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Stahlbau Arbeitshilfe

31.2 Stützenstellung im Geschossbau


Eine Gemeinschaftsorganisation von
stahlerzeugenden Unternehmen und dem
Deutschen Stahlbau-Verband DSTV

STÜTZENRASTER Rechteckiges Stützenraster


Die Stützen eines Gebäudes werden im 3 Beim Stahlbau können die Deckenträger
allgemeinen nach einem Ordnungssystem verhältnismäßige große Stützweiten über- 3
gerastert. Im Rasterfeld der Stützen liegen brücken. Es stehen dann nur wenige Stützen
ein oder mehrere Deckenfelder. in der ansonsten freien Geschossfläche. Es
führt zu optimalen Konstruktionen, wenn die
Quadratisches Stützenraster leichtbelasteten Deckenträger (Träger erster
1 Sollen im Betonbau zweiachsig gespannte Ordnung), die zumeist Verbundträger sind,
Decken zu Einsatz kommen, wird ein qua- größere Stützweiten als die schwerbelasteten
dratisches Raster mit entsprechend quadrati- Unterzüge (Träger zweiter Ordnung) haben.
schen Deckenfeldern bevorzugt. Eine mas- Merkmal eines wirtschaftlichen Stahlskelett-
sive, ungegliederte Betonplatte wird bei grö- baues ist das rechteckige Stützenraster. Wirt-
ßeren Stützweiten verhältnismäßig dick und schaftliche Stützweiten für die Deckenträger 4
schwer. Zur Gewichtsersparnis kann die Platte liegen zwischen 6 und 15 m, für die Unter-
mit Hohlkörpern versehen werden oder in eine züge zwischen 6 und 12 m. Der Abstand der
dünne Platte mit unterstützenden Rippen auf- Deckenträger untereinander beträgt dabei
gelöst werden. zwischen 2 und 6 m. Die farbig gekennzeich-
neten Flächen in den Bildern 3 und 4 verdeut-
lichen die von den Stützen bei weiter und
enger Stellung zu tragenden Deckenflächen.
1 4 Die hohe Tragfähigkeit von Stahlprofilen
ermöglicht sehr schlanke Stützen. Das ist
vorallem im Aussenwandbereich von Vorteil. 5
Der Querschnitt der Stützen wird besonders
klein, wenn der Abstand der Stützen dem
Abstand der Deckenträger entspricht. In
diesem Bereich wird dann der Unterzug als
tragendes Bauteil eingespart.

Abweichende Rasterteilung
2 Die Lage der Deckenträger muss mit der Lage
der Stützen nicht übereinstimmen.
6
5 In diesem Beispiel liegt jeder dritte Decken-
träger in der Stützenachse

6 Die Deckenträgerachse kann man auch


aus der Stützenachse herausrücken. Dabei
ist von Vorteil, dass neben den Stützen (in
Deckenträgerrichtung) Raum für vertikale
Installationsschächte bleibt. Für das Stahl-
skelett ergeben sich konstruktive Verein-
fachungen, da der Anschluss Deckenträger
7
2 Die gleiche Stützenanordnung ist bei einem an Stütze entfällt.
Stahlskelettbau möglich. Dabei werden die
quadratischen Deckenfelder in langgestreckte Dreieckige Stützenraster
Deckenelemente bestehend aus quergespann- 7 Die Stützen müssen nicht in beiden Rich-
ter Deckenplatte auf Deckenträgern aufgelöst. tungen im Raster stehen. In der Unterzugs-
Die Deckenträger (Träger erster Ordnung) ge- flucht können sie beliebig aufgeteilt werden.
ben ihre Lasten an Unterzüge (Träger zweiter Dadurch ergibt sich eine große Freiheit in
Ordnung) ab. Deckenträger und Unterzüge der Wahl der Stützenstellung, z. B. als drei-
haben gleiche Spannweiten. Diese Konstruk- eckiges Stützenraster. Das typische Element
tion stellt im Stahlbau jedoch nicht die opti- der Deckenkonstruktion eines Stahlbaues ist
male Lösung dar. das schmale, langgestreckte Deckenfeld.
Stahlbau Arbeitshilfe 31.2 Stützenstellung im Geschossbau

15 Bei Gebäuden mit einem zentralen Kern


ergeben sich meist breite, frei disponierbare
8 10 Räume ohne Innenstützen zwischen den
Außenwänden und dem Kern. Es sind z. B.
1 Grossräume möglich oder eine kleinräumige
l1 Grundriss-Unterteilung mit einem Erschlie-
1 = Träger erster Ordnung
2 = Träger zweiter Ordnung 2 ßungsgang am Kern.
3 = Träger dritter Ordnung l2
Literatur
11 • W. Schulz: Ein- und Mehrgeschossbauten,
9
1 Stahlbau Handbuch Teil 2,
zweite Auflage 1985,
1 2 3 Stahlbau-Verlagsgesellschaft, Düsseldorf
• Kindmann, Krahwinkel: Stahl- und Verbund-
konstruktionen, Teubner-Verlag, Stuttgart
• Stahlbau-Arbeitshilfe 31.3

WEG DER LAST ZUR STÜTZE KONSTRUKTIVE HÖHE DER DECKE


Allgemein lässt sich sagen, dass ein Tragwerk Aus der lichten Geschosshöhe konstruktiv
um so wirtschaftlicher wird, je kürzer die erforderlichen Bauhöhe der Decke ergibt sich
Wege sind, auf denen die Lasten zum Erd- die Geschosshöhe. Die Deckenhöhe wird vor 12
boden abgeleitet werden und je kleiner die allem bestimmt von
Anzahl der Bauelemente ist, die am Last- • dem Installationsgrad des Gebäudes und
abtrag beteiligt sind. • der Ausführung des Deckentragwerkes.

Deckentragwerk ohne Stahlträger Die Ausführung des Deckentragwerkes ergibt


8 Die trägerlose massive Platte leitet die sich im wesentlichen 13
Lasten auf dem kürzesten Weg unmittelbar in • aus der Spannweite und der Belastung der
die Stützen. Bei größeren Stützweiten wird Träger
die Massivplatte jedoch zu schwer, so dass • und aus der Anordnung der Träger in einer
sich diese Konstruktion für eine in beide Rich- Höhenlage (oberkantebündig) oder in
tungen enge Stützenstellung eignet. Proble- mehreren Ebenen (gestapelt) übereinander.
matisch ist in der Regel auch der Anschluss Stahlträger und Installation müssen nicht in
der Decke an die Stützen getrennten Höhenzonen liegen, sondern
können sich raum- und kostensparend durch- 14
Deckentragwerk mit einer Trägerlage dringen. (siehe Arbeitsblatt 21.2)
9 Die Deckenträger (Träger erster Ordnung)
werden unmittelbar von den Stützen getragen. ANORDNUNG DER INNENSTÜTZEN
Der Weg der Kräfte ist kurz und die Konstruk- Die Eigenschaft eines Stahlbaues, große
tion damit wirtschaftlich. Der Raster des Stützweiten leicht und wirtschaftlich über-
Grundrisses setzt sich aus länglichen Recht- spannen zu können, führt zu folgenden Alter-
ecken zusammen, daher haben die Stützen nativen der Anordnung der Innenstützen:
in der einen Richtung einen großen, in der 12 Zweihüftige Gebäude (Raum, Flur, Raum)
anderen einen sehr engen Abstand. können bei einer Gebäudebreite von 10 bis 15
12 m stützenfrei überspannt werden, so
Deckentragwerk mit zwei Trägerlagen dass statt einer kleinteiligen Aufteilung der
10 Bei einem weiten Stützenabstand in beide Geschossflächen auch gebäudebreite Gross-
Richtungen werden die Lasten der Decken- räume möglich sind. Bei Stützweiten über
träger (Träger erster Ordnung) durch zusätz- 15 m werden die Deckenträger recht hoch,
liche Tragelemente, die Unterzüge (Träger um ihre Durchbiegung und die Schwingung
zweiter Ordnung), zu den Stützen weiterge- der Decke in Grenzen zu halten.
leitet. Die Kräfte haben einen weiteren Weg
zurückzulegen als bei Beispiel 9. Die Stütz- 13 Bei breiteren zweihüftigen Gebäuden ist
weite der Deckenträger l1 sollte größer sein es nicht erforderlich, beiderseits des Flurs eine
als die der Unterzüge l2. Stützenreihe zu stellen, sondern es genügt eine
4. überarbeitete Auflage 3/00

Reihe an einer Seite mit ungleichen Decken-


Deckentragwerk mit drei Trägerlagen spannweiten. Sohnstraße 65 · 40237 Düsseldorf
11 Bei sehr großen Stützweiten werden die Postfach 10 48 42 · 40039 Düsseldorf
Lasten der Unterzüge nochmals durch Haupt- 14 Erst bei sehr breiten dreihüftigen Gebäu- Telefon (02 11) 67 07-828
träger (Träger dritter Ordnung) abgefangen den mit 2 Fluren und einer Innenzone ist die Telefax (02 11) 67 07-829
und erst von diesen an die Stützen abgegeben. Anordnung von zwei inneren Stützenreihen Internet: www.bauen-mit-stahl.de
Der Weg der Kraft ist lang. wirtschaftlich. E-Mail: zentrale@bauen-mit-stahl.de

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