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ITh 5 DE

Dokumentierte Patientenaufklärung
Basisinformation zum Aufklärungsgespräch

Klinikeindruck/Stempel
Drainagebehandlung
eines Pneumothorax
(Luftansammlung im Rippenfellraum)

Patientendaten/Aufkleber

Sehr geehrte Patientin, sehr geehrter Patient, sehr geehrte Eltern,


bei Ihnen/bei Ihrem Kind ist Luft in den Raum zwischen Rippen und Lunge (Rippenfellraum) eingedrungen. Diese Luft-
ansammlung (Pneumothorax) muss wieder entfernt werden. Die Ärztin/Der Arzt (im Folgenden nur Arzt) wird mit Ihnen
über Notwendigkeit und Möglichkeiten der geplanten Behandlung sprechen. Sie müssen die typischen Risiken und Folgen
sowie Alternativmethoden kennen, damit Sie sich entscheiden und in die Behandlung einwilligen können. Dieses Aufklä-
rungsblatt soll helfen, das Gespräch vorzubereiten und die wichtigsten Punkte zu dokumentieren.

Wie erfolgt die Behandlung? Dazu wird in örtlicher Betäubung eine Kanüle oder –
Im Rippenfellraum herrscht normalerweise ein leich- nach einem kleinen Hautschnitt von wenigen Millime-
ter Unterdruck, der das Zusammenfallen der Lunge ver- tern – ein dünner Schlauch von außen zwischen zwei
hindert. Wenn Luft über eine krankhafte Verbindung (Fis- Rippen hindurch in den Rippenfellraum vorgeschoben
tel) – meist vom Bronchialsystem aus – in den Rippenfell- (Pleurakatheter). Mit einer daran angeschlossenen Ab-
raum eindringt, kommt es zum Verlust dieses Unter- saugpumpe, einem Unterdrucksystem oder einem Ventil
drucks, der betroffene Lungenflügel fällt dadurch zusam- kann die Luft abgesaugt werden (Saug-/Drainagebehand-
men und die Atmung ist behindert. Durch die Behandlung lung). Dabei kommt es in der Regel zum spontanen Ver-
soll die eingedrungene Luft abgesaugt und so die Entfal- schluss der Fistel.
tung des Lungenflügels wieder ermöglicht werden. Bei der Behandlung mit einem Schlauch treten wäh-
rend der ersten Stunden häufig Schmerzen, ein Spannungs-
gefühl oder Hustenreiz auf. Diese normalen Begleiterschei-
nungen der Behandlung können, wenn Sie es wünschen,
mit Schmerzmitteln behandelt werden.

Während der Behandlung wird die Ausdehnung der


Lunge gegebenenfalls wiederholt mit einer Röntgenunter-
suchung überprüft. Ist die Lunge wieder vollständig entfal-
tet und bleibt dieser Zustand stabil, können Schlauch oder
Kanüle entfernt werden. Der kleine Hautschnitt muss nur
in Ausnahmefällen mit einem Stich genäht werden.

Während der Behandlung müssen Sie, falls vom Arzt


Abb. nicht anders angeordnet, Bettruhe einhalten.
Dokumentierte Patientenaufklärung · Herausgeber: proCompliance in Thieme Compliance GmbH · Autoren: Dr. med. M. Wagner, Red. 02/2012v4
Prof. Dr. med. J. H. Ficker · Juristische Beratung: RA Dr. jur. A. Schwerdtfeger · Wiss. Illustration: Alle Rechte bei Thieme Compliance GmbH · PDF 11/2013
© 2012 by Thieme Compliance GmbH, 91058 Erlangen · Nachdruck – auch auszugsweise – und Fotokopieren verboten. Bestell-Nr.: DE 612235
Bestell-Adresse: Thieme Compliance GmbH, Am Weichselgarten 30, 91058 Erlangen, Tel. 09131 93406-40, Fax 93406-70 · www.proCompliance.de
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Dokumentierte Patientenaufklärung Pneumothorax, Therapie proCompliance

Gibt es Behandlungsalternativen? • selten leichte allergische Reaktionen (Überempfind-


Abwartendes Verhalten ist bei einer geringen Ausprä- lichkeit) auf das Kontrastmittel, das örtliche Betäu-
gung des Pneumothorax möglich. Hierbei muss jedoch eine bungsmittel oder auf ggf. verabreichte Medikamente
Überwachung gewährleistet sein. Weitere Untersuchungen (z.B. Schmerzmittel). Diese können sich z.B. als Schwel-
werden dann erfolgen, um Klarheit über die Lungenstruk- lung der Schleimhaut, Brechreiz, Juckreiz oder Haut-
tur und über den Krankheitsverlauf zu gewinnen. ausschlag äußern, die in den meisten Fällen von selbst
abklingen. Schwere allergische Reaktionen sind sehr
Bei einem komplizierten Pneumothorax kann es not- selten, können aber zu beeinträchtigter Atemfunktion
wendig sein, mehr als einen Pleurakatheter zu legen oder bis hin zum Atemstillstand, sehr selten zu schweren
unverzüglich einen endoskopischen bzw. chirurgischen Herz-Kreislaufstörungen bis hin zum Schock führen
Eingriff durchzuführen. Eine Kontrastmittelgabe über den und eine intensivmedizinische Behandlung erfordern.
Pleurakatheter kann erforderlich sein, um Klarheit über die Infolge mangelnder Durchblutung kann es zu bleiben-
Beschaffenheit von Lunge und Lungenfell zu bekommen den Organschäden (z.B. Nierenversagen, Hirnschädi-
und den Schweregrad richtig einzuschätzen. gungen, Krampfanfällen) kommen; Die Überwachung
während und auch nach dem Eingriff durch den Arzt
Ist mit Komplikationen zu rechnen? oder seine Assistenten reduziert diese Gefahr jedoch er-
In der Regel verläuft die Behandlung ohne Komplikati- heblich; ggf. notwendig werdende Behandlungsmaßnah-
onen. Trotz größter Sorgfalt kann es jedoch in seltenen Fäl- men können sofort eingeleitet werden.
len zu Komplikationen kommen, die in Ausnahmefällen im
Verlauf auch lebensbedrohlich werden können. Zu nennen Wird im Rahmen des Eingriffes geröntgt, ist die Strah-
sind: lenbelastung gering. Summieren sich jedoch medizinisch
notwendige, natürliche und täglich von technischen Gerä-
• selten Verletzung von Blutgefäßen, die sich meist von ten (z.B. Fernseher, Computer) ausgehende Strahlungen
selbst wieder schließen; extrem selten stärkere Blu- mit der Zeit, sind Gesundheitsschäden nicht ganz auszu-
tungen, die operativ gestillt werden müssen und in schließen. Deshalb wird zuvor der Nutzen einer Röntgen-
seltenen Ausnahmefällen eine Übertragung von durchleuchtung gegen die damit verbundene Strahlenbelas-
Fremdblut oder Fremdblutbestandteilen notwendig tung abgewogen. Im Falle einer Schwangerschaft besteht
machen. Dadurch kann es u.a. zu Infektionen kom- das Risiko einer Schädigung des ungeborenen Kindes
men, z.B. sehr selten mit Hepatitis-Viren (Folge: Leber- durch die Röntgenstrahlen. Teilen Sie deshalb bitte dem
entzündung), extrem selten mit HIV (Spätfolge: AIDS) Arzt unbedingt mit, falls Sie schwanger sind oder auch nur
und/oder anderen Erregern (z.B. von BSE, Variante der den Verdacht hegen!
Creutzfeldt-Jakob-Erkrankung) sowie derzeit unbe-
kannten Erregern. Nach einer Transfusion besteht die Bitte fragen sie im Aufklärungsgespräch nach allem,
Möglichkeit einer Kontrolluntersuchung; was Ihnen unklar und wichtig er-scheint.
• selten Haut-, Weichteil- und Nervenschäden (z.B.
Spritzenabszess, Schwellung, Absterben von Gewebe,
Erfolgsaussichten?
Nerven- und Venenreizungen) infolge von Einspritzun- In der Regel führt die Drainagebehandlung ohne weite-
gen oder durch Desinfektionsmittel. Sie verschwinden re Maßnahmen zum Erfolg und ermöglicht ein Abheilen der
meist nach einiger Zeit von selbst bzw. sind gut behan- Fistel. Weisen spezielle Röntgenuntersuchungen oder auch
delbar. Sie können jedoch in ungünstigen Fällen lang- der Verlauf der Behandlung darauf hin, dass die Saugbe-
andauernde oder auch bleibende Beschwerden (z.B. handlung allein nicht erfolgreich ist oder ein erhebliches
Narben, schmerzhafte Missempfindungen, Taubheits- Rückfallrisiko besteht, kann eine endoskopische bzw. chi-
gefühl) zur Folge haben; rurgische Behandlung notwendig werden, über die Sie ge-
sondert aufgeklärt werden.
• sehr selten Verletzungen an Brust- oder Bauchorga-
nen; das Risiko ist erhöht nach Voroperationen oder bei Tabakrauchen kann einen dauerhaften Erfolg stark ge-
schwierigen anatomischen Verhältnissen (z.B. Ver- fährden und erhöht das Rückfallrisiko erheblich.
wachsungen). Es müssen dann weitergehende endosko-
pische oder operative Maßnahmen ergriffen werden; Worauf ist zu achten?
• Atemnot und Anschwellen der Haut um die Ein-
stichstelle, falls Schlauch oder Kanüle sich verschlie- Bitte halten Sie sich an die Anweisungen Ihres be-
ßen. Sollten Sie derartige Beschwerden bemerken, handelnden Arztes.
informieren Sie bitte sofort den Arzt;
Bitte fragen Sie insbesondere, wieweit Sie/Ihr Kind
• selten Infektionen bis hin zur Lungenentzündung; sich körperlichen Belastungen aussetzen dürfen/darf, ab
sehr selten Keimübertritt in die Blutbahn (Bakteriä- wann eine erste Flugreise unternommen werden kann und
mie) bis hin zur Blutvergiftung (Sepsis) oder extrem ab wann Sie/Ihr Kind tauchen dürfen/darf.
selten Herzinnenhautentzündung (Endokarditis) ins-
besondere bei vorbestehenden Schädigungen der Herz- Sollten erneut ähnliche Beschwerden auftreten (z.B.
klappen. Eine Behandlung mit Antibiotika und/oder ei- Beklemmungsgefühl, Atemnot, Schmerzen im Brustkorb
ne intensivmedizinische Behandlung kann dann erfor- oder Schulterbereich), verständigen Sie bitte umgehend ei-
derlich sein; nen Arzt.
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proCompliance Dokumentierte Patientenaufklärung Pneumothorax, Therapie

Wichtige Fragen 10. Trinken Sie regelmäßig Alkohol? ❏n ❏j


Das Risiko ärztlicher Eingriffe wird durch körperliche Wenn ja, was und wie viel pro Tag?
Verfassung und Vorschäden beeinflusst. Wir bitten Sie des-
halb, folgende Fragen zu beantworten:
11. Zusatzfrage bei Frauen im gebärfähigen Alter:
Alter: Jahre Größe: cm Gewicht: kg Könnten Sie schwanger sein? ❏n ❏j
Geschlecht:

n = nein j = ja Ärztliche Anmerkungen zum


Aufklärungsgespräch
1. Sind Störungen wichtiger Organe (z.B. ❏n ❏j
(z.B. individuelle Risiken und damit verbundene Komplikationen,
Atemwege, Lunge, Herz, Kreislauf, Nieren, Wahrscheinlichkeit einer Blutübertragung, Neben- und Folgemaßnah-
Leber, Schilddrüse) bekannt? men, gesundheitliche Nachteile im Falle einer Ablehnung der Behand-
lung, Gründe für die Ablehnung, Beschränkung der Einwilligung, Fest-
Wenn ja, welche? stellung der Einsichtsfähigkeit Minderjähriger, gesetzliche Vertretung,
Betreuungsfall, Bevollmächtigter)

2. Sind Störungen des Stoffwechsels (z.B. Dia- ❏ n ❏ j


betes) bekannt?
3. Besteht ein Krampfleiden (Epilepsie)? ❏n ❏j
4. Besteht eine Infektionskrankheit (z.B. ❏n ❏j
Tbc, Hepatitis, HIV)?
Wenn ja, welche?

5. Besteht eine Allergie (z.B. Asthma, Heu- ❏n ❏j


schnupfen)/Überempfindlichkeitsreaktion
(z.B. gegen Desinfektionsmittel, Pflaster, La-
tex, Nahrungsmittel, Kontrastmittel, Medi-
kamente, örtliche Betäubungsmittel)?
Wenn ja, welche?

6. Besteht eine Bluterkrankung oder eine er- ❏ n ❏ j


höhte Blutungsneigung (z.B. Nasen- oder
Zahnfleischbluten, häufig blaue Flecken,
Blutergüsse, Nachbluten nach Operationen,
bei Zahnbehandlungen, kleineren Wunden),
oder gibt es bei Ihrer Blutsverwandtschaft ei-
ne Anlage dazu?
7. Kam es zur Bildung/Verschleppung von ❏n ❏j
Blutgerinnseln (Thrombose, Embolie)?
8. Werden regelmäßig Medikamente (z.B. Hor- ❏ n ❏ j
mone, Asthmamittel, Herzmittel, Schmerz-
mittel, Mittel zur Blutverdünnung [z.B. Marcu-
mar®, Aspirin®, Plavix®] ) eingenommen?

Wenn ja, welche?

9. Rauchen Sie? ❏n ❏j
Wenn ja, was und wie viel pro Tag?

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Dokumentierte Patientenaufklärung Pneumothorax, Therapie proCompliance

Im Falle einer Ablehnung des Eingriffes:


Die vorgeschlagene Behandlung wurde nach ausführ-
licher Aufklärung abgelehnt. Über die sich daraus er-
gebenden möglichen Nachteile (z.B. Erstickungsanfäl-
le, lebensbedrohliche Atemnot) wurde informiert.

Ort, Datum, Uhrzeit Patientin/Patient/Eltern*

ggf. Zeuge Ärztin/Arzt

Einwilligungserklärung
Über die geplante Behandlung sowie evtl. erforderliche
Erweiterungen des Eingriffs hat mich
die Ärztin/der Arzt
in einem Aufklärungsgespräch ausführlich informiert. Da-
bei konnte ich alle mir wichtig erscheinenden Fragen über
Art und Bedeutung des Eingriffs, über spezielle Risiken
und mögliche Komplikationen, über Neben- und Folgemaß-
nahmen (z.B. Röntgenuntersuchung) und ihre Risiken so-
wie über Behandlungsalternativen stellen.
Ich habe keine weiteren Fragen, fühle mich genü-
gend informiert und willige hiermit nach angemessener
Bedenkzeit in die geplante Behandlung ein. Mit unvorher-
sehbaren, medizinisch erforderlichen Erweiterungen des
Eingriffs bin ich ebenfalls einverstanden. Mein Einver-
ständnis bezieht sich auch auf eine ggf. notwendige Über-
tragung von Blut/Blutbestandteilen.

Ort, Datum, Uhrzeit

Patientin/Patient/Eltern*

Ärztin/Arzt

* Unterschreibt ein Elternteil allein, erklärt er mit seiner Unterschrift


zugleich, dass ihm das Sorgerecht allein zusteht oder dass er im Ein-
verständnis mit dem anderen Elternteil handelt. Bei schwereren Ein-
griffen sollten grundsätzlich beide Eltern unterschreiben.
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