Sie sind auf Seite 1von 2

Christoph Hümmer

Die modale Kompositionstechnik bei Olivier Messiaen

Messiaen beginnt zunächst Tonhöhe und Tondauern zu ordnen und so zu seinem seriellen Material
zu verareiten seine neue Technik der Modi mit begrenzter Transpositionsmöglichkeit stellt er erstmals
im Vorwort zu seinem Orgelzyklus »La nativité du seigneur« (1935) vor, hier findet auch seine Tech-
nik der Rhythmen mit den hinzugefügten Werten ihre erste Erwähnung. Eine Zusammenfassung
seiner Kompositionstechnischen und -theoretischen Arbeitsweisen findet sich in »Technique de mon
langage musical« (1944).
Die Modi sind deswegen von begrenzter Transpositionsmöglichkeit, da man durch eine immer wei-
tergehende Transposition schließlich wieder auf eine bereits augetretene Skala mit denselben Tönen
- ggf. unter enharmonsicher Umdeutung - stößt. Eine Transposition soll ausdrücklich nur weniger
als zwölfmal erfolgen können. Messiaen betrachtet die Modi als umso interessanter, je weniger Trans-
positionsmöglichkeiten sie zulassen. Eine gleichstufig Temperierte Skala wird dabei als Voraussetzung
angenommen. Messiaens Modi unterscheiden sich von dodekaphonischen Skalen, Tonleitern und
den modalen Systemen Indiens, Chinas und der Antike durch diese Tatsache der begrenzten Trans-
positionsmöglichkeit.
Tonarten sind in diesem System genaugenommen modusähnliches Sonderfälle, die Abfolge von
Ganz- bzw. Halbtonschritten bleibt stets gleich, die tonale Basis (Finalis) kann verändert werden.
Die Modi sind stets aus mehreren Gruppen in symmetrischer Weise aufgebaut, der letzte Ton einer
Gruppe ist stets auch der erste Ton der nächsten Gruppe. Gruppen sind hierbei als intervallische
Einheiten zu verstehen, die Gruppe ist zu Ende, wenn eine Intervallfolge gleicher Konstellation wie-
der von vorne beginnt (-> je 2 Töne im 1. Modus bilden beispielsweise eine Gruppe) Das Ende der
Transponiermöglichkeiten ist demnach erreicht, wenn ein Modus auf dem ersten Ton der zweiten
Gruppe beginnen würde.

1. Modus
6 Gruppen zu je 2 Tönen, Ganztonleiter, zwei Transpositionen (»Grundgestalt« & »Grundgestalt+
1HT, die »Grundgestalt« wird immer als »erste Transposition« betrachtet)

2. Modus
4 Gruppen zu je 3 Tönen, HT+GT, drei Transpositionen

3. Modus
3 Gruppen zu je 4 Tönen, GT+HT+HT, vier Transpositionen
Christoph Hümmer

4.-7. Modus
2 Gruppen zu vier (5. Modus), fünf (4.&6. Modus) oder sechs (7. Modus) Tönen,
HT+HT+KT+HT
HT+TT+HT
GT+GT+HT+HT
HT+HT+HT+GT+HT
je sechs Transpositionen

Die Konstruktion der Modi selbst erfolgt über eine Teilung der zugrundeliegenden chromatischen
zwölftönigen Skala der Okatve in Gruppen und eine Herbeiführung gleicher Intervallabfolgen in-
nerhalb dieser Gruppen mittels Elimination unpassender Töne. Ein Modus aus 12 einzelnen HT
wäre demnach nicht möglich, da hier keine Elimination erfolgt. Beim Falle einer einzigen Gruppe
mit zwölf Tönen sind immer auch zwölf Transpositionen denkbar - das wollte Messiaen ausdrücklich
nicht.

Die Bauweise der Modi ermöglicht auch gewisse Harmoniebildungen. Im zweiten Modus beispiels-
weise können aus dem Tonvorrat C-Dur, Es-Dur, Fis-Dur und A-Dur gewonnen werden jedoch
keine der jeweils zugehörigen Subdominanten/Dominanten. Etwaige Modulationen fallen durch
die starke Eigencharakteristik der Modi deutlich stärker auf als im tonalen System, ebenso tritt in
seinen Werken Polymodalität auf.

Das könnte Ihnen auch gefallen