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 Politik Trügerische Stabilität in Jordanien: Der offene Streit in der Königsfamilie ist ein Alarmsignal

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Trügerische Stabilität in Jordanien 10.04.2021, 09:47 Uhr
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Der offene Streit in der Königsfamilie ist ein
Alarmsignal
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Die innenpolitischen Spannungen sind stark ­ dabei will Jordanien am Wochenende feiern: 100
Produktentwicklungen
Jahre eines eigentlich lebensunfähigen Staates. Eine Analyse. 
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Bessere Zeiten: König Abdullah II mit seiner Frau Rania 2009 beim 10. Thronjubiläum. FOTO: PICTURE­ALLIANCE/ DPA

So hatte sich wohl kein Zeremonienmeister das Jubiläum vorgestellt: Pünktlich
Meistgelesen
zum Auftakt der Feierlichkeiten zu 100 Jahren Existenz eines eigenständigen


Gebildes auf dem Territorium des heutigen Jordaniens, haben sich König Wegen Kritik an
Berater­Tätigkeit
Abdallah II. und sein Halbbruder Hamza öffentlich bekriegt, von Putsch ist die
CDU­Politiker Pfeiffer
Rede und mehrere hochrangige Personen wurden festgenommen. tritt zurück und
erhebt...
Das Video, das der 41jährige Hamza diese Woche über eine
Das Video, das der 41jährige Hamza diese Woche über eine


Satellitenverbindung aus seinem Palast in Amman der britischen BBC „Mehrheit setzt auf
späte Reisen im...
zuspielte, ist dramatisch: Er stehe mitsamt seinen kleinen Kindern unter Buchungen für
Hausarrest, dürfe nicht twittern oder kommunizieren, seine Sicherheitsleute Sommer brechen stark
ein
seien abgezogen. Doch nicht er sei verantwortlich „für den Zusammenbruch der


Governance, die Korruption, die Inkompetenz, sie seit 15 , 20 Jahren jedes Russischer Impfstoff
Jahr schlimmer wird.“ Wofür er unmissverständlich seinen Halbbruder, König Sputnik wird zur
Abdallah verantwortlich macht, der seit 1999 an der Macht ist und ihn 2004 als Hoffnung
Deutschlands
Kronprinz absetzte. hochgeredet...


Ein derartiger öffentlicher Schlagabtausch und das massive Vorgehen der Ausgangssperren,
Schulen, Kontakte
Sicherheitskräfte gegen ein Mitglied der Königsfamilie sind absolut einmalig in
Das steht im
der jüngeren Geschichte Jordaniens, das vom Westen wegen seiner Stabilität Gesetzentwurf für die
in einer politisch äußerst instabilen Region geliebt und gepampert wird. bundesweite...

Bei innenpolitischen Spannungen schaut der Westen gerne weg

Doch pünktlich zum 11. April, der einmalig zum Feiertag ausgerufen wurde,
sind die innenpolitische Spannungen durch diesen Bruderzwist öffentlich
geworden. Dies erinnert auch den Westen daran, das vermeintliche Ruhe nicht
immer mit Stabilität zu verwechseln ist – eine Lektion, die der Westen nach den
Aufständen und Revolutionen im sogenannten Arabischen Frühling nach
eigenen Aussagen eigentlich gelernt hatte.

[Jeden Donnerstag die wichtigsten Entwicklungen aus Amerika direkt ins
Postfach – mit dem Newsletter "Washington Weekly" unserer USA­
Korrespondentin Juliane Schäuble. Hier geht es zur kostenlosen Anmeldung.]

Und in Jordanien, das immer als besonders West­affines Musterländle
gepriesen wird, wachsen Wirtschaftskrise und Korruption und werden mit
stärkerer geheimdienstlicher Überwachung und Einschränkung der
Meinungsfreiheit beantwortet. Aber da schaut der Westen doch lieber wieder
nicht hin.

Hier scheint die Welt noch in Ordnung: Bei der Hochzeit von Prinz Hamza mit Basma
2012: König Abdallah II. mit seiner Frau Rania... FOTO: YOUSEF ALLAN / DPA

Dabei hat Jordanien eigentlich allen Grund zum Feiern. Denn niemand hätte
1921 darauf gewettet, dass dieses merkwürdige geographische Gebilde von
Großbritanniens Gnaden lange überlebt. Zu künstlich die von den
Protektoratsmächten gezogenen Grenzen – der kuriose Zacken in der Grenze
zu Saudi­Arabien wird anekdotisch mit einem Schluckauf des britischen
Premiers Churchill erklärt, als er gerade die Linie mit dem Lineal zog.
Dazu Grenzen mit Israel und Palästinensergebieten, Libanon, Syrien, Irak und
Saudi­Arabien. Kein Wasser, keine Bodenschätze, fast nur Wüste. Dafür
Putsche in den Nachbarländern, die Gründung Israels, die zur Flucht und
Vertreibung hunderttausender Palästinenser auf die andere Seite des Jordan
führte. 1967 eroberte Israel die von Jordanien administrierte Westbank, weitere
400.000 palästinensische Flüchtlinge kamen und auch die Palästinensische
Befreiungsorganisation (PLO), die sich als Staat im Staate gerierte – was
1970/71im Bürgerkrieg, dem sogenannten Schwarzen September, mündete.
Doch das Identitätsproblem Jordaniens war damit nicht gelöst.

Das Land muss jede Gelegenheit zur identitären Selbstvergewisserung
ergreifen

So ist verständlich, dass Jordanien jede Gelegenheit zum Feiern und zur
Selbstvergewisserung seiner nationalen Identität ergreift – auch wenn der 11.
April 1921 zunächst nur die Einsetzung eine Konsultativrates für das britische
Mandatsgebiet Transjordanien war – er wird als erste „arabische“ Regierung
unter dem Emir Abdullah gefeiert. Amman war ein verschlafenes Dorf, Abdullah
musste trotz der noblen Abstammung vom Propheten Mohammed zunächst im
Bahnhofsgebäude residieren – dem repräsentativsten Bau vor Ort. Am 15. Mai
1923 wurde das Emirat Transjordanien von den Briten als unabhängig
anerkannt. 1946 folgte dann die staatliche Unabhängigkeit des
Haschemitischen Königreichs Jordanien.

Ab 1952 (bis 1999) prägte der „kleine“ König Hussein das Land, der den
Spagat zwischen der Stammeskultur und dem Westen relativ gut hinbekam. Er
legte die Grundlagen für eine moderne jordanische Gesellschaft und eine
Demokratisierung durch Inklusion: Die Nationale Charta von 1989 garantiert
Presse­ und Meinungsfreiheit, freie Wahlen, Oppositionsparteien und
Gewerkschaften

Jordanien galt als Musterländle im Orient

Und so galt Jordanien zu Recht als westliches Musterländle im Orient. Und der
Deal seither lautet: Der Westen gibt Geld und Waffen – dafür vermittelt
Jordanien in der Region und nimmt Flüchtlinge aller Kriege aus Nachbarländern
auf: Palästinenser, Iraker und seit Jahren auch Hunderttausende Syrer. Eine
wirklich bewundernswerte Meisterleistung dieses kleinen Staates. Und er sorgt
für Ruhe an Israels Ostgrenze.

Dieser Deal mit dem Westen funktioniert weiter. Aber in Jordanien selbst
brodelt es innenpolitisch: Die Jugend leidet unter Massenarbeitslosigkeit, fühlt
sich ausgeschlossen vom politischen Prozess, die Korruption nimmt stetig zu.
Der Lockdown in der Corona­Pandemie war einer der härtesten weltweit.
Politische Reformen stagnieren, die Meinungsfreiheit wird massiv
eingeschränkt: Seit 2013 wurden hunderte Webseiten gesperrt, Journalisten
werden inhaftiert, das vage Anti­Terrorgesetz wird gegen Journalisten
angewandt, die eng vom Geheimdienst überwacht werden und immer öfter wird
Berichterstattung zu bestimmten Themen einfach verboten.

König Abdallahs Arabisch wurde anfangs kritisch beäugt

König Abdallah hatte es von Anfang an schwer, in die Fußstapfen seines
charismatischen Vaters zu treten: Er sprach nur schlechtes Arabisch und die
gesamte Nation verfolgte anfangs ängstlich oder lästernd die Fortschritte ihres
gesamte Nation verfolgte anfangs ängstlich oder lästernd die Fortschritte ihres
Herrschers in der Landessprache. Es war offensichtlich, dass er sich in
westlichen Zirkeln heimisch fühlte – mit den wichtigen Stämmen konnte er nie
die gleiche Beziehung aufbauen wie sein Vater. Seine Heirat mit der
Palästinenser Rania wurde zwar als politisch glückliche Alliance analysiert, kam
aber nicht überall gut an.

Prinz Hamza und seine zweite Ehefrau, die Pilotin Prinzessin Basma, bei einem
Sportevent im Wadi Rum. FOTO:KHALIL MAZRAAWI/ AFP

Und hier kommt Hamza, der älteste Sohn aus der vierten Ehe König Husseins
ins Spiel: Hamza war der Lieblingssohn König Husseins, den er „meine
Augenweide“ nannte. Dieser war aber noch zu jung als Nachfolger und so
wurde er auf Wunsch seines Vaters „nur“ Kronprinz unter seinem Halbbruder
Abdallah. Bis der ihm 2004 den Titel entzog – zugunsten seines eigenen
Sohnes. Hamza gilt als fromm und bescheiden und hat einen sehr guten Draht
zu den Stämmen. Ob ihm dabei hilft, dass er seinem noch immer verehrten
Vater Hussein wie aus dem Gesicht geschnitten ist?

Am Ende vermittelte der Onkel: Hamza schwor Loyalität

Jedenfalls hat Hamza ein offenes Ohr für die Nöte und auch die politischen
Reform­Forderungen im Land, sympathisiert offen mit ihnen – seine Kritik im
Video an den Zuständen spricht wohl vielen Jordaniern aus dem Herzen. Und
wenn er wieder anknüpfen will an die Vorbildfunktion, die Jordanien in der
Region lange hatte, dann macht er unmissverständlich klar, dass er die Arbeit
seines Vaters besser fortsetzen könne. Das ist gefährlich für Abdallah, der die
Krise dank der Vermittlung des gemeinsamen Onkels Hassan noch einmal
beilegen konnte: Hamza bekannte seine Loyalität gegenüber dem Monarchen.

Es ist verständlich, dass die USA, der Westen und die Regime in der Region
rasch König Abdallah ihre Solidarität aussprachen (nur Israels Premier
Benjamin Netanjahu schwieg) – Jordanien muss ruhig bleiben. Aber seit dem
Arabischen Frühling weißt der Westen eigentlich, dass Ruhe nicht mit
politischer Stabilität zu verwechseln ist.

Mehr zum Thema


Jordaniens Hauptstadt
Amman: Stadt der Flüchtlinge
Von Sascha Lübbe
Der ungewöhnliche öffentliche Streit im Königshaus hat die innenpolitischen
Spannungen im Lande weltweit sichtbar gemacht. Hinter den Kulissen muss
daher die viele Wirtschaftshilfe mit Forderungen verbunden werden, die
2011/12 angestoßenen politischen Reformen wie Dezentralisierung oder
proportionelles Wahlrecht für die Parlamentswahlen fortzusetzen und
wirtschaftliche Verbesserungen zu schaffen. Die jungen Jordanier könnten
ihren „Arabischen Frühling“ sonst eines Tages nachholen.

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