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3.

 DAS DEUTSCHE VOKALSYSTEM


Система немецких гласных

SCHWERPUNKTE FÜR DIE DISKUSSION


3.1. Systematisierung der deutschen Vokalphoneme
систематизация/классификация немецких гласных фонем.
Darstellung des deutschen Vokalsystems схематическое представление
системы немецких гласных
3.2. Quantität und Qualität der Vokalphoneme количественность и
качество гласных фонем
3.3. Distinktive Merkmale deutscher Phoneme дистинктивные
признаки немецких гласных фонем

Schlüsselwörter: Vokalphonem, Vokalsystem, distinktives Merkmal


дистинктивный признак, Quantität количественность , Qualität качество,
phonologische Opposition фонологическая оппозиция

3.1. Systematisierung der deutschen Vokalphoneme. Darstellung des


deutschen Vokalsystems

In der Phonetik stehen die Vokale гласные den Konsonanten согласные


gegenüber противопоставлены. Bei der Bildung der Konsonanten stellen sich dem
Luftstrom verschiedene Hindernisse препятствия/преграды in den Weg. Die
Konsonanten entstehen bei der Überwindung преодоление dieser Hindernisse, z.B.:
[p], [b], [f], [v]. Deshalb bezeichnet man die Konsonanten als „Hemmlaute“
(буквально: звуки препятствия).
Und wie entstehen die Vokale? Trifft (встречать) der Luftstrom bei der
Vokalbildung ein Hindernis? Vokale sind reine Stimmlaute (чистые голосовые
звуки) Bei ihrer Hervorbringung (произнесение) streift (скользит) der Luftstrom
durch verschieden geformte Resonatoren der Rachen und Mundhöhle, ohne auf ein
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Hindernis zu stoßen (не наталкиваясь на преграды). Der Unterkiefer, die Lippen,
die Zunge, das Gaumensegel mit dem Zäpfchen können die Form und die Größe der
Resonanzräume modifizieren, was für die Vokalbildung wichtig ist.
Die Vokale unterscheiden sich voneinander durch die verschiedenen Stellungen
der Sprechorgane bei ihrer Bildung.
Also, das deutsche Vokalsystem ist ziemlich kompliziert. Es besteht aus 18
Phonemen, darunter 15 Vokale sind Monophtonge монофтонги (d.h. Vokale mit
stabiler Artikulation) und 3 Diphtonge (d.h. Vokale mit gleitender скользящая
Artikulation) (s. Abb. 1).
Nach der Zungenstellung положение языка teilt man die Vokale in folgende
Gruppen ein:
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i: у: u:

i γ υ
C e: ø: o: D

εε‫ ׃‬œ
ɔ

a a:

Abb. 1. Dreieck der deutschen Vokalphoneme (nach R.R.Kaspranskij 1976:30)


Треугольник немецких гласных фонем (по классификации Каспранского)
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1) Vokale der vorderen Reihe гласные переднего ряда, bei deren
Aussprache die Zunge vorgeschoben wird продвигается вперед (dazu gehören:
([i:], [γ], [y:], [i], [e:], [ε:], [ø:], [oe])
2) Vokale der mittleren Reihe гласные среднего ряда, bei deren Aussprache
die Zunge flach im Munde liegt und nur ein wenig in ihrem mittleren Teil gehoben
ist (dazu gehören [a], [a:])
3) Vokale der hinteren Reihe гласные заднего ряда, bei deren Aussprache
die Zunge nach hinten geschoben wird (dazu gehören [u:], [v], [o:], [ɔ]
Nach dem Grad der Zungenhebung по степени подъема языка unterscheidet
man:
1) die Vokale der tiefen (= niedrigen) Zungenhebung гласные нижнего
подъема ([a:], [а])
2) die Vokale der mittleren Zungenhebung гласные среднего подъема ([e:],
[ε], [ε:], [ø], [æ], [o], [ɔ])
3) die Vokale der hohen Zungenhebung гласные верхнего подъема ( [і:], [i],
[y:], [γ], [u:], [υ])
Nach der Lippenstellung положение губ unterscheidet man
1) labialisierte (runde, gerundete) Vokale лабиализованные/огубленные
гласные, deren Artikulation durch energische Rundung und Vorstülpen der Lippen
gekennzeichnet wird. Dazu gehören die Vokale der hinteren Reihe ([u:], [υ], [o:],
[ɔ]) und ein Teil der Vokale der vorderen Reihe ([y:], [γ], [ø:], [œ])
2) nicht labialisierte Vokale (nicht runde, ungerundete)
нелабиализованные/неогубленные/неокругленные гласные ([a], [a:],
[ε],[ε:],[e:], [i], [i:]).
Nach der Vokaldauer долгота звучания гласного (oder Quantität
количественность) zerfallen bekanntlich die deutschen Vokale in
1) 8 lange Vokale ([i:], [y:], [e:], [ε:], [ø:], [a:], [o:], [u:])
2) 7 kurze Vokale ([i], [ γ], [œ], [ε], [a], [ɔ], [υ]
Die Vokaldauer (=Quantität) ist im Deutschen mit der Qualität (= качество)
verbunden. Lange долгие Vokale sind geschlossen закрытые (ausgenommen за
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исключением) [a:], [e:]), kurze краткиеVokale – offen открытые. Zwei Vokale
[a:], [ε:] sind lang und offen. Die Vokale mit dem größten Hebungsgrad (с
наибольшей степенью подъема языка) der Zunge weisen zugleich
(=одновременно) die kleinste Öffnungsweite (= наименьшую степень
открытости полости рта) auf. (=обнаруживают). Öffnungsweite nimmt bis zu
den [a]-Lauten (= в направлении к гласным а/а) (см. схему треугольника) zu
(=возрастает/увеличивается), d.h. kurzes [i] -Phonem (краткая фонема [i] ) ist
also in Bezug (по сравнению с долгой) auf langes [i:] offener (является более
открытой); desgleichen (=соответственно) [ε:] in Bezug auf [e:] usw. Zugleich
(одновременно) wird der jeweils geschlossenere Vokal (более закрытый
гласный) mit höherer Spannung der Zunge gebildet (образуется при большем
напряжении языка), was besonders deutlich zwischen [e:]-[ε] und [o:]-[ɔ] zu
bemerken ist (что особенно отчетливо заметно при сравнении [e:]-[ε] и [o:]-[ɔ]
). Deshalb kann der Eigenschaft (свойству) „geschlossen“ auch die Eigenschaft
„gespannt“ und der Eigenschaft „offen“ die Eigenschaft „ungespannt“ zugeordnet
werden (=присуще).
Also, zu den gespannten (geschlossenen) Langvokalen gehören [i:], [e:], [u:], [o:],
[y:], [ø:], und zu den ungespannten (offenen ) Kurzvokalen – [i], [ɔ], [ν], [ε], [γ],
[œ].
Die Diphthonge passen nicht (не входят) in das Schema (в схему) der
Monophthonge, weil die Zungenlage bei ihrer Artikulation nicht konstant ist. So, z.
B.: bei der Bildung des Diphthongs [ae] gleitet (скользит) die Zunge von einer
mittleren [a]-Lage zu einer vorderen [e]-Lage. Dabei kann keine strenge Grenze
zwischen den Bestandteilen des Diphthongs gezogen werden.
Einige Phonetiker (G. Meinhold, E. Stock, O. Zacher) meinen, dass dieses
Vokaldreieck die realen phonetischen Verhältnisse nicht ganz genau, sondern
leicht vergröbert (грубовато/приблизительно) darstellt (представляет). Es (он,
т.е треугольник гласных) stellt die eigentliche Zungenhebung bei der
Hervorbringung der Vokale (при произнесении гласных) nur schematisch
(схематично) und bei weitem nicht genau dar. Darin fehlt auch der Murmelvokal
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[ə]. Genaue Messungen an Röntgenaufnahmen zeigen, dass die deutschen Vokale
eher eine unregelmäßige Figur bilden, so etwa ein Viereck (Vokaltrapez)
(s.  Abb. 2).

3.2. Quantität und Qualität der Vokalphoneme


Die phonologische Bewertung (фонологическая оценка) von Quantität und
Qualität der deutschen Vokale ist strittig спорной Es gibt Fälle, in denen die
Quantität (Vokaldauer) den Vorrang hat (играет ведущую роль), jedoch (но и)
besitzt auch die Qualität distinktive Funktion. Bekanntlich unterscheidet man im
deutschen Vokalsystem nach dem Qualitätsmerkmal (по качественному
признаку) gespannte und ungespannte Vokale. Gespannte Vokale werden mit
höherem artikulatorischen Spannungsgrad der Sprechorgane gebildet, als die
ungespannten Vokale. Zu den gespannten Vokalen gehören [i:], [e:], [o:], [u:], [y:],
[ø:], zu den ungespannten Vokalen – [i], [ɔ], [υ], [ε], [γ].
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ø:
ε
ɔ
ε: œ

Abb. 2 Vokaltrapez der deutschen Monophthonge

Трапеция немецких монофтонгов


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Dem qualitativen Unterschied (= качественному различию) zwischen den
gespannten und ungespannten Vokalen entspricht (соответствует) ein
quantitativer Unterschied. (количественное различие) Die gespannten Vokale
sind im allgemeinen Langvokale; Ausnahme macht (= исключение составляет)
der ungespannte Langvokale [ε:]. Deshalb ist bei der Distinktion (для
разграничения) [ε:] – [e:] die Quantität (Vokaldauer) irrelevant
(нерелевантно/несущественно), die Qualität aber, also der Unterschied zwischen
gespannt und ungespannt, relevant (= существенно/релевантно), vgl.: Ehre –
Ähre; gebe – gäbe.
Andererseits wird die Distinktion zwischen dem ungespannten Kurzvokal [ε]
und dem ungespannten Langvokal [ε:] bei qualitativer Identität durch die
verschiedenen Quantität gewährleistet (достигается), vgl.: stellen – stählen.
Distinktiv wirkt (действует) auch die Quantität bei [a] – [a:], vgl.: Stadt –
Staat/. Allerdings (все же) ist die Quantität der Langvokale nicht in allen Fällen im
Deutschen stabil. In unbetonten Silben (безударные слоги) besteht (существует)
die Tendenz zur Kürzung (кратность). Andererseits kommt es in Ausnahmefällen
vor, dass Kurzvokale unter Akzent (под ударением) gedehnt werden
(произносятся протяженно). So, kann überrascht (в состоянии удивления) der
Mensch das Fragewort „was?“ ausgedehnt aussprechen, so etwa „w-a-a-a-s?“/.
Außerdem gibt es Vokalpositionen, die zur Längung (долго произносить) des
Kurzvokals disponieren (склонны) / z.B.: vor [r] im Silbenauslaut (в конце слога)
wie in stark, Berg, borgt/. Zusammenfassend (обобщая) lässt sich feststellen, dass
im Deutschen die phonologische Relevanz (фонологическая значимость)der
Quantität klar ersichtlich(четко видна) ist; der Qualitätsunterschied jedoch zu
mindestens für die Opposition [e: ]- [ε:] seine Bedeutung behält (имеет место в
случае….). Demzufolge ist das Merkmal „gespannt/ungespannt“ zusammen mit
„lang/kurz“ im Inventar der distinktiven Merkmale enthalten.

3.3. Distinktive Merkmale deutscher Phoneme


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Bekanntlich hat Trubetzkoy in die Lautbetrachtung die Oppositionstheorie
eingeführt. Er schrieb: „Schallgegensätze, die in der betreffenden Sprache die
intellektuelle Bedeutung zweier Wörter differenzieren können, nennen wir
phonologische Oppositionen“. Russisch heißt das so: „Звуковые
противоположения, которые могут дифференцировать значения двух слов
данного языка, мы называем фонологическими оппозициями“) („Grundzüge
der Phonologie“, Moskau, 1960, S. 38). So bilden z.B. [o:] und [i:] eine
phonologische Opposition, weil sie im Deutschen bedeutungsunterscheidend
wirken. Vgl. Rose – Riese.
Danach konnte Trubetzkoy bestimmen, dass ein Merkmal distinktiv ist, wenn
es einem anderen Merkmal gegenübergestellt wird und mit diesem eine
phonologische Opposition bildet.
Die Versuche, ein für alle Sprachen der Erde ausreichendes Inventar von
distinktiven Merkmalen aufzustellen, haben bisher nicht zu endgültigem Resultat
geführt.
Strittig ist bis heute, ob man ein grundsätzlich von akustischen Ermittlungen
abgebildetes Merkmalinventar wählte oder ein Inventar, das auf den
artikulatorischen Kennzeichnungen der Lautproduktion beruht oder schließlich
auch eine Mischung aus beiden Möglichkeiten. Viele Phonetiker, darunter
Meinhold, Stock, Sinder, Zacher, Kaspranskij neigen sich zu einem gemischten
Merkmalinventar.
O. Zacher unterscheidet im deutschen Vokalismus 5 phonologisch
wesentliche Merkmale (фонологически релевантных/существенных признака)
Das sind:
1) lang/kurz
Dieses quantitative Merkmal dient zur Distinktion (служит для
разграничения) von [a] -[a:] (vgl.: Stadt-Staat) und [ε]- [ε:] (vgl.: stellen-stählen).
Es wurde oben schon unterstrichen, dass dieses Merkmal mit dem Merkmal
„gespannt“ (bzw. geschlossen) und „ungespannt“ (bzw. offen) korrespondiert (=
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коррелирует/обнаруживает взаимосвязь) und somit das zweite phonologisch
wesentliche Merkmal bildet.
2) geschlossen lang/offen kurz
Durch dieses Merkmal sind 6 Oppositionspaare differenziert z.B.: (das) Mus
[mu:s] – muss [mυs]
3) Das nächste phonologisch wesentliche Merkmal „gerundet – ungerundet“
drückt Labialität / Nichtlabialität einiger Vokale aus. Es dient zur Unterscheidung
der Glieder der Oppositionspaare wie z.B.: lesen-lösen
4) Durch das Merkmal „gleitend/nicht gleitend“
(скользящий/нескользящий) können voneinander Diphthonge und ähnlich
klingende Monophthonge unterschieden werden, vgl.:
kein – Kahn Beute – Boote
5) kompakt/diffus (компактный/диффузный)
Die vokalischen Oppositionspaare entstehen hier durch verschiedene
Resonanzräume (oder Resonatoren). Die Resonanzräume können von 3 Arten sein:
a) der vordere Mundraum; b) der hintere Mundraum zusammen mit dem
Rachenraum; c) die Vereinigung der beiden ersten. Diese Resonanzräume besitzen
verschiedene Eigentöne. Das Merkmal kompakt/diffus ist besonders merkbar (=
особенно заметный) bei den Oppositionspaaren [a:]-[i:] und [a]- [i]. Das
Merkmal kompakt entsteht dadurch, dass die Eigentöne (собственные
тоны/звучания) eines Vokals eng (kompakt) beieinander liegen. Z.B. beim
Langvokal [a:] liegen drei Eigentöne nicht weit voneinander, vgl.: a) 600-800 Hz
(герц); b) 960-1200 Hz; c) 1792-2012 Hz. Dagegen (напротив/однако) gibt es
einen großen Unterschied zwischen den Eigentönen des diffusen deutschen [i:],
vgl.: a) 220-360; b) 1100-1320; c) 3040-3400 Hz.
Wenn man für die Vokalphoneme des weiteren (в дальнейшем) voraussetzt
(предположить), dass die Kennzeichnung (знак) [+] das Vorhandensein
(наличие) des betreffenden (соответствующего) Merkmals für dieses Phonem
bedeutet und die Kennzeichnung [-] dagegen das Nichtvorhandensein
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(отсутствие) , so reicht die weiter angegebene Merkmalsmatrix (матрица
признаков) aus (s. Tabelle 1).
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Tabelle 1. Merkmalsmatrix der deutschen Vokalphoneme

Phoneme а: a i: i e: ε ε: y: γ ø: œ u: u o:
distinktive ә

Merkmale
hoch – – + + – – – + + – – + + – –
niedrig + + – – – – – – – – – – – – –
vorn – – + + + + + + + + + – – – –
hinten – – – – – – – – – – – + + + +
rund – – – – – – – + + + + + + + +
gespannt 0 0 + – + – – + – + – + – + –
lang + – + – + – + + – + – + – + –

0 – das Merkmal kommt für dieses Phonem nicht in Frage


Знак 0 означает, что для данной фонемы этот признак несущественный
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Fragen und Aufgaben zur Selbstkontrolle


1. Wie viele Vokale gibt es in der deutschen Sprache?
2. Nach welchen Merkmalen werden die deutschen Vokale klassifiziert?
3. Welche Merkmale erweisen sich im deutschen Vokalsystem als
phonologisch wesentliche?
4. Welche Lauteigenschaften wirken in den nachstehenden Oppositionspaaren
differenzierend? Какие признаки в ниже приведенных парах оппозиций
являются дифференциальными?
Tier – Teer Stiel – Stuhl
Biene – Bühne spülen – spulen
quellen – quälen Miete – Mitte
kaum – kam Beet – Bett
5. In welchen Fällen ist die Quantität der Langvokale im Deutschen nicht
stabil? Führen Sie die Beispiele an.
6. Charakterisieren Sie anhand der Tabelle 1 die distinktiven Merkmale

folgender deutscher Vokalphoneme: [i:], [a], [e:], [y:], [ɛ], [ø:].

7. Beschreiben Sie anhand des Vokaldreiecks alle Klassifizierungsmerkmale


der Vokalphoneme [e:], [u:]. Опишите, используя треугольник гласных фонем
все классификационные признаки гласных фонем [e:], [u:].
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