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Titelstory | Best Practice

Tolle Spielkonzepte reichen nicht


Management-Struktur
aus Investorensicht
Wenn ein Entwickler auf der Suche nach Finanzierung ist, dann prüfen po-
tenzielle Investoren unter anderem auch dessen Führungsstruktur. Worauf
sie dabei achten, erklärt Investment Manager Alexander Stoeckel vom
Inves­torennetzwerk BrainsToVentures.

Alexander Stoeckel W enn Spieleentwickler und Investoren


aufeinandertreffen, würde man als Be­
scher Investor, etwa ein größerer Publisher, ge­
gebenenfalls ohnehin plant, eigene Mitarbeiter
obachter wohl einen mehr oder minder dras­ an das Management-Team des Entwicklerun­
tischen »Clash of Cultures« erwarten: die ver­ ternehmens heranzuführen – während ein Ven­
ist Investment Manager meintlich stets konservativen, risikoscheuen, ture-Capital-Investor bevorzugt, in ein Team zu
beim Investorennetz- nur aufs Business fokussierten, ein Spielkon­ investieren, das den aktuellen Herausforde­
werk b-to-v.
zept grundsätzlich nicht verstehenden Inves­ rungen in seiner aktuellen Struktur bereits
toren auf der einen Seite und die kreativen, frei selbst gewachsen ist.
Alexander Stoeckel kam 2007 als Investment Ma-
nager zu BrainsToVentures (b-to-v). Zuvor studier- denkenden, unkonventionellen, dennoch auch Dass das Management eines Unternehmens
te er BWL an der European Business School (ebs) mit dem besten Riecher für das Geschäft aus­ (nicht nur im Bereich der Spieleentwicklung) ei­
sowie der International School of Management gestatteten Entwickler auf der anderen. Wie ne entscheidende Rolle für den Erfolg des Unter­
(ISM) und absolvierte seinen MBA an der University passt das zusammen? nehmens spielt, ist unstrittig. Die Beurteilung
of Oxford. Vor b-to-v war Alexander Stoeckel als
des Managements und der Management-Struk­
Dachfondsmanager für Hauck & Aufhäuser Privat- Anziehung für Investoren
bankiers und als Vorstandsassistent für KPMG tätig. turen sind daher ein wesentlicher Teil der so­
Die Realität sieht anders aus. Längst ist das er­ genannten Investor Due Diligence, also der

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staunliche Wachstum in verschiedenen Seg­
menten der Spieleindustrie zu einem Anzie­
Durchleuchtung des kapitalsuchenden Unter­
nehmens durch den kapitalgebenden Investor.
Fünf Regeln für Investoren-Gespräche
hungspunkt für Investoren geworden, die sich Ein Investor beurteilt in der Regel zwei zentrale
entsprechend spezialisiert haben. Hält man die­ Aspekte mit Blick auf das Management eines für
se Investoren für konservativ, risikoscheu und ihn interessanten Unternehmens:
engstirnig, fällt man in der Regel nur einem Vor­ 1. Ist das Management grundsätzlich geeignet,
urteil zum Opfer. Immer mehr Games-Entwick­ die unternehmerische Vision zu verwirkli­
lerteams werden nicht nur von spezialisierten chen? Sind die kreativen, fachlichen, geschäft­
Investoren oder Fonds (mit-)finanziert, sondern lichen und sozialen Kompetenzen geeignet,
zunehmend auch von generalistischer aufge­ um das Unternehmen und die Mitarbeiter
stellten Business Angels, Venture-Capital-Ge­ aus seinem heutigen Status X in den kom­
sellschaften oder Förderinstitutionen. menden Jahren in einen Status Y zu führen?
Um die möglichen Hürden für eine Zusam­ 2. Welche strukturellen Mechanismen greifen
menarbeit zwischen Entwicklern und Inves­ derzeit mit Blick auf die Kontrolle des Unter­
toren schon im Vorfeld des Kontakts zumindest nehmens und des Managements? Und insbe­
teilweise aus dem Weg zu räumen, ist es hilf­ sondere: Welche Mechanismen sollten ange­
reich, wenn jede Seite die Vorstellungen und passt werden, um auch dem Investor eine Ein­
Sichtweisen der jeweils anderen Seite kennt flussnahme auf das Management zu erlauben?
und nachvollziehen kann.
Dieser Artikel beleuchtet einen einzelnen, Gedanklich anknüpfend an die Analyse der bei­
wichtigen Aspekt, der die Sichtweise von Inves­ den Punkte entscheidet der Investor, ob und
toren auf Entwicklerteams prägt: die Manage­ welche Anpassungen des Teams oder auch der
ment-Strukturen auf Seiten der Spielemacher. Strukturen des Unternehmens aus seiner Sicht
vorzunehmen sind. Häufig erkennbar: Der
Eye of the Beholder Inves­tor hat keine starren Vorstellungen bezüg­
Wie die Beurteilung eines Management-Teams lich der Governance- oder Management-Struk­
und der Governance-Strukturen eines Unter­ turen. Er wird prüfen und mit anderen Invest­
nehmens ausfällt, liegt nicht zuletzt im Auge ments vergleichen, ob Modifikationen der aktu­
des Betrachters. Oder anders: Unterschiedliche ellen Struktur vielleicht besser geeignet sind,
Investoren haben in der Regel auch unterschied­ die Erfolgswahrscheinlichkeit des Unterneh­
liche Sichtweisen. Das wird deutlich, wenn man mens und somit die Erfolgswahrscheinlichkeit
sich klarmacht, dass zum Beispiel ein strategi­ seines Investments zu erhöhen. Nicht unüblich

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ist allerdings, dass Investoren bezüglich einzel­ von Typen und individuellen Fähigkeiten. Und
ner Aspekte sehr konkrete Ansprüche haben, et­ Teams entwickeln sich nach innen und außen
wa mit Blick auf einen Sitz im Beirat oder im relativ dynamisch, vor allem, wenn sie sich aus
Aufsichtsrat des Unternehmens. jungen Leuten zusammensetzen.
Gibt es absolute Ausschlusskriterien? Grund­
Team-Eignung sätzlich nein, obwohl einige Investoren Teams
Nicht zuletzt die Entwickler von Rollenspielen mit privaten Bindungen der Mitglieder (z. B.
sind mit der Problematik der Zusammenstel­ Ehepaare) vermeiden. Das ist nicht etwa einer
lung optimaler Abenteurergruppen bestens ver­ Infragestellung des Instituts der Ehe geschuldet,
traut. Vielmehr mit der Grundwahrheit, dass es sondern der vermeintlichen Einsicht, dass ein
eine optimale Gruppe eigentlich nicht gibt. Es Investment in ein solches Team vielleicht zu­
liegt in erster Linie an den Überzeugungen und sätzliche Risiken birgt. Streitet sich ein Ehepaar
Neigungen des Spielers, ob er sich mit einem und kommt es beispielsweise zu einer Schei­
Team kampferprobter, aber vergleichsweise dung, können die materiellen und die emotio­
magieschwacher Krieger durch Dungeons klop­ nalen Auswirkungen auf die Eheleute das In­
pen will, ob er eine Kombination aus magie­ vestment negativ beeinflussen. Gegenbeispiele
starken, aber leicht verletzbaren Zauberern ins erfolgreicher Unternehmerehepaare streuen al­
Feld führt – oder ob er den Herausforderungen lerdings berechtigte Zweifel an der universellen
mit einer gemischten Gruppe aus Zauberern, Richtigkeit dieses Investmentkriteriums.
Kriegern, Barden, Mönchen und so weiter entge­
gentreten möchte. Später lassen sich vielleicht Wie misst man die Qualität
weitere Teammitglieder in die Gruppe integrie­ eines Teams?
ren und alte Reisegefährten werden zeitweise Ein probates und beliebtes Instrument der Qua­
oder langfristig aus den Diensten entlassen, um litätsbeurteilung ist der Rückgriff auf Einschät­
Platz für neue Gefährten zu machen. zungen von Dritten. Da in diesem Zusammen­
Entsprechendes Denken lässt sich – mit Ab­ hang eine Sichtung von Zeugnissen allein in der
strichen – auch für die Beurteilung von Manage­ Regel nicht aussagekräftig genug ist, befragen
ment-Teams heranziehen. Investorenseitig ist Investoren häufig ehemalige Kollegen, Vorge­
in der Regel die »gemischte Gruppe«, also das setzte oder Geschäftspartner zu den Qualitäten
so­genannte komplementäre Team der bevor­ einzelner Mitglieder des Teams – übrigens
zugte Mix. Investoren suchen normalerweise ­immer nach vorheriger Rücksprache mit den
nach einem Team, dessen Mitglieder sich ergän­ Teammitgliedern. Wichtig ist in diesem Zu­
zen. Auf die Spieleentwicklung bezogen: eine sammenhang, dass die Teams im Vorfeld quali­
Kombination aus Kreativität, technischem fizierte Referenzgeber nennen. Unqualifizierte
Know-how, geschäftlicher Fokussierung, unter­ Referenzen, also beispielsweise Referenzen
nehmerischer Erfahrung und vielem mehr. durch die Oma eines Flash-Programmierers,
Gibt es diesen idealen Mix? In der Regel nicht. sind mehr oder weniger wertlos. Auch einseitig
Die Investoren prüfen folglich, ob ein Team, das positive und somit unkritische Referenzen sind
einzelne Fähigkeiten nicht oder weniger ausge­ wenig plausibel. Jeder Mensch hat Stärken und
prägt vorweisen kann, dennoch gute Vorausset­ Schwächen und macht Fehler. Ein Investor er­
zungen für den gemeinsamen Erfolg mitbringt. wartet keinen Supermenschen. Ein Vorab-Brie­
Gängige Standards bei diesem Team-Due-Dili­ fing der Referenzgeber ist daher in vielen Fällen
gence-Prozess sind unter anderen: kontraproduktiv. Auch pseudokritische Aussa­
Team-Interviews (mit einzelnen Mitgliedern gen von im Vorfeld trainierten Referenzgebern
oder auch dem Team insgesamt), um die (»XY ist mitunter zu ehrgeizig und arbeitet zu
Kompetenzen und Fähigkeiten der Mitglieder viel … «) sind wenig hilfreich.
besser zu verstehen Nichtsdestotrotz ist es wichtig, die Referenz­
Referenz-Anfragen zu einzelnen oder allen geber im Vorfeld zu informieren, dass sie eine
Teammitgliedern bei ehemaligen Kollegen, Referenz abgeben sollen. Es ist irritierend für In­
Geschäftspartnern, Vorgesetzten, Lehrern usw. vestoren, wenn der Referenzgeber nicht weiß,
Analyse von vorliegenden formalen Daten: um wen oder was es überhaupt geht.
Lebenslauf, insbesondere hinsichtlich der Lebensläufe, quasi als Ergänzungen zu Refe­
Ausbildung und unternehmensrelevanten renzeinholungen, sind immer dann nützlich,
Erfahrungen wenn die unternehmensrelevanten Informati­
onen detaillierter erläutert werden, also wenn
Aus der Investorenpraxis gibt es hier mehrere etwa Informatiker in ihren Lebensläufen skiz­
Anmerkungen, die keinen Anspruch auf Voll­ zieren, welche Schwerpunkte ihres Studiums
ständigkeit oder universelle Gültigkeit erheben. oder ihrer bisherigen Karriere hilfreich für das
aktuelle Projekt sein können und warum.
Was zeichnet ein gutes Team aus? Die Forderung von Investoren nach Vorlage
Erfolgreiche Teams bestehen nicht notwendiger­ eines polizeilichen Führungszeugnisses seitens
weise aus den besten Freunden. Und ein Team der Mitglieder des Management-Teams ist Stan­
wird nicht komplementär, indem die Mitglieder dard und, wenn man sich in die Lage der Inves­
unterschiedliche Titel tragen (CTO, CFO, CEO). Ein toren versetzt, nur auf den ersten Blick befremd­
Team wird komplementär durch die Mischung lich. Befremdlich wirkt eher die Weigerung, ein

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polizeiliches Führungszeugnis auszuhändigen. bei Bedarf auch den Gesellschaftern bekannt ist
Die Beurteilung der Teameignung ist eine Mi­ oder zugänglich gemacht werden kann und da­
schung aus Technik, Erfahrung und Instinkt. Sie bei richtig und vollständig dargestellt wird.
erhebt in keinem Fall Anspruch auf Richtigkeit. Das hört sich leicht an. Die Erfahrung zeigt
Teams, die von Investoren aufgrund der Team­ aber immer wieder, dass hier mitunter überra­
qualität abgelehnt werden, müssen sich des­ schende und dramatische Know-how-Defizite
halb nicht automatisch neu strukturieren. In bestehen. In der Governance des Managements
den meisten Fällen sind einige Anregungen von eines Unternehmens ist es daher häufig sinn­
Investoren leicht umzusetzen – und nicht selten voll, ein oder zwei Mitglieder mit der systema­
langfristig auch im Interesse des Teams. tischen Erfassung der Unternehmensstruktur
und -entwicklung zu beauftragen, was neu­
Management-Struktur und deutsch gern als »Controlling« bezeichnet wird.
Corporate Governance Dazu gehört, von Anfang an bestimmte Kenn­
Mit Blick auf die Management-Struktur eines zahlen und Parameter des Unternehmens syste­
Entwicklerteams beziehungsweise Entwickler- matisch zu erfassen, zu dokumentieren und in­
unternehmens (wie auch bei sonstigen Unter­ tern auch zu thematisieren. Die Controller
nehmen, an denen sich Investoren beteiligen) sollten nicht zu Buchhalter-Exoten stilisiert,
liegt das Hauptaugenmerk auf den Fragen: ­geschweige denn so behandelt werden, sondern
Welche institutionalisierten Kontrollmecha­ als Stichwortgeber und Sparringspartner des
nismen gibt es, die es dem Investor erlauben, Managements gelten.
sich über die Aktivitäten des Managements
zu informieren (darunter zum Beispiel Repor­ Strategische Kontrolle
tings, Beirats­versammlungen, Gesellschafter­ Bei den meisten Beteiligungen von Investoren
versammlungen)? an Unternehmen ist es üblich, dass sich die In­
Welche konkreten Handlungsmöglichkeiten vestoren systematische Kontrollmöglichkeiten
stehen dem Investor zur Verfügung, um ef­ zusichern lassen. Das gilt im Großen bei der bör­
fektiv auch Kontrolle auszuüben oder bei Be­ sennotierten AG und ihren Aufsichtsräten wie
darf Änderungen herbeizuführen? im Kleinen bei der mittelständischen GmbH.
Über die Effektivität der Arbeit dieser Kontroll­
Aus der Investorenpraxis sind auch in diesem gremien sei damit nichts gesagt. Aber unstrittig
Zusammenhang verschiedene Anmerkungen ist, dass das Vorhandensein solcher Kontrollgre­
zu machen, die allerdings wiederum keinen An­ mien einen Standard darstellt.
spruch auf Vollständigkeit oder universelle Gül­ Es ist in der Regel nicht nötig, dass sich ein Un­
tigkeit erheben können. ternehmerteam vor dem Kontakt mit Inves­
toren bereits einen Beirat oder Aufsichtsrat im
Angemessene Erfolgsbeteiligung Unternehmen einrichtet. Häufig werden diese
von Schlüsselmitarbeitern Organe aber direkt im Zusammenhang mit Ver­
Ein wichtiges Kriterium einer gelungenen Ma­ änderungen der Kapitalstruktur, zumeist im
nagement-Struktur besteht darin, dass die er­ Rahmen der ersten Finanzierungsrunde, ge­
folgsrelevanten Teammitglieder (oder auch Mit­ schaffen und bei Bedarf in späteren Runden an­
arbeiter, sofern diese nicht im Management- gepasst. Das Ziel der Gremien (genauer: der Ver­
Team sind) ausreichend incentiviert, also am Er­ tretung der Investoren in diesen Gremien) ist es,
folg des Unternehmens beteiligt sind. Dahinter die ansonsten nicht direkt in den täglichen Ge­
steht die Einsicht, dass diese Personen, die wich­ schäftsbetrieb eingebundenen Gesellschafter
tig für den Gesamterfolg des Unternehmens vor Willkür oder risikoreichen, im Alleingang
sind, auch langfristig an das Unternehmen ge­ getroffenen Entscheidungen der Geschäftsfüh­
bunden und bezüglich ihrer Fähigkeiten nach­ rung zu bewahren. Zum Beispiel ist es üblich,
haltig motiviert werden müssen. dass bestimmte Entscheidungen mit weitrei­
Der erste Punkt kann im Widerspruch zu einer chenden Konsequenzen für das Unternehmen
ausgewogenen Balance innerhalb des Manage­ mit einer Zustimmungspflicht seitens des Bei­
ment-Teams stehen, in der Regel sollte das Ma­ rats (und der Investoren im Beirat) belegt wer­
nagement-Team – auch bei einzelnen Gegen­ den, etwa die Investition größerer Beträge in
stimmen im Zuge schwieriger Entscheidungen Geräte, Personal oder auch die Aufnahme von
– handlungsfähig sein. Die Erfahrung lehrt aber, Fremdkapital. In diesem Zusammenhang be­
dass beispielsweise ein starkes Partizipations­ kommt üblicherweise auch die Gesellschafter­
übergewicht auf Seiten der »Kaufleute« im versammlung bestimmte Entscheidungs- und
Team mitunter die Kreativ- und Programmier- Kontrollbefugnisse, und auch hier ist es üblich,
Fraktion frustriert, während umgekehrt ein zu gewisse unternehmerische Entscheidungen in
starkes Übergewicht der Kreativ- und Program­ der Runde der Gesellschafter zu besprechen und
mier-Mitglieder zu einer Blockade von geschäft­ gemeinsam zu verabschieden.
lich wichtigen Entscheidungen führen kann.
Geschäftsführer
Kontrolle des operativen Geschäfts verpflichten und binden
Wichtig ist für jeden Investor, dass der Status Investoren gehen davon aus, dass sich die
quo des Unternehmens dem Management und Teams, in die sie investieren, vollständig den

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Projekten und Aufgaben widmen, die für den zu beginnen oder ein Unternehmen zu starten,
Erfolg des gemeinsamen Unternehmens zu er­ das in einem ähnlichen Bereich operiert.
ledigen sind. Die Investoren haben daher ver­
schiedene Techniken entwickelt, die Geschäfts­ Stichwort: Key-Person-Versicherung
führer an das Unternehmen und die unterneh­ Sofern bei einem Investment davon auszugehen
merischen Aufgaben zu binden. Die Systematik ist, dass ein oder zwei Personen aus dem Unter­
ist entfernt verwandt mit der Bindung exzellen­ nehmen sogenannte Know-how-Träger sind,
ter Fußballspieler an ihre Vereine. ohne deren Mitwirken der Erfolg des Unterneh­
mens nicht oder nur mit erheblicher Verzöge­
Stichwort: Phase-Out rung zu erreichen ist, kann eine Key-Person-­
Ist ein Mitglied der Geschäftsführung oder ein Versicherung zugunsten der Gesellschaft abge­
anderweitig wichtiger Mitarbeiter zum Beispiel schlossen werden. Auf diese Weise soll sicherge­
parallel zu seiner Arbeit für die gemeinsame Ge­ stellt werden, dass die zu erwartenden Verluste,
sellschaft zusätzlich noch für ein anderes Unter­ die beispielsweise aus einer nicht vorherseh­
nehmen oder Projekt tätig, so verlangen die In­ baren Unverfügbarkeit eines Mitarbeiters resul­
vestoren in der Regel, dass die jeweilige Person tieren können, zumindest teilweise abgefedert
diese Fremdaktivitäten in relativ kurzer Zeit auf werden und Raum besteht, einen möglichst adä­
ein Minimum zurückfährt. Es ergibt aus Unter­ quaten Ersatz zu organisieren. Die fußballerische
nehmersicht zwar Sinn, verschiedene Stand­ Parallele ist hier in der kolportierten Versiche­
beine aufzubauen und immer noch ein Eisen im rung der Beine des Fußballers Cristiano Ronaldo
Feuer zu haben. Es ist aber wohl auch plausibel, für angeblich 100 Millionen Euro zu sehen.
dass Investoren nur dann berechtigte Hoffnung
auf den Erfolg ihrer Mannschaft haben können, Stichwort: Vesting
wenn sie auch in Bestbesetzung aufläuft und Um zu verhindern, dass einzelne Mitglieder des
nicht etwa der Torjäger durch Aktivitäten in an­ Teams kurzfristig aus dem Teamverbund aus­
deren Vereinen abgelenkt wird. scheiden, um sich anderen Aufgaben zu wid­
men, während sie bei dem ursprünglichen Pro­
Stichwort: Gehälter jekt am Anteilsbesitz beteiligt bleiben, werden
Es ergibt aus Investorensicht nur bedingt Sinn, Investoren in der Mehrheit der von ihnen getä­
wenn die Investments in Gehälter der ohnehin tigten Beteiligungen darauf drängen, eine Ves­
signifikant am Kapital der Gesellschaft beteilig­ ting-Vereinbarung zu schließen. Vesting-Ver­
ten Unternehmer fließen. Die Qualität der Un­ einbarungen sorgen dafür, dass ein Unterneh­
ternehmer würde dies zwar grundsätzlich mer zum Beispiel nach einem Jahr ein Drittel
rechtfertigen, aber der Sinn eines Investments der ihm insgesamt zustehenden Anteile am
ist nicht, dem Unternehmer eine »Comfort Zo­ Stammkapital des Unternehmens behält, nach
ne« einzurichten, bei der das Gehalt immer per zwei Jahren entsprechend zwei Drittel und nach
Monatsende (und unabhängig vom Erfolg) auf drei Jahren entsprechend drei Drittel. Anteile,
dem Konto landet und im besten Fall auch noch die der jeweilige Unternehmer oder Gründer be­
ein grandioses Upside-Potenzial aus der Eigen­ hält, nennt man »gevestete« Anteile. Scheidet
kapitalbeteiligung winkt. Der Unternehmer soll die jeweilige Person (in unserem Beispiel) vor
parallel zum Erfolg des Unternehmens verdie­ Ablauf der drei Jahre aus dem Team aus, können
nen, das heißt: je besser die Entwicklung des die nicht gevesteten Anteile von der Gesell­
Unternehmens, desto höher sein Gesamtver­ schaft eingezogen werden.
dienst. Üblich sind dennoch faire Löhne, denn
auch Unternehmer müssen laufende Kosten Zusammenfassung
(Miete, Versorgung, Transport) bestreiten und Für eine erfolgreiche Bewerbung um ein Invest­
haben ein Privatleben. Das wissen auch Inves­ ment bei Investoren ist es in der Regel nicht nö­
toren. Eine allzu harsche Einkommenspolitik tig, dass die Teams in einer bestimmten Forma­
seitens der Investoren wäre daher wieder kon­ tion oder mit einer bestimmten Corporate/Ma­
traproduktiv, da ablenkend für die Unterneh­ nagement Governance antreten. Es ist aber
mer. Die Fußball-Parallele ist hier in den Prä­ durchaus hilfreich, dass sie sich mit den grund­
mien für das Erreichen der jeweils nächsten sätzlichen Motiven von Investoren vertraut ma­
Turnierrunde zu sehen, denn es ist nicht unüb­ chen, insbesondere mit den beiden hier thema­
lich, Gehaltsanpassungen im Rahmen weiterer tisierten Bereichen: Erfassung der Teamqualität
Finanzierungsrunden vorzunehmen. einerseits und mögliche Strukturierung der Or­
ganisation des Managements andererseits. Na­
Stichwort: Wettbewerbsverbot türlich entscheiden auch diese Parameter nicht
Um zu verhindern, dass das Know-how eines allein über das Gelingen der Ansprache von In­
Unternehmens etwa im Rahmen des Ausstiegs vestoren. Aber eine offensichtliche Ignoranz
eines Mitglieds der Geschäftsführung und Mit­ eines Teams gegenüber diesen Parametern oder
unternehmers zu Wettbewerbern abfließt, wer­ kategorische Weigerungen bezüglich einer An­
den in der Regel Wettbewerbsverbote verein­ passung von Strukturen werden seitens der In­
bart. Die Unternehmer oder Geschäftsführer vestoren nicht selten zu Irritationen und im
verpflichten sich, für einen bestimmten Zeit­ schlimmsten Fall sogar zu einem Abbruch der
raum keine Tätigkeit bei einem Unternehmen Gespräche führen. Alexander Stoeckel

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