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Lesekurs für Geisteswissenschaftler

Texte und Übungen für Anfänger

von Marie-Luise Brandi und Barbara Momenteau unter Mitwirkung der Verlagsredaktion

Klett Edition Deutsch

Lesekurs für Geisteswissenschaftler

Texte und Übungen für Anfänger

von

Marie-Luise Brandi und Barbara Momenteau

Redaktion: Wolfgang Weermann

Komponenten:

Texte und Übungen für Anfänger (ISBN 3-12-675360-4) Textreihen und Übungen für Fortgeschrittene (ISBN 3-12-675361-2) Anhang Französisch (ISBN 3-12-675362-0) Anhang Englisch (ISBN 3-12-675363-9)

Alle Drucke dieser Auflage können im Unterricht nebeneinander benutzt werden, sie sind untereinander unverändert. Die letzte Zahl bezeichnet das Jahr des Druckes.

OVerlag Klett Edition Deutsch GmbH, München 1992 Alle Rechte vorbehalten. Übersetzungen (Englisch): Sue Bollans, München Typographie und Layout: Alfred Lahner, München Umschlag (Zeichnung und Layout): Barbara M. Köhler, München Gesamtherstellung: REIFF-Druck, München . Printed in Germany

ISBN 3-12-675360-4

Einleitung

Zielgruppe

Das vorliegende Kompendium richtet sich an Lerner, die aus persönlichen oder beruflichen Gründen am Lesen deutscher Texte aus dem Bereich der Geisteswissenschaften interessiert sind. Dazu gehören u.a. Historiker, Psychologen, Philosophen, Archivare, Soziologen und Studenten geisteswissenschaft- licher Disziplinen. Für diese Zielgruppe geht es vorrangig um die Fertigkeit Lesen.

Lernziel

Bei der Einführung in das Lesen geisteswissenschaftlicher Texte soll der Lerner mit Hilfe einer an seinen spezifischen Bedürfnissen ausgerichteten Methode Mittel zur Entschlüsselung authentischer Texte in die Hand bekommen. Diese Mittel sollen ihm das Erkennen und Verstehen der Gesetzmäßig- keiten in der deutschen Sprache ermöglichen, insbesondere der Eigenheiten der Schriftsprache auf dem Gebiet der Geisteswissenschaften. Endziel ist also, daß der Leser-Lerner beim Entschlüsseln ihn angehender Texte soweit wie möglich autonom vorgehen kann. Das ist für ihn um so wichtiger, als auch die beste Übersetzung dem Original nie vollkommen gerecht werden kann und auf vielen Gebie- ten Übersetzungen fehlen.

Methode und methodische Schritte

Ein so definiertes Lernziel setzt beim methodischen Vorgehen andere Schwerpunkte als beim gleich- zeitigen Vermitteln und Üben der Fertigkeiten Hören, Sprechen, Lesen, Schreiben. In der hier vorge- stellten Methode geht es darum, daß der Leser-Lerner Zeichen im Text erkennen lernt, die er in Be- deutung umsetzen kann, die ihm somit schrittweisen Zugang zum Inhalt verschaffen, vom globalen bis hin zum detaillierten Verständnis. Kommunikationssprache bleibt im Unterricht die Muttersprache. In geisteswissenschaftlichen Texten werden Phänomene dargestellt, definiert, diskutiert, Hypothesen definiert, belegt oder widerlegt. Das bringt notwendig mit sich, daß gewisse »Schlüsselwörter« immer wieder erscheinen. Diese äußerlich erkennbaren Zeichen in Fachtexten bestimmen die Thematik und greifen sie immer wieder auf. Dementsprechend wird der Leser im ersten Arbeitsschritt, nach einer Kontextualisierung nach Autor und Titel, aufgefordert, Eigennamen, Internationalismen und frequente Wörter zu unterstreichen. Bei Internationalismen, die in Fachtexten gebraucht werden, handelt es sich um Termini lateinischen und griechischen Ursprungs, deren deutsche Erscheinungsform sich quasi mit der der Muttersprache deckt, die also unmittelbar verständlich sind. Unter frequenten Wörtern verstehen wir der gleichen Wortfamilie zugehörige Wörter, die durch ihr häufiges Auftreten im Text ins Auge fallen, d.h. daß ein Wortstamm in adäquat veränderter Weise immer wieder auftaucht. Das Aufsuchen der frequenten Wörter geschieht zunächst nach ihrer äußeren Erscheinungsform, ohne daß das Wort notwendig verstanden wird. Es muß jedoch erkannt werden, daß verschiedene Erschei- nungsformen den gleichen Wortstamm enthalten. Dieser Erkenntnisprozeß und die anschließende Wortanalyse mit Hilfe von Gruppierungen nach Wortfamilien sollen die Lerner mit den Gesetzmäßig- keiten der Wortbildung vertraut machen. Gedankliche Querverbindungen zwischen den frequenten Wörtern, Eigennamen und Internationalismen lassen dann erste Rückschlüsse auf den Inhalt des Tex- tes zu. Der zweite Arbeitsschritt besteht im Aufsuchen sogenannter Signalwörter. Was sind Signalwörter? Sie zeigen an, ob eine Aussage bejaht oder verneint wird, nur beschränkt gültig ist oder bekräftigt wird, also Modaladverbien von der Verneinung über die Einschränkung bis hin zur Bekräftigung. Demon- strativa, da sie auf ein wichtiges bereits genanntes Phänomen verweisen oder auf seine Nennung vor-

bereiten. Interrogativpronomen, die Fragen aufwerfen, und Konjunktionen, die den Text argumenta- tiv strukturieren. Am Auftreten der verschiedenen Signalwörter und ihrer Häufigkeit kann man sofort erkennen, ob es sich um einen Text bzw. eine Textstelle mit definitorischem oder argumentativem Charakter handelt, ob Thesen einfach dargestellt werden oder sich in ihrer Definition der Gegenüber- stellung von Gegensätzen bedienen, ob und an welcher Stelle die Argumentation Begründungen und Erläuterungen anführt, auf Vorbedingungen hinweist usw. Die Sinnverbindung der frequenten Wörter mit den Signalwörtern ermöglicht es, das Verständnis des Textes in seinen logischen Zusammenhängen zu vertiefen. Wie in der muttersprachlichen Situation die Fachleser entscheiden, ob ihnen die bereits erhaltenen Informationen genügen, könnte auch hier die 1 Lektüre nach jedem Leseschritt abgebrochen werden. In der Kurssituation werden alle Leseschritte vom globalen bis zum detaillierten Lesen durchlaufen, da der Leser-Lerner an ihnen die entsprechen- den Strategien lernen und üben soll. Als dritter Arbeitsvorgang erfolgt das detaillierte Lesen des Textes. Dabei hat es sich als hilfreich er- wiesen, daß der Kursleiter den Text satzweise vorliest. Er vollzieht damit für den Leser-Lerner das Lesen mit dem inneren Ohr, das ihm im Deutschen erst vertraut werden muß. Ausgehend von den bereits geklärten frequenten Wörtern, Internationalismen und Signalwörtern wer- den die Verständnisinseln im Satz erweitert:

- durch Einbeziehung der Substantive, von denen als frequente Wörter unterstrichene Genitivfor- men oder attributive Adjektive abhängig sind,

- durch Einbeziehung des Wortes bzw. der Wortgruppe, die auf ein Modaladverb folgt (in seltenen Fällen ihm vorausgeht) als einer wichtigen Aussage im Satz,

- durch Aufsuchen der Verbalgruppe (= Verb + Verbergänzung), wenn ein Signalwort (Konjunk- tion) es inhaltlich erfordert,

- durch Aufsuchen der Verbalgruppe und seine Bedeutungsbestimmung unter Einbeziehung des Subjekts und der bereits entschlüsselten Inseln. Oft lassen diese schon verhältnismäßig sichere Ver- mutungen über die Verbaussage zu. Ausgehend vom zunächst rein mechanischen Zugriff auf Wort- wie auf Satzebene soll der Lerner all- mählich dahingeführt werden, Wesentliches von Unwesentlichem zu unterscheiden. Das betrifft so- wohl das Aufgreifen von frequenten Wörtern nach dem Gesichtspunkt, ob sie inhaltlich von Belang sind oder nicht, als auch, bei der Verständnisvertiefung, die Einbeziehung von Signalwörtern: es muß erkannt werden, ob sie nur ein Satzelement oder die ganze Satzaussage betreffen und damit die Einbe- ziehung der Verbalgruppe bzw. der Verbergänzung notwendig machen. Erfahrungsgemäß ist der Lerner mit der Orientierung im Satzgefüge schnell vertraut; auch bei der Wortanalyse erlangt er, was die Anwendung von Wortbildungsgesetzmäßigkeiten betrifft, rasch große Sicherheit. Sie erlaubt ihm in vielen Fällen, die wahrscheinliche Bedeutung eines Wortes zu bestimmen. Es ist jedoch unbestreit- bar, daß die Lexik immer ein Problem darstellen wird und auch durch richtig angewandte Wortanaly- se in ihrer Bedeutungsbestimmung nie völlig abgesichert ist. Die Methode kann hier nur zu einer rela- tiven Autonomie führen und die Zuhilfenahme des Wörterbuches nicht ausschließen. Noch bestehende Unklarheiten auf Wort- bzw. Satzebene rechtfertigen punktuell eine textnahe Kon- trollübersetzung, die lediglich der Bedeutungsabgrenzung dienen und das Verständnis sichern soll, also keinen Wert auf stilistische Vollkommenheit in der Muttersprache legt. In manchen Fällen kann es sich allerdings für den Leser-Lerner als interessant erweisen, die ihm be- kannte muttersprachliche Übersetzung mit dem Original zu vergleichen. Der nunmehr erarbeitete Text wird von den Lernern unter Anleitung des Lehrers satzweise vorgelesen. Durch Nachahmen der richtigen Intonation und der Satzmelodie vollzieht der Lerner den Text auf einer anderen Ebene als der der verstandesmäßigen Erkenntnis sinngemäß noch einmal nach. An alle Texte schließen sich Ubungen an. Sie greifen textspezifische Phänomene in Syntax bzw. Wort- bildung auf, in deren Erkenntnis der Leser-Lerner sich üben soll. Ausschlaggebend bei der Auswahl des zu übenden Stoffes ist die Häufigkeit, mit der textspezifische grammatische Phänomene in geistes- wissenschaftlichen Texten auftreten. Insofern erheben die Übungen, wie auch die im Anhang behan- delten Punkte, keinen Anspruch auf Vollständigkeit bezüglich der deutschen Sprache im allgemeinen.

Grammatische Aspekte, die für die Entschlüsselung dieser Texte von geringer Bedeutung sind, werden demzufolge nicht behandelt. In der Anfängerreihe bauen Texte wie Übungen progressiv aufeinander auf, so daß die Lerner im er- sten Jahr die zum Leseverstehen nötige Grundgrammatik durchlaufen. In den Übungen für Fortge- schrittene wird das bereits Behandelte vertieft. Außerdem werden Besonderheiten der verschiedenen Fachsprachen bewußt gemacht und auf häufig auftretende stilistische Eigenheiten hingewiesen. Neben den grammatisch ausgerichteten Übungen stehen inhaltlich bezogene, die den Text in seinen wichtigen Aussagen zusammenfassen. Bei den Anfängern sind es vorwiegend die sogenannten »Leit- sätze«, die den Text durch das Aufsuchen der Verbergänzung rekapitulieren. In den Textreihen für Fortgeschrittene sind die verschiedenen inhaltsbezogenen Übungsformen dem Schwierigkeitsgrad des Textes und dem Kenntnisstand der Lerner angepaßt. Damit soll verhindert werden, daß über der Arbeit mit dem Formalen der Blick für die inhaltlichen Zusammenhänge verlorengeht. Auf den Seiten 10-12 werden die methodischen Schritte anhand eines Textes exemplarisch aufgezeigt.

Aufbau des Kompendiums

Das Kompendium gliedert sich in drei Teile:

1. Texte und Übungen für Anfänger (1. Jahr)

Die Textzusammenstellung stellt keinen Querschnitt durch die geisteswissenschaftliche Literatur

dar. Inhaltliches Auswahlkriterium war die Tatsache, daß die Texte in geisteswissenschaftliches Voka- bular einführen und dem Leseinteresse von Geisteswissenschaftlern gerecht werden. Ihr sprach- licher Schwierigkeitsgrad entschied über ihre Reihenfolge. Die Texte bauen progressiv aufeinander auf und bestimmen den jeweils zu behandelnden »Lernstoff«, dem Übungen zugeordnet sind.

2. Textreihen und Übungen für Fortgeschrittene (2. und 3. Jahr)

Auch diese Textreihen können keinen Anspruch auf inhaltliche Repräsentativität erheben. Sie bringen Beispiele aus den verschiedenen Fachbereichen, setzen jedoch kein fachspezifisches Vor- wissen voraus. Inhaltlich wurde dem von den Lernern geäußerten Interesse Rechnung getragen.

Die Texte sind unter thematischen Gesichtspunkten zu Reihen zusammengestellt: das ermöglicht eine progressive Vertiefung der Kenntnis, sowohl in bezug auf fach- bzw. themenspezifisches Vokabular als auch in bezug auf den jeweiligen Themenkreis. Die beigeordneten Übungen entsprechen den am Ende jedes Textes angegebenen textspezifischen »Schwerpunkten« zur Grammatik. Unter »Hinweise« sind weitere textspezifische Merkmale ange- geben, auf die der Kursleiter gegebenenfalls hinweisen kann, die jedoch nicht in Übungen aufge- griffen werden. Inhaltsbezogene Übungen ermöglichen einen thematischen Überblick und stellen

innerhalb der Reihen Bezüge zwischen den einzelnen Texten her. Anfänger- und Fortgeschrittenenband sind jeweils mit einem Lösungsschlüssel versehen. Die dabei angegebenen Übersetzungen sind möglichst textnah, um den Üb~n~scharakterzu wahren.

3. Ein muttersprachlich abgefaßter Anhang als Nachschlagemöglichkeit für die Lerner

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Er enthält einen Grundriß der Grammatik zum Leseverstehen, eine Zusammenstellung der häufig auftretenden Wortwurzeln, gängige Abkürzungen und fachspezifisches Vokabular zu den Berei- chen Philosophie, Psychologie und Soziologie. Dabei handelt es sich um einen Minimalwortschatz, der für das Verständnis der aufgeführten Texte notwendig erscheint. Die Entsprechungen stam- men, soweit vorhanden, aus muttersprachlichen Fachwörterbüchern und von Wissenschaftlern unter den Leser-Lernern. Bei der Abfassung eines Grundrisses der Grammatik zum Leseverstehen war unser Anliegen,

grammatische Phänomene im weitesten Sinne darzustellen, die für den Erkenntnisprozeß beim

Lesen unerläßlich sind, also geisteswissenschaftliche Texte durch die Häufigkeit ihres Auftretens

kennzeichnen und im Vergleich zur jeweiligen Muttersprache für das Deutsche bestimmend sind. Grammatische Aspekte, die in der Muttersprache parallel laufen und keiner Bewußtmachung be- dürfen, sind absichtlich ausgespart.

Im Anhang behandelte Schwerpunkte

1.

Racines estimees lesplus productives / Roots that are considered rnost productive

Damit sind Wortwurzeln gemeint, die aufgrund ihrer Möglichkeit der Wortbildung mit Hilfe von Präfixen, Suffixen und Zusammensetzung das deutsche Vokabular durch die Häufigkeit ihres Auf- treten~bestimmen.

2.

Suffies et prkixes servant a la formation de mots / Suffixes and prefixes used in the formation of

words

Hierbei handelt es sich um eine Auflistung und Bedeutungsbestimmung der Suffixe und Präfixe, die bei der Bildung von Substantiven, Adjektiven und Verben häufig auftreten und für die Wort- analyse wichtig sind.

3.

Le verbe / The verb

In diesem Kapitel werden nur die für die geschriebene Sprache charakteristischen Formen und Funktionen aufgeführt. Schwerpunkte bilden dementsprechend die Auflistung von unregelmäßi- gen Verben und die Darstellung der verschiedenen Funktionen des Partizip Perfekts.

4. Dkclinaisons / Declensions

Auch hier geht es um eine Auflistung der für die Textentschlüsselung notwendigen Deklinations- formen, also vorrangig der Artikel und Pronomen.

5. Particularitbs du graphisme de l'allemand / Peculiarities of German orthography

Das Kapitel geht auf Verständnishilfen ein, die bereits im deutschen Schriftbild vorgegeben sind:

Groß- und Kleinschreibung, Umlaut und Interpunktion, vor allem die Rolle des Kommas im deut- schen Satzgefüge.

6. La structure regressive de l'allemand / The regressive structure of Gerrnan

Die rückläufige Struktur des Deutschen erscheint uns für den Erkenntnisprozeß beim Lesen als wesentliches Phänomen, da es sich V.a. für frankophone, aber auch für anglophone Lerner um ein besonders wichtiges kontrastives Problem handelt: die französiche Sprache geht, umgekehrt zum Deutschen, in Wort- und Satzbildung von links nach rechts vor. Das erfordert eine Bewußt- machung des gegenläufigen Leseprozesses im Deutschen auf Wort- und Satzebene. Ähnliches gilt für die englische Sprache, V.a. auf der Satzebene. In der verwendeten Terminologie benutzen wir den Terminus groupe verbal / verb phrase für das Verb mit der Verbergänzung (Verbalgruppe). Verbergänzungen weisen sich dadurch aus, daß sie mit dem Verb eine Bedeutungseinheit bilden und durch die Endstellung im Satz erkennbar sind.

Premier dbterminant / First element that completes the meaning of the verb ist die erste Verbergän-

zung, also diejenige, die den Satz in Verbindung mit dem Verb zu einem sinnvollen Minimalsatz macht. Bei trennbaren Verben, wo der trennbare Verbzusatz in seiner Endstellung bereits die erste Verbergänzung darstellt, wird häufig die Einbeziehung der zweiten Verbergänzung im Sinne eines schlüssigen Minimalsatzes notwendig. Erste Verbergänzung kann auch ein Nebensatz sein. Der Terminus renvoi / exbraciationbezeichnet die Ausklammerung im Satz.

7. Les mots signaux / Signal words

Als Signalwörter bezeichnen wir Wörter verschiedener grammatischer Kategorien, die sofort er- kennbare Zeichen in bezug auf die logische Struktur eines Textes, die Verbindung der Sätze unter- einander und deren Aussagewert setzen. Dabei unterscheiden wir zwei Gruppen :

- Signalwörter, die die logische Struktur in einem Text anzeigen, wie Konjunktionen und Korre- lativa, aber auch Wörter, die den gleichen Signalcharakter haben und in traditionellem Sinne grammatisch anders eingeordnet werden. In der verwendeten Terminologie entspricht die Bezeichnung articulateurs / linking words Ver- bindungswörtern, die eine ähnliche Signalfunktion wie die der Konjunktionen haben.

wir sowohl Korrelativa im übli-

Unter klkments fonctionnant pur pairs / pair words verstehen

chen Sinn als auch Signalwörter mit Korrelativcharakter.

- Modaladverbien, die den Satz in seinem Aussagewert bestimmen. Auch hier werden traditio- nelle grammatische Kategorien durchbrochen, wenn Wörter anderer grammatischer Zugehörig- keit die gleiche Signalfunktion haben (s. Einbeziehung von »kein«).

8. L'4volution et I'ktat dans la Iangue allemande / Development and state in German Der Ausdruck von Entwicklung und Zustand erscheint in der deutschen Sprache als etwas Wesent- liches. Das wird besonders augenfällig in den Fachbereichen Philosophie, Psychologie und Sozio- logie. Deshalb ist diesem übergreifenden Aspekt ein Kapitel gewidmet, das die verschiedenen dies- bezüglichen Erscheinungsformen darstellt.

Ausschlaggebend für das Konzept, das unserer Methode zugrundeliegt, war die Einsichtigkeit der methodischen Schritte für den Leser-Lerner, ihre unmittelbare Anwendbarkeit und ihre Übertragbar- keit auf geisteswissenschaftliche Texte, die auch außerhalb des Unterrichts gelesen werden. Dem Ge- bot der unmittelbaren Einsichtigkeit und Anwendbarkeit gehorcht auch unser Vorgehen bei der Schwerpunktsetzung in der Grammatik und die dort angewandte Terminologie. Der Lesekurs für Geisteswissenschaftler ist in Zusammenarbeit mit dem Goethe-Institut e.V., Mün- chen, entstanden.

Marie Luise Brandi

Barbara Momenteau

Methodische Schritte am Beispiel eines Textes

5

10

15

5

10

15

1. Schritt

Den Text, wenn möglich, nach Autor und Titel thematisch und zeitlich situieren.

Arbeit, die unter Zwang geschieht, entfremdet den Menschen von sich selbst. Unfreie, unschöpferi- sche Arbeit ist, wenn sich der Mensch »in seiner Arbeit nicht bejaht, sondern verneint, nicht wohl, sondern unglücklich fühlt.« Dann ist der Arbeiter »außer der Arbeit bei sich und in der Arbeit außer sich. Zu Hause ist er, wenn er nicht arbeitet, und wenn er arbeitet, ist er nicht zu Haus. Seine Arbeit ist

daher nicht freiwillig, sondern gezwungen, Zwangsarbeit.«' Marx' Kritik trifft nicht die ungerechte Verteilung des Geldes, sondern die unfreie Arbeit: »Eine ge- waltsame Erhöhung des Arbeitslohns wäre nur eine bessere Salairierung der Sklaven und hätte weder dem Arbeiter noch der Arbeit ihre menschliche Bestimmung und Würde erobert.«2 »Die Philosophie von Marx«, so faßt Erich Fromm zusammen, »ist ein Protest gegen die Entfrem-

dung des Menschen, gegen den Verlust seiner selbst und seine Verwandlung in ein Ding. Diesen Pro- test erhebt er gegen die Dehumanisierung und Automatisierung des Menschen im Ind~strialismus.«~ Marx selbst nennt seine Lehre weder einen Materialismus, noch einen Idealismus, sondern einen Humani~rnus.~»Radikal sein ist die Sache an der Wurzel fassen. Die Wurzel für den Menschen ist aber der Mensch selbst.«5

Der »positive Humanismus«, den Marx vertritt, kämpft nicht für irgendein System, sondern für den freien, »den wirklichen, den individuellen Menschen.« (Ernst Fi~cher)~

Lesetext aus: Häussermann, Deutschkurs 3, S.13

2. Schritt

Im Text werden die frequenten Wörter, die Eigennamen und die Internationalismen unterstrichen. Bei längeren Texten erfolgt die Unterstreichung nach Sinnabschnitten.

Arbeit, die unter Zwang geschieht, entfremdet den Menschen von sich selbst. Unfreie, unschöpferi- sche Arbeit ist, wenn sich der Mensch »in seiner Arbeit nicht bejaht, sondern verneint, nicht wohl, sondern unglücklich fiiG« Dann ist der Arbeiter »außer der Arbeit bei sichund in der Arbeit außer sich. Zu Hause ist -er, wenn -er nicht arbeitet, und wenn er arbeitet, ist -er nicht zu Haus. Seine Arbeit ist

daher nicht freiwillig, sondern gezwungen, Zwangsarbeit.« Marx' Kritik trifft nicht die ungerechte Verteilung des Geldes, sondern die unfreie Arbeit: »Eine ge- waltsame Erhöhung des Arbeitslohns wäre nur eine bessere Salairierung der Sklaven und hätte weder dem Arbeiter noch der Arbeit ihre menschliche Bestimmung und Würde erobert.« »Die Philosophie von Marx«, so faßt Erich Fromm zusammen, »ist ein Protest gegen die Entfrem-

dung des Menschen, gegen den Verlust seiner selbst und Pseine Verwandlung in ein Ding. Diesen Pro- test erhebt er gegen die Dehumanisierung und Automatisierung des Menschen im Industrialismus.« Marx selbst nennt seine Lehre weder einen Materialismus. noch einen Idealismus. sondern einen Humanismus. »Radikal sein ist die Sache an der Wurzel fassen. Die --Wurzel für den Menschen ist aber der Mensch selbst.«

--

PP

--

Der »positive Humanismus«, den Marx vertritt, kämpft nicht für irgendein System, sondern für den freien, »den wirklichen, den individuellen Menschen«. (Ernst Fischer)

- Ökonomisch-~hilosophischeFragmente

- MEGA I, 3,92

- Erich Fromm: Das Menschenbild bei Marx (Frankfurt 1980), S. 7

- Kritik der Hegelschen Dialektik XXVI

j - Kritik der Hegelschen Rechtsphilosophie, Einleitung

- Ernst Fischer: Was Marx wirklich sagte (Wien 1968), S. 17

3. Schritt

Die von den Lernern unterstrichenen Wörter werden an der Tafel festgehalten: gruppiert nach Wort- familien und zugleich als Tafelbild so angeordnet, daß der Zugang zu einer ersten inhaltlichen Hypo- thesenbildung klarer erscheint. Dabei handelt es sich vornehmlich um die Wörter, die einer Wort- analyse bedürfen und inhaltlich von Belang sind.

Arbeit

Mensch

arbeiten

Mensch selbst

Arbeiter

menschlich

Zwangsarbeit

Zwang

Arbeitslohn

gezwungen

außer Arbeit

frei

Humanismus

freiwillig

außer sich

unfrei

Dehumanisierung

entfremden

Entfremdung

Sklave

zu Haus

Marx' Kritik Philosophie - Marx - Protest gegen - Entfremdung des Menschen gegen - Dehumanisierung - Automatisierung - Industrialismus für - freien - individuellen Menschen

Ausgehend von den derart aufgelisteten Schlüsselwörtern werden im Klassengespräch mögliche in- haltliche Zusammenhänge diskutiert. Manche Sätze erscheinen durch die Frequenz der Unterstrei- chungen bereits als Schlüsselsätze.

5

10

1s

4. Schritt

Die Signalwörter werden umkringelt. Das kann in Einzel- oder Gruppenarbeit oder mit der ganzen Klasse geschehen.

Arbeit, die unter Zwang geschieht, entfremdet den Menschen von sich selbst. Unfreie, unschöpferi- sche Arbeit ist, sich der Mensch »in seiner Arbeit bejaht, (Sn) verneint, wohl, (-) unglücklich fühlt«. (Dann) ist der Arbeiter »außer der Arbeit bei sich @ in der

Arbeit außer sich. Zu Hause ist er, er arbeitet,

zu Haus. Seine Arbeit ist (Er) (m)freiwillig,)nC- gezwungen, Zwangsarbeit.« Marx' Kritik trifft (s)die ungerechte Verteilung des Geldes, (sEdii?n) die unfreie Arbeit: »Eine

gewaltsame Erhöhung des Arbeitslohns wäre @ eine bessere Salairierung der Sklaven @ hätte (weder) dem Arbeiter @ der Arbeit ihre menschliche Bestimmung (Und) Würde erobert.« »Die Philosophie von Marx«, @ faßt Erich Fromm zusammen, »ist ein Protest gegen die Entfrem-

dung des Menschen, gegen den Verlust seiner selbst rn seine Verwandlung in ein Ding. (Ed Protest erhebt er gegen die Dehumanisierung Automatisierung des Menschen im Indu- strialismus.« Marx selbst nennt seine Lehre (=I einen Materialismus, B einen Idealismus, 1-( einen Humanismus. »Radikal sein ist die Sache an der Wurzel fassen. Die Wurzel für den Menschen ist der Mensch selbst.« Der »positive Humanismus«, den Marx vertritt, kämpft (m)für irgendein System,(-]für den freien, »den wirklichen, den individuellen Menschen.« (Ernst Fischer)

(und)

er arbeitet, ist er (B)

Die Art der Signalwörter läßt zum einen Rückschlüsse auf die inhaltlich-logische Struktur des Textes zu, zum anderen führt sie zu einer Erweiterung der Verständnisinseln

- durch Einbeziehung der Substantive, von denen als frequente Wörter unterstrichene Genitivfor- men (z.B. Z. 7: Erhöhung des Arbeitslohns) oder deklinierte Adjektive (2.B. Z. 8: ihre menschliche Bestimmung und Würde) abhängig sind,

- durch Einbeziehung des Wortes, bzw. der Wortgruppe, die auf ein Modaladverb folgt (in selte-

nen Fällen ihm vorausgeht) als einer wichtigen Aussage im Satz (2.B. Z. 2: (m)beja,ht, E dern) verneint),

- durch Aufsuchen der Verbalgruppe (Verb + Verbergänzung), wenn ein Signalwort es inhaltlich er- fordert. Im vorliegenden Beispiel ist aufgrund der Signalwörter bereits ersichtlich, daß es sich um einen Text mit definitorischem Charakter handelt, der in seinen Definitionen mit Gegensatzpaaren arbeitet.

5. Schritt

In der Kurspraxis erfolgt nun immer die Detaillektüre. Der Kursleiter liest die einzelnen Sätze vor. Inhaltlich durch die vorhergehenden Schritte noch nicht geklärte Sätze werden erschlossen durch Aufsuchen der Verbalgruppe und ihre Bedeutungsbestim- mung unter Einbeziehung des Subjektes und der bereits entschlüsselten Textinseln. Bei Unklarheiten auf Wort- bzw. Satzebene erfolgt eine kurze Kontrollübersetzung. Anschließend lesen die Lerner den behandelten Text satzweise vor. Textspezifische Übungen werden in der Regel von den Schülern zu Hause gemacht.

Geisteswissenschaftliche Texte für Anfänger

Die Texte für Anfänger sind progressiv angeordnet. Sie bauen in Lernstoff und Schwierigkeitsgrad aufeinander auf. Der Lernstoff deckt ein Lernjahr a 90 Minuten pro Woche ab. In diesem ersten Lern- jahr gehen die Lerner die Hauptschwierigkeiten an, die sich beim Lesen geisteswissenschaftlicher Texte stellen. Auf eine Abfassung der Arbeitsanweisungen in der Muttersprache des Leser-Lerners wird bei den hier vorliegenden Texten verzichtet, da davon ausgegangen wird, daß die Texte in einer Unterrichts- situation erarbeitet werden.

Inhaltsübersicht

Index des textes proposks / Table of contents

Seitelpage

Rosa Luxemburg

Brief

15

Wassily Kandinsky

Lebenslauf

17

Wassily Kandinsky

Grundbegriffe - Geist und Materie

20

Wassily Kandinsky

Grundbegriffe - Form und Inhalt

22

Walter Benjamin

Illuminationen - Paris, die Hauptstadt des XIX. Jahrhunderts

27

Walter Benjamin

Illuminationen - Grandville oder die Weltausstellungen

30

Walter Benjamin

Illuminationen - Haussmann oder die Barrikaden

34

Friedrich Engels / Karl Marx :

Manifest der kommunistischen Partei

- Auszug I

38

Friedrich Engels / Karl Marx :

Manifest der kommunistischen Partei - Auszug

I1

41

Friedrich Engels / Karl Marx :

Manifest der kommunistischen Partei

- Auszug I11

44

Friedrich Engels / Karl Marx :

Manifest der kommunistischen Partei - Auszug IV

47

Stefan Andres

Im Anfang

51

Johannes-Evangelium

Prolog

53

Arthur Schopenhauer

>)Überdas Lesen«

 

56

Martin Heidegger

Was heißt

Denken? -

Auszug I

58

Martin Heidegger

Was heißt Denken? - Auszug 11: Stundenübergänge,

Von I zu I1

62

Carl Gustav Jung

Funktion der Träume

65

Sigmund Freud

Von Traum und Traumdeutung

68

Lösungen

73

Lernstoff

Text 1:

Erste Sensibilisierung für Signalwörter

Text 2:

Groß- und Kleinschreibung / Umlaute / Interpunktion Bestimmter Artikel Satzbauschema Hauptsatz Präsensformen 3. Pers.Sg./Pl. Internationalismen Komposita Internationalismen; Komposita Verben auf »-ieren« Präsens von »sein« Adjektivsuffix »-isch« Nebensatzkonstruktion (Relativsatz)

Text 4:

Einführung in die Signalwörter Unbestimmter Artikel und »kein« Substantivierung von Verb, Adjektiv und Partizip Partizip Präsens Adjektivsuffixe »-bar« / »-ig« / »-lieh« / »-sam« Nebensatzkonstruktion (Infinitivsatz) Personalpronomen Partizip Perfekt: Form und Funktion

Text 5:

Erweitertes Attribut (Partizipialkonstruktion) Interpunktion

Text 6:

Substantivsuffix »-ung« Unregelmäßige Verben: Präsens Possessivpronomen 3. Pers.Sg./Pl. Trennbare Verben in Haupt- und Nebensatz

Text 7:

Stellung des Verbs bzw. der Verbalgruppe in Haupt- und Nebensatz Präsens der Modalverben

Text 8:

Präteritum der schwachen Verben, Modalverben und von »haben«, »sein«, »werden« Erweitertes Attribut (Partizipialkonstruktion)

Text 9:

Substantivsuffix »-er« Gegenüberstellung und Sinndifferenzierung von:

a) vom Verbstamm abgeleiteten Substantiven ohne Suffix

b)

vom Verbstamm abgeleiteten Substantiven mit Suffix »-ung«

Text 10:

»werden« und seine Funktion

Text 11:

Verbpräfix »ver-« Verstärkte Behandlung der Funktion der Signalwörter

Text 12:

Präteritum der unregelmäßigen Verben

Text 13:

Verben - Wiederholung der verschiedenen Tempora

Text 14:

Unterschiedliche Bedeutung von :

a)

substantiviertem Infinitiv

b)

Substantiv mit Suffix »-ung«

C)

vom Verbstamm abgeleitetem Substantiv ohne Suffix

Text 15:

Neben- und unterordnende Konjunktionen und ihre Funktion in der argumentativen Struk-

Text 16:

tur eines Textes Substantivierte Infinitive und Adjektive in der philosophischen Sprache Komparativ mit »als«

Text 17:

Kausale Zusammenhänge: »warum - darum«, »darum, weil« Verbpräfix »er-« / Präfix nun-«

Text 18:

Konditionalsätze ohne die Konjunktion »wenn« Wortbildung ausgehend von Verbstämmen Vokabular der Psychologie

1

Rosa Luxemburg:

Auszug aus einem Brief an Mathilde Wurm vom 16. 2. 1917

Aus: »Briefe an Freunde« Europäische Verlagsanstalt GmbH - Köln, zitiert nach: Häussermann, Woods, Zenkner, Sprachkurs Deutsch 2, Diesterweg 1979, S. 97

Nichts ändert sich so schnell wie die menschliche Psyche. Vor allem die Psyche der Massen - sie ist dem Meer gleich. In der Masse ruhen alle Möglichkeiten: die Stille und der Orkan, die Schwäche und der Heroismus. Die Masse ist immer auf dem

5 Sprung, etwas total anderes zu werden. Der schlechte Kapitän steuert sein Schiff nach dem momenta- nen Aussehen der Wasseroberfläche. Der gute Kapitän versteht die Zeichen am Himmel und in der Tiefe und kennt die zukünf- tigen Stürme.

10 »Die Masse ist schlecht« - so urteilt immer nur der kleine Politi- ker. Der große Politiker folgt nicht der momentanen Stimmung der Massen. Er kennt die Geschichte und läßt ihr Zeit. Ihm ge- hört die Zukunft.

Französische Übersetzung in: Rosa Luxemburg: »J'&tais,je suis, je serai!«, Correspondance 1914-1919, Maspkro 1977 Englische Übersetzung in: Eric Bronner (ed.): The Letters of Rosa Luxemburg, Boulder/Colo.: Westview Press, 1978

I Lernstoff

Erste Sensibilisierung für Signalwörter durch Vorgabe des Lehrers

Groß- und Kleinschreibung/Umlaute/Interpunktion

Bestimmter Artikel -+ Anhang F 27, 28 / E 27 (*) Satzbauschema Hauptsatz -+ Anhang F35-36 / E 33-34 Präsensformen 3. Pers.Sg./Pl. -t Anhang F 18-19 / E 18-19 Internationalismen Komposita

* F

=

E =

Französisch

Englisch

(Nichts) ändert sich @ schnell @ die menschliche Psyche. (W)die Psyche der Massen - sie ist dem Meer gleich. In der Masse ruhen alle Möglichkeiten: die Stille @ der Orkan, die Schwäche @ der Heroismus. Die Masse ist (immer) auf

5 dem Sprung, etwas total anderes zu werden. Der schlechte Kapitän steuert sein Schiff nach dem momenta- nen Aussehen der Wasseroberfläche. Der gute Kapitän versteht die Zeichen am Himmel (und) in der Tiefe @ kennt die Pzu- künftigen Stürme.

10 »Die Masse ist schlecht« - @ urteilt (GI(nuy) der klei- ne Politiker. Der große Politiker folgt (nicht) der momentanen Stimmung der Massen. Er kennt die Geschichte (und) läßt ihr Zeit. Ihm gehört die Zukunft.

Hier einige Satzanfänge aus dem Text von Rosa Luxemburg. Einige Veränderungen gegenüber dem Original erklären sich daraus, daß das Subjekt hier immer an den Satzanfang gestellt ist. Vervollständigen Sie die Sätze durch die erste Verbergänzung.

1.

Die Psyche der Massen ist

2.

Alle Möglichkeiten ruhen

3.

Die Masse ist

4.

Die Masse ist

5.

Nur der kleine Politiker urteilt

6.

Der große Politiker folgt nicht

7.

Er kennt

8.

Er läßt ihr

9.

Die Zukunft gehört

2

Wassily Kandinsky:

Lebenslauf

4. Dez. 1866 Moskau -

13. Dez. 1944 Neuilly s. Seine

Nach einem Jurastudium in Moskau geht Kandinsky 1896 nach München und beginnt sein Kunststudium. 1897 besucht er die AZbe-Schule und ist Schüler von Franz von Stuck an der Kunst- akademie in München. 1901 gründet er die Künstlergruppe 5 »Phalanx«, ist 1902 Mitglied der »Berliner Secession«, des Deutschen Künstlerbundes und des Pariser Herbstsalons. 1909 wird Kandinsky Gründer der »Neuen Künstlervereinigung(( in München.

1910 malt er sein erstes abstraktes Aquarell und publiziert sei-

10 nen Aufsatz »Inhalt und Form«, der bereits die Grundgedanken seiner späteren Publikation »Über das Geistige in der Kunst« (1912) enthält. 1911 gründet er zusammen mit Franz Marc den

»Blauen Reiter«.

1914 geht Kandinsky nach Moskau zurück, wo er ab 1920 u.a.

15 als Professor an der Universität arbeitet. Von 1922 bis 1933 ist er Professor am Bauhaus in Weimar und in Dessau. 1933 emigriert

Kandinsky nach Neuilly-sur-Seine. Kandinsky schafft im malerischen und kunsttheoretischen Be- reich den Weg für eine abstrakte Malerei. Es sind vor allem

20 seine theosophischen Studien, die ihn in seinem Werk zur Ab- straktion führen.

Lernstoff

Internationalismen; Komposita + Anhang F33 / - Verben auf »-ieren« Präsens von »sein« -+ Anhang F 19 / E 19 Adjektivsuffix wisch« + Anhang F 13 / E 13 Nebensatzkonstruktion (Relativsatz) -+ Anhang F35-36 / E34 (Relativpron.) + Anhang F27 / E27 Vorgabe der Signalwörter durch den Lehrer

Bestimmen Sie die Wörter, aus denen sich folgende Komposita zusammensetzen und geben Sie ihre Übersetzung an. Benutzen Sie dabei die Liste der Wortwurzeln (Anhang F5-10 / E5-10).

Beispiel

das Musik/instrument die Zukunft/s/musik

l'instrument de musique / musical instrument

l'utopie / dreams of the future

das Kunstwerk

die Baukunst

die Menschenmasse

der Massenmensch

der Ausstellungskatalog

die Kunstausstellung

der Lebenslauf

das Künstlerleben

die Formfrage

die Grundform

der Meeresgrund

der Grundgedanke

die Künstlergruppe

der Gruppengeist

die Kunstschule

die Schulpolitik

die Zeitgeschichte

das Geschichtswerk

das Industrialisierungsprogramm

das Organisationsproblem

Verbinden Sie die folgenden Sätze. Formen Sie dabei jeweils den zweiten Satz zu einem Relativsatz um. Vergessen Sie nicht, daß im deutschen Nebensatz das konjugierte Verb am Ende steht (s. Anhang F35 / E34).

1.

Kandinsky publiziert 1910 seinen Aufsatz »Inhalt und Form«. Der Aufsatz enthält die Grundge- danken seiner späteren hblikationen.

2.

Larionow organisiert 1910 die erste Ausstellung »Karo Bube«. Die Ausstellung zeigt (zeigen = montrer / show) Werke von Kandinsky.

3.

Boccioni, Carra, Russolo, Balla und Severini publizieren das »Technische Manifest der futuristi- schen Malerei«. In dem Manifest proklamieren sie den Dynamismus in der Malerei.

4.

1911 gründet Kandinsky zusammen mit Franz Marc den »Blauen Reiter«. Der »Blaue Reiter« geht in die Geschichte der Kunst ein. (eingehen = entrer /go down in)

5.

Gropius arbeitet am Bauhaus mit einer Künstlergruppe. Zu der Künstlergruppe gehört von 1922 bis 1933 auch Kandinsky.

6.

Kandinsky schafft den Weg für eine abstrakte Malerei. Zu der abstrakten Malerei führen ihn vor allem seine theosophischen Studien.

7.

Die theosophischen Studien sind grundlegend (= fondamental/ Die theosophischen Studien führen ihn zur Abstraktion.

fundamental) für Kandinskys Werk.

Vervollständigen Sie folgende Satzanfänge durch die erste Verbergänzung.

1. Kandinsky geht 1896

2. Er gründet 1901

3. Er ist 1902

4. Er publiziert 1910

5.

Der Aufsatz enthält bereits

6.

Er geht 1914

7.

Er arbeitet ab 1920

8.

Er ist von 1922-1933

9.

Kandinsky schafft

10.

Seine theosophischen Studien führen ihn

-

3

Wassily Kandinsky:

Grundbegriffe

Auszüge aus Kandinsky-Ausstellungskatalog Nov. 1973, Bielefeld, Didaktischer Ausstellungsteil S. 50

I

Geist und Materie

Es gibt eine gemeinsame Wurzel aller Einzelerscheinungen in dieser Welt. Die Welt ist ein Kosmos geistig wirkender Wesen. Was der Mensch sieht, ist Materie. In der Materie aber ist der

5 abstrakte, schaffende Geist verborgen. Es ist nicht möglich, ihn zu definieren, wohl aber seine Wirkungen zu erfahren und zu be- schreiben. Dieser Geist ist eine Kraft. Als das alles durchdrin- gende Prinzip drängt er danach, sich in materiellen, präzisen Formen zu verkörpern. Er ist die Wahrheit. Geist und Form, d.h.

Materie, sind etwas Verschiedenes, und doch sind sie so unmit- telbar voneinander abhängig, daß unentscheidbar bleibt, ob alles Materie oder ob alles Geist ist. Die Unterschiede, die wir zwischen Materie und Geist sehen, sind auch als Abstufungen der Materie oder des Geistes denk- bar. Letzten Endes bleibt die Welt eine große Frage, mehr dem Ahnen als dem Wissen zugänglich. Der Geist, in der Materie verhüllt, spricht durch die Materie zum Innersten, zur Seele des Menschen. Nur wenige Menschen sind feinfühlig genug und empfänglich dafür, den Geist zu er- kennen.

10

1s

20

Lernstoff Einfühmng in die Signalwörter -+ Anhang F37-42 / E36-41 Unbestimmter Artikel und »kein« -+ Anhang F28-29 / E28 Substantivierung von Verb, Adjektiv und Partizip Partizip Präsens -+ Anhang F21 / E 21 Adjektivsuffixe »-bar« / »-ig« / »-lich« / »-sam« -+ Anhang F 13 / E 13 Nebensatzkonstruktion (Infinitivsatz) -+ Anhang F35-36 / E34 Personalpronomen -+ Anhang F29-30 / E 29

a) Verbinden Sie folgende Sätze durch die nachstehenden Signalwörter:

aber / oder / und doch (nebenordnende Konjunktionen)

1. Der Mensch sieht Materie. In der Materie ist der abstrakte Geist verborgen.

2.

Es ist nicht möglich, ihn zu definieren. Es ist möglich, seine Wirkung zu erfahren.

3.

Geist und Materie sind etwas Verschiedenes,

sind sie voneinander abhängig.

4.

Ist alles Materie? Ist alles Geist?

5. Materie und Geist sind als Abstufungen der Materie denkbar. Sie sind als Abstufungen des Geistes denkbar.

b) Schreiben Sie unter die nachstehenden Sätze die Übersetzung in Ihrer Muttersprache. Umrahmen Sie im Infinitivsatz die einzelnen Satzelemente. Beachten Sie die rückläufige Struktur des Deut- schen.

Beispiel

Es ist nicht möglich,1-

I1 n 'est pas possible- 1

It is not possible -1

.1-

M

.

I what the world is 1.

1. Es ist nicht möglich, den Geist zu definieren.

2. Es ist möglich, die Wirkung des Geistes zu erfahren.

3. Es ist möglich, die Wirkung des Geistes zu beschreiben.

4. Der Geist drängt danach, sich in materiellen Formen zu verkörpern.

5. Nur wenige Menschen sind feinfühlig genug, den Geist zu erkennen.

4

Wassily Kandinsky:

Grundbegriffe

Auszüge aus Kandinsky-Ausstellungskatalog Nov. 1973, Bielefeld, Didaktischer Ausstellungsteil S. 53

II

Form und Inhalt

Form und Inhalt sind voneinander geschieden, wenngleich aufs engste aufeinander bezogen und voneinander abhängig. Form ist die materielle Ausprägung des Geistes. Doch nicht die Form,

5

die Materie, ist das Wichtigste, sondern der Inhalt, der Geist. Alles Äußere birgt ein Inneres in sich. Jede Form hat einen In- halt. Es gibt keine nichtssagenden Formen, auch wenn sie gleich- gültig wirken. Jede Form spricht. Aufgabe des Künstlers ist es, Formen zu deutlichem Sprechen und damit einen Inhalt

10

zum Ausdruck zu bringen.

1s

Die Inhalte sind als etwas abstrakt Vorgegebenes aufzufassen, die ein körperliches Medium brauchen, um sich offenbaren zu können. Inhalte sind ewig und absolut, die vom Künstler ge- prägten und an ihn gebundenen Formen aber sind zeitlich und relativ. Von daher hat die Verschiedenartigkeit der Formen ihre Berechtigung. Form ist Bestimmung und Abgrenzung. Sie ist dann erschöpfend zweckmäßig, wenn sie den Inhalt am ausdruckvollsten zum Vor- schein bringt, wenn sie aus innerer Notwendigkeit erwachsen ist.

Lernstoff

Partizip Perfekt: Form und Funktion -+ Anhang F 19-21,22-25

Erweitertes Attribut (Partizipialkonstruktion) -+ Anhang F2 1, 33 / E 21, 32

/ E20-21,22-25

1.

Ermitteln Sie durch Entschlüsselung der nachstehenden Partizipien die entsprechenden Infinitive und geben Sie die Übersetzung an.

Partizip Perfekt (-t/-en)

Infinitiv

Ubersetzung

gemacht

machen

faire / to rnake

gesagt

gefolgt

gelassen

veranstaltet

organisiert

ausgedrückt

gegründet

gebunden

verkörpert

geschaffen

gewußt

definiert

gedacht

erkannt

vorgegeben

2. Übersetzen Sie folgende Auszüge und umrahmen Sie die Verbalgruppen wie folgt:

a) Form und Inhalt

71Igeschiedenl.

Forme et contenu

Form and content

F]IIbn de l'autre].

Ifrom one another].

1.

Form und Inhalt sind aufeinander bezogen.

2.

Die Formen sind an den Künstler gebunden.

3.

Form ist aus innerer Notwendigkeit erwachsen.

b) Übersetzen Sie nachstehende Beispiele und umrahmen Sie wie folgt:

UL'

Ii

iil'

Ider in der Materie1(

011/I

dans la mutiere /I

I

1. der ausgedrückte Inhalt

mI in matter

2. der in der Form ausgedrückte Inhalt

3. der verkörperte Geist

4.

der in materiellen, präzisen Formen verkörperte Geist

5.

das geschaffene Werk

6.

das vom Künstler geschaffene Werk

7.

das gesprochene Wort

8.

das aus innerer Notwendigkeit gesprochene Wort

Verbinden Sie folgende Sätze mit Hilfe der nachstehenden Signalwörter (n.K. = nebenordnende Konjunktion, u.K. = unterordnende Konjunktion):

aber (n.K.) / auch wenn (u.K.) / sondern (n.K.) / wenn (u.K.) / wenngleich (u.K.) siehe Anhang F37-38 / E36-37

1. Form und Inhalt sind voneinander geschieden. Sie sind aufs engste aufeinander bezogen.

2. Nicht die Form, die Materie, ist das Wichtigste. Der Inhalt, der Geist, ist das Wichtigste.

3. Es gibt keine nichtssagenden Formen. Sie wirken gleichgültig.

4. Inhalte sind ewig und absolut. Die vom Künstler geprägten und an ihn gebundenen Formen sind zeitlich und relativ.

5.

Form ist erschöpfend zweckmäßig. Sie bringt den Inhalt am ausdrucksvollsten zum Vorschein und ist aus innerer Notwendigkeit erwachsen.

Suchen Sie in den beiden Kandinsky-Texten Adjektive zu den untenstehenden Adjektivsuffixen (vgl. Anhang F 13 / E 12. Entschlüsseln Sie ihren Sinn mit Hilfe des Wörterbuches oder der Wortstammliste (Anhang F5- 10 / E 5- 10) und finden Sie das Grundwort auf, von dem sie abgeleitet sind. Geben Sie die Übersetzung an.

Suffix

Grundwort

Ubersetzung

-1ich

menschlich

Mensch

humain / human

Übung

Vervollständigen Sie die nachstehenden Satzanfänge aus den beiden Kandinsky-Texten durch die erste Verbergänzung. NB: Satz I I ist als Beispiel eines vollständigen Minimalsatzes aufgeführt, in dem das Verb zu seiner Aussage keiner Ergänzung bedarf.

I

1. Die Welt ist

 

2.

Der schaffende Geist ist

3.

Dieser Geist ist

4.

Er drängt danach,

5.

Er

ist

- --

-

---

-

--P

P- --

 

6.

Der Geist spricht

 

--

   

-- -

.

-

-

-

-

I1

7.

Nicht die Form, sondern der Geist ist

 

-.

- -

I

8.

Materie ist,

 

-

-.--

---

.-

I1

9. Form ist

 

10. Jede Form hat

11. Jede Form spricht.

12. Die vom Künstler geprägten Formen sind

13. Form ist

5

Ausgewählte

Walter Benjamin:

Illuminationen

Schriften, Suhrkamp Taschenbuch, 1977, Auszug S. 170/ 171

I. Paris, die Hauptstadt des XIX. Jahrhunderts

Die Mehrzahl der Pariser Passagen entsteht in den anderthalb Jahrzehnten nach 1822. Die erste Bedingung ihres Aufkommens ist die Hochkonjunktur des Textilhandels. Die magasins de nou- veautk1, die ersten Etablissements, die größere Warenlager im Hause unterhalten, beginnen sich zu zeigen. Sie sind die Vorläu- fer der Warenhäuser. Es war die Zeit, von der Balzac schrieb:

»Le grand poeme de l'ktalage chante Ses strophes de couleur de- puis la Madeleine jusqu'a la porte Saint-Deni~.~«Die Passagen sind ein Zentrum des Handels in Luxuswaren. In ihrer Ausstat- tung tritt die Kunst in den Dienst des Kaufmanns. Die Zeitge- nossen werden nicht müde, sie zu bewundern. Noch lange blei- ben sie ein Anziehungspunkt für die Fremden. Ein »Illustrierter Pariser Führer« sagt: »Diese Passagen, eine neuere Erfindung des industriellen Luxus, sind glasgedeckte, marmorgetäfelte Gänge durch ganze Häusermassen, deren Besitzer sich zu sol- chen Spekulationen vereinigt haben. Zu beiden Seiten dieser Gänge, die ihr Licht von oben erhalten, laufen die elegantesten Warenläden hin, so daß eine solche Passage eine Stadt, ja eine Welt im Kleinen ist.« Die Passagen sind der Schauplatz der ersten Gasbeleuchtung. Die zweite Bedingung des Entstehens der Passagen bilden die Anfänge des Eisenbaus. Das Empire sah in dieser Technik einen Beitrag zur Erneuerung der Baukunst im altgriechischen Sinne.

Erstmals in der Geschichte der Architektur tritt mit dem Eisen ein künstlicher Baustoff auf. Er unterliegt einer Entwicklung, deren Tempo sich im Laufe des Jahrhunderts beschleunigt. Sie erhält den entscheidenden Anstoß, als sich herausstellt, daß die Lokomotive, mit der man seit Ende der zwanziger Jahre Ver- suche anstellte, nur auf eisernen Schienen verwendbar ist. Die Schiene wird der erste montierte Eisenteil, die Vorgängerin des

Trägers. Man vermeidet das Eisen bei Wohnbauten und verwen- det es bei Passagen, Ausstellungshallen, Bahnhöfen - Bauten,

35 die transitorischen Zwecken dienen. Gleichzeitig erweitert sich das architektonische Anwendungsgebiet des Glases. Die gesell- schaftlichen Voraussetzungen für seine gesteigerte Verwendung als Baustoff finden sich aber erst hundert Jahre später. Noch in der »Glasarchitektur« von Scheerbart (1914) tritt sie in den Zu- sammenhängen der Utopie auf.

1 - Geschäfte des Neuesten

2 - Das große Gedicht der Auslagen singt seine farbigen Strophen von der Madeleine bis zur Porte Saint-Denis.

Französische Übertragung Walter Benjamins in: Das Passagen-Werk, Frankfurt: edition Suhrkamp, 1983, 1. Bd., S. 60-61 Englische Übersetzung: Walter Benjamin: Illuminations, edited and with an introduction by Hannah Arendt, translated from the German by Harry Zohn, London: Fontana, 1973

Lernstoff

Interpunktion -i Anhang F32,36 / E31,34 Substantiv-Suffix »-urig« -+ Anhang F 12,48 / E 12,47 Unregelmäßige Verben: Präsens -+ Anhang F 17- 18,22-25 / E 17- 19,22-25 Possessivpronomen, 3. Pers.Sg. + Plur. + Anhang F28 / E28

1. Setzen Sie die Satzzeichen ein.

Die erste Bedingung des Entstehens der Pariser Passagen die nach 1822 entstehen ist die Hochkon-

2

junktur des Textilhandels Die zweite Bedingung bilden die Anfänge des Eisenbaus in dem das Em- pire eine Erneuerung der Baukunst sieht Diese Passagen die Vorläufer der modernen Warenhäuser

4

sind ein Zentrum des Handels in Luxuswaren Gänge durch ganze Häusermassen deren Besitzer sich vereinigt haben zeigen die elegantesten Waren die man in Paris finden kann Balzac schreibt

6

daß die Zeitgenossen nicht müde werden sie zu bewundern

2.

Bestimmen Sie die Wörter, aus denen sich folgende Komposita zusammensetzen, und geben Sie die Übersetzung an.

Beispiel

das Handel/s/zentrum

le centre de commerce / commercial centre

1.

das Stadtzentrum

2.

die Handelsstadt

3. der Warenhandel

4.

die Handelsware

5.

das Wohnhaus

6. der Hausbesitzer

7. der Hausbau

8.

die Baukunst

9. der Kunststoff

10. die Kunststoffverwendung

11. die Kunstausstellung

12. die Ausstellungshalle

13. die Zeitgeschichte

14. das Geschichtsbuch

15. die Entstehungszeit

3. Suchen Sie im Text alle Substantive mit Suffix »-urig«. Geben Sie die Verben, von denen sie abge- leitet sind, an und übersetzen Sie sie.

Beispiel

Suffix -ung

Verb

Ubersetzung

die Bedingung

bedingen

P-

conditionner / to cause, bring about

Vervollständigen Sie nachstehende Satzanfänge durch die erste Verbergänzung.

1. Die Mehrzahl der Pariser Passagen entsteht

2.

Die Hochkonjunktur des Textilhandels ist

3.

Die magasins de nouveauti beginnen

4.

Sie sind

5.

In der Ausstattung der Warenhäuser tritt die Kunst

6.

Die Warenhäuser bleiben noch lange

7.

Eine solche Passage ist

8.

Die Anfänge des Eisenbaus bilden

9.

Die gesellschaftlichen Voraussetzungen für die gesteigerte Verwendung des Glases als Baustoff

finden sich

6

Walter Benjamin:

iiiuminationen

Ausgewählte Schriften, Suhrkamp Taschenbuch, 1977, Auszug S. 175/176

11. Grandville oder die Weltausstellungen

Weltausstellungen sind Wallfahrtsstätten zum Fetisch Ware. »L'Europe s'est deplace pour voir des marchandises«l, sagt Taine 1855. Den Weltausstellungen gehen nationale Ausstellungen der

5

Industrie vorher, von denen die erste 1798 auf dem Marsfelde stattfindet. Sie geht aus dem Wunsch hervor, »die Arbeiterklas- sen zu amüsieren und wird für dieselben ein Fest der Emanzipa- tion«. Die Arbeiterschaft steht als Kunde im Vordergrund. Der Rahmen der Vergnügungsindustrie hat sich noch nicht gebildet.

10

Das Volksfest stellt ihn. Chaptals Rede auf die Industrie eröffnet diese Ausstellung. - Die Saint-Simonisten, die die Industrialisie- rung der Erde planen, nehmen den Gedanken der Weltausstel- lungen auf. Die Saint-Simonisten haben die Entwicklung der Weltwirt-

15

schaft, nicht aber den Klassenkampf vorausgesehen. Neben ih- rem Anteil an den industriellen und kommerziellen Unterneh- mungen um die Jahrhundertmitte steht ihre Hilflosigkeit in den Fragen, die das Proletariat betreffen. Die Weltausstellungen ver- klären den Tauschwert der Waren. Sie schaffen einen Rahmen,

20

in dem ihr Gebrauchswert zurücktritt. Sie eröffnen eine Phantas- magorie, in die der Mensch eintritt, um sich zerstreuen zu lassen. Die Vergnügungsindustrie erleichtert ihm das, indem sie ihn auf die Höhe der Ware hebt. Er überläßt sich ihren Manipulationen, indem er seine Entfremdung von sich und den anderen genießt.

25

- Die Inthronisierung der Ware und der sie umgebende Glanz der Zerstreuung ist das geheime Thema von Grandvilles Kunst. Dem entspricht der Zwiespalt zwischen ihrem utopischen und ihrem zynischen Element. Ihre Spitzfindigkeiten in der Darstel- lung toter Objekte entsprechen dem, was Marx die »theologi-

30

schen Mucken« der Ware nennt. Sie schlagen sich deutlich in der »specialite« nieder - eine Warenbezeichnung, die um diese Zeit in der Luxusindustrie aufkommt, unter Grandvilles Stift

verwandelt sich die gesamte Natur in Spezialitäten. Er präsen- tiert sie im gleichen Geist, in dem die Reklame - auch dieses

35 Wort entsteht damals - ihre Artikel zu präsentieren beginnt. Er endet im Wahnsinn.

1 - Europa hat sich auf den Weg gemacht, um Waren zu sehen

Französische Übertragung Walter Benjamins in: Das Passagen-Werk, Frankfurt: edition suhrkamp, 1983, L. Bd., S. 64 Englische Übersetzung: Walter Benjamin: Illuminations, edited and with an introduction by Hannah Arendt, translated from the German by Harry Zohn, London: Fontana, 1973

Lernstoff

Trennbare Verben in Haupt- und Nebensatz Stellung des Verbs bzw. der Verbalgruppe in Haupt- und Nebensatz + Anhang F33-36 / E32-35

a) Setzen Sie das Verb in der adäquaten Form ein.

Beispiel

Nationale Industrieausstellungen / den Weltausstellungen / vorhergehen / Nationale Industrieausstellungen gehen den Weltausstellungen "&her.

1.

Die erste nationale Industrieausstellung / 1798 auf dem Marsfeld / stattfinden /

2.

Die Saint-Simonisten / den Gedanken der Weltausstellung / aufnehmen /

3.

Die Saint-Simonisten / die Entwicklung der Weltwirtschaft / voraussehen /

4.

Aber sie / nicht den Klassenkampf / voraussehen /

5.

Der Gebrauchswert der Waren / zurücktreten */

6.

Der Mensch / in eine Phantasmagorie / eintreten */

7.

Das Wort »spkcialitk« / um diese Zeit in der Luxusindustrie / aufkommen /

b)

Stellen Sie den Sätzen 1 ,2,3 ,7 »Benjamin schreibt, daß voran. Beachten Sie die Nebensatzkonstruktion!

«

Beispiel

Benjamin schreibt, daß nationale Industrieausstellungen

gehen.

den Weltausstellungen

vorher-

Unterstreichen Sie im deutschen Text die in der französischen bzw. englischen Fassung unterstriche- nen Verben bzw. Verbalgruppen.

Louis-Philippe ou l'intirieur

W. Benjamin: Louis-Philippe oder das Interieur Illuminationen, Auszug S. 177

Unter Louis-Philippe betritt der Privatmann den geschichtlichen Schauplatz. Die Erweiterung des demokratischen Apparates

de vote coiizcide avec la corrup- s durch ein neues Wahlrecht fällt

tion parlementaire qui est orga- nisie pur Guihot. Sous son cou- vert la classe au pouvoir fait I'hi- stoire pur le fait m8me qu'elle s'occupe de ses affaires. Elle fait progresser la construction de fer a8n d'amiliorer son fonds en ac- tions. Elle favorise le regne de Louis-Philippe comme celui d'un

particulier chargi de la gestion 1s Louis-Philippes als die des ge-

schäftsführenden Privatman-

nes. Mit der Julirevolution hat

les objectifs de 1789 (Marx). die Bourgeoisie die Ziele von

dert den Eisenbau, um ihren Aktienbesitz zu verbessern. Sie begünstigt die Herrschaft

mit der parlamentarischen Kor- ruption zusammen, die von Guihot organisiert wird. In de- ren Schutz macht die herrschen- 10 de Klasse Geschichte, indem sie ihre Geschäfte verfolgt. Sie för-

Sous Louis-Philippe le particulier entre sur la scene de I'histoire. L2largissement de I'appareil di- mocratique par un nouveau droit

des affaires. Dans la rivolution de juillet la bourgeoisie a rialisi

Le particulier qui, dans son 1789 verwirklicht (Marx).

comptoir, tient compte de la rka- 20 liti exige de I'intirieur d'8tre entretenu dans ses

Der Privatmann, der im Kon- tor der Realität Rechnung trägt, verlangt vom Interieur in sei-

Cela est a I'origine des phantas- nen Illusionen

unterhalten zu

magories de I'intkrieur. I1 reprk- sente pour le particulier l'univers. En lui il rassemble le lointain et le passe. Son salon est une loge

dans le thidtre mondial. ihm versammelt er die Ferne und die Vergangenheit. Sein 30 Salon ist eine Loge im Welt-

rieurs. Es stellt für den Privat- mann das Universum dar. In

Dem entspringen die 25 Phantasmagorien des Inte-

theater.

Louis-Philippe or the lnterior

Under Louis-Philippe the private in- dividual rnakes his appearance on the Stage of history. The extension of the dernocratic apparatus through new voting rights coincides with par- liarnentary corruption, which &- ganized by Guihot. Under Cover of this the ruling class rnakes history

through the pursuit of its business activities. lt prornotes the building of iron structures in order to irnprove its shares. It supports the reign of Louis-Philippe as that of the private businessrnan. With the July revolu- tion the bourgeoisie realizes its goals of 1789 (Marx). The private individual who in his office takes account of reality, dernands of the lnterior that it pre-

serve his

This is the ori-

- gin of the phantasrnagoria of the ln- terior. To the private individual it -is

the universe and represents every- thing that is distant and in the past. Its salon E a box in the theatre of the world.

Vervollständigen Sie nachstehende Satzanfange durch die erste Verbergänzung.

1.

Weltausstellungen sind

2.

Nationale Ausstellungen der Industrie gehen

3.

Die erste Weltausstellung findet 1798

4.

Sie wird für die Arbeiterklassen

5.

Die Weltausstellungen verklären

6.

Der Gebrauchswert der Waren tritt

7.

Die Vergnügungsindustrie hebt den Menschen

8.

Der Mensch genießt

9.

Die Warenbezeichnung »sp6cialit6« kommt um diese Zeit

10. Auch das Wort Reklame entsteht

7

Walter Benjamin Illuminationen

Ausgewählte Schriften, Suhrkamp Taschenbuch, 1977, Auszug S. 181/182

111. Haussmann oder die Barrikaden

Haussmanns urbanistisches Ideal waren die perspektivischen Durchblicke durch lange Straßenfluchten. Es entspricht der im neunzehnten Jahrhundert immer wieder bemerkbaren Neigung, 5 technische Notwendigkeiten durch künstlerische Zielsetzungen zu veredeln. Die Institute der weltlichen und geistlichen Herr- schaft des Bürgertums sollten, in den Rahmen der Straßenzüge gefaßt, ihre Apotheose finden. Straßenzüge wurden vor ihrer Fertigstellung mit einem Zelttuch verhangen und wie Denkmäler

10

enthüllt. - Die Wirksamkeit Haussmanns fügt sich dem napole-

1s

onischen Idealismus ein. Dieser begünstigt das Finanzkapital. Paris erlebt eine Hochblüte der Spekulation. Das Börsenspiel drängt die aus der feudalen Gesellschaft überkommenen For- men des Hasardspiels zurück. Die Steigerung der Mietpreise treibt das Proletariat in die Fau- bourgs. Die Quartiers von Paris verlieren dadurch ihre Eigen- physiognomie. Die rote ceinturel entsteht. Haussmann hat sich selber den Namen »artiste dernolisse~r«~gegeben. Er fühlte sich zu seinem Werk berufen und betont das in seinen Memoiren. In-

20

dessen entfremdet er den Parisern ihre Stadt. Sie fühlen sich in ihr nicht mehr heimisch. Der unmenschliche Charakter der Großstadt beginnt, ihnen bewußt zu Der wahre Zweck der Haussmannschen Arbeiten war die Siche- rung der Stadt gegen den Bürgerkrieg. Er wollte die Errichtung

25

von Barrikaden in Paris für alle Zukunft unmöglich machen. In solcher Absicht hatte schon Louis-Philippe Holzpflasterung ein- geführt. Dennoch spielten die Barrikaden in der Februarrevolu- tion eine Rolle. Engels beschäftigt sich mit der Technik der Bar- rikadenkämpfe. Haussmann will sie auf doppelte Art unterbin-

30 den. Die Breite der Straßen soll ihre Errichtung unmöglich ma- chen, und neue Straßen sollen den kürzesten Weg zwischen den Kasernen und Arbeitervierteln herstellen. Die Zeitgenossen tau- fen das Unternehmen »L'embellissement ~trategique«~.

1 - Ring

2 - Abbruchkünstler 3 - Strategische Verschönerung

Französische Übertragung Walter Benjamins in: Das Passagenwerk, Frankfurt: edition suhrkamp, 1983, 1. Bd., S. 72-73 Englische Übersetzung: Walter Benjamin: Illuminations, edited and with an introduction by Hannah Arendt, translated from the German by Harry Zohn, London: Fontana, 1973

Lernstoff

Präsens der Modalverben + Anhang F25 / E25 Präteritum der schwachen Verben, Modalverben und von »haben«, »sein«, »werden« + Anhang F17-19,25 / E 17- 19,25

Suchen Sie in den nachstehenden Auszügen die Verben in ihren verschiedenen Erscheinungsformen auf. Bestimmen Sie ihre Form, geben Sie den Infinitiv und die entsprechende Übersetzung an. Illuminationen, Auszug S. 174

Beispiel

Arago präsentiert die Photographie in einer Kammerrede. präsentiert: 3. Pers.Sg.Präs. / präsentieren / presenter / to present

1.

Er prophezeit ihre wissenschaftliche Anwendung.

2.

Dagegen beginnen die Künstler, ihren Kunstwert zu debattieren.

3.

Die Photographie führt zur Vernichtung des großen Berufsstandes der Portraitminiaturisten.

4.

Dies geschieht nicht nur aus ökonomischen Gründen.

5.

Die frühe Photographie war künstlerisch der Portraitminiatur überlegen.

6.

Der gesellschaftliche Grund dafür liegt in dem Umstand, daß die ersten Photographen der Avant- garde angehörten

7.

Die Weltausstellung von 1855 bringt zum ersten Mal

eine Sonderschau »Photographie«.

8.

Im gleichen Jahr veröffentlicht Wiertz seinen Artikel über die Photographie.

9.

Die Weltausstellungen bauen das Universum der Waren auf.

 

- -

PP-

10.

Die Mode schreibt das Ritual vor, nach dem der Fetisch Ware verehrt sein will.

11.

Zur Pariser Weltausstellung von 1867 erläßt Victor Hugo ein Manifest: »An die Völker Europas«.

12.

Früher

wurden deren Interessen von

den französischen Arbeiterdelegationen vertreten, deren

erste zur Londoner Weltausstellung von

1851

abgeordnet

wurde.

13.

Diese war

für die Gründung der Internationalen Arbeiter-Assoziation von Marx von Bedeu-

tung.

14.

Balzac hat als erster von den Ruinen der Bourgeoisie gesprochen.

5

10

15

20

Unterstreichen Sie die Substantive, auf die sich die im Text markierten Wörter beziehen (Personal-, Possessiv- und Demonstrativpronomen, bestimmte Artikel).

Haussmanns urbanistisches Ideal waren die perspektivischen Durchblicke durch lange Straßenfluch-

im neunzehnten Jahrhundert immer wieder bemerkbaren Neigung, technische

Notwendigkeiten durch künstlerische Zielsetzungen zu veredeln. Die Institute der weltlichen und

geistlichen Herrschaft des Bürgertums sollten, in den Rahmen der Straßenzüge gefaßt, Apo-

theose finden. Straßenzüge wurden vor -Fertigstellung mit einem Zelttuch verhangen und wie

Denkmäler enthüllt. - Die Wirksamkeit Haussmanns fügt sich dem napoleonischen Idealismus ein. CEr] begünstigt das Finanzkapital. Paris erlebt eine Hochblüte der Spekulation. Das Börsenspiel drängt @ aus der feudalen Gesellschaft überkommenen Formen des Hasardspiels zurück. Die Steigerung der Mietpreise treibt das Proletariat in die Faubourgs. Die Quartiers von Paris ver-

lieren(-] @ Eigenphysiognomie. Die rote ceinture entsteht. Haussmann hat sich selber den Namen »artiste dkmolisseur« gegeben. (@ fühlte sich zu C=) Werk berufen und betont das in seinen Memoiren. Indessen entfremdet @ den Parisern Stadt. @ fühlen sich in @ nicht mehr heimisch. Der unmenschliche Charakter der Großstadt beginnt,CE] bewußt zu

Der wahre Zweck der Haussmannschen Arbeiten war die Sicherung der Stadt gegen den Bürgerkrieg. (Er) wollte die Errichtung von Barrikaden in Paris für alle Zukunft unmöglich machen. In solcher Absicht hatte schon Louis-Philippe Holzpflasterung eingeführt. Dennoch spielten die Barrikaden in der Februarrevolution eine Rolle. Engels beschäftigt sich mit der Technik der Barrikadenkämpfe. Haussmann will @ auf doppelte Art unterbinden. Die Breite der Straßen soll (;hre Errichtung un-

möglich machen, und neue Straßen sollen den kürzesten Weg zwischen den Kasernen und Arbeiter- vierteln herstellen. Die Zeitgenossen taufen das Unternehmen »L'embellissement stratkgique«.

ten. Es entspricht @

Vervollständigen Sie nachstehende Satzanfänge durch die erste Verbergänzung.

1.

Die perspektivischen Durchblicke durch lange Straßenfluchten waren

2.

Im 19. Jahrhundert veredelte man gern

3.

Die Wirksamkeit Hausmanns fügt sich

4.

Die Steigerung der Mietpreise treibt das Proletariat

5.

Durch diese Vertreibung verlieren die Quartiers von Paris

6.

Haussmann entfremdet den Parisern

7.

Der wahre Zweck seiner Arbeiten war

8. Wie Louis-Philippe wollte er die Errichtung von Barrikaden in Paris

9. Neue Straßen sollten

8

Karl Marx - Friedrich Engels:

Manifest der kommunistischen Partei (1848)

Berlin: Dietz-Verlag, 1981, Auszug I, S. 44-45

Bourgeois und Proletarier

Die Geschichte aller bisherigen Gesellschaft ist die Geschichte von Klassenkämpfen. Freier und Sklave, Patrizier und Plebejer, Baron und Leibeige- 5 ner, Zunftbürger und Gesell, kurz, Unterdrücker und Unter- drückte standen in stetem Gegensatz zueinander, führten einen ununterbrochenen, bald versteckten, bald offenen Kampf, einen Kampf, der jedesmal mit einer revolutionären Umgestaltung der ganzen Gesellschaft endete oder mit dem gemeinsamen Unter- gang der kämpfenden Klassen. In den früheren Epochen der Geschichte finden wir fast überall eine vollständige Gliederung der Gesellschaft in verschiedene Stände, eine mannigfaltige Abstufung der gesellschaftlichen Stellungen. Im alten Rom haben wir Patrizier, Ritter, Plebejer,

io

15

Sklaven; im Mittelalter Feudalherren, Vasallen, Zunftbürger, Gesellen, Leibeigene, und noch dazu in fast jeder dieser Klassen wieder besondere Abstufungen. Die aus dem Untergang der feudalen Gesellschaft hervorgegan- gene moderne bürgerliche Gesellschaft hat die Klassengegen-

20

sätze nicht aufgehoben. Sie hat nur neue Klassen, neue Bedin- gungen der Unterdrückung, neue Gestaltungen des Kampfes an die Stelle der alten gesetzt. Unsere Epoche, die Epoche der Bourgeoisie, zeichnet sich je- doch dadurch aus, daß sie die Klassengegensätze vereinfacht

25

hat. Die ganze Gesellschaft spaltet sich mehr und mehr in zwei große feindliche Lager, in zwei große, einander direkt gegen- überstehende Klassen: Bourgeoisie und Proletariat.

Französische Übersetzung in: Karl Marx - Friedrich Engels: Manifeste du Parti Cornrnuniste, Paris: kditions sociales, 1972,

S. 3 1-32 (edition bilingue)

Englische Übersetzung in: Karl Marx - Frederick Engels: The Communist Manifesto, New York: Pathfinder Press, 1971

38

Lernstoff

Erweitertes Attribut (Partizipialkonstruktion)

Anhang F21, 33 / E21, 32

Übung

Substantivsuffix »-er«+ Anhang F 11 /

E 11

a) Suchen Sie im Text die Substantive mit dem Suffix »-er« auf, die eine Gruppenzugehörigkeit be- zeichnen.

b) Bilden Sie von den folgenden Verben ausgehend Substantive mit dem Suffix »-er«, die eine Grup- penzugehörigkeit bezeichnen, und geben Sie die Übersetzung an.

Infinitiv B-en«

Substantiv mit Suffix »-er«

Übersetzung

Beispiel

führen

der Führer

le meneur, guide / leader, guide

kämpfen

reiten

unterdrücken

zeichnen

verlieren

arbeiten

spielen

herstellen

sehen

Nachstehend einige Auszüge aus dem Manifest der kommunistischen Partei. Suchen und unterstrei- chen Sie in diesen Sätzen jeweils das erweiterte Attribut. Orientieren Sie sich dabei an den Unterstrei- chungen in der französischen bzw. englischen Übersetzung, die zum Zweck dieser Übung sehr wört- lich gefaßt ist.

1. Der ostindische und chinesische Markt, die Kolonisierung von Amerika, der Austausch mit den Kolonien, die Vermehrung der Tauschmittel und der Waren überhaupt gaben dem Handel, der Schiffahrt, der Industrie einen nie gekannten Aufschwung

Les marchks des Indes Orientales et de la Chine, la colonisation de l'Amirique, le commerce colonial, la multiplication des moyens dechange et, en ginkral, des marchandises donnerent un essor jus- qu'alors inconnu au nkgoce, a la navigation, a I'industrie

The East Indian and Chinese markets, the colonisation of Arnerica, the trade with the colonies, the increase in the rneans of exchange and in cornrnodities generally, gave to cornrnerce, to navigation, to industry, an impulse never before known

2.

Die bisherige feudale oder zünftige Betriebsweise der Industrie reichte nicht mehr aus für den mit den neuen Märkten anwachsenden Bedarf.

L'ancien mode d'exploitationfkodal ou corporatifde l'industrie ne suffisait plus croissants a mesure que s'ouvraient de nouveaux marchks.

aux besoins sans cesse

The previous feudal or guild rnode of industry now no longer sufficed for the growing wants of the new rnarkets.

3. An die Stelle der alten, durch Landeserzeugnisse befriedigten Bedürfnisse treten neue, welche die Produkte der entferntesten Länder und Klimate zu ihrer Befriedigung erheischen. A la place des anciens besoins satisfaits pur la production nationale naissent des besoins nouveaux rk- clamant pour leur satisfaction lesproduits des contrkes et des climats lesplus lointains.

In place of the old wants, satisfied by the productions of the country, we find new wants requiring for their satis- faction the products of distant lands and clirnates.

4.

In den Handelskrisen wird ein großer Teil nicht nur der erzeugten Produkte, sondern sogar der be- reits geschaffenen Produktivkräfte regelmäßig vernichtet. Ces crises ditruisent rkgulierement une grande partie non seulement des produits fabriquks, mais m2- me desforces productives delja crkkes.

In these crises a great Part not only of the existing products but also of the previously created productive forces are periodically destroyed.

5.

Die wachsende Konkurrenz der Bourgeois unter sich und die daraus hervorgehenden Handelskri- Sen machen den Lohn der Arbeiter immer schwankender. La concurrence croissante des bourgeois entre eux et les crises commerciales rksultant de Ia rendent les salaires des ouvriers deplus en plus instables.

The growing cornpetition arnong the bourgeois and the resulting cornrnercial crises rnake the wages of the worker ever rnore fluctuating.

Vervollständigen Sie nachstehende Satzanfänge durch die erste Verbergänzung.

1.

Die Geschichte aller bisherigen Gesellschaft ist

-

2.

Unterdrücker und Unterdrückte standen

3.

Sie führten

-- .

4.

Dieser Kampf endete jedesmal

oder

5.

Die moderne bürgerliche Gesellschaft ist

 

hervorgegangen.

6.

Sie hat

 

nicht aufgehoben.

7.

Unsere Epoche hat

 

vereinfacht.

8.

Die ganze Gesellschaft spaltet sich

9

Karl Marx - Friedrich Engels:

Manifest der kommunistischen Partei(1848)

Manifest der kommunistischen Partei (1848), Berlin: Dietz-Verlag, 1981, Auszug 11, S. 48-49

Die Bourgeoisie hat in der Geschichte eine höchst revolutionäre Rolle gespielt. Die Bourgeoisie, wo sie zur Herrschaft gekommen, hat alle feu- dalen, patriarchalischen, idyllischen Verhältnisse zerstört. Sie

5 hat

kein anderes Band zwischen Mensch und Mensch übrigge-

lassen, als das nackte Interesse, als die gefühllose »bare Zah- Sie hat die persönliche Würde in den Tauschwert auf- gelöst und an die Stelle der zahllosen verbrieften und wohler- worbenen Freiheiten die eine gewissenlose Handelsfreiheit ge-

10 setzt. Sie hat, mit einem Wort, an die Stelle der mit religiösen und politischen Illusionen verhüllten Ausbeutung die offene, un- verschämte, direkte, dürre Ausbeutung gesetzt. Die Bourgeoisie hat alle bisher ehrwürdigen und mit frommer Scheu betrachteten Tätigkeiten ihres Heiligenscheins entkleidet. 1s Sie hat den Arzt, den Juristen, den Pfaffen, den Poeten, den Mann der Wissenschaft in ihre bezahlten Lohnarbeiter verwan- delt. Die Bourgeoisie hat dem Familienverhältnis seinen rührend-sen- timentalen Schleier abgerissen und es auf ein reines Geldverhält-

20 nis zurückgeführt.

Die Bourgeoisie kann nicht existieren, ohne die Produktionsin- strumente, also die Produktionsverhältnisse, also sämtliche ge- sellschaftlichen Verhältnisse fortwährend zu revolutionieren.

25 Unveränderte Beibehaltung der alten Produktionsweise war da- gegen die erste Existenzbedingung aller früheren industriellen Klassen. Die fortwährende Umwälzung der Produktion, die un- unterbrochene Erschütterung aller gesellschaftlichen Zustände, die ewige Unsicherheit und Bewegung zeichnet die Bourgeois-

30 epoche vor allen früheren

Französische Übersetzung in: Karl Marx - Friedrich Engels, Manifeste du Parti Communiste, Paris: kditions sociales, 1972, S. 39-41 (kdition bilingue) Englische Übersetzung in: Karl Marx - Frederick Engels: The Communist Manifesto, New York: Pathfinder Press, 1971

Lernstoff

Gegenüberstellung und Sinndifferenzierung von:

a)

vom Verbstamm abgeleiteten Substantiven ohne Suffix

b)

vom Verbstamm abgeleiteten Substantiven mit Suffix »-ung« -+ Anhang F48-49 / E47-48

a) Substantive mit Suffix »-urig« Bilden Sie mit Hilfe nachstehender Verben Substantive auf »-urig« und geben Sie ihre Übersetzung an.

Beispiel

 

zahlen

payer / to pay

die Zahlung

le paiement / payment

1.

ausbeuten

exploiter / to exploit

2.

bedingen

conditionner /

 

to cause, bring about

3.

umwälzen

bouleverser /

 

to revolutionize

4.

bewegen

mouvoir, bouger /

 

to move, agitate

5.

unterdrücken

opprimer / to oppress

6.

gliedern

structurer /

 

to structure, arrange

7.

gründen

fonder / to found

8.

unterscheiden

differencier /

 

to differentiate

9.

binden

Zier / to bind, link

10.

schaffen

crker / to create

11.

erscheinen

apparaitre /

 

to appear, be manifested

12.

verkörpern

incarner / to ernbody

13.

werten

kvaluer / to evaluate

b)

Substantive ohne Suffix

Suchen Sie aus den Auszügen I und I1 des Manifests der kommunistischen Partei die Substantive ohne Suffix heraus, die den nachstehenden Verben entsprechen und geben Sie ihre Übersetzung an.

1.

kämpfen

lutter / to struggle, fight

 

2.

setzen

poser, statuer / to place

3.

stehen, stand, gestanden

etre debout / to stand

a)

 

b)

4.

untergehen, ging, gegangen

sombrer / to sink, decline, be ruined

5.

binden, band, gebunden Zier / to bind

 

6.

tauschen

dchanger / to exchange

7.

werten

dvaluer / to rate, evaluate

8.

scheinen

briller / to shine

9.

lohnen

recompenser / to reward

C)

Geben Sie die Grundverben (ohne Präfix) an, von denen folgende Substantive abgeleitet sind.

Beispiel

der Druck

la pression, l'impression /

drücken, drucken

pressure, impression

1.

r

Bund

lafdddration / federation, alliance

2

r

Satz

la phrase / sentence,phrase

3.

r Grund

la raison / reason

4.

r

Inhalt

le contenu / content

5.

r

Bau

la construction, I'immeuble /

 

construction, building

6.

r

Unterschied

la difference/ difference

7.

r

Spruch

la sentence / maxim, sentence

8. r Ausdruck

I'expression / expression

9. r

Gang

la demarche, le couloir /

gait, step, corridor

Übung

a) Suchen Sie im Text (Zeile 1-20) die von der Bourgeoisie herbeigeführten Umwälzungen.

Beispiel

das Band zwischen Mensch und Mensch

-

das nackte Interesse 1die gefühllose »bare Zahlung«

1.

die persönliche Würde

2.

die verbrieften und wohlerworbenen Freiheiten

3.

die mit religiösen und politischen Illusionen verhüllten Ausbeutungen

4.

der Arzt, der Jurist, der Pfaffe, der Poet, der Mann der Wissenschaft

5.

das rührend-sentimentale Familienverhältnis

b)

Welche Adjektive zeigen Ihrer Meinung nach eine affektive Stellungnahme des Autors an?

10

Karl Marx - Friedrich Engels:

Manifest der kommunistischen Partei (1848)

Berlin: Dietz-Verlag, 1981, Auszug 111, S. 49-50

Das Bedürfnis nach einem stets ausgedehnteren Absatz für ihre Produkte jagt die Bourgeoisie über die ganze Erdkugel. Überall muß sie sich einnisten, überall anbauen, überall Verbindungen herstellen.

5

Die Bourgeoisie hat durch die Exploitation des Weltmarkts die Produktion und Konsumtion aller Länder kosmopolitisch ge- Die uralten nationalen Industrien sind vernichtet wor- den und werden noch täglich vernichtet. Sie werden verdrängt durch neue Industrien, deren Einführung eine Lebensfrage für

10

alle zivilisierten Nationen wird, durch Industrien, die nicht mehr einheimische Rohstoffe, sondern den entlegensten Zonen angehörige Rohstoffe verarbeiten und deren Fabrikate nicht nur im Land selbst, sondern in allen Weltteilen zugleich verbraucht

15

Die Bourgeoisie reißt durch die rasche Verbesserung aller Pro- duktionsinstrumente, durch die unendlich erleichterten Kommu- nikationen alle, auch die barbarischsten Nationen in die Zivili- Sie zwingt alle Nationen, die Produktionsweise der

Bourgeoisie sich anzueignen, wenn sie nicht zugrundegehen wol-

20

len; sie zwingt sie, die sogenannte Zivilisation bei sich selbst ein- zuführen, d.h. Bourgeois zu werden. Mit einem Wort, sie schafft sich eine Welt nach ihrem eigenen Bilde. Die Bourgeoisie hat das Land der Herrschaft der Stadt unter- worfen. Sie hat enorme Städte geschaffen, sie hat die Zahl der

25

städtischen Bevölkerung gegenüber der ländlichen in hohem

Grade vermehrt

Wie sie das Land von der Stadt, hat sie die

barbarischen und halbbarbarischen Länder von den zivilisier- ten, die Bauernvölker von den Bourgeoisvölkern, den Orient vom Okzident abhängig gemacht.

30

Sie hat die Bevölkerung agglomeriert, die Produktionsmittel zentralisiert und das Eigentum in wenigen Händen konzentriert. Die notwendige Folge hiervon war die politische Zentralisation.

Französische Übersetzung in: Karl Marx - Friedrich Engels: Manifeste du Parti Communiste, Paris: Cditions sociales, 1972,

S. 41 -45 (kdition bilingue)

Englische Übersetzung in: Karl Marx - Frederick Engels: The Communist Manifesto, New York: Pathfinder Press, 1971

Lernstoff

L

»werden«und seine Funktion + Anhang F46-47 / E45-46 Verbpräfix »ver-«+ Anhang F 16,51-52 / E 16,50-51

Nachstehend eine Liste von Substantiven, die von Verben mit dem Präfix »ver-« abgeleitet sind. Finden Sie diese Verben sowie ihre Grundwörter auf (Verb, Adverb, Adjektiv, Substantiv). Geben Sie die entsprechende Übersetzung an.

Beispiel

die Verbindung

verbinden

binden

la liaison, la relation

relier

lier

connection, contact

connect

bind

die Vernichtung

die Verarbeitung

der Verbrauch

die Verbesserung

die Vermehrung

der Versuch

die Vergrößerung

die Verfilmung

der Verstand

die Vergötterung

das Verhältnis

die Vereinfachung

die Veränderung

die Verachtung

a)

Suchen Sie im 3. Auszug aus dem Manifest der kommunistischen Partei die Verbalgruppen mit

»werden« auf. Bestimmen Sie jeweils, was sie zum Ausdruck bringen. (Anhang F46-47

/ E45-46)

b)

Verfahren Sie ebenso mit folgenden Auszügen:

I.

Die geistigen Erzeugnisse der einzelnen Nationen werden Gemeingut.

2.

Provinzen mit verschiedenen Interessen, Gesetzen, Regierungen und Zöllen wurden zusammen- gedrängt in eine Nation, eine Regierung, ein Gesetz, ein nationales Klasseninteresse, eine Douanen- linie.

3.

Die Produktions- und Verkehrsmittel, auf deren Grundlage sich die Bourgeoisie heranbildete, wur- den in der feudalen Gesellschaft erzeugt.

 

P-

4.

In den Handelskrisen wird ein großer Teil vernichtet.

der bereits geschaffenen Produktivkräfte regelmäßig

5. In den Krisen bricht eine gesellschaftliche Epidemie aus,

die Epidemie der Die bürgerlichen Ver-

Die Produktivkräfte

hältnisse sind zu eng geworden, um den von ihnen erzeugten Reichtum zu fassen.

sind zu gewaltig für diese Verhältnisse

6. Aber die Bourgeoisie hat nicht nur die Waffen geschmiedet, die ihr den Tod bringen; sie hat auch die Männer gezeugt, die diese Waffen führen werden - die modernen Arbeiter, die Proletarier.

Vokabelhilfen

erzeugen / das Erzeugnis das Gemeingut der Zoll zusammendrängen vernichten ausbrechen gewaltig der Reichtum Waffen schmieden / führen

produire, leproduit / produce, the product la propriktk commune / cornrnon property la douane / custorns regrouper, parquer / to herd together

aneantir / to destroy kclater / to break out

immense,puissant / powerful la richesse / wealth forger, manier des armes / to forge, wield arms

11 Karl Marx - Friedrich Engels Manifest der kommunistischen Partei (1848)

Berlin: Dietz-Verlag, 1981, Auszug IV, S. 54-55, S. 58

Das Proletariat macht verschiedene Entwicklungsstufen durch. Sein Kampf gegen die Bourgeoisie beginnt mit seiner Existenz. Im Anfang kämpfen die einzelnen Arbeiter, dann die Arbeiter einer Fabrik, dann die Arbeiter eines Arbeitszweiges an einem

5 Ort gegen den einzelnen Bourgeois, der sie direkt ausbeutet. Sie richten ihre Angriffe nicht nur gegen die bürgerlichen Produk- tionsverhältnisse, sie richten sie gegen die Produktionsinstru- mente Auf dieser Stufe bilden die Arbeiter eine über das ganze Land

10 zerstreute und durch die Konkurrenz zersplitterte

mit der Entwicklung der Industrie vermehrt sich nicht nur das Proletariat; es wird in größeren Massen zusammengedrängt, sei- ne Kraft wächst, und es fühlt sie mehr. Die Interessen, die Le- benslagen innerhalb des Proletariats gleichen sich immer mehr 15 aus, indem die Maschinerie mehr und mehr die Unterschiede der Arbeit verwischt und den Lohn fast überall auf ein gleich niedriges Niveau herabdrückt. Die wachsende Konkurrenz der Bourgeoisie unter, sich und die daraus hervorgehenden Handels- krisen machen den Lohn der Arbeiter immer schwankender; die

Aber

20

immer rascher sich entwickelnde, unaufhörliche Verbesserung der Maschinerie macht ihre ganze Lebensstellung immer unsi- cherer; immer mehr nehmen die Kollisionen zwischen dem ein- zelnen Arbeiter und dem einzelnen Bourgeois den Charakter von Kollisionen zweier Klassen

25

Von Zeit zu Zeit siegen die Arbeiter, aber nur vorübergehend. Das eigentliche Resultat ihrer Kämpfe ist nicht der unmittelbare Erfolg, sondern die immer weiter um sich greifende Vereinigung der Arbeiter. Sie wird befördert durch die wachsenden Kommu- nikationsmittel, die von der großen Industrie erzeugt werden

30

und die Arbeiter der verschiedenen Lokalitäten miteinander in Verbindung setzen. Es bedarf aber bloß der Verbindung, um die vielen Lokalkämpfe von überall gleichem Charakter zu einem

nationalen, zu einem Klassenkampfe zu zentralisieren. Jeder Klassenkampf aber ist ein politischer Kampf. Und die Vereini-

35

gung, zu der die Bürger des Mittelalters mit ihren Vizinalwegen Jahrhunderte bedurften, bringen die modernen Proletarier mit den Eisenbahnen in wenigen Jahren zustande.

Alle bisherigen Bewegungen waren Bewegungen von Minoritä-

40

ten oder im Interesse von Minoritäten. Die proletarische Bewe- gung ist die selbständige Bewegung der ungeheuren Mehrzahl im Interesse der ungeheuren Mehrzahl.

Französische Übersetzung in: Karl Marx - Fnedrich Engels: Manifeste du Parti Communiste, Paris: editions sociales, 1972, S. 53-57, 63 (edition bilingue) Englische Übersetzung in: Karl Marx - Frederick Engels: The Communist Manifesto, New York: Pathfinder Press, 1971

Lernstoff

Verstärkte Behandlung der Funktion der Signalwörter --P

Anhang F37-45 / E 36-44

a) Bestimmen Sie die Wörter, aus denen sich folgende Komposita zusammensetzen, und geben Sie ihre Übersetzung an.

Handarbeit

Handelsartikel

Warenhandel

Handelsware

Warenhaus

Lohnarbeit

- -

Lohnarbeitssystem

-

-. ---

Arbeitslohn

-----

Lohntarif

- --

Lohntarifverhandlung

Arbeitsmarkt

Arbeitsteilung

Teilzeitarbeit

Lebenskosten

Lebensmittel

Lebensmittelpreis

Arbeitsstunde

Stundenarbeit

Arbeiterklasse

Klassenkampf

b) Finden Sie in nachstehenden Sätzen jeweils die Nominalgruppen mit erweitertem Attribut auf und geben Sie die Übersetzung an.

1. Die von der Bourgeoisie geschmiedeten Waffen bringen ihr jetzt den Tod.

2. Die Bourgeoisie hat auch die diese Waffen führenden Männer gezeugt, die Proletarier.

3. Diese sich stückweis verkaufenden Arbeiter sind eine Ware wie jeder andere Handelsartikel.

4. Sie werden ein bloßes Zubehör der sich immer mehr ausdehnenden Maschinerie.

5. Die vom Arbeiter verursachten Kosten beschränken sich fast nur auf die Lebensmittel.

6. Von allen der Bourgeoisie heute gegenüberstehenden Klassen ist nur das Proletariat eine wirklich revolutionäre Klasse.

(Hinweis für den Lehrer: Erarbeiten Sie zur Vorentlastung der Übung mit den Schülern die frequen- ten Wörter, Internationalismen und Eigennamen.)

Markieren Sie die Signalwörter und analysieren Sie ihre Funktion in bezug auf die argumentative Struktur des Textes.

Arbeit, die unter Zwang geschieht, entfremdet den Menschen von sich selbst. Unfreie, unschöpferi- sche Arbeit ist, wenn sich der Mensch »in seiner Arbeit nicht bejaht, sondern verneint, nicht wohl, sondern unglücklich fühlt.« Dann ist der Arbeiter »außer der Arbeit bei sich und in der Arbeit außer sich. Zu Hause ist er, wenn er nicht arbeitet, und wenn er arbeitet, ist er nicht zu Haus. Seine Arbeit ist 5 daher nicht freiwillig, sondern gezwungen, Zwangsarbeit.« Marx' Kritik trifft nicht die ungerechte Verteilung des Geldes, sondern die unfreie Arbeit: »Eine gewaltsame Erhöhung des Arbeitslohns wäre nur eine bessere Salairierung der Sklaven und hätte weder dem Arbeiter noch der Arbeit ihre mensch- liche Bestimmung und Würde erobert. »Die Philosophie von Marxc<,so faßt Erich Fromm zusammen, »ist ein Protest gegen die Entfrem-

10 dung des Menschen, gegen den Verlust seiner selbst und seine Verwandlung in ein Ding. Diesen Pro- test erhebt er gegen die Dehumanisierung und Automatisierung des Menschen im Industrialismus.« Marx selbst nennt seine Lehre weder einen Materialismus, noch einen Idealismus, sondern einen Hu- manismus. »Radikal sein ist die Sache an der Wurzel fassen. Die Wurzel für den Menschen ist aber der Mensch selbst.«

15 Der »positive Humanismus«, den Marx vertritt, kämpft nicht für irgendein System, sondern für den freien, »den wirklichen, den individuellen Menschen«.

Vervollständigen Sie nachstehende Satzanfänge durch die erste Verbergänzung.

I.

Das Proletariat macht

2.

Die Arbeiter bilden auf der ersten Stufe ihres Kampfes

3.

Mit der Entwicklung der Industrie wird das Proletariat

4.

Die Kollisionen zwischen dem einzelnen Arbeiter und dem einzelnen Bourgeois nehmen

5.

Die immer weiter um sich greifende Vereinigung der Arbeiter ist

6.

Die Verbindung der Arbeiter der verschiedenen Lokalitäten zentralisiert die vielen Lokalkämpfe

7.

Jeder Klassenkampf ist

12

Stefan Andres:

Im Anfang

aus: Die biblische Geschichte, München: Droemer/Knaur,

1965, S. 9

Im Anfang war nichts da als Gott allein. Nichts war da: nicht die Lichter am Himmel, nicht das Wasser und nicht das Feste, nicht einmal der leere Raum war da, und nicht die Zeit. Aber Gott war da und in Gott das Bild der Welt, die er erschaffen

5 wollte. Und als Gott sprach: »Jetzt!«, da war die Zeit da, und als er sprach: »Hier und dort und droben und drunten«, da war der Raum da. Und Gott ließ das Wort, das er in sich hatte, in die Zeit und in den Raum. Das Wort schuf das Licht und die Finsternis, schuf 10 die Sterne und schrieb ihnen ihre Bahn vor. Und Gott blickte auf einen ganz kleinen Stern, wählte ihn aus und nannte ihn »Erde«. Und er wählte einen großen, flammenden Stern aus und nannte ihn »Sonne«. Die Sonne leuchtete über der Erde und wärmte sie. Und Gott wählte einen winzigen Stern aus, den

15 nannte er »Mond«. Der sollte um die Erde ziehen wie die Erde um die Sonne. Die Sonne aber machte auf der Erde mit ihrem Kommen und Gehen den Tag und die Nacht.

Englische Übersetzung: Stefan Andres: The Bible Story, illustrated by Gerhard Oberländer, translated from the German by Michael Bullock

Lernstoff

Präteritum der unregelmäßigen Verben -+ Anhang 17- 19,22-25 / E 17- 19,22-25

Ermitteln Sie die unregelmäßigen Verben, von denen folgende Substantive abgeleitet sind:

Beispiel

die Sprache

1.

die Schrift

2. der Begriff

3. der Unterschied

4. der Verstand

la langue / language

I'kcriture / writing

le concept / concept

la difference/ difference

I'entendement / understanding

sprechen

5.

der Trieb

la pulsion / drive

6. die Gabe

le don / gift

7. das Maß

la mesure / measure

8.

das Band

le ruban, le Iien / ribbon, bond

9. das Schloß

10. der Zwang

die Tat

12. das Verbot

11.

la serrure, le chdteau /lock, castle

la contrainte / constraint

l'acte / action

l'interdiction / ban

Nachstehend der Anfang der Schöpfungsgeschichte in der Lutherschen Übersetzung. Ergänzen Sie den Text durch das Präteritum der im Infinitiv angegebenen Verben. (Die unregelmäßigen Verben sind durch »u.V.« gekennzeichnet.)

Im Anfang

Gott Himmel und Erde. Und die Erde

1. schaffen, u.V.

wüst und leer, und es

der Tiefe. Und der Geist Gottes

finster auf

2.

sein, u.V.

3. sein, u.V.

auf dem Wasser.

4. schweben

Und Gott

:

Es

werde

Licht.

Und

es

Licht. Und Gott

, daß das Licht

gut

. Da

Gott das Licht von der

Finsternis und

das

Licht Tag und

die Finsternis

Nacht. Da

aus Abend und Morgen der erste Tag.

 

Und Gott

: Es werde eine Feste zwischen den Was-

sern

und

die

sei

ein

Unterschied

zwischen

den

Wassern.

Da

5. sprechen, u.V.

6./7.

werdedsehen, u.V.

8./9.

seidscheiden, u.V.

10. nennen, u.V.

11. werden, u.V.

12. sprechen, u.V.

i

 

Gott die Feste und

das Wasser

13./ 14. machedscheiden, u.V.

unter der Feste von dem über der Feste. Und es

 

also.

15. geschehen, u.V.

Und

Gott

die

Feste

Himmel.

Da

16. nennen, u.V.

aus Abend und Morgen der andere Tag.

17. werden, u.V.

aus: Martin Luther, Die ganze Heilige Schrift, Wittenberg, 1545

13

Johannes - Evangelium 1 Prolog

Stuttgarter Keppler-Bibel, 1915, Stuttgart: Kepplerhaus-Verlag, 1959, S. 185

Jesus, das menschgewordene Wort Gottes. Am Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort. Dieses war im Anfang bei Gott. Alles ist durch es geworden, und ohne es ist nichts geworden, was geworden ist. In

5

ihm war das Leben, und das Leben war das Licht der Menschen. Und das Licht leuchtete in der Finsternis, aber die Finsternis hat es nicht erfaßt. Ein Mensch trat auf, gesandt von Gott, sein Na- me war Johannes. Der kam zum Zeugnisse, um Zeugnis zu ge- ben von dem Lichte, damit alle durch ihn glaubten. Er war nicht

10

das Licht, sondern sollte nur von dem Lichte Zeugnis geben.

1s

Das wahre Licht, das jeden Menschen erleuchtet, kam in die Welt. Er war in der Welt, und die Welt ist durch ihn geworden, und doch hat die Welt ihn nicht erkannt. Er kam in sein Eigen- tum, aber die Seinen nahmen ihn nicht auf. Aber allen, die ihn aufnahmen, gab er Macht, Kinder Gottes zu werden, ihnen, die an seinen Namen glauben, die nicht aus dem Geblüte noch aus dem Willen des Fleisches noch aus dem Willen des Mannes, sondern aus Gott geboren sind. Und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt,

20

und wir haben seine Herrlichkeit gesehen, die Herrlichkeit als des Eingeborenen vom Vater, voll Gnade und Wahrheit. Johan- nes legt Zeugnis von ihm ab und ruft: Dieser war es, von dem ich sprach: Der nach mir kommen wird, ist mir voraus, denn er war früher als ich. Und aus seiner Überfülle haben wir alle

25

empfangen Gnade um Gnade. Denn durch Moses wurde das Gesetz gegeben, durch Jesus Christus ist die Gnade und die Wahrheit geworden. Gott hat nie jemand geschaut; der Eingebo- rene, (der) Gott (ist), der im Schoße des Vaters ist, er hat uns Kunde gebracht.

Ergänzen Sie den Text durch nachstehende Verben (sie sind nicht der Reihenfolge nach angeordnet). Bestimmen Sie in Klammern das Tempus.

sollte

glaubten

ruft

sprach

wurde

gegeben (a, b)

aufnahmen

kam

haben

gesehen (a, b)

ist

geworden (a, b)

war /

hat

gebracht (a, b)

ist

kommen wird

leuchtete

Jesus, das menschgewordene Wort Gottes.

Am Anfang war (Prät.) das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort. Dieses war im

nichts

(lb)

Anfang bei Gott. Alles ist

, was geworden ist. In ihm war das Leben, und das Leben war das

durch es geworden, und ohne es (la)

5

Licht der Menschen. Und das Licht (2)

 

in der Finsternis, aber die Fin-

sternis hat es nicht erfaßt. Ein Mensch trat auf, gesandt von Gott, sein Name war Johannes. Der

kam

zum

Zeugnisse,

um

Zeugnis

zu

geben

von

dem

Lichte,

damit

alle

durch

ihn

(3)

 

. Er war nicht das Licht, sondern (4)

 
 

nur

von

dem

Lichte

Zeugnis

geben.

Das

wahre

Licht,

das jeden

Menschen erleuchtet, (5)

10

in die Welt. Er war in der Welt, und die Welt ist durch ihn geworden,

und doch hat die Welt ihn nicht erkannt. Er kam in sein Eigentum, aber die Seinen nahmen ihn nicht

auf.

, gab er Macht, Kinder Gottes zu werden,

ihnen, die an seinen Namen glauben, die nicht aus dem Geblüte noch aus dem Willen des Fleisches

noch aus dem Willen des Mannes, sondern aus Gott geboren sind.

Aber allen, die ihn (6)

15

Und

das

Wort

ist

Fleisch

geworden

und

hat

unter

uns

gewohnt,

und

wir

(7a)

 

seine Herrlichkeit (7b)

 

, die Herrlich-

 

keit als des Eingeborenen vom Vater, voll Gnade und Wahrheit. Johannes legt Zeugnis von ihm ab

und (8)

 

: Dieser

war es, von

dem ich (9)

 

: Der nach

mir (10)

 

, ist mir voraus,

20

denn er war früher als ich. Und aus seiner Überfülle haben wir alle empfangen Gnade um Gnade.

Denn durch Moses (lla)

 

das

Gesetz

(1lb)

 

, durch Jesus Christus ist die Gnade und die Wahrheit geworden. Gott

 

hat

nie jemand

geschaut;

der

Eingeborene,

(der)

Gott

(ist),

der

im

Schoße des

Vaters

(12)

 

, er (13a)

uns Kunde (13b)

25

I

1

1

Bestimmen Sie die Form der im Text markierten Personal-, Relativ-, Possessiv- und Demonstrativ- pronomen und geben Sie an, worauf sie jeweils verweisen.

Jesus, das menschgewordene Wort Gottes. Am Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort. (m)war im An- fang bei Gott. Alles ist durch @ geworden, und ohne es ist nichts geworden, was geworden ist. In (ihm) war das Leben, und das Leben war das Licht der Menschen. Und das Licht leuchtete in der Fin-

5

sternis, aber die Finsternis hat @ nicht erfaßt. Ein Mensch trat auf, gesandt von Gott, Name war Johannes. kam zum Zeugnisse, um Zeugnis zu geben von dem Lichte, damit alle durch (ihn) glaubten. (Er) war nicht das Licht, sondern sollte nur von dem Lichte Zeugnis geben. Das wahre Licht, das jeden Menschen erleuchtet, kam in die Welt. war in der Welt, und die Welt ist durch (ihn) geworden, und doch hat die Welt @ nicht erkannt. (@ kam in sein Eigentum, aber

10

d