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Lesekurs für

Geisteswissenschaftler
Texte und Übungen für Anfänger

von
Marie-Luise Brandi und Barbara Momenteau
unter Mitwirkung der Verlagsredaktion

Klett Edition Deutsch


Lesekurs für Geisteswissenschaftler
Texte und Übungen für Anfänger
von

Marie-Luise Brandi und Barbara Momenteau

Redaktion: Wolfgang Weermann

Komponenten:
Texte und Übungen für Anfänger (ISBN 3-12-675360-4)
Textreihen und Übungen für Fortgeschrittene (ISBN 3-12-675361-2)
Anhang Französisch (ISBN 3-12-675362-0)
Anhang Englisch (ISBN 3-12-675363-9)

Alle Drucke dieser Auflage können im Unterricht nebeneinander benutzt werden,


sie sind untereinander unverändert. Die letzte Zahl bezeichnet das Jahr des Druckes.

OVerlag Klett Edition Deutsch GmbH, München 1992


Alle Rechte vorbehalten.
Übersetzungen (Englisch): Sue Bollans, München
Typographie und Layout: Alfred Lahner, München
Umschlag (Zeichnung und Layout): Barbara M. Köhler, München
Gesamtherstellung: REIFF-Druck, München . Printed in Germany

ISBN 3-12-675360-4
Einleitung

Zielgruppe
Das vorliegende Kompendium richtet sich an Lerner, die aus persönlichen oder beruflichen Gründen
a m Lesen deutscher Texte aus dem Bereich der Geisteswissenschaften interessiert sind. Dazu gehören
u.a. Historiker, Psychologen, Philosophen, Archivare, Soziologen und Studenten geisteswissenschaft-
licher Disziplinen. Für diese Zielgruppe geht es vorrangig um die Fertigkeit Lesen.

Lernziel
Bei der Einführung in das Lesen geisteswissenschaftlicher Texte soll der Lerner mit Hilfe einer an
seinen spezifischen Bedürfnissen ausgerichteten Methode Mittel zur Entschlüsselung authentischer
Texte in die Hand bekommen. Diese Mittel sollen ihm das Erkennen und Verstehen der Gesetzmäßig-
keiten in der deutschen Sprache ermöglichen, insbesondere der Eigenheiten der Schriftsprache auf
dem Gebiet der Geisteswissenschaften. Endziel ist also, daß der Leser-Lerner beim Entschlüsseln ihn
angehender Texte soweit wie möglich autonom vorgehen kann. Das ist für ihn um so wichtiger, als
auch die beste Übersetzung dem Original nie vollkommen gerecht werden kann und auf vielen Gebie-
ten Übersetzungen fehlen.

Methode und methodische Schritte


Ein so definiertes Lernziel setzt beim methodischen Vorgehen andere Schwerpunkte als beim gleich-
zeitigen Vermitteln und Üben der Fertigkeiten Hören, Sprechen, Lesen, Schreiben. In der hier vorge-
stellten Methode geht es darum, daß der Leser-Lerner Zeichen im Text erkennen lernt, die er in Be-
deutung umsetzen kann, die ihm somit schrittweisen Zugang zum Inhalt verschaffen, vom globalen bis
hin zum detaillierten Verständnis. Kommunikationssprache bleibt im Unterricht die Muttersprache.
I n geisteswissenschaftlichen Texten werden Phänomene dargestellt, definiert, diskutiert, Hypothesen
definiert, belegt oder widerlegt. Das bringt notwendig mit sich, daß gewisse »Schlüsselwörter« immer
wieder erscheinen. Diese äußerlich erkennbaren Zeichen in Fachtexten bestimmen die Thematik und
greifen sie immer wieder auf.
Dementsprechend wird der Leser im ersten Arbeitsschritt, nach einer Kontextualisierung nach Autor
und Titel, aufgefordert, Eigennamen, Internationalismen und frequente Wörter zu unterstreichen. Bei
Internationalismen, die in Fachtexten gebraucht werden, handelt es sich um Termini lateinischen und
griechischen Ursprungs, deren deutsche Erscheinungsform sich quasi mit der der Muttersprache
deckt, die also unmittelbar verständlich sind. Unter frequenten Wörtern verstehen wir der gleichen
Wortfamilie zugehörige Wörter, die durch ihr häufiges Auftreten im Text ins Auge fallen, d.h. daß ein
Wortstamm in adäquat veränderter Weise immer wieder auftaucht.
Das Aufsuchen der frequenten Wörter geschieht zunächst nach ihrer äußeren Erscheinungsform, ohne
daß das Wort notwendig verstanden wird. Es muß jedoch erkannt werden, daß verschiedene Erschei-
nungsformen den gleichen Wortstamm enthalten. Dieser Erkenntnisprozeß und die anschließende
Wortanalyse mit Hilfe von Gruppierungen nach Wortfamilien sollen die Lerner mit den Gesetzmäßig-
keiten der Wortbildung vertraut machen. Gedankliche Querverbindungen zwischen den frequenten
Wörtern, Eigennamen und Internationalismen lassen dann erste Rückschlüsse auf den Inhalt des Tex-
tes zu.
Der zweite Arbeitsschritt besteht im Aufsuchen sogenannter Signalwörter. Was sind Signalwörter? Sie
zeigen an, ob eine Aussage bejaht oder verneint wird, nur beschränkt gültig ist oder bekräftigt wird,
also Modaladverbien von der Verneinung über die Einschränkung bis hin zur Bekräftigung. Demon-
strativa, da sie auf ein wichtiges bereits genanntes Phänomen verweisen oder auf seine Nennung vor-
bereiten. Interrogativpronomen, die Fragen aufwerfen, und Konjunktionen, die den Text argumenta-
tiv strukturieren. Am Auftreten der verschiedenen Signalwörter und ihrer Häufigkeit kann man sofort
erkennen, ob es sich um einen Text bzw. eine Textstelle mit definitorischem oder argumentativem
Charakter handelt, ob Thesen einfach dargestellt werden oder sich in ihrer Definition der Gegenüber-
stellung von Gegensätzen bedienen, ob und an welcher Stelle die Argumentation Begründungen und
Erläuterungen anführt, auf Vorbedingungen hinweist usw.
Die Sinnverbindung der frequenten Wörter mit den Signalwörtern ermöglicht es, das Verständnis des
Textes in seinen logischen Zusammenhängen zu vertiefen. Wie in der muttersprachlichen Situation die
Fachleser entscheiden, ob ihnen die bereits erhaltenen Informationen genügen, könnte auch hier die 1
Lektüre nach jedem Leseschritt abgebrochen werden. In der Kurssituation werden alle Leseschritte
vom globalen bis zum detaillierten Lesen durchlaufen, da der Leser-Lerner an ihnen die entsprechen-
den Strategien lernen und üben soll.
Als dritter Arbeitsvorgang erfolgt das detaillierte Lesen des Textes. Dabei hat es sich als hilfreich er-
wiesen, daß der Kursleiter den Text satzweise vorliest. Er vollzieht damit für den Leser-Lerner das
Lesen mit dem inneren Ohr, das ihm im Deutschen erst vertraut werden muß.
Ausgehend von den bereits geklärten frequenten Wörtern, Internationalismen und Signalwörtern wer-
den die Verständnisinseln im Satz erweitert:
- durch Einbeziehung der Substantive, von denen als frequente Wörter unterstrichene Genitivfor-
men oder attributive Adjektive abhängig sind,
- durch Einbeziehung des Wortes bzw. der Wortgruppe, die auf ein Modaladverb folgt (in seltenen
Fällen ihm vorausgeht) als einer wichtigen Aussage im Satz,
- durch Aufsuchen der Verbalgruppe (= Verb + Verbergänzung), wenn ein Signalwort (Konjunk-

tion) es inhaltlich erfordert,


- durch Aufsuchen der Verbalgruppe und seine Bedeutungsbestimmung unter Einbeziehung des
Subjekts und der bereits entschlüsselten Inseln. Oft lassen diese schon verhältnismäßig sichere Ver-
mutungen über die Verbaussage zu.
Ausgehend vom zunächst rein mechanischen Zugriff auf Wort- wie auf Satzebene soll der Lerner all-
mählich dahingeführt werden, Wesentliches von Unwesentlichem zu unterscheiden. Das betrifft so-
wohl das Aufgreifen von frequenten Wörtern nach dem Gesichtspunkt, ob sie inhaltlich von Belang
sind oder nicht, als auch, bei der Verständnisvertiefung, die Einbeziehung von Signalwörtern: es muß
erkannt werden, ob sie nur ein Satzelement oder die ganze Satzaussage betreffen und damit die Einbe-
ziehung der Verbalgruppe bzw. der Verbergänzung notwendig machen. Erfahrungsgemäß ist der
Lerner mit der Orientierung im Satzgefüge schnell vertraut; auch bei der Wortanalyse erlangt er, was
die Anwendung von Wortbildungsgesetzmäßigkeiten betrifft, rasch große Sicherheit. Sie erlaubt ihm
in vielen Fällen, die wahrscheinliche Bedeutung eines Wortes zu bestimmen. Es ist jedoch unbestreit-
bar, daß die Lexik immer ein Problem darstellen wird und auch durch richtig angewandte Wortanaly-
se in ihrer Bedeutungsbestimmung nie völlig abgesichert ist. Die Methode kann hier nur zu einer rela-
tiven Autonomie führen und die Zuhilfenahme des Wörterbuches nicht ausschließen.
Noch bestehende Unklarheiten auf Wort- bzw. Satzebene rechtfertigen punktuell eine textnahe Kon-
trollübersetzung, die lediglich der Bedeutungsabgrenzung dienen und das Verständnis sichern soll,
also keinen Wert auf stilistische Vollkommenheit in der Muttersprache legt.
In manchen Fällen kann es sich allerdings für den Leser-Lerner als interessant erweisen, die ihm be-
kannte muttersprachliche Übersetzung mit dem Original zu vergleichen.
Der nunmehr erarbeitete Text wird von den Lernern unter Anleitung des Lehrers satzweise vorgelesen.
Durch Nachahmen der richtigen Intonation und der Satzmelodie vollzieht der Lerner den Text auf
einer anderen Ebene als der der verstandesmäßigen Erkenntnis sinngemäß noch einmal nach.
An alle Texte schließen sich Ubungen an. Sie greifen textspezifische Phänomene in Syntax bzw. Wort-
bildung auf, in deren Erkenntnis der Leser-Lerner sich üben soll. Ausschlaggebend bei der Auswahl
des zu übenden Stoffes ist die Häufigkeit, mit der textspezifische grammatische Phänomene in geistes-
wissenschaftlichen Texten auftreten. Insofern erheben die Übungen, wie auch die im Anhang behan-
delten Punkte, keinen Anspruch auf Vollständigkeit bezüglich der deutschen Sprache im allgemeinen.
Grammatische Aspekte, die für die Entschlüsselung dieser Texte von geringer Bedeutung sind, werden
demzufolge nicht behandelt.
In der Anfängerreihe bauen Texte wie Übungen progressiv aufeinander auf, so daß die Lerner im er-
sten Jahr die zum Leseverstehen nötige Grundgrammatik durchlaufen. In den Übungen für Fortge-
schrittene wird das bereits Behandelte vertieft. Außerdem werden Besonderheiten der verschiedenen
Fachsprachen bewußt gemacht und auf häufig auftretende stilistische Eigenheiten hingewiesen.
Neben den grammatisch ausgerichteten Übungen stehen inhaltlich bezogene, die den Text in seinen
wichtigen Aussagen zusammenfassen. Bei den Anfängern sind es vorwiegend die sogenannten »Leit-
sätze«, die den Text durch das Aufsuchen der Verbergänzung rekapitulieren. In den Textreihen für
Fortgeschrittene sind die verschiedenen inhaltsbezogenen Übungsformen dem Schwierigkeitsgrad des
Textes und dem Kenntnisstand der Lerner angepaßt. Damit soll verhindert werden, daß über der
Arbeit mit dem Formalen der Blick für die inhaltlichen Zusammenhänge verlorengeht.
Auf den Seiten 10-12 werden die methodischen Schritte anhand eines Textes exemplarisch aufgezeigt.

Aufbau des Kompendiums


Das Kompendium gliedert sich in drei Teile:
1. Texte und Übungen für Anfänger (1. Jahr)
Die Textzusammenstellung stellt keinen Querschnitt durch die geisteswissenschaftliche Literatur
dar.
Inhaltliches Auswahlkriterium war die Tatsache, daß die Texte in geisteswissenschaftliches Voka-
bular einführen und dem Leseinteresse von Geisteswissenschaftlern gerecht werden. Ihr sprach-
licher Schwierigkeitsgrad entschied über ihre Reihenfolge. Die Texte bauen progressiv aufeinander
auf und bestimmen den jeweils zu behandelnden »Lernstoff«, dem Übungen zugeordnet sind.
2. Textreihen und Übungen für Fortgeschrittene (2. und 3. Jahr)
Auch diese Textreihen können keinen Anspruch auf inhaltliche Repräsentativität erheben. Sie
bringen Beispiele aus den verschiedenen Fachbereichen, setzen jedoch kein fachspezifisches Vor-
wissen voraus. Inhaltlich wurde dem von den Lernern geäußerten Interesse Rechnung getragen.
Die Texte sind unter thematischen Gesichtspunkten zu Reihen zusammengestellt: das ermöglicht
eine progressive Vertiefung der Kenntnis, sowohl in bezug auf fach- bzw. themenspezifisches
Vokabular als auch in bezug auf den jeweiligen Themenkreis.
Die beigeordneten Übungen entsprechen den am Ende jedes Textes angegebenen textspezifischen
»Schwerpunkten« zur Grammatik. Unter »Hinweise« sind weitere textspezifische Merkmale ange-
geben, auf die der Kursleiter gegebenenfalls hinweisen kann, die jedoch nicht in Übungen aufge-
griffen werden. Inhaltsbezogene Übungen ermöglichen einen thematischen Überblick und stellen
innerhalb der Reihen Bezüge zwischen den einzelnen Texten her.
Anfänger- und Fortgeschrittenenband sind jeweils mit einem Lösungsschlüssel versehen. Die dabei
angegebenen Übersetzungen sind möglichst textnah, um den Ü b ~ n ~ s c h a r a k tzu
e r wahren.
3. Ein muttersprachlich abgefaßter Anhang als Nachschlagemöglichkeit für die Lerner
Er enthält einen Grundriß der Grammatik zum Leseverstehen, eine Zusammenstellung der häufig
auftretenden Wortwurzeln, gängige Abkürzungen und fachspezifisches Vokabular zu den Berei-
chen Philosophie, Psychologie und Soziologie. Dabei handelt es sich um einen Minimalwortschatz,
der für das Verständnis der aufgeführten Texte notwendig erscheint. Die Entsprechungen stam-
men, soweit vorhanden, aus muttersprachlichen Fachwörterbüchern und von Wissenschaftlern
unter den Leser-Lernern.
rt-
Bei der Abfassung eines Grundrisses der Grammatik zum Leseverstehen war unser Anliegen,
lhl
grammatische Phänomene im weitesten Sinne darzustellen, die für den Erkenntnisprozeß beim
es-
Lesen unerläßlich sind, also geisteswissenschaftliche Texte durch die Häufigkeit ihres Auftretens
in-
kennzeichnen und im Vergleich zur jeweiligen Muttersprache für das Deutsche bestimmend sind.
n.
Grammatische Aspekte, die in der Muttersprache parallel laufen und keiner Bewußtmachung be-
dürfen, sind absichtlich ausgespart.
Im Anhang behandelte Schwerpunkte
1 . Racines estimees les plus productives / Roots that are considered rnost productive
Damit sind Wortwurzeln gemeint, die aufgrund ihrer Möglichkeit der Wortbildung mit Hilfe von
Präfixen, Suffixen und Zusammensetzung das deutsche Vokabular durch die Häufigkeit ihres Auf-
treten~bestimmen.
2. Suffies et prkixes servant a la formation de mots / Suffixes and prefixes used in the formation of
words
Hierbei handelt es sich um eine Auflistung und Bedeutungsbestimmung der Suffixe und Präfixe,
die bei der Bildung von Substantiven, Adjektiven und Verben häufig auftreten und für die Wort-
analyse wichtig sind.
3 . Le verbe / The verb
In diesem Kapitel werden nur die für die geschriebene Sprache charakteristischen Formen und
Funktionen aufgeführt. Schwerpunkte bilden dementsprechend die Auflistung von unregelmäßi-
gen Verben und die Darstellung der verschiedenen Funktionen des Partizip Perfekts.
4 . Dkclinaisons / Declensions
Auch hier geht es um eine Auflistung der für die Textentschlüsselung notwendigen Deklinations-
formen, also vorrangig der Artikel und Pronomen.
5 . Particularitbs du graphisme de l'allemand / Peculiarities of German orthography
Das Kapitel geht auf Verständnishilfen ein, die bereits im deutschen Schriftbild vorgegeben sind:
Groß- und Kleinschreibung, Umlaut und Interpunktion, vor allem die Rolle des Kommas im deut-
schen Satzgefüge.
6. La structure regressive de l'allemand / The regressive structure of Gerrnan
Die rückläufige Struktur des Deutschen erscheint uns für den Erkenntnisprozeß beim Lesen als
wesentliches Phänomen, da es sich V.a. für frankophone, aber auch für anglophone Lerner um ein
besonders wichtiges kontrastives Problem handelt: die französiche Sprache geht, umgekehrt zum
Deutschen, in Wort- und Satzbildung von links nach rechts vor. Das erfordert eine Bewußt-
machung des gegenläufigen Leseprozesses im Deutschen auf Wort- und Satzebene. Ähnliches gilt
für die englische Sprache, V.a. auf der Satzebene.
In der verwendeten Terminologie benutzen wir den Terminus groupe verbal / verb phrase für das
Verb mit der Verbergänzung (Verbalgruppe). Verbergänzungen weisen sich dadurch aus, daß sie
mit dem Verb eine Bedeutungseinheit bilden und durch die Endstellung im Satz erkennbar sind.
Premier dbterminant / First element that completes the meaning of the verb ist die erste Verbergän-
zung, also diejenige, die den Satz in Verbindung mit dem Verb zu einem sinnvollen Minimalsatz
macht. Bei trennbaren Verben, wo der trennbare Verbzusatz in seiner Endstellung bereits die erste
Verbergänzung darstellt, wird häufig die Einbeziehung der zweiten Verbergänzung im Sinne eines
schlüssigen Minimalsatzes notwendig. Erste Verbergänzung kann auch ein Nebensatz sein.
Der Terminus renvoi / exbraciationbezeichnet die Ausklammerung im Satz.
7 . Les mots signaux / Signal words
Als Signalwörter bezeichnen wir Wörter verschiedener grammatischer Kategorien, die sofort er-
kennbare Zeichen in bezug auf die logische Struktur eines Textes, die Verbindung der Sätze unter-
einander und deren Aussagewert setzen. Dabei unterscheiden wir zwei Gruppen :
- Signalwörter, die die logische Struktur in einem Text anzeigen, wie Konjunktionen und Korre-
lativa, aber auch Wörter, die den gleichen Signalcharakter haben und in traditionellem Sinne
grammatisch anders eingeordnet werden.
In der verwendeten Terminologie entspricht die Bezeichnung articulateurs / linking words Ver-
bindungswörtern, die eine ähnliche Signalfunktion wie die der Konjunktionen haben.
Unter klkments fonctionnant pur pairs / pair words verstehen wir sowohl Korrelativa im übli-
chen Sinn als auch Signalwörter mit Korrelativcharakter.
- Modaladverbien, die den Satz in seinem Aussagewert bestimmen. Auch hier werden traditio-
nelle grammatische Kategorien durchbrochen, wenn Wörter anderer grammatischer Zugehörig-
keit die gleiche Signalfunktion haben (s. Einbeziehung von »kein«).
8. L'4volution et I'ktat dans la Iangue allemande / Development and state in German
Der Ausdruck von Entwicklung und Zustand erscheint in der deutschen Sprache als etwas Wesent-
liches. Das wird besonders augenfällig in den Fachbereichen Philosophie, Psychologie und Sozio-
logie. Deshalb ist diesem übergreifenden Aspekt ein Kapitel gewidmet, das die verschiedenen dies-
bezüglichen Erscheinungsformen darstellt.

Ausschlaggebend für das Konzept, das unserer Methode zugrundeliegt, war die Einsichtigkeit der
methodischen Schritte für den Leser-Lerner, ihre unmittelbare Anwendbarkeit und ihre Übertragbar-
keit auf geisteswissenschaftliche Texte, die auch außerhalb des Unterrichts gelesen werden. Dem Ge-
bot der unmittelbaren Einsichtigkeit und Anwendbarkeit gehorcht auch unser Vorgehen bei der
Schwerpunktsetzung in der Grammatik und die dort angewandte Terminologie.
Der Lesekurs für Geisteswissenschaftler ist in Zusammenarbeit mit dem Goethe-Institut e.V., Mün-
chen, entstanden.

Marie Luise Brandi Barbara Momenteau


Methodische Schritte am Beispiel eines Textes

1. Schritt
Den Text, wenn möglich, nach Autor und Titel thematisch und zeitlich situieren.
Arbeit, die unter Zwang geschieht, entfremdet den Menschen von sich selbst. Unfreie, unschöpferi-
sche Arbeit ist, wenn sich der Mensch »in seiner Arbeit nicht bejaht, sondern verneint, nicht wohl,
sondern unglücklich fühlt.« Dann ist der Arbeiter »außer der Arbeit bei sich und in der Arbeit außer
sich. Zu Hause ist er, wenn er nicht arbeitet, und wenn er arbeitet, ist er nicht zu Haus. Seine Arbeit ist
5 daher nicht freiwillig, sondern gezwungen, Zwangsarbeit.«'
Marx' Kritik trifft nicht die ungerechte Verteilung des Geldes, sondern die unfreie Arbeit: »Eine ge-
waltsame Erhöhung des Arbeitslohns wäre nur eine bessere Salairierung der Sklaven und hätte weder
dem Arbeiter noch der Arbeit ihre menschliche Bestimmung und Würde erobert.«2
»Die Philosophie von Marx«, so faßt Erich Fromm zusammen, »ist ein Protest gegen die Entfrem-
10 dung des Menschen, gegen den Verlust seiner selbst und seine Verwandlung in ein Ding. Diesen Pro-
test erhebt er gegen die Dehumanisierung und Automatisierung des Menschen im Ind~strialismus.«~
Marx selbst nennt seine Lehre weder einen Materialismus, noch einen Idealismus, sondern einen
Humani~rnus.~ »Radikal sein ist die Sache an der Wurzel fassen. Die Wurzel für den Menschen ist
aber der Mensch selbst.«5
15 Der »positive Humanismus«, den Marx vertritt, kämpft nicht für irgendein System, sondern für den
freien, »den wirklichen, den individuellen Menschen.« (Ernst F i ~ c h e r ) ~
Lesetext aus: Häussermann, Deutschkurs 3, S.13

2. Schritt
Im Text werden die frequenten Wörter, die Eigennamen und die Internationalismen unterstrichen.
Bei längeren Texten erfolgt die Unterstreichung nach Sinnabschnitten.
Arbeit, die unter Zwang geschieht, entfremdet den Menschen von sich selbst. Unfreie, unschöpferi-
sche Arbeit ist, wenn sich der Mensch »in seiner Arbeit nicht bejaht, sondern verneint, nicht wohl,
sondern unglücklich f i i G « Dann ist der Arbeiter »außer der Arbeit bei sich und in der Arbeit außer
sich. Zu Hause ist -
er, wenn -er nicht arbeitet, und wenn er arbeitet, ist -
er nicht zu Haus. Seine Arbeit ist
5 daher nicht freiwillig, sondern gezwungen, Zwangsarbeit.«
Marx' Kritik
- -trifft nicht die ungerechte Verteilung des Geldes, sondern die unfreie Arbeit: »Eine ge-
PP

waltsame Erhöhung des Arbeitslohns wäre nur eine bessere Salairierung der Sklaven und hätte weder
dem Arbeiter noch der Arbeit ihre menschliche Bestimmung und Würde erobert.«
»Die Philosophie von Marx«, so faßt Erich Fromm zusammen, »ist ein Protest gegen die Entfrem-
10 dung des Menschen, gegen den Verlust seiner selbst und seine Verwandlung in ein Ding. Diesen Pro-
P

test erhebt er gegen die Dehumanisierung und Automatisierung des Menschen im Industrialismus.«
Marx selbst nennt seine Lehre weder einen Materialismus. noch einen Idealismus. sondern einen
Humanismus. »Radikal sein ist die Sache an der Wurzel fassen. Die - - für den Menschen ist aber
Wurzel
der -Mensch
- selbst.«
15 Der »positive Humanismus«, den Marx vertritt, kämpft nicht für irgendein System, sondern für den
freien, »den wirklichen, den individuellen Menschen«. (Ernst Fischer)

- Ökonomisch-~hilosophischeFragmente
- MEGA I, 3,92
- Erich Fromm: Das Menschenbild bei Marx (Frankfurt 1980), S. 7
- Kritik der Hegelschen Dialektik XXVI
j - Kritik der Hegelschen Rechtsphilosophie, Einleitung
- Ernst Fischer: Was Marx wirklich sagte (Wien 1968), S. 17
3. Schritt
Die von den Lernern unterstrichenen Wörter werden an der Tafel festgehalten: gruppiert nach Wort-
familien und zugleich als Tafelbild so angeordnet, daß der Zugang zu einer ersten inhaltlichen Hypo-
thesenbildung klarer erscheint. Dabei handelt es sich vornehmlich um die Wörter, die einer Wort-
analyse bedürfen und inhaltlich von Belang sind.

Arbeit Mensch
arbeiten Mensch selbst
Arbeiter menschlich
Zwangsarbeit Zwang
Arbeitslohn gezwungen
außer Arbeit frei Humanismus
freiwillig
außer sich unfrei Dehumanisierung
entfremden
Entfremdung Sklave
zu Haus

Marx' Kritik
Philosophie - Marx - Protest gegen - Entfremdung des Menschen
gegen - Dehumanisierung - Automatisierung - Industrialismus
für - freien - individuellen Menschen

Ausgehend von den derart aufgelisteten Schlüsselwörtern werden im Klassengespräch mögliche in-
haltliche Zusammenhänge diskutiert. Manche Sätze erscheinen durch die Frequenz der Unterstrei-
chungen bereits als Schlüsselsätze.

4. Schritt
Die Signalwörter werden umkringelt. Das kann in Einzel- oder Gruppenarbeit oder mit der ganzen
Klasse geschehen.
Arbeit, die unter Zwang geschieht, entfremdet den Menschen von sich selbst. Unfreie, unschöpferi-
sche Arbeit ist, sich der Mensch »in seiner Arbeit bejaht, ( S n ) verneint,
wohl, ( -) unglücklich fühlt«. (Dann) ist der Arbeiter »außer der Arbeit bei sich @ in der
Arbeit außer sich. Zu Hause ist er, er arbeitet, (und) er arbeitet, ist er (B)
5 zu Haus. Seine Arbeit ist ( E r ) (m) freiwillig,)nC
- gezwungen, Zwangsarbeit.«
Marx' Kritik trifft (s) die ungerechte Verteilung des Geldes, (sEdii?n) die unfreie Arbeit: »Eine
gewaltsame Erhöhung des Arbeitslohns wäre @ eine bessere Salairierung der Sklaven @ hätte
(weder) dem Arbeiter @ der Arbeit ihre menschliche Bestimmung (Und) Würde erobert.«
»Die Philosophie von Marx«, @ faßt Erich Fromm zusammen, »ist ein Protest gegen die Entfrem-
10 dung des Menschen, gegen den Verlust seiner selbst rn seine Verwandlung in ein Ding. ( E d
Protest erhebt er gegen die Dehumanisierung Automatisierung des Menschen im Indu-
strialismus.«
Marx selbst nennt seine Lehre (=I einen Materialismus, B einen Idealismus, 1-(
einen Humanismus. »Radikal sein ist die Sache an der Wurzel fassen. Die Wurzel für den Menschen
1s ist der Mensch selbst.«
Der »positive Humanismus«, den Marx vertritt, kämpft (m) für irgendein System, (-]für
den freien, »den wirklichen, den individuellen Menschen.« (Ernst Fischer)
Die Art der Signalwörter läßt zum einen Rückschlüsse auf die inhaltlich-logische Struktur des Textes
zu, zum anderen führt sie zu einer Erweiterung der Verständnisinseln
- durch Einbeziehung der Substantive, von denen als frequente Wörter unterstrichene Genitivfor-
men (z.B. Z. 7: Erhöhung des Arbeitslohns) oder deklinierte Adjektive (2.B. Z. 8: ihre menschliche
Bestimmung und Würde) abhängig sind,
- durch Einbeziehung des Wortes, bzw. der Wortgruppe, die auf ein Modaladverb folgt (in selte-
nen Fällen ihm vorausgeht) als einer wichtigen Aussage im Satz (2.B. Z. 2: (m) beja,ht, E
dern) verneint),
- durch Aufsuchen der Verbalgruppe (Verb + Verbergänzung), wenn ein Signalwort es inhaltlich er-
fordert.
Im vorliegenden Beispiel ist aufgrund der Signalwörter bereits ersichtlich, daß es sich um einen Text
mit definitorischem Charakter handelt, der in seinen Definitionen mit Gegensatzpaaren arbeitet.

5. Schritt
In der Kurspraxis erfolgt nun immer die Detaillektüre.
Der Kursleiter liest die einzelnen Sätze vor. Inhaltlich durch die vorhergehenden Schritte noch nicht
geklärte Sätze werden erschlossen durch Aufsuchen der Verbalgruppe und ihre Bedeutungsbestim-
mung unter Einbeziehung des Subjektes und der bereits entschlüsselten Textinseln.
Bei Unklarheiten auf Wort- bzw. Satzebene erfolgt eine kurze Kontrollübersetzung.
Anschließend lesen die Lerner den behandelten Text satzweise vor.
Textspezifische Übungen werden in der Regel von den Schülern zu Hause gemacht.

Geisteswissenschaftliche Texte für Anfänger


Die Texte für Anfänger sind progressiv angeordnet. Sie bauen in Lernstoff und Schwierigkeitsgrad
aufeinander auf. Der Lernstoff deckt ein Lernjahr a 90 Minuten pro Woche ab. In diesem ersten Lern-
jahr gehen die Lerner die Hauptschwierigkeiten an, die sich beim Lesen geisteswissenschaftlicher
Texte stellen.
Auf eine Abfassung der Arbeitsanweisungen in der Muttersprache des Leser-Lerners wird bei den hier
vorliegenden Texten verzichtet, da davon ausgegangen wird, daß die Texte in einer Unterrichts-
situation erarbeitet werden.
Inhaltsübersicht
Index des textes proposks / Table of contents
Seitelpage
Rosa Luxemburg Brief 15
Wassily Kandinsky Lebenslauf 17
Wassily Kandinsky Grundbegriffe - Geist und Materie 20
Wassily Kandinsky Grundbegriffe - Form und Inhalt 22
Walter Benjamin Illuminationen - Paris, die Hauptstadt des
XIX. Jahrhunderts 27
Walter Benjamin Illuminationen - Grandville oder die Weltausstellungen 30
Walter Benjamin Illuminationen - Haussmann oder die Barrikaden 34
Friedrich Engels / Karl Marx : Manifest der kommunistischen Partei - Auszug I 38
Friedrich Engels / Karl Marx : Manifest der kommunistischen Partei - Auszug I1 41
Friedrich Engels / Karl Marx : Manifest der kommunistischen Partei - Auszug I11 44
Friedrich Engels / Karl Marx : Manifest der kommunistischen Partei - Auszug IV 47
Stefan Andres Im Anfang 51
Johannes-Evangelium Prolog 53
Arthur Schopenhauer >)Überdas Lesen« 56
Martin Heidegger Was heißt Denken? - Auszug I 58
Martin Heidegger Was heißt Denken? - Auszug 11: Stundenübergänge,
Von I zu I1 62
Carl Gustav Jung Funktion der Träume 65
Sigmund Freud Von Traum und Traumdeutung 68

Lösungen 73

Lernstoff

Text 1: Erste Sensibilisierung für Signalwörter


Groß- und Kleinschreibung / Umlaute / Interpunktion
Bestimmter Artikel
Satzbauschema Hauptsatz
Präsensformen 3. Pers.Sg./Pl.
Internationalismen
Komposita
Text 2: Internationalismen; Komposita
Verben auf »-ieren«
Präsens von »sein«
Adjektivsuffix »-isch«
Nebensatzkonstruktion (Relativsatz)
Einführung in die Signalwörter
Unbestimmter Artikel und »kein«
Substantivierung von Verb, Adjektiv und Partizip
Partizip Präsens
Adjektivsuffixe »-bar« / »-ig« / »-lieh« / »-sam«
Nebensatzkonstruktion (Infinitivsatz)
Personalpronomen
Text 4: Partizip Perfekt: Form und Funktion
Erweitertes Attribut (Partizipialkonstruktion)
Text 5 : Interpunktion
Substantivsuffix »-ung«
Unregelmäßige Verben: Präsens
Possessivpronomen 3. Pers.Sg./Pl.
Text 6: Trennbare Verben in Haupt- und Nebensatz
Stellung des Verbs bzw. der Verbalgruppe in Haupt- und Nebensatz
Text 7 : Präsens der Modalverben
Präteritum der schwachen Verben, Modalverben und von »haben«, »sein«, »werden«
Text 8: Erweitertes Attribut (Partizipialkonstruktion)
Substantivsuffix »-er«
Text 9 : Gegenüberstellung und Sinndifferenzierung von:
a) vom Verbstamm abgeleiteten Substantiven ohne Suffix
b) vom Verbstamm abgeleiteten Substantiven mit Suffix »-ung«
Text 10: »werden« und seine Funktion
Verbpräfix »ver-«
Text 11: Verstärkte Behandlung der Funktion der Signalwörter
Text 12 : Präteritum der unregelmäßigen Verben
Text 13: Verben - Wiederholung der verschiedenen Tempora
Text 14: Unterschiedliche Bedeutung von :
a) substantiviertem Infinitiv
b) Substantiv mit Suffix »-ung«
C) vom Verbstamm abgeleitetem Substantiv ohne Suffix
Text 15 : Neben- und unterordnende Konjunktionen und ihre Funktion in der argumentativen Struk-
tur eines Textes
Substantivierte Infinitive und Adjektive in der philosophischen Sprache
Text 16: Komparativ mit »als«
Kausale Zusammenhänge: »warum - darum«, »darum, weil«
Text 17: Verbpräfix »er-« / Präfix nun-«
Konditionalsätze ohne die Konjunktion »wenn«
Text 18: Wortbildung ausgehend von Verbstämmen
Vokabular der Psychologie
1 Rosa Luxemburg:
Auszug aus einem Brief an Mathilde Wurm vom 16. 2. 1917

Aus: »Briefe an Freunde« Europäische Verlagsanstalt GmbH - Köln, zitiert nach: Häussermann, Woods, Zenkner, Sprachkurs
Deutsch 2, Diesterweg 1979, S. 97

Nichts ändert sich so schnell wie die menschliche Psyche. Vor


allem die Psyche der Massen - sie ist dem Meer gleich. In der
Masse ruhen alle Möglichkeiten: die Stille und der Orkan, die
Schwäche und der Heroismus. Die Masse ist immer auf dem
5 Sprung, etwas total anderes zu werden.
Der schlechte Kapitän steuert sein Schiff nach dem momenta-
nen Aussehen der Wasseroberfläche. Der gute Kapitän versteht
die Zeichen am Himmel und in der Tiefe und kennt die zukünf-
tigen Stürme.
10 »Die Masse ist schlecht« - so urteilt immer nur der kleine Politi-
ker. Der große Politiker folgt nicht der momentanen Stimmung
der Massen. Er kennt die Geschichte und läßt ihr Zeit. Ihm ge-
hört die Zukunft.

Französische Übersetzung in: Rosa Luxemburg: »J'&tais, je suis, je serai!«, Correspondance 1914-1919, Maspkro 1977
Englische Übersetzung in: Eric Bronner (ed.): The Letters of Rosa Luxemburg, Boulder/Colo.: Westview Press, 1978

I Lernstoff Erste Sensibilisierung für Signalwörter durch Vorgabe des Lehrers


Groß- und Kleinschreibung/Umlaute/Interpunktion
Bestimmter Artikel -+ Anhang F 27, 28 / E 27 (*)
Satzbauschema Hauptsatz -+ Anhang F35-36 / E 33-34
Präsensformen 3. Pers.Sg./Pl. -t Anhang F 18-19 / E 18-19
Internationalismen
Komposita

*F = Französisch
E = Englisch
(Nichts) ändert sich @ schnell @ die menschliche Psyche.
(W) die Psyche der Massen - sie ist dem Meer gleich. In
der Masse ruhen alle Möglichkeiten: die Stille @ der Orkan,
die Schwäche @ der Heroismus. Die Masse ist (immer) auf
5 dem Sprung, etwas total anderes zu werden.
Der schlechte Kapitän steuert sein Schiff nach dem momenta-
nen Aussehen der Wasseroberfläche. Der gute Kapitän versteht
die Zeichen am Himmel (und) in der Tiefe @ kennt die zu- P

künftigen Stürme.
10 »Die Masse ist schlecht« - @ urteilt (GI (nuy) der klei-
ne Politiker. Der große Politiker folgt (nicht) der momentanen
Stimmung der Massen. Er kennt die Geschichte (und) läßt ihr
Zeit. Ihm gehört die Zukunft.

Hier einige Satzanfänge aus dem Text von Rosa Luxemburg. Einige Veränderungen gegenüber dem
Original erklären sich daraus, daß das Subjekt hier immer an den Satzanfang gestellt ist.
Vervollständigen Sie die Sätze durch die erste Verbergänzung.

1. Die Psyche der Massen ist


2. Alle Möglichkeiten ruhen
3. Die Masse ist
4. Die Masse ist
5. Nur der kleine Politiker urteilt
6 . Der große Politiker folgt nicht
7. Er kennt
8. Er läßt ihr
9. Die Zukunft gehört
Wassily Kandinsky :
2 Lebenslauf

4. Dez. 1866 Moskau - 13. Dez. 1944 Neuilly s. Seine

Nach einem Jurastudium in Moskau geht Kandinsky 1896 nach


München und beginnt sein Kunststudium. 1897 besucht er die
AZbe-Schule und ist Schüler von Franz von Stuck an der Kunst-
akademie in München. 1901 gründet er die Künstlergruppe
5 »Phalanx«, ist 1902 Mitglied der »Berliner Secession«, des
Deutschen Künstlerbundes und des Pariser Herbstsalons. 1909
wird Kandinsky Gründer der »Neuen Künstlervereinigung(( in
München.
1910 malt er sein erstes abstraktes Aquarell und publiziert sei-
10 nen Aufsatz »Inhalt und Form«, der bereits die Grundgedanken
seiner späteren Publikation »Über das Geistige in der Kunst«
(1912) enthält. 1911 gründet er zusammen mit Franz Marc den
»Blauen Reiter«.
1914 geht Kandinsky nach Moskau zurück, wo er ab 1920 u.a.
15 als Professor an der Universität arbeitet. Von 1922 bis 1933 ist er
Professor am Bauhaus in Weimar und in Dessau. 1933 emigriert
Kandinsky nach Neuilly-sur-Seine.
Kandinsky schafft im malerischen und kunsttheoretischen Be-
reich den Weg für eine abstrakte Malerei. Es sind vor allem
20 seine theosophischen Studien, die ihn in seinem Werk zur Ab-
straktion führen.

Lernstoff Internationalismen; Komposita + Anhang F33 / -


Verben auf »-ieren«
Präsens von »sein« -+ Anhang F 19 / E 19
Adjektivsuffix wisch« + Anhang F 13 / E 13
Nebensatzkonstruktion (Relativsatz) -+ Anhang F35-36 / E34
(Relativpron.) + Anhang F27 / E27
Vorgabe der Signalwörter durch den Lehrer
Bestimmen Sie die Wörter, aus denen sich folgende Komposita zusammensetzen und geben Sie ihre
Übersetzung an. Benutzen Sie dabei die Liste der Wortwurzeln (Anhang F5-10 / E5-10).
Beispiel das Musik/instrument l'instrument de musique / musical instrument
die Zukunft/s/musik l'utopie / dreams of the future
das Kunstwerk
die Baukunst
die Menschenmasse
der Massenmensch
der Ausstellungskatalog
die Kunstausstellung
der Lebenslauf
das Künstlerleben
die Formfrage
die Grundform
der Meeresgrund
der Grundgedanke
die Künstlergruppe
der Gruppengeist
die Kunstschule
die Schulpolitik
die Zeitgeschichte
das Geschichtswerk
das Industrialisierungsprogramm
das Organisationsproblem

Verbinden Sie die folgenden Sätze. Formen Sie dabei jeweils den zweiten Satz zu einem Relativsatz
um.
Vergessen Sie nicht, daß im deutschen Nebensatz das konjugierte Verb am Ende steht (s. Anhang F35
/ E34).

1. Kandinsky publiziert 1910 seinen Aufsatz »Inhalt und Form«. Der Aufsatz enthält die Grundge-
danken seiner späteren hblikationen.

2. Larionow organisiert 1910 die erste Ausstellung »Karo Bube«. Die Ausstellung zeigt (zeigen =

montrer / show) Werke von Kandinsky.


3. Boccioni, Carra, Russolo, Balla und Severini publizieren das »Technische Manifest der futuristi-
schen Malerei«. In dem Manifest proklamieren sie den Dynamismus in der Malerei.

4. 1911 gründet Kandinsky zusammen mit Franz Marc den »Blauen Reiter«. Der »Blaue Reiter«
geht in die Geschichte der Kunst ein. (eingehen = entrer / g o down in)

5. Gropius arbeitet am Bauhaus mit einer Künstlergruppe. Zu der Künstlergruppe gehört von 1922
bis 1933 auch Kandinsky.

6. Kandinsky schafft den Weg für eine abstrakte Malerei. Zu der abstrakten Malerei führen ihn vor
allem seine theosophischen Studien.

7. Die theosophischen Studien sind grundlegend (= fondamental/ fundamental) für Kandinskys Werk.
Die theosophischen Studien führen ihn zur Abstraktion.

Vervollständigen Sie folgende Satzanfänge durch die erste Verbergänzung.


1. Kandinsky geht 1896 -

2. Er gründet 1901
3. Er ist 1902
4. Er publiziert 1910
5. Der Aufsatz enthält bereits
6. Er geht 1914
7. Er arbeitet ab 1920
8. Er ist von 1922-1933
9. Kandinsky schafft
10. Seine theosophischen Studien führen ihn
Wassily Kandinsky:
3 Grundbegriffe

Auszüge aus Kandinsky-Ausstellungskatalog Nov. 1973, Bielefeld, Didaktischer Ausstellungsteil S. 50

I
Geist und Materie

Es gibt eine gemeinsame Wurzel aller Einzelerscheinungen in


dieser Welt. Die Welt ist ein Kosmos geistig wirkender Wesen.
Was der Mensch sieht, ist Materie. In der Materie aber ist der
5 abstrakte, schaffende Geist verborgen. Es ist nicht möglich, ihn
zu definieren, wohl aber seine Wirkungen zu erfahren und zu be-
schreiben. Dieser Geist ist eine Kraft. Als das alles durchdrin-
gende Prinzip drängt er danach, sich in materiellen, präzisen
Formen zu verkörpern. Er ist die Wahrheit. Geist und Form, d.h.
10 Materie, sind etwas Verschiedenes, und doch sind sie so unmit-
telbar voneinander abhängig, daß unentscheidbar bleibt, ob
alles Materie oder ob alles Geist ist.
Die Unterschiede, die wir zwischen Materie und Geist sehen,
sind auch als Abstufungen der Materie oder des Geistes denk-
1s bar. Letzten Endes bleibt die Welt eine große Frage, mehr dem
Ahnen als dem Wissen zugänglich.
Der Geist, in der Materie verhüllt, spricht durch die Materie
zum Innersten, zur Seele des Menschen. Nur wenige Menschen
sind feinfühlig genug und empfänglich dafür, den Geist zu er-
20 kennen.

Lernstoff Einfühmng in die Signalwörter Anhang F37-42 / E36-41


-+

Unbestimmter Artikel und »kein« -+ Anhang F28-29 / E28


Substantivierung von Verb, Adjektiv und Partizip
Partizip Präsens -+ Anhang F21 / E 21
Adjektivsuffixe »-bar« / »-ig« / »-lich« / »-sam« -+ Anhang F 13 / E 13
Nebensatzkonstruktion (Infinitivsatz) -+ Anhang F35-36 / E34
Personalpronomen -+ Anhang F29-30 / E 29
a) Verbinden Sie folgende Sätze durch die nachstehenden Signalwörter:
aber / oder / und doch (nebenordnende Konjunktionen)

1. Der Mensch sieht Materie. In der Materie ist der abstrakte Geist verborgen.

2. Es ist nicht möglich, ihn zu definieren. Es ist möglich, seine Wirkung zu erfahren.

3. Geist und Materie sind etwas Verschiedenes, ... sind sie voneinander abhängig.

4. Ist alles Materie? Ist alles Geist?

5. Materie und Geist sind als Abstufungen der Materie denkbar. Sie sind als Abstufungen des Geistes
denkbar.

b) Schreiben Sie unter die nachstehenden Sätze die Übersetzung in Ihrer Muttersprache. Umrahmen
Sie im Infinitivsatz die einzelnen Satzelemente. Beachten Sie die rückläufige Struktur des Deut-
schen.

Beispiel Es ist nicht möglich,1 - .1-


I1 n 'est pas possible- 1 M .
It is not possible -1 I what the world is 1.
1. Es ist nicht möglich, den Geist zu definieren.

2. Es ist möglich, die Wirkung des Geistes zu erfahren.

3. Es ist möglich, die Wirkung des Geistes zu beschreiben.

4. Der Geist drängt danach, sich in materiellen Formen zu verkörpern.

5. Nur wenige Menschen sind feinfühlig genug, den Geist zu erkennen.


Wassily Kandinsky:
4 Grundbegriffe

Auszüge aus Kandinsky-Ausstellungskatalog Nov. 1973, Bielefeld, Didaktischer Ausstellungsteil S. 53

II
Form und Inhalt

Form und Inhalt sind voneinander geschieden, wenngleich aufs


engste aufeinander bezogen und voneinander abhängig. Form
ist die materielle Ausprägung des Geistes. Doch nicht die Form,
5 die Materie, ist das Wichtigste, sondern der Inhalt, der Geist.
Alles Äußere birgt ein Inneres in sich. Jede Form hat einen In-
halt. Es gibt keine nichtssagenden Formen, auch wenn sie gleich-
gültig wirken. Jede Form spricht. Aufgabe des Künstlers ist es,
Formen zu deutlichem Sprechen und damit einen Inhalt
10 zum Ausdruck zu bringen.
Die Inhalte sind als etwas abstrakt Vorgegebenes aufzufassen,
die ein körperliches Medium brauchen, um sich offenbaren zu
können. Inhalte sind ewig und absolut, die vom Künstler ge-
prägten und an ihn gebundenen Formen aber sind zeitlich und
1s relativ. Von daher hat die Verschiedenartigkeit der Formen ihre
Berechtigung.
Form ist Bestimmung und Abgrenzung. Sie ist dann erschöpfend
zweckmäßig, wenn sie den Inhalt am ausdruckvollsten zum Vor-
schein bringt, wenn sie aus innerer Notwendigkeit erwachsen ist.

Lernstoff Partizip Perfekt: Form und Funktion -+ Anhang F 19-21,22-25 / E20-21,22-25


Erweitertes Attribut (Partizipialkonstruktion) -+ Anhang F 2 1, 33 / E 2 1, 32
1. Ermitteln Sie durch Entschlüsselung der nachstehenden Partizipien die entsprechenden Infinitive
und geben Sie die Übersetzung an.
Partizip Perfekt (-t/-en) Infinitiv Ubersetzung

gemacht machen faire / to rnake


gesagt
gefolgt
gelassen
veranstaltet
organisiert
ausgedrückt
gegründet
gebunden
verkörpert
geschaffen
gewußt
definiert
gedacht
erkannt
vorgegeben

2. Übersetzen Sie folgende Auszüge und umrahmen Sie die Verbalgruppen wie folgt:
a) Form und Inhalt 7 1 Igeschiedenl.
Forme et contenu FI]
Ibn de l'autre].
Form and content I from one another].
1. Form und Inhalt sind aufeinander bezogen.

2. Die Formen sind an den Künstler gebunden.

3. Form ist aus innerer Notwendigkeit erwachsen.


b) Übersetzen Sie nachstehende Beispiele und umrahmen Sie wie folgt:

U L ' I i i i l ' I

Ider in der Materie1 (


011/I dans la mutiere /I mI in matter

1. der ausgedrückte Inhalt

2. der in der Form ausgedrückte Inhalt

3. der verkörperte Geist

4. der in materiellen, präzisen Formen verkörperte Geist

5. das geschaffene Werk

6. das vom Künstler geschaffene Werk

7. das gesprochene Wort

8. das aus innerer Notwendigkeit gesprochene Wort

Verbinden Sie folgende Sätze mit Hilfe der nachstehenden Signalwörter (n.K. = nebenordnende
Konjunktion, u.K. = unterordnende Konjunktion):
aber (n.K.) / auch wenn (u.K.) / sondern (n.K.) / wenn (u.K.) / wenngleich (u.K.)
siehe Anhang F37-38 / E36-37

1. Form und Inhalt sind voneinander geschieden. Sie sind aufs engste aufeinander bezogen.

2. Nicht die Form, die Materie, ist das Wichtigste. Der Inhalt, der Geist, ist das Wichtigste.

3. Es gibt keine nichtssagenden Formen. Sie wirken gleichgültig.

4. Inhalte sind ewig und absolut. Die vom Künstler geprägten und an ihn gebundenen Formen
sind zeitlich und relativ.
5. Form ist erschöpfend zweckmäßig. Sie bringt den Inhalt am ausdrucksvollsten zum Vorschein und
ist aus innerer Notwendigkeit erwachsen.

Suchen Sie in den beiden Kandinsky-Texten Adjektive zu den untenstehenden Adjektivsuffixen (vgl.
Anhang F 13 / E 12. Entschlüsseln Sie ihren Sinn mit Hilfe des Wörterbuches oder der Wortstammliste
(Anhang F5- 10 / E 5- 10) und finden Sie das Grundwort auf, von dem sie abgeleitet sind. Geben Sie
die Übersetzung an.

Suffix Grundwort Ubersetzung

-1ich
menschlich Mensch humain / human
Übung

Vervollständigen Sie die nachstehenden Satzanfänge aus den beiden Kandinsky-Texten durch die
erste Verbergänzung.
NB: Satz I I ist als Beispiel eines vollständigen Minimalsatzes aufgeführt, in dem das Verb zu seiner
Aussage keiner Ergänzung bedarf.
I 1. Die Welt ist
2. Der schaffende Geist ist
3. Dieser Geist ist
4. Er drängt danach,
5. Er ist --- - --- -.
. --P P- --

6. Der Geist spricht -- - . - - -- - -

I1 7. Nicht die Form, sondern der Geist ist -. --

I 8. Materie ist, - -.-- --- .-

I1 9. Form ist
10. Jede Form hat
11. Jede Form spricht.
12. Die vom Künstler geprägten Formen sind
13. Form ist
Walter Benjamin :
5 Illuminationen

Ausgewählte Schriften, Suhrkamp Taschenbuch, 1977, Auszug S. 170/ 171

I. Paris, die Hauptstadt des XIX. Jahrhunderts

Die Mehrzahl der Pariser Passagen entsteht in den anderthalb


Jahrzehnten nach 1822. Die erste Bedingung ihres Aufkommens
ist die Hochkonjunktur des Textilhandels. Die magasins de nou-
veautk1, die ersten Etablissements, die größere Warenlager im
Hause unterhalten, beginnen sich zu zeigen. Sie sind die Vorläu-
fer der Warenhäuser. Es war die Zeit, von der Balzac schrieb:
»Le grand poeme de l'ktalage chante Ses strophes de couleur de-
puis la Madeleine jusqu'a la porte Saint-Deni~.~« Die Passagen
sind ein Zentrum des Handels in Luxuswaren. In ihrer Ausstat-
tung tritt die Kunst in den Dienst des Kaufmanns. Die Zeitge-
nossen werden nicht müde, sie zu bewundern. Noch lange blei-
ben sie ein Anziehungspunkt für die Fremden. Ein »Illustrierter
Pariser Führer« sagt: »Diese Passagen, eine neuere Erfindung
des industriellen Luxus, sind glasgedeckte, marmorgetäfelte
Gänge durch ganze Häusermassen, deren Besitzer sich zu sol-
chen Spekulationen vereinigt haben. Zu beiden Seiten dieser
Gänge, die ihr Licht von oben erhalten, laufen die elegantesten
Warenläden hin, so daß eine solche Passage eine Stadt, ja eine
Welt im Kleinen ist.« Die Passagen sind der Schauplatz der
ersten Gasbeleuchtung.
Die zweite Bedingung des Entstehens der Passagen bilden die
Anfänge des Eisenbaus. Das Empire sah in dieser Technik einen
Beitrag zur Erneuerung der Baukunst im altgriechischen Sinne.
...
Erstmals in der Geschichte der Architektur tritt mit dem Eisen
ein künstlicher Baustoff auf. Er unterliegt einer Entwicklung,
deren Tempo sich im Laufe des Jahrhunderts beschleunigt. Sie
erhält den entscheidenden Anstoß, als sich herausstellt, daß die
Lokomotive, mit der man seit Ende der zwanziger Jahre Ver-
suche anstellte, nur auf eisernen Schienen verwendbar ist. Die
Schiene wird der erste montierte Eisenteil, die Vorgängerin des
Trägers. Man vermeidet das Eisen bei Wohnbauten und verwen-
det es bei Passagen, Ausstellungshallen, Bahnhöfen - Bauten,
35 die transitorischen Zwecken dienen. Gleichzeitig erweitert sich
das architektonische Anwendungsgebiet des Glases. Die gesell-
schaftlichen Voraussetzungen für seine gesteigerte Verwendung
als Baustoff finden sich aber erst hundert Jahre später. Noch in
der »Glasarchitektur« von Scheerbart (1914) tritt sie in den Zu-
sammenhängen der Utopie auf.

1 - Geschäfte des Neuesten


2 - Das große Gedicht der Auslagen singt seine farbigen Strophen von der Madeleine bis zur Porte Saint-Denis.

Französische Übertragung Walter Benjamins in: Das Passagen-Werk, Frankfurt: edition Suhrkamp, 1983, 1. Bd., S. 60-61
Englische Übersetzung: Walter Benjamin: Illuminations, edited and with an introduction by Hannah Arendt, translated from
the German by Harry Zohn, London: Fontana, 1973

Lernstoff Interpunktion -i Anhang F32,36 / E 3 1,34


Substantiv-Suffix »-urig« -+ Anhang F 12,48 / E 12,47
Unregelmäßige Verben: Präsens -+ Anhang F 17- 18,22-25 / E 17- 19,22-25
Possessivpronomen, 3. Pers.Sg. + Plur. + Anhang F28 / E28

1. Setzen Sie die Satzzeichen ein.


Die erste Bedingung des Entstehens der Pariser Passagen die nach 1822 entstehen ist die Hochkon-
2 junktur des Textilhandels Die zweite Bedingung bilden die Anfänge des Eisenbaus in dem das Em-
pire eine Erneuerung der Baukunst sieht Diese Passagen die Vorläufer der modernen Warenhäuser
4 sind ein Zentrum des Handels in Luxuswaren Gänge durch ganze Häusermassen deren Besitzer
sich vereinigt haben zeigen die elegantesten Waren die man in Paris finden kann Balzac schreibt
6 daß die Zeitgenossen nicht müde werden sie zu bewundern

2. Bestimmen Sie die Wörter, aus denen sich folgende Komposita zusammensetzen, und geben Sie
die Übersetzung an.
Beispiel
das Handel/s/zentrum le centre de commerce / commercial centre
1. das Stadtzentrum
2. die Handelsstadt
3. der Warenhandel
4. die Handelsware
5. das Wohnhaus
6. der Hausbesitzer
7. der Hausbau
8. die Baukunst
9. der Kunststoff
10. die Kunststoffverwendung
11. die Kunstausstellung
12. die Ausstellungshalle
13. die Zeitgeschichte
14. das Geschichtsbuch
15. die Entstehungszeit

3. Suchen Sie im Text alle Substantive mit Suffix »-urig«. Geben Sie die Verben, von denen sie abge-
leitet sind, an und übersetzen Sie sie.
Beispiel
Suffix -ung Verb Ubersetzung
P-

die Bedingung bedingen conditionner / to cause, bring about

Vervollständigen Sie nachstehende Satzanfänge durch die erste Verbergänzung.


1. Die Mehrzahl der Pariser Passagen entsteht
2. Die Hochkonjunktur des Textilhandels ist
3. Die magasins de nouveauti beginnen
4. Sie sind
5. In der Ausstattung der Warenhäuser tritt die Kunst
6. Die Warenhäuser bleiben noch lange
7. Eine solche Passage ist
8. Die Anfänge des Eisenbaus bilden
9. Die gesellschaftlichen Voraussetzungen für die gesteigerte Verwendung des Glases als Baustoff
finden sich
Walter Benjamin:
6 iiiuminationen

Ausgewählte Schriften, Suhrkamp Taschenbuch, 1977, Auszug S. 175/176

11. Grandville oder die Weltausstellungen

Weltausstellungen sind Wallfahrtsstätten zum Fetisch Ware.


»L'Europe s'est deplace pour voir des marchandises«l, sagt Taine
1855. Den Weltausstellungen gehen nationale Ausstellungen der
5 Industrie vorher, von denen die erste 1798 auf dem Marsfelde
stattfindet. Sie geht aus dem Wunsch hervor, »die Arbeiterklas-
sen zu amüsieren und wird für dieselben ein Fest der Emanzipa-
tion«. Die Arbeiterschaft steht als Kunde im Vordergrund. Der
Rahmen der Vergnügungsindustrie hat sich noch nicht gebildet.
10 Das Volksfest stellt ihn. Chaptals Rede auf die Industrie eröffnet
diese Ausstellung. - Die Saint-Simonisten, die die Industrialisie-
rung der Erde planen, nehmen den Gedanken der Weltausstel-
lungen auf.
... Die Saint-Simonisten haben die Entwicklung der Weltwirt-
15 schaft, nicht aber den Klassenkampf vorausgesehen. Neben ih-
rem Anteil an den industriellen und kommerziellen Unterneh-
mungen um die Jahrhundertmitte steht ihre Hilflosigkeit in den
Fragen, die das Proletariat betreffen. Die Weltausstellungen ver-
klären den Tauschwert der Waren. Sie schaffen einen Rahmen,
20 in dem ihr Gebrauchswert zurücktritt. Sie eröffnen eine Phantas-
magorie, in die der Mensch eintritt, um sich zerstreuen zu lassen.
Die Vergnügungsindustrie erleichtert ihm das, indem sie ihn auf
die Höhe der Ware hebt. Er überläßt sich ihren Manipulationen,
indem er seine Entfremdung von sich und den anderen genießt.
25 - Die Inthronisierung der Ware und der sie umgebende Glanz
der Zerstreuung ist das geheime Thema von Grandvilles Kunst.
Dem entspricht der Zwiespalt zwischen ihrem utopischen und
ihrem zynischen Element. Ihre Spitzfindigkeiten in der Darstel-
lung toter Objekte entsprechen dem, was Marx die »theologi-
30 schen Mucken« der Ware nennt. Sie schlagen sich deutlich in
der »specialite« nieder - eine Warenbezeichnung, die um diese
Zeit in der Luxusindustrie aufkommt, unter Grandvilles Stift
verwandelt sich die gesamte Natur in Spezialitäten. Er präsen-
tiert sie im gleichen Geist, in dem die Reklame - auch dieses
35 Wort entsteht damals - ihre Artikel zu präsentieren beginnt. Er
endet im Wahnsinn.

1 - Europa hat sich auf den Weg gemacht, um Waren zu sehen

Französische Übertragung Walter Benjamins in: Das Passagen-Werk, Frankfurt: edition suhrkamp, 1983, L. Bd., S. 64
Englische Übersetzung: Walter Benjamin: Illuminations, edited and with an introduction by Hannah Arendt, translated from
the German by Harry Zohn, London: Fontana, 1973

Lernstoff Trennbare Verben in Haupt- und Nebensatz


Stellung des Verbs bzw. der Verbalgruppe in Haupt- und Nebensatz + Anhang F33-36 / E32-35

a) Setzen Sie das Verb in der adäquaten Form ein.


Beispiel Nationale Industrieausstellungen / den Weltausstellungen / vorhergehen /
Nationale Industrieausstellungen gehen den Weltausstellungen "&her.
1. Die erste nationale Industrieausstellung / 1798 auf dem Marsfeld / stattfinden /

2. Die Saint-Simonisten / den Gedanken der Weltausstellung / aufnehmen /

3. Die Saint-Simonisten / die Entwicklung der Weltwirtschaft / voraussehen /

4. Aber sie / nicht den Klassenkampf / voraussehen /

5. Der Gebrauchswert der Waren / zurücktreten */

6. Der Mensch / in eine Phantasmagorie / eintreten */

7. Das Wort »spkcialitk« / um diese Zeit in der Luxusindustrie / aufkommen /


b) Stellen Sie den Sätzen 1 , 2 , 3 , 7 »Benjamin schreibt, daß ...« voran.
Beachten Sie die Nebensatzkonstruktion!
Beispiel Benjamin schreibt, daß nationale Industrieausstellungen den Weltausstellungen vorher-
gehen.

Unterstreichen Sie im deutschen Text die in der französischen bzw. englischen Fassung unterstriche-
nen Verben bzw. Verbalgruppen.
W. Benjamin: Louis-Philippe
oder das Interieur
Louis-Philippe ou l'intirieur Illuminationen, Auszug S. 177 Louis-Philippe or the lnterior

Sous Louis-Philippe le particulier Unter Louis-Philippe betritt der Under Louis-Philippe the private in-
entre sur la scene de I'histoire. Privatmann den geschichtlichen dividual rnakes his appearance on
L2largissement de I'appareil di- Schauplatz. Die Erweiterung the Stage of history. The extension
mocratique par un nouveau droit des demokratischen Apparates of the dernocratic apparatus through
de vote coiizcide avec la corrup- s durch ein neues Wahlrecht fällt new voting rights coincides with par-
tion parlementaire qui est orga- mit der parlamentarischen Kor- liarnentary corruption, which &-
nisie pur Guihot. Sous son cou- ruption zusammen, die von ganized by Guihot. Under Cover of
vert la classe au pouvoir fait I'hi- Guihot organisiert wird. In de- this the ruling class rnakes history
stoire pur le fait m8me qu'elle ren Schutz macht die herrschen- through the pursuit of its business
s'occupe de ses affaires. Elle fait 10 de Klasse Geschichte, indem sie activities. lt prornotes the building of
progresser la construction de fer ihre Geschäfte verfolgt. Sie för- iron structures in order to irnprove
a 8 n d'amiliorer son fonds en ac- dert den Eisenbau, um ihren its shares. It supports the reign of
tions. Elle favorise le regne de Aktienbesitz zu verbessern. Sie Louis-Philippe as that of the private
Louis-Philippe comme celui d'un begünstigt die Herrschaft businessrnan. With the July revolu-
particulier chargi de la gestion 1s Louis-Philippes als die des ge- tion the bourgeoisie realizes its
des affaires. Dans la rivolution schäftsführenden Privatman- goals of 1789 (Marx).
d e juillet la bourgeoisie a rialisi nes. Mit der Julirevolution hat ... The private individual who in his
les objectifs de 1789 (Marx). die Bourgeoisie die Ziele von office takes account of reality,
... Le particulier qui, dans son 1789 verwirklicht (Marx). dernands of the lnterior that it pre-
comptoir, tient compte de la rka- 20 ... Der Privatmann, der im Kon- serve his illusions. ... This is the ori-
liti exige de I'intirieur d'8tre tor der Realität Rechnung trägt, gin of the phantasrnagoria of the ln-
-
entretenu dans ses illusions. ... verlangt vom Interieur in sei- terior. To the private individual it -is
Cela est a I'origine des phantas- nen Illusionen unterhalten zu the universe and represents every-
magories de I'intkrieur. I1 reprk- werden. ... Dem entspringen die thing that is distant and in the past.
sente pour le particulier l'univers. 25 Phantasmagorien des Inte- Its salon E a box in the theatre of
En lui il rassemble le lointain et rieurs. Es stellt für den Privat- the world.
le passe. Son salon est une loge mann das Universum dar. In
dans le thidtre mondial. ihm versammelt er die Ferne
und die Vergangenheit. Sein
30 Salon ist eine Loge im Welt-
theater.
Vervollständigen Sie nachstehende Satzanfange durch die erste Verbergänzung.
1. Weltausstellungen sind
2. Nationale Ausstellungen der Industrie gehen
3. Die erste Weltausstellung findet 1798
4. Sie wird für die Arbeiterklassen
5. Die Weltausstellungen verklären
6. Der Gebrauchswert der Waren tritt
7. Die Vergnügungsindustrie hebt den Menschen
8. Der Mensch genießt
9. Die Warenbezeichnung »sp6cialit6« kommt um diese Zeit
10. Auch das Wort Reklame entsteht
Walter Benjamin
7 Illuminationen

Ausgewählte Schriften, Suhrkamp Taschenbuch, 1977, Auszug S. 181/182

111. Haussmann oder die Barrikaden

Haussmanns urbanistisches Ideal waren die perspektivischen


Durchblicke durch lange Straßenfluchten. Es entspricht der im
neunzehnten Jahrhundert immer wieder bemerkbaren Neigung,
5 technische Notwendigkeiten durch künstlerische Zielsetzungen
zu veredeln. Die Institute der weltlichen und geistlichen Herr-
schaft des Bürgertums sollten, in den Rahmen der Straßenzüge
gefaßt, ihre Apotheose finden. Straßenzüge wurden vor ihrer
Fertigstellung mit einem Zelttuch verhangen und wie Denkmäler
10 enthüllt. - Die Wirksamkeit Haussmanns fügt sich dem napole-
onischen Idealismus ein. Dieser begünstigt das Finanzkapital.
Paris erlebt eine Hochblüte der Spekulation. Das Börsenspiel
drängt die aus der feudalen Gesellschaft überkommenen For-
men des Hasardspiels zurück.
1s ... Die Steigerung der Mietpreise treibt das Proletariat in die Fau-
bourgs. Die Quartiers von Paris verlieren dadurch ihre Eigen-
physiognomie. Die rote ceinturel entsteht. Haussmann hat sich
selber den Namen »artiste dernolisse~r«~ gegeben. Er fühlte sich
zu seinem Werk berufen und betont das in seinen Memoiren. In-
20 dessen entfremdet er den Parisern ihre Stadt. Sie fühlen sich in
ihr nicht mehr heimisch. Der unmenschliche Charakter der
Großstadt beginnt, ihnen bewußt zu werden. ...
Der wahre Zweck der Haussmannschen Arbeiten war die Siche-
rung der Stadt gegen den Bürgerkrieg. Er wollte die Errichtung
25 von Barrikaden in Paris für alle Zukunft unmöglich machen. In
solcher Absicht hatte schon Louis-Philippe Holzpflasterung ein-
geführt. Dennoch spielten die Barrikaden in der Februarrevolu-
tion eine Rolle. Engels beschäftigt sich mit der Technik der Bar-
rikadenkämpfe. Haussmann will sie auf doppelte Art unterbin-
30 den. Die Breite der Straßen soll ihre Errichtung unmöglich ma-
chen, und neue Straßen sollen den kürzesten Weg zwischen den
Kasernen und Arbeitervierteln herstellen. Die Zeitgenossen tau-
fen das Unternehmen »L'embellissement ~trategique«~.

1 - Ring
2 - Abbruchkünstler
3 - Strategische Verschönerung

Französische Übertragung Walter Benjamins in: Das Passagenwerk, Frankfurt: edition suhrkamp, 1983, 1. Bd., S. 72-73
Englische Übersetzung: Walter Benjamin: Illuminations, edited and with an introduction by Hannah Arendt, translated from
the German by Harry Zohn, London: Fontana, 1973

Lernstoff Präsens der Modalverben + Anhang F25 / E25


Präteritum der schwachen Verben, Modalverben und von »haben«, »sein«, »werden« +
Anhang F17-19,25 / E 17- 19,25

Suchen Sie in den nachstehenden Auszügen die Verben in ihren verschiedenen Erscheinungsformen
auf.
Bestimmen Sie ihre Form, geben Sie den Infinitiv und die entsprechende Übersetzung an.
Illuminationen, Auszug S. 174
Beispiel Arago präsentiert die Photographie in einer Kammerrede.
präsentiert: 3. Pers.Sg.Präs. / präsentieren / presenter / to present
1. Er prophezeit ihre wissenschaftliche Anwendung.

2. Dagegen beginnen die Künstler, ihren Kunstwert zu debattieren.

3. Die Photographie führt zur Vernichtung des großen Berufsstandes der Portraitminiaturisten.

4. Dies geschieht nicht nur aus ökonomischen Gründen.

5. Die frühe Photographie war künstlerisch der Portraitminiatur überlegen.

6. Der gesellschaftliche Grund dafür liegt in dem Umstand, daß die ersten Photographen der Avant-
garde angehörten ...
7. Die Weltausstellung von 1855 bringt zum ersten Mal eine Sonderschau »Photographie«.

8. Im gleichen Jahr veröffentlicht Wiertz seinen Artikel über die Photographie.

9. Die Weltausstellungen bauen das Universum der Waren auf.


PP- - -

10. Die Mode schreibt das Ritual vor, nach dem der Fetisch Ware verehrt sein will.

11. Zur Pariser Weltausstellung von 1867 erläßt Victor Hugo ein Manifest: »An die Völker Europas«.

12. Früher ... wurden deren Interessen von den französischen Arbeiterdelegationen vertreten, deren
erste zur Londoner Weltausstellung von 1851 ... abgeordnet wurde.

13. Diese war ... für die Gründung der Internationalen Arbeiter-Assoziation von Marx von Bedeu-
tung.

14. ... Balzac hat als erster von den Ruinen der Bourgeoisie gesprochen.

-
Unterstreichen Sie die Substantive, auf die sich die im Text markierten Wörter beziehen (Personal-,
Possessiv- und Demonstrativpronomen, bestimmte Artikel).
Haussmanns urbanistisches Ideal waren die perspektivischen Durchblicke durch lange Straßenfluch-
ten. Es entspricht @ im neunzehnten Jahrhundert immer wieder bemerkbaren Neigung, technische
Notwendigkeiten durch künstlerische Zielsetzungen zu veredeln. Die Institute der weltlichen und
geistlichen Herrschaft des Bürgertums sollten, in den Rahmen der Straßenzüge gefaßt, Apo-
5 theose finden. Straßenzüge wurden vor Fertigstellung mit einem Zelttuch verhangen und wie
Denkmäler enthüllt. - Die Wirksamkeit Haussmanns fügt sich dem napoleonischen Idealismus ein.
C E r ] begünstigt das Finanzkapital. Paris erlebt eine Hochblüte der Spekulation. Das Börsenspiel
drängt @ aus der feudalen Gesellschaft überkommenen Formen des Hasardspiels zurück.
... Die Steigerung der Mietpreise treibt das Proletariat in die Faubourgs. Die Quartiers von Paris ver-
10 lieren(-] @ Eigenphysiognomie. Die rote ceinture entsteht. Haussmann hat sich selber den
Namen »artiste dkmolisseur« gegeben. (@ fühlte sich zu C=) Werk berufen und betont das in
seinen Memoiren. Indessen entfremdet @ den Parisern Stadt. @ fühlen sich in @ nicht
mehr heimisch. Der unmenschliche Charakter der Großstadt b e g i n n t , C E ] bewußt zu werden. ...
15 Der wahre Zweck der Haussmannschen Arbeiten war die Sicherung der Stadt gegen den Bürgerkrieg.
(Er) wollte die Errichtung von Barrikaden in Paris für alle Zukunft unmöglich machen. In solcher
Absicht hatte schon Louis-Philippe Holzpflasterung eingeführt. Dennoch spielten die Barrikaden in
der Februarrevolution eine Rolle. Engels beschäftigt sich mit der Technik der Barrikadenkämpfe.
Haussmann will @ auf doppelte Art unterbinden. Die Breite der Straßen soll (;hre Errichtung un-
20 möglich machen, und neue Straßen sollen den kürzesten Weg zwischen den Kasernen und Arbeiter-
vierteln herstellen. Die Zeitgenossen taufen das Unternehmen »L'embellissement stratkgique«.
Vervollständigen Sie nachstehende Satzanfänge durch die erste Verbergänzung.
1. Die perspektivischen Durchblicke durch lange Straßenfluchten waren
2. Im 19. Jahrhundert veredelte man gern
3. Die Wirksamkeit Hausmanns fügt sich
4. Die Steigerung der Mietpreise treibt das Proletariat
5. Durch diese Vertreibung verlieren die Quartiers von Paris
6. Haussmann entfremdet den Parisern
7. Der wahre Zweck seiner Arbeiten war
8. Wie Louis-Philippe wollte er die Errichtung von Barrikaden in Paris
9. Neue Straßen sollten
8 Karl Marx - Friedrich Engels:
Manifest der kommunistischen Partei (1848)

Berlin: Dietz-Verlag, 1981, Auszug I, S. 44-45

Bourgeois und Proletarier

Die Geschichte aller bisherigen Gesellschaft ist die Geschichte


von Klassenkämpfen.
Freier und Sklave, Patrizier und Plebejer, Baron und Leibeige-
5 ner, Zunftbürger und Gesell, kurz, Unterdrücker und Unter-
drückte standen in stetem Gegensatz zueinander, führten einen
ununterbrochenen, bald versteckten, bald offenen Kampf, einen
Kampf, der jedesmal mit einer revolutionären Umgestaltung der
ganzen Gesellschaft endete oder mit dem gemeinsamen Unter-
io gang der kämpfenden Klassen.
In den früheren Epochen der Geschichte finden wir fast überall
eine vollständige Gliederung der Gesellschaft in verschiedene
Stände, eine mannigfaltige Abstufung der gesellschaftlichen
Stellungen. Im alten Rom haben wir Patrizier, Ritter, Plebejer,
15 Sklaven; im Mittelalter Feudalherren, Vasallen, Zunftbürger,
Gesellen, Leibeigene, und noch dazu in fast jeder dieser Klassen
wieder besondere Abstufungen.
Die aus dem Untergang der feudalen Gesellschaft hervorgegan-
gene moderne bürgerliche Gesellschaft hat die Klassengegen-
20 sätze nicht aufgehoben. Sie hat nur neue Klassen, neue Bedin-
gungen der Unterdrückung, neue Gestaltungen des Kampfes an
die Stelle der alten gesetzt.
Unsere Epoche, die Epoche der Bourgeoisie, zeichnet sich je-
doch dadurch aus, daß sie die Klassengegensätze vereinfacht
25 hat. Die ganze Gesellschaft spaltet sich mehr und mehr in zwei
große feindliche Lager, in zwei große, einander direkt gegen-
überstehende Klassen: Bourgeoisie und Proletariat.

Französische Übersetzung in: Karl Marx - Friedrich Engels: Manifeste du Parti Cornrnuniste, Paris: kditions sociales, 1972,
S. 3 1-32 (edition bilingue)
Englische Übersetzung in: Karl Marx - Frederick Engels: The Communist Manifesto, New York: Pathfinder Press, 1971

38
Lernstoff Erweitertes Attribut (Partizipialkonstruktion) Anhang F21, 33 / E21, 32
Substantivsuffix »-er«+ Anhang F 11 / E 11

Übung

a) Suchen Sie im Text die Substantive mit dem Suffix »-er« auf, die eine Gruppenzugehörigkeit be-
zeichnen.

b) Bilden Sie von den folgenden Verben ausgehend Substantive mit dem Suffix »-er«, die eine Grup-
penzugehörigkeit bezeichnen, und geben Sie die Übersetzung an.

Infinitiv B-en« Substantiv mit Suffix »-er« Übersetzung

Beispiel
führen der Führer le meneur, guide / leader, guide
kämpfen
reiten
unterdrücken
zeichnen
verlieren
arbeiten
spielen
herstellen
sehen

Nachstehend einige Auszüge aus dem Manifest der kommunistischen Partei. Suchen und unterstrei-
chen Sie in diesen Sätzen jeweils das erweiterte Attribut. Orientieren Sie sich dabei an den Unterstrei-
chungen in der französischen bzw. englischen Übersetzung, die zum Zweck dieser Übung sehr wört-
lich gefaßt ist.
1. Der ostindische und chinesische Markt, die Kolonisierung von Amerika, der Austausch mit den
Kolonien, die Vermehrung der Tauschmittel und der Waren überhaupt gaben dem Handel, der
Schiffahrt, der Industrie einen nie gekannten Aufschwung ...
Les marchks des Indes Orientales et de la Chine, la colonisation de l'Amirique, le commerce colonial,
la multiplication des moyens dechange et, en ginkral, des marchandises donnerent un essor jus-
qu'alors inconnu au nkgoce, a la navigation, a I'industrie ...
The East Indian and Chinese markets, the colonisation of Arnerica, the trade with the colonies, the increase in
the rneans of exchange and in cornrnodities generally, gave to cornrnerce, to navigation, to industry, an impulse
never before known ...
2. Die bisherige feudale oder zünftige Betriebsweise der Industrie reichte nicht mehr aus für den mit
den neuen Märkten anwachsenden Bedarf.
L'ancien mode d'exploitation fkodal ou corporatifde l'industrie ne suffisait plus aux besoins sans cesse
croissants a mesure que s'ouvraient de nouveaux marchks.
The previous feudal or guild rnode of industry now no longer sufficed for the growing wants of the new rnarkets.

3. An die Stelle der alten, durch Landeserzeugnisse befriedigten Bedürfnisse treten neue, welche die
Produkte der entferntesten Länder und Klimate zu ihrer Befriedigung erheischen.
A la place des anciens besoins satisfaits pur la production nationale naissent des besoins nouveaux rk-
clamant pour leur satisfaction les produits des contrkes et des climats les plus lointains.
In place of the old wants, satisfied by the productions of the country, we find new wants requiring for their satis-
faction the products of distant lands and clirnates.

4. In den Handelskrisen wird ein großer Teil nicht nur der erzeugten Produkte, sondern sogar der be-
reits geschaffenen Produktivkräfte regelmäßig vernichtet.
Ces crises ditruisent rkgulierement une grande partie non seulement des produits fabriquks, mais m2-
m e des forces productives delja crkkes.
In these crises a great Part not only of the existing products but also of the previously created productive forces
are periodically destroyed.

5. Die wachsende Konkurrenz der Bourgeois unter sich und die daraus hervorgehenden Handelskri-
Sen machen den Lohn der Arbeiter immer schwankender.
La concurrence croissante des bourgeois entre eux et les crises commerciales rksultant de Ia rendent les
salaires des ouvriers deplus en plus instables.
The growing cornpetition arnong the bourgeois and the resulting cornrnercial crises rnake the wages of the
worker ever rnore fluctuating.

Vervollständigen Sie nachstehende Satzanfänge durch die erste Verbergänzung.


1. Die Geschichte aller bisherigen Gesellschaft ist -

2. Unterdrücker und Unterdrückte standen


3. Sie führten -- .

4. Dieser Kampf endete jedesmal


oder
5. Die moderne bürgerliche Gesellschaft ist
hervorgegangen.
6. Sie hat
nicht aufgehoben.
7. Unsere Epoche hat
vereinfacht.
8. Die ganze Gesellschaft spaltet sich
Karl Marx - Friedrich Engels:
9 Manifest der kommunistischen Partei(1848)

Manifest der kommunistischen Partei (1848), Berlin: Dietz-Verlag, 1981, Auszug 11, S. 48-49

Die Bourgeoisie hat in der Geschichte eine höchst revolutionäre


Rolle gespielt.
Die Bourgeoisie, wo sie zur Herrschaft gekommen, hat alle feu-
dalen, patriarchalischen, idyllischen Verhältnisse zerstört. Sie
5 hat ... kein anderes Band zwischen Mensch und Mensch übrigge-
lassen, als das nackte Interesse, als die gefühllose »bare Zah-
lung«. ... Sie hat die persönliche Würde in den Tauschwert auf-
gelöst und an die Stelle der zahllosen verbrieften und wohler-
worbenen Freiheiten die eine gewissenlose Handelsfreiheit ge-
10 setzt. Sie hat, mit einem Wort, an die Stelle der mit religiösen
und politischen Illusionen verhüllten Ausbeutung die offene, un-
verschämte, direkte, dürre Ausbeutung gesetzt.
Die Bourgeoisie hat alle bisher ehrwürdigen und mit frommer
Scheu betrachteten Tätigkeiten ihres Heiligenscheins entkleidet.
1s Sie hat den Arzt, den Juristen, den Pfaffen, den Poeten, den
Mann der Wissenschaft in ihre bezahlten Lohnarbeiter verwan-
delt.
Die Bourgeoisie hat dem Familienverhältnis seinen rührend-sen-
timentalen Schleier abgerissen und es auf ein reines Geldverhält-
20 nis zurückgeführt.
...
Die Bourgeoisie kann nicht existieren, ohne die Produktionsin-
strumente, also die Produktionsverhältnisse, also sämtliche ge-
sellschaftlichen Verhältnisse fortwährend zu revolutionieren.
25 Unveränderte Beibehaltung der alten Produktionsweise war da-
gegen die erste Existenzbedingung aller früheren industriellen
Klassen. Die fortwährende Umwälzung der Produktion, die un-
unterbrochene Erschütterung aller gesellschaftlichen Zustände,
die ewige Unsicherheit und Bewegung zeichnet die Bourgeois-
30 epoche vor allen früheren aus. ...

Französische Übersetzung in: Karl Marx - Friedrich Engels, Manifeste du Parti Communiste, Paris: kditions sociales, 1972,
S. 39-41 (kdition bilingue)
Englische Übersetzung in: Karl Marx - Frederick Engels: The Communist Manifesto, New York: Pathfinder Press, 1971
Lernstoff Gegenüberstellung und Sinndifferenzierung von:
a) vom Verbstamm abgeleiteten Substantiven ohne Suffix
b) vom Verbstamm abgeleiteten Substantiven mit Suffix »-ung« -+ Anhang F48-49 / E47-48

a) Substantive mit Suffix »-urig«


Bilden Sie mit Hilfe nachstehender Verben Substantive auf »-urig« und geben Sie ihre Übersetzung
an.
Beispiel
zahlen payer / to pay die Zahlung le paiement / payment
1. ausbeuten exploiter / to exploit
2. bedingen conditionner /
to cause, bring about

3. umwälzen bouleverser /
to revolutionize

4. bewegen mouvoir, bouger /


to move, agitate

5. unterdrücken opprimer / to oppress


6. gliedern structurer /
to structure, arrange

7. gründen fonder / to found


8. unterscheiden differencier /
to differentiate

9. binden Zier / to bind, link


10. schaffen crker / to create
11. erscheinen apparaitre /
to appear, be manifested

12. verkörpern incarner / to ernbody


13. werten kvaluer / to evaluate

b) Substantive ohne Suffix


Suchen Sie aus den Auszügen I und I1 des Manifests der kommunistischen Partei die Substantive
ohne Suffix heraus, die den nachstehenden Verben entsprechen und geben Sie ihre Übersetzung
an.
1. kämpfen lutter / to struggle, fight
2. setzen poser, statuer / to place
3. stehen, stand, gestanden etre debout / to stand a)

b)
4. untergehen, ging, gegangen sombrer / to sink, decline, be ruined
5. binden, band, gebunden Zier / to bind
6. tauschen dchanger / to exchange
7. werten dvaluer / to rate, evaluate
8. scheinen briller / to shine
9. lohnen recompenser / to reward

C) Geben Sie die Grundverben (ohne Präfix) an, von denen folgende Substantive abgeleitet sind.
Beispiel
der Druck la pression, l'impression / drücken, drucken
pressure, impression

1. r Bund la fdddration / federation, alliance


2.. r Satz la phrase / sentence, phrase
3. r Grund la raison / reason
4. r Inhalt le contenu / content
5. r Bau la construction, I'immeuble /
construction, building
6. r Unterschied la difference/ difference
7. r Spruch la sentence / maxim, sentence
8. r Ausdruck I'expression / expression
9. r Gang la demarche, le couloir /
gait, step, corridor

Übung

a) Suchen Sie im Text (Zeile 1-20) die von der Bourgeoisie herbeigeführten Umwälzungen.
Beispiel
das Band zwischen Mensch und Mensch - das nackte Interesse 1 die gefühllose »bare
Zahlung«
1. die persönliche Würde
2. die verbrieften und wohlerworbenen Freiheiten
3. die mit religiösen und politischen Illusionen
verhüllten Ausbeutungen
4. der Arzt, der Jurist, der Pfaffe, der Poet,
der Mann der Wissenschaft
5. das rührend-sentimentale Familienverhältnis

b) Welche Adjektive zeigen Ihrer Meinung nach eine affektive Stellungnahme des Autors an?
10 Karl Marx - Friedrich Engels:
Manifest der kommunistischen Partei (1848)

Berlin: Dietz-Verlag, 1981, Auszug 111, S. 49-50

Das Bedürfnis nach einem stets ausgedehnteren Absatz für ihre


Produkte jagt die Bourgeoisie über die ganze Erdkugel. Überall
muß sie sich einnisten, überall anbauen, überall Verbindungen
herstellen.
5 Die Bourgeoisie hat durch die Exploitation des Weltmarkts die
Produktion und Konsumtion aller Länder kosmopolitisch ge-
staltet. ... Die uralten nationalen Industrien sind vernichtet wor-
den und werden noch täglich vernichtet. Sie werden verdrängt
durch neue Industrien, deren Einführung eine Lebensfrage für
10 alle zivilisierten Nationen wird, durch Industrien, die nicht
mehr einheimische Rohstoffe, sondern den entlegensten Zonen
angehörige Rohstoffe verarbeiten und deren Fabrikate nicht nur
im Land selbst, sondern in allen Weltteilen zugleich verbraucht
werden. ...
15 Die Bourgeoisie reißt durch die rasche Verbesserung aller Pro-
duktionsinstrumente, durch die unendlich erleichterten Kommu-
nikationen alle, auch die barbarischsten Nationen in die Zivili-
sation. ... Sie zwingt alle Nationen, die Produktionsweise der
Bourgeoisie sich anzueignen, wenn sie nicht zugrundegehen wol-
20 len; sie zwingt sie, die sogenannte Zivilisation bei sich selbst ein-
zuführen, d.h. Bourgeois zu werden. Mit einem Wort, sie schafft
sich eine Welt nach ihrem eigenen Bilde.
Die Bourgeoisie hat das Land der Herrschaft der Stadt unter-
worfen. Sie hat enorme Städte geschaffen, sie hat die Zahl der
25 städtischen Bevölkerung gegenüber der ländlichen in hohem
Grade vermehrt ... Wie sie das Land von der Stadt, hat sie die
barbarischen und halbbarbarischen Länder von den zivilisier-
ten, die Bauernvölker von den Bourgeoisvölkern, den Orient
vom Okzident abhängig gemacht.
30 ... Sie hat die Bevölkerung agglomeriert, die Produktionsmittel
zentralisiert und das Eigentum in wenigen Händen konzentriert.
Die notwendige Folge hiervon war die politische Zentralisation.

Französische Übersetzung in: Karl Marx - Friedrich Engels: Manifeste du Parti Communiste, Paris: Cditions sociales, 1972,
S. 41 -45 (kdition bilingue)
Englische Übersetzung in: Karl Marx - Frederick Engels: The Communist Manifesto, New York: Pathfinder Press, 1971
Lernstoff »werden« und seine Funktion + Anhang F46-47 / E45-46
Verbpräfix »ver-«+ Anhang F 16,51 -52 / E 16, 50-51
L

Nachstehend eine Liste von Substantiven, die von Verben mit dem Präfix »ver-« abgeleitet sind.
Finden Sie diese Verben sowie ihre Grundwörter auf (Verb, Adverb, Adjektiv, Substantiv).
Geben Sie die entsprechende Übersetzung an.
Beispiel
die Verbindung verbinden binden
la liaison, la relation relier lier
connection, contact connect bind

die Vernichtung

die Verarbeitung

der Verbrauch

die Verbesserung

die Vermehrung

der Versuch

die Vergrößerung

die Verfilmung

der Verstand

die Vergötterung

das Verhältnis

die Vereinfachung
die Veränderung

die Verachtung

a) Suchen Sie im 3. Auszug aus dem Manifest der kommunistischen Partei die Verbalgruppen mit
»werden« auf. Bestimmen Sie jeweils, was sie zum Ausdruck bringen. (Anhang F46-47 / E45-46)

b) Verfahren Sie ebenso mit folgenden Auszügen:


I. Die geistigen Erzeugnisse der einzelnen Nationen werden Gemeingut.

2. Provinzen mit verschiedenen Interessen, Gesetzen, Regierungen und Zöllen wurden zusammen-
gedrängt in eine Nation, eine Regierung, ein Gesetz, ein nationales Klasseninteresse, eine Douanen-
linie.

3. Die Produktions- und Verkehrsmittel, auf deren Grundlage sich die Bourgeoisie heranbildete, wur-
den in der feudalen Gesellschaft erzeugt.
P-

4. In den Handelskrisen wird ein großer Teil ... der bereits geschaffenen Produktivkräfte regelmäßig
vernichtet.

5. In den Krisen bricht eine gesellschaftliche Epidemie aus, ... die Epidemie der Überproduktion. ...
Die Produktivkräfte ... sind zu gewaltig für diese Verhältnisse geworden. ... Die bürgerlichen Ver-
hältnisse sind zu eng geworden, um den von ihnen erzeugten Reichtum zu fassen.

6. Aber die Bourgeoisie hat nicht nur die Waffen geschmiedet, die ihr den Tod bringen; sie hat auch
die Männer gezeugt, die diese Waffen führen werden - die modernen Arbeiter, die Proletarier.

Vokabelhilfen
erzeugen / das Erzeugnis produire, le produit / produce, the product
das Gemeingut la propriktk commune / cornrnon property
der Zoll la douane / custorns
zusammendrängen regrouper, parquer / to herd together
vernichten aneantir / to destroy
ausbrechen kclater / to break out
gewaltig immense, puissant / powerful
der Reichtum la richesse / wealth
Waffen schmieden / führen forger, manier des armes / to forge, wield arms
11 Karl Marx - Friedrich Engels
Manifest der kommunistischen Partei (1848)

Berlin: Dietz-Verlag, 1981, Auszug IV, S. 54-55, S. 58

Das Proletariat macht verschiedene Entwicklungsstufen durch.


Sein Kampf gegen die Bourgeoisie beginnt mit seiner Existenz.
Im Anfang kämpfen die einzelnen Arbeiter, dann die Arbeiter
einer Fabrik, dann die Arbeiter eines Arbeitszweiges an einem
5 Ort gegen den einzelnen Bourgeois, der sie direkt ausbeutet. Sie
richten ihre Angriffe nicht nur gegen die bürgerlichen Produk-
tionsverhältnisse, sie richten sie gegen die Produktionsinstru-
mente selbst. ...
Auf dieser Stufe bilden die Arbeiter eine über das ganze Land
10 zerstreute und durch die Konkurrenz zersplitterte Masse. ... Aber
mit der Entwicklung der Industrie vermehrt sich nicht nur das
Proletariat; es wird in größeren Massen zusammengedrängt, sei-
ne Kraft wächst, und es fühlt sie mehr. Die Interessen, die Le-
benslagen innerhalb des Proletariats gleichen sich immer mehr
15 aus, indem die Maschinerie mehr und mehr die Unterschiede
der Arbeit verwischt und den Lohn fast überall auf ein gleich
niedriges Niveau herabdrückt. Die wachsende Konkurrenz der
Bourgeoisie unter, sich und die daraus hervorgehenden Handels-
krisen machen den Lohn der Arbeiter immer schwankender; die
20 immer rascher sich entwickelnde, unaufhörliche Verbesserung
der Maschinerie macht ihre ganze Lebensstellung immer unsi-
cherer; immer mehr nehmen die Kollisionen zwischen dem ein-
zelnen Arbeiter und dem einzelnen Bourgeois den Charakter
von Kollisionen zweier Klassen an. ...
25 Von Zeit zu Zeit siegen die Arbeiter, aber nur vorübergehend.
Das eigentliche Resultat ihrer Kämpfe ist nicht der unmittelbare
Erfolg, sondern die immer weiter um sich greifende Vereinigung
der Arbeiter. Sie wird befördert durch die wachsenden Kommu-
nikationsmittel, die von der großen Industrie erzeugt werden
30 und die Arbeiter der verschiedenen Lokalitäten miteinander in
Verbindung setzen. Es bedarf aber bloß der Verbindung, um die
vielen Lokalkämpfe von überall gleichem Charakter zu einem
nationalen, zu einem Klassenkampfe zu zentralisieren. Jeder
Klassenkampf aber ist ein politischer Kampf. Und die Vereini-
35 gung, zu der die Bürger des Mittelalters mit ihren Vizinalwegen
Jahrhunderte bedurften, bringen die modernen Proletarier mit
den Eisenbahnen in wenigen Jahren zustande.
...
Alle bisherigen Bewegungen waren Bewegungen von Minoritä-
40 ten oder im Interesse von Minoritäten. Die proletarische Bewe-
gung ist die selbständige Bewegung der ungeheuren Mehrzahl
im Interesse der ungeheuren Mehrzahl.

Französische Übersetzung in: Karl Marx - Fnedrich Engels: Manifeste du Parti Communiste, Paris: editions sociales, 1972,
S. 53-57, 63 (edition bilingue)
Englische Übersetzung in: Karl Marx - Frederick Engels: The Communist Manifesto, New York: Pathfinder Press, 1971

Lernstoff Verstärkte Behandlung d e r Funktion d e r Signalwörter --P Anhang F37-45 / E 36-44

a) Bestimmen Sie die Wörter, aus denen sich folgende Komposita zusammensetzen, und geben Sie
ihre Übersetzung an.
Handarbeit
Handelsartikel
Warenhandel
Handelsware
Warenhaus
Lohnarbeit --

Lohnarbeitssystem - -. ---

Arbeitslohn -----

Lohntarif - --

Lohntarifverhandlung
Arbeitsmarkt
Arbeitsteilung
Teilzeitarbeit
Lebenskosten
Lebensmittel
Lebensmittelpreis
Arbeitsstunde
Stundenarbeit
Arbeiterklasse
Klassenkampf

b) Finden Sie in nachstehenden Sätzen jeweils die Nominalgruppen mit erweitertem Attribut auf und
geben Sie die Übersetzung an.
1. Die von der Bourgeoisie geschmiedeten Waffen bringen ihr jetzt den Tod.

2. Die Bourgeoisie hat auch die diese Waffen führenden Männer gezeugt, die Proletarier.

3. Diese sich stückweis verkaufenden Arbeiter sind eine Ware wie jeder andere Handelsartikel.

4. Sie werden ein bloßes Zubehör der sich immer mehr ausdehnenden Maschinerie.

5. Die vom Arbeiter verursachten Kosten beschränken sich fast nur auf die Lebensmittel.

6. Von allen der Bourgeoisie heute gegenüberstehenden Klassen ist nur das Proletariat eine wirklich
revolutionäre Klasse.

(Hinweis für den Lehrer: Erarbeiten Sie zur Vorentlastung der Übung mit den Schülern die frequen-
ten Wörter, Internationalismen und Eigennamen.)
Markieren Sie die Signalwörter und analysieren Sie ihre Funktion in bezug auf die argumentative
Struktur des Textes.
Arbeit, die unter Zwang geschieht, entfremdet den Menschen von sich selbst. Unfreie, unschöpferi-
sche Arbeit ist, wenn sich der Mensch »in seiner Arbeit nicht bejaht, sondern verneint, nicht wohl,
sondern unglücklich fühlt.« Dann ist der Arbeiter »außer der Arbeit bei sich und in der Arbeit außer
sich. Zu Hause ist er, wenn er nicht arbeitet, und wenn er arbeitet, ist er nicht zu Haus. Seine Arbeit ist
5 daher nicht freiwillig, sondern gezwungen, Zwangsarbeit.« Marx' Kritik trifft nicht die ungerechte
Verteilung des Geldes, sondern die unfreie Arbeit: »Eine gewaltsame Erhöhung des Arbeitslohns wäre
nur eine bessere Salairierung der Sklaven und hätte weder dem Arbeiter noch der Arbeit ihre mensch-
liche Bestimmung und Würde erobert.
»Die Philosophie von Marxc<, so faßt Erich Fromm zusammen, »ist ein Protest gegen die Entfrem-
10 dung des Menschen, gegen den Verlust seiner selbst und seine Verwandlung in ein Ding. Diesen Pro-
test erhebt er gegen die Dehumanisierung und Automatisierung des Menschen im Industrialismus.«
Marx selbst nennt seine Lehre weder einen Materialismus, noch einen Idealismus, sondern einen Hu-
manismus. »Radikal sein ist die Sache an der Wurzel fassen. Die Wurzel für den Menschen ist aber
der Mensch selbst.«
15 Der »positive Humanismus«, den Marx vertritt, kämpft nicht für irgendein System, sondern für den
freien, »den wirklichen, den individuellen Menschen«.
Lesetext aus: Häussermann, Deutschkurs 3, S. 13
Vervollständigen Sie nachstehende Satzanfänge durch die erste Verbergänzung.
I. Das Proletariat macht
2. Die Arbeiter bilden auf der ersten Stufe ihres Kampfes
3. Mit der Entwicklung der Industrie wird das Proletariat
4. Die Kollisionen zwischen dem einzelnen Arbeiter und dem einzelnen Bourgeois nehmen

5. Die immer weiter um sich greifende Vereinigung der Arbeiter ist


6. Die Verbindung der Arbeiter der verschiedenen Lokalitäten zentralisiert die vielen Lokalkämpfe

7. Jeder Klassenkampf ist


Stefan Andres:
12 Im Anfang

aus: Die biblische Geschichte, München: Droemer/Knaur, 1965, S. 9

Im Anfang war nichts da als Gott allein. Nichts war da: nicht
die Lichter am Himmel, nicht das Wasser und nicht das Feste,
nicht einmal der leere Raum war da, und nicht die Zeit. Aber
Gott war da und in Gott das Bild der Welt, die er erschaffen
5 wollte. Und als Gott sprach: »Jetzt!«, da war die Zeit da, und
als er sprach: »Hier und dort und droben und drunten«, da war
der Raum da.
Und Gott ließ das Wort, das er in sich hatte, in die Zeit und in
den Raum. Das Wort schuf das Licht und die Finsternis, schuf
10 die Sterne und schrieb ihnen ihre Bahn vor. Und Gott blickte
auf einen ganz kleinen Stern, wählte ihn aus und nannte ihn
»Erde«. Und er wählte einen großen, flammenden Stern aus
und nannte ihn »Sonne«. Die Sonne leuchtete über der Erde
und wärmte sie. Und Gott wählte einen winzigen Stern aus, den
15 nannte er »Mond«. Der sollte um die Erde ziehen wie die Erde
um die Sonne. Die Sonne aber machte auf der Erde mit ihrem
Kommen und Gehen den Tag und die Nacht.

Englische Übersetzung: Stefan Andres: The Bible Story, illustrated by Gerhard Oberländer, translated from the German by
Michael Bullock

Lernstoff Präteritum der unregelmäßigen Verben -+ Anhang 17- 19,22-25 / E 17- 19,22-25
Ermitteln Sie die unregelmäßigen Verben, von denen folgende Substantive abgeleitet sind:
Beispiel
die Sprache la langue / language sprechen
1. die Schrift I'kcriture / writing
2. der Begriff le concept / concept
3. der Unterschied la difference / difference
4. der Verstand I'entendement / understanding
5. der Trieb la pulsion / drive
6. die Gabe le don / gift
7. das Maß la mesure / measure
8. das Band le ruban, le Iien / ribbon, bond
9. das Schloß la serrure, le chdteau /lock, castle
10. der Zwang la contrainte / constraint
11. die Tat l'acte / action
12. das Verbot l'interdiction / ban

Nachstehend der Anfang der Schöpfungsgeschichte in der Lutherschen Übersetzung. Ergänzen Sie
den Text durch das Präteritum der im Infinitiv angegebenen Verben. (Die unregelmäßigen Verben
sind durch »u.V.« gekennzeichnet.)

Im Anfang Gott Himmel und Erde. Und die Erde 1. schaffen, u.V.

Und Gott
wüst und leer, und es
der Tiefe. Und der Geist Gottes
: Es werde Licht.
finster auf
auf dem Wasser.
Und es
2. sein, u.V.
4. schweben
5. sprechen, u.V.
3. sein, u.V.
i
Licht. Und Gott , daß das Licht 6./7. werdedsehen, u.V.
gut . Da Gott das Licht von der 8./9. seidscheiden, u.V.
Finsternis und das Licht Tag und die Finsternis 10. nennen, u.V.
Nacht. Da aus Abend und Morgen der erste Tag. 11. werden, u.V.
Und Gott : Es werde eine Feste zwischen den Was- 12. sprechen, u.V.
sern und die sei ein Unterschied zwischen den Wassern. Da
Gott die Feste und das Wasser 13./ 14. machedscheiden, u.V.
unter der Feste von dem über der Feste. Und es also. 15. geschehen, u.V.
Und Gott die Feste Himmel. Da 16. nennen, u.V.
aus Abend und Morgen der andere Tag. 17. werden, u.V.
aus: Martin Luther, Die ganze Heilige Schrift, Wittenberg, 1545
Johannes - Evangelium 1
13 Prolog

Stuttgarter Keppler-Bibel, 1915, Stuttgart: Kepplerhaus-Verlag, 1959, S. 185

Jesus, das menschgewordene Wort Gottes.


Am Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott
war das Wort. Dieses war im Anfang bei Gott. Alles ist durch es
geworden, und ohne es ist nichts geworden, was geworden ist. In
5 ihm war das Leben, und das Leben war das Licht der Menschen.
Und das Licht leuchtete in der Finsternis, aber die Finsternis hat
es nicht erfaßt. Ein Mensch trat auf, gesandt von Gott, sein Na-
me war Johannes. Der kam zum Zeugnisse, um Zeugnis zu ge-
ben von dem Lichte, damit alle durch ihn glaubten. Er war nicht
10 das Licht, sondern sollte nur von dem Lichte Zeugnis geben.
Das wahre Licht, das jeden Menschen erleuchtet, kam in die
Welt. Er war in der Welt, und die Welt ist durch ihn geworden,
und doch hat die Welt ihn nicht erkannt. Er kam in sein Eigen-
tum, aber die Seinen nahmen ihn nicht auf. Aber allen, die ihn
1s aufnahmen, gab er Macht, Kinder Gottes zu werden, ihnen, die
an seinen Namen glauben, die nicht aus dem Geblüte noch aus
dem Willen des Fleisches noch aus dem Willen des Mannes,
sondern aus Gott geboren sind.
Und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt,
20 und wir haben seine Herrlichkeit gesehen, die Herrlichkeit als
des Eingeborenen vom Vater, voll Gnade und Wahrheit. Johan-
nes legt Zeugnis von ihm ab und ruft: Dieser war es, von dem
ich sprach: Der nach mir kommen wird, ist mir voraus, denn er
war früher als ich. Und aus seiner Überfülle haben wir alle
25 empfangen Gnade um Gnade. Denn durch Moses wurde das
Gesetz gegeben, durch Jesus Christus ist die Gnade und die
Wahrheit geworden. Gott hat nie jemand geschaut; der Eingebo-
rene, (der) Gott (ist), der im Schoße des Vaters ist, er hat uns
Kunde gebracht.

Lernstoff Verben: Wiederholung der verschiedenen Tempora + Anhang F 17,22-25 / E 17,22-25


Ergänzen Sie den Text durch nachstehende Verben (sie sind nicht der Reihenfolge nach angeordnet).
Bestimmen Sie in Klammern das Tempus.
sollte glaubten
ruft sprach
wurde ... gegeben (a, b) aufnahmen
kam haben ... gesehen (a, b)
ist ... geworden (a, b) war /
hat ... gebracht (a, b) ist
kommen wird leuchtete

Jesus, das menschgewordene Wort Gottes.


Am Anfang war (Prät.) das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort. Dieses war im
Anfang bei Gott. Alles ist durch es geworden, und ohne es (la) nichts
(lb) , was geworden ist. In ihm war das Leben, und das Leben war das
5 Licht der Menschen. Und das Licht (2) in der Finsternis, aber die Fin-
sternis hat es nicht erfaßt. Ein Mensch trat auf, gesandt von Gott, sein Name war Johannes. Der
kam zum Zeugnisse, um Zeugnis zu geben von dem Lichte, damit alle durch ihn (3)
. Er war nicht das Licht, sondern (4)
nur von dem Lichte Zeugnis geben. Das wahre Licht, das jeden Menschen erleuchtet, (5)
10 in die Welt. Er war in der Welt, und die Welt ist durch ihn geworden,
und doch hat die Welt ihn nicht erkannt. Er kam in sein Eigentum, aber die Seinen nahmen ihn nicht
auf. Aber allen, die ihn (6) , gab er Macht, Kinder Gottes zu werden,
ihnen, die an seinen Namen glauben, die nicht aus dem Geblüte noch aus dem Willen des Fleisches
noch aus dem Willen des Mannes, sondern aus Gott geboren sind.
15 Und das Wort ist Fleisch geworden und
seine Herrlichkeit (7b)
hat unter uns gewohnt, und wir (7a)
, die Herrlich-
I
keit als des Eingeborenen vom Vater, voll Gnade und Wahrheit. Johannes legt Zeugnis von ihm ab 1
und (8) : Dieser war es, von dem ich (9)
: Der nach mir (10) , ist mir voraus,
20 denn er war früher als ich. Und aus seiner Überfülle haben wir alle empfangen Gnade um Gnade. 1
Denn durch Moses ( l l a ) das Gesetz (1 lb)
, durch Jesus Christus ist die Gnade und die Wahrheit geworden. Gott
hat nie jemand geschaut; der Eingeborene, (der) Gott (ist), der im Schoße des Vaters (12)
, er (13a) uns Kunde (13b)
25
Bestimmen Sie die Form der im Text markierten Personal-, Relativ-, Possessiv- und Demonstrativ-
pronomen und geben Sie an, worauf sie jeweils verweisen.
Jesus, das menschgewordene Wort Gottes.
Am Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort. (m) war im An-
fang bei Gott. Alles ist durch @ geworden, und ohne es ist nichts geworden, was geworden ist. In
(ihm) war das Leben, und das Leben war das Licht der Menschen. Und das Licht leuchtete in der Fin-
5 sternis, aber die Finsternis hat @ nicht erfaßt. Ein Mensch trat auf, gesandt von Gott, Name
war Johannes. kam zum Zeugnisse, um Zeugnis zu geben von dem Lichte, damit alle durch
(ihn) glaubten. (Er) war nicht das Licht, sondern sollte nur von dem Lichte Zeugnis geben. Das
wahre Licht, das jeden Menschen erleuchtet, kam in die Welt. war in der Welt, und die Welt ist
durch (ihn) geworden, und doch hat die Welt @ nicht erkannt. (@ kam in sein Eigentum, aber
10 die Seinen nahmen nicht auf. Aber allen, @ ihn aufnahmen, gab er Macht, Kinder Gottes zu
werden, (E), an seinen Namen glauben, die nicht aus dem Geblüte noch aus dem Willen
des Fleisches noch aus dem Willen des Mannes, sondern aus Gott geboren sind.
Und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt, und wir haben Herrlichkeit
gesehen, die Herrlichkeit als des Eingeborenen vom Vater, voll Gnade und Wahrheit. Johannes legt
1s Zeugnis von (ihm) ab und ruft: C E ] war @, von ich sprach: nach mir kommen
wird, ist mir voraus, denn @ war früher als ich. Und aus ( S r ) Überfülle haben wir alle empfan-
gen Gnade um Gnade. Denn durch Moses wurde das Gesetz gegeben, durch Jesus Christus ist die
Gnade und die Wahrheit geworden. Gott hat nie jemand geschaut; der Eingeborene, (der) Gott (ist),
(der) im Schoße des Vaters ist, (er) hat uns Kunde gebracht.
Arthur Schopenhauer:
14 >>überdas Lesen,

Brockhaus 1947, sämtl. Werke, Bd. 6, S. 588

Wenn wir lesen, denkt ein Anderer für uns; wir wiederholen
bloß seinen mentalen Proceß. Es ist damit, wie wenn beim
Schreibenlernen der Schüler die vom Lehrer mit Bleistift ge-
schriebenen Züge mit der Feder nachzieht. Demnach ist beim
5 Lesen die Arbeit des Denkens uns zum größten Theile abgenom-
men. Daher die fühlbare Erleichterung, wenn wir von der Be-
schäftigung mit unsren eigenen Gedanken zum Lesen überge-
hen. Aber während des Lesens ist unser Kopf doch eigentlich
nur der Tummelplatz fremder Gedanken. Daher kommt es, daß
10 wer sehr viel und fast den ganzen Tag liest, dazwischen aber sich
in gedankenlosem Zeitvertreib erholt, die Fähigkeit, selbst zu
denken, allmählich verliert, - wie Einer, der immer reitet, zu-
letzt das Gehen verlernt. Solches aber ist der Fall sehr vieler Ge-
lehrten: sie haben sich dumm gelesen.

Lernstoff Unterschiedliche Bedeutung von:


a) substantiviertem Infinitiv,
b) Substantiv mit Suffix »-ung«,
C) vom Verbstamm abgeleitetem Substantiv ohne Suffix -+ Anhang F47-49 / E46-48
Ubung

Finden Sie im Text die Substantive auf, die nachstehenden Kategorien entsprechen. Geben Sie den
dazugehörigen Infinitiv an.
1. Vorgang als 2. Phänomen, das auf 3. Phänomen, Ergeb- 4. Infinitiv
Phänomen seine Entwicklung nis eines Vorgangs
zurückverweist (vom Verbstamm
abgeleitet, ohne
das - en die -ung Suffix)

Beispiel
s Unterscheiden e Unterscheidung r Unterschied unterscheiden

Vervollständigen Sie nachstehende Satzanfänge durch die erste Verbergänzung.


1. Beim Lesen ist uns
2. Denn ein Anderer denkt
3. Während des Lesens ist unser Kopf
4. Wer viel liest, verliert daher
5. Viele Gelehrte haben sich gelesen.
Martin Heidegger:
15 Was heiBt Denken?

Tübingen: Niemeyer Verlag, 1961, erster Teil, 1951 - 1952, Auszug S. 1-2

In das, was Denken heißt, gelangen wir, wenn wir selbst denken.
Damit ein solcher Versuch glückt, müssen wir bereit sein, das
Denken zu lernen.
Sobald wir uns auf dieses Lernen einlassen, haben wir auch
5 schon zugestanden, daß wir das Denken noch nicht vermögen.
Aber der Mensch heißt doch der, der denken kann - und das
mit Recht. Denn er ist das vernünftige Lebewesen. Die Vernunft,
die ratio, entfaltet sich im Denken. Als das vernünftige Lebewe-
sen muß der Mensch denken können, wenn er nur will. Indes
10 will der Mensch vielleicht denken und kann es doch nicht. Am
Ende will er bei diesem Denkenwollen zu viel und kann deshalb
zu wenig. Der Mensch kann denken, insofern er die Möglichkeit
dazu hat. Allein dieses Mögliche verbürgt uns noch nicht, daß
wir es vermögen. Denn wir vermögen nur das, was wir mögen.
1s Aber wir mögen wiederum wahrhaft nur Jenes, was seinerseits
uns selber und zwar uns in unserem Wesen mag, indem es sich
unserem Wesen als das zuspricht, was uns im Wesen hält. Halten
heißt eigentlich hüten, auf dem Weideland weiden lassen. Was
uns in unserem Wesen hält, hält uns jedoch nur so lange, als wir
20 selber von uns her das Haltende be-halten. Wir be-halten es,
wenn wir es nicht aus dem Gedächtnis lassen. Das Gedächtnis
ist die Versammlung des Denkens. ...
Um das Denken zu vermögen, müssen wir es lernen. Was ist Ler-
nen? Der Mensch lernt, insofern er sein Tun und Lassen zu dem
25 in die Entsprechung bringt, was ihm jeweils an Wesenhaftem zu-
gesprochen wird. Das Denken lernen wir, indem wir auf das
achten, was es zu bedenken gibt. ...
Das Bedenklichste ist, da$' wir noch nicht denken; immer noch
nicht, obgleich der Weltzustand fortgesetzt bedenklicher wird.

Französische Übersetzung: Qu'appelle-t-on penser?, Paris: PUF, 1971, traduit par Aloys Becker et Gerard Granet
Englische Ubersetzung: A translation of »Was heißt Denken?<(by Fred D. Wieck and J. Glenn Gray, New York, London:
Harper and Row, 1968 (repr. 1972), Religious Perspectives, vol. 21
1
Lernstoff Neben- und unterordnende Konjunktionen und ihre Funktion in der argumentativen Struktur
eines Textes -+ Anhang F37-38 / E36-37
Substantivierte Infinitive und Adjektive in der philosophischen Sprache -+ Anhang
F47-48 / E46-47

Übung

Vervollständigen Sie den Text mit Hilfe der Konjunktionen, die dem Sinnzusammenhang entspre-
chen.
Sie zeigen an:
unterordnende nebenordnende
Konjunktion Konjunktion
eine Feststellung oder einen Tatbestand : daß
ein Mittel : indem
eine Begründung : weil, d a denn
eine Bedingung : wenn, falls
eine Absicht : damit
einen Gegensatz aber, doch, allein
eine Konzession oder einen Gegensatz : obwohl, obgleich
eine Einschränkung : insofern

In das, was Denken heißt, gelangen wir, (1) wir selber denken. (2)
ein solcher Versuch glückt, müssen wir bereit sein, das Denken zu lernen.
Sobald wir uns auf dieses Lernen einlassen, haben wir auch schon zugestanden, (3)
wir das Denken noch nicht vermögen. (4) der Mensch heißt
s doch der, der denken kann - und das mit Recht. (5) er ist das vernünftige Lebe-
wesen. Die Vernunft, die ratio, entfaltet sich im Denken. Als das vernünftige Lebewesen muß der
Mensch denken können, (6) er nur will. Indes will der Mensch vielleicht denken
und kann es doch nicht. Am Ende will er bei diesem Denkenwollen zu viel und kann deshalb zu
wenig. Der Mensch kann denken, (7) er die Möglichkeit dazu hat. (8)
10 dieses Mögliche verbürgt uns noch nicht, (9) wir es vermögen.
(10) wir vermögen nur das, was wir mögen. (1 1) wir mögen wie-
derum wahrhaft nur Jenes, was seinerseits uns selber und zwar uns in unserem Wesen mag, (12)
es sich unserem Wesen als das zuspricht, was uns im Wesen hält. ... Um das Den-
ken zu vermögen, müssen wir es lernen. Was ist Lernen? Der Mensch lernt, (13) er
15 sein Tun und Lassen zu dem in die Entsprechung bringt, was ihm jeweils an Wesenhaftem zugespro-
chen wird. Das Denken lernen wir, (14) wir auf das achten, was es zu bedenken
gibt. ...
Das Bedenklichste ist, (15) wir noch nicht denken; immer noch nicht, (16)
der Weltzustand fortgesetzt bedenklicher wird.
Um die Unterschiedlichkeit der Phänomene klarer herauszustellen, arbeitet die philosophische Spra-
che häufig mit substantivierten Infinitiven (Vorgang als solcher) und Adjektiven (abstrakte Begriffe),
die in der Standardsprache seltener auftreten.
Suchen Sie die deutsche Entsprechung für nachstehende Wörter.

Beispiel
a) l'acte de penser, le penser / thinking -+ das Denken
b) ce qui est possible, le possible / the possible -+ das Mögliche
a) Substantivierte Infinitive
1. l'apprentissage / learning
2. l'acte, le faire / deeds, acts, activities
3. 1'2tre / being
4. le fait de vouloir / will
5. le savoir / knowledge
6. l'existence, 1'2tre-la / existence
7. le fait de travailler / working
8. le fait de lire / reading
9. l'acte de parler / speaking
10. le comportement / behaviour
11. la vie / life
12. la recherche, l'acte de chercher / search

b) Substantivierte Adjektive
1. ce qui tient a l'essentiel/ the essential
2. ce qui donne le plus a penser /
that which is rnost thought-provoking
3. le mal / the bad
4. le bien / the good
5. le spirituel / the spiritual
6. le plus important / that which is rnost important
7. l'abstrait / the abstract
8. ce qui est philosophique / that which is philosophical
9. le concret / the concrete
10. ce qui est beau / the beautiful
11. ce qui est artistique / the artistic
12. ce qui est faisable / that which is feasible
Vervollständigen Sie nachstehende Satzanfänge durch die erste Verbergänzung.
1. Wenn wir selber denken, gelangen wir
2. Wir müssen
3. Wir vermögen
4. Aber mit Recht heißt der Mensch
5. Wenn er nur will, muß der Mensch
6. Dazu hat er
7. Daß wir noch nicht denken, ist
8. Und doch wird der Weltzustand
16 Martin Heidegger:
Was heißt Denken? Stundenuberginge, Von I zu I

Tübingen: M. Niemeyer, 1961, erster Teil 1951-1952, Auszug, S. 50

... Das Lehren ist noch schwieriger als das Lernen. Man weiß
dies wohl; aber man bedenkt es selten. Weshalb ist das Lehren
schwerer als das Lernen? Nicht deshalb, weil der Lehrer die grö-
ßere Summe von Kenntnissen besitzen und sie jederzeit bereit
5 haben muß. Das Lehren ist darum schwerer als das Lernen, weil
Lehren heißt: lernen lassen. Der eigentliche Lehrer läßt sogar
nichts anderes lernen als - das Lernen. Deshalb erweckt sein
Tun oft auch den Eindruck, daß man bei ihm eigentlich nichts
lernt, sofern man jetzt unversehens unter »lernen« nur die
io Beschaffung nutzbarer Kenntnisse versteht.
Der Lehrer ist dem Lehrling nur einzig darin voraus, daß er
noch weit mehr zu lernen hat als sie, nämlich: das Lernenlassen.
Der Lehrer muß es vermögen, belehrbarer zu sein als die Lehr-
linge. Der Lehrer ist seiner Sache weit weniger sicher als die Ler-
15 nenden der ihrigen. Darum kommt bei dem Verhältnis von Leh-
rer und Lernenden, wenn es ein wahres ist, niemals die Autorität
des Viel-Wissers und der autoritative Einfluß des Beauftragten
ins Spiel. Darum bleibt es eine hohe Sache, ein Lehrer zu wer-
den, was etwas völlig anderes ist, als ein berühmter Dozent zu
20 sein.
Vermutlich liegt es an dieser hohen Sache und ihrer Höhe, daß
heute, wo alles nur nach unten und von unten her, z.B. vom Ge-
schäft aus, gemessen wird, daß heute niemand mehr Lehrer wer-
den möchte. Vermutlich hängt diese Abneigung mit jenem
25 Bedenklichsten zusammen, das zu denken gibt. Wir müssen das
echte Verhältnis zwischen Lehrer und Lehrlingen gut im Auge
behalten, falls im Verlauf dieser Vorlesung ein Lernen wach wer-
den dürfte.

Französische Übersetzung in: »Qu'appelle-t-on penser?« Reprises et transitions, Paris: PUF, 1959
Englische Ubersetzung: A translation of »Was heißt Denken?« by Fred D. Wieck and J. Glenn Gray, New York, London:
Harper and Row, 1968 (repr. 1972), Religious Perspectives, vol. 21

62
Lernstoff Komparativ mit »als« + Anhang F 13,39 / E 13, 38
Kausale Zusammenhänge: »warum - darum«, »darum, weil«

Ergänzen Sie den Text mit Hilfe nachstehender Komparativformen (sie sind nicht der Reihenfolge
nach angeordnet).
anderes ... als schwerer ... als
belehrbarer ... als schwieriger ... als
größere ... als schwierigere ... als
mehr ... als (2x) weniger ... als

Heidegger schreibt in diesem Text, daß das Lehren (1) ist das
Lernen, und er stellt die Frage, warum das Lehren wohl (2) ist
das Lernen. Nicht, weil der Lehrer (3) wissen muß
der Lerner, nicht, weil er die (4) Summe von Kenntnissen ha-
5 ben muß der Lehrling. Das Lehren, so sagt er, ist eine (5) Sache
das Lernen, weil Lehren heißt: lernen lassen, nichts (6) lernen
lassen das Lernen. So hat der Lehrer noch (7) zu lernen
die Lehrlinge, er muß sein Leben lang (8) sein
sie. Lehren heißt, den Lehrling lernen zu lassen, und insofern ist der Lehrer seiner
10 Sache viel (9) sicher die Lernenden der ihrigen.

Ergänzen Sie mit Hilfe des Textes nachstehende Sätze.


Weshalb? - Deshalb, weil ...
Warum? - Darum, weil ...
... - Deshalb ...
... - Darum ...
1. Weshalb ist das Lehren schwerer als das Lernen?
Nicht deshalb, weil
sondern darum, weil
2. Der eigentliche Lehrer läßt nichts anderes lernen als das Lernen. Deshalb
3. Warum kommt bei dem Verhältnis von Lehrer und Lernenden niemals die Autorität des Viel-Wis-
sers ins Spiel?
Darum, weil

4. Heute wird alles nur nach unten und von unten her gemessen.
Darum
5. Im Verlauf dieser Vorlesung soll ein Lernen wach werden.
Deshalb ...-
------P--

Vervollständigen Sie nachstehende Satzanfänge durch die erste Verbergänzung.


1. Das Lehren ist
2. Der Lehrer muß nicht
3. Der eigentliche Lehrer läßt
4. Sein Tun erweckt
5. Der Lehrer hat
6 . Der Lehrer muß
7. Bei dem Verhältnis von Lehrer und Lernenden kommt niemals die Autorität des Viel-Wissers und
der autoritative Einfluß des Beauftragten
8. Ein Lehrer zu werden bleibt
9. Darum möchte heute niemand mehr
17 Carl Gustav Jung:
Funktion der Träume (1959)

In: Der Mensch und seine Symbole; Walter Verlag 1968, Auszüge, S. 50 ff.

Die allgemeine Funktion der Träume besteht in dem Versuch,


uns das psychische Gleichgewicht wiederzugeben, indem sie
Traummaterial produzieren, das auf subtile Weise die gesamte
psychische Balance wiederherstellt. Dies nenne ich die komple-
5 mentäre (oder kompensatorische) Funktion der Träume. Das er-
klärt zum Beispiel, warum Menschen, die unrealistische Ideen
oder eine zu hohe Meinung von sich selbst haben oder allzu
grandiose Pläne machen, die außerhalb der Möglichkeit liegen,
oft vom Fliegen oder Fallen träumen. Der Traum kompensiert
10 die Mängel ihrer Persönlichkeit und warnt sie gleichzeitig vor
den Gefahren ihres gegenwärtigen Kurses. Wenn die Warnun-
gen des Traumes nicht beachtet werden, können wirkliche
Unfälle die Folge sein. ...
Um der geistigen Stabilität und auch um der physiologischen
1s Gesundheit willen müssen das Unbewußte und das Bewußtsein
miteinander verbunden funktionieren. Werden sie voneinander
getrennt oder »dissoziiert«, dann ergibt sich eine psychische Stö-
rung. Traumsymbole sind demnach die wichtigsten Mitteilungsträ-
ger von den instinktiven zu den rationalen Teilen des mensch-
20 lichen Geistes, und ihre Deutung bereichert das Bewußtsein, das
dadurch die vergessene Sprache der Instinkte wieder verstehen
lernt. ...
Die meisten Menschen halten Traumdeutungen für überflüssig.
Diese Erfahrung habe ich unter anderem bei einem primitiven
25 Stamm in Ostafrika gemacht. Zu meinem Erstaunen stritten die
Eingeborenen ab, überhaupt Träume zu haben. Aber durch ge-
duldige Gespräche fand ich bald heraus, daß sie zwar ebenso
träumten wie andere Menschen, den Träumen aber keine Bedeu-
tung beimaßen.

Französische Übersetzung: Carl Gustav Jung: »L'homme et Ses symboles«, Robert Laffont, 1964
Englische Übersetzung: Carl Gustav Jung: Man and his symbols, London: Pan Books, 1978
Lernstoff Verbpräfix »er-« / Präfix »un-« + Anhang F 15,51-52; 12 / E 15, 50-51 ; 12
Konditionalsatz ohne die Konjunktion »wenn« -+ Anhang F36 / E35

a) Bilden Sie mit Hilfe nachstehender Grundverben Verben mit dem Präfix »er-« und geben Sie die
Übersetzung an.
Beispiel
klären: clariJEer/to clarify erklären: expliquer / to explain
1. fahren: cheminer / to go
2. staunen: etre dtonnd / to be astonished
3. leben: vivre / to live
4. kennen : connaftre / to know
5. fassen: saisir, prendre / to seize, grasp
6. halten: tenir / to hold
7. öffnen: ouvrir / to open P - - - - -

8. finden: trouver / to find --- -- -

9. zeugen: engendrer / to generate - -

10. schaffen : crder / to create


11. lernen: apprendre / to learn
12. füllen: remplir / to fill

b) Bestimmen Sie, ausgehend von nachstehenden Verben mit Präfix »er-«, die Adjektive (Positiv bzw.
Komparativ), von denen sie abgeleitet sind.
Beispiel
erröten rougir / to blush rot
1. erkranken tomber malade / to fall ill
2. erbleichen p d i r / to turn pale
3. erwachen se reveiller / to awake
4. erhöhen (sur)dlever / to raise, increase
5. erleichtern faciliter / to make easier, facilitate
6. erschweren rendre difflcile/ to make more difficult
7. erwärmen rechaufleer / to warm
8. erweitern ilargir / to enlarge
Übung

Formen Sie folgende Sätze nach dem angegebenen Beispiel um:


Wenn das U n b e ~ u ß t eund das Bewußtsein voneinander getrennt werden, dann ergibt sich eine
psychische Störung.
Werden das Unbewußte und das Bewußtsein voneinander getrennt, dann ergibt sich eine psychische Stö-
rung.
1. Wenn Menschen unrealistische Ideen haben, dann träumen sie oft vom Fliegen oder Fallen.

2. Wenn die Warnungen des Traumes nicht beachtet werden, so können wirkliche Unfälle die Folge
sein.

3. Wenn die geistige Stabilität erhalten bleiben soll, dann müssen das Unbewußte und das Bewußtsein
miteinander verbunden funktionieren.

- -

4. Wenn Menschen die Traumdeutung für überflüssig halten, so geschieht das oft aus Unkenntnis.

5. Wenn ein Traum uns undeutbar erscheint, dann zeigt das unseren Mangel a n Verständnis für eine
bildhafte Sprache.
18 Sigmund Freud:
Von Traum und Traumdeutung (1938)

aus: Abriß der Psychoanalyse, Teil I, Kap. 5, Frankfurt am Main: Fischer Taschenbuch Verlag, 1972, S. 24-26

Den Weg zum Verständnis (»Deutung«) des Traumes beschrei-


ten wir, indem wir annehmen, daß das, was wir als Traum nach
dem Erwachen erinnern, nicht der wirkliche Traumvorgang ist,
sondern nur eine Fassade, hinter welcher sich dieser verbirgt.
5 Dies ist unsere Unterscheidung eines manifesten Trauminhaltes
und der latenten Traumgedanken. Den Vorgang, der aus den
letzteren den ersteren hervorgehen ließ, heißen wir die Traum-
arbeit. Das Studium der Traumarbeit lehrt uns an einem ausge-
zeichneten Beispiel, wie unbewußtes Material aus dem Es,
10 ursprüngliches und verdrängtes, sich dem Ich aufdrängt, vorbe-
wußt wird und durch das Sträuben des Ichs jene Veränderungen
erfährt, die wir als die Traumentstellung kennen. Es gibt keinen
Charakter des Traumes, der nicht auf diese Weise seine Aufklä-
rung fände.
1s Wir beginnen am besten mit der Feststellung, daß es zweierlei
Anlässe zur Traumbildung gibt. Entweder hat während des
Schlafes eine sonst unterdrückte Triebregung (ein unbewußter
Wunsch) die Stärke gefunden, sich im Ich geltend zu machen,
oder es hat eine vom Wachleben erübrigte Strebung, ein vorbe-
20 wußter Gedankengang mit allen ihm anhängenden Konflikt-
regungen im Schlaf eine Verstärkung durch ein unbewußtes Ele-
ment gefunden. Also Träume vom Es her oder vom Ich her ...
Man kann mit Recht sagen, mit der Geburt ist ein Trieb entstan-
den, zum aufgegebenen Intrauterinleben zurückzukehren, ein
25 Schlaftrieb. Der Schlaf ist eine solche Rückkehr in den Mutter-
leib. Da das wache Ich die Motilität beherrscht, wird diese
Funktion im Schlafzustand gelähmt, und damit wird ein guter
Teil der Hemmungen, die dem unbewußten Es auferlegt waren,
überflüssig. Die Einziehung oder Herabsetzung dieser »Gegen-
30 besetzungena erlaubt nun dem Es ein jetzt unschädliches Maß
von Freiheit. Die Beweise für den Anteil des unbewußten Es an
der Traumbildung sind reichlich und von zwingender Natur.
a) Das Traumgedächtnis ist weit umfassender als das Gedächt-
nis im Wachzustand. Der Traum bringt Erinnerungen, die der
35 Träumer vergessen hat, die ihm im Wachen unzugänglich waren.
b) Der Traum macht einen uneingeschränkten Gebrauch von
sprachlichen Symbolen, deren Bedeutung der Träumer meist
nicht kennt. Wir können aber ihren Sinn durch unsere Erfah-
rung bestätigen. Sie stammen wahrscheinlich aus früheren Pha-
40 sen der Sprachentwicklung. C) Das Traumgedächtnis reprodu-
ziert sehr häufig Eindrücke aus der frühen Kindheit des Träu-
mers, von denen wir mit Bestimmtheit behaupten können, nicht
nur, daß sie vergessen, sondern daß sie durch Verdrängung un-
bewußt geworden waren. Darauf beruht die meist unentbehr-
45 liche Hilfe des Traumes bei der Rekonstruktion der Frühzeit des
Träumers, die wir in der analytischen Behandlung der Neurose
versuchen. d) Darüber hinaus bringt der Traum Inhalte zum
Vorschein, die weder aus dem reifen Leben noch aus der verges-
senen Kindheit des Träumers stammen können. Wir sind ge-
50 nötigt, sie als Teil der archaischen Erbschaft anzusehen, die das
Kind, durch das Erleben der Ahnen beeinflußt, vor jeder eige-
nen Erfahrung mit sich auf die Welt bringt. Die Gegenstücke zu
diesem phylogenetischen Material finden wir dann in den älte-
sten Sagen der Menschheit und in ihren überlebenden Ge-
55 bräuchen. Der Traum wird so eine nicht zu verachtende Quelle
der menschlichen Vorgeschichte.

Französische Übersetzung: Sigmund Freud: Abrege de psychanalyse, traduit par Anne Bermann, Paris: PUF 1949, p. 29-30
Englische Übersetzung: Sigmund Freud: An Outline of Psychoanalysis, translated from the German and newly edited by James
Strachey, London: Hogarth Press (for the Institute of Psychoanalysis), 1969

Lernstoff Wortbildung ausgehend von Verbstämmen


Vokabular der Psychologie + Anhang F59-63 / E58-62
Übung

Suchen Sie die Entsprechungen.


1. e Deutung a) l'allusion / hint, allusion
2. e Bedeutung b) l'interprktation / interpretation
3. e Andeutung C) la sign$ication / meaning
1. s Unbewußte a) la conscience / consciousness
2. s Bewußtsein b) le subconscient / the subconscious
3. s Vorbewußte C) l'inconscient / the unconscious
4. s Unterbewußtsein d) ie preconscient / the preconccious
1. r Trauminhalt a) la dkformation du reve / dream distortion
2. r Traumvorgang b) la formation du reve / dream formation
3. e Traumbildung C) le contenu du rive / dream content
4. e Traumentstellung d) le travail du r2ve / dream work
5. e Traumarbeit e) le processus du reve / dream process
1. e Verdrängung a) la rkpression / suppression
2. e Hemmung b) l'inhibition / inhibition
3. e Unterdrückung C) le refoulement / repression
1. e Triebregung a) l'htat de sommeil/ state of sleep
2. r Schlaftrieb b) la pulsion de sommeil / instinct to sleep
3. r Schlafzustand C) la motion pulsionnelle / instinctual irnpulse

Übung

Suchen Sie ausgehend von nachstehenden frequenten V~rbstämmenim Text die Wörter auf, die von
ihnen abgeleitet sind. Ergänzen Sie die Liste durch Wörter mit dem gleichen Verbstamm, die Sie
bereits kennen.
Beispiel
Verbstamm Ableitung

1. denk /a/a r Gedanke --

2. dräng - -- -.

3. drück

4. geh / ging / gang

5. leb

6. scheid /ie/ie
7. steh / stand / stand

8. stell

9. wiss /u/u

Suchen Sie die Wörter oder Textstellen auf, auf die sich die markierten Pronomen, Adjektive und
Artikel beziehen.
Den Weg zum Verständnis (»Deutung«) des Traumes beschreiten wir, indem wir annehmen, daß das,
was wir als Traum nach dem Erwachen erinnern, nicht der wirkliche Traumvorgang ist, sondern nur
eine Fassade, hinter 3-c sich (dieser) verbirgt. (Dies) ist unsere Unterscheidung eines manife-
sten Trauminhaltes und der latenten Traumgedanken. Den Vorgang, der aus denF-( den @
5 E )hervorgehen ließ, heißen wir die Traumarbeit. Das Studium der Traumarbeit lehrt uns an
einem ausgezeichneten Beispiel, wie unbewußtes Material aus dem Es, ursprüngliches und verdräng-
tes, sich dem Ich aufdrängt, vorbewußt wird und durch das Sträuben des Ichs jene Veränderungen
erfährt, @ wir als die Traumentstellung kennen. Es gibt keinen Charakter des Traumes, nicht
auf diese Weise seine Aufklärung fände.
10 Wir beginnen am besten mit der Feststellung, daß es zweierlei Anlässe zur Traumbildung gibt. Ent-
weder hat während des Schlafes eine sonst unterdrückte Triebregung (ein unbewußter Wunsch) die
Stärke gefunden, sich im Ich geltend zu machen, oder es hat eine vom Wachleben erübrigte Strebung,
ein vorbewußter Gedankengang mit allen anhängenden Konfliktregungen im Schlaf eine Ver-
stärkung durch ein unbewußtes Element gefunden. Also Träume vom Es her oder vom Ich her ... Man
15 kann mit Recht sagen, mit der Geburt ist ein Trieb entstanden, zum aufgegebenen Intrauterinleben zu-
rückzukehren, ein Schlaftrieb. Der Schlaf ist eine (solche)Rückkehr in den Mutterleib. Da das wache
Ich die Motilität beherrscht, wird diese Funktion im Schlafzustand gelähmt, und(=) wird ein
guter Teil der Hemmungen, @ dem unbewußten Es auferlegt waren, überflüssig. Die Einziehung
oder Herabsetzung dieser »Gegenbesetzungen« erlaubt nun dem Es @ jetzt unschädliches Maß
20 von Freiheit. Die Beweise für den Anteil des unbewußten Es an der Traumbildung sind reichlich und
von zwingender Natur. a) Das Traumgedächtnis ist weit umfassender als das Gedächtnis im Wach-
zustand. Der Traum bringt Erinnerungen, der Träumer vergessen hat, (die) im Wachen unzu-
gänglich waren. b) Der Traum macht einen uneingeschränkten Gebrauch von sprachlichen Symbolen,
(-)Bedeutung der Träumer meist nicht kennt. Wir können aber (SI Sinn durch unsere
25 Erfahrung bestätigen. Sie stammen wahrscheinlich aus früheren Phasen der Sprachentwicklung.
C) Das Traumgedächtnis reproduziert sehr häufig Eindrücke aus der frühen Kindheit des Träumers,
von (G) wir mit Bestimmtheit behaupten können, nicht nur, daß @vergessen, sondern daß
durch Verdrängung unbewußt geworden waren. 1-( beruht ie meist unentbehrliche Hilfe des
Traumes bei der Rekonstruktion der Frühzeit des Träumers, @ wir in der analytischen Behandlung
30 der Neurose versuchen. d) ( ~ a r ü b e rhinaud bringt der Traum Inhalte zum Vorschein, weder
aus dem reifen Leben noch aus der vergessenen Kindheit des Träumers stammen können. Wir sind ge-
nötigt,rn als Teil der archaischen Erbschaft anzusehen, rn das Kind, durch das Erleben der
Ahnen beeinflußt, vor jeder eigenen Erfahrung mit sich auf die Welt bringt. Die Gegenstücke zu die-
sem phylogenetischen Material finden wir dann in den ältesten Sagen der Menschheit und in(=)
35 überlebenden Gebräuchen. Der Traum wird so eine nicht zu verachtende Quelle der menschlichen
Vorgeschichte.
Vervollständigen Sie nachstehende Satzanfänge durch die erste Verbergänzung.
1. Was wir als Traum nach dem Erwachen erinnern, ist nur
2. Den Vorgang, der aus den latenten Traumgedanken einen manifesten Trauminhalt hervorgehen
ließ, heißen wir

3. Unbewußtes Material aus dem Es drängt sich


4. Dieses Material wird
5. Durch das Sträuben des Ichs erfährt das Material
6. Diese Veränderungen kennen wir
7. Die Träume kommen also
8. Das Traumgedächtnis ist
Lösungen ,,Inhalt und Form" 5. die Grundgedanken seiner
späteren Publikation („Über das Geistige in der
Kunst") 6. nach Moskau zurück 7. an der Universi-
tät 8. Professor am Bauhaus in Weimar und
in Dessau 9. den Weg für eine abstrakte Malerei
Luxemburg: Brief an Mathilde Wurm 10. zur Abstraktion
S. 16
1. dem Meer gleich 2. in der Masse 3. immer auf Kandinsky: Geist und Materie
dem Sprung (etwas anderes zu werden) 4. schlecht
5. so 6 . der momentanen Stimmung der Massen S. 21
7. die Geschichte 8. Zeit 9. ihm a) 1. der Mensch sieht Materie, aber in der Materie
ist der abstrakte Geist verborgen. 2. Es ist nicht
möglich, ihn zu definieren, aber (und doch ist es ...)
Kandinsky: Lebenslauf es ist möglich, seine Wirkung zu erfahren. 3. Geist
S. 18 und Materie sind etwas Verschiedenes, und doch
1. l'oeuvre d'art / work of art sind sie voneinander abhängig. 4. Ist alles Materie
2. l'art de la construction, l'architecture / archi- oder ist alles Geist? 5. Materie und Geist sind als
tecture Abstufungen der Materie (denkbar) oder (als Ab-
3. la foule / crowd stufungen) des Geistes denkbar.
4. l'homme collectif / mass man
5. le catalogue d'exposition / exhibition catalogue
6. l'ex~ositiond'art / art exhibition
b) 1. Es ist nicht möglich, -1 m.
7. le curriculum vitae / curriculum vitae I1 n'est pas possible1- M
e'I
s p
.
t
r
i
8. la vie d'artiste / artist's life It is not possible K d e f i n e /Ispint).
9. la question de forme / question of form
10. la forme de base / basic form 2. Es ist möglich, I die Wirkung des Geistes (
11. le fond de la mer / sea bed
12. l'idke de base / basic idea
I zu erfahren I.
13. le groupe d'artistes / group of artists I
I1 est possible de faire l'expkrience I
14. l'esprit de groupe / group spirit
15. l'ecole d'art / school of art
I de l'action de l'esprit 1.
16. la politique d'education / education policy It is possible
17. l'histoire contemporaine / contemporary history
18. l'oeuvre d'histoire / historical work I the workings of the spirit I.
19. le programme d'industrialisation / industrializa- 3. Es ist möglich, Idie Wirkung des Geistes I
tion programme
20. le problime d'organisation / organizational
problems I
I1 est possible de decrire I
S. 18/19 I l'action de l'esprit I.
1. Kandinsky publiziert 1910 seinen Aufsatz „Inhalt
und Form", der die Grundgedanken seiner späteren
1-
It is possible
Publikationen enthält. 2. Larionow organisiert 1910 I the workings of the spirit I.
die erste Ausstellung „Karo Bube", die Werke von
Kandinsky zeigt. 3. Boccioni, Carrh, Russolo, Balla 4. Der Geist drängt danach,
und Severini publizieren das „Technische Manifest
der futuristischen Malerei", in dem sie den Dyna-
I in materiellen Formen / m.
mismus in der Malerei proklamieren. 4. 1911 grün- L'esprit tend ( a s'incarner (
det Kandinsky zusammen mit Franz Marc den
,,Blauen Reiter", der in die Geschichte der Kunst
I dans des formes materielles 1.
eingeht. 5. Gropius arbeitet am Bauhaus mit einer The spirit strives
Künstlergruppe, zu der von 1922 bis 1933 auch
Kandinsky gehört. 6. Kandinsky schafft den Weg
1 in material forms 1.
für eine abstrakte Malerei, zu der ihn vor allem 5. Nur wenige Menschen sind feinfühlig genug,
seine theosophischen Studien führen. 7. Die theoso- I den Geist I I zu erkennen I.
phischen Studien, die ihn zur Abstraktion führen, I1 n'y a que peu d'hommes suffisamment sensibles
sind grundlegend für Kandinskys Werk.
Ipour reconnaitre I m.
S. 19 Few people are sensitive enough1 -
1. nach München 2. die Künstlergruppe „Phalanx"
3. Mitglied der Berliner Secession 4. seinen Aufsatz I the spiritual element I.
Kandinsky: Form und Inhalt
I
5.1 das I geschaffene I &I
S. 23
1. Sagen / dire / to say verkörpern / incarner / to
folgen / suivre / to
follow
incorporate
schaffen / creer / to create
I the I I created I I work I
lassen / laisser / to wissen / savoir / to know 6 . 1 vom Künstler enf ahcseg-
leave definieren / definir / to
veranstalten / organi- define
ser / to organize denken / penser / to thilik lthe Iworkl w i b y the artist
organisieren / organi- erkennen / reconnaitre /
ser / to organize to recognize
ausdrücken / exprimer vorgeben / donner / to
/ to express give
gründen / fonder / to
found
binden / lier / to bind
8. Idasaus innerer Notwendigkeit IgesprocheneI
I Wort J
a) 1. Form und Inhalt sind I I I aufeinander I Imot] m P a r necessitk interieure
I bezogen 1. Ithe ward out of inner necessity
La forme et le contenu .1- S. 24/25
Form and content /I 1 ( .- 1. Form und Inhalt sind voneinander geschieden,
wenngleich (auch wenn) sie aufs engste aufeinander
2. Die Formen 1 an den Künstler / bezogen sind. 2. Nicht die Form, die Materie, ist das
Wichtigste, sondern der Inhalt, der Geist (ist das
Wichtigste). 3. Es gibt keine nichtssagenden For-
Les formes sont II 1 iiees I I a l'artiste J. men, auch wenn (wenngleich) sie gleichgültig wir-
The forms [are[ I linked I (with the artist 1.
ken. 4. Inhalte sind ewig und absolut, aber die vom
Künstler geprägten und an ihn gebundenen Formen
3. Form I
[aus innerer Notwendigkeit I sind zeitlich und relativ. 5. Die Form ist erschöp-
fend zweckmäßig, wenn sie den Inhalt am aus-
drucksvollsten zum Vorschein bringt, (und) wenn
La forme 1 d'une nkcessite interieure I. sie aus innerer Notwendigkeit erwachsen ist.
The form 1-
[q S. 25
I of an inner necessity 1. Suffix
-1ich
Grundwort Französisch Englisch

möglich mögen possible possible


zugänglich gehen accessible accessible
1- empfäng- fangen receptif receptive
lich
-1 lexprescedl deutlich deuten net, clair clear
2 . 1 in der Form / körperlich Körper corporel,
physique
physical

M dans la forme zeitlich Zeit temporel temporal


Ithe I I content I I expressed 1 in the form -ig
geistig Geist spirituel spiritual
abhängig hängen dependant dependent
11' 1 I esprit I I incarne ( wenig (Grund- peu little, few
Wort nur
[the I I incorporated I I spirit I schwer er-
4 . 1 in materiellen, präzisen Formen kennbar -+
etym. Wör-
etrpökev( terbuch)
feinfühlig feidfühlen sensible sensitive
dans des forrnes materielles
wichtig wiegen de poids, weighty,
precises
important imporiant
1
4/I 1- in jrecise material gleich- gleich/ indifferent indifferent I
forms gültig gelten
ewig (Grund- eternel eternal 7. r H a u s h a u la construction house building /
Wort nur d'immeuble construction
schwer er- 8. e Bau/kunst l'art de la con- architecture
kennbar + struction,
etym. Wör- l'architecture
terbuch) 9. r Kunst/ le materiau synthetic
Zweck- Zweck/ approprik appropriate stoff artificiel, material
mäßig Maß synthktique
-bar 10. e Kunst/ l'utilisation use of synthetic
unmittelbar Mittel immediat direct stoff/verwen- de .... material
unent- scheiden „indkci- undeci- dung
scheidbar dable" dable 11. e Kunst/ l'exposition art exhibition
denkbar denken pensable thinkable ausstellung d'art
12. e Ausstel- le hall exhibition hall
-Sam lung/s/halle d'exposition
gemeinsam gemein commun common 13. e Zeit/ l'histoire con- contemporary
-voll geschichte temporaine history
ausdrucks- drücken expressif expressive 14. s Geschieht/ le livre history book
voll s/buch d'histoire
15. e Entste- l'kpoque time of origin
S. 26 hung/s/zeit d'apparition
1. ein Kosmos geistig wirkender Wesen 2. in der S. 29
Materie verborgen 3. eine Kraft 4. sich zu verkör- Suffix Verb Französisch Englisch
pern 5. die Wahrheit 6. (zum Innersten,) zur Seele -ung
des Menschen 7. das Wichtigste 8. was der Mensch
e Aus- ausstatten equiper to equip,
sieht 9. die materielle Ausprägung des Geistes
stattung furnish
10. einen Inhalt 11./12. zeitlich und relativ. 13. Be-
e Anzie- anziehen attirer to attract
stimmung und Abgrenzung
hung
e Erfin- erfinden inventer to invent
Benjamin: Illuminationen -I dung
S. 28/29 e Be- beleuchten kclairer to light
1. leuch-
Die erste Bedingung des Entstehens der Pariser Pas- tung
sagen, die nach 1822 entstehen, ist die Hochkon- e Erneu- erneuern renouveler to revive,
junktur des Textilhandels. Die zweite Bedingung erung renew
bilden die Anfänge des Eisenbaus, in dem das Em- e Ent- entwickeln developper to develop
pire eine Erneuerung der Baukunst sieht. Diese Pas- wicklung
sagen, die Vorläufer der modernen Warenhäuser, e Aus- ausstellen exposer to exhibit
sind ein Zentrum des Handels in Luxuswaren. stellung
Gänge durch ganze Häusermassen, deren Besitzer e An- anwenden appliquer to apply
sich vereinigt haben, zeigen die elegantesten Waren, wendung
die man in Paris finden kann. Balzac schreibt, daß e Vor- voraus- prksumer/ to presup-
die Zeitgenossen nicht müde werden, sie zu bewun- ausset- setzen supposer pose, require
dern. zung
e Ver- verwenden employer to use
2. wendung
Kompositum Französisch Englisch
S. 29
1. s Stadt/ le centre-ville city/town centre 1. in den anderthalb Jahrzehnten nach 1822 2. die
Zentrum erste Bedingung ihres Aufkommens 3. sich zu zeigen
2. e Handel/s/ la ville commer- trading city/ 4. die Vorläufer der Warenhäuser 5. in den Dienst
stadt qante town des Kaufmanns 6. ein Anziehungspunkt für die
3. r Waren/ le commerce des merchandise Fremden 7. eine Stadt - eine Welt im Kleinen 8. die
handel marchandises trade zweite Bedingung des Entstehens der Passagen
4. e Handel/s/ la marchandise marketable 9. hundert Jahre später
Ware commercia- goods/commod-
lisable ity Benjamin: Illuminationen - II
5. s Wohn/ la maison residential S. 31
haus d'habitation building a)
6. r Haus/ le propriktaire house owner 1. Die erste nationale Industrieausstellung findet
besitzer de maison 1798 auf dem Marsfeld statt. 2. Die Saint-Simoni-
sten nehmen den Gedanken der Weltausstellung a u j b) verehrt: Part.Perfekt / verehren / adorer / to
3. Die Saint-Simonisten sehen die Entwicklung der worship
Weltwirtschaft voraus. 4. Aber sie sehen nicht den C)sein: Infinitiv / Stre / to be
Klassenkampf voraus. 5. Der Gebrauchswert der d) will: 3. Pers.Sg.Präs. / wollen / vouloir / to Want
Waren tritt zurück. 6. Der Mensch tritt in eine Phan- 11. erläßt: 3. Pers.Sg.Präs. / erlassen / publier / to
tasmagorie ein. 7. Das Wort „spkcialite" kommt um issue
diese Zeit in der Luxusindustrie a u j 12. a) wurden ... vertreten: 3. Pers.Pl.Prät.Passiv /
vertreten / representer / to represent
S. 32 b) abgeordnet wurde: 3. Pers.Sg.Prät.Passiv / abord-
b) nen / deleguer / to delegate
1. Benjamin schreibt, daß die erste nationale Indu- 13. war: 3. Pers.Sg.Prät. / sein / etre / to be
strieausstellung 1798 auf dem Marsfeld stattfindet. 14. hat ... gesprochen: 3. Pers.Sg.Perfekt / sprechen
2. Benjamin schreibt, daß die Saint-Simonisten den / parler / to speak
Gedanken der Weltausstellung aufnehmen. 3. Benja-
min schreibt, daß die Saint-Simonisten die Entwick- S. 36
lung der Weltwirtschaft voraussehen. 7. Benjamin Z. 2: der +. Z. 2 Neigung
schreibt, daß das Wort ,,spkcialitk" um diese Zeit in Z. 4: ihre +. Z. 4/5 Apotheose
der Luxusindustrie aujkommt. Z. 3 Institute
Z. 5: ihrer +. Z. 5 Fertigstellung
S. 32 Z. 5 Straßenzüge
Unterstrichene Verben bzw. Verbalgruppen Z. 7: Dieser +. Z. 6 napoleonischen Idealismus
Z. 1: betritt Z. 5/7: fällt ... zusammen Z. 8: organi- Z. 8: die +. Z. 8 Formen des Hasardspiels
siert wird Z. 9/10: macht ... Geschichte Z. 11 : ver- Z. 10: dadurch +. Z. 9 Die Steigerung der Miet-
folgt Z. 11/12: fördert Z. 13: zu verbessern preise treibt das Proletariat in die Faubourgs
Z. 14: begünstigt Z. 17/19: hat ... verwirklicht Z. 10: ihre -+ Z. 10 Eigenphysiognomie
Z. 21 : Rechnung trägt Z. 22: verlangt Z. 23/24: un- Z. 9 Die Quartiers von Paris
terhalten zu werden Z. 24: entspringen Z. 26/ Z. 11 : Er +. Z. 10 Haussmann
27: stellt ... dar Z. 29: versammelt Z. 30: ist Z. 11: seinem -+ Z. 11 Werk
Z. 11 Er (Haussmann)
S. 33
Z. 12: er +. Z. 10 Haussmann
1. Wallfahrtsstätten zum Fetisch Ware 2. den Welt-
Z. 12: ihre -t Z. 12 Stadt
ausstellungen vorher 3. auf dem Marsfelde statt
Z. 12 den Parisern
4. ein Fest der Emanzipation 5. den Tauschwert der
Z. 12: Sie +.Z. 12 den Parisern
Waren 6. zurück 7. auf die Höhe der Ware 8. seine
Z. 12: ihr+ Z. 12 Stadt
Entfremdung von sich und den anderen 9. in der
Z. 13: ihnen + Z. 12 den Parisern
Luxusindustrie auf 10. damals
Z. 16: Er -+ Z. 10 Haussmann
Z. 19 : sie +. Z. 18 Barrikadenkämpfe
Benjamin: lllurninationen - 111 Z. 19: ihre + Z. 19 Errichtung
S. 35/36 Z. 18 Barrikaden
1. prophezeit: 3. Pers.Sg.Präs. / prophezeien / pre-
dire / to predict S. 37
2. a) beginnen: 3. Pers.Pl.Präs. / beginnen / com- 1. Haussmanns urbanistisches Ideal 2. technische
mencer / to begin Notwendigkeiten durch künstlerische Zielsetzungen
b) debattieren: Infinitiv / debattre / to debate 3. dem napoleonischen Idealismus ein 4. in die Fau-
3. führt: 3. Pers.Sg.Präs. / führen / mener / to lead bourgs 5. ihre Eigenphysiognomie 6. ihre Stadt
4. geschieht: 3. Pers.Sg.Präs. / geschehen / arriver / 7. die Sicherung der Stadt gegen den Bürgerkrieg
to occur, happen 8. unmöglich machen 9. den kürzesten Weg zwi-
5. a) war: 3. Pers.Sg.Prät. / sein / etre / to be schen den Kasernen und Arbeitervierteln herstellen
b) überlegen: Part.Perfekt / überlegen sein / etre
supkrieur / to be superior to MarxIEngels: Manifest - I
6. a) liegt: 3. Pers.Sg.Präs. / liegen / resider / to lie
b) angehörten: 3. Pers.Pl.Prät. / angehören / appar- S. 39
tenir / to belong a)
7. bringt: 3. Pers.Sg.Präs. / bringen / apporter, prk- Patrizier / Plebejer / Zunftbürger / Unterdrücker /
senter / to present, bring Ritter
8. veröffentlicht: 3.Pers.Sg.Präs. / veröffentlichen / b)
publier / to publish r Kämpfer / le combattant / fighter
9. bauen ... auf: 3. Pers.Pl.Präs. / aufbauen / con- r Reiter / le cavalier / rider
struire / to build up r Ritter / le chevalier / knight
10. a) schreibt ... vor: 3. Pers.Sg.Präs. / vorschreiben r Unterdrücker / l'oppresseur / oppressor
/ dicter / to dictate r Zeichner / le dessinateur / drawer
r Verlierer le perdant / loser 6. r Tausch / l'kchange / exchange
r Arbsitcr i' le travailleur / worker 11, z. 7
r Spieler .I le joueur / player 7. r Wert / la valeur / value
r Hersteller I le producteur / producer 11, z . 7
r Seher le voyant / seer 8. r Heiligenschein / l'aurkole / halo
11, Z. 14
S. 39/10 9. r Lohn / le salaire / wages
1. einen nie gekannten Aufschwung 2. für den mit 11, Z. 16
den neuen Märkten anwachsenden Bedarf 3. der al-
ten, durch Landeserzeugnisse befriedigten Bedürf- S. 43
nisse 4. der bereits geschaffenen Produktionskräfte C) 1. binden 2. setzen 3. gründen 4. halten 5. bauen
5. die daraus hervorgehenden Handelskrisen 6. scheiden 7. sprechen 8. drucken, drücken 9. gehen

S. 40 a) 1. der Tauschwert 2. die eine gewissenlose Han-


1. die Geschichte von Klassenkämpfen 2. in stetem delsfreiheit 3. die offene, unverschämte, direkte,
Gegensan zueinander 3. einen ununterbrochenen dürre Ausbeutung 4. der bezahlte Lohnarbeiter
(bald versteckten, bald offenen) Kampf 4. mit einer 5. das reine Geldverhältnis
revolutionären Umgestaltung der ganzen Gesell-
schaft/mit dem gemeinsamen Untergang der b) Z. 4: idyllisch Z. 6: nackt Z. 6: gefühllos Z. 9: ge-
kämpfenden Klassen 5. aus dem Untergang der feu- wissenlos Z. 11/12: unverschämt Z. 12: dürr Z. 13:
dalen Gesellschaft 6. die Klassengegensätze 7. die ehrwürdig Z. 13: fromm Z. 18/19: rührend-senti-
Klassengegensätze 8. in Bourgeoisie und Proletariat mental

MarxIEngels: Manifest - II MarxIEngels: Manifest - 111


S. 42/43 S. 45/46
a) e Vernichtung / l'ankantissement / destruction /
1. e Ausbeutung / l'exploitation / exploitation vernichten / ankantir / to destroy / nicht / ne ... pas
2. e Bedingung / la condition / condition / not
3. e Umwälzung / le bouleversement / revolution- e Verarbeitung / la transformation par le travail /
ization process / verarbeiten / transformer par le travail /
4. e Bewegung / le mouvement / movement, to process, work up / e Arbeit / le travail / work
agitation r Verbrauch / la consommation / consumption /
5. e Unterdrückung / l'oppression / oppression verbrauchen / consommer / to consume, use /
6. e Gliederung / la structuration / structuring, brauchen / utiliser, avoir besoin de / to need
arrangement e Verbesserung / l'amelioration / improvement /
7. e Gründung / la fondation / foundation verbessern / amkliorer / to improve / besser /
8. e Unterscheidung / la diffkrenciation / differ- mieux / better
entiation e Vermehrung / l'augmentation / increase / ver-
9. e Bindung / la liaison / bond, link, nexus mehren / augmenter / to increase / mehr / plus /
10. e Schaffung / la crkation / creation more
11. e Erscheinung / l'apparition, la manifestation / r Versuch / l'essai, la tentative / attempt / versu-
appearance, manifestation chen / essayer, tenter / to attempt, try / suchen /
12. e Verkörperung / l'incarnation / embodiment chercher / to search
13. e Wertung / l'kvaluation / evaluation e Vergrößerung / l'agrandissement / enlargement /
b) vergrößern / agrandir / to enlarge / größer / plus
1. r Kampf / la lutte / struggle, fight grand / larger
I, z . 7 e Verfilmung / l'adaption cinkmatographique /
2. r Gegensatz / l'opposition / opposition film version / verfilmen / adapter pour le cinkma /
I, Z. 6 to film / r Film / le film / film
r Klassengegensatz / l'opposition des classes / r Verstand / l'entendement / understanding /
class antagonism verstehen / entendre, comprendre / to understand /
I, Z. 19/20 stehen / se tenir / (debout) / to stand
3. r Stand / l'ktat, la corporation / class e Vergötterung / la dkification / deification, idoli-
(I, Z. 13) zation / vergöttern / deifier, idolitrer / to deify,
r Zustand / l'ktat / condition, state idolize / r Gott / le dieu / god
(11, Z. 28) s Verhältnis / le rapport / relationship, relations /
4. r Untergang / le declin, la disparition / decline, sich verhalten / se comporter / to behave / halten /
disappearance, ruin tenir / to hold
I, Z. 9/10 e Vereinfachung / la simplification / simplification
5. s Band / le lien / bond, nexus / vereinfachen / simplifier / to simplify / einfach /
11, z . 5 simple / simple
e Veränderung / le changement, la transformation Teil/zeit/arbeit travail a temps part-time work
/ change, transformation / verändern / changer, partiel
transformer / to change, transform / ander- / autre Leben/s/kosten cout de la vie cost of living
/ other Leben/s/mittel vivres groceries
e Verachtung / le mkpris / contempt / verachten / Leben/s/ prix des produits price of groceries
mkpriser / to despise / achten / respecter / to mittel/preis d'alimentation
respect Arbeit/s/stunde heure de travail working hour
Stundedarbeit travail A l'heure work b i the hour
S. 46 Arbeiter/klasse classe des working class
a) Z. 7/8 : Die ... Industrien sind vernichtet worden travailleurs
und werden noch ... vernichtet: ~ o i passive
x / Klassedkampf lutte des classes class struggle
passive voice
Z. 8 : Sie werden verdrängt: voix passive / passive b)
voice 1. Die von der Bourgeoisie geschmiedeten Waffen
Z. 9/10: ... eine Lebensfrage ... wird: evolution Vers Les armes forgkes par la bourgeoisie
un ktat / development towards a state The weapons forged by the bourgeoisie
Z. 12/13/14: ... deren Fabrikate ... verbraucht 2. ... die diese Waffen führenden Männer
werden : voix passive / passive voice ... les hommes maniant Ces armes
Z. 21 : Bourgeois zu werden: kvolution Vers un ktat / ...the men wielding these weapons
development towards a state 3. Diese sich stückweis verkaufenden Arbeiter
Ces travailleurs se vendant a la p i k e
b) 1. ... werden Gemeingut: kvolution Vers un ktat / These workers selling themselves piecemeal
development towards a state 4. ... der sich immer mehr ausdehnenden Maschine-
2. Provinzen ... wurden zusammengedrängt: voix rie
passive / passive voice ... de la mkcanisation se rkpandant de plus en plus
3. Die Produktions- und Verkehrsmittel wurden ... ... of the machinery that is increasingly spreading
erzeugt: voix passive / passive voice 5. Die vom Arbeiter verursachten Kosten
4. ... wird ein großer Teil ... vernichtet: voix passive Les frais causes par le travailleur
/ passive voice The costs caused by the worker
5. ... sind zu gewaltig ... geworden: evolution Vers un 6. Von allen der Bourgeoisie heute gegenüberstehen-
ktat / development towards a state den Klassen
... sind zu eng geworden: kvolution Vers un ktat / De toutes les classes faisant face de nos jours A la
development towards a state bourgeoisie
6. ... diese Waffen führen werden: probabilitk d'une Of all the classes standing face to face with the
action / probability of an action bourgeoisie
S. 49
MarxIEngels: Manifest - IV (vgl. S. 10)
Z. 2 : wenn : une condition / a condition
S. 48/49 Z. 2/3 : nicht ... sondern: une opposition / a contrast
a) Z. 3 : dann: une conskquence / a consequence
Kompositum Französisch Englisch Z. 3 : und: un lien entre deux propositions du meme
Hand/arbeit travail manuel manual work type / a coordinating conjunction between two
Handel/s/ article de merchandise clauses of the Same type
artikel commerce trade Z. 4: wenn ... nicht: une condition / a condition
Waredhandel commerce (des commodity Z. 4: und wenn .... ... nicht: Une condition suivie
marchandises) d'une conskquence / a condition followed by a
Handel/s/ware marchandise marketable consequence
commer- goods Z. 5 : daher: une consequence / a consequence
cialisable Z. 5 : nicht ... sondern: une opposition / a contrast
Waren/haus grand magasin department Store Z. 5/6: nicht ... sondern: une opposition / a contrast
Lohn/arbeit travail salarik paid labour Z. 7 : nur: une restriction / a restriction
Lohn/arbeit/ systhme de paid labour Z. 7: und: un lien entre deux propositions du meme
s/system travail salarik System type / a coordinating conjunction between two
Arbeit/s/lohn salaire wages, earnings clauses of the Same type
Lohn/tarif tarif salarial wage rate Z. 7: weder ... noch: une coordination negative /
Lohn/tarif/ negociation du wage (rate) negative coordination
verhandlung tarif salarial negotiations Z. 9: so: dkmonstratif, renvoie a la citation /
Arbeit/s/markt marchk du labour market demonstrative, referring back to the quote
travail Z. 10: diesen: dkmonstratif, renvoie a la proposition
Arbeit/s/ division du division of prkckdente / demonstrative, referring to the preced-
teilung travail labour ing clause
Z. 17: weder ... noch ... sondern: une coordination Z. 15 : ihm: Dat.Sg.m. -t Z. 14: Des Eingeborenen
nkgati\-e suivie d'une opposition / negative coordi- vom Vater
nation followed by a contrast Z. 15: Dieser: N0m.Sg.m. -+ Z. 14: des Eingebore-
Z. 13: aber: un contraste / a contrast nen vom Vater
Z. 15: nicht ... sondern: une opposition / a contrast Z. 15 : es : N0m.Sg.n. 4 Z. 15 : Dieser ..., von dem
ich sprach
S. 50 Z. 15: dem : Dat.Sg.m. -+ Z. 15: Dieser
1. verschiedene Entwicklungsstufen durch 2. eine Z. 15 : Der: N0m.Sg.m. -+ Z. 16: er
zersplimerte Masse 3. in größeren Massen zusam- Z. 16: er: N0m.Sg.m. -+ Z. 15/16: Der nach mir
mengedrängt 4. den Charakter von Kollisionen kommen wird
zweier Klassen an 5. das eigentliche Resultat ihrer Z. 16: seiner: Dat.Sg.f. -+ Z. 16: Überfülle -+ Z. 16:
Kämpfe 6. zu einem Klassenkampfe 7. ein politi- er
scher Kampf Z. 19 : der: N0m.Sg.m. -+ Z. 18 : der Eingeborene
Z. 19: er: N0m.Sg.m. -+ Z. 18: der Eingeborene
Andres: Im Anfang
Schopenhauer: „Über das Lesen"
S. 52
1. schreiben 2. begreifen 3. unterscheiden 4. verste-
s Schreibenlernen, schreiben lernen (1)
hen 5. treiben 6. geben 7. messen 8. binden 9. schlie-
r Zug, ziehen (3)
ßen 10. zwingen 11. tun 12. verbieten
s Lesen, lesen (1)
s Denken, denken (1)
S. 52 r Theil, teilen
1. schuf 2. war 3. war 4. schwebte 5. sprach 6. wurde (3)
e Erleichterung, erleichtern (2)
7. sah 8. war 9. schied 10. nannte 11. wurde e Beschäftigung, beschäftigen (2)
12. sprach 13. machte 14. schied 15. geschah
r Gedanke, denken (3)
16. nannte 17. wurde vgl. Anhang
F S. 48, E S. 47
Johannes-Evangelium r Zeitvertreib, s. die Zeit
vertreiben (3)
S. 54 s Gehen, gehen
1. a) ist ... b) geworden: Perfekt 2. leuchtete: Präteri- (1)
r Fall, fallen (3)
tum 3. glaubten: Präteritum 4. sollte: Präteritum
5. kam: Präteritum 6. aufnahmen: Präteritum 7. S. 57
a) haben ... b) gesehen: Perfekt 8. ruft: Präsens 1. die Arbeit des Denkens abgenommen 2. für uns
9. sprach: Präteritum 10. kommen wird: Futur 11. 3. der Tummelplatz fremder Gedanken 4. die Fähig-
a) wurde ... b) gegeben: Präteritum 12. ist: Präsens keit, selbst zu denken 5. dumm
13. a) hat ... b) gebracht: Perfekt
Heidegger: Was heißt Denken? - I
S. 55
Z. 2: Dieses: N0m.Sg.n. -+Z. 2: das Wort S. 59
Z. 3: es: Akk.Sg.n. -+ Z. 2: das Wort 1. wennAndem 2. Damit 3. daß 4. Aber 5. Denn
Z. 4: ihm: Dat.Sg.n. Z. 2: das Wort
-+
6. wenn 7. insofern 8. Allein/aber/doch 9. daß
Z. 5: es: Akk.Sg.n. -+ Z. 4/5: Und das Licht leuchte- 10. Denn 11. Aber/doch/allein 12. indem 13. inso-
te in der Finsternis, -+ Z. 4: das Licht fern 14. indem 15. daß 16. obgleich/obwohl
Z. 5: sein: N0m.Sg.m. Z. 5: Name, Z. 5: Ein
-+ -+
S. 60
Mensch a) 1. das Lernen 2. das Tun 3. das Sein 4. das Wol-
Z. 6: Der: N0m.Sg.m. Z. 6: Johannes
-+
len 5. das Wissen 6. das Dasein 7. das Arbeiten
Z. 7: ihn: Akk.Sg.m. -+ Z. 6: Johannes
8. das Lesen 9. das Sprechen 10. das Verhalten
Z. 7: Er: N0m.Sg.m. -+ Z. 6: Johannes 11. das Leben 12. das Suchen
Z. 8: Er: N0m.Sg.m. -+ Z. 7/8: Jesus (= das wahre
Licht) b) 1. das Wesentliche 2. das Bedenklichste 3. das
Z. 9: ihn: Akk.Sg.m. Z. 7/8: Jesus (= das wahre
-+
Böse 4. das Gute 5. das Geistige 6. das Wichtigste
Licht) 7. das Abstrakte 8. das Philosophische 9. das Kon-
Z. 9: ihn: Akk.Sg.m. -+ Z. 7/8: Jesus krete 10. das Schöne 11. das Künstlerische 12. das
Z. 9: Er: N0m.Sg.m. -+ Z. 781:' Jesus Machbare
Z. 10: ihn: Akk.Sg.m. -+ Z. 7/8 : Jesus
Z. 10: die: Nom.Pl. -+ Z. 10: allen S. 61
Z. 11 : ihnen: Dat.Pl. -+ Z. 10: allen 1. in das, was Denken heißt 2. bereit sein, das Den-
Z. 11: die: Nom.Pl. -+ Z. 11: ihnen ken zu lernen 3. das Denken noch nicht 4. der, der
Z. 13: seine: Akk.Sg.f. -+ Z. 13: Herrlichkeit, -+ denken kann 5. denken können 6. die Möglichkeit
Z. 13: das Wort (= Jesus) 7. das Bedenklichste 8. (fortgesetzt) bedenklicher
Heidegger: Was heißt Denken? - I I S. 70/71
S. 63 1. r Gedanke, r Traumgedanke, r Gedankengang,
1. schwieriger ... als 2. schwerer ... als 3. mehr ... als s Traumgedächtnis, s Gedächtnis, (bedenken,
4. größere ... als 5. schwierigere ... als 6. anderes ... bedenklich)
als 7. mehr ... als 8. belehrbarer ... als 9. weniger ... 2. verdrängen, sich aufdrängen, e Verdrängung,
als (r Drang)
S. 63/64 3. unterdrücken, r Eindruck, (e Unterdrückung,
1. ..., der Lehrer die größere Summe von Kenntnis- r Unterdrücker, ausdrücken, r Ausdruck, aus-
sen besitzen und sie jederzeit bereit haben muß. drucksvoll)
..., Lehren heißt: lernen lassen. 4. r Traumvorgang, r Vorgang, hervorgehen, r Ge-
2. ... erweckt sein Tun oft auch den Eindruck, daß dankengang, unzugänglich, (r Gang, e Vergangen-
man bei ihm eigentlich nichts lernt. heit, r Untergang)
3. ..., der Lehrer seiner Sache weit weniger sicher ist 5. s Wachleben, s Intrauterinleben, s Leben, s Er-
als die Lernenden der ihrigen. leben
4. ... möchte heute niemand mehr Lehrer werden. 6. e Unterscheidung, (unterscheiden, r Unter-
5. ... müssen wir das echte Verhältnis zwischen Leh- schied, unterschiedlich, verschieden, entscheiden,
rer und Lehrlingen gut im Auge behalten. unentscheidbar, e Entscheidung)
S. 64 7. s Verständnis, entstehen, r Schlafzustand,
1. noch schwieriger als das Lernen 2. die größere r Wachzustand, bestätigen (r Stand, r Verstand,
verstehen, gegenüberstehen)
Summe von Kenntnissen besitzen 3. nichts anderes
lernen als das Lernen 4. den Eindruck, daß man bei 8. e Traumentstellung, e Feststellung, (darstellen,
ihm eigentlich nichts lernt 5. (noch weit) mehr zu e Darstellung, vorstellen, e Vorstellung, e Stelle)
lernen als die Lehrlinge 6. es vermögen, belehrbarer 9. unbewußt, vorbewußt, (bewußt, s Bewußtsein,
zu sein als die Lehrlinge 7. ins Spiel 8. eine hohe Sa- s Unterbewußtsein, e Wissenschaft, gewiß, s Ge-
che 9. Lehrer werden wissen, gewissenlos)

Jung: Funktion der Träume S. 71


S. 66 Z. 3 : welcher + Z. 3 : Fassade
a) 1. erfahren faire l'expk- to experience Z. 3 : dieser + Z. 2: Traumvorgang
rience de Z. 3: dies+ Z. 1-3
2. erstaunen s'etonner to be astonished Z. 4: letzteren + Z. 4: Traumgedanken
3. erleben vivre qch. to experience Z. 4/5: ersteren -+ Z. 4: Trauminhalt
4. erkennen reconnaitre, to recognize Z. 8 : die + Z. 7: Veränderungen
identifier Z. 8 : der + Z. 8: Charakter des Traumes
5. erfassen saisir, to seize, Z. 13 : ihm + Z. 13: Gedankengang
comprendre comprehend Z. 16: solche+ Z. 14/15/16
6. erhalten obtenir to receive Z. 17: damit + Z. 16/17
7. eröffnen inaugurer to open, Z. 18: die + Z. 18: Hemmungen
inaugurate Z. 19: ein+ Z. 19: Maß
8. erfinden inventer to invent Z. 22: die -+ Z. 22: Erinnerungen
9. erzeugen produire to produce Z. 22: die + Z. 22 : Erinnerungen
10. erschaffen crker to create Z. 24: deren + Z. 23 : Symbole
11. erlernen apprendre i to learn, acquire Z. 24: ihren + Z. 24: Sinn, -+ Z. 23: Symbole
fond Z. 27 : denen Z. 26 : Eindrücke
-+

12. erfüllen accomplir to fulfil Z. 27: sie + Z. 26: Eindrücke


b) 1. krank 2. bleich 3. wach 4. hoch 5. leichter Z. 27: sie + Z. 26: Eindrücke
6. schwer 7. warm 8. weiter Z. 28: darauf + Z. 26-28
S. 67 Z. 28 : die Z. 28 : Hilfe
-+

1. Haben Menschen unrealistische Ideen, dann ... Z. 29: die + Z. 29: Frühzeit des Träumers
2. Werden die Warnungen des Traumes nicht beach- Z. 30: Darüber hinaus + Z. 21 -30
tet, so ... Z. 30: die + Z. 30: Inhalte
3. Soll die geistige Stabilität erhalten bleiben, dann ... Z. 32: sie + Z. 30: Inhalte
4. Halten die Menschen die Traumdeutung für über- Z. 32: die + Z. 32: Erbschaft
flüssig, so ... Z. 34: ihren Z. 35: Gebräuchen, + Z. 34: Sagen
-+

5. Erscheint ein Traum uns undeutbar, dann ...


S. 72
Freud: Traum und Traumdeutung 1. eine Fassade 2. die Traumarbeit 3. dem Ich auf
S. 70 4. vorbewußt 5. Veränderungen 6. als die Traument-
lb,2~,3a/lc,2a,3d,4b/lc,2e,3b,4a, stellung 7. vom Es her oder vom Ich her 8. weit um-
5 d / lc,2b,3a/lc,2b,3a fassender als das Gedächtnis im Wachzustand