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Sprechakttheorie

Was ist die Grundannahme der Sprechakttheorie? Was sind Sprechakte?

Die Grundannahme: jede Äußerung = eine Handlung

Sprechakte sind Grundeinheiten des sprachlichen Handelns.

Wer sind die Begründer der Sprechakttheorie?

Die Begründer der Sprechakttheorie:

1. John L. Austin – How to Do Things with Words? (1962)


2. John R. Searle – Speech Acts: An Essay in the Philosophy of Language (1969)

Zwischen welchen Äußerungstypen unterscheidet Austin?

Konstative Äußerungen (wahr oder falsch) vs. performative Äußerungen (erfolgreich oder erfolglos)
(Austin)

Mit konstativen Äußerungen werden Tatsachen festgestellt, mit performativen werden sie geschaffen.

Es ist schon Mittag.

Sei ein bisschen leiser!

Welche 2 Typen von Performativen unterscheiden wir?

Explizite performative Äußerungen enthalten ein performatives Verb. Performative Verben sind
Verben, mit denen der Sprecher automatisch die von diesem Verb bezeichnete Handlung vollzieht
(versprechen, warnen, bitten, wünschen, sich entschuldigen, bitten, danken...).

Ich stimme Ihnen da wollkommen zu. (Zustimmung)

Implizite performative Äußerungen enthalten kein performatives Verb, man kann das Gemeinte jedoch
aufgrund des Kontexts verstehen.

Da haben Sie recht. (Zustimmung)

Was ist die Beziehung zwischen der Form und Funktion einer Äußerung?

Form und Funktion – Eine Äußerung kann je nach Umständen unterschiedlichen Sprechakttypen
zugeordnet werden.
Warte bis du nach Hause kommst. (Anfrage, Bitte)

Warte bis du nach Hause kommst. (Drohung)

Was sind direkte und indirekte Sprechakte?

Direkte (absolut wörtlich zu verstehen) vs. indirekte (nicht wörtlich zu verstehen) Sprechakte

Gehen wir heute ins Kino?

Direkt: Nein, keine Lust.

Indirekt: Ich habe leider keine Zeit.

Wie sieht die Struktur eines Sprechaktes aus?

 Die Struktur von Sprechakten nach Austin

1) Lokutionärer Akt (Lokution) – die sprachliche Form eines Sprechaktes (Satz, Wortgruppe…)
2) Illokutionärer Akt (Illokution) – der intendierte Zweck eines Sprechaktes, das Ziel des
Sprechers (die minimale Einheit sprachlicher Funktion)
3) Perlokutionärer Akt (Perlokution) – die Wirkung eines Sprechaktes auf den
Gesprächspartner

 Die Struktur von Sprechakten nach Searle

1) Äußerungsakt - die Handlung mit der Morpheme, Wörter und Sätze (mündlich oder
schriftlich) vom Sprecher geäußert werden.
2) Propositionaler Akt - die Handlung mit der auf einen Gegenstand Bezug genommen – auf
ihn referiert – und ihm ein Merkmal zugeschrieben – von ihm etwas prädiziert – wird.
3) Illokutionärer Akt - die Handlung mit der ein Behaupten, Erfragen, Befehlen, Versprechen
usw. ausgeführt wird.
4) Perlokutionärer Akt – die Handlung mit der eine bestimmte Wirkung beim Adressaten
erreicht wird, d.h. ein Überzeugen, Umstimmen, Einschüchtern, Beleidigen usw.
Beispiele:

(1) Brutus tötete Cäsar.

(2) Tötete Brutus Cäsar?

(3) Brutus killed Caesar.

(4) Did Brutus kill Caesar?

i. Äußerungsakt: (1) ≠ (2) ≠ (3) ≠ (4)

ii. Propositionaler Akt: (1) = (2) = (3) = (4)

iii. Illokutionärer Akt: (1), (3): Behaupten, (2), (4): Fragen

iv. Perlokutionärer Akt: (1), (3): Überzeugen, (2), (4): Hervorrufen einer Antwort

Klassifikation von Sprechakten:

 Klassifikation von illokutionären Sprechakten nach Searle (Illokutionstypen):

Assertive Sprechakte (Assertiva, Assertive...) – Der Sprecher möchte einen Sachverhalt darstellen,
seinen Gesprächspartner informieren: Behaupten, Feststellen, Vermuten…

Direktive Sprechakte – Der Sprecher möchte seinen Gesprächspartner zu einem bestimmten Verhalten
bewegen: Auffordern, Befehlen, Warnen, Empfehlen, Fragen, Bitten, Einladen…
Kommissive Sprechakte – Der Sprecher verpflichtet sich zu einem bestimmten Verhalten: Versprechen,
Drohen, Garantieren…

Expressive Sprechakte – Der Sprecher thematisiert die eigenen Gefühle – Danken, Bedauern,
Gratulieren, Sich-Entschuldigen…

Deklarative Sprechakte – Der Sprecher stellt mit seinem Sprechakt einen bestimmten Zustand her –
Taufen, Kündigen, Ernennen, Verbieten, Verurteilen...

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