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Erörtern heißt sich schriftlich mit einem Sachverhalt auseinanderzusetzen und dazu

seine eigene Meinung überzeugend darzulegen. Täglich wägen wir Probleme ab und
bewerten Meinungen. Dabei ist es vor allem wichtig die eigene Entscheidung fundiert
begründen zu können. Bei einer Erörterung gilt es genau diese Stärke des
überzeugenden Argumentierens hervorzubringen. Wie du das am besten anstellst und
was du beim Schreiben deiner eigenen Erörterung beachten musst erklären wir dir
jetzt!

Dieser Artikel über "Erörterung" ist dem Fach Deutsch zuzuordnen und erweitert das
Thema Aufsatz schreiben.

ZUM AUSWENDIG LERNEN: Am Ende der Zusammenfassung findest du "Das Wichtigste auf
einen Blick!" zum Thema "Erörterung". Alles, was du dazu wissen musst, auf einem
Cheat Sheet!

Was ist überhaupt eine Erörterung?


Die Erörterung ist eine Textform bei der du dich mit einer Fragestellung, einem
Problem oder einer Meinung intensiv auseinandersetzt. Dies sollte nicht nur in
klarer gedanklicher Struktur geschehen, sondern deine Argumentation muss auch
überzeugend und einsichtig sein. Aus den Ergebnissen leitest du Folgerungen ab aus
welchen sich dann deine eigene persönliche Stellungnahme entwickeln kann.

Auf diese Art zeigst du, dass du in der Lage bist ein Thema aus verschiedenen
Perspektiven zu beleuchten und anschließend zu bewerten.

Welche Arten von Erörterung gibt es?


Insgesamt lässt sich zwischen drei verschiedenen Arten von Erörterung
unterscheiden: der linearen Erörterung, der textgebundenen Erörterung und der
dialektischen Erörterung.

Die lineare Erörterung


Eine lineare Erörterung beruht immer auf einer einseitigen Argumentation. Es wird
dir eine zentrale Fragestellung vorgegeben, zu der du nun Argumente sammeln musst
und dich schlussendlich für eine klare Position entscheidest. Dabei lässt du die
Gegenseite außen vor, denn es geht darum, den Leser von deiner Meinung zu
überzeugen.

Die textgebundene Erörterung


Im Gegensatz zur linearen Erörterung ist die Grundlage einer textgebundenen
Erörterung nicht nur eine Fragestellung sondern ein Text. Ähnlich wie bei der
Interpretation einer Kurzgeschichte oder eines Gedichts beginnst du hier mit einer
klassischen Einleitung und fährst damit fort den Text kurz zusammenzufassen. Auch
das Schreiben des Hauptteils ähnelt sehr dem, was du aus Analysen kennst. Im Fokus
steht nämlich vor allem die Argumentationsstrategie des Autors und nicht deine
eigenen Argumente. Was es genau mit einer textgebundenen Erörterung auf sich hat
und wie du sie am besten schreibst findest du in einem eigenen Artikel.

Die dialektische Erörterung


Bei der dialektischen Erörterung bist du zwar frei von einer Textvorgabe, jedoch
reicht es nicht aus nur einseitig zu argumentieren. Deine Argumente zu einem
bestimmten Sachverhalt oder einer vorgegebenen Fragestellung müssen die Pro- und
die Kontra-Seite mit einbeziehen. Falls du aus einem vorgegebenen Thema eine eigene
passende Fragestellung ableiten musst, solltest du diese in der Einleitung nennen.
Im Hauptteil hast du zwei Möglichkeiten, nach denen du deine Argumente präsentieren
kannst. Wie diese Prinzipien genau aussehen und wie du deine dialektische
Erörterung schreibst, findest du in einem separaten Artikel.

Eine Erörterung schreiben – Vorarbeit ist das A und O


Der eigentlichen Erörterung geht stets die Untersuchung eines Sachverhalts, eines
Textes oder einer gegebenen Quelle voraus. In jedem Fall musst du aber auch
ergänzend dein eigenes Wissen mit einbringen. So ergeben sich allgemein drei
Arbeitsschritte:
Klären der Aufgabenstellung
Analyse des Textes bzw. Auswertung der bereitgestellten Materialien, Brainstorming
Verfassen der Erörterung
Schritt 1: Klären der Aufgabenstellung
Bei diesem Arbeitsschritt können dir einige Fragen das Arbeiten erleichtern.
Gegenstand der Erörterung: Was, mit welchem Ziel und in welcher Form soll erörtert
werden? → dies kann eine Stellungnahme zur Position des Autors sein, die Bewertung
eines Sachverhalts oder die Diskussion eines Problems
Was sind die Anforderungen, die mit der Aufgabe, dem methodischen Vorgehen beim
Analysieren und beim Erörtern verbunden sind?
Wie sollte meine zeitliche Planung aussehen? Auf welchem Aufgabenteil liegt der
Schwerpunkt der Bewertung? → meistens liegt der Schwerpunkt auf dem zweiten
Aufgabenteil (Gewichtung : ca. Textanalyse 40%; Erörterung 60%)
Schritt 2: Analyse des Textes, Auswertung der Materialien, Brainstorming
Dein Vorgehen sollte dem üblichen Weg einer Texterschließung ähneln. Das heißt du
beginnst damit text-relevante Aussagen zu erkennen, sie zu markieren und zu
notieren. Man beginnt mit der Beachtung der Überschrift und dem sorgfältigen Lesen
des Textes. Behalte dabei immer die Aufgabenstellung im Hinterkopf. Vergiss nicht
sprachliche Besonderheiten zu markieren und bereits früh, eigene Gedanken für die
spätere Erörterung festzuhalten.

Tipp: Bei einem argumentativen Text kannst du von Anfang an auf mögliche
Schwachstellen in der Argumentation oder eine Gegenposition achten!

Anschließend musst du dein gesammeltes Material nach Gesichtspunkten sortieren.


Meistens ist es aber einfacher dem Textverlauf zu folgen. Am Ende deiner
Untersuchung solltest du den Sachverhalt, die Position des Autors und dessen
Intention ermittelt haben, sowie die Argumentationsstruktur, wesentliche
Begründungen und sprachliche Mittel erschlossen haben.

Notiere dir außerdem alle Argumente die dir selbst einfallen und sortiere sie
entsprechend ihrer Wichtigkeit. Auch Begründungen oder Beispiele kannst du von
Anfang an stichwortartig notieren.

So könnte deine Gliederung aussehen:


Eine Überblicksinformation (Autor, Titel, Textart, Quelle, Adressat, Thema,
Erscheinungsort und -jahr) leiten die Analyse ein
Der Aussageschwerpunkt stellt die Überleitung dar
Im Hauptteil gibst du die entscheidenden Argumente knapp wieder, Gedankengang,
Argumentationsstruktur und sprachliche Mittel werden bestimmt
Hinweis: Bei einer materialgestützten Erörterung müssen die gegebenen Materialen
kritisch ausgewertet werden, aber nicht umfassend analysiert werden!

Die Erörterung schreiben – richtig argumentieren


Starke Argumente finden
Um den Leser von deiner Argumentation zu überzeugen kommt es vor allem auf die
Qualität deiner Argumente an. Ein richtiges Argument besteht aus drei Teilen:
Behauptung, Begründung, Beleg. Dies kannst du dir einfach mit den „3 B’s“ merken!

Wichtig ist, genau zu überdenken, ob dein Argument nachvollziehbar zu begründen


ist. Es dürfen natürlich keine Widersprüche entstehen.

Tipp: Du kannst auch Beispiele aus deinen persönlichen Erfahrungen nehmen. Diese
müssen nicht der Wahrheit entsprechen – du kannst es dir auch ausdenken!

Die richtigen Argumente auswählen


Bei einigen Themen werden dir leichter Argumente einfallen als bei anderen.
Trotzdem ist nicht die Quantität deiner Argumente entscheidend sondern die
Qualität. Beschränke dich deshalb lieber auf wenige Argumente und konzentriere dich
darauf diese vernünftig darzulegen.

Es kann natürlich auch vorkommen, dass dir für eine Position mehr Ideen einfallen
als für die Gegenposition. In einer dialektischen Erörterung solltest du aber
darauf achten, dass die Anzahl der Pro- und Kontra-Argumente ausgewogen sind.
Sortiere also auch hier die schwächeren und weniger wichtigen Argumente aus.

Tipp: Nur weil du deine eigene Meinung darlegen musst, heißt es nicht, dass das
auch tatsächlich deine Meinung sein muss! Zu einigen Themen hast du vielleicht
keine Meinung. Entscheide dich dann für die Seite, für welche dir mehr begründete
Argumente einfallen.

Die verschiedenen Argumentationstypen


Wenn du eine textgebundene Erörterung schreibst, musst du die
Argumentationsstrategie des Autors analysieren. Um dies zu können, solltest du dir
die verschiedenen Argumentationstypen genauer anschauen. Und auch, wenn du selbst
deine Erörterung schreibst, empfiehlt es sich die unterschiedlichen Typen zu kennen
um deine Argumentation abwechslungsreicher zu gestalten. Die verschiedenen
Argumentationstypen sind:

Faktenargumente: Diese Argumente beruhen auf Fakten, wie zum Beispiel Statistiken
oder wissenschaftliche Sachverhalte. Daher sind sie gut nachvollziehbar und schwer
zu entkräften.
Autoritätsargument: Dieser Argumentationstyp beruft sich auf eine, zum Großteil,
akzeptierte autoritäre Person. Dies kann ein Wissenschaftler oder andere namhafte
Person sein, die sich zu dem vorliegenden Thema geäußert haben.
Normative Argumente belegen ihre These durch allgemein gültige Norm- und
Wertevorstellungen
Analogisierendes Argument: Der Autor oder die Autorin verbindet das Thema mit einem
anderen Lebensbereich und schafft somit eine Analogie.
Indirektes Argument: Die eigene These wird durch die Entkräftigung der Gegenseite
gestärkt.
Plausibilitätsargument: Die These wird dadurch gestärkt, dass sie für den Leser
besonders nachvollziehbar erscheint.
Die Sprache in der Erörterung
Jeder Text hat einen eigenen Schreibstil – egal ob Essay oder Analyse. Aber vor
allem bei einer Erörterung, insbesondere bei der linearen und dialektischen, ist
dieser von besonders großer Bedeutung, da du den Leser von deinem Standpunkt
überzeugen willst. Mit einem guten sprachlichen Ausdruck kannst du deinen Argumente
noch mehr Ausdruck verleihen und umso mehr aus deiner Erörterung herausholen.

Überleitungen sind hierfür besonders geeignet und nicht allzu anspruchsvoll. Das
könnte zum Beispiel sein:
Einerseits/ Andererseits; auf der einen/ auf der anderen Seite
Außerdem ist zu bedenken, dass…
Ein weiterer Grund / ein anderer Argument für/gegen..
Abgesehen davon
Darüber hinaus; Des Weiteren; Ferner; Hinzu kommt
Aus einem anderen Blickwinkel betrachtet
Weitere Tipps für die sprachliche Gestaltung deiner Erörterung:
Vermeide Wortwiederholungen
Vermeide überlange Sätze aber gestalte deinen Satzbau dennoch abwechslungsreich
Verzichte auf Wörter wie „wohl“, „eben“, „ja“, „halt“
Schreibe im Präsens
Achte auf deine Rechtschreibung und Grammatik!
Aufbau deiner Erörterung
Die Einleitung
Die Einleitung verfolgt zwei Ziele: Sie soll zum einem zum Thema hinführen und die
Motivation des Lesers anregen. Möglichkeiten hierfür sind:

Überblicksinformation (Titel, Autor, Textart,…)


Hinweise zur Bedeutung des Themas (persönliche Erfahrungen, aktueller Bezug)
Das Ausgehen vom Gegenteil
Bei literarischen Themen: die Begründung des ausgewählten Materials
Einordnung von Texten, Themen, Motiven in größere Zusammenhänge
Wichtig ist, dass die Einleitung kurz ist aber dennoch dem Leser einen Überblick
über das Thema gibt. Das Interesse des Lesers soll geweckt werden und er soll in
der Einleitung sanft auf den folgenden Hauptteil vorbereitet werden.

Abschluss der Einleitung und Überleitung zum Hauptteil bildet die zentrale
Textaussage bzw. der entscheidende Themenaspekt.

Der Hauptteil
Der Hauptteil ist das Kernstück deiner Argumentation. Du beginnst damit eine These
zu formulieren, welche im Laufe der Arbeit durch Argumente gestützt wird. Bei einer
dialektischen Erörterung beginnst du meist mit der Position, mit welcher du dich
nicht identifizieren kannst. Dabei startest du mit dem stärksten Argument und gehst
zu den schwächeren über. Anschließend argumentierst du für die Position die auch
deiner eigenen Meinung entspricht. Nun steigerst du dich von den weniger starken
Argumenten zu den stärkeren und beendest den Hauptteil mit dem gehaltvollsten
Argument.

Der Schluss
Zum Schluss deiner Erörterung sollte sich aus deiner Argumentation ein Fazit
ergeben. Daraus solltest du dann eine Schlussfolgerung, einen Lösungsvorschlag oder
ein Kompromiss formulieren.

Wichtig: Wiederhole nicht alle deine Ausführungen sondern bringe die wichtigsten
Ideen kurz und präzise auf den Punkt.

Dein Schluss sollte immer deine gesamte Erörterung abrunden und einen Bezug zur
Einleitung herstellen. Deshalb bietet es sich an die Fragestellung erneut
aufzugreifen. Du kannst auch einen Ausblick oder eine Prognose abgeben um dein
tiefes Verständnis für das Thema zu demonstrieren. Deine eigene Meinung ist
gewünscht!

Bei einer textgebundenen Erörterung solltest du die Aussageabsicht des Autors


darlegen und kurz selbst dazu Stellung beziehen. Es kann aber auch sein, dass du im
zweiten Aufgabenteil dazu aufgefordert wirst, auf Grundlage der Textanalyse eine
eigene Erörterung zu verfassen.

Erörterung - Alles Wichtige auf einen Blick


Ich habe auf einem Notizblatt ein Brainstorming erstellt und die Argumente
gesammelt
Mein Text ist in Einleitung, Hauptteil, Schluss gegliedert
Meine Argumente bestehen immer aus den „3 B’s“
Ich habe meine Argumente mir im Voraus überlegt und sie nach Wichtigkeit sortiert
Ich habe eine Überleitung benutzt
Ich habe auf Schachtelsätze und Füllwörter verzichtet
Meine Argumentation bleibt stets sachlich.
Insider Hint

Wir hoffen dass dir dieser Artikel geholfen hat, einen Überblick über das Thema
Erörterung zu gewinnen. Vergiss nicht auch die Artikel zu der dialektischen und
textgebundenen Erörterung zu lesen um dich noch besser auf deine Prüfungen
vorzubereiten.

Viel Erfolg bei deinem nächsten Aufsatz!

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