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DON N E R S TAG 18.

DE Z E M BE R 20 08

FR. 2.80 Ausland: €2.00

Raserstrecke: Schlieren will die Verkehrsplan: SP und Grüne Bellevue: Eine Schneiderin Die unabhängige schweizerische Tageszeitung
www.tagesanzeiger.ch
Unfallstrasse entschärfen und scheitern mit dem Antrag auf eine und ein Model, die beide Auflage 225 287
um je eine Spur reduzieren. SEITE 15 Rückweisung um Kantonsrat. SEITE 20 aussergewöhnlich sind. SEITE 13 115. Jahrgang, Nr. 18

KOMMENTAR

Der Staat hört schon mit


von Christina Leutwylerv, Leser

I st er ein Chamäleon? Der Barack


Obama, der zum 44. Präsidenten
der Vereinigten Staaten vereidigt wor-
den ist, unterscheidet sich merklich
von dem Wahlkämpfer gleichen Na-
mens, den wir bis zum 4. November er-
lebten. Das ist in Demokratien nichts
Außergewöhnliches.
  Der Erwerb von Macht erfordert an-
dere Fähigkeiten als deren Ausübung.
Im Falle von Obama war es aber doch
mehr.
  Denn der Kandidat hat mit einer
Chuzpe, der gegenüber der wahlkämp-
fende Bill Clinton wie ein Waisenk-
nabe wirkt, die ganz große Trommel
gerührt. Obwohl in den vergangenen
vier Jahrzehnten viele liberale und lin-
BILD WALTER BIERI/KEYSTONE
ke Träume von der ganz anderen Poli-
tik zerschellt sind, hat sich Obama

Obama verkündet seinen amerikanischen Traum – als habe es nie eine Träumedämmer-
ung gegeben – noch einmal auf die
große Vision, ja auf eine Politik des Ex-
Der 44. US-Präsident ist vereidigt: Barack Obama ruft seine Nation Wirtschaft sehr geschwächt». Das sei gern. «Die Frage, die wir heute stellen, odus gesetzt. Mit großer Vagheit – und
eine Folge der «Gier und Verantwor- lautet nicht, ob der Staat zu stark oder mit großem Erfolg.
auf, den «Staub abzuschütteln» und die ideologischen Kämpfe der tungslosigkeit einiger, aber auch un- zu schwach ist, sondern ob er funktio-   Von diesem Podest musste er herab-
Bush-Ära zu beenden. Die Kritiker blieben weitgehend stumm. seres gemeinsamen Versagens, schwere niert», sagte der Präsident. Auch gehe es steigen, und das hat er in den Wochen
Entscheidungen zu treffen und un- nicht darum, ob die Kräfte des Marktes nach seinem Wahlsieg beim Zusam-
­— von Ferdi Hunkeler, Washington ser Land für eine neue Zeit vorzubere- «gut oder böse» seien. Obama verteidig- menstellen seiner Equipe auch konse-
iten». Obama verwies auch auf gravier- te die Marktwirtschaft. quent getan. Er hat die linkeren Teile

B arack Obama ist am Dienstag als


44. Präsident der Vereinigten Staat-
en vereidigt worden. Als erster schwar-
al. Sie sind ernst, und sie sind zahlreich.
Sie werden nicht leicht oder kurzfris-
tig gemeistert. Aber wisse, Amerika, sie
ende Schwächen im Bildungs- und im
Gesundheitswesen. «Nicht weniger ti-
ef» sei die Vertrauenskrise. Amerika sei
«Den Staub abklopfen»

Die gegenwärtige Krise habe aber


seiner eigenen Partei ziemlich düpi-
ert – ohne dass es bisher zu größerem
Unmut gekommen wäre. Zu fasziniert
zer Präsident in der amerikanischen werden gemeistert.» gezeichnet durch schwindendes Selbst- gezeigt, dass der Markt außer Kontrolle war der Souverän von dieser Häutung
Geschichte legte er seinen Amtseid um vertrauen. geraten könne. «Wir bleiben die reich- und von dem entschlossenen Schwung,
«Die Wunder der Technik nutzen»
12 Uhr mittags auf den Stufen des Kap-   Konkret versprach Obama, zur Be- ste, mächtigste Nation der Erde», sag- mit dem sich Barack Obama geradezu
itols ab. In seiner Rede vor Hundert- Der neue Präsident versprach entschlos- wältigung der Wirtschaftskrise würden te Obama. «Von heute an müssen wir neu erfunden hat.
tausenden Menschen auf der Washing- sene Schritte, um die Wirtschaft wie- Straßen und Brücken gebaut. Investiert uns aufrichten, uns den Staub abklop-   Die Hoffnungen, die auf ihn gesetzt
ton Mall setzte Obama den «aufziehen- der auf die Beine zu bringen, und eine werden soll auch in den Ausbau digital- fen und mit der Erneuerung Amerikas wurden, sind immens. Es sieht ganz so
den Wolken und tosenden Stürmen» der Außenpolitik, die auf internationale er Netze und in die Nutzung erneuerbar- anfangen». aus, als verstehe er es, diese Hoffnun-
Krise, in der Amerika sich gegenwärtig Zusammenarbeit setze. «Unsere Nation er Energieträger. «Die Wunder der Tech-   In der Außenpolitik kündigte Obama gen ohne Gesichtsverlust in die kalte
befinde, eine Botschaft der Zuversicht befindet sich im Krieg gegen ein weit- nik» würden genutzt, um die Qualität eine Rückbesinnung auf Diplomatie Luft der Wirklichkeit zu leiten. Im Pa-
entgegen: «Die Herausforderungen, mit reichendes Netz von Gewalt und Hass», des Gesundheitswesens zu verbessern und multilaterales Vorgehen an: «Erin- thosland Amerika wird man auch die-
denen wir konfrontiert sind, sind re- sagte Obama. Außerdem sei «unsere und zugleich dessen Kosten zu verrin- nert euch daran. sem Präsidenten nicht verübeln.
SEITE 27 Diskutieren Sie weiter: tagesanzeiger.ch

Israel zieht erste Truppen aus Gaza zurück Dem Rätsel «Wunderkind» auf der Spur
Nach Israel hat auch die Hamas gänge, damit humanitäre Hilfe passie- Sonntag eine einseitige Waffenruhe london — Einst waren es Engel, die die Wunderkinder setzte voraus, dass man
ren könne. Sollte Israel seine Truppen verkündet und seine Offensive gestoppt. Geburt eines Wunderkindes verkünde- die Kindheit überhaupt als eigenstän-
eine Waffenruhe für den Gaza­ binnen Wochenfrist nicht abziehen. Ministerpräsi­dent Ehud Olmert erklärte, ten, und das Wunder bestand in nich- dige Phase im Leben wahrnahm.
streifen ausgerufen. Die israelischen Streitkräfte began- das Land habe die gesteckten Ziele im ts als seinem Dasein. Ein paar Jahr-   Lange waren Kinder behandelt wor-
nen derweil mit einem gestaffelten Gazastreifen er­reicht. Die Armee bleibe hunderte später sah das anders aus. Da den wie kleinere, unvollkommene Er-
­— von Ferdi Hunkeler, Acca Rückzug. Israelische Panzerverbände jedoch vor Ort und behalte sich Gegen- rührte ein gewisser Leopold Mozart die wachsene. Auch in künstlerischen
zogen laut Au­genzeugen aus Schlüssel- schläge vor, sollten israelische Soldaten Werbetrommel für seine Kinder. Darstellungen sehen sie bis ins 17. Jah-
jerusalem — Seit dem Sonntagnach- positionen ab und bezogen Stellungen oder Zivilisten ange­griffen werden..   Und vor prominentem Publikum in rhundert hinein oft aus wie Minia-
mittag schweigen im Gazastreifen nach an der Grenze zum Ga­zastreifen. Die Europäische und arabische Staaten ganz Europa stellte er sie gern als et- turmänner und -frauen. Erst mit der
über drei Wochen Krieg und mehr als Truppen gaben ihre Haupt­stellung in ha­ben einen dauerhaften Frieden im was jünger dar, als sie wirklich waren. Aufklärung wurde die Kindheit als ei-
1250 Toten die Waffen. Beide Konflik- der früheren Siedlung Netzarim auf und Nahen Osten gefordert. Der dreiwöchige Wunderkinder waren sie, weil sie etwas genständige Lebensphase entdeckt.
tparteien haben eine Waffenruhe erk- öffneten damit erstmals seit Be­ginn der Krieg habe gezeigt, dass eine umfas- konnten, was Kinder sonst nicht konnt-   Die Pädagogik erlebte – etwa mit
lärt. Die Palästinenser for­derten ne- israelischen Bodenoffensive am 3. Janu- sende Ver­einbarung zwischen Israel en: Klavier spielen wie die Grossen Rousseau – einen Boom, der Begriff der
ben einem kompletten Rückzug der is- ar die Strasse zwischen dem südli­chen und den Paläs­tinensern nötig sei, um (oder besser als viele Grosse), auch mit «kindlichen Unschuld». Doch nicht nur
raelischen Soldaten innert einer Wo­ und dem nördlichen Gazastreifen. ein Wiederauf ­fl ammen der Gewalt zu verbundenen Augen oder auf verdeck- Schweizer buchen «wie im Rekordjahr
che auch eine Öffnung der Grenzüber­ Israel hatte in der Nacht zum um die Gewalt zu bremsen. ten Tasten. Die Entstehung dieser Sorte Doch nicht nur Schweizer buchen.
BERICHTE SEITE 10, 11, 21 SEITE 27

Todesanzeigen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 2 INFOGRAFIK SPORT Lesermeinung


Leserbriefe . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 3–4
Börse . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .7 Studie über Armut in Italien Schumi als Darth Vader «Durch das Internet kann man mittler-
weile hören und lesen, was die Menschen
Rätsel . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 16 Trotz der Krise sind Schweizer Hotels Der achtfache Formel eins Weltmeister
denken und muss keine
Wetter . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 20, 23–24 und Ferienwohnungen gut bis sehr gut Michael Schumacher gibt ein Comback,
Vermutungen mehr
Fernsehprogramme . . . . . . . . . . . . . . . 27 gebucht. Etwa so gut wie im exzellenten verkleidet als Darth Vader. Schumi erk-
darüber anstellen.»
Vorjahr. Trotz der Krise sind Schweiz- lärte einer Runde verdutzter Journal-
SEITE 12
er Hotels und Ferienwohnungen gut bis isten, dass er den Darth Vader Helm
sehr gut gebucht. Etwa so gut wie im ex- sicherheitstechnisch wie auch. Der Oliver Reichenstein,
zellenten Vorjahr. achtfache Formel eins Weltmeister. Leser
SEITE 23 SEITE 27
DON N E R S TAG 18. DE Z E M BE R 20 08

FR. 2.80 Ausland: €2.00

Raserstrecke: Schlieren will die Verkehrsplan: SP und Grüne Bellevue: Eine Schneiderin Die unabhängige schweizerische Tageszeitung
www.tagesanzeiger.ch
Unfallstrasse entschärfen und scheitern mit dem Antrag auf eine und ein Model, die beide Auflage 225 287
um je eine Spur reduzieren. SEITE 15 Rückweisung um Kantonsrat. SEITE 20 aussergewöhnlich sind. SEITE 13 115. Jahrgang, Nr. 18

BILD WALTER BIERI/KEYSTONE

Obama verkündet seinen amerikanischen Traum


Der 44. US-Präsident ist vereidigt: Barack Obama ruft seine Nation tig gemeistert. Aber wisse, Amerika, sie Zeit vorzubereiten». Obama verwies und zugleich dessen Kosten zu verrin-
werden gemeistert.» auch auf gravierende Schwächen im gern. «Die Frage, die wir heute stellen,
auf, den «Staub abzuschütteln» und die ideologischen Kämpfe der   Der neue Präsident versprach Bildungs- und im Gesundheitswesen. lautet nicht, ob der Staat zu stark oder
Bush-Ära zu beenden. Die Kritiker blieben weitgehend stumm. entschlossene Schritte, um die «Nicht weniger tief» sei die Vertrauen- zu schwach ist, sondern ob er funktio-
Wirtschaft wieder auf die Beine zu brin- skrise. Amerika sei gezeichnet durch niert», sagte der Präsident. Auch gehe es
­— von Ferdi Hunkeler, Washington gen, und eine Außenpolitik, die auf in- schwindendes Selbstvertrauen. nicht darum, ob die Kräfte des Marktes
ternationale Zusammenarbeit setze. «gut oder böse» seien. Obama verteidig-
«Den Staub abklopfen»

B arack Obama ist am Dienstag als


44. Präsident der Vereinigten Staat-
en vereidigt worden. Als erster schwar-
den Wolken und tosenden Stürmen» der
Krise, in der Amerika sich gegenwärtig
befinde, eine Botschaft der Zuversicht
«Unsere Nation befindet sich im Krieg
gegen ein weitreichendes Netz von Ge-
walt und Hass», sagte Obama. Außer-
Konkret versprach Obama, zur Bewäl-
tigung der Wirtschaftskrise würden
te die Marktwirtschaft. Die gegenwär-
tige Krise habe aber gezeigt, dass der
Markt außer Kontrolle geraten könne.
zer Präsident in der amerikanischen entgegen: «Die Herausforderungen, mit dem sei «unsere Wirtschaft sehr ge- Straßen und Brücken gebaut. Investiert «Wir bleiben die reichste, mächtigste Na-
Geschichte legte er seinen Amtseid um denen wir konfrontiert sind, sind real. schwächt». Das sei eine Folge der «Gi- werden soll auch in den Ausbau digital- tion der Erde», sagte Obama. «Von heute
12 Uhr mittags auf den Stufen des Kap- er und Verantwortungslosigkeit eini- er Netze und in die Nutzung erneuerbar- an müssen wir uns aufrichten, uns den
«Die Wunder der Technik nutzen»
itols ab. In seiner Rede vor Hundert- ger, aber auch unseres gemeinsamen er Energieträger. «Die Wunder der Tech- Staub abklopfen und mit der Erneuer-
tausenden Menschen auf der Washing- Sie sind ernst, und sie sind zahlreich. Versagens, schwere Entscheidungen zu nik» würden genutzt, um die Qualität ung Amerikas anfangen». Wir werden
ton Mall setzte Obama den «aufziehen- Sie werden nicht leicht oder kurzfris- treffen und unser Land für eine neue des Gesundheitswesens zu verbessern bald sehen, ob er das kann.
SEITE 27

Israel zieht erste Truppen aus Gaza zurück Dem Rätsel «Wunderkind» auf der Spur
Nach Israel hat auch die Hamas raelischen Soldaten innert einer Wo­ öffneten damit erstmals seit Be­ginn der london — Einst waren es Engel, die die (oder besser als viele Grosse), auch mit
che auch eine Öffnung der Grenzüber­ israelischen Bodenoffensive am 3. Janu- Geburt eines Wunderkindes verkünde- verbundenen Augen oder auf verdeck-
eine Waffenruhe für den Gaza­ gänge, damit humanitäre Hilfe passie- ar die Strasse zwischen dem südli­chen ten, und das Wunder bestand in nich- ten Tasten. Die Entstehung dieser Sorte
streifen ausgerufen. ren könne. Sollte Israel seine Truppen und dem nördlichen Gazastreifen. ts als seinem Dasein. Ein paar Jahr- Wunderkinder setzte voraus, dass man
binnen Wochenfrist nicht abziehen,   Israel hatte in der Nacht zum Sonntag hunderte später sah das anders aus. Da die Kindheit überhaupt als eigenstän-
­—von Ferdi Hunkeler, Acca will die Ha­mas weiterkämpfen. eine einseitige Waffenruhe verkün- rührte ein gewisser Leopold Mozart die dige Phase im Leben wahrnahm.
  Die israelischen Streitkräfte began- det und seine Offensive gestoppt. Werbetrommel für seine Kinder.   Lange waren Kinder behandelt wor-
jerusalem — Seit dem Sonntagnach- nen derweil mit einem gestaffelten Ministerpräsi­dent Ehud Olmert erklärte,   Ein paar Jahrhunderte später sah den wie kleinere, unvollkommene Er-
mittag schweigen im Gazastreifen nach Rückzug. Israelische Panzerverbände das Land habe die gesteckten Ziele im das. Und vor prominentem Publikum wachsene. Auch in künstlerischen
über drei Wochen Krieg und mehr als zogen laut Au­genzeugen aus Schlüssel- Gazastreifen er­reicht. Die Armee bleibe in ganz Europa stellte er sie gern als et- Darstellungen sehen sie bis ins 17. Jah-
1250 Toten die Waffen. Beide Konflik- positionen ab und bezogen Stellungen jedoch vor Ort und behalte sich Gegen- was jünger dar, als sie wirklich waren. rhundert hinein oft aus wie Minia-
tparteien haben eine Waffenruhe erk- an der Grenze zum Ga­zastreifen. Die schläge vor, sollten israelische Soldaten Wunderkinder waren sie, weil sie etwas turmänner und -frauen. Erst mit der
lärt. Die Palästinenser for­derten ne- Truppen gaben ihre Haupt­stellung in oder Zivilisten ange­griffen werden. Eu- konnten, was Kinder sonst nicht konnt- Aufklärung wurde die Kindheit als ei-
ben einem kompletten Rückzug der is- der früheren Siedlung Netzarim auf und ropäische und arabische Staaten. en: Klavier spielen wie die Grossen genständige Lebensphase entdeckt.
BERICHTE SEITE 10, 11, 21 SEITE 27

Todesanzeigen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 2 INFOGRAFIK SPORT Lesermeinung


Leserbriefe . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 3–4
Börse . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .7 Studie über Armut in Italien Schumi als Darth Vader «Durch das Internet kann man mittler-
weile hören und lesen, was die Menschen
Rätsel . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 16 Trotz der Krise sind Schweizer Hotels Der achtfache Formel eins Weltmeister
denken und muss keine
Wetter . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 20, 23–24 und Ferienwohnungen gut bis sehr gut Michael Schumacher gibt ein Comback,
Vermutungen mehr
Fernsehprogramme . . . . . . . . . . . . . . . 27 gebucht. Etwa so gut wie im exzellenten verkleidet als Darth Vader. Schumi erk-
darüber anstellen.»
Vorjahr. Trotz der Krise sind Schweiz- lärte einer Runde verdutzter Journal-
SEITE 12
er Hotels und Ferienwohnungen gut bis isten, dass er den Darth Vader Helm
sehr gut gebucht. Etwa so gut wie im ex- sicherheitstechnisch wie auch. Der Oliver Reichenstein,
zellenten Vorjahr. achtfache Formel eins Weltmeister. Leser
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4 ZÜRICH UND REGION
Raserstrecke: Schlieren will die Verkehrsplan: SP und Grüne Bellevue: Eine Schneiderin
Unfallstrasse entschärfen und scheitern mit dem Antrag auf eine und ein Model, die beide
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INTERVIEW

«Wir müssen wieder


mehr Eliten aus-
bilden»
­— mit Franziska Widmer Müller

Frau Widmer, leiten Sie eine Pauker-


schule?
(lacht) Nein, wir sehen uns nicht so.
Diese ETH-Studie ist auch kein Schul-
Ranking, an dessen Spitze die streng-
ste steht.
Doch Ihre Schule gilt als Leistungsschule.
Wir sind ein klassisches Gymnasi-
um. Unsere Schüler kommen ab der
sechsten Klasse, vielen war es dort ein
wenig langweilizg. Sie brauchen mehr
Futter, und sie freuen sich, hier in
viele Fächer einzutauchen und Neues
zu lernen. Diese Schüler sind leis-
tungsmotiviert.
Und die Lehrer spielen dabei keine Rolle?
Doch, es braucht ein gutes Lernklima.
Die Lehrer müssen gute Arbeit leisten
und tun dies auch.
Was machen Sie besser als die anderen?
Man sollte die Studie nicht überschät-
zen. Es kommt mir vor, wie bei der Pi-
BILD WALTER BIERI/KEYSTONE
Christoph Blocher schoss scharf gegen Politik und Verwaltung. sa-Studie, als alle nach Finnland re-
isten, bloss um festzustellen, dass auch

SVP feierte Maurer und vermisste «den alten Ueli» dort nur mit Wasser gekocht wird. So
ist es auch bei uns. Wir sind nicht an-
ders als die anderen.
Ueli Maurer plädierte gestern Die einen jubelten Blocher hoch, die an- von ihrem neuen Bundesrat den ein- cherung ei­ner freiheitlichen Schweiz di-   Jetzt stapeln Sie tief. Man hört, dass
Sie nur sehr leistungsorientierte Leh-
Abend im Albisgüetli für das deren Maurer. Die Parteioberen bemüh- en oder an­deren Seitenhieb zum ak- enten – ob sie nun vor den Botschaften,
rer einstellen.
ten derweil aus­nahmslos die offizielle tuellsten aller Themen, der Personen- bei Skiren­nen oder in Piratengewässern
Sturmgewehr im Schrank, Chris- Hierarchie. «Toni Brunner führt die Par- freizügigkeit. stattfinden sollten.   Das ist sicher ein wichtiges Kriteri-
um, daneben zählen auch didaktische
toph Blocher schoss scharf gegen tei. Und er tut dies gut», sagte etwa Ul- Doch Maurer tat ihnen diesen Gefall-
Wie ein gestandener Magistrat
rich Schlüer, der Mau­rers Platz im Na- en nicht. Er beschränkte sich auf ei- Fähigkeiten, pädagogisches Geschick.
Politik und Verwaltung. tionalrat erbt. nige Müs­terchen aus dem Bundesrat Am weitesten lehnte sich Maurer aus Aber es gibt eine dynamische Wech-
  Nur: Brunner war im ausverkauften und erste Er­läuterungen zu seinen Ziel- dem Fenster, als er die geltende Maxime selwirkung. Wenn eine Schule einen
­—von Stefan Häne und Daniel Friedli guten Ruf hat, zieht sie mehr Lehrper-
Saal zwar zugegen, trat bei der 21. Aus- en als Wehr­minister. Punkten konnte «Sicherheit durch Kooperation» kriti­
zürich — Der neue Bundesrat und alte gabe des zugkräftigsten Anlasses der er dabei vor al­lem mit seinem Plädoyer sierte. «Dahinter verbirgt sich der Wun- sonen an, und wir können die besten
Parteipräsident Ueli Maurer oder der Partei aber nicht ans Mikrofon. für die Heim­abgabe des Sturmgeweh- sch, andere sorgten für unsere Sicher­ auswählen.
alte Bundesrat und aktuelle Parteistrat- rs. «Der Bürger ist Soldat, und der Soldat heit», so Maurer. Wer aber nicht selber Was zeichnet die besten Lehrer aus?
Die Armee im Dienste der Freiheit
ege Christoph Blocher? Die SVP ist mo- ist Bürger», sagte er. Wer dem Soldaten für seine Sicherheit geradestehe, der Oh, das ist ein hochkomplexes Thema.
mentan noch etwas unschlüssig, wer Umso gespannter wartete das Publikum seine Waffe wegnehmen wolle, der am- verliere seine Souveränität. Umgekehrt Aber letztlich ist es die Fähigkeit, sich
denn nun künftig ihre Galionsfigur sein dafür auf den Auftritt Maurers, der seine putiere der Schweiz einen wichtigen Teil klang Mau­rer bisweilen schon wie ein selber zu motivieren und diese Motiva-
soll. Auch eine Umfrage des TA unter erste offizielle Rede als Verteidigungs­ ihres Staatsgedankens. Ferner machte gestandener Magistrat. Etwa da, wo er tion auf die Schüler hinüberzustrahlen.
den rund 1400 SVP-Anhängern im Al- minister als Heimspiel gestalten konnte. er klar, dass er alle Armeeeinsätze da- seine Aufgabe als eine «absolut sicher- Diese Wechselwirkung ist das Wich-
bisgüetli ergab ges­tern kein klares Bild. Auch darum erhofften sich viele Gäste ran messen werde, ob sie wirklich der Si- heitspolitische» definierte. tigste.

«NZZ am Sonntag» entschuldigt sich bei Marko Turina Aus Frust über Blitz Radarkasten zerstört
Die «NZZ am Sonntag» und Marko Turina, ehemaliger Herzchirurg
dem Eingriff. Turina hatte die Vorwür- Trotz der Krise sind Schweizer gewütet. Laut Mitteilung der Kantons-
fe der «NZZ am Sonntag» stets bestrit- polizei verursachte der Tobende einen
am Universitätsspital Zürich, haben sich in einem Rechtsstreit, der ten und mit einer Ehrverletzungsklage
Hotels und Ferienwohnungen Schaden von über 5000 Franken. Die
sich über Jahre hinzog, aussergerichtlich geeinigt. gedroht. In ihrer gestrigen Ausgabe gut bis sehr gut gebucht. Polizei ermittelte in der Folge unter an-
schreibt die Zeitung, «dass Prof. Turina derem bei jenen Personen, deren Auto
­— von Andreas Valda nicht bekannt war, dass die Blutgruppe ­— von Andreas Valda geblitzt worden war – und hatte schon
des Spenderherzens mit derjenigen der nach wenigen Tagen Erfolg. Der Täter
zürich — Die «NZZ am Sonntag» und äussern. Unter dem Titel «Das Wagnis Patientin nicht verträglich war, und er illnau effretikon — Ein 25-jähriger habe bei der Befragung am Samstag
Marko Turina, ehemaliger Herzchirurg des Starchirurgen » hatte die Zeitung somit nicht wirklich bewusst gehandelt Schweizer ist am Mittwochabend kurz seinen Ausraster sofort zugegeben. Er
am Universitätsspital Zürich, haben 2005 den Eindruck erweckt, Turina haben kann». nach 21 Uhr in Illnau von der Radaran- sei nicht massiv schneller als die zuläs-
sich in einem Rechtsstreit, der sich über habe der Patientin Rosmarie Voser be- lage in der Talmüli an der Kempttal- sigen 60 km/h gefahren, sagte ein Po-
Quellen der Zeitung bleiben geheim
Jahre hinzog, aussergerichtlich geeinigt. wusst ein Herz eingesetzt, dessen Blut- strasse geblitzt wor- lizeisprecher.
In ihrer gestrigen Ausgabe entschuldig- gruppe nicht mit derjenigen der Patien- In einem Ehrverletzungsprozess hätte den, weil er zu sch- Er hielt an und schlug mit   Solche Vorfälle
te sich die Zeitung beim Chirurgen für tin verträglich war. die «NZZ am Sonntag» die Quellen, nell fuhr. Aus Wut hätten sich in den
die Berichterstattung. auf denen sie ihre Berichterstattung und Frust darüber
einem Werkzeug mehrmals und letzten Monaten
Mit Ehrverletzungsklage gedroht
  Ob Turina eine Genugtuungssumme aufbaute, nicht preisgeben müssen. Dies, wendete er seinen heftig auf den Radarkasten ein. mehr und mehr
erhielt, wollte Felix E. Müller, der Che- Der Chirurg habe so eine medizinische weil das Bundesgericht in einem Ver- Wagen, hielt an und ereignet, so Po-
fredaktor der «NZZ am Sonntag», nicht Heldentat vollbringen wollen. Die Pa- fahren der Zürcher Staatsanwaltschaft, schlug mit einem Werkzeug mehrmals lizeikorporal Adalbert Wackerna-
sagen: Der Vergleich beinhalte, dass ke- tientin, deren neue Herztransplantation die die Herausgabe der Quellen forderte, und heftig auf den Radarkasten ein. Er gel von der Stadtpolizei Zürich. «Statt
ine Partei öffentlich Stellung nehme, so vom Schweizer Fernsehen dokumen- das Zeugnisverweigerungsrecht der hat dabei nicht nur die Scheibe zerstört, langsamer zu fahren zerstören die
Müller. Auch Turina wollte sich nicht tiert wurde, verstarb einige Tage nach «NZZ am Sonntag» gestützt hatte. sondern auch in Innern des Geräts Leute die Anlagen.»

ANZIEGE
WIRTSCHAFT 5

FTSE 100 DAX CAC 40 S&P 500 Dow Jones NASDAQ FTSE 100 DAX CAC 40
4,220.21 +73.15 +1.76% 4,421.36 +55.08 +1.26% 3,064.01 –47.26 –1.57% 850.12 +6.38 +0.76% 8,281.22 +68.73% +0.84% 1,529.33 +17.49 +1.16% 4,220.21 +73.15 +1.76% 4,421.36 +55.08 +1.26% 3,064.01 –47.26 –1.57%

Studie über Armut in Italien


KOMMENTAR

Die Südeuropäer und


Iren geraten ins Hin-
Trotz der Krise sind Schweizer Hotels und Ferienwohnungen gut bis sehr gut gebucht. Etwa so gut wie im tertreffen1
exzellenten Vorjahr. Trotz der Krise sind Schweizer Hotels und Ferienwohnungen gut bis sehr gut gebu- ­—von Robert Mayer, Leser

cht. Etwa so gut wie im exzellenten Vorjahr. Eigentlich hat die Europäische Zentral-
bank schon jetzt alle Hände voll zu tun.
Armen oder von Armut Bedrohten sind betrachtet ist Armut eine «Mangelver- versorgung in verschiedenen Bereichen, Es gilt, die europäischen Finanzmärkte
­— von Andreas Valda
Alleinerziehende und ihre Kinder. Fast sorgung mit materiellen Gütern und zum Beispiel in den Bereichen Wohnen, am Laufen zu halten und die Eurozone
«Armut ist keine Schande» sagte man jedes siebte Kind ist von Armut betrof- Dienstleistungen». Generell gibt es eine Bildung, Gesundheit, Arbeit, Einkom- vor einem Abgleiten in eine deflation-
früher. Kriege, Wirtschaftskrisen und fen und beinahe jeder fünfte Jugendli- Unterscheidung zwischen «absoluter men und Versorgung mit technischer äre Spirale zu bewahren. Dieses Risiko
Missernten führten dazu, dass viele che. Nach Angaben des UN-Kinderhil- Armut» und «relativer Armut». und sozialer Infrastruktur. Eins ist fast vor Augen, hat die Notenbank ihren
Menschen hungerten, krank wurden fswerks Unicef wächst die Armut von   «Absolute Armut» bedroht die phy- allen Versuchen, das Problem «Armut» Leitzins am Donnerstag erneut um 0,5
oder obdachlos. Doch Armut ist nicht Kindern in Deutschland sogar stärker sische Existenz. Als «absolut arm» zu beschreiben, gemeinsam: Es geht Prozentpunkte auf 2 Prozent gesenkt
nur ein Phänomen vergangener Zeiten als in den meisten anderen Industri- gelten Menschen, die pro Tag weniger um die ungleiche Verteilung von Chan- (siehe Kasten).
oder ein Problem der Entwicklungslän- eländern. als einen US-Dollar ausgeben kön- cen, am gesellschaftlichen Leben teil-   Inmitten all dieser Turbulenzen
der. Innerhalb Europas ist insbesonde- nen. In Wohlstandsgesellschaften wie zunehmen. müssen sich die Euro-Hüter näch-
Wann ist ein Mensch «arm»? stens mit einem weiteren brisanten
re Italien von einer neuen Armutswelle in Deutschland wird Armut meist als   Früher waren in besonderem Maß
bedroht. Dagegen ist die Altersarmut in Italien «relative Armut» definiert. Die «relative ältere Frauen von Armut betroffen. Thema beschäftigen: Innerhalb des 16
rückläufig: von 13,3 Prozent 1998 auf Armutsgrenze» bezieht sich auf statis- Es hieß, «Armut ist alt und weiblich». Mitglieder umfassenden Euro-Klubs
Die Armut wächst vertieft sich der Graben zwischen den
11,4 Prozent im Jahr 2003. Auf lange tische Zahlenwerte, wie das durch- Heute ist Armut jung.
Laut des zweiten «Armuts- und Reich- Sicht wird jedoch auch hier ein Wie- schnittliche Einkommen. wirtschaftlich leistungsfähigen Staat-
tumsberichts» der Regierung galten im deranstieg erwartet, weil Arbeitslose, en und jenen, die an internationaler
Wen trifft Armut am häufigsten? Wettbewerbsfähigkeit einbüssen. Die-
Jahr 2008 ganze 13,5 Prozent der Bev- Teilzeitbeschäftigte, Minijobber und
ölkerung als arm, das sind rund elf Mil- Geringverdiener geringere Renten Die Weltgesundheitsorganisation WHO ses Auseinanderdriften hat sich seit
lionen Menschen. Die Tendenz ist stei- bekommen werden und allgemein das bezeichnet denjenigen als arm, der Ausbruch der Finanzkrise Mitte 2007
gend: 2002 waren es noch 12,7 Prozent, Rentenniveau sinkt. monatlich weniger als die Hälfte des verstärkt.
1998 noch 12,1 Prozent. Besonders   Der Begriff Armut lässt sich nicht Durchschnittseinkommens seines Lan- Steigende Risikoprämien
alarmierend: Mehr als ein Drittel der eindeutig definieren. Wirtschaftlich des zur Verfügung hat. Die OECD-Skala
der «Organisation für wirtschaftliche Spätestens seit Mittwoch liegt das
Zusammenarbeit und Entwicklung» Problem offen zutage: Da hat die Rat-
geht dagegen von 60 Prozent des durch- ingagentur Standard & Poor’s die
schnittlichen Einkommens aus. Kreditwürdigkeit Griechenlands
  Diese Armutsgrenzen sind jedoch zurückgestuft, von A auf A- (siehe
umstritten. Weil die so genannte «Eink- TA von gestern Donnerstag). Ähnli-
ommensarmut» den gesellschaftlichen ches könnte noch Irland, Portugal und
Status nicht genügend wiedergibt, ver- Spanien widerfahren. Im Falle Italiens
sucht man mit dem «Lebenslagenkonz- hat Standard & Poor’s zwar von ein-
ept» eine weitere Beschreibung. Dieses er solchen Warnung abgesehen. Den-
Konzept interpretiert Armut als Unter- noch begegnen die Märkte auch dem
südeuropäischen Land mit wachsend-
er Skepsis.
  Sie widerspiegelt sich im Renditeauf-
schlag, den italienische Staatsanleihen
gegenüber vergleichbaren deutschen
Wertpapieren aufweisen. Diese Risiko-
prämie ist im mittelfristigen.

Die Südeuropäer und


Iren geraten ins Hinter-
treffen
Die Finanzkrise vergrössert das
Gefälle zwischen starken und
schwachen Euro-Mitgliedern.
Die Märkte reagieren gereizt.
­— von Robert Mayer

london — Eigentlich hat die Eu-


ropäische Zentralbank schon jetzt
alle Hände voll zu tun. Es gilt, die eu-
ropäischen Finanzmärkte am Laufen
zu halten und die Eurozone vor einem
Abgleiten in eine deflationäre Spirale zu
bewahren. Dieses Risiko vor Augen, hat
die Notenbank ihren Leitzins am Don-
nerstag erneut um 0,5 Prozentpunkte
auf 2 Prozent gesenkt (siehe Kasten).
  Inmitten all dieser Turbulenzen müs-
sen sich die Euro-Hüter nächstens mit
einem weiteren brisanten Thema bes-
chäftigen: Innerhalb des 16 Mitglieder
umfassenden Euro-Klubs vertieft sich
der Graben zwischen den wirtschaftlich
leistungsfähigen Staaten und jenen, die
an internationaler Wettbewerbsfähig-
keit einbüssen. Dieses Auseinander-
driften hat sich seit Ausbruch der Fi-
nanzkrise Mitte 2007 verstärkt.
  Spätestens seit Mittwoch liegt das
Problem offen zutage: Da hat die Ratin-
gagentur Standard & Poor’s die Kredit-
würdigkeit Griechenlands zurückge-
stuft, von A auf A- (siehe TA von gestern
Donnerstag).
Tages-Anzeiger – Donnerstag, 18. Dezember 2008 A N A LY S E 9

Krise? Welche Krise?


“In Zeiten des Wachstums konnte sich der Kreml so viel Macht nehmen,
wie er wollte. In der Krise hat sich das geändert.”

— Von David Nauer, Moskau Auslandkorrespondent, Moskau

Das russische Wunder ist vorbei. Noch im hen Ölpreisen und billigen Krediten aus dem senprotesten. Automobilisten blockierten den Unzufriedenheit mit der Staatsmacht wächst.
Frühling prahlten Moskaus Politiker mit den Westen. Beides gibt es nur noch in der Erinner- Flughafen und die Hauptverkehrsachsen. Die Rund 40 Prozent der Bevölkerung missfällt das
wirtschaftlichen Erfolgen des Vaterlands. Das ung. Wut auf das Zentrum ist gross – selbst separat- Krisenmanagement der Behörden, wie eine
ewige russische Ziel, den Westen einzuholen, Zwar hat Russland riesige Devisenreser- istische Töne wurden laut: «Braucht uns Russ- Umfrage des «Fonds öffentliche Meinung » er-
schien in Griffnähe. Doch jetzt ist Krise. Und sie ven angehäuft. Aber die schmelzen wie Schnee land nicht?», stand auf einem Transparent. gab. In einigen Regionen liegt das Protestpoten-
trifft Russland viel härter als die meisten eu- in der Frühlingssonne. Dutzende Milliarden «Jetzt könnt ihr Wladiwostok gleich an Japan zial deutlich höher. Fehlende Mitsprache Man
ropäischen Staaten. Noch steckt das Land – of- Dollar musste die Zentralbank schon aufwer- verschenken », auf einem anderen. Die staatli- könnte einwenden, dass die Bevölkerung auch
fiziell – nicht in einer Rezession. Die Prognosen fen, um die Landeswährung Rubel zu stützen. chen Fernsehkanäle verschwiegen die Dem- in den meisten Demokratien über die Regier-
sind aber düster. Um vier Prozent schrumpfe Banken, Baukonzerne, Waffenschmieden – onstrationen, berichteten dafür ausgiebig über ung meckert. Doch in autoritär regierten Län-
die Wirtschaft im kommenden Jahr, sagen op- alle hoffen auf die Schatzkammer des Kremls. Xenia Suchinowa, die Russin, die tags zuvor zur dern ist eine solche Entwicklung gefährlicher.
timistische Analytiker. Pessimisten befürchten Selbst Oligarchen, Miss World gewählt worden war. Leugnen, ab- Die Menschen haben keine Möglichkeit, am
einen Absturz um bis zu 15 Prozent. Die Staats- die noch vor kur- streiten, drohen – die Krisenkommunikations- Entscheidungsprozess teilzunehmen. Sie kön-
führung versucht, die Schuld an der Krise auf
“Russlands Devisen- zem mit Milliarden taktik des Kremls nimmt gelegentlich groteske nen eine unfähige Regierung nicht abwählen
den Westen zu schieben. Doch die Probleme reserven schmelzen jonglierten, ma- Formen an. Der bekannte Politologe Ewgeni und müssen auf eine ausgewogene Berichter-
sind hausgemacht. Der Kreml hat es in den chen nun die hohle Gontmacher wurde kürzlich amtlich zum «Ex- stattung verzichten. Das russische Wunder
guten Jahren verpasst, die Wirtschaft zu mod-
wie Schnee in der Hand. Doch die Re- tremisten» gestempelt. Sein Vergehen: Er hatte der Putin- Jahre basierte auf einer informel-
ernisieren. Das Land ist weitgehend abhängig Frühlingssonne” serven reichen nicht in der angesehenen Wirtschaftszeitung «Vedo- len Abmachung zwischen Gesellschaft und
von den Weltmarktpreisen für Öl, Gas und an- für alle, und das tut mosti» eine düstere Vision publiziert. Der Ar- Staat. Der Kreml konnte sich so viel Macht
dere Rohstoffe. Ein aufgeblähter Staatsapparat weh. Beispiel: Autoindustrie. Um die einhei- tikel handelt in der fiktiven Stadt N. Dort wird nehmen, wie er wollte, musste aber ein stetiges
drangsaliert private Unternehmer; staatliche mischen Autobauer zu schützen, verdoppelte die einzige Fabrik geschlossen, worauf die ent- Wirtschaftswachstum garantieren. In der Krise
Monopolisten kontrollieren ganze Branchen. Premierminister Putin die Importzölle für Oc- lassenen Arbeiter auf die Barrikaden gehen. hat sich dieser Gesellschaftsvertrag in Luft auf-
Korruption und Vetternwirtschaft fressen gi- casionsfahrzeuge. Das ist vielleicht gut für Lada Bald greifen die Unruhen auf Moskau über. Ge- gelöst – und mit ihm die Stabilität des ganzen
gantische Ressourcen. und Co., aber gleichzeitig der ökonomische dacht war der Text als finstere Warnung. Die Systems.
Tod für ein ganzes Gewerbe. In Russlands Fer- staatliche Medienaufsicht sah das anders. Sie
Oligarchen machen hohle Hand
nem Osten leben Zehntausende vom Import witterte einen «möglichen Aufruf zu extremis-
Dass Russland in den Jahren unter Wladi- japanischer Gebrauchtwagen. Am vergan- tischen Handlungen» und verschickte eine of-
mir Putin trotzdem boomte, lag nicht an der genen Sonntag kam es in Wladiwostok, sieben fizielle Verwarnung. Doch so sehr sich die Pro-
Weisheit des Kremlvaters, sondern an den ho- Zeitzonen östlich von Moskau, bereits zu Mas- pagandisten des Kremls auch bemühen: Die

Der Physiker, der die Titelseiten eroberte Jeder Ärger ist uberflüssig
Seit der Entschlüsselung des menschlichen Physiker, aber Evans sei ein Ausnahmekönner Zürcher kultursubventionen
Lyn evans, leiter des Genoms hat es kein wissenschaftliches Er- unter den Besten.
— Von Peter Müller Rechtsanwalt, Basel
eignis mehr weltweit auf so viele Titelseiten In den letzten 15 Jahren musste Evans
teilchenbeschleunigers am geschafft wie der LHCBeschleuniger am mehrmals Rückschläge überwinden; doch der Kultursubventionen sind ein Dauerbrenner, in
Teilchenphysiklabor Cern in Genf. Dies sch- wohl grösste traf ihn wenige Tage nach Inb- Krisenzeiten sowieso. Diskussionen hat jetzt
cern, machte 2008 von al- reibt die Wissenschaftszeitschrift «Nature» etriebnahme des Teilchenbeschleunigers im eine Grafik im TA ausgelöst, die zeigt, wie hoch
in ihrer heutigen Ausgabe. Das renommierte September. Eine elektrische Leitung brannte der Eintritt in die einzelnen Kunstinstitute
len wissenschaftlern am britische Magazin hat deshalb den LHC-Pro- durch. Das löste eine Kettenreaktion aus, bei von der öffentlichen Hand finanziert wird (TA
jektleiter Lyn Evans zum «Newsmaker 2008» der die Maschine so stark zerstört wurde, dass vom 16. Dez., Ausgabe Stadt Zürich). Auf den
meisten schlagzeilen gekürt, zum wissenschaftlichen Schlagzeilen- sie frühestens im Sommer wieder in Betrieb ersten Blick kann man sich dabei schon wun-
macher des Jahres. Letztes Jahr erhielt Rajen- gehen kann. Evans plante, sich im nächsten dern. Was, der Kanton Zürich subventioniert
— Von Roland Vonarburg Physiker, Zürich dra Pachauri diesen Titel, der Vorsitzende des Herbst zur Ruhe jedes Opernhaus-Billett mit 277.40 Fr.?! Und die
Weltklimarats, der zusammen mit Al Gore den “Der Leiter des fast 10 zu setzen. Der Stadt Zürich jeden Schauspielhaus- Eintritt mit
Friedensnobelpreis entgegennehmen konnte. Bau des LHC hat 193.20 Fr.!? Vielleicht mehr noch verblüffen die
Dass ausserhalb des Cern nur wenige den
Milliarden Franken seine Tage, Fei- grossen Unterschiede: Beim Theater Stok verbil-
63-jährigen Lyn Evans kennen, passt zum teuren Projekts kommt erabende und ligt die Stadt jedes Ticket mit 4.55 Fr., beim auch
zurückhaltenden Physiker, der sich nie ins Wochenenden nicht riesigen Theater Neumarkt dagegen mit
Rampenlicht drängt. Der Leiter des fast 10 Mil-
in Jeans, T-Shirt und verschlungen, 177 Fr., während es bei der grossen Tonhalle 131
liarden Franken teuren Projekts kommt in Turnschuhen zur Arbeit.” sodass er vor Fr., beim berühmten Rietberg-Museum 115.10
Jeans, T-Shirt und Turnschuhen zur Arbeit. seiner Pension- Fr. und beim Kunsthaus gar nur 27.70 Fr. sind.
Journalistenfragen beantwortet er präzis und ierung 2010 noch monatelang Ferien beziehen
Teure Eigenproduktionen
freundlich. Manchmal stottert er leicht; auf- könnte. «Wenn die Maschine nicht läuft, werde
fallender ist jedoch der singende Tonfall in ich selbstverständlich keine Ferien machen», Die Unterschiede mit dem Renommee oder
seinem Englisch. Man hört, dass er aus Wales sagt der engagierte Projektleiter jetzt. der Anciennität der Theater zu erklären, griffe
stammt, obwohl er die letzten 40 Jahre in der Geboren wurde er 1945 in der walisischen viel zu kurz. Entscheidend sind sachliche
Schweiz und in Frankreich gelebt hat. An der Bergwerksstadt Aberdare. Als Elfjähriger ver- Gründe: Das Theater Winkelwiese hat zwar, an-
Konstruktion des Beschleunigers im 27 Kilo- lor er seinen Vater; der Minenarbeiter starb ders als Opernhaus, Schauspielhaus und The-
meter langen Ringtunnel, 100 Meter unter der an einer Lungenkrankheit. Die Mutter arbe- ater Neumarkt, kein eigenes Ensemble von Sän-
Erde, waren Tausende von Menschen beteiligt. itet in einer Kantine. Er sei ein undisziplini- gern oder Schauspielern, aber es stellt jährlich
Aber Evans sei eigentlich der Mann, der den erter Schüler gewesen, erinnert sich Evans, bis mehrere Eigenproduktionen – Aufführun-
LHC gebaut habe, sagt der ehemalige Cern- er als Teenager Zeitungsartikel über Wasserst- gen, die im eigenen Theater und für Zürich ge-
Direktor Chris Llewellyn Smith. Es gebe am offbomben und Kernfusionsenergie las. Er ent- schaffen werden. Das Theaterhaus Gessnerallee
Cern viele gescheite Leute, meint ein anderer deckte seine Begeisterung zu spät. geht wohl bald bakrott.
9 W I SSE N

Legaler
und
illegaler
Wal-Handel

kommens als gefährdet aufgelistet. Demnach ist in den südlichen Ozeanen geführt hat.

Unter dem Deckmantel der Forschung treibt der kommerzielle Walhandel mit beiden Arten
verboten. Einige Länder nutzen jedoch eine Lücke
In Japan versteht man die ganze Aufregung
nicht. „Wir haben keinen Grund, mit Walen eine
im Abkommen. So jagt Japan beispielsweise zu Ausnahme zu machen”, sagt Takaaki Sakamoto
Japan illegalen Walfang im Südpolarmeer Forschungszwecken weiterhin Wale und han-
delt mit dem Fleisch. Das Gleiche gilt für Norwe-
von der Fischereibehörde in Tokio. Wale sollten
wie andere Tiere auch unter wissenschaftlicher
gen und Island. “Sollten 85 Tonnen Walfleisch Kontrolle dauerhaft genutzt werden dürfen, so-
— Von Andreas Valda derben drohen. Die Nachfrage nach Walfleisch ist verkommen, wird sich Japan trotz dieser Han- lange ihr Bestand nicht bedroht sei. Japan fange
dabei gerade in Japan äußerst gering - viele Men- delseinschränkungen gewaltiger nationaler wie denn auch keine Wale, die vom Aussterben bed-
Rund 85 Tonnen Walfleisch wurden im Mai die- schen haben es sogar noch nie gegessen. Japan auch internationaler Kritik aussetzen müssen”, roht seien. „Die Kritik an Japan ist daher grundlos”,
sen Jahres von Nordeuropa nach Japan verschifft. setzt sich jedoch generell für die Freigabe der Nut- meint Wakao Hanaoka, Meeresexperte bei Green- sagt Sakamoto. Vielmehr gehe es um Minkwale,
Sie lagern nunmehr in japanischen Zollspeichern zung natürlicher Ressourcen ein. Auf der 60. Inter- peace Japan. und von denen meint Japan, gebe es inzwischen
und warten auf ihre Importgenehmigung. Nach nationalen Walfangkommission in Chile wurde mehr denn je.
Essgewohnheit und Kultur respektieren
einer Anfrage von Greenpeace liegen bis jetzt der Fall bereits von Vertretern der USA thematisi-
Pottwale sind kaum bedroht
keine Importanträge beim japanischen Ministe- ert und für äußerst problematisch befunden. Jap- Die japanischen Fischereibehörden bekundeten
rium für Wirtschaft, Handel und Industrie vor. aner schlachten auf brutale und grausame Weise Greenpeace gegenüber, dass sie ohne eine vor- Jedes Jahr fängt Japan rund 400 Wale, seit ver-
Die zuständige Import-Gesellschaft wollte sich einen Wal im Südpolarmeer. Der Todeskampf des liegende Importgenehmigung nichts ausrichten gangenem Jahr auch Pottwale - zu „Forschungsz-
dazu nicht äußern. Das Fleisch stammt aus Island Wales dauerte mehr als 30 Minuten. könnten. Das Ende der Lagerfrist steht jedoch nun wecken”, wie es offiziell heißt. Dabei gehe es auch
und Norwegen und umfasst etwa 60 bis 80 Ton- Das Washingtoner Artenschutzabkommen unmittelbar bevor. “Die Fischereibehörde muss um den Einfluss der Meeressäuger auf die Fisch-
nen Finnwalfleisch und fünf Tonnen Minkewal- jetzt verstärkt gegen diesen schlampigen Handel bestände, sagt Sakamoto und rechnet vor, dass al-
CITES (Convention on International Trade in En-
fleisch. Dieses beginnt allmählich zu vergammeln von Walfleisch vorgehen und auch in Zukunft lein Minkwale jedes Jahr ein bis zwei Millionen
dangered Species of Wild Fauna and Flora) wurde
und soll nun entsorgt werden. So zumindest sieht ernsthafte Maßnahmen zum Schutz der Meere- Tonnen Fisch verschlingen.
1973 geründet und regelt den internationalen
es ein japanisches Verbraucherschutzgesetz vor: sumwelt ergreifen”, fordert Hanaoka. Dazu gehöre Auch in der Internationalen Walfangkommission
Handel mit bestimmten Wildtieren und -pflanzen.
Waren aus Übersee müssen nach dreimonatiger auch das Verbot des Walfangs zu Forschungsz- (IWC) soll es die Ansicht geben, das Walfangver-
Beide Walarten, Finnwal und Minkewal, werden
Lagerzeit ausrangiert werden, wenn sie zu ver- wecken, der bereits zu mehr als 1000 toten Walen bot könne aus wissenschaftlicher Sicht teilweise
im Anhang I des Washingtoner Artenschutzab-
Tages-Anzeiger – Donnerstag, 18. Dezember 2008 10

aufgehoben werden, da einige Arten tatsächlich stimmen. Walschützer hatten Japan seit Jahren veröffentlichte am Donnerstag eine Untersuc- Resolution mit Japan ab. Danach wollten beide
nicht mehr bedroht seien. Im übrigen gebe es un- vorgeworfen, arme karibische Inselstaaten zu hung, wonach auf japanischen Märkten auch Fischereistaaten den Walhandel kontrolliert er-
terschiedliche Kulturen und Essgewohnheiten, bestechen, doch bisher hatte die Regierung in To- das Fleisch gefährdeter Arten Buckel-, Finn- und lauben. Einzelheiten nannte der Delegierte nicht.
die respektiert werden sollten, findet Sakamoto. kio dies immer vehement bestritten. Seiwal gehandelt wird. Der World Wide Fund For “Ich kann nur sagen, ich denke, unsere Abstim-
So werde in Japan seit dem Mittelalter Wal geges- Nature (WWF) forderte die IWC-Mitglieder auf, mung wird sicher positiver für den Wal ausfallen
Stimmen mit Entwicklungshilfe gekauft
sen. Allerdings trifft dies nur auf einzelne Fisch- in London Schutzmaßnahmen für den Blauwal als zunächst vermutet.” Mit einer Entscheidung
erdörfer mit Walfangtradition zu. Erst nach dem Masayuki Komatsu, Berater des japanischen zu beschließen. Dem größten Tier der Erde drohe wird zu Beginn der kommenden Woche gerech-
Zweiten Weltkrieg hatte die japanische Regierung Fischereiministeriums, hatte im australischen durch den Treibhauseffekt der Hungertod. Der net. Auch die verschobene Abstimmung darüber,
der verarmten Bevölkerung geraten, Walfleisch zu Rundfunk zugegeben, dass Japan auf der Sitzung antarktische Blauwal ernähre sich vor allem von ob die Richtlinien der Internationalen Walfang-
essen, um den Bedarf an Proteinen zu decken. der IWC im australischen Adelaide vor einem Krill. Dieser Kleinkrebs wiederum lebe von Algen, Kommission (IWC) weiterhin verbindlich bleiben,
Jahr die Stimmen von sechs karibischen Staat- die aus dem Polareis stammten, das jetzt durch steht noch aus. In der Debatte um den Handel mit
Alles bloss billige Ausreden
en gekauft hatte. Diese Staaten, die kein eigenes den Klimawandel zunehmend schmelze. Durch Elefanten und ihren Produkten sollen die Staaten
Walschützer argumentieren, dass Japans „Forsc- wirtschaftliches Interesse am Walfang haben, die geringere Anzahl der Algen gingen die Krill- Namibia, Botswana, Simbabwe und Südafrika
hungsprojekte” ein Vorwand seien, um den millio- stimmten dann gemeinsam mit Japan gegen ein bestände rapide zurück. Das könne zum Ausste- dem Komitee einen Kompromissvorschlag als
nenschweren Markt für Walfleisch zu versorgen. von Australien und Neuseeland vorgeschlagenes rben der Antarktischen Blauwale führen, deren Grundlage für Beratungen präsentieren.
Heute kaufe er nur Fleisch von Minkwalen, die für Schutzprogramm für Wale im Südpazifik. „Japan Bestand auf weniger als 1000 Exemplare geschätzt
Norwegen erlaubt Walhandel
die Forschung gefangen wurden, versichert Res- setzt diplomatische Beziehungen und Entwick- werde.
taurantbetreiber Tanahashi. Illegales Walfleisch lungshilfe ein”, sagte Komatsu. „Um Japans Posi- Norwegen hat sich über das Washingtoner
Bessere Aussichten
sei ihm noch nie untergekommen. Tierschützer tionen durchzusetzen, müssen wir eben zu diesen Artenschutzabkommen hinweggesetzt und will
hatten in einigen Walprodukten Fleisch von bed- Mitteln greifen. Ich denke nicht, dass daran etwas Die Chancen für einen besseren Schutz der Wale nun Walfleisch im großen Stil exportieren. Unter
rohten und geschützten Walarten wie dem Buck- falsch ist.” Im Nachhinein bestritt er diese Äußer- sind wieder gestiegen. Auf der Artenschutz-Kon- anderem soll das Fleisch nach Japan, Peru und
elwal entdeckt. Japan hat erstmals zugegeben, ungen und versicherte, er habe nur gesagt, dass ferenz in Nairobi (Kenia) zeichnet sich eine Ents- Island exportiert werden. Mit dem Verkauf von
Mitgliedsstaaten der Internationalen Walfang- die Entwicklungshilfe ein Mittel sei, um Japans cheidung zu Gunsten des Meeressäugers ab. Wie Walspeck, dem sog. Blubber, erhofft sich Norwe-
kommission (IWC) mit Entwicklungshilfe gekauft Prinzipien und Ansichten zu verdeutlichen. ein Delegierter am Freitag sagte, weicht Norwe- gen ein Milliardengeschäft. Ein Kilogramm davon
zu haben, damit diese gegen das Walfangverbot Der Internationale Tierschutzfonds (IFAW) gen offenbar teilweise von einer gemeinsamen ist laut Greenpeace bis zu 600 Mark wert.
Tages-Anzeiger – Donnerstag, 18. Dezember 2008 SPORT 33

Auf der Ehrenrunde nach seinem 57. Sixjours-Sieg: Risi (rechts) mit Stam. BILD RETO OESCHGER

El Mundo Deportivo angesichts der 12-Punkte- mit der Leistung bei seinem Ligadebüt als Real-

Krimi gegen Real:


Differenz zwischen den Erzrivalen und giftete ge- Coach nicht unzufrieden: «Das Ergebnis ist zu
gen die Defensiv-Taktik von Schuster-Nachfolger hoch ausgefallen. Barcelona hat dominiert, aber
Juande Ramos im Schlagerspiel im Estadio Nou wir hatten die klareren Chancen.» Auch Stürmer-
Camp am Samstag: «Die feige Strategie von Ramos Star Raul warnte den Spitzenreiter: «Wir geben

Barcelona siegt wieder


fiel dank der Genialität der blau-roten Weltstars nicht auf. Wir werden diese Niederlage verdauen
wie ein Kartenhaus zusammen.» und daraus lernen.»
Die Stürmer Samuel Eto’o (83.) und Lionel Messi
(90.+2) sorgten vor knapp 100.000 Zuschauern
im Nou Camp mit ihren späten Treffern für den # Mannschaft Sp. U N Tore Dif Pk.
Der FC Barcelona hat seinen Erfolgslauf in der Primera Division fortgesetzt und siegt ersten Barca-Sieg über die Madrilenen seit drei 1 FC Barcelona 19 2 1 59:13 46 50
auch im klassischen Krimi gegen den Erzfeid Real Madrid — Von Benjamin Muschg Jahren und für eine späte Genugtuung für die De- 2 Real Madrid 19 2 5 41:27 14 38
mütigung der vergangenen Saison. 3 Sevilla FC 19 5 3 28:16 12 38
Barcelona (RPO). Der FC Barcelona hat seinen Er- unmöglich beim FC Barcelona gewinnen, hatte 4 Valencia CF 19 4 5 38:27 11 34
Schuster verzweifelt an der Seitenlinie
folgslauf in der Primera Divison fortgesetzt und der deutsche Trainer behauptet und damit seine 5 Villarreal CF 19 6 4 32:25 7 33
auch Real Madrid in einem echten Fußball-Krimi Entlassung quasi selbst bei den Königlichen einge- Die Katalanen mussten im Mai zunächst tradi- 6 Atlético Madrid 19 4 6 42:30 12 31
bezwungen. Damit konnte “Barca” seinen Erzriva- leitet. tionsgemäß Spalier für den Meister stehen und 7 Málaga CF 19 4 6 31:27 4 31
len im Kampf um die spanische Fußball-Meister- holten sich anschließend eine 1:4-Klatsche ab. 8 Deportivo La Coruña 19 3 7 23:27 -4 30
Real Madrids neuer Coach: Juande Ramos
schaft wohl endgültig abhängen. Nun stehen die Vorzeichen umgekehrt, auch 9 Athletic Bilbao 19 5 7 27:29 -2 26
Die Katalanen gewannen dank späten Treffern Doch spätestens nach dem verdienten 2:0 (0:0) der wenn der neue Real-Trainer den Titelkampf noch 10 Racing Santander 19 7 6 21:23 -2 25
der Offensiv-Stars Samuel Eto’o (83.) und Lio- Katalanen im «Clasico» gegen den Titelverteidiger nicht aufgegeben hat. 11 Sporting Gijón 19 0 11 26:39 -13 24
nel Messi (90.+2) im “Clasico” am 15. Spieltag der ist die Wachablösung im spanischen Fußball auch «Barcelona spielt bislang auf einem sehr hohen 12 Real Valladolid 19 2 10 27:30 -3 23
Primera Division mit 2:0 (0:0). Am Ende behielt beim letzten Zweifler angekommen. «Der Tabel- Level. Aber die Saison ist noch lang», sagte der 13 Real Betis 19 3 10 25:26 -1 21
Bernd Schuster recht. Real Madrid könne wohl lenführer sagt Adios zu Real», schrieb die Zeitung frühere Erfolgscoach des FC Sevilla. Ramos war

Die NHL in Herisau: Alles sehen, nichts sagen Neue Gesichter, altes Resultat
An der U-20-WM suchen Spieler von gestern nach den Stars von morgen. Einer dieser Scouts ist Nash- Zehntausende strömten gestern Abend 1. Schweiz 3 9 4. Polen 3 3
aus der Hamburger S-Bahn-Station
villes Martin Bakula, der Roman Josi beobachtet. — Von Philipp Muschg Stellingen, um das grosse Spiel zu seh-
2. Weissrussland 3 9 5. Frankreich 3 3
3. Slowenien 3 3 6. Estland 3 0
Kent Nilsson, Peter Ihnacak und Ville gangenheit als Spieler. Im Gegensatz zu Bakulas Glück war, dass er perfekt en. Das grosse Spiel, das war die mit
Sirén haben einiges gemeinsam. Alle seinen berühmteren Berufsgenossen Englisch spricht und es sich finanziell über 15’500 Zuschauern ausverkaufte Estland –Polen 2 : 4 (0:0, 0:2, 2:2)
drei wurden einst von NHL-Klubs ge- gehört er aber zu jener grossen Gruppe leisten konnte, schon als Teilzeitcoach Uefa-Cup-Partie zwischen dem Ham- Schweiz –Frankreich 6 : 2 (3:1, 1:1, 2:0)
draftet, alle drei haben erfolgreiche von Scouts, deren Aktivkarriere rela- ein volles Pensum zu leisten. So kam burger SV und Aston Villa in der HSH Weissrussland –Slowenien 7 : 2 (0:0, 4:1, 3:1)
Karrieren hinter sich, alle drei waren in tiv früh zu Ende ging und die sich an- er schon damals auf die 35 000 Autoki- Nordbank Arena. Nur rund jeder
Schweiz - Deutschland 6:2 (3:1, 1:1, 2:0)
den 1990er- Jahren in der Nationalliga schliessend nach anderen Perspektiven lometer pro Jahr, die heute sein Alltag Zehnte aus der Menschenmasse zweig-
Sportzentrum Herisau. – 1098 Zuschauer. SR: Ole-
A engagiert. Eine weitere Gemeinsam- umsehen mussten. Angefangen hatte sind. Bald wurde er zu einem von drei te in die ColorLine Arena ab, in der das
nin (Rus), Gamper (It)/Kavanagh (Gb). – Tore: 12.
keit hat sie nun zurück in die Schweiz es bei ihm gleich wie bei dem halben vollamtlichen Europa-Scouts der Pred- Deutsche Eishockey-Nationalteam ge-
Zigerli (Blaser, Ausschluss Bault) 1:0. 14. Roussel
geführt: Alle drei sind heute als Scouts Dutzend Junioren, die sich dieser Tage ators. Er besucht rund 210 Spiele pro gen die Schweiz testete. Das Resultat
(Auvitu, Ausschluss Alain Berger) 1:1. 17. Sciaroni
tätig und beobachten für ihre Arbeitge- in Herisau Hoffnungen auf eine grosse Jahr – manche zur Beseitigung letzter war dabei dasselbe wie in den vorange-
2:1. 19. Froidevaux (Sciaroni) 3:1. 28. Moser
ber aus Edmonton, Toronto und St. Lou- Karriere machen dürfen: mit dem minimaler Zweifel. gangenen drei Begegnungen .
(Schommer, Ausschluss da Costa) 4:1. 40. (39:42)
is die nächste Generation europäischer NHLDraft. Bakula wurde im Sommer ein Schweizer Sieg mit dem minimalen
Roussel (da Costa, Ausschluss Sciaroni) 4:2. 57.
Eishockeyspieler. Insgesamt 24 solche 1993 von den Edmonton Oilers in der 8. Deutschland-Schweiz 1:2 n.V. (0:0, 1:1, 0:0) Torvorsprung, diesmal lautete es 2:1
Blaser (Pascal Berger, Schlagenhauf, Ausschluss
Talentspäher sind in Herisau akkrediti- Runde gezogen. Arena. – 6057 Zuschauer. – SR Krog/Jablukow nach Verlängerung. Das Team von
Roussel) 5:2. 60. (59:22) Sciaroni (Müller) 6:2.
ert und prüfen, ob sich die von ihrem Was folgte, war jene Mischung von (Dä/D), Ratz/ Sochiera (D). – Tore: 26. Joggi (Goran Ralph Krueger dominierte die Partie
– Strafen: 7-mal 2 Minuten gegen die Schweiz,
Verein ausgewählten Junioren gut ent- Verletzungen und verpassten Chan- Bezina/Strafe angezeigt) 0:1. 33. Tripp (Machoida/ am Anfang so krass, dass der National-
.9mal 2 Minuten gegen Frankreich. Schweiz:
wickeln oder ob vielleicht ein interes- cen, die so viele Geschichten im Sport Ausschlüsse Blindenbacher; Moritz Müller) 1:1. 62. coach hinterher euphorisch feststellte:
Todeschini; Müller, Josi; Blaser, Fischer; Geering.
santer Spieler bisher unentdeckt blieb. schreibt. Mit 30 war Bakula bereits reif (61:54) Camichel (Di Pietro) 1:2. – Strafen: 4-mal «Das war wohl unser bestes.» (phm.)
Ich bin hierhergekommen, um Ro- für den Rücktritt, einige Jahre später 2 Minuten gegen Deutschland, 7-mal 2 Minuten
man Josi zu sehen, ihm kurz Hallo zu erhielt er die Möglichkeit, Teilzeit- gegen die Schweiz.
sagen und letzte Zweifel bezüglich ver- Scout für die Nashville Predators zu Schweiz: Bührer; Blindenbacher, Bezina; Furrer, Wavre auf See mit grossem Problem
gangener Einschätzungen zu beseiti- werden. Teilzeit-Scouts werden von al- Seger; Diaz, von Gunten; Rytz; Lemm, Plüss, Peter; Segeln. – Der Schweizer Dominique unerwartet starken Wellengang im
gen», fasst Nashville-Scout Martin Ba- len NHLKlubs beschäftigt, doch ihre Reichert, Trachsler, Joggi; Sprunger, Sannitz, Mon- Wavre steckt nach seiner Aufgabe in Indischen Ozean nicht stand, was man
kula seine Motive für die Reise in die Entlöhnung reicht nicht aus, um damit net; Di Pietro, Camichel, Savary; Wirz. der Weltumseglung Vendée Globe auf als Blamage sehen muss. (Si.)
Ostschweiz zusammen. eine Familie zu ernähren. Die meisten Bem.: Schüsse: Deutschland 15 (1-9-4-1); Schweiz offenem Meer in Schwierigkeiten. Der
Neue Talente würden bei U-20-Turnie- solcher Scouts gehen deswegen einer 45 (19-14-7-5). Powerplay: Deutschland 0/7 53-Jährige hat den Überlebensan- Vendée Globe. Weltumsegelung. Stand
ren dagegen kaum auf der Bildfläche er- weiteren Tätigkeit nach. Brano Gaborik Schweiz 0/3. zug angezogen und die Rettungsinsel (Mittwoch, 20 Uhr, nach 38 Tagen, 7 Stunden): 1.
scheinen, es gehe in erster Linie darum, etwa, der ältere Bruder des slowakisch- vorbereitet, plane aber gemäss seiner Desjoyeaux (Fr) 13243 Seemeilen vom Ziel entfernt.
sich ein abschliessendes Bild des aktu- en Stars Marian, weilt diese Woche für Weitere Testspiele Pressestelle nicht, das Boot zu verlas- 2. Jourdain (Fr) 31,2 Seemeilen zurück. 3. Josse (Fr)
ellen Jahrgangs zu machen. Wie Nils- die Minnesota Wild in Herisau, betreibt Morgen in Poprad Slowakei –Schweiz 17.00 sen. Der auf den Kerguelen behelfsmäs- 81,5. – Bemerkung: 30 gestartet, 11 Aufgaben (u. a.
son und Co. hat auch Bakula eine Ver- aber nebenbei eine Eisbahn in Trencin. Samstag in Kosice Slowakei –Schweiz 17.00 sig reparierte Schwenkkiel hielt dem Wavre/Sz und Stamm/Sz)