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EINFACH BESSER DEUTSCH LEARN GERMAN ESTUDIAR ALEMÁN APPRENDRE L’ALLEMAND IMPARARE IL TEDESCO

ZUGSPITZE
Der Berg der
Rekorde
NEOLOGISMEN
Wie sich die

2
18
deutsche
Sprache ändert

Warum nennen viele Menschen Angela Merkel Mutti? Warum ist die südamerikanische Kartoffel
Warum heißt es einundzwanzig statt zwanzigundeins? ein typisch deutsches Lebensmittel?
Warum haben Investoren Angst vor Insekten? Warum sind saubere und perfekt lackierte
Woher kommt die Mallorca-Liebe der Deutschen? Stoßstangen immer so wichtig?
Warum gibt es auf deutschen Autobahnen Was ist Nachtruhe?
kein Tempolimit? Darf ich nachts trotzdem aufs Klo?
Warum ist den Deutschen ihre Armee egal? Warum muss jeder eine Krankenversicherung haben?
Warum müssen Tote auf den Friedhof? Wie finanzieren sich die Universitäten, wenn sie
Warum sind die deutschen Kühlschränke so klein? doch (meistens) kostenlos sind?
Warum kommen Adidas und Puma aus dem gleichen Ort? Warum haben Deutsche ein Problem,
Warum gibt es in Deutschland gemischte Saunas? stolz auf ihr Land zu sein?

Deutschland
Warum findet das Oktoberfest im September statt? Warum gibt es so viele Brotsorten?
Warum gewinnt immer der FC Bayern? Warum heißen so viele Müller?
Warum gibt es so viele Windräder? Warum haben die Deutschen Angst vor Aktien?
Warum ist an manchen Orten Rauchen „polizeilich Warum sind bestimmte Autokennzeichen verboten?
verboten“? Warum darf der Film Heidi an manchen Feiertagen
Warum gibt es in Deutschland so viele Dialekte? nicht im Kino gezeigt werden?

verstehen
Was ist das Reinheitsgebot? Warum wurde Hitlers Mein Kampf bis 2016 in
Warum ist Deutschland eine Exportnation? Deutschland nicht mehr gedruckt?
Warum leben hier so viele Türken? Warum mischen die Deutschen Saft mit Mineralwasser?
Warum haben nicht überall Geschäfte 24 Stunden auf? Warum geben die Deutschen so viel Geld für ihre
Warum ist Kinderlärm ein juristisches Thema? Haustiere aus?
Warum gibt es im Osten so viele Atheisten? Warum dürfen schon 16-Jährige Wein und Bier trinken?
Warum ist Bayrisch populär, nicht aber Sächsisch? Warum sind Deutschlandfahnen immer nur zu

77 Fragen und Antworten


Warum haben Deutsche Fernweh? Fußballmeisterschaften zu sehen?
Warum haben die Deutschen so viel Angst vor Zugluft? Warum fängt die Schule so früh an?
Warum ist das deutsche Steuerrecht so kompliziert? Warum gibt es so viele Weltmarktführer, die kaum
Warum machen Väter so selten Babypause? einer im Land kennt?
Warum gibt es so viele Retouren? Warum kommt hier die Maus?
Warum sind die Deutschen so direkt? Was ist eine Schrebergartensatzung?
CH sfr 13,00 A · B · E · F · FIN · GR ·

Warum haben die Deutschen, die mit Rucksack Warum schlafen Paare mit getrennten Bettdecken?
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herumlaufen, immer ein Fläschchen Wasser mit sich? Warum gibt es so viele Abkürzungen?
Woher kommt die Faszination für Wanderschuhe Warum ist die Supermarktkasse eine Kampfzone?
und Outdoor-Jacken? Warum trennen die Deutschen so korrekt den Müll?
Deutschland € 7,90

Warum müssen wir uns bei der Stadt anmelden, Warum sind fast alle Fernbusse grün?
wenn wir in eine neue Wohnung einziehen? Warum lieben Deutsche Strategiespiele so sehr?
GB £ 9,50

Warum können Eltern Rolf Zuckowski nicht ignorieren? Warum ist der „Tatort“ so beliebt?
Warum spielen fast alle Schüler Flöte? Warum geben die Deutschen so wenig für
Warum hängt immer der gleiche Janosch-Sonnenschutz Lebensmittel aus?
am Autofenster? Warum gibt es Aldi doppelt?
Warum werden die Lottozahlen im Fernsehen verkündet? Warum ist Deutschen der Datenschutz so wichtig?
Woher kommt die Feuerzangenbowle? Was ist in Bayern so anders als in den anderen
Was ist eine Rabenmutter? Bundesländer?
Warum ist das Internet so langsam? Warum verdienen Frauen 21 Prozent weniger?
Warum wäre Deutschland ohne Berlin reicher? Warum gründen drei Deutsche sofort einen Verein?
Warum wird der Berliner Flughafen nicht fertig? Warum warten Fußgänger konsequent
Warum mischen die Deutschen Fanta mit Cola? an roten Ampeln?
Deutsch perfekt 2 / 2 018 EDITORIAL  3

„Der Jury des International Creative Media Award hat


unser Septemberheft sehr gefallen.“
MITTEL

W
ir mussten nicht lange bitten: In kürzester Zeit schickten
sogar ,  ≈ auch
uns viele Menschen ihre Fragen zu Deutschland. Wer dieses
ber•cksichtigen 
Land wirklich verstehen will, hat nämlich viele Fragen – für
, hier: bei einer Entschei-
uns waren es am Ende sogar zu viele. So konnten wir nur die dung denken an
77 besten Vorschläge berücksichtigen. Aber die sind wirklich spannend. Sie sp„nnend , L langweilig
reichen von „Warum gibt es im Osten so viele Atheisten?“ bis zu Fragen wie
reichen 
„Warum gewinnt immer der FC Bayern?“ und „Warum wäre Deutschland , hier: zum Inhalt haben
ohne Berlin reicher?“. Es wurde eine sehr bunte Sammlung, zu der Barbara s“ch beschæftigen m“t 
Kerbel und Guillaume Horst die Antworten fanden (ab Seite 14). , hier: ≈ studieren;
Vor fünf Monaten haben wir uns mit einem ähnlichen Thema beschäf- ≈ untersuchen
tigt, nämlich mit der gesellschaftlich-historischen Frage „Was ist deutsch?“. die Magazinredaktion, -en 
,  ≈ Team aller Journalisten
Nicht nur wir haben damals so eine Frage gestellt, sondern auch alle ande-
bei einer Zeitschrift
ren Magazinredaktionen in unserem Haus. Auf das gemeinsame Konzept
das Konz¡pt, -e 
und das Design der sechs Titel, die wir hier unten noch einmal zeigen, haben ,  Plan; Idee
nicht nur besonders viele Leser positiv reagiert. Auch Grafik-Experten des
variieren , hier: ≈
International Creative Media Award hat es sehr gefallen: „Die Serie wird verschieden machen
typografisch interessant variiert, denn jede Sprache bekommt eine eigene
der H“ntergrund , hier: ≈
Typografie. Der weiße Hintergrund signalisiert Reinheit und Wahrheit. Basisfarbe des Titelbilds
Außerdem fällt ein weißer Titel am Kiosk mehr auf als ein dunkler“, schrieb die Reinheit 
die Jury, die uns für diese Cover einen Award of Excellence und außerdem , von: rein ≈ moralisch gut;
für das Konzept Silver verlieh. Wir freuen uns sehr! korrekt
auffallen , hier: deutlich
gesehen werden
Viel Freude mit diesem Heft wünscht Ihnen Ihr
verleihen , hier: bei einer
Feier geben
der Ch¡fredakteur, -e
franz.  ,  Leiter von
allen Journalisten bei einer
Zeitung oder Zeitschrift
Jörg Walser
Chefredakteur

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ADESSO

ECOS
9 / 2017 ADESSO

ECOS
9 / 2017

9 9
9 / 2017

— —
9 / 2017

9 9
17 17 —
9 / 2017

— 17
5/2017

17
9

17
VIAGGI Le Marche • L’ITALIA A TAVOLA Pirlo, l’aperitivo dell‘estate • L’ITALIA IN DIRETTA Gli italiani e la Merkel • LINGUA Il discorso indiretto

5

17
SOCIETY What does it mean to be British? • LANGUAGE A week with an English family • TRAVEL Colorado

INTERCULTURAL COMMUNICATION Was ist Amerikanisch?

Identität: Was ist deutsch? • Phonetik: Wie die richtige Aussprache gelingt • Selbstständigkeit: Was Sie wissen müssen • Wie geht es eigentlich dem Berufspolitiker?

IDENTITÉ Was ist französisch? • SOCIÉTÉ Des futurs managers formés à l’armée • VOYAGE Vichy, petite cité thermale rafraîchissante
¿QUÉ ES SER ESPAÑOL? • VIAJES Las islas del Sol y de la Luna en el lago Titicaca• MUNDO HISPANO Ni una menos
Foto: Blende11Fotografen

WAS IST WAS IST WAS IST WAS IST WAS IST WAS IST
BRITISCH AMERIKANISCH ITALIENISCH DEUTSCH SPANISCH FRANZÖSISCH
? ? ? ? ?
Stormy NUESTRA ESENCIA
weather ahead U.S. SPECIAL IDENTITÄT
España en cuatro AMUSANT

?
Is the UK Die Suche der imágenes Paul Taylor, humoriste
breaking apart? A report on a intuition Deutschen nach anglais en France :
divided nation Gli italiani e il fiuto sich selbst CRISIS DE IDENTIDAD
The British at per gli affari. Ser o sentirse « What the fuck France? »
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Britain
The nation SOCIAL MOBILITY schlitzohrigkeit
ARBEITSMARKT
Was Sie wissen DE LA A A LA ZETA
le luxe, et le foie gras
from A to Z Fatta la legge
The end of the müssen, bevor Sie Claves para INSTRUCTIF
05

trovato l’inganno.
American dream? sich selbstständig entender a los
Voitures en feu, bises
4 1 95 378 41 3906

machen españoles
e tu? et crème brûlée…
SPOTLIGHT

Wie italienisch plus de 50 caractéristiques


sind Sie? (S. 36) bien françaises
4  DIE THEMEN DES MONATS Deutsch perfekt 2/  2018

Themen In diesem Heft:


16 Seiten Sprachteil
30 DEBATTE S+
 „Werbung“ für Abtreibung 40 
NEUE WÖRTER M
verhindern? Wie Neologismen ins
Deutsche kommen
58 
GESCHICHTEN AUS M
DER GESCHICHTE 43 
ATLAS DER L
 Vor 60 Jahren: Die erste ALLTAGSSPRACHE
internationale Schule Der Karneval
kommt nach Deutschland
44 
WÖRTER LERNEN L+
60 
WIE DEUTSCHLAND L Im Hallenbad
FUNKTIONIERT
Die Krankenversicherung 45 
ÜBUNGEN ZU DEN LMS
THEMEN DES MONATS
66 
WIE GEHT ES Diese Übungen machen Sie
EIGENTLICH DER ... S fit in Deutsch!
Papierwerbung?
46 
GRAMMATIK S+
Standards Zweiteilige Konnektoren

6 Deutschland-Bild L 48 
DEUTSCH IM BERUF S +
8 Panorama L Diskutieren und
13 Die deutschsprachige L Argumentieren
Welt in Zahlen
29 Mein erstes Jahr L 51 SCHREIBEN / LMS+
62 Kulturtipps M SPRECHEN /
69 Kolumne – S VERSTEHEN
Alias Kosmos Zettel am Schwarzen Brett/
70 Reisetipps L Wohnungssuche/
76 D-A-CH-Menschen M Arbeitsanweisungen
verstehen

40
53 
DEUTSCH IM ALLTAG S +
Die Suffixe -technisch
und -mäßig

54 
RATEN SIE MAL! L M Neue
Rätsel zu den Themen
des Monats
Wörter
Fotos: Twitter; IvinneW, Bill Chizek/iStock.com; Illustration: Daniel Kluge
M
55 
WORTKOMPASS LMS Jeden Tag kommen
Extra-Service im Deutschen
Übersetzungen in Englisch, Neologismen dazu.
Spanisch, Französisch, Sie erzählen viel
Italienisch, Ungarisch, über unsere Zeit

74 Polnisch, Russisch und die Dynamik


einer Sprache.

Twittern bei Terror


L

Warum ist ein Social-Media-Team der Polizei


nicht nur fürs Image gut?
Deutsch perfekt 2 / 2 018 DIE THEMEN DES MONATS  5

Lernen mit
Deutsch-perfekt-Produkten

Deutsch perfekt digital –


mit der Kiosk-App
Die Zeitschrift und den Au-
dio-Trainer zusammen in ei-
ner App – das macht die prakti-
sche Kiosk-App von Deutsch
perfekt möglich. Verbessern
Sie jeden Monat Ihr Deutsch
mit neuen Artikeln und neuen
Hörtexten. Egal, wo Sie sind.
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14 Deutsch perfekt
Audio

Deutschland
Der Trainer für Hörverstehen
und Aussprache,
auf CD oder als Download.

verstehen Achten Sie im Heft auf diese


Symbole: AUDIO und kurz .
Zu diesen Artikeln können
M
Sie Texte und Übungen auf
77 wichtige Fragen zu Deutschland: Die Ant- Deutsch perfekt Audio
worten muss jeder kennen, der die Deutschen hören.
und ihre Kultur wirklich verstehen will.

Deutsch perfekt
Plus
24 Seiten Übungen und Tests
zu Grammatik, Vokabeln und

32 mehr. Achten Sie im Heft


auf diese Symbole: PLUS und
kurz +.
Deutschland, Zu diesen Artikeln finden
Sie nämlich Übungen in
ganz oben Deutsch perfekt Plus.
S+
Die Zugspitze ist nicht nur der höchste deut-
sche Berg und ein Traumziel für viele Touris-
ten. Fast 3000 Meter über dem Meer passiert
auch vieles, was Besucher nicht erwarten. Noch mehr Informationen und Übungen:
www.deutsch-perfekt.com
www.facebook.com/deutschperfekt
L M S
GER:
LEICHT MITTEL SCHWER Gemeinsamer
Texte auf Stufe Texte auf Stufe Texte auf den Stufen europäischer
A2 des GER B1 des GER B2 - C2 des GER Referenzrahmen

m lockere Umgangssprache L Gegenteil von ...


d negativ o langer, betonter Vokal
a Vorsicht, vulgär! ¢ kurzer, betonter Vokal
≈ ungefähr, etwa , ¿er Pluralformen
die Ehe für „lle 
,  Ehe zwischen homosexuellen Partnern
„Seitdem es die Ehe für alle gibt, haben viele
homosexuelle Paare geheiratet.“

Neue Wörter
Sprache lebt: Jeden Tag kommen im Deutschen Neologismen dazu. Ein Großprojekt
sammelt diese Wörter – sie erzählen viel über unsere Zeit. Von Andrea Lacher MITTEL

E
rst am Wochenende hat Annet- Seit 1991 dokumentiert das IDS Wör-
das [nführungszeichen, -  die W„ffe, -n 
te Klosa schon wieder ein neues ter, die neu sind im Deutschen. Jeden ,  zwei kurze Linien, ,  Gerät zum Kämpfen,
Wort gefunden. In der Frankfur- Tag suchen Institutscomputer in Texten mit denen man in der z. B. Pistole
ter Allgemeinen Sonntagszeitung nach Neologismen. Oder Menschen wie geschriebenen Sprache
der F„chbegriff, -e 
z. B. gesprochene Sprache
(FAS) las sie Prepper. Das Wort beschreibt Klosa finden beim Lesen ein neues Wort. ,  Wort aus einem speziel-
markiert („ ... “)
len Sektor, z. B. Medizin
Fotos: picture alliance/M. Kappeler/dpa; Tick-Tock, IvonneW/iStock.com

Menschen, die sich auf das Ende der Welt In ihrem Großprojekt sammeln sie keine „llgemein , hier: bei allen
vorbereiten. „Wenn das Wort in Anfüh- Fachbegriffe oder Jugendsprache, erklärt das D¢tzend 
die Sprachwissenschaftle- ,  zwölf Stück
rungszeichen steht, ist es oft nicht allge- die Wissenschaftlerin. Das Institut inte- rin, -nen 
widerspiegeln , zeigen
mein bekannt“, erzählt die Sprachwis- ressiert sich für Wörter, die die Alltags- ,  Person, die Sprache
senschaftlerin vom Institut für Deutsche sprache ändern. Stand ein Wort mehrere systematisch untersucht

Sprache (IDS) in Mannheim. Das Wort Dutzend Mal in mehreren Zeitungen aus ¢nter Beobachtung stehen 
, hier: beobachtet werden
steht inzwischen unter Beobachtung, wie verschiedenen deutschsprachigen Regio-
auch Breaking News, die Eilnachricht, oder nen, kommt es ins Neologismus-Wörterbuch. (beobachten 
,  genau sehen, was
netzen, ein Tor schießen. Die Prepper wer- Die zurzeit 1881 Wörter in der passiert)
den aber nicht nur sprachlich, sondern Sammlung sind zeitlich geordnet nach
auch vom Staat beobachtet. Wie die FAS 90er-, Nuller- und Zehner-Jahren. Die
berichtet, haben manche Prepper nämlich Sprachgeschichte spiegelt damit auch
nicht nur Konserven, sondern auch Waf- die Geschichte dieser Jahre wider. Die
fen gesammelt. 90er-Jahre sind voll mit Neologismen zu
Deutsch perfekt 2 / 2 018 SPRACHFEATURE  41

das B¢ndesland, ¿er 


Phänomenen wie dem Wossi, einem West- ,  Teil einer föderalisti-
deutschen, der nach dem Ende der Deut- schen Republik
schen Demokratischen Republik aus zu tun haben m“t 
beruflichen Gründen in den Osten zog. , hier: eine Verbindung
haben mit
Oder Neufünfland, die fünf neuen Bun-
desländer. „In den letzten Jahren hat alles, führen zu 
, hier: zum Ergebnis
was mit dem Internet, Social Media und haben
Smartphones zu tun hat, zu vielen Neolo-
das Computerzeitalter
gismen geführt“, berichtet Klosa. Was der engl.  ,  Epoche, in der
deutschen Sprache bei der Beschreibung Computer sehr wichtig sind
des Computerzeitalters fehlte, wurde aus entlehnen aus 
dem Englischen entlehnt: zum Beispiel ,  aus einer anderen
Sprache nehmen
das Notebook. Oder der Smart-TV, ein Fern-
seher, mit dem man auch das Internet be-
die Entspr¡chung, -en 
, hier: Wort mit ähnlicher
der Cobot, -s engl. 
nutzen kann. Oder heißt es das Smart-TV? Bedeutung ,  Roboter, der zusammen mit Menschen
In Zeitungen findet man das Wort mit einfach  an der Herstellung eines Produkts arbeitet
beiden Artikeln. Der Artikel orientiert , hier: ≈ nur „Durch Cobots wird es viele
sich meistens an der deutschen Entspre- s“ch f¡stlegen  Arbeitsplätze bald nicht
chung, erklärt die Wissenschaftlerin. , hier: entscheiden, was mehr geben.“
gültig ist
„Manchmal hat sich die Sprache einfach
noch nicht festgelegt.“ kn„pp ,  fast; nicht ganz
Knapp 600 Wörter des Wörterbuchs st„mmen , sein
stammen zurzeit aus dem Englischen,

die [bleitung, -en 


, von: ableiten = formen
nur 26 aus anderen Sprachen. Insgesamt
aus; eine neue Form ma-
ist aber nur eines von drei neuen Wör- chen aus
tern eine Entlehnung aus einer anderen entstehen 
Sprache. Zwei von drei Neologismen sind , hier: gemacht werden
die M¡rkelraute, -n Bildungen im Deutschen. Jedes Zehnte
  davon ist eine Kurzwortbildung, wie das
entschl•sseln , hier:
verstehen; erkennen
,  ≈ Geste, bei der man mit den Händen
vor dem Bauch ein Parallelogramm E-Auto für Elektro-Auto. Doppelt so viele die Koalitionsverhand-
formt (genannt nach Angela Merkel, die Begriffe sind Ableitungen. Das sind Wör- lung, -en 
sie oft macht) ,  Diskussion von
ter, die durch Vor- oder Nachsilben eine Koalitionsparteien, um
„Auf dem Wahlplakat zeigt neue Bedeutung bekommen, wie Blogger – gemeinsame politische
die Kanzlerin ihre typische jemand, der einen Blog schreibt. Ziele zu vereinbaren
Merkelraute.“ Die meisten der Wörter sind aber scheitern 
,  keinen Erfolg haben
Komposita. Diese entstehen durch die
Kombination bekannter Wörter. Aber s“ch entw“ckeln 
, hier: sich ändern
nicht jedes neue Kompositum ist auch
ein Neologismus. Typisch für einen Neo- einschätzen 
,  ≈ vermuten, wie etwas
logismus ist Kreativität, sagt Klosa. „Ihn ist
kann man nicht sofort durch seine Teile
entschlüsseln.“ Wie zum Beispiel Jamai-
ka-Aus: Wer nicht weiß, dass im Novem-
ber die Christdemokraten (Schwarze),
Liberalen (Gelbe) und Grünen mit ihren
Koalitionsverhandlungen (Jamaika-Koali-
tion) scheiterten, kann dieses Wort nicht
verstehen.
Wie sich die Neologismen entwi-
ckeln, ist schwer einzuschätzen. „Ich bin
42 SPRACHFEATURE Deutsch perfekt 2  /   2018

das Fatbike, -s engl.



,  Fahrrad mit extrem breiten Reifen, mit
dem man nicht nur auf Asphalt fahren kann,
sondern z. B. auch über Gras
gespannt, was mit Jamaika-Aus passiert. „Mit einem Fatbike kann ich
Vielleicht beschreibt es irgendwann ge- durch den Schnee fahren.“
nerell gescheiterte Koalitionsverhand-
lungen“, sagt Wissenschaftlerin Klosa.
Verschwinden wird kaum ein Wort. Auch
wenn etwas technisch oder modisch
nicht mehr aktuell ist, werden die ent-
sprechenden Wörter weiter gebraucht,
um die Vergangenheit zu beschreiben.
Sicher ist, dass die Sprache weiter gesp„nnt 
,  ≈ sehr neugierig
wächst. 2017 sind im Neologismus-Wörter-
buch 32 Wörter dazugekommen. gener¡ll , hier: immer
verschw“nden , hier:
nicht mehr benutzt und
Das Institut für Deutsche Sprache publiziert deshalb vergessen werden
Neologismen mit genauen Erklärungen im Internet:
www.owid.de/wb/neo/start.html. Die Wörter auf der W¶rtschatz 
diesen Seiten sind aus der vor Kurzem publizierten , hier: alle Wörter aus
Liste „Das Neueste im Wortschatz der Zehnerjahre“. einer speziellen Zeit

die Bezahlschranke, -n  der K¶pter, -  m¡rkeln 


,  Funktion auf Websites, durch die man nur alle ,  kleines Fluggerät, das durch Rotoren vertikal in ,  (nach der Art der politischen Aktivität von Angela
Inhalte sehen kann, wenn man dafür bezahlt die Luft startet Merkel) in einer wichtigen Sache erst einmal warten, statt
sofort aktiv zu werden
„Um guten Journalismus auch im Internet „Kopter dürfen nicht in der Nähe von
anbieten zu können, haben immer mehr Flughäfen fliegen.“ „Sie hat lange gewartet, aber jetzt hat sie aufge-
Nachrichtenportale Bezahlschranken.“ hört zu merkeln.“

der Hochfrequenzhandel die Pushnachricht, -en engl.


der/die B“tcoin, -s engl.   ,  ≈ Kauf und Verkauf von Wertpapieren durch extrem
schnelle Computer
  ,  ≈ Information, die meistens automatisch auf das Smart-
phone geschickt wird
,  ≈ Größe im Internetbezahlsystem Bitcoin
(das Wertpapier, -e  „Du kannst dich über Neuigkeiten immer per
„Er ist mit 25 schon durch Bitcoins zum
,  Dokument, das einen vereinbarten Betrag wert ist) Pushnachricht informieren lassen.“
Millionär geworden.“
„Durch den Hochfrequenzhandel konnten sie
einen hohen Profit machen.“ der Social Bot, -s engl. 
der Coworkingspace, -s engl.  ,  Computerprogramm, das simuliert, ein Mensch zu sein,

,  Büro, in dem mehrere Selbstständige arbeiten. Die


der Influencer, - engl. auf Internetplattformen z. B. Kommentare publiziert und
damit einen Effekt auf die Meinung realer Menschen hat
Arbeitsplätze können für Tage, Wochen oder Monate   ,  Person, die durch einen eigenen Social-Media-Kanal so
gemietet werden. bekannt und populär ist, dass sie dort auch für Produkte von „Bei einer Wahl können Social Bots eine große
„Der Coworkingspace kostet Geld, macht aber Firmen Werbung macht Rolle spielen.“
„Viele Influencer sind junge Frauen, die für
auch viele Kontakte möglich.“
andere Menschen wichtige Berater zu den der Spoiler, - engl. 
, hier: Zusammenfassung von allen wichtigen Details der
Themen Mode und Stil sind.“
das Curvy Model, -s engl.  Geschichte eines Films oder Buchs, die anderen das Interes-
se daran kaputt macht; auch: Person, die die Zusammenfas-
,  nicht ganz schlanke Frau, die für Modenschauen
oder als Fotomodell arbeitet die K„chel, -n  sung erzählt und anderen dadurch den Spaß nimmt und das
Interesse kaputt macht
„Sie trägt als Curvy Model Kleidergröße 42.“ , hier: viereckiges Symbol in einer Computergrafik „Vorsicht, Spoiler! Und so endet das Buch …“
„Man klickt die Kachel an, und das Programm
entf¶lgen  startet.“ das autonome Fahren
 ,  selbstständiges Bewegen von Autos im Straßenverkehr
,  ≈ beim Social-Media-Konto einer Person kündigen und
die dort publizierten Neuigkeiten nicht mehr lesen der K“llerroboter, -  ohne Fahrer oder ohne Aktivität eines Fahrers
„Beim autonomen Fahren fährt sich das Auto
„Seine Ex-Freundin hat ihn auf Twitter ,  ≈ Waffe, die autonom Gegner totmachen kann
morgens vom Parkplatz selbst vor die Tür.“
Foto: ivandan/iStock.com

entfolgt.“
(die W„ffe, -n , hier: Gerät zum Schießen)
entfreunden  (der Gegner, -  , hier: ≈ Person(en), gegen die man (im
Krieg) kämpft)
,  eine Freundschaft in einem Internetportal beenden
„Experten beraten darüber, Killerroboter zu
„Ich habe ihn auf Facebook entfreundet.“
verbieten.“
48  DEUTSCH IM BERUF Deutsch perfekt 2  /   2018

„Ich hätte Kaum emotional, schnell zum Thema und direkt:

da einen
Die Deutschen diskutieren und argumentieren
sachlich und ernst, heißt es. Aber auch dabei
gibt es Regeln.
Vorschlag …“ SCHWER  PLUS

Allgemein
Im Berufsleben sind überzeugende Ar- im Konjunktiv II (Ich hätte da einen Vor-
der F„kt, -en  einbringen 
gumente und klare Fakten wichtig für schlag …) und abschwächende Wörter wie ,  Sache, die Wirklichkeit ,  etwas vorschlagen, wo­
ein souveränes Auftreten. Oft wird auch vermutlich, wahrscheinlich oder vielleicht. ist; Tatsache rüber dann diskutiert wird
von Mitarbeitern erwartet, eigene Ideen Typisch sind auch Modalpartikeln, um souverän  „bschwächen 
Illustration: VasjaKoman/iStock.com

in die Firma einzubringen. Wer also auf das Gesagte freundlicher und weicher , hier: ruhig; sicher , hier: freundlicher
machen
Deutsch mitdiskutieren will, muss argu- zu machen. Wem klar ist, dass Wie meinen das Auftreten 
mentieren lernen. Denn die Deutschen Sie das? in deutschen Ohren härter und , hier: Verhaltensformen; kl“ngen 
Art, wie man vor und , hier: wirken; zu hören
sagen zwar direkt, was sie meinen. Aber unhöflicher klingt als Wie meinen Sie das mit anderen Menschen sein
sie verwenden sogenannte Weichmacher denn?, hat in Diskussionen einen Vorteil. kommuniziert
in ihrer Sprache, um höflich zu bleiben. Zu einem guten Diskussionsstil ge-
Das sind zum Beispiel Formulierungen hört aber natürlich auch, zuzuhören und
Deutsch perfekt 2 / 2 018 DEUTSCH IM BERUF  49

⋅⋅
konzentriert beim Thema zu sein. Signalisieren kann man das Anderer Meinung sein
durch Kopfnicken und Wörter wie aha oder mhm. I ch kann Ihre Meinung gut verstehen/nachvollziehen. Aber man

⋅⋅⋅⋅
Natürlich gibt es auch für die Äußerung von Kritik ein paar muss auch berücksichtigen, dass …
Regeln. Denn diese sollte am besten sehr vorsichtig verpackt Ich verstehe, was Sie meinen, aber …

⋅⋅⋅⋅
sein. Sie haben ja keine Ahnung! ist zwar direkt, aber völlig unpro- Da haben Sie schon recht, aber andererseits …
fessionell und beleidigend. Formulierungen wie Wäre es nicht bes- Das würde ich nicht (ganz) so sehen.

⋅⋅⋅⋅
ser, wenn …? oder Könnte es nicht auch so sein, dass … wirken neutral Ist es nicht eher so, dass …?
und geben den anderen die Möglichkeit, neue Argumente für Tut mir leid, da muss ich Ihnen widersprechen.

⋅⋅⋅⋅
ihre Position zu nennen. Das kann ich mir im Moment noch nicht so richtig vorstellen.
Gut ist immer, in der Ich-Form zu sprechen: Ich finde Ihren Ich bezweifle, dass …
Vorschlag nicht ganz so überzeugend ist höflicher als Ihr Vorschlag ist Ich habe da aber etwas anderes gehört/gelesen.
überhaupt nicht überzeugend. Respekt vor anderen Meinungen ist

⋅⋅⋅⋅
wichtig. Und nicht zuletzt: Lassen Sie den Gesprächspartner im- Aktiv an der Diskussion teilnehmen
mer aussprechen. Diese Regeln werden vielleicht nicht immer Zu diesem Punkt möchte ich gern etwas sagen: …

⋅⋅⋅⋅
eingehalten. Aber wer sie bricht, wird meistens deutlich darauf Dazu fällt mir ein: …
hingewiesen: „Darf ich bitte meinen Satz zu Ende sagen? Ich Darf ich (dazu) etwas sagen?
habe Sie auch ausreden lassen.“ Vielleicht wäre es eine gute Idee/Lösung, wenn …

⋅⋅⋅⋅ ⋅⋅⋅⋅
Klar und deutlich argumentieren Erklären und nachfragen
Ich glaube/denke/meine/finde, dass … Lassen Sie mich das (bitte) an einem Beispiel erklären: …

⋅⋅⋅⋅ ⋅⋅⋅⋅
Ich habe / Wir haben Schwierigkeiten bei/mit … Anders gesagt: …
Ich bin der Meinung/Ansicht/Auffassung, dass … Ich versuche, es noch einmal anders zu sagen/erklären: …

⋅⋅⋅⋅ ⋅⋅⋅⋅
Meiner Meinung/Einschätzung nach … Haben Sie Fragen?
Aus meiner Sicht/Perspektive … Habe ich mich verständlich ausgedrückt?

⋅⋅⋅⋅ ⋅⋅⋅⋅
Ich bin überzeugt/sicher, dass … Sie sagten gerade: … Bedeutet das, dass …?
Es besteht kein Zweifel, dass … Verstehe ich das richtig? Sie meinen, dass …?

⋅⋅⋅⋅
Ich habe den Eindruck, dass … Was genau meinen Sie mit …?
Ich nehme an, dass …

⋅⋅⋅⋅
Ich würde sagen, dass …
Soweit ich weiß / informiert bin, …
Wenn ich mich nicht irre, ist es so, dass … Mit diesen Wörtern können Sie zeigen, dass Sie zuhören:
Aha. / Ach so. / Mhm. / Ja.

⋅⋅
Gleicher Meinung sein
Da gebe ich … recht.

So strukturieren Sie Ihre Argumente:


Erstens …, zweitens …, drittens … 
Einerseits …, andererseits …

⋅⋅⋅⋅ Da bin ich völlig Ihrer Meinung.


die Äußerung, -en 
, Aussage
einhalten 
,  sich orientieren an; sich
die S“cht 
, hier: Perspektive

⋅⋅⋅⋅
In diesem Punkt stimme ich mit Ihnen überein. halten an
vœllig  soweit 
Das klingt überzeugend. ,  ganz; komplett br¡chen  ,  nach dem, was

⋅⋅
Genau, das sehe ich auch so. , hier: ändern; ungültig
der Resp¡kt  übereinstimmen 
machen
Das finde ich auch. , hier: Art, wie man ,  dieselbe Meinung haben
anderen Menschen zeigt, ausreden l„ssen 
nachvollziehen 
dass man ihre Meinung ,  zu Ende sprechen lassen
,  sich vorstellen können;
akzeptiert
die Auffassung, -en  verstehen
n“cht zul¡tzt  ,  Vorstellung; Meinung
eher 
, hier: außerdem
die Einschätzung, -en  , hier: ≈ mehr
aussprechen l„ssen  ,  ≈ Vermutung; ≈ Ansicht
,  zu Ende sprechen lassen
50  DEUTSCH IM BERUF Deutsch perfekt 2  /   2018

„Darf ich dazu


etwas sagen?“

1. Was meinen Sie? 2. Ein neues Modell

Wie können Sie jemanden nach seiner Meinung fragen? Ergänzen Sie die Präsentation. Setzen Sie ein!
Formulieren Sie Fragen!
informiert – denke – überzeugt – vorstellen – besteht
1.  ?
(Ihre Meinung – dazu – sein – was) 1. Ich bin , dass das neue Modell
ein Erfolg sein wird.
2.  ? 2. Es kein Zweifel, dass flexible
(du – von meinem Vorschlag – halten – was) Arbeitszeiten die Zufriedenheit der Mitarbeiter stei-
gern werden.
3.  ? 3. Soweit ich bin, haben bereits
(Sie – sein – auch dieser Meinung) über 80 Prozent aller Arbeitnehmer flexible Arbeits-
zeiten.
4.  ? 4. Ich könnte mir auch , dass da-
(was – sagen – du – dazu) durch die Attraktivität für neue Mitarbeiter gesteigert
wird.
5.  ? 5. Ich aber trotzdem, dass wir
(du – das – sehen – wie) dazu noch einen Experten befragen sollten.
Illustration: VasjaKoman/iStock.com

Lösungen:
5. denke 5. Wie siehst du das?
4. vorstellen 4. Was sagst du dazu?
3. informiert 3. Sind Sie auch dieser Meinung?
2. besteht 2. Was hältst du von meinem Vorschlag?
1. überzeugt 1. Was ist Ihre Meinung dazu?
2. 1.
60  WIE DEUTSCHLAND FUNKTIONIERT Deutsch perfekt 2  /   2018

Krankenversicherung
Im Gesundheitssystem gibt es zwei Typen von Krankenkassen – und viele verschiedene Tarife.
Das kann ein bisschen kompliziert sein. Trotzdem: In Deutschland braucht wirklich jeder eine
Krankenversicherung. LEICHT

E
s ist ein kleiner Schock für un- finanzielle Hilfe vom Staat bekommen?
das Ehepaar, -e , Ehefrau für s“ch s¡lbst ver„ntwort-
sere neuen Bekannten im Me- „Es ist jeder für sich selbst verantwort- und Ehemann lich sein  
xiko-Urlaub. Das Ehepaar aus lich, wieso sollen wir für andere zahlen?“, ,  ≈ sich selbst um seine
die Pfl“chtversicherung,
den USA hat meinem Mann fragt uns der US-Amerikaner. Es ist klar, Probleme kümmern
-en ,  Versicherung: Man
und mir gerade erzählt, wie absurd sie die dass er unsere Zustimmung will. Als er muss sie haben. wieso , warum
Foto: Neustockimages/iStock.com

Pflichtversicherung von Barack Obama sie nicht sofort bekommt, ist er verwirrt. (die Pfl“cht ,  ≈ etwas: die Zust“mmung, -en 
finden. Die beiden verstehen das nicht: Deshalb fragt er: „Wie ist das bei euch in Man muss es tun oder , von: zustimmen = hier:
haben.) sagen, dass man die gleiche
Plötzlich kann fast jeder zum Arzt oder Deutschland?“ Mein Mann und ich müs- Meinung hat
der Staat, -en  
ins Krankenhaus gehen – und eine Ver- sen ein bisschen lachen. „Wir haben seit
,  Land; Nation; hier: verw“rrt 
sicherung zahlt die Rechnung? Auch über 100 Jahren eine Pflicht zur Kranken- soziales Hilfssystem von ,  ≈ unsicher
bei Leuten, die wenig verdienen oder versicherung. Damit hat schon der alte einem Land
Deutsch perfekt 2 / 2 018 WIE DEUTSCHLAND FUNKTIONIERT  61

der Reichskanzler, -  zusätzlich 


Reichskanzler Otto von Bismarck ange- circa 56 Millionen Mitglieder, die jeden ,  Chef der Regierung in , hier: noch dazu
fangen“, erkläre ich. „Deshalb gibt es bei Monat zahlen. Deutschland (1871 - 1945)
der Zusatzbeitrag, ¿e 
uns auch keine größeren Diskussionen.“ Alle gesetzlichen Krankenkassen müs- das Ges¡tz, -e  ,  Betrag: Man zahlt ihn
Um es noch deutlicher zu sagen: sen Basisleistungen garantieren. Außer- ,  schriftliche Norm: Die jeden Monat zum Basisbe-
Regierung macht sie und trag dazu.
Deutschland hat das älteste soziale Kran- dem können sie zusätzliche Leistungen alle müssen sich daran
kenversicherungssystem der Welt. Das anbieten. Fast alle Krankenkassen kosten das ]xtra, -s 
orientieren.
, hier: z. B. spezielle
erste konkrete Gesetz hat Bismarck schon deshalb ein bisschen mehr: Sie nehmen g¡lten  Therapieform
am 15. Juni 1883 formuliert. So mussten einen Zusatzbeitrag von aktuell bis zu , hier: die Norm sein
die Entscheidung, -en 
sich Arbeiter, die pro Jahr weniger als 1,7 Prozent. Diesen zahlen Arbeitnehmer stændig  , von: entscheiden = hier:
2000 Mark verdienten, krankenversi- alleine. Manchmal ist eine etwas teurere ,  immer; dauernd zwischen verschiedenen
Krankenkassen die beste
chern. Zu der Zeit verdiente ein typischer Krankenkasse, die mehr Extras anbietet, der Wohnsitz, -e 
für sich wählen
Arbeiter pro Jahr circa 600 Mark. Danach die bessere Entscheidung. Generell zah- ,  Ort: Dort lebt man.
gener¡ll 
hat es verschiedene Reformen gegeben. len gesetzliche Krankenkassen nämlich der B•rger, - 
, hier: eigentlich
, hier: Einwohner
Schnell war die Pflicht auch für andere Be- nach dem Minimalprinzip: Ihre Mitglie-
der Beh„ndlungserfolg, -e 
rufsgruppen, arbeitslose Personen, nicht- der sollen den Behandlungserfolg mit das M“tglied, -er 
,  positives Resultat nach
,  ≈ Person: Sie ist bei einer
arbeitende Ehepartner und Kinder da. der günstigen Methode bekommen. Will einer ärztlichen Therapie
Organisation.
Heute gilt: Jede Person mit ständigem der Patient zum Beispiel beim Zahnarzt die F•llung, -en 
der [rbeitnehmer, - 
Wohnsitz in Deutschland muss eine keine einfache Füllung, sondern eine aus ,  Menge von einer speziel-
,  Person: Sie arbeitet mit
len Substanz: Der Zahnarzt
Krankenversicherung haben. Auch wenn Keramik, wird es teuer für ihn. Arbeitsvertrag für eine
macht sie in einen Zahn, um
Firma.
sie keinen deutschen Pass hat. Es gibt Das ist in der privaten Versicherung ihn zu reparieren.
zwei Varianten: die Versiche- anders: Es gibt viele verschie- best“mmte (-r/-s) 
n“chts zu tun haben m“t … 
, hier: so, dass es dazu
rung bei der privaten oder der Deutschland dene Tarife. Deshalb ist es sehr eine Norm gibt
, hier: nicht wichtig sein,
wie … ist
gesetzlichen Krankenkasse. hat das älteste unterschiedlich, was die Versi- liegt bei … 
relativ 
90 Prozent der Bürger in soziale Kran- cherung zahlt. Außerdem hat , hier: ist nicht höher als …
,  ziemlich
Deutschland sind Mitglied in kenversiche- der Beitrag nichts mit dem br¢tto 
der Freiberufler, - 
der gesetzlichen Krankenver- rungssystem Bruttolohn zu tun: Wichtig ,  so, dass Steuern und
,  Person: Sie arbeitet
sicherung (GKV). Das sind der Welt. für die Summe ist das indivi- Kosten vom Lohn noch
nicht weggerechnet sind
selbstständig und bietet
mehr als 72 Millionen Men- duelle Risiko, die persönliche einen Service an (z. B. Arzt,
(w¡grechnen  Journalist ...).
schen. Denn alle Arbeitnehmer mit ei- Gesundheit und das Alter. Ist der Versi-
,  nach einer Kalkulation
nem Jahreslohn unter einer bestimmten cherte jung und gesund, kostet die private der Be„mte, -n 
wegnehmen)
,  Person: Sie arbeitet in
Grenze müssen Mitglied der GKV sein. Krankenversicherung (PKV) noch relativ einheitlich  einer offiziellen Institution.
Die Grenze ändert sich jedes Jahr. Aktuell wenig. Kranke und alte Menschen zahlen ,  ohne Unterschiede; für
„bschließen 
liegt sie bei 59 400 Euro brutto. aber viel. In die PKV dürfen nur spezielle alle gleich
, hier: einen Vertrag
Auch wenn man von „der“ gesetzlichen Personengruppen: Selbstständige, Frei- ¢nabhängig  unterschreiben
, hier: so, dass sie z. B.
Krankenversicherung spricht – sie ist berufler, Beamte und Studenten. Auch übrigens 
nicht Teil von einer Firma
nicht einheitlich. Es gibt viele unabhän- Angestellte, die mehr als 59 400 Euro , hier: ≈ Hier kommt noch
oder von einer anderen
eine Information.
gige Krankenkassen mit verschiedenen brutto im Jahr verdienen, können Mit- Krankenkasse sind
Profilen, zwischen denen jeder wählen glied werden. Hier gibt es keine Famili- das Profil, -e 
kann. Es ist auch sehr leicht möglich, die enversicherung, Ehepartner und Kinder , hier: ≈ Aufgabensektor,
z. B. gut für technische
Krankenkasse zu wechseln. Der Basista- müssen selbst versichert sein. Und für die Berufe oder Bezahlung
rif für die GKV liegt bei 14,6 Prozent des meisten Menschen gilt: Wer einmal von spezieller Therapien
Bruttomonatslohns. Bei Angestellten der GKV in die PKV wechselt, kann später die Hælfte, -n 
zahlt der Arbeitgeber die Hälfte davon. Es nur schwer zurück in die GKV wechseln. ,  50 Prozent

gibt aber auch hier eine Grenze, die sich Gesetzlich Versicherte können bei die Basisleistung, -en 
jedes Jahr ändert: Verdient eine Person der privaten Krankenversicherung Zu- , hier: Therapieformen
oder Medikamente: Sie
aktuell mehr als 4425 Euro brutto im Mo- satzversicherungen abschließen – zum werden auf jeden Fall
nat (das sind 53 100 Euro brutto im Jahr), Beispiel für ihre Zähne. Diese waren Bis- bezahlt.
muss sie für die darüber liegende Summe marck übrigens nicht wichtig: Bei seiner
nichts mehr zahlen. Nichtarbeitende Ehe- ersten Pflichtversicherung war der Be-
partner und Kinder eines Versicherten such beim Zahnarzt nicht inklusive. Aber
sind außerdem kostenlos mitversichert. der war auch nicht sehr populär, denn
Aktuell gibt es circa 16 Millionen Versi- eine gute Anästhesie für den Mund hat
cherte, die nichts zahlen müssen – und es 1883 noch nicht gegeben. Claudia May
66 BLINDTEXT Deutsch perfekt X  /   2017

WIE GEHT ES EIGENTLICH DER …

Papierwerbung?
Fotos: Miha Pater/iStock.com; Uncleaux/Shutterstock.com

Mindestens zwölf gedruckte Prospekte erreichen einen deutschen Haushalt pro Woche.
Sie sind noch immer das beliebteste Werbemedium des deutschen Handels.
Warum eigentlich?
SCHWER
Deutsch perfekt 2 / 2 018 WIE GEHT ES EIGENTLICH ...?  67

I
H¡rr sein über …  H„tte ¡s geheißen. 
ngo Wienand ist Herr über 140 Mil- vor einigen Jahren dachten Handelsex- , m hier: ≈ bestimmen, ,  ≈ So war die Prognose.
lionen Prospekte, jede Woche. Das perten, dass die Ära der lapprigen Hand- was mit … passiert
So weit, so f„lsch. 
sind 600 Millionen Prospekte im zettel bald endet. In Zukunft sollten gest„lten  , m gemeint ist hier: In
Monat und 7,2 Milliarden pro Jahr. die Kunden die Sonderangebote vom , hier: mit Bildern und Text der Gegenwart zeigt sich,
ein Design machen dass die Prognose ganz
Er gestaltet sie nicht, er druckt sie nicht, örtlichen Supermarkt bequem per App falsch war.
und er fährt sie auch nicht persönlich aus. aufs Smartphone geschickt bekommen. ausfahren 
, hier: zu verschiedenen zulegen 
Wienand kümmert sich aber mit seiner Und Werbeflyer? Die sollten höchstens Personen zum Haus liefern , m hier: mehr werden;
Firma darum, dass die Werbeprospekte noch in digitaler Form existieren, zu be- zunehmen
l„nden 
da landen, wo sie hinsollen: In den Brief- kommen entweder auf den Seiten der , hier: m an einen bew¶rben 
kästen der 40 Millionen deutschen Privat- jeweiligen Firma oder auf neuen Inter- speziellen Ort gebracht ,  so, dass man für etwas
werden Werbung macht
haushalte. Direkt im Briefkasten, das ist netportalen wie Kaufda oder Marktguru.
seinen Auftraggebern wichtig. Hatte es geheißen. So weit, so falsch. Zwar h“nsollen  Gleiches B“ld … 
, m hier: an einen ,  gemeint ist hier: Das
Wienand ist der Chef von Media Cen- legt das Online-Geschäft zu, verglichen speziellen Ort kommen Gleiche zeigt sich …
tral in Mönchengladbach, einem der füh- mit den Printprospekten sind die Zahlen die Fr“schetheke, -n 
führend 
renden Spezialisten für die „nichtadres- aber niedrig. Für den deutschen Handel , hier: mit der längsten ,  ≈ Bereich in einem
sierte Haushaltswerbung“. Damit sind ist der gedruckte Prospekt noch immer Erfahrung und den meisten Geschäft, wo frisches
Aufträgen Fleisch, Wurst oder Käse
die Prospekte und Anzeigen das Werbemedium Num- verkauft wird
gemeint, die den privaten mer eins – und das hat gute fluten 

Briefkasten fluten, wenn


Eigentlich ,  mit Wasser voll machen; ausmachen 

man nicht gerade das Schild


dürfte es das Gründe. Ein paar Zahlen:
Media-Markt macht regel-
hier: in großer Zahl hi­
neintun
, hier: betragen

„Bitte keine Werbung ein-


Geschäft mit mäßig bis zu 50 Prozent des „npassen 
den Werbe­ „nvertrauen 
, hier: jemandem geben,
, hier: so ändern, dass
man die Sonderangebote
werfen“ darauf kleben hat.
zetteln gar nicht Umsatzes mit im Prospekt zu dem man großes Vertrau­ kaufen kann
Wienand hat Kunden wie
mehr geben. beworbenen Waren. Glei- en hat, weil man weiß, dass
die Discounterkette, -n
Edeka, Rossmann, McDo- ches Bild an der Frischethe- er große Erfahrung hat und
engl. 
nald’s und Kaufland. Sie alle ke von Supermärkten: Bis gut arbeitet
,  Firma mit vielen Dis­
haben ihm ihr Prospektgeschäft oder Tei- zu 70 Prozent des Umsatzes macht dort der }msatz, ¿e  countern an verschiedenen
,  Summe aller Verkäufe in Orten
le davon anvertraut. Die Marketing-Ver- Printprospekt-Angebotsware aus. Sehr
einer speziellen Zeit
antwortlichen sagen ihm, wann ihre viele deutsche Haushalte passen ihren
die W¡rbeagentur, -en 
Werbezettel wo landen sollen. Wienands wöchentlichen Speiseplan noch immer ,  Firma, die für andere
Firma sorgt mit modernen Computerpro- den Sonderangeboten im Supermarkt Firmen die Werbung macht
grammen und Analysemethoden dafür, an. Der Prospekt und die Preise darin k¶mmen auf 
dass genug Werbezettel dort ankommen, können extrem wichtig sein: Wer das , hier: ≈ machen
wo sie ankommen sollen. Sein PC sagt Lenor-Waschmittel 20 Cent zu teuer die Konkurr¡nz, -en 
ihm, wer wo wohnt und wie er dort am anbietet, kann schon mal einen Großteil , hier: Geschäfte/Firmen,
die das Gleiche anbieten
besten hinkommt. 170 Mitarbeiter be- seiner wöchentlichen Kunden verlieren.
schäftigt Media Central, für 2016 nennt Viele Firmen haben Beschwerdestellen, der Verlag, -e 
,  Firma, die Zeitschriften,
Wienand einen Umsatz von mehr als 225 bei denen man anrufen kann, wenn der Zeitungen oder Bücher
Millionen Euro. Nur mal zum Vergleich: Prospekt nicht ankommt. Angeblicher herstellt
Philipp und Keuntje, eine Werbeagentur Rekord 2016 bei einer Discounterkette: florieren 
von ähnlicher Größe, kommt dagegen 6000 Anrufe in sieben Tagen. ,  Erfolg haben und deshalb
gut funktionieren
„nur“ auf 21 Millionen Euro Umsatz. Der deutsche Handel ohne seine
Die Konkurrenz von Media Central ist Prospekte, das wäre im Moment unvor- l„pprig 
, m ≈ weich und dünn
nicht groß. Es gibt auf dem Markt weitere stellbar. Es stimmt also nicht, dass jeder
der H„ndzettel, - 
Spezialfirmen wie Prospega und Sommer Bürger die Werbezettel im Briefkasten
,  Zettel mit Informationen,
& Goßmann, außerdem machen Media­ wegwirft, ohne sie sich anzusehen. Im den man kostenlos in großer
agenturen, die Deutsche Post und Verlage Gegenteil. Das Prospektgeschäft läuft Menge vielen Menschen
gibt
bei dem Geschäft mit. Viele Firmen, zum so gut, weil die Kunden weiter daran
Beispiel Lidl, kümmern sich aber auch glauben. Das Einkaufsverhalten der digital 
, hier: ≈ so, dass man
selbst um ihre Prospekte. Deutschen hat sich anders und sehr viel etwas mit Computern lesen
Das Geschäft mit den Werbezetteln langsamer geändert als viele Experten kann
floriert. Und das ist nicht selbstverständ- dachten: Wirklich nicht jeder rennt mit jeweilig 
Eine Übung zu diesem
lich, denn eigentlich dürfte es dieses dem Smartphone in der Hand durch den , hier: der Firma, die wirbt
Text finden Sie auf
Geschäft gar nicht mehr geben. Noch Supermarkt oder durchs Möbelgeschäft. Seite 45.
68  WIE GEHT ES EIGENTLICH ...? Deutsch perfekt 2  /   2018

Dies ist eine einfachere Version eines Texts aus


der Süddeutschen Zeitung.

preisorientiert  das B„llungsgebiet, -e 


Vor allem Familien und Ältere kaufen also jene Haushalte, die „Bitte keine Wer- , hier: so, dass man mög­ ,  Region, in der sehr viele
ein wie früher. Und das tun sie vor allem bung einwerfen“ auf ihren Briefkästen lichst günstig einkauft Menschen leben
preisorientiert. kleben haben. Sie liegt in Deutschland die Herausforderung, -en  beilegen 
Herausforderungen aber gibt es genug im Durchschnitt bei 20 Prozent. In Bal- ,  ≈ schwierige Aufgabe , hineinlegen

für die Branche. „Man muss die Prospek- lungsgebieten kleben sogar 40 Prozent das Zeitalter, -  “n Folie geschweißt 
te in ein neues Zeitalter hineinführen“, einen Hinweis auf den Briefkasten. In ,  ≈ Epoche; ≈ Zeit ,  ≈ fest in dünnes Plastik
verpackt
sagt zum Beispiel Alexander Ewig, Mar- solchen Gebieten legen die Händler ihre der/die W¡rbungtreiben-
de, -n  der Prosp¡ktsammelpack,
ketingchef von Media-Markt. Die Me- Werbung dann lieber Anzeigenblättern
,  ≈ Firma, die Werbung -e/-s 
dia-Saturn-Holding, zu der Media-Markt bei oder überlegen sich Alternativen. macht ,  mehrere Prospekte
gehört, gibt pro Jahr um die 400 Millio- Die größte heißt „Einkauf Aktuell“, zusammen
befragen 
nen Euro für Werbung aus. Sie ist damit der in Folie geschweißte Prospektsam- ,  eine Umfrage machen der Einleger, - 
der drittgrößte Werbungtreibende in melpack der Deutschen Post, die 20 Mil- , hier: Extra-Prospekt
der }msatzeinbruch, ¿e 
Deutschland. Einen sehr großen Teil des lionen Haushalte damit beliefert. Viele ,  (plötzliches) starkes die S¡lbstdarstellung, -en 
Sinken des Umsatzes , hier: ≈ Präsentation des
Geldes gibt sie für Prospekte aus. Ewig Werbe­chefs mögen „Einkauf Aktuell“
Warenangebots einer Firma
hat seine Kunden befragen nicht: An erster Stelle steht s“ch ¢mhören 
,  sich informieren der Austräger, - 
lassen. Das Ergebnis: Sie
wollen die Handzettel abso-
Die Prospekte das Fernsehprogramm, der
letzte Einleger ist immer vorgeben 
,  Person, die Zeitungen
und Prospekte bringt
lut behalten. 2011 hatte die
sollen besser von Real. Wenig Platz also , hier: ein Beispiel geben

Kette sogar eine kurze Zeit


werden: Außer für die Selbstdarstellung der der Möbelkonzern, -e 
schlau 
,  ≈ intelligent

mal versucht, ohne Print-


Sonderange­ ,  Gruppe von Firmen, die

prospekte zu werben. Ewig


boten bringen anderen. Seit der Mindest-
lohn allerdings die Situation
Möbel herstellen der Verbraucher, - 
,  Person, die Waren kauft
viele Händler der Mehrwert, -e 
und benutzt
will den dadurch entstande-
darin jetzt auch für Austräger und die Be- , hier: etwas, das ein Ar­
gument für den Kauf eines der Zusatz, ¿e 
nen Umsatzeinbruch nicht dingungen für die Branche
Service wie Produkts sein kann , hier: ≈ Extraaussage;
genauer nennen, aber er war Kochrezepte. insgesamt verkompliziert ≈ Extrasatz
das Vorbild, -er 
offenbar mehr als groß. hat, wählen mehr Firmen als , hier: ideales Beispiel, an der [nteil, -e 
Statt sich also mögliche früher diesen Kanal. dem man sich orientiert , hier: Menge
Alternativen für den Prospekt zu über- Rechtlich gesehen dürften die Austrä- die Konting¡ntabspra- der [ngreifer, - 
legen, verbessern ihn die Händler lieber. ger bei dem Schild „Bitte keine Werbung“ che, -n  , hier: Firma, die beste­
,  Vereinbarung über eine henden Firmen Kunden
Aktuell schauen viele in der Branche auf übrigens zwar keine einzelnen Werbe-
bestimmte Menge wegnehmen will
das Beispiel Ikea. Hört man sich im Han- prospekte einwerfen, dafür aber Anzei-
die [bnahmezahl, -en  profitieren v¶n 
del um, gibt der schwedische Möbelkon- genblätter mit eingelegten Prospekten. ,  ≈ Menge, die gekauft ,  Vorteile haben
zern mit seinem Ikea-Katalog vor, wie Wer ganz schlau ist als Verbraucher, der werden muss
die Zukunftsmusik 
der Prospekt der Zukunft im besten Fall hat also auch noch den Zusatz „Und keine einsetzen  ,  etwas, das vielleicht in
aussehen sollte: Echte Menschen und de­­ Anzeigenblätter“ darauf stehen. , hier: ≈ drucken Zukunft realisiert werden
wird
ren Geschichten sollen zu sehen sein und Noch funktioniert der analoge Markt der M„rkenartikler, - 
andere Mehrwerte. Das Vorbild scheint mit den Werbeprospekten gut. Das Han- , hier: Hersteller von
Markenartikeln
zu wirken. Selbst Aldi und Lidl, die tradi- delsinstitut EHI glaubt aber, dass der An-
tionell stark preisorientiert werben, er- teil von Prospekten am Gesamtwerbe- der W¡rbeverweigerer, - 
,  gemeint ist hier: Person
gänzen ihre Werbezettel inzwischen um budget des Handels in diesem Jahr von oder Haushalt, der keine
Kochrezepte und Ernährungstipps. 40 im letzten auf 31 Prozent fallen wird. Werbung haben möchte
Wie genau die Preise im Prospekt ent- Das ist immer noch viel, denkt man zum
stehen, darüber sagt die Branche nichts. Beispiel daran, dass Fernsehwerbung bei
Normalerweise gibt es wohl Kontingent­ großen Firmen manchmal weniger als
absprachen. Beispiel: Ein Markenherstel- zehn Prozent des Budgets ausmacht.
ler vereinbart mit dem Supermarkt Ab- Wenn die Prognosen stimmen, könn-
nahmezahlen in einer bestimmten Höhe. ten die jungen Angreifer davon profitie-
Die Händler setzen das dann, so wie sie es ren: die Bonial-Gruppe zum Beispiel, zu
sich vorstellen, im Prospekt ein. Es heißt, der Kaufda.de und Meinprospekt.de ge-
die großen Markenartikler würden aber hören, oder die neue App Marktguru. Zu-
schon darauf achten, dass ihre Produkte kunftsmusik, auf die Media-Central-Chef
nicht viel zu billig angeboten werden. Ingo Wienand zwar hören, aber wegen
Es gibt ein Problem für die Prospekt- der er sich noch keine großen Sorgen ma-
macher: die Quote der Werbeverweigerer, chen muss. Daniela Strasser

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