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1.

Wieder zu Hause

s n
l

-
Heute Nachmittag bin ich am Flughafen von Palermo-
Punta Raisi gelandet. Mein Bruder Alfredo stand vor dem
Ausgang. Er trug einen schwarzen Smoking und eine
weinrote Krawatte.
Eigentlich wollten wir zusammen von Frankfurt nach
Palermo fliegen , aber am Ende kam alles anders. Alfredo
hatte mal wieder kei ne Zeit. Er musste kurzfristig nach
Schanghai fliegen, wegen seiner Arbeit. Also habe ich ein
paar Tage in Alfredos Wohnung in Frankfurt verbracht
und bin dann alleine, nach Palermo geflogen .
„Ciao, Dino! ", rief er und winkte. Wir umarmten uns.
„Wie war dein Flug?", fragte er. „In Ordnung", sagte ich.
„Ein bisschen rumpelig."
„ 1st das dein ganzes Gepäck?", fragte er und zeigte auf
meinen Rollkoffer.
„ja", sagte ich undl zuckte mit den Schultern. „Das ist
alles, was ich besitze."
Alfredo schaute auf die Uhr und sagte: „O kay. Wir 1müs-
sen los !"
„Moment! ", sagte ich. „Ich muss auf El isabeth warten."
„Was?", sagte Alfredo. „Wer ist Eli sabeth?"
„Meine „. eine Freund in", sagte ich. „Sie kommt um
halb vier mit einer Maschine aus London Heathrow."
Alfredo zupfte nervös an seiner Krawatte. „Die Hochzeit
ist in weniger als einer Stunde!", sagte er. „Wi r haben
keine Ze it! "
„Keine
. sorge.'" , sagte ich. „Ih r heiratet in unserem
Garten, oder ?"
Alfredo nickte. „ Na also!", sagte ich. 11 Das ist nu r ein
Katzensprung. Komm, wir gehen einen Kaffee tr inken! "
„Nun gut „ .'\ sagte Alfredo und seufzte. „Aber wenn ich
zu spät komme, ist es deine Schuld!"
Wi r gingen zu einem kleinen Stehcafe und bestellten
zwei überteuerte Espressos . „Es ist schön, wieder zu
Hause zu sein ", sagte ich und schaute durch ein großes
Fenster auf die Landebahn.
„Ja", sagte Alfredo. „Es hat sich nicht viel ve rändert."
„Wie geht e,s Mama und Papa?", fragte ich.
Alfredo hob seine Augenbrauen . 11 G ut", sagte er. „Dafü r,
d ass ... "
~" . h
11 D ass was . , sagte 1c .

„Na ja, sie sind alt geworden", sagte Alfredo. 11 Papa hat
Probleme mit den Knien und Mama klagt ständig über
ihren Rücken."
Da spürte ich plötzlich einen Finger auf meiner
Schulter. Ich drehte mich um . Vor mir stand Elisabeth.
„Wa ... wie ... wo „.? ", stammelte ich.
„Freut mich auch, d ich wiederzusehen, Dino", sagt e sie
und lächelte. Sie trug ein blaues Kleid mit weißen
Punkten. Ihre langen braunen Haare hatte sie zu einem
Pferdeschwanz gebunden . 1hre grünen Augen strahlten
und ihr Lächeln machte mich schwindelig.
„Sorry", sagte ich und umarmte sie. "Ich ... ich habe
dich nicht so früh erwartet."
„Ja", sagte Eli sabeth. „Wir hatten Rückenwind ."
Alfredo räusperte sich . „Oh ", sagte ich. "Das ist übri-
gens mein Bruder, Alfredo!"
„Ciao!", sagte er und küsste El isabeth auf die Wange.
Dann kippte er se in en Espresso in einem Zug herunter
und sagte: „Auf geht's !"
Wenig später saßen wi r in einem schwarzen Mercedes
und fuhren an der Küste entlang. Das Mittelmeer glit-
zerte in der Nachmittagssonne. Der Himmel war blau
und wolkenlos. Alfredo saß am Steuer, Eli sabeth und ich
auf der Rückbank.
„Warst du schon einmal auf Sizi lien?", fragte ich.
Elisabeth schüttelte ihren Kopf. „ Ich habe vor vielen
Jahren einmal als Au-pair-Mädchen in der Toskana gear-
beitet. Aber auf Sizil ien war ich noch nie. Es ist wunder-
schön hier!'', sagte s ie. „Schön, ja „. ", sagte ich und
schaute aus dem Fenster. „Aber sehr arm ."
Wir fuhren weiter auf der Küstenstraße Richtung Osten.
Die hügeligen Gipfel der Madonien ragten am Horizont in
den Himmel.
Das Haus meiner Eltern lag am nordöstlichen Rand von
Palermo, di r,e kt am Ufer. Es war ein altes dreistöckiges
Haus mit vielen Zimmern, hohe n Decken, weiten Bal-
konen und einem großzügigen Garten.
Vor dem Haus parkten ein paar nagelneue Autos. Ich
sah einen roten Porsche, einen weißen BMW Cabrio,
einen dunkelblauen Aud i A8 und einen s ilbernen VW
Sport.
„Wessen Autos sind das?", fragte ich Alfredo.
Er parkte den Mercedes und sagte: „Ah, das sind nur
Mietwagen . Lorettas Fam il ie liebt dicke deutsche Autos."
Wir stiegen aus. Im Garten waren weiße Zelte
aufgebaut. Zwischen den Zelten sta nden Männer in
Anzüge n und Frauen in Abendkleidern. Eine kleine Live-
Band spielte Smooth-Jazz.
„Entschuldigt mich bitte!", sagte Alfredo und ließ El isa-
beth und mich allein . Wir standen auf der Stelle und
beobachteten die Hochzeitsgäste.
„Kennst du al l die Leute?", flüsterte El isabeth.
Ich schaute mich um und schüttelte den Kopf. „Ich
glaube, die meisten Gäste sind Freunde und Familie aus
Ameri ka."
„Kommt Loretta auch aus Sizilien?", fragte Elisabeth.
„Ke ine Ahnung", sagte ich. „Alfredo hat sie in New York
kennengelernt. Und sie arbeitet für eine Bank. Aber das
ist ehrlich gesagt alles, was ich über s ie weiß."
„Oh Mann !", sagte El isabeth und gähnte. „Ich bin
hundemüde! Wo kann ich mich frisch machen ?"

-
heute Nachmittag: this afternoon 1 gelandet: landed 1
Bruder: brother 1 am Flughafen: at the airport 1 stand:
stood 1 vor dem Ausgang: in front of the exit 1 trug: wore 1

schwarz: black 1 Smoking: tuxedo 1 weinrot: wine-red 1

Krawatte: tie 1 eigentlich: actually 1 wollten: wanted 1


zusammen: together 1 fliegen: fly 1 alles kam anders:
everything changed 1 mal wieder: once again 1 musste:
had to 1 kurzfristig: on short notice 1 wegen: because of 1
Arbeit: work 1 also: so 1 ein paar: a couple of 1 Tage: days 1

verbracht: spent 1 dann: then 1 alleine: alone 1 rief: called 1

geflogen: flown 1 winkte: waved 1 wir umarmten uns: we


hugged each other 1 Wie war dein Flug?: H,o w was your
flight? 1 in Ordnung: alright 1 rumpelig: bumpy 1 ein
bisschen: a little bit 1 dein ganzes Gepäck: your whole
luggage 1 zeigte auf: pointed to 1 Rollkoffer: trolley case 1
zuckte mit den Schultern: shrugged 1 alles, was ich
besitze: everything 1 own 1 schaute auf: looked at 1 Uhr:
watch 1 Wir müssen los!: We gotta go! 1 Wer?: Who? 1

halb vier: half past three 1 Maschine: plane 1 zupfte: tug-


ged 1 nervös: nervously 1 Hochzeit: wedding 1 weniger
als: less than 1 eine Stunde: one hour 1 Keine Sorge!:
Don't worry! 1 ihr heiratet: you get married 1 unser Garten:
our garden 1 ••• oder?: ... right? 1 nickte: nodded 1 Na also!:
There we go. 1 nur: only 1 ein Katzensprung: a stone's
throw 1 Nun gut ... : Weil ... 1 seufzte: sighed 1wenn ich zu
spät komme ... : if l' m going to be late ... 1 deine Schuld:
your fault 1 ging: went 1 Stehcafe: coffee bar (without
seats) 1 bestellte: ordered 1 überteuert: overpriced 1 schön:
nice 1 wieder zu Hause zu sein: be back home again 1

durch: through 1 ein großes Fenster: a !arge window 1


Landebahn: runway 1 nicht viel: not much 1 verändert:
changed 1 Wie geht es Mama und Papa?: How are mom
and dad? 1 hob seine Augenbrauen: raised his eyebrows 1

Dafür, dass ... : Considering (that) ... 1 Na ja: Weil ... 1 alt

geworden: gotten old 1 Knien: knees 1 klagt über: com·


plains about 1 ständig: constantly 1 Rücken: back 1 da:
there 1 spürte: feit 1 plötzlich: suddenly 1 Finger: finger 1
Schulter: shoulder 1 Ich drehte mich um: 1 turned around
1 stammelte: stammered 1 Freut mich auch ... : l' m plea·
sed as weil. .. 1 dich wiederzusehen: to see you again 1
lächelte: smiled 1 Kleid: dress 1 Punkte: dots ! lang: long 1
Haare: hair 1 zu einem Pferdeschwanz gebunden: tied
back in a ponytail 1 Augen: eyes 1 strahlte: sparkled 1

Lächeln: smile 1 machte: made 1 schwindelig: dizzy 1 früh:


early 1 erwartet: expected 1 Rückenwind: tailwind 1 er
räusperte sich: he cleared his throat 1 übrigens: by the
way 1 küsste: kissed 1 auf die Wange: on the cheek 1 kipp-
te herunter: swigged down 1 in einem Zug: in one go 1

Auf geht's!: Let's roll! 1 wenig später: a little bit later 1


fuhr: drove 1 an der Küste entlang: along the coast
Mittelmeer: Mediterranean glitzerte: glistened
Nachmittagssonne: afternoon sun 1 Himmel: sky
wolkenlos: cloudless 1 saß: sat 1 am Steuer: at the wheel 1

auf der Rückbank: on the backseat 1 Warst du schon ein-


mal .„?: Have you ever „.? 1 schüttelte ihren Kopf: shook
her head 1 vor vielen Jahren: many years ago 1 einmal:
once 1 Au-pair-Mädchen: au pair girl 1 Toskana: Tuscany 1
noch nie: never before 1 wunderschön: wonderfully beau-
tiful 1 arm: poor 1 Küstenstraße: coastal road 1 Richtung
Osten: eastbound 1 hügelig: hilly 1 Gipfel: summits 1

ragte: jutted 1 am Horizont: on the horizon 1 Eltern:


pare1n ts 1 lag: was situated 1 nordöstlich: northeast
Rand: edge 1 direkt:: directly 1 Ufer: shore 1 dreistöckig:
three-floor 1 Zimmer: rooms 1 hohe Decken: high ceilings
1 weite Balkone: wide balconies 1 großzügig: generous 1

parkte: parked 1 nagelneu: brand-new 1 Cabrio: conver-


tible 1 dunkelblau: dark blue 1 Wessen „.?: Whose .„ ? 1

Mietwagen: rental cars ! liebt: loves 1 dick: big 1 stieg aus:


got out (of the car) 1 Zelte: tents 1 aufgebaut: put up 1
zwischen: between 1 Männer: men 1 Anzüge: suits 1

Frauen: women 1 Abendkleider: evening dresses 1 spielte:


played 1 Entschuldigt mich bitte!: Excuse me please! 1

ließ allein: left alone 1 auf der Stelle: on the spot 1


beobachtete: observed 1 Hochzeitsgäste: wedding guests
1 Kennst du „.?: Do you know „.? 1 flüsterte: whispered 1

ich schaute mich um: 1 looked arou nd 1 ich glaube: 1 be-


lieve 1 die meisten: most of the 1 Freunde: friends 1

Fam'ilie: family 1 Keine Ahnung: Not a clue. 1

kennengelernt: met 1 arbeitet für: works for 1 ehrlich


gesagt: honestly 1 alles, was ich weiß: everything 1 know 1

über sie: about her 1 gähnte: yawned 1 müde: tired 1


hundemüde: dog-tired 1 Wo kann ich ... ?: Where can 1 „.?
1 frisch machen: freshen up
Übung

1. Dino ist „. nach Palermo geflogen.

a) mit Alfredo

b) mit Elisabeth

c) alleine

2. Wann soll Elisabeth ankommen?

a) um i 6:30

b) um l 5:30

c) um 4:30

3. Aber sie hatte Rückenwind! Sie „ .

a) kommt früher an

b) kommt nicht an
c) kommt später an

4 . Dinos Eltern wohnen ...

a) in der Mitte von Palermo

b) in einem kleinen Dorf

c) am Rand von Palermo

5. Vor dem Haus parken ... Autos.

a) alite

b) nagelneue

c) billige

6. Die meisten Gäste kommen aus ...

a) Sizilien

b) Deutschland
c) Amerika

7. Elisabeth ist müde „.

a) wie ein Hund

b) wie eine Maus

c) wie ein Pferd


2. Die Hochzeit

, 1 I

-
Während El isabeth duschte, öffnete ich meinen Koffer.
Ich hatte nichts bis auf ein paar alte T-Shirts, zwei
abgenutzte Jeans und eine Regenjacke.
In dem Moment klopfte es an der Tür. 11 Ja?" 1 sagte ich.
Es war mein Onkel Vincente, ein kleiner Ma nn mit
einem rund en Bauch und einer Halbglatze. Er trug einen
tiefblauen Anzug, der ein bisschen zu eng war.
„Dino!", rief er und breitete die Arme aus.
„Onkel „. ", sagte ich. Er kam auf mich zu , fasste mei-
nen Kopf in seinen großen Hände n und sagte: „Wie viele
Jahre haben wir uns nicht gesehen ?"
Vincentes Hände rochen nach Knoblauch und
Sägespänen. Er lächelte ein breites Lächeln. Ein Gold-
zahn blitzte auf. Er nahm die Hände von meinem Kopf
und ich atmete auf.
„Warum bist du noch nicht angezogen ?", fragte er und
ze igte auf meinen Koffer.
„Ich habe nichts zum Anziehen , Onkel!", sagte ich .
„Kein Problem !", sagte er und fasste mich an der Schu l-
ter. Ich habe einen ganzen Sch rank voll ! Armani, G ucci,
11

Lage rfeld - was du willst! Welche Größe bist du ?"


Bevor ich antworten konnte, schob On kel Vincente mich
durch die Tür hinaus auf den Flur.
Als ich nach einer Wei le wieder zurückkam, fand ich
Elisabeth vor dem Spiegel. Sie trug ein langes schwarzes
Abendkleid. „Wow!", sagte ich. „Du siehst umwerfend
aus !"
Sie steckte zwei silberne Ohrringe an und sagte:
„Findest du ? Ist es nicht ein bisschen übertrieben ?"
„Auf keinen Fall!", sagte ich. „Es steht dir sehr gut."
Da drehte sie sich um. Sie musterte mich von oben bis
unten und begann plötzlich zu lachen.
. h. „was .
„Was.;l", sagte 1c ist.;l"
„ Der „. du „. ", stammelte sie und brach erneut in Ge-
lächter aus.
„Das ist Onkel Vince ntes Anzug", sagte ich zu meiner
Verteidigung. „ Er passt vielleicht nicht hundertprozentig,
aber es ist besser als nichts „."
El isabeth wischte sich eine Träne aus den Augen und
sagte: „Nicht hundertprozentig? Du siehst aus wie eine
Wurst im Schlafrock! "
Ich schaute an mir herab. Die Hosenbeine baumelten
über meinen Knöchel n. Die Ärmel des Sakkos wa ren viel
zu kurz.
„Was schlägst du vor?", sagte ich .
Sie schaute aus dem Fenster. „ Di no, wir haben keine
Zeit. Sie beginnen. Komm! "
Wir gingen in den Flur, stiegen schnell die Treppen-
stufen hinunter und traten hinaus in1den Garten.
Die Hochzeitsgäste saßen in drei Reihen auf
Plastikstühlen. Unter einem kl einen Baldachin stand
mein Bruder Alfredo neben einem katholischen Priester.
Die Band spielte den Hochzeitsmarsch.
„Dort drüben!", flüsterte El isabeth und ze igte auf zwei
freie Stühle in der Mitte der zweiten Reihe.
Während Lorettas Vater die Braut in Richtung des
Bräutigams manövrierte, drängten Elisabeth und ich uns
zwi schen den Gästen hindurch .
„ Pass doch aufl ", beschwerte sich ein älterer Herr.
„ Meine Füße! ", rief eine junge Dame.

11 0h „. Entschuldigung!", sagte ich und ließ mich neben


El isabeth auf einen Stuh l fallen .
Die Braut stand jetzt neben dem Bräutigam. Der Pries-
ter murmelte etwas. Alf redo und Loret ta gaben sich das
Jawort. Dann nahm Alfredo einen Ring und steckte ihn
an Lorettas !Finger. Die Gäste applaudierte n. Das Braut-
paar küsste sich , und die Band spielte einen flotten
Marsch.
„Ich kann es nicht glauben ", sagte ich und schüttelte
den Kopf. „Alfredo! Verheiratet!"
Die Gäste um uns herum erhoben sich von ihren Stüh-
len und stürmten das Buffet. Elisabeth und ich blieben
sitzen .
Sie wischte sich über die Augen und schluchzte.
„Sorry'\ sagte sie. „Ich hasse Hochzeiten !"
„Hier", sagtt:e ich und gab ihr ein Taschentuch , das ich
in der Hose ntasche von Vincentes Anzug gefunden
hatte.
„ Danke", sagte Elisabeth und schniefte in das Taschen-
tuch. „Du hättest mich bei der Hochzeit meiner Schwes-
ter sehen solllen . Ich habe geheult wie ein Schlosshund !"
„Ich wusste nicht, dass du eine Schwester hast", sagte
ich.
„ Na ja, Adoptivschwester. Aber s ie ist die
Lieblingstochter", sagte Elisabeth. „ Früher a kadem ischer
Abschluss, dann Hochzeit, Kinder, Karriere in der Wirt-
schaft ... verstehst du ?"
Ich nickte. „Klingt wie Alfredo ", sagte ich. „Bis auf die
K.1 nd er ... "
„Was nicht ist, kann noch werden ... ", sagte sie und
wischte mit dem Taschentuch über ihre Wangen. Nach
einer kurzen Pause sagte sie: „Kann es sein, dass das Ta-
schentuch nach Knob lauch riecht?"

wäh rend: while 1


-
duschte: showered 1 öffnete: opened 1

Koffer: suitcase 1 nichts: nothing 1 bis auf: except for 1

abgenutzt: threadba1re 1 Regenjacke: rain jacket 1 in dem


Moment: in that moment 1 klopfte an: knocked at 1 Tür:

door 1 Onkel: uncle 1 rund: round 1 Bauch: belly 1

Halbglatze: half-bald head 1 tiefblau: deep blue ~ eng:


tight 1 er breitete die Arme aus: he spread his arms 1 kam
auf mich zu: came up to me 1 fasste: grasped 1 Hände:
hands 1 Wie viele?: How many? 1 Jahre: years 1 wir haben
uns nicht gesehen: we haven't seen each other 1 roch
nach: smelled of 1 Knoblauch: garlic 1 Sägespäne: saw-
dust 1 Goldzahn: gold tooth 1 blitzte auf: flashed 1 nahm ...
von: took ... from 1 atmete auf: breathed again 1 Warum?:
Why? 1 noch nicht: not yet 1 angezogen: dressed 1 nichts
zum Anziehen: nothing to wear 1 Kein Problem!: No pro-
blem! 1 einen ganzen Schrank voll: a whole cabinet full 1

was du willst: whatever you want 1 Welche Größe bist


du?: What size are you? 1 Bevor ich antworten konnte ... :
Before 1 could answer ... 1 schob mich: shoved me 1 hin-
aus auf den Flur: out into the corridor 1 als ich wieder
zurückkam: when 1 came back again 1 nach einer Weile:
after a while 1 fand: found 1 Spiegel: mirror 1 Du siehst
umwerfend aus!: You look stunning! 1 steckte ... an: put
on ... 1 Ohrringe: earrings 1 Findest du?: You think so? 1

übertrieben: exaggerated 1 Auf keinen FaU!: Absolutely


not! 1 Es steht dir sehr gut.: lt suits you very well. 1 mus-
terte mich: examined me 1 von oben bis unten: from top
to bottom 1 begann zu lachen: started laughing 1 brach in
Gelächter aus: burst out laughing 1 erneut: again 1 zu mei-
ner Verteidig·ung: to my defense 1 passt nicht: doesn't fit 1
vielleicht: perhaps 1 hundertprozentig: one-hundred per-
cent 1 besser als nichts: better than nothing 1 wischte .. .
aus: wiped ... from 1 Träne: tear 1 du siehst aus wie ... :
you look like ... 1 Wurst im Schlafroclk: sau sage in puff pa-
stry 1 schaute an mir herab: looked down on me 1

Hosenbeine: pant legs 1 baumelte: dangled 1 Knöchel:


ankle 1 Ärmel: sleeves 1 Sakko: jacket 1 viel zu: far too 1
kurz: short 1 Was schlägst du vor?: What do you suggest?
1 stiegen hinunter: descended 1 schnell: quickly 1

Treppenstufen: stairs 1 traten hinaus in: stepped out into


1 in drei Reihen: in three rows 1 Plastikstühle: plastic
chairs 1 unter: under 1 Baldachin: ca!flopy 1 neben: next to
katholisch: Catholic Priester: priest Der
Hochzeitsmarsch: The Wedding March 1 Dort drüben!:
Over there! 1 freie Stühle: free seats 1 Mitte: center 1 Braut:
bride 1 Richtung: direction 1 Bräutigam: groom 1
man,övrierte: maneuvered 1 (wir) drängten uns hindurch:
(we) squeezed through 1 Pass doch auf!: Mind what
you're doing! 1 beschwerte sich: complained 1 Füße: feet 1

Dame: lady 1 Entschuldigung!: Sorry! 1 ließ mich auf ...


fallen: let myself fall on ... 1 jetzt: now 1 murmelte: mur-
mured 1 gaben sich das Jawort: exchanged their vows 1

applaudierte: applauded 1 Brautpaar: newlyweds 1 küsste


sich: kissed 1 flott: swift 1 Ich kann es nicht glauben.: 1
can't believe it. 1 verheiratet: married 1 um uns herum:
around us 1 erhob sich: rose 1 stürmte: stormed 1 blieb
sitzen: remained sitting 1 schluchzte: sobbed 1 ich hasse:
1 hate 1 Taschentuch: handkerchief 1 das: which 1

Hosentasche: pants pocket 1 gefunden hatte: had found 1


schniefte: sniffled 1 Du hättest mich bei „. sehen sollen:
you should have seen me at „. 1 Schwester: sister 1 ge-
heult wie ein Schlosshund: cried like a baby l Ich wusste
nicht, dass ... : 1 didn't know (that) „. 1 Adoptivschwester:
adopted sister 1 Lieblingstochter: favorite daughter 1

akademisch: academic 1 Abschluss: degree 1 Wirtschaft:


economy 1 Verstehst du?: Do you understand? 1 klingt
wie: sounds like 1 bis auf: except for 1 Was nicht ist, kann
noch werden.: Things can always change. 1 Kann es sein,
dass „.?: Could it be that „.? 1 riecht nach: smells like
Übung

1. Was hat Dino in seinem Koffer?

a) ein paar T-Sh irts, eine Jeans und zwei Anzüge

b) ein paar T-Shirts, drei Jeans und eine Regenjacke

c) ein paar T-Shirts, zwei Jeans und eine Regenjacke

2. Wer ist Vincente?

a) D inos Cousin

b) Dinos Onkel

c) Dinos Vater

3. Warum ist Dino noch nicht angezogen?

a) Er hat nichts zum Anziehen.

b) Er hat zu lange geschlafen.


c) Er hat d ie H ochzeit vergessen .

4 . Vi ncente gibt Dino ...

a) ei ne Regenj acke

b) ein T-Shirt

c) einen Anzug

5. Wa rum lacht Elisabeth?

a) Vincentes Anzug ist zu klein für Dino.

b) Vi ncentes Anzug ist zu groß für D ino.

c) Vincentes Anzug i st zu teuer für Dino.

6. Elisabeth ... Hochzeiten.

a) liebt

b) hasst
c) interessiert sich nicht für

7. Elisabeths Schwester ist „.

a) verheiratet

b) led ig

c) geschieden
3. Der Sonnenuntergang

• •
• •

-
Das Buffet war sehr umfangreich. Es gab Arancini
(frittierte Reisbällchen ), Makkaroni und Spaghetti mit
Sardinen oder Auberginen , lnvoltini alla Siciliana (si zilia-
nische Rouladen), gegrillte Thunfischfilets , Couscous,
Obstsalat und eine enorm e Auswahl von Weinen .
Elisabeth und ich saßen an einem Tisch zusammen mit
ein paar Verwandten von Loretta. Die Sonne brannte auf
unsere Köpfe und wir tranken kühlen Weißwein.
" Elisabeth biss in e in Reisbä llchen u nd sagte: "Mmh!"
„ Schmeckt es ?", sagte ich und lächelte. „ Das ist eine
si zi li anische Spezialität."
„ Ich wusste schon immer, dass die englische Küche
schlecht ist ", sagte sie und schluckte. " Aber erst jetzt
weiß ich, was ich verpasse! Gibst du mir noch einen
Schluck Wein, bitte? "
Die Band spielte eine 1nstrumenta lversion von 11 Last
Christmas", obwohl es über dreißig Grad war. Die ersten
Paar e begannen zw ischen den Palmen am Ufer zu
1

tanzen .
Ich hatte gerade mit dem Nachtisch begonnen, da hörte
ich eine Stimme. " Di no! Bambino!"
Es war meine Mutter. Sie drückte mich an ih re breite
Brust und rief: "M ein Sohn! "
Elisabeth schaute amüsiert zu. "M ama ", sagte ich.
„ Darf ich vorstellen , das ist Elisabeth. Sie ko mmt aus
England."
Meine Mutter gab ihr die Hand und setzte sich zwi-
schen Elisabeth und mich an den Tisch. „Wie geht es
dir? ", fragte ich.
„Ach ", sagte sie und lächelte. „In meinem Alter bin ich
froh , wenn ich morgens ohne Schmerzen aufwache."
„Schmerzen? ", fragte ich, und bereute es sofort. Denn
meine Mutter begann augenblicklich mit einer
detaillierten Auflistung ihrer letzten Arztbesuche.
Als sie endlich eine Pause machte, sagte Elisabeth auf
Italienisch: „Das Essen ist sehr lecker!"
„Wirklich ?", sagte meine Mutter und lächelte. „Ich weiß
nicht. Alfredo hat so einen Catering-Service bestellt. Die
Arancini sind ein bisschen zu hart, und die Pasta ist nicht
ganz al dente. Aber Sie als Ausländerin bemerken das
vielleicht nicht. Dino aber weiß sehr gut, dass meine
Arancini und meine Pasta „. "
. h B'1tte.I"
11 M ama. , sagte 1c . „
I"

In dem Moment begann die Band 11 / will sur11i11e" zu


spielen und überall erhoben sich Menschen von den
Tischen und stürmten auf die Tanzfläche am Ufer.
„Oh ", sagte Elisabeth und grinste. „Mein Lieblingslied!
Wi llst du tanzen?"
„Gerne", sagte ich und nahm Eli sabeths Hand. „Seid
vorsichtig! Es ist sehr heiß!", rief meine Mutte r uns
hinterher.
Auf dem Weg zum Ufer sagte ich zu Elisabeth. „Das ist
nicht wirklich dein Lieblings lied, oder?"
„Natürlich nicht", sagte El isabeth. Die Sonne glitzerte
auf der Wasseroberfläche wie unzählige Diamanten.
„Außerdem ist es viel zu heiß zum Tanzen! "
„Stimmt", sagte ich. „Komm, ich habe eine Idee!"
Wir gingen an der Tanzfläche vorbei und spazierte n am
Ufer entlang, bis die Musik leiser wurde. Elisabeth hielt
noch immer meine Hand.
Ich führte sie auf einen Bootssteg. Wir gingen bis ans
Ende des Stegs, zogen unsere Schuhe aus und ließen die
Füße ins Wasser baumeln.
„Als kleiner junge bin ich oft hierhergekommen ", sagte
ich. „Wenn du die Augen halb schließt, ist da kein
Unterschied mehr zwischen Himmel und M eer und alles
1

ist blau."
Elisabeth lehnte ihren Kopf zurück, schloss die Augen
und sagte: " Ich kan n kaum glauben , dass du hier aufge-
wachsen bist . Das ist w ie im Paradies hier!"
„Vielleich t ", sagte ich . „ Aber das Leben h ier ist seh r
eintönig. Die meisten Leute sind Bauern oder Fischer.
Der Tourismus ist die einzig gute Einnahmequelle."
„Kannst du dir vorstellen, eines Tages wieder
zurückzukehren ?", fragte sie.
„Ich weiß nicht", sagte ich. „Wenn ich alt, fett und reich
bin, vielleicht „."
El isabeth kicherte. Wir saßen so eine ganze Weile still
nebeneinander. Die leichten Wellen des Mittelmeers
schwappten gegen den Bootssteg. Eine kleine Brise
wehte über unsere Gesichter und die Sonne bega nn
langsam zu sinken .
„Weißt du was ?", sagte El isabeth und schaute m ich an.
„ Ich habe dich ziemlich vermisst."
Ich blickte i n ihre grünen Augen. Das goldene Licht des
Sonnenuntergangs glitzerte auf ihren Wangen. Ihre Lip-
pen glühte n korallenrot. Sie sch loss die Augen. Unsere
Ges ichter näherten sich.
Da hörten wir plötzlich einen Schrei. 11 Sa 'iduni!", rief
eine Stimme.
„Was war das? ", sagte El isabeth.
Wi r hörten es abermals. Es klarng wie eine Frauen-
stirn me. Ich stand auf. Die untergehende Sonne blendete
meine Sicht.
„Siehst du etwas?", fragte ich und legte die Hand über
meine Augen.
„Da! ", rief Elisabeth und zeigte auf das offene Meer.
11 Wo?, sagte ich. Ich kniff die Augen zusammen . Und da
sah ich es. Ein paa r Dutzend Meter vor dem Steg stand
eine Frau in einem Schlauchboot. Das Boot schien be-
reits zur Hälfte mit Wasser gefüllt.
„Sa 'iduni!", rief die Frau und ruderte mit den Armen.
Ich nahm einen Rettungsring vom Steg und schleu1derte
ihn ins Meer. Die Frau stürzte aus dem Boot und klam-
merte sich an den Ring. Das Schlauchboot füllte sich
nun völlig mit Wasser und begann zu sinken.
11 Schnell! Hol Hilfe!", sagte ich zu Elisabeth. Dann
sprang ich ins Wasser.

-
umfangreich: comprehensive 1 frittiert: deep-fried 1

Reisbällchen: rice balls 1 Sardinen: sardines 1 Auberginen:


eggplants 1 Rouladen: roulades 1 gegrillt: grilled 1
Thunfischfilets: tuna fillets 1 Obstsalat: fruit salad 1

enorm: enormous 1 Auswahl: selection 1 Weine: wines 1


Verwandte: relative 1 brannte: burned 1 trank: drank 1 kühl:
cool 1 Weißwein: white wine 1 biss: bit 1 Schmeckt es?:
Does it taste good? 1 Spezialität: specialty 1 Ich wusste
schon immer ...: 1 always knew ... 1 Küche: kitchen 1
schlecht: bad 1 schluckte: swallowed 1 erst je·t zt: only now
1 was ich verpasse: what l'm missing 1 noch einen
Schluck: another sip 1 obwohl: although 1 über: above 1

dreißig Grad: thirty degrees 1 erst: first 1 Paar: couple 1

Palme: palm tree 1 tanzen: dance 1 hatte gerade mit ...


begonnen: had just begun with ... 1 Nachtisch: dessert 1
hörte: heard 1 drückte mich an ihre Brust: pressed me to
her ehest 1 schaute zu: watched 1 amüsiert: amused 1

Darf ich vorstellen, ... : may 1 introduce ... 1 gab ihr die
Hand: shook her hand 1 setzte sich: sat down 1 Alter: age
1 froh: glad 1 wenn ich aufwache: when 1 wake up 1

morgens: in the morning 1 ohne: without 1 Schmerzen:


ach es 1 bereute: regretted 1 sofort: immediately 1 denn: be-
cause 1 augenblicklich: instantly 1 detailliert: detailed 1

Auflistung: listing ! letzte Arztbesuche: last doctor visits 1

als sie eine Pause machte ... : when she paused ... 1
endlich: finally 1 auf Italienisch: in ltalian 1 lecker: deli-
cious 1 Wirklich?: Really? 1 bestellt: ordered 1 Sie als
Ausländerin: you [fo,rmal] as a foreigner 1 bemerken: no-
tice 1 weiß sehr gut: knows very well 1 überall: everywhere
1 Tanzfläche: dance-floor 1 grinste: grinned 1 Lieblingslied:
favorite song 1 Gerne: with pleasure 1 Seid vorsichtig!: Be
careful! 1 heiß: hot 1 rief uns hinterher: shouted after us 1

auf dem Weg: on the way 1 nicht wirklich: not really 1

natürlich nicht: of course not 1 Wasseroberfläche: water


surface 1 unzählig: myriad 1 Diamanten: diamonds 1
außerdem: besides 1 Stimmt.: 1 agree. 1 Komm!: Come! 1

Idee: idea 1 an ... vorbei: past ... 1 spazierte: strolled 1 bis

die Musik leiser wurde: until the music was quieter 1


hielt: held 1 noch immer: still 1 führte: led 1 Bootssteg:
jetty 1 zogen unsere Schuhe aus: took off our shoes 1 als
kleiner Junge: as a little boy 1 hierhergekommen: come
here 1 wenn du die Augen schließt ...: if you close your
eyes ... 1 halb: half 1 kein Unterschied mehr: no difference
anymore 1 Meer: sea 1 lehnte ihren Kopf zurück: leaned
back her head 1 schloss: closed 1 kaum: barely 1
aufgewachsen: grown up 1 Paradies: paradise 1 Leben: life
1 eintönig: monotonous 1 Bauern: farmers 1 Fischer: fis-
hermen 1 einzig: only 1 Einnahmequelle: source of income
1 Kannst du dir vorstellen ... ?: Can you imagine ... ? 1 eines
Tages: one day 1 zurückzukehren: return 1 fett: fat 1 reich:

rich 1 kicherte: giggled 1 eine ganze Weile: fo r quite a


while 1 still: silently 1 nebeneinander: next to one another
1 leichte Wellen: light waves 1 schwappten: swashed 1

gegen: against 1 Brise: breeze 1 wehte: blew 1 Gesichter:


faces 1 langsam: slowly 1 sinken: sink 1 Weißt du was?:
You know what? 1 schaute mich an: looked at me 1
ziemlich: quite a bit 1 vermisst: missed 1 blickte: gazed 1

Licht: light 1 Sonnen1untergang: sunset 1 glühte: glowed 1

korallenrot: coral-red 1 näherten sich: came closer 1

Schrei: shout 1 Stimme: voice 1 abermals: once more 1

klang wie: sounded like 1 stand auf: stood up 1 blendete:


blinded 1 Blick: view 1 Siehst du etwas?: Do you see any-
thing? 1 legte: put 1 offen: open 1 kniff die Augen
zusammen: squinted 1 Dutzend: dozen 1 Schlauchboot:
dinghy 1 schien: appeared 1 bereits: already 1 zur Hälfte:
half 1 gefüllt: filled 1 ruderte mit den Armen: flailed a.bout 1
Rettungsring: lifebelt 1 schleuderte: hurled 1 stürzte: topp-
led 1 klammerte: clung 1 füllte sich: filled itself 1 nun: now
1 völlig: fully 1 Hol Hilfe!: Get help! 1 sprang: jumped
t> Übung

1. Was gibt es nicht zu essen?

a) Reisbä llchen

b) Obstsalat

c) Döner Kebap

2. Wie findet Elisabeth das Essen?

a) sehr lecker

b) sehr sch lecht

c) langweilig

3. Wie viel Grad ist es?

a) über 30 °C

b) circa 20 °C
c) unter 30 °C

4 . Dinos Mutter ist froh , wenn sie ...

a) mittags ohne Schmerzen einschläft

b) morgens ohne Schmerzen aufwacht

c) abends ohne Schmerzen einschläft

5. Wie findet Dinos Mutter das Essen?

a) sehr gut

b) sehr schlecht

c) nicht so gut

6. Wo ist die Tanzfläche?

a) im Haus

b) am Ufer
c) in einem Zelt

7. Warum gelhen Elisabeth und Dino nicht tanzen?

a) Es ist zu heiß.

b) Die Tanzfläche ist zu voll.

c) Sie haben zu viel getrunken.

8. Wohin führt Dino Elisabeth?

a) in ein Bootshaus

b) auf einen Bootssteg

c) auf ein Motorboot

9. Was bedeutet „eintönig"?

a) interessant

b) dynamisch
c) langweilig

10. Dino und Elisabeth hören plötzlich ...

a) eine Sirene

b) einen Schrei

c) laute Musik

11. Dino wirft ... ins Meer.

a) einen Rettungsring

b) ein Schlauchboot

c) eine Schwimmweste
4. Die Rettung

-
Innerhalb von wenigen Minuten war der Bootssteg vol l
mit Menschen. Sogar die Musiker der Band hatten ihre
Instrumente abgelegt und beobachteten, wie ich die Frau
an dem Rett ungsring durch das Wasser zog. Niemand
gab einen Ton von sich . A lfredo und Lorettas Vater
hievten die Frau auf den Steg. Während ich an einer Lei-
ter nach oben kletterte, brach sie auf den Holzplanken
zusammen.
Sie war nicht älter als dreißig Jahre. Ihr Gesicht war
schneeweiß, gerahmt von einem schwarzen Kopftuch .
Auf der linken Wange hatte sie eine lange Narbe. Sie trug
einen kle inen Rucksack.
11
1st irgendjemand hier ein Arzt?", rief Alfredo.
Loretta hat eine Ausbildung zur Krankenschwester",
11

sagte Lorettas Vater.


„Wirklich?", sagte Alfredo. „Seit wann ?"
„Wo ist sie?", rief ich .
Loretta drängte sich durch die Menschen. Sie trug noch
immer ihr weißes Brautkleid. „Legt s ie auf den Rücken! ",
rief sie und kniete sich neben die Frau. „Und nimm ihr
bitte den Rucksack a.b!", sagte sie zu Alfredo .
Loretta legte ihre Fi nger auf das Handgelenk der Frau
und suchte nach einem Puls. Als Alfredo begann , den
Rucksack von ihren Schultern zu entfernen, öffnete sie
plötzlich die Augen und ergriff Alfredos Hände. „No! ",
. 11 N o ta ke.I"
. f sie.
ne
11 0kay okay ... ", sagte Alfredo und hob die Hände in die
Luft. „Schon gut!" Doch die Frau sch rie weiter.
„Gebt ihr Raum !", sagte Loretta und scheuchte die
Schaulustigen mit einer Hand beiseite. „Es gibt hier
nichts zu sehen . Bitte geht zurück in den Garten!" Die
Hochzeitsgäste verließen langsam den Steg. Alfredo, Lo-
retta, ihr Vater, Elisabeth und ich blieben bei der Frau.
Die Sonne war mittlerweile vollständig untergegangen.
1m Garten meiner Eltern leuchteten ein paar Fackeln.
Auch die Band sp ielte wieder, aber niemand tanzte mehr.
Meine Kleidung war patschnass und es wurde kühler.
Elisabeth gab mir ein Handtuch. Loretta wickelte die
Frau in eine Decke.
„Wo kommen Sie her?", fragte ich d ie Frau auf Eng-
lisch.
Sie setzte sich aufrecht und sagte leise: 11 Chalab"
11 Das ist der arabische Name für Aleppo! ", sagte Elisa-
beth. 11 Eine Stadt in Syrien ... "
11 Aber was macht sie auf Sizi lien? ", sagte ich. Syrien ist
11
mehr als Tausend Ki lometer von hier entfernt!"
„Ich nehme an, sie ist von der nordafrikanischen Küste
hierherge kommen ", sagte Lorettas Vater.
„ 1n einem Schlauchboot?", sagte iclh. „Wohl kaum ."
Die Frau folgte m it ängstlich en Augen unsere r
Unterhaltung. Da sagte Elisabeth etwas zu ih r in
gebrochenem Arabisch.
Die Frau läche lte vorsichtig. El isabeth gab ihr die Hand
und s ie stand langsam auf. Alfredo und Lorettas Vater
stützten sie und wir verli eßen gemeinsam den Steg.
„ Ich wu sste nicht, dass du Arabisch sprichst", sagte ich
zu Elisabeth auf dem Rückweg zum Haus.
„I ch habe ein paar Stunden in der Un i genommen . Nur
abso lute Grundlagen .„ ", sagte s ie. „Abe r ich habe seit
langem eine Schwäche für ägyptisch e Schmonzetten."
Wi r führten d ie Frau vorbei an den verwi rrten Blicken
der Gäste in das Wohnzimmer meiner Eltern. Dort setz-
ten wi r sie auf ein Sofa und gaben ihr etwas zu trinken.
„Was machen wir jetzt m it den Gästen?", fragte Alfredo
nach einer Wei le.
„Du hast Recht!", sagte Loretta. ,, Es wäre taktlos, wenn
wir jetzt weiterfeiern ."
„Soll ich eine Ankündigung machen ?", fragte Lorettas
Vater.
„Danke, John!", sagte Alfredo. „Aber Loretta und ich
sollten es tun. Immerhin ist es unsere Hochzeit." Zu
El isabeth und m ir sagte er: „Kommt ih r hier zurecht ?"
Wir nickten. Loretta, Alfredo und John verließen das
Wohnzimmer und ließen Elisabeth und mich mit der
Frau alleine.
„Wie heißt du?", fragte ich die Frau au f Englisch. „Fa-
d iyah ", antwortete s ie.
El isabeth sagte etwas auf Arabisch und Fad iyah erzäh lte
eine Weile.
„Was hat sie gesagt?", fragte ich.
„Sie ist aus Tunesien gekommen", sagte Elisa beth. „Sie
war auf einem kle inen Schiff mit vierzig Personen. Aber
es gab ein Problem mit dem Motor. Das Schiff ist auf
einer Insel gestrandet. Ustica, richtig?"
Fad iyah nickte. „Ah", sagte ich. „Das ist eine kle ine
1nsel nördlich von Pa lermo."
„Sie sagt, die Küstenwache wollte die Menschen dort
registrieren , aber sie ist weggelaufen . Dann hat sie in
einem Laden ein kleines Schlauchboot gekauft und be-
gann, nach Sizi lien zu paddeln ", sagte Elisabeth.
„Was?", sagte ich. 11 Das ist Wahnsinn! Die Strömu1ngen
sind viel zu stark!"
Fad iyah begann wieder zu sprechen . Elisabeth
übersetzte: „Zuerst ging es gut. Aber dann wurden meine
Ar m e schwach . Es war zu heiß. Ich sah das Land vor mir,
aber das Boot fül lte sich mit Wasser. Ich betete zu Gott.
A lles schien verloren . Aber ihr habt mir das Leben
gerettet!"
„ Aber warum?", fra gte ich sie auf Englisch. „Wa rum bist

du weggelau fen? Die Küstenwache wo llte dir nur helfen !"


Fad iyah schüttelte de n Kopf und sagte in gebrochenem
Engl isch: „Ich wil l nach Deutschla nd. Mein Bruder

wohnt in München. Aber wenn die Italiener mich


registrieren , muss ich in Ita lien bleiben ."
Fad iyah gähnte. „ Sie ist erschöpft .„", sagte Eli sabeth.
Wi r brachten ihr ein paar Kleider, ein frische s Ha ndtuch,
eine Zahnbürste, Zahnpaste und zeigten ihr das
Badezimmer.
„Du kannst hier auf dem Sofa schlafen", sagte ich.
„Wenn du etwas brauchst, wi r sind oben, okay?"
El isa beth übersetzte, Fadiyah nickte und wir verließen
das Woh nzimmer.

-
Rettung: rescue 1 innerhalb: within 1 sogar: even 1

abgelegt: put down 1 zog: pulled 1 Niemand gab einen


Ton von sich.: Nobody made a sound. 1 hievte: heaved 1

Leiter: ladder 1 nach oben: up 1 kletterte: climbed 1 brach


zusammen: collapsed 1 Holzplanken: wooden planks 1

nicht älter als: not older than 1 schneeweiß: snow-white 1

gerahmt vorn: framed by 1 Kopftuch: headscarf 1 Narbe:


scar 1 Rucksack: backpack 1 irgendjemand: anyone 1 Arzt:
doctor 1 Auslbildung zur Krankenschwester: training as a
nurse 1 Seit wann?: Since when? 1 Brautkleid: wedding
dress 1 kniete sich: knelt 1 Nimm ihr den Rucksack ab!:
Take off her backpack! 1 Handgelenk: wrist 1 suchte nach:
looked for 1 entfernen: remove 1 ergriff: seized 1 in die
Luft:: into the air 1 Schon gut!: Never mind! 1 schrie weiter:
continued to shout 1 Gebt ihr Raum!: Give her some
room! 1 scheuchte beiseite: shooed aside 1 Schaulustigen:
onlookers 1 nichts zu sehen: nothing to see 1 verließ: left 1

blieben bei: stayed with 1 mittlerweile: meanwhile 1

vollständig: completely 1 untergegangen: set 1 leuclh tete:


glowed 1 Fackeln: to,r ches 1 niemand „. mehr: nobody ...
any longer 1 patschnass: soaking wet 1 es wurde kühler: it
became cooler 1 Handtuch: towel 1 wickelte: swaddled 1

Decke: blanket 1 Wo kommen Sie !her?: Where are you


from? 1 setzte sich aufrecht: sat upright 1 leise: softly 1

arabisch: Arabic 1 Stadt: city 1 Syrien: Syria 1 mehr als:


more than 1 Tausend: thousand 1 von hier entfernt: away
from here 1 Ich nehme an , ... : 1 suppose, „. 1

nordafrikanisch: North African 1 Wohl kaum!: Fat chance!


1 folgte: followed 1 ängstlich: anxious 1 Unterhaltung: con-
versation 1 gebrochen: broken 1 vorsichtig: carefully 1

stützte: supported 1 gemeinsam: together 1 auf dem


Rückweg: on the way back 1 Stunden genommen: taken
lessons 1 Grundlagen: basics 1 seit langem: for a long
time 1 Schwäche: weakness 1 ägyptisch: Egyptian 1

Schmonzetten: kitschy films 1 verwirrt: confused 1 Blicke:


glances 1 Wohnzimmer: living room 1 Du hast Recht!:
You're right! 1 Es wäre .„: lt would be ... 1 taktlos: tactless
1 weiterfeiern: continue to celebrate 1 Ankündigung
machen: make an announcement 1 Ich maclh e es.: 1'11 do
it. 1 immerhin: after all 1 Kommt ihr hier zurecht?: Do you
manage here? 1 antwortete: replied 1 Tunesien: Tunisia 1
Schiff: ship 1 vierzig: forty 1 Insel: island 1 gestrandet:
stranded 1 richtig?: right? 1 nördlich von: north of 1

Küstenwache: coastguard 1 wollte: wanted 1 registrieren:


register 1 weggelaufen: ran away 1 Laden: shop 1 gekauft:
bought 1 paddeln: paddle 1 Wahnsinn: madness 1

Strömungen: currents 1 stark: strong 1 sprechen: speak 1

übersetzte: translated 1 zuerst: at first 1 es ging gut: it


went well 1 wurde: became 1 schwach: weak 1 sah: saw 1

vor mir: in front of me 1 betete zu Gott: prayed to God 1

verloren: lost 1 gerettet: saved 1 helfen: help 1 wohnt: lives


1 registrieren: register 1 muss: must 1 bleiben: remain 1
erschöpft: exhausted 1 brachte ihr: brought her 1 Kleider:
clothes 1 holte: fetched 1 frisch: fresh 1 Zahnbürste: tooth-
brush 1 Zahnpasta: toothpaste 1 zeigte ihr: showed her 1

Badezimmer: bathroom 1 schlafen: sleep 1 Wenn du


etwas brauchst ...: lf you need anything „. 1 oben: ups-
tairs 1 verließ: left 1 Wohnzimmer: living room
Übung

1. Fadiyah trägt ...

a) ein schneeweißes Kopftuch

b) einen alten Strohhut

c) ein schwarzes Kopftuch

2. Warum ruft Alfredo nach einem Arzt?

a) Fadiyah ist verwundet.

b) Fadiyah is t zusammengebrochen.

c) Fadiyah hat Fieber.

3. Wer hat eine Ausbildung zur Krankenschwester?

a) Elisabeth

b) Dinos Mutter
c) Loretta

4. Woher kommt Fadliyah?

a) aus Aleppo

b) aus Damas kus

c) aus Homs

5. Elisabeth mag ägyptische „ .

a) Filme

b) Büche r

c) Zeitungen

6. Fadiyah ist mit einem Schiff aus „. gekommen.

a) Algerien

b) Tunesien
c) Libyen

7. Warum ist das Schiff auf Ustica gestrandet ?

a) Es war zu vol l.

b) Der Kapitän war betrunken.

c) Es gab eini Problem mit dem Motor.

8. Warum ist Fadiyah alleine nach Sizilien gepaddelt?

a) Die Küstenwache wo llte sie registrieren.

b) Die Polizei wol lte sie festnehmen.

c) Sie hat eirn en Bruder in Pa lermo.

9. Fadiyah w ill nicht registriert werden, weil .„

a) sie dann in Deutschland bleiben darf.

b) sie dann i1n Italien bleiben muss.


c) sie dann in Deutsch land bleiben muss.

10. Fadiyah will zu ihrem ...

a) Cousin in Berlin

b) Vater in Hamburg

c) Bruder in München
5. Der Morgen danach

-
Alfredo und Loretta hatten die Hochzeitsparty frühzeitig
beendet. Die Gäste stiegen noch vor M itternacht in ihre
Mietwagen und fuh ren zurück in ihre Hotels und
Ferienwohnungen . Die Band packte ihre Instrumente
und der Catering-Service sammelte das restlich e Essen

ein .
Auch das Hochzeitspaar fuhr noch am selben Abend
zum Flughafen. Alfredo hatte Flitterwochen in den Male-
diven gebucht. Nach dem Vorfall mit Fadiyah war Loretta
und Alfredos Stimmung gedrückt, aber ich glaube, sie
waren irgendw ie auch froh , die Insel zu verlassen.
Es war sehr sti ll in der Nacht. Bis auf das Zirpen der
Grillen w ar ke in Ge räusch zu höre1n . Elisabet h und ich
schliefen in meinem alten Kinderzimmer zwischen Guns
N'Roses-Postern und Stapeln von alten Com ics. Am Ende
des Flurs wohnte Onkel Vincente in zwei großen Zim -
mern. Das Schlafzimmer meiner Eltern befand sich im
Erdgeschoss.
Am nächsten Morgen erwachte ich durch ei nen Schrei.
Ich zog mir schnell etwas an , rannte die Treppen her-
unter und fand mei nen Vater im Wohnzimmer. Er trug
einen alten weißen Bademantel und stand verwirrt vor
dem Sofa . Fadiyah hatte d ie Augen weit aufgerissen . Sie
sch üttelte den Kopf, fuchtelte m it den Armen und redete
irgendetwas auf Arabisch .
„Guten Mo1rgen, Papa", sagte ich. „Was ist [passiert?"
Mein Vater zuc kte mit den Schultern und sagte: 11 Keine
Ahnung. Ich habe gestern Abend das Fußballspiel ver-
passt und wo llte gerade die Wiederholung gucken. Aber
da liegt diese Frau auf dem Sofa! "
„Das ist Fadiyah ", sagte ich. „Hast du sie gestern
Abend nicht gesehen?"
„Ich weiß nicht", sagte mein Vater. „Es waren so viele
Leute hier. Du weißt, ich mag keine Menschenmassen."
„Ja ... aber", begann ich. „Was hast du zu ihr gesagt?"
„Ga r nichts ", sagte mein Vater. „I ch habe bloß ein biss-
chen ihre Schulter geschüttelt. Und plötzlich hat sie ge-
schrien wie am Spieß!"
„Sie ist ein Flüchtling!", erklärte ich. „Aus Syrien ."
„Na und ?", sagte mein Vater. 11 lch bin doch kei n
Unmensch !"
„Ähm , Papa", sagte ich und zeigte auf seinen
Bierbauch, der aus dem Bademantel herausguckte. 11Viel-
leicht sol ltest du dir erst einmal etwas anziehen."
11 Pfft! ", sagte er. 11 Jetzt sagt mir mein eigener Sohn, wie
ich mich anz iehen soll. In meinen eigenen vier Wände n!"
Er schüttelte den Kopf und verließ das Wohnzimmer.
Fadiyah atmete auf. „ Keine Angst! ", sagte ich auf Eng-
lisch. „Das ist mein Vater. Er ist manchmal ein bisschen
schwierig, aber er hat ein gutes Herz."
Fad iyah nickte. Dainn wurde sie plötzlich unruhig. Sie
fasste s ich an die Schultern und sagte: „Wo ist mein
Rucksack?"
. I" , sagte 1.c h un d ging zum Fenster. „ Er war se hr
„ H1er.
nass . Wi r haben ihn auf die Fensterbank gelegt, zum
Trocknen ."
Ich gab Fad iyah ihren Rucksack zurück. Er war noch
immer feucht. Sie ergriff das Gepäckstück mit beiden
Händen, öffnete den Reißverschluss und nahm eine klei-
ne Plastiktüte heraus.
„Aufladen „.", sagte sie. „Telefon! "
„Ah , verstehe!", sagte ich und zeigte auf eine Steckdose
hinter dem Sofa. „Hier! "
Als Fadiyah ihr Handy in die Steckdose steckte, er-
schien Elisabeth im Wohn zim mer. „Sabach el Cherl",
sagte sie. Fadiyah lächelte. 11 Das bedeutet ,Guten Mor-
gen ' au f Arabisch'\ sagte Eli sabeth zu mir.

11 Ange beri.n.I" , sagte .1ch .


Die beiden begannen eine kleine Un t erha ltung. Ich ver-
stand kein Wort. Nach einer Weile betrat On kel Vincente
das Wohnzimmer.

11 Ein wunderschöne r Tag! ", rief er und öffnete d ie

Vorhänge. Die Morgensonne flutete in das Zimmer 11Wer


hat Lust auf Frühstück? Ich habe einen Bärenhunger! "
Wenig später saßen w ir alle am Küchentisch: Elisabeth,
Fadiyah, mei ne Mutt er, mein Vater und ich. Onkel Vin-

cente stand am Herd und briet W ürstchen und


Spiegeleier. Wir aßen warm es Weißbrot mit Fetakäse
und O liven. Dazu tranken wir Kaffee und
frischgepressten Orangensaft.
„ Unser Gast hat einen guten Appetit ", sagte meine Mut-
ter zu mir und lächelte.

Fadiyah hatte bereits drei Sp iegeleier verschlungen und


biss gerade in eine Scheibe Brot.
„ Aber die Wü rstchen hat sie nicht angerührt!", murrte
mein Vater. Er hatte sich in der Zwischenzeit Hemd und
Hose angezogen, aber er war noch i mmer mürrisch , weil
er das Fußballspiel zum zw eiten Mal verpasst hatte.
„Lass gut sein , !Bruder!", sagte Vince nte. „Andere
Länder, andere Sitten ."
Nach dem Frühst ück gingen wi r zurück ins Woh n-
zi mmer. Fad iyah nahm das Te lefon in d ie Hand und
schaltete es an . Die Plastiktüte hatte d ie Elektroni k gut
vor dem Wasser geschützt. Es fun ktion ierte ohne Pro-
bleme.
Fad iyah wischte und tippte auf dem Bildschirm herum .
Sie g ing ein paar Schritte im Wo hn zim m er auf und ab .
„ Ke in Signal!", sagte sie auf Engli sch.
„Wo ist der Ro uter? ", fragte ich .
On kel Vincente lachte. Z u m einem Vater sagte er: „ Ja,
genau, Enzo! Wo ist der Ro uter? "
Me in Vat er verzog das Gesicht u nd schwieg. „ Er hat
den Ro uter ins Meer geworfen !", rief Vi ncente.
· f ·1c h. „ w·1eso.>"
„Was.>", ne
„Angeblich stört d ie Strahlung sei nen Schlafl ", sagte
Vince nte. " Und jetzt haben wi r kein Internet meh r! "
Mein Vater starrte aus dem Fenster. "Kommt! ", sagte
Vince nte. " Ich fahre euch in die Stadt."

-
Der Morgen danach: the morning after 1 frühzeitig:
prematurely 1 beendet: ended 1 stieg ein: got in 1
Mitternacht: midnight 1 Ferienwohnungen: holiday apart-
ments 1 packte: packed 1 sammelte ein: gathered 1
restlich: remaining 1 am selben Abend: on the same eve-
ning 1 Flitterwochen: honeymoon 1 Malediven: Maldives 1
gebucht: booked 1 Vorfall: incident 1 Stimmung: mood 1
gedrückt: subdued 1 irgendwie: somehow 1 verlassen:
leave 1 Zirpen: chirping 1 Grillen: crickets 1 Geräusch:
noise 1 hören: listen 1 schlief: slept 1 Kinderzimmer: child-
ren1s room 1 Stapel: stack 1 befand sich: was situated 1
Erdgeschoss: ground floor 1 erwachte: awoke 1 Ich zog
mir schnell etwas an: 1 quickly put something on 1 rannte:
ran 1 herunter: down 1 Bademantel: bathrobe 1 weit
aufgerissen: wide open 1 fuchtelte: waved about 1 redete:
talked 1 irgendetwas:: anything 1 Was ist passiert?: What
happened? 1 Fußballspiel: footbaU match 1 verpasst:
missed 1 Wiederholung: rerun 1 liegt: lies 1 so viele: so
many 1 ich mag keine ... : 1don't like ... 1 Menschenmasse:
crowd 1 gar nichts: nothing at all I bloß: only 1 geschüttelt:
shaken 1 geschrien wie am Spieß: s creamed like a bans-
1

hee 1 Flüchtling: refugee 1 Na und?: So what? 1


Unmensch: monster 1 Bierbauch: potbelly 1 aus ...
herausguckte: peeked out from ... 1 erst einmal: iirst of all
1 eigene vier Wände: own four walls 1 Keine Angst!: Don't
worry! 1 schwierig: difficult 1 manchmal: sometimes 1
Herz: heart 1 wurde unruhig: became restless 1 nass: wet
1 Fensterbank: windowsill 1 trocknen: dry 1 gab zurück:
gave back 1 feucht: damp 1 ergriff: seized 1 Gepäckstück:
piece of baggage 1 beide: both 1 Reiißverschluss: zipper 1
nahm heraus: took out 1 Plastiktüte: plastic bag 1

aufladen: charge 1 Steckdose: socket 1 Handy: cellphone 1

in ... steckte: plugged into ... 1 erschien: appeared 1

Angeberin: showoff 1 Ich verstand kein Wort: 1 couldn't


make out a single word. 1 betrat: entered 1 Vorhänge:
curtains 1 Morgensonne: morning sun 1 flutete: flooded 1

Lust auf: to be up for 1 Bärenhunger: hungry as a horse 1


Küchentisch: kitchen table 1 Herd: stove 1 briet: fried 1

Würstchen: sausages 1 Spiegeleier: fried e·g gs 1 warm:


warm 1 Weißbrot: white bread 1 Fetakäse: feta cheese 1

dazu: with it 1 frischgepresst: freshly squeezed 1

Orangensaft: orange juice 1 hatte verschlungen: had


devoured 1 Scheibe: slice 1 angerührt: touched 1 murrte:
grumbled 1 in der Zwischenzeit: in the meantime 1 Hemd:
shirt 1 mürrisch: grumpy 1 zum zweiten Mal: for the se-
cond time 1 Lass gut sein!: Never mind! 1 arndere Länder,
andere Sitten: other countries, other customs 1 schaltete
... an: switched on „. 1 geschützt: protected 1

funktionierte: worked 1 wischte: wiped 1 tippte: tapped 1

herum: around 1 Bildschirm: screen 1 Schritt·e: steps 1 auf


und ab: back and forth ! lachte: laughed 1 genau: exactly 1
verzog das Gesicht: grimaced 1 schwieg: remained silent
1 geworfen: thrown 1 Wieso?: How so? 1 angeblich: alle-
gedly 1 stört: disturbs 1 Strahlung: radiation 1 Schlaf: sleep
1 starrte: stared ! Ich fahre euch: 1'11 drive you
Übung

1. Alfredo und Loretta haben die Hochzeit ... beendet.

a) spät

b) frühzeitig

c) zu spät

2. Alfredo hat Flitterwochen ... gebucht.

a) auf den Ma lediven

b) auf Ustica

c) auf Mallorca

3. Dino und Elisabeth schlafen in ...

a) einem Gästezimmer

b) Dinos Kinderzimmer
c) Vincentes Wohnzimmer

4. Dinos Vater wollte „. gucken.

a) d ie Nachrichten

b) einen Film

c) ein Fußballspiel

5. Fadiyah nimmt „. aus ihrem Rucksack.

a) ein Kopftuch

b) eine Plastiktüte

c) ein Kissen

6. Sie sucht nach einer ... für ihr Handy.

a) Steckdose

b) SI M-Karte
c) Hü lle

7. Was gibt es zum Frühstück?

a) Würstche n, Spiegeleier und Fetakäse

b) Wü rstchen , Rühre i und Fetakäse

c) Cornfla kes, Spiegeleier und Fetakäse

8. Dinos Vater hat den Router „.

a) verkauft

b) ins Meer geworfen

c) ausgescha ltet

9. Warum konnte Dinos Vater nicht schlafen?

a) wegen den Wellen

b) wegen den Autos


c) wegen der Strahlung

10. Vincente fährt Dino, Fadiyah und Elisabeth ...

a) zum Flughafen

b) in die Stadt

c) zum Strand
6. Kaffee und WLAN

-
Onkel Vincente parkte seinen Geländewagen am Piazza
Ruggero Settimo. Das ist einer der zentra len Plätze vo n
Palermo. Hier befindet sich das berühmte Teatro Poli-
tema und es gibt viele Hotels, Geschäfte und Restau-
rants.
. . .
Wir setzten uns In kleines Cafe 1n einer
Seitenstraße. On kel Vincente bestellte vie r Espressos
und das Giornale di Sicilia, eine palermische
Tageszeitung. Elisabeth klappte ihren Laptop auf.
Fadiyah wischte und tippte konzentriert auf ihrem
Handy herum. 11 Mein Bruder!", sagte s ie nach einer
Weile und zeigte mir ein Bild von einem jungen Mann
mit e inem kl einen Mädchen auf dem Arm.
"Das ist Fad i", sagte sie und lächelte. " Fadi und Fa-
d iyah, verstehst du?"
"U nd er ist in München?", sagte ich. Fad iyah nickte und
zeigte mi r ein paar weitere Bi lder von Fad i an de r Isar
und im Englischeni Garten. "Wohnt er schon lange
dort?", fragte ich.
" Ein Jahr", sagte s ie. 11 Er ist über die Türkei nach Grie-
chenland gekommen . Von dort ist er durch Mazedonien,
Serbien und Ungarn nach Österreich bis nach De utsch-
land gereist."
"Wi rk lich?", sagte ich und trank einen Sch luck Es-
presso. " Das ist ein weiter Weg!"
Fadiyah nickte und sagte: „ Eigentlich wollten wir
zusammen gehen , aber ich habe ihn im Krieg aus den
Augen verloren."
„Das tut mir leid ", sagte ich.
„ Am End e bin ich mit meinem Cousin zu meiner Tante
nach Ägypten gegangen ", erklärte si e. „ Sie wohnt in
Kairo. Aber ihre Wohnung ist sehr kl ein. Und sie hat sie-
ben Kind er."
„ Also bist du nach Tunesien gegangen?", sagte ich.
„ Nein", sagte Fad iyah und nippte an ihrem Kaffee. 11 Z u-
erst mussten wir durch Libyen reisen . Ich war zusammen
mit einer Gruppe von anderen Syrern. Unter uns waren
viele Frauen und Kinder. W ir hatte n große Angst. Aber
wir haben überlebt!"
In dem Moment klingelte Vincentes Telefon. Er schaute
au f seine Uhr und sagte zu mir: „ Ich muss los, Dino! In
einer ha lben Stunde bin ich w ieder zurück, in Ordnung?"
Er sta nd auf und nahm die Zeitung. „ Wo gehst du hin ?",
rief ich. „ Geschäftliches", m urmelte er und verschwand.
„ Sorry", sagte ich zu Fa d iyah. „ Wo sind wir stehen
geblieben ?"

11 Libyen ", sagte sie. „ Es w ar ein Albtraum ! Sandstürme,


Rebellen , nichts zu essen und zu trinken „."

11 Aber am Ende seid ihr in Tunesien angekommen ",


sagte ich.
Fad iyah nickte. 11 lch habe eine Telefonnummer au f
Facebook gef unden . Tausend Euro für die Überfahrt von
Tun is nach Sizilien „. "

11 Halsabschneider!", sagte ich u nd schüttelte den Kopf.

11 Und w as wi llst du jetzt t un?"

11 Es gibt einen Mann in Neapel , er fährt für zwölf-


hundert Euro m it einem Lastwagen über Österreich nach
Deut schland ", sagte Fad iyah.

11 M mh „. ", sagte ich . 11 Und wie wil lst du dorthin kom-


men ? Neapel ist auf dem Festland. Wi r sind auf einer
Insel! "

11 Mess ina", sagte Fadi yah. 11 Es gi bt dort eine Fähre,


glaube ich."

11 Ja", sagte ich. 11 Das ist rich t ig. Aber von hier bis Mes-
sina sind es circa zwei Stunden Fahrt. Vi el leicht kann
Onkel Vincente d ich zur Fähre bringen ... "
11 Wi rklich ?", sagte Fadiyah. 11 Gott sei gesegnet!"
„Sorry, dass ich unterbreche", sagte Elisabeth . Sie hatte
d ie ganze Zeit stil l zugehört und auf ih rem Laptop
getippt. „ Kann ich dich etwas fragen, Fadiyah ?"
Fad iyah nickte und di e beiden Frauen wechselten ein
paar Worte auf Arabisch. Elisabeth lächelte.
„Was habt ihr besprochen ?", fragte ich.
11 Ich habe Fadiyah gefragt, ob ich ih re Geschichte auf
meinem Blog veröffentlichen ka nn", sagte Ellisabeth. „Sie
hat zugestimmt."
Ich trank den letzten Rest meines Kaffees und sagte:
11 Sobald Onkel Vincente zurückkommt, frage ich ih n, ob
er sie nach Messina bringt."
„Was macht er eigentlich beruflich , dein Onkel?", fragte
EI isabeth.
„Ehrl ich gesagt, keine Ahnung", sagte ich. „Irgendetwas
mit Import/ Export, glaube ich."
Plötzlich wurde Fadiyah unruhig. „Was ist?", fragte ich.
Sie starrte auf den Bürgersteig. Ein Carabiniere, ein
italienischer Polizist in schwarzer Uniform, kam gera-
dewegs auf unseren Tisch zu. „Papiere, bitte!", sagte er
zu Fadiyah. Sie begann zu zittern.
„Entschuldigen Sie!", sagte ich. „Diese Dame ist unser
Gast."
„Soso ... ", sagte der Polizist. lch nehme an, sie hat ein
11

gültiges Visum ?"


„Warum fragen Sie nicht mich nach meinen Papieren?",
sagte Elisabeth in tadellosem Ita lienisch und stand auf.
11 Wei l ich kein Kopftuch trage?" Die anderen Gäste im
Cafe beobachteten die Szene mit gespannten Blicken.
„Signora!", sagte der Polizist zu Elisabeth. „Beruhigen
Sie sich ! Ich möchte bloß ihre Papiere sehen ."
Da ersch ien Onkel Vincente neben dem Polizisten und
sagte: Wo liegt das Problem , mein He rr?"
11

„Sie hat keine Papiere! ", sagte der Carabiniere und zeig-
te auf Fadiyah.
„Oh ", sagte Vincente und lachte. „ Das muss ein Irrtum
sein .. Wissen Sie, diese Dame ist ein Gast unseres Hau-
ses." Er klopfte dem Poli zisten auf d ie Schulter. Dann
gab er ihm die Ha nd und zwin kerte.
„In Ordn ung", sagte der Po li z ist. „Da nn hat sich das
erledigt." Er zog seine Mütze, sagte: „Buon giorno!" und
verließ uns eren Tisch.
„ Hat dein Onkel ge rade e inen Polizisten bestochen ?",
flüsterte Elisabeth .
„Anscheinend ... ", sagte ich .

-
WLAN : WiFi 1 Geländewagen: off-road vehicle 1 Plätze:
squares 1 befindet sich: is located 1 berühmt: famous 1

Geschäfte: shops 1 wir setzten uns: we sat down 1

Seitenstraße: side street 1 palermisch: Palermitan 1

Tageszeitung: daily newspaper 1 klappte ... auf: flipped


open ... 1 konzentriert: concentratedly 1 Bild: image 1 jung:
young 1 Mädchen: girl 1 ein paar weitere: a few more 1

schon lange: long time 1 Türkei: Turkey 1 Griechenland:


Greece 1 von dort: from there 1 Mazedonien: Macedonia 1

Serbien: Serbia 1 Unga rn: Hungary 1 Österreich: Austria 1

gereist: traveled 1 ein we iter Weg: a long way 1 Krieg: war 1


aus den Augen verloren: lost sight of 1 Das tut mir leid:
1

l'm sorry 1 Tante: aunt 1 Kairo: Cairo 1 Tunesien: Tunisia 1

nippte an: sipped at 1 Libyen: Libya 1 reisen: travel 1

Gruppe: group 1 andere Syrer: other Syrians 1 unter uns:


among us 1 Angst: fear 1 überlebt: survived 1 klingelte:
rang 1 Wo gehst du hin?: Where are you going? 1

Geschäftliches: business 1 verschwand: disappeared 1

Wo sind wir stehen geblieben?: Where did we leave off? 1


Albtraum: nightmare 1 Sandstürme: sandstorms 1

Rebellen: rebels angekommen: arrived


Telefonnummer: telephone number 1 Überfahrt: passage 1

Halsabschneider: cutthroats Neapel: Naples


Zwölfhundert: twelve hundred 1 Lastwagen: tnuck 1

dorthin: there 1 Festland: mainland 1 Fähre: ferry 1

bringen: bring 1 von hier: from here 1 zwei Stunden Fahrt:


two-hour drive 1 Gott sei gesegnet!: Blessed be God! 1

Sorry, dass ich unterbreche „.: Sorry for interrupting „. 1


zugehört: listened 1 getippt: typed 1 wechselte: exchanged
1 Worte: words 1 besprochen: discussed 1 ob: if 1

Geschichte: story 1 veröffentlichen: publish 1 zugestimmt:


agreed 1 sobald: whenever 1 zurückkommt: returns 1

beruflich: as an occupation 1 ehrlich gesagt: honestly 1

Bürgersteig: sidewalk 1 italienisch: ltalian 1 Polizist: poli-


ceman 1 kam auf ... zu: came towards ... 1 geradewegs:
straight 1 Papiere: papers 1 zittern: tremble 1 Entschul-
digen Sie!: Excuse me! 1 Soso ... : well well .... l Ich nehme
an, ... : 1 assume, ... 1 gültig: valid 1 Visum: visa 1 tadellos:
impeccable 1 Kopftuch: headscarf 1 gespannt: tense 1

Beruhigen Sie sich!: Calm down! 1 sehen: see 1 Wo liegt


das Problem?: What seems to be the trouble? 1
Aufenthaltsgenehmigung: residence permit 1 Das muss
ein Irrtum sein: This must be a mistake 1 Wissen Sie, ... :
You know, ... [formal] 1 zwinkerte: winked 1 erledigt: sett-
led 1 zog seine Mütze: doffed his cap 1 bestochen: bribed 1
anscheinend: apparently
Übung

1. Fadiyah zeigt D ino Fotos von ...

a) ihrem Vater

b) ihrem Bruder

c) ihrem Cousin

2. Fadi ist über ... nach Deutschland gekommen.

a) Osteuropa

b) Südeuropa

c) Westeuropa

3. Fadiyah ist ... nach Ka iro gegangen.

a) zu ihrer Großmutter

b) zu ihrer Tante
c) zu ihrem Onkel

4. Warum hat sie Ägypten verlassen?

a) Sie hatte Probleme mit der Polizei.

b) Sie hatte keine Arbeit.

c) Die Wohnung war zu klein.

5. Fadiyah ist über „. nach Tunesien gereist.

a) Li byen

b) Libanon

c) Algerien

6. Wie viel hat die Überfahrt nach Sizilien gekostet?

a) 10 €

b) 100 €
c) iooo €

7. Fadiyah will „ .

a) einen Lastwagen in Messina kaufen

b) eine Fähre in Messina nehmen

c) ein Auto in Pa lermo mieten

8. Elisabeth möchte Fadiyahs Geschichte „.

a) auf ihrem Blog veröffentlichen

b) in einer Zeitung veröffentlichen

c) im Fernsehen veröffentlichen

9. Wessen Papiere will der Polizist sehen?

a) Fadiyahs

b) Elisabeths
c) Vi ncentes

10. Warum verlässt dler Polizist das Cafe?

a) Vincente hat ihn gebrochen.

b) Vincente hat ihn gestochen.

c) Vincente hat ihn bestochen.


7. Der Plan

\ '>

-
Wir saßen wi eder in On kel Vincentes Geländewagen.
Fadiyah scha ute besorgt aus dem Fenster. „ Keine
Sorge! ", sagte ich. „ Der Polizist kommt nicht zurück!"
Aber Fad iyah schüttelte den Kopf und sagte: „ Ich muss
weiterreisen . Sizi lien ist nicht sicher."
„Onkel?", sagte ich. „Ka nn ich dich um einen Gefallen
bitten ?"
„ Bist du mein Neffe, oder nicht?", sagte er und lächelte.
„ Fadiyah wi ll zu ihrem Bruder nach München", sagte
ich „Könntest du sie nach Mess ina fahren? Von dort
kann sie die Fähre nehmen."
„Ke in Problem ", sagte Vincente. „ Aber die Fähre ist
keine gute Idee." Er zeigte auf d ie zusammengerollte Zei-
tung. „ Ich habe gelesen , die Poli ze i macht seit gestern
wieder st renge Passkontrollen."
. h . „ warum.;>"
. r kl"1ch .;>«, sagte 1c
„W 1
„ Du solltest mehr Zeitun g lesen, mein Junge!", sagte
Vincente. „Jeden Tag kommen Hunderte von Flücht-
lingen auf Sizilien an! Hast du die Lager gesehen?"
Ich schüttelte den Kopf. Vincente startete den Motor
und sagte: „ Die ital ieni sche Regierung ist unter großem
Druck. Sie dürfen die Flüchtlinge nicht in die EU re isen
lassen. Aber unsere Lager sind überf üllt! Hast du von
Min eo gehört?"
„Ja", sagte ich. „Das ist eine kl eine Stadt im Osten
Siziliens, oder? Aber w as hat das mit den Flüchtlingen zu
tun ?"
"In Mineo gibt es eine ehemalige US- Militärbasis ", er-
klärte Vincente. " Jetzt ist dort ein riesiges Flücht-
lingslager m it mehr als 3000 Menschen , bew acht von
italienischer Polizei mit Sturmgeweh ren." Er ze igte mit
dem Daumen auf Fad iyah. "Wenn die Carabiniere sie fin-
den, dann kommt sie nach M ineo und es ist aus mit
dem Traum von Deutschland."
" Mmh ", sagte ich. "Was schlägst du vor? "
" Ich habe eine Idee", sagte Vincente und hielt den
Wagen an einer Tankstelle. 11 Aber es ist ein bisschen
riskant. Hat sie eine europäische SI M-Karte? "
Elisabeth übersetzte. Fad iyah schüttelte den Kopf.
" Okay", sagte Vincente und gab mir einen
Fünfzigeuroschein . " Du gehst jetzt in die Tan kstelle und
kaufst eine Prepaid-S 1 M , eine Reisetasche, ein Sech-
serpack Wasser und ein paar Müllsäcke."
„ ke.;i
" Mu„11sac wozu das.>", f rag t e ·1c h. " o·1no ... ", sagt e
Vincente. "W illst du , dass ich ihr helfe, oder nicht?"
„ 1n Ordnung", sagte ich und stieg aus dem Auto.
Wenig später waren wir wieder unterwegs. Fad iyah legte
die neue SI M-Karte in ihr Handy. „Auf der Ka rte sind 25
Euro", erklärte Vincente. „ Ruf mich bitte auf ilhrem
Handy an ! Dann habe ich ihre NLimmer, und sie hat
meine."
Ich wählte Vincentes Nummer auf Fadiyahs Handy. Es
klinge lte. „Und jetzt?", sagte ich.
„Sagt ihr, wenn sie Schwierigkeiten m it der ital ie-
nischen Polizei bekommt, soll sie mich anrufen!", sagte
er. „Ich werde mit ih n en sprechen."
Elisabeth übersetzte. „ Dan ke! ", sagte Fadiyah u nd
strahlte. „ Ich schicke meinem Bruder eine SMS. Ihr seid
meine Engel !" Sie begann zu tippen.
Wir fuhren auf der Autobahn Richtung Osten , das Meer
zu unserer Linken, die Gipfel der Madonien zu unserer
Rechten .
Nach circa einer Stunde Fahrt piepte Fadiyahs Handy.
„ Gibt es hier eine Post?", fragte sie. uMein Bruder hat mir
Geld geschickt."
Wir befanden uns in der Nähe von Cefa lu, einer
beliebten Touristenstadt. Onkel Vincente nahm die
nächste Abfahrt und wi r fuhren in d ie Stadt hinein . über-
all liefen sonnenverbrannte Nordeuropäer und Ameri-
kaner m it St1rohhüte n herum. Aber es war auch viel Poli-
zei auf den Straßen.
"Schaut!", sagte El isabeth und zeigte auf einen Prit-
schenwagen an der Straßenseite. Drei Po lizisten standen
hinter dem Fahrzeug und dis kutierten mit dem Fahrer.
Auf der Ladefläche saß eine Gruppe Afr ikaner. Es waren
auch Mütter mit kleinen Kindern dabei.
"Seht ihr?", sagte Vincente. " Die kommen jetzt alle
nach Mineo oder in ein anderes Lager."
"Aber warum Polizei?", sagte Elisabeth. „Diese Men-
schen sind doch keine Kriminelle n! Sie brauchen Essen ,
Wasse r und medizinische Hilfe."
Vincente zuckte m it den Schu ltern und sagte:
"Wahrscheinlich. Aber laut Gesetz sind sie erst einma l
illegale Einwanderer."
Wenig später parkte Vincente neben einer Post. "Ich
würde vorschlagen , das Kopftuch abzunehmen ", sagte er
und zeigte auf Fad iyah. Elisabeth übersetzte und Fadiyah
sch ütte lte den Kopf. „Sie will nicht", sagte Elisabeth . „Sie
sagt, das ist ihr letztes bisschen Würde."
„Wie dem auch sei! ", sagte Vince nte. „Hier sind zu viele
Polizisten. Wir können sie nicht alle schmieren!"
Elisabeth versuchte, Fad iyah zu überzeugen, aber sie
weigerte sich , das Kopftuch abzunehmen.
Vincente seufzte und sagte: „Dann gebt ihr zumindest
einen Strohhut. Schaut im Kofferraum! "
Elisabeth und ich begleiteten Fadiyah in die Post. Sie
füllte ein Formular aus , zeigte einen Code auf ih rem
Handy und der Angestellte gab ih r ei n paar Hu nde rt
Euro.
Als wi r d ie Post ve·rlassen wo llten, trat ein junger Poli-
zist durch d ie Tür. Er starrte auf Fadiyah und sie zog den
Hut tiefer ins Gesicht. „Excuse me, dear Sir!", sagte
El isabeth m it vornehmem englischen Akzent. „Könnten
Sie uns sagen, wo das nächste Krankenhaus ist? Meine
Tante hat eine schreckliche Sonnenallergie!"
Der Pol izist schaute Elisabeth an und begann in gebro- 1

chenem Englisch den Weg zu beschreibe1n. uYo u're a


1

darling!'\ sagte sie und berührte seinen Arm. Der junge


Polizist errötete. Wir verl ießen schnel l die Post und stie-
gen in Vinceli'ltes Auto.
uFahr Onkel! " rief ich . uNichts wie weg hier! "
1 1

-
besorgt: worried 1 weiterreisen: to travel on 1 sicher: safe 1

um einen Gefallen bitten: ask for a favor 1 Neffe: nephew


1 Könntest du ... ?: Cou ld you ... ? 1 zus am menge rollt: rol-
led u p 1 streng: strict 1 Passkontrolle: passport control 1

mein Junge: my boy 1 Lager: camp 1 Regierung: gover-


nment 1 unter großem Druck: under great pressure 1 dür-
fen nicht: aren't allowed to 1 lassen: let 1 überfüllt: crow-
ded 1 von ... gehört: heard of ... 1 Was hat das mit ... zu
tun?: What does that have to do with ... ? 1 ehemalig: for-
mer 1 Militärbasis: military base 1 riesig: huge 1

Flüchtlingslager: refugee camp 1 bewacht: guarded 1

Sturmgewehre: assault rifles 1 Daumen: thumb 1 es ist


aus: it's over 1 Traum: dream 1 hielt den Wagen: sto1pped
the car 1 riskant: risky 1 europäisch: European 1

Fünfzigeuroschein: fifty euro bill 1 Reisetasche: travel bag


1 Sechserpack: six-pack 1 Müllsäcke: garbage bags 1

Wozu?: What for? 1 unterwegs: on the road 1 Ruf mich


an!: Call me! 1 Sagt ihr „.!: Tell her! 1 Schwierigkeiten:
difficulties 1 bekommt: gets 1 strahlte: beamed 1 wählte:
dialed 1 Ich schicke „.: 1'11 send . „ 1 Engel: angels 1

Autobahn: freeway 1 zu unserer Linken: to our left 1 zu


unserer Rechten: to our right 1 piepte: beeped 1 Gibt es
hier „. ?: ls there „. here ? 1 Post: post office 1 Geld:
money 1 geschickt: sent 1 beliebt: popular 1 die nächste
Abfahrt: the next exit 1 fuhren „. hinein: drove into „. 1

sonnenverbrannt: sunburned l lief herum: walked around


1 Nordeuropäer: Northern Europeans 1 Strohhüte: straw
hats 1 Schaut!: Look! 1 Pritschenwagen: pickup truck 1

Straßenseite: side of the street 1 Fahrzeug: veh icle 1

diskutierte: discussed 1 Fahrer: driver 1 Ladefläche: loa-


ding area 1 waren dabei: were there 1 Mütter: mothers 1

keine Kriminelle: no criminals 1 brauchen: need 1


medizinische Hilfe: medical help 1 wahrscheinlich: pro-
bably 1 laut Gesetz: according to (the) law 1 illegale
Einwanderer.: illegal immigrants 1 Ich würde· vorschlagen
••• : 1 would suggest ... 1 abzunehmen: to take off 1 will
nicht: doesn't want ! letztes bisschen: last bit 1 Würde: di-
gnity 1 wie dem auch sei: however that be 1 zu viele: too
many 1 schmieren: grease 1 versuchte: tried 1 überzeugen:
convince 1 weigerte sich: refused 1 zumindest: at least 1

Strohhut: straw hat 1 Kofferraum: trunk 1 begleitete:


accompanied 1 füllte ... aus: filled in .„ 1 Formular: form 1
Angestellte: clerk 1 verlassen: leave 1 trat durch: stepped
through 1 tiefer: lower 1 vornehm: posh 1 !Krankenhaus:
hospital 1 schrecklich: terrible 1 Sonnenallergie: sun all-
ergy 1 beschreiben: describe 1 berührte: touched 1 errötete:
blushed 1 Fal!ir!: Drive! 1 Nichts wie weg hier: Let's get out
of here!
Übung

1. Warum ist die Fähre 11 keine gute Idee"?

a) Die Strömungen sind zu stark.

b) Die Fähre hat Probleme mit dem Motor.

c) Die Polize i macht Passko ntrol len.

2. Die italienische Regierung ist unter großem ...

a) Schmuck

b) Druck

c) Stuck

3. Wenn die Polizei Fadiyah findet ...

a) muss sie zurück nach Tunesien fahren

b) kommt sie in ein Flüchtlings lager


c) darf s ie nach Deutschland re isen

4 . Was kauft Dino in der Tankstelle?

a) eine SI M-Karte, eine Reisetasche u nd Sch lafsäcke

b) eine SIM-Karte, einen Ruc ksack u1nd Müllsäcke

c) eine SIM -Karte, eine Reisetasche u nd Mül lsäcke

5. Cefalu ist eine „.

a) Touristenstadt

b) Arbeiterstadt

c) Weltstadt

6. „Schm ieren " ist ein anderes Wort für „.

a) bestechen

b) sprechen
c) essen

7.Vincente sagt, Fadiyah soll „. anziehen?

a) eine Regenjac ke

b) ein Abend kleid

c) einen Strohhut

8. Elisabeth sagt dem jungen Polizisten, dass „.

a) Fad iyah ihre Tante ist

b) Fadiyah ein Flücht ling ist

c) Fad iyah ihre Mutter ist


8. Mittags·pause

11

-
Nach circa einer Stunde Fahrt erreichten w i r Capo d'Or-
lando, eine kle ine Küstenstadt. Als Onkel Vincente die
Autobahn verließ, fragte ich: 11Was machst du, Onkel?"

11 lch muss hier etwas Geschäftliches erledigen", sagte


Vincente. 11 Keine Sorge! Es wird nicht lange dauern ."
Wir fuhren in das Städtchen hinein, vorbei an
Olivenbäumen und Palmen. In der Innenstadt parkte Vin -
cente vor einem Restaurant mit dem Namen „ Tartaruga
d'Oro", au f Deutsch: „Gold ene Schildkröte."
„Soll en wi r im Auto wa rten? ", fragte ich .
„Quatsch !", sagte mein Onkel und zog die
Handbremse. „Kommt rein ! H ier gibt es die besten Sarde
e beccafico in ganz Sizil ien."
„Was ist das?", fragte Elisabeth.
„Gefül lte Sard inen", sagte ich und stieg aus.
Wi r folgten meinem O nkel in das Restaurant. Der Inha-
ber trug einen schwarzen Anzug m it einer weißen Rose
im Revers . Er begrüßte Vincente mit einer Umarmung
und ze igte auf einen Tisch direkt am Fenster, mit Aus-
sicht auf das Meer.
„Setzt euch! ", sagte Vincente zu uns. „Ich ko mme
gleich wieder." Fadiyah, El isabeth und ich setzte n uns.
Der Inhaber schnippte mit den Fingern und innerhalb
von wen igen Sekunden brachte uns ein Kell ner Wasser,
Wein, Weißbrot und drei riesige Teller Sardinen.
W ir begannen zu essen. Das Restaurant war leer. W ir
waren d ie ei nzigen Gäste. Mein Onkel und der 1nhaber
saßen an einem kle inen Tisch am anderen Ende des Re-
staurants und redeten. Sie mach ten viele Gesten , aber
ich verstand kein Wort, denn der Fernseher über der
Theke war zu laut. Es liefen die Nachrichten.
" Die sizil ian ische Küstenwache hat heute morgen drei
Schlepper festgenommen ", sagte d ie
Nachrichtensprecherin. 1m Fernsehen erschien ei n Bi ld
von einem hoffnungslos überfüllten Hollzkahn . 11 Die
Sch lepper stammen aus Libyen und hatten versucht,
mehr als fü nfzig Menschen illegal nach Europa zu
schleusen ." Man sah ei n Bild von drei Männern 1n
Handschellen . 1hre Gesich ter waren verpixelt. " Die
Flüchtlinge wurden 1n ein zentrales Auffanglager
gebracht. Das Boot wurde von der Marine zerstört." Man
sah eine kleine Explosion und ein paar Wrackteile.
„ Das ist Wahnsinn!", sagte ich und schüttellte den Kopf.
„Warst d u auch auf so einem Boot? ", fragte Elisabeth
Fadi yah und zeigte auf den Fernseher.
Fadiyah nickte kurz , tran k einen kl einen Sch luck Wasser
und sagte: „Wo ist die Toi lette?"
„Da vorne! '\ sagte ich und zeigte auf eine Tür. Fadiyah
wisclhte sich mit einer Serviette den Mund und stand auf.
Ich goss ein Glas Weißwein ein und schüttelte den
Kopf. „Warum zerstört die Marine dii e Boote ?", sagte ich.
„Sie sollte den Menschen he lfen! "
„Ganz einfach ", sagte Elisabeth und steckte eine ge-
füllte Sard ine in de n Mund. „Sie wollen die Schlepper
stoppen. Die Überfahrt ist zu gefährlich für d ie Men-
schen. Die Boote s inid alt und brüchig."
„Aber ... ", sagte ich. „G la ubst du, das w ird die Schlep-
per stoppen?"
„Höchstwahrscheinlich nicht", sagte Eli sabeth. „ Das ist
eine Sache von Angebot und Nachfrage. Weniger Boote,
höheres Risiko, höhere Preise. Die Schlepper werden
jetzt noch mehr Geld verlangen ."
Wir aßen stil l weiter. 1m Fernsehen lief nun ein Fußball -
spiel. Nach einer Weile sagte ich: „Elisabeth „.?"
„Ja.;> «, sagte sie.
.
„Sind wir ... ", flüsterte ich. „Sind wir jetzt nicht auch
Sch lepper?"
Elisabeth tirank einen Schluck Wein und schaute aus
dem Fenster. Sie überlegte kurz und sagte dann: „Nein."
„Aber was wir machen ist illegal!", sagte ich.
„J a", sagte Elisabeth. „Vielleicht. Aber wir s ind keine
Sch lepper."
„Und wo ist der Unterschied ?", sagte ich.
„Na ja", sagte sie. Sch lepper verlangen Geld für ihre
Hi lfe. Sie beuten die Menschen aus . Wir nicht."
„Mmh ", sagte ich. „Das stimmt. Aber glaubst du, die
Polizei interessiert das?"
„Was ist die Alternative?", sagte Eli sabeth. „Sollen wir
Fadiyah zur Poli zei bringen? Dann ko mmt s ie in ein
Lager. Ganz ,lega l' ... "
„Nein", sagte ich. „Wir haben versprochen , ihr zu he l-
fen."
„Ke ine Sorge", sagte Elisabeth. „Dein On kel weiß, was
er tut."

11 lch hoffe es ... ", sagte ich. Da kam Fad iyah von der
Toi lette zurüc k. Sie l ächelte und sagte: „ Mein Bruder hat
mir gerade eine SM S gesch ickt . Er ist sehr dankbar für
eure H ilfe. Er wi ll euch zum Essen einladen . Er macht die
besten Falafeln der W elt! 1n Damas kus w ar er Chefkoch
in einem Fünfsternehotel. "
„ Oh ", sagte ich. „ Dan ke! Arbeitet er als Koch in Mün-
chen? "
Fadiyah nickte. „ In einer kle inen Imbissbude", sagte sie.
„Warst du schon einmal in München ?"
Elisabeth und ich schauten uns an und lächelten. In
dem Moment kam Onkel Vi ncente an den Tisch und
sagte: „Wi e sind d ie Sardinen? Habe ich zu viel
versprochen? "
„ Ziem lich gut", sagte Eli sabeth.
„ Siehst du?", sagte On kel Vincente. „ Das ist ein altes
Fam'ilienrezept!" Er setzte sich, aß eine Sardine und trank
ein Glas Wein dazu.
„Göttlich !", sagte er und kaute. Dann schn ippte er m it
den Fingern und rief: „Herr Ober! Noch eine Flasche
We in , bitte! " Zu uns sagte er: „Wer hat Lust auf Dessert?
Ei n Stück Cassata-Torte, Canno li-Gebäck oder ein Eis,
viell eicht?"
uOnkel", sagte ich und tippte auf seine Schu lter. uW ir
sollten nicht zu viel essen und trinken."
uPapperlapapp!", riefVincente. uEin Mahl ohne Dessert
ist kein richtiges Mahl."
uIch glaube, Dino hat recht", sagte Elisabeth . uWi r soll-
te n nic ht zu spät losfahren."
uNa gut", sagte Onkel Vincente und seufzte. uAber ich
bestelle trotzdem ein paar Cannoli für Fadiyah, zum
Mitnehmen ."

-
erreichte: reached 1 Küstenstadt: coastal town 1 erledigen:
take care of 1 Es wird nicht lange dauern: lt won t take 1

long. 1 Städtchen: little city 1 Olivenbäume: olive trees 1

Innenstadt: city center 1 Schildkröte: turtle 1 Quatsch!:


Nonsense! 1 zog die Handbremse: pulled the handbrake 1

Kommt rein!: Come in! 1 Inhaber: owner 1 Revers: lapel 1


begrüßte: greeted 1 Umarmung: embrace 1 Aussicht: view
1 (er) schnippte mit den Fingern: (he) snapped his fingers
1 Sekunden: seconds 1 Teller: plate 1 am anderen Ende: at
the other end 1 Gesten: gestures 1 Fernseher: TV 1 Theke:

counter 1 zu laut: too loud 1 Es lief ...: The TV was sho-


wing „. Schlepper: smuggler (of refugees)
festgenommen: arrested Nachrichtenspreclherin:
newscaster 1 hoffnungslos: hopelessly 1 Holzkahn: woo-
den lbarge 1 stammen aus: come from 1 schleusen: smug-
gle 1 Man sah „.: You could see „. 1 Handschellen: hand-
cuffs 1 verpixelt: pixelated 1 wurden gebracht: were
brought 1 Auffanglager: reception camp 1 wurde zerstört:
was destroyed 1 Wrackteile: wreckage 1 Da vorne!: Over
there! 1 Serviette: napkin 1 Mund: mouth 1 goss ein: pou-
red 1 ganz einfach: very simple 1 gefährlich: dangerous 1

brüchig: brittle 1 das wird „.: that's going to „. 1


Höchstwahrscheinlich: most probably 1 eine Sache von: a
matter of 1 Angebot und Nachfrage: supply and demand 1
weniger: fewer 1 höher: higher 1 Ris'iko: risk 1 Preise: pri-
ces 1 noch mehr: even more 1 verlangen: demand 1

überlegte: pondered 1 Wo ist der Unterschied?: Where's


the difference? 1 beuten Menschen aus: exploit people 1

interessiert das: is interested in 1 versprochen: promised


1 weiß, was er tut: knows what he's doi ng 1 1eh hoffe es: 1
hope so 1 dankbar: grateful 1 zum Essen einladen: invite
for dinner 1 die besten „. der Welt: the best „. in the
world 1 Chefkoch: chef 1 Fünfsternehotel: five star hotel 1

Imbissbude: snack bar 1 (wir) schauten uns an: (we) loo-


ked at each other 1 zu viel: too much 1 Familienrezept: fa-
mily recipe 1 göttlich: divine 1 kaute: chewed 1 Herr Ober!:
Waiter! 1 noch eine Flasche: another bottle 1 Torte: cake 1

Gebäck: pastry 1 Eis: ice cream 1 Papperlapapp!: Poppy-


cock! 1 Mahl: meal 1 kein richtiges: not a real 1 hat Recht:
is right 1 losfahren: get going 1 trotzdem: nevertheless 1

zum Mitnehmen: take away


Übung

1. Warum fährt Vincente nach Capo d'O rlando?

a) Er muss etwas Geschäftliches erled igen.

b) Er muss etwas zu essen kaufen.

c) Er muss e inen Po lizisten bestechen.

2. Der Inhaber des Restaurants trägt ...

a) einen blauen Anzug mit einer Rose im Revers

b) einen schwarzen Anzug mit einer Rose im Revers

c) einen schwarzen Anzug mit einem Taschentuch im


Revers

3. Der Kellner bringt ...

a) Wasser, Wein , Weißbrot und Sardinen

b) Bier, Wein, Weißbrot und Sardinen


c) Wasser, Wein , Weißbrot und Heringe

4 . Vincente und der Inhaber sitzen ...

a) in der Küche

b) draußen vor dem Restaurant

c) am anderen Ende des Restaurants

5. Was läuft im Fernsehen?

a) die Nachrichten

b) ein Fußballspiel

c) ein Krimi

6. Ein „Schlepper" ist eine Person, die ...

a) Zigaretten schmuggelt

b) Menschen schmuggelt
c) Waffen schmuggelt

7. Warum zerstört die Marine die Boote?

a) Sie wollen die Schlepper töten.

b) Sie wollen bessere Boote kaufen.

c) Sie wollen die Schlepper stoppen.

8. Elisabeth findet, dass „.

a) Dino, Vincente und sie Schlepper sind

b) Dino, Vincente und sie keine Schlepper sind

9. Fadiyahs Bruder wi ll Dino und Elisabeth ...

a) zu einem Bier einladen

b) zum Esseinein laden

c) nach Syrien einladen


10. Er arbeitet in München in ..•

a) einem Fünfsternehotel

b) einer Imbissbude

c) einem Restaurant

11 . Vincente will ... bestellen.

a) mehr Wein und Sardinen

b) mehr Bier und Dessert

c) mehr Wein und Dessert


9. Die Überfahrt

om o

-
Vincente verließ d ie Autobahn bei Rometta. Von dort
fuhren wir aiuf einer Landstraße durch eine Reihe kleiner
Dörfer.
Die Sonne hing t iefer über dem Mittelmeer. Es war spä-
ter Nachmittag. Die Straße war staubig und die Dörfer
wurden immer kleiner. Hier und dort standen einzelne
Häuser zwischen As1phalt und Strand.
„Wo s ind wir? ", fragte ich.
„S iehst du das?", sagte Vincente 1Und zeigte auf einen
rot-we ißen Hochspannungsmast am Horizont.
. h. „was .ist das.>"
„J a " , sagte 1c
„Torre Faro", sagte Vincente. „Ein kle ines Fischerdorf
und die nordöstlichste Ecke von Sizi lien."
Wir fuhren weiter über kle ine Straßen , vorbei an flachen
Häusern , durch schmale Gassen - den Mast immer vor
Augen. Nach knapp einer halben Stunde Fahrt parkte
Vincente den Wageni am Ufer. Wir stiegen aus. „Seht ihr
d ie Berge dort?", fragte Vincente und zeigte über das
Meer. Wir nic kten. „Das ist Ka labrien ", sagte er. „Italie-
nisches Festland."
„Wow!", sagte Elisabeth. „So nah !"
„Ja", sagte Vincente. „Die Straße von Messina is1t hier
sehr schma l. Knapp drei Ki lometer."
„Und wie geht es jetzt weiter? ", fragte ich und schaute
mich um. „Mit dem Schlauchboot?"
11 Bist du verrückt ?!", sagte Vincente. 11 Es sind vielle icht
nur drei Ki lometer, aber die Küstenwache patrouilliert
auch hier Tag und Nacht."
Mein Onke l nahm sein Te lefon und wählte eine Num-
mer. „Wi r sind hier", sagte er und legte auf Dann gingen
wir auf einen Steg. Die Dämmerung hat te bereits begon-
nen. Die Sonne glitzerte auf dem Meer und d ie Berge
von Kalabrien glühten rötli ch. Fadiyah schaute mit

festem Blick auf das Festland. Es schien so nah , und


doch so fern .
Wir warteten eine We ile. Niemand sagte ein Wort. Es

wurde langsam dunkler. In der Ferne hörten w ir einen


Dieselmotor. Da sahen w ir ein kle ines Fischerboot. Es
näherte sich langsam der Küste.

11 0kay", sagte Vincent e. 11 Seid ihr bereit? "


11 Fur
„ was.>", sagt e .1c h.

11 Das ist Marcello", sagte Vincent e und zeigte auf das

Fischerboot. 11 Ein alter Freund. Er nimmt sie mit."


11 Und was ist mit der Küstenwache? ", fragte El isabeth.

11 M arcel lo wohnt in Ka labrien. Aber er hat Fami lie hier


in Torre Faro. Er fährt jede Woche mehrmals hin und
her. Jeder kennt ihn."
„ 0 n ke11." , sagte .rch. „ D u b'rst ein
. G en1e.
' I"
Vincente hob den Zeigefinger und sagte: „ Es ist trotz-
dem n icht ganz ungefährlich . Wenn die Küstenwache Fa-
diyah entdeckt, kommt Marcel lo ins Gefängnis und un-
sere syrische Freund in in ein Lager."
„ Kein kleines Risiko für deinen Freund „. ", sagte El isa-
beth.
„ Ich habe ihm vor vielen Jahren einen Gefallen getan",
sagte Vincente. „ Lange Gesch ichte ... "
Das Boot ka m immer näher. „ Schnell!", sagte er. „ Hol
die Sachen aus dem Kofferraum!"
Ich brachte die Reisetasche , das Wasser und die M üll-
säcke ans Ufer. „ An.ziehen! ", sagte Vincente zu Fadiyah

und zeigte auf die M üll säcke. Fad iya h sch ien verwirrt.
„Was meinst du mit ,anziehen' „. ?", fragte Elisabeth.
„ Das Boot ist sehr kl ein ", erkl ärte Vincente. „Ma rcello
wird Fadiyah im Unterdeck verstecken ."
„ Aber wozu die M ü IIsäcke? ", fragte ich.
Vincente seufzte und sagte: „Marcel lo ist ein Fischer,
richtig? " Ich nickte. 11 Und was hat ein Fischer an Bord ?",
fragte er.
„Äh ... Fische?", sagte ich.
„ Bingo! ", rief Vincente. „ Fadiyah muss das Unterdeck
leider mit einer Tonne Sardinen und Makrelen teilen ."
„Oh „. ", sagte ich.
Elisabeth übersetzte. Fad iyah nickte. Ich riss ein paar
Löcher in d ie Mül lsäcke. langsam zog Fadiyah das
schwarze Plastik über Arme, Beine und Oberkörper. Ich
packte ein paar Flaschen Wasser in die Reisetasche.
Wenige Sekunden später legte das Boot an . Marcello
war ein Mann mittleren Alters mit dunkelbraun er Haut,
grauem Haar und einem kühl en Blick. Er b,e grüßte mei-
nen Onkel mit einem kurzen Händedruck.
Fadiyah nahm die Reisetasche in die Hand. Sie schaute
ängst lich auf das kleine Boot. Der Himmel war dunkelrot
und das Meer sch immerte wie ein Ölteppich.
„ Keine Angst!", sagte Vincente in gebrochenem Eng-
lisch. „M arcel lo ist ein guter Freund! "
Fadiyah umarmte Elisabeth und sagte etwas auf Ara-
bisch. Elisabeth lächelte. Dann stieg sie ins Boot.
„Schreib uns eine SMS, wenn du angekommen bist!",
sagte ich.
Fadiyah nickte und drehte sich um .
„ Moment!", rief Vincente. Er rannte zum Auto und kam
mit einem kleinen Päckchen zu rück. Er war außer Atem .
„ Die Cannoli!", rief er und gab Fad iyah das Päckcheni.
Sie lächelte. Marcello öffnete eine Luke. Ein schreck-
licher Geruch kam aus dem Unterdeck. Fadiyah winkte
ein letztes Mal und stieg stoisch hinein.
Dann ging alles sehr schnel l. Marcello legte ab und
startete den Motor. Wir starrten auf das Licht des Fi-
scherboots, bis es in der Dunkelheit ve rsch wunden war.
Dann sagte Vincente: „So, Kinder! Zeit zum
Abendessen !"

-
Landstraße: country road 1 eine Reihe: a number (of) 1

hing: hung 1 staubig: dusty 1 Dörfer: villages 1 wurden


immer kleiner: became smaller and smaller 1 einzeln: sin-
gle Asphalt: asphalt Strand: beach
Hochspannungsmast: electricity pylon 1 nordöstlichste:
northeastern1most 1 Ecke: corner 1 Fischerdorf: fishing vil-
lage 1 flach: flat 1 schmal: narrow 1 Gasse: alley 1 Mast:
pylon 1 so nah: so close 1 Straße von Messina: Strait of
Messina 1 wie geht es jetzt weiter: Wh:at's next? 1
verrückt: crazy 1 patrouilliert: patrols ! legte auf: hung up 1

Dämmerung: dusk 1 fest: firm 1 fern: distant 1 Ferne: di-


stance 1 Dieselmotor: diesel engine 1 Fischerboot: fishing
boat 1 Seid ihr bereit?: Are you ready? 1 Er nimmt sie mit.:
He'll take her along. 1 mehrmals: multiple times 1 Jeder
kennt ihn.: Everyone knows him. 1 Genie: genius 1

ungefährlich: harmless 1 Zeigefinger: index finger 1


entdeckt: discovers 1 Gefängnis: prison 1 Freundin: (fe-
male) friend 1 einen Gefallen getan: done a favor 1
Sachen: things 1 Was meinst du mit ... ?: What do you
mean by ... ? 1 Unterdeck: lower deck 1 verstecken: hide 1

Fischer: fisherman 1 an Bord: on board 1 leider: unfortu-


nately 1 Tonne: ton 1 Makrelen: mackerels 1 teilen: share 1
riss: tore 1 Löcher: holes 1 Beine: legs 1 Oberkörper: torso 1

legte an: moored 1 mittleren Allters: middle-aged


dunkelbraun: dark brown 1 Händedruck: handshake 1
dunkelrot: dark red schimmerte: shimmered
Ölteppich: oil slick 1 Schreib uns!: Write us! 1 drehte sich
um: turned around II Päckchen: packet 1 außer Atem: out
of btreath 1 Luke: hatch 1 Geruch: odor 1 ein letztes Mal:
one last time 1 stoisch: stoically ! legte ab: put (out) to sea
1 Dunkelheit: darkness 1 Zeit zum Abendessen: time for
dinner
Übung

1. Vincente fährt an die ... Ecke Siziliens.

a) nordöstlichste

b) südöstlichste

c) nordwestlichste

2. Von Torre Faro kann man ... sehen.

a) Tunesien

b) das ita lienische Festland

c) Palermo

3. Was nähert sich der Küste?

a) ein Schlauchboot

b) ein Schiff der Küstenwache


c) ein Fischerboot

4 . Wer ist Marcello?

a) Vi ncentes Cousin

b) ein alter Freund von Vincente

c) Dinos Cousin

5. Warum fährt Marcello oft hin und her?

a) Er wohnt in Kalabrien und hat Fami lie in Messina.

b) Er wohnt in Torre Faro und hat Familie in Kalabrien.

c) Er wohnt in Kalabrien und hat Fami lie in Torre Faro.

6. Vincente hat Marcello vor vielen Jahren „ .

a) ein Boot gekauft

b) einen Gefallen getan


c) viel Geld gegeben

7. Warum soll Fadiyah Müllsäcke anziehen?

a) Sie hat kenne andere Kleidung.

b) Es regnet sehr stark.

c) Sie muss sich zwischen Fischen verstecken.

8. Aus dem Unterdeck kommt ein „. Geruch.

a) wunderbarer

b) schrecklicher

c) neutra ler
10. Auf Wiedersehen, Sizilien

-
Zurück in Palermo, im Haus meiner Eltern , war es sehr
ruhig. Meine Mutter arbeitete tagsüber im Garten und
mein Vater friemelte in der Garage an seinem alten Fiat.
El isabeth und ich hatten nun end lich ein bisschen Zeit
nur für uns. Wir machten lange Spaziergänge, redeten
und lagen am Strand. Die Tage verginge n, aber wir hör-
ten kein Wort von Fadiyah.
„Glaubst du, sie ist angekommen?", fragte ich eines
Abends. Wir saßen im Garten und tra nken Marsala. Die
Grillen zirpten.
„Klar", sagte Eli sabeth und nippte an ihrem Wein. 11 Kein
Zweifel ."
„Aber warum schreibt sie n icht? ", fragte ich.
„Keine Ahnung", sagte Elisabeth. ,,,Gib ihr ein bisschen
Zeit! Sie ist ein Fremder in einem fremd en Land."
„Mmh", sagte ich und schaute in den H immel. N ach
einer Weile fügte ich hinzu: „ Hast dru eigentlich den Arti-
kel veröffentlicht?"
Elisabeth nickte und sagte: „Ja. Der Blogpost hat schon
vi ele Kommentare. Und heute Morgen hat sogar eine in-
ternationa le Hilfsorganisation den Artikel geteilt!"
In dem Augenblick trat Onkel Vincente aus dem Haus.
Er rauchte eine Z igarre und sagte: „Was für eine
wunderschöne Nacht, Kinder!"
„ Onkel!", sagte ich und zeigte auf einen Stuhl. „Setz
dich !"
Er lachte und sagte: „Nein, ich will euren romantisch en
Abend nicht stören."
„Es ist in Ordnung", sagte Elisabeth. „Wir reden gerade
über Fadiyah ."
„Oh, apropos", sagte Vincente und zog seiin Handy aus
der Hosentasche. „Ich habe vor ei n paar Stunden eine
SMS von ihr bekommen . Auf Arabisch „."
„Was?", sagte ich. Elisabeth stand auf. Vincente zeigte
ihr die SMS und sie begann zu lesen: „Liebe Freunde,
ich bin in München angekommen. Das Wetter ist ein
bisschen ka lt, abe r die Menschen sind sehr nett. Ich
werde nie vergessen , was ihr für mich getan habt. Gott
segne euch ! Fadiyah"
Onkel Vincente lächelte und sagte: „Ende gut, alles
gut."
„Ja „.", sagte Elisabeth. „Aber das ist erst der Anfang.
Jetzt muss sile Deutsch lernen und Arbeit finden „."
„Das kommt mir irgendwie bekannt vor „. ", sagte ich
und trank einen Schluck Wein.
Elisabeth lachte und sagte: „Wie dem auch sei. Sie hat
es geschafft!"
„Dank Onkel Vincente! ", sagte ich und gab ihm ein
Glas.
„Was trinkt ihr?", fragte er und schaute auf das Etikett
der flasche. „ Oh, Marsala! Sehr gut! Das Leben ist zu
kurz, um sch lechten Wein zu trinken."
Wir lach t en und stießen an . Vincente rauchte seine Z i-
garre zu Ende und ging zurück ins Haus. Elisabeth und
ich saßen noch eine Weile im Garte n und schauten in

den Sternenhimmel.
„Weißt du was ... ?", sagte sie plötzlich.
. h.
„ Was.;:> " , sagte 1c
„ Ich war selten so glücklich wie i n diesem Moment",
sagte sie leise. Ich nahm ihre Hand und lächelte. Sie
sch loss die Augen und ich küsste sie.

Am nächsten Morgen wachten wir nebeneinander auf


Wi r duschten , zogen uns an und gingen nach unten. Es
war bereits elf Uhr. Meine Mutter pflückte draußen
.
Tomaten und mein Vater las d ie Zeitung Im
Wohnzimmer.
Nach einem ausgiebigen Frühstück nahmen wir den
Bus in die Innenstadt. Ich zeigte Eli sabeth meine alte
Schule und wir spazierten durch d ie Altstadt, über den
Piazza Pretoria, vorbei an der Chiesa Santissimo Sa /vatore,
zur Kathedrale von Palermo.
Dort setzten wir uns auf ein paar Treppenstufen und
tran ken einen Sch luck Wasser. „ Ich liebe d iese Stadt!",
sagte Elisabeth.
„Ja ... ", sagte ich und w ischte den Schweiß von meiner
Stirn . „ Wenn es nur nicht so heiß wäre ... " Ich warf die
leere Wasserflasche in einen Mülleimer und sagte:
„ Mann, ich habe einen Durst!"
„ Schau! ", sagte Elisabeth. „ Da vorne ist ein Internet-
Cafe. Du kannst dort etwas tri nken, und ich kann
nachsehen, ob es neue Kommentare gibt."
Wi r überquerten die Straße und betraten das Cafe. Eine
Klimaanlage blies kühle Luft über unsere Köpfe. Wi r be-
stellten zwei Softdrinks mit Eis. Ich checkte meine
Email s und fand ein paar Fotos von Alfredo und Loretta
. . .
beim Schnorcheln, auf einem Motorrad, 1n einer
Hängematte. „Liebe Grüße aus den Ma lediven ", stand
darunter.
„ Hey, El isabeth!", rief ich. „Will st du d ie Flitterwo-
chenfotos von Alfredo und Loretta sehen?" Sie antwor-
tete nicht, sondern starrte bloß stumm auf ihren
Bildsch irm .
„Was ist?", sagte ic h. „Hast du neue Kommentare?"
„J a ... nein. Ich ... ", stammelte s ie.
„Was hast du denn ?", rief ich und beugte mich zu ihr
herüber.
„Ich habe eine Email bekommen", sagte Sie. uVom
Chefredakteur einer großen engli schen Zeitung. Er hat
meinen Artikel gelesen ."
. kl"1ch.;> «, sagte 1. c h. „was sc hre1'bt er.;>«
„W1r
„Er fand Fadiyahs Gesch ichte ,sehr ergreifend ' und wil l
den Artikel veröffentlichen", er klä rte Elisabeth. „Gegen
,angemessenes Honorar'!"
„Oh .'" , sagte .1ch. „G1, uc
·· kwunsc hl. "
„U nd nicht nur das ... ", sagte Eli sabeth. „Sie wo llen
jetzt jede Woche ei nen Arti kel über die Lebensgeschichte
von Flüchtlingen drucken . Er fragt, ob ich Interesse habe
... "
„ Und ... .;> ", sagte .1c h.
„Was für eine Frage!", sagte Eli sabeth . „Natürlich habe
ich Interesse! Aber es gibt eine Bedingung ... "
.. I' h;> " .h
11 N am 1c . , sagte 1c .

11 Die Zeitung will, dass ich mit Flüchtli ngen in Wien


spreche. übermorgen ! Sie bezahlen Flug und Hotel."
„Mmh ", sagte ich. „Wien? Ich war noch nie in
Österreich ."
„Ich auch nicht ... ", sagte Elisabeth.
„Warum fliegen wir nicht zusammen?", sagte ich.
„Im Ernst?", sagte s ie. „Aber .. . was willst du dort ma·
chen?"
„Die Österreicher sprechen Deutsch , oder nicht?",
sagte ich. Elisabeth nickte.
11 Na also", sagte ich . „ Du kannst dort d,e inen Artike l
schreiben , und ich werde ein bisschen Deutsch lernen!
Ich habe schon wieder so viel vergessen ."
-
ruhig: quiet 1 arbeitete: worked 1 tagsüber: during the day
1 friemelte an: tinkered with 1 nur für uns: just fo11 our-
selves 1 machte lange Spaziergänge: took long walks l lag
am Strand: lay on the beach 1 ver.ging: passed 1 Wort:
word 1 zirpte: chirped 1 Klar!: Surel 1 Kein Zweifell: No
doubt! 1 Fremder: stranger 1 fremd: strange 1 fügte hinzu:
added 1 Kommentare: com ments 1 sogar: even 1

Hilfsorganisation: aid agency geteilt: shared


Augenblick: moment 1 rauchte: smoked 1 Stuhl: chair 1

Setz dich!: sit down! 1 romantisch: romantic 1 Abend: eve-


ning 1 stören: interrupt 1 bekommen: received l Ich werde
nie vergessen ... : 1'11 never forget ... 1 Gott segne euch!:
God bless you! 1 Ende gut, alles gut.: All's well that ends
well. 1 erst der Anfang: only the beginning 1 Das kommt
mir bekannt vor.: That sounds familiar to me. 1 Sie hat es
geschafft.: She did it. 1 dank ... : thanks to ... 1 Etikett: label
1 zu kurz, um ... : too short to ... 1 wir stießen an: we clin-
ked glasses 1 rauchte zu Ende: finished smoking 1
Sternenhimmel: starlit sky 1 Weißt du was?: You know
what? !selten: rarely 1 so glücklich wie: as happy as 1
wachte auf: woke up 1 pflückte: picked 1 draußen: outside
1 las : read 1 ausgiebig: extensive 1 Schule: school 1

Altstadt: old town 1 Kathedrale: cathedral 1 Ich liebe ...: 1


love ... 1 Schweiß: sweat 1 Stirn: forehead 1 Wenn es nur
nicht so ... wäre.: lf only it weren't so ... 1 warf: threw 1

Wasserflasche: water bottle 1 Mülleimer: trashcan 1


Durst: thirst 1 nachsehen: check 1 überquerte: crossed 1

Klimaanlage: air conditioning 1 blies: blew 1 Eis: ice 1

Fotos: photos 1 Schnorcheln: snorkeling 1 Motorrad:


motorcycle 1 Hängematte: hammock 1 Liebe Grüße: best
regards 1 stand darunter: it said underneath 1 sondern:
but 1 stumm: mutely 1 Was hast du denn?: What's the
matter? 1 ich beugte mich zu ihr herüber: 1 leaned over to
her 1 Chefredakteur: chief editor 1 gelesen: read 1 schreibt:
writes 1 ergreifend: gripping 1 gegen angemessenes
Honorar: for an appropriate fee 1 Glückwunsch!: Con-
gratulations! 1 nicht nur das: not only that 1 jede Woche:
every week 1 Lebensgeschichte: life story 1 drucken: print 1
ob ich Interesse habe: if l'm interested 1 Was für eine
Frage!: What a question! 1 Bedingung: condition 1
Nämlich?: Namely? 1 Wien: Vienna 1 übermorgen: day
after tomorrow 1 bezahlen: pay 1 Ich war noch nie in ... :
l've never been to ... 1 Österreich: Austria 1 ich auch nicht:
me neither 1 Im Ernst?: Are you serious? 1 Österreicher:
Austrian 1 schon wieder: again 1 vergessen: forgotten
Übung

1. Dino und Elisabeth haben jetzt ...

a) ein bisschen Zeit nur für sich

b) keine Zeit mehr

c) viel Zeit zum Arbeiten

2. Vincente hat ... von Fadiyah bekommen

a) einen Brief

b) einen Anru f

c) eine SMS

3. Fadiyah ist ...

a) zurück nach Syrien gegangen

b) in München angekommen
c) nac h Hamburg gefahren

4. Am nächsten Morgen fahren Dino und Elisabeth „.

a) zum Flughafen

b) nach Cefalu

c) in d ie 1nnenstadt von Palermo

5. Wie findet Elisabeth Palermo?

a) Sie liebt diese Stadt.

b) Sie hasst diese Stadt.

c) Si e findet diese Stadt in Ordnung.


1

6. Dino bekommt eine Email mit Fotos „.

a) von Alfredo und Loretta

b) von Fadiyah
c) vom Chefredakteur einer englisch en Zeitung

7. Elisabeth bekommt eine Email „.

a) von Alfredo und Loretta

b) von Fadiyah

c) vom Chefreda kteur einer englische n Zeitung

8. Die Zeitung will Elisabeths Artikel .„

a) veröffent lichen

b) verändern

c) löschen

9. Warum soll Elisabeth nach Wien reisen?

a) Sie soll dort mit Flüchtlin gen sprechen.

b) Sie sol l dort im Büro arbeiten.


c) Sie so ll dort mit Pol iti kern sprechen.

10. Was schlägt Dino vor?

a) Dass er alleine nach Wien geht.

b) Dass El isabeth alleine nach W ien geht.

c) Dass sie zusammen nach Wien gehen.

11. Was will Dino in Wien machen?

a) mit Flüchtlingen sprechen

b) Deutsch lernen

c) Arbeit suchen
Answer Key /Lösungen
i.c, b, a,c, b,c,a
2. c, b, a, c, a, b, a
3. c, a, a, b, c, b, a, b, c, b, a
4.c, b, c, b, a, b, c, a, b, c
5. b, a, b, c, b, a, a, b, c, b
6. b, a, b, c, a, c, b, a, a, c
7. c, b, b, c, a, a, c, a
8.a, b, a, c, a, b, c, b, b, b, c
9. a, b, c, b, c, b, c, b
io. a, c, b, c, a, a, c, a, a, c, b
About the Author

Andre Klein was born in Germany, grew up in Sweden


and Thailand and currently lives in 1srael. He has been
teaching languages for more than i s years and is the
author of various short stories, picture books and
non-fiction works in English and German.

Website: andreklein.net
Tw itter: twitter.com /barrencode
'
Blog: learnoutlive.com/blog
Acknowledgements

Special thanks to Momen Adas, Deborah Hanson, Ste-


wart Leckie, Helmut Mü ller, Dr Simon Matravers, Brian
Taylor, 1gnacio Cuervo and Eti Shani.

-
This book is an independent production. Did you find any
typos or broken links? Send an email to the author at
andre@learnoutli11e.com and if your suggestion makes it
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