der Reihe.

Die vierte Frage war die weit bekannteste, außer 8 Personen ergänzten alle das Sprichwort
erfolgreich.
Auf die fünfte Frage gab man außer 22 richtige wieder ziemlich viele und verschiedene
falsche Antworten (20): die Studenten kennen das Sprichwort wieder nicht genau, deshalb
versuchten sie aus dem ungarischen Äquivalent das Wort ‚utoljára’ zu übersetzen. So
entstanden solche Lösungen, wie:

*Wer am Ende lacht, lacht am besten. (10)


*Wer am letzten lacht, lacht am besten. (4)

Abbildung 4/b Ergebnisse der einzelnen Fragen in Aufgabe 4

Aufgabe 4

40 38

35
29
Zahl der Befragten

30
24 23
25 22 Richtig
20 20
20 16 Falsch
15 13
Nicht gelöst
10 8
6
4 3 4
5 0
0
1 2 3 4 5
Fragen

21
4.1.5 Aufgabe 5

In der fünften Aufgabe sollte man aus den vermischten Wörtern die deutschen
Sprichwörter rekonstruieren. Die Ergebnisse dieser Aufgabe entsprechen meinen
Erwartungen nicht: nur 22% der Antworten war richtig, 47% war falsch, und 31% nicht
gelöst, ich erwartete aber mehr richtige Antworten. Meiner Meinung nach sollte es einem
Germanistikstudenten keine schwere Aufgabe sein, aus verschiedenen Wörtern einen
deutschen Satz zu formulieren. In den meisten Fällen kommen aber Probleme mit der
unlogischen Wortstellung oder mit der Auslassung von Wörtern vor. Dieses Ergebnis
widerspiegelt deshalb nicht nur das Wissen von Studenten über Sprichwörter, sondern auch
das Niveau ihrer Deutschkenntnisse.

Abbildung 5/a Ergebnis der Aufgabe 5

Aufgabe 5

Nicht gelöst Richtig

22%
31%

47%

Falsch

Die richtigen Lösungen waren die folgenden:

Über den Geschmack lässt sich nicht streiten.


Verkaufe die Bärenhaut nicht, bevor du den Bären erlegt hast.
Was du heute kannst besorgen, das verschiebe nicht auf morgen.
Wer die Füße nicht in die Decke steckt, dem bleiben sie unbedeckt.

Nur die erste Frage wurde von der Mehrzahl der Befragten (24) richtig beantwortet, 11
Studenten lösten die Aufgabe falsch und 11 Studenten konnten die Aufgabe nicht lösen.
Das Ergebnis der nächsten Fragen ist negativer: auf die zweite Frage wurden 4 richtige, 26

22
falsche Antworten gegeben, 16 Personen konnten keine Lösung angeben. In diesem Fall
kommen die Probleme der logischen Satzkonstruktion vor, viele Studenten haben die
folgende Antwort gegeben:

*Verkaufe den Bären nicht, bevor du die Bärenhaut erlegt hast.

Andere Personen verwechselten die zwei Satzteile:

*Bevor du den Bären erlegt hast, verkaufe den Bärenhaut nicht.

Die dritte Frage war für 7 Befragten lösbar, während 31 Personen eine falsche Antwort und
8 Personen keine Antwort gaben. Der häufigste Fehler kam wegen der Kommutation von
Wörtern besorgen und kannst:

*Was du heute besorgen kannst, das verschiebe nicht auf morgen.

Der Grund dieser häufigen Fehler ist, dass der Reim in diesem Sprichwort eine wichtige
Rolle spielt, deshalb ist seine Wortstellung nicht klassisch. Die Studenten versuchen aber
grammatisch korrekte Sätze zu bilden, und lassen diesen wichtigen Charakterzug der
Sprichwörter außer Acht.

Die vierte Frage wurde von den meisten Studenten nicht gelöst (22). Nur 6 Personen
konnten eine richtige Antwort geben, in 18 Fällen wurde aber die Aufgabe falsch gelöst.
Wieder eine breite Palette von Versuchen ist bemerkbar, die meisten Antworten waren
aber grammatisch und logisch inkorrekte Sätze, wie:

*Wer die Füße unbedeckt steckt, dem sie in die Decke nicht bleiben.

Obwohl diese Arbeit nur die Untersuchung von Sprichwörtern als Ziel setzte, kam durch
diese Aufgabe nicht nur das Problem von Mehrworteinheitskompetenz vor, sondern auch
der Mangel an deutscher Grammatik und Konstruktion eines logisch aufgebauten Satzes.

23
Abbildung 5/b Ergebnisse der einzelnen Fragen in Aufgabe 5

Aufgabe 5

35 31
30 26
Zahl der Befragten

24
25 22
18 Richtig
20 16
Falsch
15 11 11 Nicht gelöst
10 7 8
6
4
5
0
1 2 3 4
Fragen

4.1.6 Aufgabe 6

In der sechsten Aufgabe sollte man zu den gegebenen deutschen Sprichwörtern ihr
ungarisches Äquivalent aus der Liste suchen. Einerseits fordert diese Aufgabe weniger
Produktivität als die anderen; andererseits kann man mithilfe der Logik die
Sprichwortpaare finden. Deshalb war diese Aufgabe die leichteste und wurde von der
Vielzahl von Studenten richtig gelöst: 84% der Antworten war richtig, nur 14% war falsch
und 2% der Sprichwörter wurden mit ihren Äquivalenten nicht verbunden.

Abbildung 6/a Ergebnis der Aufgabe 6

Aufgabe 6
Nicht gelöst
Falsch 2%

14%

84%

Richtig

24
Die richtigen Sprichwortpaare sind die folgenden:

25
Bajban ismerszik meg az igazi jó barát. Freunde in der Not gehen hundert auf ein Lot.
Kölcsönkenyér visszajár. Wie du mir, so ich dir.
Ha már lúd, legyen kövér! Wenn schon, denn schon.
Betelt a pohár. Das stößt den Fass den Boden aus.
Láttam én már karón varjút. Es wird überall mit Wasser gekocht.
Megszokik, vagy megszökik. Das heißt es biegen oder brechen.

Obwohl es nur wenige falsche Lösungen gibt, sind diese Fehler trotzdem interessant, nämlich
14 Studenten vermischten zwei Sprichwortpaare auf folgende Weise:

Betelt a pohár. Es wird überall mit Wasser gekocht.


Láttam én már karón varjút. Das stößt den Fass den Boden aus.

Das Problem dieser Studenten ist, dass sie nicht aus der Bedeutung der Sprichwörter
ausgehen, sondern sie suchen nach thematisch zusammenhängenden Wörtern in den
ungarischen und deutschen Sprichwörtern. Deshalb kann es vorkommen, dass sie das
ungarische Wort ‚pohár’ (Glas) mit Wasser verbinden.

Abbildung 6/b Ergebnisse der einzelnen Fragen in Aufgabe 6

Aufgabe 6

50 46 45 43
41
40
Zahl der Befragten

28 27 Richtig
30
Falsch
18
20 16 Nicht gelöst

10
2 1 3 3 2
0 0 1 0 0
0
1 2 3 4 5 6
Fragen

4.1.7 Aufgabe 7

26
Die letzte Aufgabe besteht aus vier deutschen Sprichwörtern, die man auf Deutsch erklären
soll:

Es geht, wie am Schnürchen.


Eile mit Weile.
Eigenlob stinkt.
Zum Zank gehören zwei.

Diese Aufgabe war die am wenigsten beliebte Aufgabe, nämlich 69% der Studenten
versuchten es einfach nicht eine Antwort zu geben. Wer es aber versuchte, konnte eine
richtige Antwort schreiben: 26% der gegebenen Antworten war richtig und nur 5% falsch.

Abbildung 7/a Ergebnis der Aufgabe 7

Aufgabe 7

Richtig

26%
69%
5%
Falsch

Nicht gelöst

Diese Ergebnisse zeigen, dass die Studenten im ersten Studienjahr an der ELTE die Aufgaben
nicht gern lösen, die Kreativität und Produktivität fordern. Sie denken also nicht gern nach,
was ein deutsches Sprichwort bedeutet. Es kann auch sein, dass ihre Sprachkenntnisse noch
nicht auf einem hohen Niveau stehen, und sie haben Schwierigkeiten mit dem Ausdruck ihrer
Gedanken.
Die Ergebnisse dieser Aufgabe zeigen also nicht nur das Desinteresse von diesen Studenten
gegenüber Sprichwörtern, sondern auch ihre Beziehung und ihr Engagement zur deutschen
Sprache selbst.
Abbildung 7/b Ergebnisse der einzelnen Fragen in Aufgabe 7

27
Aufgabe 7

40 37
34
35
Zahl der Befragten

30 28 27
25 Richtig
20 16 Falsch
15 13
11 Nicht gelöst
10 8
5
5 3
1 1
0
1 2 3 4
Fragen

4.2 Grundlagen der Ergebnisse

Nach der Skizze von Ergebnissen und nach der Analyse von häufigen Fehlern braucht man
noch die Feststellung von den Grundlagen dieser Ergebnisse. In diesem Kapitel versuche ich
die wichtigsten Faktoren zu finden, die diese Ergebnisse der einzelnen Studenten verursachen.
In der nächsten Tabelle ist es bemerkbar, dass es zwischen den Studenten eine ziemlich
bedeutende Differenz gibt:

Abbildung 8 Erreichte Punkte der einzelnen Studenten


Ergebnisse der Befragten

34 30 29
24
22
20 20 21 21
Punktezahl

18 17 18 17 19
16 17 16 17 16
17 14 15 14 14 14
12 11 13 13
10 9 10 10 11 9 10
11 10 10 10 10 9 10
7 8 7 8
4

0
1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20 21 22 23 24 25 26 27 28 29 30 31 32 33 34 35 36 37 38 39 40 41 42 43 44 45 46
Student

Nach dem Vergleich von den Ergebnissen und den Antworten auf dem Fragebogen kann man
verschiedene Faktoren finden, die mit dem Ergebnis zusammenhängen können.
Erstens ist die Länge des Deutschlernens, was bedeutend sein kann. Dieser Faktor selbst
bedeutet aber aufgrund der Ergebnisse nicht, dass die Länge des Deutschlernens das Wissen
von Sprichwörtern bestimmt.14 Zum Beispiel, Student 26 erreichte 12%, obwohl er/sie seit 13

14
Siehe Tabelle 1. und 2.

28
Jahren Deutsch lernt. Student 9 aber erreichte 62%, obwohl er/sie nur seit 8 Jahren Deutsch
lernt.
Der zweite Faktor könnte sein, ob Deutsch als die erste oder die zweite Fremdsprache gelernt
wurde. Die Studenten, die Deutsch nur als zweite Fremdsprache lernten, erreichten im
Durchschnitt 34%. Das bedeutet, dass sie unter dem Gesamtdurchschnitt (42%) leisteten. Wir
sollen aber zwei Personen aus dieser Liste herausnehmen, die 4 und 5 Jahre im
deutschsprachigen Gebiet verbrachten, das wird nämlich auch der nächste Faktor sein. So ist
das Ergebnis nur 30%. Wir können also feststellen, dass es ein bedeutender Faktor ist, ob
Deutsch als erste oder als zweite Fremdsprache gelernt wurde.
Die Länge des Aufenthalts auf dem deutschsprachigen Gebiet, die schon erwähnt wurde, ist
der nächste einflussreiche Koeffizient. Die Studenten, die ohne Unterbrechung mehr als einen
Monat auf dem deutschsprachigen Gebiet verbrachten, hatten im Durchschnitt 49% erreicht.
Dieses Ergebnis ist mehr als das zusammen erreichte Ergebnis, ist aber nicht überzeugend.
Obwohl die Studenten, die die meisten Punkte erreichten, alle mehrere Jahre in Deutschland
verbrachten, umgekehrt stimmt die Feststellung nicht: die Studenten, die mehrere Jahre auf
dem deutschsprachigen Gebiet verbrachten, erreichten nicht immer eine hohe Punktzahl.
Student 37 verbrachte zum Beispiel 11 Jahre in Deutschland und erreichte nur 38%. Student
45 verbrachte ein ganzes Jahr auf deutschsprachigem Gebiet leistete aber nur 29%. Die
Aufenthaltsdauer scheint also ein wichtiger Faktor zu sein, wir wissen aber leider nicht, wie
die Studenten dieses Jahr verbrachten, wie viel Deutsch sie sprachen und wie viele
Sprichwörter sie hörten.
Als erster Faktor wurde die Länge des Deutschlernens erwähnt. Man darf aber nicht außer
Acht lassen, wie wichtig die Intensität des Lernens ist. Nach dem Vergleich dieser Daten und
den Ergebnissen kann man aber wieder feststellen, dass Intensität selbst das Wissen nicht
bestimmt. Um die Rolle des Lernens besser feststellen zu können, habe ich die Länge des
Deutschlernens und die Intensität zusammen untersucht. Ich multiplizierte die zwei Zahlen,
und das Ergebnis nenne ich ‚Wert des Deutschlernens’. In der nächsten Tabelle sieht man
diese Zahlenwerte und die erreichten Ergebnisse der Studenten.

Abbildung 11 ‚Wert des Deutschlernens’ und Ergebnisse der Studenten

29
Wert des Wert des
Befragte Deutschlernen Ergebnis Befragte Deutschlernen Ergebnis
Student 1 65 59 Student 24 22,5 24
Student 2 72 41 Student 25 91 41
Student 3 36 35 Student 26 39 12
Student 4 24 32 Student 27 20 85
Student 5 12 29 Student 28 54 21
Student 6 48 53 Student 29 33 29
Student 7 52 50 Student 30 99 62
Student 8 65 59 Student 31 65 47
Student 9 40 62 Student 32 45 65
Student 10 30 26 Student 33 60 50
Student 11 42 53 Student 34 44 47
Student 12 0 50 Student 35 14 38
Student 13 120 29 Student 36 98 29
Student 14 78 29 Student 37 15 38
Student 15 65 32 Student 38 45,5 29
Student 16 48 44 Student 39 93,5 41
Student 17 66 71 Student 40 32 24
Student 18 60 88 Student 41 104 50
Student 19 11,25 26 Student 42 52 47
Student 20 72 29 Student 43 12 26
Student 21 28 32 Student 44 48 41
Student 22 50 21 Student 45 15 29
Student 23 15 29 Student 46 40 56

Man kann wieder bemerken, dass die Länge und Intensität zusammen nicht die bedeutendste
Rolle spielen. Es stimmt nicht immer, dass die Studenten, die einen hohen Wert des
Deutschlernens besitzen auch ein gutes Ergebnis haben. Wir können aber feststellen, dass die
Studenten, die ein gutes Ergebnis haben, meistens einen hohen Wert des Deutschlernens
besitzen.
Der letzte Faktor könnte die Verwendung von deutschsprachigen Büchern und Medien sein,
nämlich die Sprichwörter werden im alltäglichen Sprachgebrauch verwendet, die man sowohl
in Medien und in Büchern besonders oft finden kann. Der Mehrzahl von Studenten liest
deutschsprachige Bücher und benutzt deutschsprachige Medien, nur 11 Studenten
antworteten, dass sie keine Bücher lesen und nur 2 Studenten benutzten keine
deutschsprachigen Medien. Sie leisteten aber im Durchschnitt nicht weniger, sondern mehr als
die ganze Gruppe im Durchschnitt. Die Nicht-Leser erreichten 44%, die anderen leisteten
beide über 50% im Test. Dieses Ergebnis widerspricht also meinen Erwartungen, weil die
Benutzung von Büchern und Medien kein bedeutender Faktor ist.

Zusammenfassend kann man feststellen, dass weder die Länge noch die Intensität; weder die
Länge des Aufenthalts, noch die Benutzung von deutschsprachigen Büchern und Medien das

30
Wissen von Sprichwörtern determiniert. Deutsch als erste Fremdsprache scheint der einzige
bedeutende Faktor zu sein, er ist aber auch nicht so überzeugend.
Was könnte dann die Mehrworteinheitskompetenz beeinflussen? Meiner Meinung nach sollte
man nicht aus quantitativen Daten ausgehen, weil die Qualität des Lernens viel wichtiger ist.
Das Problem ist, dass wir weder die Qualität des Lernens und die Lehre von Sprichwörtern,
noch die Begegnung mit deutschen Sprichwörtern messen können. Man muss es akzeptieren,
dass, obwohl Sprichwörter eigenartig als eine Einheit gespeichert und nur zitiert werden
können, sie anhand dieser Ergebnisse nicht als wichtiger Teil der deutschen Sprache
betrachtet werden. Obwohl die untersuchten Studenten viele Jahre intensiv mit dem
Deutschlernen verbrachten, war ihr Lernen – aus dieser Sicht - nicht qualitativ genug.

5. Abschließende Gedanken

31
Das Ziel der Arbeit war die Mehrworteinheitskompetenz der Studenten im ersten Studienjahr
an der ELTE zu untersuchen. Das heißt, dass in der Arbeit das Wissen von 46 Studenten über
Sprichwörter analysiert wurde, ihre Fehler wurden entdeckt und ich versuchte die Ursachen
dieser Fehler zu suchen. Als Gegenstand der Arbeit wurden Sprichwörter ausgewählt, die
einerseits eine spezifische Gruppe von Mehrworteinheiten sind. Andererseits werden sie
heutzutage immer weniger benutzt, deshalb fand ich es wichtig, eine Untersuchung unter
Jugendlichen durchzuführen. Obwohl die Ergebnisse nicht repräsentativ sind, bietet die Arbeit
ein Bild über die Lage der deutschen und ungarischen Sprichwörter im Jahre 2009 .
Die Ergebnisse entsprechen leider meinen Erwartungen nicht: durchschnittlich leisteten die
Studenten nur 42%, obwohl jedes deutsches Sprichwort im Test ein ungarisches Äquivalent
hat. Die Studenten lösten viele Aufgaben nicht, was das Zeichen ihres Desinteresses
gegenüber Sprichwörtern beweist. Außerdem, wenn sie eine Frage beantworteten, war die
Mehrzahl ihrer Antworten falsch. Ihr Wissen und ihre Fehler können folgenderweise
charakterisiert werden:
 Anstatt aus der Bedeutung auszugehen, suchen die Studenten das zentrale Wort in
einem Sprichwort und ergänzen es mit einem thematisch zusammenhängenden
Wort.
 Sie versuchen die Sprichwörter meistens wortwörtlich zu übersetzen, was viele
Fehler verursacht, wenn die deutschen und ungarischen Sprichwörter grammatisch
und lexikalisch nicht vollständig äquivalent sind.
 Manchmal ist die Bedeutung eines Sprichwortes klar für sie, sie kennen aber die
konkrete Form nicht. Auch ungarische Sprichwörter sind ihnen manchmal nicht
bekannt.
 Da in ihrem mentalen Lexikon schon die ungarische Äquivalenz des deutschen
Sprichwortes existiert, kommt Interferenz vor und nur selten realisieren sie die
fehlerhaften deutschen Sprichwörter.
 Sie lassen die wichtige Eigenschaft – Reim - mancher Sprichwörter außer Acht und
versuchen eher grammatisch korrekte Sprichwörter zu bilden.
 Manchmal haben sie Probleme mit der Grammatik und mit der logischen
Satzkonstruktion.
 Sie formulieren deutsche Erklärungen nicht gern, und lösen lieber solche Aufgaben,
die weniger Kreativität fordern.

32
Vor der Untersuchung hatte ich erwartet, dass die Verwendung von Sprichwörtern mit
ungarischem Äquivalent eine Erleichterung sein wird. Leider wurde diese Hypothese
widerlegt, nämlich die Äquivalenz verursachte eher Fehler und hatte keinen beförderlichen
Effekt. Die andere Hypothesen wurden bestätigt: die Sprichwörter, die eine adäquate
Beziehung mit ihrem Äquivalent haben, wurden von mehreren Studenten erkannt, während
die anderen problematisch waren. Obwohl Interferenz nicht die einzige und die wichtigste
Fehlerquelle war, kam sie mehrmals vor.
Die Grundlagen der Ergebnisse und die Grundlagen der Fehler sind noch umstritten, nämlich
in einer Untersuchung dieser Art man keine qualitativen Beobachtungen durchführen, und
man ist auf quantitative Informationen eingegrenzt. Weder die Länge noch die Intensität des
Deutschlernens scheinen wichtige Faktoren zum Fremdsprachenlernen sein. Die Länge des
Aufenthalts auf dem deutschsprachigem Gebiet und die Verwendung von deutschsprachigen
Büchern und Medien determiniert das Wissen über Sprichwörter auch nicht.
Diese Ergebnisse bieten also einen Einblick in die Situation von Sprichwörtern heute, nämlich
die Gewährspersonen am Germanistischen Institut der ELTE Universität selbst repräsentieren
einen Querschnitt der jungen DaF-Lerner in Ungarn. Meiner Meinung nach ist es frustrierend,
dass an der ersten Universität in Ungarn die jungen Germanisten über deutsche Sprichwörter
so wenig wissen. Diese Ergebnisse bewerten einerseits die Qualität der sekundären Bildung
selbst, andererseits klären sie das Desinteresse dieser jungen Germanisten gegenüber
Sprichwörtern aber auch gegenüber der deutschen Sprache.
Obwohl Sprichwörter von mehreren Wissenschaftlern analysiert werden und ihr Interesse
konstant ist, werden die Sprichwörter gerade in derjenigen Umgebung immer weniger
benutzt, woher sie schon seit Jahrhunderten abstammen: im Alltag der einfachen Menschen.
Heutzutage wird dieses Problem immer mehr aktuell, nämlich mit der explosionsartigen
Verbreitung der Technik und mit der Globalisierung werden mehrere Segmente der Sprachen
gefährdet, auch Sprichwörter einbegriffen. Zusammenfassend ist also der Grund, warum diese
Arbeit zustande gekommen ist, die Bestrebung danach, dass die Leute nach Jahrzehnten oder
Jahrhunderten die Sprichwörter nicht nur aus Enzyklopädien und aus den wissenschaftlichen
Werken kennen, sondern dieses traditionelle Segment der Sprache, das die
Alltagskommunikation fördert und als Wortschatzerweiterung einer Sprache fungiert,
bewahren.
Literaturverzeichnis:

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