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MAKROÖKONOMIE I:

VOLKSWIRTSCHAFTLICHE GESAMTRECHNUNG (VGR)


National Accounting
- Seit etwa 70 Jahren versucht man, die gesamtwirtschaftliche Entwicklung im Rahmen eines neuen
Messkonzeptes zu erfassen: VGR.
- Vorher: Orientierung anhand bestimmter Produktionsentwicklungen: Roheisen,
Einzelhandelsverkäufe.
- Vorläufer: F. Quesnay (1694-1774) Physiokrat und Begründer der Kreislaufrechnung.
- Sir Richard Stone (20.Jh.) Verflechtung der Sektoren, Input-Output-Rechnung.
- Hilfreich für ein Verständnis der makroönomischen Maßzahlen: Bruttoinlandsprodukt (BIP),
Einkommen, Wertschöpfung.
- Wie wird das BIP ermittelt?

DAS LEHRBUCHBEISPIEL: KOKOSNUSSWELT


- Spieler: Kokosnussproduzent (P), Restaurant (R), eine Menge an homogenen Konsumenten (C), und
Staat (G)
- Produktion. Der Kokosnussproduzent besitzt alle Kokospalmen,
Coconut Producer die 10 Millionen Kokosnüsse hervorbringen, jede
Nuss wird für 2 Geldeinheiten verkauft.
- Der Gesamterlös ist damit 20 Millionen. Die Produzenten zahlen 5
Millionen Geldeinheiten an Arbeiter/Konsumenten. Eine halbe
Million Geldeinheiten wird als Zinsen auf Kapital bezahlt, 1,5
Millionen an Steuern an den Staat.

KOKOSNUSS-SUPPE: DAS RESTAURANT


- Das Restaurant (R) kauft 6 der 10 Millionen Kokusnüsse und
produziert damit Suppe. Die verbleibenden 4 Millionen werden
direkt an die Haushalte verkauft.
- Das Restaurant verdient 30 Millionen durch Suppenverkauf. Es
zahlt 12 Millionen an die Produzenten, 4 Millionen an die
Arbeiter, und 3 Millionen an Steuern an den Staat.

NETTOGEWINNE DER PRODUZENTEN UND STEUEREINNAHMEN


- Nettogewinne = Gesamterlös minus Löhne minus Zinsen
minus Kosten der Zwischenprodukte minus Steuern.

- Der Staat nimmt 5,5 Millionen an


Steuern ein (4,5 Millionen von Produzenten, 1 Million von Konsumenten).
- Diese Einnahmen werden vollständig für Militärausgaben ausgegeben (um
Eindringlinge bzw. Piraten fernzuhalten).

KONSUMENTEN:
- Die Konsumenten arbeiten für die Produzenten und für den Staat
und beziehen sowohl Lohn- als auch Kapitaleinkommen (Zinsen).
- Lohneinkommen: 14,5 Millionen aus geleisteter Arbeit für die
anderen Marktteilnehmer.
- Zinseinkommen: 1/2 Million Geldeinheiten. Steuerzahlungen der
(zumindest einige) Konsumenten die Kokosnussgesellschaft
(Produzent) und das Restaurant besitzen.
ERSTER ANSATZ DER BIP-MESSUNG: WERTSCHOEPFUNG
Value-added approach
- Hier wird das BIP als Summe der gesamten
Wertschöpfung bei der Herstellung von Gütern
und Dienstleistungen berechnet.

GDP: gross domestic products

- In diesem Fall gibt es keine Zwischengüter in der Wertschöpfungskette, sondern Kokosnüsse als
Rohstoffe gehen als Zwischenprodukte für das Restaurant ein, was insgesamt 18 Millionen
Geldeinheiten an Wertschöpfung hervorbringt. Arbeit ist der einzige Input für den Staat.

IDEE DER WETSCHOEPFUNGSMESSUNG:


- Konzept: das BIP wird so als Summe der Wertschöpfungen auf jeder Stufe erfasst.
- Oder: man nehme den Wert aller Güter (merci) und Dienstleistungen (servizi) einer Volkswirtschaft,
ziehe den Wert aller Zwischenprodukte ab um Doppelzählungen zu vermeiden, und erhält so die
Nettowertschöpfung.
- Die Berechnungen verwenden Marktpreise.
- Problem bleibt die Erfassung der Wertschöpfung des Staates. Möglicherweise ist ihr Wert größer
als der Wert, den die Steuerzahler dafür aufbringen. Oder geringer (Bauruinen usw.)

ARTICOLO: inflation with covid consumption baskets (Alberto Cavallo)


A political economy model of Sovereign Debt Repayment (Manuel Amador)

ERFASSUNG DER GESAMTEN WETSCHOEPFUNG ALLER WAREN UND DIENSTLEISTUNGEN FUER DEN
ENDVERBRAUCH:
Annahmen: Eine Volkswirtschaft besteht aus zwei Unternehmen.
1. Unternehmen 1 produziert Stahl, stellt Arbeiter ein und verwendet Maschinen. Das Produkt Stahl
wird für 100 Euro an Unternehmen 2 (Automobilhersteller) verkauft. Lohnkosten sind 80 Euro, 20
Euro verbleiben als Gewinn.
2. Unternehmen 2 kauft den Stahl von Unternehmen 1 und verwendet
ihn zusammen mit Arbeit und Maschinen zur Automobilproduktion.

Aus dem Verkauf von Autos an Endverbraucher erzielt es 210 Euro Gewinn.
Nach Abzug von 70 Euro Lohnzahlungen und der 100 Euro an Unternehmen 1 verbleiben ein Gewinn von
40 Euro.

BERECHNUNG DES BRUTTOINLANDSPRODUKTS (BIP)


Stahl- und Autohersteller
- Begriff des Produktionswerts. Unternehmen 1 hat einen Produktionswert von 100 Euro,
Unternehmen 2 von 210 Euro.
- Was ist nun das BIP in dieser Modellwirtschaft?⇒ 210 Euro. Grund: Stahl ist nur ein
Zwischenprodukt. Nur die durch das Endprodukt entstehende Wertschöpfung zählt.
- Stahl geht nur als Vorleistung in die Produktion ein.
WAS PASSIERT WENN DIE FIRMEN FUSIONIEREN?
- In diesem Fall würde der Verkauf von Stahl innerhalb des eigenen
Unternehmens stattfinden und nicht mehr gemeldet werden.
- Im Ergebnis haben wir damit nur die Autoproduktion von 210 Euro,
aber die Gesamtlöhne von 80 + 70 Euro sowie einen
Gesamtgewinn von 20 + 40 Euro:

- Ergebnis: Eine erste Art und Weise, das BIP zu ermitteln, ist die Aufsummierung der Produktion
aller Endprodukte (Entstehungsseite). Es ist damit die Summe aller Mehrwerte.

WEITERE METHODEN ZUR BERECHNUNG DES BIP:


- Neben der gerade gezeigten Berechnung gibt es weiterhin die Verteilungsseite und die
Verwendungsseite.
- Verteilungsseite. Frage hier: An wen werden die Einnahmen verteilt, die aus der Produktion nach
Abzug der Vorleistungen entstehen?
1. 1 Arbeitnehmerentgelte
2. 2 Unternehmen- und Vermögenseinkommen (Gewinne, Kapitaleinkommen).
- Beispiel hier:
1. 1 Lohneinkommen von 150 Euro (80 + 70).
2. 2 Kapitaleinnahmen (Gewinne) von 40 + 20 Euro.

EINE DRITTE METHODE: VERWENDUNGSSEITE DES BIP:


- Hierbei wird das BIP im Sinne der Wertschöpfung von der Nachfrageseite (=Verwendungsseite) her
ermittelt.
- Grundidee: Durch Produktion entstehen Einkommen. In einer geschlossenen Volkswirtschaft
muss das was eingenommen wird genau gleich dem sein, was ausgegeben wird (=Nachfrage).
- Die Nachfrage kann dabei sowohl die Nachfrage nach Investitionsgütern und zu Konsumzwecken
sein.
- In unserem einfachen Beispiel werden dann alle Einkommen (Lohn- und Kapitaleinkommen) zum
Kauf von Autos verwendet.
- Komplexeres Szenario: Staat (Staatsausgaben, direkte und indirekte Steuern, Subventionen),
Ausland (Exporte und Importe).

ZUSAMMENFASSUNG BPW:
1. Begriff: Bruttoproduktionswert (gross production output, valore di produzione lordo) Wert des
Produktionsergebnisses (inkl. Vorleistungen) einer Volkswirtschaft in einer Periode. Beispiel hier:
Stahl- und Autofirma. Im Produktionswert der Autofirma sind die Vorleistungen enthalten (!!)
2. Drei Möglichkeiten der Bestimmung des BIP: Entstehungs-, Verwendungs- und
Verteilungsrechnung.

a. Entstehungsrechnung (product
approach):

b. Verteilungsrechnung (income approach):


c. Verwendenungsrechnung
(expenditure approach):

BIP-ZUSAMMENSETZUNG NACH DER VERWENDUNGSRECHNUNG


- Private Konsumausgaben der privaten Haushalten C. Waren und Dienstleistungen:
Nahrungsmittel, Urlaubsreisen, dauerhafte
Konsumgüter.
- Konsumausgaben des Staates G. Käufe von
Waren und Dienstleistungen durch den
staatlichen Sektor. Staatlich bereitgestellte Güter
und Dienstleistungen.
- Investitionen I. Anlageinvestitionen, nicht
Lagerinvestitionen. Bsp: MaschinenKauf von
Häusern durch Privatpersonen.

DIE GÜTERNACHFRAGE
- Addiert man die Zeilen 1-3 in der Tabelle auf, so erhält man die Summe aller Käufe von Waren und
Dienstleistungen durch private Personen und den Staat.
- Wieviele Waren und Dienstleistungen werden dann insgesamt produziert?
- Wir berücksichtigen weiterhin folgende Größen: 1
1. Importe werden abgezogen.
2. Exporte dazugezählt, Importe abgezogen (Außenbeitrag.) In einer geschlossenen
Volkswirtschaft ist der Außenbeitrag gleich Null.
3. Wichtig: Lagerinvestitionen werden in der VGR nach diesem Konzept nicht berücksichtigt.

PREISE: REALES VS NOMINALE BIP


- Unter Inflation versteht man die über einen langen Zeitraum beobachtbare Zunahme des
Preisniveaus.
- Dabei ist dann die Inflationsrate die Rate, mit der das Preisniveau wächst.
- Was wir messen ist in der Regel das nominale BIP. Wenn dieses zunimmt, kommt diese Zunahme
entweder durch die Zunahme des realen BIP oder des Preisniveaus.
- Es gibt zwei Möglichkeiten, das Preisniveau miteinzubeziehen: Verbraucherpreisindex
(Durchschnittspreis der Produktion) und BIP-Deflator.
- BIP-Deflator:
WACHSTUMSRATEN DES REALEN UND NOMINALEN BIP:

MENGEN- UND PREISINDIZES:


- Bei 2 Gütern:

- Dabei sind die Superskripte die Güter und die Subskripte die Jahre.
- Mathematischer Trick: man kann den Preisvektor (also alle Pti ) als Zeilenvektor schreiben, und alle
Mengen Xti als Spaltenvektor. Damit ergibt sich die Berechnung des nominalen BIP nach den
Regeln der Vektormultiplikation als

EIN NUMERISCHES BEISPIEL


- In t = 0 werden 100.000 kg Äpfel zum Preis von 1 Euro pro Kilo verkauft und 10 Autos zum Preis von
10.000 Euro pro Auto.
- In t = 1 werden 100.000 kg Äpfel zum Preis von 1,20 Euro pro Kilo verkauft und 11 Autos zum Preis
von 10.000 Euro pro Auto.
- Reales BIP
o Das reale BIP im Jahr 0 ist die Summe der in dem Jahr produzierten Mengen mal Preise
desselben Jahres für beide Güter:

o Das reale BIP im Jahr 1 ist die Summe der im Jahr 1 produzierten Mengen multipliziert mit
den Preisen des Jahres 0 für beide Güter

o Im Ergebnis ist nun das reale BIP vom Jahr 0 auf das Jahr 1 um
BERECHNUNG DES NOMINALEN BIP
- Laut Herleitung ist das nominale BIP

- Wir beginnen mit dem Basisjahr 0 und errechnen erneut:

- Im Jahr 1 ist zu neuen Preisen:

- Damit stieg das nominale BIP vom Jahr 0 auf Jahr 1 um

PREISINDIZES:
- Frage: Wie berechnet man die Wachstumsrate des realen BIP vom Jahr t zum Jahr t +1?
- Antwort: man gewichtet die Mengen von t + 1 mit den Preisen der Vorperiode.
- Wir bilden den Quotienten und erhalten so die Wachstumsrate des realen BIP.

PAASCHE-PREISINDEX:
- Dieser Index berechnet den Preisanstieg durch Gewichtung der Mengen der jeweiligen Periode mit
den Preisen der Vorperiode:

- Der BIP-Deflator ist ein Paasche-Preisindex.


- Unser Beispiel:

- Der BIP-Deflator verwendet die ständig wechselnden Mengen der jeweiligen Periode.
- Umgekehrt ist der Verbraucherpreisindex (CPI, VPI) ein Laspeyres-Preisindex: er gewichtet die
Preise jeweils mit den Mengen des Basisjahrs.
- Unser Beispiel: nach Laspeyres erreichen wir statt 9, 5% nun

- Nachteil: ohne Aktualisierungen des Warenkorbes kommt es zu Verzerrungen aufgrund des


Substitutionseffekts. Um aussagekräftige Werte zu erhalten, aktualisieren die nationalen
Statistikinstitute den Warenkorb z.B. alle 5 Jahre.
- Neben der Aktualisierung sind auch die Aufnahme neuer Güter und Dienstleistungen wichtig.
VERBRAUCHERPREISINDEX VS. BIP-DEFLATOR:

UNTERSCHIED PAASCHE- ZU LASPEYRES-INDEX


- t sei nun gleich 0 und statt t + 1 verwenden wir t. Damit gilt allgemein:
- Paasche-Preisindex: Preisanstieg durch Gewichtung der Mengen der Periode t mit den Preisen der
Periode 0:

- Laspeyres-Preisindex: Preisanstieg durch Gewichtung der Mengen der Periode 0 (!) mit den Preisen
der Periode 0:

- Der BIP-Deflator ist ein Paasche-Preisindex.


- Dagegen ist der Verbraucherpreisindex VPI (CPI) ein Laspeyres-Preisindex.

ZUSAMMENGASSUNG LASPEYRES- UND PAASCHE-INDEX:


Der Laspeyres-Preisindex
- enthält konstante Mengen zur Gewichtung der Preise.
- benutzt einen festen Warenkorb und beinhaltet damit keine Subsitutionsmöglichkeiten der
Konsumenten hin zu billigeren Produkten.
- Damit überzeichnet der Laspeyres-Index möglicherweise den tatsächlichen Preisanstieg.

Der Paasche-Preisindex
- enthält nicht nur Preise aus der Berichtsperiode, sondern auch Mengen.
- Diese Mengen stehen auch im Nenner des Index. Damit wird implizit angenommen, der
Konsument habe bereits in der Basisperiode diese Mengen konsumiert.
- Damit kommt es typischerweise zu einer Unterschätzung des tatsächlichen Preisanstiegs.

Siehe auch Beispiel auf dem 1. Übungsblatt.


FOLIENSATZ 3

DAS EINKOMMEN-AUSGABEN-MODELL:
- Die Verwendungsrechnung lässt uns das BIP nun als Güternachfrage (Z) darstellen:
Z ≡ C + I + G + X − IM.

- Vereinfachende Annahmen:
1. 1 Alle Unternehmen produzieren dasselbe Gut. Der Gütermarkt ist damit ein einziger Markt.
Uns interessieren Angebot und Nachfrage auf diesem Markt.
2. 2 Unternehmen sind zum gegebenen Preis P stets bereit, jede gewünschte Menge des Gutes
bereitszustellen.
3. 3 Wir betrachten eine geschlossene Volkswirtschaft. Damit ist
Z ≡ C + I + G.

JOHN MAYNARD KEYNES (1883-1946)


- Hauptaussage: Ein marktwirtschaftliches System wird auch bei flexiblen Preisen und Löhnen nicht
automatisch zur Vollbeschäftigung tendiere
- Konzept der gesamtwirtschaftlichen Nachfrage
- Kritik an der Neoklassik
- “Treatise on Money" (1930), "General Theory" (1936).

DIE VERHALTENSGLEICHUNG: KONSUMGUETERNACHFRAGE


- Vereinfacht nehmen wir hier an, daß der Konsum eine linear positive Funktion des verfügbaren
Einkommens darstellt. Dies ist eine Verhaltensgleichung:

C = C(YV )
- Der Konsum steigt mit dem verfügbaren Einkommen an. Weiter spezifizieren wir einen linearen
Zusammenhang: autonomer Konsum c0 und marginale Konsumneigung c1:

C = c0 + c1YV
- Dabei beschreibt die marginale Konsumneigung c1 den Effekt, den ein zusätzlicher Euro
verfügbaren Einkommens auf den Konsum ausübt. Der Wert von c1 wird als positiv angenommen,
zwischen 0 und 1.
- Lehrbuchbeispiel: Sei c1 = 0, 6. Dann wird ein zusätzlicher Euro im Einkommen den Konsum um 60
Cent erhöhen.

GRAFISCHE DARSTELLUNG:

Der Parameter c0 beschreibt den einkommensunabhängigen


Konsum. Wäre Yv gleich Null, dann wird C = C0.
FORMALE ANALYSE:

- Das verfügbare Einkommen ist definiert als Bruttoeinkommen minus Steuern T . Die Steuern
können Transferleistungen enthalten (als negative Steuern zu betrachten):

- Eingesetzt in die Konsumgleichung:

- Investitionen werden lediglich als autonome Investitionen behandelt (exogen).

- Hinzu nehmen wir an dass auch die Staatsausgaben G exogen gegeben sind.

BESTIMMUNG DES GLEICHGEWICHTS:


- Durch Einsetzen in Z erhalten wir:

- In Worten: Die Güternachfrage Z hängt vom Einkommen Y , den Steuern T , den Investitionen I und
den Staatsausgaben G ab.
- Gleichgewichtsbedingung: Angebot (=Güterproduktion) muß gleich dem Angebot sein.

- Eingesetzt in (3.5) ergibt dies:

FORMALE ANALYSE:
Durch Umformulierung von (3.7) erhalten wir:

sowie durch Subtrahieren von c1Y nach links und Herausheben:

Anschließende Division durch (1 − c1) ergibt:

MULTIPLICATOREFFEKT:
Grafische Darstellung:
- Betrachtung von 1/(1-C1) : Dieser Bruch stellt den
Multiplikator dar:

- Da c1 zwischen 0 und 1 liegt, muss 1 größer als 1


sein. Steigt 1/(1-C1)gegen 1 an, dann steigt der
Multiplikator.
- Der Term in eckigen Klammern sind die
autonomen Ausgaben:
FORMALE ANALYSE:
Wir begannen mit der Güternachfrage

Durch Verwendung der Identität Y = Z erhalten wir:

und durch Umformung

ERKLÄRUNG
Gleichung beschreibt die Beziehung zwischen Nachfrage und Einkommen.

Zur Vereinfachung setzen wir die autonomen Ausgaben in Klammern:

Damit haengt die Nachfrage von den autonome Ausgaben un vom Einkommen ab!
Im Gleichgewicht ist di Produktion (45-Grad-Linie) dann gleich der Nachfrage.

EIN AUSFLUG IN DIE GEOMETRISCHE REIHEN:


- Der Multiplikator ist die Summe sukzessiver Anstiege der Produktion, die aus einem Anstieg der
Nachfrage resultieren.
- Steigt die Nachfrage um 1 Mio. Euro, dann ergibt sich nach n Runden eine Erhöhung der Produktion
um 1 Mio. Euro, multipliziert mit der folgenden Summe:

- Diese Summe bezeichnet man als geometrische Reihe.

MULTIPLIKATOREFFEKT:
WAS PASSIERT IN JEDER RUNDE?
Anstieg der Staatsausgaben um D:

WIE GESCHIEHT DIES ÖKONOMISCH BETRACHTET?


Eine verbale Analyse:
- Kurzfristig wird die Produktion von der Nachfrage bestimmt.
- Die Nachfrage hängt aber ihrerseits vom Einkommen ab.
- Das Einkommen entspricht wiederum der Produktion.
- Ein Anstieg der Nachfrage (z.B. durch konstanten Anstieg der Staatsausgaben über alle Perioden
hinweg) führt zu einem Anstieg der Produktion und so zu einem entsprechenden Anstieg des
Einkommens.
o Diese Einkommenserhöhung induziert einen weiteren Anstieg der Nachfrage. Das führt
erneut zu einer weiteren Produktionssteigerung usw.
o Im Endergebnis fällt der Anstieg weit größer aus als die ursprüngliche Verschiebung der
Nachfrage, und zwar genau um den Faktor, der dem Multiplikator entspricht.

WIE LANGE DAUERT ES, BIS DER ANPASSUNGSPROZESS ABGESCHLOSSEN IST?


- Nach einem Anstieg der Konsumausgaben wird nicht sofort das neue Gleichgewicht erreicht. Es
findet vielmehr ein allmählicher Prozess der Anpassung statt.
- Die Geschwindigkeit hängt davon ab, wie schnell die Firmen auf die neue Situation mit
Produktionsanpassungen reagieren.
- Die formale Beschreibung dieser Anpassung der Produktion über die Zeit wird als Dynamik der
Anpassung bezeichnet.

BLANCHARD/ILLING BOX S. 100:


FINANZKRISE 2008/2009
- Kann es sein, dass c0 in Gleichung
(3.2) sinkt und es zu einem Rückgang
von Produktion und Einkommen
kommt?
- Idee: Selbst bei einem stabilen
derzeitigen Einkommen kann es sein,
dass Zukunftsängste die
Konsumenten anregt, mehr zu
sparen.
INVESTITION IST GLEICH ERSPARNIS: EIN ANDERER ANSATZ
- Die Private Ersparnis der Konsumenten (S) ist die Differenz zwischen verfügbarem Einkommen YV
und Konsum C

- Dieser Term T − G ist die Ersparnis des Staates, die Differenz zwischen Steuern und
Staatsausgaben.

INTERPRETATION: ERSPARNIS DES STAATES


- Wenn T > G, dann erzielt die Regierung einen Budgetüberschuss - die Ersparnis des Staates ist
positiv.
- Wenn T < G, dann ergibt sich ein Budgetdefizit - die Ersparnis des Staates ist negativ.
- Der Gütermarkt ist nur dann im Gleichgewicht, wenn Investitionen und Ersparnis (die Summe aus
privater und staatlicher Ersparnis) gleich sind.
- Die Nachfrage der Unternehmen nach Investitionen muss also genau dem entsprechen, was
private Haushalte und Staat zusammen bereit sind, zu sparen.

GRAFIK: INVESTITION = ERSPARNIS IM KREISLAUFDIAGRAMM

INVESTITION = ERSPARNIS
Ein alternative Ansatz für das Gleichgewicht auf den Gütermarkt:
- Konsum- und Sparentscheidung hängen zusammen:

- Daraus wird durch Umformung

- Während c1 die Konsumneigung ist, bezeichnen wir mit (1 − c1) die Sparneigung.
- Im Gleichgewicht muss aber gelten:

- Dass dies die Gleichgewichtslösung darstellt kann durch Auflösung nach Y überprüft werden. Wir
erhalten erneut das bekannte Ergebnis von:

DAS SPARPARADOX:
- Annahme: Konsumenten entscheiden sich, bei gegebenem Einkommen mehr zu sparen.
- Mit anderen Worten: die Konsumenten reduzieren c0 sodass bei gegebenem Einkommen der
Konsum sinkt.
- Im Ergebnis sinkt die Produktion.
- Der Parameter −c0 wird weniger negativ:

- Andererseits sinkt nun das Einkommen und dies reduziert wiederum die Ersparnis.
- Annahmengemäßgilt dass I, T und G unverändert bleiben.
- Im Ergebnis sagt das Sparparadox, dass die Ersparnis letztendlich unverändert bleibt.
FINANZMÄRKTE I
Die Bestimmung der Geldnachfrage:
- Wir nähern uns den Finanzmärkten schrittweise (Kap. 4 Blanchard/Illing)
- Bisher hatten wir eine Welt ohne Geldmarkt und ohne Zinssatz.
- Ohne eine Analyse der Wirkung von Zinsänderungen auf die Geldnachfrage bleibt unser
Modell unvollständig.
- Auch bei langfristig sehr niedrigen Zinsen bleiben die Analyse der Geldnachfrage und die
Geldhaltungsmotive wichtig.
- Dabei betrachten wir zum einen die Rolle von Geld als Zahlungsmittel zur Abwicklung von
Transaktionen (Bargeld, Sichteinlagen).
- Zum anderen untersuchen wird die Geldhaltung in Abhängigkeit der Ertragserwartungen
festverzinslicher Wertpapiere.
- Letztere können nicht zu Transaktionszwecken verwendet werden. Daher werden wir
einen Teil unseres Vermögens in Geld, einen anderen in Wertpapieren halten.

STROMGRÖßEN VERSUS BESTANDSGRÖßEN


Zunächst müssen wir Bestands- und Stromgrößen unterscheiden:

DIE BESTIMMUNG DER GELDNACHFRAGE:


- Einkommen besteht aus der Arbeitsvergütung und
Kapitalerträgen in Form von Zinsen und Dividenden.
Das Einkommen wird in Einheiten pro Zeiteinheit
ausgedrückt, es handelt sich also um eine
Stromgröße.
- Ersparnis ist der Teil des Einkommens nach Abzug
der Steuern, der nicht ausgegeben wird. Auch
hierbei handelt es sich um eine Stromgröße.

VERMÖGEN UND INVESTITION


- Das Finanzvermögen oder einfach das Vermögen ist der Wert aller Finanzanlagen
abzüglich aller Verbindlichkeiten. Das Vermögen ist der Bestand an Vermögen zu einem
gegebenen Zeitpunkt, es handelt sich also um eine Bestandsgröße.
- Finanzanlagen, die man direkt zum Kauf von Gütern einsetzen kann, werden Geld genannt.
Geld beinhaltet Bargeld sowie Sichteinlagen. Auch Geld ist eine Bestandsgröße.
- Investitionen sind der Kauf von neuen Anlagegütern, von Maschinen über Fabriken bis hin
zu Bürogebäuden.
- Der Kauf von Aktien oder anderen Finanzanlagen wird dagegen als Finanzinvestition
bezeichnet.
DIE GELDNACHFRAGE:
Liquiditätspräferenzfunktion

- Geldnachfrage (Kassenhaltung) ist eine Funktion des Nominaleinkommens PY . Ein höheres


Nominaleinkommen führt zu einer höheren Geldnachfrage.
- Sie hängt negativ vom Zinssatz ab: steigt der Zinssatz, so sinkt die Geldnachfrage.

GELDNACHFRAGE: GRAPHISCHER ZUSAMMENHANG

Analyse 1: Bewegung entlang der Nachfragekurve


- Für ein gegebenes Nominaleinkommen erhöht ein
niedrigerer Zinssatz die Geldnachfrage.
- Mit steigendem Zinssatz geht die Liquiditätspräferenz
und damit auch die Geldnachfrage zurück.

Analyse 2: Verschiebung der Nachfragekurve


- Ausgangspunkt: GG in A.
- Mit dem Anstieg des Nominaleinkommens PY steigt
nun das Transaktionsvolumen und die Geldnachfragekurve
verschiebt sich nach rechts.
- Bei konstantem Geldangebot bewirkt der Anstieg des
Nominaleinkommens eine Zinssteigerung.
- Idee dahinter: ein Zinsanstieg reduziert die
Geldmenge, welche die Wirtschaftssubjekte halten wollen.

WAS BEWIRKT EIN HÖHERES GELDANGEBOT?


- Weitet die Zentralbank durch ihre Geldpolitik das
Geldangebot aus, so verschiebt sich die
Geldangebotskurve nach rechts.
- Das Gleichgewicht verschiebt sich von A nach unten
auf A’.
- Eine Zunahme des Geldangebots führt zu einer
Senkung des Zinssatzes: der niedrigere Zins stimuliert
die Geldnachfrage und glecht das erhöhte Angebot
aus.

DIE BESTIMUNG DES ZINSSATZES: GELDMENGENSTEUERUNG


- Wir betrachten nun das Geldangebot und das Gleichgewicht von Geldnachfrage und
Geldangebot.
- Typischerweise gibt es zwei Anbieter von Geld:
o Sichtguthaben werden von Geschäftsbanken bereitgestellt.
o Bargeld wird von der Zentralbank gedruckt.
- Nehmen wir vereinfacht an, es gebe nur Bargeld und die Zentralbank entscheidet sich, eine
Geldmenge in Höhe von M zur Verfügung zu stellen:

- Ein Gleichgewicht auf dem Geldmarkt stellt sich dann ein, wenn das Geldangebot gleich
der Geldnachfrage ist:

- Geldnachfrage = Geldangebot:

GLEICHGEWICHTSZINSSATZ AUF DEM GELD- UND


FINANZMARKT:
- Die Bestimmung des Zinssatzes.
- Bei einer Geldmengensteuerung legt die Zentralbank das
Geldangebot fest.
- Der Zinssatz spielt sich im Gleichgewicht so ein, dass die
(zinsabhängige) Geldnachfrage dem Geldangebot
entspricht.

ZUSAMMENFASSUNG:
Die Nachfrage nach Geld hängt ab vom:
- Transaktionsvolumen (proportional zum Nominaleinkommen PY.)
- Zinssatz i (inverse Beziehung).

Formal:

- Dabei ist Md die Geldnachfrage, PY das Nominaleinkommen und L(i) die


Liquiditätsnachfrage nach Geld als Funktion des Zinses i.
- L(i) ist invers zum Zins i.

WIE GUT BILDET DIE GELDNACHFRAGEGLEICHUNG DIE REALITÄT AB?

- L(i): Kassenhaltungskoeffizient: Geldhaltung / Nominaleinkommen.


o wenn Zinssatz hoch ist, dann sollte L(i) niedrig sein,
o wenn Zinssatz niedrig ist, dann sollte L(i) hoch sein.
- Man sollte also einen gegenläufigen Zusammenhang beobachten.
KASSENHALTUNGSKOEFFIZIENT UND ZINSSATZ:
Empirische Evidenz: USA seit 1970 Deutschland seit 1970

NEGATIVE BEZIEHUNG ZWISCHEN ÄNDERUNG DES ZINSES UND ÄNDERUNG DES


KASSENHALTUNGSKOEFFIZIENTEN

GELDPOLITIK UND OFFENMARKTGESCHÄFTE


- Wie kann die Zentralbank das Geldangebot verändern und was geschieht, wenn sie es
verändert?
- Geldmengenerhöhung: Zentralbank kauft Wertpapiere und bezahlt mit neu geschöpftem
Geld.
- Geldmengenverringerung: Zentralbank verkauft Wertpapiere und entzieht damit dem
Wirtschaftskreislauf Geld.
- Derartige Operationen werden Offenmarktgeschäfte genannt, da sie am “Offenen Markt"
für Wertpapiere durchgeführt werden. In modernen Volkswirtschaften steuern alle
Zentralbanken die Geldmenge über solche Offenmarktgeschäfte.

Zentralbankbilanz und Bilanzsumme:


- Die Aktiva der Zentralbank
bestehen aus den
Wertpapieren, die sie hält. Ihre
Passiva entsprechen der
Geldmenge.
- Bei einer expansiven
Offenmarktpolitik kauft die
Zentralbank Wertpapiere und
stellt in gleichem Umfang
zusätzliches Geld bereit.
- In einer expansiven Offenmarktoperation kauft
die Zentralbank Wertpapiere im Wert von 1 Mio.
Euro und erhöht so das Geldangebot um 1 Mio.
- EZB kauft im Rahmen ihrer Offenmarktgeschäfte
Wertpapiere:
o Menge an Zentralbankgeld im
Wirtschaftskreislauf erhöht sich
o Preis für Wertpapiere steigt.
o Zinssatz sinkt.

ZUSAMMENHANG ZWISCHEN ZINS UND WERTPAPIERPREIS:


Beispiel:
- Wertpapier mit Auszahlung von 100 im nächsten Jahr Laufzeit: 1 Jahr
- i: Zinssatz für Laufzeit von einem Jahr.
- Wie bestimmt sich der Preis PB des Wertpapiers (B) heute? → Inverse Beziehung zwischen
Wertpapier und Zins.

- In Worten: Der heutige Kurs eines Wertpapiers (1 Jahr Laufzeit) entspricht der Auszahlung
nach Ablauf der Laufzeit, dividiert durch 1 plus aktueller Zins. Höherer Zins bedeutet
niedrigerer Kurs.
- Beispiel: Sei PB · (1 + i ) = 100 Euro. Dann gilt für z.B. i = 5, 3%: PB = 95.

GELDPOLITIK BEI ZINSSTEUERUNG:


- Neben der Geldmengensteuerung, bei der der Zinssatz indirekt durch die Variation der
Geldmenge bestimmt wird, existiert die Zinssteuerung.
- Im Normalfall legt die EZB den Zinssatz für kurzfristige Papiere fest
(Hauptrefinanzierungssatz).
- Dass der Wirkungsmechanismus sehr ähnlich ist, zeigt die folgende Grafik (4.6)
- Idee: das Geldangebot ergibt sich endogen aus der Höhe der Geldnachfrage zu dem
betreffenden Zins.
- Sinkt in der folgenden Grafik der Zins von i1 auf i2, so erhöht sich das Geldangebot auf M2
und das GG A2 wird erreicht.
- Hält die Zentralbank bei steigendem Nominaleinkommen den Zinssatz konstant, so steigt
das Geldangebot aufgrund der gestiegenen Geldnachfrage.

GELMARKTGLEICHGEWICHT BEI ZINSSTEUERUNG:


DIE BESTIMUNG DEZ SINZZATZES II (Lehrbuch 4.3)
- Frage nun: Wie wird der Zinssatz in einer
Volkswirtschaft bestimmt, wenn es Bargeld und
Sichteinlagen gibt?
- → Verhalten von Geschäftsbanken.
- Ganz allgemein: Finanzintermediäre sind
Institutionen, die Einlagen von Privatpersonen und
Unternehmen erhalten und damit festverzinsliche
Wertpapiere oder Aktien kaufen oder auch Kredite
an andere Privatpersonen oder Unternehmen
vergeben.

WAS MACHEN GESCHÄFTSBANKEN EIGENTLICH?


- Sie behalten einen Teil der Einlagen behalten als Reserve (zum Teil als Bargeld, zum Teil auf
Konten, die sie bei der Zentralbank haben). Gründe:
o Einzahlungen und Auszahlungen sind nicht gleich groß, die Geschäftsbank muss
immer eine gewisse Menge an Bargeld bereithalten.
o Sie muss in der Lage sein, Schulden gegenüber anderen Banken zu decken.
o Ebenso muss sie die gesetzlichen Mindestreserveverpflichtungen erfüllen. Diese
verlangen, Reserven in Höhe eines Prozentsatzes der Sichtguthaben zu halten
(derzeit 1% der Mindestreservebasis).
- Kredite entsprechen ungefähr 70% des Vermögens der Geschäftsbanken nach Abzug der
Reservepflicht. Die restlichen 30% entfallen auf Wertpapiere.
- Das Vermögen der Zentralbank besteht aus den von ihr gehaltenen Wertpapieren, ihre
Verbindlichkeiten aus dem von ihr geschaffenen Geld, dem Zentralbankgeld.

ANGEBOT UND NACHFRAGE NACH ZENTRALBANKGELD:


- Die Nachfrage nach Zentralbankgeld besteht aus der Nachfrage nach Bargeld und der
Nachfrage nach Reserven.
- Das Angebot an Zentralbankgeld wird direkt durch die Zentralbank gesteuert.
- Dabei besteht die Nachfrage nach Zentralbankgeld Hd aus zwei Bestandteilen:
o der Nachfrage der privaten Nichtbanken nach Bargeld, und
o die Nachfrage nach Reserven durch die Geschäftsbanken.
- Vereinfachte Sichtweise: keine Bargeldhaltung, nur Nachfrage nach Reserven durch die
Geschäftsbanken.
- Nachfrage nach Sichteinlagen ist wie zuvor:

- Je größer das Transaktionsvolumen und je niedriger der Zins, desto mehr Sichteinlagen
werden gehalten.

DER RESERVESATZ θ
- Je größer die Sichteinlagen, desto mehr Reserven müssen die Geschäftsbanken halten
(Vorsichtshaltung, Mindestreserve)
- Der Reservesatz θ ist die Menge an Reserven, die die Geschäftsbanken pro Euro an
Sichteinlage halten. Die Nachfrage der Geschäftsbanken nach Reserven ist dann
GELDBASIS: DIE ANGEBOTENE MENGE AN ZENTRALBANKGELD
- Die Zentralbank kann durch Offenmarktgeschäfte die Geldbasis stets verändern.
- Dabei ist die Gleichgewichtsbedingung dann erfüllt, wenn das Angebot gleich der
Nachfrage nach Zentralbankgeld ist: H = Hd.

- Ein höherer Zins impliziert eine geringere Nachfrage nach Zentralbankgeld: die Nachfrage
nach Sichteinlagen und auch die Nachfrage nach Reserven nimmt ab.

WIE WIRD ZENTRALBANKGELD GEHANDELT?


- Auf dem Interbankenmarkt stellt sich der
Zinssatz so ein, dass Angebot und
Nachfrage nach Zentralbankreserven
übereinstimmen.
- Haben Geschäftsbanken am Ende eines
Handelstages einen Überschuss an
Reserven, werden diese an andere
Banken verliehen.
- Im Gleichgewicht gilt H = Hd. In normalen
Zeiten bewegt sich der Tagesgeldzins eng
am Hauptrefinanzierungssatz (Leitzins).

KRISEN UND DIE BEREITSTELLUNG VON LIQUIDITÄT


- In der Finanzkrise von 2007 kam es durch ungenügende Bereitstellung von Liquidität zu
einem Erliegen des Handels (market freeze)
⇒ Artikel Jean Tirole: Illiquidity.
- Erläuterung in Abb. 4.10:
- Idee: Geschäftsbanken können sich bei der
Zentralbank stets zu is refinanzieren,
Gleichgewichtszins ergibt sich durch
Nachfrage.
- Finanzkrise: Banken verliehen
untereinander keine Liquidität mehr (Angst
vor Zusammenbruch). EZB stellte Liquidität
zur Verfügung.
LECTURE 5:
DIE (DREI) MOTIVE DER KASSENHALTUNG BEI KEYNES:

- Die keynesianische Geldnachfrage lautet insgesamt:

- Während das Halten von Transaktionskasse einfach vom Einkommen abhängt (mehr
Einkommen, mehr Nachfrage nach Bargeld zu Transaktionszwecken), und die
Vorsichtskasse relativ unwichtig ist, fußt die folgende Begründung auf den Argumenten der
Spekulationskasse.

KEVIN AUS KARNEID:


- Grundlegender Zusammenhang: es gibt einen fixen Zusammenhang zwischen beiden
Größen für festverzinsliche Wertpapiere mit festem Zinsertrag und unendlich langer
Laufzeit.

- Beispiel. Kevin aus Karneid kauft ein Wertpapier mit unendlich langer Laufzeit, das ihm 100
Euro Zinsen jedes Jahr verspricht. Das Zinsniveau liegt bei i = 10%. Welchen Wert hat dieses
Wertpapier heute?
- Lösung: Der Wertpapierkurs liegt bei 100 = 1000 Euro. Heute 0,1 bezahlt Kevin 1000 Euro
und erhält jedes Jahr einen Zinsertrag von 1000 · 0, 1 = 100 Euro.
- Wichtig ist die Erkenntnis eines inversen Zusammenhang zwischen Zinssatz i und
Wertpapierkursen erklärt.

ADINA AUS ALDEIN


Die einzelwirtschaftliche Spekulationskasse
- Beispiel. Adina aus Aldein möchte nur dann Wertpapiere halten, wenn ihr Ertrag aus den
Wertpapieren höher als 7% ist. Andernfalls hält sie nur Bargeld, aber keine Wertpapiere,
denn der Ertrag ist ihr zu niedrig.
- Der Zins gibt die Opportunitätskosten der
Bargeldhaltung wider.
Man kann diese Entscheidung wie folgt darstellen:

Es gibt also einen Zins ikrit , bei dem das einzelne


Wirtschaftssubjekt sein Verhalten ändert:
• bei i > ikrit hält es nur Wertpapiere,
• bei i < ikrit hält es nur Bargeld.
DIE GESAMTWIRTSCAHFTLICHE SPEKULATIONSKASSE:
In der gesamtwirtschaftlichen Betrachtung ergibt sich ein negativer Zusammenhang zwischen Zins
und Kassenhaltung (Geldnachfrage), der auch als gesamtwirtschaftliche Spekulationskurve
genannt wird:

- Wenn der Zinssatz i sinkt, so gibt es immer mehr


Wirtschaftssubjekte, deren kritischer Zins ikrit unterschritten ist,
die also nur noch Geld nachfragen und keine Wertpapiere.
- Sie tun dies, weil aus ihrer Sicht die Opportunitätskosten der
Geldhaltung extrem niedrig sind und der Zinsverlust, der ihnen
durch die Geldhaltung entsteht, als geringfügig angesehen wird.

INTERPRETATION:
- Das herrschende Zinsniveau, die effektive Verzinsung, signalisiert die Ertragskraft der
Unternehmen.
- Bei hoher Verzinsung sind die Wirtschaftssubjekte bereit, dem Unternehmen Kapital zur
Verfügung zu stellen.
- Bei niedrigen Zinssätzen hingegegen halten die Wirtschaftssubjekte die Wertpapierkurse
für zu hoch. Sie haben kein Vertrauen zur Ertragskraft der Unternehmen und sehen daher
von Wertpapierkäufen ab.
- Zitat J.M. Keynes, “The General Theory":
“There is the possibility .... that, after the rate of interest has fallen to a certain level,
liquidity-preference may virtually become absolute in the sense that almost everyone
prefers cash to holding a debt which yields so low a rate of interest."

LIQUIDITÄTSFALLE
- Soweit argumentierten wir, dass durch Geldmengen- oder Zinssteuerung der Leitzins
immer genau im Sinne der Zielsetzung der Zentralbank angepasst werden kann.
- Je nach Finanzkrise kann es aber sein, dass die Geldpolitik im Extremfall möglicherweise
keine Wirkung mehr zeigt.
- Es existiert eine effektive Zinsuntergrenze: Fällt der Zinssatz weit unter Null, so würden
irgendwann alle Wirtschaftssubjekte ihr Finanzvermögen in Bargeld umwandeln.
- Dies wird mit dem Begriff Liquiditätsfalle umschrieben.
- Da das Halten von Geld mit Kosten verbunden ist, kann in der Praxis auch ein leicht
negativer Zins aufrechterhalten werden, um diesen Zustand nicht eintreten zu lassen,
solange Bargeld nicht abgeschafft wird.

WAS PASSIERT, WENN DER ZINSSATZ AUF NULL FÄLLT?


Wirtschaftssubjekte halten Geld u.a. zu
Transaktionszwecken. Falls sie genügend Bargeld halten,
sind sie bei einem Nullzins indifferent, weiter Geld oder
Wertpapiere zu halten: beide Formen bringen einen
Zinssatz von Null.
Die Geldnachfrage verläuft horizontal. Eine Geldpolitik hat
dann keinen Einfluss mehr auf den Nominalzins.
EXPANSIVE GELDPOLITIK IST WIRKUNGSLOS:
- Nehmen wir in der obigen Grafik an, die Volkswirtschaft befinde sich in Punkt B. Eine
expansive Geldpolitik hat dann keine Wirkung mehr auf den Nominalzins.
- Dies gilt auch für Geschäftsbanken sofern wir Sichteinlagen betrachten:
o Solange die Zinsen auf Wertpapiere und auf Reserven gleich hoch sind, besteht
auch hier Indifferenz bei der Haltung beider Anlageformen.
o Erhöht nun die Zentralbank die Geldmenge, steigen Reserven und Sichteinlagen um
denselben Betrag.
- Allerdings kann die Zentralbank negative Einlagenzinsen auf die Reserven der
Geschäftsbanken erheben.
- Solange private Wirtschaftssubjekte ihre Einlagen abziehen können, sind diese aber
verschont.
- Siehe auch: Repo-Geschäfte und die Politik der EZB in der Finanzkrise (BI S. 134).

DER GÜTERMARKT UND DIE IS-GLEICHUNG


Lehrbuch Kap. 5.1
- Ausgehend von der Gleichgewichtsbedingung

haben wir zunächst die Wirkung exogener Größen auf die Produktion untersucht
(Staatsausgaben, Multiplikator).
- Was bisher fehlt ist die Bestimmung der Investitionen.
- Wovon hängen die Investitionsausgaben ab?
o Zum einen vom Absatzniveau, denn die Firma muss ihre Produkte verkaufen
(Produktion, Y).
o Zum anderen vom Zins. Je höher der Zins für Kredite, desto weniger
Investitionsprojekte bleiben rentabel. (⇒ Interner Zins).
o Aus Gründen der Einfachheit ignorieren wir den Unterschied Realzins und
Nominalzins.
o Ebenso betrachten wir in diesem Modell noch kein Risiko bei der
Investitionsentscheidung.

INVESTITIONSFUNKTION UND PRODUKTIONSNIVEAU:


- Die Investitionsfunktion ist demnach eine Funktion von Y und i:

und sie steigt mit Y und fällt mit i.


- Eingesetzt in die bekannte Gleichgewichtsbedingung für den Gütermarkt ergibt sich:

- In Worten: die Produktion (linke Seite) muss gleich der Güternachfrage sein.
- Im Nachfrage-Einkommen-Diagramm ergibt sich folgende Grafik:
DIE ZZ-KURVE:
- Das Gleichgewicht auf dem Gütermarkt befindet sich im Punkt A.
- Aufgrund fehlender Annahmen zur Linearität der Verhaltens- gleichungen nehmen wir -
einen nach oben gekrümmten Verlauf an.
- Die ZZ-Funktion verläuft unterhalb der 45-Grad-Linie.

VON DER ZZ-KURVE ZUR IS-KURVE


Betrachtung der Gleichgewichte mit i und Y
WAS SAGT DIE IS-KURVE AUS?
Ein Anstieg des Zinssatzes lässt die Investitionen und damit das Einkommen zurückgehen.

BEIDE VARIABLEN i UND Y ZUSAMMEN BETRACHTET:


Bewegung entlang der IS-Kurve ⇒ Zinsänderung
Endogene Anpassung der Produktionsmenge:
• Sinkender Zins ⇒ stimuliert Investitionen
I(i)
• ⇒ Zunahme der Gesamtnachfrage ⇒
Anstieg der Produktion DY/DI.

ANPASSUNGSREAKTIONEN IM UNGLEICHGEWICHT
Auf dem Gütermarkt erfolgt die Anpassung über Mengen (Preise sind kurzfristig starr).
VERSCHIEBUNG DER IS-KURVE:

WIRKUNG EINER STEUERERHÖHUNG DER IS-KURVE

FINANZMÄRKTE UND DIE LM-GLEICHUNG


- WH: Der Zinssatz wird bei Gleichheit der beiden Seiten der folgenden Gleichung bestimmt:
Geldangebot gleich Geldnachfrage.

wobei M die nominale Geldmenge darstellt.


- Auf der rechten Seite steht die Geldnachfrage als Funktion des Nominaleinkommens PY
und des Nominalzinses i.
- Wir dividieren beide Seiten durch das Preisniveau P:

was folgende Interpretation erlaubt: Die Geldmenge, gemessen in Gütereinheiten (reale


Geldmenge) muss gleich der realen Geldnachfrage sein, die eine Funktion des
Realeinkommens und des Zinses ist.
DIE ABLEITUNG DER LM-KURVE:
- Trick: realistisch erweise nehmen wir an,
die Zentralbank betreibt eine direkte
Zinssteuerung. Sie legt einen bestimmten
Zinssatz fest:

und das Geldangebot wird wie


beschrieben endogen bestimmt
(Foliensatz 4, Folie 23).
- Im Ergebnis ist die LM(i0)-Funktion damit
eine horizontale Linie:

DAS IS-LM-MODELL:
- Wir stellen nun beide Funktionen dar:

- Jeder Punkt auf der IS-Kurve entspricht einem Gleichgewicht auf dem Gütermarkt.
- Jeder Punkt auf der LM-Kurve entspricht einem Gleichgewicht auf den Finanzmärkten.
- In Punkt A sind beide Gleichgewichtsbedingungen erfüllt.

FISKALPOLITIK IM IS-LM-MODELL:
- Was verändert sich im Gleichgewicht wenn der Staat das Budgetdefizit durch eine
Steuererhöhung reduziert? (Annahme: die Staatsausgaben G bleiben unverändert)
- Wie beeinflusst eine Steuererhöhung das Gleichgewicht auf dem Gütermarkt?
Vorgehensweise:
1. 1 Wir analysieren wie die Politikmaßnahme die GG-Bedingungen auf Güter- und
Finanzmärkten beeinflusst. Welche der beiden Kurven verschiebt sich?
2. 2 Was sind die Auswirkungen dieser Verschiebung?
3. 3 Wir beschreiben die Auswirkungen im Ergebnis verbal.
BEISPIEL: STEUERERHÖHUNG: IS-KURVE VERSCHIEBT SICH
- Man erkennt: eine Steuererhöhung verschiebt die IS-Kurve nach links.
Grund: die Steuererhöhung verringert den Konsum, und über den Multiplikatorprozess
sinkt die Nachfrage.
- Für jeden Zinssatz sinkt nun die Produktion von Y0 auf Y1. Es kommt zu einer
Linksverschiebung der IS-Kurve.
- Frage: wird die LM-Kurve beeinflusst? A: Nein, denn wir betrachten nur eine Änderung der
Fiskalpolitik, die Geldpolitik bleibt unverändert und die Zentralbank verändert den Zins i0
nicht.
- Im 2. Schritt betrachten wir die Bestimmung des Gleichgewichts: es verschiebt sich von A0
nach A1.
- Im Ergebnis bleibt der Zins unverändert und die Produktion sinkt.
- Zuletzt lässt sich der Prozess verbal beschreiben.

GRAFIK: AUSWIRKUNGEN EINER STEUERERHÖHUNG

GELDPOLITIK:
- Wir betrachten nun den Fall einer expansiven Geldpolitik.
- Die Zentralbank senkt den Zinssatz. Damit induziert sie eine Erhöhung des Geldangebots.
- Wir untersuchen zuerst, ob die IS-Kurve beeinflusst wird. Zwar verändert sich der Zins, dies
beeinflusst aber nicht die Beziehung zwischen Zinssatz und Produktion. Die IS-Kurve
verschiebt sich nicht, sondern es kommt zu einer Bewegung entlang der IS-Kurve.
- Logischerweise verschiebt sich aber die LM-Kurve nach unten, da der Zins von i0 auf i1 sinkt.
Das Gleichgewicht verschiebt sich von A0 nach A1.
Eine expansive Geldpolitik führt zu geringeren Zinsen und gestiegener Produktion.

GRAFIK: EXPANSIVE GELDPOLITIK IM IS-LM-DIAGRAMM


NACHTRAG: DIE INVESTITIONSFALLE
Verlauf der IS- und LM-Kurven aus anderer Sicht
- Die keynesianische Sichtweise argumentiert,
dass in Krisenzeiten Firmen selbst dann nicht
investieren, wenn die Zinsen sehr niedrig sind.
- Dies folgt aus der Annahme, dass Unternehmen
in solchen Zeiten nicht einmal die bereits
vorhandenen Produktionskapazitäten auslasten
können.
- Bemerkung: Für Investitionen ist der Realzins
ausschlaggebend.
- Keynes: Bei Deflation lassen die Unternehmer ihr Geschäft ruhen, bis Löhne und Preise
ihren Tiefpunkt erreicht haben.

DIE SACHE MIT DEM POLITIKMIX:


Kombination Geld- und Fiskalpolitik
- Idee: Wir finden selten Situationen, in denen nur Geldpolitik oder nur Fiskalpolitik
vorherrscht.
- Typischerweise werden beide Politikstrategien zu beobachten sein: der Staat setzt
Ausgaben und Steuern fest bzw. verändert sie, und die Zentralbank betreibt Geldpolitik.
- Ziel in diesem Foliensatz: Wirkungsweisen des Zusammenspiels von Geld- und Fiskalpolitik
darstellen.
- Dabei sind nicht immer Idealformen einer kombinierten Geld-und Fiskalpolitik möglich.
- In Wirklichkeit wird z.B. in einer Rezession typischerweise versucht, sowohl mit geld- als
auch mit fiskalpolitischen Maßnahmen die Wirtschaft zu stimulieren.

WIDEREHOLUNG: KONJUKTURZYKLUS
- In der Tat schwankt das BIP (bzw. Y,
die Produktion, der Auslastungsgrad
der Wirtschaft) kurzfristig und
mittelfristig um den Wachstumstrend.
- Man nennt diese Schwankungen
Konjunkturzyklen (business cycles).
Diese sind zwischen ca. 7 bis etwa 40
Jahre lang.
- Man unterscheidet 4 Phasen:
Rezession, Depression, Aufschwung
und Boomphase.

WIE FUKZIONIERT EINE ANTIZYKLISCHE GELDPOLITIK?


- In einer Konjunkturschwäche sollte sie anregend (expansiv) auf die Wirtschaft wirken und
in einem Boom bremsend (restriktiv). Dazu muss die Zentralbank in Zeiten schwacher
Konjunktur die Zinsen senken und sie bei starker Nachfrage wieder erhöhen.
- Da wir sowohl die Zinssteuerung als auch die Geldmengensteuerung behandeln, sei
nochmals hervorgehoben, dass im letzten Jahrhundert die Geldmengensteuerung
verwendet wurde, welche bei einem stabilen Verhältnis der Geldmenge zur monetären
Basis (Geldmultiplikator) möglich war. Heute wird vorherrschend eine Zinssteuerung als
Instrument verwendet.
- Vor allem aber war in vielen Ländern auch das vorrangige Ziel der Notenbank nicht eine
antizyklische Geldpolitik, sondern der Erhalt der Geldwertstabilität.

ANTIZYKLISCHE FISKALPOTIK:
- Mit einer fiskalpolitischen Strategie gibt der Staat gezielte Impulse zur Steigerung der
gesamtwirtschaftlichen Nachfrage.
- Auch hier gilt das Ziel der Glättung des Konjunkturzyklus.
- Die verwendeten Instrumente setzen entweder bei den Ausgaben- oder bei den
Einnahmen des Staates an: ausgabenseitig weitet der die öffentlichen Investitionen aus
(Rezession, Depression), während typischerweise in einer Boomphase werden die
Ausgaben gekürzt werden.
- Während die Staatsausgaben direkt auf den Wirtschaftskreislauf wirken und so die
staatliche Nachfrage direkt auf private Akteure wirkt, haben fiskalpolitische Ansätze auf
der Einnahmenseite eher eine indirekte Wirkung auf die Konjunktur.
- Werden also auf der Einnahmenseite während einer Schwächephase die Steuern gesenkt,
verbleibt den privaten Akteuren (Haushalte, Unternehmen) ein höheres verfügbares
Einkommen. Diese Maßnahmen wirken also indirekt.

KRITIK EINER ANTIZYKLISCHEN POLITIK:


- Mit dem Keynesianismus wurden die Nachfragesteuerung und antizyklische
Politikmaßnahmen Teil der Wirtschaftspolitik.
- Inhaltlich sollte der Staat in Boomzeiten seine Einnahmen durch Steuern erhöhen, um dann
in Rezessionen die staatliche Nachfrage hochfahren zu können (auch: Steuersytem als
automatischer Stabilistator).
- Kritik: In Wirklichkeit kann der Staat oft nicht konjunkturellen Ausschläge durch
rechtzeitiges Gegensteuern glätten: eine antizyklische Wirtschaftspolitik wirkt letztendlich
oft prozyklisch.
o Es ist schwierig, den exakten Konjunkturverlauf und die konkrete Wirkung
staatlicher Maßnahmen vorherzusagen.
o Zusätzlich geschaffene Nachfrage kann zu Inflation führen.
o Staatliche Investitionen verdrängen private (“crowding out").
o Die im Boom erforderlichen Kürzungen der Staatsausgaben sind politisch schwer
durchsetzbar (Wahlzyklen).
o Ricardianische Äquivalenz: Private Wirtschaftssubjekte antizipieren neue Steuern
und sparen mehr ⇒ Nachfragerückgang.
o Empirisch: Falsche Wirtschaftspolitik kann zu “Stagflation" führen.

ZURÜCK ZUR GLEICHZEITIGEN


BETRACHTUNG:
Die Kombination von Fiskal- und
Geldpolitik
GRÜNDE FÜR DEN GLEICHZEITIGEN EINSATZ
- Da sowohl eine expansive Fiskalpolitik als auch eine expansive Geldpolitik die Rezession
bekämpfen sollen, stellt sich die Frage, warum eigentlich beide Politiken eingesetzt werden
sollen.
- Fälle, in denen ein Politikmix sinnvoll sein kann:
o Expansive Fiskalpolitik erhöht das Staatsdefizit. Meist braucht es daher zur
Begrenzung der Höhe fiskalpolitischer Maßnahmen auch geldpolitisch expansive
Ansätze.
o Vor allem jetzt, nahe der effektiven Zinsuntergrenze, wird der Spielraum für eine
weitere Expansion sehr begrenzt sein. Zur Stabilisierung wird die Fiskalpolitik die
einzige Option sein.
o Die Zusammensetzung der Nachfrage wird durch Fiskal- und Geldpolitik
unterschiedlich beeinflusst: sinkende Zinsen stimulieren die Investitionen stärker
als den Konsum.
o Dagegen wirken Steuersenkungen steigernd auf die Konsumnachfrage.

WAS KANN DANN EINE SINNVOLLE KOMBINATION SEIN?


Haushaltskonsolidierung und expansive Geldpolitik

ABBILDUNG 5.9: VERBALE DARSTELLUNG


- Der Ausgangspunkt ist das Gleichgewicht A0.
- Nicht sichtbar in der Grafik: Haushaltsdefizit G-T wird als zu hoch angenommen.
- Eine Steuererhöhung verschiebt durch Reduktion der privaten Nachfrage die IS-Kurve nach
links: das neue GG wird in A1 erreicht.
- Wichtig: bleibt der Zins hoch, so sorgt der Multiplikator dafür, dass nicht nur die Nachfrage,
sondern auch die Produktion sinkt.
- Daher wird geldpolitisch versucht, einer durch die nötige Budgetkonsolidierung drohenden
Rezession entgegenzuwirken:
- Die Zentralbank senkt den Zinssatz von i0 auf i1 und regt dadurch die private Nachfrage an.
- Damit erhöht sich die Produktion wieder auf das ursprüngliche Niveau Y0.
- ⇒ Übungsbeispiel Politikmix Clinton/Greenspan.
FOKUS: DIE REZESSION VON 2001
BIP-Wachstumsraten und Ausgangsposition
- Weltweit stiegen die Investitionen bis
2001 an, um dann 2001 um 4,5% zu
fallen.
- Investitionen sanken, die Unsicherheit
traf auch den privaten Verbrauch und
damit die Produktion. ⇒
Multiplikatoreffekt

Teil 1: Expansive Geldpolitik


- Die Fed senkte bereits Anfang 2001 den
Geldmarktzins massiv, von 6,5% auf 1,75%.

Teil 2: Expansive Fiskalpolitik


- Der Budgetüberschuss des Staates sank in
den USA, EU und Deutschland durch die
hohen Ausgaben. Dies fiel besonders
drastisch aus. Die Fed senkte bereits
Anfang 2001 den Geldmarktzins massiv,
von 6,5% auf 1,75%.

Lässt sich im Nachhinein die Steuersenkung


rechtfertigen?

BEISPIEL „TAUZIEHEN“ ZWISCHEN GELD- UND


FISKALPOLITIK:
Deutschland nach 1990: Gefahr der Überhitzung
HERLEITUNG DER LM-KURVE BEI GELDMENGENSTEUERUNG:
- Bereits behandelt: LM-Kurve bei
Zinssteuerung.
- Besonders einfacher
ZusammenhangL LM-Kurve
verläuft horizontal, und nominale
Geldmenge ergibt sich endogen.
- ⇒ LM(i1) als Beziehung zwischen
Produktion und Zinssatz: Zinssatz
bleibt fixiert.
- Nun aber argumentieren wir, dass
die Geldmenge bei steigender
Produktion unverändert bleibt.
Ausgangsgleichgewicht in A.

- Produktion steigt,
Geldnachfrage steigt.
o Steift nun die Produktion,
so steigt uber Y di e
Geldnachfrage (Kassenhaltung zu
Transaktionszwecken)
o Weitet die Zentralbank
die Geldmenge nicht aus, so
steigt der Zins.

REAGKTION DER LM-KURVE AUF GELDNACHFRAGESCHOCKS:


Annahme: Plötzlich starker Anstieg der Geldnachfrage
- Ohne Geldmengeneröhung steigt aber der Zins: GG in B bei Y2 da LM(M1/P) steigend!

- Das neue Gleichgewicht


liegt dann in Punkt D.
- Hält die Zentralbank den
Zins konstant, kann dies als
eine Art automatischer
Stabilisator gegen Schocks im
Finanzsektor wirken.
- Bei Verschiebungen der
IS-Kurve wird aber eine
Zinsanpassung sinnvoll sein,
um Nachfrageschwankungen
zu vermeiden.
- Letztendlich kommt es auch auf die Zielsetzung der jeweiligen Notenbank an, welche
Politik verfolgt wird.
SIND KONSTANTE ZINSEN ODER ZINSÄNDERUNGEN BESSER?
Die “Rules vs. Discretion"-Debatte

BI KAP. 6: MEHR ANLAGEFORMEN BETRACHTEN:


- Bei unserer Darstellung der Geldpolitik und der Finanzmärkte sind wir bisher von einem
vereinfachten Bild ausgegangen. Wir nahmen lediglich die Wahl zwischen zwei
Anlageformen an: Geld und festverzinsliche Anleihen.
- Hinzu betrachten wir nur einen Zinssatz, den Zinssatz auf Anleihen, der von der Geldpolitik
bestimmt wird.
- In der Realität sind die Finanzmärkte viel komplexer â mit einer Fülle von Anlageformen
mit ganz unterschiedlichen Zinssätzen.
- Frage 1: Wie bilden sich eigentlich die die Renditen der einzelnen Wertpapiere?
- Frage 2: Warum spielen vor allem in Krisenzeiten Risikoprämien eine Rolle?

NOMINALZINSEN VS. REALZINSEN:


Warum ist die Betrachtung von Finanzmärkten wichtig?
- Bisher nahmen wir an, dass die Zentralbank den Zinssatz festlegen kann.
- Damit ist gleichzeitig angenommen, dass sie den Zinssatz für Anleihen festlegen kann.
- Genau genommen ging es uns um zwei
Anlageformen: Geld und festverzinsliche
Anleihen.
- Damit bestimmt die Zentralbank die
Rendite von Anlageformen (Beispiel Kevin
und Adina).
- In Wirklichkeit gibt es aber viele
Anlageformen, und deren Rendite bildet
sich auf den Finanzmärkten.
- In der Finanzkrise von 2009 zeigte sich,
dass die Annahme, alle Zinsen auf den
Märkten würden sich in Richtung Leitzins
bewegen, nicht stimmte.
INFLATIONSRATE:

REALZINSEN VS. NOMINALZINSEN:


- Als Nominalzinsen bezeichnet man Zinsen, die in einer Währungseinheit ausgedrückt
werden.
- Als Realzinsen bezeichnet man Zinsen, die in Einheiten eines Warenkorbs ausgedrückt
werden.
- Um den Realzins zu bestimmen, werden vom Nominalzins die erwartete Inflationsrate
abgezogen.

DEFINITION UND HERLEITUNG:

- it = Nominalzins im Jahr t .
- rt = Realzins im Jahr t .
- (1 + it) bedeutet: wenn
man dieses Jahr einen Euro
ausleiht, muss man in
einem Jahr (1 + it) Euro
zurückzahlen
- Pt = Preisniveau im Jahr t.
- Pet+1 = Erwartetes
Preisniveau nächstes Jahr
(Brot als einziges Gut: der
erwartete Brotpreis)
- π et+1 = Erwartete
Inflationsrate. t+1
APPROXIMATIVE BESTIMMUNG:
Da:

Und weiteres:

Durch Umstellung:

Und durch Umformung erhalten wir die Beziehung zwischen Nominalzins, Realzins und erwarteter
Inflationsrate:

Vereinfacht gilt mit genügender Genauigkeit bei niedrigen Werten:

INTERPRETATION:
- Der Realzins ist also approximativ gleich dem Nominalzins minus Inflationsrate.
- Ist der Nominalzins gegeben, so ist der Realzins umso niedriger, je höher die erwartete
Inflationsrate ist.
- Ist letztere gleich Null, so ist Nominalzins gleich Realzins.
- Typischerweise liegt der Nominalzins allerding über dem Realzins.
- Beispiel Brot statt Kredit: Rückzahlung nächstes Jahr von

- Bei i = 10% muss nächstes Jahr bei 0 Inflation 10% zurückgezahlt werden. Bei 10% Inflation
hingegen bleibt der Brotpreis gleich.

HIER NUR KURZ BEHANDELT: RISIKOPRÄMIE:


- Idee: ein möglicher Zahlungsausfall führt zu einer Risikoprämie.
- Damit wird der Kredit für den Schuldner teurer: er zahlt nicht 1 + i sondern 1+i +x.
- x ist die Risikoprämie. Veranschaulichung: Zinsspread in Krisenzeiten.
NEBEN REAL- VS. NOMINALZINS: LEITZINS VS. KREDITZINS:
- Bekanntlich wird der Leitzins von der Zentralbank kontrolliert, aber der Kreditzins, den
Schuldner bei Kreditaufnahme zahlen, liegt üblicherweise höher und wird durch den Markt
bestimmt.
- Unter Einbeziehung der Risikoprämie erhalten wir folgendes IS-LM-Gleichgewicht:

- Wichtig: Die Entscheidungen zur Konsum- und Investitionsnachfrage wird durch den
Realzins r = i − πe bestimmt.

VEREINFACHTE DARSTELLUNG DER IS-LM-KURVE:


- Intuition: Die Zentralbank kann den Nominalzins hoch genug setzen, dass sich der Realzins
einstellt, den sie für angemessen hält
- Um das IS-LM-Gleichgewicht im (r-Y)-Raum darstellen zu können, definieren wir die beiden
Funktionen nun wie folgt:

- Wichtig: Die Entscheidungen zur Konsum- und Investitionsnachfrage wird durch den
Realzins r = i − πe bestimmt.

FOKUS: DIE STEUERUNG VON REALZINSEN BZW. NOMINAZINSEN:


- Idee: Wenn die Zentralbank den Nominalzins festlegt, wird so bei gegebenen
Inflationserwartungen πe auch der Realzins r − πe bestimmt.

- Bei π0 = 0 stimmen beide Grafiken überein. Bei positiver Inflationsrate π0 > 0 gilt, dass nur
dann der Realzins konstant bleibt, wenn sie den Nominalzins auf i1 = i0 + πe setzt. Ein
Konstanthalten des Nominalzinses bei i0 führt hingegen zu Punkt A1 bzw. B1 mit Produktion
Y1 .
SCHOCKS IM FINANZSEKTOR: ANSTIEG DER RISIKOPRÄMIE:
- Idee: Wenn die Risikoprämie steigt, steigt der Kreditzins.
- Die gesamtwirtschaftliche Nachfrage sinkt und die IS-Kurve verschiebt sich nach links von IS
nach IS’.

STARKE ZINSSENKUNG ALS REAKTION AUF EINEN SCHOCK:


- In einer solchen Situation kann eine starke Zinssenkung das Produktionsniveau wieder auf
den ursprünglichen Wert bringen.
- Nachteil: Sind die Zinsen damit nahe an einer Untergrenze angelangt, bleibt kein Spielraum
mehr für weitere Zinssenkungen.

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