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Lehrbuch des

Ingenieurholzbaus
Von Professor Dr.-lng. Helmuth Neuhaus,
Fachhochschule Münster

Mit 213 Bildern und 221 Tafeln

extras.springer.com

Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH 1994


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Die Deutsche Bibliothek- CIP-Einheitsaufnahme

Neuhaus. Helmuth:
Lehrbuch des Ingenieurholzbaus I von Helmuth Neu haus.

ISBN 978-3-322-96715-2 ISBN 978-3-322-96714-5 (eBook)


DOI 10.1007/978-3-322-96714-5

Das Werk einschließlich seiner Teile ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung
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Verlages unzulässig und strafbar. Das gilt besonders für Vervielfältigungen, Über-
setzungen, Mikroverfilmungen und die Einspeicherung und Verarbeitung in elektroni-
schen Systemen.
© Springer Fachmedien Wiesbaden 1994
Ursprünglich erschienen bei B. G. Teubner Stuttgart 1994
Softcover reprint of the hardcover 1st edition 1994
Gesamtherstellung: Passavia Druckerei GmbH Passau
Einbandgestaltung: Peter Pfitz,
Vorwort

Dieses Lehrbuch richtet sich an Studentinnen und Studenten des Bauingenieurwesens


und der Architektur an Technischen Hochschulen, Universitäten und Fachhochschulen
sowie an., praktisch tätige Bauingenieurinnen und Bauingenieure, Architektinnen und
Architekten. Die Darstellung setzt voraus, daß der Benutzer mit der "Statik der Stab-
tragwerke" und der "Festigkeitslehre" bzw. der "Tragwerkslehre" vertraut ist.
Das Buch war ursprünglich als Gemeinschaftswerk mit Prof. Dr.-lng. Elmar Krabbe,
Fachhochschulen Münster und Recklinghausen, Ruhr-Universität Bochum und RWTH
Aachen, meinem leider viel zu früh verstorbenen Hochschullehrer, geplant, dessen Vor-
lesungen und Arbeiten für diese lehrbuchmäßige Darstellung wegweisend wurden.
Hervorgegangen ist das Buch aus eigenen Vorlesungen und Übungen an der Ruhr-
Universität Bochum und der Fachhochschule Münster.
Auf der Grundlage der DIN 1052, Teil 1 und Teil 2 (April 1988), und der zugehörenden
Erläuterungen behandelt dieses Buch in verständlicher und überwiegend einfacher
Form wesentliche Gebiete des lngenieurholzbaus. Die einleitenden Abschnitte vermit-
teln ausführlich die physikalischen und technologischen Grundlagen. Der Hauptteil des
Buches ist der Bemessung und Konstruktion tragender und aussteifender Bauteile aus
Holz und Holzwerkstoffen gewidmet. Zahlreiche Konstruktions-, Berechnungs- und Be-
messungsbeispiele vertiefen die erworbenen Kenntnisse und Fertigkeiten und zeigen
dem Benutzer im Studium und in der Praxis die Anwendung der Bemessungsregeln
und die Ausführung der Holzbaukonstruktionen.
Der Umfang dieses einführenden und weiterführenden Lehrbuches erlegte dem Verfas-
ser Beschränkungen bei der Auswahl und Darbietung des Stoffes auf. Darum konnten
die Teilgebiete "Holzhäuser in Tafelbauart" (DIN 1052, Teil 3), "Holzbrücken" (DIN
1074), "Holzgerüste und -Schalungen" sowie "Holzmastenbau" nicht mitbehandelt
werden.
Die Konzeption dieses Buches wurde nach Erscheinen der DIN 1052 (April1988) festge-
legt, als die Harmonisierung der europäischen (Holzbau-)Normen noch nicht der der-
zeitigen Eigendynamik unterlag. Aus Gründen der Klarheit und notwendigen Trennung
wurde darauf verzichtet, die neuen Bemessungskonzepte der Eurocodes auch nur teil-
weise in die Darstellung einzubinden. Der Eurocode 5 "Holzbau", der bereits fertigge-
stellt ist, wird in absehbarer Zeit parallel zur DIN 1052 und zu anderen nationalen (Holz-
bau-)Normen bauaufsichtlich eingeführt werden. Dieses Lehrbuch kann während der
voraussichtlich größeren Zeitspanne bis zur alleinigen Gültigkeit des Eurocode 5 und in
der Zeit danach -für dann ältere statische Berechnungen -als anwendungsbezogene
Darstellung mit der Terminologie der DIN 1052 für das Studium und die Praxis des
Ingenieurs und Architekten genutzt werden.
Dem Verlag B.G. Teubner, Herrn Heinrich Krämer als Geschäftsführer und seinen Mitar-
beitern, gilt mein besonderer Dank für die stets vorbildliche Zusammenarbeit und aus-
gezeichnete Gestaltung dieses Buches; meinem Freund Prof. Dr.-lng. Wolfgang Krings,
Fachhochschule Köln, danke ich ebenso für die kritische Durchsicht einiger Abschnitte
dieses Buches; meiner Familie danke ich besonders herzlich für viel Geduld und Ver-
ständnis während der Bearbeitungszeit dieses Buches.

.'Jiünster, im Sommer 1994 Helmuth Neuhaus


Inhalt

Formelzeichen ................................................ 9

Einleitung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 12

1 Der Baustoff "Holz" . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 13


1.1 Aufbau des Holzes . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 13
1.2 Anisotropie des Holzes . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 15
1.3 Rohdichte des Holzes . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 16
1.4 Jahrringbreite . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 18
1.5 Holzfeuchtigkeit . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 18
1.5.1 Bestimmen der Holzfeuchtigkeit (Meßverfahren) . . . . . . . . . . . . 20
1.5.2 Verteilung und Änderung der Holzfeuchtigkeit . . . . . . . . . . . . . 21
1.5.3 Quellen und Schwinden. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 22
1.5.4 Kenngrößen des Quellensund Schwindens . . . . . . . . . . . . . . . 23
1.5.5 Formänderungen des Holzes infolge Quellensund Schwindens . 24
1.5.6 Rißbildungen im Holz infolge Holzfeuchtigkeitsänderungen . . . . 25
1.5.7 Unbedenkliche Rißtiefen bei Trocken- oder Schwindrissen . . . . . 26
1.5.8 Einbaufeuchtigkeit und Tro"cknung von Holz . . . . . . . . . . . . . . . 29
1.6 Wärmedehnung, Wärmeleitfähigkeit und Wasserdampfdiffusion . . . . . 30
1.7 Resistenz und Widerstandsfähigkeit gegenüber Chemikalien . . . . . . . . 32
1.8 Elastizität des Holzes . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 34
1.8.1 Elastizitätsgesetze (anisotrop, rhombisch-anisotrop, isotrop . . . . 35
1.8.2 Elastizitäts-, Schub- und Torsionsmoduln von Hölzern . . . . . . . . 37
1.9 Kriechen von Holz . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 40
1.10 Festigkeit von Holz . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 42
1.10.1 Einfluß des Winkels a zwischen Kraft- und Faserrichtung
auf die Festigkeiten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 45
1.10.2 Einfluß der Holzfeuchtigkeit, Ästigkeit und Rohdichte
auf die Festigkeiten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 46
1.10.3 Einfluß der Belastungsdauer auf die Festigkeiten
(Dauerfestigkeit) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 47
1.10.4 Einfluß der Holztemperatur und Probengröße
auf die Festigkeiten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 48
1.10.5 Festlegen zulässiger Spannungen, Sicherheitskonzept....... 49
1.10.6 Reißlänge . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 50

2 Holzwerkstoffe . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 52
2.1 Aufbau und Herstellung von Holzwerkstoffen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 53
2.2 Anisotropie von Holzwerkstoffen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 56
2.3 Rohdichte von Holzwerkstoffen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 56
2.4 Quellen und Schwinden, Wärmedehnung, Wärmeleitfähigkeit und
Wasserdampfdiffusion von Holzwerkstoffen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 57
2.5 Elastizität von Holzwerkstoffen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 59
2.6 Kriechen von Holzwerkstoffen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 62
2.7 Festigkeiten von Holzwerkstoffen ........................... : . 64
2.8 Klassen, Anwendungsbereich und Plattentypen von Holzwerkstoffen . . . 68
Inhalt 5

3 Bauholz . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 71
3.1 Vollholz (VH) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 71
3.2 Sortiermerkmale und -klassen (Güteklassen) für Nadelschnittholz . . . . . 74
3.3 Brettschichtholz (BSH) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 78
3.4 Vollwandträger mit I- oder Kastenquerschnitt . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 81

4 Brandverhalten von Holz und Holzwerkstoffen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 84


4.1 Baustoffklassen von Holz und Holzwerkstoffen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 85
4.2 Feuerwiderstandsklassen von Bauteilen aus Holz und Holzwerkstoffen . 86
4.3 Holzbauteile der Feuerwiderstandsklassen F30-B und F60-B . . . . . . . . . 87

5 Holzschutz . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 92
5.1 Baulicher (konstruktiver) Holzschutz . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 92
5.2 Chemischer Holzschutz . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 94
5.3 Oberflächenbehandlung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 98
5.4 Bekämpfungsmaßnahmen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 98

6 Leimverbindungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . ............ . . . . . . . . . . . . 99
6.1 Herstellen tragender Leimverbindungen im Holzleimbau . . . . . . . . . . . . 100
6.2 Schäftung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . ............ . . . . . . . . . . . . 102
6.3 Keilzinkung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . ............ . . . . . . . . . . . . 103

7 Mechanische Verbindungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 105


7.1 Anordnung mechanischer Verbindungsmittel . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 106
7.2 Zulässige Erhöhungen und erforderliche Ermäßigungen
der zulässigen Belastungen mechanischer Verbindungsmittel . . . . . . . 107
7.3 Dübelverbindungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 108
7 .3.1 Rechteckige Dübel . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 110
7.3.2 Dübel besonderer Bauart . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 111
7.3.3 Hirnholz-Dübelverbindungen bei Brettschichtholz . . . . . . . . . . . 120
7.4 Stabdübel-, Paßbolzen-und Bolzenverbindungen . . . . . . . . . . . . . . . . 122
7.5 Nagelverbindungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 128
7.5.1 Beanspruchung rechtwinklig zur Nagellängsachse (Abscheren) . 130
7.5.2 Beanspruchung in Richtung der Nagellängsachse (Herausziehen) 138
7.5.3 Kombinierte Nagelbeanspruchung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 139
7.6 Nagelverbindungen mit Stahlteilen und Stahlblechen . . . . . . . . . . . . . 140
7.7 Nagelplattenverbindungen. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 143
7.8 Holzschraubenverbindungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 147
7.9 Klammerverbindungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 150
7.10 Bauklammerverbindungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 154
7.11 Versätze .............................................. 155
7.12 Eingeleimte Gewindestangen............................... 160
7.13 Querzugnachweis bei Anschlüssen........................... 165
7.14 Verschiebungswerte mechanischer Verbindungsmittel
für Durchbiegungsberechnungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 168
7.15 Zusammenwirken verschiedener Verbindungsmittel . . . . . . . . . . . . . . 171
7.16 Korrosionsschutz mechanischer Verbindungsmittel . . . . . . . . . . . . . . 173
6 Inhalt

8 Zulässige Spannungen und Materialkennwerte von Voll- und


Brettschichtholz sowie Holzwerkstoffen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 175
8.1 Zulässige Spannungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 175
8.1.1 Zulässige Spannungen von Voll- und Brettschichtholz . . . . . . . . . 175
8.1.2 Zulässige Spannungen von Holzwerkstoffen . . . . . . . . . . . . . . . . 179
8.1.3 Zulässige Spannungen von Stahl und Aluminium ............ 181
8.2 Materialkennwerte von Voll- und Brettschichtholz . . . . . . . . . . . . . . . . . 183
8.2.1 Elastizitäts-, Schub- und Torsionsmoduln von
Voll- und Brettschichtholz . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 183
8.2.2 Elastizitäts- und Schubmoduln von Holzwerkstoffen . . . . . . . . . . 184
8.2.3 Quell- und Schwindmaße, Gleichgewichtsfeuchtigkeit . . . . . . . . . 185
8.2.4 Kriechzahl . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 189
8.2.5 Temperaturänderungen in Holzkonstruktionen . . . . . . . . . . . . . . 190

9 Allgemeine Bemessungsregeln . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 191


9.1 Lasten und Lastfälle . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 191
9.2 Lastannahmen für Holzbauwerke (ständige Last) . . . . . . . . . . . . . . . . 192
9.3 Lastaufstellung bei Dachflächen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 195
9.4 Nachweis gegen Abheben bei Windsogspitzen . . . . . . . . . . . . . . . . . 198
9.5 Mindestquerschnitte für Voll- und Brettschichtholz sowie Holzwerkstoffe 198
9.6 Querschnittsschwächungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 199
9.7 Mittig und ausmittig beanspruchte Stäbe . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 201
9.8 Ausmittige Anschlüsse . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 202
9.9 Wechselbeanspruchte Bauteile . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 204

10 Bemessungsregeln für Zugstäbe . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 206


10.1 Mittiger Zug . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 206
10.2 Ausmittiger Zug (Zug und Biegung) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 207
10.3 Anschlüsse und Stöße bei Zugstäben . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 208

11 Bemessungsregeln für Druckstäbe . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 211


11.1 Mittiger Druck . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 211
11.1.1 Knicknachweis für einteilige Stäbe (mittiger Druck) ........ 211
11.1.2 Gewöhnlicher Spannungsnachweis bei Druckstäben ....... 212
11.1.3 Knicknachweis für mehrteilige Stäbe (mittiger Druck) . . . . . . . 213
11.2 Ausmittiger Druck (Druck und Biegung) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 223
11.3 Anschlüsse und Stöße bei Druckstäben . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 225
11.4 Knicklängen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 228
11.5 Schlankheitsgrade . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 235
11.6 Knickzahlen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 237
11.7 Stabilität (kurze Einführung in das Knicken) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 238

12 Tragsicherheitsnachweis nach Spannungstheorie II. Ordnung . . . . . . . . . . . 243


12.1 Theorie I. und II. Ordnung (kurze Einführung) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 243
12.2 Spannungstheorie II. Ordnung im Ingenieurholzbau . . . . . . . . . . . . . . 245

13 Bemessungsregeln für biegebeanspruchte Bauteile . . . . . . . . . . . . . . . . . . 251


13.1 Einaxiale (einfache) Biegung bei Bauteilen aus Voll- und
Brettschichtholz . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 251
13.2 Zweiaxiale Biegung (Doppelbiegung) Voll- und Brettschichtholz . . . . 251
13.3 Stützweiten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 252
13.4 Auflagerkräfte und Auflagerpressung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 253
Inhalt 7

13.5 Durchbiegungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 255


13.5.1 Zulässige Durchbiegungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 255
13.5.2 Vorhandene rechnerische Durchbiegungen . . . . . . . . . . . . . 256
13.6 Überhöhungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 262
13.7 Stabilisierung (Kippstabilität) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 263
13.7.1 Stabilisierung von Trägern mit Rechteckquerschnitt . . . . . . . 264
13.7.2 Stabilisierung von Vollwandträger mit I- oder
Kastenquerschnitt . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 266
13.7.3 Stabilisierung mit der Spannungstheorie II. Ordnung ...... 268
13.8 Spannungskombination . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 269
13.9 Ausklinkungen und Zapfen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 272
13.10 Durchbrüche bei Biegeträgern mit Rechteckquerschnitt . . . . . . . . . . 278
13.11 Biegeträger mit geraden Trägerkanten und Rechteckquerschnitt . . . . 280
13.12 Gekrümmte Träger und Satteldachträger aus Brettschichtholz . . . . . 280
13.13 Biegeträger als zusammengesetzter Querschnitt . . . . . . . . . . . . . . . 286
13.14 Vollwandträger mit Platten- oder Bretterstegen (Stegträger) . . . . . . . 295
13.15 Biegeträger als zusammengesetzter Holz-Stahl-Querschnitt . . . . . . . 298
13.16 Biegesteife Stöße und Eckverbindungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 299
13.16.1 Biegesteifer Stoß mit mechanischen Verbindungsmitteln . . 301
13.16.2 Biegesteife Laschenstöße mit mechanischen
Verbindungsmitteln (Vollholzbauteile) . . . . . . . . . . . . . . . . 303
13.16.3 Biegesteife Stöße (gerade Brettschichtholzbauteile) . . . . . . 305
13.16.4 Biegesteife, abgewinkelte Stöße und Bauteile. . . . . . . . . . . 307
13.16.5 Keilgezinkte Stöße und Rahmenecken . . . . . . . . . . . . . . . . 308
13.16.6 Verdübelte Rahmenecken ......................... 311
13.16.7 Eingespannte Stützenfüße . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 313
13.16.8 Nachgiebigkeit mechanischer Verbindungsmittel in
biegesteifen Stößen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 314

14 Bemessungsregeln für Querkraft . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 315

15 Bemessungsregeln für Torsion . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 318

16 Aussteilung von Bauwerken . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 322


16.1 Aussteifung von Biegeträgern mit Rechteckquerschnitt . . . . . . . . . . . 324
16.2 Aussteifung der Druckgurte von Fachwerkträgern . . . . . . . . . . . . . . . 326
16.3 Aussteifungskonstruktionen mit Wind- und Seitenlasten . . . . . . . . . . 327
16.4 Scheiben als Aussteifungskonstruktionen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 330
16.4.1 Scheiben ohne rechnerischen Nachweis . . . . . . . . . . . . . . . . 331
16.5 Einzelabstützungen und Kopfbänder . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 333

17 Einfeld- und Durchlaufträger . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 335


17.1 Einfeldträger . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 335
17.2 Durchlaufträger . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 335
17.2.1 Durchlaufträger ohne Gelenke . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 335
17.2.2 Durchlaufträger mit Gelenken (Gelenkträger) . . . . . . . . . . . . . 336
17.2.3 Koppelträger (Koppelpfetten) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 340

18 Fachwerkkonstruktionen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 343
18.1 Konstruktive Ausbildung von Fachwerkträgern und -rahmen . . . . . . . 343
18.2 Bemessung von Fachwerkträgern und -rahmen . . . . . . . . . . . . . . . . . 349
18.3 Durchbiegung und Überhöhung von Fachwerkträgern und -rahmen . . 350
8 Inhalt

19 Hausdächer . . . . . . . . . . . . . . . . . . . ............................ 352


19.1 Sparren- und Kehlbalkendächer ............................ 352
19.2 Pfettendächer . . . . . . . . . . . . . ............................ 355
19.3 Flachdächer . . . . . . . . . . . . . . . ............................ 359

20 Verformungsberechnungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 360
20.1 Arbeitsgleichung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 360
20.2 Federsteifigkeiten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 360
20.3 Verschiebungsmoduln . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 363

21 Scheiben . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 366
21.1 Scheibengleichung für rhombisch-anisotropen Werkstoff .......... 366
21.2 Kenngrößen der Elastizität . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 373

22 Konstruktionsbeispiele . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . ... . . . . . . . . . . . . . . . 379


22.1 Auflager von Balken und Bindern . . . . . . . . . ... . . . . . . . . . . . . . . . 379
22.2 Auflager von Holzstützen, Bögen und Rahmen .. . . . . . . . . . . . . . . . 381
22.3 Verbandsanschlüsse . . . . . . . . . . . . . . . . . . . ... . . . . . . . . . . . . . . . 383
22.4 Firstgelenke bei Bögen und Rahmen . . . . . . . ... . . . . . . . . . . . . . . . 386
22.5 Rahmenecken . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . ... . . . . . . . . . . . . . . . 387
22.6 Queranschlüsse . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . ... . . . . . . . . . . . . . . . 389
22.7 Konstruktionen bei Hausdächern . . . . . . . . . ... . . . . . . . . . . . . . . . 391
22.7.1 Sparren- und Kehlbalkendächer . . . . ... . . . . . . . . . . . . . . . 392
22.7.2 Pfettendächer. . . . . . . . . . . . . . . . . . ... . . . . . . . . . . . . . . . 395
22.7.3 Windrispen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . ... . . . . . . . . . . . . . . . 402

23 Berechnungs- und Bemessungsbeispiele . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 404


23.1 Querschnittsänderungen eines Kantholzes durch Schwinden . . . . . . 404
23.2 Längenänderung eines Brettschichtträgers durch Quellen . . . . . . . . 405
23.3 Zugstoß mit Nägeln . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 405
23.4 Zugstoß mit Dübeln besonderer Bauart . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 407
23.5 Diagonalenanschluß mit Stabdübeln . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 410
23.6 Versatzanschluß (Stirnversatz) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 412
23.7 Knicknachweis eines einteiligen Druckstabes (mittiger Druck) . . . . . . 414
23.8 Koppelpfetten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 416
23.9 Parallelträger aus Brettschichtholz . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 420
23.10 Ausgeklinktes Endauflager . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 424
23.11 Satteldachträger mit gekrümmtem Untergurt. veränderlicher
Trägerhöhe und festverleimtem Firstkeil . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 427
23.12 Dreiteiliger, nachgiebig mit Stabdübeln verbundener Balken . . . . . . 433
23.13 Elastisch (nachgiebig) eingespannte, zweiteilige Nadelholz-Stütze . . . 439
23.14 Parallelgurtiger Fachwerkträger aus Kanthölzern . . . . . . . . . . . . . . . 446
23.15 Gelenkkonstruktion eines Durchlaufträgers aus Brettschichtholz . . . . 455
23.16 Querzugnachweis eines Anschlusses mit Dübeln besonderer Bauart . 460

Technische Baubestimmungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 463

Literatur . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 465

Sachverzeichnis . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 478
Formelzeichen

Griechische Zeichen
a Quellmaß, Winkel ). 6 Kippschlankheitsgrad
Quell- und Schwindmaße 11 Wasserdampfdiffusionswiderstandszahl
Wärmedehnzahl Querdehnungsfaktor, Querkontraktions-
Festigkeit (Biegung, Druck, Lochleibung, zahl, Sicherheitsbeiwert, Verschwä-
Scher, Torsion, Zug) Knicklängenbei- chungsgrad (Keilzinkungen)
wert, Schwindmaß, Winkel rr mathematische Konstante
y Abminderungsbeiwert, Gleitung, Last- e Rohdichte
erhöhungsbeiwert, Sicherheitsbeiwert, a Spannung (Biegung, Druck, Lochlei-
Wichte bung, Zug)
Verformung, Verschiebung, Winkel Spannung (Abscheren, Querkraft, Tor-
Ausmittigkeitsgrad, Dehnung, Einbinde- sion)
grad (Nagelplatten) '• Scherfestigkeit
Yf Abminderungsfaktor, Faktor, Vorkrüm- 'I' Kriechzahl, relative Luftfeuchtigkeit,
mungsbeiwert Winkel
Beiwert, Schubverteilungszahl 1f1 ungewollte Schrägstellung
"'}. Schlankheit, Wärmeleitfähigkeit, Wär- w Knickzahl
meleitzahl

Lateinische Zeichen
a Abbrandtiefe, Abmessung, Abstand, BST Bau-Stabsperrholz, Brettschichtträger
Aussteifungsabstand, Dicke, Hebelarm, BSTAE Bau-Stäbchensperrheiz
Höhe (Ausklinkungen), Vorkrümmungs- BU Buche
beiwert, Schweißnahtdicke · B1 schwerentflammbare Baustoffe
A Ästigkeit, Auflagerfläche, Auflagerkraft, B2 normalentflammbare Baustoffe
Querschnittsfläche B3 leichtentflammbare Baustoffe
A Bescheinigung (Leimgenehmigung), Dü- c Abmessung, Abstand, Faktor (Rahmen-
beltyp (Dübel besonderer Bauart), nicht- und Gitterstäbe), Randstreifen (Nagel-
brennbarer Baustoff, Schnittbezeich- platten)
nung cm Zentimeter
Afl Aufrißfläche Cp aerodymanischer Druckbeiwert
AFZ Afzelia c Auflagerkraft, Bescheinigung (Leimge-
AGO Angelique (Basralocus) nehmigung), Celsius, Dübeltyp (Dübel
A• Kernquerschnitt besonderer Bauart), Schnittbezeich-
An nutzbare Querschnittsfläche (Nettoquer- nung, Verschiebungsmodul
schnitt), wirksame Plattenanschlußflä- Drehfederkonstante
che (Nagelplatte) Abmessung, Abstand, Dicke
Quellungsanisotropie Bolzendurchmesser
wirksame Plattenanschlußfläche (Sche- Außendurchmesser (Dübel besonderer
ren) Bauart), Seitenlänge (Dübel besonderer
Azobe (Bongossi) Bauart)
Festwerte (Gewindestangen) Einbindetiefe (Nagelplatten)
Dübelfehlfläche (Dübel besonderer Bau- Nenndurchmesser (Außendurchmesser,
art) Gewindestangen aus Stahl)
b Abmessung, Abstand, Breite Nageldurchmesser (glattschaftiger Teil)
b/2 Abstand vom Holzrand (Dübel besonde- Holzschraubendurchmesser
rer Bauart) Stabdübei-(Paßbolzen-)durchmesser
8 Auflagerkraft, Bescheinigung (Leimgeneh- Auflagerkraft, Bescheinigung (Leimge-
migung), Breite, brennbare Baustoffe, nehmigung), Diagonalkraft, Druckkraft,
Dübeltyp (Dübel besonderer Bauart), Dübelbelastung (Abscheren), Dübeltyp
Festwert (Bolzen, Klammern, Nägel, Paß- (Dübel besonderer Bauart)
bolzen, Stabdübel), Schnittbezeichnung Dfl Dachfläche
BFU Bau-Furniersperrheiz DGA Douglasie
BFU-BU Bau-Furniersperrheiz aus Buche DIN Deutsche Industrie-Norm
BPH Bitumen-Holzfaserplatte e Abstand, Ausmitte, Faserabweichung,
BSH Brettschichtholz Hebelarm
10 Formelzeichen

'"
Dübelabstände Nagellänge
wirksam (effektiv) lv Vorholzlänge (Versätze)
lichter Abstand (Verbindungsmittel) Iw lichte Weite
erforderlich L Stützweite
Auflagerkraft, Dübeltyp (Dübel bes. Bau- LA Lärche
art), Elastizitätsmodul (Biegung, Druck, LF Lastfall
Zug), moderfäulewidrig (Holzschutz) LH Laubholz
EL Einlaßdübel m Anzahl, Masse, Meter, Potenzexponent,
EL-EP Einlaß-Einpreßdübel Scherfläche (Schnitte)
EI Eiche max maximal
EP Einpreßdübel min minimal, Mindest
E1 Emissionsklasse (Spanplatten) mm Millimeter
f Bogenstich, Durchbiegung, Faktor rn,- konstante Torsionsbeanspruchung
(Querzugnachweis), Verformung M Moment (Biegemoment), Gewinde (me-
Zugfestigkeit (Stahlbau) trisch), Schubmittelpunkt
Kraft, Feuerwiderstandsklasse (30, 60, MEB Merbau
90, 120, 180) MN Meganewton
Fo Druckbeanspruchung (Nagelplatten) MS Sortierklasse (maschinelle Sortierung)
Fl Fichte MT Torsionsmoment
FP Flachpreßplatte (Spanplatten) n Anzahl, Potenzexponent
Fs Scherbeanspruchung (Nagelplatten) N Dübelbelastung (Abscheren), Holzschrau-
FTrag Traglast benbelastung (Abscheren), Newton,
Fz Zugbeanspruchung (Nagelplatten) Normalkraft (Druck oder Zug)
g ständige Last (Eigengewicht), Gramm Nä Nägel
G Eigengewicht, Gelenkkraft, geschützt Nb Bolzenbelastung (Abscheren)
(Holzwerkstoffe), Schubmodul NH Nadelholz
Gfl Grundfläche N., Paßbolzenbelastung (Abscheren), Stab-
Gk Güteklasse dübelbelastung (Abscheren)
GRE Greenhaart Holzschraubenbelastung
G,- Torsionsmodul (Herausziehen), Klammerbelastung (Her-
h Höhe, Stunde ausziehen), Nagelbelastung (Herauszie-
hd Höhe (Dübel besonderer Bauart) hen)
H Hauptlast, Höhe, Horizontalkraft, Normal- N, Klammerbelastung (Abscheren), Nagel-
kraft belastung (Abscheren)
HEM Western Hemlock 0 Obergurtkraft
HFD poröse Holzfaserplatte p Verkehrslast
HFH harte Holzfaserplatte p pilzwidrig (Holzschutz)
HFM mittelharte Holzfaserplatte PE Plattenebene
HZ Haupt- und Zusatzlast P; Körperpunkt
Anzahl, Tragheitsradius q differentielle Quellung, Gesamtlast, Li-
Flächenmoment 2. Grades nienlast, prozentuales Quellmaß und
insektenvorbeugend (Holzschutz) Schwindmaß, Staudruck
Beiwert, Breite (Baumkante), Faktor, q. Seitenlast (Aussteifung)
Kernweite, Tafelwert Q Querkraft
Abminderungsfaktor (Ausklinkung) r radial, Radius
Kippbeiwert red reduziert
Beiwert (Spannungskombination) r, Biegeradius des Einzelstabes (Brett-
Faktor (Querdruckspannung) schichtholz)
Kilogramm 5 Bogenlänge, Dicke (Dübel), Einschlag-
Kilometer tiefe (Nägel), Netzlinienlänge (Fach-
Hilfsgröße (Durchbiegung) werk), Schneelast, Stablänge, Zinken-
Kilonewton spiel
Abminderungsfaktor (Schneelast) Einschraubtiefe (Holzschrauben)
Hilfsgröße (Durchbiegung) Elastizitätszahlen
Beiwert (Spannungskombination) Knicklänge
Stützeinzellast wirksame Einschlagtiefe (Nägel)
Kiefer Flächenmoment 1. Grades, Schwer-
Längskraft (Seiten last q.) punkt, Sortierklasse (visuelle Sortie-
Länge, Stützweite, Zinkenlänge rung), Strebenkraft (Druckkraft)
Auflagerlänge SR Röhrenplatte (Strangpreßplatte)
Einleimlänge (Gewindestangen) St Stahl
Länge profilierter Schaftteil (Nägel) SV Vollplatte (Strangpreßplatte)
Formelzeichen 11

Dicke (Holzwerkstoffplatten, Stahlteile, V Vertikalkraft


Scheibe), Eindringtiefe (Holzschutz). Ein- VH Vollholz (Laub- und Nadelholz)
schnittiefe, Rißtiefe, Schubfluß, tangen- VM Verbindungsmittel
tial, Zeit. Zinkenteilung w Windlast, Verschiebung
td Dübelhöhe w Abstand (Querzugnachweis), Nagelplat-
tv Einschnittiefe (Versätze) tenbreite, Widerstandsmoment
T Teil einer Norm, Temperatur w witterungsbeständig (Holzschutz)
T Schubkraft wn nutzbares Widerstandsmoment (Wider-
TA Tanne standsmoment des Nettoquerschnitts)
TEK Teak Wm Abstand (Querzugnachweis)
u Holzfeuchtigkeit, Verschiebung Ws Abstand (Querzugnachweis)
ü Überhöhung, Überstand WT Torsions-Widerstandsmoment
u Untergurtkraft X Koordinate
Ua.z Umlenkkraft (Druck, Zug) y Koordinate
u.s. Unterlegscheibe YAN Keruing (Yang)
V Verschiebung z Koordinate, Übergreifungslänge (Kop-
vd Mindestrandabstand (Hirnholzverdübe- pelpfetten)
lung) zu I zulässig
vorh vorhanden z Zugkraft
V Verleimungsart (Fiachpreßplatten)

Geometrische Zeichen Weitere Zeichen


II parallel Differenz, Laplace-Operator
_i senkrecht
partielle Ableitungen
< Winkel
Einleitung

Holz gehört neben Stein und Boden zu den ältesten Baustoffen des Menschen. Bereits
aus der Antike wird von großen Holzbauwerken berichtet. die Vorläufer und Vorbild der
späteren Bauwerke aus Stein waren. Mit den stabförmigen Bauteilen aus Vollholz, das
aus dem Baumstamm geschnitten nur in begrenzten Abmessungen zur Verfügung
stand (und steht), errichteten der "alte" Zimmermann und Baumeister architektonisch
bemerkenswerte Sakral- und Nutzbauten, Fachwerkhäuser und Brücken in den Teilen
der Erde, in denen Holz zur Verfügung stand; dies bezeugen viele Jahrhunderte alte,
noch heute genutzte Holzbauwerke in verschiedenen Kulturkreisen, die große hand-
werkliche Erfahrungen, fundiertes technologisches Wissen und zum Teil kunstvolle Ge-
staltung mit dem Baustoff Holz aufzeigen.
Die Mitte des 19.Jahrhunderts entwickelten Berechnungsmethoden lassen allmählich
den Ingenieurholzbau entstehen, der aufbauend auf das empirische Wissen und Kön-
nen des Zimmermanns die Spannungs- und Verformungszustände von Holzbauteilen
aufgrund vorgegebener Lasten berechnen und standsichere Holzbauwerke errichten
kann. Die Entwicklung neuer mechanischer Verbindungsmittel wie Nägel, Dübel beson-
derer Bauart, Stabdübel, Nagelplatten, Stahlblechformteile geben dem Holzbau- nach
vorübergehendem Abschwung am Anfang des 20.Jahrhunderts - wesentliche neue
Impulse. Die weitere Entwicklung wasserfester Kunstharzleime und die Verwendung
der einfachen, aber genialen Keilzinkung als Längsstoßverbindung ermöglichen den
bemerkenswerten Aufschwung des Holzleimbaus, dessen künstlich hergestellte, ver-
leimte Bauteile im allgemeinen größere Abmessungen haben als das natürliche Aus-
gangsprodukt Holz, wie zum Beispiel "lange" stabförmige Brettschichtholz-Bauteile für
große bis sehr große Spannweiten oder flächenhafte Holzwerkstoffplatten.
Bauholz besitzt günstige physikalische und technologische Eigenschaften, hohe Festig-
keiten, geringes Eigengewicht, gute Verarbeitbarkeit, ein günstiges Brand- und neutra-
les Löschverhalten, ist überwiegend resistent gegen viele chemische Einwirkungen und
befindet sich im allgemeinen im chemischen Gleichgewicht mit seiner Umwelt (im Ge-
gensatz zu vielen künstlichen Stoffen). Bei fachgerechtem Einsatz von Holz und Holz-
werkstoffen als tragende/aussteifende Bauteile hinsichtlich Gestaltung, Holzauswahl,
Statik, Konstruktion, Holzschutz, Transport und Montage ist eine hohe Lebensdauer in
Bauwerken unter Dach oder der Witterung ausgesetzt (bei meist geringfügiger War-
tung) zu erwarten.
Holz ist ein wichtiger, nachwachsender Rohstoff, der neben vielen anderen Nutzungen
auch künftig mit Erfolg als Baustoff eingesetzt wird, wenn mindestens ein ausgegliche-
nes Verhältnis zwischen Nachwachsen und Entnahme langfristig sichergestellt ist. Dies
wird jedoch derzeit nur in wenigen Regionen der Erde vorbildlich gewährleistet; ein
großflächiger Raubbau -wie in weiten Teilen der Erde gegenwärtig vorgenommen -
führt mittelfristig zu irreparablen Umweltveränderungen und -schäden sowie zur Holz-
knappheit.
Eine maßvolle Forstwirtschaft als Garant der Rohstoff-Holzproduktion, die Weitergabe
der Holztechnologie und der Holzbautechnik an die nachfolgende Generation durch
qualifizierte Ausbildung, praxiserfahrene, geschulte Fachleute in leistungsfähigen Holz-
baubetrieben mit hochtechnischer Ausrüstung und (zunehmend) rechnergestützten
Herstellungsmethoden, ein ständiger Erfahrungsaustausch zwischen "Theorie" und
"Praxis", umfangreiche Forschungs- und Entwicklungsarbeiten, eine erfolgreiche Um-
setzung neuer technischer Erkenntnisse in Normen bis hin zur Entwicklung neuer "Be-
messungsphilosophien" im europäischen Rahmen (Eurocode) sind Voraussetzung für
die Vielfalt heutiger und künftiger Holzbauwerke, die dem Ingenieurholzbau ein über
die Grenzen erweitertes Tätigkeitsfeld in Konkurrenz zu anderen Baustoffen sichern.
1 Der Baustoff "Holz"

Holz ist ein natürlicher, gewachsener Stoff. Als Holz bezeichnet man im allgemeinen
die entrindeten Stämme, Wurzeln und Äste der Bäume und Sträucher. Bauholz wird
aus den Baumstämmen bestimmter Nadel- und Laubhölzer gewonnen, die wirtschaft-
lich genutzt werden können. Der lebende Baumstamm hat die Aufgaben, die Baum-
krone zu tragen, Nährstoffe zu transportieren und zu speichern .

1.1 Aufbau des Holzes

Holz besteht vorwiegend aus fest miteinander verbundenen, langgestreckten Zellen,


die parallel des Stammes verlaufen . Diese Zellen übernehmen im lebenden Baum die
Wasserleitung, den Stoffwechsel und die Holzfestigung. Die entwicklungsgeschichtlich
älteren Nadelhölzer besitzen ein einfaches, regelmäßiges Gefüge, das überwiegend
aus einer Zellart besteht, während die Laubhölzer im Aufbau komplizierter sind und
mehrere Zellarten aufweisen. Der Aufbau des Holzes kann am Beispiel eines Quer-
schnittes durch einen Nadelholzstamm Bild 1.1 entnommen werden . Nach Kollmann
[1751 besteht Holz in makroskopischer Sicht im wesentlichen aus:
Kambium
- - - - - -(Wachslumsschil:ht)
Jahrring
• ~!FrUl- ull:l Späthotz)

Splintholz

Markstrahl

Kemholz

1.1
Teil-Querschnitt eines Nadel·
holzbaumstammes (Schema)

Borke und Bast (ergeben die Rinde)


Borke als abgestorbener, äußerer Teil der Rinde und Bast als lebensfähiger, innerer Teil
der Rinde.
Kambium
eine dünne Schicht lebender Zellen, in denen das Wachstum des Baumes erfolgt. Sie
ist mikroskopisch klein .
Jahrringe
bestehen aus dem dünnwandigen, weitlumigen Frühholz und dem dickwandigen Spät-
holz, das bei Nadelholz dunkler ist als das Frühholz. Das Frühholz dient vor allem der
Wasserleitung (Nährstoffe), das Spätholz der Festigung. ln den gemäßigten Klima-
zonen beginnt das Wachstum im Frühjahr (April, Mai, Frühholz) und endet im Spätsom-
mer (August, September, Spätholz). Durch die Wachstumsunterbrechung im Winter
tritt eine im allgemeinen gut sichtbare Grenzlinie zwischen Spät- und Frühholz auf;
diese kennzeichnet die Jahrringe.
14 1.1 Aufbau des Holzes

ln tropischen Klimazonen wechselt das Wachstum zwischen Trocken- und Regenzeiten.


Immergrüne tropische Hölzer ohne Wachstumsunterbrechung bilden keine Jahrringe
aus. Die Anzahl der Jahrringe am Fuß der Bäume lassen ihr Alter bestimmen.
Splintholz
Lebendes Holz in der äußeren Zone, übernimmt die Wasserleitung. Bei einigen Holz-
arten heller und weicher als das Kernholz.
Kernholz
Gealtertes, überwiegend abgestorbenes Holz im Kern (um das Mark). Die Verkernung
eines Baumes beginnt bei einigen Hölzern im Alter von ca. 20 bis 40 Jahren, wenn
das Splintholz allein die Wasserleitung übernehmen kann. ln die abgestorbenen Zellen
lagern sich Substanzen wie Farb- und Gerbstoffe, Harze und Fette ein. Die Holzzellen
des Kernholzes werden dadurch für die Wasserleitung blockiert. Das Kernholz wird
durch diese Inhaltsstoffe meist dunkler, fester und widerstandsfähiger als das Splint-
holz; die Schwindneigung wird geringer.
Markstrahlen
ln Radialrichtung verlaufende "Röhren" mit sehr kleinem Querschnitt, oft nur als Strei-
fen sichtbar. Diese Zellen übernehmen die Versorgung senkrecht zur Wuchsrichtung
und speichern Nährstoffe. Markstrahlen, die vom Mark zur Rinde verlaufen, sind bei
Beginn des Baumwachstums entstanden.
Mark (Markröhre)
Kleine "Röhre" in Stamm-Mitte mit geringer Festigkeit, Durchmesser bei den meisten
Holzarten 1 bis 2 mm.
Nach der Kernholzbildung und dem farbliehen Unterschied zwischen Splint- und Kern-
holz können Hölzer in drei Gruppen unterteilt werden, s. auch Tafel 3.1:
Kernhölzer
Splint und Kern sind farblieh unterschiedlich (sichtbare Grenze) wie bei Kiefer, Lärche,
Eiche.
Reifhölzer
Splint und Kern sind farblieh gleich; das Kernholz ist reifer und wasserärmer als das
Splintholz wie bei Fichte, Tanne, Rotbuche.
Splinthölzer
Es tritt keine Verkernung ein wie bei Birke.
Laubhölzer werden nach Anordnung und Größe ihrer über den Querschnitt sichtbaren
Poren oder Gefäße in zwei Gruppen unterteilt:
Ringporige Laubhölzer bilden größere Gefäße überwiegend im Frühholz und weitaus
engere Gefäße im Spätholz; die größeren Gefäße sind meist gut sichtbar ringförmig
über den Querschnitt verteilt wie bei Eiche.
Zerstreutporige Laubhölzer bilden Gefäße von annähernd gleicher Größe im Früh- und
Spätholz oder Gefäße mit zum Spätholz wenig abnehmender Größe; die Gefäße sind
etwa gleichmäßig über den Querschnitt verteilt wie bei Rotbuche.
Der chemische Aufbau des Holzes ist nach der Elementaranalyse bei den verschiede-
nen Holzarten überwiegend gleich; bei den Anteilen der chemischen Verbindungen an
der Gesamtmasse des Holzes treten jedoch große Unterschiede bei den einzelnen Holz-
arten auf, wie aus Tafel 1.1 zu entnehmen ist. Zusätzlich bestimmen Inhaltsstoffe wie
1.2 Anisotropie des Holzes 15

Tafel 1.1 Chemischer Aufbau des Holzes nach Kalimann [175]. Fenge/1 Grosser [67] und Wesehe [353]

Elementaranalyse von trockenem Holz Chemische Verbindungen von Hölzern


Angaben in M .-% Angaben in M.-%

Kohlenstoff 48 bis 51 Zellulose 29 bis 65


Sauerstoff 43 bis 45 - bei Bauhölzern 38 bis 58
Wasserstoff 5 bis 6 Hemizellulose 20 bis 40
Stickstoff 0,04 bis 0,26 Lignin 12 bis 38
Mineralsubstanz (Asche) 0,2 bis 0,6 - bei Bauhölzern 20 bis 31

Harze, Fette, Wachse, Gerb- und Farbstoffe die Artenvielfalt und Holzeigenschaften wie
Geruch, Farbe, Festigkeit, lmprägnierbarkeit, Widerstandsfähigkeit und dergleichen
mehr. Diese Inhaltsstoffe sind in Hölzern mit einem Anteil von ca. 2 bis 8 M.-% an der
gesamten Holzsubstanz vorhanden. Die Zellwandsubstanz (Holz) besteht im wesent-
lichen aus einem Verbundsystem von tragenden (Zellulose) und verbindenden (Hemi-
zellulose, Lignin) Teilen.
Holz ist vergleichbar mit einer Röhrenstruktur, dessen Röhrenbündel stammparallel (in
Längsrichtung) verlaufen. ln Längsrichtung liegen wesentlich andere Eigenschaften vor
als in Ouerrichtung; beispielsweise läßt sich ein Röhrenbündel nach Bild 1.2 in Quer-
richtung leicht zusammendrücken oder
auseinanderziehen, während in Längs-
richtung eine hohe Zugfestigkeit und eine
dazu geringere Druckfestigkeit vorliegt.
Stoffe, die solch richtungsabhängiges Ver-
halten zeigen, werden anisotrop genannt.
Über den weiteren Aufbau des Holzes s.
Basshard[16], Kalimann [175], Kalimannt
C6te [176], LIGNUM [210], Mähler [247], 1.2 Röhrenbündel unter verschiedenen Bean-
Naack/ Schwab [285], Wesehe [353]. spruchungen längs und quer zur Faser

1.2 Anisotropie des Holzes

Holz ist ein anisotroper und inhomogener Stoff. Besonders bei den Holzeigenschaften
tritt die ausgeprägte Anisotropie hervor. Nachstehende Begriffe verdeutlichen die Zu-
sammenhänge:
anisotrop
Ein Stoff ist anisotrop, wenn seine Eigenschaften richtungsabhängig (vektoriell) sind,
das heißt er besitzt in der einen Richtung andere Eigenschaften als in einer anderen
Richtung, zum Beispiel bei den Festigkeiten.
Typische Vertreter anisotroper Baustoffe sind Holz und faserverstärkter Kunststoff.
isotrop
Ein Stoff ist isotrop, wenn seine Eigenschaften richtungsunabhängig sind, das heißt er
besitzt in allen Richtungen gleiche Eigenschaften, zum Beispiel bei der Festigkeit.
Typischer Vertreter isotroper Baustoffe ist Stahl.
inhomogen
Ein Stoff ist inhomogen, wenn seine Eigenschaften sich längs der verschiedenen Rich-
tungen verändern, daß heißt er ist nicht stetig mit demselben Material durchsetzt.
16 1.3 Rohdichte des Holzes

homogen
Ein Stoff ist homogen, wenn seine Eigenschaften sich längs der verschiedenen Rich-
tungen nicht verändern, das heißt er ist stetig mit demselben Material durchsetzt.
Die Holzeigenschaften sind stark von den anatomischen Richtungen im Baumstamm
abhängig. Nach Bild 1.3 und 1.4 werden drei anatomische Hauptrichtungen im Baum-
stamm unterschieden; diesen lassen sich in guter Näherung drei Hauptachsen zuord-
nen, die rechtwinklig aufeinanderstehen und unterschiedliche Maßeinheiten besitzen:
- die y-Achse in Faserrichtung des Holzes (längs zur Faser),
- die x-Achse in Tangentialrichtung des Holzes (quer zur Faser und parallel zu den
Jahrringen),
- die z-Achse in Radialrichtung des Holzes (quer zur Faser und senkrecht zu den Jahr-
ringen).
(Über das in der Statik der Stabtragwerke übliche Koordinatensystem s. Tafel 1.16.)
Himfläch<?
r - - -- Quersdlnitt
~"..,...,"'"="'~=-:>!

llltiH+tif- X

/z Radialfläche
Rittschnitt
'--- -- - -Tangentialfläche
Fladerschnitt
1.3 Holzwürfel mit rhombischer Symmetrie 1.4 Ursprungslage des Holzwürfels im Baum·
stamm

Diese Anisotropie wird "rhombische Anisotropie" im Sinne der Kristallphysik von


Voigt [344], [345) genannt. Hörig [152], [153] überträgt das rhombisch-anisotrope Kri-
stallsystem auf den Baustoff Holz. Holz wird daher auch als "rhombisch-anisotrop"
bezeichnet.
Da die Früh- und Spätholzschichten innerhalb eines Jahrringes unterschiedliche Struk-
turen aufweisen, kann Holz erst dann als homogen angesehen werden, wenn eine ge-
nügend große Anzahl von Jahrringen im betrachteten Körper vorhanden ist. Hörig
definiert den Begriff der "statistischen" Homogenität.
Die meisten Baustoffe wie auch Holz werden für die Praxis als homogen angesehen,
obwohl sie- streng genommen - inhomogen sind. Die Annahme der Homogenität ist
aus der Sicht der Bautechnik zulässig und vereinfacht die Berechnungsmethoden.

1.3 Rohdichte des Holzes

Die Rohdichte f2 des Holzes ist definiert als


f2 = m/V in g/cm 3 oder in kg/m 3 (1.1)
mit m als Masse und V als Stoffvolumen, das aus den Holzfasern (Zellwänden) und
dem Porenraum (Hohlraum) des betrachteten Holzkörpers besteht.
Die Rohdichte von Holz wird nach DIN 52182 im allgemeinen bei der Holzfeuchtigkeit
angegeben, die sich nach längerer Lagerung im Normalklima ( T = 20 °C, rp = 65% rela-
tive Luftfeuchte) einstellt. ln diesem Normalklima erreichen mitteleuropäische Hölzer
=
eine Holzfeuchtigkeit u 12%, s. Tafel1 .3. Die Rohdichte bezogen auf das Normalklima
1.3 Rohdichte des Holzes 17

wird mit QN, bezogen auf den absolut trockenen (darrtrockenen) Zustand mit Qo be-
zeichnet.
Die Dichte der reinen Zellwandsubstanz ist nach Kollmann [175) für alle Holzarten mit
=
!? 1,5 g/cm 3 etwa gleich groß. Der Rohdichte-Unterschied zwischen den einzelnen
Holzarten liegt im unterschiedlichen Anteil von Zellwandsubstanz und Porenraum
(Hohlraum) im betrachteten Holzvolumen. Nach Bild 1.5 besteht ein Buchenholzkörper
aus etwa 44% Zellwandsubstanz und etwa 56% Porenraum (Hohlraum).
Die leichtesten Hölzer besitzen eine Rohdichte Q =
0,1 g/cm 3 (Balsaholz) . Der geringe
Anteil der Zellwandsubstanz von ca. 7% am betrachteten, gedarrten Holzvolumen bei
Balsaholz kann als mechanische Grenze angesehen werden, die für die Standsicherheit
im Naturzustand notwenig ist.
100.----.,-----,- - - . ----, 20000

N/mml

0 16000

o/o
14000 ...,
25
t"' 12000
"5
"0

~
"':::>
...~
E
~
50 <=
e
~
10000 ~.,
iij
"'
"'
"0 8000
15 '!
.'i 6000

400 kglm 3 500


Rolldichte Rohdichte darrtrotken p0- -
1.5 Rohdichte als Kenngröße für die prozentualen 1.6 Abhängigkeit von Festigkeiten und des Elasti-
Volumenanteile der Zellwand und des Poren- zitätsmoduls E 11 von Fichtenholz mit einer
raumes für darrtrockene Hölzer nach Noack/ Holzfeuchtigkeit u = 15% von der Rohdichte eo
Schwab 12841 (Darr-Rohdichte) nach EMPA-Versuchen, LI-
GNUM [210]

Die schwersten Hölzer besitzen eine Rohdichte von!? =


1,2 bis 1,4 g/cm 3 (Pock-, Lettern-
holz). Der geringe Anteil am Porenraum (Hohlraum) von etwa 7% stellt eine biologische
Grenze zur Sicherung der Nährstoff- und Wasserführung im lebenden Holzstamm dar.
Die Rohdichte des Holzes wird neben der Holzart von der Holzfeuchtigkeit, Jahrring-
breite, Lage im Stamm, vom Spätholzanteil, Standort, Wachstum, Klima, Höhe über
N.N. und dergleichen mehr beeinflußt, s. Bernhart [10) .
Die Rohdichte ist eine sehr wichtige physikalische und technologische Eigenschaft, da
von ihr die meisten anderen Holzeigenschaften abhängen . Nach Kollmann [175) neh-
men mit steigender Rohdichte im allgemeinen die Elastizität und Festigkeiten, s. auch
Bild 1.6, die Quell- und Schwindmaße, die Wärmeleitfähigkeit sowie die Härte und der
Abnutzungswiderstand zu .
Die Rohdichten der wichtigsten Bauhölzer liegen zwischen !?N 0,4 g/cm 3 und=
!?N =1,0 g/cm , sie können für einige Bauhölzer aus Tafel1.2 entnommen werden .
3

Die in Tafel 1.2 angegebenen Rohdichten sind Mittelwerte; die Rohdichten schwanken
je Holzart aufgrund obengenannter Abhängigkeiten jedoch in weiten Grenzen . Die Roh-
dichten weiterer Hölzer können Grosser [108], [109) und Seil [329) entnommen werden.
18 1.5 Holzfeuchtigkeit

Tafel 1.2 Rohdichten !IN (Mittelwerte) von Bauhölzern nach DIN 68364, Kollmann [175] und Noack/
Schwab [285]

Holzart Rohdichte !IN Holzart Rohdichte !IN


Nadelhölzer in g/cm 3 Laubhölzer in g/cm 3

Fichte 0,47 Eiche 0,67


Tanne 0,47 Buche 0,69
Kiefer 0,52 Teak 0,69
Lärche 0,59 Angel iq ue/ Basra locus 0,76
Western Hemlock 0,49 Afzelia/Doussie 0,79
DouglasielOregon Pine 0,54 Greenheart 1,00
Southern Pine 0,55 Azobe/Bongossi 1,06

1.4 Jahrringbreite

Die Jahrringbreite beeinflußt die Rohdichte von Holz und damit auch andere Eigen-
schaften. Nach Kalimann [175] steigt bei Nadelhölzern die Rohdichte im allgemeinen
mit abnehmender Jahrringbreite wie bei Fichte. Bei ringporigen Laubhölzern wie Eiche
nimmt die Rohdichte im allgemeinen mit der Jahrringbreite zu; bei zerstreutporigen
Laubhölzern wie Buche ist der Einfluß der Jahrringbreite auf die Rohdichte unregel-
mäßig.
Die Jahrringbreite ist abhängig von der Lage im Stamm, vom Klima, Boden, Standort,
Alter des Baumes, von Maßnahmen der Forstwirtschaft und dergleichen mehr. Sie
schwankt zwischen etwa einem und zehn Millimetern. Bei Bauhölzern liegen die Jahr-
ringbreiten etwa zwischen einem und sechs Millimetern. Allgemein besitzen langsam
wachsende Hölzer enge und schnell wachsende Hölzer weitere Jahrringe. Engringiges
europäisches Nadelholz weist in der Regel höhere Rohdichten und Festigkeiten auf als
weitringiges; maßgebend hierfür ist jedoch der SpätholzanteiL

1.5 Holzfeuchtigkeit

Die Holzfeuchtigkeit u in % ist definiert als

- GN - GT . 100 .ln
u- 0/
/0 (1.2)
GT
mit GN als Naßgewicht und GT als Trocken- oder Darrgewicht
demnach das Gewicht des Wassers, das im Holz enthalten ist. bezogen auf das Gewicht
des absolut trockenen Holzes (Darrmethode), s. DIN 52183.
Die Holzfeuchtigkeit kann nach Kalimann [175] in zwei Bereiche unterteilt werden:
Kapillarer Bereich (oberhalb der Fasersättigung)
Das Wasser befindet sich frei tropfbar in den Zellhohlräumen. Die Holzfasern sind ge-
sättigt, sie unterliegen keiner Volumenänderung. Die meisten Holzeigenschaften sind
unabhängig von der Holzfeuchtigkeit, zum Beispiel Holz im waldfrischen Zustand.
Hygroskopischer Bereich (unterhalb der Fasersättigung)
Das Wasser befindet sich gebunden in den Zellwänden und als Dampf in den größeren
Zellhohlräumen; kein frei tropfbares Wasser in den Zellhohlräumen. Die Holzfasern
sind nicht gesättigt, sie unterliegen einer Volumenänderung, wenn sich die Holzfeuch-
1.5 Holzfeuchtigkeit 19

tigkeit ändert. Die meisten Holzeigenschaften sind abhängig von der Holzfeuchtigkeit,
z. B. Holz im Gebrauchszustand der Bautechnik.
Bei Fasersättigung sind die Holzfasern gesättigt, in den Zellhohlräumen befindet sich
kein frei tropfbares Wasser. Sie ist die im hygroskopischen Bereich maximal auftre-
tende Holzfeuchtigkeit, bei der Gleichgewicht zwischen Wassergehalt und wasser-
dampfgesättigter Atmosphäre vorliegt. Die Fasersättigung liegt für die Holzarten ver-
schieden zwischen ca. 22% und 35% Holzfeuchtigkeit, im Mittel bei ca . 30%.
Der hygroskopische Bereich (im Mittel 40

~=~==l::l::~=~
u< 30%) ist überwiegend von bauprakti-
schem Interesse. ln diesem Bereich strebt % - Faser-
~Higung
Holz stets einen Gleichgewichtszustand
zwischen der Holzfeuchtigkeit und dem

I
25
Umgebungsklima an; je nach Änderung
des Klimas wird Feuchtigkeit aufgenom-
men oder abgegeben . Über längere Zeit
stellt sich im Holz allmählich eine be-
I
stimmte Holzfeuchtigkeit ein, die mit dem
Umgebungsklima im Gleichgewicht steht. V
Diese Holzfeuchtigkeit wird Gleichge- V
wichtsholzfeuchtigkeit genannt, sie ist /
/
vom Gebrauchszustand des Holzes ab-
hängig. Für Fichtenholz kann sie Bild 1.7
entnommen werden. Weitere charakteri- 0
20 40 (JJ %
stische Werte der Gleichgewichtsholz- relative Luftfeuchte 'P---
feuchtigkeit sind in Tafel 1.3 zusammen-
gestellt. 1.7 Gleichgewichtsholzfeuchtigkeit und relative
Luftfeuchte bei 20 °C für Fichtenholz nach
Noack/Schwab [2851

Tafel 1.3 Werte für charakteristische Holzfeuchtigkeiten

Holzfeuchtigkeit u Benennung

0% absolut trocken (darrtrocken); ofentrocken

9% (± 3%) Gleichgewichtsfeuchte bei allseitig geschlossenen Bauwerken mit Heizung


(DIN 1052 T1)

etwa 12% Gleichgewichtsfeuchte im Normalklima ( T= 20 °C, I" = 65% relative Luftfeuchte),


Bezugswert bei der Prüfung von Holzeigenschaften

12% (± 3%) Gleichgewichtsfeuchte bei allseitig geschlossenen Bauwerken ohne Heizung


(DIN 1052 T1)

15% (± 3%) Gleichgewichtsfeuchte bei überdeckten, offenen Bauwerken (DIN 1052 T1)

18% (± 6%) Gleichgewichtsfeuchte bei Konstruktionen , die der Witterung allseitig ausgesetzt
sind (DIN 1052 T1)

< 20% Pilzwachstum nicht möglich (DIN 68364)

~ 20% "trocken" als Bezeichnung des Bauholzes (DIN 4074, mittlere Holzfeuchte)

20% < u ~ 30% "halbtrocken" als Bezeichnung des Bauholzes für Querschnittsflächen bis
200 cm 2 (DIN 4074, mittlere Holzfeuchte)

20% < u ~ 35% "halbtrocken" als Bezeichnung des Bauholzes für Querschnittsflächen über
200 cm 2 (DIN 4074, mittlere Holzfeuchte)

Fortsetzung und Fußnote s. nächste Seite


20 1.5 Holzfeuchtigkeit

Tafel 1.3, Fortsetzung

Holzfeuchtigkeit u Benennung

etwa 22% bis 35% Fasersättigung (Fasersättigungsfeuchtigkeit oder -punkt), verschieden für die
Holzarten

etwa 30% Fasersättigung für Bauhölzer (Mittelwert)

>30% "frisch" als Bezeichnung des Bauholzes für Querschnittsflächen bis 200 cm 2
(DIN 4074, mittlere Holzfeuchte)

>35% "frisch" als Bezeichnung des Bauholzes für Querschnittsflächen über 200 cm 2
(DIN 4074, mittlere Holzfeuchte)

30% bis 40% waldfrisches Fichtenholz im Kern (Beispiel)

etwa 150% 1 ) waldfrisches Fichtenholz im Splint (Beispiel)


1) nach GI. (1.2) kann die Holzfeuchtigkeit u auch größer als 100% sein (Definition)

1.5.1 Bestimmen der Holzfeuchtigkeit (Meßverfahren)

Zur Verfügung stehen unter anderem mehrere Meßverfahren:


Das Darrverfahren
Das Darrverfahren nach DIN 52183 liefert exakte Meßergebnisse, bedarf der Proben-
entnahme aus dem zu untersuchenden Bauteil und ist deshalb nicht-zerstörungsfrei.
Es wird nur bei Bedarf an exakten Meßergebnissen und zum Kalibrieren bzw. Eichen
anderer Meßverfahren verwandt.
Die aus dem Holz entnommene kleine Probe wird in einem Trockenschrank bei einer
Temperatur T= 103°C bis zur Gewichtskonstanz getrocknet. Durch die Trocknung wird
der Holzprobe das vorhandene Wasser (Feuchte) vollständig entzogen. Dieses Wasser
wird gewogen und nach GI. (1.2) ins Verhältnis gesetzt. Der Zeitaufwand beim Darrver-
fahren liegt im allgemeinen bei 12 bis 24 Stunden.
Das elektrische Meßverfahren
Elektrische Messungen werden mit handelsüblichen Holzfeuchtigkeitsmeßgeräten
durchgeführt, sie liefern für die Praxis hinreichend genaue Meßwerte. Das Meßverfah-
ren ist bis auf kleine Löcher oder Schlitze, die im Holz verbleiben, zerstörungsfrei. Es
ist schnell einsetzbar, handlich und wird deshalb in der Praxis oft eingesetzt. Die Mes-
sungen beruhen auf dem Prinzip der elektrischen Widerstandsmessung.
Der elektrische Widerstand des Holzes nimmt mit abnehmender Holzfeuchtigkeit un-
terhalb der Fasersättigung stark zu, oberhalb der Fasersättigung ist diese Abhängigkeit
gering. Deshalb sind elektrische Holzfeuchtigkeitsmessungen nur bei Holzfeuchtig-
keiten etwa u<25% gut geeignet. Zur Messung werden zwei Meßspitzen (Elektroden)
in das Holz eingeschlagen oder eingelassen und der elektrische Widerstand zwischen
beiden Polen bestimmt. Das Meßergebnis liegt nach wenigen Sekunden vor. Bei den
Ergebnissen aus elektrischer Holzfeuchtigkeitsmessung sind Abweichungen bezogen
auf das exakte Darrverfahren nicht auszuschließen. Der Fehler kann im Mittel bei u= 1
bis 1,5% Holzfeuchtigkeit liegen.
Das kapazitive Meßverfahren
Kapazitive Messungen werden ebenfalls mit handelsüblichen Holzfeuchtigkeitsmeßge-
räten durchgeführt; sie haben den Vorteil, auch oberhalb der Fasersättigung hinrei-
chend genaue Meßwerte zu liefern. Dabei ist die Kenntnis der Rohdichte des Holzes
erforderlich.
1.5.2 Verteilung und Änderung der Holzfeuchtigkeit 21

1.5.2 Verteilung und Änderung der Holzfeuchtigkeit

Auf der Grundlage von Krabbe [186]. Krabbe/Güldenpfennig [187] und Neuhaus [279]
wird unterschieden:
Die gleichmäßige Feuchtigkeitsverteilung: Der betrachtete Körper besitzt in allen Kör-
perpunkten P; die gleiche Feuchtigkeit uk %,
Die ungleichmäßige Feuchtigkeitsverteilung: Der betrachtete Körper besitzt im Körper-
punkt P; die Feuchtigkeit uk %, im Nachbarpunkt P; + 1 die Feuchtigkeit uk +l %, es gilt:
uk%* uk +,%,
Die gleichmäßige Feuchtigkeitsänderung: Im Ausgangszustand besitzt der Körper eine
gleichmäßige Feuchtigkeitsverteilung uk %. Die Änderung der Feuchtigkeit in allen Kör-
perpunkten P; ergebe zu jedem Zeitpunkt eine gleichmäßige Feuchtigkeitsverteilung
uk +,%,

Holzfeuchtigkeit u
(% ]

30
Holz~uchtigkeit u
(%]

12

11

• MiHelwerl aus
Darrprot>en - .--511. Tag

J
::: ,

o MiHelwertaus
elektrischer Holz -
~~ • Meßwert aus
elektriS(her Holz-
~uchtigkeitsmessung
I
I
~I
w ~uchtigkei ts­
messung

~-----~1
6 4 2 0 2 4 6 8 x(cm(
Probenbreite 15 cm b/2

1.8 Holzfeuchtigkeitsverteilungen in Brettschicht- 1.9 Holzfeuchtigkeitsverteilungen über die Hälfte


holzproben nach 20tägiger Lagerung im Nor- der Querschnittsbreite b eines Brettschichtträ-
malkilma 20 °/65% (Kiimaschrank) und an- gers im Klima eines Hallenbades während des
schließender 42tägiger Lagerung im Feucht- Zeitraumes .. Ende des Bauzustandes, Hei-
klima 20 bis 25°/95% nach Möhler/ Steck [276] zungsbeginn, Beginn des Badebetriebes"
nach Krabbe / Neuhaus [195]
22 1.5 Holzfeuchtigkeit

Die ungleichmäßige Feuchtigkeitsänderung: Im Ausgangszustand besitzt der Körper


eine gleichmäßige oder ungleichmäßige Feuchtigkeitsverteilung. Die Änderung der
Feuchtigkeit in allen Körperpunkten P; ergebe zu jedem Zeitpunkt eine ungleichmäßige
Feuchtigkeitsverteilung,

Die Feuchtigkeitsdifferenz ~u% = (uk +l - uk)%: Eine Feuchtigkeitszunahme (Quel-


len) liegt bei positivem ~u vor, eine Feuchtigkeitsabnahme (Schwinden) bei negativem
~u.

Egner [43] und Sonnleithner [330] ermitteln bei der Trocknung von Fichtenstäben un-
gleichmäßige, parabelförmige Holzfeuchtigkeitsverteilungen; Krabbe/Neuhaus [195],
MeierhaferI Se// [216] und Mähler/ Steck [276] weisen ebensolche Holzfeuchtigkeitsver-
teilungen in klimabeanspruchten Brettschichtträgern nach, s. Bild 1.8 und 1.9.

1.5.3 Quellen und Schwinden

"Quellen" ist eine Volumenvergrößerung des Holzes infolge Holzfeuchtigkeitszu-


nahme, "Schwinden" eine Volumenverkleinerung infolge Holzfeuchtigkeitsabnahme,
s. auch Abschn. 1.5.2. ln der Umgangssprache werden diese Volumenänderungen als
"Arbeiten des Holzes" bezeichnet.
Beim Quellen und Schwinden ändert sich der Feuchtegehalt der Holzfasern (Zell-
wände), das heißt diese unterliegen einer Volumenänderung; das freie Wasser in den
Zellhohlräumen hat dagegen nur geringen Einfluß. Deshalb treten Quell- und Schwind-
verformungen von Hölzern nur unterhalb der Fasersättigung von im Mittel u = 30%
Holzfeuchtigkeit im hygroskopischen Bereich auf, wie aus Bild 1.10 am Beispiel des
Quellens von Fichtenholz zu entnehmen ist. Im kapillaren Bereich oberhalb der Faser-
sättigung von im Mittel u = 30% Holzfeuchtigkeit treten keine Quell- oder Schwindver-
formungen auf.
ln den drei anatomischen Hauptrichtungen des Holzes liegen große Unterschiede vor,
s. Bild 1.10:

Das Quellen besitzt seinen Größtwert in


tangentialer Richtung, ist etwa halb so
Fas~­
sättigung groß in radialer und oft vernachlässigbar
klein in Faser-(Längs-)richtung. Gleiches
gilt für das Schwinden.
Im hygroskopischen Bereich besteht ein
linearer Zusammenhang zwischen Quel-
len (oder Schwinden) und der Holzfeuch-
tigkeit etwa zwischen u = 5% und u = 20%,
s. Bild 1.10. Für praktische Zwecke darf
jedoch ein linearer Zusammenhang zwi-
schen Form- und Feuchteänderung hin-
reichend genau von u=O% bis u = 30%
angenommen werden, s. auch Abschn .
8.2.3.
Die "freie" Rammquellung av kann als
Qu~Uman- Summe der "freien" Quellungen in den
1.10 Ouellmaße in Richtung der drei Hauptachsen einzelnen Richtungen av a, und a 1 nach
von Fichtenholz in Abhängigkeit von der GI. (1.3)
Gleichgewichtsholzfeuchte nach Noack/
Schwab [285] (1.3)
1.5.4 Kenngrößen des Quellensund Schwindens 23

berechnet werden, hierüber s. Key/werth [164], Kalimann [175], Krabbe/Kintrup [189]


und Mörath [227]
Das Quellen und das entgegengesetzt wirkende Schwinden sind von etwa gleicher Grö-
ßenordnung und weitgehend reversibel. Das Quellen und Schwinden ist je Holzart ver-
schieden. Generell nimmt es mit wachsender Rohdichte zu, da der Anteil der Zellwände
(Holzfasern) am Gesamtvolumen steigt. Deshalb neigen im allgemeinen schwerere
Hölzer mehr zu Formänderungen infolge Holzfeuchtigkeitsänderungen als leichtere
Hölzer.

1.5.4 Kenngrößen des Quellens und Schwindens

Zur praktischen Beurteilung des Quell- und Schwindverhaltens von Holz unterscheidet
DIN 52184 unter anderem folgende Kenngrößen:

Maximales lineares Quellmaß amax

Quellung vom darrtrockenen Zustand auf den nassen Zustand (maximaler Quellzu-
stand)

- Lw-Lo
Umax - - - ·
100 .ln 0/
/O (1.4)
Lo
Iw Maße des Holzes im nassen Zustand (Lage- Ia Maße des Holzes im darrtrockenen Zustand.
rung im Wasserbad über mehrere Wochen).

Das max. Quellmaß hat für die praktische Holzverwendung untergeordnete Bedeutung,
es dient mehr der holzphysikalischen Beurteilung. Maximale Quellmaße einiger Bau-
hölzer können aus Tafel 1.4 entnommen werden.

Trocknungs-Schwindmaß ßN
Schwinden vom nassen Zustand auf den normalklimatisierten Zustand (Lagerung im
Normalklima bei T= 20°C, IP = 65%),

ßN- -Lw-LN
--·
ot
100 .lnto (1.5)
Lw
IN Maße des Holzes im Normalklima Iw Maße des Holzes im nassen Zustand,
nach DIN 50014-20/65 s. GI. (1.4)

Kenngröße zur praktischen Beurteilung: dieses Schwinden ßN liegt vor, wenn frisches
Holz auf etwa uN = 12% Holzfeuchtigkeit trocknet. Trocknungs-Schwindmaße einiger
Bauhölzer können aus Tafel 1.4 entnommen werden.

Differentielle Quellung q
Prozentuales Quellmaß in einer bestimmten anatomischen Hauptrichtung des Holzes
je 1% Holzfeuchtigkeitsänderung in dem für die Praxis wichtigen Bereich der relativen
= = =
Luftfeuchte von tp 35% bis tp 85% (etwa u 5% bis u 20% Holzfeuchtigkeit): =
- LF-LT 0/ JOI
q- . 100 .lnt0/0 (1.6)
La (uF-uT)
IF Maße des Holzes im Feuchtklima: uF Feuchtigkeitsgehalt des Holzes im Feuchtklima
T=20°C, 80%;::;;q~F;::;;go% nach Erreichen des Gleichgewichtszustandes
IT Maße des Holzes im Trockenklima: uT Feuchtigkeitsgehalt des Holzes im Trockenklima
T=20°C, 30%;::;;q~T;::;;40% nach Erreichen des Gleichgewichtszustandes
24 1.5 Holzfeuchtigkeit

Kenngröße zur praktischen Beurteilung: sie ermöglicht die Berechnung von Dehnun-
gen und Längenänderungen für unbehindertes Quellen und Schwinden im bauprak-
tisch wichtigen (Gebrauchs-)Holzfeuchtigkeitsbereich u<30%. Die differentiele Quel-
lung einiger Bauhölzer kann aus Tafel 1.4 entnommen werden.
Quellungsanisotropie Aq
Quotient aus differentieller Quellung in tangentialer und radialer Richtung:
Aq = qtfq, (1.7)
Kenngröße zur praktischen Beurteilung: sie dient der Abschätzung möglicher Quer-
schnittsverformungen. Hölzer mit großer Quellungsanisotropie neigen eher zu Verfor-
mungen infolge Holzfeuchtigkeitsänderungen als Hölzer mit kleiner Quellungsanisotro-
pie. Diese kann für einige Bauhölzer aus Tafel 1.4 entnommen werden.

Tafel1.4 Kenngrößen des Quell- und Schwindverhaltens von Bauhölzern, ermittelt an kleinen, fehler-
freien Proben, nach Keylwerth [164], Kalimann [175] und Noack/Schwab [285]

Holzart Roh- Maximales Quellmaß Trocknungs- differentielle Quel-


dichte amax schwindmaß Quellung q lungs-
l/N ßN in %je 1% aniso-
Holzfeuchtig- tropie
keitsänderung Aq
in in% in% = q,/q,
g/cm 3 tang. 1 rad. I längs tang. 1 rad. tang. I rad.

Nadelhölzer

Fichte 0.47 8,5 3,7 0,2 bis 0,4 4,0 2,0 0,36 0,19 1,9
Tanne 0,47 8,5 3,7 0,2 bis 0.4 4,0 2,0 0,36 0,19 1,9
Kiefer 0,52 8,3 4,2 0,2 bis 0.4 4,5 3,0 0,36 0,19 1,9
1 Lärche 0,59 8,5 3,4 0,1 bis 0,3 4,5 3,0 0,30 0,14 2,1
Western Hemlock 0,49 8,5 5,0 0,2 bis 0,4 4.4 2,0 0,30 0,15 2,0
DouglasielOregon Pine 0,54 8,0 5,0 0,1 bis 0,3 4,0 2,5 0,27 0,15 1,8
Southern Pine 0,55 8,0 5,0 0,2 bis 0,4 4,0 2,6 0,34 0,26 1,3

Laubhölzer

Eiche 0,67 10,9 4,6 0,3 bis 0,6 5,8 2.4 0,34 0,18 1,9
Buche 0,69 13,4 6,2 0,2 bis 0,6 8,0 4,0 0.41 0,20 2,1
Teak 0,69 4,8 2,7 0,2 bis 0,3 2,5 1,5 0,26 0,16 1,6
2 Angelique/Basralocus 0,76 9,8 5,8 0,1 bis 0,3 4,7 2,5 0,36 0,26 1,4
Afzelia/Doussie 0,79 4,5 3,0 0,2 bis 0.4 1,5 1,0 0,22 0,11 2,0
Greenhaart 1,00 8,8 7,0 0,1 bis 0,2 5,0 3.4 0,35 0,29 1,2
Azobe/Bongossi 1,06 11.4 7,7 0,2 bis 0,3 6,1 3,7 0,40 0,31 1,3

Angaben über Kenngrößen des Quell- und Schwindverhaltens weiterer Hölzer s. Grosser [109], Seil [3291
und Wesehe [353].

1.5.5 Formänderungen des Holzes infolge Quellens und Schwindans

Dehnungen und Längenänderungen


Die Dehnungen e eines Holzbauteils infolge Quellens und Schwindens können nach
GI. (1.8) berechnet werden, sie entsprechen formal denen einer Temperaturände-
rung, s. GI. (1.10).
eo.s= q · !lu (1.8)
q prozentuale Quell- und Schwindmaße des !:w Holzfeuchtigkeitsdifferenz zwischen Zustand 1
Holzes je 1% Änderung der Holzfeuchtigkeit, und 2 in%.
1.5.6 Rißbildungen im Holz infolge Holzfeuchtigkeitsänderungen 25

Mit s =M/lläßt sich die Längenänderung Al eines Holzbauteils bezogen auf den Aus-
gangszustand nach GI. (1.9) berechnen.

Mo,s=q-!lu·l (1.9)
Für praktische Berechnungen sind in GI. (1 .8) und (1.9) nicht die Werte der differentiel-
len Quellung qt, nach Tafel 1.4 einzusetzen, sondern die Rechenwerte der Quell- und
Schwindmaße ~ach DIN 1052 T1, s. Abschn. 8.2.3.
Bei behindertem Quellen und Schwinden dürfen die halben Quell- und Schwindmaße
benutzt werden, da durch rheologisches Verhalten des Holzes ein Teil der Verformun-
gen plastisch abgebaut wird, s. Keylwerth [164).
Quellen und Schwinden sind wichtige technologische Größen. Sie sind stets genauso
sorgfältig zu beachten wie Dehnungen infolge Temperaturänderungen beim Baustoff
Stahl. Hingegen sind temperaturbedingte Dehnungen bei Holz im allgemeinen ver-
nachlässigbar, s. Abschn. 1.6.
Verformungen
ln der Regel ist nach dem Einbau von Bauholz (Vollholz) mit einem Nachtrocknen zu
rechnen, das heißt Bauholz schwindet in den meisten baupraktischen Fällen. Wird Holz
in zu feuchtem Zustand gesägt oder eingebaut, können die in den Bildern 1.11 und
1.12 angeführten Verformungen auftreten, da das Schwinden tangential größer ist als
radial zu den Jahrringen, s. Abschn . 1.5.3, und das Schwinden des im Baumstamm
außenliegenden Splintholzes größer ist als das des innenliegenden Kernholzes.

: :::
unbedenklich schlecht richtig falsch

~L[
bei Deckenbalken Kernseite nach oben
1.11 Verformungserscheinungen (nach US Forests 1.12 Verformungen infolge Schwinden bei Kant-
Products Laboratory, Madison) hölzern

Auch im späteren Gebrauchszustand können Verformungen infolge großer Holzfeuch-


tigkeitsänderungen auftreten. Zu große Verformungen haben oft Mängel oder Schäden
an der Baukonstruktion zur Folge, wie beispielsweise Lösen von Anschlüssen, große
Zwängungsspannungen, Verdrehen und dergleichen mehr.
Mit wachsender Holzfeuchtigkeitsänderung und -geschwindigkeit sowie mit zuneh-
menden Abmessungen wird das Verformungsverhalten bei Bauhölzern und die Nei-
gung zu Rißbildungen größer; Maßnahmen zur Verkleinerung oder Vermeidung derar-
tiger Zustände werden in Abschn. 1.5.6 und 1.5.8 beschrieben .

1.5.6 Rißbildungen im Holz infolge Holzfeuchtigkeitsänderungen

Rißbildungen treten in Hölzern auf, wenn im Holz auftretende Spannungen die Festig-
keiten des Holzes überschreiten . Ursache sind im allgemeinen Holzfeuchtigkeitsän-
derungen, die "zu schnell" vorsichgehen und eine "große" ungleichmäßige Holzfeuch-
26 1.5 Holzfeuchtigkeit

tigkeitsverteilung bewirken, zum Beispiel eine betragsmäßig große Feuchtigkeitsdiffe-


renz zwischen inneren und äußeren Querschnittsteilen. Durch diese Feuchteunter-
schiede innerhalb des Querschnitts und durch die vorhandene Anisotropie des Holzes
treten Zug-, Druck- und Scherspannungen auf. die zu Rißbildungen führen können. Hier-
übers. Frech [73). Krabbe [186). Krabbe/Güldenpfennig [187). Mähler/Steck [276].
ln Voll- und Brettschichtholz treten im allgemeinen Schwind- oder Trockenrisse an den
äußeren Querschnittsteilen sichtbar auf, wenn die Einbaufeuchte wesentlich über der
zu erwartenden Gleichgewichtsholzfeuchtigkeit liegt s. Tafel 1.3, und die Holzbauteile
somit nachtrocknen müssen. Dabei überschreiten die durch das Schwinden unter an-
derem auftretenden Querzugspannungen die Querzugfestigkeit des Holzes. Durch die
auftretenden Risse bauen sich die Spannungen ab.
Bei Vollholzbauteilen sind mögliche Rißbildungen auch von der Einschnittsart aus
dem etwa kreisförmigen Stammquerschnitt abhängig. Nach Bild 1.13 ergeben sich
Jahrringlagen in den Querschnitten, die infolge der unterschiedlichen Schwindmaße
tangential und radial verschieden mögliche Rißbilder aufweisen können. Größere
Querschnitte neigen eher zu Rißbildungen als kleinere; markfreie (herzfreie) Quer-
schnitte bilden wesentlich geringere Risse aus als Vollholzquerschnitte mit Mark, s.
auch Glos/Bähner/ Wagner [90] .

~ ~~ ~ wenig
f1lmJ
~ ~~
Rißbildungen

Kernquerschnitt markgetrennte (herzgetrennte) markfreie (herzfreie)


(Markmittellage) Querschnitte Querschnitte
1.13 Einschnittsart, mögliche Rißbildungen bei Vollholzquerschnitten in Abhängigkeit von der Marklage,
Beispiele

Nach Mähler [2511 sollten Vollhölzer aus markfreien (herzfreien) Querschnitten beste-
hen, wenn eine rasche Austrocknung zu erwarten ist oder Schwindrisse als unschön
empfunden werden, zum Beispiel in meist gehobelten, sichtbaren Holzbauteilen (zum
Beispiel Deckenbalken, Innen-, Außenstützen).
Schwindrisse kleinerer Art lassen sich bei Vollhölzern kaum vermeiden und können
bis zu angegebenen Grenztiefen aus statischer Sicht als unbedenklich angesehen wer-
den, ohne daß eine Gefährdung der Standsicherheit oder Gebrauchstauglichkeit vor-
liegt. Hierüber s. Abschn. 1.5.7. Brettschichtholz ist gegenüber Vollholz in der Regel
weitgehend rissefrei, da es bei niedrigen Holzfeuchtigkeiten verleimt wird und die Holz-
feuchtigkeitsdifferenz gegenüber der Gebrauchsholzfeuchtigkeit im allgemeinen gering
ausfällt. Sollten bei Brettschichtholz zum Beispiel im Freien Schwindrisse kleinerer Art
auftreten, so sind auch diese bis zu angegebenen Grenztiefen aus statischer Sicht un-
bedenklich, s. Abschn. 1.5.7.
Besondere Aufmerksamkeit verdient der Witterungsschutz von Voll- und Brettschicht-
holz bei Transport Lagerung und Montage, um eine zusätzl iche Feuchtigkeitsaufnahme
zu verhindern. Dazu sind die Hölzer mit geeigneten Planen oder Folien bei Transport
und Lagerung abzudecken, eine zügige Montage und Dacheindeckung ist sicherzustel-
len, s. auch Abschn. 1.5.8.

1.5.7 Unbedenkliche Rißtiefen bei Trocken- oder Schwindrissen


ln statischer Hinsicht unbedenkliche Rißtiefen bei Querschnitten aus Vollholz nach
Frech [731 und bei Querschnitten aus Brettschichtholz sind in Tafel 1.5 dargestellt. Bei
Einhaltung der angegebenen Grenztiefen für Einzelrisse oder die Summe von Rissen
1.5.7 Unbedenkliche Rißtiefen bei Trocken- oder Schwindrissen 27

besteht keine Beeinträchtigung der Standsicherheit belasteter Holzbauteile, da bei der


Festlegung zulässiger Spannungen nach DIN 1052 T1 die für Vollhölzer üblichen Riß-
bildungen berücksichtigt wurden, s. Graf. Die hier dargestellten unbedenklichen Riß-
bildungen gelten für die Beurteilung von auftretenden Trocken- oder Schwindrissen.
Querzugrisse, die in Bereichen angehängter Lasten, Ausklinkungen, Durchbrüchen und
dergleichen mehr infolge hoher lastabhängiger Querzugspannungen auftreten können,
fallen nicht unter diese Beurteilungskriterien. Ein gleichzeitiges Auftreten von Trocken-
oder Schwindrissen und derartiger lastabhängiger Querzugspannungen sollte ausge-
schlossen werden .
Die Lage der Risse im Querschnitt ist von großer Bedeutung, da bei der in Bild 1.14
angegebenen senkrechten Belastungsrichtung vertikale Risse keine Änderung der
Querschnittswerte (z. B. W. I) ergeben, während waagerechte oder "schräg" verlau-
fende Risse die Tragfähigkeit vermindern .
q q

'~
q

al
I' II'
~
I
~
I bl I
1.14 Rißbildungen bei Vollholzquerschnitten; Minderung der Tragfähigkeit in Abhängigkeit von der Riß-
lage bei senkrechter Belastung
a) keine Minderung der Tragfähigkeit, b) Minderung der Tragfähigkeit

Unbedenkliche Rißtiefen in Vollholzbauteilen sind für einachsige Biegebeanspruchung


und für Schubbeanspruchung aus Querkraft in Tafel 1.5, Zeile 1 und 2 dargestellt. Die
Grenztiefen bei beidseitigen Rissen können Zeile 1 a entnommen werden . Bei einseiti-
gen Rissen können die Werte der Zeile 1 a verdoppelt werden, diese sind nochmals in
Zeile 2 a, b dargestellt. Bei "schräg" verlaufenden Rissen gilt die horizontale Projektion
als Rißmaß; die Grenztiefen "schräg" verlaufender Risse sind in Abhängigkeit von der
Rißneigung a Zeile 1 b zu entnehmen. Die Gesamtrißtiefe sollte die in Zeile 1 c angege-
benen Höchstwerte nicht überschreiten.
Bei den in Zeile 1 und 2 angegebenen Schubbeanspruchungen wird die Ausnutzung
der zulässigen Schubspannungen vorausgesetzt. Für Bereiche in Vollholzbauteilen
mit geringeren als den zulässigen Schubspannungen kann die unbedenkliche Rißtiefe
Zeile 2c entnommen werden . Nach Frech [73) gelten die für Biegebeanspruchung in
Tafel 1.5 angegebenen unbedenklichen Rißtiefen auch für die Beanspruchungen Zug,
Druck und Biegung mit Normalkraft in Vollholzbauteilen.
Unbedenkliche Rißtiefen in Brettschichtholzbauteilen können Tafel1.5, Zeile 3 entnom-
men werden . Schwind- oder Trockenrisse kleinerer Art lassen sich besonders bei witte-
rungsbeanspruchten Bauteilen aus Brettschichtholz nicht vermeiden, sie werden meist
bei dunklen Anstrichen sichtbar. Bei Einhaltung der angegebenen Grenztiefen nach Ta-
fel1.5, Zeile 3, wird die Standsicherheit von Brettschichtholzbauteilen durch Schwind-
oder Trockenrisse nicht beeinträchtigt.
Die Rißtiefen können mit einem dünnen, flexiblen Maßstab oder entsprechendem ge-
messen werden . Die vorhandene Sortierklasse (Güteklasse) der zu beurteilenden Voll-
und Brettschichthölzer sollte den Anforderungen der gewählten Sortierklasse entspre-
chen. Holzbauteile mit chemischem Holzschutz, s. Abschn . 5.2, sind in Bereichen mit
Rißbildungen nachzubehandeln.
28 1.5 Holzfeuchtigkeit

Tafel1.5 ln statischer Hinsicht unbedenkliche Rißtiefen infolge Schwind- oder Trockenrisse bei Voll- und
Brettschichtholzbauteilen

Vollholz nach Frech [73] 1 12 1

ein- und beidseitige Risse, einachsige Beanspruchung

al Biegung und Schub bl Biegung und Schub cl allgemein,


Rißtiefen-Grenzwerte

90 Spannungs- Ri ßneigung

r+:
l:
~ 1:l: ./
l rn
rn

·~
art

-1 117
0
Schub a, 1 H oobis 45° 45° bis 90°

1
0,308 I 0,308
l:
1:1
"'
c
~ /
/
~
Biege- 0,60 8 0,80 8
5, 45 spannung bis bis
·a;
c
30
Schub7
/ 0,80 8 0,80 H

I
~
~ :;:; B1eg\
0::
fsieg~g Schub- 0.45 8 0,65 8

:o
... l rn
0~
15
I
spannung bis
0,65 8
bis
0,65 H
00 20 40 ~ %8 100
8
Gesamtrißtiefe t -
beiseitige Risse in Abhängigkeit Einzelrisse t1 , t2 oder Summe t = t, + t2
von der Lage im Querschnitt in Abhängigkeit von der Rißneigung a
einseitige Risse, ei nachsige Beanspruchung seitliche Risse,
einachsige Beanspruchung

al Biegung biSehub cl Schub


0,9
I O,ffJ8 I
I
~NJmm1 l
~H 1
~zuläss1ger
Bere1ch
TI - r I
l:
I
I
0.458 "'
c
::> 0,6 f--1 I

z~~ssigeJ Bjch
::t: c

--~N-i--
I c
2 ~ I ."
c.
---
d
-~ -
I
y -- ::t: ::t: D"'::> 0,3
I C> .s::. I
I «>
o· .>;
j_+ 10 I
I I
0,458 1
I 0,0 0
0,608 I I 20 40 ~ %8 100
: Summe der RiOtiefen (t, •tll--
8 8
in Abhängigkeit von der vorhan·
einseitige Ei nzelrisse einseitige Einzelrisse denen Sch ubspann ung r 0

Brettschichtholz nach Studiengemeinschaft Holzleimbau [336]21

l=-,~ 816 die Gesamtschwächung


I der Breite 8 darf
örtlich 8/3 nicht
::t: überschreiten
3
~8~ 1-
-=

11 fü r die Biegespann ung angegebenen Ri ßtiefen-Grenzwerte gelten auch für die Beanspruchungen Zug,
Druck und Biegung mit Normalkraft
2 1 g leichzeitig auftretende lastabhängige Querzugspannungen sind auszusch ließen
1.5.8 Einbaufeuchtigkeit und Trocknung von Holz 29

1.5.8 Einbaufeuchtigkeit und Trocknung von Holz

Trocknung von Holz


Bei der Trocknung von Holz wird die natürliche und die technische Trocknung unter-
schieden. Als natürliche Trocknung wird im allgemeinen die Holztrocknung in über-
dachten Lagern unter Außenklima, als technische Trocknung die Holztrocknung in kli-
magesteuerten, allseits geschlossenen Räumen (technische Kammertrocknung) be-
zeichnet. Verleimte Hölzer, zum Beispiel Brettschichtholz nach Abschn. 3.3, besitzen
=
durch technische Kammertrocknung Holzfeuchtigkeiten u< 15% (meist u 10 bis 12%).
Vollhölzer erhalten überwiegend eine natürliche Trocknung, durch die langfristig eine
mittlere Holzfeuchtigkeit von u = 20% erreicht werden kann. Werden kurzfristig Holz-
feuchtigkeiten von u = 20% benötigt, so kann dies bei Vollhölzern nur durch technische
Kammertrocknung hergestellt werden, ebenso wie mittlere Holzfeuchtigkeiten u< 15%.
Durch fachgerecht ausgeführte natürliche oder technische Trocknung erfährt Holz im
allgemeinen nur geringe oder keine Rißbildungen beziehungsweise Verformungen wie
Verdrehen, Krümmungen.

Einbaufeuchtigkeit von Holz


Der Einbau von Holz sollte möglichst mit der zu erwartenden Gleichgewichtsholz-
feuchtigkeit erfolgen, s. Tafel 1.3, so daß die Änderung der Holzfeuchtigkeit "klein"
bleibt. Dies ist bei verleimten Hölzern (z. B. Brettschichtholz) mit Herstellungs-Holz-
feuchten von ca. u= 10 bis 12% ohne weiteren Aufwand erreichbar, s. oben. Da bei
Vollholz eine technische Trocknung in der Regel - auch aus Kostengründen - nicht
üblich ist und eine langfristige natürliche Trocknung derzeit selten durchgeführt wird,
werden Vollholzbauteile meist mit Holzfeuchtigkeiten u> 20% eingebaut. Dieser Einbau
von Vollhölzern mit u > 20% ist nach DIN 1052 T 1 erlaubt, solange der Zustand "halb-
trocken" vorliegt und das Vollholz bald auf den Zustand "trocken" nachtrocknen kann.
Der Einbau von Vollholz im Zustand "frisch" sollte stets vermieden werden.
Mögliche große Verformungen und Rißbildungen bei Bauholz unter Dach lassen sich
dadurch vermindern oder vermeiden, daß z. B. beim Einbau ein Schutz vor Feuchtig-
keitsaufnahme sichergestellt wird, zum Beispiel durch eine zügige Dachdeckung und
kurzfristig durch Abdecken niederschlags- oder feuchtigkeitsgefährdeter Holzbauteile,
auch bei Transport und Lagerung auf der Baustelle, s. auch Abschn. 1.5.6. Dabei wirkt
sich eine kurzfristige Befeuchtung äußerer Querschnittsschichten zum Beispiel durch
einen Regenschauer nicht nachteilig aus; größere Feuchtigkeitszufuhren sollten jedoch
ausgeschlossen werden.
Größere Verformungen und Rißbildungen können ebenfalls in bereits trockenen Holz-
bauteilen entstehen, wenn diese zum Beispiel beim Einbau ungedeckt viel Feuchtigkeit
aufnehmen und danach im beheizten Raumklima zu schnell nachtrocknen. Die in derar-
tigen Fällen vorgenommene nicht-natürliche, meist zu schnelle Holztrocknung sollte
besser durch ein langsames Aufheizen der geschlossenen Räume über mehrere Wo-
chen von niedrigen zu Gebrauchstemperaturen ersetzt werden, um die Holzfeuchtig-
keitsänderung "klein" zu halten, s. Krabbe/Neuhaus [195].
30 1.6 Wärmedehnung, Wärmeleitfähigkeit und Wasserdampfdiffusion von Holz

1.6 Wärmedehnung, Wärmeleitfähigkeit und Wasserdampfdiffusion


von Holz

Wärmedehnung
Die Dehnung eT infolge Temperaturänderung des Holzes verläuft im Gebrauchszustand
etwa linear. Sie kann nach GI. (1 .10) berechnet werden
eT=aT·~T (1.10)
"'T Wärmedehnzahl für eine Temperaturänderung L\ T Temperaturdifferenz zwischen Zustand 1 und
von 1 oc nach Tafel 1.6 2 in oc

Die Längenänderung Al eines Bauteils läßt sich mit e=M!L aus GI. (1 .11) ermitteln .
~IT=ar~T - 1 (1 .11)
Tafel1 .6 Lineare Wärmedehnzahlen "'T von Bau-Die Wärmedehnung ist neben der Holzart
hölzern nach Christoph /Brettel [281.
auch von der Rohdichte und der Faser-
Richtwerte
richtung abhängig; mit wachsender Roh-
Faserrichtung Wärmedehnzahlen "'T · 1o- 6rC dichte steigen die Wärmedehnzahlen, in
den drei anatomischen Hauptrichtungen
tangential "'T.t = 45 bis 60
sind sie unterschiedlich groß, s. Tafel 1.6.
radial "'T.• = 25 bis 45 Die Wärmedehnung von Holz darf im
in (parallel) "'T. II = 2,5 bis 5,0 Bauwesen innerhalb des Gebrauchstem-
peraturbereiches im allgemeinen ver-
nachlässigt werden, da sie von kleiner
Größenordnung ist und die bei Tempe-
raturänderungen gleichzeitig auftretenden Holzfeuchtigkeitsänderungen entgegenge-
setzt verlaufende Quell- oder Schwindverformungen bewirken. Nur bei besonderen
Verhältnissen und sehr hohen Anforderungen an die Holzkonstruktion kann die Wär-
medehnung von Holz Berücksichtigung
0,40 finden . Dabei sind die Wärmedehnzahlen

WlmK I nach Tafel 1.6 als Richtwerte anzusehen .

V I
Bei Verbundkonstruktionen Holz-Metall
oder Holz-Beton ist jedoch nach den Er-
0,30

I
läuterungen zu DIN 1052 T1 der Einfluß
H ängs I von Temperaturänderungen in besonde-
0.25 J ren Fällen zu überprüfen. Außenliegende
~
·o;
1/ / Metallteile großer Abmessungen nehmen
~ 0,20 schneller als Holz die Lufttemperatur an
,,..:.c.
:t:
~ 0,15
I
I V
/
/ oder werden durch Sonnenstrahlen rasch
aufgeheizt
Metallteilen
Die Wärmedehnung in den
kann Zwängungskräfte her-
E
~ 0,10 / vorrufen, die möglicherweise rechnerisch
L_
0,05
~quer zu berücksichtigen sind . Dabei sind als
Wärmedehnzahlen von Stahl und Beton
1/' aT= 12 · 10- 6 /°C und von Aluminium aT=
24. 10- 6f0C anzusetzen.
200 400 600 600 1000 kg/m 3 1400
Rohdirhte p--- Wärmeleitfähigkeit von Holz
Holz besitzt eine geringe Wärmeleitfähig-
1.15 Wärmeleitfähigkeit von Hölzern längs und
quer zur Faserrichtung in Abhängigkeit von keit im Vergleich zu anderen Baustoffen
der Rohdichte bei einer Holzfeuchtigkeit wie Stahl, Beton, Aluminium, oder gute
u = 10% nach Kollmann / Malmquist [178] wärmedämmende Eigenschaften. Die
1.6 Wärmedehnung , Wärmeleitfähigkeit und Wasserdampfdiffusion von Holz 31

Wärmeleitfähigkeit ). des Holzes ist nach Kollmann/Malmquist [1781 im wesentlichen


von der Rohdichte, der Holzfeuchtigkeit und der Faserrichtung abhängig. Nach Bild
1.15 nimmt ). im Bereich der Rohdichten von Bauhölzern mit wachsender Rohdichte
etwa linear zu, in Faserrichtung ist sie mehr als doppelt so groß wie senkrecht zur
Faser. Steigt die Holzfeuchtigkeit um u= 1%, so nimmt ). unterhalb der Fasersättigung
um etwa 1,25% (bezogen auf das Darrgewicht) zu.
Die Wärmeleitfäh igkeit versch iedener Tafel1.7 Rechenwerte 1 ) der Wärmeleitfähigkeit
Holzarten kann Grosser [108], [109], Kali- nach DIN 4108 T4 für Bauhölzer
mann [175], Se// [329], Wesehe [3531 und Holzart Wärmeleitfähigkeit },R
anderen entnommen werden . Beim prak-
tischen Nachweis des Wärmeschutzes in W/(mK)
sind die Rechenwerte der DIN 4108 nach
Fichte, Kiefer, Tanne 0,13
Tafel1 .7 anzusetzen; bei deren Festlegung
sind die oben genannten Abhängigkeiten Buche, Eich e 0,20
berücksichtigt worden. Hölzer mit großer 1 ) die angegebenen Rechenwerte gelten für Holz
Rohdichte sind in DIN 4108 T 4 nicht ange- quer zur Faser; in Faserrichtung ist näherungs-
geben. Für diese Hölzer wie Azobe (Bon- weise der 2,2-fache Wert einzusetzen, wenn kein
gossi) und Greenheart empfehlen Noack/ genauerer Nachweis erfolgt
Schwab [285] eine Wärmeleitfähigkeit
=
von ).R 0,28 W/(mK).

Wasserdampfdiffusion von Holz


Der Widerstand von Holz gegenüber Wasserdampfdiffusion ist u.a. abhängig von der
Rohdichte, Faserrichtung und Holzfeuchtigkeit. Die Abhängigkeit von der Holzfeuchtig-
keit kann Bild 1.16 am Beispiel des Fichtenholzes entnommen werden. Danach nimmt
der Diffusionswiderstand mit abnehmender Holzfeuchtigkeit stark zu . Im Bereich der
=
Fasersättigung beträgt 11 2, bei einer
240
Holzfeuchtigkeit u = 4% besitzt der Diffu-
sionswiderstand im Vergleich dazu den
über 100fachen Wert. \
\
:..200
Bei der Holzfeuchtigkeit u = 12%, der sich ~
nach längerer Lagerung im Normalklima .gc:

\
einstellt, s. Tafel 1.3, beträgt 11 = 40. Die- ~ 160
ser wWert ist als Richtwert der Wasser-
dampf-Diffusionswiderstandszahl beim c:
~
Nachweis der Tauwasserbildung nach -~ 120
DIN 4108 T3 (klimabedingter Feuchte- :;:
0
I
1\
Ficht~, qu ~r zur Fas~r
schutz) anzusetzen, s. Tafel 1.8, er gilt un-

\
} 80
abhängig von der Holzfeuchtigkeit. "' 'E

:! 40
~
Tafel1 .8 Richtwert der Wasserdampf-Diffusion s-
widerstandszahl J1 von Holz quer zur Fa -
0
I'-
ser nach DIN 4108 T4 0 4 8 1216 2024% 3Z
Holzart Holzf~uchtigkO?tt u-
1.16 Wasserdampf-Diffusionswiderstandszahl J1 in
Fichte, Kiefer, Tanne
Abhängigkeit von der Holzfeuchtigkeit nach
40
Buche, Eiche Cammerer [26]. Egner [42] und Voigt/ Kri-
scher/ Schauss!346]
32 1.7 Resistenz und Widerstandsfähigkeit gegenüber Chemikalien

1. 7 Resistenz und Widerstandsfähigkeit gegenüber Chemikalien

Resistenz
Als Resistenz wird die .,natürliche Widerstandsfähigkeit" von Holz gegenüber Einwir-
kungen verschiedener Schadenseinflüsse bezeichnet. Sie ist bei den einzelnen Holzar-
ten verschieden hoch ausgeprägt. Nach Willeitner [360] ist die Resistenz unabhängig
von der Dichte des Holzes, sie stützt sich auf das Vorhandensein bestimmter (pilz- und/
oder insektenwidriger) lnhaltsstoffe, die nur im Kernholz vorkommen. Aus diesem
Grunde ist Splintholz stets anfällig, Kernholz je nach Holzart unterschiedlich resistent.
Die einzelnen Holzarten werden nach DIN 68364 in fünf Resistenzklassen eingeteilt, s.
Tafel 1.9; dabei wird nach dem Grad der Resistenz des ungeschützten Kernholzes ge-
gen Befall durch holzzerstörende Pilze bei lange dauernder Holzfeuchtigkeit u> 20%
oder bei Erdkontakt unterschieden. Ungeschütztes Kernholz gilt bei diesen dauernd
hohen Holzfeuchtigkeiten als sehr resistent (Klasse 1), wenn es innerhalb von 20 bis 25
Jahren nicht durch Pilze abgebaut wird; es gilt als nicht resistent (Klasse 5), wenn es
innerhalb von 5 Jahren zerstört wird. Ungeschütztes Splintholz aller Holzarten ist den
Klassen 4 (wenig resistent) und 5 (nicht resistent) zuzuordnen. Nach Tafel 1.9 sind von
den Bauhölzern nur die tropischen Hölzer sehr resistent, wenn Kernholz verwandt wird.
Diese werden in der Praxis als .,witterungsfest" bezeichnet. Alle Hölzer können durch
einen chemischen Holzschutz nach DIN 68800 T3 dauerhaft gegen holzzerstörende
Pilze geschützt werden, s. Abschn. 5.2.

Tafel1.9 Resistenz des ungeschützten Kernholzes von Bauhölzern bei langanhaltender hoher Holzfeuch-
tigkeit (u> 20%) oder bei Erdkontakt nach DIN 68364

Holzart Resistenz Holzart Resistenz


Nadelhölzer Kl. Bezeichnung Laubhölzer Kl. Bezeichnung

Fichte 4 wenig resistent Eiche 2 resistent

Tanne 4 wenig resistent Buche 5 nicht resistent

Kiefer 3/4 mäßig bis wenig Teak 1 sehr resistent

Lärche 3 mäßig resistent Angelique/Basralocus 1 sehr resistent

Western Hemlock 1 ) 3/4 mäßig bis wenig Afzelia/Doussie 1 sehr resistent

DouglasielOregon Pine 3 mäßig resistent Greenheart 1 sehr resistent

Southern Pine 1 ) 3 mäßig resistent Azobe/Bongossi 1 sehr resistent

1) nach Angaben von Se//1329]

Bei vorübergehend durchfeuchtetarn Holz ist für die Beurteilung der Resistenz neben
den Angaben der Tafel 1.9 auch die Fähigkeit zur Feuchtigkeitsaufnahme von großer
Bedeutung. Fichtensplintholz besitzt beispielsweise ein schlechteres Eindringvermö-
gen für Wasser als das besonders kapillare Kiefernsplintholz. Deshalb ist Kiefernsplint-
holz weitaus pilzgefährdeter, weil es schnell durchfeuchtet werden kann, als Fichten-
splintholz, das Holzfeuchtigkeiten u> 20% langsamer erreicht.
Die Resistenz weiterer Holzarten kann unter anderem Bellmann [9], Seil [329] und Wil-
/eitner [360] entnommen werden.
Widerstandsfähigkeit von Holz gegenüber Chemikalien
Einige Holzarten besitzen gegenüber der Einwirkung vieler Chemikalien eine hohe bis
ausreichende Widerstandsfähigkeit, wie aus den Tafeln 1.10 und 1.11 am Beispiel von
Bauhölzern zu entnehmen ist.
1.7 Resistenz und Widerstandsfähigkeit gegenüber Chemikalien 33

Danach ist die Widerstandsfähigkeit der untersuchten Hölzer gegenüber verdünnten


Säuren und Laugen sowie gegenüber Salzen und einigen Gasen hoch. Nadelhölzer
sind im allgemeinen widerstandsfähiger als Laubhölzer. Aus diesen Gründen wurde
und wird Nadelholz (Voll- und Brettschichtholz) unter anderem zum Bau von Lager- und
Produktionshallen mit chemisch-aggressiver Raumluft eingesetzt, zum Beispiel Salz-,
Kali-, Düngemittel-, Kohlen-Lagerhallen, Gerbereien, Verzinkereien, aber auch Über-
dachungen von Deponien, Kläranlagen sowie Solebäder und landwirtschaftliche Ge-
bäude; hierüber s. auch [156].
Die Widerstandsfähigkeit gegenüber Chemikalien weiterer Hölzer kann unter anderem
Grosser [108] entnommen werden. Über die chemische Wirkung von Hölzern auf an-
dere Baustoffes. Grosser [1081. LIGNUM [210], Noack/Schwab [285].
Tafel1.10 Widerstandsfähigkeit von Bauhölzern gegenüber Säuren und Basen bei einer Temperatur von
T= 20°C nach Mörath [2271
angreifende Chemikalie Konzen- Nadelholz Laubholz
tration
Fichte Tanne Kiefer Lärche Eiche Buche
in o/o

2 I I I I I I

Essigsäure 5 I I I I I I

10 I I I I II I

2 I I I I I I

Milchsäure 5 I I I I I I

10 I I I I I I

2 I I I I II II

Salpetersäure 5 I II II I II II

10 I II I I 111 II

2 I I I I I I

Salzsäure 5 II II II II

10 II II 111 IV

2 I I I I

Schwefelsäure 5 I I I I

10 II II 111 111
2 I I II II

Ammoniak 5 I I IV 111

10 II II IV IV

2 I I II II

Natriumhydroxid 5 II II II II IV 111

10 111 II 111 111 IV IV

Erläuterungen zu den Bezeichnungen der Widerstandsfähigkeit:


1: praktisch vollkommen beständig, II: ausreichend beständig, 111: ziemlich beständig, IV: wenig beständig,
V: unbeständig
34 1.8 Elastizität des Holzes

Tafel1 .11 Widerstandsfähigkeit von Bauhölzern gegenüber Salzen und und anderen Chemikalien nach
Besold/Fengel [11] und Kalimann [175]

Holzart Chemikalie Widerstandsfäh igkeit

Salze

Nadel- und Calcium-, hoch bis ausreichend


Laubholz Kalium-, widerstandsfähig
Kupfersulfat-,
Natrium-,
Seewasser bei Seewasser Imprägnierung notwendig

andere Chemikalien (Gase) 1 )

Fichtenholz Ammoniak keine Festigkeitsminderung

Chlor stark schädigend

Formaldehyd keine Festigkeitsminderung


Schwefeldioxid Schädigungen erst bei höheren Temperaturen
und Holzfeuchtigkeiten

1) Untersuchungen wurden bei hohen Gaskonzentrationen durchgeführt

1.8 Elastizität des Holzes

Ein Körper wird als elastisch bezeichnet, wenn seine Verformungen reversibel sind,
das heißt unter Belastung verliert er seine Ursprungsform, bei Entlastung geht er voll-
ständig in seine Ursprungsform zurück.
Holz verhält sich im Kurzzeitversuch bis zu einer bestimmten Beanspruchungshöhe fast
vollkommen elastisch, s. Bild 1.17 am Beispiel des Nadelholzes bei Beanspruchung in
Faserrichtung . Während die Spannungsdehnungslinie für Zug bis zur Zugfestigkeit ßz
nahezu linear verläuft, liegt die Proportionalitätsgrenze ßop für Druck nach Mähler [247)
105 bei etwa 65 bis 85% der Druckfestigkeit
ß0 . Oberhalb der Proportionalitätsgrenzen
~z nehmen die Dehnungen stärker zu als die

-1
Nimm1 - ßzp
-- --- Spannungen, es treten zusätzlich zu den
elastischen auch plastische Verformun-

1
75 gen auf, letztere sind bei Druckbeanspru-
/ -zug chung ausgeprägter als bei Zugbeanspru-
g 60 chung .

..
c I ~D
Holz besitzt ein viskoelastisch-plastisches

IY
Cl
c
45 Formänderungsverhalten. ln diesem kom-
c" i'-oruck -....., plex aufgebauten Körper treten unter Bela-
c ßo p
"' 30 stung teilweise irreversible Fließvorgän-

I
0.
V1
ge auf, die die oben angeführten plasti-
15 schen (bleibenden) Verformungen be-

~ tana=~ = f" w irken . Das elastische Verhalten (geradli-


0
I • l niger Teil der Spannungsdehnungslinien)
0 0,2 0,4 0,6 cyo 1,0 wird durch Elastizitätsgesetze beschrie-
Dehnungen ! <o.z - ben . Sie geben diesen linearen, eindeutig
1.17 Spannungsdehnungslinien für Nadelholz bei umkehrbaren Zusammenhang zwischen
Zug- und Druckbeanspruchung in Faserrich- auftretenden Spannungen und Verzerrun-
tung (Mittelwerte ) nach Möh/er [247] gen wieder (physikalische Linearität).
1.8.1 Elastizitätsgesetze (anisotrop, rhombisch-anisotrop, isotrop) 35

1.8.1 Elastizitätsgesetze (anisotrop, rhombisch-anisotrop, isotrop)

Elastizitätsgesetz eines anisotropen Körpers


Das elastische Verhalten eines anisotropen Körpers (s. Abschn. 1.2) ohne Symmetrieei-
genschaften kann durch das verallgemeinerte Hookesche Gesetz oder das trikline
Kristallsystem nach Voigt beschrieben werden. Bei homogenem Material existieren
für diesen allgemeinen Fall (räumliche, dreiachsige Betrachtung) nach GI. (1.12)
Gx = S11 (Jx + S12(Jy + S13az + S14 !yz + S15 !zx + S1s!xy
Gy = S21 (Jx + S22ay + S23az + S24 !yz + S25 !zx + S2s!xy
Gz = 5:31 (Jx + 5:32 ay + S33az + 8:34 !yz + S35 !zx + S35 !xy
Yyz = s41 (Jx + s42(Jy + s43(Jz + s44 !yz + s45 Lzx + s46Lxy (1.12)
Yzx = Ss1 ax + Ss2ay + S53az + S54 !yz + Sss!zx + Sss!xy
(xy = Ss1 ax + Ss2 ay + Ss3 a, + S54 !yz +Ses !zx +Ses rxy

36 Elastizitätszahlen S;k· Hierüber s. Heimeshoff [1221. Leipholz [209]. Love [2131. Voigt
[344]. [345].
Unter der Voraussetzung der Existenz eines elastischen Potentials reduziert sich die
Anzahl der Elastizitätszahlen, die von Null verschieden sind, auf 21, es gilt die Symme-
triebedingung nach GI. (1.13)
(1.13)
Der reziproke Wert der s;k entspricht (in bestimmten Fällen, s. unten) dem Begriff .,Mo-
dul" im lngenieurwesen.
Elastizitätsgesetz eines rhombisch-anisotropen Körpers
Existieren drei aufeinander senkrecht stehende Achsen mit unterschiedlichen Maßein-
heiten, liegt rhombische Anisotropie im Sinne der Voigtschen Kristallphysik vor. Die
Anzahl der Elastizitätszahlen beträgt zwölf, davon sind neun numerisch verschieden.
Es gilt die Symmetriebedingung GI. (1.13). Das Elastizitätsgesetz für rhombische Aniso-
tropie lautet (räumliche, dreiachsige Betrachtung):
Gx = S11 ax + S12ay+ S13az
Gy =s21ax+S22ay+s23a,
Gz = S31 (Jx + S32ay + S:33az
Yyz = S44 !yz (1.14)
Yzx = Sss !zx
Yxy = Ses !xy

Der erste Index bezeichnet die Richtung der Verformung, der zweite die Richtung der
Spannung. Die Zahlen 1, 2, 3 sind den Richtungen der Koordinaten x, y, z zugeordnet,
s. Bilder 1.3 und 1.4.
Die Elastizitätszahlen
S;; = 1, 2, 3 werden als Dehnungszahlen, die
S;; = 4, 5, 6 als Gleitzahlen und die (1.15)
S;k i, k = 1, 2, 3 als Querdehnungszahlen
i oH
bezeichnet, Dimension [mm 2/N].
Das elastische Verhalten von Holz läßt sich in guter Näherung mit dem rhombisch-
anisotropen Elastizitätsgesetz nach GI. (1.14) beschreiben. Hierüber s. Heimeshoff
36 1.8 Elastizität des Holzes

[122], Heimeshoff!Gios [138], Hörig [153], [154], Keylwerth [163], Kalimann [175],
Krabbe [182], Lischke [211], Neuhaus [279], [280], Noack/Geissen [283], Scharr [308],
Wommelsdorff [361] und Abschn. 21.2.
Das elastische Verhalten von Holz ist von verschiedenen Einflußgrößen abhängig, zum
Beispiel von der Holzart, Rohdichte, Holzfeuchtigkeit Holztemperatur und dergleichen
mehr, hierüber s. unter anderem Kalimann [175]. Die Abhängigkeit der Elastizitätszah-
len sik von der Holzfeuchtigkeit kann für Fichtenholz Tafel 1.12 entnommen werden.
Die Elastizitätszahlen sik finden im allgemeinen Anwendung bei theoretischen Untersu-
chungen wie ebenen und räumlichen Problemen (zum Beispiel Scheiben, Platten und
dergleichen mehr), bei denen die rhombische Anisotropie des Holzes berücksichtigt
wird, hierüber s. Abschn. 21.

Tafel1.12 Elastizitätszahlen S;k von Fichtenholz bei verschiedenen Holzfeuchtigkeiten nach Neuhaus [279],
ermittelt an kleinen fehlerfreien Proben 1 ) 2 )

Holz· s,, S2z 533 s,, s,, sss -s,2 -s21 -s,3 -s3, -s23 -s,, Holz·
feuch- feuch-
tig- tig
keit u ·10 3 -1o-3 ·10- 3 .1Q-3 -1o-3 .1Q·3 -10 "3 ·10" 3 ·10 3 -10 3 ·10- 3 -1o-3 keit u
in in in in in in in in in in in in in in
% mm 2 /N mm 2/N mm 2/N mm 2/N mm 2/N mm 2/N mm 2/N mm 2/N mm 2/N mm 2/N mm 2/N mm 2/N %

4 1,960 0,079 1,010 1,306 17,69 1,153 0,017 0,057 0,368 0,385 0,051 0,019 4

8 2,092 0,080 1,083 1,403 20,03 1,222 0,026 0,071 0,503 0,528 0,058 0,025 8

12 2,383 0,083 1,223 1,604 23,60 1,345 0,046 0,084 0,733 0,740 0,068 0,034 12

16 2,790 0,087 1,414 1,859 28,33 1,520 0,070 0,096 0,977 0,984 0,078 0,045 16

20 3,272 0,091 1,636 2,120 34,16 1,743 0,093 0,107 1,234 1,219 0,087 0,053 20

24 3,786 0,095 1,874 2,338 41,00 2,010 0,110 0,116 1,383 1,410 0,092 0,056 24
1) mittlere Rohdichte l2o = 0,42 g/cm 3
2) für die Querdehnungszahlen s 12 , s 21 , s 23 , s 32 ist die Forderung S;k = sk; nach den Ergebnissen von Neu-
haus [279] im allgemeinen nicht erfüllt

Die Elastizitätszahlen nach Tafel 1.12 können nicht unmittelbar auf Bauholz übertragen
werden. Für die Standsicherheitsnachweise tragender Bauteile dürfen nur die Mate-
rialkennwerte nach DIN 1052 T 1, s. Tafel 8.11, verwandt werden.
Elastizitätsgesetz eines isotropen Körpers
Ein isotroper Körper besitzt in allen Richtungen gleiche elastische Eigenschaften, das
heißt er ist unabhängig vom Koordinatensystem, s. Abschn. 1.2. Für einen linear-elasti-
schen, isotropen Körper gibt das Hookesche Gesetz den eindeutig umkehrbaren Zu-
sammenhang zwischen Spannungen CJ und Dehnungen e wieder, in GI. (1.16) für den
Fall einachsiger Längsbeanspruchung.
CJ=E·e E Elastizitätsmodul (1.16)
Entsprechendes gilt für die Schubbeanspruchung aus Querkräften nach GI. ( 1.17),
r= G- )' G Schubmodul (1.17)
in der der Zusammenhang zwischen Schubspannungen r und Winkelverformungen y
(Gleitwinkel) dargestellt wird.
Der isotrope Körper wird durch drei Materialkennwerte beschrieben: den Elastizitäts-
modul E, den Schubmodul G und die Querkontraktionszahl v; zwei davon sind vonein-
ander unabhängig, die dritte Größe ist stets abhängig, s. GI. (1.18):
1.8.2 Elastizitäts-, Schub- und Torsionsmoduln von Hölzern 37

E
G=--- r Querkontraktionszahl ( =- ~) (1.18)
2 (1 + v)
Die Querdehnungszahlen s;k aus GI. (1.12), (1.14), (1.15) sind nicht identisch mit der
Querkontraktionszahl v aus GI. ( 1.18), letztere stellt das Verhältnis zwei er Dehnungen
dar und ist dimensionslos.
Bei Torsionsbeanspruchung eines isotropen Körpers besteht zwischen der Verdrehung
q; und dem Torsionsmoment MT die Beziehung nach GI. (1.19), die Torsionsspannung
rT läßt sich nach GI. (1.20) berechnen.

MT GT Torsionsmodul
q;=-- (1.19)
Gr /T h Torsionsflächenmoment 2. Grades
WT Torsionswiderstandsmoment
rT=MT/WT (1.20)

Die Elastizitätsmoduln E, Schubmoduln G und Torsionsmoduln GT sind Proportionali-


tätsfaktoren; sie besitzen die Größe einer hypothetischen Spannung (N/mm 2 ) und sind
gleich dem Tangens des Neigungswinkelsader zugehörigen Spannungs-Verformungs-
Linien, als Beispiels. Bild 1.17.

1.8.2 Elastizitäts-, Schub- und Torsionsmoduln von Hölzern

ln der Ingenieurpraxis werden nicht die Elastizitätszahlen S;k nach GI. ( 1.14), ( 1.15), son-
dern ihre Kehrwerte, die Elastizitäts- und Schubmoduln verwandt. Es bestehen fol-
gende Beziehungen, s. Bild 1.3:
(L für längs, T für tangential, R für radial):

EL = E22 = 1/s22 Elastizitätsmodul in Faserrichtung


ET = E11 = 1/s11 Elastizitätsmodul in Tangentialrichtung
ER = E33 = 1/s33 Elastizitätsmodul in Radialrichtung
GLR = G 23 = 1/s44 Schubmodul der Radialfläche
GRT = G31 = 1/s55 Schubmodul der Hirnfläche
GLT = G 21 = 1/s66 Schubmodul der Tangentialfläche

Elastizitäts- und Schubmoduln von Bauhölzern können aus Tafel1.13 entnommen wer-
den.
Die Elastizitäts- und Schubmoduln nach Tafel 1.13 können ebenfalls nicht auf Bauholz
unmittelbar übertragen werden; für tragende Bauteile aus Voll- und Brettschichtholz
dürfen nur die Rechenwerte dieser Moduln nach DIN 1052 T1, s. Tafel 8.11, verwandt
werden.
Setzt man die Module ins Verhältnis, s. Tafel1.14, so zeigt sich der anisotrope Charak-
ter der Hölzer, gekennzeichnet durch die unterschiedlichen Maßeinheiten in den anato-
mischen Hauptachsen.
Für die Ingenieurpraxis ist die Anzahl von sechs verschiedenen Moduln unhandlich,
sie würde zeitaufwendige Berechnungen nachsichziehen. Eine gesonderte Betrachtung
der beiden x- und z-Richtungen ist darüber hinaus technisch nicht sinnvoll, da in Bau-
hölzern die Jahrringe in den seltensten Fällen kantenparallel verlaufen und deshalb
eine Orientierung dieser beiden Hauptachsen nach Bild 1.3 in Bauhölzern fast immer
38 1.8 Elastizität des Holzes

Tafel1.13 Elastizitäts- und Schubmoduln sowie Querdehnungszahlen von Bauhölzern nach DIN 68384,
Keylwerth [163]. Noack/Schwab [285] und Seil [329]; Mittelwerte, bestimmt an kleinen, fehler-
freien Proben bei einer Holzfeuchtigkeit u "" 12% 1 )

Holzart Roh- Elastizitätsmoduln Schubmoduln Querdehnungszahlen


dichte ET EL ER GLR GRT GLT -s,2 -s,3 -s32
1 1 1 1 1 1
-1o-3 .1Q-3 -10-3
(/N 511 522 533 s•• 555 566
in in in in in in in in in in
g/cm 3 N/mm 2 N/mm 2 N/mm 2 N/mm 2 N/mm 2 N/mm 2 mm 2 /N mm 2/N mm 2/N

Nadelhölzer

Fichte 0,47 450 10000 800 600 40 650 0,033 0,60 0,027

Tanne 0,47 450 10000 - - - - - - -

Kiefer 0,52 500 11000 1000 - 70 680 0,027 0,54 0,028

1 Lärche 0,59 - 12000 - - - - - - -

Western
Hemlock
0,49 - ~11 000 - - - - - - -

Douglasie/ 0,022
0,54 700 12000 900 800 80 900 0,038 0,45
Oregon Pine

Southern - -
0,55 - 11100 - - - - -
Pine

Laubhölzer

Eiche 0,67 1000 13000 1580 1150 400 800 - 0,30 -

Buche 0,69 1160 14000 2280 1640 470 1080 0,037 0,31 0,032

Teak 0,69 - 13000 - - - - - - -

Angelique/
2
Basralocus
0,76 - 14000 - - - - - - -

Afzelia/
0,79 1450 13500 1840 1330 420 980 0,033 - 0,023
Doussie

Greenheart 1,00 - 22000 - - - - - - -

Azobe/
Bongossi
1,06 2060 17000 3230 - - - - - -

1) -:keine Angaben in der angeführten Literatur

Tafel1.14 Verhältnisse von Moduln nach Tafel1.13 für Fichte und Eiche

Verhältnis Fichte (Nadelholz) Eiche (Laubholz)

Elf ER! ET 10 000/800/450 = 13 000/1580/1000 =


22 /1,8/1 13 /1,6 /1

EL/GLT 10000/650 = 13000/800 =


15 /1 16 /1

auszuschließen ist. Bei Torsionsbeanspruchung eines rhombisch-anisotropen Körpers


um eine Hauptachse sind jeweils zwei Schubmoduln beteiligt; auch hier kann für prakti-
sche Fälle eine Reduzierung auf einen Torsionsmoduln vorgenommen werden, s. Mäh-
ler/ Hemmer [261]. Aus diesen Gründen kann die Anzahl der Moduln für die Ingenieur-
praxis auf vier verringert werden:
1.8.2 Elastizitäts-, Schub- und Torsionsmoduln von Hölzern 39

Eu = EL = E2 2 = 1/s22 Elastizitätsmodul in Faserrichtung


El. = ET = E11 = 1/s11 Elastizitätsmodul quer zur Faserrichtung
G = GLT=G2, = 1/Sss Schubmodul

~ = ~ G (im allgemeinen) Torsionsmodul


3
Durch diese Reduzierung der Anzahl der Moduln wird der anisotrope Baustoff Holz für
praktische Belange hinreichend genau und vereinfachend auf einen quasi-isotropen
Baustoff zurückgeführt. Die Berechnungen können demnach auf der Grundlage des
Abschn. 1.8.1 (isotroper Körper) durchgeführt werden, jedoch besteht bei Holz kein
Zusammenhang zwischen E, G und v, wie er bei isotropen Baustoffen nach GI. (1 .18)
vorliegt. Ein Vergleich zwischen einem rhombisch-anisotropen und isotropen Baustoff
kann Tafel1.15 entnommen werden .
Tafel1.15 Vergleich zwischen einem rhombisch-anisotropen und isotropen Körper

rhombisch -anisotrop isotrop


Nadelholz nach DIN 1052 T 1 Baustahl nach DIN 18800 T 1

Materialkennwerte

Eu= 10000 Nl mm 2 E = 210000 Nl mm 2


E~ = 300 Nl mm 2
G = 500 Nl mm 2 G = 81 000 Nl mm 2

Verhältnisse von Moduln

EuI G = 100001500 = 20 EI G = 210 000181 000 = 2,6


E~1 G = 3001500 = 0,6
EuI E~ = 100001300 = 33

Zusammenhang zwischen den Materialkennwerten

nicht vorhanden G= - E -
2 (1 + v)

Die Elastizitätsmoduln von Bauhölzern für Zug-, Druck- und Biegebeanspruchungen


sind für praktische Berechnungen gleich groß, das heißt der Elastizitätsmodul Eu kann
für diese Fälle benutzt werden . Für Biegebeanspruchung gilt jedoch die Einschränkung,
daß die Biegerandspannung im Druckbereich den Wert von ßop nicht überschreitet, s.
Bild1.17.

--
Die Elastizitäts- und Schubmoduln sind
entsprechend den Elastizitätszahlen von 12000
der Holzart, Rohdichte, Holzfeuchtigkeit, ........._
Holztemperatur und dergleichen mehr :--
abhängig . Sie können auch bei gleicher 8000
Holzart innerhalb weiter Grenzen
schwanken. Die Abhängigkeit des Elasti- Eu 6000
zitätsmoduls Eu von der Holzfeuchtig- 4000
keit kann für Nadelholz Bild 1.18 ent-
2000
nommen werden . Danach nimmt der
Elastizitätsmodul Eu im hygroskopischen 0
Bereich mit steigender Holzfeuchtigkeit 0 10 20 30 % so
u ab, während er im kapillaren Bereich Holzfeuchtigkeit u -
konstant bleibt. Entsprechende, jedoch 1.18 Elastizitätsmodul Eu von Nadelholz in Abhän-
im hygroskopischen Bereich größere gigkeit von der Holzfeuchtigkeit u nach Mähler
Abhängigkeiten von der Holzfeuchtig- [247]
40 1.9 Kriec hen von Holz

keit liegen für die f 1.- und G-Moduln vor. ln der praktischen Berechnung werden diese
Abhängigkeiten durch Abminderung der Moduln bei großer und dauernder Durch-
feuchtung von Holzbauteilen berücksichtigt, s. Tafel 8.12. Die Abhängigkeit des Elastizi-
tätsmoduls f 11 von der Rohdichte Qo ist in Bild 1.6 dargestellt.
Bei Beanspruchungen, die von der Faserlängsrichtung abweichen, nimmt der Elastizi-
tätsmodul f 11 mit steigendem Winkel a (Winkel zwischen Kraft- und Faserrichtung) ab
und erreicht bei a = 90° den Wert von f 1. . Diese Abhängigkeit kann mit hinreichender
Genauigkeit nach GI. (1 .21) berechnet oder Bild 1.19 für Nadel- und Laubholz entnom-
men werden. Über diese und weitere Abhängigkeiten der Moduln s. Beldie [8]. Glas
[87). [88]. Kalimann [175]. Kollmann/Krech [177). Kufner [200]. LIGNUM [2101. Mähler/
Steck [276]. Noack/Geissen [283]. Schwab/Polaczek [328]. Wesehe [353].

E= f t . f J. a Winke l zwi schen Kraft- und Faserrichtung ( 1.21)


E, a . 3a
f J. · cos 3 a + f 1 . sm

12500 /1
N/mnr
10000
1/" 1\
"""' \\
~l.a~bholz
t 7500
E 5000 \ \N~elholz
""\
-
2500 ~
~~ E, 1.19
Elastizitätsmodul E von Nadel- und Laub-
30 90 holz (Bu che/Eichel in Abhängigkeit vom
Winkel a zl<ischen Kraft- und Faserlichtung Winkel a zwi schen Kraft- und Faserrichtung

Die vorbenannten Abhängigkeiten sind bei der Festlegung der Rechenwerte der Elasti-
zitäts-, Schub- und Torsionsmoduln von Voll - und Brettschichtholz nach DIN 1052 T 1
berücksichtigt worden; diese Rechenwerte der Moduln sind in Tafel 8.11 zusammenge-
stellt und bei der Berechnung tragender Holzbauteile zu verwenden.

1.9 Kriechen von Holz

Als Kriechen werden zeitabhängige Verformungszunahmen eines Körpers unter gleich-


bleibender Beanspruchung bezeichnet; oder am Beispiel eines Zugstabes: eine Deh-
nungszunahme mit der Zeit unter konstanter Spannung. Zum Vergleich: als Relaxation
werden zeitabhängige Spannungsabnahmen bei unverändert gehaltener (konstanter)
Verformung bezeichnet.
Wird Holz über längere Zeit belastet, überlagern sich elastische (Anfangs-)Verformun-
gen und zusätzliche Kriechverformungen zur zeitabhängigen Gesamtverformung.
Kriechverformungen sind im allgemeinen von der Holzart, Dauer, Höhe und Art der
Belastung sowie von der Holzfeuchtigkeit abhängig. Sie können wesentlich größer sein
als die elastischen Anfangsverformungen . Bild 1.20 zeigt die Abhängigkeit des Krie-
chens von der Beanspruchungsart am Beispiel des Fichtenholzes.
Als Kriechfaktor ~lfo wird das Verhältnis der absoluten Kriech -(Gesamt-)Verformung f
zur Zeit t bezogen auf die elastische Anfangsverformung f0 bezeichnet. Der Belastungs-
grad ist als Verhältnis der aufgebrachten Spannung bezogen auf die Kurzzeitfestigkeit
definiert und wird in % angegeben.
1.9 Kriechen von Holz 41

22 r------,----- - . - - - - - - - , ------,

1.a
-..?
;;::..
~
.!!!
.&;
ll: 1,4
·;:
""
Zug II zur Faser
2000 4000 h 6000 2000 4000 6000 h 8000
Z~it t nach Erstbelastung- Zeitt-
1.20 Kriechfaktor von Fichtenholz in Abhän- 1.21 Kriechfaktor von Fichtenholz infolge Biegebean-
gigkeit von der Belastungsart, Klima : spruchung in Abhängigkeit vom Belastungsgrad
T= 20 °C, q>=55%, Belastungsgrad : 20 bei einem Klima: T= 20 °C, q> = 55% nach Gresse/
bis 30%, nach Gresse/ [107] [107]

Bei in der Praxis üblichem Belastungsgrad ~zulässige Belastung, wie in Bild 1.20 dar-
gestellt, ist für Fichtenholz das Zug-Kriechen parallel zur Faser geringer als das Biege-
Kriechen und Druck-Kriechen parallel zur Faser, die etwa gleich groß sind; Torsions-
Kriechen ist am stärksten ausgeprägt und erreicht nach Gressel [107] etwa das Zwei-
bis Dreifache des Biege-Kriechens; das Kriechen bei Ouerzug- und Querdruckbeanspru-
chung ist danach stärker als bei Biegung und Druck parallel zur Faser.
Der Einfluß des Belastungsgrades auf das Kriechverhalten von Vollholz kann Bild 1.21
am Beispiel des Biegekriechens von Fichtenholz entnommen werden. Danach prägt
der Belastungsgrad das Kriechverhalten von Vollholz entscheidend.
Bei Belastungsgraden ~zulässige Belastung streben die Kriechverformungen nach be-
stimmter Zeit einem Grenzwert zu, wie aus Bild 1.22 am Beispiel der Kriechkurven
von Vollholz-Biegebalken zu entnehmen ist. Mit steigendem Belastungsgrad nimmt das
Kriechen zunächst proportional, oberhalb der Kriechgrenze überproportional zu und
führt nach bestimmter Belastungszeit zum Bruch des Stabes. Als Kriechgrenze wird die
Grenzspannung bezeichnet, bei der keine weitere zeitabhängige Verformungszunahme
auftritt und die Kriechverformung einen Grenzwert erreicht. Nach Mähler [247] liegt
die Kriechgrenze für fehlerfreies Vollholz infolge Biegebeanspruchung bei ca . 50 bis
60% der statischen Kurzzeitfestigkeit (bei normalem lnnenklima).

3,0r--------r--- - - , - -- - - - r - - ---,
Bruch

1.22
Kriechkurven von Biegebalken aus Vollholz in
Abhängigkeit vom Belastungsgrad nach Möh· 0 d 480
/er [247] Zeit f (Tage)
42 1.10 Festigkeit von Holz

Neben der vorbenannten mechanischen Beanspruchung sind Kriechverformungen des


Holzes auch von der Holzfeuchtigkeit und vom Umgebungsklima abhängig. Nach
Gresse/ [107] liegen die Kriechfaktoren von Vollholz im konstanten Normalklima T=
20 °C, q1 = 65%, unter gleichbleibender Biegebeanspruchung im Mittel bei ca. ~lfo = 1,5,
im natürlichen Außenklima unter Dach wurden unter gleicher mehrjähriger Biegebean-
spruchung Kriechfaktoren von 2,5 bis 5,0 gemessen. Dazu beeinflußt die Art der Feuch-
tebeanspruchung das Kriechen von Vollholz unterschiedlich, wie aus Bild 1.23 am Bei-
spiel von Buche zu entnehmen ist. Demnach kriecht Vollholz unter hoher, konstanter
Feuchte weniger als im Wechselklima.
10
8 ==such~
6
~
-4
.... 1.23

---
2v Kriechfaktor von Buche in Abhängigkeit
~
~
..
-5
2
b ~ ~ v-- vom Umgebungsklima, Belastungsgrad:
33% nach Gressel [107]
f-..---
~
"I:
1 natürliches Außenklima unter Dach
"" 2 Wechselklima: T = 20 °C, rp = 95% und
1 T = 20 °C, rp = 25%
10 100 1000 h 10000 3 konstantes Feuchtklima: T= 20 °C,
Z~it t nach Erstbl1lastung- rp =95%

Bei Brettschichtholz mit derzeit noch wenigen Untersuchungsergebnissen kann etwa


gleiches Kriechverhalten wie für Nadelvollholz erwartet werden. Neben den Kriechver-
formungen haben zusätzliche Verschiebungen in Anschlüssen und Stößen von Heiz-
bauteilen einen Einfluß auf die Gesamtverformung von Holzkonstruktionen, zum Bei-
spiel in Fachwerken, s. Abschn. 18 und 20.
ln der Ingenieurpraxis sind Kriechverformungen von biegebeanspruchten Holzbautei-
len von großer Bedeutung; deshalb ist im allgemeinen nur das Biegekriechen für tra-
gende Bauteile nach DIN 1052 T1 nachzuweisen, und zwar beim Nachweis von Durch-
biegungen und notwendiger Überhöhungen ab einem Belastungsverhältnis g/q> 0,5,
s. Abschn. 8.2.4. Zug- und Druckkriechen sind im allgemeinen in der Praxis von gerin-
gerer Bedeutung und brauchen nach DIN 1052 T 1 nicht berechnet zu werden. Da Tor-
sions- und Schubkriechen ein Mehrfaches des Biegekriechens erreichen, s. Bild 1.20,
sollte dieses Kriechen jedoch in besonderen Fällen rechnerisch berücksichtigt werden,
s. Abschn. 8.2.4.
Über das Kriechen von Holz s. auch Blaß [13], Oürr[40L Glas/Heimeshaff/ Kelletshafer
[91], Gressel [106], Kalimann [175], Krabbe/ Kintrup [190], Möhler/Hemmer [261], Ma-
linski/ Raczkowski [277].

1.10 Festigkeit von Holz

Der Begriff "Festigkeit" kann unter anderem wie folgt definiert werden:
- die Festigkeit ß ist die bis zum Bruch der Probe auftretende größte rechnerische
Spannung (Biegefestigkeit nach DIN 52186) oder
- die Festigkeit ß ist die auf den AnfangsquerschnittAder Probe bezogene Höchstkraft
Fmax bei Beanspruchung (Zugfestigkeit nach DIN 52188).

Die Festigkeitswerte von Holz sind abhängig von, s. Kalimann [175]:


- inneren Holzeigenschaften wie Rohdichte, Ästigkeit, Spätholzanteil, Jahrringbreite,
- physikalischen Zuständen wie Kraft-Faserwinkel (besonders entscheidend), Holz-
feuchtigkeit, Holztemperatur,
1.10 Festigkeit von Holz 43

Tafel 1.16 Koordinatensysteme und Beanspruchungsarten bei Bauhölzern 1 )

Koordinatensysteme

Stab-Statik nach DIN 1080 T 1 Holzbau-Technologie nach Hörig, s. Bild 1.3

/
. . _ l_ _ _ _ __ Yq
~
x (Stabachse)
'--------~'""'' '"' '""'
übliche Festlegung in statischen Berechnungen nur für technologische Betrachtungen 2 )

Beanspruchungsarten

Zug

2 ~E--- ~---J~
(Längs-)Zug Querzug
F----L-r--+
( II zur Faser) ( 1. zu r Faser) JF

3 F ., .1 __-~~~---~-~~~~. .,__F
(Längs-)Druck ( II zur Faser)
$ ~~::~•lloo
Querdruck ( 1. zur Faser)
(vollflächiger
Querdruck)

Querdruck ( 1. zur Faser)


mit Überstand II zur Faser ohne Überstand II zur Faser

Biegung

4
rrrrrr
i ---- -"--,.--- - l
Biegedruckkräfte "oben",
Biegezugkräfte "unten",
Schubkräfte s. Zeile 5,

r !F r ~i' F
Schub aus Querkraft 4 ) Abscheren (Abschieben)

r r------ F

i.
F F
5
-- -~ ~....__,
·I """""--,.

I· 1"---,.
I
bei einem Biegeträger versuchen Schubkräfte, längs (II ) zur Faser quer, ( 1. ) zur Faser F
die einzelnen Ebenen in Trägerlängsrichtung in einer Ebene
zu verschieben (Zug- oder Druckscheren)

Torsion

6
gegenseitiges Verdrehen eines Stabes
um die Längsachse

1) "'-7: Faserrichtung; - ·-· -- ·- : Stablängsachse


2) in der Praxis werden die x-und z-Achse gleich bezeichnet mit: quer ( 1. ) zur Faser
3) Knicken s. Abschn . 11
4) s. auch Abschn. 14 und Bild 14.2
44 1.10 Festigkeit von Holz

- Belastungsdauer,
- Form und Größe der Proben und dergleichen mehr.
Die Festigkeiten von Holz werden im allgemeinen an kleinen, fehlerfreien Proben bei ei-
=
ner Holzfeuchtigkeit von u 12% (Lagerung im Normalklima T= 20°C, ffJ = 65% rel. Luft-
feuchtigkeit) im Kurzzeitversuch bestimmt; unterschieden werden die, s. auch Tafel1.16:
- Zug-, Druck-, Biege-, Schub-, Scher- und Torsionsfestigkeit.
ln Tafel 1.17 sind mittlere Festigkeiten von Bauhölzern zusammengestellt. Die Festig-
keitswerte liegen je Holzart in einem großen Streubereich, bei der Zugfestigkeit
schwanken sie besonders innerhalb weiter Grenzen. Aus den mittleren Festigkeiten
nach Tafel 1.17 können etwa folgende Größenordnungen bezogen auf die Zugfestigkeit
ßzu in Faserrichtung der Hölzer entnommen werden:
=
- Druckfestigkeit: ßo 11 0,5 · ßz 11
=
- Biegefestigkeit: ßs 0,8 · ßz 11
=
- Scherfestigkeit: Ta 0,1 · ßz 11
Die Festigkeiten der Tafel 1.17 dürfen nicht unmittelbar zur Festlegung zulässiger Werte
(zulässiger Spannungen) für die Bemessung tragender Holzbauteile nach DIN 1052 T1
verwandt werden, da die Festigkeiten nicht-fehlerfreier Holzbauteile (Bauholz) weitaus
geringer sind als die Festigkeitswerte, die an fehlerfreien Proben ermittelt werden.

Tafel1.17 Mittlere Festigkeiten von Bauhölzern') nach DIN 68364, Grosser [109], Kalimann [1751, Noack/
Schwab [285] und Se// [329], bestimmt an kleinen, fehlerfreien Proben bei einer Holzfeuchtig-
=
keit u 12%

Holzart Zugfestigkeit Druckfestigkeit Biegefestigkeit Schubfestigkeit


fizll ßDII ßs Ta
in N/mm 2 in N/mm 2 in N/mm 2 in N/mm 2

Nadelhölzer

Fichte 80 40 68 7,5

Tanne 80 40 68 7,5

Kiefer 100 45 80 10

1 Lärche 105 48 93 9

Western Hemlock 90 45 75 7,5

DouglasielOregon Pine 100 50 80 9,5

Southern Pine (100)2) 50 85 9

Laubhölzer

Eiche 110 52 95 11,5

Buche 135 60 120 10

Teak 115 58 100 10


2
Ange Iiq ue/Basra locus 130 70 120 12

Afzelia/Doussie 120 70 115 12,5

Greenheart 220 100 180 14

Azobe/Bongossi 180 95 180 14


1) Rohdichten nach Tafel 1.2
2) Schätzwert
1.10.1 Einfluß des Winkels a zwischen Kraft- und Faserrichtung auf die Festigkeiten 45

1.10.1 Einfluß des Winkels a zwischen Kraft- und Faserrichtung


auf die Festigkeiten

Der Winkel a zwischen Kraft- und Faserrichtung ist aufgrund der großen Anisotropie
des Holzes von entscheidender Bedeutung für die Festigkeiten, wie aus Bild 1.24 zu
entnehmen ist. Danach ist die Zugfestigkeit ßz besonders stark von diesem Winkel
=
abhängig: bereits bei a 15° Faserabweichung von der Kraftrichtung sinkt ßz auf etwa
die Hälfte ab. Die Zugfestigkeit quer zur Faser ßz.l (a = 90 °) beträgt bei Nadelhölzern
nur noch ca. 2 bis 4% von ßzll (a = 0°) und bei Laubhölzern ca. 4 bis 5% von ßzll, ermittelt
an kleinen fehlerfreien Proben. ln größeren Holzquerschnitten (Bauholz) wird ßz.l (auch
Querzugfestigkeit genannt) wegen auftretender Schäl- und Trockenrisse und anderer
Holzfehler noch geringer und geht oft gegen Null. Deshalb sind Querzugbeanspruchun-
gen in Holzbauteilen, s. Tafel1.16, möglichst zu vermeiden oder durch besondere kon-
struktive Maßnahmen aufzunehmen. Andernfalls sind die zulässigen Querzugspannun-
gen sehr gering angesetzt, s. Tafel 8.1.

-~
F · ' KraftF

Winkel a zwischen Kraft- und Faserrichtung

1.24
Festigkeiten von Holz in Abhängigkeit vom Winkel
a zwischen Kraft- und Faserrichtung nach Baumann
Winkel o: zwischen Kraft- und Faserrichtung [51 und Ghelmeziu [851

Die Druckfestigkeit Po von Hölzern ist nach Bild 1.24 nicht so stark vom Winkel a zwi-
schen Kraft- und Faserrichtung abhängig wie die Zugfestigkeit ßz, jedoch bei a 40° =
Faserabweichung von der Kraftrichtung fällt ßo auch auf etwa die Hälfte ab.
Eine Druckfestigkeit quer zur Faser ßo.l (a = 90°, s. Tafel1.16, auch Querdruckfestigkeit
genannt) kann oft nicht bestimmt werden, da sich viele Holzarten unter Querdruckbe-
anspruchung verdichten lassen; eine definierte Bruchlast ist dann nicht erkennbar. Da-
bei treten im Vergleich zur Längsdruckbeanspruchung wesentlich größere Verformun-
gen auf. Bei zu großen Verformungen infolge Querdruck würde die Gebrauchstauglich-
keit (Gebrauchsfähigkeit) von Holzbauteilen/Holzkonstruktionen beeinträchtigt, deshalb
werden die auftretenden Verformungen quer zur Faser durch niedrige zulässige Quer-
druckspannungen hinreichend klein gehalten, s. Tafel 8.1.
Die Querdruckverformung ist auch davon abhängig, ob vollflächiger Querdruck ohne
Überstand II zur Faser oder Schwellendruck mit beidseitigem Überstand II zur Faser
vorliegt, s. Tafel 1.16. Der Schwellendruck verhält sich günstiger, da die in Faserrich-
tung beidseitig überstehenden Balkenteile zur Kraftübertragung mit herangezogen wer-
den, hierüber s. Graf[104). Aus diesen Gründen schreibt DIN 1052 T 1 bestimmte Über-
stände in Faserrichtung bei Druckflächen .1 zur Faserrichtung vor; können diese Über-
stände nicht eingehalten werden, sind die zulässigen Querdruckspannungen abzumin-
dern, s. Tafel 8.4 und 8.5.
Bei schrägem Druckangriff (unter Winkel a zwischen Kraft- und Faserrichtung) können
die zulässigen Querdruckspannungen nach GI. (8.1) berechnet werden.
46 1.10 Festigkeit von Holz

Die Biegefestigkeit von Hölzern ist ebenso vom Winkel a zwischen Kraft- und Faserrich-
tung abhängig, s. Bild 1.24, sie liegt zwischen der Zug- und Druckfestigkeit.
Bei Bauhölzern ist demnach darauf zu achten, daß der Winkel a zwischen Kraft- und
Faserrichtung hinreichend klein bleibt. Dies wird bei der Sortierung (Sortierklasse) von
Bauholz geregelt, s. Abschn. 3.2.

1.1 0.2 Einfluß der Holzfeuchtigkeit, Ästigkeit und Rohdichte


auf die Festigkeiten

Holzfeuchtigkeit
Die Holzfestigkeiten nehmen im hygroskopischen Bereich mit zunehmender Holzfeuch-
tigkeit ab; im kapillaren Bereich (oberhalb der Fasersättigung) ist der Einfluß der Holz-
feuchtigkeit gering, die Festigkeitswerte bleiben hier nahezu konstant, wie aus Bild 1.25
am Beispiel der Druckfestigkeit von Fichtenholz zu entnehmen ist. Im Holzfeuchtigkeits-
= =
bereich zwischen u 8% und u 18% kann in ausreichender Näherung eine lineare
Festigkeitsabnahme nach Tafel 1.18 je 1% Holzfeuchtigkeitszunahme angenommen
werden. Danach ist festzustellen, daß die Druckfestigkeit mehr von der Holzfeuchtigkeit
beeinflußt wird als die Zugfestigkeit.

80 Tafel1 .18
Festigkeitsabnahme bei Holz-
Nimrnl ...........
feuchtigkeitszunahme nach US.
60 ""-'\ For. Prod. Lab. [343]

Festigkeiten Ungefähre Fe-


zwischen stigkeitsabnah -

""' ~ --- ----


8% ~ u ~ 18% me je 1% Holz-
feu chtigkeits-
zunahme

50 Dru ckfestigkeit ~ 6%
5 10 15 20 25 30 35 4/j %
Holzfeuchtigkert u--- Biegefestigkeit ~ 4%

1.25 Druckfestigkeit /f0 11 von Fichtenholz in Abh ängigkeit von der


Zugfestigkeit ~ 3%
Holzfeuchtigkeit nach Kalimann [175]

Im Holzfeuchtigkeitsbereich u > 18% bis zur Fasersättigung sind die Festigkeitsabnah-


men geringer als im ",inearisierten" Bereich. Hierüber s. auch Glas [87], Kalimann
[175], Kufner [200], LIGNUM [210], Naack/ Schwab [285) und Wesehe [353).
Der Einfluß der Holzfeuchtigkeit wird bei der Bemessung tragender Holzbauteile nach
DIN 1052 T 1 durch Abminderung der zulässigen Spannungen bei hoherund dauernder
Holzfeuchtigkeit nach Tafel 8.3 berücksichtigt.

Ästigkeit
Äste gehören zu den Holzfehlern, sie schwächen den Querschnitt, beeinflussen den
normalen Faserverlauf und damit die Festigkeiten. Äste stören den Kraftfluß im bela-
steten Bauholz besonders. Druckbeanspruchungen können durch Äste besser übertra-
gen werden als Biege- und Zugbeanspruchungen . Besonders die Zugfestigkeiten wer-
den mit zunehmender Ästigkeit stark vermindert; die Druckfestigkeiten hingegen weit-
aus wen iger, wie aus Tafel1.19 am Beispiel des Kiefernholzes zu entnehmen ist. Hier-
aus wird ersichtlich , daß Nadelholz mit hoher Ästigkeit (entspricht etwa Sortierklasse
1.10.3 Einfluß der Belastungsdauer auf die Festigkeiten (Dauerfestigkeit) 47

S7 bzw. Güteklasse 111) keine Zug- und (Torsions-)beanspruchungen, jedoch Druck- (und
Biege-)beanspruchungen in tragenden Bauteilen nach DIN 1052 T 1 übertragen kann,
s. Tafel 8.1 . Zugbeanspruchtes Bauholz ist deshalb besonders sorgfältig auszuwählen.

Tafel1.19 Einfluß von Ästen auf die Zug- und Dru ckfestigkeit von Kiefernholz nach Graf[104]

Kiefernholz Rohdichte Zugfestigkeit Druckfestigkeit


in g/cm 3 in N/mm 2 Abnahme in N/mm 2 Abnahme

astfrei 0,50 78 - 40 -
wenig ästig 0,53 38 51 % 36 10%

stark ästig 0,57 12 85% 31 22%

Rohdichte
Mit zunehmender Rohdichte steigen die Festigkeiten von Hölzern etwa linear an, wie in
Bild 1.6 am Beispiel des Fichtenholzes dargestellt ist. Bei gleichen Probenabmessungen
steigt der Anteil der Holzfasern mit zunehmender Rohdichte, der Anteil des Porenvolu-
mens sinkt entsprechend . Demnach steigen die Festigkeiten etwa mit wachsendem
"Nettoquerschnitt" der Holzfasern. Hierüber s. auch Bernhart [10], Glas [871, Kalimann
[175], Kallmann/Cöte [176] und Wesehe [353].
Weitere Abhängigkeiten der Festigkeiten vom Früh- und Spätholz, der Jahrringbreite
und dergleichen mehr können der oben angegebenen Literatur entnommen werden.

1.1 0.3 Einfluß der Belastungsdauer auf die Festigkeiten (Dauerfestigkeit)

Als Dauerfestigkeit wird die Festigkeit bezeichnet, bei der in einem Bauteil für eine
unendlich lange Belastungsdauer gerade kein Bruch auftritt, auch Ermüdungsfestigkeit
genannt; bei unendlich langer statischer (ruhender) Beanspruchung wird sie als Dauer-
standfestigkeit bezeichnet, bei unendlich langer dynamischer (schwingender) Bean-
spruchung als Dauerschwingfestigkeit, hierüber s. auch Wesehe [352] .
Bei Dauerbeanspruchung nehmen die Festigkeiten von Holz ab, wie Bild 1.26 am Bei-
spiel der Biegestandfestigkeit von fehlerfreiem Nadelholz zeigt. Einen Überblick über
Dauerfestigkeiten, die im allgemeinen auf
die Kurzzeitfestigkeiten bezogen werden,
gibt Tafel 1.20. Bei vielen Holzarten fallen 100
Dauerstandfestigkeit und Kriechgrenze %
zusammen , s. Abschn. 1.9; für fehlerfreies 80
1\
Holz liegen sie bei ca . 50 bis 60% der Kurz-
10
\
zeitfestigkeit (in normalem lnnenklima). "-......
\.. ßaao: O,S6·ßa
Tragende Holzbauteile unterliegen im all-
gemeinen einer Dauerstandbeanspru-
chung durch überwiegend ruhende, stän-
dige Lasten; dies wird bei der Festlegung
zulässiger Spannungen für Bauholz be-
rücksichtigt. Holzbauteile unter dynami-
scher Beanspruchung sind bisher wenig
untersucht. Nach Ehlbeek [49] wird eine so 100 d 150
Reduzierung der Betriebsspannungen un- Zeitt bis zum Bruch in Tagen-
ter die statisch zulässigen Spannungen in 1.26 Verlauf der Biege·Zeitstandfestigkeit von feh -
dynamisch beanspruchten Holzbauteilen/ lerfreiem Nadelholz bezogen auf die Kurzzeit-
-bauwerken empfohlen. festigkeit nach Mähler [247]
48 1.10 Festigkeit von Holz

Bei wechselbeanspruchten Bauteilen mit Vorzeichenwechsel beispielsweise aus be-


weglichen Verkehrslasten wie Kran-, Fahrzeug- und Gabelstaplerlasten ist mit abgemin-
derten Spannungen nach Abschn . 9.9 zu rechnen. Über die Berechnung dynam isch
beanspruchter Holzbauwerke s. Gero/d[81] und Harnach [118], [119] .

Tafel1 .20 Dauerfestigkeiten von fehlerfreien Nadelhölzern nach einem Überblick von Eh/beck [49) und
nach Mähler [247)

Dauerstandfestigkeit für Biegung Dauerschwellfestigkeit Dauerschwingfestigkeit


für Zug/Druck (Biegewechselfestigkeit)

bezogen auf die mittlere statische Kurzzeitfestigkeit

50 bis 60% 60 bis 75% 25 bis 35%

Über Dauerstand-, Dauerschwing- und Dauerschwellfestigkeiten von Holz s. Ehlbeck/


Colling [51], G/os/ Heimeshoff/ Kelletshofer [91], Graf [99], [ 101], Kollmann [ 1751, Krae-
mer [197], Kuipers [201], Madsen [214]; über das Dauerstand- und Dauerschwingver-
halten von Holzverbindungen s. Graf[100], Kuipers [202], Möhler/Maier [266] .

1.10.4 Einfluß der Holztemperatur und der Probengröße auf die Festigkeiten

Holztemperatur
Die Holzfestigkeiten nehmen mit steigender Temperatur fast linear ab, wie in Bild 1.27
am Beispiel der Druckfestigkeit von Buchen- und Fichtenholz aufgezeigt wird . Nach
neueren Untersuchungen von Glos/Henrici [92] nimmt die Festigkeit ß0 11 von Fichten-
bauholz im Temperaturbereich über 100 °C mehr ab als im Bereich darunter; die Abhän-
gigkeit von der Holzfeuchtigkeit ist dabei ausgeprägt.
Die Festigkeitsabnahmen von fehlerfre iem, europä ischem Nadelholz bei steigender
Holztemperatur können aus Tafel 1.21 entnommen werden .
Im Gebrauchstemperaturbereich sind die Festigkeiten von Bauhölzern weniger von der
Temperatur abhängig; eine Abminderung der zulässigen Spannungen bei erhöhten Ge-
brauchstemperaturen ist deshalb nach DIN 1052 T 1 nicht notwendig.
Tafel 1.21
Festigkeitsabnahme von fehler-
freiem, europäischem Nadel-
holz bei steigender Holztempe-
ratur nach Glos [88)

Festigkeiten Ungefähre Fe-


bei einer Holz- stigkeitsabnah-
feuchtigkeit me bei Holz-
10% ~ u ~ 1 5% temperatur-
zunahme von
je 10°C, Beginn
~160~------~80
~----~~----~L-----~L-----~ T=+ 20 °C
!O • 80 +160 •c •240 - - - - - + - - - - - -
Temperatur T - Druckfestigkeit 5%
1.27 Druckfestigkeit von Buchen- und Fichtenholz in Abhängigkeit
Biegefestigkeit 5%
von der Holztemperatur nach Kalimann [1751
Zugfestigkeit 1%

Probengröße
Bei Festigkeitsuntersuchungen an kleinen, fehlerfreien Holzproben werden höhere
Werte erzielt als bei größeren, fehlerbehafteten Proben aus Bauholz, in denen Ver-
1.10.5 Festlegen zulässiger Spannungen, Sicherheitskonzept 49

schwächungen wie Äste, Schwindrisse sowie Abweichungen vom Faserverlauf und


dergleichen mehr auftreten. Tafel 1.22 gibt am Beispiel des Nadelholzes den Einfluß
der Probe auf die Zugfestigkeit ßzll wieder.

Tafel1.22 Zugfestigkeiten ßzll von Nadelholz bei Tafel1 .23 Mittlere Biegefestigkeiten von Fichten-
verschiedenen Probengrößen Bauholz nach Graf[101 ]
Probe Zugfestigkeit Pzll Sortierklasse Biegefestigkeit Pa
in N/ mm 2 (Güteklasse) in N/mm 2
nach DIN 4074 T1
einzelne Holzfaser ~ 400
s 13 (I) 50
kleine, fehlerfreie Holzprobe 80 bis 100
S10 (II) 43
Bauholz (Kantholz) 40 bis 60
bei normaler Ästigkeit s 7 (1 11 ) 26

Darüber hinaus ist bei Bauholzproben der Einfluß der Sortierklasse (Güteklasse) groß,
s. Abschn. 3.2, wie aus Tafel 1.23 am Beispiel der Biegefestigkeit von Fichten-Bauholz
zu entnehmen ist.
Die Probenform, Kerben und dergleichen mehr beeinflussen ebenso die Festigkeiten
von Bauhölzern, hierüber siehe unter anderem Kollmann [175].

1.10.5 Festlegen zulässiger Spannungen, Sicherheitskonzept

Festlegen zulässiger Spannungen


Die in Versuchen ermittelten Festigkeiten unterliegen den bei Hölzern üblichen, oft gro-
ßen Streuungen. Die Häufigkeitsverteilung der Festigkeiten kann durch eine Vertei -
lungskurve beschrieben werden, s. Bild 1.28. Für die praktische Bemessung nach
DIN 1052 T 1 werden zulässige Spannungen festgelegt, die in ausreichendem Sicher-
heitsabstand von den Festigkeiten liegen und eine standsichere Auslegung (Semes-

Haufigkeit
Mitrelwert

1.28
Häufigkeitsverteilung von Fe-
stigkeiten und Festlegen zulässi- Festigkeiteo ß I N/mm21
ger Spannungen (Schema)

sung) von dauerbeanspruchten, tragenden Holzbauteilen ermöglichen . Der Sicher-


heitsabstand (Sicherheitsbeiwert v) wird im allgemeinen auf die untere 5%-Fraktile der
Festigkeitswerte aus Kurzzeitversuchen (statische Beanspruchung) bezogen; dies be-
deutet, daß mit einer Wahrscheinlichkeit von 95% alle Festigkeiten der untersuchten
Beanspruchung über dem Wert der 5%-Fraktile liegen.
Die zulässigen Spannungen werden nach GI. (1.22) festgelegt. Der Sicherheitsbeiwert v
kann als ein .,pauschaler" Wert angesehen werden, der alle vorbenannten Einflüsse
ß Festigkeit in N/mm 2
zu I u = ßl v in N/mm 2 Sicherheitsbeiwert (1.22)
50 1.10 Festigkeit von Holz

auf die Festigkeiten von Bauhölzern berücksichtigt, zum Beispiel Dauerbeanspruchung,


Kraft-Faserwinkel, Holzfeuchtigkeit, Sortierklasse (Güteklasse) und dergleichen mehr.
Die Festlegung vieler zulässiger Spannungen für Vollholz nach DIN 1052 T1 stützt sich
auf Untersuchungen von Graf("' 1938 bis 1942); die zugehörigen rechnerischen Sicher-
heitsbeiwerte, hier bezogen auf die Mittelwerte der Festigkeiten, sind in Frech [731 zu-
sammengestellt. Sie liegen unter Berücksichtigung der Sortierklassen (Güteklasse) bei
=
v 2,5 bis 3,5 (statische Kurzzeitfestigkeit). Wird die untere 5%-Fraktile wie heute üblich
als Bezugswert gewählt, liegen die Sicherheitsbeiwerte im allgemeinen niedriger, wie
= =
z. B. v 2,5 (Dauerbelastung, Lastfall H) oder v 2,0 (Kurzzeitbelastung, Lastfall HZ)
bei der Festlegung zulässiger Torsionsspannungen für Voll- und Brettschichtholz nach
neueren Untersuchungen von Möhler/Hemmer [2621.
Über weitere Festigkeitsuntersuchungen von Holz s. u.a. Colling [29], Ehlbeck/Colling
[50], Glos [87], [88], Glos/Heimeshoff/Kelletshofer [91], Graf [99], [101], Heimeshoff/
G/os [138], Kalimann [175], Kollmann/Cote [176], Larsen [204], Mist/er [226], Mähler/
Beyersdorfer [252], Watthelm [347].
Sicherheitskonzepte
Das in den derzeitigen deutschen Holzbau-Normen (Stand: 1992) vorhandene Sicher-
heitskonzept, das oben kurz angeführt ist, beruht im allgemeinen auf dem Vergleich
langjähriger Erfahrungswerte mit Versuchsergebnissen unter Festlegung von Sicher-
heitsbeiwerten, d. h. die zulässigen Spannungen nach DIN 1052 T 1 sind im wesent-
lichen durch jahrzehntelange Erfahrungen abgedeckt. Die zugehörigen Sicherheits-
beiwerte werden pauschal für alle relevanten Einflüsse festgelegt; eine Aussage über
den Anteil einer einzelnen Abhängigkeit wie zum Beispiel Dauerbelastung oder Holz-
feuchtigkeit kann nicht gemacht werden. Die Sicherheitsbeiwerte sind in deutschen
Holzbau-Normen im allgemeinen nicht festgelegt.
Ein hierzu neues Sicherheitskonzept, das probabilistische Sicherheitskonzept stellt glo-
bale Sicherheitsanforderungen an Bauwerke, so daß die Zuverlässigkeit von Bauwer-
ken baustoffübergreifend auf dem gleichen Sicherheitsniveau liegt. Hierzu wird ver-
sucht, alle wesentlichen Einflüsse mit statistischen Methoden möglichst realitätsnah
zu beschreiben sowie Last- und Festigkeitsseite mit der Wahrscheinlichkeitstheorie zu
verknüpfen. Das neue Sicherheitskonzept beruht auf der Forderung nach einheitlichen
Bauvorschriften innerhalb der Europäischen Gemeinschaft (EG), es liegt den "harmoni-
sierten" Bauvorschriften der EG, den Eurocodes, zugrunde, die in Zukunft innerhalb
der EG Gültigkeit finden werden. Hierüber s. u. a. für den Holzbau: Eurocode 5 (Entwurf)
[30], G/os [89].

1.10.6 Reißlänge

Die Reißlänge nach Reu/eaux [2971 ist ein "theoretischer" Vergleichswert für die Zug-
festigkeiten von Baustoffen; sie stellt das Verhältnis von Zugfestigkeit und Wichte eines
Baustoffes dar oder anschaulich: die Reißlänge gibt die Länge eines frei aufgehängten
Stabes an, bei der dieser Stab bricht, wenn er nur durch sein Eigengewicht belastet
wird, s. Bild 1.29 (wenn für diese Betrachtung angenommen wird, daß der Bruch bei
der Festigkeit eintritt). Die im Stab vorhandene Zugspannung errechnet sich nach GI.
(1.23), sie wird mit wachsender Stablänge L' größer und erreicht bei der Festigkeit
az= G/A ~ ßz Bezeichnungen s. Bild 1.29 (1.23)
L=ßzly (1.24)
ihren Höchstwert. Die Stablänge bei diesem Höchstwert (nur unter Stab-Eigenlast) wird
als Reißlänge L bezeichnet, s. GI. (1.24). Sie kann für Nadelholz und Baustahl Tafel1.24
1.10.6 Reißlänge 51

entnommen werden. Danach besitzt Holz ein günstiges Verhältnis ,.Festigkeit in Faser-
richtung zur Wichte" bei einem Vergleich mit BaustahlSt 37 . Weitaus ungünstiger wird
die Reißlänge für Holzfestigkeiten 1_ zur Faser, hier wird der anisotrope Charakter des
Holzes besonders deutlich.

Eigengewicht G = y . A . /' Tafel1 .24 Reißlänge I von Nadelholz und Baustahl


, Wichte des Baustoffes
flz Zugfestigkeit des Bau- Baustoff Zugfestigkeit Wichte Reißlänge I
stoffes in N/mm 2 in kN/m 3 in km
A Querschnittsfläche
Bauholz, Nadelholz
des Stabes ßzll =50 5,0 10,0
nach DIN 1052 T1
I ' Stablänge
Baustahl, St37-2
fu. k = 360 78,5 4,6
nach DIN 18800
1.29 Stab unter Eigengewicht G mit der
Länge I'
2 Holzwerkstoffe

Holzwerkstoffe sind plattenförmige Bauteile, die durch Verpressen von zerkleinerten


Holzteilen wie Furnieren, Stäben, Stäbchen, Spänen, Fasern, Holzwolle unter Zugabe
von Bindemitteln (z. B. Leim) entstehen. Durch das Zerkleinern und anschließende, im
allgemeinen gerichtete Zusammenfügen werden einige physikalische und mechani-
sche Eigenschaften des Ausgangsproduktes Holz verändert. Das Endprodukt "Holz-
werkstoffplatte" besitzt danach wenige oder keine Wachstumsfehler, das Festigkeits-
und Verformungsverhalten ist gleichmäßiger als beim Vollholz, ebenso wird die Emp-
findlichkeit gegenüber Feuchtigkeitsänderungen in Teilbereichen vermindert, das
anisotrope Verhalten des Holzes, s. Abschn. 1.2, wird durch den speziellen, flächigen
Aufbau der Holzwerkstoffe im allgemeinen reduziert (mehr orthotropes Verhalten).
Holzwerkstoffe sind künstliche Produkte, deren Eigenschaften bei der Herstellung be-
einflußt und auf die Verwendung ausgerichtet werden können, während Vollholz als
Naturprodukt wenig beeinflußbar ist und nur mit Querschnittsmaßen zur Verfügung
steht, die durch den Stammdurchmesser beschränkt sind.
Holzwerkstoffe werden je nach Zerkleinerungsgrad des Holzes in vier Gruppen eingeteilt:

Sperrholz
besteht aus mindestens drei Holzlagen, die aufeinandergeleimt und deren Faserrich-
tungen gegeneinander versetzt sind; die Lagen können aus Furnieren, Holzstäben oder
Holzstäbchen hergestellt werden,
Spanplatten
bestehen aus kleinen Holzspänen und/oder anderen holzartigen Faserstoffen sowie bei-
gemischten Bindemitteln wie meist Kunstharzen, aber auch Zement und Gips, die unter
Preßdruck zusammengefügt werden,
Holzfaserplatten
bestehen aus Holzfasern oder Holzfaserbündeln, die ohne oder mit Bindemitteln zu
Platten geformt werden,
Holzwolle-Leichtbauplatten
bestehen aus Holzwolle und mineralischen Bindemitteln wie Zement, Magnesit, die
unter leichtem Preßdruck hergestellt werden.

Holzwerkstoffplatten werden im Bauwesen vielfältig eingesetzt, zum Beispiel für tra-


gende und aussteifende Zwecke, als Schalungsplatten im Betonbau, für nichttragende
Zwecke wie Wärmedämmung, Schallabsorption, lnnenausbau, Bekleidungen und der-
gleichen mehr. Im folgenden werden nur die genormten Holzwerkstoffplatten, insbe-
sondere die für tragende und aussteifende Zwecke, nach DIN 1052 betrachtet. Eine Aus-
wahl dieser Holzwerkstoffe mit definierten und überwachten elastomechanischen Ei-
genschaften ist in Tafel 2.1 angeführt.
Danach können Bau-Furniersperrholz und Flachpreßplatten nach DIN 1052 als tra-
gende und aussteifende Bauteile eingesetzt werden, während beplankte Strangpreß-
platten, mittelharte und harte Holzfaserplatten nur als Beplankungen bei Holztafeln
nach DIN 1052 T3 (Holzhäuser in Tafelbauart) verwandt werden dürfen.
Über Holzwerkstoffe s. u.a. Ernst/Schwab/Wilke [65], Gressel [105), Kalimann [175),
LIGNUM [210], Mähler [247], Noack/Schwab [286], Paulitsch [288], Wesehe [353].
Weitere Einsatzgebiete von Holzwerkstoffen sind beispielsweise der Anlagen-, Behäl-
ter-, Boots-, Maschinen- und Möbelbau, das Transport- und Verpackungswesen.
2.1 Aufbau und Herstellung von Holzwerkstoffen 53

Tafel2.1 Holzwerkstoffe im Bauwesen (Auswahl); Normen und Verwendung

Holzwerkstoffe Norm Kurz Verwendung für


zeiche n trage nd e mit- aus- nichttragen -
Zwecke tragende steifende de Zwecke,
Zwecke Zwecke z. B. Innen-
nach nach nach ausbau,
DIN DIN 1052T1 DIN 1052 T 3 DIN 1052T3 Dämmen

Sperrholz 1 )

Bau -Furniersperrholz 68705 T3 BFU X X X


Bau -F u rniersperrholz
aus Buche 68705 T 5 BFU-BU X X X
Bau -Stabsperrho lz 68705 T 4 BST X
Bau -Stäbchensperrholz 68705 T 4 BSTAE X

Spanplatten

Flachpreßplatten 68763 X X X
bep la nkte Strangpreß-
platten 4 ) 68764 Tl X
beplankte Strangpreß- 68764 T2 X X
platten 4 )

Holzfaserplatten

Poröse Holzfaserplatten 68 750 HFD X


Bitumen-Holzfaserplatten 68752 BPH X
Mittelharte Holzfaser-
platten 2 ) 4 ) 68 754 HFM X X
Harte Holzfaserplatten 3 ) 4 ) 68754 HFH X X

Holzwolle-
Leichtbauplatten 11 01 X

1) für Schalungszwecke im Betonbau s. DIN 68791 und DIN 68792


2) Rohdichte f2 ;:;:; 650 kg/m 3
3) Rohdichte f2 ;:;:; 950 kg/m 3
4) jedoch nicht hinsichtlich der Scheibenwirkung von Decken- und Dachtafeln

2.1 Aufbau und Herstellung von Holzwerkstoffen


Sperrholz nach DIN 68705
Sperrholz (Oberbegriff) kann nach seinem
Aufbau in drei Gruppen eingeteilt wer-
den, über seine Verwendung im Bauwe-
sen s. Tafel 2.1:
Bau-Furniersperrholz
Bau-Furniersperrheiz besteht aus minde-
stens drei kreuzweise miteinander ver-
leimten Furnieren, die parallel zur Platten-
ebene liegen, s. Bild 2.1.
2.1 Bau-Furniersperrholz nach DIN 68705 T3 und
Furniere sind dünne Holzblätter, die ma- T5, Aufbau einer fünflagigen Platte
schinell durch Messern, Schälen oder Sä- 1 Deckfurnier
gen vom Stammteil abgelöst werden . 2 Querfurnier
Hierzu sind viele europäische und über- 3 Längsfurnier (Mittelfurnier)
54 2.1 Aufbau und Herstellung von Holzwerkstoffen

seeische Holzarten geeignet. Furniere für technische Zwecke werden meist geschält,
für dekorative Zwecke überwiegend gemessert. Die Furniere werden maschinell, meist
mit Kunstharzen, beleimt und bei hohen Temperaturen zu einer Platte verpreßt Die An-
zahl der einzelnen Furnierlagen ist meist ungerade; die Deckfurniere haben gleichgerich-
teten Faserverlauf; die Furnierdicken können unterschiedlich sein, sind jedoch symme-
trisch zur Mittellage (Mittelfurnier) angeordnet. Die Platteneigenschaften werden durch
Anzahl, Dicke und Anordnung der Furniere sowie durch die Furnierholzart beeinflußt.
Furniersperrholz kann auch symmetrisch durch verschiedene Holzarten aufgebaut sein.
Bau-Stabsperrholz (früher: Tischlerplatte)
Bau-Stabsperrholz nach Bild 2.2 besteht aus einer Lage (Mittellage) Vollholzleisten mit
ca. 24 mm Breite und beidseitigen Deckfurnieren (3 Lagen) oder beidseitig je einem
Deckfurnier und Unterfurnier, die sich jeweils kreuzen (5 Lagen). Als Holzart eignen
sich viele europäische und überseeische Hölzer. Die einzelnen Lagen werden beleimt
und zu einer Platte verpreßt
Deckfurnier
Holzstäbe

'"""'""'
2.2 Bau-Stabsperrholz nach Dl N 68 705 T 4, Auf- 2.3 Bau-Stäbchensperrholz nach DIN 68705 T 4,
bau einer dreilagigen Platte Aufbau einer dreilagigen Platte

Bau-Stäbchensperrholz (früher: Tischlerplatte)


Bau-Stäbchensperrholz nach Bild 2.3 besteht aus einer Lage (Mittellage) Schälfurnier-
streifen (Stäbchen) von ca. 5 bis 8 mm Dicke, die hochkant zur Plattenebene stehen,
und beidseitigen Deckfurnieren in gleicher Ausführung wie beim Bau-Stabsperrholz.
Spanplatten
Spanplatten bestehen im wesentlichen aus kleinen Holzpartikeln (-spänen) und/oder
anderen holzartigen Faserstoffen (Flachs-, Hanfschäben) mit Bindemitteln (meist
Kunstharzen wie überwiegend Harnstoff-, Phenol-, lsocyanate, Melamin-, aber auch
mineralische Stoffe wie Zement und Gips). Zur Herstellung des Spangutes werden
Rund-, Alt-, Abfall-, Schwachholz und andere mehr in Zerspanungsmaschinen zu Spä-
nen unterschiedlicher Größen zerkleinert (zerspant), das Spangut getrocknet, sortiert
und zu Platten unter Beigabe von Bindemitteln verpreßt. Das Spanmaterial von Holz-
spanplatten besteht nur aus Holzspänen. Nach der Herstellungsweise werden zwei Ar-
ten von Spanplatten unterschieden, über ihre Verwendung im Bauwesen s. Tafel 2.1:
Flachpreßplatten nach DIN 68763
Die nachzerkleinerten Späne werden über Schwingsiebmaschinen in unterschiedliches
Spangut getrennt (Grob-, Mittelschicht-, feineres Deckschicht- und Feinstgut). Nach dem
Beleimen des Spangutes wird das Spanvlies nach unterschiedlichen Verfahren auf einer
ebenen Unterlage zu ein- oder (derze it überwiegend) mehrschichtigen Formlingen auf-
gestreut, im Windstreuverfahren (Deckschichten) und Wurfstreuverfahren (Mittelschich-
ten). Die Formlinge werden quer zur Plattenebene bei hohen Temperaturen in Ein- oder
Mehretagenpressen verpreßt Dabei orientieren sich die Späne annähernd parallel zur
Plattenebene. Bei mehrschichtigen Platten wird Spangut mit höheren Rohdichten und
höherem Leimgehalt in den Deckschichten und entsprechend geringerer Qualität und
Rohdichten in den Mittelschichten eingesetzt. Mehrschichtige Platten besitzen gegen-
über einschichtigen Platten verbesserte Eigenschaften (Festigkeiten) und eignen sich für
tragende Zwecke im Bauwesen, wenn die definierten elastomechanischen Eigenschaf-
ten eingehalten werden. Im allgemeinen erhalten Flachpreßplatten eine Nachbehand-
lung, zum Beispiel Abkühlen, Schleifen, eventuell Oberflächenveredlung.
2.1 Aufbau und Herstellung von Holzwerkstoffen 55

Strangpreßplatten nach DIN 68764


Beleimte Späne werden in einem beheizten, im allgemeinen senkrecht stehenden Form-
kanal verpreßt, der den Querschnitt der späteren Platte besitzt. Dabei orientieren sich die
Späne annähernd quer zur Plattenebene. Der Formkanal und eine entsprechende Vor-
schubgeschwindigkeit erlauben die Herstellung kontinuierlicher Platten. Im Gegensatz
zu den meist mehrschichtigen Flachpreßplatten haben Strangpreßplatten einen ein-
schichtigen Aufbau, der mit und ohne röhrenförmige Aussparungen hergestellt werden
kann, s. Bild 2.4. Durch den einschichtigen Aufbau ergeben sich geringere Festigkeitsei-
genschaften, die durch beidseitige Beplankungen mit Furnieren, Furnierplatten, Hart-
faserplatten, glasfaserverstärkten Kunststoffen und dergleichen mehr verbessert wer-
den. Nach dem Aufbau werden Vollplatten (SV) und Röhrenplatten (SR) unterschieden.

Beplankung

2.4 Mittelstilichi (Rohplatte)


Beplankte Strangpreßplatte nach
Beplankung
DIN 68764 mit röhrenförmigen Aus-
sparungen (Röhrenplatte) ~~'h~---- röh renförmige Aussparung

Holzfaserplatten
Holzfaserplatten bestehen aus verholzten Fasern mit oder ohne Bindemitteln, auch un-
ter Beigabe von Füllstoffen. Holz unterschiedlicher Qualität wird zerkleinert und unter
Dampfeinwirkung mechanisch zerfasert (Faserbrei). Fasern von Restholz und anderer
pflanzlicher Faserstoffe wie Stroh, Jute und dergleichen mehr werden beigemischt.
Faserplatten werden oft in mehreren Schichten aus unterschiedlichen Fasern herge-
stellt (verschiedene Mahlgrade, Holzarten, Zusätze), dadurch lassen sich Oberfläche,
Farbgebung und bestimmte mechanische Eigenschaften beeinflussen.
Beim Naßverfahren wird der Faserbrei nach Zugabe von Bindemittel und Chemikalien
(je nach gewünschter Platteneigenschaft) auf einer Entwässerungsstrecke dosiert und
zu Platten geformt. Je nach weiterer Behandlung werden poröse Faserplatten herge-
stellt, die nach der Entwässerung nur vorverdichtet und getrocknet werden, oder här-
tere Faserplatten, die bei hohen Temperaturen und Drücken gepreßt werden.
Beim Trockenverfahren werden die Fasern getrocknet, das Faservlies vorgepreßt und
anschließend bei etwas höheren Temperaturen und Drücken als im Naßverfahren zu
harten Platten gepreßt. Beim Naßverfahren bewirkt die natürliche Faserbindung über-
wiegend den Zusammenhalt der Fasern, während beim Trockenverfahren Bindemittel
(meist Kunstharze) verwandt werden . Harte Holzfaserplatten erfahren im allgemeinen
eine Nachhärtung durch eine Hitzebehandlung oder in einem Ölbad.
Holzfaserplatten werden nach der Rohdichte und Oberflächenbeschaffenheit unter-
schieden, hierüber s. Tafel 2.1 und 2.2.
Holzwolle-Leichtbauplatten nach DIN 1101
Holzwolle-Leichtbauplatten bestehen aus langfaseriger Holzwolle und einem minerali-
schen Bindemittel wie Zement oder Magnesit, die unter geringerem Druck zu groß-
porösen Platten verpreßt werden, s. auch Tafel 2.1.
Weitere Holzwerkstoffe
Weitere Holzwerkstoffe können im Bauwesen eingesetzt werden, wenn sie eine ent-
sprechende allgemeine oder bauaufsichtliche Zulassung besitzen. Als Beispiel hierfür:
Furnierschichtholz mit bauaufsichtlicher Zulassung besteht aus mehreren miteinander
verleimten Furnierlagen, die vorwiegend faserparallel geschichtet sind; im Aufbau ist
es vom Prinzip her vergleichbar mit Brettschichtholz, s. Abschn. 3.3, jedoch mit gerin-
geren Breiten und Längen .
56 2.3 Rohdichte von Holzwerkstoffen

2.2 Anisotropie von Holzwerkstoffen


Holzwerkstoffe besitzen im allgemeinen eine gerichtete, künstliche Anisotropie, die bei
der Herstellung beeinflußt werden kann, während Vollholz eine natürliche Anisotropie
aufweist, s. Abschn. 1.2.
Bei Sperrholz nach Bild 2.5 existieren drei Hauptachsen mit unterschiedlichen Platten-
eigenschaften. Durch die kreuzweise verleimten Furnierlagen liegen in Plattenebene
zwei unterschiedliche Richtungen vor, da sich die Holzeigenschaften der Einzelfurniere
parallel zu ihrer Faserrichtung wesentlich von denen rechtwinklig dazu unterscheiden.
Die Platteneigenschaften wie zum Beispiel Elastizität und Festigkeit werden überwie-
gend von den Lagen bestimmt, deren Faserrichtung in Beanspruchungsrichtung liegt.
Zur Orientierung wird deshalb die Faserrichtung der Deckfurniere als Bezugsrichtung
genommen, die bei tragendem und aussteifendem Sperrholz neben der Belastungs-
anordnung besonders zu beachten ist.
rechtwinklig
Fasem chtung zur Plattenebene
der Deckfurniere
2.5
in Plattenebene,
Drei Hauptachsen bei
./-- - - - rechtwinklig
zur Fasenrichtung Sperrholz in Abhängigkeit
der Deckfurniere von der Plattenebene und
in Plattenebene, der Faserrichtung der
parallel Deckfurniere am Beispiel
zur Fasenrichtung eines 51agigen Sperrhol -
der Oeckfumoere zes

Bei Flachpreßplatten liegen größere Unterschiede nur zwischen den Richtungen in und
rechtwinklig zur Plattenebene vor. ln Plattenebene treten zwar in Herstellungsrichtung,
s. Abschn. 2.1, zum Beispiel etwas höhere Festigkeiten auf als rechtwinklig zu dieser Rich-
tung, trotzdem brauchen diese unterschiedlichen Eigenschaften bei der praktischen An-
wendung nicht berücksichtigt zu werden, da bei tragenden und aussteifenden Flachpreß-
platten in beiden Richtungen der Plattenebene z. B. gleiche Mindest-Biegefestigkeiten
einzuhalten sind. Deshalb müssen bei Flachpreßplatten keine Richtungsunterscheidun-
gen in Plattenebene im Gegensatz zum oben angegebenen Sperrholz vorgenommen
werden.
Bei Strangpreßplatten sind nicht-beplankte (Rohplatten) und beplankte Platten zu un-
terscheiden . Nicht-beplankte Strangpreßplatten besitzen aufgrund der herstellungsbe-
dingten Spanorientierung, s. Abschn . 2.1, in Plattenebene zum Beispiel geringere Fe-
stigkeiten als senkrecht zur Plattenebene. Durch beidseitige Beplankung lassen sich
Platteneigenschaften wie die Festigkeiten verbessern; durch beidseitige Beplankung
mit Furnieren wird eine wesentliche Erhöhung nur in Faserrichtung der Furniere, durch
entsprechende Beplankung mit harten Holzfaserplatten eine wesentliche Erhöhung in
beiden Richtungen der Plattenebene erzielt.
Bei harten und mittelharten Holzfaserplatten liegen ähnlich wie bei Flachpreßplatten
etwa gleiche Eigenschaften in beiden Richtungen der Plattenebene vor, es wird nur
zwischen den Richtungen in und senkrecht zur Plattenebene unterschieden.

2.3 Rohdichte von Holzwerkstoffen


Die Rohdichte ist eine wichtige physikalische und technologische Eigenschaft, sie be-
einflußt wie bei Vollholz nach Abschn. 1.3 die meisten anderen Eigenschaften der Holz-
werkstoffe.
Flachpreßplatten besitzen aufgrund ihres Aufbaus und ihrer Herstellung, s. Abschn.
2.1, im allgemeinen Rohdichteunterschiede über den Plattenquerschnitt wie Bild 2.6
2.4 Quellen und Schwinden, Wärmedehnung , Wärmeleitfähigkeit und Wasserdampfdiffusion 57

1100

kg/m 3

J.l"
900

0..
.2!
800
700
~'- I\ /r
-5
..:; I
~ p / I
I

·,
.s:;
600
Ii v• I

.- .
I
I
500 -. ~-_.~

400 ~ -- ~ --
~
8 4 0 4 8
2.6 Plattenoberseite Plattenunterseite
Rohdichteprofil einer Spanplatte
nach Noack/Schwab [286] f--- - - -P_ta_ttendicke : 22-'-,4_5_m_m_ _ _~-i

zu entnehmen ist. ln den Deckschichten liegen höhere Rohdichten vor als in der Mittel-
schicht. Da die Masse der Deckschichten .annähernd gleich bleibt, vermindern sich die
mittleren Rohdichten {j von Flachpreßplatten mit zunehmender Plattendicke und damit
zum Beispiel auch elastomechanische Eigenschaften.
Die unterschiedlichen Rohdichten bei anderen Holzwerkstoffen werden durch Herstel-
lungsart, Spangut Holzart, Dicke und Anzahl von Schichten, Bindemittel und derglei-
chen mehr beeinflußt. Tafel2.2 gibt einen Überblick über Rohdichten von Holzwerkstof-
fen im Bauwesen.

Tafel 2.2 Rohdichten von Holzwerkstoffen im Bauwesen

Holzwerkstoffe Norm Kurz- Rohdichte


OIN zeic hen in kg/m 3

Bau-Furniersperrholz aus Buche 68705 T5 BFU-BU 600 bis 800

Flachpreßplatten 68763 550 bis 750 1 )

Holzfaserplatten
Poröse Holzfaserplatten 68750 HFO 230 bis 350
Bitumen -Holzfaserplatten 68752 BPH 230 bis 400
mittelharte Holzfaserplatten 68754 HFM 350 bis 800
harte Holzfaserplatten 68754 HFH > 800

Holzwolle-Leichtbauplatten 1101 360 bis 570


1) überwiegend eingesetzte ., mittlere " Rohdichten

2.4 Quellen und Schwinden, Wärmedehnung, Wärmeleitfähigkeit


und Wasserdampfdiffusion von Holzwerkstoffen

Quellen und Schwinden von Holzwerkstoffen


Holzwerkstoffplatten zeigen in und quer zur Plattenebene unterschiedliches Quell- und
Schwindverhalten. ln der Plattenebene ist das Quellen und Schwinden in beiden Rich-
tungen gering; quer zur Plattenebene dagegen ca. 20mal stärker als in Plattenebene.
Quell- und Schwindmaße von Holzwerkstoffen können aus Tafel 2.3 entnommen wer-
den; für den rechnerischen Nachweis von Quell- und Schwindverformungen sind je-
doch die Rechenwerte nach DIN 1052 T 1, s. Tafel8.16, zu verwenden. Über das Quellen
und Schwinden und die Holzfeuchtigkeit s. auch Abschn. 1.5.
58 2.4 Quellen und Schwinden, Wärmedehnung, Wärmeleitfähigkeit und Wasserdampfdiffusion

Tafel2.3 Quell- und Schwindmaße von Holzwerkstoffplatten in % für Änderung der Holzfeuchtigkeit um
1% unterhalb des Fasersättigungsbereiches (Mittelwerte) nach Gresse/ [105) 1 )
Holzwerkstoffe Quell - und Schwindmaße
in Plattenebene quer zur Plattenebene
(in beiden Ric ht ungen)

Bau-Furnierplatten 0,015 0,30

Flachpreßplatten V 20 0,035 0,70

V 100
0.020 0,45
V 100 G

harte und mittelharte


0,035 0,80
Holzfaserplatten
1) beim rechnerischen Nachweis sind die Rechenwerte der DIN 1052 T1, Tafel8.16, zu verwenden

Die geringen Quell- und Schwindmaße in Plattenebene sind besonders bei großflächi-
gen Holzwerkstoffplatten in feuchtebeanspruchten Bereichen zu beachten, während die
großen Quell- und Schwindmaße quer zur Plattenebene bei den üblichen kleinen Plat-
tend icken vernachlässigbar und im allgemeinen bei Konstruktionen nicht nachteilig
sind. Bei direkter Feuchte- oder Witterungsbeanspruchung muß ein dauerhaft wirksa-
mer Schutz oder Witterungsschutz auf die Holzwerkstoffplatten aufgebracht werden,
um die Gefahr des Verwerfensund Ausbeulens bei zu starker Dickenquellung zu verhin-
dern, s. hierüber auch Abschn. 2.8.
Wärmedehnung von Holzwerkstoffen
Die Dehnung eT infolge Temperaturänderungen von Holzwerkstoffen und daraus resul-
t ierende Längenänderungen von Bauteilen lassen sich mit den Gleichungen nach
Abschn . 1.6 errechnen. Die Wärmedehnzahlen zeigen bei den verschiedenen Holzwerk-
stoffplatten nicht allzu große Unterschiede auf. Bei Flachpreßplatten darf nach den
Erläuterungen zu DIN 1052 T1 mit einer Wärmedehnzahl a T= 10 bis 15 · 10- 6/°C ge-
rechnet werden . Wie bei Holz darf im Bau-
wesen die temperaturabhängige Deh-
nung von Holzwerkstoffplatten im allge-
meinen vernachlässigt werden, da sie
von geringer Größenordnung ist und die
t 0,25
bei Temperaturänderungen gleichzeitig
auftretenden Holzfeuchtigkeitsänderun-
-.: 0,20 1--J--c:--+--+--+--7'<-t--+.-+-1 gen entgegengesetzt verlaufende Quell-
oder Schwindverformungen bewirken .
Wärmeleitfähigkeit von Holzwerkstoffen
Die Wärmeleitfähigkeit A. von Holzwerk-
stoffen ist nach Kollmann/Ma/mquist
[1781 im wesentlichen wie beim Holz nach
Abschn . 1.6 von der Rohdichte, der Holz-
feuchtigkeit und der Faserrichtung abhän-
gig.
0 200 400 600 800 1000 kgfm3 1400
Mit zunehmender Rohdichte steigt die
Rohdichtep-
Wärmeleitfähigkeit von Holzwerkstoffen
2.7 Wärmeleitfähigkeit von Holzspan- und Holzfa-
an, s. Bild 2.7 am Beispiel der Wärmeleit-
serplatten quer zur Plattenebene in Abhängig-
keit von der Rohdichte bei einer Holzfeuchtig- fähigke it quer zur Plattenebene. Bei nied-
keit u = 10%; im Vergleich Vollholz quer zur Fa- rigen Rohdichten sind die Wärmeleitfä-
ser; nach Kol/mann/Malmquist 1178) higkeiten unterschiedlich, sie nähern ein-
2.5 Elastizität von Holzwerkstoffen 59

ander bei höheren Rohdichten. Die Wärmeleitfähigkeit wird unter anderem von der
Orientierung der Fasern beeinflußt. ln Plattenebene ist die Wärmeleitfähigkeit mehr als
doppelt so groß wie quer zur Plattenebene, mit der Ausnahme von Strangpreßplatten,
die herstellungsbedingt eine andere Spanorientierung besitzen als Flachpreßplatten,
s. Abschn. 2.1.
Beim rechnerischen Nachweis des Wärmeschutzes nach DIN 4108 sind die Rechen-
werte der Wärmeleitfähigkeit nach Tafel 2.4 anzusetzen, bei deren Festlegung die oben
genannten Abhängigkeiten berücksichtigt wurden.

Wasserdampf-Diffusionswiderstand von Holzwerkstoffen


Der Widerstand von Holzwerkstoffen gegenüber Wasserdampfdiffusion ist ebenso wie
beim Holz, s. Abschn. 1.6, unter anderem abhängig von der Rohdichte, Faserrichtung
und Holzfeuchtigkeit Darüber hinaus besitzen beim Sperrholz Anzahl und Dicke der
Leimfugen einen großen Einfluß; nach Frühwald [75] vermindern geschlossene Leim-
fugen den Wasserdampfdurchgang. Bei Spanplatten ist dagegen die Abhängigkeit von
der Verleimung geringer. Aus den vorbenannten Gründen schwankt der Wasserdampf-
Diffusionswiderstand bei einigen Holzwerkstoffen in weiten Grenzen. Dies zeigt sich
auch in den Richtwerten der Wasserdampf-Diffusionsw iderstandszahlen nach Tafel 2.4,
die beim rechnerischen Nachweis der Tauwasserbildung nach DIN 4108 anzusetzen
sind, sie gelten unabhängig von der Holzfeuchtigkeit

Tafel2.4 Rechenwerte der Wärmeleitfähigkeit und Richtwerte der Wasserdampfdiffusionswiderst ands-


zahlen von Holzwerkstoffen nach DIN 4108 T 4

Holzwerkstoffe Wärmeleit- Wasserdampf-


fähigkeit 1 ) }.R diffusions-
in W/(mK) widerstandszahl f-1
Sperrholz nach DIN 68705 T2 bisT 4 0,15 50/400 3 )
Flachpreßplatten nach DIN 68761 und DIN 68763 0,13 50/100 3 )
Strangpreßplatten nach DIN 68764 T 1 (ohne Beplankung) 0,17 20
Harte Holzfaserplatten nach DIN 68750 und DIN 68754 T1 0,17 70
poröse Holzfaserplatten nach DIN 68750 0,045 5
Bitumen-Holzfaserplatten nach DIN 68752 0,056 5
Holzwolle-Leichtbauplatten nach DIN 1101
Plattendicke 2 ) = 15 mm 0,15
Plattendicke ~25 mm 2/5 3 )
0,090
1) Die angegebenen Rechenwerte gelten für Holzwerkstoffe senkrecht zur Plattenebene; in Plattenebene
ist näherungsweise der 2,2fache Wert einzusetzen, wenn kein genauerer Nachweis erfolgt
2) Holzwolle-Leichtbauplatten mit Dicken< 15 mm dürfen wärmeschutztechnisch nicht berücksichtigt wer-
den
3) Es ist jeweils der für die Baukonstruktion ungünstigere Wert einzusetzen

2.5 Elastizität von Holzwerkstoffen

Die Spannungs-Dehnungslini en von Holzwerkstoffen verlaufen wie bei Vollholz nach


Abschn. 1.8 bis zu bestimmten Beanspruchungshöhen überwiegend geradlinig, so daß
im Gebrauchszustand das Hookesche Gesetz Gültigkeit hat. Dabei werden stets die
Vollquerschnitte der Holzwerkstoffplatten betrachtet, obwohl die Querschnitte oft aus
Schichten mit unterschiedlichem Verformungsverhalten bestehen.
60 2.5 Elastizität von Holzwerkstoffen

Tafel 2.5 Beanspruchungsarten von Bau-Furniersperrholz


Biegung .l zur Plattenebene Biegung in Plattenebene Zug/Druck in Plattenebene

parallel zur
Faserrichtung
der Deckfurniere

rechtwinklig zur
Faserrichtung
der Deckfurniere

Das elastische Verhalten von Holzwerkstoffen ist wie bei Vollhol z richtungsabhängig
(anisotrop), jedoch werden durch den mehr orthotropen Plattenaufbau die Unter-
schiede in den einzelnen Richtungen vermindert, hierüber s. Abschn. 2.2.
Bei Bau-Furniersperrholz beeinflussen Aufbau, Dicke und Anordnung der Furniere so-
wie die Holzart das elastische Verhalten weitgehend; in den verschiedenen Richtungen
parallel und rechtwinklig zur Faserrichtung der Deckfurniere nach Tafel 2.5 liegen unter-
schiedliche Elastizitätsmoduln vor. Beispielsweise sinkt der Elastizitätsmodul parallel
zur Faserrichtung der Deckfurniere bei Biegung rechtwinklig zur Plattenebene mit stei-
gender Lagenanzahl, während der Elastizitätsmodul rechtwinklig zur Faserrichtung der
Deckfurniere mit wachsender Lagenanzahl steigt.
Tafel 2.6 gibt einen Überblick über Elastizitäts- und Schubmoduln von Bau-Furnier-
sperrholz. Für die praktische Berechnung tragender/aussteifender Bau-Furniersperr-
holzplatten dürfen nur die Rechenwerte nach DIN 1052 T 1 eingesetzt werden, s. Tafel
8.13.
Um die Vielfalt der notwendigen Einzelangaben bei größerer Lagenanzahl zu vermei-
den, unterscheidet DIN 1052 T 1 nur dreilagige und fünf-/mehrlagige Bau-Furniersperr-
holzplatten und setzt hierfür Mindestwerte fest; größere E- und G-Moduln sind nur bei
Tafel 2.6 Elastizitäts- und Schubmoduln von Bau-Furniersperrholz bei einer Feuchtigkeit u ~ 12% nach
Möhler [247] 1 )

Beanspruchungs-
art
Lagen-
anzahl
Platten·
dicke
Elastizitätsmodul E
parallel II
I Schubmodul G
I rechtwinklig .l para llel II I rechtwinklig .l
zur Faserrichtung der Deckfurniere
in mm in N/mm 2 in N/mm 2 in N/mm 2 1 in N/mm 2

Biegung 3 ~ 8 7000 bis 14000 300 bis 1500


rechtwinklig
zur Plattenebene 5 > 8 bis 15 6000 bis 12000 2 000 bis 7 000 !;:; 600

!;:; 7 > 15 bis 29 5000 bis 10000 2 500 bis 7 000


Biegung 3 ~ 8 5000 bis 10000 2 500 bis 5 000
in
Plattenebene 5 > 8 bis 15 4500 bis 8500 3000 bis 5500 500 bis 1 ooo

!;:; 7 > 15 bis 29 4000 bis 7000 3500 bis 6000


1) beim rechnerischen Nachweis sind die Rechenwerte der DIN 1052 T l zu verwenden, s. Tafel 8.13
2.5 Elastizität von Holzwerkstoffen 61

Nachweis in einem Prüfzeugnis zu ver- 1000


wenden . Für Bau-Furniersperrholz aus
Buche lassen sich dagegen eine Vielzahl Nlmm1
/
/
von Elastizitätsmoduln (in fünf Klassen) ..: /
"5 5000
nach einem Berechnungsverfahren des
Beiblattes zu DIN 68705 T5 ermitteln, s.
"'~
~ V /
Abschn . 8.2.2. "" 4000
""..
Das elastische Verhalten von Flachpreß-
platten ist vorwiegend von der Rohdichte
~
"' 3000
ü:j

"''
V /
/
abhängig, wie Bild 2.8 am Beispiel des
Biege-Elastizitätsmoduls von einschichti-
"'
.!!>
CO
2000
/ V
gen Holzspanplatten zeigt. Da mehr-
schichtige Flachpreßplatten nach Bild 2.6 1000
/, /
ein ausgeprägtes Rohdichteprofil besit- 400 500 600 100 kglm 1 900
zen, sinkt die mittlere Rohdichte mit Rohdichtep
wachsender Plattendicke, demnach neh- 2.8 Biege-Elastizitätsmodul einschichtiger Holz-
men E- und G-Moduln mit wachsender spanplatten in Abhängigkeit von der Roh-
Plattendicke ab. dichte nach Kalimann [1751

Tafel 2.7 gibt einen Überblick über Elastizitäts- und Schubmoduln von Flachpreß-
platten. Für die praktische Berechnung tragender/aussteifender Flachpreßplatten dür-
fen nur die Rechenwerte nach DIN 1052 T 1 verwandt werden, s. Tafel 8.14. Höhere
Werte für die Moduln können benutzt werden, wenn ein entsprechender Nachweis in
einem Prüfzeugnis vorliegt.

Tafel 2.7 Elastizitäts- und Schubmoduln von Flachpreßplatten nach DIN 68763 bei einer Feuchtigkeit
u ;;;; 12% nach Mähler [247) 1 )

Moduln Plattendicken in mm

6 bis 13 > 40 bis 50

Biegung rechtwinklig zur Plattenebene

E-Modul 3200 bis 2800 bis 2400 bis 2000 bis 1600 bis 1200 bis
4500 4000 3500 3000 2500 2000
--- in N/mm 2
G-Modul 150 bis 150 bis 150 bis 100 bis 100 bis 100 bis
250 250 250 200 200 200
Biegung in Plattenebene

E-Modul 2200 bis 1900 bis 1600 bis 1300 bis 1000 bis 800 bis
3200 2800 2400 2000 1600 1200
--- in N/mm 2
G-Modul 1100 bis 1000 bis 850 bis 700 bis 550 bis 450 bis
1200 1200 1200 1000 1000 1000

1) beim rechnerischen Nachweis sind die Rechenwerte der DIN 1052 T1 zu verwenden, s. Tafel8.14

Mittelharte und harte Holzfaserplatten besitzen ähnliches elastisches Verhalten wie


Flachpreßplatten. Einen Überblick über Elastizitäts- und Schubmoduln gibt Tafel 2.8.
Für die praktische Berechnung mittragender aussteifender mittelharter und harter
Holzfaserplatten dürfen nur die Rechenwerte nach DIN 1052 T3 verwandt werden (gel-
ten nur für Beplankungen von Holztafeln bei Holzhäusern in Tafelbauart) .
Neben den oben angeführten Einflüssen ist das elastische Verhalten von Holzwerkstof-
fen wie das des Vollholzes nach Abschn . 1.8 von der Feuchtigkeit, Temperatur, Bela-
stungsdauer, Probengröße und dergleichen mehr abhängig.
62 2.6 Kriechen vo n Holzwerkstoffen

Tafel2.8 160 .......


Elastizitäts- und Schubmoduln harter und mittelharter Holzfaser-
platten nach DIN 68754 bei einer Feuchtigkeit u ;o; 12% nach
%
~
Möhler [247] 1 )

Plattentyp harte Holzfaserplatten HFH mittelharte 120


1\
Holzfaser-
platten HFM "":;
"0
g 100
\
Plattendicke in mm
I >4 6 bis 16
~
t
;:::
N
80
\ \
Biegung recht winklig 1. zur Plattenebene "'"

60
'\.
f.Modul 4000 bis 7000 13500 bis 6000 1500 bis 4500
- - - in N/mm 2 1 - - - - - - . . . _ - - - - + - - - - - - '
G-Modul ~ 200 ~ 100 i=
0 4 8 12 % 20
Biegung in II Plattenebene
F~uc htig k~it u
E-Modu l 2500 bis 6500 2000 bis 6000 1000 bis 2500
---inN/mm 2 2.9
G-Modul ~ 1250 ~ 1000 ~ 50 0 Elastizitätsmodul von Spanplatten in
Abhängigkeit von der Holzfeuchtig-
1) beim rechnerischen Nachweis sind die Rechenwerte der DIN keit, bezogen auf die Werte bei u =
1052 T3 zu verwenden 12%, nach Halligan /Schniewind [116]

Mit zunehmender Feuchtigkeit der Holzwerkstoffe nehmen Elastizitäts- und Schubmo-


duln im hygroskopischen Bereich ab, wie aus Bild 2.9 am Beispiel des Elastizitätsmo-
duls von Spanplatten entnommen werden kann . Im kapillaren Bereich liegt wie bei
Vollholz keine Abhängigkeit von der Feuchtigkeit vor. Für die praktische Berechnung
werden die Einflüsse der Feuchtigkeit auf die Moduln bei deren Festlegung berücksich-
tigt, oder die Moduln von Holzwerkstoffen sind abzumindern; hierüber s. Abschn . 2.8
und 8.2.2.
Mit steigender Temperatur nehmen die Elastizitäts- und Schubmoduln von Holzwerk-
stoffen ab. Dieser Einfluß kann für praktische Berechnungen im Gebrauchszustand wie
bei Holz nach Abschn . 1.8 vernachlässigt werden .

2.6 Kriechen von Holzwerkstoffen

Holzwerkstoffe kriechen im allgemeinen stärker als Vollholz, das in Abschn . 1.9 näher
mit notwendigen Begriffsbestimmungen beschrieben ist. Die Abhängigkeit des Biege-
kriechens von Holzwerkstoffen kann Bild 2.10 am Beispiel von Spanplatten entnommen

ahn~ Anstrich
:::-- f---"
4
v-V
V;
r-
1-" -
,......
1----V
Ka~tenanstrich

v- ./- V
~
2.10
,.... '---- Kriechfaktor von 25 mm dicken phe-
AI1S n~ nolharzverleimten Spanplatten, flach-
~ '---- V
ausemg~r
liegend, in Abhängigkeit vom Ober-
V/ -.....;::: Vergteich1 Voltholz flächenschutz infolge Biegebeanspru-
y
jxot
:
chung bei 7tägigen Beanspruchungs-
mit 10 ~/mmll- zyklen (Beanspruchung : zul a8 und
zu I as/2) in einem seitlich offenen Ver-
o 4 a u ~ 20 a ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~
suchsraum nach Möh/er/Ehlbeck
Versuchsdauer t in Wochl!ll [256]. zum Vergleich: Vollholz
2.6 Kriechen von Holzwerkstoffen 63

werden . Danach liegen die Kriechfaktoren frlfo zwischen 1,6 und 4,2 je nach Oberflä-
chenschutz bei praxisnahen Versuchen für Dachplatten. Die Abhängigkeit des Krie-
chens vom Belastungsgrad ist in Bild 2.11 am Beispiel des Biegekriechens von Holz-
faserplatten dargestellt.
Ebenso wie bei Vollholz streben die Kriechverformungen von Holzwerkstoffen bei Be-
lastungsgraden ;;; zulässige Belastung einem Grenzwert zu. Bei höheren Belastungs-
graden nehmen die Kriechverformungen oberhalb der Kriechgrenze überproportional
zu; dies führt nach bestimmter Belastungszeit zum Bruch der Platten .
2.2 , - - - - - , -- - - - , - - - - - . - - - - ,

~ 1,8 1--cf---y'f-----±=>--==;;__-=--+--~---l
..:-
E
.>:

..
.:"
-5
~ 1,4 lff-T-- - + - - - - + - - - - t - - - - - 1

2.11
Kriechfaktor von harten Holzfaserplat-
ten HFH infolge Biegebeanspruchung
in Abhängigkeit vom Belastungsgrad
bei Normalklima: T= 20 °C, I'= 65%
nach Gressel [1071 Zeit f na'h Erstbelastung

Der Einfluß der Feuchtigkeit auf die Kriechverformungen von Holzwerkstoffen ist nach
Gresse/ [1071 im trockenen Innenklima nur etwas größer als bei Vollholz . Bei konstanter
Biegebeanspruchung im konstanten Normalklima T= 20 °C, rp = 65%, erreichen die
=
Kriechfaktoren bei Sperrholz im Mittel fr/f0 2,0, bei Flachpreßplatten etwa 2,5, bei
Holzfaserplatten sind derzeit noch keine gesicherten Angaben möglich. Im natürlichen
Außenklima unter Dach sind die Kriechverformungen von Holzwerkstoffen dagegen
wesentlich größer als bei Vollholz, sie unterliegen dazu auch noch breiten Schwankun-
gen. Nach mehrjähriger Biegebeanspruchung lagen die Kriechfaktoren bei Furnier-
=
sperrholz zwischen frlfo 2,5 und 7,5, bei Flachpreßplatten zwischen etwa 2,5 und
10,0.
Darüber hinaus beeinflußt die Art der Feuchtebeanspruchung das Kriechen von Holz-
werkstoffen unterschiedlich. Ähnlich wie Vollholz nach Bild 1.23 kriecht Bau-Furnier-
sperrholz unter hoher, konstanter Feuchte weniger als im Wechselklima . Bei Spanplat-
ten liegen nach Gressel [107) umgekehrte Verhältnisse vor: Unter langandauernder ho-
her, konstanter Feuchte kriechen Spanplatten stärker als im Wechselklima .
ln der Praxis werden die Kriechverformungen bei auf Biegung beanspruchten Heiz-
werkstoffplatten rechnerisch berücksichtigt, wenn die Durchbiegungen und notwendi-
gen Überhöhungen nach DIN 1052 T 1 nachzuweisen sind . Dabei wird das gleiche Re-
chenverfahren wie bei Voll- und Brettschichtholz angewandt, hierüber s. Abschn . 1.9
und 8.2.4. Da Flachpreßplatten bei erhöhter Feuchtigkeit wesentlich stärker kriechen
als Vollholz und Bau-Furnierplatten, sind für Flachpreßplatten die doppelten Werte der
Kriechzahlen bei Feuchtigkeiten u~ 15% rechnerisch anzusetzen. Andere Kriechverfor-
mungen als diejenigen infolge Biegung sind bei Holzwerkstoffplatten im allgemeinen
nicht zu berücksichtigen .
64 2.7 Festigkeiten von Holzwerkstoffen

2. 7 Festigkeiten von Holzwerkstoffen

Die Festigkeiten von Holzwerkstoffen sind wie bei Vollholz nach Abschn. 1.10 richtungs-
abhängig (anisotrop). Bau-Furniersperrheiz besitzt etwa die gleichen Festigkeiten wie
das Ausgangsprodukt Holz, Spanplatten und Holzfaserplatten erreichen jedoch durch
das Zerkeinern des Holzes in Späne und Fasern mit abnehmender Verbundlänge gerin-
gere Festigkeiten. Die Festigkeiten von Holzwerkstoffen werden stets auf den Platten-
vollquerschnitt bezogen, obwohl die Querschnitte oft aus Schichten mit unterschiedli-
chen Festigkeits- und Verformungsverhalten bestehen.

Festigkeiten von Bau-Furniersperrheiz


Die Festigkeiten von Bau-Furniersperrheiz hängen vorwiegend von den Eigenschaften
und Dicken der Furniere ab, deren Faserverlauf parallel zur Beanspruchungsrichtung
liegt. hierüber s. Abschn. 2.2. Betrachtet man das Dehnungsverhalten und die Span-
nungsverteilung in einer fünflagigen Bau-Furniersperrholzplatte unter Biege- und Zug-
beanspruchung nach Bild 2.12, so werden sich die Dehnungen linear, die Spannungen
jedoch in den Längs- und Querlagen verschieden verhalten. Die unterschiedlichen
Spannungen resultieren im elastischen Bereich vorwiegend aus den sehr verschiede-
nen Elastizitätsmoduln der Furniere in und rechtwinklig zur Faserrichtung. Die Festig-
keiten des Gesamtquerschnittes sind neben den Festigkeiten der Einzelfurniere und
deren Streuungen auch vom Herstellungsverfahren der Platten abhängig . ln den einzel-
nen Plattenrichtungen liegen deshalb unterschiedliche Festigkeiten vor.

--F
2.12
Dehnungs- und Spannungsverteilung
in einer fünflagigen Bau-Furniersperr-
holzplatte bei Biege- und Zugbean-
spruchung in Faserrichtung der Deck-
furniere nach Erläuterung zu DIN 1052
T1
a) Plattenaufbau, b) Dehnungsdia-
a) b) c) gramm, c) Spannungsdiagramm

Die Anzahl der Furnierlagen beeinflußt die Festigkeiten: mit wachsender Lagenanzahl
sinkt im allgemeinen die Biegefestigkeit parallel zur Faserrichtung der Deckfurniere bei
Biegung rechtwinklig zur Plattenebene, dagegen steigt die Biegefestigkeit rechtwinklig
zur Faserrichtung der Deckfurniere bei wachsender LagenanzahL Der Einfluß des Plat-
tenaufbaus auf die Festigkeiten wird besonders deutlich bei Bau-Furniersperrheiz aus
Buche, deren Werte für die Biegung und Längskraft je nach Anordnung der Furniere
nach dem Berechnungsverfahren des Beiblattes zur DIN 68705 T5 ermittelt werden
können.
Tafel2.9 gibt einen Überblick über Festigkeiten von Bau-Furniersperrholz. Da die Festig-
keiten für jeden möglichen Plattenaufbau und für die verwendbaren Holzarten wie
oben angeführt sehr verschieden sind und ausreichendes Versuchsmaterial fehlt, set-
zen DIN 68705 T3 und T5 Mindestwerte für bestimmte Festigkeiten bei Bau-Furnier-
platten fest, die bei der Gütekontrolle überwacht werden. Dadurch wird die Vielzahl
von Einzelangaben auf eine übersichtliche Anzahl von Festigkeitswerten reduziert.
Für praktische Berechnungen dürfen nicht die Festigkeitswerte der Tafel 2.9, sondern
nur die zulässigen Spannungen nach DIN 1052 T1 verwandt werden, s. Tafel 8.6 und
8.8.
2.7 Festigkeiten von Holzwerkstoffen 65

Tafel2.9 Festigkeiten von Bau-Furniersperrholz in N/mm 2 bei einer Feuchtigkeit u ;:;:; 12% nach Mähler
[247] 1 )

Lagenanzahl 3 5 ~7

Plattendicken in mm ;:;:; a > 8 bis 15 > 15 bis 29

Zugfestigkeit 2 ) Pzn 45 bis 80 40 bis 75 35 bis 70


in Plattenebene
PzJ. 20 bis 45 25 bis 53 30 bis 60

Druckfestigkeit2 ) Po n 25 bis 50 22,5 bis 45 20 bis 40


in Plattenebene
PoJ. 10 bis 25 14 bis 30 17 bis 35

Biegefestigkeit 2 ), Pau 65 bis 130 58 bis 110 50 bis 75


Biegung rechtwinklig zur Plattenebene
PaJ. 7,5 bis 19 25 bis 70 30 bis 60

Biegefestigkeit 2 ), ßa1 6; 27
Biegung in Plattenebene
ßa J. ~ 18

Scherfestigkeit rg
3 bis 5
in Plattenebene

rechtwinklig zu r Plattenebene rJ. 10 bis 18

1) beim rechnerischen Nachweis sind die zulässigen Spannungen der DIN 1052 T1 zu verwenden,
s. Tafel8.6
2) II und .l : parallel und rechtwinklig zur Faserrichtung der Deckfurniere

Die Festigkeiten von Bau-Furniersperrholz sind weiterhin abhängig vom Winkel zwi-
schen Kraft- und Faserrichtung, wie aus Bild 2.13 am Beispiel der Zugfestigkeit von
drei- und fünflagigen Furnierplatten ersichtlich wird. Danach sind die Zugfestigkeiten in
Plattenebene parallel zur Faserrichtung der Deckfurniere (a = 0°) im allgemeinen etwas
höher als senkrecht zur Faserrichtung der Deckfurniere (a = 90°); beim Kraft-Faserwin-
kel a = 45° liegen niedrigere Festigkeiten vor. Ähnliches gilt für die Druckfestigkeiten in
Plattenebene. Vollholz besitzt im Vergleich dazu höhere Festigkeiten parallel zur Faser,
jedoch bereits bei kleinen Winkeln a zwischen Kraft- und Faserrichtung wesentlich
niedrigere Werte und bei Beanspruchungen quer zur Holzfaser (a = 90°) sehr geringe
Festigkeiten, s. auch Abschn . 1.10.1.
140
I
I
Nlmm 1
I

100 \ Furnierplatte

I
fünflagig
~ (1 :1.6 :1:1,6:1)
<:!: 80
~
-"'
.Q'
60
\\ I Furnierplatte
dn>ilagig (1:1:1)
]
r<l""
~I ,\__, VV
f\_
40
V
20
2.13
''
--- -- --
Vollholz
Zugfestigkeit von drei- und fünflagi- _,-- !Einzelfurnieri
. .L.
gen Furnierplatten in Abhängigkeit
00 15 30 45 60 90
vom Winkel zwischen Kraft- und Fa-
serrichtung; zum Vergleich : Vollholz; Winkel"' zwischen Kraft- und Faserrichtung
nach Kraemer [198] !der Deckfurnien>) ---
66 2.7 Festigkeiten von Holzwerkstoffen

Hieraus wird deutlich, daß durch den gerichteten, künstlichen Plattenaufbau die Aniso-
tropie bei Furnierplatten geringer wird als beim natürlichen Ausgangsprodukt Holz;
besonders bei Winkeln zwischen Kraft- und Faserrichtung liegen bei Furnierplatten
weitaus höhere Festigkeiten vor als bei Vollholz; über zulässige Spannungen bei schrä-
gem Kraftangriff s. auch Tafel 8.8.
Festigkeiten von Flachpreßplatten
Die Festigkeiten von Flachpreßplatten sind vorwiegend von der Rohdichte und damitvon
der Plattendicke abhängig. Da mehrschichtige Flachpreßplatten nach Bild 2.6 ein ausge-
prägtes Rohdichteprofil zeigen, nehmen die Festigkeiten mit wachsender Plattendicke
ab, s. auch Abschn. 2.5. ln beiden Richtungen der Plattenebene ist das Festigkeitsver-
halten annähernd gleich, s. Abschn. 2.2, deshalb brauchen im Gegensatz zum Sperrholz
nur die Beanspruchungen in und rechtwinklig zur Plattenebene unterschieden werden.
Tafel 2.10 gibt einen Überblick über Festigkeiten von Flachpreßplatten. Ebenso wie bei
Bau-Furniersperrheiz sind auch bei Flachpreßplatten Mindestwerte bestimmter Festig-
keiten nach DIN 68763 einzuhalten, die bei der Gütekontrolle überwacht werden; da-
nach sind die einzuhaltenden Biegefestigkeiten in beiden Richtungen der Plattenebene
gleich groß.
Für praktische Berechnungen dürfen nicht die Festigkeitswerte der Tafel 2.10, sondern
nur die zulässigen Spannungen nach DIN 1052 T 1 verwandt werden, s. Tafel 8.6.
Tafel2.10 Festigkeiten von Flachpreßplatten nach DIN 68763 in N/mm 2 bei einer Feuchtigkeit u ~ 12%
nach Möhler [247] 1 )

Beanspruchungs-
art >40 bis 50

Zugfestigkeit in Plattenebene

ßz 5 bis 8

Druckfestigkeit in Plattenebene

ßa 7 bis 11

Biegefestigkeit rechtwinklig zur Plattenebene

ßs 8 bis 13

Biegefestigkeit in Plattenebene

ßs 5 bis 7

Scherfestigkeit rechtwinklig zur Plattenebene

7,5 bis 11 5,0 bis 8,5

Scherfestigkeit in Plattenebene

1,5 bis 2,0 1,0 bis 2,0


1) beim rechnerischen Nachweis sind die zulässigen Spannungen nach DIN 1052 T1 zu verwenden, s. Tafel
8.6

Festigkeiten von Holzfaserplatten


Harte und mittelharte Holzfaserplatten weisen ähnliches Festigkeitsverhalten wie
Flachpreßplatten auf mit dem Unterschied, daß die Festigkeitswerte im allgemeinen
höher liegen und die Abhängigkeiten von der Plattendicke nicht so ausgeprägt sind.
Tafel 2.11 gibt einen Überblick über Festigkeiten von harten und mittelharten Holzfaser-
platten. Diese Holzfaserplatten nach DIN 68754 unterliegen einer Gütekontrolle mit
überwachten Mindest-Biegefestigkeiten. Für praktische Berechnungen dürfen nicht die
2.7 Festigkeiten von Holzwerkstoffen 67

Festigkeitswerte nach Tafel 2.11, sondern nur die zulässigen Spannungen nach
DIN 1052 T3 verwandt werden (gelten nur für mittragende und aussteifende Beplan-
kungen von Holztafeln bei Holzhäusern in Tafelbauart) .
Poröse und Bitumen-Holzfaserplatten besitzen geringe Festigkeiten und dürfen nicht
für tragende/aussteifende Zwecke nach DIN 1052 verwandt werden.

Tafel2.11 Festigkeiten von harten und mittelharten Holzfaserplatten nach DIN 68754 in N/mm 2 bei einer
Feuchtigkeit u ~ 12% nach Mähler [247] 1 )

Plattentyp Harte Holzfaserplatten HFH Mittelharte Holz-


faserplanen HFM

Plattendicken in mm ;::i; 4 >4 6 bis 16

Zugfestigkeit in Plattenebene ßz 25 bis 50 20 bis 40 10 bis 15

Druckfestigkeit in Plattenebene Po 20 bis 40 18 bis 35 .-v 10

Biegefestigkeit, Biegung .L zur Plattenebene ßs 40 bis 60 35 bis 50 12 bis 22

Biegefestigkeit, Biegung in Plattenebene ßs ;?; 28 &;; 20 i: 10

Scherfestigkeit rechtwinklig zur Plattenebene r~ ~ 20 ~4

Scherfestigkeit in Plattenebene rl 3 bis 6 1,5 bis 2,0


1) beim rechnerischen Nachweis sind die zulässigen Spannungen nach DIN 1052 T3 zu verwenden (gelten
nur für Beplankungen von Holztafeln bei Holzhäusern in Tafelbauart)

Einfluß der Feuchtigkeit und Temperatur auf die Festigkeiten von Holzwerkstoffen
Das Festigkeitsverhalten von Holzwerkstoffen ist neben den oben angeführten Einflüs-
sen wie das des Vollholzes nach Abschn. 1.10 von der Feuchtigkeit, Temperatur, Bela-
stungsdauer, Probengröße und dergleichen mehr abhängig.
Die Festigkeiten von Holzwerkstoffen neh-
men ähnlich wie die Moduln nach Ab- 160
sehn . 2.5 mit zunehmender Feuchtigkeit
im hygroskopischen Bereich ab, wie aus %
Bild 2.14 am Beispiel der Biegefestigkei-
ten von Spanplatten zu entnehmen ist. Im
/
-.........,!'\.
120
kapillaren Bereich sind die Festigkeiten
wie bei Vollholz nahezu konstant. Für die ] 100 \
praktische Berechnung werden die Ab-
hängigkeiten der Festigkeiten von der
Feuchtigkeit bei der Festlegung zulässiger
f2-
ä5
80
1\ '\

"""'
Spannungen berücksichtigt, oder diese
60
sind abzumindern; hierüber s. Abschn . 2.8
und Tafel 8.9. = I
Die Festigkeiten von Holzwerkstoffen neh- 4 8 12 % 20
men mit steigender Temperatur ab; ähnli- Feuchtigkeit u
ches gilt für Vollholz, s. Abschn . 1.10.4. Im 2.14 Biegefestigkeit von Spanplatten in Abhängig-
Gebrauchszustand kann dieser Einfluß keit von der Feuchtigkeit, bezogen auf Werte
vernachlässigt werden. bei u == 12%, nach Halligan /Schniewind [116]

Dauerfestigkeit von Holzwerkstoffen


Unter Dauerbeanspruchung nehmen die Festigkeiten von Holzwerkstoffen wie die des
Vollholzes nach Abschn . 1.10.3 ab. Bild 2.15 zeigt das Verhältnis der Zeitstandfestigkeit
zur statischen Kurzzeitfestigkeit am Beispiel der Biegung von Furnierplatten verschie-
68 2.8 Klassen, Anwendungsbereich und Plattentypen von Holzwerkstoffen

dener Dicken und Holzarten. Danach liegen die Dauerstandfestigkeiten von Furnierplat-
ten wie bei Vollholz bei ca. 50% bis 60% der statischen Kurzzeitfestigkeit Mit zuneh-
mender Feuchtigkeit werden diese Werte unterschritten. Nach Gressel [107] kann bei
einer stark hygroskopischen Spanplatte im verschärften Wechselklima die Dauerstand-
festigkeit nur ca. 20% der statischen Kurzzeitfestigkeit betragen.

100

%
-~~

-- --.::----
Lirn"/;q]if.-;:.
80
r-.... rnrn --- ~,.._

·- ....._ r- ..._
-~
~--·.: :::::::: ~e- 16 rnm
70

"'~
~jOr!f a:;"
·--....._ ..._--....._.....~E'J6 J
ßarlßa
60
·s:.._m",
50
8Te?mf 2.15
Verhältnis der Zeitstand-Biege-
festigkeit ßaT zur statischen
40 c: Kurzzeit-Biegefestigkeit ßa von
0
.<:. E ro Furnierplatten verschiedener Dik-
"' ~
ci ken und Holzarten nach Mähler/
Zeit in logarithmischem Maßstab Ehlbeck [256]

Die Dauerschwingfestigkeiten von Holzwerkstoffen sind nach Eh/beck [ 49] derzeit noch
wenig untersucht. Furniersperrholz verhält sich danach etwa ähnlich wie Vollholz nach
Abschn. 1.10.3, während Span- und Faserplatten Dauerschwingfestigkeiten von nur ca.
20% der statischen Kurzzeitfestigkeiten besitzen, so daß Span- und Faserplatten nach
derzeitigem Wissensstand f ür dynamische Beanspruchungen ungeeignet erscheinen.
Festlegen zulässiger Spannungen
Bei der Festlegung zulässiger Spannungen von Holzwerkstoffen wird in gleicher Weise
wie bei Vollholz nach Abschn. 1.10.5 vorgegangen. Danach betragen die Sicherheits-
beiwerte gegenüber der unteren 5%-Fraktile der statischen Kurzzeitfestigkeit bei Bau-
Furniersperrholzplatten im allgemeinen ca. v = 3,0 und bei Flachpreßplatten ca. v = 4,0.
Bei Holzfaserplatten liegen derzeit wenig gesicherte Versuchsergebnisse vor, deshalb
wird hier ein Sicherheitsbeiwert von ca. v = 5,0 eingehalten.

2.8 Klassen, Anwendungsbereich und Plattentypen


von Holzwerkstoffen
Holzwerkstoffklassen
Holzwerkstoffe für tragende und aussteifende Zwecke nach DIN 1052 werden hinsicht-
lich ihrer Feuchtebeständigkeit drei Klassen zugeordnet. Die Einteilung erfolgt nach der
unterschiedlichen Güte der wetterbeständigen Verleimung und der Resistenz gegen
PilzbefalL Für die einzelnen Klassen sind Höchstwerte der Plattenfeuchtigkeit angege-
ben, die im Gebrauchszustand nicht überschritten werden dürfen, s. Tafel 2.12.
Die Klassenbezeichnungen 20 und 100 gehen auf die Wassertemperatur in zurück, mit oc
der Holzwerkstoffproben bei Prüfungen vorbehandelt werden . Der Buchstabe G bedeu-
tet: "geschützt"; diese Platten bestehen aus Holzarten mit hoher natürlicher Resistenz
(mindestens Resistenzklasse 2 nach Abschn. 1.7) oder sind mit einem geprüften Schutz-
mittel gegen holzzerstörende Pilze geschützt. Die Verleimung wird in der Holzwerkstoft-
klasse 20 im allgemeinen mit Harnstoffharzen, in den Kl assen 100 und 100 G im all-
2.8 Klassen, Anwendungsbereich und Plattentypen von Holzwerkstoffen 69

Tafel2.12 Klassen, Höchstwerte der Feuchte und Verleimungsarten von Holzwerkstoffen für tragende und
aussteifende Zwecke im Bauwesen
Holzwerkstoffklasse Höchstwert der Feuchte im Verleimungsart von
nach DIN 68800 T2 Gebrauchszustand, bezogen Ba u-F u rn iersperrh olz Spanplatten
auf das Darrgewicht, nach DIN 68705 T3 (Flachpreßplatten)
nach DIN 68800 T2 Umax (%) und T5 nach DIN 68763

nicht wetterbeständig nicht wetterbeständig,


20 15 1 ) beständig bei
niedriger Luftfeuchte

wetterbeständig begrenzt wetterbeständig,


100 18 beständig gegen
hohe Luftfeuchte

wetterbeständig begrenzt wetterbeständig,


100 G 21 beständig gegen
hohe Luftfeuchte,
geschützt gegen geschützt gegen
holzzerstörende Pilze holzzerstörende Pilze
1) für Holzfaserplatten beträgt der Höchstwert Umax~ 12%

gemeinen mit Phenol- oder Resorcinharzen vorgenommen. Darüber hinaus gibt es Zu-
lassungen für Melaminharze, Isocyanate und andere (z. B. mineralische) Bindemittel.
Die Formaldehyd-Emission einiger Spanplattenleime wird durch die Gefahrstoffverord-
nung (1986) auf einen geringen Wert~0,1 ppm (früher: Emissionsklasse E 1) begrenzt,
um mögliche Gesundheitsschäden zu vermeiden; Spanplatten, die frei von Formalde-
hyd-Emissionen sind, werden unter Verwendung entsprechender Leime hergestellt.
Anwendungsbereich und Plattentypen von Holzwerkstoffen
Tafel 2.13 zeigt die erforderlichen Holzwerkstoffklassen für die häufigsten Anwen-
dungsfälle in der Praxis auf. Tafel 2.14 gibt einen Überblick über die Zuordnung der
einzelnen Plattentypen zu den drei Holzwerkstoffklassen.
Sind Holzwerkstoffe der Witterung ständig ausgesetzt, so bedürfen sie eines dauerhaft
wirksamen Wetterschutzes, zum Beispiel geeignete Beschichtung, Bekleidung, Vorsatz-
schale. Dies gilt auch für Holzwerkstoffplatten mit "wetterbeständiger" Verleimung, da
hierbei nur die Verleimung und nicht die gesamte Platte gemeint ist. Bei direkter Feuch-
tebeanspruchung (z. B. Spritzwasser in Duschen) oder ständig hoher relativer Luft-
feuchte ist ebenso ein dauerhaft wirksamer Oberflächenschutz erforderlich.
Die Feuchtebeanspruchung von Holzwerkstoffplatten ist bei der Bemessung nach
DIN 1052 unterschiedlich zu berücksichtigen: die Moduln und zulässigen Spannungen
bei Holzwerkstoffen der Klassen 20 und 100 nach Tafel 2.12 sind nicht abzumindern, da
bei diesen Klassen im Gebrauchszustand die Höchstwerte der Feuchtigkeit Umax = 15%
beziehungsweise Umax = 18% einzuhalten sind und diese Feuchtigkeiten bei den zulässi-
gen Werten bereits berücksichtigt sind, während bei der Klasse 100G die Moduln und
zulässigen Spannungen für Feuchtigkeiten u> 18% (über mehrere Wochen) abgemin-
dert werden müssen, s. Abschn. 8.2.2; bei der Klasse 100G ist in jedem Fall der Höchst-
wert Umax = 21% einzuhalten. Die Ermäßigungen (Abminderungen) der Moduln und zu-
lässigen Spannungen bei hoher, langandauernder Feuchtigkeit sind bei Holzwerkstof-
fen größer als bei Voll- und Brettschichtholz, da Holzwerkstoffe eine niedrigere Feuch-
tigkeit bei der Herstellung besitzen und die zur Gebrauchsfeuchtigkeit (u> 18%)
entstehende größere Feuchtedifferenz einen höheren Einfluß bewirkt.
Neben obengenannter gebräuchlichen Plattentypen gibt es weitere Holzwerkstoffe für
das Bauwesen, die eine bauaufsichtliche Zulassung besitzen und die die Anforderun-
gen der einzelnen Holzwerkstoffklassen erfüllen. Hierüber s. lrmschler [159] mit meist
jährlich aktueller Übersicht.
70 2.8 Klassen, Anwendungsbereich und Plattentypen von Holzwerkstoffen

Tafel2.13 Anwendungsbereich und erforderliche Holzwerkstoffklassen nach DIN 68800 T2

Zeile Anwendungsbereich Holzwerkstoff-


klasse
1 Raumseitige Beplankung von Wänden, Decken und Dächern
1.1 ln Wohngebäuden sowie in Gebäuden mit vergleichbarer Nutzung 1 )
1.1.1 Allgemein, außer Nr 1.1.2 bis Nr 1.1.4 20
1.1.2 Obere Beplankung von nicht belüfteten 2 ) Decken unter nicht ausgebauten
Dachgeschossen
ohne ausreichende Dämmschichtauflage 100 G
mit ausreichender Dämmschichtauflage (1/A ""'0,75 m 2 K/W) 4 ) 20
1.1.3 ln Bereichen mit starker direkter Feuchtebeanspruchung der Oberfläche 100G
(z. B. in Duschen)
1.1.4 ln Neubauten mit sehr hoher Baufeuchte (z. B. Massivbau mit sehr hoher 100 G 3 )
Feuchteabgabe)
1.2 ln Räumen mit langfristig sehr hoher relativer Luftfeuchte (z. B. Ställe) 100 G

2 Außenbeplankung von Außenwänden


Hohlraum zwischen Außenbeplankung und Wetterschutz
2.1 ausreichend belüftet 2 ) 100
2.2 nicht oder nicht ausreichend belüftet 2 ) 100 G
2.3 nicht vorhanden 100 G

3 Obere Beplankung von Dächern, tragende oder aussteifende Dachschalungen 100 G


1) Dazu zählen auch nicht ausgebaute Dachräume von Wohngebäuden. Für obere Beplankungen von Dä-
chern sowie für tragende oder aussteifende Dachschalungen ist- auch wenn sie mit der Raumluft in
Verbindung stehen- die Anforderung nach Zeile 3 maßgebend
2) Hohlräume gelten im Sinne dieser Norm als ausreichend belüftet, wenn die Größe der Zu- und Abluftöff-
nungen mindestens je 2%. der zu belüftenden Fläche, bei Decken unter nicht ausgebauten Dachgeschos-
sen mindestens jedoch 200 cm 2 je m Deckenbreite beträgt
3) Bei Bau-Furniersperrholz ist auch die Holzwerkstoffklasse 100 zulässig
4) Wärmedurchlaßwiderstand 1/A, Berechnung nach DIN 4108 T5

Tafel 2.14 Zuordnung der Bauplatten-Typen zu den Holzwerkstoffklassen nach DIN 68800 T2

Holzwerkstoff Norm Plattentyp für die Holzwerkstoffklasse 1 )


20 100 100G

Sperrholz
Bau-Furniersperrholz DIN 68705 T3 BFU 20 BFU 100 BFU 100 G
Bau-Furniersperrholzaus Buche DIN 68705 T5 - BFU-BU 100 BFU-BU 100 G
Bau-Stabsperrholz DIN 68705 T4 BST20 BST 100 BST 100 G
Bau-Stäbchensperrholz DIN 68705 T4 BSTAE 20 BSTAE 100 BSTAE 100 G

Spanplatten
Flachpreßplatten
für das Bauwesen DIN 68763 V20 V 100 V 100 G
Beplankte Strangpreßplatten
für das Bauwesen DIN 68764 T1 SV 1, SR 1 SV2, SR 2 2 ) -
Beplankte Strangpreßplatten
für die Tafelbauart DIN 68764 T2 TSV 1 TSV2 2 ) -
Holzfaserplatten
Harte Holzfaserplatten
für das Bauwesen DIN 68754 T1 HFH 20 - -
Mittelharte Holzfaserplatten
für das Bauwesen DIN 68754 T1 HFM 20 - -

1) Das Zeichen .. -" bedeutet, daß hierfür keine Norm besteht


2) Werden Strangpreßplatten für den Bereich der Holzwerkstoffklasse 100 nicht in den Abmessungen, wie
sie das Werk verlassen, angewendet, sondern ausnahmsweise auf der Verwendungsstelle geschnitten
oder gefräst, so ist an den Rändern ein mindestens 15 mm breiter Vollholzeinleimer oder ein gleichwer-
tiger Feuchteschutz anzuordnen
3 Bauholz

Aus der Vielzahl der Holzarten, die auf der Erde existieren, werden nur wenige für
Bauzwecke genutzt. Für tragende Holzbauteile nach DIN 1052 T1 können nur be-
stimmte Holzarten eingesetzt werden, s. Tafel 3.1.
ln Mitteleuropa werden vorwiegend europäische Nadelhölzer (Fichte, Tanne, Kiefer,
Lärche, europäische Douglasie) als Bauholz verwandt, da sie gute Festigkeitseigen-
schaften bei geringem Eigengewicht und geringe Quell- und Schwindmaße aufweisen,
darüber hinaus sind sie leicht bearbeitbar.
Die europäischen Laubhölzer (Eiche, Buche) werden im allgemeinen nur bei speziellen
Bauteilen wie Auflagerplatten, Dübel, Schwellen und dergleichen mehr eingesetzt,
Eiche wegen seiner guten Dauerhaftigkeit und Resistenz, s. Tafel 1.9, auch bei Bautei-
len, die stark der Witterung ausgesetzt sind, wie zum Beispiel im Brücken- und Wasser-
bau. Europäische Laubhölzer besitzen ein höheres Eigengewicht, höhere Quell- und
Schwindmaße und sind wegen ihrer höheren Rohdichte schwerer bearbeitbar und dar-
über hinaus teurer als europäische Nadelhölzer.
Nordamerikanische Nadelhölzer (Western Hemlock, Douglasie, Southern Pine) sind für
Bauzwecke nach DIN 1052 T1 allgemein zugelassen und in die Sortierklassen (Güte-
klassen) des europäischen Nadelholzes eingestuft worden; sie besitzen oft günstigere
Wuchseigenschaften und sind geradliniger als europäische Nadelhölzer.
Überseeische Laubhölzer (Teak, Keruing, Afzelia, Merbau, Angelique, Azobe, Green-
heart) sind ebenso für Bauzwecke nach DIN 1052 T 1 allgemein zugelassen, sie besitzen
gleiche oder höhere Festigkeiten als europäische Laubhölzer und sind bis auf Ausnah-
men sehr resistent, s. auch Tafel 1.9. Sie werden im allgemeinen nur bei besonderen
Anforderungen an tragendes Bauholz wie Dauerhaftigkeit eingesetzt, zum Beispiel im
Brücken- und Wasserbau. Herkunftsgebiete dieser Laubhölzer sind die tropischen Re-
genwälder Afrikas, Südamerikas und Südostasiens.

3.1 Vollholz (VH)

Vollholz sind entrindete Rundhölzer und Bauschnitthölzer aus Nadel- und Laubholz.
Rundhölzer sind entrindete (und entästete) Stämme, die im allgemeinen ohne weitere
Bearbeitung vorwiegend bei Gerüsten, im landwirtschaftlichen Bauwesen, im Behelfs-
brückenbau und als Rammpfähle eingesetzt werden, Halbrundhölzer auch als Verstre-
bungen und Holme im Gerüstbau.
Schnitthölzer sind nach DIN 407 4 T 1 Holzerzeugnisse mit quadratischem oder rechtek-
kigem Querschnitt von mindestens 6 mm Dicke, die durch Sägen oder Spanen von
entrindeten Stämmen (Rundholz) parallel zur Stammachse hergestellt werden. Die Ein-
teilung des Schnittholzes aus Nadelholz (NH) in Latte, Brett, Bohle, Kantholz, Balken
und Kreuzholz kann aus Tafel 3.2 entnommen werden. Schnittholz aus Laubholz (LH)
wird in DIN 68367, 68369 und 68370 beschrieben. Schnitthölzer können scharfkantig
sein oder auch Baumkanten besitzen.
Tafel3.1 Merkmale von Bauhölzern der DIN 1052 T1 nach Grosser [108], Kalimann [175], Noack/Schwab [285] und Seil [329] -...J
r-v
Benennung Kurz- weitere wichtigstes Farbe 1 ) Jahr- Festig- Bearbeit- Stehver- weitere Hinweise
zeichen Handels- Herkunfts- ring- keit barkeil mögen
namen gebiet struktur/
Zuwachs-
Splintholz Kernholz zonen
I
Nadelhölzer 4 )

Fichte Fl Rotfichte, Europa weiß mit gelblich-rötlichem deutlich mäßig gut befriedi- Reifholzbau m, der
"Rot- Ton, Splint und Kern nicht hoch gend Tanne sehr ähnlich,
tanne" 2 ) zu unterscheiden schwer zu imprägnieren

Tanne TA Weißtanne, Mittel-, gelblichweiß bis rötlichweiß, deutlich mäßig gut befriedi- Reifholzbau m, der Fichte
Edeltanne Südeuropa Splint und Kern nicht zu hoch gend sehr ähnlich, schwer zu
unterscheiden imprägnieren

Kiefer Kl Föhre Europa, gelblichweiß, gelblichrot deutlich mäßig gut gut Kernholzbaum, Splint-
Nordwest- breit bis braun hoch holzgut zu imprägnie-
asien ren

Lärche, LA Mittel- gelblichweiß, rötlichbraun sehr mäßig gut gut Kernholzbaum, Splint-
euro- europa schmal bis rotbraun deutlich hoch holzgut zu imprägnie-
päische ren

Western HEM Hemlock Nord- bräunlichgrau, gelegentlich weniger mäßig gut gut gerader Faserverlauf,
Hemlock amerika helle Streifen, Splint und Kern deutlich hoch astfrei, schlecht zu im-
nicht zu unterscheiden prägnieren

Douglasie 3 ) DGA Oregon Nord- gelblichweiß, gelblich- deutlich mäßig gut gut Kernholzbaum, weit-
pine, Dou- amerika schmal rotbraun hoch gehend astfrei, Splint-
glas fir holz mittelmäßig zu im-
prägnieren ~
~

Southern amerik. Südliches gelblichweiß, gelblich deutlich mäßig gut gut Splintholz gut zu imprä- '§
Pine Südkiefer u. südöstli- breit braun hoch gnieren :::T
ches Nord- 0
N"
amerika
--·- --- <
I
Fortsetzung und Fußnoten s. nächste Seite
Laubhölzer
!--'
~
Eiche EI Weißeiche Europa grauweiß, gelblichbraun deutlich hoch meist befriedi- Kernbaumholz, nasses
schmal bis braun gut gend Holz neigt in Verbindung
mit Eisen zu Verfärbun- ~
:;:
gen, gut zu imprägnieren 0
N"
Buche BU Rotbuche Europa hellgrau bis blaßgelb, Splint mäßig hoch gut mäßig Reifholzbaum, <
und Kern kaum zu unterschei- deutlich gut zu imprägnieren .:5
den

Teak TEK Südost- hellgrau, hellbraun bis deutlich hoch gut sehr gut Imprägnieren nicht erfor-
asien schmal braun derlieh

Keruing YAN Yang Südost- grau, hell- rosabraun, undeut- hoch er- mäßig hoher Harzgehalt, Name
asien braun, schmal braun lieh schwert für eine Holzartengruppe

Afzelia AFZ Deussie Afrika grau, schmal hellbraun bis deutlich sehr gut sehr gut Nagelungen verbohren,
rotbraun hoch Oberflächenbehandlung
schwierig

Merbau MEB Kwila Südost- grau, schmal gelblich braun erkenn- sehr gut sehr gut Nagelungen verbohren,
asien bis rotbraun bar hoch Afzelia sehr ähnlich,
jedoch mit wasserlös-
Iichen Inhaltsstoffen

Angelique AGQ Basralocus nördliches grau, schmal braun bis erkenn- sehr sauber befriedi- stark werkzeug-
Südamerika violettbraun bar hoch gend stumpfend

Azobe AZO Bongossi Afrika hellrotbraun, tiefrotbraun, undeut- außer- schwierig schlecht Nagelungen verbohren,
schmal violette lieh ordent- feuchtes Holz verfärbt
Tönung lieh sich in Verbindung mit
hoch Eisen, nicht imprägnier-
bar

Greenhaart GRE nördl- Süd- grüngelb, grünlichbraun nicht außer- wenig mäßig stark rißgefährdet stark
amerika schmal sichtbar ordent- gut werkzeugstumpfend,
lieh Nagelungen verbohren
hoch

1) Die Farben werden auch vom Bauholzalter (Zeit nach dem Anschnitt) und dem Umgebungsklima (Sonnenlicht, Bewitterung) beeinflußt, z. B... Nachdunkeln"
mit der Zeit oder .. Vergrauen" der Holzoberfläche bei Bewitterung
2) Die Bezeichnung .. Rottanne" ist falsch, da Fichte und Tanne unterschiedlichen botanischen Gattungen .angehören
3) Die Eigenschaften des auch in Europa vermehrt angebauten Douglasieholzes unterscheiden sich von denen des nordamerikanischen lmportholzes, euro-
päische Douglasie gehört jedoch zu den Bauhölzern der DIN 1052 T 1 -..J
4) Die zugehörigen botanischen Namen der Nadelhölzer sind in DIN 1052 T1 angeführt w
74 3.2 Sortiermerkmale und -klassen (Güteklassen) für Nadelschnittholz

Tafel3.2 Begriffe für Nadelvollholz (Rund- und Schnittholz) nach DIN 4074 T1 und T2 5 )

Vollholz aus Nadelholz (NH)

Rundholz, Schnittholz
Halbrundholz Latte 2 ) Brett') Bohle') Kantholz Balken 3 ) Kreuzholz 4 )
(Rahmen)

~ I·
~~
/~ifm\
\,mtm)
___ ,
.....

Stangen: d :::;; 4cm d :::;; 4cm d > 4cm


b :::;; h :::;; 3b
d :::;; 14cm ~ 0.6 cm ~ 0.6cm

Stämme:
d > 14 cm b < Bcm b ~ 8cm b > 3d b > 4cm

1) Vorwiegend hochkant biegebeanspruchte Bretter und Bohlen sind wie Kantholz zu sortieren,
2) Für Dachlatten gilt nach DIN 4070 Tl: A :::;; 32 cm 2 und Seitenverhältnis :::;; 1/2
3) Für Balken gilt nach DIN 68252 T1: Kantholz, dessen größere Querschnittseite ~ 20 cm ist
4) Nach DIN 68252 Tl gilt
Kreuzholz: 4 Stück (A > 32 cm 2 ) müssen kerngerecht aus einem Rundholzabschnitt sein,
Rahmen: 4 Stück (A > 32 cm 2 ) müssen aus einem Rundholzabschnitt sein,
5) Die Definitionen in DIN 68252 Tl und DIN 68365 sind nicht einheitlich, mit Abweichungen zu DIN 4074
Tl

Schnittholzlängen über 8 beziehungsweise 10m sind oft schwer herzustellen und wer-
den mit Preiszuschlägen gehandelt; aus den kegelstumpfartigen Rundholzstämmen
(Abholzigkeit) können meist nur kleinere Längen gesägt werden, da der maximal ein-
schneidbare quadratische oder rechteckige Holzquerschnitt vom Zopfende (kleinster
Stammdurchmesser) bestimmt wird. Querschnittsabmessungen über 26 cm sollten bei
Schnittholz die Ausnahme bleiben, über 30 cm im allgemeinen nicht herstell- und lie-
ferbar.
Bauschnitthölzer werden vielfältig als tragende Bauteile eingesetzt, z. B. als Dach Iatten,
Lattungen, Konterlattungen, als Bretter für Fußböden, Dachschalungen, Gerüste, als
Kanthölzer oder Balken für Sparren, Pfetten, Streben, Stützen, Träger oder als andere
zug-, druck- und biegebeanspruchte Bauteile in Bauwerken sowie als Fachwerkstäbe.

3.2 Sortiermerkmale und -klassen (Güteklassen)


für Nadelschnittholz
Die physikalischen und elastemechanischen Eigenschaften des natürlich gewachsenen
Baustoffes Holz können wenig beeinflußt werden im Gegensatz zu künstlich hergestell-
ten Baustoffen wie Beton, Stahlbeton, Stahl, Kunststoffen; eine gewisse Beeinflussung
ist bei Holz jedoch durch forsttechnische Maßnahmen wie Pflege, Pflanzung, Züchtung
und Auswahl beim Schlagen möglich. Da die Holzeigenschaften im allgemeinen gro-
ßen Streuungen unterliegen und vielfältige Abhängigkeiten aufweisen, s. Abschn. 1, ist
die Gewährleistung bestimmter Qualitäten und Eigenschaften für tragende Bauhölzer
ebenso wichtig wie für andere Baustoffe.
DIN 407 4 T 1 regelt die Sortierung von Nadelschnittholz nach der Tragfähigkeit, ent-
sprechende Normen für Nadelrundholz und Laubholz sind in Abschn. 3.1 angegeben.
ln den Normen werden Sortiermerkmale und -klassen (Gütebedingungen und -klassen)
für Bauholz festgelegt, sie sind Voraussetzung für den Standsicherheitsnachweis nach
DIN 1052 und den dabei verwandten Rechenwerten. Die Überwachung und Einhaltung
3.2 Sortiermerkmale und -klassen (Güteklassen) für Nadelschnittholz 75

dieser Sortiermerkmale und -klassen ist deshalb für jedes tragende Bauholzteil von
großer Bedeutung.
DIN 407 4 T 1 unterscheidet eine visuelle und maschinelle Sortierung. Die maschinelle
Sortierung darf nur mit geeigneten und geprüften Sortiermaschinen vorgenommen
werden, während die visuelle Sortierung erfahrene Fachleute durchführen können .
Sortiermerkmale und -klassen für Nadelschnittholz sind in Tafel 3.3 und 3.4 zusammen-
gestellt. Die Sortierklasse MS 17 für Schnittholz mit besonders hoher Tragfähigkeit wird
für maschinell sortiertes Holz zusätzlich eingeführt.
Weitere Anforderungen an Nadelschnittholz nach DIN 407 4 T 1 sind:
- Maßhaltigkeit bei visueller Sortierung (Sortierklassen S): Abweichungen von den
vorgesehenen Querschnittsmaßen nach unten sind, bezogen auf eine mittlere Holz-
feuchte von 30%, zulässig bis 3% bei 10% der Menge (bei maschineller Sortierung
gelten zum Teil geringere zulässige Abweichungen),
- Toleranzen. Bei nachträglicher Inspektion einer Lieferung sortierten Holzes sind un-
günstige Abweichungen von den geforderten Grenzwerten zulässig bis 10% bei 10%
der Menge,
-Kennzeichnung. Schnitthölzer der Sortierklassen S 13, MS7, MS 10, MS 13, MS 17
sind dauerhaft, eindeutig und deutlich mit vorgeschriebenem Text zu kennzeichnen .

Tafel3.3 Sortierkriterien für Kanthölzer aus Nadelholz bei visueller Sortierung nach DIN 4074 T1 1)

Sortiermerkmale Sortierklassen 2 )
57 510 5 13
Baumkante
k Breite der Baumkante c > O, K;;; 'fo K;;; 1/a
K = k/h, bezogen auf die alle vier Seiten je Querschnitts- je Querschnitts-
größere Querschnitts- müssen durch- seite: seite:
seite gehend von
c verbleibende Sägekante Schneidwerk- c/h und c/b ~ 1 h c/h und c/ b ;;i 2/ 3
b! h rechnerischer Quer- zeugen gestreift
schnitt sein
Äste oder Astlöcher (einschließlich Astrinde)
d kleinste sichtbare A -;;;; 3 / 5 A ;ii 1/s
Durchmesser der ;ii 50mm
Äste
A Ästigkeit,
maßgebend ist
der größte Ast
A =~ oder A =~ oder
b h
A =~ oder A =~
b h
Jahrringbreite (als mittlere Jahrringbreite nach DIN 52181)
- gemessen in allgemein: allgemein:
radialer Richtung, ;ii 6mm ;ii 4mm
- bei Querschnitten bei Douglasie: bei Douglasie:
mit Mark bleibt ein ;ii 8mm ;;; 6mm
Bereich von 25 mm,
ausgehend von der
Markröhre, außer
Betracht

Fortsetzung s. nächste Seiten, Fußnoten s. S. 77


76 3.2 Sortiermerkmale und -klassen (Güteklassen) für Nadelschnittholz

Tafel 3.3, Fortsetzung

Sortiermerkmale Sortierklassen 2 )

57 510 513
Faserneigung

e Abweichung der e ~ 200 mm/m e ~ 120 mm/m e ~ 70mm/m


Fasern auf 1000 mm
Länge,
- örtliche Faserabwei-
chungen z. B. durch
Äste bleiben unbe-
rücksichtigt,
- gemessen wird nach
Jahrringverlauf,
Schwindrissen oder
mit geeignetem Ritz-
gerät

nicht zulässig nicht zulässig nicht zulässig


~ ~
Frostriß Blitzriß
Ringschäle (ein Riß längs der Jahrringe)

radiale Schwindrisse, s. Abschn. 1.5.6 (Trocken- zulässig zulässig zulässig


risse)

Krümmung 5 )

Längskrümmung: - Pfeilhöhe h an der ~ 15 mm/2 m ~8 mm/2 m ~5 mm/2 m


Stelle der größten
Verformung bezo-
gen auf 2000 mm
Meßlänge

Verdrehung:

Druckholz

- wird im lebenden Baum als Reaktion auf bis zu 3 / 5 des bis zu 2 / 5 des bis zu 1/ 5 des
äußere Beanspruchung gebildet, Querschnitts Querschnitts Querschnitts
- ist durch eine Struktur gekennzeichnet, die oder der Ober- oder der Ober- oder der Ober-
vom üblichen Holz verschieden ist, fläche zulässig fläche zulässig fläche zulässig
- kann erhebliche Krümmung des Schnittholzes
verursachen

Fortsetzung und Fußnoten s. nächste Seite


3.2 Sortiermerkmale und -klassen (Güteklassen) für Nadelschnittholz 77

Tafel 3.3, Fortsetzung

Sortiermerkmale Sortierklassen 2 )

57 510 513

Verfärbungen (als Veränderung der natürlichen Holzfarbe)

Bläue entsteht durch Bläuepilze, diese leben zulässig zulässig zulässig


von Inhaltsstoffen und nicht von Zellwänden,
keine Festigkeitsminderungen

braune und rote Streifen entstehen durch Pilz- bis zu% des bis zu 2/ 5 des bis zu 1/ 5 des
befall, keine Festigkeitsminderung, solange sie Querschnitts Querschnitts Querschnitts
nagelfest sind (Härte) oder der Ober- oder der Ober- oder der Ober-
fläche zulässig fläche zulässig fläche zulässig

Rot- und Weißfäule entstehen durch holzzerstö- nicht zulässig nicht zulässig nicht zulässig
rende Pilze, erkennbar durch fleckige Verfärbung
und reduzierte Oberflächenhärte

Insektenfraß

- stehende Bäume und frisches Rundholz können Fraßgänge bis 2 mm Durchmesser von Frischholz-
von Frischholzinsekten befallen werden, insekten zulässig
- Befall ist an den Fraßgängen (Bohrlöchern) auf
der Holzoberfläche erkennbar

Mistelbefall

- Misteln sind Halbschmarotzerpflanzen, nicht zulässig nicht zulässig nicht zulässig


die auf Bäumen wachsen,
- ihre Senkerwurzeln (Senkerlöcher, ca. 5 mm
Durchmesser) verursachen meist eine enge
Durchlöcherung des Holzes

1) Sortierkriterien für Bohlen, Bretter und Latten sowie zusätzliche Sortierkriterien bei maschineller Sortie-
rungs. DIN 4074 T1
2) Die Sortierklassen 57, S 10, S 13 entsprechen den früheren und in DIN 1052 angeführten Güteklassen
111, II, I
3) Blitz- und Frostrisse entstehen am stehenden Baum, sie sind an einer Nachdunkelung des angrenzenden
Holzes und Frostrisse zusätzlich an einer örtlichen Krümmung der Jahrringe zu erkennen
4) Übliche Schwindrisse (Trocken risse) beeinträchtigen die Tragfähigkeit nicht, s. Abschn. 1.5.7
5) Krümmung ist vorwiegend von der Holzfeuchte abhängig, bei frischem Schnittholz im allgemeinen nicht
zu erkennen, größtes Ausmaß bei getrocknetem Holz

Tafel3.4 Sortierklassen bei visueller und maschineller Sortierung von Nadelschnittholz nach DIN 4074 T1

Sortierklassen 1 ) bei Bezeichnung der Tragfähigkeit des Schnittholzes entspricht den


Güteklassen
visueller maschineller der DIN 1052
Sortierung Sortierung

s 7 MS 7 gering 111

510 MS10 üblich II

513 MS13 ü berd u rchsch n ittl ich I

- MS17 besonders hoch -


1) Die Ziffern der Sortierklassen 7, 10 und 13 entsprechen den jeweils zulässigen Biegespannungen für
Nadelholz nach DIN 1052 T1, s. Tafel 8.1
78 3.3 Brettschichtholz (BSH)

Die Sollquerschnitte beziehen sich auf eine mittlere Holzfeuchte von u = 30%, zur Be-
rechnung von Schwindverformungen sind die mittleren Quell- und Schwindmaße nach
Tafel8.16 zu verwenden. Bei Bauholz kann eine mittlere Holzfeuchte von u = 20% kurz-
fristig nur durch technische Kammertrocknung, langfristig durch natürliche, gedeckte
Trocknung erreicht werden . Eine mittlere Holzfeuchte u < 15% ist im allgemeinen nur
durch technische Kammertrocknung möglich, hierüber s. auch Abschn . 1.5.5. Die Be-
griffe "frisch", "halbtrocken" und "trocken" bezogen auf die mittlere Holzfeuchte sind
in Tafel 1.3 näher erläutert.

3.3 Brettschichtholz (BSH)


Brettschichtholz besteht aus mindestens drei Brettern oder Brettlagen aus Nadelholz,
deren gehobelte Breitseiten waagerecht übereinander liegen und miteinander zu einem
Gesamtquerschnitt verleimt werden, s. Tafel 3.5.
Die Dicke der Einzelbretter beträgt mindestens 6 mm und darf 33 mm im allgemeinen
nicht überschreiten, da mit wachsender Einzelbrettdicke die Gefahr der Trockenrißbil-
dung steigt und ein gleichmäßiger Preßdruck bei der Verleimung nur erschwert zu
gewährleisten ist. Bei geraden Bauteilen ist eine Erhöhung der Einzelbrettdicken bis zu
40 mm zulässig, wenn die Bauteile keinen extremen klimatischen Wechselbeanspru-
chungen ausgesetzt sind, zum Beispiel in Wohngebäuden mit normaler Nutzung oder
vergleichbaren Gebäuden. Bei stärkeren klimatischen Wechselbeanspruchungen wie
zum Beispiel direkter Bewitterung und Sonneneinstrahlung empfehlen die Erläuterun-
gen zu DIN 1052 T1, Einzelbretter mit kleineren Dicken als 33 mm zu verwenden, zum
Beispiel a = 24 mm bei höher beanspruchten Bauteilen.

Tafel3.5 Aufbau von Brettschichtholz aus Nadelholz nach DIN 1052 Tl

Länge und Querschnittsabmessungen

Länge, Ansicht Querschnittsbreite b


b ;;;: 220 mm b > 220 mm 1 )
Einzelbretter Brettlage aus 2 Teilen
~ (Schmalseiten nicht ver-
leimt)
t dicke
I
~ ' iJ
Brett-
"" ! ""
:;:=::::::<

~' ~~-·
I
iJ

l I I ,__!?__
025·a
bis0,2
max. Länge I== 40,0 m,
abhängig von den
Transportmöglichkeiten

Höhe Einzelbrett (Lamelle)


max. h:: bis 2,30 m, min . a ;;; 6mm
abhängig von der max. a ;;;: 33 mm (allgemein)
Hobelmaschinenbreite ;;;;:: 40 mm 2 )
== 24 mm 3 )
1) Querschnittsbreiten über 220 mm sind selten, jedoch bis b == 300 mm ohne größeren Aufwand ausführ-
bar; Querschnittsbreiten b > 300 mm sollten nur in .. besonderen" Ausnahmen hergestellt werden , da
großer technologischer Aufwand erforderlich ist
2) Nur bei geraden Bauteilen, wenn diese keinen extremen klimatischen Wechselbeanspruchungen ausge-
setzt sind
3) Empfehlung bei stärkeren klimatischen Wechselbeanspruchungen wie zum Beispiel direkter Bewitte-
rung und Sonneneinstrahlung
3.3 Brettschichtholz (BSH) 79

Die Querschnittsbreiten bei Brettschichtholzbauteilen betragen in der Regel bis zu


220 mm. Querschnittsbreiten über 220 mm sind selten, werden jedoch bis b 300 mm =
ohne größeren Aufwand ausgeführt; Querschnittsbreiten b > 300 mm sollten nur in
"besonderen" Ausnahmefällen hergestellt werden, da ein großer technologischer Auf-
wand erforderlich ist.
Bei diesen Querschnittsbreiten über 220 mm müssen die Einzelbretter mindestens eine
Entlastungsnut besitzen, die in Brettlängsrichtung verläuft. Die Entlastungsnuten redu-
zieren auftretende Spannungen in den Einzelbrettern infolge Holzfeuchtigkeitsänderun-
gen. Die Nuttiefe und -breite kann Tafel 3.5 entnommen werden . Anstelle von genute-
ten Einzelbrettern dürfen bei Querschnittsbreiten über 220 mm auch Brettlagen ver-
wandt werden, die aus mindestens zwei nebeneinanderliegenden Teilen bestehen; die
Längsfugen der übereinanderliegenden Lagen müssen in Mindestabständen gegenein-
ander versetzt werden, s. Tafel 3.5. Werden jedoch die Einzelbretter innerhalb einer
Brettlage auch an ihren Schmalseiten miteinander verleimt, brauchen die Mindestab-
stände der Längsfugen nicht eingehalten werden .
Mehrere Einzelbretter werden je Brettlage durch Keilzinkenverbindungen nach
DIN 68140, s. Abschn . 6.3, an ihren Stirnseiten (Hirnholz) miteinander verbunden, so daß
"theoretisch" Endlos-Bretter hergestellt werden und Brettschichtholz-Bauteile dadurch
alle gewünschten Längen erhalten können . Jedoch werden diese Längen in der Praxis
durch die Abmessungen der Werkhallen, des Verleimungsbettes und besonders durch
die Transportmöglichkeiten im allgemeinen auf ca. 35 bis 40 m begrenzt. Darüber hinaus-
gehende Längen sind selten und werden nur in Sonderkonstruktionen verwandt. Brett-
schichtholz-Bauteile mit Einzellängen von über100m sind bereits hergestellt worden.
Die Querschnittshöhen bei Brettschichtholzbauteilen sind "theoretisch" genauso belie-
big herstellbar wie ihre Längen, sie werden jedoch durch die Arbeitsbreiten der derzeit
verfügbaren Hobelmaschinen auf ca. 2,0 bis 2,30 m beschränkt. Querschnittshöhen, die
wesentlich über 2 m liegen, können auch hergestellt werden, sie sollten jedoch wegen
des großen technologischen Aufwandes auf "besondere" Ausnahmefälle beschränkt
bleiben; bei diesen großen Höhen sind Fachwerkkonstruktionen mit Stäben aus Brett-
schichtholz oft vorteilhafter, s. Abschn. 18.
Brettschichtholz läßt sich auch als gekrümmtes (gebogenes) Bauteil herstellen, s. Tafel
3.6. Dazu werden die Einzelbretter vor dem Verleimen leicht gekrümmt, so daß gebo-
gene Bauteile in vielfältigen Formen herstellbar sind. Die Biegeradien der Einzelbretter
sollten im allgemeinen das 200fache der Brettdicke nicht unterschreiten. Kleinere Bie-
geradien sind in Sonderfällen bis zum 150fachen der Brettdicke erlaubt, wenn die Brett-
dicke der Zahlenwertgleichung nach Tafel 3.6 genügt. Im allgemeinen werden Biegera-
dien r 1 ~ 6,60 m bei Einzelbrettdicken a = 33 mm verwandt. Die beim Krümmen der Ein-
zelbretter entstehenden Biegespannungen bauen sich durch rheologisches Verhalten
des Holzes weitgehend ab, so daß diese
Tafel3.6 Anforderungen an gekrümmte Brett-
Biegespannungen bei der weiteren Be- schichtholz-Bauteile aus Nadelholz nach
rechnung vernachlässigt werden dürfen. DIN 1052 T1
Brettschichtholz ist ein aus einzelnen Tei- Krümmung
len zusammengesetzter Verbundkörper,
er wird nach DIN 1052 T1 in die Güteklas- allgemein:
sen I und II eingeteilt. Bei der Einstufung r1 ~ 200 a
in eine der Güteklassen sind im allgemei- Sonderfall:
nen die Eigenschaften des ganzen Bau- r1 Biegeradius 150 a ;;; r 1 < 200 a
teils und nicht die der einzelnen Teile des Einzel-
mit
maßgebend. brettes
Bei auf Biegung oder Biegung mit Nor- a Dicke des a ;::; 13 + 0,4 (~ - 150) in mm
Einzelbrettes
malkraft beanspruchten Bauteilen müs-
80 3.3 Brettschichtholz (BSH)

sen alle Einzelteile in der Zugzone der Güteklasse (Sortierklasse) entsprechen, deren
zulässige Spannung ausgenutzt wird, für Brettschichtholz-Bauteile gilt dies mindestens
für die beiden äußeren Brettlagen in der Zugzone.
Bei Brettschichtholz-Bauteilen der Güteklasse I, die auf Biegung oder Biegung mit Nor-
malkraft beansprucht werden, sollten alle Einzelteile im Zugbereich mit nicht ausge-
nutzter zulässiger Zugspannung mindestens der Güteklasse II (Sortierklasse S 10) be-
stehen, während bei Brettschichtholz-Bauteilen der Güteklasse II alle im Zugbereich
liegenden Einzelteile mindestens der Güteklasse II (Sortierklasse S 10) entsprechen
müssen; im Druckbereich können Einzelteile mindestens der Güteklasse 111 (Sortier-
klasse S7) liegen, s. Erläuterungen zu DIN 1052 Tl .
Mittig belastete Brettschichtholz-Druckstäbe der Güteklasse I können vollständig aus
Einzelteilen mindestens der Güteklasse II (Sortierklasse S 10), derartige Druckstäbe der
Güteklasse II aus Einzelteilen mindestens der Güteklasse 111 (Sortierklasse S7) beste-
hen.
Zugstäbe aus Brettschichtholz der Güteklasse I müssen dagegen ganz aus Einzelteilen
der Güteklasse I (Sortierklasse S 13), Zugstäbe der Güteklasse II aus Einzelteilen minde-
stens der Güteklasse II (Sortierklasse S 10) hergestellt werden (Entsprechendes gilt für
die Zuordnung der Sortierklasse MS).
ln der Praxis werden diese Festlegungen der DIN 1052 Tl auch angewandt, bei Biege-
trägern werden im Bereich der neutralen Faser Einzelbretter geringerer Sortierklasse
eingesetzt, während in hochbeanspruchten äußeren Zonen nur hochwertige Einzelbret-
ter verwandt werden .
Beim Aufbau des Brettschichtholzes ist der Verlauf der
,, rechte'' Seite Jahrringe in den Einzelbrettern besonders zu beachten.
Es sollten stets "rechte" und "linke" Seiten der Einzel-
bretter nach Bild 3.1 miteinander verleimt werden, an
den Oberseiten stehen nur "rechte" Seiten an. Diese
f7-o'::f.-':...e~L--.. rechte" Seite Anordnung hält Querzugspannungen hinreichend klein,
die beim nachträglichen Schwinden der Einzelbretter
.. linke" Seite auftreten .
Über die Herstellung von Brettschichtholz s. auch Ab-
sehn . 6.1 .
.• rechte" Seile Brettschichtholz nach DIN 1052 Tl darf nur aus Nadel-
3.1. Jahrringlage der Einzelbretter
holz hergestellt werden; im Mitteleuropa wird überwie-
bei Brettschichtholz gend Fichtenholz verwandt, das wegen seiner besseren
Holzqualität im allgemeinen aus Nordeuropa stammt.
Die physikalischen Eigenschaften des Brettschichtholzes entsprechen überwiegend de-
nen des verwandten Vollholzes der Einzelbretter; hingegen werden die mechanischen
Eigenschaften durch die Lamellierung gegenüber dem Ausgangsmaterial verbessert.
Diese Holzvergütung gegenüber den Eigenschaften des Vollholzes wird durch die erfor-
derliche Trocknung und Sortierung der Einzelbretter (weitgehende Rissefreiheit, Be-
grenzung von Wuchsfehlern, Ästigkeit und dergleichen mehr, s. Abschn . 3.2) vor der
Verleimung erreicht. Aus diesem Grunde können einige zulässige Spannungen von
Brettschichtholz, zum Beispiel die Biegespannungen um ca. 10%, die Torsionsspannun-
gen um 60% und der Elastizitätsmodul E11 um 10% gegenüber den entsprechenden
Werten des Nadelvollholzes erhöht werden, s. Tafel 8.1 und 8.11.
Brettschichtholz kann in Bauteii-Längsrichtung vielfältig geformt werden . Die gute Be-
arbeitbarkeit des Holzes läßt gerade und gekrümmte Bauteilkanten oder Mischformen
von beiden zu. Durch Auslaufen der Einzelbretter an den Bauteilrändern entstehen ver-
änderliche Trägerhöhen, s. Tafel3.7. Der Anschnittswinkel sollte bei veränderlichen Trä-
gerhöhen hinreichend "klein" bleiben wegen der im Randbereich auftretenden Span-
3.4 Vollwandträger mit I- oder Kastenquerschnitt 81

Tafel 3.7 Formgebung von Brettschichtholz mit Rechtquerschnitt in Bauteii-Längsrichtung (Beispiele)

gerade Trägerkanten

Parallelträger Pultdachträger

Satteldachträger mit Fachwerkträger bei Zug- oder keilgezinkte


geradem Untergurt großen Spannweiten Druckstab Rahmenecke

gekrümmte Trägerkanten

Bogen

Satteldachträger mit ausspringende und gekrümmte Träger mit wechselnden


gekrümmtem Untergurt Rahmenecken Krümmungen

nungskombination, s. Abschn . 13.8. Sind Brettschichtholz-Bauteile mit "schrägen"


Rändern unmittelbar der Witterung oder stark wechselnden Klimaschwankungen aus-
gesetzt, müssen mindestens die außenliegenden Brettlagen parallel zur Bauteil-
außenseite verlaufen oder, es muß nach dem Zuschnitt über diese Fläche mindestens
ein Deckbrett aufgeleimt werden.
Dadurch kann die Gefahr des Aufreißens der Leimfugen im Bereich "schräger" Ränder
durch Witterungseinflüsse vermieden werden . Die Deckbretter sind bei der Bemessung
als nichttragend in Rechnung zu stellen. Über den erforderlichen Holzschutz witte-
rungsbeanspruchter Bauteile s. Abschn. 5.
Brettschichtholz-Bauteile werden überwiegend mit Rechteckquerschnitt hergestellt.
Für Biegeträger liegt das Verhältnis Höhe zu Breite im allgemeinen etwa bei h!b = 3 bis
10; h!b > 10 sollte nur in Ausnahmen erreicht werden . ln Sonderfällen werden auch
1- oder Kastenquerschnitte aus Brettschichtholz verwandt, hierüber s. Abschn . 3.4.
Bei großen und sehr großen Spannweiten werden Fachwerkträger mit Gelenkbolzen
und Stäben aus Brettschichtholz wirtschaftlich eingesetzt, s. Abschn. 18.

3.4 Vollwandträger mit I- oder Kastenquerschnitt

Träger mit I-Querschnitt haben einen geringeren Materialverbrauch als vergleichbare


Träger mit Rechteckquerschnitt Im Ingenieurholzbau werden verleimte - auch gena-
gelte, verdübelte- I- und Kastenquerschnitte hergestellt, die jedoch arbeitsaufwendi-
ger sind als Rechteckquerschnitte. Deshalb hat sich bisher bei steigenden Lohnkosten
und dazu preiswertem Holzmaterial der Rechteckquerschnitt aus Brettschichtholz über-
wiegend durchgesetzt, wenn von verleimten Profilträgern für kleinere und mittlere
82 3.4 Vollwandträger mit I- oder Kastenquerschnitt

Stützweiten, den Sonderbauweisen und Schalungsträgern abgesehen wird. Wird je-


doch das Holzmaterial kostenintensiver oder steht es nicht mehr ausreichend zur Verfü-
gung, werden I- und Kastenquerschnitte an Bedeutung gewinnen. Beispiele solcher
Vollwandträger mit Plattenstegen sind in Tafel 3.8 angeführt.
Während verleimte I-Profile aus Brettschichtholz derzeit wenig Bedeutung haben, wer-
den verleimte und verdübelte Kastenquerschnitte aus Brettschichtholz auch wegen
ihrer hohen Torsionssteifigkeit in Sonderkonstruktionen zum Beispiel bei großen Stütz-
weiten eingesetzt. Die Herstellung dieser Brettschichtholzprofile ist besonders sorgfäl-
tig vorzunehmen (bei verleimten Querschnitten : Paßgenauigkeit Preßdruck, Verlei-
mung der Gurte mit den Stegen). Bei Einhaltung dieser hohen Anforderungen werden
diese Trägerquerschnitte standsicher hergestellt, hierüber s. auch Kolb!Rohlfing/Epp/e
[173) .
Neuere Entwicklungen, wie z. B. verleimte Verbundquerschnitte mit Rechteckquer-
schnitt, bei denen die minderbeanspruchten Stegbereiche durch preiswertere Holz-
werkstoffplatten ersetzt werden, sind noch im Entwicklungsstadium, s. Scheer/Ko/berg
[313) .

Tafel3.8 I- und Kastenquerschnitte im lngenieurholzbau, Beispiele, schematische Darstellung 1 )

I DI D
Quer-
schnitt []]~[II
I=
~ [lllll~
i=
"""
~
I=
~ F'
~
rn §~tm tiiiJJ F=
Verbindung verleimt verleimt, verleimt, verleimt verleimt verleimt genagelt
Gurt/Steg verdübelt Verbund-
quer-
schnitt

Steg- BSH BSH Holzwerk- Holzwerk- Holzwerk- Kreuzla- Holzwerk-


material stoffe stoffe, oft stoffe, oft genholz stoffe, oft
BFU BFU BFU

Gurt- BSH BSH BSH, BSH BSH BSH NH


material NH

Fertigung hand-
überwiegend industriell
werklieh

1) BSH : Brettschichtholz, NH : Nadelholz, BFU: Bau-Furniersperrheiz

Seit langem bekannte und produzierte Vollwandträger mit 1- oder Kastenquerschnitt


besitzen Stege aus Holzwerkstoffplatten (Bau-Furniersperrholz oder Flachpreßplatten)
mit Gurten aus Nadelvoll- oder Brettschichtholz, die Verbindung der Gurte mit den
Stegen geschieht durch Leim oder Nagelung.
Verleimte Vollwandträger mit speziellem Stegaufbau sind die Träger aus Kreuzlagen-
holz, s. Erläuterungen zu DIN 1052 T1 (früher: Kämpfstegträger) . Der Aufbau des Kreuz-
lagenholzeskann Bild 3.2 entnommen werden; die einzelnen Brettlagen sind vollflächig
miteinander verleimt, jedoch nicht die Schmalseiten zwischen den Brettern. Bei zwei
Brettlagen ist deren Faserrichtung jeweils unter einem Winkel von 4° bis 6° zur Träger-
längsrichtung geneigt; bei drei Brettlagen verläuft nur die Innenlage unter einem Win -
kel von sobis 12°, die Faserrichtung der Außenlagen liegt parallel zur Trägerlängsrich-
tung . Die Gurte aus Brettschichtholz werden durch Nagelpreßleimung an die Stege aus
Kreuzlagenholz angeschlossen .
3.4 Vollwandträger mit I - oder Kastenquerschnitt 83

b)
1
Faserrichtung
der D~>ckfu rniere

3.2 Aufbau von zwei- und dreilagigem Kreuzla- 3.3 Weilstegträger


genholz nach Erläuterungen zu DIN 1052 T1
a)zwei Lagen, b)drei Lagen

Zu den Trägern in Sonderbauweise gehört neben den Dreieckstrebenbau- und Trigonit-


Trägern, s. Abschn . 18, der Weilstegträger als Vollwandträger mit I-Querschnitt, der
aus parallelen Gurthölzern und wellenförmig in die Gurte eingeleimten Steg aus Bau-
Furniersperrheiz besteht, s. Bild 3.3. Die sinusförmige Welle des Steges erhöht den
Widerstand gegen seitliches Ausweichen. Weilstegträger werden bei kleineren bis m itt-
leren Stützweiten eingesetzt. Herstellung, Konstruktion und Berechnung von Weilsteg-
trägern m it bauaufsichtl icher Zulassung kann Gerlach [80) entnommen werden.
Die Stege von I-Profilen können auch aus harten Holzfaserplatten bestehen wie beim
Masonite-Träger mit ba uaufsichtlicher Zulassung, dessen Verwendung auf kleinere
Stützweiten beschränkt ist.
Schalungsträger aus Holz, die im Massivbau in großem Umfang eingesetzt werden,
sind verleimte Vollwandträger mit I-Querschnitt oder Fachwerkträger (Gitterträger)
mit fallenden, steigenden Diagonalen und Knotenanschluß zum Beispiel durch Keil-
zinkung. Die Trägerlängen liegen bei zunehmender Trägerhöhe zwischen ca . I= 2,50 m
bis ca. I= 6,50 m. Als Beispiele von Schalungsträgern mit bauaufsichtliehen Zulassun-
gen werden die Systeme Doka, Kaufmann, Peri, Steidle angeführt.
Neben den obengenannten Trägern in Sonderbauweisen gibt es weitere Vollwand- und
Schalungsträger m it bauaufsichtlicher Zulassung. Hierüber s. lrmschler [159) mit meist
jährlich aktueller Übersicht.
4 Brandverhalten von Holz und Holzwerkstoffen

Holz ist ein brennbarer Stoff. Beim Brand werden die Holzsubstanzen Zellulose und
Lignin chemisch zersetzt, dabei bilden sich Holzkohle und brennbare Gase. Holz besitzt
aus der Sicht des Bauwesens ein günstiges Brandverhalten .

Die Entzündungstemperatur von Holz und Holzwerkstoffen ist nach Kordina [1791 be-
sonders von der Erwärmungsdauer abhängig. Kleine, feinzergliederte Holzproben ent-
zünden sich spontan bei Temperaturen von ca. T;;; 350 °C. Dauert die Erwärmung viele
Stunden, kann eine Entzündung bei bedeutend niedrigen Temperaturen stattfinden, bei
T= 150 °C und darunter.
Die Entzündungstemperatur ist weiter abhängig von der/dem
- Rohdichte: eine hohe Rohdichte verzögert die Entzündung,
- Holzfeuchtigkeit: eine hohe Holzfeuchtigkeit verzögert die Entzündung, jedoch wird
bei einer üblichen Gebrauchsholzfeuchtigkeit u ~ 20% ("trocken") keine nennens-
werte Schutzwirkung erzielt,
- geometrischem Verhältnis: OberflächeNolumen: je größer das Verhältnis, desto
leichter entzündet sich Holz.

Die Verkohlungszone verzögert den Abbrand des Restquerschnittes, da durch diese


"Schutzschicht" die thermische Zersetzung, die bei ca . T= 300 °C (und darunter) be-
ginnt, nach innen langsamer fortschreitet, unter anderem aufgrund der geringen Wär-
meleitfähigkeit der Holzkohle. Besonders günstig verhalten sich Holzteile mit größeren
Querschnitten, da hier die guten "wärmedämmenden" Eigenschaften der Verkohlungs-
zone die Zerstörung der innenliegenden Querschnittsteile länger verhindert als bei
Holzbauteilen mit kleinen Querschnitten.

Die Abbrandgeschwindigkeit oder die Eindringgeschwindigkeit der Verkohlung kann


am Beispiel von Nadelholzbalken Bild 4.1 entnommen werden . Diese Abbrandge-
schwindigkeit ist unter anderem von folgenden Größen abhängig :
- Temperaturentwicklung im Brandraum,
- Holzfeuchtigkeit bei Brandbeginn : eine
hohe Holzfeuchtigkeit senkt die Ab-
brandgeschwindigkeit,
- Rohdichte des Holzes: mit steigender
Rohdichte nimmt die Abbrandge-
schwindigkeit ab,
- Risse, Äste, Klüfte im Holzquerschnitt:
die in Vollholzquerschnitten oft vor-
kommenden größeren Schwindrisse
wirken sich ungünstig aus; das risse-
freie Brettschichtholz besitzt im allge-
meinen eine geringere Abbrandge-
schwindigkeit als vergleichbares Nadel-
Bcanddau~r t vollholz,
4.1 Abbrandtiefen und -geschwindigkeiten von - Verformung der Fasern durch mechani-
Nadelholzbalken, S 10, mit Rechteckquer- sche Beanspruchung.
schnitt unter Biegebeanspruchung von 10 bis
11 N/mm 2 in Abhängigkeit von der Brand- Unter Biegebeanspruchung erfolgt nach
dauer (ETK) nach Kordina/Meyer-Ottens [180] Bild 4.1 ein schnellerer Abbrand in der
4.1 Baustoffklassen von Holz und Holzwerkstoffen 85

"unteren" Biegezugzone, da sich in diesem Bereich die Holzkohleschichten mit zuneh-


mender Durchbiegung verstärkt ablösen.
Holzwerkstoffe besitzen im allgemeinen eine Abbrandgeschwindigkeit, die der des Na-
delholzes ähnelt. Sie wird jedoch zum Beispiel bei Spanplatten mit zunehmender Plat-
tendicke und bei Einsatz von Brandschutzausrüstung günstiger. Furnierplatten verhal-
ten sich ungünstiger als Spanplatten, da beim Abbrand Einzelfurniere teilweise oder
ganz abgelöst werden können.
Über das Brandverhalten von Holz und Holzwerkstoffen s. Haksever [112], Kardinal
Meyer-Ottens [180] und Krampf[199].

4.1 Baustoffklassen von Holz und Holzwerkstoffen

Baustoffe werden nach ihrem Brandverhalten in Baustoffklassen nach Tafel 4.1 einge-
teilt.
Holz und Holzwerkstoffe gehören als Tafel 4.1 Baustoffklassen nach DIN 4102 T1
brennbare Baustoffe im allgemeinen der Baustoffklasse Bauaufsichtliche Benennung
Baustoffklasse B2, normalentflammbar,
nach DIN 4102 T1 an mit Anforderungen
an Rohdichte und Dicken gemäß Tafel 4.2. A nichtbrennbare Baustoffe
Danach dürfen Holz und Holzwerkstoffe A1
allgemein für Bauzwecke verwandt wer- A2
den.
B brennbare Baustoffe
Holz und Holzwerkstoffe können die Bau-
stoffklasse B1, schwerentflammbar, er- B1 schwerentflammbar
B2 normalentflammbar
reichen, wenn eine geeignete Brand-
B3 leichtentflammbar
schutzausrüstung vorgesehen ist.

Tafel 4.2 Anforderungen an Holz und Holzwerkstoffe der Baustoffklasse B 2, normalentflammbar, nach
DIN4102T4

Baustoff Anforderungen

Holz - Rohdichte e~400 kg/m 3 mit Dicke d>2 mm,


- Rohdichte e~230 kg/m 3 mit Dicke d>5 mm,

Holzwerkstoffe, - Anforderungen wie Holz, s. oben, zusätzlich:


genormt - genormte Platten mit Dicke d > 2 mm, die vollflächig durch eine nicht thermo-
plastische Verbindung mit Holzfurnieren oder mit dekorativen Schichtpreßstoff-
platten nach DIN 16926 beschichtet sind,
- kunststoffbeschichtete dekorative Flachpreßplatten für allgemeine Zwecke nach
DIN 68765 mit Dicke d~4 mm,
- kunststoffbeschichtete dekorative Holzfaserplatten nach DIN 68751 mit Dicke
d~3 mm.

Diese wird durch Anstriche oder Imprägnierungen, im allgemeinen jedoch mit


schaumschichtbildenden Feuerschutzmitteln vorgenommen. Spanplatten können dar-
über hinaus auch der Baustoffklasse A2 zugeteilt werden, wenn sie mit mineralischen
Bindemitteln wie Portland- und Magnesiazement oder mit Feuerschutzmitteln hoher
Dosierung hergestellt werden. Einen Überblick über geeignete Feuerschutzmittel, Holz-
werkstoffplatten B 1 und Spanplatten A2 geben Kordina/Meyer-Ottens [180].
Baustoffe der Klasse A2 und B 1 bedürfen im allgemeinen nach den brandschutztechni-
schen Vorschriften eines Prüfbescheides mit Prüfzeichen, sie müssen bei Lieferung ent-
86 4.2 Feuerwiderstandsklassen von Bauteilen aus Holz und Holzwerkstoffen

sprechend gekennzeichnet sein. Baustoffe wie Vollholz, Brettschichtholz und Holzwerk-


stoffe, die ohne Brandschutzausrüstung der Klasse B 2 angehören, sind hinsichtlich ih-
res Brandverhaltens nicht kennzeichnungspflichtig.
Baustoffe der Klasse BS, leichtentflammbar, dürfen im allgemeinen nicht für Bau-
zwecke eingesetzt werden, wobei Ausnahmen unter bestimmten Voraussetzungen zu-
lässig sind.

4.2 Feuerwiderstandsklassen von Bauteilen aus Holz


und Holzwerkstoffen
Das Brandverhalten von Bauteilen wird gemäß DIN 4102 T2 nach der Feuerwider-
standsdauer beurteilt. Dies ist die Mindestdauer in Minuten, in der ein Bauteil im
Brandversuch bestimmte Anforderungen unter der Einheits-Temperatur-Zeitkurve
("ETK") erfüllt. Nach der Feuerwiderstandsdauer werden Bauteile in Feuerwiderstands-
klassen eingestuft, s. Tafel 4.3.
Tafel 4.3 Feuerwiderstandsklassen Bauteile aus Holz und Holzwerkstoffen er-
nach DIN 4102 T2 reichen in vielen Fällen die Feuerwider-
standsklasse F30-B oder F60-B, nur in
Feuerwiderstands- Feuerwiderstandsdauer
klasse in Minuten Sonderfällen F90-B. Die Bezeichnung "B"
steht für "brennbare Baustoffe".
F30 ;o;30
;o;so
Zwischen diesen Benennungen nach der
F60
F90 ;o;go DIN 4102 T2 und den bauaufsichtliehen
F120 ;o; 120 Benennungen in Bauordnungen, Verwal-
F180 ;o; 180 tungsvorschriften und dergleichen mehr
bestehen Unterschiede, der Zusammen-
hang kann Tafel 4.4 entnommen werden.

Tafel 4.4 Feuerwiderstandsklassen und bauaufsichtliche Benennungen (Beispiele)

Benennung nach DIN 4102 Bauaufsichtliche Benennung


Feuerwiderstandsklassen

F30-B feuerhemmend
F30-AB feuerhemmend und in den wesentlichen Teilen 1 ) aus nichtbrenn-
baren Baustoffen
F30-A feuerhemmend und aus nichtbrennbaren Baustoffen

F90-A feuerbeständig und aus nichtbrennbaren Baustoffen


F90-AB feuerbeständig und in den wesentlichen Teilen 1 ) aus nichtbrenn-
baren Baustoffen

1) Zu den wesentlichen Teilen gehören u.a.: alle tragenden und aussteifenden Teile, bei nichttragenden
Bauteilen auch die Bauteile, die deren Standsicherheit bewirken

Holz und Holzwerkstoffe erfüllen als brennbare Baustoffe nicht die baurechtliche Forde-
rung nach "feuerbeständigen" Bauteilen, die neben der Feuerwiderstandsklasse F90
(oder höher) die Verwendung nicht-brennbarer Baustoffe verlangt.
Eine wesentliche Anforderung an die Feuerwiderstandsdauer eines Bauteils ist die "Si-
cherstellung der Tragfähigkeit während der Prüfdauer (Brandversuch)". Bei Bauholz
wird diese Tragfähigkeit durch den verbleibenden, nicht verkohlten Restquerschnitt
übernommen, da die Holzkohle keine nennenswerte Festigkeit besitzt. Die Feuerwider-
standsdauer eines Bauteils ist um so größer, je weniger die zulässigen Spannungen
ausgenutzt sind, da das Bauteil dadurch vor der Brandbeanspruchung eine "über-
schüssige" Tragfähigkeit besitzt. Die Abhängigkeit der Feuerwiderstandsdauer von der
4.3 Holzbauteile der Feuerwiderstandsklassen F30-B und F60-B 87
120 120
Nb=!~ hlb=J?:; ~5 :J.. ..-2
-
I= -<:: 6/"" ;.....-

- --·
- 5 1
I= '--
-
min min
'b
-- - - - -- - -
::;..--
r:-: t=:~::~ -~ !::::: ~~
I
-
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60 1 60
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~ ~ --
6;;;;;: ~
-
~ ;::::::: 1---
:;; 30
ii!
~ 0
rr-f cr8 =14N/mm 1 ~ cr8 =7 Nlmm 1

-s: 120 hlb :~


~ ~?2 hlb:~ '-,
S)lj ~ ~ f<2..... ~ ----;
--
~ . ,_.;::::;....-
..........
-% ~ s:::: :::::
·~ m1n ;::::::: :..-- ~ ....

--
-~ 1 ~
·ii! 60
u..
-~ ~ ~
::::: 30 ~
~ ~
30
0
~ - cr8 =11 Nlmml
0
cr8 = 3N/mm 2
6 10 11. 18 22 26 cm 34 6 10 14 18 Z2 26 cm 31.
Trägerbreit e b - Trägerbreit e b -
4.2 Feuerwiderstandsdauer von dreiseitig brandbeanspruchten Brettschichtträger in Abhängigkeit von
der aufgebrachten Biegespannung, der Trägerbreite b und dem Querschnittsverhältnis h/b nach Kor-
dina/Meyer-Ottens [180]

vorhandenen Spannung im Bauteil kann am Beispiel von Brettschichtträgern mit unter-


schiedlicher Biegebeanspruchung Bild 4.2 entnommen werden .
Wichtige Anforderungen an die Feuerwiderstandsklasse F von Bauteilen während der
Prüfdauer (Brandversuch) von zum Beispiel mindestens 30 min sind nach DIN 4102 T2
unter anderem:
- tragende Bauteile dürfen unter ihrer rechnerisch zulässigen Gebrauchslast nicht zu-
sammenbrechen, bei nichttragenden Bauteilen gilt dies unter ih rer Eigenlast
- die Durchbiegungsgeschwindigkeit bei statisch bestimmt gelagerten, biegebean-
spruchten Bauteilen ist begrenzt,
- raumabschließende Bauteile müssen den Durchgang des Feuers verhindern, ihre
Erwärmung auf der feuerabgekehrten Seite darf im Mittel um nicht mehr als 140 K
zunehmen und, sie werden einer Festigkeitsprüfung mittels Pendelstoß von 20 Nm
am Ende der Prüfdauer unterzogen.
Über weitere Anforderungen und Feuerwiderstandsklassen s. DIN 4102.

4.3 Holzbauteile der Feuerwiderstandsklassen F30-B und F60-B


Auf der Grundlage vielfältiger Brandversuche und deren rechnerischer Auswertung legt
DIN 4102 T 4 Anforderungen an Holzbauteile für tragende, nichttragende, raumabschlie-
ßende und nichtraumabschließende Zwecke fest. z. B. für Balken, Stützen, Zugglieder,
Holzverbindungen, Wände, Decken und Dächer, im allgemeinen die Feuerwiderstands-
klassen F 30-B und F 60-B, für einige Holzbauteile auch F90-B. Darin werden Schichtenfol-
gen und Mindestquerschnittsabmessungen von Bauteilen aus Holz und Holzwerkstoffen
in Abhängigkeit von der Brandbeanspruchung (zum Beispiel von unten, von oben , drei-
oder vierseitig), Biege- und Knickspannung, Lagerung , Stablänge sowie Mindestholz-
überdeckungen und Ausbildungen von Anschlüssen, Stößen und dgl. mehr angegeben .
Wände, Decken und Dächer aus Holzbauteilen der Feuerwiderstandsklassen F30-B und
F60-B bedürfen im allgemeinen einer brandschutztechnisch erforderlichen Bekleidung,
während Balken, Stützen, Druck- und Zugglieder ohne und mit brandschutztechnischer
Bekleidung tragende/aussteifende Funktionen übernehmen dürfen.
Für die "brandschutztechnische Bemessung", die m it der "statischen Bemessung" zu
führen ist, sind die Anforderungen an die VerbindungenNerbindungsmittel zwischen
88 4.3 Holzbauteile der Feuerwiderstandsklassen F 30-B und F 60-B

den einzelnen Holzbauteilen von gleicher Bedeutung wie die Anforderungen an die
Holzbauteile. Erst wenn alle Anforderungen an Holzbauteile und VerbindungenNerbin-
dungsmittel eingehalten werden, kann die geforderte Feuerwiderstandsklasse der Ge-
samtkonstruktion erreicht werden . Wertvolle Hilfen für die brandschutztechnische Be-
messung geben Kordina/Meyer-Ottens [180), [181), Meyer-Ottens [218) und Scheer/
Schatz [316).
Mindestabmessungen ausgewählter Balken, Stützen, Zugglieder und Verbindungen/
Verbindungsmittel nach DIN 4102 T 4 sind in Tafel 4.5 bis 4.9 dargestellt.

Tafel4.5 Mindestbreite und -höhe unbekleideter Biegebalken F30-B und F60-B nach DIN 4102 T4

F30-B

Brandbean- Vollholz Brettschichtholz


spruchung Biege- Mindest- Biege- M indestbalkenbreite bin mm
spannung Werte b!h spannung bei Seitenverhältnis h /b von mindestens
in N/mm 2 in mm/mm in N/mm 2 1 2 4 6

JI
3seitig 1 ) ;;;,; 13 150/260 i:,; 14 180 140 130 120

= 10 120/200 = 11 140 110 105 100

= 7 100/ 160 = 7 100 90 85 80


;:;;; 3 80!160 ;:;;; 3 80

4seitig 1 ) ;;;,; 13 160/300 ;;;,; 14 240 150 135 120

~
= 10 130/240 = 11 200 120 110 100

= 7 110/200 = 7 150 90
;:;;; 3 90/180 ;:;;; 3 110 80

F60-B

Brandbean- Vollholz Brettschichtholz


spruchung Biege- Mindest- Biege- Mindestbalkenbreite bin mm
spannung Werte b/h spannung bei Seitenverhältnis h /b von mindestens
in N/mm 2 in mm/mm in N/mm 2 1 2 4 6

JI
3seitig 1 ) i:,; 13 300/520 ;;;,; 14 360 280 260 220

= 10 240/400 = 11 280 220 210 190

= 7 200/320 = 7 200 170 165 160


;:;;; 3 180/240 ;:;;; 3 150 140

4seitig 1 ) i:,;13 320/600 i:,; 14 480 300 270 230

~
= 10 260/480 = 11 400 240 220 200

= 7 220/400 = 7 300 180 175 170

;:;;; 3 200/320 ;:;;; 3 220 160 150 140

1) 3seitig, wenn Oberseite durch Betonteile, Beplankungen mit Mindestdicke aus Holz/Holzwerkstoff ab-
gedeckt, 4seitig, wenn Oberseite frei oder z. B. mit Stahl, Kunststoff und Holz/Holzwerkstoffen < Min-
destdicke nach DIN 4102 T 4 abgedeckt ist
4.3 Holzbauteile der Feuerwiderstandsklassen F 30-B und F 60-B 89

Tafel4.6 Mindestdicke unbekleideter Stützen F30-B und F60-B nach DIN 4102 T 4 1 1

F30-B

Vollholz 2 ) Knickspannung Mindestdicke d in mm bei einer Stablänge s in m


w·N von höchstens
aou = - -
b·d

in N/mm 2 2,0 3,0 4,0 5,0 6,0 7,0

:;;; 11 240 260 280 295 310 320

~ 8,5 200 220 240 250 260 270


=

= 5 160 180 200 210 220 230


;:;: 2 120 140 160 170 180 190

Brett- Knickspannung Mindestdicke d in mm bei Lagerung entsprechend


schicht- w· N
holz aou = - - Euter-Fall 1 und 2 Euter-Fall 3 und 4
b ·d
(sK = 1,0 · s bzw. sK = 2,0 · s) I (SK = 0,7 ·S bzw. SK = 0,5 · 5)

bei einer Stablänge s in m von höchstens


in N/mm 2 2,0 3,0 5,0 7,0 2,0 3,0 5,0 7,0

"t)
:;;; 11 160 168 184 200 150 154 162 170
"
..Q
= 8,5 145 151 163 175 140 143 149 155
_g__ ;:;: 5 120 124 132 140 120 122 126 130

:;;; 11 140 148 164 180 140 144 152 160


...
"t)
N

..Q
= 8,5 130 136 148 160 130 133 139 145
;:;: 5 120 122 126 130 115 116 118 120

F60·B

Brett- Knickspannung Mindestdicke d in mm bei Lagerung entsprechend


schicht- w·N
holz aou = - - Euter-Fall 1 und 2 Euter-Fall 3 und 4
b·d
(sK = 1,0 · 5 bzw. 5K = 2,0 · 5) I (SK = 0,7 ·S bzw. SK = 0,5 · 5)

bei einer Stablänge 5 in m von höchstens


in N/mm 2 2,0 3,0 5,0 7,0 2,0 3,0 5,0 7,0

"t)
:;;; 11 240 260 300 340 230 240 260 280
"
..Q
= 8,5 215 231 263 295 210 218 234 250
_g__ ;:;: 5 180 190 210 230 180 186 198 210

:;;; 11 220 238 274 310 210 220 240 260

..~.
..Q
= 8,5 200 214 242 270 195 202 216 230

;:;: 5 170 178 194 210 170 174 182 190

1) gilt auch für Druckstäbe von Fachwerkbindern, Kippverbänden und Kopfbänder


2) für Vollholz mit 5,0 m ;:;;: s ;;; 7,0 m nach Kordina /Meyer-Otten5 [180]
90 4.3 Holzbauteile der Feuerwiderstandsklassen F30-B und F60-B

Tafel 4.7 M indestdicke unbekleideter Zugglieder Tafel 4.8 Mindestholzüberdeckungen von mit
F30-B und F60-B aus Voll- und Brett- Stabdübeln verdübelten , unbekleideten
schichtholz') nach DIN 4102 T4 Balken nach DIN 4102T4

statisch erforder- Querschnitts- Feuerwider- Feuerwiderstands-


licher Querschnitt vergrößerung stands- klasse
bXd M klasse

!d
F30 F60
30mm F30-B

Mindestholzüberdeckungen
50 mm 100 mm
50mm F60-B e1 und e2

1) Gilt auch für Zugstäbe von Fachwerkbindern

Tafel4.9 Mindestabmess ungen für Holzverbindungen nach DIN 4102 T4 (Auswahl) 1 ) 2)

Ausbildung der Holzverbindung Mindestabmessungen in mm für


F30-B F60-B
BSH VH BSH VH

Einteilige Stützen zwischen Doppelträgern (Zangen) d 160 240 220 -


Anschluß mit Stabdübeln nach DIN 1052 Teil 1
b 100 100 180 -
- rt-- '~"II~
t ez el
e, 50 60 80 -
'~ ~.-:
•t
1 -
~ ~ e2 65 75 110
~ ~
44-i
+4- 1 t 20 20 40 -
~

-
lt:lte
r--·- ~ol~scheiben
b d _..!!..._
Anschluß mit Dübeln und Bolzen nach DIN 1052 Te il 2 d 160 240 220 -

. e3..:!"7il::..e. r b 100 100 180 -


I II
: 1~
-J e, 40 50 70 -
2
:,r_~
ii!
.;: e2 60 70 90 -

=t. e3 400 400


300 -

f- ·-[-eil
f-'- 1D!!n_ b
1.. E _d_
['oübel und Bolzen e. 45 60 80 -
b ~eh OIN1052 T2
t 20 20 40 -
Einteilige Stützen - Zugankerverbindung mit Balken a 150 - - -


Hirnholz-Dübelanschluß 3 )
e, 50 - - -
e2 70 - - -

3
"' 'II Ii--_".- --:
%Im:
~
~

.,t
e3 45 - - -
~ ~ t 20 - - -
~/ ~ Anker
! lt>40 t lfl..l +
~ H12 / hso
eingeleimte
.;; Holzschei ben
t .;;
~ ·
4.3 Holzbauteile der Feuerwiderstandsklassen F30-B und F60-B 91

Tafel 4.9. Fortsetzung

Ausbildung der Holzverbindung Mindestabmessungen in mm für


F30-B F60-B
BSH VH BSH VH

Einteilige Stützen mit aufgesetzten Balken bei e, 60 60 90 120


Auflagerpressungen a :s zula 0 .L nach DIN 1052 Teil 1.
Zapfenlöcher und -schlitze müssen voll ausgefüllt sein. e2 80 80 120 120

e3 25 25 40 40

e. 55 70 110 140

b 120 130 230 290

4 Schlitz und Zapfen Schlitz und Lasche

Laschen genagelt T-Stahl 100, Bolzen M 12

1) Die anzuschließenden Balken, Stützen und dgl. sind nach statischen und brandschutztechnischen Erfor-
dernissen zu bemessen, s. auch Tafel 4.5 und 4.6
2) - : brandschutztechnische Bemessung wegen fehlender Prüfergebnisse nicht möglich
3) s. auch Abschn . 7 .3.3
5 Holzschutz

Holz und Holzwerkstoffe sind wie andere Baustoffe gegen bestimmte Schadeinflüsse
zu schützen, um eine dauerhafte Nutzung von Holzbauteilen/-werken sicherzustellen.
Bei sachgemäßem Einsatz hat sich Holz seit Jahrhunderten als Baustoff bewährt.
Schadeinflüsse auf Holz und Holzwerkstoffe können hervorgerufen werden durch Pilze,
Insekten, Feuer, Witterung, chemische und mechanische Beanspruchungen. Der Holz-
schutz im engeren Sinne beinhaltet nur Schutzmaßnahmen gegenüber der zerstören-
den Wirkung durch Pilze und Insekten und wird in DIN 68800 beschrieben, der Schutz
gegen Feuer (Brandschutz) ist in DIN 4102 geregelt, s. Abschn. 4. Schadeinflüsse in-
folge Witterungseinfluß, chemischer und mechanischer Beanspruchungen gehören
nicht zum Holzschutz nach DIN 68800.
Chemische Beanspruchungen werden in Abschn. 1.7 erläutert; mechanische Beanspru-
chungen wie zum Beispiel Abnutzung, statische oder dynamische Überbeanspruchun-
gen sind nicht Gegenstand von Holzschutzmaßnahmen. Unmittelbarer Witterungsein-
fluß führt nach Willeitner [360] zu Verfärbungen der Holzoberfläche und zu Quell- und
Schwindvorgängen infolge Feuchtigkeitseinwirkungen, eine Zerstörerische Wirkung
auf Holz und damit verbundene Festigkeitsminderungen liegen nicht vor. Dagegen be-
wirken langandauernde, hohe Durchfeuchtungen des Holzes infolge Witterung oder
anderer Einflüsse im allgemeinen das Wachstum holzzerstörender Pilze und damit als
Folgeerscheinung die Holzzerstörung, wenn (bis auf Ausnahmen) ein wirksamer Holz-
schutz fehlt.
Die wichtigsten Bauholzschädlinge mit Hinweisen auf ihre Lebensbedingungen sind in
Tafel 5.1 zusammengestellt. Pilze als pflanzliche Holzschädlinge befallen nur Holz mit
Feuchtigkeiten von u > ca. 20%, trockenes oder wassergesättigtes Holz werden nicht
befallen mit der einzigen Ausnahme des echten Hausschwammes, der auf trockenem
Holz weiterwächst Von den Insekten als tierische Holzschädlinge sind für den Holzbau
die Bauholzinsekten von besonderer Bedeutung, da sie vorwiegend lufttrockenes Holz
befallen.
Ein wirksamer Holzschutz besteht im allgemeinen aus vorbeugenden Maßnahmen,
die bei Gestaltung, Planung und Herstellung von Holzbauwerken/-teilen berücksichtigt
werden müssen; neben der Auswahl geeigneter Holzarten sind dies bauliche (kon-
struktive) und chemische Schutzmaßnahmen sowie gegebenenfalls Oberflächenbe-
handlungen. Durch diese vorbeugenden Maßnahmen können Holz- und Holzwerkstoffe
wirkungsvoll und dauerhaft gegen die Zerstörerische Wirkung von Pilzen und Insekten
geschützt werden; Witterungseinflüsse, hohe oder oft wechselnde Durchfeuchtung so-
wie deren Folgeerscheinungen (Quellen, Schwinden, Trockenrisse und dergleichen
mehr) werden auf ein vertretbares Maß reduziert, so daß die Standsicherheit und Ge-
brauchstauglichkeit von Holzbauwerken/-teilen stets gewährleistet ist.

5.1 Baulicher (konstruktiver) Holzschutz

Der bauliche Holzschutz nach DIN 68800 T2 beinhaltet vorbeugende konstruktive Maß-
nahmen gegen holzzerstörende Pilze mit dem Ziel, Feuchtigkeit von Holz und Holzwerk-
stoffen fernzuhalten. Bauliche Schutzmaßnahmen gegen holzzerstörende Insekten sind
im allgemeinen nicht möglich mit der Ausnahme allseits geschlossener, geeigneter
Bekleidungen von Holzbauteilen. Schutzmaßnahmen gegen Feuer werden durch geeig-
nete Querschnittsformate (zum Beispiel Vergrößerung des statisch erforderlichen Quer-
5.1 Baulicher (konstruktiver) Holzschutz 93

Tafel5.1 Überblick über wichtige pflanzliche und tierische Bauholzschädlinge nach Willeitner [3601

Charakteristische Vertreter 1 ) 2 ) Holzfeuchte u Bemerkungen

holzverfärbende Pilze (leben von Nährstoffen, greifen die Zellwände nicht an, keine Festigkeitsminderung
des Holzes, Aussehen oft nachteilig; Anstrichschäden)
Bläuepilze nur auf Splint von Nadel- und Laubholz
s20%
Schimmelpilze

holzzerstörende Pilze (bauen Zellwände ab, Entstehen von Fäulnis, Zerstören des Holzes)
Braunfäule (würfelförmig zerstörtes, braunverfärbtes Holz, Zelluloseabbau)
echter Hausschwamm Entstehung wächst auf trockenem Holz weiter (einzige Ausnahme).
s 20% deshalb gefährlicher Vertreter; typisch in Altbauten
Weiterwachsen
<20%

Kellerschwamm
Naßfäulepilze; typisch in Neubauten
Porenhausschwamm s20%

Lenzites-Fäule, Blättlinge Naßfäulepilz; typisch an Fenstern

Weißfäule (helleres, leichteres, .,schwammiges", aber nicht brüchiges Holz, Lignin- und Zelluloseabbau)
Schmetterlingsporling s20% typisch an Laubholz

Moderfäule (Erweichung der Holzoberfläche, wirkt feucht .,schmierig", trocken .,fein rissig")
bestimmte .. a-Pilze" >30% typisch in Kühltürmen

Frischholzinsekten (befallen nur frisches, noch nicht abgetrocknetes Holz, nicht jedoch einmal abge-
trocknetes Holz; beachtliche Schäden an frisch gefälltem Holz im Wald und auf Lagern
Borkenkäfer Borkenkäfer legt im Splintholz schwarz erscheinende
Brutgänge an;
s30%
Holzwespen Larven der Holzwespen legen Fraßgänge an und stop-
fen das Bohrmehl in Gängen fest; mit kreisrunden
Ausfluglöchern 3 bis 5 mm Durchmesser

Bauholzinsekten (Trockenholzinsekten; befallen vorwiegend lufttrockenes Bauholz; Bohrgänge vermindern


die Festigkeiten und gefährden die Standsicherheit)
Hausbockkäfer s9% nur an Nadelsplintholz; Larvengänge mit lockerem
Bohrmehl zerstören Holz völlig; ovale Ausfluglöcher
mit ausgefranstem Rand; im Volksmund: .,Holzbock",
.,großer Holzwurm"

Klopfkäfer S; 11% an Nadel- und Laubholz; dicht liegende Fraßgänge zer-


stören Holz völlig; kreisrunde, kleine Ausflug Iöcher,
je nach Befall zahlreich vorhanden; im Volksmund:
.,kleiner Holzwurm"

Splintholzkäfer s7% nur an Laubsplintholz; Fraßgänge mit lockerem Bohr-


mehl zerstören Holz völlig; kreisrunde, kleine Ausflug-
löcher; häufig an hellen Tropenhölzern

Meerwasser-Holzschädlinge (nur Holz unter Wasseroberfläche im Salz- und Brackwasser)


Schiffsbohrwurm
unter Wasser Salzgehalt ~7o/oo, Frost tötet sie ab
Bohrassel

1) biologisch-exakte Bezeichnungs. Willeitner [360]


2) Termiten sind in den gemäßigten Breiten bedeutungslos; in südlichen Ländern, überwiegend in den
Tropen, jedoch gefährliche Holzschädlinge
94 5.2 Chemischer Holzschutz

schnitts) oder durch Bekleidungen von Holz und Holzwerkstoffen erreicht, um die
Feuerwiderstandsdauer zu erhöhen, s. Abschn. 4.
Da Pilze im allgemeinen nur bei Holzfeuchtigkeiten u > ca. 20% wachsen können, ist
das Eindringen von Feuchte, besonders in tropfbarer Form (Niederschlag, Tauwasser)
sowie stehende Feuchte in/auf Holzbauteilen möglichst zu verhindern, ein schnelles
Abfließen von Wasser und ungehinderte Luftzufuhr sicherzustellen.
Bauliche Schutzmaßnahmen gegen Niederschlags- und Tauwasser zur Vermeidung er-
höhter Feuchtebeanspruchung in Holzbauteilen können Abdeckungen, Anordnung von
Wassernasen, große Dachüberstände, Verhindern von Wasseransammlungen auf Flä-
chen, Kehlen, Nuten, Vermeiden von Spritzwasserbeanspruchungen, Abdichtungen
von Fugen und gegen aufsteigende Feuchtigkeit, stets in Verbindung mit ungehinderter
Luftzufuhr sein; Beispiele hierzu s. Tafel 5.2.
Zusätzlich sind meist ein chemischer Holzschutz und gegebenenfalls Oberflächenbe-
handlungen des Holzes erforderlich, bei wetterbeanspruchten Holzbauteilen kann auch
natürlich resistentes Holz nach Abschn. 1.7 gewählt werden, soweit dies für erforder-
lich gehalten wird. Für Holzwerkstoffe werden zusätzlich zu baulichen Schutzmaßnah-
men erforderliche Holzwerkstoffklassen in Abhängigkeit vom Anwendungsbereich
nach DIN 68800 T2 festgelegt, hierüber s. Abschn. 2.8.
Weitere bauliche Schutzmaßnahmen können Brüninghoff/Heimeshoff/Rampf/Samuel/
Sengier [20), Herzog/Natterer/Volz [150), Krabbe/ Neuhaus [194), Möhler [247), Schulze
[325), Wemer/Steck [350) entnommen werden.

5.2 Chemischer Holzschutz


Der chemische Holzschutz nach DIN 68800 T3 beinhaltet vorbeugende Maßnahmen
für Holz, das der Gefahr von Bauschäden durch Insekten und/oder Pilze sowie durch
Auswaschungen und durch Moderfäule ausgesetzt ist. Der vorbeugende chemische
Schutz von Holzwerkstoffen wird in DIN 68800 T5 näher geregelt.
Tragende und/oder aussteifende Holzbauteile müssen einen vorbeugenden chemi-
schen Schutz durch geeignete, zugelassene Holzschutzmittel mit Prüfzeichen erhalten
(Ausnahmen s. Tafel 5.4), hingegen ist bei nichttragenden, nicht maßhaltigen Hölzern
ohne statische Funktion im allgemeinen ein chemischer Schutz entbehrlich, dieser ist
nur im Einzelfall zu vereinbaren. Chemische Schutzmaßnahmen sind zusätzlich zu bau-
lichen Schutzmaßnahmen nach Abschn. 5.1 erforderlich.
Chemische Schutzmaßnahmen richten sich nach der Zuordnung zu einer Gefährdungs-
klasse, s. Tafel 5.3; Schutzmaßnahmen sind nicht erforderlich in der Gefährdungsklas-
se 0, oder wenn in anderen Gefährdungsklassen die Bedingungen der Tafel 5.4 einge-
halten werden.
Eine Gefährdung von Holz durch Insekten ist nach DIN 68800 T3 im allgemeinen gege-
ben, wenn die Bedingungen der Tafel 5.4 zur Gefährdungsklasse 1 nicht eingehalten
werden. Holzzerstörende Pilze treten bei langandauernder Holzfeuchte u~20% auf. Bei
Holzbauteilen, die direkt durch Niederschläge oder andere Feuchteeinwirkungen bean-
sprucht werden, können Holzfeuchtigkeiten über 20% langfristig nicht durch (Oberflä-
chen-)Anstriche (Beschichtungen) verhindert werden. Anstriche (Beschichtungen) mit
dampfsperrender Wirkung können Holz durch erhöhte Feuchteansammlung unterhalb
des Anstriches gefährden. Auswaschungen des Holzes werden durch Niederschläge,
Spritzwasser und dergleichen mehr hervorgerufen, nicht jedoch durch vorübergehen-
des Tauwasser oder Reif auf Holzoberflächen. Moderfäule entsteht bei ständigem Erd-
und/oder Wasserkontakt sowie bei erhöhter Schmutzablagerung in Rissen und Fugen
von Außenbauteilen.
5.2 Chemischer Holzschutz 95

Tafel 5.2 Beispiele baulich (konstruktiven) Holzschutzes zur Vermeidung erhöhter Feuchtebeanspru-
chung 1 )

Konstruktion Bemerkungen

waagerecht liegende Oberflächen (witterungsbeansprucht)

- Abdeckung mit Luftschicht und


Abdec:kung . Tropfnase ,
~~~IZ~.B.Holz.Mela~luftschlcht - Niederschlagswasser fließt ab,
- keine stehende Feuchte im zu schüt-
\_Tropfnase 1 ] zenden Teil ,
I I - Abdeckung kann nach Jahren ausge-
Brückenhauptträger Holzbalken wechselt werden, falls erforderlich

Hirnholzflächen (witterungsbeanspruchtl

-mit Abdeckung wie lfd. Nr. 1,


Abdec:kung

il l
- abgeschrägt: mit porenfüllendem
~(z.B. Holz.MilmletalU I ~Abdeckl.fl9
2 mehrmaligen Anstrich
L I.JJftschicht abge-
schrägt m_etngeleimte
~ .....,_Dreikantleiste
Stützen- oder Pfahlkopf Dachbinder

Stützenfüße (witterungsbeanspruchtl

-weitgehend spritzwassergeschützt.
Holzstütze
I - keine aufsteigende Feuchte,
Stahlteil Grundplatte - Stahlteile und Verbindungsmittel in
3
das Holz einlassen und mit einge-
~ Betonfundament leimten Holzpfropfen abdecken

aufgeständerte Holzstütze

Vorspringende Bauteile (witterungsbeansprucht)

- waagerechte Oberfläche und Hirn -


holz abdecken, s. auch ifd. Nr. 1,
-mit Luftschicht, mit Tropfnase ,
4
- evtl. mit seitlicher Abdeckung des
Balkenkopfes

Balkenauflager auf Mauerwerk/Beton nach Schulze [325] 2 )

- Balkenkopf auf Sperrschicht lagern,


verhindert aufsteigende Feuchte,
Luflschicht Luftschicht - jede Berührung mit Mörtel. auch
seitlich, vermeiden (Baufeuchte, Ka-
Holzbalken Holzbalken pillarwirkung),
• I - bei erforderlichem Kontakt einzelne
5
20mm Steine trocken gegen Balken legen,
Sperrschicht - besser: allseitige Luftschicht von
m
Dämmsch icht Dämmschicht ca. 20 mm.
- Schwächung des Wärmeschutzes
Ansicht Draufsicht im Außenwandbereich durch Anord-
nung einer Dämmschicht aufheben
(tauwassergefährdeter Bereich)

1) Ein chemischer Holzschutz und gegebenenfalls Oberflächenbehandlung sind im allgemeinen zusätzlich


erforderlich, s. Abschn. 5.2 und 5.3
2) Eine vollständige Umwicklung des Balkenkopfes mit Bitumenbahnen hat sich allgemein nicht bewährt,
da einmal eingedrungene Feuchte kaum entweichen kann
96 5.2 Chemischer Holzschutz

Tafel5.3 Gefährdungsklassen, Zuordnung von Holzbauteilen zu Gefährdungsklassen, Anforderungen an


Holzschutzmittel, Prüfprädikate für tragende/aussteifende Holzbauteile nach DIN 68800 T3 1 )

Gefährdungs- I 0 2 3 4
klasse
a) Gefährdungsklassen

Bean- Innen verbautes Holz, Holz, das weder Holz der Witte- Holz in dauern-
spruchungen ständig trocken dem Erdkontakt rung oder Kon- dem Erdkon-
noch direkt der densation aus- taktoder ständi-
Witterung oder gesetzt, aber ger starker Be-
Auswaschung nicht in Erd- feuchtung
ausgesetzt ist, kontakt ausgesetzt 2 )
vorübergehen-
de Befeuch-
tung möglich

Gefährdung
durch Insekten nein 3 ) ja ja ja ja

Pilze nein nein ja ja ja

Auswaschung nein nein nein ja ja

Moderfäule nein nein nein nein ja


b) Zuordnung von Holzbauteilen zu Gefährdungsklassen

Holzbauteile, die durch Niederschläge, Spritz- Holzbauteile, die durch Nieder-


wasser oder dergleichen nicht beansprucht schläge, Spritzwasser und der-
werden gleichen beansprucht werden

Anwendungs- wie Gefähr- Innenbauteile Innenbauteile bei Außenbauteile Holzteile mit


bereiche dungsklasse 1 bei einer mitt- einer mittleren mit Wetter- ständigem Erd-
unter Berück- leren relativen relativen Luft- beanspruchung und/oder Süß-
sichtigung von Luftfeuchte feuchte über 70% ohne ständi- wasserkon-
Tafel 5.4, bis 70% und und gleichartig gen Erd- und/ takt 2 ), auch bei
Gefährdungs- gleichartig beanspruchte oder Wasser- Ummantelung
klasse 1 beanspruchte Bauteile kontakt
Bauteile 4 )
Innenbauteile
in Naßberei-
chen, Holzteile
wasserabwei- Innenbauteile
send abgedeckt in Naßräumen

Außenbauteile
ohne unmittel-
bare Wetterbe-
anspruchung
c) Anforderungen an Holzschutzmittel, Prüfprädikate

Anforderungen keine Holz- insektenvor- insektenvor- insektenvor- insektenvor-


Schutzmittel beugend beugend, pilz- beugend, pilz- beugend, pilz-
erforderlich widrig widrig, witte- widrig, witte-
rungsbeständig rungsbestän-
dig, moder-
fäulewidrig

Prüfprädikate - lv lv, P lv, P, W lv, P, W, E


1) Vorbeugender chemischer Schutz von Holzwerkstoffen wird in DIN 68800 T5 geregelt
2) Besondere Bedingungen gelten für Kühltürme sowie Holz im Meerwasser
3) vgl. Tafel 5.4
4) Holzfeuchte u< 20% sichergestellt
5.2 Chemischer Holzschutz 97

Tafel5.4 Nicht erforderliche chemische Holzschutzmaßnahmen in den einzelnen Gefährdungsklassen


nach DIN 68800 T3

Gefährdungs- Holzschutzmaßnahmen nicht erforderlich, wenn in den einzelnen Gefährdungsklassen


klasse folgende Hölzer verwendet werden:

Farbkernhölzer mit einem Splintholzanteil < 10%, oder


Holz in Räumen mit üblichem Wohnklima oder vergleichbaren Räumen verbaut und
-gegen Insektenbefall allseitig durch eine geschlossene Bekleidung abgedeckt oder
- Holz zum Raum hin so offen angeordnet ist, daß es kontrollierbar bleibt

2 splintfreie Farbkernhölzer der Resistenzklasse 1, 2 oder 3 nach DIN 68364

3 splintfreie Farbkernhölzer der Resistenzklasse 1 oder 2 nach DIN 68364

4 splintfreie Farbkernhölzer der Resistenzklasse 1 nach DIN 68364

Die Wirksamkeit chemischer Holzschutzmaßnahmen ist von der Wahl eines geeigne-
ten Holzschutzmittels und Einbringverfahrens ebenso abhängig wie von der Holzart,
Holzfeuchtigkeit und auch Oberflächenbeschaffenheit
Holzschutzmittel enthalten biozideWirkstoffezum Schutz des Holzes gegen holzzerstö-
rende Pilze und Insekten, das heißt die meisten Schutzmittel sind in geringerem oder
größerem Umfang giftig für Menschen und Nutztiere. Gebrauchsanweisungen und be-
sondere Bestimmungen, beispielsweise über Anwendbarkeit in Aufenthaltsräumen,
sind streng zu beachten; es dürfen nur Holzschutzmittel mit Prüfzeichen (Prüfprädikate
nach Tafel5.3) eingesetzt werden, da vor Erteilen des Prüfzeichens die Wirksamkeit und
gesundheitliche Unbedenklichkeit bei Einhaltung der Gebrauchsanweisung überprüft
worden ist. Überwiegend werden wasserlösliche und ölige Holzschutzmittel sowie (sel-
tener) Sonderpräparate und schaumschichtbildende Feuerschutzmittel eingesetzt.
Über Holzschutzmittel, deren Nebenwirkungen und dergleichen mehr s. Willeitner
[360]. Zugelassene Holzschutzmittel sind jährlich aktualisiert in [157] veröffentlicht.
Als Einbringverfahren stehen unter anderem Streichen, Spritzen, Tauchen, Trogträn-
kung (handwerklich) oder Kessel druck- und Vakuumtränkung (meist industriell) zur Ver-
fügung. Die Eindringtiefe der Holzschutzmittel ist unter anderem vom Einbringverfah-
ren und von der Holzart abhängig; beim Randschutz beträgt sie wenige Millimeter
(< 10 mm), beim Tiefschutz mehrere Zentimeter(> 10 mm). Rand- oder Tiefschutz wer-
den je nach Gefährdung des Holzes gefordert.
Die Tränkbarkeit (oder Imprägnierung) ist sehr unterschiedlich: Laubholz ist oft aufnah-
mefähiger als Nadelholz, Splintholz tränkbarer als Kernholz, Fichte und Douglasie sind
schwer tränkbar; ölige Holzschutzmittel sind im allgemeinen nur bei trockenem Holz
(u ~ 20%) einsetzbar, wasserlösliche dagegen auch bei halbtrockenem Holz. Perforatio-
nen (mechanische Vorbehandlung durch radiale Bohrungen oder Einstiche, t= 3 bis
5 mm) vergrößern die Schutzmittelaufnahme und Eindringtiefe zum Beispiel bei
schwer tränkbaren Holzarten.
Die Verträglichkeit von Holzschutzmitteln untereinander bei Mehrfachschutz sowie mit
Holzleimen, mit nachträglichen Anstrichen und gegebenenfalls Feuerschutzmitteln ist
zu beachten und nachzuweisen (Hersteller).
Der chemische Holzschutz erfolgt im allgemeinen nach der letzten Bearbeitung, d. h.
nach dem Abbund, Verleimen, Bearbeiten. Verleimte Holzbauteile zum Beispiel aus
Brettschichtholz, die der Witterung ausgesetzt sind und mit den Einbringverfahren
Streichen, Sprühtunnel, Tauchen geschützt werden, müssen im Bereich von nachträg-
lich aufgetretenen Trockenrissen (Schwindrissen) einen Nachschutz im ersten Spät-
98 5.4 Bekämpfungsmaßnahmen

sommer mit weiteren Kontrollen und eventuell weiteren Nachschutzmaßnahmen im


Abstand von ca. zwei Jahren erhalten. Dies gilt sinngemäß auch für Vollholzbauteile
(zum Beispiel Balken, Stützen) mit einer Querschnittsfläche A ~ 300 cm 2 und einer Ein-
baufeuchte von u ~ 20% bei ein- und zweigeschossigen Wohnhäusern oder vergleich-
baren Gebäuden. Weitere Einzelheiten zur Durchführung des chemischen Holzschutz
sind in DIN 68800 T3 angegeben.
Die Anforderungen an den chemischen Holzschutz (Mindestschutz) in Aufenthaltsräu-
men von Wohngebäuden und vergleichbaren Gebäuden sind in den jeweiligen Ausga-
ben der DIN 68800 T3 von 1974 bis 1990 stetig gesenkt worden, um aufgrund neue-
rer Erkenntnisse eine gesundheitliche Schädigung von Menschen und Tieren zu ver-
meiden bei gleichzeitiger Sicherstellung des Holzschutzes unter anderem durch Erwei-
terung des baulichen Holzschutzes. Über Vorschläge zur Reduzierung des chemischen
Holzschutzes in Wohngebäuden s. Schulze [326].

5.3 Oberflächenbehandlung

Oberflächenbehandlungen (Anstriche) von Holzbauteilen gehören nicht zum Holz-


schutz nach DIN 68800, obwohl eine schützende Wirkung gegen Feuchtigkeit und In-
sekten bei dauerhaft vorhandenen Oberflächenbeschichtungen erreicht werden kann.
Oberflächenbehandlungen zielen nach [155] auf dekorative Gestaltung und Schutz vor
Verfärbung, Verschmutzung, Feuchte und PilzbefalL ln der Regel sind ein chemischer
Holzschutz und geeignete, aufeinander abgestimmte Oberflächenbehandlungen be-
sonders bei feuchtebeanspruchten Holzbauteilen (durch Niederschläge, Spritzwasser
oder ähnliche Feuchteeinwirkungen) vorzunehmen.
Nach Willeitner [360] besteht eine Oberflächenbehandlung aus einem Grundier-, einem
oder mehreren Zwischen- und einem Deckanstrich mit zum Beispiel pigmentierten La-
suren (offenporig) oder deckenden Alkydharz-Lackfarben. Die Anstriche sind bei feuch-
tebeanspruchten Holzbauteilen nach ein bis zwei Jahren und danach in weiteren Zeit-
abständen zu wiederholen. Bei Außenbauteilen eignen sich helle Anstriche wegen der
stärkeren Reflektion des Sonnenlichtes besser als dunkle. Da nachträgliche Beschädi-
gungen der Anstriche oft unvermeidlich sind, können die oben angegebenen schützen-
den Wirkungen verloren gehen; bei feuchtebeanspruchten Holzbauteilen besteht da-
nach die Gefahr, daß Feuchte in tropfbarer Form eindringen und aufgrund der in ande-
ren Bereichen noch intakten Beschichtung kaum wieder austrocknen kann. Deshalb
ist die oben angegebene Nachbehandlung in Zeitabständen bei feuchtebeanspruchten
Holzbauteilen sinnvoll.

5.4 Bekämpfungsmaßnahmen

Bekämpfungsmaßnahmen gegen Pilz- und Insektenbefall müssen nach DIN 68800 T 4


vorgenommen werden, wenn verbautes Holz oder Holzwerkstoffe von holzzerstören-
den Pilzen und/oder Insekten befallen sind und diese die Baustoffe oder die Standsi-
cherheit von Holztragwerken gefährden. Nach Feststellen der Ursache und des Umfan-
ges der Schädigung sind meist umfangreiche Sanierungsmaßnahmen erforderlich. Be-
fallene Holzbauteile sind zu entfernen und zu vernichten, gegebenenfalls zu ersetzen.
Die Bekämpfung kann durch Aufbringen eines Holzschutzmittels oder bei Insekten
durch Heißluft- oder Durchgangsverfahren vorgenommen werden. Bekämpfungsmaß-
nahmen sollten stets von einer erfahrenen Fachfirma durchgeführt werden.
6 Leimverbindungen

Leimverbindungen sind .,flächenhafte (flächenfeste)" Verbindungen von Holzbauteilen


durch Leim. ln der Leimfuge können besonders Scherkräfte (Abscheren) übertragen
werden. Leimverbindungen sind sehr steif und unter Belastung praktisch unverschieb-
lich. Dagegen sind Holzverbindungen mit mechanischen Verbindungsmitteln nach Ab-
sehn. 7 (wie Nägel, Dübel, Stabdübel, Bolzen) .,punktweise", nachgiebige Verbindun-
gen und weitaus weniger steif als solche aus Leim. Leimverbindungen im Ingenieur-
holzbau werden überwiegend bei Brettschichtholz (s. Abschn. 3.3), Schalungsträgern,
Holztafeln und dergleichen mehr sowie bei Holzwerkstoffen (s. Abschn. 2) verwandt.
Leimverbindungen bei Fachwerken sollten nur in Sonderkonstruktionen, die eingehend
untersucht und zugelassen sind, eingesetzt werden, s. Abschn. 18.
Tragende Leimverbindungen im Holzleimbau dürfen nur aus Leimen mit Prüfung nach
DIN 68141 ausgeführt werden. Dies sind derzeit überwiegend härtbare Kunstharzleime,
die die Leimbauweisen des Ingenieurholzbaus seit ca. 1960 bis 1970 besonders geför-
dert haben. Solche Leime werden auch als Bauholzleime bezeichnet; sie können auf-
grund ihrer Verwendung wie folgt aufgeteilt werden, s. DIN 1052 T1 und Kolb [169]:
Leime für die Innenverwendung ( Bauteile unter Dach):
- verwendbar sind alle geprüften Leime,
- typische Vertreter: Harnstoffharzleime,
-verleimte Bauteile in trockener, nicht zu warmer Umgebung ohne direkte Bewitte-
rung; eindeutige Grenzwerte können hierzu nicht angegeben werden, jedoch sollte
die Temperatur nicht ständig über T = 30 ac, kurzfristig nicht über T = 60°C liegen, die
relative Luftfeuchtigkeit sollte nur kurzfristig über cp = 80% steigen; Wasserdampfkon-
densation ist zu vermeiden; im Zweifelsfall ist Resorcinharzleim (oder gleichwerti-
ges) zu verwenden.
Leime für die Außenverwendung sowie bei hohen Gleichgewichtsholzfeuchten und
hohen Temperaturen:
- verwendbar sind nur Leime, die gegen alle Klimaeinflüsse geprüft sind, zum Beispiel
Resorcin- oder Melaminharzleime,
- verleimte Bauteile, die unmittelbar der Witterung ausgesetzt sind oder die in Gebäu-
den mit Klimabedingungen liegen, die eine Gleichgewichtsholzfeuchte u>20% oder
langfristig beziehungsweise häufig wiederkehrend Temperaturen im Bauteil T> soac
bewirken,
Leime für die Sanierung schadhafter Holzbauteile:
- verwendet werden überwiegend Epoxidharzleime.
Kaseinleime werden trotz sehr guter Trockenbindefestigkeit wegen ihre~. Feuchteemp-
findlichkeit im Holzleimbau Deutschlands nicht mehr eingesetzt. Einen Uberblick über
Leimarten gibt Kolb [169]. Über Leime bei Holzwerkstoffen s. Abschn. 2.
Die Verträglichkeit von Leimen mit Holzschutz- und gegebenenfalls Feuerschutzmitteln
sowie nachträglichen Anstrichen ist zu beachten und nachzuweisen (Hersteller). Die
Forschungs- und Materialprüfanstalt Baden-Württemberg (FMPA BW), Stuttgart. führt
eine Liste aller geprüften Leime sowie eine Liste der Leim-Holzschutzmittel-Kombina-
tionen, deren Verträglichkeit nachgewiesen ist.
100 6.1 Herstellen tragender Leimverbindungen im Holzleimbau

6.1 Herstellen tragender Leimverbindungen im Holzleimbau

Tragende Leimverbindungen dürfen nach DIN 1052 T 1 nur bei bestimmten Anforderun-
gen an Holz, Leim und Hersteller ausgeführt werden.
Die Holzfeuchtigkeiten der zu verleimenden Bauteile sollten nach Kalb [169] und Mäh-
ler [247] etwa der mittleren Gebrauchsholzfeuchtigkeit (Gieichgewichtsholzfeuchte) im
späteren Einbauort entsprechen, s. Tafel 1.3. Die Verleimungsfeuchten liegen im allge-
meinen bei u=8% bis u= 12%; dazu ist eine künstliche Holztrocknung (Kammertrock-
nung) erforderlich; Holzfeuchtigkeiten u > 15% sind nach DIN 1052 T1 unzulässig, um
Fehlleimungen bei höheren Holzfeuchtigkeiten und größere Schwindspannungen bei
nachträglicher Trocknung auszuschließen. Die Feuchteunterschiede der zu verleimen-
den Einzelbauteile sind auf tlu2 4% zu beschränken.
Die zu verleimenden Hölzer werden bei Nadelholz nach der Holztrocknung und vor
der Weiterverarbeitung nach den Anforderungen der DIN 407 4 T 1 in Sortierklassen
(Güteklassen) sortiert, s. Abschn. 3.2. Die Gütesortierung kann visuell durch eine erfah-
rene Fachkraft oder maschinell durch geeignete, zugelassene Geräte erfolgen.
Die Leimflächen der Hölzer werden durch Hobeln bearbeitet, um eine genaue Paßfähig-
keit zu erzielen. Dabei werden im allgemeinen Hobelmaschinen mit Absaugeinrichtun-
gen für Staub und Späne eingesetzt. Erfolgt die Verleimung möglichst unmittelbar nach
dieser Bearbeitung, werden weitere Verschmutzungen oder nachträgliche Quell-
Schwind-Verformungen in der Regel vermieden.
Bauholzleime sind Mehrkomponentenleime (Leim, Härter, eventuell Füllmittel), die vor-
wiegend in automatischen Dosier- und Mischanlagen zum gebrauchsfertigen Leim "ge-
rührt" werden, bis die "Leimflotte" knollenfrei ist. Der Leimauftrag kann bei kleinen
Leimflächen mit Pinsel, Spachtel oder Handwalze vorgenommen werden; im Holzleim-
bau stehen Leimauftragsmaschinen (Walzen, Gießen) zur Verfügung, die ein- oder zwei-
seitiges Beleimen der Hölzer ermöglichen. Der Leimauftrag sollte je Leimfläche (Leim-
fuge) gleichmäßig erfolgen, je nach Leimart sind ca. 300 bis 600 g/m 2 Leim pro Leim-
fuge erforderlich, s. Kalb [169]. Die Verarbeitungsdauer der gebrauchsfertigen Leimmi-
schung (Tropfzeit) liegt im Normalklima ( T = 20 °C, IP = 65%) bei ca. 1 bis 2 Stunden, sie
verringert sich bei höheren Temperaturen und kleinerer relativen Luftfeuchtigkeit.
Diebeleimten Holzeinzelteile werden mit ihren Leimflächen zusammengefügt und wäh-
rend des größeren Teils der Aushärtezeit des Leimes unter Preßdruck gehalten. Preß-
druck und Preßzeit können Tafel 6.1 entnommen werden. Mit dem erforderlichen Preß-
druck wird eine gegenseitige Fixierung der Einzelteile bis zum Aushärten des Leimes
und eine gleichmäßig verteilte, dünne Leimfuge erreicht. Dazu werden geeignete Preß-
Tafel6.1 Preßdrücke und Preßzeiten für Bauholz-
leime bei Nadelholz im Normalklima
(20 °C/65%) nach Erläuterungen zu DIN
1052 T1

Bauteil Preßdruck Mindestpreß-


zeit
in N/mm 2 in h 1 )

gerade 0,6 bis 0,8 6 bis 14

gekrümmt 0,8 bis 1,0 12 bis 20

1) Die große Spanne bei den Mindestpreßzeiten ist 6.1 Verpressen mehrerer, übereinanderliegender
auf verschiedene Leim-Härter-Kombinationen Brettschichtträger mit Winkelbock und Spin-
zurückzuführen delpressen, Prinzipskizze (Querschnitt)
6.1 Herstellen tragender Leimverbindungen im Holzleimbau 101

vorrichtungen wie Spindel- und Hydraulikpressen für Brettschichtholz, hydraulische


Flächenpressen für Tafelelemente und dergleichen mehr verwandt.
Brettschichtträger, s. Abschn. 3.3, werden oft nacheinander verleimt und übereinander
verpreßt, s. Bild 6.1. Die Rohlinge werden nach ausreichender Leimaushärtung geho-
belt und weiterbearbeitet (zum Beispiel Bohrungen, Dübellöcher und dergleichen mehr).
Der Preßdruck kann in Sonderfällen auch durch Nagelpreßleimung nach Tafel 6.2 und
Bild 6.2 aufgebracht werden. Die Nagelpreßleimung eignet sich als vollwertige Leim-
verbindung nach Erläuterungen zu DIN 1052 T 1 besonders für: Aufbringen von Brettla-
mellen als Gurthölzer auf einen vorgefertigten Steg aus Vollholz, Kreuzlagenholz oder
Holzwerkstoffen; nachträgliches Aufbringen von Bau-Furniersperrholzplatten auf Brett-
schichtträger zur Verstärkung besonders beanspruchter Trägerbereiche wie Ausklin-
kungen, Durchbrüche, Knotenpunkte, zur Aufnahme von Schub- und Querzugspannun-
gen sowie bei Sanierung schadhafter Holzbauteile.
Tafel6.2 Nagelpreßleimung nach DIN 1052 T 1
B3mm
zu verlei- Dicke Nagel- Nagel- Nagel-
mendes
Holzteil
länge
1) 2)
fläche
je Nagel
ab-
stände
·I
Brett- 2,5 X
~ 33 mm
Iameiie Lamel-
len- ~ 65cm 2 ~ 10cm
Platte aus oder
Holzwerk- ~ 50 mm Platten-
stoffen dicke
Querschnitt Ansicht
1) Bei Handnagelung sind im Bau-Furniersperrheiz 6.2 Nagelpreßleimung von Brettlamellen als Gurt-
für Plattendicken > 20 mm die Nagellöcher mit hölzer bei einem Stegträger
ca. 85% des Nageldurchmessers vorzubohren,
bei Nageleinschlaggeräten kann Vorbohren ent-
fallen
2) Nägel nach DIN 1052 T2

Die Mindesttemperatur der Leime und der zu verleimenden Hölzer mußT= 18 °C betra-
gen; Verleimungen unter T= 18 °C müssen vermieden werden, da sonst die Gefahr von
Fehlleimungen auftritt. Die Aushärtetemperatur über den gesamten Preßvorgang sollte
mindestens T = 20 °C betragen; nach weiterer dreitägiger Lagerung im warmen Raum
können verleimte Bauteile voll belastet werden .
Brettschichtträger größerer Abmessungen werden im allgemeinen als Einzelanferti-
=
gungen mit Kaltleimungen ( T < 30 °C) bei T 20 oc verleimt; über temperierte Leimun-
gen ( T = 30° bis 50 °C) oder die bei Serienproduktionen häufig eingesetzten Warmlei-
mungen (T= 50° bis 80 °C) und Heißleimungen (T> 80 °C) s. Kolb [169) .
Bei Serien- oder Massenproduktionen wird auch das Hochfrequenzverfahren verwandt,
das in einem hochfrequenten Kondensatorfeld die Leimfugen unter gleichzeitigem
Preßdruck erwärmt und aushärtet, bei längeren Bauteilen im Takt- oder Durchlaufver-
fahren. Das Hochfrequenzverfahren wird zum Beispiel auch bei der Herstellung von
Schalungsträgern, Vollwandträgern mit I -Querschnitt und bei der Herstellung von
Brettschichtholz-Bauteilen mit kleineren Abmessungen als Lager- oder Listenware ein-
gesetzt; dagegen werden Keilzinkenverbindungen nach 68140, s. Abschn. 6.3, derzeit
überwiegend durch Kaltleimungen mit Aushärtezeiten (rv 12 h) im klimatisierten Raum
hergestellt, das Hochfrequenzverfahren kommt weniger zum Einsatz.
Alle Betriebe, die verleimte tragende Holzbauteile nach DIN 1052 T 1 herstellen, müssen
den Nachweis der Eignung zum Leimen (..Leimgenehmigung") vorlegen . Die Beschei-
nigung wird von autorisierten Prüfsteilen für jeweils widerruflich fünf Jahre bei Verlän-
102 6.2 Schäftung

gerungsmöglichkeit ausgestellt. Die Bescheinigung wird für folgende vier Gruppen A


bis D verteilt:
A: Leimen tragender Holzbauteile aller Art (große Leimgenehmigung)
B: Leimen von einfachen tragenden Holzbauteilen zum Beispiel: Balken, Träger mit
Stützweiten /~12m, Dreigelenkbinder mit I~ 15m Spannweite, einhüftige Binder
mit I~ 12m Abwicklungslänge (kleine Leimgenehmigung)
C: Leimen von Sonderbauarten
D: Leimen von Holztafeln für Holzhäuser in Tafelbauart (Wandbauteile).
Gleichzeitig müssen die Betriebe zu den Bescheinigunf}en A bis D den Nachweis für
die Herstellung von Keilzinkenverbindungen vorlegen. Uber Einzelheiten zur .,Leimge-
nehmigung" s. [287]; ein Verzeichnis der autorisierten Prüfsteilen führt das Institut für
Bautechnik, Berlin; ein Verzeichnis der Betriebe mit den BescheinigungenAbis D wird
unter anderem in [158] jährlich aktualisiert veröffentlicht.
Die Herstellung verleimter tragender Holzbauteile erfordert geeignetes, geschultes
Fachpersonal und besondere betriebliche Einrichtungen wie künstliche Holztrock-
nungsanlage, geschlossene, zum Teil klimatisierte Werkhallen, Hobel-, Keilzinken- und
Leimauftragsmaschinen, Vorrichtungen für einen geeigneten Preßdruck, Holzfeuchtig-
keitmeßgeräte, Dosier- und Mischanlagen für den Leim und dergleichen mehr. Darüber
hinaus sind nachträgliche Prüfungen der Verleimung (zum Beispiel Scherversuch)
durch den Betrieb selbst, das Führen eines .,Leimbuches" und dergleichen mehr vorge-
schrieben. Neben diesen notwendigen Eigenüberwachungen werden auch Fremdüber-
wachungen der Betriebe durch die autorisierten Prüfsteilen durchgeführt. Diese Quali-
tätskontrolle für tragende, verleimte Holzbauteile ist erforderlich, da Fehlleimungen
nachträglich schwer zu erkennen sind und im späteren Bauwerk größere Folgen nach
sich ziehen als zum Beispiel fehlerhafte Ausführungen bei Holzbauteilen mit mechani-
schen Verbindungen.
Einige Holzleimbaubetriebe unterwerfen sich einer zusätzlichen freiwilligen Qualitäts-
kontrolle, die über die Anforderungen der oben benannten .,Leimgenehmigungen"
hinausgehen. Diese Betriebe dürfen das .,Gütezeichen Holzleimbau" der Studienge-
meinschaft Holzleimbau führen.

6.2 Schäftung
Die Schäftung oder Schäftverbindung ist eine Leimverbindung nach DIN 1052 T 1 zur
Herstellung von tragenden Längsstößen. Sie wird überwiegend nur bei dünnen Höl-
zern und bei Holzwerkstoffen verwandt, da sie schwieriger auszuführen ist als die Keil-
zinkenverbindung, s. Abschn. 6.3. Bei der Schäftung werden die zu verbindenden Höl-
zer unter einem .,flachen" Winkel nach Bild 6.3 angeschnitten und miteinander ver-
leimt; die Leimflächenneigung darf 1/ 10 nicht überschreiten.
Die .,flache" Ausführung der Schäftung wird gewählt, um hinreichend kleine Längs-
und Schubspannungen in der Leimfläche zu erzielen. Dazu wird eine Schäftung unter
einer Zugbelastung F nach Bild 6.3 betrachtet. Die unter dem Neigungswinkel a in der

·na
Als~ F ·sintr
F~- ~~ ?? ~
4: ~ - e ~-t--F
imfläc·h- F- F
A ·costr
. I b I· ------=--~----~-1 =f..
= 1r -

O'n
Ansicht A Teilstück
6.3 Schäftung als verleimter, tragender Längsstoß von Hölzern
6.3 Keilzinkung 103

100
Leimfläche auftretenden Längs- und I
V
Schubspannungen können nach GI. (6.1) % ~11 3i ~ : EEO'I /
und (6.2) berechnet, ihre Verläufe für eine 80
/
aufgebrachte Zugspannung a 11 Bild 6.4 Jr<----0'.
10
entnommen werden . Daraus wird ersicht-
I
....
b=
lich, daß nur bei kleinem Neigungswinkel 'S 60
a die auftretenden Spannungen in der I
""
c:
50
Leimfläche (Leimfuge) von geringer Grö-
ße sind. Bei der maximaler zulässigen .."'
0
N
.c 40
r• --.. V [7
V I '\
Leimflächenneigung von 1/ 10 (a= 5.7°) ,.!'
.j 30
beträgt die auftretende Längsspannung
= 20
I \
a" 0,01 · a 11 (Spannung normal zur Leim-
fuge, hier: Ouerzug) und die Schubspan- 10
I 7 ~
=
nung '" 0,1 · a 11 (Abscheren). Da eine l[. / \
Leimfuge auf Abscheren beansprucht und 0 o 10 20 ~ 40 50 60 10 ° 90
diese Beanspruchung möglichst von klei- Neigungswinkel a
ner Größe sein soll, kann eine standsi-
chere Kraftübertragung nur unter kleinem 6.4 Verlauf der Längs- und Schubspannungen a ..
und r., in der Leimfläche einer Schäftung in
Winkel a erfolgen; die auftretenden Ouer- Abhängigkeit von Neigungswinkel a bezogen
(zug-)spannungen werden hierdurch hin- auf eine aufgebrachte Zugspannung a 11 ; Anga-
reichend klein gehalten. ben in%

Längsspannungen (normal zur Leimfläche):

O'a
. /(A/ Slna
= F · Slna . ) =A
F ·Sln
. 2 a=a 11 •
. 2
Sln a (6.1)

Schubspannungen (in der Leimfläche):

' " = F · cosa/(A/sin a) = f_ · sin a · cosa = a sin a · cosa


11 • (6.2)
A

6.3 Keilzinkung

Die Keilzinkung ist eine Leimverbindung nach DIN 1052 T1 zur Herstellung von tragen-
den Längsstößen, s. Bild 6.5. Sie wird im Holzleimbau oft verwandt, derzeit fast aus-
schließlich bei Nadelvollholz, Kreuzlagenholz und Brettschichtholz, s. Abschn . 3.3. Die
Keilzinkung ist mit geeigneten Maschinen einfacher auszuführen als die Schäftung, s.
Abschn. 6.2.
Nach DIN 68140 werden zwei Beanspruchungsgruppen unterschieden:
- Beanspruchungsgruppe 1: Keilzinkenverbindungen an Bauteilen, die nach DIN 1052
berechnet werden müssen, sowie sonstiger hoher Beanspruchungen,
- Beanspruchungsgruppe II: alle übrigen Keilzinkenverbindungen, die nicht der
Gruppe I angehören, wie Leisten, Fensterhölzer, Fußbodenbretter und dergleichen
mehr.
Die Anforderungen an die Abmessungen der Keilzinkenprofile kann Tafel 6.3 entnom-
men werden. Tafel 6.4 zeigt Keilzinkungen, die bevorzugt benutzt werden.
Bei den Einzelbrettern für Brettschichtholz und bei kleineren Holzteilen werden derzeit
meist Zinkenlängen von 20 mm eingesetzt. Der Flankenwinkel a ist etwa gleich groß
wie der entsprechende Neigungswinkel bei der Schäftung, so daß die Leimfuge bei der
Keilzinkung auch überwiegend auf Abscheren beansprucht wird, s. auch Abschn . 6.2
und Bild 6.3.
104 6.3 Keilzinkung

Tafel 6.3 Anforderungen an Keilzinkenprofile nach


Zinkenlänge / DIN 68140 1 )
Zinkenteilung t
Breite des Beanspru- V l a
Zinkengrundes b chungsgruppe inmm
Zinkenspiel s
Flankenwinkel a ;;; 10 ;;; 7,5° (1 :7,6)
I ;;; 0,18
Verschwächungs-
> 10 ;::;; 7,1 ° (1 :8)
grad v = b /t
1) s. auch Bild 6.5
6.5 Keilzinkenverbindung nach DIN 68140 als ver-
leimter, tragender Längsstoß von Hölzern

Keilzinkenverbindungen werden vorwiegend in automatischen Keilzinkenanlagen her-


gestellt. Die zu verbindenden Enden zweier Hölzer werden mit zueinander passenden
Zinken nach Bild 6.5 versehen (gefräßt) und unter Preßdruck verleimt. s. Abschn . 6.1 .
So lassen sich in kurzer Zeit beliebig lange Holzbauteile (z. B. Bretter) durch das Anein-
anderfügen vieler Einzelteile erstellen.
Neben dieser oft angewandten Keilzinkung von kleinen Einzelquerschnitten werden in
geringerem Umfang auch größere und große Gesamtquerschnitte aus Nadelvoll- und
Brettschichtholz durch Keilzinkungen (Vollstöße) verbunden, zum Beispiel keilgezinkte
Rahmenecken (Vollstoß mit Zinkenlänge 50 mm), s. Bild 6.6 und Tafel 6.4.

Tafel6.4 Keilzinkenprofile nach DIN


68140, Vorzugsprofile 1 )

Beanspru- l t b V
chungs- in in in
gruppe mm mm mm

7,5 2,5 0,2 0,08


10 3,7 0,6 0,16
I und II 20 2 ) 6,2 1 0,16
50 3 ) 12 2 0,17
60 15 2,7 0,18

1) s. auch Bild 6.5


6.6 Keilzinkenverbindungen (Beispiele) 2) überwiegend bei Einzelbrettstößen
a) kleine Einzelquerschnitte
3) bei Vollstößen, z. B. Rahmenecken
b) keilgezinkte Rahmenecke mit zwei Zinkungen

Die Keilzinkung hat eine Querschnittsschwächung zur Folge. Spannungsnachweise


sind im allgemeinen mit dem reduzierten Querschnitt nach GI. (6.3) zu führen. Bei Brett-
schichtholzbauteilen darf jedoch die Schwächung dUrch die Keilzinkungen der Einzel-
bretter vernachlässigt werden . Der Verschwächungsgrad darf nach DIN 1052 T 1 auch
bei Keilzinkenstößen von Nadelvoll- und Brettschichtholz mindestens der Sortierklasse
S 10 unberücksichtigt bleiben, wenn die Querschnittsmaße 30 cm nicht überschreiten
und beim Spannungsnachweis die zulässigen Spannungen der Sortierklasse S 10 ein-
gehalten werden . Diese Ausnahme konnte festgelegt werden, da die Verschwächung
durch die zulässige Ästigkeit bei der Sortierklasse S 10 größer ist als die Verschwä-
chung durch die Keilzinkung . Über die Berücksichtigung von Querschnittsschwächun-
gen bei der Bemessung keilgezinkter Stöße und Rahmenecken s. Abschn . 13.16.5 und
Tafel 13.32.
red A = (1 - v) · A =b /t, Verschwächungsgrad nach (6.3)
Tafel 6.4 und Bild 6.5
A Querschnittsfläche
7 Mechanische Verbindungen

Mechanische Verbindungen nach DIN 1052 T2 sind tragende Verbindungen von Nadel-
hölzern, Laubhölzern und Holzwerkstoffen untereinander und mit Stahl. Die zur Verbin-
dung der einzelnen Teile benötigten Verbindungsmittel werden als mechanische Ver-
bindungsmittel bezeichnet. Die miteinander verbundenen Teile erfahren infolge Scher-
belastung lastabhängige Verschiebungen. Diese Verschiebungen resultieren aus Loch-
leibungsverformungen in den einzelnen Teilen und aus zusätzlichen Verformungen der
VerbindungsmitteL Im Vergleich zu den starren "flächenfesten" Leimverbindungen des
Ingenieurholzbaus (s. Abschn. 6) sind mechanische Verbindungen nachgiebigere,
"punktweise" Verbindungen .
Als mechanische Verbindungsmittel werden nach DIN 1052 T2 unterschieden:
Dübel, Dübel besonderer Bauart, Stabdübel, Paßbolzen, Bolzen, Nägel, Sondernägel,
Holzschrauben, Nagelplatten, Klammern und Bauklammern.
Mechanische Verbindungsmittel werden im allgemeinen auf Abscheren beansprucht.
Bolzen, Paßbolzen, Nägel, Klammern und Holzschrauben können auch planmäßig in
Richtung ihrer Längsachse (zum Beispiel auf Herausziehen) belastet werden .
Das Trag- und Verformungsverhalten von Verbindungen mit mechanischen Verbin-
dungsmitteln unter Scherbelastung (Abscheren) kann Bild 7.1 am Beispiel einiger Kraft-
Verschiebungs-Diagramme entnommen werden . Bei Bolzenverbindungen treten zu-
sätzlich auch lastunabhängige Verschiebungen (Schlupf) auf.
Versätze als "alte" zimmermannsmäßige
Holz-Verbindungen bedürfen keiner me- Kraft F (kNl
chanischen Verbindungsmittel zur Kraft-
übertragung (nur Druck), sie werden den-
noch in diesem Abschnitt behandelt.

Bei der Festlegung zulässiger Belastun-


gen mechanischer Verbindungsmittel sind 1
. ·.••••/ '·;..---
zwei Bedingungen einzuhalten: 30 .
. -:;;c.z
Sicherheitsbedingung
20
.· .··/ /'-3
zul F= I
FTrag (7.1)
V

FT,ag Tragfähigkeit, im allgemeinen die mittlere


Bruchlast. ermittelt im Kurzzeitversuch
Sicherheitsbeiwert, im allgemeinen v= 2,75
1 1.5 2 3 4 5 6 Verschiebung v [mm]
Verformungsbedingung
7.1 Kraft-Verschiebungs-Diagramme von vier Ver-
bindungen unter Scherbelastung mit gleicher
zulv= 1,5 mm (7 .2)
zulässiger Belastung nach Erläuterungen zu
als zulässige gegenseitige Verschiebung der mit- DIN 1052 T2
einander verbundenen Teile. 1 Verbindung mit einem Dübel Typ A 0 80
mm, einschnittig
Bei Bolzenverbindungen ist die Verfor- 2 Verbindung mit zwei Stabdübeln 0 12 mm,
zweischnittig
mungsbedingung, bei den übrigen Ver-
3 Verbindung mit drei Bolzen M 12, zwei-
bindungen im allgemeinen die Sicher- schnittig, Muttern leicht angezogen
heitsbedingung maßgebend, s. auch Bild 4 Verbindung mit zwölf Nägeln 42x110 nach
7.61 . DIN 1151, zweischnittig
106 7.1 Anordnung mechanischer Verbindungsmittel

Über Festlegen zulässiger Spannungen bei Holz und Holzwerkstoffen s. Abschn . 1.10.5.
Einen Überblick über Ingenieurholzverbindungen mit mechanischen Verbindungsmit-
teln geben Ehlbeck/Hättich [58]. Untersuchungen zum probabilistischen Sicherheits-
konzept bei Verbindungsmitteln führt unter anderem Blaß [141 durch .

7.1 Anordnung mechanischer Verbindungsmittel

Symmetrische Anordnung
Mechanische Verbindungsmittel sollten möglichst symmetrisch zur Stabachse ange-
ordnet werden. Unsymmetrische Anordnungen nach Bild 7.2 sind zu vermeiden, da
durch den ausmittigen Anschluß zusätzliche Beanspruchungen auftreten .

beidseitig~ Lasch~=' ,."----zugstab

-Lt--E+-+-+-e~
a)
7.2 Symmetrische und unsymmetrische Anordnung von Verbindungsmitteln beim Stoß eines einteiligen
Zugstabes mit beidseitigen Laschen (Beispiel)
a) symmetrisch, b) unsymmetrisch, vermeiden;
zusätzliche Momentenbeanspruchung M = F · e

Mindestabstände
Bei mechanischen Verbindungsmitteln sind Mindestabstände untereinander in und
senkrecht zur Faserrichtung des Holzes, vom Holzrand und (bei einigen) in Abhängig-
keit vom Winkel a zwischen Kraft- und Faserrichtung erforderlich, um notwendige
Krafteinleitungsbereiche sicherzustellen und die Spaltgefahr des Holzes auszuschlie-
ßen .
Versetzte Anordnung
Nägel, Holzschrauben, Stabdübel und Paßbolzen sind wegen der Spaltgefahr des Hol-
zes im allgemeinen in Faserrichtung um die Hälfte ihres Durchmessers gegenüber den
Rißlinien versetzt anzuordnen. Bild 7.3 stellt Beispiele richtiger und falscher Anordnung
dieser Verbindungsmittel dar.

7.3
Versetzen der Nägel, Holz-
schrauben, Stabdübel und Paß·
bolzen in Faserrichtung um d/2
gegenüber der Rißlinie in An·
schlüssen und Stößen bei An-
wendung der Mindestabstände
nach Erläuterungen zu DIN 1052
"'---.,. Faserrichtung T2
7.2 Zul. Erhöhungen und erf. Ermäßigungen der zul. Belastungen mechanischer Verbindungsmittel 107

Nach Erläuterungen zu DIN 1052 T2 darf auf die versetzte Anordnung verzichtet wer-
den bei:
- Nagelung außenliegender Bleche,
- Stabdübel und Paßbolzen mit größeren Abständen in Faserrichtung: e ~ 8d51 ,
- vorgebohrten Nägeln und Holzschrauben, wenn die Abstände dieser Verbindungs-
mittel in Faserrichtung ca. 50% über den Mindestabständen liegen .
Nägel ohne Vorbohrung sind immer zu versetzen mit Ausnahme der Nagelung außen-
liegender Bleche.
Mechanische Verbindungsmittel in Hirnholz
Verbindungsmittel in Hirnholz dürfen nicht als tragend in Rechnung gestellt werden.
Ausnahmen hiervon sind Hirnholzanschlüsse bei Brettschichtholz mit Einlaßdübeln
Typ A nach Abschn. 7.3.3 und Hirnholzanschlüsse mit eingeleimten Gewindestangen
nach Abschn. 7.12.
Wirksame Anzahl von hintereinanderliegenden mechanischen Verbindungsmitteln
ln Anschlüssen und Stößen liegen oft mehrere Verbindungsmittel in Kraftrichtung hin-
tereinander. Nach Steck [331] verteilt sich die zu übertragende Kraft ungleichmäßig auf
die einzelnen Verbindungsmittel, s. Bild 7.4. Mit steigender Anzahl von Verbindungs-
mitteln nimmt die übertragbare Kraft ab. Deshalb wird ab einer bestimmten Anzahl
von hintereinanderliegenden Verbindungsmitteln rechnerisch von einer reduzierten,
wirksamen Anzahl ausgegangen, um örtliche Überbeanspruchungen zu vermeiden;
ebenso ist eine maximale Anzahl von hintereinanderliegenden Verbindungsmitteln
nach DIN 1052 T2 festgelegt, die zur Kraftübertragung in Rechnung gestellt werden
kann . Aus diesen Gründen sind Anschlüsse und Stöße möglichst kurz auszuführen; der
Abstand der in Kraftrichtung hintereinanderliegenden Verbindungsmittel sollte nach
Erläuterungen zu DIN 1052 T2 den etwa doppelten Mindestabstand nicht überschrei-
ten .

N-_f_
~ -r · n l~~
1 WlilililJ ~
F- il-----.-td++llt+-flll-++ l -----'i- F
11++-~1111-'---
7.4
Kraftverteilung auf die Verbindungsmittel F-~
~ --~!_:_
:: _::_:_::_:_
:: ~
1~~--F
in einem Zugstoß nach Steck [331 J r=2

7.2 Zulässige Erhöhungen und erforderliche Ermäßigungen der


zulässigen Belastungen mechanischer Verbindungsmittel

Einen Überblick über zulässige Erhöhungen und erforderliche Ermäßigungen von zu-
lässigen Belastungen (bezogen auf den Lastfall H) gibt Tafel 7 .1.
Die zulässigen Erhöhungen betragen bei den Lastfällen Transport und Montage nur
25% mit Rücksicht auf zu große bleibende Verformungen der Verbindungen , die bei
noch höheren Belastungen entstehen würden. Mit zunehmender Holzfeuchtigkeit neh-
men nach Erläuterungen zu DIN 1052 besonders die Lochleibungsfestigkeit des Holzes
und der Holzwerkstoffe und damit die übertragbare Belastung einer mechanischen Ver-
bindung unter Scherbelastung (Abscheren) ab. Dies führt zu den erforderlichen Ermä-
ßigungen der zulässigen Belastungen der Verbindungsmittel bei höheren Holzfeuchtig-
keiten .
108 7.3 Dübelverbindungen

Werden Nägel, Holzschrauben und Klammern auf Herausziehen beansprucht, ist die
Haftkraft maßgebend. Diese Haftkraft ist bei Verzahnung mit dem Holz (Gewinde, Ril-
len) vor allem von der Festigkeit des umgebenden Holzes abhängig, die mit wachsen-
der Holzfeuchte abnimmt. Bei glatten Schatten ist die Haftkraft von der Haftreibung
abhängig, die mit abnehmender Holzfeuchtigkeit (Schwinden) sinkt. Deshalb gelten
teilweise andere Festlegungen für diese auf Herausziehen beanspruchten Verbindungs-
mittel bei erhöhten Feuchteeinwirkungen als bei auf Abscheren beanspruchten Verbin-
dungsmitteL

Tafel7.1 Zulässige Erhöhungen und erforderliche Ermäßigungen von zulässigen Belastungen der mecha·
nischenVerbindungsmittel nach DIN 1052 T2 (bezogen auf den Lastfall H)

zul. Belastung
im LF H um

Erhöhungen

1 Lastfall HZ 25% 1 )

2 Transportzustand 25%

3 Montagezustand 25%
4 waagerechte Stoßlasten nach DIN 1055 T3 100%
5 Erdbebenlasten nach DIN 4149 T1 100%
6 Windsogspitzen nach DIN 1055 T 4 80% 2 )
Ermäßigungen

7 bei Bauteilen aus Voll- und Brettschichtholz, die der Witterung allseitig ausge-
setzt sind oder bei denen mit einer Gleichgewichtsfeuchte > 18% zu rechnen
ist, nicht bei Gerüsten 1/63) 4)

8 bei Bauteilen aus Voll- und Brettschichtholz, die dauernd im Wasser stehen,
bei Gerüsten aus Hölzern, die zum Zeitpunkt der Belastung noch nicht halb·
trocken sind (DIN 4074) 1/33)4)

9 bei folgenden Platten, in denen eine Feuchte > 18% über mehrere Wochen
zu erwarten ist:
- Bau-Furniersperrholzplatten BFU 100 G 1/4
- Flachpreßplatten V 100 G 1/3
1) gilt nicht für auf Herausziehen beanspruchte Klammern
2) in Zusammenhang mit dem Nachweis gegen Abheben nach Abschn. 9.4
3) gilt nicht für Laubholz, Gruppe C nach Tafel 8.1 und nicht für fliegende Bauten mit Schutzanstrich, der
in Abständen von höchstens zwei Jahren zu erneuern ist
4) für Nägel, Holzschrauben und Klammern, die auf Herausziehen beansprucht werden, gelten hiervon
abweichende Ermäßigungen, s. entsprechende Abschnitte

7.3 Dübelverbindungen

Dübel sind vorwiegend auf Druck und Abscheren beanspruchte VerbindungsmitteL Un-
terschieden werden:
- Einlaßdübel: sie werden in vorbereitete Vertiefungen des Holzes eingelegt,
- Einpreßdübel: sie werden in das Holz eingepreßt,
- Einlaß-Einpreßdübel: sie werden teils eingelassen und teils eingepreßt.

Dübel dürfen nur in Verbindungen von Voll- und Brettschichtholz aus Nadelholz min-
destens der Sortierklasse S 10 verwandt werden, Einlaßdübel auch für die Verbindung
7.3 Dübelverbindungen 109

von Laubhölzern. Bei entsprechender Bauart können Dübel auch zur Verbindung von
Voll- und Brettschichtholz mit Stahlteilen oder Stahllaschen herangezogen werden. Stab-
dübel gehören nicht zu den Dübeln dieses Abschnitts, hierüber s. Abschn. 7.4.

Die Beanspruchungen einer Dübelverbindung sollen am Beispiel eines Rechteckdübel


nach Bild 7.5 aufgezeigt werden. Der zu gleichen Teilen in die beiden Hölzer eingelas-

7.5
Beanspruchungen eines Rechl-
eckdübels in einem zweiteili-
gen, verdübelten Balken, Ab-
messungen des Dübels:
Länge l d• Breite bd = bH, Höhe
2. td

sene Rechteckdübel verhindert die gegenseitige Verschiebung dieser Hölzer und kann
eine bestimmte Belastung von einem Holz in das andere übertragen. Aus Bild 7.5 las-
sen sich folgende Beanspruchungen ableiten:
Leibungsspannungen in den Dübei-Stirnflächen

zu I a1 zulässige Leibungsspannungen (7.3)


nach Tafel 7.2

Scherspannungen in der Scherfuge des Dübels


F
rd = -b- - ~ zul ra. d (7.4)
d .[d

Scherspannungen in den beiden Hölzern


lv notwendige Vorholzlänge in den
beiden Hölzern (7.5)

Durch den ausmittigen Anschluß von F entsteht ein Kippmoment F · td, diesem wirkt
das Moment V· 2/ 3 . [ d entgegen (Gleichgewicht):

(7.6)
Daraus läßt sich die rechtwinklig zur Längsfuge wirkende Kraft V ermitteln, sie wird
durch die Schraubbolzen aufgenommen:

Durch Schraubbolzen aufzunehmende Kraft

V= ~ (7.7)
% .[ d
Die rechnerische Querdruckspannung nach Bild 7.5, die gleichzeitig auftritt, errechnet
sich zu:
F · td
O"o .i = bd .[~/6 ~ ZUIO"o .i
(7.8)

Alle Dübelverbindungen sind deshalb je Dübel durch mindestens einen Schraubbolzen


zu sichern, s. Bild 7.6. Die Schraubbolzen aus Stahl mit beidseitigen Unterlegscheiben
nach Tafel 7.3 sind so anzuziehen, daß die Unterlegscheiben geringfügig in das Holz
110 7.3 Dübelverbindungen

F . . F
---!-- -
I ~
edll edll e II Klemmoolzen (bei Dübel-
durd1 messem bzw.

rl- ~m-t:}i~ -h
7.6
Anordnung von Schraub- und
Klemmbolzen bei Dübelver-
bindungen nach DIN 1052 T2

eingedrückt werden (ca. 1 mm); nach dem Schwinden des Holzes sind sie wiederholt
nachzuziehen, s. auch Abschn . 7.3.2. Die Dübelsicherung kann auch bei bestimmten
Dübeln durch Holzschrauben oder Sondernägel vorgenommen werden, s. Abschn.
7.3.2.
Bei Dübeldurchmessern bzw. -seitenlängen s 130 mm sind zusätzliche Klemmbolzen
(Schraubbolzen) nach Bild 7.6 anzuordnen, um ein Abheben der Laschen oder Stab-
enden zu verhindern.
Über erste Versuche mit verdübelten Holzbalken Ende des 19.Jahrhunderts berichtet
Trysna [342]; Graf[103] und Stoy/Miynek [335] führen weitere Untersuchungen durch.
Krabbe [183] ermittelt den Spannungsverlauf in Rechteckdübeln . Die derzeit im Inge-
nieurholzbau eingesetzten Dübel wurden aus den .. alten" Hartholzdübeln des Zimmer-
manns entwickelt.

7 .3.1 Rechteckige Dübel


Rechteckige Dübel aus trockenem Hartholz oder Stahl nach Bild 7.7 sind Einlaßdübel,
die passend zu gleichen Teilen in die zu verbindenden Hölzer eingelassen werden. Die
Faserrichtung hölzerner Dübel muß parallel zur Faserrichtung der Hölzer verlaufen.
Die zulässige Belastung rechteckiger Dübel kann nach GI. (7.3) bis (7.8) berechnet wer-
den mit gleichmäßig verteilt anzunehmenden Leibungsspannungen 0"1 nach Tafel 7.2.
Die zulässigen Scher- und Querdruckspannungen sind Tafel 8.1 zu entnehmen. Mehr
als vier in Kraftrichtung hintereinanderliegende rechteckige Dübel dürfen nicht in Rech-
Tafel 7.2 Zul ässige leibungsspannungen in N/
mm 2 parallel zur Faser im lastfall H
nach DIN 1052 T2

Verhältnis Anzahl der in Kraftrichtung


l d/td hintereinanderliegenden Dübel
b
1 und 2 sowie 3 und 4
in verdübelten 7.7 Anordnung eines rechteckigen Hartholzdübels
Balken nach DIN 1052 T2

Nadel- Laub- Nadel- Laub- Tafel 7.3 Scheibenmaße für Dübel - und tragende
höl - höl - höl- höl- Bolzenverbindungen in mm nach DIN
zer 1 ) zer 1 ) zer 1 ) zer 1 ) 1052 T2

Bolzen-0 M12 M16 M20 M24


i;; 5 8,5 10,0 7,5 9,0
Scheibendicke 6 8

Scheibenaußen-0 58 68 80 105
3 ;;i / d/td< 5 4,0 5,0 3,5 4,5
Seitenlänge bei qua-
50 60 70 95
dratischer Scheibe
1) Hölzer nach Tafel 8.1
7.3.2 Dübel besonderer Bauart 111

nung gestellt werden mit der Ausnahme von verdübelten Balken mit kontinuierlicher
Verbindung der Einzelquerschnitte. Nachziehbare Schraubbolzen nach Abschn . 7.3
sind zur Aufnahme des Kippmomentes erforderlich, s. Tafel 7.3.
Rechteckige Dübel nach Bild 7.7 müssen stets ein Seitenverhältnis Ld!td ~ 3 besitzen,
da bei Unterschreiten dieses Seitenverhältnisses schmale und .. hohe" Dübel nach Bild
7.8 entstehen, die besonders kippgefährdet sind .

I ,d,td!3

7.8 Kippen aufrechtstehender Dübel aus Flach-


1--- ----I+F
7.9 T-förmiger Dübel aus Stahl nach Erläuterun-
stahl, nicht ausführen gen zu DIN 1052 T2

Neben T-förmigen Dübeln nach Bild 7.9 können auch Flachstahldübel, die auf durchge-
hende Stahlbleche (t ~ 10 mm) oder Stahlprofile (U- oder T-Profile) geschweißt werden
(nur Flankenkehlnähte zulässig) zur Kraftübertragung herangezogen werden, s. Bild
7.10. Die Verwendung ausreichend dicker Stahlbleche oder Stahlprofile gewährleistet
nach Erläuterungen zu DIN 1052 T2 die notwendige Biegesteifigkeit zur Aufnahme des
Kippmomentes; zusätzlich ist die Dübelverbindung je Flachstahldübel durch minde-
stens einen Schraubbolzen M 12 zu sichern . Werden Dübelbreiten > 180 mm eingesetzt,
sind mindestens zwei Schraubbolzen M 12 (nebeneinander) anzuordnen. Bei Flach-
stahldübeln dürfen die zulässigen leibungsspannungen nach Tafel 7.2, Zeile 1, auch
für Seitenverhältnisse ld/td < 5 verwandt werden . Die Flankenkehlnähte sind nach
DIN 18800 T1 zu berechnen.

~U- Stahlprofil
,..... Schraubbolzen

U-Stahlprofil
Schnitt A- A

7.10
Zugstabstoß durch zwei
U-Stahlprofile und auf-
geschweißte Flachstahl-
dübel nach Erläuterungen Flachstahldübel
zu DIN 1052 T2 Draufsicht

Rechteckige Dübel werden derzeit in geringem Umfang beispielsweise bei verdübelten


Balken, Flachstahldübel bei Stützenverankerungen mit Zugstößen eingesetzt.

7 .3.2 Dübel besonderer Bauart


Dübel besonderer Bauart nach DIN 1052 T2 besitzen die in Tafel 7.4 angeführten Be-
zeichnungen, Werkstoffe und Anwendungsmöglichkeiten . Die Dübelformen sind in Bild
7.11 dargestellt. Zweiseitige Dübel werden zur Kraftübertragung zwischen zwei Holz-
112 7.3 Dübelverbindungen

bauteilen, einseitige Dübel zur Kraftübertragung zwischen Holz- und Stahlbauteilen


herangezogen. Alle in Tafel 7.4 angeführten Dübeltypen können in Verbindungen von
Nadelvoll- und Brettschichtholzbauteilen eingesetzt werden, Einlaßdübel zusätzlich
auch in Verbindungen von Laubholzbauteilen. Die Beanspruchung einer Dübelverbin-
dung mit Dübeln besonderer Bauart entspricht prinzipiell der in Bild 7.5 dargestellten
Beanspruchung eines rechteckigen Dübels.

Tafel 7.4 Bezeichnungen, Werkstoffe und Anwendungsbereiche von Dübeln bes. Bauart in Verbindungen
von Nadel- und Brettschichtholz, mindestens S 10, und Laubholz, mittl. Güte, nach DIN 1052 T2

Dübel- System, Werkstoff Dübel- zweiseitiger I einseitiger


typ frühere art 1 ) Dübel Dübel
Bezeichnung Verbindung 2 ) von
Holz/Holz Stahlteilen
mit Holz
aus aus

A Appel Leichtmetall- EL NH, BSH, LH, NH, BSH, LH


(Ringkeil- Gußlegierung nach in Hirnholz
dübel) DIN 1725 T2 von BSH

B Kübler fehlerfreies Eichenholz EL NH, BSH, LH -


(Rundholz-
dübel)

c Bulldog Stahlblech nach EP NH,BSH NH, BSH 3 )


DIN 1624

D Geka Temperguß nach EP NH,BSH NH, BSH 3 )


DIN 1692

E Siemens- Temperguß nach EL-EP NH,BSH NH,BSH


Bauunion DIN 1692

1) EL: Einlaßdübel, EP: Einpreßdübel


2) NH: Nadelholz, BSH: Brettschichtholz, LH: Laubholz
3) einseitige Dübel Typ C und D auch zur Verbindung Holz-Holz

Zulässige Belastung der Dübel besonderer Bauart


Die zulässige Belastung im Lastfall H kann Tafel7.6 entnommen werden; ein gesonder-
ter rechnerischer Nachweis ist nicht erforderlich, da die Dübelbelastbarkeit unter ande-
rem durch Versuche ermittelt wurde. Die zulässigen Belastungen sind neben Dübeltyp
und -größe auch vom Winkel a zwischen Kraft- und Faserrichtung abhängig.
Die Angaben in Tafel 7.6 gelten für n~ 2 in Kraftrichtung hintereinanderliegenden Dü-
bel. Liegen in Anschlüssen und Stößen mehr als zwei Dübel in Kraftrichtung hinterein-
ander, so ist die wirksame Dübelanzahl nach GI. (7.9) oder Tafel 7.5 zu ermitteln, hier-
übers. auch Abschn. 7.1 und Bild 7.4. Mehr als zehn Dübel hintereinander dürfen nicht
in Rechnung gestellt werden.
Über zulässige Erhöhungen und erforderliche Ermäßigungen zulässiger Belastungen
der Dübel s. Tafel 7 .1.

n Anzahl der hintereinanderliegenden


ef n = 2 + ( 1 - 2~) · (n - 2) Dübel2<n~10
(7.9)

Tafel 7.5 Wirksame Anzahl ef n von in Kraftrichtung hintereinanderliegender Dübel (n> 2) nach GI. (7.9)

Anzahl n der hintereinanderliegenden Dübel 3 4 5 6 7 8 9 10

Wirksame Dübelanzahl efn 2,85 3,6 4,25 4,8 5,25 5,6 5,85 6,0
7 .3.2 Dübel beso nderer Bauart 113

zweiseitiger einseitiger zweiseitiger


Einlaßdübel Typ A Einlaßäubel Typ A Einlaßdübel Typ B

d·~

$$
zweiseitiger runder
Einpreßdübel Typ C
einseitiger runder
Ein,preßaübel Typ c.
einseit~er runder
Einpre dübel Typ C,
zweiseirner ~uadratischer
Einpreß übe Typ C
dd= 75mm dd =95 bzw. 117 mm

~ •
...
"
"' "' "' ... "'
-.D
d

zweiseit~er
Einpreß übel
einseit~er
Einpre dübel
$ $
zweiseitiger
Einlaß-E1npreßdübel
einseiti~er
Einlaß- ·npreßdübel
Typ D Typ D TypE TypE

7.11 Dübel besonderer Bauart, Formen der DübeltypenAbis E nach DIN 1052 T2
114 7.3 Dübelverbindungen

Tafel 7.6 Mindestanforderungen und zulässige Belastungen im Lastfall H bei n;;;i2 in Kraftrichtung
hintereinanderliegender Dübel besonderer Bauart nach DIN 1052 T2
1 2 3 4 5 6 7 8
Dübelform Abmessungen der Verbolzung
System Dübel- Sechs- Vier-
Außen-0 Höhe Dicke runde
bzw. Fehl- kant- Scheiben kant-
Seiten- fläche schrau- Durch- schei-
länge ben nach messer/ ben
DIN 601 Dicke Seiten-
BI. 1 länge/
Dicke
dd hd s AA db d.
in mm in cm 2 in mm

Einlaßdübel ein- 65 5 7,8


TypA und 80 30 10,1
Ringkeildübel zwei- 95 6 12,3 M12 58/6 50/6
Appel seitig 126 17,0
128 8 25,9
1601 ) 45 32,2
1902 ) 10 39,9 M16 68/6 60/6

Rundholzdübel zwei- 66 32 - 8,2


M12 58/6 50/6
Typ B, Kübler seitig 100 40 - 16,8
Einpreßdübel zwei- 48 12,5 1,00 0,9 M12 58/6 50/6
Typ C seitig 62 16 1,20 2,0
Bulldog 75 19,5 1,25 2,6 M16 68/6 60/6
95 24 1,35 4,7
117 29,5 1,50 6,9 M20 80/8 70/8
140 1 ) 31 1,65 8,7 M24 105/8 95/8
1651 ) 32 1,80 11,0 M24 105/8 95/8
rund ein- 48 6,6 1,00 0,9 M12 58/6 50/6
seitig 62 8,7 1,20 2,0
75 10,3 1,25 2,6 M16 68/6 60/6
95 12,8 1,35 4,7
117 16,0 1,50 6,9 M20 80/8 70/8
quadratisch zwei- 100/100 16 1,35 2,7 M20 80/8 70/8
seitig 130/1302 ) 20 1,50 4,5 M24 105/8 95/8

Einpreßdübel zwei- 50 2,8 M12 58/6 50/6


Typ D seitig 65 3,6 M16 68/6 60/6
Geka 85 27 3 4,6 M20 80/8 70/8
95 5,6 M24 105/8 95/8
115 7,0 M24 105/8 95/8
ein- 50 3.4 M12 58/6 50/6
seitig 65 4,5 M16 68/6 60/6
85 15 3 5,5 M20 80/8 70/8
95 6,9 M24 105/8 95/8
115 8,6 M24 105/8 95/8

Einlaß-Einpreß- zwei- 55 30 3,5 3,9


M12 58/6 50/6
dübel, TypE seitig 80 37 5 7,5
Siemens-
Bauunion ein- 55 15 3,9
12,2 M12 58/6 50/6
seitig 80 18,5 7,9

1) Mit einem Klemmbolzen am Laschenende nach Bild 7.6


2) Mit zwei Klemmbolzen am Laschenende nach Bild 7.6
7.3.2 Dübel besonderer Bauart 115

9 10 11 12 13 14 15
Mindestabmessungen der Mindest- Mindest- zul. Belastung eines Dübels
Hölzer bei einer Dübelreihe dübel- dübel- im Lastfall H bei Neigung
und Neigung der Kraft- zur abstand abstand der Kraft- zur Faserrichtung
Faserrichtung (bei beid- u. -vorholz- zweier be-
0 bis 30° >30 >60
seitiger Dübelanordnung länge bei nachbarter
bis 60° bis 90°
Mindestholzdicke a;;;6 cm) einer Dübel- Dübelreihen
reihe Anzahl der in der Kraftrichtung
0 bis 30° >30 bis 90° hintereinander liegenden Dübel
b!a bla edll ed_!_ = dd + td 1 oder 2 1 oder 2 1 oder 2

in cm in cm in cm in kN

10/4 11/4 14 8,0 11,5 10,0 9,0


11/5 13/5 18 9,5 14,0 12,5 11,0
12/6 15/6 22 11,0 17,0 14,5 12,5
16/6 20/6 25 14,1 20,0 17,0 14,0
16/6 20/6 30 15,0 28,0 23,5 19,0
20/10 24/10 34 18,2 34,0 27,5 21,5
23/10 28/10 43 21,2 48,0 38,5 29,0

10/4 oder 9/6 10/4 oder 9/6 13 8,2 11,0 9,0 9,0
13/6 16/6 20 12,0 18,0 15,5 13,5

10/4 oder 8/6 10/4 5,4 5,0 4,5 4,5


12
10/4 oder 9/6 11/4 7,0 7,0 6,5 6,0
10/5 12/5 8,4 9,0 8,5 8,0
14
12/5 14/5 10,6 12,0 11,0 10,5
15/8 18/8 17 13,2 16,0 15,0 14,0
17/8 20/10 20 15,4 22,0 20,0 18,5
19/8 23/10 23 18,0 30,0 27,0 24,0
10/4 oder 8/6 10/4 5,4 5,0 4,5 4,5
12
10/4 oder 9/6 11/4 7,0 7,0 6,5 6,0
10/5 12/5 8,4 9,0 8,5 8,0
14
12/5 14/5 10,6 12,0 11,0 10,5
15/8 18/8 17 13,2 16,0 15,0 14,0
13/6 16/6 17 10,8 17,0 15,5 14,5
16/6 19/8 20 14,0 23,0 21,0 19,0

10/4 oder 8/6 10/4 oder 9/6 12 6,2 8,0 7,5 7,0
10/4 oder 9/6 11/4 oder 10/6 14 7,7 11,5 11,0 10,0
11/5 13/5 17 9,7 17,0 16,0 14,5
12/6 14/6 20 10,7 21,0 19,5 17,5
14/6 17/6 23 12,7 27,0 24,5 21,5

10/4 oder 8/6 10/4 oder 9/6 12 6,2 8,0 7,5 7,0
10/4 oder 9/6 11/4 oder 10/6 14 7,7 11,5 11,0 10,0
11/5 13/5 17 9,7 17,0 16,0 14,5
12/6 14/6 20 10,7 21,0 19,5 17,5
14/6 17/6 23 12,7 27,0 24,5 21,5

10/4 oder 8/6 10/4 oder 9/6 12 6,7 10,0 9,5 9,0
11/5 12/5 15 9,4 15,0 13,5 12,0

10/4 oder 8/6 10/4 oder 9/6 12 6,7 10,0 3 ) 9,5 3 ) 9,0 3 )
11/5 12/5 15 9,4 15,0 4 ) 13,5 4 ) 12,0 4 )

3) 1,2facher Wert zulässig bei Anordnung von Metallaschen


4) 1,3facher Wert zulässig bei Anordnung von Metallaschen
116 7.3 Dübelverbindungen

Querschnittsschwächungen, Dübelfehlflächen
Die Querschnittsschwächungen, die durch die Dübel besonderer Bauart in den Hölzern
entstehen, werden in Tafel 7.6 als Dübelfehlflächen öA angegeben. Diese Rechenwerte
von öA sind in jedem Einzelholz zu berücksichtigen; zuzüglich treten Querschnitts-
schwächungen durch die Bohrlöcher der Schraubbolzen auf. Diese Gesamt-Ouer-
schnittsschwächung ist im allgemeinen bei der Bemessung von Zugstäben und von
biegebeanspruchten Bauteilen in der Zugzone zu berücksichtigen, s. Abschn. 9.6.
Dübelabstände
Die erforderlichen Dübelabstände und Vorholzlängen von Dübeln besonderer Bauart
können Tafel 7.7 entnommen werden. Bei mehreren in Kraftrichtung hintereinanderlie-
genden Dübeln sollten nach Erläuterungen zu DIN 1052 T2 die etwa doppelten Min-
destdübelabstände edll nicht überschritten werden, s. auch Abschn. 7.1 und Bild 7.4.
Tafel7.7 Mindestabstände von Dübeln besonderer Bauart nach DIN 1052 T2

Anordnung der Dübel nicht gegeneinander versetzt gegeneinander versetzt 1 )

edll, ed .L, b,
dd sind Werte aus
Tafel 7.6;
tdaus Bild7.11 und
Tafel 7.6

Mindestabstand

ed .L zwischen benach-
ed .L = (dd + td) ed .L dd 0,5 · ed .L
barten Dübelreihen

ed ll und ed1 11 parallel


edll edll 1,1 ed ll 1,8edll
zur Faserrichtung
vom Holzrand b /2
1) Zwischenwerte geradlinig einschalten

Die Mindest-Vorholzlänge (Dübelendabstand) in Faserrichtung darf bei unbeanspruch-


tem Rand auf 0,5 · edll herabgesetzt werden, für schräge Stabenden können die Min-
destdübelabstände Bild 7.12 entnommen werden. Bei Schräganschlüssen - dies sind

a) ~
7.12 Mindestabstände von Dübeln besonderer Bauart bei schrägem Stabende nach Erläuterungen zu
DIN 1052 T2
a) belasteter Rand, b) unbelastet er Rand
7.3.2 Dübel besonderer Bauart 117

Anschlüsse nach Bild 7.13 mit einem Win-


kel a > 90°zwischen den Stabachsen- dür-
fen interpolierte Mindestdübelabstände
in Faserrichtung errechnet werden, hier-
über s. Erläuterungen zu DIN 1052 T2 .
Die Mindestabstände der Dübelrißlinien
untereinander ed .l gelten stets ohne H
Rücksicht auf den Anschlußwinkel a und
die Kraftrichtung, ebenso b/2 von den
H Hirnholzende
Holzrändern. S Anschlußschwerpunkt

Queranschlüsse
Bei Queranschlüssen nach Bild 7.13 gel- 7.13 Mindestabständevon Dübeln besonderer Bau-
ten die gleichen Mindestdübelabstände artbei Queranschlüssen nach DIN 1052 T2
aus Tafel 7.6. Für den rechtwinklig zur
Faserrichtung beanspruchten Stab ist im allgemeinen ein Querzugnachweis nach Ab-
sehn . 7.13 zu führen, um ein Aufreißen dieses Stabes zu vermeiden . Der Querzugnach-
weis wird meist dann erforderlich, wenn die Verbindungsmittel mehr dem belasteten
Rand zugeordnet sind . Dieser Nachweis kann nach DIN 1052 T2 entfallen, wenn der
rechtwinklig zur Faserrichtung beanspruchte (querbeanspruchte) Holzstab eine Höhe
h~ 30 cm besitzt und der Anschlußschwerpunkt S aller Dübel nach Bild 7.13 in der
Stabachse oder darüber liegt.

Dübelsicherung durch Schraubbolzen


Jeder Dübel besonderer Bauart ist zur Aufnahme des Kippmomentes, s. Abschn. 7.3,
durch einen nachziehbaren Schraubbolzen aus Stahl mit den in Tafel 7.3 bzw. 7.6 ange-
gebenen Unterlegscheiben in seiner Lage zu sichern . Diese großen Unterlegscheiben
sind erforderlich, um die durch den Schraubbolzen aufzunehmenden Zugkräfte stand-
sicher in die Hölzer weiterzuleiten. Ein rechnerischer Nachweis der Schraubbolzen und
Unterlegscheiben ist aufgrundder Versuche von Graf[103) nicht mehr erforderlich.
Schraubbolzen müssen nach dem Schwinden des Holzes nachgezogen werden, wenn
die Einbaufeuchte höher ist als die zu erwartende Gleichgewichtsfeuchte im eingebau-
ten Zustand. Kann dieses Nachspannen der Schraubbolzen nicht sichergestellt werden,
empfehlen Erläuterungen zu DIN 1052 T2, nur etwa zwei Drittel der zulässigen Dübel-
belastung in Rechnung zu stellen . Bei trockenen Hölzern ist im allgemeinen ein späte-
res Nachziehen der Schraubbolzen entbehrlich, s. auch Abschn. 7.3.

Zulässige Zugkräfte von Schraubbolzen


Die zulässigen Zugkräfte von Schraubbolzen in Richtung der Schraubenlängsachse
können Tafel 7.8 entnommen werden; die zulässige Kraft zwischen Unterlegscheiben
nach Tafel 7.3 und Holz wird fürNadelvoll-und Brettschichtholz angegeben. Die zuläs-
sige Druckspannung des Holzes rechtwinklig zur Faser kann mit k0 j_ • zula 0 j_ errechnet
werden, k0 j_ nach GI. (8.2), wenn die höheren Druckspannungen rechtwinklig zur Faser
von Laubholz ausgenutzt werden sollen . Werden die Schraubbolzen neben der Bean-
spruchung aus Dübelsicherung (Kippmoment) noch planmäßig durch eine Zugkraft in
Richtung der Schraubenlängsachse beansprucht, so sind die Schraubbolzen nach Er-
läuterungen zu DIN 1052 T2 neben dieser Zugkraft noch für eine Bolzenzugkraft von
ca . einem Viertel der vorhandenen Dübelbelastung zu bemessen.

Dübelsicherung durch Sondernägel oder Holzschrauben


Beim Anschluß von Vollholz- oder Brettschichtholzbauteilen an Brettschichtholz dürfen
die Schraubbolzen der zweiseitigen Einlaßdübel Typ A mit dd ~ 95 mm und der zweisei-
118 7.3 Dübelverbindungen

Tafel 7.8 Zulässige Zugkraft je Schraubbolzen der DIN 601 mit Unterlegscheiben der Tafel7.3 nach Erläu-
terungen zu DIN 1052 T2 1 )
Bolzen- bzw. Schraubengröße M24
Zulässige Zugkraft im Spannungsquerschnitt der Schraube in kN
Schrauben ohne Werksbescheinigung
8,4 15,7 24,5 35,3
(zula, = 100 N/mm 2 )
Schrauben der Festigkeitsklasse 4.6
9,3 17,3 27,0 38,8
(zula,= 110 N/mm 2 )
Zulässige Kraft zwischen Scheibe 2 ) und Holz (Druck .l Faserrichtung) in kN
Nadelholz nach Tafel 8.1, 8,0 10,4 13,7 22,3
Sortierklasse S 10 und S 13 (7,8) (10,6) (13,8) (23,9)
Brettschichtholz nach Tafel 8.1, 9,5 12,4 16,4 26,8
Sortierklasse S 10 und S 13 (9,3) (12,7) (16,5) (28,7)
1) Für zusätzlich planmäßig auf Zug beanspruchte Schraubenbolzen zur Sicherung von Dübeln besonderer
Bauart sind die Zahlenwerte der zulässigen Zugkräfte um ein Viertel der vorhandenen Dübelbelastung
(Bolzenzugkräfte aus dem Kippmoment der Dübel) abzumindern
2) Obere Zeile für runde Scheiben, untere Zeile (Kiammerwerte) für quadratische Scheiben

tigen, runden Einpreßdübel Typ C mit dd ~ 95 mm aufgrund der Versuche von Mähler/
Herröder [269) durch eine Sechskant-Holzschraube gleichen Durchmessers oder durch
mindestens vier Sondernägel ersetzt werden . Die Anordnung der vier Sondernägel der
Tragfähigkeitsklasse II oder 111 nach Tafel 7.29 ist in Bild 7.14 dargestellt. Die Nägel
müssen einen Schaftdurchmesser von dn:;; 5 mm und eine wirksame Einschlag-

Einlaßdübel Typ A oder


inpreßdübel Typ C, dd ~ 95 mm

40 120 40
ISO) (120) 160!

7.14 Anordnung von Sondernägeln als Schraubboizen-Ersatz beim Anschluß von Voll- und Brettschicht-
holzbauteilen an Brettschichtholz nach Mäh/er/Herröder [269) und Erläuterungen zu DIN 1052 T2;
Maßangaben für dd ~ 65 mm, in Klammern für 65 mm < dd ~ 95 mm

Dübeltyp Vollholz oder


Aoder C BrettS(hich111olz tiefe von Sw:;; 50 mm besitzen, sie sind für
dd s 95mm eine zulässige Gesamt-Zugkraft (auf Her-
Sechskant-HolzS(hraube
~w:~----nach DIN571 ausziehen) von mindestens 3 kN auszu-
legen . Die Anordnung einer Sechskant-
Holzschraube gleichen Durchmessers
nach DIN 571 als Ersatz für einen
Schraubbolzen M 12 bzw. M 16 kann Bild
Brettschichtholz
7.15 entnommen werden . Die Sechskant-
holzschraube muß in der Dübelachse ein-
7.15 Anordnung einer Sechskantholzschraube als
Schraubboizen-Ersatz beim Anschluß von
gebaut sein und eine Mindesteinschraub-
Voll- und Brettschichtholzbauteilen an Brett- tiefe in das Brettschichtholz von 120 mm
schichtholz besitzen.
7 .3.2 Dübel besonderer Bauart 119

Holz-Stahl-Verbindungen mit einseitigen Dübeln


Für kraftschlüssige Verbindungen zwischen Holz- und Stahlbauteilen werden einseitige
Dübel besonderer Bauart nach Tafel 7.6 verwandt. Die Kraftübertragung vom Holz auf
das Stahlteil geschieht auf zwei unterschiedliche Weisen, s. Bild 7.16: bei einseitigen
Einlaßdübeln Typ A und einseitigen Einlaß-Einpreßdübeln TypE, s. Bild 7.11, wird die
Kraft über die Dübelnabe übertragen, die in ein Paßloch des Stahlteils greift; bei einsei-
tigen Einpreßdübeln Typ C und D fehlt eine solche Dübelnabe, hier überträgt der
Schraubbolzen die Kraft vom Dübel in das Stahlteil (Lochleibung, Abscheren). Diese
Schraubbolzen nach Tafel 7.6 sind für die zu übertragende Dübelbelastung ausgelegt,
ein Nachweis ist nicht erforderlich . Bei bestimmten einseitigen Dübeln sind auch klei-
nere als in Tafel 7.6 angegebene Unterlegscheiben erlaubt, s. Erläuterungen zu
DIN 1052 T2.

Stahlteil
Stahlteil Unterlegscheibe

7.16 Verbindungen zwischen Holz- und Stahlbauteilen mit einseitigen Dübeln, Schraubbolzen und Unter-
legscheiben; Schema
a) einseitiger Dübel mit Nabe, Dübeltyp A
b) einseitiger Dübel ohne Nabe, Dübeltyp D

Als Stahlteile werden überwiegend Stahllaschen verwandt. Diese sind ausreichend


biegesteif auszubilden, um das Kippmoment aufnehmen zu können. Die Stahllaschen
müssen nach Erläuterungen zu DIN 1052 T2 die Dübelflächen voll überdecken (la-
schenbreite ~ Dübelaußenmaß dd). die Mindestdicken außenliegender Stahllaschen
können Tafel 7.9 und 7.10 entnommen werden.
Bei einseitigen Einpreßdübeln Typ C und D darf der Gewindeteil der Schraubbolzen
nur bis zu einem bestimmten Maß in die Stahllasche hineinragen; zur Kraftüber-

Tafel 7.9 Mindestdicken von außenliegenden Tafel 7.10 Mindestdicken von außenliegenden
Stahllaschen bei einseitigen Einlaß- Stahllaschen bei einseitigen Einpreß-
dübeln Typ A nach DIN 1052 T2 1 ) dübeln Typ C, D sowie Einlaß-Einpreß-
düblen Typ E nach Erläuterungen zu
DIN 1052 T2 1 )

Außendurchmesser Mindestdicke, zulässige Dübelbelastung Mindestdicke


dd Maß h 1 nach Bild 7.11 im Lastfall H
in mm in mm in kN in mm

65, 80,95 8 bis 12 6

über 12 bis 21 8
128 10
über 21 bis 30 10
160, 190 12 über 30 12

1) Laschenbreite ;;; Außendurchmesser dd des 1) Laschenbreite ;;; Außendurchmesser dd des


Dübels Dübels
120 7.3 Dübelverbindungen

tragung, s. oben, müssen im Stahlteil nach Erläuterungen zu DIN 1052 T2 vom vollen
Schraubenschaft (ohne Gewinde) bei Dübelbelastungen bis zu 21 kN mindestens
4 mm, bei Dübelbelastungen größer 21 kN mindestens 6 mm vorhanden sein. Werden
in Ausnahmen bei einseitigen Dübeln Typ C und D Gewindeteile zur Kraftübertragung
genutzt, so sollten wegen der Nachgiebigkeit dieser Anschlüsse die zulässigen Dübel-
belastungen auf die Hälfte reduziert werden.
Bei einseitigen Dübeln Typ A und E dürfen die Gewindeteile der Schraubbolzen dage-
gen ohne Beschränkung in die Dübelverbindung hineinragen, da diese Schraubbolzen
nur zur Aufnahme des Kippmomentes (Zugbelastung) herangezogen werden .
Holz-Holz-Verbindungen mit einseitigen
Einpreßdübeln
Einseitige Einpreßdübel Typ C und D
p. _
dürfen nach DIN 1052 T2 auch in kraft-
schlüssigen Verbindungen zwischen
Holzbauteilen eingesetzt werden; Dübel-
Draufsicht verbindungen nach Bild 7.17 bieten in
7.17 Holz-Holz-Verbindung mit vier einseitigen
einigen Fällen Montageerleichterungen
Einpreßdübeln Typ C oder D, Einpreßdübel und sind demontierbar.
paarweise angeordnet (Rücken an Rücken)

7 .3.3 Hirnholz-Dübelverbindungen bei Brettschichtholz

Hirnholz-Dübelverbindungen bei Brettschichtholz können nach DIN 1052 T2 zur Über-


tragung von Auflagerkräften in Ouerträgeranschlüssen, Firstpunkten von Dachbindern,
Anschlüssen an Binderstützen und dergleichen mehr herangezogen werden. Der Auf-
bau einer Hirnholz-Dübelverbindung wird am Beispiel eines Querträgeranschlusses
aus Bild 7.18 ersichtlich. Die Festlegungen gehen auf Untersuchungen von Möhler/
Hemmer [264] zurück.
Danach dürfen in rechtwinklig oder schräg (rp;;; 45°) zur Faserrichtung verlaufenden
Hirnholzflächen von Brettschichtholz bestimmte Einlaßdübel Typ A zur Kraftüber-
tragung herangezogen werden, wenn die Mindestabstände und zulässigen Belastun-
gen nach Tafel 7.11 und die Ausbildung der Anschlüsse nach Bild 7.19 eingehalten
werden. Die Dübel sind mittig zur Trägerbreite anzuordnen, die Dübelabstände ed .L
nach Tafel 7.6 dürfen nicht unterschritten werden .
Über zulässige Erhöhungen und erforderliche Ermäßigungen der zulässigen Belastun-
gen s. Tafel7.1 .

Dübel TypA

~
7.18 Aufbau und Einzelteile einer Hirnholz-Dübelverbindung bei Brettschichtholz nach Möhler/Hemmer
1264]
7.3.3 Hirnholz-Dübelverbindungen bei Brettschichtholz 121

Die zulässigen Belastungen der Tafel 7.11 Tafel 7.11 Zulässige Belastungen für Einlaßdübel
können auch in Hirnholzanschlüssen bei Typ A 1 ) in rechtwinklig oder schräg
(q> ~ 45°) zur Faserrichtung liegenden
geneigten Brettschichtholzbauteilen nach Hirnholzflächen von Brettschichtholz
Bild 7.20 in Rechnung gestellt werden, im Lastfall H nach DIN 1052 T2
wenn der Anschlußwinkel zwischen Dü-
belachse und Faserrichtung des Neben- Außen - Mindest- Mindest- zu I. Be lastung
trägers 15° nicht überschreitet, s. Erläute- 0 breite rand- eines Dübels bei
des Trä- abstand
rungen zu DIN 1052 T2. gers 2 1 oder 3, 4 oder
nach 2 Dübeln 5 Dübe ln
Bi ld 7.19 hinter- hi nter-
b vd eina nder ei nander
in mm in cm in cm in kN in kN

65 11 5,5 6,0 7,2

80 13 6,5 7,3 8,7

95 15 7,5 8,5 10,2

126 20 10,0 11 ,4 13,7


s. auch Tafel 7. 6
Rundstahl ~ 24 bis 40 mm
oder entsprechendes
Oübellyp A ~120
Formstück oder Mutter
mit Unterlegscheibe

Träger 1 Trager 2 (BSHl ~ Fasenrichtung

a)

bl
7.19 Ausbildung eines Hirnholzanschlusses bei 7.20 Hirnholz-Dübelverbindungen bei geneigten
Brettschichtholz nach DIN 1052 T2 Brettschichtholzbauteilen nach Erläuterun-
gen zu DIN 1052 T2
a) Trägeranschluß
b) Firstpunkt

Querzugnachweis
Ein Ouerzugnachweis, s. Abschn. 7.13, ist im allgemeinen für den Träger 1 in Bild 7.19,
der die Last aufnimmt, zu führen . Der Nachweis kann entfallen, wenn der querbean-
spruchte Träger 1 eine Höhe h ~ 30 cm besitzt und der Anschlußschwerpunkt S aller
Dübel im Hirnholz in der Schwerachse des Trägers 1 oder darüber liegt.
122 7.4 Stabdübel-, Paßbolzen-und Bolzenverbindungen

7.4 Stabdübel-, Paßbolzen- und Bolzenverbindungen

Stabdübel, Paßbolzen und Bolzen nach DIN 1052 T2 sind Verbindungsmittel aus zylin-
drischen Stahlstiften, die rechtwinklig zu ihrer Längsachse überwiegend auf Biegung
beansprucht werden und im Holz vornehmlich Lochleibungsspannungen bewirken; in
Holzverbindungen übertragen sie Scherkräfte (Abscheren), Paßbolzen und Bolzen zu-
sätzlich auch Zugkräfte in Richtung ihrer Längsachse.
Stabdübel nach Bild 7.21 sind nicht profilierte (glatte) zylindrische Stäbe ohne Kopf
und Mutter mindestens aus Stahl St37-2. Sie werden in vorgebohrte Löcher mit dem
Nenndurchmesser des Stabdübels eingetrieben. An ihren Enden sind sie leicht ange-
faßt, um das Eintreiben zu erleichtern und ein Aufsplittern des Holzes zu vermeiden .
Der gute Paßsitz der Stabdübel im Holz garantiert eine ausreichende Klemmwirkung
der Verbindung bei vorwiegend ruhender Belastung. Stabdübelverbindungen dürfen
in allen Holzbauwerken und -bauteilen verwandt werden .

Draufsicht

a)
7.21 Stabdübel- und Bolzenverbindung
al Stabdübelverbindung, b) Bolzenverbindung

Paßbolzen sind Stabdübel mit Kopf und Mutter oder mit beidseitigen Muttern ein-
schließlich zugehöriger Unterlegscheiben. Sie können zusätzlich Zugkräfte in Richtung
der Paßboizen-Längsachse übertragen, dienen zur Sicherung außenliegender Stahl-
teile oder zur Verbesserung der Klemmwirkung in Holz-Holz-Verbindungen. Sind in
Stabdübelverbindungen mit mehr als sechs Stabdübeln keine zusätzlichen Klemmbol-
zen vorgesehen, empfehlen Erläuterungen zu DIN 1052 T2, etwa jeden sechsten sta-
tisch erforderlichen Stabdübel als Paßbolzen auszuführen, um die Klemmwirkung zu
erhöhen. Paßbolzen und Stabdübel dürfen in einem Anschluß gleichzeitig verwandt
werden, da sie etwa gleiches Tragverhalten besitzen.
Bolzen nach Bild 7.21 sind zylindrische Stäbe mit Kopf und Mutter einschließlich zuge-
höriger Unterlegscheiben mindestens aus Stahl der Festigkeitsklasse 3.6 oder 4.8 nach
DIN ISO 898 T 1. Sie werden mit geringem Spiel in vorgebohrte Bolzenlöcher (Bolzen-
durchmesser + 1 mm) eingebaut und anschließend festangezogen. Als Bolzen werden
im allgemeinen Schraubbolzen (Sechskantschrauben mit Schaft nach DIN 601) oder
Bolzen ähnlicher Bauart verwandt. Rohrbolzen sollten nur nach durchgeführten Eig-
nungsversuchen zur Kraftübertragung herangezogen werden, da bisher nur wenige
Versuche vorliegen.
Tragende Bolzen sind nach DIN 1052 T2 nur in untergeordneten Bauteilen, in einfachen
Bauten des landwirtschaftlichen Bauwesens sowie bei Gerüsten und Fliegenden Bau-
ten nach DIN 4112 zur Kraftübertragung (Beanspruchung auf Abscheren) zu verwen-
den. Sie sind für die meisten Dauerbauten, bei denen es auf Steifigkeit und Formbe-
ständigkeit ankommt, nicht geeignet, da größere Verschiebungen in Bolzenverbindun-
gen auftreten. Diese werden durch das vorhandene Spiel im Bolzenloch und durch die
7.4 Stabdübel -, Paßbolzen- und Bolzenverbindungen 123

fehlende Klemmwirkung hervorgerufen, die nach dem Schwinden des Holzes bei nicht
nachgespannten Bolzen auftritt. Bolzen dürfen jedoch zur Kraftübertragung in Dauer-
bauten herangezogen werden, wenn durch besondere Maßnahmen das Eintreten eines
Schlupfes verhindert wird, zum Beispiel durch Paßbohrungen, nachträgliches Verfüllen
des Lochspiels durch zum Beispiel Epoxidharz oder durch Einbau trockener Hölzer,
s. Erläuterungen zu DIN 1052 T2. ln Brettschichtholz-Bauteilen dürfen tragende Bolzen
eingesetzt werden, da Brettschichtholz stets trocken hergestellt wird .
Tragende Bolzenverbindungen müssen im allgemeinen nach dem Schwinden des Hol-
zes nachgezogen werden, falls erforderlich mehrmals. Dies gilt besonders für Vollholz
mit einer Einbaufeuchte u> 18%; hierüber s. auch Abschn . 7.3 und 7.3.2.
Tragende Bolzenverbindungen sind aufgrund der größeren Bolzenlochdurchmesser
montagetechnisch leichter auszuführen als vergleichbare Stabdübel- oder Paßbolzen-
verbindungen; letztere sollten im allgemeinen bevorzugt eingesetzt werden, da sie
weitaus größeres Tragverhalten und höhere Steifigkeit besitzen.
Heftbolzen werden nur zur Lagesicherung von Bauteilen benutzt, sie übertragen plan-
mäßig keine Beanspruchungen.
Über das Tragverhalten von Stabdübel-, Paßbolzen- und Bolzenverbindungen berich-
ten unter anderem Egner [46], Eh/beck/Werner [64], Gehri [78], Gehri/Fontana [79] und
Kolb/Radovic [172].
Zulässige Belastungen eines Stabdübels, Paßbolzens oder tragenden Bolzens
Die zulässigen Belastungen eines Stabdübels, Paßbolzens oder tragenden Bolzens kön-
nen im Lastfall H für Kraftrichtung in Faserrichtung nach GI. (7 .10) und (7.11) unab-
hängig von der Sortierklasse des Holzes berechnet werden .
zu I N s t , b = zula1 • a · d s t , b (7.10)
höchstens jedoch
zu I N s t ,b = B · d~t,b (7 .11)
zuiNinN a Holzdicke in mm
zu I a1 zulässige mittlere Lochleibungsspannung des d st,b Durchmesser des Stabdübels, Paßbolzens
Holzes in N/mm 2 nach Tafel7.12 bzw. des Holz- und Bolzens in mm
werkstoffes in N/mm 2 nach Tafel7.20 und 7.21 B Festwert nach Tafel 7.12

Tafel 7.12 Werte für zul a1 und Bin N/mm 2 nach GI. (7 .10) und (7.11) zur Berechnung der zulässigen
Belastung von Stabdübel-, Paßbolzen - und Bolzenverbindungen nach DIN 1052 T2

NH Nadelholz ei nschnittig zweischnittig

tt
LH Laubholz

l
der ..nln. ......_

+-
I I~

-t;o -+
Gruppe
A, B, C
nach
~b l
II
,.,
II
1.:
~ I '!
Tafel8.1
BSH Brettschicht-
hol z
~
Mittelholz Seitenholz
NH, NH, NH,
BSH LH A LH B LH C BSH LH A LH B LH C BSH LH A LH B LH C

Bolzen zul a1 4,0 5,0 6,1 9,4 8,5 10,0 13,0 20,0 5,5 6,5 8,4 13,0
B 17,0 20,0 24,0 30,0 38,0 45,0 52,0 65,0 26,0 30,0 34,0 42,0
Stabdübel , zu I a1 4,0 5,0 6,1 9,4 8,5 10,0 13,0 20,0 5,5 6,5 8,4 13,0
Paßbolzen
B 23,0 27,0 30,0 36,0 51 ,0 60,0 65,0 80,0 33,0 39,0 42,0 52,0
124 7.4 Stabdübel-, Paßbolzen-und Bolzenverbindungen

Die zulässigen Belastungen nach GI. (7.10) und (7.11) sind bei Kraftangriff rechtwinklig
oder schräg zur Faserrichtung des Holzes mit dem Faktor Y/ nach GI. (7.12) abzumin-
dern.

Y/st = Y/b = 1 - a/360° a Winkel zwischen Kraft- und Faserrichtung, (7 .12)


0°<a 390°

Bei Verwendung von Holzwerkstoffen in Stabdübel-, Paßbolzen- oder tragenden Bol-


zenverbindungen sind die zulässigen Lochleibungsdrücke bei der Berechnung der zu-
lässigen Belastungen zu berücksichtigen; hierüber s. Tafel 7.20 und 7.21.
Über zulässige Erhöhungen und erforderliche Ermäßigungen der zulässigen Belastun-
gen nach GI. (7.10) und (7.11) s. Tafel7.1.
Die zulässigen Belastungen von Stabdübel-, Paßbolzen- und Bolzenverbindungen kön-
nen auch tabelliert Milbrandt [2231. Scheer/Bauer [312) und Erläuterungen zu DIN 1052
T2 entnommen werden.
Anzahl, Durchmesser und Scherflächen in Stabdübel-, Paßbolzen- und tragenden
Bolzenverbindungen
Tragende Stabdübel-, Paßbolzen- und Bolzenverbindungen können ein-, zwei- oder
mehrschnittig ausgebildet werden. Dabei müssen die in Tafel 7.13 angegebene Anzahl,
Durchmesser und Scherflächen bei den einzelnen Verbindungsmitteln eingehalten wer-
den. Bei Stabdübelverbindungen sind mindestens vier Scherflächen für eine ausrei-
chende Klemmwirkung notwendig; bei allen drei Verbindungen sind stets mindestens
zwei Verbindungsmittel erforderlich.
Bei gelenkigen Anschlüssen von Holz-Holz- oder Holz-/Stahl-Teilen genügt ein Paßbol-
zen oder tragender Bolzen, wenn er nur bis zur Hälfte seiner zulässigen Belastung be-
ansprucht und lagegesichert ist. Die Lagesicherung bei nur einem Bolzen oder Paßbol-
zen kann durch Kontermuttern, Splinte oder auch durch Schweißpunkte erfolgen; sie
ist notwendig, da sich die Verbindung durch Schwinden des Holzes lockern kann.

Tafel 7.13 Zulässige Durchmesser, Anzahl und Scherflächen von Stabdübeln, Paßbolzen und Bolzen in
tragenden Verbindungen nach DIN 1052 T2

Durchmesser in mm Anzahl Scherflächen Bohrloch-


durchmesser
min. max. min. min.

Bolzen db=12 db, d., 330 n~2 m~2 db+1 mm

Stabdübel d.,=B n~2 m~4 d.,


Paßbolzen n~2 m~2

Die Anzahl der Stabdübel und Paßbolzen, die in Anschlüssen und Stößen in Kraftrich-
tung hintereinanderliegen, sollte aufgrund der ungleichmäßigen Kraftverteilung auf
sechs beschränkt bleiben; hierüber s. auch Abschn. 7.1 und Bild 7.4. Bei mehr als sechs
hintereinanderliegenden Stabdübeln oder Paßbolzen ist die rechnerisch wirksame
Anzahl nach GI. (7.13) zu ermitteln oder Tafel 7.14 zu entnehmen. Anschlüsse und
Stöße sind deshalb möglichst .,kurz" auszubilden, der Abstand der in Kraftrichtung

2 n Anzahl der hintereinander in Kraft-


efn=6+-(n-6) richtung liegenden Stabdübel oder (7.13)
3 Paßbolzen, 6< n3 12

hintereinanderliegenden Stabdübel oder Paßbolzen sollte nach Erläuterungen zu


DIN 1052 T2 den zweifachen Mindestabstand nach Tafel 7.15 nicht überschreiten.
7.4 Stabdübel-, Paßbolzen-und Bolzenverbindungen 125

Mehr als zwölf Stabdübel oder Paßbolzen hintereinander sind nicht in Rechnung zu
stellen.

Tafel 7.14 Rechnerisch wirksame Anzahl von in Kraftrichtung hintereinanderliegenden Stabdübel oder
Paßbolzen bei Anschlüssen und Stößen nach GI. (7.13)

Anzahl n der hintereinanderliegenden Stabdübel


6 7 8 9 10 11 ::;: 12
und Paßbolzen

wirksame Anzahl ef n 6 6,7 7,3 8 8,7 9,3 10

Bei Bolzenverbindungen dürfen dagegen bis zu zwölf in Kraftrichtung hintereinander-


liegende Bolzen nach Erläuterungen zu DIN 1052 T2 in Rechnung gestellt werden ohne
Reduzierung auf die wirksame Anzahl nach GI. (7.13) oder Tafel 7.14, da Bolzenverbin-
dungen einen größeren Schlupf aufweisen und die Bolzenanzahl einen geringen Ein-
fluß besitzt.
Mindestabstände
Die Mindestabstände von Stabdübeln, Paßbolzen und tragenden Bolzen können Tafel
7.15 und den Bildern 7.22 und 7.23 entnommen werden.
Stabdübel und Paßbolzen, die in Faserrichtung hintereinanderliegen, sind nach Bild
7.22 gegenüber der Rißlinie zu versetzen, wenn der Abstand untereinander in Faser-
richtung <8dst beträgt, hierüber s. auch Abschn. 7.1 und Bild 7.3. Überneuere Ergeb-
nisse zur Stabdübelanordnung s. Ehlbeck/Werner [64).
Bei Schräganschlüssen dürfen die Mindestabstände in Faserrichtung durch Interpola-
tion der Werte aus Tafel 7.15 ermittelt werden, hierüber s. auch Erläuterungen zu DIN
1052 T2.
Die Mindestabstände von Stabdübeln, Paßbolzen und tragenden Bolzen bei Verbindun-
gen von Bau-Furniersperrholznach DIN 68705 T3 und T5 sowie Flachpreßplatten nach
DIN 68763 untereinander oder mit Nadel-, Laub- und Brettschichtholz sind nach Er-
läuterungen zu DIN 1052 T2 in Tafel7.16 festgelegt.
Tafel 7.15 Mindestabstände von Stabdübeln, Paß- Tafel 7.16 Mindestabstände') von Stabdübeln,
bolzen und tragenden Bolzen nach DIN Paßbolzen und tragenden Bolzen bei
1052 T2 Bau-Furniersperrholz der DIN 68705
T3 und T5 (mit beliebiger Lagenan-
Mindestabstände 1 ) zahl) und bei Flachpreßplatten der DIN
II Kraftrichtung bei 68763 nach Erläuterungen zu DIN
Stabdübeln, Bolzen 1052 T2
Paßbolzen
Mindestabstände (von Lochmitte zu Lochmitte ge-
II Faser- 5dst 7 db, messen, unabhängig von der Kraftrichtung)
unter- richtung bei Stabdübeln bei Bolzen
einander j_ Faser- 3dst S; 100 mm u. Paßbolzen 2 ) 3)
richtung 5db
untereinander
II Faser- 6dst 7db. und vom bean- 3dst 5db
vom bean-
richtung S;100 mm spruchten Rand
spruchten
j_ Faser- 3dst 4db
Rand vom unbean-
richtung 2dst 3db
spruchten Rand
II Faser- 3dst 3db,
vom unbean- 1) soweit nicht die Abstände im Holz maßgebend
richtung
spruchten sind
j_ Faser- 3dst 3db
Rand 2) Gewinde- und Unterlegscheibgrößen nach Tafel
richtung
7.18
1) bei Schräganschlüssen sind Zwischenwerte ge- 3) Gewinde- und Unterlegscheibgrößen nach Tafel
radlinig zu interpolieren 7.3
126 7.4 Stabdübel-, Paßbolzen-und Bolzenverbindungen

6d>t~ecm

H
H

H= Hirnholzende H=Hirnholzende
7.22 Mindestabstände von Stabdübeln und Paß- 7.23 Mindestabstände von tragenden Bolzen nach
bolzen nach DIN 1052 T2 DIN 1052 T2

Queranschlüsse
Für rechtwinklig zur Faserrichtung beanspruchte Stäbe z. B. nach Bild 7.22 und 7.23 ist
im allgemeinen ein Querzugnachweis nach Abschn . 7.13 zu führen, um ein Aufreißen
dieser Stäbe zu verhindern . Für Queranschlüsse mit Stabdübel, Paßbolzen und tragen-
den Bolzen gelten die Angaben des Abschn . 7.3.2 sinngemäß.
Unterlegscheiben und Gewinde von Paßbolzen, tragenden Bolzen und Heftbolzen
Die Unterlegscheiben von tragenden Bolzen sind nach Tafel 7.3 zu wählen, s. auch
Abschn . 7.3.2. Bei Paßbolzen und Heftbolzen sind dagegen auch kleinere Unterleg-
scheiben nach Tafel7 .17 zulässig. Nach Erläuterungen zu DIN 1052 T2 werden bei Paß-
bolzen kleinere Gewindedurchmesser als Nenndurchmesser empfohlen, s. Tafel 7.18,
um das Eintreiben zu erleichtern und Holzbeschädigungen zu vermeiden . Die Gewinde-
länge von tragenden Bolzen sollte ausreichend gewählt werden, um die Verbindung
nach dem Schwinden des Holzes nachziehen zu können, hierüber s. auch Abschn . 7.3.2.
Tafel 7.17 Maß der Unterlegscheiben für Paß- Tafel 7.18 Mindestabstände für unmittelbar ne-
bolzen und Heftbolzen nach Erläute- beneinander angeordnete Paßbolzen
rungen zu DIN 1052 T2 in Abhängigkeit von der Gewinde- und
Unterlegscheibengröße nach Erläute-
Bolzendurchmesser M12 M16 M20 M24 M30 rungen zu DIN 1052 T2

Paßbolzen Außenmaße der Mindest-


Dicke der Scheibe Scheiben nach abstand
4 5 5 6 6 Nenn- Emp-
in mm der Paß-
durch- fohlene DIN 440 DIN 436
messer Gewin- (rund) (vierkant) bolzen')
in mm degröße in mm in mm in mm
Außendurchmesser
bei runder Scheibe 8 M 6 22 - 3dst = 24
45 58 68 92 105 10 M 8 28 - 3d5 , = 30
nach DIN 440
in mm 12 M10 34 30 3d5 1 = 36
16 M12 45 40 3dst = 48
20 M16 58 50 3d5 , = 60
24 M20 68 60 3d5 , = 72
Seitenlänge bei
quadratischer Scheibe 30 M20 68 60 3d51 = 90
40 50 60 80 95 30 M24 92 80 = 95
nach DIN 436
in mm 1) Mindestabstände im Holz nach Tafel 7.15 und
Bild 7.22

Zulässige Zugkräfte in Paßbolzen und tragenden Bolzen


Treten bei Paßbolzen und tragenden Bolzen neben der Beanspruchung auf Abscheren
noch planmäßige Zugkräfte in Richtung der Längsachse auf, können die zulässigen
Zugkräfte nach Tafel 7.8 in Rechnung gestellt werden; die Unterlegscheiben der Paß-
bolzen müssen in diesen Fällen nach Tafel 7.3 ausgelegt sein.
7.4 Stabdübel-, Paßbolzen-und Bolzenverbindungen 127

Holz-Stahl-Verbindungen mit Stabdübeln, Paßbolzen und tragenden Bolzen


Bei Verbindungen von Nadel-, Laub- und Brettschichtholzbauteilen mit Stahlteilen dür-
fen die zulässigen Belastungen für Stabdübel, Paßbolzen und tragenden Bolzen nach
GI. (7.10) und (7.11) um 25% erhöht werden. Diese Erhöhung der zulässigen Belastun-
gen resultiert aus der größeren Steifigkeit und höheren Tragfähigkeit von Holz-Stahl-
Verbindungen.
Die zulässigen Lochleibungsspannungen in den Stahlteilen können Tafel 7.19 entnom-
men werden. Bei Paßbolzen und tragenden Bolzen ist beim Nachweis der Lochlei-
bungsdrücke nur die Länge des vollen Schaftes (ohne Gewindeteil) in den Stahlteilen
in Rechnung zu stellen. Werden in Ausnahmen auch Gewindeteile zur Kraftübertragung
genutzt, sind nach Erläuterungen zu DIN 1052 T2 die zulässigen Lochleibungsspannun-
gen der Tafel7.19 wegen der nachgiebigen Verbindung auf die Hälfte zu reduzieren.

Tafel 7.19 Zulässige Lochleibungsspannungen 0' 1 für Stahlteile in Holz-Stahl-Verbindungen mit Stab-
dübeln, Paßbolzen und tragenden Bolzen (aus DIN 18800 T1) sowie zulässige übertragbare
Kräfte je Verbindungsmittel bei 10 mm dicken Stahllaschen im Lastfall H nach Erläuterungen
zu DIN 1052 T2

Werkstoff zu I O"t Lastfall Stabdübel-, Paßbolzen- oder Bolzendurchmesser


in mm
8 10 12 16 20 24 30

in N/mm 2 in kN in kN in kN in kN in kN in kN in kN

Stahl St 37 und Bolzen


210 H 16,8 21,0 25,2 33,6 42,0 50,4 63,0
der Festigkeitsklassen
240 HZ 19,2 24,0 28,8 38,4 48,0 57,6 72,0
3.6, 4.6, oder 4.8

Stahl St 52 und Bolzen


320 H 25,6 32,0 38,4 51,2 64,0 76,8 96,0
der Festigkeitsklasse
360 HZ 28,8 36,0 43,2 57,6 72,0 86,4 108,0
5.6

Zulässige Belastungen von Holzwerkstoffverbindungen


Die zulässigen Belastungen von Stabdübel-, Paßbolzen- und tragenden Bolzenverbin-
dungen mit Bau-Furniersperrheiz nach DIN 68705 T3 und T5 (dreilagig) sowie mit
Flachpreßplatten nach DIN 68763 untereinander oder mit Nadel-, Laub- und Brett-
schichtholz sind auch unter Berücksichtigung der zulässigen Lochleibungsspannungen
nach Tafel 7.20 zu errechnen, s. GI. (7 .1 0) und (7 .11 ); bei Bau-Furniersperrheiz darf
zwischen den zulässigen Lochleibungsspannungen parallel zur Faserrichtung der Deck-
furniere und senkrecht dazu linear interpoliert werden, s. auch Tafel 8.6; bei Flachpreß-
platten kann mit einem vom Winkel a unabhängigen, konstanten Wert gerechnet wer-
den.

Tafel 7.20 Zulässige Lochleibungsspannungen 0' 1 für Holzwerkstoffe bei ein- oder mehrschnittigen Stab-
dübel-, Paßbolzen-und tragenden Bolzenverbindungen im Lastfall H nach DIN 1052 T1 und T2
sowie Erläuterungen zu DIN 1052 T2

Bau-Furniersperrholz Flachpreßplatten
- nach DIN 68705 T3 (beliebige Lagenanzahl) nach
- nach DIN 68705 T5 (dreilagig) DIN 68763

Winkel a zwischen
Kraft- und Faser- 0 10 20 22,5 30 40 45 50 60 67,5 70 80 90 beliebig
richtung 1 ) in Grad
ZUI 0'[
in N/mm 2 8,0 7,55 7,11 7,0 6,66 6,22 6,0 5,77 5,33 5,0 4,88 4,44 4,0 6,0
1) der Deckfurniere (bei Bau-Furniersperrholz)
128 7.5 Nagelverbindungen

Bei mindestens fünflagigem Bau-Furniersperrheiz aus Buche nach DIN 68705 T5 dür-
fen die zulässigen Lochleibungsspannungen ebenfalls linear interpoliert werden, je-
doch sind nach Erläuterungen zu DIN 1052 T2 bei diesem Bau-Furniersperrheiz auch
die Werte der Tafel 7.21 nach Dröge/Kramer [38) zulässig, die wesentlich vom Durch-
messer des Rundstahls abhängig sind und nicht vom Winkel a zwischen Kraft- und
Faserrichtung.

Tafel 7.21 Zulässige Lochleibungsspannungen a1 für Bau-Furniersperrheiz aus Buche der DIN 68705 T5
aus mindestens fünf Lagen nach Dröge/Kramer 138] und Erläuterungen zu DIN 1052 T2 sowie
zulässige übertragbare Kräfte je Verbindungsmittel bei 10 mm Bau-Furniersperrheiz-Dicke und
beliebigem Winkel a zwischen Kraft- und Faserrichtung im Lastfall H

Holzwerkstoff Stabdübel-, Paßbolzen- oder Bolzendurchmesser in mm

8 10 12 16 20 24 30

Bau-Furniersperrheiz aus zu I a 1 in N/mm 2 21,3 19,9 18,9 17,4 16,4 15,7 14,8
Buche nach DIN 68705 T5
aus mindestens fünf Lagen zu1N1 in kN 1,7 1,99 2,27 2,78 3,28 3,77 4,44

7.5 Nagelverbindungen

Nägel in tragenden Nagelverbindungen nach DIN 1025 T2 werden vorwiegend auf Ab-
scheren (rechtwinklig zur Nagellängsachse). aber auch auf Herausziehen (in Richtung
der Nagellängsachsel auf Dauer und kurzfristig je nach Eignung beansprucht. Sie wer-
den im allgemeinen flächenhaft (in Gruppen) angeordnet. Von der Vielzahl der auf dem
Markt befindlichen Nageltypen dürfen nur die in Bild 7.24 angeführten Typen für tra-
gende Nagelverbindungen verwandt werden . Nägel werden mit Schlagwerkzeugen
(zum Beispiel Hämmern) oder mit Nageleintriebgeräten (Nagelmaschinen) in das Holz
eingetrieben.

~2dn

t---1---Jr
runde Drahtstifte, runde Maschinenstifte Rillennägel Schraubnägel
Form B nach DIN 1151 nach DIN 1143 T1 mit Eignungsnachweis mit Eignungsnachweis

glattschattige Nägel profilierte Nägel (Sondernägel)

7.24 Nägel für tragende Nagelverbindungen nach DIN 1052 T2

Runde Drahtstifte sind glattschattige Nägel, die seit Jahrzehnten als das Verbindungs-
mittel .. Nagel" bekannt sind . Sie sind die überwiegend in Nagelverbindungen einge-
setzten Nägel und werden im allgemeinen auf Abscheren beansprucht. Runde Draht-
stifte dürfen beharzt sein.
Runde Maschinenstifte sind glattschattige Nägel und werden in automatischen Nagel-
eintriebgeräten eingesetzt. Neben den runden Drahtstiften werden sie oft in Nagelver-
bindungen verwandt und im allgemeinen auf Abscheren belastet. Runde Maschinen-
stifte dürfen beharzt sein . Beim .,Einschießen" der Stifte in das Holz entsteht Reibungs-
7.5 Nagelverbindungen 129

wärme, die das Harz verflüssigt. Das flüssige Harz wirkt wie ein Gleitmittel, das den
Eintriebswiderstand vermindert.
Rillennägel sind profilierte Nägel mit Rillen, sie werden auch als Sondernägel bezeich-
net und bedürfen eines Eignungsnachweises. Sie besitzen eine hohe Haftkraft im Holz,
die durch die Verzahnung zwischen Holz und Profilierung entsteht. Deshalb werden sie
meist dann eingesetzt, wenn planmäßige Dauerlasten auf Herausziehen (in Richtung
der Nagellängsachsel zu übertragen sind. Sie dürfen auch kombiniert. das heißt auf
Abscheren und auf Herausziehen dauernd beansprucht werden.
Schraubnägel sind profilierte Nägel mit Gewinde, bei denen die Gewindesteigung a, s.
Bild 7.24, die Tragfähigkeit der Nägel auf Herausziehen beeinflußt. Im weiteren gelten
die vorbezeichneten Angaben über Rillennägel auch für SchraubnägeL
Die derzeit im Ingenieurholzbau verwandten Nägel sind eine Weiterentwicklung der
Nägel aus Eisen, Kupfer und Bronze, die der Zimmermann in den vergangenen Jahr-
hunderten und bereits im Altertum benutzte und deren Tragfähigkeit nur aus Erfahrung
bekannt war. Genauere Kenntnisse über das Trag- und Verformungsverhalten von Na-
gelverbindungen liegen erst im zwanzigsten Jahrhundert vor. Stoy [333). [3341 führte
die ersten wesentlichen Untersuchungen in Deutschland durch.
Trag- und Verformungsverhalten von Nagelverbindungen
Das Trag- und Verformungsverhalten bei Beanspruchung auf Abscheren kann am Bei-
spiel einer einschnittigen Nagelverbindung Bild 7.25 entnommen werden. Die Tragfä-
higkeit ist nach Dröge/Stoy [39] und Ehlbeck/Hättich [58] neben der Anschlußgeome-
trie wesentlich von der Biegesteifigkeit des Nagels und der Lochleibungsfestigkeit der
Hölzer abhängig, wenn der geringe Einfluß der sich einstellenden Seilwirkung vernach-
lässigt wird. Ist die Schlankheit (das Verhältnis Holzdicke zu Nageldurchmesser) klein,
wird vorwiegend die Lochleibungsfestigkeit maßgebend, s. Bild 7.25a und b (bei biege-
steifen Nägeln). Bei großen Schlankheiten, wie in Bild 7.25c und d, versagen zusätzlich
die Nägel und bilden ein oder zwei Fließgelenke in den Holzteilen aus; große Schlank-
heiten liegen bei üblichen Nagelverbindungen nach DIN 1052 T2 vor.

V r V

rl I
a)
7.25
~F b) ~F
fJ
d) ~F
Mögliche Bruchbilder einer einschnittigen Nagelverbindung bei Beanspruchung auf Abscheren nach
Dröge/Stoy 139]
a) und b) Überschreiten der Lochleibungsfestigkeit im Holz II bzw. im Holz I und II bei kleiner Schlank-
heit,
c) und d) Überschreiten der Lochleibungsfestigkeit im Holz I und II sowie Ausbildung von einem
bzw. zwei Fließgelenken im Nagel bei großer Schlankheit

Das Kraft-Verschiebungs-Diagramm einer Nagelverbindung auf Abscheren nach Bild


7.26 zeigt einen wenig geradlinigen Verlauf und gleichzeitig die Nachgiebigkeit einer
solchen Verbindung im Bereich der maximal übertragbaren Kraft. Als Verschiebungs-
modul C wird deshalb ein Sekantenmodul verwendet, s. auch Abschn . 20.
Kraft-Ausziehweg-Diagramme von Nägeln auf Herausziehen sind am Beispiel dreier
Nageltypen in Bild 7.27 dargestellt. Danach besitzen runde Drahtstifte mit glattem
130 7.5 Nagelverbindungen

9
Kratt F
kN
r\
~------~~~~~~~~~~--
I

', ~
I I \
_,.'-( ~--.

!/
6 /
Wendepunkt 1
\~illen- \
der Kurve i ~gel \Schraubnagel
I
~ 4,5
jl \
I
I
:!! ~'-·,
I
I
I "' 3
",
{'--
"
I
I ..::::_runder Drahtstift '\.
t-..
1,5
"---:: -
.......

2 4 6 8 mm 12
1!5 mm Ver&hiebung 6
Ausziehweg v---
7.26 Kraft-Verschiebungs-Diagramm einer Nagelverbin- 7.27 Kraft-Ausziehweg-Diagramme von
dung bei Beanspruchung auf Abscheren (schemati- Nägeln mit gleichem Schaftdurch-
sche Darstellung) nach Ehlbeck/Hättich [58] messer und gleicher Einschlagtiefe
bei Beanspruchung auf Herauszie-
hen nach Erläuterungen zu
DIN 1052 T2

Schaft nur kleine Haftkräfte, während profilierte Nägel wie Rillen- und Schraubnägel
große Haftkräfte aufweisen, s. auch Abschn . 7 .2.
Die Tragfähigkeit von Nägeln auf Abscheren und Herausziehen ist weiter abhängig von
der Einschlagtiefe in das Holz, der Holzfeuchtigkeit Belastungsdauer und dergleichen
mehr; hierüber s. unter anderem Dröge/Stoy [391. Ehlbeck/Hättich [58], Kuipers/van
der Put [203], Meyer [217], Mähler [234]. [240]. Über Untersuchungen des Last-Ver-
schiebungsverhaltens in Nagelverbindungen hinsichtlich des probabilistischen
Sicherheitskonzeptes s. Blaß [14] .

7 .5.1 Beanspruchung rechtwinklig zur Nagellängsachse (Abscheren)

Zulässige Belastung eines Nagels auf Abscheren (runde Draht- und Maschinenstifte
sowie Rillen- und Schraubnägel)
Die zulässige Belastung eines Nagels im Lastfall H ist für Nadelvoll- und Brettschicht-
holz unabhängig von der Sortierk!asse bei Beanspruchung senkrecht zur Nagellängs-
achse ohne Rücksicht auf den Faserverlauf des Holzes für eine Scherfläche nach GI.
(7 .14) zu berechnen, s. auch Tafel 7 .23.
dn Nageldurchmesser in mm,
zu! N = 500 · d~ in N bei Sondernägeln: Nagelnenndurch- (7 .14)
1
10 + dn messer (Durchmesser des glatt-
schattigen Teils)

Bei vorgebohrten Nagellöchern dürfen die zulässigen Nagelbelastungen nach GI. (7 .14)
um 25% erhöht werden . Die Nagellöcher sind mit etwa 0,9 dn auf die erforderliche
Nagellänge vorzubohren. Durch das Vorbohren wird die Spaltgefahr der Hölzer stark
verkleinert; die Steifigkeit und Traglast vorgebohrter Nagelverbindungen erhöhen sich,
da die Verschiebungen geringer sind als bei vergleichbaren, nicht vorgebohrten Nagel-
verbindungen. Die Einschlagtiefe vorgebohrter Nägel, auch einschnittiger Sondernä-
gel, muß ss 12 dn betragen, um eine ausreichende Klemmwirkung der Verbindung zu
erzielen.
7.5.1 Beanspruchung rechtwinklig zur Nagellängsachse (Abscheren) 131

Bei Nagelverbindungen von Laubhölzern untereinander oder mit mindestens sieben-


lagigem Bau-Furniersperrholz aus Buche nach DIN 68705 T5 dürfen die zulässigen
Nagelbelastungen nach GI. (7.14) um 50% erhöht werden. Die Laubhölzer und Platten
müssen in solchen Verbindungen stets mit etwa 0,9 dn vorgebohrt werden, dadurch
reduziert sich die Spaltgefahr bei Laubhölzern. Die größere Tragfähigkeit resultiert aus
den höheren Lochleibungsfestigkeiten von Laubhölzern und mindestens siebenlagi-
gem Bau-Furniersperrheiz aus Buche im Vergleich zu Nagelverbindungen mit Nadel-
holz.
Die zulässige Belastung nach GI. (7. 14) gilt auch für Nagelverbindungen von Nadelvoll-
und Brettschichtholz mit Bau-Furniersperrholz nach DIN 68705 T3 und T5 sowie mit
Flachpreßplatten nach DIN 68763 und mit mittelharten und harten Holzfaserplatten
nach DIN 68754 T1, wenn die in Tafel 7.25 angeführten Mindestdicken und Vorausset-
zungen eingehalten werden.
Bei Nagelverbindungen von mindestens siebenlagigem Bau-Furniersperrheiz aus Bu-
che nach DIN 68705 T5 mit Nadelvoll- und Brettschichtholz dürfen die zulässigen Be-
lastungen nach GI. (7. 14) um 20% erhöht werden, dabei können die Mindestdicken für
das Bau-Furniersperrheiz nach Tafel 7.25 um 25% abgemindert werden.
Die Erhöhungen der zulässigen Nagelbelastungen nach GI. (7. 14) können für wichtige
Materialkombinationen Tafel 7.22 entnommen werden.
Weitere zulässige Erhöhungen und erforderliche Ermäßigungen der zulässigen Nagel-
belastungen s. Tafel 7.1.

Tafel 7.22 Erhöhungen der zulässigen Nagelbelastung nach GI. (7.14) für wichtige Materialkombinatio-
nen1) bei Nagelverbindungen im Lastfall H

Nadel- und Brettschichtholz mit Laubholz mit BFU BFU-BU


mit mit
NH/ LH BFU BFU-BU FP,2) LH BFU BFU-BU FP,2) FP, 2) FP,2)
BSH :;;;71agig HFM, 2) :;;;71agig HFM, 2) HFM, 2) HFM, 2)
HFH 2) HFH 2) HFH 2) HFH 2)

nicht vorgebohrt 1,0 1,0 1,0 1,2 1,0 - 1,0 - 1,0 1,0 1,0

vorgebohrt 1,25 1,25 1,25 1,5 1,25 1,5 1,25 1,5 1,25 1,25 1,25
1) Abkürzungen s. Formelzeichenliste
2) Die Nagelspitze muß mindestens 2 dn in Nadelholz, Brettschichtholz, Laubholz oder Bau-Furniersperr-
heiz eindringen

Die zulässigen Nagelbelastungen runder Draht- und Maschinenstifte üblicher Abmes-


sungen können für Nadel-, Laub- und Brettschichtholz auch Tafel7.23 entnommen wer-
den; hierin ist die GI. (7. 14) mit zulässigen Erhöhungen nach Tafel 7.22 ausgewertet. Die
zulässigen Nagelbelastungen von Sondernägeln auf Abscheren sind unter anderem in
Milbrandt [2231. Neuhaus [2821 und Erläuterungen zu DIN 1052 T2 angeführt.
Mindest-Nagelanzahl in einer Scherfläche
Auf Abscheren beanspruchte Nagelverbindungen werden meist ein-, zwei- und (selte-
ner) mehrschnittig ausgeführt, s. Bild 7.28. ln jeder zur Kraftübertragung herangezoge-
nen Fuge müssen mindestens vier Nagelscherflächen liegen, auch wenn rechnerisch
weniger Nägel ausreichen würden. Diese Mindestanzahl von vier Nägeln bewirkt die
notwendige Klemmwirkung der Verbindung und gewährleistet eine mehr flächenhafte
Krafteinleitung.
Bei bestimmten Anschlüssen sind jedoch weniger als vier Nagelscherflächen erforder-
lich wie bei der Befestigung von Schalungen, Latten (Trag- und Konterlatten), Wind-
rispen, ebenso zum Beispiel bei der Befestigung von Sparren, Pfetten und dergleichen
132 7.5 Nagelverbindungen

Tafel 7.23 Holzdicken, Einschlagtiefen und zulässige Belastungen je Nagel und Scherfläche (Abscheren)
im Lastfall H für runde Drahtstifte nach DIN 1151 in Nagelverbindungen von Nadelholz, Brett-
schichtholz und Laubholz nach DIN 1052 T2

Nagel- Mindestholzdicke Mindest- zulässige Nagelbelastung zu IN,


größe a einschlagtiefe s für eine Scherfläche bei
dn X ln Nadelvoll- und Brett- Laubholz
schichtholz
nicht I vor- ein- I mehr- nicht vor- stets
vorgebohrt gebohrt schnittig schnittig vorgebohrt gebohrt vorgebohrt
1/ 10 mm x mm in mm in mm in N in N in N
24
18 X 35 1 ) 22 15 135 170 205
20 3 )
40 1 ) 24
20 X 452) 24 16 165 210 250
20 3 )
45 24
22 x 50 ,) 27 18 200 250 300
20 3 )
55 1 ) 24
25x 60 ,) 30 20 250 310 375
20 3 )
24
28 X 65 1 ) 34 23 305 380 460
20 3 )
65
31 X 70 1 ) 24 38 25 365 460 550
80 1 ) 20 3 )
80 24
34 x 90 ,) 41 27 430 540 650
22 3 )

38 X 100 24 46 30 525 655 785


100
42 X 110 26 51 34 620 775 930
120

46 X 130 30 28 55 37 725 905 1090


140
55 X 160 40 35 66 44 975 1220 1460

60 X 180 50 35 72 48 1125 1405 1690

70 X 210 60 45 84 56 1440 1800 2160

76 X 230 70 45 91 61 1640 2050 2460


260

88 X 260 90 55 106 70 2060 2570 3090


1 ) ist auch als runder Maschinenstift nach DIN 1143 T1 vorhanden
2) ist nur als runder Maschinenstift nach DIN 1143 T 1 vorhanden
3 ) Mindestholzdicke bei Schalungen, bei gehobelten Schalungen darf um 2 mm verkleinert werden

~agel
~~=! L4:~
·

a) Scherfläche b)
Scherflache
7.28 Ein- und zweischnittige Nagelverbindungen, Schema; s Einschlagtiefe
a) einschnittig, b) zweischnittig
7 .5.1 Beanspruchung rechtwinklig zur Nagellängsachse (Abscheren) 133

zum Beispiel auf Bindern und Rähmen sowie von Querriegeln an Rahmenhölzern . Dies
sind nach Erläuterungen zu DIN 1052 T2 Verbindungen, bei denen nachweislich die
anstehenden Lasten von den Verbindungsmitteln in den Nachbaranschlüssen über-
nommen werden können, wenn eine Einzelverbindung versagt oder, die überwiegend
auf Herausziehen beansprucht werden.
Ein-, zwei- und mehrschnittige Nagelverbindungen
Die zulässige Belastung ein-, zwei- oder mehrschnittiger Nagelverbindungen auf Ab-
scheren im Lastfall H kann nach GI. (7 .15) berechnet werden; hierbei darf eine Scher-
fläche als voll wirksam angesehen werden, wenn die in Tafel 7.24 angegebenen Ein-
schlagtiefen von s ~ 12 dn bzw. s~ 8 dn (Solltiefen) eingehalten werden. Sind die Ein-
schlagtiefen geringer als die Solltiefen, müssen die zulässigen Nagelbelastungen ent-
sprechend den Angaben in Tafel7.24 abgemindert oder dürfen bei zu kleiner Einschlag-
tiefe nicht in Rechnung gestellt werden, beziehungsweise bei mehrschnittigen Nagel-
verbindungen darf die der Nagelspitze nächstliegende Scherfläche nicht berücksichtigt
werden .
m Anzahl der Schnitte
zu IN, zulässige Nagelbelastung für
zul Nm= m · zul N 1 eine Scherfläche (einschnittig) (7 .15)
nach GI. (7 .14) oder Tafel7.23

Mehrschnittige Nagelverbindungen mit runden Draht- und Maschinenstiften sowie


Sondenrägeln der Tragfähigkeitsklasse I sind stets von beiden Seiten zu nageln, bei
mehrschnittigen Verbindungen mit Sondernägeln der Tragfähigkeitsklasse II und 111 ist
einseitige Nagelung erlaubt.
Über die Tragfähigkeit runder Drahtstifte in Abhängigkeit von der Einbindelänge des
Nagelschaftes (Einschlagtiefe bzw. Holzdicke) berichten Mähler [2341 und Stoy [3341,
hierüber s. auch Erläuterungen zu DIN 1052 T2.
Tafel 7.24 Einschlagtiefen 1 ) und zulässige Nagelbelastungen bei ein- und mehrschnittigen Nagelver-
bindungen nach DIN 1052 T2
Nageltyp Einschlagtiefe s zul. Nagelbelastung

ein- Drahtstifte, zuiN 1


schnittig Maschinenstifte,
Sondernägel I, 2 ) zu IN, · Sw/12 dn

s < 6dn 0

Sondernägel zuiN,
II und 111 2 )

s < 4dn 0

t t
mehr- Drahtstifte, m-zuiN1
schnittig Maschinenstifte, N/2 N/2
Sondernägel [(m - 1) + Sw/8 d 0 ) · zul N,
- r- ·
I, II und 111 2 )
s < 4dn (m - 1) · zuiN 1

1) s:. Solltiefe, 5w:. tatsächliche (wirksame) Einschlagtiefe


2) als Einschlagtiefe dieser Nägel gilt nur der profilierte Schaftteil / 9 , s. Bild 7.24
134 7.5 Nagelverbindungen

Mindestholzdicken
Bei Nagelverbindungen ohne und mit Vorbohrungen sind die in Tafel 7.25 angegebe-
nen Mindestholzdicken für Nadel-, Laub- und Brettschichtholz sowie Holzwerkstoffe
einzuhalten. Sie können für runde Draht- und Maschinenstifte in Nadel-, Laub- und
Brettschichtholzverbindungen auch Tafel 7.23 entnommen werden.
Mindestholzdicken sind erforderlich, da das Trag- und Verformungsverhalten von Na-
gelverbindungen auch von der Holzdicke der zu verbindenden Hölzer abhängt. Die Min-
destholzdicke verkleinert bei nicht vorgebohrten Nägeln die Spaltgefahr beim Nageln
und bei auftretender nachträglicher Holztrocknung. Bei vorgebohrten Nägeln (im allge-
meinen ohne Spaltgefahr) regeln die auftretenden Lochleibungsspannungen (Grenz-
schlankheit) die Mindestholzdicken. Über Lochleibungsfestigkeiten von Holzwerkstof-
fen s. Dröge/Jäger [37] und Möhler/Budianto/Ehlbeck [255].
Tafel 7.25 Mindestholzdicken a für Nagelverbindungen bei Holz und Holzwerkstoffen nach DIN 1052 T2 5 )
dn allgemein Laubholz Bau-Furnier- Flach preß- harte
Nagel- und sperrholz nach platten nach Holzfaser-
durch- Laubholz DIN 68705 T3 DIN 68763, platten
messer mit BFU- und T5 mittelharte nach
in mm BU 1 ) Holzfaserplatten DIN 68754

nicht a"'E;dn (3+0,8dnl - für dn~4,2 mm


vorgebohrt "'?;24mm a"'E;3dn
für dn>4,2 mm a"'?; 4,5 dn 3 ) 4 ) a"'?;2dn 4 )
vorgebohrt für dn"'?;4,2 mm
a"'?;6dn 2 l a"'?;4dn
a:;;;;6d/)
1) Bau-Furniersperrholznach DIN 68705 T5 aus Buche, mindestens 7 Lagen
2) bei geringeren Holzdicken ist die zulässige Belastung abzumindern: zu IN,· a/(6dnl
3) für dn ~ 4,2 mm sind geringere Plattendicken 3 dn ~ a< 4,5 dn zulässig, wenn die zulässige Belastung
abgemindert wird: zu I N 1 • a/(4,5 · dnl; Plattendicken a< 3 dn dürfen rechnerisch nicht zur Kraftübertra-
gung herangezogen werden
4) bei Verbindungen mit Nadel-, Laub- und Brettschichtholz sowie Bau-Furniersperrholz muß die Nagel-
spitze mindestens 2 d n in dieses Holz oder Sperrholz eindringen
5) die Mindestdicken für Vollholz und Holzwerkstoffplatten nach Tafel 9.10 sind stets einzuhalten mit der
Ausnahme von Schalungen nach Tafel 7.23

Wirksame Anzahl von Nägeln in Anschlüssen und Stößen


Bei mehr als zehn Nägeln, die in Anschlüssen und Stößen hintereinanderliegen, ist
eine reduzierte, wirksame Anzahl nach GI. (7.16) zu berechnen. Mehr als dreißig Nägel
hintereinander dürfen nach DIN 1052 T2 zur Kraftübertragung nicht in Rechnung ge-
stellt werden.
2 n Anzahl der hintereinanderliegenden
efn=10+-(n-10) Nägel, 10<n~30 (7.16)
3
Die Reduzierung der Nageltragfähigkeit bei mehr als 10 Nägel hintereinander wird not-
wendig, da die zu übertragende Kraft sich ungleichmäßig auf die einzelnen Verbin-
dungsmittel verteilt, s. Bild 7.4 und Abschn. 7.1. Anschlüsse und Stöße sind deshalb
möglichst "kurz" auszubilden, der Abstand hintereinanderliegender Nägel sollte nach
Erläuterungen zu DIN 1052 T2 den zweifachen Mindestabstand nach Tafel 7.26 nicht
überschreiten. Über die wirksame Anzahl von Nägeln s. unter anderem Steck [3311 und
Stoy[333].
Mindest-Nagelabstände in Holz-Holz-Verbindungen
ln Holz-Holz-Verbindungen sind die Mindestnagelabstände nach Tafel 7.26 einzuhalten,
sie können für nicht vorgebohrte Nägel auch Bild 7.29 entnommen werden. Neben der
Kraftrichtung ist stets die Faserrichtung des Holzes zu berücksichtigen, einige der in
Tafel 7.26 angeführten Begriffe sind in Bild 7.30 näher erläutert.
7 .5.1 Beanspruchung rechtwinklig zur Nagellängsachse (Abscheren) 135

tt
1 1

i i
I I

a a a
• Nageh~rderseite
a) o Nagelrückseite b)
7.29 Mindest-Nagelabstände nicht vorgebohrter Nägel in Holz-Holz-Verbindungen nach DIN 1052 T2
a) einschnittige Nagelung b) zweischnittige Nagelung
1) bei a< 30°: 5dn bzw. 1dn 1) bei a < 30°: 5dn bzw. 7 dn

Kraftrichtung Krattrichtung

beanspruchter
tN ~N
Rand .l zur
Faserrichtung

--1-:±+.:!- unbeanspruchter
Rand .l zur
Faserrichtung
untereinander
"---? Faserrichtung .l zur Faserrichtung
- beanspruchter Rand
- unbeanspruchter Rand
a) b)
7.30 Erläuterung von Bezeichnungen bei Mindest-Nagelabständen nach Tafel7.26 am Beispiel eines Zug-
und Druckslab-Anschlusses
a) Zugstab-Anschluß, b) Druckstab-Anschluß

Tafel7.26 Mindest-Nagelabstände 1 ) 4 ) in Holz-


Holz-Verbindungen nach DIN 1052 T2

Lage Nagelabstände
zur parallel der
Faser- Kraftrichtung
rich- nicht 2 ) 3 ) vorge-
tung vorgebohrt bohrt

II 10dn(12dn)
untereinander 5dn
.l 5dn

vom beanspruch- II 15dn 10dn


1) im dünnsten Holz
ten Rand
2) Werte in ( ) gelten für dn > 4,2 mm .l
3) bei Douglasie ist abweichend vom Text der DIN 7 dn(10dn) 5dn
1052 T2 gemäß Einführungserlassen bei allen II
vom unbeanspruch-
Nageldurchmessern vorzubohren ten Rand 3dn
.l 5dn
4) s. auch Bild 7.29 und 7.30
136 7.5 Nagelverbindungen

Die Nägel sind im allgemeinen gegenüber der Rißlinie versetzt anzuordnen, s. Bild
7.29, über Ausnahmen hierzu s. Abschn. 7.1. Das Versetzen der Nägel in Faserrichtung
verhindert in der Regel das Eintreiben benachbarter Nägel in dieselbe Faser und ver-
mindert die Spaltgefahr, die mit geringer werdender Holzdicke beziehungsweise wach-
sendem Nageldurchmesser zunimmt.
Bei Douglasie muß abweichend vom Text der DIN 1052 T2 gemäß Einführungserlassen
bei allen Nageldurchmessern vorgebohrt werden, da erhöhte Spaltgefahr vorliegt, s.
Ehlbeck/Siebert [63] und Möhler/Beyersdorfer [252]. Stets vorzubohren sind Laubholz-
Nagelverbindungen.
Da Nägel mit kleinerem Durchmesser dn ~ 4,2 mm geringerer Mindestabstände bedür-
fen als dickere Nägel, übertragen viele dünne Nägel je cm 2 Anschlußfläche größere
Kräfte als wenige dicke Nägel. Vorgebohrte Nägel werden wegen des größeren Arbeits-
aufwandes weniger eingesetzt, obwohl sie aufgrund geringerer Mindestabstände und
höherer zulässiger Belastungen pro cm 2 Anschlußfläche größere Kräfte übertragen
können als vergleichbare nicht vorgebohrte Nägel.
Mindest-Nagelabstände in Holzwerkstoff-Verbindungen
ln Holz-Holzwerkstoff-Verbindungen und in Verbindungen zwischen Bau-Furniersperr-
holz dürfen die Mindestnagelabstände nach Tafel 7.27 angenommen werden, soweit
nicht die Nagelabstände für Nadel-, Laub- und Brettschichtholz maßgebend werden.
Diese gegenüber Holz geringeren Mindest-Nagelabstände bei Holzwerkstoffen ergeben
sich aus der verminderten Spaltgefahr.
Tafel7.27 Mindest-Nagelabstände 1 ) bei Holzwerk- Tafel 7.28 Maximale Nagelabstände für tragende
stoffplatten nach DIN 1052 T2 Nägel und Heftnägel in nicht vorge-
bohrten und vorgebohrten Nagelver-
unter- vom vom bindungen nach DIN 1052 T2
ein- bean- unbean-
an der spruchten spruchten Lage zur Nagelabstände bei
Rand Rand Faser-
richtung Holz Holzwerk-
Bau-Furnier-
4dn 2,5dn stoffplatten
Sperrholz

Flachpreßplatten
II 40dn 40dn 1 )
5dn 1dn
mittelharte unter-
Holzfaserplatten einander
.l
3dn
harte 20dn 40dn 1 )
7,5dn
Holzfaserplatten

1) soweit nicht die Nagelabstände im Holz nach


1) bei Holzwerkstoffplatten mit nur aussteifender
Tafel 7.26 maßgebend werden Funktion: 80 dn

Maximale Nagelabstände bei Holz- und Holzwerkstoff-Verbindungen


Die maximalen Nagelabstände für tragende Nägel und Heftnägel in Holz- und Holz-
werkstoff-Verbindungen können Tafel 7.28 entnommen werden. Durch diese maxima-
len Nagelabstände wird ein Werfen oder Verziehen der Holz- und Holzwerkstoffteile
vermindert. Ist ein Verziehen auszuschließen, wie zum Beispiel beim Anschluß von
Konterlatten an Schalung oder Sparren, brauchen nach Erläuterungen zu DIN 1052 T2
die maximalen Nagelabstände nicht eingehalten zu werden.
Abstände übergreifender Nägel
Nägel, die von zwei verschiedenen Seiten in ein Mittelholz eingeschlagen werden und
sich in diesem übergreifen, werden als .,übergreifende Nägel" bezeichnet. Die erforder-
lichen Mindestabstände sind in Bild 7.31 dargestellt. Liegt die Nagelspitze des einen
7 .5. 1 Beanspruchung rechtwinklig zur Nagellängsachse (Abscheren) 137

Nagels mindestens 8 dn von der Scherfläche des anderen Nagels, darf die Verbindung
nach Bild 7.31 a ausgeführt werden. Bei Holzdicken am kleiner oder höchstens gleich
der Einschlagtiefe s, sind die Mindestabstände in Faserrichtung von 10 d n bzw. 12 d n
nach Bild 7.31 b maßgebend. Liegt die Holzdicke am zwischen den beiden Grenzwerten
s und (s + 8 dn), sind die Mindestabstände in Faserrichtung von 5 d n nach Bild 7.31 c
einzuhalten.
Bei übergreifenden Nägeln ohne ausreichenden Abstand besteht erhöhte Spaltgefahr.
Deshalb sind bei vollständigem Übergreifen nach Bild 7.31 b größere Mindestabstände
erforderlich als bei teilweise übergreifenden Nägeln nach Bild 7.31 c, während bei gerin-
gem Übergreifen nach Bild 7.31 a Mindestabstände in Faserrichtung entbehrlich sind .
a. <1m a.

-t
s Bdn

"'
c
~
~
~
""
al Schnitt A- A
N
j
N
.1:> r-·-·-
$2 Cl
-'-. 1-' c
2
~

E: • Nagelkopf
._ o-P- ;t: • Nagelspitze
l'!
I- . I - . ""
b)
Sdn5dnSdnSdn

"'
c Schnitt B- B
2
-5
~
1.'!
""
c)
7.31 Abstände bei übergreifenden Nägeln 7.32 Mindestnagelabstände nicht vorgebohrter Nägel
(nicht vorgebohrt) nach DIN 1052 T2 bei biegebea nspruchten Stö ßen nach Erläuterun-
a) am ~ ( s + 8d0 ), b ) am ~ S, gen zu DIN 1052 T 2; Werte in ( ) f ür d0 > 4,2 m m
c) s < am < (s + 8d0 ) a) biegesteifer Stoß, b) Stoßdeckung von Koppel-
t rägern

Nagelabstände bei biegebeanspruchten Stößen


Bei biegesteifen Stößen und bei der Stoßdeckung von Koppelträgern sind die Mindest-
abstände nach Bild 7.32 einzuhalten. ln diesen Verbindungen gelten alle Ränder als
beansprucht, die Mindestabstände der Tafel 7.26 sind unabhängig von der Kraftrich-
tung nur auf die Faserrichtung des Holzes zu beziehen. Diese Mindestabstände werden
erforderlich, da die Kraftrichtung in biegesteifen Stößen nicht eindeutig festliegt, sie
kann sich für verschiedene Lastfälle ändern. Darüber hinaus erzeugen senkrecht zur
Faser w irkende Kräfte hohe Ouerzugspannun gen, die bei zu kleinen Nagelabständen
zum Aufreißen des Holzes f ühren können.
138 7.5 Nagelverbindungen

Querschnittsschwächungen durch Nägel


Bei vorgebohrten Nagellöchern, bei nicht vorgebohrten Nägeln mit dn > 4,2 mm und
stets bei Nägeln in Bau-Furniersperrholz sind die entstehenden Querschnittsschwä-
chungen im Holz oder in den Holzwerkstoffplatten bei bestimmten Spannungsnachwei-
sen zu berücksichtigen, hierüber s. Abschn. 9.6. Dabei ist der Nageldurchmesser rech-
nerisch als Schwächung anzusetzen. Bei dünnen, nicht vorgebohrten Nägeln mit
dn ~ 4,2 mm ist die Berücksichtigung einer Querschnittsschwächung nicht erforderlich,
da diese beim Eintreiben die Faser überwiegend zur Seite drücken und das Holz nur in
geringem Maße zerstören.

7 .5.2 Beanspruchung in Richtung der Nagellängsachse (Herausziehen)

Zulässige Belastung eines Nagels auf Herausziehen


Die zulässige Belastung eines Nagels auf Herausziehen wird für den Lastfall H nach
GI. (7.17) berechnet.
Bz Festwert nach Tafel 7.29
dn Nageldurchmesser in mm, bei Sonder-
zuiNz= Bz · dn · Sw in N nägeln der glatte Schaft, s. auch Bild 7.24 (7.17)
5w wirksame Einschlagtiefe in mm einschließ-
lich Nagelspitze, s. auch Tafel 7.29

Runde Draht- und Maschinenstifte sowie Sondernägel der Tragfähigkeitsklasse I dürfen


nur kurzfristig (zum Beispiel durch Windsogkräfte) auf Herausziehen beansprucht wer-
den, wenn die Einschlagtiefen nach Tafel 7.29 eingehalten werden. Sondernägel der
Tragfähigkeitsklasse II und 111 dürfen kurzfristig und ständig auf Herausziehen bean-
sprucht werden, auch hier sind die Einschlagtiefen nach Tafel 7.29 einzuhalten.
Die zulässigen Nagelbelastungen von runden Draht- und Maschinenstiften sowie von
Sondernägeln auf Herausziehen können Milbrandt [223) und Neuhaus [282) entnom-
men werden.

Tafel 7.29 Beanspruchungsart, Einschlagtiefen und Werte Bz für Nagelbeanspruchung auf Herausziehen
nach DIN 1052 T2

Beanspruchungsart Einschlagtiefen Werte ßz3 )


nach
Mindest- maximal GI. (7.17)
in Rechnung
zu stellen in N/mm 2

runde Draht- und


Maschinenstifte nur kurzfristig
20dn 1,3 I o.s•)
(z. B. Windsog- 12dn
Sondernägel 1 ) kräfte) 1,8
Tragfähigkeitsklasse I

Sondernägel 1 )
1,/) 2,5
Tragfähigkeitsklasse II
kurzfristig
Bdn
Sondernägel 1 ) und ständig
3,2
Tragfähigkeitsklasse 111

1) Vorgebohrte Sondernägel dürfen auf Herausziehen nicht in Rechnung gestellt werden


2) Länge des profilierten Schaftteils, s. Bild 7.24
3) die Rechenwerte Bz sind für Nadelholz ermittelt worden, sie gelten auf der sicheren Seite liegend auch
für Laubholz
4) im Anschluß von Koppelpfetten, wenn infolge Dachneigung ständig auf Herausziehen beansprucht bis
zur Dachneigung y:;;;3Q 0
7.5.3 Kombinierte Nagelbeanspruchung 139

Runde Draht- und Maschinenstifte dürfen im Anschluß von Koppelpfetten ständig auf
Herausziehen beansprucht werden, wenn diese Beanspruchung infolge der Dach-
neigung auftritt und die Dachneigung y = 30° nicht überschreitet. Für diesen Fall ist in
GI. (7.17) der Wert Bz = 0,8 N/mm 2 zu setzen.

Vorgebohrte Sondernägel dürfen auf Herausziehen nicht in Rechnung gestellt werden.


Bei Nagelverbindungen von Holzwerkstoffplatten an Holz dürfen die zulässigen Bela-
stungen nach GI. (7.17) für Sondernägel der Tragfähigkeitsklasse II und 111 nur bei Plat-
tendicken der Holzwerkstoffe d?;; 12 mm in Rechnung gestellt werden. Bei geringeren
Plattendicken besteht die Gefahr des Kopfdurchziehens, so daß die zulässige Belastung
auf Herausziehen in diesen Fällen rechnerisch höchstens 150 N betragen darf.
Erforderliche Ermäßigungen der zulässigen Nagelbelastungen auf Herausziehen
Die zulässigen Nagelbelastungen nach GI. (7.17) sind um 1/ 3 abzumindern, wenn
- runde Draht- und Maschinenstifte in halbtrockenes oder frisches Holz eingeschlagen
werden; auch dann, wenn das Holz nachtrocknen kann,
- Sondernägel in frisches Holz eingeschlagen werden und die Holzfeuchtigkeit im Ge-
brauchszustand im Fasersättigungsbereich bleibt (gilt nicht, wenn das Holz im Ge-
brauchszustand nachtrocknen kann).
Diese Ermäßigungen der zulässigen Nagelbelastungen gelten nicht für Laubhölzer der
Gruppe C nach Tafel 8.1.
Weitere erforderliche Ermäßigungen und zulässige Erhöhungen der zulässigen Bela-
stungen s. Tafel7.1.
Bei Nagelbeanspruchungen auf Herausziehen ist unter anderem die Haftkraft maßge-
bend. Glattschattige Nägel besitzen keine ausreichende Verzahnung mit dem Holz; die
Haftkraft dieser Nägel ist von der Haftreibung abhängig, die bei ständiger Belastung
ohne Übergang plötzlich versagen kann. Deshalb dürfen glattschattige Nägel nur kurz-
fristig auf Herausziehen beansprucht werden, im Gegensatz zu Sondernägeln der Trag-
fähigkeitsklasse II und 111, die kurzfristig und ständig auf Herausziehen belastet werden
können, da ihr profilierter Schaftteil ausreichende Verzahnung mit dem Holz besitzt,
hierüber s. auch Möhler/Ehlbeck [257), über glattschattige Nägel in Koppelpfettenan-
schlüssen Brüninghoff [19) sowie über den Einfluß der Holzfeuchtigkeit auf die Haft-
kraft Abschn. 7.2.

7 .5.3 Kombinierte Nagelbeanspruchung

Bei gleichzeitiger Beanspruchung eines Nagels auf Abscheren und Herausziehen ist
der Interaktionsnachweis nach GI. (7.18) zu führen.
N1 Nagelbeanspruchung auf Abscheren

( vorh N,)m + (vorh Nz)m ~ 1 Nz


nach GI. (7.14), s. Abschn. 7.5.1
Nagelbeanspruchung auf Herauszie- (7.18)
zuiN1 zuiNz hen nach GI. (7.17), s. Abschn. 7.5.2
m Potenzexponent nach Tafel 7.30

Tafel 7.30 Potenzexponenten m in GI. (7.18) nach DIN 1052 T2

runde Draht- und Maschinenstifte Sondernägel der Tragfähigkeitsklasse


allgemein I bei Koppelpfettenanschlüssen I I II I 111
m 1 1,5 1 1 2 1 2
140 7.6 Nagelverbindungen mit Stahlteilen und Stahlblechen

Kombinierte Nagelbeanspruchungen treten zum Beispiel bei Stahlblech-Holz-Nagelun -


gen und bei geneigten Koppelpfetten-Anschlüss en auf. Sie lassen sich im allgemeinen
durch Sondernägel besser übertragen als durch glattschattige Nägel. Letztere dürfen
nur kurzfristig auf Herausziehen beansprucht werden mit der Ausnahme in Koppelpfet-
ten-Anschlüssen, in der glattschattige Nägel auch ständig auf Herausziehen belastet
werden dürfen, s. Abschn. 7.5.2. Über die kombinierte Nagelbeanspruchung s. auch
Ehlbeck/Siebert [62].
Nach Erläuterungen zu DIN 1052 T2 darf auf den Nachweis nach GI. (7.18) für Sonder-
nägel der Tragfähigkeitsklassen II und 111 mit m = 2 verzichtet werden, wenn das Verhält-
nis vorh N 1/zul N, oder vorh Nz/zul Nz nicht größer als 0,25 ist.

7.6 Nagelverbindungen mit Stahlteilen und Stahlblechen

Holzbauteile aus Nadel-, Laub- und Brettschichtholz dürfen nach DIN 1052 T2 mit Stahl-
teilen und Stahlblechen durch Nagelung verbunden werden. Stahlteile sind Stahlpro-
file wie L-, C:::-, T-, 1.-, I- und Hohlprofile sowie kaltverformte, räumliche Stahlblech-
formteile, die im allgemeinen außenliegend durch einschnittige Nagelung an die Holz-
teile angeschlossen werden. Stahlbleche sind ebene Bleche, die innen- und außenlie-
gend in Holzquerschnitten ein-, zwei- oder mehrschnittig ausgeführt werden können.
Stahlblechformteile und ebene Stahlbleche müssen Mindest-Biechdicken von t= 2 mm
besitzen, s. Tafel 7.31. Als Verbindungsmittel dürfen runde Draht- und Maschinenstifte
sowie Sondernägel nach Abschn. 7.5 benutzt werden. Sondernägel müssen bei Stahl-
blechformteilen eingesetzt werden, wenn die Nägel auch planmäßig auf Herausziehen
beansprucht werden.
Die Stahlteile und Stahlbleche sind mit dem erforderlichen Lochdurchmesser vorzu-
bohren oder zu stanzen. Das Vorbohren der Nagellöcher im Holz ist bei einschnittigen
Verbindungen im allgemeinen nicht erforderlich, andernfalls ist ein Bohrlochdurchmes-
ser von höchstens 0,9 dn zu verwenden, s. Tafel 7 .31.
Stahlblechformteile, ebene Stahlbleche und Stahlprofile bedürfen eines ausreichenden
Korrosionsschutzes, s. Abschn. 7.16 und 8.1.3.

Tafel 7.31 Erforderliche Blechdicken, Nägel und Bohrungen für Nagelverbindungen mit Stahlteilen und
Stahlblechen nach DIN 1052 T2

Blechdicke t Nägel Vorbohren/Stanzen Vorbohren 2 ) des


des Stahles mit Holzes mit Bohr-
in mm Lochdurchmesser Iochdurchmesser

Stahlblech-
formteile 2 mm;;; t;;; 4 mm - runde Draht· 1 ) - dn für runde -
(einschnittig) und Draht· und
Maschinenstifte 1 ) Maschinenstifte
Stahlprofile - - dn für Draht· und
- Sondernägel -nach Ein·
Maschinenstifte
mit stufungsschein
Eignungsnach· der Sondernägel - nach Einstufungs·
weis schein Sondernägel

ebene - dn für mehr-


Stahlbleche ~2mm schnittige Fälle
nach Bild 7.35
1) nur bei Beanspruchung auf Abscheren verwenden
2) im allgemeinen ist ein Vorbohren im Holz für einschnittige Verbindungen nicht erforderlich
7.6 Nagelverbindungen mit Stahlteilen und Stahlblechen 141

Nagelverbindungen mit Stahlblechformteilen


Stahlblechformteile sind fabrikmäßig hergestellte, kaltverformte Stahlbleche zur Ver-
bindung von Holzbauteilen, die bezogen auf die Holzteile außen liegen und einschnittig
im allgemeinen durch Sondernägel verbunden werden . Stahlblechformteile dürfen nur
in Holzkonstruktionen mit vorwiegend ruhender Belastung eingesetzt werden . Bild 7.33
zeigt Beispiele von Stahlblechformteilen ohne bauaufsichtliche Zulassung . Die Trag-
fähigkeit dieser und weiterer Stahlblechformteile ist rechnerisch nachzuweisen, dabei
sind alle Querschnittsschwächungen und Ausmittigkeiten zu berücksichtigen, hierüber
s. auch Gränzer/Ruhm [98], Riberholt [300] und Schutte [327] . Oft bieten die Hersteller-
firmen geprüfte statische Berechnungen oder Tragfähigkeitstabellen auch auf der
Grundlage von Typenprüfungen an .

b)

7.33 Stahlblechformteile ohne bauaufsichtliche Zulassung; Beispiele


a) Winkelverbinder, b) Universialverbinder, c) Gerbergelenk-Verbinder, d) Sparrenpfettenanker,
e) Sparrenfuß-Verbinder, f) Sparrenfußschuh, g) Stahlträger-Balkenverbinder, h) (Stahi-)Beton-Fiach-
stahlanker

Bei einigen Stahlblechformteilen wie Balkenschuhen ist die Tragfähigkeit rechnerisch


nicht eindeutig erfaßbar. ln diesen Fällen sind bauaufsichtliche Zulassungen erforder-
lich, die auf der Grundlage von Versuchen die Standsicherheit der Nagelverbindung
von Holz-Stahlblechformteil nachweisen. Balkenschuhe sind ein- und zweiachsig bean-
spruchbar, hierüber s. Eh/beck/Gör/acher [55] . Bild 7.34 zeigt einen einachsig (in senk-
rechter Richtung) belasteten Balkenschuh-Anschluß.
Die rechnerischen Nachweise von Balken-
schuhen sind den bauaufsichtliehen Zu-
lassungen zu entnehmen; sie können
auch neben weiteren Stahlblechfarmtei-
len Gögge/ ]96], Milbrandt [223], [224],
Neuhaus [282), Scheer/Bauer [312], Wer-
ner [349), Wemer/Steck [3501 entnommen
werden.
Nagelverbindungen mit Stahlblechform-
teilen ersetzen in vielen Fällen alte zim-
mermannsmäßige, oft aufwendige Ver-
bindungen zwischen Holzbauteilen. Stahl- 7.34 Balkenschuh-Anschluß
142 7.6 Nagelverbindungen mit Stahlteilen und Stahlblechen

blechformteile lassen sich auf der Baustelle gut ausnageln, da die erforderlichen Nägel
in bereits vorhandene Lochungen der Stahlbleche eingeschlagen werden .
Nagelverbindungen mit Stahlprofilen
Stahlprofile oder zusammengesetzte, geschweißte Stahlquerschnitte werden bei gro-
ßen Anschlußkräften, besonders im Holzleimbau, eingesetzt. Als Verbindungsmittel
kommen überwiegend Stabdübel, Paßbolzen, Bolzen, Dübel besonderer Bauart und
Holzschrauben, in einigen Fällen auch Nägel zur Anwendung . Die Stahlprofile sind un-
ter Berücksichtigung der Querschnittsschwächungen nachzuweisen; Nägel und zuge-
hörige Bohrungen sind nach Tafel 7.31 auszubilden. Nagelabstände in Stahlteilen kön-
nen nach DIN 18800 T 1 entsprechend den Schraubenverbindungen gewählt werden,
Nagelabstände in Holzteilen sind Abschn. 7 .5.1 zu entnehmen.
Die zulässigen Nagelbelastungen auf Abscheren nach GI. (7 .14) dürfen um 25% erhöht
werden.
Nagelverbindungen mit ebenen Stahlblechen, t~2 mm
Ebene Stahlbleche können außen- und innenliegend, zwischen Holzteilen oder in Holz-
schlitzen ein- oder mehrschnittig nach Bild 7.35 ausgeführt werden . Die erforderlichen
Blechdicken und Nägel sind in Tafel 7.31 angegeben.

t t

s s
i1

b)
7.35 Holzdicken und Einschlagtiefen bei Nagelverbindungen mit ebenen Stahlblechen (Stahlblech-Holz-
Verbindungen) nach DIN 1052 T2
a) einschnittig, b) zweischnittig, c) vierschnittig, d) sechsschnittig

Tafel 7.32 Anforderungen an Nagelverbindungen mit außenliegenden, ebenen Stahlblechen G2 mm


ohne versetzte Anordnung benachbarter Nägel nach DIN 1052 T2 1 )
Nagel- einseitige Nagelung beidseitige Nagelung übergreifende Nägel

t t
durehrnasser
dn
in mm E
t t r-
E
~-1 ~-1 t
't:i" ~
~- 4 .

• v\t
-ti'

t
~ ~~ ..!. ~
~ ~ ~~~ ~ ~
~
-~
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rtili- ~~w. 3s

~ ~ ~ J ~ J ~
Mindestabstände
Holzdicke a Holzdicke a Holzdicke a Holzdicke a
in Faserrichtung

a i;;; s
dn ;;; 4,2 a ;;;; 2 · s - a < 2s e ui;;; 10dn
i;;; 10dn

a i;;; 1,5 · s
dn > 4,2 - ai;;;3s a< 3s e 11 ;;;; 12dn
i;;; 15dn

1) gilt abweichend vom Text der DIN 1052 T2 nicht für Douglasie gemäß Einführungserlassen
7.7 Nagelplattenverbindungen 143

Die zulässigen Nagelbelastungen auf Abscheren nach GI. (7 .14) dürfen um 25% erhöht
werden .
Beim einschnittigen Anschluß nach Bild 7.35a ist ein Vorbohren des Holzes in der Regel
nicht erforderlich, bei mehrschnittigen Anschlüssen nach Bild 7.35b, c, d sind die Na-
gellöcher im allgemeinen gleichzeitig in Holz- und Stahlblechteilen mit dem notwendi-
gen Bohrlochdurchmesser vorzubohren. Bei außenliegenden Stahlblechen darf auf
eine versetzte Anordnung der Nägel nach Bild 7.3 oder 7.29 verzichtet werden, wenn
die Anforderungen der Tafel 7.32 eingehalten werden . Demnach können bei dünneren
Nägeln auch geringere Holzdicken eingesetzt werden als bei dickeren Nägeln. Die
Stahlbleche sind in jedem Fall zu stanzen oder vorzubohren . Der Abstand der Nägel
vom Blechrand muß mindestens 2,5 dn, bei nicht versetzter Anordnung mindestens
2 dn betragen.
Bei druckbeanspruchten Nagelverbindungen besteht die Gefahr des Ausbeulens der
ebenen Stahlbleche; hier ist auf einen guten Kontakt der verbundenen Hölzer zu ach-
ten; gegebenenfalls werden zusätzliche Maßnahmen für eine ausreichende Beulsicher-
heit erforderlich. Bei zugbeanspruchten Nagelverbindungen ist ein rechnerischer
Nachweis der Stahlbleche unter Berücksichtigung der Querschnittsschwächungen
durch die Nagellöcher zu führen. Über Untersuchungen zur Nagelung ebener Stahlble-
che s. Ehlbeck/Görlacher [52) und Mähler [235).
Zug- und Druckstöße sowie Fachwerkknoten werden unter anderem mit ebenen Stahl-
blechen ausgeführt. Mehrere Stahlbleche hintereinander erhöhen die Schnittigkeit der
Nägel und damit die Kraft, die auf .. kleiner" Anschlußfläche übertragen werden kann.
Als Verbindungsmittel werden auch Stabdübel oder Paßbolzen eingesetzt, s. Abschn.
18.
Sonderbauweisen bei Nagelverbindungen mit ebenen Stahlblechen
Nagelverbindungen mit Blechdicken t< 2 mm unterliegen nach Erläuterungen zu
DIN 1052 T2 bauaufsichtliehen Zulassungen . Diese als Sonderbauweisen bezeichneten
Stahlblech-Holzverbindungen sind zum Beispiel "Greimbau", s. Abschn . 18, und "VB-
Bauweise". ln weiterer, neuerer Sonderbauweise mit bauaufsichtlicher Zulassung kön-
nen abweichend von DIN 1052 T2 auch ebene Stahlbleche mit Dicken 2,0 mm ~ t
~ 3,0 mm ohne Vorbohren in Stahlblech-Holzverbindungen eingesetzt werden. Herstel-
lung, Konstruktion und zulässige Belastungen dieser Sonderbauweisen sind in den Zu-
lassungen geregelt, hierüber s. lrmschler [159) mit meist jährlich aktuellem Stand.
Sonderbauweisen bei Balkenanschlüssen
Bei Balkenanschlüssen können die in Abschn . 22.6 angeführten Sonderbauweisen mit
.. innen liegenden" Stahlauflagen eingesetzt werden, sie ermöglichen verdeckt liegende
Anschlüsse.

7. 7 Nagelplattenverbindungen

Nagelplatten nach DIN 1052 T2 bestehen


aus verzinktem oder korrosionsbeständi-
gem Stahlblech mit Blechdicken zwischen
mindestens 1,0 mm und max. 2,5 mm. Sie
besitzen einseitige nagel- oder dübelar-
tige Ausstanzungen, die etwa rechtwink-
lig zur Plattenebene abgebogene Nägel
ergeben, s. Bild 7.36. Nagelplattenverbin- 7.36 Nagelplatte, schematische Darstellung
144 7.7 Nagelplattenverbindungen

dungen dürfen nur bei Holzbauteilen aus Nadelholz nach DIN 1052 T1 eingesetzt wer-
den, die vorwiegend ruhend belastet sind . Nagelplatten müssen eine bauaufsichtliche
Zulassung besitzen, in der Form, Materialkennwerte, Korrosionsschutz, Abmessungen,
zulässige Belastungen und dergleichen mehr festgelegt sind.
Nagelplatten werden als Knotenplatten für industriell gefertigte Holzfachwerke einge-
setzt wie Dachbinder in Dreieck-, Pult- oder Parallelform, stehende oder liegende Aus-
steifungsverbände, Zwei- und Dreigelenkrahmen kleinerer und mittlerer Spannweite,
Lehrgerüste und dergleichen mehr.
Nagelplattenkonstruktionen werden stets aus einteiligen Stabquerschnitten glei-
cher Dicke hergestellt; die Nagelplatten werden beidseitig außen und symmetrisch an-
geordnet und mit hydraulischen Pressen in einem Arbeitsgang in die zu verbindenden
Hölzer eingedrückt. Bei Fachwerkknoten werden im allgemeinen alle Gurt- und Füll-
stäbe mit einem Nagelplattenpaar angeschlossen, s. Bild 7.37.

7.37
Anschluß eines Fachwerkknotens
Ansicht Schnitt A-A mit einem Nagelplattenpaar

Die Einbindetiefe dE muß größer 50 mm sein . Die Hölzer müssen trocken sein
(u~ 20%), bei Holzdicken über 4 cm darf die Holzfeuchtigkeit im lnnern bis zu 25% be-
tragen .

Zulässige Belastung von Nagelplattenverbindungen


Die zulässigen Belastungen sind den bauaufsichtliehen Zulassungen zu entnehmen .
Bei der Bemessung der Nagelplatten sind die Nagel- und Plattenbeanspruchungen
nachzuweisen.

Nachweis der Nagelbeanspruchungen


Der Nachweis der Nagelbeanspruchung für Zug-, Druck- und Scherkräfte wird nach
GI. (7 .19) geführt.

vorh Fn ~ 1
(7.19)
zuiFn

Die Nagelbelastung Fn ist die Belastung, die bei der Übertragung der Kräfte vom Holz
in die Platte entsteht; sie ist abhängig vom Winkel a zwischen Kraft- und Plattenlängs-
richtung sowie vom Winkel ß zwischen Kraft- und Faserrichtung des Holzes, s. Bild
7.38. Die Nagelbelastung Fn kann für verschiedene Anschlüsse und Stöße Tafel 7.33
entnommen werden .
7.7 Nagelplattenverbindungen 145

al
7.38 Nagelplattenverbindung eines Fachwerkkno- Nagelplatte
tens nach DIN 1052 T2, Berechnungsgrößen
dE Einbindetiefe in die Gurthölzer,
dE ~ 50 mm
c Randstreifen
a Winkel zwischen Kraft- und
Plattenlängsrichtung
ß Winkel zwischen Kraft- und
Faserrichtung des Holzes
Schnittlänge bl

-
Plattenlängsrichtung
7.39 Nagelplattenverbindung eines Fachwerkkno-
tens nach DIN 1052 T2
Holzfaserrichtung
a) wirksame Plattenanschlußfläche As auf
Scheren,
wirksame Plattenanschlußfläche b) Plattenbelastung Fs auf Scheren

Die Nagelbelastung wird auf die wirksame Plattenanschlußfläche bezogen, s. Bild 7.38.
Die wirksame Plattenanschlußfläche ist die Bruttoberührungsfläche zwischen Nagel-
platte und Holzstab, von der ein Randstreifen c (c mindestens 10 mm) an den Berüh-
rungsfugen und an den freien Rändern der Hölzer abgezogen wird. Der Randstreifenab-
zug wird erforderlich, da die in der Nähe der Holzränder eingepreßten Nägel keine oder
kaum eine Kraftübertragung übernehmen können .
Bei Scherbeanspruchung tragen nach Erläuterungen zu DIN 1052 T2 nur Nägel, die in
der Nähe der Scherfläche liegen. Die Breite der wirksamen Plattenanschlußfläche darf
deshalb höchstens mit 0,55 ·le in Rechnung gestellt werden, s. Bild 7.39.
Als maximal wirksame Plattenfläche bei Scherbeanspruchung kann deshalb nur die
Plattenfläche nach GI. (7 .20) in Rechnung gestellt werden.

max As = (0,55 · le - c) le c Randstreifen (7 .20)


Ie Sch nittlänge s. Bild 7.38 und 7.39

Die zulässigen Nagelbelastungen sind bei Traufknoten von Dreiecksbindern nach GI.
(7.21) je nach vorhandenem Dachneigungswinkel y0 abzumindern. Diese Abminderung

'1 = 0,85 für y0 ;;;; 15° (7.21 a)


'1 = 1,15 - 0,02 - y 15°< YD< 25° (7.21 b)
'1 = 0,65 YD~ 25o (7 .21 c)
wird nach Erläuterungen zu DIN 1052 T2 wegen der auftretenden Zwängungsschnitt-
größen und Ausmittigkeiten erforderlich, die an Traufknoten von Dreiecksbindern im
allgemeinen größer sind als an anderen Anschlüssen.
146 7.7 Nagelplattenverbindungen

Bei Druckstößen und rechtwinkligen Druckanschlüssen kann die gesamte zu übertra-


gende Kraft auch durch Kontakt (Fiächenpressung) übertragen werden. Al s Lagesiche-
rung sind jedoch beidseitig Nagelplatten anzuordnen, die für die Hälfte der zu übertra-
genden Kraft auszulegen sind.
Nachweis der Plattenbeanspruchung
Der Nachweis der Plattenbeanspruchung für Zug-, Druck- und Scherkräfte wird nach
GI. (7.22) und (7 .23) geführt, je nach Vorhandensein einer oder mehrerer Schn ittkräfte.
Der Nachweis ist im ungünstigsten Schnitt, jedoch stets ohne Abzug der Stanzlöcher
zu führen. Der ungünstigste Schnitt liegt im allgemeinen in der Berührungsfuge der
Hölzer, s. Bilder 7.38 und 7.39; jedoch existieren in einigen Knoten auch andere ungün-
stige Schnitte, s. Erläuterungen zu DIN 1052 T2.
- bei Übertragung nur einer Schnittkraft

vorh Fz.o,s 3 1 Plattenbelastung bei (7 .22)


Fz Zugbeanspruchung
zu I Fz.o,s F0 Druckbeanspruchung
Fs Scherbeanspruchung

- bei gleichzeitiger Übertragung von Zug oder Druck sowie Abscheren in einem
Schnitt:

( vorh F2 , 0 ) + (vorh Fs) 3 1


2 2
(7.23)
zul Fz,o zu I Fs
Die Plattenbelastungen Fz.o und Fs sind die Belastungen, die bei der Weiterleitung der
Kräfte in der Platte entstehen:
- Plattenbelastung Fz.o bei Zug- und Druckbeanspruchungen in Abhängigkeit vom
Winkel a zwischen Kraft- und Plattenlängsrichtung bezogen auf die Schnittlänge,
s. Bild 7.38,
- Plattenbelastung Fs bei Scherbeanspruchungen in Abhängigkeit vom Winkel a zwi-
schen Kraft- und Plattenlängsrichtung bezogen auf die Schnittlänge le, s. Bild 7.39
und 7.40.
Bei Scherbeanspruchungen ist zwischen Zug- und Druckscheren zu unterscheiden,
s. Bild 7.40. Da bei Druckscheren in den Platten örtliches Beulen auftreten kann, sind
die zulässigen Belastungen bei Druckscheren geringer als bei Zugscheren .
I,

a) b) L- 7 Plattenlängsrichtung
7.40 Zug- und Druckscheren bei Nagelplatten nach DIN 1052 T2
a) Zugscheren (a < 90°). b) Drucksc heren (90°< a < 180°)

Die Plattenbelastungen Fz.D und Fs können für verschiedene Anschlüsse und Stöße
der Tafel 7.33 entnommen werden .
Bei Druckstößen und rechtwinkligen Druckanschlüssen kann die gesamte zu übertra-
gende Kraft wie bei der Nagelbelastung, s. oben, auch durch Kontakt (Fiächenpres-
sung) übertragen werden . Als Lagesicherung sind beidseitige Nagelplatten anzuord-
nen, die für die Hälfte der zu übertragenden Kraft auszulegen sind .
7.8 Holzschraubenverbindungen 147

Querzugspannungsnachweis
Bei bestimmten Nagelplattenanschlüssen sind die im Holz auftretenden Querzugspan-
nungen rechnerisch nachzuweisen, hierüber s. Abschn. 7.13. ln diesen Anschlüssen
besteht die Gefahr des Aufreißens des Holzes quer zur Faser, bevor die Tragfähigkeit
der Nägel oder der Platte erreicht ist. Deshalb müssen Nagelplatten bei Gurthölzern
mindestens eine Einbindetiefe von dE =50 mm besitzen, s. Bild 7.37, 7.38 und 7.39; bei
reinen Querzuganschlüssen sind diese Einbindetiefen möglichst groß zu wählen.

Tafel 7.33 Nagel- und Plattenbelastungen bei Nagelplatten nach Erläuterungen zu DIN 1052 T2

Anwendungsfall Nagelbealstung 1 ) Plattenbelastung 2 )


bei I Anschluß einer Fn Fz.o.s

1 Zugkraft Z Fn = Z/(2 ·An) Fz=Z/(2 · s)


2 Druckkraft 0 Fn = 0/(2 ·An) F0 =0/(2·s)
3 Scherkraft S Fn = S/(2 · A 5 ) Fs= S/(2 · s)
Druckstoß und rechtwinkligem
Druckanschluß, wenn die gesamte
4 Fn = 0,5 · 0/(2 ·An) F0 =0,5 · 0/(2 · s)
Kraft durch Kontakt der Hölzer
übertragen werden kann

Kombinierter Beanspruchung
5 Fn= J(2 ·ZAJ + (2 ·SAJ
aus Zug und Scheren

r
Kombinierter Beanspruchung
F0 = 0,5 · 0/(2 · s)
aus Druck und Scheren; zusätz-
6
lieh ist nachzuweisen, daß die
gesamte Druckkraftkomponente 0 Fn = J(!!!3_)\ (~
2·An 2-A.
F5 = S/(2 · s) 3 )
durch Kontakt der Hölzer über-
tragen werden kann

1) An wirksame Plattenanschlußfläche einer Nagelplatte


A. wirksame Plattenanschlußfläche einer Nagelplatte auf Scheren, s.GI. (7.20)
2) s wirksame Plattenlänge einer Nagelplatte im ungünstigsten Schnitt ohne Abzug der Schwächung
durch Stanzlöcher
3) S Scherkraftkomponente

Weitere Konstruktions- und Berechnungshinweise können den Zulassungsbescheiden,


den Ergänzungsunterlagen der Nagelplattenhersteller, den Erläuterungen zu DIN 1052
T2, Gögge/ [96), Milbrandt [224), Scheer/Bauer [3121 und Wemer/Steck [350) entnom-
men werden; über bauaufsichtliche Zulassungen s. lrmschler [159) mit jährlich aktuel-
lem Stand.

7.8 Holzschraubenverbindungen

ln tragenden Holzschraubenverbindungen nach DIN 1052 T2 dürfen nur Holzschrauben


nach DIN 96, DIN 97 und DIN 571 verwandt werden, s. Bild 7.41. Holzschrauben können
bei Verbindungen Holz/Holz sowie beim Anschluß von Holzwerkstoffplatten und Stahl-
blechen/-teilen an Holz eingesetzt werden. Holzschraubenverbindungen werden ein-
schnittig ausgeführt. Die zu verbindenden Teile sind vorzubohren. Holzschrauben müs-
sen maschinell oder von Hand eingedreht werden.
Werden sie auch in vorgebohrte Löcher eingeschlagen, zerstört das Schraubengewinde
das Holz erheblich. Dadurch wird die Tragfähigkeit auf Abscheren und besonders die
148 7.8 Holzschraubenverbindungen

rg
a
7.41
g

b) r-----'1',------t
Holzschrauben in tragenden Verbindungen nach DIN 1052 T2 mit s9 ;;;: 0,6 ·ls
a) Halbrund-Holzschrauben mit Schlitz nach DIN 96 1 )
b) Senk-Holzschrauben mit Schlitz nach DIN 97 1 )
c) Sechskant-Holzschrauben nach DIN 571
1) Halbrund-Holzschrauben mit Kreuzschlitz nach DIN 7996 und Senk-Holzschrauben mit Kreuzschlitz nach
DIN 7997 mit d. = 4,5 und 6 mm dürfen nach Erläuterungen zu DIN 1052 T2 ebenfalls eingesetzt werden

auf Herausziehen stark herabgesetzt. ln diesem Fall dürfen die zulässigen Belastungen
nicht in Rechnung gestellt werden.
Zulässige Belastung rechtwinklig zur Schraubenachse (Abscheren)
Die zulässige Belastung im Lastfall H ist für Nadel-, Laub- und Brettschichtholz sowie
für Bau-Furniersperrholz nach DIN 68705 T3 und T5 aus GI. (7 .241 für Kraftangriff in
Faserrichtung des Holzes zu errechnen.
zu IN= 4 · a1 · ds in N a, Holz- bzw. Bau-Furniersperrholzdicke (7.24)
in mm des anzuschließenden Teiles,
~ 17 d~ s. Bild 7.42
d5 Nenndurchmesser der Holzschraube
in mm, s. Bild 7.42

Beim Aufschrauben von Stahlteilen auf Holz gilt GI. (7.25).


zuiN=1,25·17·d~ inN (7.25)
Für Holzschrauben mit einem Nenndurchmesser d 5 ~ 10 mm ist die zulässige Belastung
nach GI. (7.24) und (7 .25) bei Kraftangriff rechtwinklig oder schräg zur Faserrichtung
des Holzes mit Yfs nach GI. (7.26) abzumindern. Für Holzschrauben mit d 5 < 10 mm gel-
ten die zulässigen Belastungen ohne Abminderung nach GI. (7 .26).
Yfs = 1- a/360° (für ds~ 10 mm) a Winkel Kraft- zur Faserrichtung des (7.26)
Holzes, a :::i 90°

Die zulässige Belastung nach GI. (7 .24) gilt auch für Flachpreßplatten und mittelharte
Holzfaserplatten mit einer Dicke a~6 mm und harte Holzfaserplatten mit a ~ 4 mm,
wenn sie auf Holz aufgeschraubt werden . Dabei muß die Länge des glatten Schaftes
mindestens der Plattendicke a entsprechen.
Die zulässigen Belastungen von Holzschraubenverbindungen können in Tafelform un-
ter anderem auch Milbrandt [2231. Scheer/Bauer [312] und Erläuterungen zu DIN 1052
T2 entnommen werden.
Über zulässige Erhöhungen und erforderliche Ermäßigungen der zulässigen Belastun-
gen s. Tafel 7 .1.
Mindestdurchmesser, Scherflächen, Abstände, Vorbohren, Einschraubtiefen
von tragenden Holzschrauben
ln Tafel 7.34 sind weitere Festlegungen für tragende Holzschraubenverbindungen ent-
halten. Die Einschraubtiefen s müssen mindestens 8 d s betragen, s. Bild 7.42; andern-
falls ist die zulässige Belastung nach Tafel 7.34 abzumindern oder darf nicht in Rech-
nung gestellt werden. Die zu verbindenden Teile sind stets auf die Tiefe des glatten
Schaftes mit ds und auf die Länge des Gewindeteils mit 0,7 ds vorzubohren. Die Min-
destabstände der Holzschrauben sind wie bei vorgebohrten Nägeln nach Tafel 7.26
einzuhalten.
7.8 Holzschraubenverbindungen 149

Tafel7.34 Mindestdurchmesser, Scherflächen, Abstände, Vorbohren, Einschraubtiefen in tragenden Holz-


schraubenverbindungen aus Nadel-/Laubholz und Bau-Furniersperrheiz nach DIN 1052 T2

Nenn- Scher- Abstände Vorbohren Einschraubtiefen s


durch- flächen der zu ver-
messer bindenden
min. min. 1 ) min . max 2 ) Teile s zuiN

d. für wie in Faser- _i Faser- glatter s ~ ad. zuiN


~ 4mm d5 < 10mm: vorge- richtung richtung Schaft:
4 bohrte des Holzes; des Holzes d.
Nägel bei Holzwerk- 4d5 :;ii s < 8d. zuiN · s / Bd.
für stoffplatten Gewinde-
d. ~ 10 mm: teil :
40d. 20d.
2 0,7 . d. s < 4d5 0
1) gilt nicht für die Befestigung von Einzeltraggliedern, von denen mindestens vier zum Anschluß eines
Bauteiles zusammenwirken (z. B. Kreuzungspunkte von Lattenrosten, Abhänger für untergehängte Dek-
ken und ähnliches)
2) gilt auch für Heftschrauben

Wirksame Anzahl von Holzschrauben in Anschlüssen und Stößen


Liegen mehrere Holzschrauben in Kraftrichtung hintereinander, empfehlen Erläuterun-
gen zu DIN 1052 T2, die wirksame Anzahl von Holzschrauben entsprechend den Fest-
legungen für Nagel- und Stabdübelverbindungen nach GI. (7.27) bzw. GI. (7 .28) zu er-
rechnen- in Abhängigkeit vom Nenndurchmesser der Holzschrauben, hierüber s. auch
Abschn . 7.1 und Bild 7.4. Mehr als dreißig bzw. zwölf Holzschrauben hintereinander
dürfen demnach nicht in Rechnung gestellt werden.
-für Holzschrauben mit ds < 10 mm, ab n > 10:
2 n Anzahl der in Kraftrichtung
efn=10 + -(n-10) hintereinanderliegenden Holz- (7 .27)
3 schrauben, 10 < n :;;i 30

-für Holzschrauben mit d;?:; 10 mm, ab n > 6:


2
efn=6+-(n-6) 6 < n :;;i 12 (7 .28)
3

7.42
Holzdicken und Einschraubtiefen
bei Holzschrauben nach DIN 1052
T2 s >Sg

Holzschraubenverbindungen auf Abscheren verhalten sich nach Mähler [238) bei klei -
nen Durchmessern (d5 < 10 mm) etwa wie Nagelverbindungen, bei großen Durchmes-
sern (d5 ?:; 10 mm) wie Stabdübelverbindungen . Daraus erklären sich die oben angege-
benen unterschiedlichen Festlegungen bei kleinen und großen Holzschraubendurch-
messern .
150 7.9 Klammerverbindungen

Zulässige Belastung in Richtung der Schraubenachse (Herausziehen)


Holzschrauben können kurzfristig und ständig auf Herausziehen beansprucht werden,
wenn sie ordnungsgemäß eingedreht sind. Die zulässige Belastung im Lastfall H ist für
trockenes Holz (u< 20%) unabhängig von der Holzfeuchtigkeit beim Einschrauben nach
Tafel 7.34 aus GI. (7.29) zu berechnen.
s9 Einschraubtiefe in mm des Gewinde-
zu1Nz=3 · s9 · d 5 in N teiles im Holz mit der Dicke a2 , (7.29)
s. Bild 7.42, mit 4d5 ~s9 ~ 12d5

Zulässige Erhöhungen und erforderliche Ermäßigungen dieser zulässigen Belastung


können Tafel 7.1 entnommen werden. Einschraubtiefen s9 < 4 d 5 bzw. s9 > 12 d 5 dürfen
rechnerisch nicht berücksichtigt werden.
Beim Anschluß von Holzwerkstoffplatten an Nadelholz darf die zulässige Belastung
nach GI. (7.29) nur angesetzt werden, wenn die Dicke der Holzwerkstoffplatten
a 1 ~ 12 mm beträgt; bei a1 < 12 mm ist die zulässige Belastung auf Herausziehen wegen
der Kopfdurchziehgefahr auf zu I Nz~ 150 N zu beschränken.
Nach Erläuterungen zu DIN 1052 T2 sollten Holzschrauben mit Senkkopf nach DIN 97,
s. Bild 7.41, nicht auf Herausziehen beansprucht werden; Holzschrauben nach DIN 96
und DIN 571 auch nur dann, wenn das zu befestigende Bauteil eine dem Nadelholz
mindestens gleichwertige Querdruck- und Durchstanzfestigkeit besitzt und die Ein-
schraubtiefe nur mit s9 ~7 d5 rechnerisch berücksichtigt wird, andernfalls sind Unter-
legscheiben nach DIN 436 oder DIN 440 zu verwenden.
Bei Beanspruchung auf Herausziehen darf nur die Einschraubtiefe s9 des Gewindeteiles
in Rechnung gestellt werden, s. Bild 7.42; der glatte Schaft bleibt wegen unzureichen-
der Haftkraft stets unberücksichtigt. Da bei großen Einschraubtiefen die Holzschrauben
im Kernquerschnitt des Gewindeteils versagen können, dürfen Einschraubtiefen
s9 > 12 d5 rechnerisch nicht angesetzt werden.
Kombinierte Holzschraubenbeanspruchung
Bei gleichzeitiger Beanspruchung von Holzschrauben auf Abscheren und Herausziehen
ist der Interaktionsnachweis nach GI. (7.30) zu führen.

( vorh N) 2
+ (vorh Nz) 2
~1 zu IN nach GI. (7.24)
(7.30)
zu I Nz
zu I Nz nach GI. (7.29)
zu IN

Der fachgerechte Einbau von Holzschrauben nach DIN 1052 T2 ist arbeitsaufwendig,
da die zu verbindenden Teile mit zwei unterschiedlichen Bohrlochdurchmessern vorge-
bohrt und die Holzschrauben eingedreht werden müssen. Der Einsatz von Spezialboh-
rern, die die Bohrlöcher in einem Arbeitsgang herstellen, kann den Arbeitsaufwand
mindern. Holzschrauben werden unter anderem in Verbindungen eingesetzt, in denen
Beanspruchungen in und rechtwinklig zur Schraubenachse übertragen oder die zu ei-
nem späteren Zeitpunkt ohne größeren Aufwand gelöst werden müssen.

7.9 Klammerverbindungen

Tragende Klammern nach DIN 1052 T2 dürfen nur bei Verbindungen von Holzbauteilen
aus Nadelholz (Voll- und Brettschichtholz) untereinander und bei Verbindungen von
Holzwerkstoffplatten an Nadelholzbauteile eingesetzt werden. Tragende Klammern
müssen bestimmte Abmessungen besitzen, s. Bild 7.43. Der Klammerquerschnitt ist
kreisrund bis tonnenförmig; die Klammerschenkel sind mindestens auf die Länge LH
7.9 Klammerverbindungen 151

zu beharzen, dadurch wird das Eintreiben und der Ausziehwiderstand der Klammer
verbessert, s. Abschn . 7.5 "Beharzte" Nägel.
Die Tragfähigkeit einer Klammer entspricht etwa der von zwei Nägeln. Klammern wer-
den mit Eintriebgeräten verarbeitet (maschinelle Nagelung). Sie bedürfen eines Eig-
nungsnachweises (Prüfbescheinigung) . Tragende Klammerverbindungen werden über-
wiegend in der Holztafelbauweise (Holzwerkstoffplatten an Vollholzrippen). aber auch
bei Schalungen und Lattungen eingesetzt.
Drahtdurchmesser:
1,5 mm dn 2,0 mm A-A

,
~ ~
~ (vergrößert)
Rückenbreite der Klammer:
bR ~ 6dn Al .!A
~ 15mm
- ~
Schaftlänge:
..: n

Ln~ 50 dn

beharzter Klammerteil:
/H ~ 0,5/n 7.43 Tragende Klammern nach DIN 1052 T2

Zulässige Belastung rechtwinklig zum Klammerschaft (Abscheren)


Die zulässige Belastung im Lastfall H ist für Nadelholz und für Holzwerkstoffplatten
nach GI. (7 .31) bei einschnittigen Verbindungen unabhängig von der Sortierklasse des
Holzes zu errechnen . Dabei muß der Winkel a zwischen Klammerrücken und Holzfaser-
richtung a~30° sein, s. Bild 7.44.
Ist der Winkel a zwischen Klammerrücken und Holzfaserrichtung a < 30°, muß die zu-
lässige Belastung nach GI. (7 .31) um 1/ 3 abgemindert werden, da infolge des geringen
Abstandes der Klammerschenkel (bR ~ 15 mm) die Tragfähigkeit auf Abscheren herab-
gesetzt wird (Spaltgefahr).

zu IN = 1000 · d~ in N dn Drahtdurchmesser der Klammer


(7 .31)
in mm, s. Bild 7.43
1
10 + dn

~ 15d, ~ 10d/ ~151d, ~15d0 ~15d,


!1d, ) (1d,) !1d,) (1d, l
7.44 Mindestabstände in Klammerverbindungen bei Zug- und Druckbeanspruchung in Abhängigkeit vom
Winkel a zwischen Klammerrücken und Holzfaserrichtung nach Erläuterungen zu DIN 1052 T2; Rand-
abstände (7 dnl bei Druckbeanspruchung
152 7.9 Klammerverbindungen

Die Holzwerkstoffplatten und das Nadelholz müssen Mindestdicken, die Klammern be-
stimmte Einschlagtiefen nach Tafel 7.35 aufweisen. Die Klammerrücken müssen min-
destens bündig mit der Holz- oder Plattenoberfläche eingetrieben werden, ein Versen-
ken des Klammerrückens um mehr als 2 mm ist unzulässig, s. Tafel 7.35. Die Mindest-
klammerabstände können Bild 7.44 entnommen werden . Sie entsprechen denen von
Nägeln nach Abschn . 7 .5.1.

Tafel 7.35 Mindestdicken, Lage des Klammerrückens, Einschlagtiefen und zulässige Belastung auf Ab-
scheren im Lastfall H für tragende Klammern nach DIN 1052 T2

Höhenlage des Mindestdicken in mm von Einschlagtiefen s und zu I. Belastung bei


Klammerrückens Nadel-/ Flach- Bau-Fur- mittelharte/ einschnittiger I zweischnittiger 2 )
bezogen auf die Brett- preßplat- niersperr- harte Holz- Verbindung')
Holz-/Platten- schicht- ten nach holznach faserplatten s bei zuiN 1, s bei zuiN1
aberfläche holz DIN68763 DIN68705 DIN 68754 a ~ 30°3 ) GI. (7.31) a ~ 30° 3 ) GI. (7 .31)

bündig = zulässig

Tr
versenkt = zulässig
24 8 6 6 ~ 12dn zuiN 1 ~ 8dn 2 · zuiN 1

Tf
E
E

24 10 8 8 ~ 12dn zui.N 1 ~ 8dn 2 . zui.N1

nicht zulässig

1f
E
E

- - - - - - - -

TITI
nicht zulässig

- - - - - - - -

1) Winkel a zwischen Klammerrücken und Holzfaserrichtung


2) Klammern sind wechselseitig von beiden Seiten einzutreiben
3) bei a < 30° sind zu I N1 bzw. 2 · zu I N 1 um 1/ 3 abzumindern

Die maximalen Klammerabstände sind bei Nadelholz in Faserrichtung auf 80 dn und


rechtwinklig zur Faserrichtung auf 40 dn zu beschränken; bei Holzwerkstoffplatten soll
80 dn nicht überschritten werden. Bei sich übergreifenden Klammern gelten die glei-
chen Abstände wie bei Nägeln nach Bild 7.31.
Die wirksame Klammeranzahl in Anschlüssen und Stößen bei mehr als zehn hinterein-
anderliegenden Klammern ist entsprechend der Nagelverbindung nach GI. (7.16) zu
berechnen.
Das Versetzen von Klammern in Faserrichtung nach Bild 7.3 ist nach Erläuterungen zu
DIN 1052 T2 wegen des geringen Schaftdurchmessers nicht erforderlich .
7.9 Klammerverbindungen 153

Zulässige Belastung in Richtung des Klammerschaftes (Herausziehen)


Die zulässige Belastung einer Klammer auf Herausziehen wird bei kurzfristiger Bean-
spruchung im Lastfall H und HZ analog einer Nagelbeanspruchung, s. auch Abschn.
7.5.2, nach GI. (7.32) berechnet. Ist der Winkel zwischen Klammerrücken und Holzfaser-
richtung a< 30°, dann ist die zulässige Belastung nach GI. (7.32) um 1/ 3 abzumindern,
da die Tragfähigkeit auf Herausziehen abnimmt, wenn die Richtungen von Klammer-
rücken und Holzfaser gleich oder fast gleich verlaufen, s. auch Bild 7.44.
Bz. Festwert nach Tafel 7.36 in Abhän-
gigkeit von der Holzfeuchtigkeit
zuiNz= Bz · dn · Sw in N dn Klammerdurchmesser in mm nach (7.32)
Bild 7.43
5w wirksame Einschlagtiefe in mm
nach Tafel 7.36

ln frisches Holz (u>30%) eingeschlagene Klammern dürfen nicht auf Herausziehen in


Rechnung gestellt werden, auch wenn das Holz im Gebrauchszustand nachtrocknen
kann, da der Ausziehwiderstand von Klammern in frischem Holz stark abfällt.
Werden Klammern langfristig oder ständig auf Herausziehen beansprucht, muß nach
DIN 1052 T2 eine bauaufsichtliche Zulassung diese Einsatzmöglichkeit regeln.

Tafel 7.36 Beanspruchungsart, Einschlagtiefen und Werte Bz für Klammerbeanspruchung auf Heraus-
ziehen nach DIN 1052 T2

Beanspruchungsart Einschlagtiefen 5w Werte Bz nach GI. (7.32)


Mindest- maximal in Rech- Holzfeuchtigkeit Bz (a;;;30o)3)
nung zu stellen uin% in N/mm 2

nur sw;;;12dn Sw~IH 1 ) trocken: u~ 20% 5,0


kurzfristig ;;:;20 mm ~ 20dn
im halbtrocken: 20% < u -;; 30% 1,75
Lastfall
Hund HZ frisch: 2 ) u > 30% 0

1) beharzte Länge, s. Bild 7.43


2) nicht auf Herausziehen in Rechnung stellen, auch wenn Holz im Gebrauchszustand nachtrocknen kann
3) zulässige Belastung um 1/ 3 abmindern, wenn Winkel zwischen Klammerrücken/Holzfaserrichtung a<30°
ist

Die Dicken von Holzwerkstoffplatten müssen a;:;; 12 mm betragen, wenn die zulässigen
Belastungen auf Herausziehen nach GI. (7.32) angesetzt werden. Liegen die Plattendik-
ken a< 12 mm, ist wegen der Kopfdurchziehgefahr wie bei Nägeln auch bei Klammern
die zulässige Belastung auf Herausziehen auf zul Nz"2i 150 N je Klammer zu begrenzen.
Zulässige Erhöhungen und erforderliche Ermäßigungen der zulässigen Belastungen
können Tafel 7.1 entnommen werden (ausgenommen die Erhöhung im Lastfall HZ bei
Klammerbeanspruchung auf Herausziehen, s. oben).
Kombinierte Klammerbeanspruchung
Bei gleichzeitiger Beanspruchung auf Abscheren und Herausziehen ist der Interaktions-
nachweis nach GI. (7.33) zu führen.

( vorh N 1 ) + (vorh Nz) "2i 1 zuiN, nach GI. (7.31)


(7.33)
zu I Nz nach GI. (7.32)
zuiN1 zuiNz
Über das Tragverhalten von Klammern berichtet Mähler [244); zulässige Belastungen
handelsüblicher Klammern sind in Milbrandt [2231 zusammengestellt; über bauauf-
sichtliche Zulassungen s. lrmschler [159) mit jährlich aktuellem Stand.
154 7.10 Bauklammerverbindungen

7.10 Bauklammerverbindungen

Bauklammern nach DIN 1052 T2 dürfen in Dauerbauten nur für untergeordnete Zwecke
eingesetzt werden, zum Beispiel als zusätzliche Sicherung von Sparren und Pfetten
gegen Abheben. ln temporären Bauten, zum Beispiel bei Gerüsten, dürfen sie jedoch
bestimmte, geringe Kräfte übertragen. Bau- beziehungsweise Gerüstklammern sind
nach DIN 7961 aus Rund-, Vierkant- oder Flachstahl, im allgemeinen Stahlgüte St37-2,
herzustellen, s. Bild 7.45.

tJtl
t2 t2
$ "300 "300
_,
.j

-"·- -·
' '\
~

'
~
~
I
II
II

V_
al
7.45
-
--
Bauklammern nach DIN 7961; Beispiele
~ 6 b) --~i--
a) Form A m it ru ndem Querschnitt, b) Form B mit quadratischem Querschnitt

Bauklammern werden seit altersher als Verbindungsmittel im Gerüst- und Dach bau, bei
der Montage und zusätzlichen Sicherung von Holzkonstruktionen eingesetzt. Derzeit
verdrängen Gerüste aus Metall beziehungsweise Leichtmetall und neuartige Verbin-
dungstechniken die Bauklammern aus ihren Einsatzgebieten.

Die zulässige Belastung einiger Klammertypen sind in Tafel 7.37 zusammengestellt. Da


sich Bauklammern, die parallel zum Klammerrücken auf Zug belastet werden, stark
verformen, sollte der Klammerrücken voll anliegen oder bei nur teilweise eingeschla-
gener Bauklammer sollte eine Krümmung des Rückens durch Ausfutterung des Luft-
spalts verhindert werden, s. Bild 7.46.
Werden Bau- bzw. Gerüstklammern als Auflager z. B. in Gerüsten nach Bild 7.47 einge-
setzt, können die zulässigen Belastungen nach Tafel 7.38 angesetzt werden. Da die Ver-
formung einer Klammer aus der Belastung als Gerüstauflager gering ist, erhöht sich
die Tragfähigkeit im Vergleich zur Zugbelastung nach Tafel 7.37.

Tafel 7.37 Zulässige Belastung 1 ) 2 ) vo n Bau- bzw. Gerüstklammern bei Bea nspruchung auf Zug parallel
zum Klammerrücken nach Fonroben [69]

Baukla m m er Gerüstklammer

Flachstahl 5/25 mm Rundstahl 0 16 mm Rundstahl 0 20 mm


I = 250 bis 300 mm 1= 300 mm / = 400 mm

voll ein-
2,0 4,5 4,5
zulässige g eschlagen
Belastung
in kN
halb ein· - 2,0 3,5
geschlagen

1) Sicherheit gegen Bruch: v = 2,75


2) nur in tem porären Bauten, z. B. bei Gerüsten, rechnerisch anset zen
7.11 Versätze 155

Ausfuttern
des Luftspalts
mit Holzstück Streichstange
erhöht die
Tragfähigkeit

Gerüststange

Bauklammerrücken
voll halb
eingeschlagen
7.46 Zugstoß von Kanthölzern mit Bauklammern, 7.47 Bau- bzw. Gerüstklammern als Auflager bei
nur bei temporären Bauten (z. B. Gerüsten) Gerüsten
verwenden
Tafel 7.38 Zulässige Belastung für eine Gerüst-
klammer aus Rundstahl 0 16 mm, I =
Die Tragfähigkeit von Bau- bzw. Gerüst- 300 mm, bei Ausbildung als Auflager
klammern ist wegen der großen Verfor- entsprechend Bild 7.47 nach Fonrobert
[69] und Erläuterungen zu DIN 1052 T2
mungen unter Last gering, deshalb ist das
Einsatzgebiet stark eingeschränkt wie Einschlagtiefe s in mm 33 45 55
oben angeführt. Über das Tragverhalten
zuiF in kN 3,0 5,0 7,5
von Bauklammern s. Fonrobert [68) .

7.11 Versätze

Versätze sind "alte" zimmermannsmäßige Holzverbindungen, die nur Druckkräfte über-


tragen können . Sie werden neben den Zapfen, s. Abschn. 13.9, als einzige traditionelle
Zimmermannsverbindung in DIN 1052 T2 mit einigen Festlegungen behandelt. Von der
Vielzahl der " alten" Versätze werden derzeit im Ingenieurholzbau vorwiegend noch der
Stirnversatz sowie der Brust- und Fersenversatz als einfache Versätze eingesetzt, von
den doppelten Versätzen der Stirn-Fersenversatz.
Die Kraftübertragung geschieht über Flächenpressung (Kontakt) in den Druckflächen
der Hölzer. Versätze sind stets in ihrer Lage zu sichern , z. B. durch Sondernägel, Heftbol-
zen oder beidseitig genagelte Laschen . Versätze werden zum Anschluß von schrägen
Druckstäben verwandt, zum Beispiel bei Fachwerkträgern zum Anschluß von Füllstä-
ben an Gurthölzer, bei Kopfbändern und bei Streben; ihre Kenntnis wird auch in zuneh-
mendem Maße für die Sanierung und Erhaltung älterer Bauwerke notwendig.
Kraftübertragung in Versätzen
Die Kraftübertragung in Versätzen des Ingenieurholzbaus kann rechnerisch ermittelt
werden im Gegensatz zu den Versätzen des " alten" Zimmermanns, der nur Erfahrungs-
werte besaß. Sie wird am Beispiel des Stirnversatzes näher beschrieben wie bereits
unter anderem auch bei Dröge!Stoy [39), Heimeshoff [135] und Troche [338), [340),
[341) .
Die übertragbare Druckkraft eines Versatzes ist abhängig von den zulässigen Druck-
spannungen in den geneigten Versatzflächen sowie den entsprechenden Flächen des
lastaufnehmenden Stabes und von der Größe der Versatzfläche. Nach Bild 7.48 wird
die zu übertragende Druckkraft S in die Komponenten N und D aufgeteilt, die senkrecht
auf die Stirn- und Rückenfläche wirken.
156 7.11 Versätze

7.48
Stirnversatz; Kraftübertragung durch
voll anliegende Stirn- und Rückenflä-
che, idealisierte Annahme

Durch Schwinden des Holzes senkrecht zur Faser, durch unvermeidbare Ungenauigkei-
ten bei der Herstellung und auch durch geringes Verdrehen der Stäbe können sich die
Versatzflächen öffnen ; besonders in der Rückenfläche entsteht eine größere klaffende
Fuge, so daß die Kraftübertragung nach Bild 7.48 als idealisierte Annahme angesehen
werden muß.
Die Druckkraft S wird deshalb im Regelfall rechnerisch nur in der Stirnfläche nach Bild
7.49 durch die Normalkraft N und die Schubkraft T übertragen; dadurch vergrößert
sich der ausmittige Anschluß von S gegenüber dem Anschluß nach Bild 7.48. Bei der
Bemessung wird nur die Normalkraft N in Rechnung gestellt. Die Schubkraft T wird
durch Reibung in der Stirnfläche übertragen (Reibkraft über kurze Fläche) oder in ei-
nem anderen Rechenmodell über den vorderen Teil der Rückenfläche; sie braucht rech-
nerisch im allgemeinen nicht nachgewiesen zu werden, da die zur Kraftübertragung
zur Verfügung stehende Teil-Rückenfläche meist ausreichend groß ist.

J
~ 7.49
.__f-----r'----.,1--- -- + - - - - - - l --L Stirnversatz; Kraftübertragung
nur in der Stirnfläche

Die günstigste Neigung der Stirnfläche liegt bei Halbierung des stumpfen Anschluß-
winkels ß vor, s. Bild 7.49; dies führt zum kleinsten Wert für den Winkel a/2 zwischen
Kraft- und Faserrichtung, damit zur größten zulässigen Druckspannung zu I O"o 1: nach
GI. (8.1) und zur geringsten Einschnittiefe tv 1 bzw. zur geringsten Querschnittsschwä-
chung des Gurtstabes.
Die aufnehmbare Druckspannung in der Stirnfläche nach Bild 7.49 errechnet sich nach
GI. (7 .34); mit GI. (7 .35) und (7.36) wird sie auf die Druckkraft Sund auf die für die
Herstellung notwendige Einschnittiefe fv 1 bezogen:
7.11 Versätze 157

N S · cos 2 (a/ 2)
aDa/2 = - - (7 .34) aDa/2= (7.37)
a -b mit Bezeichnungen
N= S · cos(a/2) (7 .35) nach Bild 7.49
8 = tv,/COS (a/2) (7 .36) (7 .38)
Die Ausmitte, mit der S im Druckstab über die Stirnfläche angeschlossen wird, errech-
net sich aus GI. (7 .38).

7.50
Schubspannungsverteilung
(Abscheren) in der Vorholzfläche eines
lvt
Stirnversatzes nach Troche [339]

Der Gurtstab wird in der Scherfläche nach Bild 7.49 auf Abscheren beansprucht. Die
Schubspannungen in dieser Vorholzfläche (Scherfläche) sind nach Bild 7.50 ungleich-
mäßig verteilt; ihr größter Wert liegt im Bereich der Stirnfläche und geht mit zuneh-
mender Vorholzlänge gegen Null. Für praktische Berechnungen kann jedoch eine
gleichmäßige Verteilung der Schubspannungen nach GI. (7 .39) angenommen werden,
da die Überschreitung von rm bei der Festlegung der zulässigen Schubspannungen
berücksichtigt wurde und die rechnerisch erforderliche Vorholzlänge einen maximalen
Wert nicht überschreiten sollte, s. unten.
H
r =r= - - (7 .39) H = S · cosa (7.40)
m lvl · b

1 _ S · cosa (7 .41) mit Bezeichnungen nach Bild 7.50


vl- b. zulra

Mit GI. (7 .40) errechnet sich die erforderliche Vorholzlänge lv1 nach GI. (7 .41 ). Nach
Heimeshoff [135) sollte die Vorholzlänge mit 20 cm 2i lv 1 2i 8 tv 1 in Rechnung gestellt
werden . Eine Mindestvorholzlänge von 20 cm ist wegen eventuell auftretender
Schwind-(Trocken-)risse und der Spaltgefahr des Holzes zu wählen .
Einschnittiefen und Vorholzlängen von Versätzen
Bei Versätzen werden oft keine zulässigen Belastungen angegeben, sondern aus prakti-
schen Erwägungen die erforderlichen Einschnittiefen tv und Vorholzlängen lv, die bei
der Herstellung der Versätze benötigt werden; sie können entsprechend der Herleitung
für den Stirnversatz auch für andere Versätze bestimmt werden . Neben diesen genaue-
ren Berechnungen lassen sich auch Näherungsformeln für die Einschnittiefen ableiten,
=
die für praktische Berechnungen bei den üblichen Winkeln a 30° bis 60° hinreichend
genau sind und zügige Berechnungsergebnisse ermöglichen.
Einschnittiefen, Vorholzlängen, Ausmitten und Näherungsberechnungen derzeit übli-
cher Versätze sind in Tafel 7.39 angegeben ebenso wie die zulässigen Einschnittiefen,
die bei einseitigen Versätzen vom Anschlußwinkel a und der Höhe des eingeschnitte-
nen Holzes abhängig sind .
Stirn- und Brustversatz besitzen eine höhere Tragfähigkeit als der Fersenversatz, der Stirn-
Fersenversatz als doppelter Versatz überträgt die Kräfte der beiden einzelnen Versätze.
158 7.11 Versätze

Ausmittiger Anschluß bei Versätzen


Beim Stirn- und Fersenversatz werden die Druckkräfte ausmittig angeschlossen, s. Tafel
7.39, während beim Brust- und Stirn-Fersenversatz die Ausmitte praktisch gleich Null
ist. Über die Berücksichtigung der Ausmitten bei der Bemessung von Anschlüssen mit
Versätzen s. Abschn. 9.8.
Lagesicherung von Versätzen
Als stets notwendige Lagesicherung von Versätzen können Heftbolzen, beidseitig auf-
genagelte Laschen oder Sondernägel eingesetzt werden, s. Bild 7.51. Die Lagesiche-
rung ist planmäßig nicht zur Kraftübertragung heranzuziehen. Heftbolzen oder Sonder-
nägel werden oft etwa senkrecht zur Rückenfläche angeordnet.
Herstellung von Versätzen
Bei Versätzen ist eine hohe Paßgenauigkeit der Kontaktflächen sicherzustellen, um klaf-
fende Fugen und damit nicht planmäßige örtliche Überbeanspruchungen möglichst
auszuschließen; deshalb sollte trockenes Holz (u < 20%) eingesetzt werden, um ein ge-
ringes nachträgliches Schwinden zu erreichen .
Beim Fersenversatz sollte zwischen vorspringendem Zahn und Gurtholz eine ausrei-
chend offene Fuge angeordnet werden, um Rißbildungen in der einspringenden Ecke
zum Beispiel beim Verdrehen des Stabes auszuschließen; der Zahn kann auch ganz
abgeschnitten werden, da er keine Kraft überträgt.
A
!ll.asdlen
tleid7errige

{I
a) b

I
--+--·--·--'-
hl
" J, I

Stahlplatte

c)
7.51 Lagesicherung von Versätzen am Beispiel des 7.52 Versatzkonstruktionen in besonderen An-
Stirnversatzes schlüssen; Beispiele
a) Heftbolzen a) beidseitig angedübelte Laschen
b) beidseitig aufgenagelte Laschen b) Aufdübeln eines Vorholzes
c) Schraub- oder Rillennägel (Sondernägel) c) Anordnen eines Stahlschuhs mit einseiti-
gen Dübeln besonderer Bauart
7.11 Versätze 159

Tafel7.39 Einschnittiefen tv. Vorholzlängen l v und Ausmitten e1 ) bei Versätzen


Versätze genauere Näherungsberechnung
Berechnung für Nadelholz S 10
Stirnversatz

5 1 · cos 2 (a/ 2) 5,
=0,7 . b
2)

~
t vl = tvl
b · zu I ao <: a t 2
5 1 · cosa 3)
lvl =
b · zulra
e = 0,5(ho - tv,l
b

Brustversatz

5 1 · cos 2 (a/2)
lvl =
b · zulao <: at 2
5 1 · cosa 3)
2 l v1 =
b · zulra

e=O

Fersenversatz

5 2 · cosa
tv2 = -"-"----:...::..C-"--
b · zulao<:a
3 5 2 · cosa 3)
/ v2 = --"---
b ·zu I ra

e = 0,5 (ho - .!..::3_)


cosa
Stirn-Fersenversatz (doppelter Versatz)
5
=1,12 • b
2)
5 = 5, + 52 4)
tv2
lv2 = 5 · cosa 3)
4 b · zulra

tv1 ~ 0,8 · tv2


~ tv 2 - 1,0cm
lv2 e=O
zulässige Einschnittiefen nach DIN 1052 T2
einseitiger Versatz zweiseitiger Versatz
" ~ 50° 51" 52° 53° 54 ° 55° 56° 57" 58° 59° ~ 60°

0,250 0,242 0,233 0,225 0,217 0,209 0,200 0,192 0,184 0,175 0,167
zu I tv h h h h h h h h h h h

a Anschlußwinkel
5 h Höhe des eingeschnittenen Holzes, entspricht in den Zeilen 1
bis 4 der Höhe hG
tv Einschnittiefe
1) Ausmitten nach Heimeshoff[135]
2) S in kN ; tv• bin cm
3) Vorholzlängen lv: 20 cm ~ lv ~ 8 · tv, Empfehlung nach
Heimeshoff [ 135] unabhängig vom
4 ) s. Zeile 1 bzw. 3 (Stirn- bzw. Fersenversatz) Anschlußwinkel
160 7.12 Eingeleimte Gewindestangen

ln besonderen Anschlüssen können die Konstruktionen nach Bild 7.52 Bedeutung fin-
den. Die Tragfähigkeit eines Versatzes läßt sich beispielsweise durch beidseitig angedü-
belte Laschen erhöhen, s. Bild 7.52 a. Wenn der Gurtquerschnitt durch den Einschnitt
tv nicht geschwächt werden soll, kann ein Vorholz nach Bild 7.52 b aufgedübelt werden.
Dazu ist eine große Vorholzlänge erforderlich. Durch einen Stahlschuh nach Bild 7.52c
läßt sich die Vorholzlänge .,zurückverlegen".
Bemessungshilfen üblicher Versätze können Heimeshoff [1351. Milbrandt [2231. Neu-
haus [282). Scheer/ Bauer [312] und Werner [349] entnommen werden.
Über Berechnung und Konstruktion von Versätzen s. auch Dröge/Stoy [39]. Fonrobert
[69]. Lehmann/Stolze [208]. Troche [339] und Wemer/Steck [350]. Krabbe [184] ermittelt
den Spannungszustand in einem Versatz.

7.12 Eingeleimte Gewindestangen

ln Brettschichtholz eingeleimte Gewindestangen aus Stahl werden in DIN 1052 T2


nicht als mechanische Verbindung behandelt. Sie dürfen derzeit nur mit bauaufsichtli-
cher Zustimmung im Einzelfall als tragende Verbindung eingesetzt werden. Die in die-
sem Abschn. dargestellten Ausführungen gehen auf die Untersuchungen von Mähler/
Hemmer [265] zurück.
Eingeleimte Gewindestangen können in Schaftrichtung Zug- und Druckkräfte übertra-
gen und quer zur Schaftrichtung auf Abscheren beansprucht werden. Sie können längs
und quer zur Faserrichtung des Brettschichtholzes eingeleimt werden. Sie eignen sich
zur Kraftübertragung, Verstärkung und zusätzlichen Sicherung in Anschlüssen und Stö-
ßen, insbesondere in gekrümmten Trägern, im Firstbereich von Satteldachträgern, bei
ausgeklinkten und durchbrochenen Brettschichtträgern sowie bei gelenkigen und ein-
gespannten Stützen. Bild 7.53 zeigt Anwendungsbeispiele.
,., ~

~
~
a) b) c) d)
7.53 Anwendungsbeispiele für eingeleimte Gewindestangen aus Stahl nach Möhler/ Hemmer[265]
a) Firstbereich von Satteldachträgern, b) Ausklinkung, c) eingespannte Stütze, d) Biegestoß

Gewindestangen
Die Gewindestangen bestehen aus Stahl St37 und St 52 mit einem Mindestdurchmes-
ser von 8 mm (Nenndurchmesser M8). Die Gewindestangen müssen mindestens auf
der vorgesehenen Einleimlänge eine rechteckige Längsnut von ca. 3,5 mm Breite und
ca. 7 mm 2 Querschnitt besitzen, durch die der überschüssige Leim beim Eindrehen der
Gewindestange austritt, s. Bild 7.54. Die Haftfestigkeit der Gewindestangen beruht auf
der Verbindung des Leimes, der in den Rillen eingelagert ist, mit dem Holz sowie zu-
sätzlich auf mechanischer Verbindung durch das Eingreifen der halben Gewindegänge
in das Holz, das durch den eingedrungenen Leim verfestigt wird.
Bohrlöcher im Brettschichtholz
Die Bohrlöcher sind mit einem Bohrlochdurchmesser d 8 nach GI. (7.42) auszuführen.
Die Bohrlochtiefe soll etwa 1 cm größer sein als die erforderliche Einleimlänge.
7.12 Eingeleimte Gewindestangen 161

dGs Nenndurchmesser der Gewinde-


stange (Außendurchmesser) (7.42)
dK Kerndurchmesser der Gewinde-
stange

Einleimen der Gewindestangen in Brettschichtholz


Gewindestangen sind mit Resorcinharzleim einzuleimen. Die Bohrlöcher sind mit
Druckluft auszublasen und etwa zur Hälfte mit Leim zu füllen; danach werden die gerei-
nigten, entfetteten Gewindestangen in das Bohrloch eingedreht. Tritt überschüssiger
Leim am Bohrlochkopf auf, ist sichergestellt, daß der Bohrlochgrund und die ganze
Fläche zwischen Gewinde und Holz mit Leim gefüllt ist. Eingeleimte Gewindestangen
dürfen frühestens sieben Tage nach der Verleimung statisch voll beansprucht werden.

Längsnut
mit AL:1 mm2

-;; j_'
g' .
:!!! Breltsch1chlt1olz
E •

l
I]!
.....
-~

.._"lc"'
~ Faserrichtung

7.54 Gewindestange aus Stahl; Durchmesser, 7.55 Parallel zur Faserrichtung eingeleimte Gewin-
Bohrlochtiefe und Einleimlänge destangen, Belastung in Axialrichtung nach
Möhler/Hemmer 1265]

Zulässige Belastungen von in Brettschichtholz eingeleimten Gewindestangen


Möhler/Hemmer [265) empfehlen bei den vier Einleimmöglichkeiten folgende Bemes-
sungsgleichungen für Nenndurchmesser dGs ~ 30 mm:

a) Axiale Zug- oder Druckbeanspruchung parallel zur Faserrichtung eingeleimter Ge-


windestangen nach Bild 7.55. Die zulässige Zug- und Druckbelastung zul F2 11 und
zul F0 11 errechnen sich nach GI. (7.43) und (7.44), der kleinere Wert ist maßgebend;
sie können auch für gebräuchliche Gewindestangen Tafel 7.42 entnommen werden.
zuiF2 , 0 11 = n·dGs·IE ·ZUir 11 inN (7.43)
in N (7.44)

dGs Nenndurchmesser (Außendurchmesser) AK Kernquerschnitt der Gewindestange in


der Gewindestange in mm mm 2
IE Einleimlänge in mm; Mindesteinleim zul uz.o zulässige Zug- oder Druckspa nnungen
länge: IE;;;;, 10 dGs• Einleimlängen I E> 20dGs des verwandten Stahls der Gewinde-
nicht in Rechnung stellen stange; bei unbekannter Stahlgüte ist
zul r 11 zulässige Spannungen in N/mm 2 nach zuluz.o = 100 N/mm 2 anzunehmen
Tafel 7.40
162 7.12 Eingeleimte Gewindestangen

Zulässige Spannungen r u der GI. (7.43)


nach Möhler/Hemmer 1265]

Durchmesser der
;§; 24 27 30
Gewindestange dG s in mm

~ Faserrichtung
zul ru
7.56 Rechtwinklig zur Faserrichtung eingeleimte 1,2 1,0 0,8
in N/mm 2
Gewindestangen, Belastung in Ax ialrichtung
nach Möhler/Hemmerl265]

b) Axiale Zug- oder Druckbeanspruchungen von rechtwinklig zur Faserrichtung einge-


leimten Gewindestangen nach Bild 7.56. Die zulässige Druckbeanspruchung zul F0 .l
kann wie für in Faserrichtung eingeleimte Gewindestangen nach GI. (7 .43) und (7 .44)
errechnet werden .
Die zulässige Zugbeanspruchung zul Fz.l kann nach GI. (7 .45) und (7.46) errechnet
werden ; die Gewindestangen sind dazu mindestens bis zur halben Querschnittshöhe
einzuleimen, um Querzugrisse im Holz zu vermeiden . Die zulässigen Zug- und Druck-
beanspruchungen zu I Fz .l und zu I F0 .l können auch für gebräuchliche Gewindestan-
gen Tafel 7.42 entnommen werden .
zuiFz.l =0,5·rc · dGs·IE · ZUiru in N Bezeichnungen s. GI. (7.43) und (7.44) (7.45)
Hinweis: IE > 20dGs darf nicht in Rech-
~AK · zulaz nung gestellt werden
(7 .46)

c) Querbelastung von parallel zur Faserrichtung eingeleimten Gewindestangen nach


Bild 7.57. Die zulässige Querbelastung zul Fuerrechnet sich nach GI. (7 .47), dabei darf
die Querlast Fu höchstens im Abstand von 10 mm von der Stirnfläche angreifen,
zuiFu=Au· d~s in N dGs Nenndurchmesser (Außendurch- (7 .47)
messer) der Gewindestange in mm
Au Festwert nach Tafel 7.41

die Mindesteinleimlänge muß I E;;; 10 dGs betragen. Die zulässige Querbelastung


zu I F11 gebräuchlicher Gewindestangen kann auch Tafel 7.42 entnommen werden.

Tafel 7.41 Festwert A 11 der GI. (7 .47) nach Mähler/


Hemmer 1265]

Durchmesser
der Gewinde-
8 10 12 16 20 22 24 27 30
stange
dGs in mm

..,....----:. Faserrichtung Festwert A 11


10,0 9,43 9,14 8,86 8,43 8,0
in N/mm 2
7.57 Parallel zur Faserrichtung eingeleimte Gewin-
destangen, Querbelastung (senkrecht zur Axi-
alrichtung) nach Möhler/Hemmerl265]
7.12 Eingeleimte Gewindestangen 163

Tafel7.42 Zulässige Axial- und Querbelastung von in Brettsch ichtholz eingeleimten Gewindestangen aus
Stahl St37 und St52 nach Möhler/Hemmer [265], Auswertung der GI. (7 .43) bis (7 .49) 7 )

1 Nenndurchmesser dGs inmm M8 M10 M12 M16 M20 M22 M24 M27 M30

2 Kernquerschnitt AK 1 ) in mm 2 28 46 76 144 225 282 324 427 519

3 m in. Einleimlänge min/E = 10dGs in mm 80 100 120 160 200 220 240 270 300

4 max. Einleimlänge max/E = 20 dGs2 ) in mm 160 200 240 320 400 440 480 540 600

5 Bohrloch-0 da im Holz nach GI. (7 .42) inmm 7,0 9,0 11,0 14,5 18,5 20,5 22,0 25,0 28,0

zulässige Axialbelastung zul Fz 11 , zul F0 11 , zul F0 ~ 3 )

fü r min JE in kN 2,4 3,8 5.4 9,7 15,1 18,2 21 ,7 22,9 22,6


für zuluz.o= 100 N/mm 2 in kN 2,8 4,6 7,6 14.4 22,5 28,2 32.4 42,7 45,2
(DIN 1052)
rechnerische Ei nleimlä nge inmm 93 122 168 239 298 340 358 503 600

für zul uz = 110 N/ mm 2 in kN 3,1 5,1 8,4 15,8 24,8 31,0 35 ,6 45,8 45,2

Jii
(St 37)
rechnerische Ei nleimlänge in mm 103 135 186 262 329 374 394 540 600

6 für zulu0 = 140 N/ mm 2 in kN 3,9 6,4 10,6 19,3 30,2 36,5 43,4 45,8 45,2
(St 37)
rechne rische Ei nleimlä nge inmm 129 170 234 320 400 440 480 540 600

für zuluz= 150 N/mm 2 in kN 4,2 6,9 10,9 19,3 30,2 36,5 43,4 45,8 45,2

$
(St 52)
rechnerische Einleimlänge in mm 139 183 240 320 400 440 480 540 600

für zul u 0 = 210 N/mm 2 in kN 4,8 7,5 10,9 19,3 30,2 36.5 43.4 45,8 45,2
(St52)
rechne rische Einleimlänge in m m 160 200 240 320 400 440 480 540 600

zulässige Axialbelastung zul Fz ~

$
für min/E 2 ) 4) in kN 1,2 1,9 2,7 4,8 7,5 9,1 10,9 11,5 11,3
7
für maxi E2 ) 4) in kN 2.4 3,8 5.4 9,7 15,1 18,2 21,7 22,9 22,6

zulässige Querbelastung zul F11 5 )

8
JjJ (E inleimlänge ;;; min/ E) in kN 0,64 1,0 1.4 2,6 3,8 4,4 5,1 6,1 7,2

zulässige Querbelastung zu I F~ 5 ) 6 )

~
für a = oo(Einleimlänge
in kN 0,9 1.4 2,0 3,6 5,6 6,8 8,1 10,2 12,6
;;; min/E)

~
für a = 90° (Einleimlänge
in kN 0,7 1,1 1,5 2,7 4,2 5,1 6,1 7,7 9,5
;;; min/E)

10 Nenndurchmesser dGs in mm MB M10 M12 M16 M20 M22 M24 M27 M30

Fußnoten s. nächste Seite


164 7.12 Eingeleimte Gewindestangen

Fußnoten zu Tafel 7.42


1) die Fehlfläche ~A= 7 mm 2 infolge Längsnut wird für dGs ;;;; 12 mm nicht berücksichtigt, diese Schwä-
chung wird durch den um ca. 9% höheren Spannungsquerschnitt ausgeglichen; für dGs = 8 und 10 mm
wird An = AK - ~A eingesetzt
2) mehr als maxle = 20 dGs darf nicht in Rechnung gestellt w erden
3 ) bei den Werten unterhalb der Stufenlinie wird maxle = 20 dGs maßgebend, s. GI. (7 .43)
4 ) die Gewindestangen sind mindestens bis zur halben Querschnittshöhe einzuleimen
5 ) Abminderung der zulässigen Querbelastungen zu I F11 und zu I F , um 20%, wenn der Abstand zwischen
Lastangriffsebene und Holzoberfläche mehr als 10 mm beträgt oder wenn zwei Brettschichthölzer durch
eingeleimte Gewindestangen miteinander verbunden werden
6 ) bei schrägem Kraftangriff oo< a< 90° kann zu I F,.;: nach GI. (7 .50) ermittelt werden
7 ) eingeleimte Gewindestangen dürfen derzeit nur mit bauaufsichtlicher Zustimmung im Einzelfall als tra-

gende Verbindung eingesetzt werden

d) Querbelastung von rechtwinklig zur Faserrichtung eingeleimten Gewindestangen


nach Bild 7.58. Die zulässige Querbelastung zul F1. errechnet sich nach GI. (7.48) für
Kraftangriff in Faserrichtung a = 0, s. Bild 7.58 a; bei Kraftangriff rechtwinklig zur
Faserrichtung a = 90° nach GI. (7 .49), s. Bild 7.58 b. Bei schrägem Kraftangriff müssen
die zulässigen Belastungen wie bei Stabdübeln nach GI. (7.50) abgemindert werden.
Die Querlast F1. darf höchstens im Abstand von 10 mm von der Stirnfläche angrei-
fen; die Mindesteinleimlänge muß /E ~ 10 dGs betragen. Die zulässigen Querbela-
stungen zul F1. von gebräuchlichen Gewindestangen sind in Tafel 7.42 zusammen-
gestellt.

a) b)
7.58 Rechtwinklig zur Faserrichtung eingeleimte Gewindestangen, Querbelastung (senkrecht zur Axial-
richtung) nach Möh/er/Hemmer)265)
a) Kraftangriff in Faserrichtung, a= 0°, b) Kraftangriff rechtwinklig zur Faserrichtung, a = 90°

zuiFJ.,a=oo A1. · d~s in N a = 0° (7.48)


zuiFJ.,a = 9 oo 0,75 · A1. · d~s in N a=90° (7 .49)
zuiFJ. <l: 17 · A 1. · d~s in N 0°< a< 90° (7.50)
1'/ = 1 - a/360° (7.51)
dGs Nenndurchmesser (Außendurchmesser) A, = 14 N/mm 2 für dG5 ;;;; 3Q mm, Festwert
der Gewindestange in mm a W inkel zwischen Kraft- und Faserrichtung

Abminderung der zulässigen Querbelastungen ~1 und F1.


Beträgt der Abstand zwischen Stirnfläche (Holzoberfläche) und Angriffsebene der
Querlasten F11 und F1. mehr als 10 mm, sind die zulässigen Querbelastungen nach
GI. (7 .47) bis (7.50) um 20% abzumindern; dies gilt auch bei zwei Brettschichthölzern,
die durch eingeleimte Gewindestangen miteinander verbunden sind.
Mindestabstände eingeleimter Gewindestangen
Die Mindestabstände sind in Tafel 7.43 zusammengestellt, s. auch Bild 7.55 bis 7.58;
sie sind stets auf die Gewindestab-Längsachse bezogen.
7.13 Querzugnachweis bei Anschlüssen 165

Tafel 7.43 Mindestabstände von in Brettschichtholz eingeleimten Gewindestangen aus Stahl St37 und
St52 nach Möhler/Hemmer [265] 1 )

Belastung Einleimung Mindestabstände


im vom Holz- untereinander
Brettschicht- rand in jeder II zur Kraft- 1. zur Kraft-
holz Richtung richtung richtung

II Faser
1 Axialbelastung 3dGs - -
.l Faser
4dGs
II Faser 3dGs
2 Querbelastung - 3dGs
1. Faser 5dGs

1) dGs Nenndurchmesser (Außendurchmesser) der Gewindestange; Mindestabstände bezogen auf die


Gewindestab-Längsachse

Nach Möhler/Hemmer [265] sind die Gewindestangen bei axialer Zugbelastung minde-
stens bis zur halben Querschnittshöhe einzuleimen, um der Gefahr zu hoher Querzug-
spannungen im Holz zu begegnen. Die zulässigen Belastungen in Axialrichtung werden
bis zum Vorliegen genügender Erfahrungswerte mit einer v = 4fachen Sicherheit festge-
legt. Bei Querbelastungen verhalten sich eingeleimte Gewindestangen wie einschnittig
beanspruchte Stabdübel; die zulässigen Querbelastungen unterliegen einer v = 2,75-
fachen Sicherheit.
Weitere Untersuchungen mit eingeleimten Gewindestangen/eingeleimten anderen
Stangen führen unter anderem Be/chior-Gaspard/Colling/Siebert [7], Ehlbeck/Gerold
[57], Ehlbeck!Siebert[61], Krabbe/Neuhausl192], Moers[229] und Riberholt[301] durch.
Über Bemessungen eingeleimter Gewindestangen s. auch Milbrandt [2221 und Werner/
Steck [350].

7.13 Querzugnachweis bei Anschlüssen


Rechtwinklig zur Faserrichtung belastete Holzstäbe werden im unmittelbaren Bereich
der Verbindungsmittel neben Lochleibungsspannungen örtlich durch hohe Querzug-
spannungen beansprucht. Diese hohen Querzugspannungen können bereits bei Bela-
stungen unterhalb der zulässigen Belastungen der Verbindungsmittel ein Querauf-

HT Hauptträger
NT Nebenträger
al b) c)
7.59 Queranschlüsse und angehängte Last bei Holzträgern; Beispiele
a) Hirnholz-Dübelverbindung bei Brettschichtholz, b) Balkenschuh-Anschluß (Stahlblechformteil),
c) angehängte Last
166 7.13 Querzugnachweis bei Anschlüssen

reißen und damit ein Versagen der Tragfähigkeit der Stäbe bewirken . Die Gefahr des
Queraufreißens wird um so größer, je mehr die Verbindungsmittel zum belasteten
Rand hin angeordnet werden .
Deshalb ist bei Queranschlüssen und bei angehängten Lasten nach Bild 7.59 sowie bei
querzuggefährdeten Nagelplattenanschlüssen ein Querzugnachweis für den Stab zu
führen, der die Last aufnimmt. Darüber hinaus sind die erforderlichen Verbindungsmit-
tel des Anschlusses nachzuweisen.
Nach DIN 1052 T2 kann der Querzugnachweis für Queranschlüsse und angehängte La-
sten nach Bild 7.59 entfallen, wenn der querzugbeanspruchte Holzstab eine Höhe
h ~ 30 cm besitzt und der AnschlußschwerpunktS aller Verbindungsmittel in der Stab-
achse oder darüber liegt. s. auch Bild 7.13, 7.22, 7.23.
Querzugnachweis für Anschlüsse mit mechanischen Verbindungsmitteln an Bauteile aus
Voll- und Brettschichtholz (Querzugnachweis für Anschlüsse m it Nagelplatten s. unten)
Für den Querzugnachweis bei Anschlüssen werden in DIN 1052 T2 keine Angaben ge-
macht. Der Querzugnachweis kann nach Empfehlung von Ehlbeck/Görlacher/Werner
[56) einheitlich für Anschlüsse mit mechanischen Verbindungsmitteln der DIN 1052 T2
hinreichend genau geführt werden, er wird im folgenden näher erläutert.
Die zulässige Querzuglast eines Queranschlusses an Bauteile aus Voll- und Brett-
schichtholz m it mechanischen Verbindungsm itteln der DIN 1052 T2 kann nach GI.
(7 .52) berechnet werden, erforderliche Bezeichnungen und Größen s. Bild 7.60 und
Tafel 7.44. Dieser Querzugnachweis wird im allgemeinen für a/H > 0,7 nicht maßge-
bend, Anschlüsse mit a/H < 0,2 sollten nach den oben angegebenen Empfehlungen
nicht ausgeführt werden . Die zulässige Querzuglast zul Fz1. wird mit wachsendem Ver-
hältnis a/H größer, das heißt Queranschlüsse sollten einen möglichst großen Ab-
stand a vom beanspruchten Rand aufweisen.
zu I Fz 1. = zulcrZJ. · ef A · f1 (a/H) · f2 (h 1 / h;) · f3 ( Wml a) · f4 (VM) in N (7 .52)
mit Bezeichnungen nach Bild 7.60 und Tafel 7.44

m-te Spalte unbeanspruchter Rand 7.60


Queranschluß mit mechanischen
Verbindungsmitteln nach Ehlbeck/
Görlacher/ Werner [56)
oberste_ _...._
Verbindungs- H Trägerhöhe
mittelreihe b Trägerbreite
a Abstand der obersten Verbin-
dungsmittelreihe vom bean-
spruchten Rand
h; Abstand der i-ten Verbin -
dungsmittelreihe vom unbe-
anspruchten Rand
W Abstand der äußersten Ver-
bindungsmittel einer Reihe
(für eine Spalte ist W=O)

Die bisher zur Verfügung stehenden Querzugnachweise von Möhler!Siebert [273) (Dü-
bel, Stabdübel, Nägel). Ehlbeck!Görlacher [53) (Stahlblechformteile) sind durch den
vorbezeichneten Querzugnachweis .. vereinheitl icht" worden . Der Querzugnachweis
kann auch vereinfachend mit Hilfstabellen nach Milbrandt [224) geführt werden.
Querzugnachweis für Anschlüsse mit Nagelplatten
Der Querzugnachweis bei Nagelplattenanschlüssen w ird in DIN 1052 T2 nicht näher
geregelt. Der Querzugnachweis kann nach Empfehlungen von Ehlbeck/Görlacher [54)
geführt werden , er wird im folgenden erläutert.
7.13 Querzugnachweis bei Anschlüssen 167

Tafel 7.44 Berechnungsgrößen für die zulässige Querzuglast zu I Fz~ der GI. (7.52) nach Ehlbeck!Gör-
/acher/Werner(56], s. Bild 7.60 1 ) 2) 3)

wirksame Anschlußfläche efA in mm 2

I efA=efW· efb
wirksame Anschlußbreite ef W (ideelle Ausdehnung der querzugbeanspr. Fläche in Trägerlängsrichtung)

für Ws<(0,8 ·H-a): efW= JW2+ IC· H) 2


2 mit C=~Ja!H· (1-a/H) 3
;;;:;(0,8 ·H-a): efW=C· H· [1 +(m-1) -~]
W+a
3

wirksame Anschlußtiefe efb (ideelle Ausdehnung der querzugbeanspr. Fläche in Trägerquerrichtung)


bei einseitiger Anordnung der Verbindungsmittel gilt für:
- Nägel, Holzschrauben efb= s~ 12 dn.s und~ b
- Nägel bei Stahlblechformteilen efb= s~ 15 dn und~ b
3 - Stabdübel, Bolzen efb=6·dst.b und~ b
- Dübel besonderer Bauart efb=5cm und~ b
bei zweiseitiger Anordnung der Verbindungsmittel:
- die Werte für einseitige Anordnung können verdoppelt werden, jedoch: ef b~ b

zulässige Querzugspannung zulau in N/mm 2 (mit efA in mm 2)

für Vollholz zu lau= 2,00 · (efA)- 0 •2 istefA<10000 mm 2, isttrotzdem


4
für Brettschichtholz: zulaz~ =3,33. (efA)- 0 •2 efA= 10000 mm 2 in Zeile 4 einzusetzen

Faktor f1 (a/ H), berücksichtigt die Lage der am stärksten querzuggefährdeten Fuge bez. der Trägerhöhe

5 I f,(a/H)= 1-3·(a/H~2+2(a/Hl3
Faktor f2 (h1 I h;), berücksichtigt den Einfluß mehrerer Verbindungsmittelreihen

f2(h 1 /h;) = i n n
6 I i=1
~ (h,/h;)2

Faktor f 3 1Wm/ a), berücksichtigt den Einfluß einer weiteren benachbarten Verbindungsmittelgruppe
Wm
7 f31Wm/a) = 1 + - - - z. B. die beiden Schenkel eines Balkenschuhanschlusses
Wm+a
Faktor f 4 (VM), berücksichtigt den Einfluß des Verbindungsmitteltyps

8 f4 (VM) = 1,0 für stiftförmige Verbindungsmittel = 1,1 für Dübel besonderer Bauart

Bezeichnungen, s. Bild 7.60


H Trägerhöhe s Einschlagtiefe der Nägel
b Trägerbreite dn Nagelnenndurchmesser
a Abstand der obersten Verbindungsmit- d. Holzschraubennenndurchmesser
telreihe vom beanspruchten Rand d., Stabdübeldurchmesser
h; Abstand der i-ten Verbindungsmittel- db Bolzendurchmesser
9
reihe vom unbeanspruchten Rand n Anzahl der Verbindungsmittelreihen
W Abstand der äußersten Verbindungsmit- m Anzahl der Verbindungsmittelspalten
tel einer Reihe (für eine Spalte ist W= 0) Ws Abstand von zwei in einer Verbindungs-
Wm Abstand der Schwerpunktezweier be- mittelreihe unmittelbar nebeneinander-
nachbarter Verbindungsmittelgruppen, liegenden Verbindungsmitteln (Abstand
die zu einem Queranschluß gehören der Spalten)
1) für Queranschlüsse an Bauteile aus Voll- und Brettschichtholz mit mechanischen Verbindungsmitteln
der DIN 1052 T2 (für Anschlüsse mit Nagelplatten gilt ein gesonderter Querzugnachweis, s. unten)
2 ) bei a/H > 0,7 wird der Querzugnachweis im allgemeinen nicht maßgebend
3) bei a/H < 0,2 sollte ein Anschluß nicht ausgeführt werden
168 7.14 Verschiebungswerte mechanischer Verbindungsmittel für Durchbiegungsberechnungen

Die zulässige Querzugkraft ist nach GI. (7.53) zu berechnen. Die Berechnungsgrößen
können auch Bild 7.37 entnommen werden. Bei indirekter Lasteinleitung ist zusätzlich
ein Schubspannungsnachweis im querzugbeanspruchten Stab zu führen.
1
zu I Fzl. =- · a·W·b in N (7.53)
3
a Anschlußfaktor für Einbindegrad der Nagelplatte

-direkte Lasteinleitung a=- e=-


dE
1 -t H
. . . . 1 d• Einbindetiefe der Nagelplatte
- 1nd1rekte Laste1nle1tung a= - -2
(1- e) H Trägerhöhe
W Plattenbreite in mm
direkte Lasteinleitung liegt vor, wenn eine
b Holzdicke in mm
Einzellast direkt im Fachwerkknoten angreift,
indirekte Lasteinleitung liegt vor, wenn ein
b"'i2·/ 0 +20mm
ln Nagellänge in mm
Fachwerkstab auf Biegung beansprucht wird,
z. B. Einzellast greift außerhalb des Fachwerk-
knotens an

7.14 Verschiebungswerte mechanischer Verbindungsmittel


für Durchbiegungsberechnungen

Verschiebungsmoduln C und rechnerische Verschiebungen v mechanischer Holzver-


bindungen nach DIN 1052 T2 sind in Tafel 7.45 angegeben. Sie dürfen bei den Berech-
nungen von Durchbiegungen und Überhöhungen nachgiebig zusammengesetzter
biegebeanspruchter Bauteile und bei den Berechnungen von Verschiebungen in An-
schlüssen und Stößen unter den Lasteinwirkungen im Lastfall H und HZ verwandt wer-
den, mindestens jedoch die 1,25fachen Werte nach Tafel 13.25. Tritt eine höhere rech-
nerische Belastung einer Verbindung als die zulässige Belastung im Lastfall H auf, z. B.
im Lastfall HZ, muß die Verschiebung v der Tafel 7.45 im Verhältnis vorh N/zul N erhöht
werden. Bei geringerer Belastung darf die Verschiebung v entsprechend abgemindert
werden.
Der Verschiebungsmodul für Nagelplatten in Nadelholzverbindungen darf im Bereich
der zulässigen Belastungen der Verbindungen nach DIN 1052 T2 mit C= 300 N/mm je
cm 2 wirksamer Anschlußfläche eingesetzt werden.
Bei Versätzen und anderen Kontaktanschlüssen schräg oder rechtwinklig zur Faser-
richtung kann nach Erläuterungen zu DIN 1052 T2 mit einer zulässigen Verschiebung
zu I v= 1,5 mm, bei faserparallelen Paßstößen mit zu I v= 1,0 mm gerechnet werden. Die-
se Verschiebungen hängen überwiegend von Ausführungsungenauigkeiten (Schlupf)
ab, sie sind im allgemeinen unabhängig von der Beanspruchungshöhe.
Die Verschiebungswerte nach Tafel 7.45 gehen auf Untersuchungen von Mähler [250]
zurück. Sie ergeben Verschiebungen für den Bereich bis zu den zulässigen Belastungen
der Verbindungsmittel für Durchbiegungsberechnungen nachgiebig zusammengesetz-
ter biegebeanspruchter Bauteile, Fachwerke und Rahmen sowie für Anschlüsse und
Stöße.
Bei Gebrauch der Verschiebungsmoduln C nach Tafel 13.25 für den Durchbiegungs-
nachweis, der für Gebrauchslasten zu führen ist, werden im allgemeinen zu große
Durchbiegungen ermittelt, da diese Verschiebungsmoduln C aus Biege- und Knickver-
suchen vorwiegend im Lastbereich bis zur zwei- bis dreifachen zulässigen Last des
Stabes (bis zum Traglastbereich) abgeleitet worden sind, s. Mähler [231]. Dies führt
7.14 Verschiebungswerte mechanischer Verbindungsmittel für Durchbiegungsberechnungen 169

Tafel 7.45 Rechenwerte für Verschiebungsmoduln C in N/mm sowie für die Verschiebungen v in mm bei
zu IN von Verbindungsmitteln in Anschlüssen und Stößen nach DIN 1052 T2

Verbindungs- Art der Verbindung Verschie- Verschie-


mittel bungs- bung v
modul C 1 ) bei zuiN
in N/mm in mm
1 Einlaß- Düberverbindungen - 1,0-zuiN 1,0
und Ein-
preßdübel
2 Stabdübel Verbindungen in Nadel- - 1,2-zuiN 0,80
und Paß- holz, auch mit Bau-
bolzen Furniersperrholz und
Flachpreßplatten
-
3 Verbindungen in Laub- - 1,5-zuiN 0,67
holz
-
4 Verbindungen von Brett- Löcher im Stahl- 0,70- zuiN 1,4
schichtholz mit Stahlteilen teil vorgebohrt
5 Nägel Einschnittige Verbindun- Nagellöcher nicht 50 . zu IN 0,20 · dn
gen in Nadelholz vorgebohrt 2 ) ' dn
-
6 Nagellöcher vor- 10 . zuiN 0,10 · dn
gebohrt dn
-
7 Mehrschnittige Verbin- Nagellöcher nicht 10 . zuiN 0,10 · dn
dungen in Nadelholz vorgebohrt oder dn
vorgebohrt
-
8 Ein- und mehrschnittige - 50 . zu IN 0,20 · dn
Verbindungen von Bau- ' dn
Furniersperrholz mit
Nadelholz 2 )
-
9 Einschnittige Verbindun- - 6 7 . zuiN 0,15 · dn
gen von Flachpreß- und ' dn
Holzfaserplatten mit
Nadelholz 2 )
-
10 Einschnittige Verbindun- Nagellöcher im 50 . zuiN 0,20 · dn
gen von Stahlteilen mit Holz nicht ' dn
Nadelholz vorgebohrt2 )
-
11 Nagellöcher im 10 . zuiN 0,10 · dn
Holz vorgebohrt dn
-
12 Mehrschnittige Verbin- Nagellöcher im 20 . zuiN 0,05 · dn
dungen von Stahlteilen Holz vorgebohrt2 ) dn
mit Nadelholz
13 Klammern Verbindungen in Nadel- Winkel zwischen 2 5 . zuiN 0,40 · dn
holz Holzfaserrichtung ' dn
und Klammer-
rücken ~ 30°2 )
-
14 Winkel zwischen 1 4 . zuiN 0,70 · dn
Holzfaserrichtung ' dn
und Klammer-
rücken <30°
-
15 Verbindungen von Holz- - 6 2 . zuiN 0,16-dn
werkstoffen mit Nadelholz ' dn

Fortsetzung und Fußnoten s. nächste Seite


170 7.14 Verschiebungswerte mechanischer Verbindungsmittel für Durchbiegungsberechnungen

Tab. 7 .45, Fortsetzung

Verbindungs- Art der Verbindung Verschie- Verschie-


mittel bungs- bung v
modul C 1 ) bei zu IN
in N/mm in mm

16 Holz- Einschnittige Verbindun- - 10 . zuiN 0,10·ds~0,8


schrauben gen in Nadelholz ds
~1,25-zuiN
-
17 Einschnittige Verbindun- - zuiN 0,08 · d5 ~ 0,8
gen von Holzwerkstoffen 12,5-d
s
mit Nadelholz
~1,25 · zuiN
-
18 Einschnittige Verbindun- Löcher im Stahlteil 0,70 ·zu IN 1,4
gen von Stahlteilen mit vorgebohrt mit
Nadelholz d5 +1 mm

1) Für zu IN ist die zulässige Belastung in N im Lastfall H einzusetzen. Dabei sind alle maßgebenden Abmin-
derungen und Erhöhungen zu berücksichtigen, z. B. sind gegebenenfalls Feuchteeinwirkungen und der
Winkel zwischen Kraft- und Faserrichtung zu beachten, ebenso die Abminderung bei mehreren ln Kraft-
richtung hintereinanderliegenden Verbindungsmitteln, die Erhöhung bei Vorbohren der Nagellöcher
und dergleichen
2) Die Werte dieser Zeile gelten auch, wenn die Nagel- oder Klammerverbindungen bei einer Holzfeuchte
von mehr als 20% (halbtrocken oder frisch) hergestellt werden und die Gleichgewichtsfeuchte im Ge-
brauchszustand höchstens 18% beträgt. Ist eine höhere Gleichgewichtsfeuchte zu erwarten, so ist bei
. zuiN
Nagelverbindungen C= 10 ·--und v= 0,10 · dn anzusetzen
dn

im allgemeinen zu unwirtschaftlichen Tragwerken. Für den Durchbiegungsnachweis


dürfen deshalb wegen der nichtlinearen Kraft-Verschiebungslinien die 1,25fachen Ver-
schiebungsmoduln C nach Tafel 13.25 verwandt werden, s. auch Abschn. 13.5.2.
Der Zusammenhang zwischen Verschiebungsmoduln C und Verschiebungen v kann
GI. (7.54), (7.55) und (7.56) entnommen werden; dabei wird ein geradliniger Verlauf
der Kraft-Verschiebungslinien bis zum Bereich der zulässigen Belastungen zu IN der
Verbindungsmittel angenommen, dies liegt nach Mähler [250] bei den meisten Verbin-
dungsmitteln näherungsweise vor, s. Bilder 7.1 und 20.4.
Über den Verschiebungsmodul C s. auch Abschn. 20.
vorhN
vorhv=--- C Verschiebungsmodul des Verbindungs- (7.54)
C mittels
zu I v auftretende Verschiebung bei zu IN des
zuiC= zul N Verbindungsmittels im Lastfall H (7.55)
zulv zu IN zulässige Belastung des Verbindungsmit-
tels im Lastfall H unter Berücksichtigung
vorhN aller zu I. Erhöhungen und erf. Ermäßigun-
vorh v= - - - · zu I v (7.56)
zuiN gen
7.15 Zusammenwirken verschiedener Verbindungsmittel 171

7.15 Zusammenwirken verschiedener Verbindungsmittel

ln einer Holzverbindung mit mechanischen Verbindungsmitteln kann die anstehende


Kraft erst dann übertragen werden, wenn ein kraftschlüssiger Kontakt zwischen Verbin-
dungsmitteln und Holz hergestellt, das heißt vor Kraftübertragung kann bereits eine
Verformung auftreten, zum Beispiel wenn Bohrlochdurchmesser größer sind als die
Durchmesser der VerbindungsmitteL Diese lastunabhängige Anfangsverformung wird
auch als .. anfänglicher Schlupf" bezeichnet, sie ist bei Bolzen ausgeprägt. Unter weiterer
Belastung treten unterschiedlich große elastische und plastische Verformungen im Holz
und in den Verbindungsmitteln auf; diese lastabhängigen Verformungen und die last-
unabhängigen Anfangsverformungen ergeben die Gesamtverformung einer Verbin-
dung. Die Gesamtverformung wird auch als Nachgiebigkeit der Verbindung bezeichnet.
Die Nachgiebigkeit bewirkt bei jeder Kraftübertragung eine gegenseitige Verschiebung
der mit mechanischen Verbindungsmitteln verbundenen Holzbauteile. Für Holzverbin-
dungen mit mechanischen Verbindungsmitteln oder mit Leim ergeben sich unter-
schiedliche Nachgiebigkeiten, wie aus den Kraft-Verschiebungs-Diagrammen der Bil-
der 7.1 und 7.61 zu entnehmen ist.
Werden in Holzverbindungen verschiedene Verbindungsmittel notwendig - im allge-
meinen sollte stets nur ein Verbindungsmittei-Typ eingesetzt werden -, ist die Bela-
stungsverteilung auf die verschiedenen Verbindungsmittel von ihrer Nachgiebigkeit ab-
hängig. Nach DIN 1052 T2 kann ein Zusammenwirken dieser verschiedenen Verbin-
dungsmittel nur dann erwartet werden, wenn ihre Nachgiebigkeit etwa gleich groß ist.
Bei Leimverbindungen, die extrem steif sind, und bei Bolzenverbindungen, die sehr
nachgiebig sind, s. Bild 7.61, darf ein Zusammenwirken mit anderen mechanischen
Verbindungsmitteln und mit Versätzen nicht in Rechnung gestellt werden. ln den ande-
ren Fällen, z. B. Zusammenwirken von Dübeln oder Nägeln mit Versätzen oder anderen
Kombinationen, ist das Verbindungsmittel, auf das rechnerisch der kleinere Teil der zu
übertragenden Kraft entfällt, für die 1,5fache anteilige Kraft zu bemessen.
Wird jedoch ein genauerer Nachweis geführt und die Nachgiebigkeit der Verbindungs-
mittel berücksichtigt, kann die Belastungsverteilung ohne Erhöhung der anteiligen

+4 i -1t
Leim Nägel Dübel Botzen

~~
~~4-r-:mr*+
~ 4-l ,
· i1--y' , 1 !I

*~~~
F/2~ FiF , -r>--r:---~* ~~~
::f--.1.-t
~ F/2~
FinN FinN finN F inN

1r Bruchlast F6

,.-zulF=falv

0 1, 5 Verschiebung v in mm 0 1.5 v in mm 0 1,5 v in mm 0 1,5 vinmm

7.61 Kraft-Verschiebungs-Diagramme von Hol zverbindungen mit mechanischen Verbindungsmitteln und


mit Leim nach Möhler! Ehlbeck/Hempei/Köster[2581
172 7.15 Zusammenwirken verschiedener Ve rbindungsmittel

Kraft erfolgen, s. unten. Bei Versätzen oder Kontakt-Druckanschlüssen ist ein genauerer
Nachweis unter Berücksichtigung der Nachgiebigkeit jedoch nicht möglich, da die
Kraft-Verschiebungslinien hierfür nicht vorliegen. Deshalb ist eine Erhöhung der anteili-
gen Kraft beim Zusammenwirken von Verbindungsmitteln mit Versätzen vorzunehmen,
s. auch Abschn. 7.14 und 18.
Werden bei Versätzen oder bei Kontakt-
Druckanschlüssen Stabverbreiterungen
mit aufgeleimten Beihölzern nach Bild
7.62 ausgeführt, um die anstehende Kraft
zu übertragen, darf ohne Erhöhung der
anteiligen Kraft bemessen werden. Hier
wird der Holzstab durch die starr ange-
leimten Beihölzer ohne Steifigkeitsverlust
vergrößert, eine Nachgiebigkeit des Kon-
taktanschlusses liegt nicht vor. Bei Nadel-
vollholz sind die Beschränkungen bezüg-
lich der Dicken der Beihölzer und des Sta-
bes nach Bild 7.62 einzuhalten, um ein
Aufreißen der Leimfugen infolge unter-
7.62 Kontakt-Druckanschluß mit aufgeleimten Bei- schiedlicher Schwindspannungen zu ver-
hölzern nach Erläuterungen zu DIN 1052 T2; meiden. Bei Brettschichtholz bestehen
bei Nadelvollholz mit der Einschränkung: keine Beschränkungen der Dicken.
a ~ 60 mm,c/2 ~ 40 mm

Rechnerische Ermittlung der Nachgiebigkeit bei verschiedenen Verbindungsmitteln


Wird eine Kraft Fin einer Verbindung z. B. durch zwei unterschiedliche Verbindungsmit-
telaund b übertragen, so verteilen sich die anteiligen Kräfte Fa und Fb nach GI. (7.62)
und (7.63), s. auch Eh/beck/Hättich [58). Dabei wird vorausgesetzt, daß die Verschie-
bung 15 der Verbindung GI. (7.57) genügt und das Verformungsverhalten der Verbin-
dungsmittel mit den Verschiebungsmoduln Ca und Cb beschrieben werden kann. Mit
den Beziehungen GI. (7 .58) und (7.59), s. Abschn. 20,

. F
(7.57) (7.58) 15 =- (7.59)
c
errechnen sich die anteiligen Kräfte wie folgt:
Fa Fb
(5 = ba = (jb = - = - (7.60)
Ca cb
c. c. (7.61)
F. =Fb· Cb = (F- Fal Cb

Fa= F· - -
c. (7.62) und entsprechend (7.63)
c.+ cb
Ein Verbindungsmittel mit großem Verschiebungsmodul C überträgt in einer derartigen
Verbindung auch den größeren Teil der Gesamtkraft, s. GI. (7.62) und (7.63). Bei einer
starren Verbindung wie z. B. Leim (C-> oo) überträgt das zweite nachgiebigere Verbin-
dungsmittel rechnerisch keine Kraft. Ein Zusammenwirken verschiedener Verbindungs-
mittel in einer Verbindung kann deshalb nur bei etwa gleich großer Nachgiebigkeit
erwartet werden, s. oben angeführte Festlegungen der DIN 1052 T2.
7.16 Korrosionsschutz mechanischer Verbindungsmittel 173

7.16 Korrosionsschutz mechanischer Verbindungsmittel

Mechanische Verbindungsmittel müssen nach DIN 1052 T2 einen ausreichenden Kor-


rosionsschutz besitzen; dieser richtet sich nach den Umweltbedingungen. Die Mindest-
anforderungen für tragende Verbindungsmittel aus Stahl sind in Tafel7.46 zusammen-
gestellt; Abweichungen hiervon sind bei Gleichwertigkeit zulässig. Verbindungsmittel
aus korrosionsbeständigem Material können in allen drei Anwendungsbereichen der
Tafel 7.46 eingesetzt werden. Die Verträglichkeit von eingebrachten Holzschutzmitteln
mit dem Korrosionsschutz muß nachgewiesen sein.
Tafel 7.46 Mindestanforderungen an den Korrosionsschutz für tragende Verbindungsmittel aus Stahl
nach DIN 1052 T2

Art des Verbindungs- Anwendungsbereiche


mittels
ln Räumen mit einer Bei überdachten Bau- Im Freien sowie in Räu-
mittleren relativen Luft- teilen, zu denen die men mit einer mittleren
feuchte "'i 70%, ferner Außenluft ständig Zu- relativen Luftfeuchte
bei überdachten Bautei- gang hat, bei mittlerer > 70%, ferner bei über-
len, zu denen die Außen- korrosiver Beanspru- dachten Bauteilen, zu
Iuft ständig Zugang chung2 ) denen die Außenluft
hat, bei vergleichsweise ständig Zugang hat, bei
geringer korrosiver besonders starker korro-
Beanspruchung 1 ) siver Beanspruchung 3 )

mittlere Mindestzinkauflage in g/m 2

Dübel
Bolzen
Korrosionsschutz
Stabdübel 400 6 )
nicht erforderlich 4 ) 5 )
Nägel
Holzschrauben

Klammern 50 nichtrostende Stähle nach DIN 17 440

2758 ) und Beschich- nichtrostende Stähle


tung nach DIN 5592B nach DIN 17 440 oder
"'i3mm 7 ) 275 8 ) T5 und TB oder 350 8 ) Korrosionsschutz nach
und geeignete Chroma- DIN 5592B TB
Stahl- tierung 9 )
bleche nichtrostende Stähle
>3 mm bis nach DIN 17 440 oder
100 400
5mm Korrosionsschutz nach
DIN 5592B T5

3508 ) und geeignete nichtrostende Stähle


Nagelplatten 2758 ) Chromatierung 9 ) nach DIN 17 440

1) s. DIN 55 92B TB; entsprechend der Landatmosphäre nach DIN 55 92B T 1


2) s. DIN 55 92B TB; entsprechend der Stadtatmosphäre nach DIN 55 92B T 1
3) s. DIN 5592B TB; entsprechend der Industrieatmosphäre nach DIN 5592B T1
4) Bei einseitigen Dübeln Dübeltyp C muß eine mittlere Mindestzinkauflage von 400 g/m 2 aufgebracht
werden
5) Bei Stahlblech-Holzverbindungen mit außenliegenden Blechen müssen die Nägel bzw. Schrauben eine
mittlere Mindestzinkauflage von 50 g/m 2 aufweisen
6) Bei außergewöhnlicher klimatischer Beanspruchung sind zusätzliche, auf die Beanspruchung abge-
stimmte Maßnahmen erforderlich, s. auch DIN 55 92B T1
7) Stahlbleche "'i3 mm dürfen auch mit geschnittenenunverzinkten Kanten eingesetzt werden
8) Mittlere Zinkauflage beidseitig; Wert entspricht der Zinkauflagegruppe nach DIN 17162 T1
9) Mit der gewählten Chromatierung muß eine wesentliche Verbesserung des Korrosionsschutzes erreicht
werden (z. B. Farbchromatierung)
174 7.16 Korrosionsschutz mechanischer Verbindungsmittel

Ein ausreichender Korrosionsschutz mechanischer Verbindungsmittel ist erforderlich,


da ungeschütztes Metall (oft) mit seiner Umgebung reagiert. Die daraus resultierenden
Werkstoffveränderungen können mittel- und langfristig die Eigenschaften und damit
die Tragfähigkeit der Verbindungsmittel nachteilig beeinflussen.
Bei geringer und mittlerer korrosiver Beanspruchung wird bei bestimmten Verbin-
dungsmitteln kein Korrosionsschutz gefordert, s. Tafel 7.46, da aufgrund langer Erfah-
rungen im Holz eng eingebettete Verbindungsmittel wenig oder gar nicht korrodieren.
Besonders starke korrosive Beanspruchung wie zum Beispiel ständig hohe Luftfeuch-
ten oder Verwendung im Freien bedürfen stets höherer Schutzmaßnahmen.
Außergewöhnliche klimatische Beanspruchungen sind nach den Erläuterungen zu
DIN 1052 T2 chemische Beanspruchungen wie aggressive Gase und Stäube, Beanspru-
chungen durch Kondenswasser und erhöhte Temperaturen, sie erfordern oft zusätzli-
che Schutzmaßnahmen.
Der verbreitetste Korrosionsschutz ist eine Zinkauflage, die meist auch in Anwen-
dungsbereichen eingesetzt wird, die keinen Korrosionsschutz fordern. Bei Transport
und Montage ist darauf zu achten, daß der Korrosionsschutz nicht beschädigt oder
zerstört wird.
8 Zulässige Spannungen und Materialkennwerte
von Voll- und Brettschichtholz sowie Holzwerkstoffen

8.1 Zulässige Spannungen

8.1.1 Zulässige Spannungen von Voll- und Brettschichtholz


Die zulässigen Spannungen für Voll- und Brettschichtholz nach DIN 1052 T1 können
Tafel 8.1 entnommen werden.

Tafel8.1 Zulässige Spannungen für Voll- und Brettschichtholz in N/mm 2 , Lastfall H nach DIN 1052 T 1 1 ) 2 ) 6 )

Beanspruchung Vollholz (Nadelhölzer) Brettschichtholz Vollholz (Laubhölzer) aus


aus Kiefer, Tanne, aus Holzarten Eiche Afzelia Azobe
Lärche, Douglasie, nach Tafel 8.1 Buche Merbau (Bon -
Western Hemlock und Spalte 2 Teak Ange- gossi)
Southern Pine Güteklasse Keruing lique Green -
Güteklasse nach DIN 4074 (Yang) (Basra- heart
nach DIN 4074 locus)
A B c
S7 3 ) S10 3 ) s 13 3 ) s 10 3 ) S13 3 ) mittlere Güte, ~ S10 3 )

1 Biegung zu lu6 7 10 13 11 14 11 17 25

2 Zug zu I uzn 8,5 10,5 8,5 10,5 10 15


0
3 Zug zul uu 0,05 0,2 0,05

4 Druck zu I u0 11 6 8,5 11 8,5 11 10 13 20

5 Druck 4 ) zu l u 0 ~ 2 [2,5) 2,5 13.0) 3 [4) 4 8

6 Abscheren zu I r. 0,9
0,9 1 1,4
7 Schub/Querkraft zu I r 0 0,9 1,2 2

8 Tarsion 5 ) zu l rr 0 1 1,6 1,6


1) zul. Erhöhungen und erf. Ermäßigungen s. Tafel 8.3
2) Bei Sparren, Pfetten und Deckenbalken aus Kanthölzern oder Bohlen dürfen in der Regel die zulässigen
Spannungen der S 13 nicht angewendet werden
3) Über die Zuordnung der Sortierklassen zu den Güteklassen der DIN 1052 T 1 s. Tafel 3.4
4) Bei den Werten in [ I ist mit größeren Eindrücken zu rechnen , die erforderlichenfalls konstruktiv zu
berücksichtigen sind. Nicht zulässig bei Anschlüssen mit verschiedenen Verbindungsmitteln
5) Für Kastenquerschnitte sind d ie Werte nach Zeile 7 einzuhalten
6) Die Änderung der DIN 4074 Tl hinsichtlich Sortierklassen Sund MS soll in einer Normänderung der
DIN 1052 berücksichtigt werden , zum Beispiel eine Sortierklasse MS 17 für Brettschichtholz mit entspre-
chend höheren zulässigen Spannungen

Die zulässigen Druckspannungen bei


Kraftrichtung schräg zur Faserrichtung
sind nach GI. (8.1) zu berechnen; der Win-
kel a zwischen Kraft- und Faserrichtung
ist in Bild 8.1 dargestellt. Die zulässigen
Druckspannungen bei schrägem Kraftan-
griff sind für ausgewählte Holzarten in Ta-
fel 8.2 zusammengestellt.
zu I ao.J:: = (8.1)
zu I a 0 11 - (zu I a 0 11 - zu I a 0 .L ) · sin a 8.1 Winkel a zwischen Kraft- und Faserrichtung
176 8.1 Zulässige Spannungen

Tafel8.2 Zulässige Druckspannungen 1) 4 ) in N/mm 2 bei schrägem Kraftangriff für ausgewählte Holzarten
im Lastfall H nach DIN 1052 T1, Auswertung der GI. (8.1)

Holzart 2 ) 3 ) a: Winkel zwischen Kraft- und Faserrichtung in °, s. Bild 8.1


0 10 20 30 40 50 60 70 80 90

Nadelholz, S 10 8,5 7.4 6,3 5,2 4,3 3,5 2,9 2,4 2,1 2,0

Brettschichtholz, S 10 8,5 7,5 6,4 5,5 4,6 3,9 3,3 2,9 2,6 2,5

Brettschichtholz, S 13 11 9,5 8,1 6,8 5,5 4,5 3,6 3,0 2,6 2,5

Laubholz, Gruppe A 10 8,8 7,6 6,5 5,5 4,6 3,9 3,4 3,1 3,0
1) Zwischenwerte dürfen geradlinig interpoliert werden
2) Holzarten nach Tafel 8.1
3) Über die Zuordnung der Sortierklassen zu den Güteklassen der DIN 1052 T1 s. Tafel3.4
4) zul. Erhöhungen und erf. Ermäßigungen s. Tafel 8.3

Tafel8.3 Zulässige Erhöhungen und erforderliche Ermäßigungen der zulässigen Spannungen von Voll-
und Brettschichtholz nach DIN 1052 T1 (bezogen auf den Lastfall H), s. Tafel 8.1 und 8.2
Beanspruchungen/Bauteile zul. Spannungen von Voll- und BSH
in Tafel 8.1 und 8.2
Erhöhungen Erhöhung um Spannungsart
1 Lastfall HZ 25% alle
2 Transportzustand 50% alle

3 Montagezustand 50% alle

4 waagerechte Stoßlasten nach DIN 1055 T3 100% alle

5 Erdbebenlasten nach DIN 4149 T1 100% alle

6 bei Durchlaufträgern ohne Gelenke über Innenstützen 10% 1 ) zula8

bei Rundhölzern in Bereichen ohne Schwächung zula 8


7 20%
der Randzone zu I a011

bei durchlaufenden oder auskragenden Biegebalken


auf
8 aus NH und LH, Gr. A. in Bereichen, die mindestens 1,50 m zul r 0
1,2 N/mm 2
vom Stirnende entfernt liegen

bei Druckflächen _!_ Faserrichtung ko.L


9
mit einer Länge l in Faserrichtung < 150 mm, s. Tafel 8.4 nach GI. (8.2) zul a 01 ohne [ 1
Ermäßigungen Ermäßigung um Spannungsart
bei genagelten Zugstößen oder -anschlüssen
10 für diejenigen Stoß- und Anschlußteile, 20% zu I az 11
die nicht für die 1,5fache anteilige Zugkraft bemessen sind

bei Druckf!_ächen _!_ Faserrichtung,


11 ko.L =0,8 zula 0 ,
wenn die Uberstände nach Tafel 8.4 unterschritten werden

bei Bauteilen, die der Witterung allseitig ausgesetzt sind


12 oder bei denen mit einer Gleichgewichtsfeuchte > 18% 'la 2 l alle
zu rechnen ist, nicht bei Gerüsten

bei Bauteilen und Gerüsten, die dauernd im Wasser stehen,


13 bei Gerüsten aus Hölzern, die zum Zeitpunkt der Belastung 1/a 2 l alle
noch nicht halbtrocken sind (DIN 4074)

1) gilt nicht bei Sparren von Kehlbalkenbindern mit verschiebliehen Kehlbalken


2) gilt nicht für Laubholz der Gruppe C nach Tafel 8.1 und für Fliegende Bauten mit Schutzanstrich, der in
Abständen von höchstens zwei Jahren zu erneuern ist
8.1 .1 Zulässige Spannungen von Voll- und Brettschichtholz 177

Bei der Auswahl der Bauteile aus Voll- und Brettschichtholz ist besonders auf die Ein-
haltung der Sortierkriterien zu achten, s. Abschn . 3.2, um die zulässigen Spannungen
der gewählten Sortierklasse (Güteklasse) des Bauteils bei der Bemessung in Rechnung
stellen zu können . Aufgrund der geringen Festigkeiten können mit Nadelvollholz der
Sortierklasse S7 keine Zug-, Querzug- und Torsionsbeanspruchungen übertragen wer-
den, s. Tafel 8.1 und 1.19. Über die Festlegung zulässiger Spannungen s. Abschn.
1.10.5.
Bei Sparren, Pfetten und Deckenbalken aus Kanthölzern und Bohlen (Vollholz) dürfen
nach DIN 1052 T 1 im allgemeinen die zulässigen Spannungen der Sortierklasse 13 (Gü-
teklasse I) nach Tafel 8.1 nicht in Rechnung gestellt werden, da bei üblichen Holzbauten
die Einhaltung der Sortierkriterien für die Sortierklasse 13 (Güteklasse I) oft nicht ge-
währleistet werden kann; deshalb sind die zulässigen Spannungen der Sortierklasse
S 10 in der Regel rechnerisch anzusetzen. Bei einzelnen Bauteilen mit sorgfältiger Holz-
auswahl ist jedoch nach Erläuterungen zu DIN 1052 T 1 eine Bemessung mit den zuläs-
sigen Spannungen der Sortierklasse S 13 möglich .
Zulässige Erhöhungen und erforderliche Ermäßigungen der zulässigen Spannungen
für Voll- und Brettschichtholz
Die zulässigen Erhöhungen und erforderlichen Ermäßigungen der zulässigen Spannun-
gen für Voll- und Brettschichtholz sind in Tafel 8.3 zusammengestellt.
Zulässige Druckspannungen bei Druckflächen senkrecht zur Faserrichtung
Bei Druckflächen senkrecht zur Faserrichtung müssen Träger und Schwellen bestimmte
Überstände und Abstände nach Tafel 8.4 besitzen, um die zulässigen Querdruckspan-
nungen nach Tafel 8.1, Zeile 5, in Rechnung stellen zu können . Bei kleineren Überstän-
den sind die zulässigen Querdruckspannungen um 20% abzumindern .

Tafel 8.4 Zulässige Druckspannungen bei Druckflächen senkrecht zur Faserrichtung sowie Überstände
und Abstände bei Trägern und Schwellen nach DIN 1052 Tl

Überstand Träger- Länge der zul. Querdruck- Erläuterung


in Faser- höhe Druckfläche spannung
richtung in Faser- nach Tafel 8.1
richtung
üin mm hin mm /in mm

Einseitiger und beidseitiger Überstand ü über die Druckfläche in Faserrichtung

ü ;;;;; 100 h > 60 I ;;;;; 150 zul u 0 1

ü I a I
ü~ 75 h ~ 60

ü ;;;;; 100 h > 60 I < 150 ko J 1 ) · zul a0 1


Htt~ ~Ht~
~;
ü ~ 75 h ~ 60

Der Abstand a in Faserrichtung zwischen


ü < 100 h > 60
- 0,8 ·zu I a 0 ~ 2 Druckflächen muß a ;;; 150 mm betragen.
ü < 75 h ~ 60

1) s. GI. (8.2), gilt nicht für zu I a0 1 in [I nach Tafel 8.1

Beträgt die Druckflächenlänge I in Faserrichtung I < 150 mm, darf die zulässige Ouer-
druckspannung nach Tafel 8.1 (ohne [ )) mit dem Faktor ko J. nach GI. (8.2) erhöht wer-
den, s. auch Tafel 8.4. Die Erhöhung mit ko J. gilt nur bei Einhaltung der Überstände
nach

ko J. = J5f- ~ 1,8 I Länge der Druckfläche in mm (8.2)


178 8.1 Zulässige Spannungen

Tafel 8.4. Über den Schwellendruck s. auch Abschn. 1.10.1 . Beispiele für Überstände ü
und zulässige Auflagerkräfte bei Trägern und Schwellen sind in Tafel 8.5 zusammenge-
stellt.

Tafel8.5 Überstände und Auflagerkräfte bei Trägern und Schwellen nach DIN 1052 T1; Beispiele 1 )

zulässige Auflagerkraft A für Erläuterungen


Schwelle 2 )

Träger und Schwelle mit beidseitig ausreichendem Überstand ü

hT,hs > 60mm


üT,üs~ 100 mm
für bs ~ 150 mm: für~ ~ 150 mm:
AT = ~· bs · zu I ao~ . T As = ~ · bs ·zu I aoJ. s

2 fürb5 < 150mm: für ~< 150 mm:

Träger ohne Überstand, Schwelle mit ausreichendem Überstand ü

hT, hs > 60 mm
Üs ii; 100 mm
für~ ~ 150 mm:
3
As = ~ · bs · zu l ao ,, s

AT=~ · b 5 · 0,8 · zu I a 0 ~. T 1---- -- - - - - - -1

für~ < 150 mm:


4
As = ~ · bs · ko.t · zu I ao.t. s

Träger und Schwelle ohne Überstand

5 AT = ~ · bs · 0,8 · zul a 0 ~ . T As = ~ · bs · 0,8 · zul ao.t. s

1) s. auch Tafel 8.4 und GI. (8.2)


2) maßgebend ist die kleinere Auflagerkraft A von Träger oder Schwelle

Die höheren zulässigen Querdruckspannungen, die in Tafel 8.1 , Zeile 5 in [ I stehen,


sollten bei Langzeitbelastung nach Erläuterungen zu DIN 1052 T 1 nicht verwandt wer-
den.
Bei Vollholzkonstruktionen, die beim Einbau oft eine Holzfeuchtigkeit u > 25o/o aufwei-
sen, ist eine Spannungsermäßigung für Montagezustände nach Tafel 8.3 erforderlich.
8.1.2 Zulässige Spannungen von Holzwerkstoffen 179

Zulässige Querzugspannungen
Besondere Beachtung gilt querzugbeanspruchten Holzbauteilen, da die Querzugfestig-
keit von Holz gering ist, s. Abschn. 1.10.1. Die sehr niedrigen zulässigen Querzugspan-
nungen von Vollholz nach Tafel 8.1 berücksichtigen neben der geringen Querzugfestig-
keit die lastunabhängigen Schwind- oder Trockenrisse, die oft erst nach dem Einbau des
Vollholzes auftreten und einen großen mindernden Einfluß besitzen, so daß planmäßige,
lastabhängige Querzugbeanspruchunge n bei Vollholz möglichst vermieden werden soll-
ten oder oft nur durch konstruktive Maßnahmen aufgenommen werden können.
Bei Brettschichtholz mit höheren zulässigen Querzugspannungen können sich trotz
trockener Herstellung und trockenem Einbau Schwindspannungen einstellen, die durch
spätere größere Änderungen des Umgebungsklimas verursacht werden und sich den
lastabhängigen Querzugspannungen überlagern; in querzuggefährdeten Bereichen
von Brettschichtholzbauteilen wie gekrümmten Trägern, Satteldachträgern, ausgeklink-
ten Auflagern und dergleichen mehr werden deshalb oft zusätzliche Sicherungsmaß-
nahmen gegen Queraufreißen vorgenommen wie eingeleimte Gewindestangen, s. Ab-
sehn. 7 .12, oder andere geeignete Verstärkungen. Hierüber s. Frech [73], Mähler [2461,
Mähler/Mistler [267], Mähler/Rathfelder [270], Mähler!Siebert [27 41. Mähler/Steck
[276] sowie Abschn. 13.9 und 13.12.

8.1.2 Zulässige Spannungen von Holzwerkstoffen

Die zulässigen Spannungen für Bau-Furniersperrholz nach DIN 68705 T3 und T5 BFU
bzw. BFU-BU sowie für Flachpreßplatten nach DIN 68763 können Tafel 8.6 entnommen

Tafel 8.6 Zulässige Spannungen von Bau-Furniersperrheiz BFU und Bau-Furniersperrheiz aus Buche BFU-
BU sowie Flachpreßplatten in N/mm 2 , Lastfall H 1 ) nach DIN 1052 T1

Art der Beanspruchung Bau-Furniersperrheiz Flachpreßplatten


(PE= Plattenebene) nach DIN 68705 T3 nach DIN 68763
und T5 2 ) 3 )
parallel I senkrecht Plattennenndicken in mm
zur Faserrichtung
der Deckfurniere
>13 >20 >25 >32 >40
Lagenanzahl bis bis bis bis bis bis
3 ;,;:5 3 ;,;:5 13 20 25 32 40 50

1 Biegung _!_ PE zu I <rsxv 13 5 4,5 4,0 3,5 3,0 2,5 2,0

2 Biegung in PE zu I "'Bxz 9 6 3,4 3,0 2,5 2,0 1,6 1,4

3 Zug in PE zul <rzx 8 4 2,5 2,25 2,0 1,75 1,5 1,25

4 Druck in PE zul<rox 8 4 3,0 2,75 2,5 2,25 2,0 1,75

5 Druck _!_ PE zu I <roz 3 [4,5] 3 [4,5] 2,5 2,5 . 2,5 2,0 1,5

6 Abscheren 4 ) 5 ) in PE zul r,. 0,9 [1,2] 0,9 [1,2] 0,4 0,3

7 Abscheren 5 ) _!_ PE zul <yx 1,8 [3]1 3 [4] 1,8 [3]1 3 [4] 1,8 1,2

8 Lochleibungsdruck 6 ) zu I <rt 8 4 6,0

1) zul. Erhöhung und erf. Ermäßigung s. Tafel 8.9


2) die Werte in []gelten für BFU-BU nach DIN 68705 T5
3) bei schrägem Kraftangriff s. Tafel 8.8
4) und in Leimfugen
5) auch für Schub aus Querkraft
6) für Bolzen und Stabdübel
180 8.1 Zulässige Spannungen

Tafel 8.7 Beanspruchungsarten von Bau-Furniersperrheiz

(PE = Plattenebene) Biegung _!_ PE Biegung in PE Zug / Druck in PE

parallel
zur Faser-
richtung
der
Deckfurniere

rechtwinklig
zur Faser-
2 richtung
der
Deckfurniere

werden. Für BFU-BU dürfen auch die höheren zulässigen Spannungen verwandt wer-
den, die sich nach DIN 1052 T 1 aus den Mindestfestigkeiten der DIN 68705 T5 mit
Sicherheitsbeiwert 3 errechnen lassen; diese höheren Werte können Steck [3321 ent-
nommen werden . Die Beanspruchungsarten von Bau-Furniersperrholzsind in Tafel 8.7
dargestellt.
Die zulässigen Spannungen bei Holzwerkstoffen sind stets auf den Vollquerschnitt zu
beziehen ohne Rücksicht auf unterschiedliche Festigkeiten in den einzelnen Schichten,
s. Abschn . 2.
Die zulässigen Zug- und Druckspannungen in Plattenebene bei schrägem Kraftangriff
für Bau-Furniersperrholz BFU nach DIN 68705 T3 können Tafel8.8 entnommen werden .
Für Bau-Furniersperrholzaus Buche BFU-BU nach DIN 68705 T5 sind höhere zulässige
Werte sinngemäß zu ermitteln, hierüber s. Erläuterungen zu DIN 1052 T1, Dröge/
Damm [36) und Steck [332).
Tafel 8.8 Zulässige Zug- und Druckspannungen in Plattenebene bei schrägem Kraftangriff für Bau-Furnier-
sperrholz BFU nach DIN 68705 T3 in N/mm 2 , Lastfall H 1 ) 2 ) nach DIN 1052 T 1

a Winkel zwischen Kraft- und Faserrichtung der Deckfurniere in o

0 10 20 30 40 50 60 70 80 90

zu I az. 0 8,0 6,0 4,0 2,0 2,0 2,0 2,0 2,7 3,3 4,0

1) Zwischenwerte dürfen geradlinig interpoliert werden


2) zul. Erhöhungen und erf. Ermäßigungen s. Tafel 8.9

Die zulässigen Lochleibungsspannungen zul a1 (lochleibungsdruck) können für BFU


der Tafel 8.6 entnommen werden, für BFU-BU aus mindestens fünf Lagen dürfen sie
nach DIN 1052 T 1 mit zu I a1 = 2 ·zu I aox gemäß Beiblatt 1 zu DIN 68705 T5 berechnet
werden; für beide darf geradlinig zwischen den Werten für a = 0° und a = 90° interpo-
liert werden.
Über höhere zulässige Lochleibungsspannungen zul a1 bei mindestens fünflagigem
BFU-BU in Abhängigkeit vom Stabdurchmesser s. Dröge/Kramer [38) und Erläuterun-
gen zu DIN 1052 T1 .
8.1.3 Zulässige Spannungen von Stahl und Aluminium 181

Die zulässigen Spannungen für Flachpreßplatten nach Tafel 8.6 sind in Abhängigkeit
von der Plattendicke angegeben, sie gelten in Plattenebene für jede Kraftrichtung; hier-
über s. auch Abschn. 2.
Zulässige Erhöhungen und erforderliche Ermäßigungen der zulässigen Spannungen
für Holzwerkstoffe
Die zulässigen Erhöhungen und erforderlichen Ermäßigungen der zulässigen Spannun-
gen für Holzwerkstoffe sind in Tafel 8.9 zusammengestellt. Die Ermäßigungen gelten
für Platten der Klasse 100G bei Holzfeuchten u>18% über mehrere Wochen; Platten
der Klassen 20 und 100 dürfen im Gebrauchszustand nicht mehr als u= 15% bzw. u=
18% Holzfeuchte besitzen, s. Abschn. 2.8.

Tafel8.9 Zulässige Erhöhungen und erforderliche Ermäßigungen der zulässigen Spannungen von Holz-
werkstoffen nach DIN 1052 T 1 (bezogen auf den Lastfall H), s. Tafel 8.6 und 8.8

Beanspruchungen zul. Spannungen von Holzwerkstoffen


in Tafel 8.6 und 8.8

Erhöhungen Erhöhung um Spannungsart

1 Lastfall HZ 25% alle

2 Transportzustand 50% alle

3 Montagezustand 50% alle

4 waagerechte Stoßlasten nach DIN 1055 T3 100% alle

5 Erdbebenlasten nach DIN 4149 T1 100% alle

Ermäßigung Ermäßigung um Spannungsart


bei folgenden Platten, in denen eine Feuchte > 18%
über mehrere Wochen zu erwarten ist: 1 )
6 - Bau-Furniersperrholzplatten BFU 100 G
''• alle

- Flachpreßplatten V 100G ,,3 alle

1) über die maximale Holzfeuchtigkeiten anderer Platten s. Abschn. 2.8

8.1.3 Zulässige Spannungen von Stahl und Aluminium

ln Holzkonstruktionen werden neben mechanischen Verbindungsmitteln aus Stahl oder


anderen Metallen viele Anschluß-, Auflager- und Gelenkteile vorwiegend aus Stahl
(oder Stahlguß), in geringerem Maße aus Aluminium eingesetzt.
Für tragende Stahl- und Aluminiumbauteile, deren Werkstoffgüte eindeutig nachge-
wiesen ist, gelten DIN 18800 (11.90) bzw. DIN 4113 T 1. Weiterhin gilt bis zur Einführung
einer europäischen Norm die .,alte" DIN 18800 T1 (3.81), deren zulässige Spannungen
für gebräuchliche Stahlteile in Tafel 8.10 zusammengestellt sind. Bei geraden Bauteilen
aus Flach- und Rundstahl ohne Gütenachweis sind nach DIN 1052 T 1 abgeminderte
Zug- und Biegespannungen anzusetzen, s. Tafel 8.10; im Kernquerschnitt von Rund-
stählen ebenso abgeminderte Zugspannungen. Die zulässigen Spannungen ge-
schweißter Bauteile sind den entsprechenden Normen/Richtlinien zu entnehmen.
Für Stahlteile ist ein ausreichender Korrosionsschutz nach DIN 55928 sicherzustellen,
für Aluminiumteile ist DIN 4113 zu beachten.
182 8.1 Zulässige Spannungen

Tafel8.10 Zulässige Spannungen von Stahlteilen in N/mm 2 nach DIN 18800 T1 .,alt" (3.81)

Werkstoff Last- Druck und Zug und Schub Ab- Loch- Berüh-
fall Biegedruck Biegezug, scheren leibungs- rungs-
für Stabili- Druck und druck druck
tätsnach- Biegedruck nach
weis Hertz
zu I u 0 zu I" zu I r zul Ta zu I u 1 zu I O"HE
Bauteile

gerade Flach- und H ""110 1 )


1 Rundstähle ohne
Gütenachweis HZ ""110 1 )

H 140 160 92
2 St37
HZ 160 180 104

H 210 240 139


3 St52
HZ 240 270 156

Verbindungsmittel

Rohe Schrauben H 112 280 4 )


4 nach DIN 7990
4.6 HZ 126 320 4 )

Paßschrauben H 140 320 4 )


5 nach DIN 7968
4.6 HZ 160 360 4 )

Ankerschraube H 100 2 ) 3 )
6 ohne Güte-
nachweis HZ 100 2 ) 3 )

Ankerschraube H 110 2 )
7 nach DIN 7990
4.6 HZ 125 2 )

Ankerschraube H 150 2 )
8 nach DIN 7990
5.6 HZ 170 2 )

Lager und Gelenke

H 160 210 5 ) 650 6 )


9 St 37
HZ 180 240 5 ) 800 6 )

H 240 320 5 ) 850 6 )


10 St 52
HZ 270 360 5 ) 1050 6 )

1) nur Zug und Biegezug nach DIN 1052 T1


2) nur Zug in Schraubenlängsrichtung
3) im Kernquerschnitt nach DIN 1052 T1, auch bei Rundstählen
4) Werte gelten für Materialdicken i":3 mm
5) Werte gelten nur für mehrschnittige Verbindungen
6) bei beweglichen Lagern mit mehr als zwei Rollen sind diese Werte auf 85% zu ermäßigen, solche Lager
sind jedoch möglichst zu vermeiden
8.2.1 Elastizitäts-, Schub- und Torsionsmoduln von Voll- und Brettschichtholz 183

8.2 Materialkennwerte von Voll- und Brettschichtholz sowie


Holzwerkstoffen

Materialkennwerte sind Elastizitäts-, Schub- und Torsionsmoduln, die für die Berech-
nung elastischer Formänderungen notwendig sind, sowie Quell- und Schwindmaße,
die zur Ermittlung von Formänderungen bei Feuchteeinwirkungen erforderlich werden;
ebenso Kriechzahlen, die beim Nachweis zeitabhängiger Verformungen anzusetzen
sind; weiterhin Wärmedehnzahlen, die nur in Sonderfällen zu berücksichtigen sind.

8.2.1 Elastizitäts-, Schub- und Torsionsmoduln von Voll- und


Brettschichtholz

Die Elastizitäts-, Schub- und Torsionsmoduln von Vollholz aus Nadel- und Laubholz
sowie von Brettschichtholz nach DIN 1052 T 1 können Tafel 8.11 entnommen werden.
Bei "schrägem" Kraftangriff unter dem Winkel a zwischen Kraft- und Faserrichtung
dürfen die E-Moduln nach Erläuterung zu DIN 1052 T1 näherungsweise mit GI. (1.21)
berechnet werden. E-Moduln unter dem Winkel a werden für Verformungsberechnun-
gen z. B. bei Fachwerkkonstruktionen notwendig.

Tafel8.11 Rechenwerte für Elastizitäts-, Schub- und Torsionsmoduln in N/mm 2 für Voll- und Brettschicht-
holz (Holzfeuchte u ~20%) nach DIN 1052 T1 1 )

Holzart Elastizitätsmodul Schub- Torsions-


modul modul
parallel I rechtwinklig
zur Faserrichtung
Eu j Ej_ G
Vollholz aus Nadelhölzern und Brettschichtholz

Fichte, Kiefer, Tanne, Lärche, Douglasie,


1 10000 2 ) 3 ) 300 4 ) 500 333
Southern Pine, Western Hemlock

Brettschichtholz aus Holzarten der


2 11000 300 500 500
Zeile 1

Vollholz aus Laubhölzern

Gruppe A:
3 12500 600 1000 667
Eiche, Buche, Teak, Keruing (Yang)

Gruppe B:
4 13000 800 1000 667
Atzelia, Merbau, Angelique (Basralocus)

Gruppe C:
5 17000 5 ) 1200 5 ) 1000 5 ) 667 5 )
Azobe (Bongossi), Greenhaart

1) erforderliche Ermäßigungen s. Tafel8.12


2) für Sortierklasse S7: Eu= 8000 N/mm 2
3) für Baurundholz :Eu= 12000 N/mm 2
4) für Sortierklasse S7: E1. = 240 N/mm 2
5) Werte gelten unabhängig von der Holzfeuchte

Torsionsbeanspruchungen von Voll- und Brettschichtholz dürfen näherungsweise nach


der Elastizitätstheorie isotroper Werkstoffe berechnet werden, da die Anisotropie des
Holzes bei größeren Querschnitten infolge unterschiedlicher Jahrringverläufe und
184 8.2 Materialkennwerte von Voll- und Brettschichtholz sowie Holzwerkstoffen

Wuchsfehler weniger ausgeprägt ist als bei kleinen, fehlerfreien Proben, s. Abschn.
1.8.2, und so die Elastizitätstheorie isotroper Werkstoffe für praktische Zwecke ausrei-
chend und vereinfachend angewendet werden darf, hierüber s. Möhler/Hemmer [2621
und Abschn. 15.
Erforderliche Ermäßigungen der Elastizitäts-, Schub- und Torsionsmoduln von Voll-
und Brettschichtholz
Die erforderlichen Ermäßigungen sind in Tafel 8.12 zusammengestellt. Die Abminde-
rungen der Moduln sind notwendig, da bei höheren, langandauernden Holzfeuchten
die Moduln kleiner werden; s. Abschn. 1.8.2, und dies bei Verformungsberechnungen
berücksichtigt werden muß.

Tafel8.12 Erforderliche Ermäßigungen von Elastizitäts-, Schub- und Torsionsmoduln von Voll- und Brett-
schichtholz nach DIN 1052 T1
Beanspruchungen Voll- und Brettschichtholz nach Tafel 8.11

Ermäßigung um Materialkennwert

bei Bauteilen, die der Witterung allseitig ausgesetzt


1 sind oder bei denen mit einer vorübergehenden 1 /s ') alle
Du rchfeuchtu ng zu rechnen ist

bei dauernder Durchfeuchtung, z. B. dauernd im


2
Wasser befindlichen Bauteilen
'I.') alle

1) Für Laubholz, Gruppe C, ist keine Abminderung hinsichtlich Feuchteeinwirkungen erforderlich

8.2.2 Elastizitäts- und Schubmoduln von Holzwerkstoffen

Die Elastizitäts- und Schubmoduln von Bau-Furniersperrholz nach DIN 68705 T3 und
T5 BFU bzw. BFU-BU können Tafel 8.13, von Flachpreßplatten nach DIN 68763 Tafel
8.14 entnommen werden. Für BFU-BU dürfen auch die Elastizitäts- und Schubmoduln
nach Beiblatt 1 zu DIN 68705 T5 verwandt werden; diese Werte können Steck [332]
entnommen werden.
Der Torsionsmodul Gr von Bau-Furniersperrheiz aus Buche BFU-BU kann nach Steck
[332] näherungsweise mit GT~ 400 N/mm 2 angenommen werden. Über das elastische
Verhalten von Holzwerkstoffen s. auch Abschn. 2.5.

Tafel 8.13 Rechenwerte für Elastizitäts- und Schubmoduln von Bau-Furniersperrheiz BFU und BFU-BU
nach DIN 68705 T3 und T5 aus DIN 1052 T1 in N/mm 2 1 ) 4 ) 5 )

Beanspruchungsart Elastizitätsmodul E 2 ) 3 ) ISchubmodul G 2) 3 ) 6 )

parallel II I
rechtwinklig .l II I .l
zur Faserrichtung der Deckfurniere
Langenanzahl Langenanzahl Langenanzahl
3 1 ~5 3 ~5 ~3

Biegung .l PE 8000
I 5500 400 1500 250 [400]

Biegung, Druck, Zug in PE 4500 1000 2500 500 [700]

1) erforderliche Ermäßigungen s. Tafel 8.15


2) Größere Werte dürfen verwendet werden, wenn durch Prüfzeugnis nachgewiesen
3) Bei Bau-Furniersperrheiz aus Okoume und Pappel sind die Rechenwerte um 1/ 5 abzumindern
4) PE: Plattenebene
5) über Beanspruchungsarten s. Tafel 8.7
6) Werte in 11 gelten für BFU-BU nach DIN 68705 T5
8.2.3 Quell- und Schwindmaße, Gleichgewichtsfeuchtigkeit 185

Tafel8.14 Rechenwerte für Elastizitäts- und Schubmoduln von Flachpreßplatten nach DIN 68763 aus
DIN 1052 T1 in N/mm 2 1)3)

Beanspruchungs- Elastizitätsmodul E 2 ) Schubmodul G2 )


art

Plattennenndicke in mm Plattennenndicke in mm

>13 >20 >25 >32 >40 I II


I > 13 > 20 > 25 ~I > 32, > 40
bis 13 bis 20 bis 25 bis 32 bis 40 bis 50 bis 13 bis 20 bis 25 bis 32 bis 40 bis 50
I
_!_PE 3200 2800 2400 2000 1600 1200 200 100
Biegung
in PE 2200 1900 1600 1300 1000 800 1100 11ooo 1 850 100 1 550 1 450
Druck, Zug in PE 2200 2000 1700 1400 1100 900 -

1) erforderliche Ermäßigungen s. Tafel 8.15


2) größere Werte dürfen verwendet werden, wenn durch Prüfzeugnis nachgewiesen
3) PE Plattenebene

Erforderliche Ermäßigungen der Elastizitäts- und Schubmoduln von Holzwerkstoffen


Die erforderlichen Ermäßigungen sind Tafel 8.15 zu entnehmen. Die Ermäßigungen
gelten für Holzwerkstoffplatten der Klasse 100G bei Holzfeuchten u> 18% über meh-
rere Wochen; Platten der Klassen 20 und 100 dürfen im Gebrauchszustand nicht mehr
als u= 15% bzw. u= 18% Holzfeuchte besitzen, s. Abschn. 2.8; deshalb ist eine Abmin-
derung bei diesen Klassen definitionsgemäß nicht vorzunehmen.

Tafel8.15 Erforderliche Ermäßigung von Elastizitäts- und Schubmoduln von Holzwerkstoffen nach DIN
1052 T1

Holzwerkstoffe nach Tafel 8.13 und 8.14

Ermäßigung um Materialkennwert

bei folgenden Platten, in denen eine Feuchte > 18o/o


über mehrere Wochen zu erwarten ist

- Bau-Furniersperrholzplatten BFU 100G alle

- Flachpreßplatten V 100G alle

8.2.3 Quell- und Schwindmaße, Gleichgewichtsfeuchtigkeit

Quell- und Schwindmaße für Voll- und Brettschichtholz sowie für Holzwerkstoffe sind
in Tafel 8.16 zusammengestellt. Für Voll- und Brettschichtholz sind für auj_ Mittelwerte
aus den Werten tangential und radial angegeben, s. Abschn. 1.5.4, da die Jahrringe in
Bauhölzern im allgemeinen nicht kantenparallel verlaufen und so etwa ein Mittelwert
aus tangentialem und radialem Quellen oder Schwinden zu erwarten ist.
Die Quell- und Schwindmaße gelten im gesamten hygroskopischen Bereich (bis u=
30% Holzfeuchtigkeit, unterhalb des Fasersättigungsbereiches), s. Bild 8.2. Dies kann
für praktische Zwecke vereinfachend und hinreichend genau angenommen werden,
obwohl ein linearer Verlauf der Quellungskurven nur etwa zwischen u=5% und u=
20% Holzfeuchtigkeit auftritt, s. Abschn. 1.5.3 und 1.5.4.
186 8.2 Materialkennwerte von Voll- und Brettschichtholz sowie Holzwerkstoffen

Tafel8.16 Rechenwerte der Quell- und Schwindmaße in o/o nach DIN 1052 T1 4 )

Baustoff für Änderung der Erläuterung


Holzfeuchtigkeit um
1% unterhalb des
Fasersättigungs-
bereiches
Voll- und Brettschichtholz

Fichte, Kiefer, Tanne, Lärche, Douglasie,


Southern Pine, Western Hemlock, 0,24
Brettschichtholz, Eiche

Buche, Keruing (Yang), Angelique 0,01


2 0,3
(Basralocus). Greenhaart

3 Teak, Afzelia, Merbau 0,2

,..
4 Azobe (Bongossi) 0,36
Holzwerkstoffplatten
au in PE 2 )
,..
/
"'" ' PE 3 )
~
5 Bau-Furniersperrheiz

Flachpreßplatten
- phenolharzverleimt
0,020 0,30

0.45
,-- ;;:--;p[
/ auin PE

6 0,035
- harnstoffharzverleimt 0,70 PE Plattenebene
1) Mittel aus den Werten tangential und radial zum Jahrring bzw. zur Zuwachszone
2) nur in Sonderfällen berücksichtigen
3) im allgemeinen vernachlässigbar, Werte nach Erläuterungen zu DIN 1052 T1
4) halbe Werte bei behindertem Quellen und Schwinden

hygroskopisther Bereid1

•;. rethfwinktig
zur Faserrichtung

t:.hn.

in Faserrichtung
t:.hn.
30 % 50
Hatzfeuchtigkeit u ---
8.3 Rechnerische Querschnittsänderung
8.2 Rechnerische Quellungskurven für Nadelholz (NH, infolge Schwindans bei einem Rechl-
BSH) und für Eiche (EI) und Buche (BU) nach Er- eckquerschnitt aus Voll- oder Brett-
läuterungen zu DIN 1052 T 1 schichtholz (idealisierte Annahme)

Berechnung von Querschnittsänderungen infolge Quellens oder Schwindens


Mit den Rechenwerten au nach Tafel 8.16 können Querschnittsänderungen von Voll-
und Brettschichtholz infolge Quellens und Schwindens, s. Abschn. 1.5.5, näherungs-
8.2.3 Quell- und Schwindmaße, Gleichgewichtsfeuchtigkeit 187

weise nach GI. (8.3) bis (8.5) errechnet werden; Entsprechendes gilt für Holzwerkstoff-
platten. Für den Standsicherheitsnachweis darf jedoch der gewählte Querschnitt ver-
wandt werden, zum Beispiel Querschnitt b!h nach Bild 8.3.
rechtwinklig zur Faserrichtung:
<>u Rechenwert der Quell- und
/1" h = CXu j_ • /1" U · h Schwindmaße nach Tafel 8.16 in % (8.3)
llu Holzfeuchtigkeitsdifferenz zwischen
/l"b=au l_ · /l"u · b Zustand 1 und Zustand 2 in % (8.4)
h, b Querschnittsmaße des Bauteils
in Faserrichtung (nur in Sonderfällen): I Länge des Bauteils

/1"[ = CXu u • /1" u .[ (8.5)


Die in Bild 8.3 dargestellte Querschnittsänderung ist eine rechnerische, idealisierte An-
nahme; die in Vollholzquerschnitten wirklich auftretende Querschnittsänderung ist u.a.
vom Jahrringverlauf abhängig. Da die Jahrringe im allgemeinen nicht kantenparallel
nach Bild 8.4a verlaufen, ist eine meist ungleichmäßige Querschnittsänderung nach
Bild 8.4b mit nicht mehr rechten Winkeln zwischen den Querschnittsseiten nach Ablauf
des Schwindens (oder Quellens) zu erwarten, s. auch Erläuterungen zu DIN 1052 T1 .
Verlaufen die Jahrringe jedoch kantenparallel nach Bild 8.4c, so ist eine gleichmäßige
Querschnittsänderung nach Bild 8.4d zu erwarten. Solche "kantenparallelen" Jahrring-
verläute kommen in der Praxis bei Bauhölzern selten vor oder sind bei Bedarf durch
besondere Holzauswahl sicherzustellen . Nur in diesen Fällen sollten die Quell- und
Schwindmaße der Tafel 8.17 angenommen werden, bei denen zwischen tangentialem
und radialem Quellen oder Schwinden unterschieden wird . Diese Quell- und Schwind-
maße entsprechen etwa den differentiellen Quellungen q der Tafel 1.4.

e- ~

~
r.:;
e-- r::-:== :---:
f:::=_
a) b) C) d)
8.4 Querschnittsänderung von Holzrechteckquerschnitten beim Schwinden
a) Holzquerschnitt mit nicht kantenparallelem Verlauf der Jahrringe (verbreitet bei Bauholz), b) Holz-
querschnitt a) nach Beendigung des Schwindens, c) Holzquerschnitt mit kantenparallelem Verlauf der
Jahrringe (selten bei Bauholz). d) Holzquerschnitt c) nach Beendigung des Schwindans

Das Quellen und Schwinden von Voll- und Brettschichtholz in Faserrichtung kann im
allgemeinen vernachlässigt werden, da das Quell- und Schwindmaß au 11 nach Tafel8.16
"klein" ist. Bei großen Bauteillängen und großen Holzfeuchtigkeitsänderungen treten
jedoch in Faserrichtung Längenänderungen auf, die oft nicht mehr zu vernachlässigen
sind . Die Anordnung beweglicher Lager, Gleitlager und dergleichen mehr bei zum Bei-
spiel "langen" Brettschichtträgern schafft notwendigen Bewegungsraum und verhin-
dert Schäden.
Die Quell- und Schwindmaße von Holzwerkstoffen in Plattenebene sind etwa um den
Faktor zehn kleiner als diejenigen von Voll- und Brettschichtholz, s. Tafel 8.16; trotzdem
sollten große Feuchtigkeitsänderungen bei Holzwerkstoffplatten wegen ihrer oft gro-
ßen Abmessungen in beiden Plattenebenen berücksichtigt werden . Senkrecht zur Plat-
tenebene darf das Quellen und Schwinden im allgemeinen vernachlässigt werden, da
trotz der großen Quell- und Schwindmaße senkrecht zur Plattenebene die auftreten-
den Verformungen senkrecht zur Plattenebene wegen der "kleinen" Plattendicken ge-
ring bleiben und diese kleinen Verformungen im allgemeinen bei Holzkonstruktionen
188 8.2 Materialkennwerte von Voll- und Brettschichtholz sowie Holzwerkstoffen

Tafel8.17 Rechenwerte der Quell- und Schwindmaße in % für Voll- und Brettschichtholz bei Quer-
schnitten mit kantenparallel verlaufenden Jahrringen nach Erläuterungen zu DIN 1052 T1 1 ) 2 ) 3 )

Holzart für Änderung der Holz- Erläuterung


feuchtigkeit um 1%
unterhalb des Faser-
sättigungsbereiches
tangential [ radial
zum Jahrring
O'u, t au. r

Fichte, Kiefer, Tanne, Lärche, Douglasie,


Southern Pine, Western Hemlock, 0,32 0,16
Brettschichtholz, Eiche

Buche, Keruing (Yang). Angelique


2 0,40 0,20
(Basralocus). Greenheart

0,25 0,15
au.rf
3 Teak, Afzelia, Merbau

4 Azobe (Bongossi) 0,41 0,31 C'lu,t

1) nur in Sonderfällen rechnerisch annehmen, wenn kantenparalleler Jahrringverlauf vorliegt, im allgemei-


nen Rechenwerte der Tafel8.16 verwenden
2) Quell- und Schwindmaße "u ll in Faserrichtung nach Tafel 8.16
3) halbe Werte bei behindertem Quellen und Schwinden

nicht zu Mängeln oder Schäden führen, hierüber s. Abschn. 2.4 und Erläuterungen
zu DIN 1052 T1. Über die Wahl von Holzwerkstoffplatten in Abhängigkeit von der zu
erwartenden Feuchtebeanspruchung s. Abschn. 2.8.
Bei behindertem Quellen oder Schwinden dürfen die halben Werte der Tafel 8.16 und
8.17 angesetzt werden, s. auch Abschn. 1.5.5. Holzbauteile unterliegen behindertem
Quellen oder Schwinden, wenn ihre Quell- und Schwindverformungen durch andere
Bauteile aus Holz, Holzwerkstoffen, Metall und dergleichen mehr behindert werden;
zum Beispiel wenn Bauteile direkt an anderen anliegen oder kraftschlüssig miteinander
verbunden sind.
Behindertes Schwinden ist nach Erläuterungen zu DIN 1052 T 1 oft bei Konstruktionen
Stahl/Holz zu beobachten, wenn Stahlbleche quer zur Faser des Holzes mit stabförmi-
gen Verbindungsmitteln wie Stabdübel oder Paßbolzen angeschlossen sind und eine
größere Holzfeuchtigkeitsabnahme zum Queraufreißen des Holzes führen kann.
Behindertes Quellen infolge fehlender Fugen bei Fußbodenbrettern oder Dachschalun-
gen kann bei Holzfeuchtigkeitszunahme größere Verformungen nach sich ziehen.

Gleichgewichtsfeuchtigkeit
Die Gleichgewichtsfeuchtigkeit ist die Feuchtigkeit in Voll- und Brettschichtholz sowie
in Holzwerkstoffen, die sich nach bestimmter Zeit je nach vorhandenem Umgebungs-
klima im Gebrauchszustand im Mittel einstellt, s. Abschn. 1.5. Die Gleichgewichtsfeuch-
tigkeit, die sich nach DIN 1052 T 1 in Holzbauwerken und -konstruktionen einstellt, kann
Tafel 1.3 entnommen werden.
Die Einbaufeuchte von Voll- und Brettschichtholz sollte etwa der zu erwartenden
Gleichgewichtsfeuchte im Gebrauchszustand entsprechen, um nachteilige Verformun-
gen der Konstruktionen möglichst " klein" zu halten, s. Abschn. 1.5.5. Da bei Vollholz-
bauteilen die Einbaufeuchte oft u > 25% beträgt und bei solchen Holzkonstruktionen im
allgemeinen ein Nachtrocknen zu erwarten ist, sind die auftretenden Schwindverfor-
mungen bei Planung und Herstellung bereits zu berücksichtigen; oft kann ein mehrma-
liges Überprüfen solcher Holzkonstruktionen in Zeitabständen erforderlich werden .
8.2.4 Kriechzahl 189

Über Rißbildungen im Holz infolge zu großer Holzfeuchtigkeitsänderungen s. Abschn.


1.5.6 und 1.5.7; die zulässige Feuchtebeanspruchung von Holzwerkstoffen wird in
Abschn. 2.8 näher beschrieben.

8.2.4 Kriechzahl

Beim Durchbiegungsnachweis sowie bei Verdrehungsberechnungen sind nach


DIN 1052 T 1 Kriechverformungen infolge ständiger Last für Bauteile aus Voll- und
Brettschichtholz sowie aus Holzwerkstoffen zu berücksichtigen. Die Kriechverformung
darf bei biegebeanspruchten Bauteilen proportional zur elastischen Verformung ange-
nommen werden; sie ist nachzuweisen, wenn das Verhältnis der ständigen Last g zur
Gesamtlast q größer als 50% ist.
Die Kriechzahl rp berechnet sich für Einfeldträger nach GI. (8.6). Für Bauteile aus Voll-
und Brettschichtholz sowie aus Bau-Furniersperrholz ist llk je nach Gleichgewichts-
feuchtigkeit im Gebrauchszustand nach GI. (8.7) und (8.8) zu berechnen. Über das Krie-
chen von Voll- und Brettschichtholz sowie Bau-Furniersperrholz s. Abschn. 1.9 bzw. 2.6.
1
rp=--1 für g/q >0,5 (8.6)
lJk

für Voll- und Brettschichtholz sowie Bau-Furniersperrholz

3 g Faktor für GI (8.6) in Abhängigkeit


llk = - - - für u ~ 18% 'lk (8.7)
2 q von der Gleichgewichtsfeuchtigkeit
im Gebrauchszustand
5 4 g g ständige Last
llk =---.- für u > 18% q Gesamtlast (8.8)
3 3 q

Für Flachpreßplatten, deren Gleichgewichtsfeuchte ständig u< 15% beträgt, sind die
gleichen Kriechzahlen rp wie bei Vollholz und Bau-Furniersperrholzfür u~ 18% nach GI.
(8.6) und (8.7) anzusetzen. Liegt die Holzfeuchtigkeit bei Flachpreßplatten nicht ständig
unter u= 15%, sind für ffJ die zweifachen Werte nach GI. (8.6) anzunehmen. Diese Rege-
lung berücksichtigt das starke Kriechen von Flachpreßplatten bei höherer Holzfeuchtig-
keit; hierüber s. Abschn. 2.6.
Für andere Tragsysteme (die vom Einfeldträger abweichen) und nicht gleichmäßig ver-
teilter Last darf die Kriechzahl nach GI. (8.6) näherungsweise mit dem Verhältnis vor-
handene Biegespannung infolge ständiger Last vorh a9 zur zulässigen Biegespannung
zul a 8 anstelle des Verhältnisses g/q berechnet werden, s. Erläuterungen zu DIN 1052
T1.
Bei Dächern wird die Schneelast für die Kriechverformungsberechnung als kurzfristig
wirkend angenommen, wenn als Regelschneelast nach DIN 1055 T5 S0 = 0,75 kN/m 2
rechnerisch anzusetzen ist; wird jedoch die Regelschneelast s0 > 0,75 kN/m 2 , ist ein
ständig wirkender Schneelastanteil nach GI. (8.9) bei der Berechnung der Kriechzahl rp
zu berücksichtigen.
Bei Wohnhausdächern, ausgenommen Flachdächern bis ~·=5o Dachneigung, dürfen
Kriechverformungen für den Durchbiegungsnachweis vernachlässigt werden, da ihr
Anteil an der Gesamtverformung im allgemeinen "klein" ist.
s, S0 Schneelast bzw. Regelschneelast
s' = 0,5 (S0 - 0,75) · S/S0 nach DIN 1055 T5 in kN/m 2 (8.9)
190 8.2 Materialkennwerte von Voll- und Brettschichtholz sowie Holzwerkstoffen

ln Sonderfällen sollte nach Erläuterungen zu DIN 1052 T 1 die Kriechverformung bereits


ab einem Belastungsverhältnis g/q = 0,3 an statt g/q = 0,5 berechnet werden, da Krie-
chen in Wirklichkeit schon unter Eigenlast beginnt, s. Abschn. 1.9. Als derartiger Son-
derfall ist zum Beispiel ein Flachdach mit einer Dachneigung y~ 1o anzuführen, bei dem
große Verformungen und Wassersackbildung möglichst auszuschließen sind.
Das Kriechen unter Schub- oder Torsionsbeanspruchung wird in DIN 1052 T 1 nicht
geregelt und ist im allgemeinen auch nicht nachzuweisen, obwohl die Kriechverfor-
mungen unter derartigen Beanspruchungen größer sind als diejenigen unter Biegebe-
anspruchung, s. Abschn. 1.9.
Wird jedoch in Sonderfällen die Berücksichtigung von Kriechverformungen aus Schub
oder Torsion erforderlich, empfehlen Erläuterungen zu DIN 1052 T 1 für Träger aus Na-
delvoll- und Brettschichtholz, diese Verformungen aus ständiger Last und Schneelast
bei einer Gleichgewichtsfeuchtigkeit von u~ 18% mit GI. (8.10) und (8.11) zu berech-
nen. Die Kriechzahlen errechnen sich nach GI. (8.6).

c
FürNadelvoll-und Brettschichtholz:

_ 2 MTg ) für u (8.10)


1'/k - 3 2- max MT ~ 18% Torsionsmoment aus stän-

c
~g
diger Last
bzw. MTs Torsionsmoment aus Schnee-
last
4 MTs ) für u
1'/k =5 2- max MT ~ 18% maxMT maximales Torsionsmoment (8.11)

Die Berechnung der Kriechverformungen bei Biegeträgern wird in Abschn. 13.5.2


näher beschrieben.

8.2.5 Temperaturänderungen in Holzkonstruktionen

Im Gebrauchstemperaturbereich dürfen temperaturabhängige Verformungen von Voll-


und Brettschichtholz sowie Holzwerkstoffen in Holzkonstruktionen nach DIN 1052 T 1
vernachlässigt werden. Die Änderungen der Holz-Bauteilabmessungen sind im Vergleich
zu anderen Baustoffen "klein". Nur in Sonderfällen wie beispielsweise Holz-Metall- und
Holz-Beton-Konstruktionen können Nachweise der Verformungen aus Temperaturän-
derungen und eventuell auftretender Zwängungskräfte notwendig werden, hierüber s.
Abschn. 1.6 und 2.4.
9 Allgemeine Bemessungsregeln

Die ausreichende Bemessung aller tragenden Einzelbauteile und die räumliche Ausstei-
fung der Gesamtkonstruktion sind für die Standsicherheit eines Bauwerkes gleicherma-
ßen von großer Wichtigkeit. Bei Versagen oder Ausfall eines Bauteils ist die Standsi-
cherheit der Gesamtkonstruktion weiter zu gewährleisten; die daraus entstehenden Fol-
gen sind durch geeignete Maßnahmen möglichst einzugrenzen, zum Beispiel Vermei-
den einer kinematischen Kette bei Gerbergelenkträgern durch richtige Anordnung der
Gelenke.

9.1 Lasten und Lastfälle

Haupt-, Zusatz- und Sonderlasten


Nach DIN 1052 T 1 werden die Lasten, die auf ein Bauwerk (Tragwerk) wirken, in
Haupt-, Zusatz- und Sonderlasten eingeteilt; sie sind in Tafel 9.1 zusammengestellt.

Tafel9.1 Haupt-, Zusatz- und Sonderlasten nach DIN 1052 T1

Hauptlasten ständige Lasten


Verkehrslasten einschließlich Schneelasten, jedoch ohne Windlasten
freie Massenkräfte von Maschinen
Seitenlasten 1 ) auf Aussteifungskonstruktionen, soweit sie aus Hauptlasten entstehen

Zusatzlasten Windlasten
Bremskräfte
waagerechte Seitenkräfte (z. 8. von Kranen)
Zwängungen aus Temperatur- und Feuchteänderungen
Seitenlasten 1 ) auf Aussteifungskonstruktionen, soweit sie aus Zusatzlasten entstehen

Sonderlasten waagerechte Stoßlasten


Erdbebenlasten

1) s. Abschn. 16

Den Hauptlasten werden alle ständig oder über lange Zeit wirkenden Lasten zugeord-
net: dies sind im allgemeinen die Eigenlasten (Eigengewichte) von Einzelbauteilen bzw.
Bauteilschichten (ständige Lasten), die Verkehrslasten einschließlich der länger auftre-
tenden Schneelasten, die Seitenlasten (Stabilisierungslasten) aus diesen Hauptlasten
sowie freie Massenkräfte von Maschinen.
Den Zusatzlasten werden alle kurzfristig wirkenden Lasten wie Windlasten, Brems-
kräfte und waagerechte Seitenkräfte (zum Beispiel von Kranen) sowie Seitenlasten
(Stabilisierungslasten) aus diesen Zusatzlasten zugeordnet. Zwängungen aus Tempera-
tur- und Feuchteänderungen gehören ebenfalls den Zusatzlasten an; sie sind jedoch,
besonders die Zwängungen aus Temperaturänderung, bei Holzbauwerken oft von un-
tergeordneter Bedeutung.
Den Sonderlasten werden kurzfristig und selten wirkende stoßartige Lasten wie Erd-
bebenlasten und waagerechte Stoßlasten zugeordnet.

Lastfälle
Nach DIN 1052 T 1 werden folgende Lastfälle für den Standsicherheitsnachweis unter-
schieden:
192 9.2 Lastannahmen für Holzbauwerke (ständige Last)

lastfall H : Summe der Hauptlasten,


lastfall HZ: Summe der Haupt- und Zusatzlasten.
Wird ein Bauteil, außer von seiner Eigenlast, nur durch Zusatzlasten beansprucht (zum
Beispiel bei "reinen" Windverbänden), so gilt die größte Zusatzlast als Hauptlast.
Die Einzellast (Mannlast) nach DIN 1055 T3 ist stets eine Zusatzlast
Nach Erläuterungen zu DIN 1052 T1 ist für den Standsicherheitsnachweis der Lastfall
maßgebend, der die größten Beanspruchungen der Querschnitte und die meisten Ver-
bindungsmittel ergibt. Dieser für die Bemessung maßgebende Lastfall kann oft über
die Schnittgrößen der einzelnen Lastfälle gefunden werden.

9.2 Lastannahmen für Holzbauwerke (ständige Last)

Die Lastannahmen für den Standsicherheitsnachweis sind den entsprechenden Nor-


men zu entnehmen, insbesondere der DIN 1055. Die auf ein Bauwerk einwirkenden
Lasten sind sorgfältig zu ermitteln. Fehlerhaft berechnete oder gar fehlende Lasten
können die Standsicherheit der Bauteile/des Bauwerks beeinträchtigen oder gefährden.
Deshalb gehören eine korrekte Lastaufstellung und ein eindeutiger Lastabtrag (im all-
gemeinen bis in die Bauwerksfundamente und den Baugrund) zu den wichtigen Be-
standteilen einer statischen Berechnung (Standsicherheitsnachweis).
Neben den Lasten und Lastfällen, die im Gebrauchszustand auf Bauwerke (nach deren
Fertigstellung) einwirken und rechnerisch angesetzt werden müssen, sind darüber hin-
aus auch Lasten und Lastfälle während der Errichtungsphasen von Bauwerken zu be-
rücksichtigen, die nur bei bestimmten Bau- und Montagezuständen auftreten und
ebenfalls Standsicherheitsnachweise erfordern.
Im folgenden werden ständige Lasten für übliche Holzbauwerke beschrieben; andere
Lasten wie Verkehrs-, Wind-, Schnee- und Eislasten können DIN 1055 T3, T 4 und T5
sowie auch Schneider [323], Wetzeil [356] und anderen entnommen werden.
Ständige last
Die ständige Last ist die Summe der unveränderlichen Lasten, das heißt das Gewicht
der tragenden oder stützenden Bauteile und der unveränderlichen, von diesen dauernd
aufzunehmenden Lasten (z. B. Fußbodenbeläge, Putz und dergleichen mehr).
Eigengewichte g (Eigenlasten) sind ständige Lasten. Bei Holzdachkonstruktionen gehö-
ren zu den Eigengewichten im allgemeinen das Gewicht der Dachhaut, ein Zuschlag
für Sparren, Pfetten und Verbände, das Gewicht der Binder und, falls vorhanden, das
Gewicht einer untergehängten Decke sowie anderer Dachaufbauten. Bei Heizdecken-
konstruktionen sind im allgemeinen als Eigengewichte die Gewichte der einzelnen Fuß-
bodenschichten, ein Zuschlag für die Holzbalken und das Gewicht einer untergehäng-
ten Decke vorhanden. Bei anderen Holzkonstruktionen ist zur Ermittlung der Eigenge-
wichte sinngemäß zu verfahren.
Die Rechenwerte der Eigenlasten nach DIN 1055 T1 von Holz und Holzwerkstoffen
sind in Tafel 9.2, die gebräuchlicher Dachdeckungen für Hausdächer in Tafel 9.3 und
die gebräuchlicher Dachdeckungen für Hallendächer in Tafel 9.4 zusammengestellt. Die
Rechenwerte für gebräuchliche Unterdecken können Tafel 9.5 entnommen werden.
Bei den Rechenwerten von Holz und Holzwerkstoffen nennt DIN 1055 T1 zwei Werte,
die untere und obere Grenzwerte darstellen. Für rechnerische Nachweise ist der jeweils
ungünstigere Grenzwert zu verwenden, zum Beispiel für die Bemessung der Tragwerke
der obere, beim Nachweis gegen Abheben durch Windsog der untere Grenzwert.
9.2 Lastannahmen für Holzbauwerke (ständige Last) 193

Tafel9.2 Rechenwerte der Eigenlasten (Eigengewichte) von Holz und Holzwerkstoffen nach DIN 1055 Tl
Baustoff Rechenwerte 1 ) 2 ) 3 )
in kN/m 3
Voll- und Brettschichtholz
Nadelholz, allgemein 4,0 oder 6,0
Brettschichtholz im Holzleimbau 4,0 oder 5,0
Laubholz 6,0 oder 8,0
Hölzer aus Übersee Nachweis erforderlich
Holzwerkstoffe
Spanplatten nach DIN 68761 und DIN 68763 5,0 oder 7,5
Bau-Furniersperrheiz BFU 4 ) nach DIN 68705 T3 4,5 oder 8,0
Bau-Stabsperrheiz (Tischlerplatten) nach DIN 68705 T 4 4,5 oder 6,5
2
Hartfaserplatten HFH nach DIN 68754 T 1 9,0 oder 11,0
Mittelharte Faserplatten HFM nach DIN 68754 Tl 6,0 oder 8,5
Poröse Holzfaserplatten (Dämmplatten) nach DIN 68750 2,5 oder 4,0
1) obere und untere Grenzwerte; der ungünstigste ist jeweils zu verwenden, zum Beispiel der obere Grenz-
wert für die Bemessung der Tragwerke, der untere für den Nachweis gegen Abheben durch Windsog
2) Zuschläge für kleine Stahlteile (zum Beispiel Nägel, Bolzen, Dübel, Stabdübel, Paßbolzen), Anstriche
oder Tränkung sind in diesen Berechnungsgewichten enthalten. Die Gewichte für stählerne Zugglieder,
Knotenbleche, Laschen und dergleichen mehr sind besonders zu berücksichtigen
3) gegen Witterungs- und Feuchtigkeitseinflüsse geschützt
4) für Bau-Furniersperrheiz aus Buche BFU-BU nach DIN 68705 T5 empfiehlt Steck [332] Rechenwerte von
6,0 oder 8,0 kN/m 3

Tafel9.3 Rechenwerte der Eigenlasten gebräuchlicher Dachdeckungen von Hausdächern


nach DIN 1055 Tl
Dachdeckung Rechenwerte 1 ) 3 )
in kN/m 2 Dachfläche
Dachziegel, Betondachsteine 2 )
Betondachsteine mit mehrfacher Fußverrippung und
- hochliegendem Längsfalz bis 10 St./m 2 0,50
über 10 St./m 2 0,55
- tiefliegendem Längsfalz bis 10 St./m 2 0,60
über 10 St./m2 0,65

Bieberschwanzziegel nach DIN 456:


- Spließdach einschließlich Schindeln 0,60
- Doppeldach und Kronendach 0,75
Falzziegel, Reformpfannen, Falzpfannen, Flachdachpfannen nach DIN 456 0,55
Mönch und Nonne (mit Vermörtelung) 0,90
Schieferdeckung
altdeutsche Schieferdeckung und deutsche Schuppenschablonendeckung
auf 22 mm Schalung, einschließlich Pappunterlage und Schalung:
2
- in einfacher Deckung 0,50
0,60
- in doppelter Deckung
sonstige Dachdeckungen 3 )
Schindeldach, einschließlich Latten 0,25
3
Rohr-/Strohdach, einschließlich Latten 0,70

1 ) Rechenwerte gelten für 1 m 2 Dachfläche ohne Sparren, Pfetten und Dachbinder; Dfl. ~ Dachfläche
2) Die Rechenwerte gelten, soweit nicht angegeben, ohne Vermörtelung, aber einschließlich Latten; bei
Vermörtelung sind 0,1 kN/m 2 zuzuschlagen
3 ) Dachabdichtungen und Wärmedämmungen s. Tafel 9.4 und 9.5
194 9.2 Lastannahmen für Holzbauwerke (ständige Last)

Tafel9.4 Rechenwerte der Eigenlasten gebräuchlicher Dachdeckungen von Hallendächern


nach DIN 1055 T1

Dachdeckung Rechenwerte 1 )
in kN/m 2 Dachfläche

tragende Dachdeckungen aus Holz, Holzwerkstoffen, Metallen

Holzschalung aus Nadelholz, je cm Dicke 0,06 2 )


Spanplatten, Flachpreßplatten nach DIN 68763, je cm Dicke 0,075 2 )
Bau-Furniersperrholzplatten nach DIN 68705 T3 und T5, je cm Dicke 0,08 2 )
Stahltrapezprofile, verschiedene Profilquerschnitte 0,075 bis 0,24
Aluminiumdach, 0,7 mm dick, einschließlich 22 mm Schalung 0,25
Kupferdach, doppelte Falz, 0,6 mm dick, einschließlich 22 mm Schalung 0,30

Dämmstoffe

Schaumkunststoffplatten nach DIN 18164, je cm Dicke 0,004


Faserdämmstoffe nach DIN 18165, je cm Dicke 0,01

Dachabdichtungen. Sperrschichten 3 )

31agige Dachabdichtung einschließlich Klebemasse 0,17


21agige Dachabdichtung einschließlich Klebemasse 0,13
Dampfausgleichsschicht einschließlich Klebemasse 0,04
Dampfsperre einschließlich Klebemasse 0,07
aus Kunststoffbahn, lose 0,02

Oberflächenschutz
Kiesschüttung einschließlich Deckaufstrich, d=5cm 1,0
Mehrgewicht für jeden weiteren cm 0,19
Bekiesung (Kiespressung) einschließlich Kieseinbettmasse je Schicht 0,20
Besplittung einschließlich Deckenaufstrich je Schicht 0,05

1) Die Rechenwerte gelten für 1 m 2 Dachfläche ohne Sparren, Pfetten und Dachbinder; Dfl. ~ Dachfläche
2) aus Rechenwerten der Tafel 9.2
3) aus bituminösen Dachbahnen und Kunststoffbahnen

Tafel9.5 Rechenwerte der Eigenlasten gebräuchlicher Unterdecken nach DIN 1055 T1

Schichten für Unterdecken Rechenwerte 1 )


in kN/m 2 Deckenfläche

Holzdecke aus Nadelholz je cm Dicke 0,06


aus Laubholz 2 ) je cm Dicke 0,08
Spanplatten nach DIN 68763 je cm Dicke 0,075
Gipskartonplatten nach DIN 18180 je cm Dicke 0,11
Gipsputz je cm Dicke 0,12
Holzwolleleichtbauplatten nach DIN 1101 je cm Dicke 0,06
Schaumkunststoffplatten nach DIN 18164 je cm Dicke 0,004
Faserdämmstoffe nach DIN 18165 je cm Dicke 0,01
Dampfsperre aus Kunststoffbahnen je Lage 0,02

1) Die Rechenwerte gelten für 1 m 2 Deckenfläche ohne Lattungen, Aufhängungen und dergleichen mehr
2) bei Hölzern aus Übersee ist ein Nachweis erforderlich

Zur Abschätzung der Eigengewichte von tragenden Holzbauteilen wie Sparren, Pfet-
ten, Verbänden, Vollwand- und Fachwerkbindern sind in Tafel 9.6 Näherungswerte an-
gegeben. Sie gelten für gebräuchliche Dachdeckungen und für übliche Abstände, die
Tafel 9.7 entnommen werden können. Diese am Anfang einer Bemessung geschätzten
Eigengewichte sollten stets an deren Ende mit den tatsächlich vorhandenen Eigen-
gewichten verglichen und gegebenenfalls korrigiert werden.
9.3 Lastaufstellung bei Dachflächen 195

Tafel9.6 Näherungswerte für Eigengewichte von tragenden Holzbauteilen in Flach- und Steildächern bei
gebräuchlichen Stützweiten und Abständen 1 ) 2 )

Eigengewichte von Sparren, Eigengewichte von Vollwand- Eigengewichte von Fachwerk·


Pfetten und Verbänden bindern bindern
bei einer Dachneigung nach Gattnar/Trysna (77]

)'< 15° )'~ 15° allgemein bei Hallenbauten


kN/m 2 Gfl. kN/m 2 Gfl. kN/m 2 Gfl. kN/m 2 Gfl.

1- 15 I in m
0,15 0,25 bis 0.45 3 ) 0,10 bis 0,40 0,15 bis 0,60 g = 0,15 + - -
200 g in kN/m 2 Gfl.

1) s. auch Tafel 9.7


2) Gfl. ~ Grundrißfläche
3) mit Ziegeldachdeckung

Tafel 9.7 Gebräuchliche Abstände e tragender Holzbauteile bei Haus- und Hallendächern

Hausdächer - Sparrenabstand e
untereinander:
~ 0.7 m ;;; e ;;; 1,0 m

Hallendächer - Binderabstand e1 1 )
untereinander:
~ 5.0 m ;;; e, ;;; s,o m

- Sparrenpfetten-Abstand e2
untereinander:
Sparrenpfette
Hallenlängsrichlung-
e2 =1,0 m

1) be i Fachwerkbindern kleinerer Stützweite sind oft kleinere Abstände wirtschaftlich

9.3 Lastaufstellung bei Dachflächen

Bei den Lastannahmen für Dachflächen werden die einzelnen Lasten nach DIN 1055 auf
verschiedene Bezugsflächen bezogen:
- das Eigengewicht g auf 1 m 2 Dachfläche, g wirkt in Richtung des Erdmittelpunktes,
- der Winddruck w auf 1 m 2 Dachfläche, w wirkt senkrecht zur Dachfläche,
- die Schneelast sauf 1 m 2 Grundrißfläche, s wirkt in Richtung des Erdmittelpunktes.
196 9.3 Lastaufstellung bei Dachflächen

Geneigte Dachflächen
Bei geneigten Dachflächen ist die Aufteilung der Lasten in Teillasten notwendig, wenn
Bauteile dieser geneigten Dachflächen zu bemessen sind. Eine Übersicht über Lastver-
teilungen gibt Tafel 9.8. Beim Winddruck w nach DIN 1055 T 4 ist zu beachten, daß der
Winddruck w bezogen auf 1 m 2 Dachfläche gleich ist dem Winddruck bezogen auf 1 m 2
Grundrißfläche und gleich ist dem Winddruck bezogen auf 1 m 2 Aufrißfläche. Der
Nachweis kann GI. (9.1) und (9.2) entnommen werden, s. auch Tafel 9.8.

Tafel 9.8 Lastverteilung bei geneigten Dachflächen 1) 2 ) 3 ) 4 )

Lastart Teillast

Eigengewicht g

bezogen auf 1 m 2 Dachfläche:


g, = g · cos a in kN/m2 Dfl.
g 11 = g-sin a in kN/m 2 Dfl.

bezogen auf 1 m 2 Grundrißfläche:


g = g/cos a in kN/m 2 Gfl.

Grundrinfläche

Winddruck w = c0 · q nach DIN 1055 T 4, s. auch GI. (9.1) und (9.2)

bezogen auf 1 m 2 Dachfläche:


w0 = w in kN/m 2 Dfl.

bezogen auf 1 m 2 Grundrißfläche:


wG= w in kN/m2 Gfl.
2
bezogen auf 1 m 2 Aufrißfläche:
wA= w in kN/m 2 Afl.

Schneelast s = ks · s 0 nach DIN 1055 T 5 5 )

bezogen auf 1 m 2 Dachfläche:


s, = s. cos 2 a in kN/ m2 Dfl.
s 11 = s-sin a - cos a in kN/ m2 Dfl.
bezogen auf 1 m 2 Grundrißfläche:
3 S = k8 · S0
m it
ks = 1
a - 30°
ks = 1 - 4(p""

1) die Lasten werden üblicherweise in kN/m 2 angegeben


2) Lasten mit Querstrich (g, s) sind auf die Grundrißfläche bezogen
3 ) Df l. ~ Dachfläche, Gfl. ~ Grundrißfläche, Af l. ~ Aufrißf läche
4 ) Lastaufstellungen s. Tafel 9.9
5 ) ks: Abminderungswert infolge Dachneigung a ; S 0 : Regelschneelast
9.3 Lastaufstellung bei Dachflächen 197

W· cos a
WG= =w (9.1)
1,0 · cos a

W·Sina
wA= =w (9.2)
1,0 · sina

Leicht geneigte Dachflächen m it einem Dachneigungswinkel etwa a~ 3° können für


praktische Zwecke im allgemeinen wie waagerechte Dachflächen behandelt werden,
=
da die cos-Teillast 1 und diesin-Teillast oft vernachlässigbar klein ist.

Lastaufstellungen für Bauteile geneigter Dachflächen sind in Tafel 9.9 angegeben.

Tafel9.9 Lastaufstellung für Bauteile geneigter Dachflächen bei gleichmäßig verteilten Dachlasten 1 ) 2 )

Bauteil, Belastung Linienlast q auf das Bauteil


in kN/m

geneigtes Bauteil, z. B. Sparren

Belastung .l zum Bauteil :


Schnee q ~ = (g . cosa + 5 · cos 2 a+ w) · e
W ind

Ei gen- Belastung II zum Bauteil:


gewicht
qll = (g · sin a + 5· sin a ·cos a) · e

e Abstand der Bauteile


untereinander in m
g, 5, w in kN/ m 2

waagerechtes Bauteil zur Dachflächenunterstützung, z. B. Pfette

Belastung in vertikaler Richtung :


b,
q v = (g/cos a + 5+ w ) · (b 1 + b 2 )/2

2 Belastung in horizontaler Richtung :


qh = W · (h, + h2)/2

b, h in m
9,5, w in kN/m 2

1) d ie Lin ienlasten werden üblicherweise in kN/m angegeben


2) s. auch Tafel 9.8

Waagerechte Dachflächen
Bei waagerechten Dachflächen vereinfachen sich die Lastaufstellungen, da der Dach-
neigungswinkel a = 0° ist; Eigengewicht, Schnee- und Windlast wirken in senkrechter
Richtung auf die gleiche Bezugsfläche und können vorzeichengerecht überlagert wer-
den.
198 9.5 Mindestquerschnitte für Voll- und Brettschichtholz sowie Holzwerkstoffe

9.4 Nachweis gegen Abheben bei Windsogspitzen

Werden beim Nachweis gegen Abheben von Einzelbauteilen die Windsogspitzen nach
DIN 1055 T 4 (erhöhte Sogbeiwerte cpl berücksichtigt, so darf der Nachweis nach GI.
(9.3) geführt werden. Die Bemessung mit diesem Nachweis ergibt eine ausreichende
Sicherheit.

FTrag ~11. S _ SG Dach (9.3)


1,3 - ' Sog 1, 1

FTrag Traglast des Verbindungsmittels, SG oach Auflagerkraftanteil aus der Eigenlast des
=1,8-zuiN, trockenen Daches; hierbei ist der untere
zul N zulässige Belastung des Verbindungsmit- Rechenwert nach Tafel 9.2 einzusetzen;
tels im Lastfall H nach Abschn. 7 falls ein unterer Rechenwert bei Eigen-
5509 Auflagerkraftanteil aus Wind unter Berück- lasten nicht vorhanden ist, darf mit dem
sichtigung der Windsogspitzen 0,8fachen Rechenwert gerechnet werden

Günstig wirkende Verkehrslasten, günstig wirkende Windlasten und Lasten, die nicht
fest mit dem Dach verbunden sind, zum Beispiel lose Kiesschüttungen, dürfen rechne-
risch nicht angesetzt werden.

9.5 Mindestquerschnitte für Voll- und Brettschichtholz sowie Holz-


werkstoffe

Tragende einteilige Einzelquerschnitte aus Vollholz und tragende Platten aus Holzwerk-
stoffen müssen nach DIN 1052 T 1 Mindestdicken und Mindest-Querschnittsflächen be-
sitzen, soweit nicht vorhandene Verbindungsmittel größere Mindestmaße erfordern.
Die Mindestdicken und Mindest-Querschnittsflächen sind in Tafel 9.10 zusammenge-
stellt. Die Festlegung von Mindestquerschnitten ist notwendig, da bei kleinen Quer-
schnitten sich Fehlstellen, Verkrümmungen, Holzfeuchtigkeitsänderungen (Schwinden)
und dergleichen mehr stärker auswirken als bei größeren Querschnitten.
Nach Erläuterungen zu DIN 1052 T1 sollten für tragende einteilige Holzbauteile wie
Sparren, Pfetten, Deckenhölzer, Stützen und dergleichen mehr Mindestdicken d?; 4 bis
6 cm verwandt werden. Diese Mindestdicken sind erforderlich, um andere Bauteile wie
Dachlatten, Schalungen und dergleichen mehr auf der Schmalseite dieser Holzbauteile
unter Baustellenbedingungen sicher befestigen zu können, zum Beispiel durch Nage-
lung. Bei kleineren als den empfohlenen Mindestdicken verwinden sich Holzquer-
schnitte leicht (besonders bei Querschnittsverhältnissen h/b?; 2). Darüber hinaus sind
bei dünnen, schmalen Einzelquerschnitten die Sortierkriterien wie Ästigkeit, Faserab-
weichung nur erschwert einzuhalten.

Tafel9.10 Mindestdicken d und Mindest-Ouerschnittsflächen A tragender Einzelquerschnitte aus Voll-


und Brettschichtholz sowie Holzwerkstoffen nach DIN 1052 T1 1 )
Vollholz 2 ) Brettschichtholz, Bau-Furniersperrholz- Flach preß- Rund-
Einzelbrett 3 ) platten aus ;;;; 5 Lagen 4 ) platten hölzer 5 )
d;;;;24 mm, A ;;;;14m 2 d;;;; 6 mm (gehobelt) d;;;;6mm d;;;;Bmm d;;;;70 mm
1) soweit Verbindungsmittel kein größeres Mindestmaß erfordern
2) für Lattungen A ;;;; 11 cm 2
3) für tragende Einzelstäbe aus Brettschichtholz: Mindestquerschnitt 24/60 mm nach Erläuterungen zu
DIN 1052T1
4) für Aussteifungszwecke aus mindestens 3 Lagen
5) Mindestzopfdurchmesser nach Erläuterungen zu DIN 1052 T1
9.6 Querschnittsschwächungen 199

9.6 Querschnittsschwächungen
Querschnittsschwächungen sind Schwächungen eines Stabquerschnittes oder Quer-
schnittsteils durch notwendige Bohrungen, Einfräsungen infolge Verbindungsmittel,
Einschnitte durch Versätze und dergleichen mehr. Querschnittsschwächungen durch
Verbindungsmittel und Keilzinkungen sind in Tafel 9.11 zusammengestellt.
Tafel9.11 Querschnittsschwächungen durch Verbindungsmittel und Keilzinkungen nach DIN 1052 T 11 )

Verbin- Stab- Bolzen Nägel 2 ) Holz- Dübel besonderer Bauart 4 ) Keilzin-


dungs- dübel, nicht vorge- schrau- Mittelholz Seitenholz kung 5 )
mittel Paß- vorgebohrt bohrt 3 ) ben
bolzen

Fehl- dsr · b ldb + 1 mm) dn · b dn · b 2 · 1'1A +


fläche ·b nur bei (db + 1mm)
dn > 4,2 mm . b2

Erläute-

~!tJ ~m
rungen

Seiten - Mittel- Seiten-


holz holz holz

Schnitt A-A Querschnitt Querschnitt, getrennt


1) s. auch Tafel 9.12
2) bei sich überschneidenden Nägeln mit dn > 4,2 mm sollten beide Nagelschwächungen berücksichtigt
werden
3) gilt stets bei vorgebohrten Nägeln in Bau-Furniersperrheiz
4) Dübelfehlfläche L'!A und zugehöriger Bolzendurchmesser db s. Tafel 7.6
5) Verschwächungsgrad v s. auch Abschn. 6.3

Querschnittsschwächungen sind nach DIN 1052 T1 beim Spannungsnachweis folgen-


der Holzbauteile zu berücksichtigen:
- in Zugstäben,
- in der Zugzone von auf Biegung beanspruchten Bauteilen,
- bei Druckstäben und in der Druckzone von auf Biegung beanspruchten Bauteilen nur
dann, wenn die geschwächte Stelle nicht satt ausgefüllt ist oder der ausfüllende
Baustoff einen geringeren Elastizitätsmodul als der geschwächte Baustoff aufweist,
das heißt bei allen mechanischen Verbindungsmitteln nach DIN 1052 T2, s. Abschn.
7, sind keine Querschnittsschwächungen in Druckbereichen zu berücksichtigen.
Alle Schwächungen in einem Querschnitt, die rechtwinklig zur Kraftrichtung in einer
Reihe nebeneinander liegen, sind beim Spannungsnachweis zu berücksichtigen, s. Ta-
fel 9.12. Liegen mehrere Querschnittsschwächungen in einem Holzstab in Faserrich-
tung hintereinander, so sind sie nur einmal in Rechnung zu stellen.
Bei versetzt zur Faserrichtung angeordneten Querschnittsschwächungen dürfen die
Schwächungen ebenfalls nur einmal berücksichtigt werden, wenn der lichte Ab-
stand> 15 cm beträgt, zum Beispiel bei Dübeln, oder wenn ein lichter Abstand;:;;; 4 d
bei stabförmigen Verbindungsmitteln wie Stabdübel, Paßbolzen, Bolzen, Nägel oder
Holzschrauben vorliegt. Sind die vorhandenen lichten Abstände kleiner als oben ange-
geben, müssen mehr Querschnittsschwächungen wie in Tafel 9.12 angeführt in Rech-
nung gestellt werden.
200 9.6 Querschnittsschwächungen

Tafel9.12 Querschnittsschwächungen in einer Holzverbindung bei nicht-versetzter und versetzter Anord-


nung der Verbindungsmittel nach DIN 1052 T1; Beispiele, s. auch Tafel9.11

Anordnung der Verbindungsmittel Anzahl n der in einem


Schnitt rechtwinklig zur
Kraftrichtung anzusetzen-
den Fehlflächen 1 )
Dübel, Dübel besonderer Bauart

nicht
versetzt
n= 3

2 versetzt e0 > 15 cm : n = 2

e0 lichter Abstand
Stabdübel 2 ), Paßbolzen 2 ), Bolzen, Nägel 2 )3), Holzschrauben 2 )

nicht
3
versetzt
n= 3

~ erf. Mindestabstände

4 versetzt

e0 lichter Abstand
d Durchmesser des
; erf. Mindestabstände Verbindungsmittels
1) weitere Fehlflächen über die Querschnittsbreite sind entsprechend zu berücksichtigen wie zum Beispiel
bei mehrteiligen Anschlüssen mit Dübeln besonderer Bauart
2) die in einem Schnitt rechtwinklig zur Kraftrichtung vorhandenen Fehlflächen sind auch zu berücksich-
tigen, wenn sie gegenüber der Rißlinie versetzt angeordnet sind
3) gilt für nicht-vorgebohrte Nägel mit dn > 4,2 mm sowie für vorgebohrte Nägel aller dn und stets bei Bau-
Furniersperrholz

Bei Keilzinkungen nach DIN 68140, S. Abschn . 6.3, ist die Schwächung durch den Zin-
kengrund nur einmal in Rechnung zu stellen, auch wenn der lichte Abstand der Schwä-
chungen durch den Zinkengrund versetzt zur Faserrichtung wesentlich kleiner ist als
9.7 Mittig und ausmittig beanspruchte Stäbe 201

15 cm. Diese besondere Regelung für Keilzinkenverbindungen berücksichtigt die Forde-


rung, daß in der Nähe von Keilzinken keine Äste liegen dürfen und somit größere Fe-
stigkeiten vorliegen.
Baumkanten, die den Sortierkriterien nach DIN 4074 T1 entsprechen, s. Abschn. 3.2,
gelten nicht als Querschnittsschwächungen im Sinne der DIN 1052 T 1; beim Span-
nungsnachweis darf mit dem gewählten Querschnitt zum Beispiel b!h bei einem Recht-
eckquerschnitt gerechnet werden.
Über die Berücksichtigung wesentlicher ausmittiger Kraftwirkungen durch Quer-
schnittsschwächungen s. Abschn. 9.8, 10.2 und 11.2. Über Querschnittsschwächungen
bei Bauhölzern s. auch Graf [101], [102].

9. 7 Mittig und ausmittig beanspruchte Stäbe

Mittig beanspruchte Stäbe


Mittig beanspruchte Stäbe übertragen im allgemeinen nur Normalkräfte (Zug oder
Druck, s. Abschn. 10.1 und 11.1 ), die in der Stabachse angreifen. Werden diese mittigen
Krafteinleitungen in der statischen Berechnung und den Konstruktionszeichnungen an-
genommen, sind solche Stäbe auch als planmäßig mittig beansprucht zu bezeichnen.
Unter idealen Voraussetzungen liegt eine gleichmäßige Spannungsverteilung über den
Stabquerschnitt vor, s. Bild 10.1 am Beispiel eines Zugstabes. ln der Praxis werden
diese idealen Voraussetzungen jedoch durch unvermeidbare nicht planmäßige Neben-
beanspruchungen oder Imperfektionen gestört. Diese Imperfektionen führen zu unge-
wollten, nicht planmäßiQ.en zusätzlichen Biegebeanspruchungen, da die Kraft ausmittig
zur Stabachse angreift. Uber unvermeidbare Imperfektionen s. Abschn. 12.1.
Diese Imperfektionen brauchen bei der Bemessung der Stäbe im allgemeinen nicht in
Rechnung gestellt werden, da sie bei der Festlegung zulässiger Spannungen wie zum
Beispiel der Knickspannungen, s. Abschn. 11.7, bereits berücksichtigt werden. Darüber
hinaus sind Imperfektionen im Einzelfall in der Regel unbekannt, ihre Größenordnung
meist hinreichend .,klein" und deshalb bei der Stabbemessung im allgemeinen ver-
nachlässigbar.
Erst wenn Imperfektionen bekannt sind und einen spürbaren Anteil beim Spannungs-
nachweis ergeben, dürfen sie nicht mehr vernachlässigt werden; es liegen dann plan-
mäßige Ausmitten im Stab vor. Beim Tragsicherheitsnachweis nach Spannungstheorie
II. Ordnung sind jedoch bestimmte Imperfektionen zu berücksichtigen, s. Abschn. 12.2.
Ausmittig beanspruchte Stäbe
Ausmittig beanspruchte Stäbe übertragen im allgemeinen Normalkräfte (Zug oder
Druck) und planmäßige (bekannte) Zusatzbeanspruchungen aus Biegung, s. Abschn.
10.2 und 11.2. Werden diese Ausmittigkeiten in der statischen Berechnung oder den
Konstruktionszeichnungen angenommen, sind solche Stäbe auch als planmäßig aus-
mittig beansprucht zu bezeichnen.
Planmäßig ausmittig beanspruchte Stäbe treten auf, wenn neben der Normalkraftbean-
spruchung auch folgende Biegebeanspruchungen auftreten:
- Momente aus zusätzlicher Querbelastung (quer zur Stabachse), zum Beispiel einer
Linienlast aus Wind wie bei Stützen, Rahmen,
- Momente aus Kraftangriff an einem planmäßigen Hebelarm,
- Momente aus Belastungen auf planmäßig gekrümmte Stäbe wie bei Bögen,
- Momente aus planmäßig ausmittiger Krafteinleitung wie bei Versatzanschlüssen,
Ouerschnittsschwächungen.
202 9.8 Ausmittige Anschlüsse

Planmäßig ausmittig beanspruchte Stäbe mit ausm1tt1ger Krafteinleitung nach Bild


10.2a sollten möglichst vermieden werden, da die zusätzlichen Stabbeanspruchungen
oft unwirtschaftlichere Lösungen als bei mittiger Krafteinleitung bewirken . Bei be-
stimmten Konstruktionen wie einseitigen Versatzanschlüssen, s. Abschn. 9.8, oder Stä-
ben mit zusätzlicher Querbelastung zum Beispiel einer Linienlast aus Wind, sind plan-
mäßig ausmittig belastete Stäbe jedoch unvermeidbar, s. auch Abschn. 9.6, 10.2 und
11.2.
Nicht planmäßige Nebenbeanspruchungen oder lmperfektionen, s. oben, brauchen
auch bei der Bemessung planmäßig ausmittig beanspruchter Stäbe im allgemeinen
nicht berücksichtigt zu werden.

9.8 Ausmittige Anschlüsse


Anschlüsse sollten stets mittig ausgeführt werden. Ausmittige Anschlüsse, die sich bei
einigen Konstruktionen jedoch nicht vermeiden lassen, ergeben zusätzliche Beanspru-
chungen, die nach DIN 1052 T 1 besonders zu berücksichtigen sind. Im folgenden wer-
den hierzu einige Beispiele angeführt.
Ausmittige Anschlüsse bei Fachwerkbindern mit Nagelverbindungen sowie mit Nagel-
oder Knotenplatten
Bei Fachwerkbindern mit Nagelverbindungen sowie Verbindungen mit Nagel- oder
Knotenplatten nach Bild 9.1 brauchen nach DIN 1052 T 1 Ausmittigkeiten rechnerisch
im allgemeinen nicht berücksichtigt zu werden, wenn die Ausmitten e 1 bzw. e2 nicht
D1 D1
T 01T

~ t~

a) b)

9.1 Ausmittige Anschlüsse bei Stäben mit Nagelverbindungen sowie Verbindungen mit Nagel- oder Kno-
tenplatten nach DIN 1052 T 1
a) genagelte Brett- und Bohlenbinder, b) Binder mit Nagel- oder Knotenplatten

größer als die halbe Gurthöhe h 9 /2 sind. Ist jedoch eine Ausmittigkeit e 1 > h 9 /2 nach
Bild 9.2 erforderlich, um zum Beispiel eine größere Anzahl von Nägeln anzuschließen,
so ist nach Erläuterungen zu DIN 1052 Tl der Gurt für eine Zusatzbeanspruchung nach
GI. (9.4) zu bemessen, für Nagel- oder Knotenplatten gilt GI. (9.5). Bei gleichen Gurtfeld-
weiten verteilt sich das Moment flG · e je zur Hälfte auf die Gurtstäbe, da infolge der
Nachgiebigkeit der Nägel die Stabanschlüsse als gelenkige Anschlüsse angesehen wer-
den können. Über Nebenspannungen bei Fachwerkbindern s. HabelfZacher [ 111].
M=0,5 · 0 1 · sina 1 • e 1 =0,5 · 0 2 • sina 2 • e 1 (9.4)
M = 0,5 (G2 - G1 ) · e2 = 0,5 · fl G · e2 (9.5)
mit Bezeichnungen nach Bild 9.2
9.8 Ausmittige Anschlüsse 203

----~
0 -- 9.3 Rechnerische Schubspan-
-~ ~-Uni• nungsverteilung im Schnitt
fürden Gu-t I-I eines ausmittigen Stab-
9.2 Momentenverlauf im Untergurt bei ausmittigem Staban- anschlusses bei Nagelbin-
schluß, Annahme nach Erläuterungen zu DIN 1055 T1 für dern nach Erläuterungen zu
Nagelverbindungen sowie Nagel- und Knotenplatten DIN 1052 T1

Bei Nagelbindern kann die Schubbeanspruchung in den Gurten im Bereich ausmittiger


Anschlüsse nach Bild 9.3 näherungsweise mit GI. (9 .6) berechnet werden .

TlAG ~ 1 T Schubkraft in den Gurtstäben


zulr 0 AG Gurtflache (9.6)

Ausmittige Anschlüsse bei Versätzen


Werden Druckstäbe m it Versätzen nach Abschn . 7.11 angeschlossen, sind ausmittige
Anschlüsse oft nicht zu vermeiden, wie aus Bild 9.4 und 9.5 am Beispiel des Stirnver-
satzes zu entnehmen ist. Beim Stirnversatz fallen Kraftwirkungslinie und Stabachse
nicht zusammen und ergeben die Ausmittigkeit.

Kra~irkullgs ­
lillie

9.4 Ausmittiger Anschluß beim Stirnversatz m it 9.5 Ausm ittiger Anschluß beim Stirnversatz mit
konstantem Biegemoment M = F · e über die gegenläufigen Biegemomenten M = F · e an
Druckstablänge nach Erläuterungen zu den Stabenden des Druckstabes nach Erläute-
DIN 1052 T1 rungen zu DIN 1052 T 1
204 9.9 Wechselbeanspruchte Bauteile

Beim Anschluß nach Bild 9.4 bleibt das Biegemoment über der Stabachse konstant;
dadurch wird die Knicklast herabgesetzt, der Stab muß auf ausmittigen Druck (Druck
und Biegung) bemessen werden. Beim Anschluß nach Bild 9.5 treten an den Stabenden
gegenläufige Biegemomente auf, die die Knicklast nicht beeinflussen. Der Stab ist auf
mittigen Druck nachzuweisen, das Biegemoment ist jedoch beim gewöhnlichen Span-
nungsnachweis (Druck und Biegung) nach Abschn . 11 .2 zu berücksichtigen, der bemes-
sungsbestimmend werden kann .
Beim Stirn- und Fersenversatz werden die Druckkräfte ausmittig angeschlossen, wäh-
rend beim Brust- und Stirn-Fersenversatz nach Abschn. 7.11 praktisch keine Ausmitten
auftreten; bei Wahl dieser beiden Versatzarten lassen sich Ausmitten nach Bild 9.4 und
9.5 vermeiden .
Ausmittige Anschlüsse bei Auflagerkonstruktionen
Bei Auflagerkonstruktionen nach Bild 9.6 ist das Biegemoment im Schnitt I-I nach GI.
(9.7) in Rechnung zu stellen, s. Erläuterungen zu DIN 1052 T1 . Die Ausmitte nach Bild
9.6 ist wegen der notwendigen Vorholzlänge bei Versätzen nicht zu vermeiden. Der
Gurtstab wird im Auflagerbereich zusätzlich durch Schub aus Querkraft beansprucht.
Bei anderen Ausmittigkeilen von Auflagern ist sinngemäß zu verfahren.
M = A- e 1 - H · 0,5 (h- tvl Bezeichnungen nach Bild 9.6 (9 .7)
= A · e1 - 0 · cos a · 0, 5 ( h - tvl

I
II I I -~ ..
II I ,-, --t-- F
I
\_Fü llst ab

Gurtstab

- '------ -

9.6 Ausmittiger Stabanschluß durch Versatz bei einem 9.7 Ausmittiger Stabanschluß (Füllstab) mit
Auflager nach Erläuterungen zu DIN 1052 T 1 zusätzlichem Biegemoment M = F · e
nach Erläuterungen zu DIN 1052 T 1

Ausmittige Anschlüsse bei Verbandsstäben


Beim einseitigen Anschluß von Füllstäben an Gurte von Verbänden nach Bild 9.7 ist
das Zusatzmoment M= F · e bei der Bemessung der Füllstäbe zu berücksichtigen. Da-
durch wird die übertragbare Normalkraft meist erheblich verkleinert, so daß derartige
einseitige Anschlüsse nur bei kleinen Kräften eingesetzt werden sollten.

9.9 Wechselbeanspruchte Bauteile

Wechselbeanspruchte Bauteile sind tragende Bauteile, bei denen über die Zeit ein Vor-
zeichenwachsei infolge unterschiedlicher Beanspruchungen auftritt, zum Beispiel in
einem normalkraftbeanspruchten Stab ein Wechsel von Zug und Druck.
9.9 Wechselbeanspruchte Bauteile 205

Wechselbeanspruchte Bauteile nach DIN 1052 T 1 sind Bauteile, bei denen der Vorzei-
chenwechsel der Beanspruchung nicht allein aus Wind- und Schneelast erfolgt, sie sind
für eine abgeminderte Spannung nach GI. (9.8) und (9.9) zu bemessen. Demnach liegen
wechselbeanspruchte Bauteile nur vor, wenn die Beanspruchungswechsel z. B. durch
bewegliche Verkehrslasten aus Kran-, Fahrzeug- und Gabelstaplerlasten hervorgerufen
werden; Beanspruchungswechsel aus Wind- und Schneelasten allein ergeben keine
wechselbeanspruchte Bauteile.
zu I a' = kw ·zu I a minI a I Spannung mit dem kleinsten Absolutbetrag (9.8)
im Bauteil,
k =1-025minlal maxI a I Spannung mit dem größten Absolutbetrag ( 9.91
im Bauteil,
w ' maxlal
zu I a zulässige Spannung

ln Anschlüssen und Stößen ist sinngemäß zu verfahren, der Spannungsnachweis im


Nettoquerschnitt ist nach GI. (9.8) zu führen.
Verbindungsmittel sind nach Erläuterungen zu DIN 1052 T1 für eine abgeminderte
Belastung mit GI. (9.10) auszulegen.
zu I N'= kw ·zu IN N~zul N' (9.10)

Der Abminderungswert kw aus GI. (9.1 0) errechnet sich nach GI. (9.11) und (9.12)
für Zug- und Druckstäbe:
kw = 1 - 0,25 minI NI miniNI,miniMI Beanspruchung mit dem klein- (9.11)
maxi NI sten Absolutbetrag,
maxiNI,maxiMI Beanspruchung mit dem größ-
für biegebeanspruchte Bauteile: ten Absolutbetrag,
zul N zulässige Belastung des Verbin-
k = 1-0 25 minI MI dungsmittels (9.12)
w ' maxi MI
Bei Schwallbelastungen sind nach Erläuterungen zu DIN 1052 T1 keine Abminderun-
gen vorzusehen. Über Wechsel- und Schwellfestigkeiten sowie Schwingfestigkeiten s.
auch Abschn. 1.1 0.3.
10 Bemessungsregeln für Zugstäbe

10.1 Mittiger Zug

Für planmäßig mittig beanspruchte Zugstäbe ist der Spannungsnachweis nach


DIN 1052 T1 wie folgt zu führen:

NIAn ~ 1 (10.1)
zul a2 11
größte Zugkraft zu I a2 11 zulässige Zugspannungen nach Tafel 8.1
nutzbare Querschnittsfläche oder Netto- (Voll- und Brettschichtholz) bzw. Tafel 8.6
querschnitt unter Berücksichtigung der und 8.8 (Holzwerkstoffe) mit zulässigen
Querschnittsschwächungen nach Abschn . Erhöhungen und erforderlichen Ermäßi-
9.6 gungen nach Tafel 8.3 bzw. 8.9

Für den Spannungsnachweis von Zugstäben ist die Netto-Querschnittsfläche maßge-


bend, dies ist die kleinste nutzbare Querschnittsfläche An in einem Zugstab unter Be-
rücksichtigung aller an dieser Stabstelle auftretenden Querschnittsschwächungen
nach Abschn . 9.6.
Die Querschnittsschwächungen von Verbindungsmitteln können für die Vorbemessung
näherungsweise nach Tafel 10.1 ermittelt werden .

Tafel10.1 Näherungsberechnung von Querschnittsschwächungen in Zugstäben für unterschiedliche Ver-


bindungsmittel nach Erläuterungen zu DIN 1052 T1

Verbindungsmittel Querschnittsschwächung
!iA bezogen auf den
Bruttoquerschnitt A

1 Nagelverbindungen (vorgebohrt oder bei dn > 4,2 mm) !iAN: 0,1 · A

2 Bolzenverbindungen t1A 8 :0,15·A

3 Dübelverbindungen t1A 0 =0,25 · A


4 einseitiger Versatzeinschnitt !iAv =0,25 · A

Der Spannungsnachweis für Zugstäbe nach GI. (10.1) setzt planmäßig mittige Zugbe-
anspruchungen voraus, das heißt es liegt unter idealen Voraussetzungen eine gleich-
mäßige Spannungsverteilung über den Stabquerschnitt vor, s. Bild 10.1.
Über Abweichungen von diesen idealen Voraussetzungen in der Praxis durch nicht
planmäßige Nebenbeanspruchungen oder Imperfektionen der Stäbe s. Abschn . 9.7.

N
- - ..r::
!-·-·------------ - N
~Uzn
Spannungsverteilung

10.1 Planmäßig mittig beanspruchter Zugstab mit Rechteckquerschnitt; Kraftangriff mittig in der Stab-
achse (Schwer- und Symmetrieachse); gleichmäßige Spannungsverteilung a2 11
10.2 Ausmittiger Zug (Zug und Biegung) 207

Da die Zugfestigkeit von Vollholz besonders von der Ästigkeit abhängt, s. Abschn .
1.10.2, ist bei Zugstäben stets eine sorgfältige Holzauswahl sicherzustellen, um bei der
Bemessung die zulässigen Spannungen der gewählten Sortierklasse in Rechnung stel-
len zu können.
Nadelvollhölzer der Sortierklasse S 7 dürfen wegen der hohen zugelassenen Ästigkeit
nicht für die Übertragung von Zugkrähen herangezogen werden .

10.2 Ausmittiger Zug (Zug und Biegung)

Für Zugstäbe, die planmäßig ausmittig oder zusätzlich quer zur Stabachse beansprucht
werden, ist der Spannungsnachweis nach DIN 1052 T1 wie folgt zu führen :

N/An + M/Wn ;2 1 (10.2)


zul azll zul a8
N größte Zugkraft zul a2 11 , zul a8 zulässige Zug- bzw. Biegespannun-
M mit N auftretendes Moment gen nach Tafel 8.1 (Voll- und Brett-
An nutzbare Querschnittsfläche oder Nettoquer- schichtholz) bzw. Tafel 8.6 und 8.8
schnitt unter Berücksichtigung der Quer- (Holzwerkstoffe ) mit zulässigen Er-
schnittsschwächung nach Abschn. 9.6 höhungen und erforderlichen Er-
Wn nutzbares Widerstandsmoment oder Wider- mäßigungen nach Tafel 8.3 bzw.
standsmoment des Nettoquerschnitts 8.9

Für den Spannungsnachweis ausmittig belasteter Zugstäbe ist neben der nutzbaren
Querschnittsfläche An das nutzbare Widerstandsmoment Wn erforderlich, das heißt
das Widerstandsmoment das auf die nutzbare Querschnittsfläche in einem Zugstab
bezogen ist unter Berücksichtigung aller an der betreffenden Stabstelle auftretenden
Querschnittsschwächungen nach Abschn . 9.6.
Ausmittig belastete Zugstäbe liegen vor, wenn zum Beispiel die Zugkraft planmäßig
ausmittig angreift, s. Bild 10.2a, oder eine Belastung quer zur Stabachse zusätzlich zur
Zugkraft nach Bild 10.2 b angreift, hierüber s. auch Abschn. 9.7.

q
t t t ttittiiitt t tt i it1 l

N
--+-t·-·-------K--N ·- r --------i---N . I
a) b)
10.2 Planmäßig ausmittig belastete Zugstäbe (Zug und Biegung); Beispiele
a) planmäßig ausmittig belasteter Zugstab; Kraftangriff ausmittig zur Stabachse; Beanspruchung
durch die Zugkraft N und durch das Moment M = N · e;
b) quer zur Stabachse zusätzlich durch eine Linienlast q belasteter Zugstab; Beanspruchung durch
die Zugkraft N und durch das Moment max M = q · 1'18 (sowie in diesem Beispiel: durch die Quer-
kraft Q)

Die Spannungsverteilung in einem Zugstab mit ausmittigem Zug (Zug und Biegung)
kann Bild 10.3 entnommen werden . Durch Überlagerung der Spannungsanteile aus
den Einzelbeanspruchungen Zug und Biegung kann die vorhandene Spannungsvertei-
lung in einem Stabquerschnitt gefunden werden . Die Spannungsverteilung nach Bild
208 10.3 Anschlüsse und Stöße bei Zugstäben

cr6 Biegedruck

;- t~--·-----------~ ---;--
H H ITz 11
(-)

(+)
b Zug Biegezug O's

10.3 Planmäßig ausmittig belasteter Zugstab (Zug und Biegung) mit Rechteckquerschnitt; Spannungs-
verteilung der Einzelbeanspruchungen Zug und Biegung

10.3 liegt unter idealen Voraussetzungen vor; über Abweichungen von diesen idealen
Voraussetzungen in der Praxis durch nicht planmäßige Nebenbeanspruchungen oder
Imperfektionen der Stäbe s. Abschn . 9.7.
Ausmittige Kraftwirkungen in Zugstäben durch Querschnittsschwächungen
Entstehen durch Querschnittsschwächungen, s. Abschn . 9.6, wesentliche ausmittige
Kraftwirkungen, so sind diese bei den Spannungsnachweisen zu berücksichtigen. Liegt
zum Beispiel in einem Zugstab eine einseitige Querschnittsschwächung nach Bild 10.4
vor, so tritt im geschwächten Stabteil die zusätzliche Momentenbeanspruchung M=
N · e auf. Dieser Zugstab ist ausmittig belastet; im geschwächten Stabteil ist der Span-
nungsnachweis nach GI. (10.2) zu führen . Bereits bei kleinen Querschnittsschwächun-
gen t erhöht sich die vorhandene Spannung im geschwächten Stabteil erheblich und
kann meist rechnerisch nicht mehr vernachlässigt werden .
A

!
.Lf-·---·-=l
-= =~·N ---+-~
Lf-----1~ I
I ~ .
A
10.4 Einseitige Querschnittsschwächung in einem Zugstab; zusätzliche Momentenbeanspruchung
M = N · e im geschwächten Stabteil

10.3 Anschlüsse und Stöße bei Zugstäben

Anschlüsse und Stöße sind nach DIN 1052 T1 in der Regel symmetrisch zu der bzw.
den Stabachsen auszubilden. Stöße sollten möglichst an Stellen geringer Beanspru-
chung gelegt werden . Stoßausbildungen erfolgen oft mit Laschen und mechanischen
Verbindungsmitteln, werden aber auch durch Keilzinkungen (s. Abschn . 6.3) und Schäf-
tung (seltener, s. Abschn. 6.2) ausgeführt.
Einseitig beanspruchte Holzteile sind dabei wegen der zusätzlichen Biegebeanspru-
chung für die 1,5fache anteilige Zugkraft zu bemessen, s. hierüber die Beispiele der
Bilder 10.5 bis 10.7. Die Verbindungsmittel sind in jeder Fuge für die anteilige Zugkraft
auszulegen . Dabei ist stets anzustreben, daß in allen Fugen die gleiche Art und Anzahl
der Verbindungsmittel liegen. Hierdurch wird sichergestellt, daß der Verschiebungswi-
derstand aller Fugen gleich groß ist und in jeder Fuge die gleiche anteilige Zugkraft
übertragen werden kann . Unsymmetrische Anschlüsse und Stöße sollten nur in Aus-
nahmefällen vorgesehen werden .
10.3 Anschlüsse und Stöße bei Zugstäben 209

Draufsicht
10.5
A

Schnitt A-A
Symmetrischer Stoß eines einteiligen Zugstabes mit zwei außenliegenden Laschen; Bemessung der
außenliegenden Laschen für 1,5 · N/2, des Stabes für 1,0 · N

Werden die Laschen aus Blechen oder Holzwerkstoffen erstellt, kann nach Erläuterun-
gen zu DIN 1052 T1 auf die Bemessung für die 1,5fache anteilige Zugkraft verzichtet
werden, da bei diesen dünnen Laschen die zusätzliche Biegebeanspruchung nur ge-
ringe ungleichförmige Spannungsverteilungen verursacht.
ln genagelten Zuganschlüssen oder -stößen sind die zulässigen Zugspannungen nach
Tafel 8.1 um 20% in denjenigen Anschluß- und Stoßteilen zu ermäßigen, die nicht für
die 1,5fachen anteiligen Kräfte ausgelegt worden sind, s. auch Abschn. 7 .5.1.
Über die Ausbildung von Zugstößen mit eingeleimten Gewindestangen s. Abschn.
7.12.
A

• r
:=t-+00 j ::,fJ+-- r=: N
~r~iMIUg« Zr•b
Lasche
{RJ
::r=_
Schnitt A- A
Draufsicht A
10.6 Symmetrischer Stoß eines zweiteiligen Zugstabes mit innenliegender Lasche; Bemessung der in-
nenliegenden Lasche für 1,0 · N, der Stäbe für 1,5. N/2
N/2 N/2

10.7
Symmetrischer Anschluß eines
zweiteiligen Zugstabes an einen
Gurt, Bemessung der Stäbe für
1,5. N/2 A Ansicht Schnitt A-A
Einseitig beanspruchte Holzteile
Außenliegende Holzteile werden ausmittig (einseitig) beansprucht, wie aus Bild 10.8
am Beispiel eines einteiligen Zugstoßes zu entnehmen ist. Das zusätzlich zur Zugkraft
N/2 in den außenliegenden Laschen auftretende Biegemoment M = N/2 · e kann ein
.,Abheben" der Laschenenden verursachen; dabei beeinflußt die .,Tiefenwirkung" der
210 10.3 Anschlüsse und Stöße bei Zugstäben

10.8
Symmetrischer Stoß eines
_ N/2 -~l.lsche einteiligen Zugstabes mit

N ! ~ r-;r.~·'""'"''"~'"
N/2 I N/2 .-1- N
außenliegenden Laschen;
mögliche Verformung der
-~---:f- »fft;~:.zi}2- -----~---
CTJ tT±3(
Laschen durch ausmittigen
1 I Anschluß der anteiligen
Zugkraft (M = N/2 · e) ist ge-
N/2 Lasche strichelt dargestellt

gewählten Verbindungsmittel die Größenordnung dieser zusätzlichen Biegebeanspru-


chung . Werden die Laschen mit der 1,5fachen anteiligen Zugkraft, wie DIN 1052 T1
vorschreibt, bemessen, sind sie ausreichend biegesteif ausgeführt. Eine Auslegung die-
ser Laschen für die zusätzlich auftretende Biegebeanspruchung ist nicht mehr erforder-
lich. Bei dünnen Laschen aus Blechen und Holzwerkstoffteilen ist die zusätzliche Biege-
beanspruchung aufgrund der Geometrie im allgemeinen gering, so daß die Bemes-
sung für die 1,5fache anteilige Zugkraft entbehrlich ist.
Verleimte Anschlüsse und Stöße
Verleimte Anschlüsse und Stöße sollten nur bei untersuchten und bauaufsichtlich zuge-
lassenen Bauweisen vorgenommen werden; bei Stößen im Holzleimbau werden Keil-
zinkungen oder Schäftungen, s. Abschn . 6, ausgeführt.
Verleimte Laschen nach Bild 10.9 sollten nicht ausgeführt werden, da besonders an
den Laschenenden hohe Scherspannungen und zusätzlich durch den ausmittigen An-
schluß der anteiligen Zugkraft, s. Bild 10.8, hohe Querzugspannungen auftreten und
ein Aufreißen der Leimfuge bewirken können, s. Troche [339] . Nur bei kurzen, kleinen
Leimflächen wie zum Beispiel in Keilzinkungen werden Kräfte standsicher übertragen;
mit zunehmender Leimflächenlänge nimmt die aufnehmbare Beanspruchung stark ab.
Über neuere Versuche mit großflächig geleimten Knotenverbindungen s. Glos/Henrici/
Horstmann [93], [94] .
10.9
Nicht auszuführender ver-
leimter Laschenstoß; quali-
l.lsche tativer Querspannungsver-
lauf nach Troche 1339); am
Laschenende besonders
auftretende hohe Scher-
spannungen (nicht darge-
stellt) und die infolge aus-
mittigem Anschluß auftre-
tenden Querzugspannungen
können zum Aufreißen der
l.lsche Leimfuge führen
11 Bemessungsregeln für Druckstäbe

Für auf Druck beanspruchte Holzstabwerke fordert DIN 1052 T 1 Knicksicherheitsnach-


weise nach dem Ersatzstabverfahren, s. Abschn . 11. Alternativ zu den Knicksicherheits-
nachweisen dürfen auch Tragsicherheitsnachweise nach der Spannungstheorie II. Ord-
nung geführt werden, s. Abschn. 12.

11.1 Mittiger Druck

Für Druckstäbe, die planmäßig gerade sind und eine mittige Krafteinleitung besitzen,
ist bei einteiligen Stäben ein Knick-(sicherheits-)nachweis nach Abschn. 11.1.1 und bei
mehrteiligen Stäben ein Knick-(sicherheits-)nachweis nach Abschn. 11.1.3 zu führen. ln
bestimmten Fällen wird neben dem Knicksicherheitsnachweis auch der gewöhnliche
Spannungsnachweis nach Abschn . 11.1.2 erforderlich. Über mittig beanspruchte Stäbe
s. auch Abschn. 9.7.

11.1.1 Knicknachweis für einteilige Stäbe (mittiger Druck)

Für einteilige, planmäßig gerade, mittig gedrückte Stäbe ist nach DIN 1052 T 1 der
Knicknachweis gemäß GI. (11.1) zu führen. Die zulässige Knickspannung ist nach GI.
(11.2) zu berechnen. Der Knicknachweis ist im allgemeinen auf den ungeschwächten
Stabquerschnitt zu beziehen, da kleinere Ouerschnittsschwächungen, solange sie au-
ßerhalb des mittleren Drittels der Knicklänge liegen, in der Regel nur einen geringen
Einfluß auf die Knickstabilität haben. Über die Berücksichtigung von Querschnitts-
schwächungen s. Abschn. 11.1.2 und 11.2.

N!A ~ 1 zul u 011


( 11.1) zu I ak= - - - (11.2)
zul uk w

N größte im Stab auftretende Druckkraft Je Schlankheitsgrad des Stabes, d. h. der


A ungeschwächter Stabquerschnitt Wert von ;,v = s.vliv und 1., = s.,li,. zulässi-
zulu 0 11 zulässige Druckspannungen nach Tafel ger Schlankheitsgrad nach Abschn. 11.5,
8.1 (Voll- und Brettschichtholz) bzw. Tafel s•v• s., Knicklängen des Stabes für das Ausknik·
8.6 und 8.8 (Holzwerkstoffe) mit zulässi- ken um die jeweiligen Schwerachsen
gen Erhöhungen und erforderlichen Er- (oder rechtwinklig zu den jeweiligen
mäßigungen nach Tafel 8.3 bzw. 8.9 Schwerachsen) nach Abschn. 11.4
w die vom Schlankheitsgrad ) abhängige iv, i, den jeweiligen Schwerachsen zugeord-
Knickzahl nach Abschn. 11 .6 nete Trägheitsradien nach Tafel11 .1

Tafel 11.1 Trägheitsradien i für Stabquerschnitte

Allgemeiner Querschnitt Rechteckquerschnitt Kreisquerschnitt

I Flächenmoment 2. Grades
A Querschnittsfläche

i= JI1A iy = JI;iA = 0,289 . h i= JIIA = d/4


i, = [iJA = 0,289 . b
212 11 .1 Mittiger Druck

Das Knicken eines Druckstabes ist grundsätzlich in zwei Richtungen zu untersuchen, da


das Ausknicken des Stabes um beide Stabachsen (oder rechtwinklig zu den jeweiligen
Stabachsen) erfolgen kann, wie aus Bild 11.1 am Beispiel eines Druckstabes mit beid-
seitig gelenkiger Lagerung und Rechteckquerschnitt zu entnehmen ist.

N
~o-----------------------o~
N

Y-J<
I
z
11.1 Planmäßig mittig gedrückter Stab mit beidseitig gelenkiger Lagerung und Rechteckquerschnitt;
Knicklängen dieses Stabes für das Ausknicken um die y-Achse und um die z-Achse jeweils sK = 1,0 ·I
(Pendelstab oder Pendelstütze, s. Abschn . 11.4)

11.1.2 Gewöhnlicher Spannungsnachweis bei Druckstäben (mittiger Druck)


ln bestimmten Fällen wird neben dem Knicknachweis nach GI. (11 .1) der gewöhnliche
Spannungsnachweis nach GI. ( 11 .3) für die Druckstabbemessung erforderlich. Er
berücksichtigt Querschnittsschwächungen des Stabquerschnittes nach Abschn. 9.6.
Der gewöhnliche Spannungsnachweis ist bei Druckstäben nach Erläuterungen zu
DIN1052T1
N größte im Stab auftretende Druckkraft
nutzbare Querschnittsfläche oder Netto-
NIAn ~ 1 querschnitt unter Berücksichtigung der (11.3)
zul a 0 11 Querschnittsschwächungen nach Ab-
sehn. 9.6
zul a 0 11 zulässige Druckspannung nach GI. (11.2)

unter anderem dann zu führen, wenn


-der Nettoquerschnitt An < A/w ist, das heißt vorwiegend bei Stäben mit kleinem
Schlankheitsgrad A. (gedrungene Stäbe),
- beim Anschluß ein- und mehrteiliger Stäbe nicht die volle Querschnittsfläche unmit-
telbar angeschlossen, Beispiel s. Bild 11.2, oder die Druckkraft über die Einzelteile
eines zusammengesetzten Stabes eingeleitet wird, Beispiels. Bild 11.3.

Schnitt A-A

11.2 Druckstab mit Rechteckquerschnitt; An- 11.3 Druckstab mit !-Querschnitt; Anschluß des
schluß des Stabes mit reduzierter Quer- Stabes nur über die Gurte; gewöhnlicher
schnittsfläche; gewöhnlicher Spannungs- Spannungsnachweis im Schnitt !-I erforder-
nachweis im Schnitt I-I erforderlich lieh
11.1.3 Knicknachweis für mehrteilige Stäbe (mittiger Druck) 213

11.1.3 Knicknachweis für mehrteilige Stäbe (mittiger Druck)

Mehrteilige Druckstäbe bestehen aus mehreren Einzelhölzern. Sie werden vorwiegend


ausgeführt, um die verfügbare Querschnittsfläche und Steifigkeit des Stabes zu vergrö-
ßern, oder sie sind aus konstruktiven Gründen erforderlich.
Mehrteilige Druckstäbe, deren Einzelhölzer ohne Zwischenraum (Spreizung) aneinan-
derliegen, werden nach DIN 1052 T1 als nicht gespreizte, zusammengesetzte Druck-
stäbe bezeichnet; die Einzelhölzer sind meist durch Verbindungsmittel kontinuierlich
miteinander verbunden, s. Tafel 11.2.

,
_:_
Tafel 11.2 Querschnittstypen nicht gespreizter, zusammengesetzter Druckstäbe mit kontinuierlicher Ver-
bindung nach DIN 1052 Tl

'
J:
Typ 1 Typ 2 Typ 3 Typ 4 Typ 5

I l
A,

z
y~ 1
z
A2

z Al
A2

A1 (für Achse z-z) A1 (für Achse z-zl

Mehrteilige Druckstäbe mit lichtem Abstand (Zwischenraum) zwischen den Einzelhöl-


zern werden gespreizte Druckstäbe genannt; die Einzelhölzer sind durch Binde- oder
Zwischenhölzer (Rahmenstäbe) oder durch ein fachwerkartiges Gitter (Gitterstäbe) mit-
einander verbunden sind, s. Bild 11.5 und Tafel 11.5.
Mehrteilige Druckstäbe können auch mit Querverbindungen hergestellt werden, die
nur konstruktiv (ohne Berechnungen) gesetzt werden; dies kann bei gedrungenen Stä-
ben wirtschaftlicher sein. Die Einzelhölzer sind in diesen Fällen als nicht verbundene,
einteilige Druckstäbe zu berechnen. Dies gilt auch für mehrteilige Druckstäbe ohne jede
Querverbindung zwischen den Einzelhölzern, die eng nebeneinanderstehend ausge-
führt werden können, jedoch im allgemeinen geringere Knicklasten (meist für eine
Richtung) als vergleichbare mehrteilige Druckstäbe mit Querverbindungen übertragen.

11.1.3.1 Nicht gespreizte, zusammengesetzte Stäbe (mittiger Druck)


Die Querschnittsflächen und Schwerachsen nicht gespreizter, zusammengesetzter
Druckstäbe nach DIN 1052 T1 sind in Tafel 11.2 zusammengestellt. Die Einzelquer-
schnitte (Einzelhölzer) werden im allgemeinen kontinuierlich miteinander verbunden.
Hierbei wird ein starrer Verbund durch Leim oder ein nachgiebiger Verbund durch
mechanische Verbindungsmittel wie Nägel, Dübel, Paßbolzen und Stabdübel unter-
schieden.
Beim starren Verbund können sich die Anschlußfugen nicht gegeneinander verschie-
ben; der mehrteilige Druckstab verhält sich beim Ausknicken wie ein monolithischer
Einzelstab, da die in den Anschlußfugen auftretenden Schubkräfte voll übertragen wer-
den können .
Beim nachgiebigen (elastischen) Verbund können sich die Anschlußfugen gegeneinan-
der verschieben, jedoch nur soweit, wie die Verschiebungen der Verbindungsmittel
dies zulassen, das heißt beim nachgiebigen Verbund können beim Ausknicken in den
Anschlußfugen Schubkräfte übertragen werden, die jedoch kleiner sind als beim star-
ren Verbund.
214 11.1 Mittiger Druck

Neben den beiden Verbundarten ist das Knickverhalten mehrteiliger Druckstäbe auch
vom unterschiedlichen Ausknicken um die jeweiligen Schwerachsen (oder rechtwinklig
zu den jeweiligen Schwerachsen) abhängig.
Mehrteilige Druckstäbe mit den Querschnittstypen 1, 4 und 5 nach Tafel11.2 verhalten
sich beim Ausknicken um die z-Achse wie ein einteiliger Stab, unabhängig vom ge-
wählten Verbund der Anschlußfugen. Die z-Achse dieser Querschnittstypen wird als
Stoffachse bezeichnet, da sie auch eine Schwerachse aller Einzelteile (Einzelhölzer) ist.
Verschieben sich die Einzelhölzer in den Anschlußfugen beim Ausknicken gegeneinan-
der, muß die Nachgiebigkeit der Verbindungsmittel berücksichtigt werden. Dies ist der
Fall bei allen fünf Querschnittstypen der Tafel11.2 für das Ausknicken um die y-Achse
und bei den Querschnittstypen 2 und 3 auch für das Ausknicken um die z-Achse.
Die Nachgiebigkeit der Verbindungsmittel wird beim Knicknachweis dadurch berück-
sichtigt, daß ein wirksames Flächenmoment 2. Grades ef I berechnet wird, das kleiner
ist als der entsprechende Wert eines starren Verbundes; hierüber s. auch Abschn. 13.13.
Knicknachweis nicht gespreizter, zusammengesetzter, verleimter Stäbe
(mittiger Druck)
Mehrteilige verleimte Stäbe verhalten sich beim Ausknicken um beide Schwerachsen
wie einteilige Stäbe mit gleichem Querschnitt. Bei verleimten Stäben mit Querschnitts-
typen nach Tafel 11.2 oder Tafel 11.3 bzw. 11.4 darf das Flächenmoment 2.Grades I=
Istarr mit Y; = 1 und dem Schlankheitsgrad A. = Astarr berechnet werden. Der Knicknach-
weis erfolgt sinngemäß nach Tafel 11.3 bzw. 11.4. Werden bei den Einzelteilen unter-
schiedliche Holzbaustoffe eingesetzt, so sind die verschiedenen Elastizitätsmoduln bei
der Berechnung zu berücksichtigen.
Knicknachweis nicht gespreizter, zusammengesetzter Stäbe mit kontinuierlicher,
nachgiebiger Verbindung (mittiger Druck)
Der Knicknachweis und zugehörige Berechnungen für mehrteilige Stäbe mit nachgiebi-
ger Verbindung können in allgemeiner Form dargestellt am Beispiel des einfach-sym-
metrischen Querschnittstypen 5 der Tafel 11.3 entnommen werden, s. auch Tafel 11.2.
Für mehrteilige Stäbe mit doppelt-symmetrischem Querschnittstyp 1, 2 und 3 sowie
für den Querschnittstyp 4 lassen sich die allgemeinen Gleichungen der Tafel 11.3 in
Teilen vereinfachen; sie sind in der Tafel 11.4 zusammengestellt.
Die Knicknachweise für mehrteilige Stäbe sind wie bei einteiligen Stäben im allgemei-
nen auf den ungeschwächten Stabquerschnitt zu beziehen; s. auch Abschn. 11.1.1. Bei
unterschiedlichen Holzbaustoffen ist im allgemeinen die jeweils größte Knickzahl zu
verwenden.
Querschnittsschwächungen sind nach Abschn. 11.2 zu berücksichtigen. ln bestimmten
Fällen wird neben dem Knicknachweis auch der gewöhnliche Spannungsnachweis er-
forderlich; s. Abschn. 11.1.2.
Das wirksame Flächenmoment 2.Grades ef I nach Tafel 11.3 und 11.4 wird für das
Ausknicken um die Achsen erforderlich, für die je nach Querschnittstyp die Verbin-
dungsmittel in den Anschlußfugen wirksam werden; für das Ausknicken um die Ach-
sen, für die die Verbindungsmittel nicht wirksam werden, ist der mehrteilige Stab wie
ein einteiliger Stab zu berechnen, dessen Flächenmoment 2. Grades gleich der Summe
der Flächenmomente 2. Grades der Einzelteile (Einzelhölzer) ist.
Der mittlere Abstand e' der Verbindungsmittel (meist Nägel, Dübel besonderer Bauart,
Stabdübel, Paßbolzen) ist zunächst zu wählen und später mit den erforderlichen Ab-
ständen erf e' zu vergleichen. Als mittlere Abstände e' sind die Abstände der Verbin-
dungsmittel zu errechnen, die ideell entstehen, wenn bei mehrreihiger Anordnung der
Verbindungsmittel alle Verbindungsmittel in eine Reihe geschoben werden, s. Bild 11.4.
11.1.3 Knicknachweis für mehrteilige Stäbe (mittiger Druck) 215

Die Knicknachweise sind im allgemeinen für alle Querschnittsteile zu führen . Werden


die einzelnen Querschnittsteile aus gleichem Holzbaustoff ausgeführt, vereinfachen
sich die Berechnungen der Tafeln 11 .3 und 11 .4, da die Elastizitätsmoduln der Quer-
schnittsteile gleich sind und E1 = E2 = Ev sowie n1 = E11Ev = 1 und n2 = E21Ev = 1 werden .

Tafel 11 .3 Knicknachweis und dazugehörige Berechnungen für nicht gespreizte, zusammengesetzte


Druckstäbe mit kontinuierlicher, nachgiebiger Verbindung und einfach-symmetrischem Quer-
schnitt nach DIN 1052 T1 ; allgemeine Gleichungen 1 ), mittiger Druck

für Knickung Querschnittstyp 5


maßgebende
Schwerachse

wirksames Flächenmoment 2. Grades des ungeschwächten Querschnitts


3
y- y eflv = ~ ( n; · I; + y; · n; - A;· an; y2 = 1
i= l

3
z- z I, = ~ 1, ;
i= 1

Abstand a2

Abminderungswerte

3
k _ n2 · E, ,3 · A, ,3 · e;_3
1' 3 - s~ . c, ,3

wirksamer Schlankheitsgrad ef .l., wirksamer Trägheitsradius ef i, zugehörige Knickzahl ef m

y- y ef iv = ) ef I viA ef mv nach Tafel11 .12


4
z- z i, = !i:iA m, nach Tafe111.12

Knicknachweis für alle Querschnittsteile


3
N-n !Ä zu I a 0 11
y- y --'- ~ 1 Ä = ~n; · A; zu I aK= - -
zul aK i= 1 ef my
5
3
N - n !Ä zu I a 0 11
z- z --'- ~ 1 Ä = ~ n;-A; zu I aK = - -
zulaK i= l m,

über die ganze Stablänge als wirksam angenommene Querkraft 0;

O = ef w · N 0; darf mit ef }J60 ;:;i 0,5 abgemindert werden,


6 wenn ef }. < 60 ist
' 60

Schubfluß eft, erforderlicher Abstand e;,3 der Verbindungsmittel


Q . zu I N 1 3
7 ef t, 3 = ---.!. · y, 3 · n, 3 · S, 3 e rf e 1 •3 = - - -
·
· efi · · · ef t, ,3

Fußnoten s. nächste Seite


216 11.1 Mittiger Druck

1) Hierin bedeuten :
I; Flächenmomente 2. Grades der unge- e~ .3 mittlere Abstände der in eine Reihe ge-
schwächten Querschnittsteile U; = b; · h ff schobenen Verbindungsm ittel, mit denen
12) die Gurte an den Steg angeschlossen
efi wirksames Flächenmoment 2. Grades des sind, s. Bild 11.4
ungeschwächten Querschnitts c,.3 Verschiebungsmoduln der Verbindungs-
Flächenmoment 2. Grades des Einzelsta- mittel, mit denen die Gurte an den Steg
bes, bezogen auf die Schwerachse z - z angeschlossen sind, nach Tafel 13.25
der Querschnittsfläche maßg. Knicklänge nach Abschn. 11.4
A; Querschnittsflächen der ungeschwächten die dem wirksamen Schlankheitsgrad ef i.
Querschnittsteile (A; = b; · h;) zugehörige Knickzahl nach Tafel 11 .12
b;, h; Querschnittsbreiten, Dicken beziehungs- ef i wirksamer Trägheitsradius
weise Höhen der einzelnen Querschnitts- N Druckkraft des Stabes
teile zu I aK zulässige Knickspannung nach GI. (11 .2)
Abminderungswerte zur Berechnung von zul N 1 . 3 zulässige Belastungen der verwendeten
ef I Verbindungsmittel
Abstände der Schwerachsen der unge- Flächenmomente 1. Grades der Gurte, be-
schwächten Querschnittsflächen von der zogen auf die maßgebende Schwerachse
maßgebenden Schwerachse y - y, es wird y - y (5, .3 = b,.3 · h, .3 · a, .3)
a2 ~ 0 und ~ h 2 /2 vorausgesetzt 52 Flächenmoment 1. Grades der oberhalb
E; Elastizitätsmoduln der einzelnen Quer- der maßgebenden Schwerachse y - y lie-
schnittsteile genden Stegfläche, bezogen auf die
beliebiger Vergleichs-Elastizitätsmodul Schwerachse y - y (52 = b 2 • (h2 /2 - a2 ) 2/2)
= EJEv

11 .4 Maßgebender Abstand e\.3 bei mehrreihiger Anordnung der Verbindungsmittel nach DIN 1052 T1;
bei einer Reihe gilt: e\ .3 = e1 . 3
a) zwei Reihen, b) drei Reihen, c) rn-Reihen

Die Schubspannungen in den Stegen der I- und Kastenquerschnitte nach Tafel 11.3
und 11.4 können nach GI. (11.4) berechnet werden und sind mit den zulässigen Schub-

Q. 2
maxr= - - ' - ·
b 2 • ef I i = ,
L
y; · n; ·S;
Erläuterungen zu GI. (11.4) s. Fußnote
zu Tafel 11.3
(11.4)

spannungen nach Tafel 8.1 (Voll- und Brettschichtholz) beziehungsweise Tafel 8.6 und
8.8 (Holzwerkstoffe) zu vergleichen. Die Schubspannungen in den Stegen sind meist
nicht bemessungsbestimmend.
Werden bei mehrteiligen, zusammengesetzten Stäben Holzwerkstoffe eingesetzt, so
sind nach Erläuterungen zu DIN 1052 T 1 folgende Elastizitätsmoduln zu berücksich-
tigen beim:

Ausknicken rechtwinklig zur Plattenebene


- für Stege von I-Querschnitten der E-Modul für Biegung rechtwinklig zur Platten-
ebene,
- für Beplankungen von Kastenquerschnitten der Druck-E-Modul,
Ausknicken in Plattenebene
- der E-Modul für Biegung in Plattenebene.
11.1 .3 Knicknachweis für mehrteilige Stäbe (mittiger Druck) 217

Tafel 11.4 Knicknachweis und dazugehörige Berechnungen für nicht gespreizte, zusammengesetzte
Druckstäbe mit kontinuierlicher, nachgiebiger Verbindung und doppelt-symmetrischen sowie
zweiteiligen Querschnitten nach DIN 1052 T1, vereinfachte Gleichungen') 2 ), mittiger Druck

für Knickung Querschnittstyp 1 Querschnittstyp 2 Querschnittstyp 3


maßgebende
Schwerachse A"I, E; r--h 1, -<!
A.,I.E

..,: . .~
ltürAdlse
1

Y-:1'1

lfiirAchse 2 2
z r -zl
z
wirksames Flächenmoment 2.Grades 3) des ungeschwächten Querschnitts
y- y ef Iv = 2 n 1 • I 1 + n2 · I2 + 2 y · n 1 · A, · a~ ef Iv = n, · /1 + n2 · 12
a2 = 0 + y . n 1 · A 1 · af
1 + n2 · A2 · a~
2 2
z- z l z= L I zi ef I,= 2 n, · I 1 + n 2 · I2 + 2 )' · n, · A1 · at 1 Iz= ~ l zi
i= 1
I i= 1

Abstände a,, a2 für die Achse y- y (Entsprechendes gilt für die Achse z- z)

a, = (h 1 + h2)/2 a, = (h2 - h 1 )/2 1 n 2 · A 2 · (h, + h2l


a, = - ·
2 y · n 1 • A1 + n 2 · A 2
2
h, + h2
a2= - 2 - - a,

Abminderungswerte

k = n 2 • E, · A1 • e'
s~ · C

wirksamer Schlankheitsgrad ef .<, wirksamer Trägheitsradius ef i, zugehörige Knickzahl ef w

y- y ef ;,v= sKy/ef iv ef iv= ) ef Iv!A ef wy nach Tafel11 .12


4
z- z ef }., = sK,/ef i, ef i,= ) efi,!A ef w, nach Tafel11 .12

Knicknachweis für alle Querschnittsteile


3
N - n;/A ~ 1 zu I aDII
y- y A = Ln; -A; zu 1 aK = - -
zulaK i= 1 ef wv
5
3
N · n;/A ~ 1 zu I o- 0 11
z- z A = Ln;·A; ZU 1 aK = - -
zulaK i= 1 ef w,
über die ganze Stablänge als wirksam angenommene Querkraft Cl;

0 = ef w. N 0 ; darf mit ef )J60 ~ 0,5 abgemindert werden,


6
' 60 wenn ef }.< 60 ist

Schubfluß ef t, erforderlicher Abstand e' der Verbindungsmittel

7 I ef t = -0; · y · n 1 · 5 1
ef I
,
e rf e = - -1
ef t
zul N

1) allgemeine Gleichungen s. Tafel 11.3


2) Bezeichnungen s. Fußnote zu Tafel 11.3
3) für doppelt-symmetrisch zusammengesetzte Stäbe kann auch das vereinfachte Verfahren benutzt wer-
den, s. hierzu Abschn. 13.13
218 11.1 Mittiger Druck

11.1.3.2 Gespreizte Stäbe (mittiger Druck) (Rahmen- und Gitterstäbe)


Gespreizte Druckstäbe entstehen, wenn bei mehrteiligen Druckstäben die Einzelhölzer
nicht mehr kontinuierlich miteinander verbunden sind, s. oben, sondern mit lichtem
Abstand ausgeführt werden; Beispiele hierzu sind in Bild 11.5 angeführt. Der Quotient
aus lichtem Abstand a und Einzelstabdicke h, wird als Spreizung bezeichnet. Durch
diese gespreizte Bauart werden höhere Steifigkeiten der Gesamtquerschnitte erreicht.
Die Verbindung der Einzelhölzer (Querverbindungen) wird auf drei verschiedene Arten
erreicht:
-Verbindung durch Zwischenhölzer, s. Bild 11.5a, die "zwischen" den Einzelhölzern
liegen und über die Höhe in bestimmten Abständen angeordnet sind,
-Verbindung durch Bindehölzer, s. Bild 11.5 b und c, die "außen vor" den Einzelhöl-
zern liegen und über die Höhe in Abständen angeordnet die Stäbe "zusammenbin-
den",
-Verbindung durch ein gitterartiges Fachwerk, s. Bild 11.5d, das "außen vor" den
Einzelhölzern liegt.

a)
11.5 Bauarten und Querschnittsformen mehrteiliger gespreizter Druckstäbe (Rahmen· und Gitterstäbe);
Beispiele
a) zw eiteiliger Rahmenstab, Zwischenholz, b) dreiteiliger Rahmenstab, Bindehölzer, c) vierteiliger
Rahmenstab, Bindehölzer, d) vierteiliger Gitterstab

Rahmenstäbe, die vorwiegend mit geringen Spreizungen ausgeführt werden, erhalten


ihre Bezeichnung durch die Binde- und Zwischenhölzer, die die Einzelhölzer wie Rah-
men miteinander verbinden.
Gitterstäbe werden nach den gitterartigen Fachwerken benannt, die bei größeren
Spreizungen als Querverbindungen der Einzelhölzer vorzuziehen sind.
Das Knickverhalten von Rahmen und Gitterstäben unterscheidet sich von dem nicht-
gespreizter, mehrteiliger Druckstäbe, s. oben, da zusätzlich einige Besonderheiten zu
berücksichtigen sind.
Beim Ausknicken um die z-Achse verhalten sich mehrteilige Rahmenstäbe nach Bild
11.5a, b, c und Tafel 11.5a bisesowie zweiteilige Gitterstäbe nach Tafel 11.5f und g
wie ein einteiliger Stab, unabhängig von der Bauart.
Beim Ausknicken um die y-Achse muß der Gesamtstab und der Einzelstab betrachtet
werden, da dieser nur in einzelnen Punkten durch die Querverbindungen gehalten ist.
Darüber hinaus sind die Nachgiebigkeiten der Querverbindungen und der Verbindung-
smittel zu berücksichtigen; bei den Querverbindungen werden vorwiegend Leim, Dübel
besonderer Bauart, Nägel und Paßbolzen als Verbindungsmittel eingesetzt.
Rahmen- und Gitterstäbe sollten im allgemeinen nur zentrisch (mittig) belastet wer-
den. Rechtwinklig zur stofffreien Achse (im allgemeinen die y-Achse), s. Bild 11.5, Tafel
11.5 und 11.7, dürfen diese Stäbe nur aus Wind- oder anderen Zusatzlasten bean-
sprucht werden, hierüber s. Abschn. 11.2.
Die Querverbindungen bei Rahmen- und Gitterstäben sind mit größerem Aufwand her-
zustellen. Aus diesem Grund werden meist die wirtschaftlicheren einteiligen Druck-
11.1.3 Knicknachweis für mehrteilige Stäbe (mittiger Druck) 219

stäbe bevorzugt, obwohl eine bessere Materialausnutzung und höhere Steifigkeit mit
mehrteiligen gespreizten Druckstäben zu erzielen ist.
Knicknachweis für gespreizte Stäbe (mittiger Druck) (Rahmen- und Gitterstäbe)
Der Knicknachweis und zugehörige Berechnungen für zweiteilige Rahmen- und Gitter-
stäbe können Tafel 11.5 entnommen werden; bei drei- und vierteiligen Rahmenstäben
nach Bild 11.5 b und c ist sinngemäß zu verfahren. Der Knicknachweis für Rahmen- und
Gitterstäbe ist im allgemeinen auf den ungeschwächten Stabquerschnitt zu beziehen;
zur Berücksichtigung von Querschnittsschwächungen s. Abschn. 11.1.2 und 11.2.
Für das Ausknicken um die y-Achse ist nach Tafel 11.5 das volle Flächenmoment
2. Grades Iv des Gesamtquerschnitts zu ermitteln (Fiächenmomente 2. Grades der Ein-
zelstäbe und Steiner-Anteile). Das Ausknicken des Gesamtstabes und des Einzelstabes
wird in der Gleichung für den wirksamen Schlankheitsgrad ef ..1.v berücksichtigt. Bei
Rahmenstäben sind mindestens drei (oder mehr) Felder bzw. mindestens zwei (oder
mehr) Querverbindungen anzuordnen, da eine Querverbindung in der Mitte des Ge-
samtstabes keine Wirkung zeigt. Die Nachgiebigkeiten der Binde- und Zwischenhölzer
sowie der gewählten Verbindungsmittel werden mit dem Faktor c nach Tafel11.6 nähe-
rungsweise berücksichtigt.
Für das Ausknicken um diez-Achseist der mehrteilige Rahmen- und Gitterstab wie ein
einteiliger Stab zu berechnen, dessen Flächenmoment 2. Grades Iz nach Tafel 11.5
gleich der Summe der Flächenmomente 2. Grades der Einzelstäbe ist.
Die Spreizungen bei Rahmenstäben mit Zwischenhölzern betragen im allgemeinen
a/h 1 ~ 3 und bei Rahmenstäben mit Bindehölzern im allgemeinen 3 < a/h 1 ~ 6. Liegen
in Sonderfällen Spreizungen a/h 1 > 10 vor, so sollte nach Erläuterungen zu DIN 1052
T 1 ein genauerer Nachweis nach Mähler [2331 geführt werden. Rahmenstäbe mit
Spreizungen a/h 1 < 1 sind besser als mehrteilige Druckstäbe mit kontinuierlicher Ver-
bindung zu berechnen und herzustellen, s. oben.
Rahmenstäbe mit verleimten Querverbindungen sollten nach Erläuterungen zu
DIN 1052 T 1 Einzelstabdicken h 1 ~ 4 cm besitzen, bei verleimten Zwischenhölzern soll-
ten die Spreizungen a/h 1 ~ 2 betragen.
Werden vierteilige Gitterstäbe nach Bild 11.5 d ausgebildet, so sind für beide Stabach-
sen wirksame Schlankheitsgrade ef }.v und ef Az je nach Vergitterungsart zu bestimmen
mit m = 2 als Anzahl der Einzelstäbe je Gleichung.
Unter bestimmten Voraussetzungen dürfen Rahmenstäbe vereinfacht auch nach Ehl-
beck/Köster/Schelling [60] berechnet werden, s. Erläuterungen zu DIN 1052 T1.
ln der Praxis werden von den ausgeführten gespreizten Druckstäben meist zweiteilige
Rahmenstäbe mit gedübelten Zwischenhölzern, aber auch mit genagelten Zwischen-
hölzern oder genagelten Bindehölzern hergestellt.
Bauliche Ausbildung gespreizter Druckstäbe (mittiger Druck)
Rahmenstäbe
Der rechnerische Nachweis der Querverbindungen von Rahmenstäben unter mittigem
Druck kann Tafel 11.7 entnommen werden, dabei sind die üblichen Spreizungen nach
Tafel 11.5, Zeile 2, einzuhalten. Die Schubkraft T muß von den Verbindungsmitteln je
Anschlußfuge des Binde- oder Zwischenholzes mit dem Einzelstab übertragen werden.
Die Schubspannungen in den Querverbindungen sind oft nicht bemessungsbestim-
mend. Die Aufnahme des Biegemomentes aus der Schubkraft Tbraucht bei Zwischen-
hölzern für Spreizungen a/h 1 ~ 2 nicht nachgewiesen zu werden; zur Aufnahme des
Biegemomentes bei Spreizungen a/h 1 >2 s. Tafel11.8.
Bei verleimten Zwischenhölzern soll die Länge des Zwischenholzes lzw mindestens
doppelt so groß sein wie der lichte Abstand a der Einzelstäbe.
220 11.1 Mittiger Druck

Tafel 11.5 Knicknachweis und dazugehörige Berechnungen für gespreizte Druckstäbe (Rahmen- und
Gitterstäbe) nach DIN 1052 T 11 ), mittiger Druck

Rahmenstäbe Gitterstäbe

..:,·:
.j

..
·r··

J
~ Faserrichtung der Bindehölzer

y r. y~ y
z -<0
~
a) Zwischen- b) Binde- c) Zwischen- d) Binde- e) Zwischen- g) Gitterstab
hölzer hölzer hölzer hölzer hölzer
verleimt verleimt genagelt genagelt gedübelt

übliche Spreizungen a/ h,

2
I ;;i 2 3 bis 6 ;;i 3 3 bis 6 ;;i 3 ;;; 10 ;;; 10

Flächenmoment 2. Grades I
2
y- y Iv = L Uv, + a~ · A;)
i= 1
a, = 0,5 · (a + h 1 )
3
z- z

wirksamer Schlankheitsgrad ef l, Trägheitsradius i, zugehörige Knickzahl ef w

ef ;,v nach ef l.v nach


eUv = J}.~+ ~ - c- J,~ J., = s 1 /i1 Zeile 5, Zeile 5,
links rechts
4 y- y
),V= SKy/iv iy = JI;iA i1 = ) Iy 1 /A1 ef wv nach Tafel 11.12

z- z ),z = SK zfiz i,= j[JA w, nach Tafel11 .12

5 ef J. = }.~ + ~-
41t 2 EA 1
2 a, n 0 C0 sin 2a
ef J.= ~ 2 + ~ - 41t 2 -EA 1 ( - 1 - + sin 2
·v 2 a, · sin 2a n 0 • C0 np · Cp
a)
Knicknachweis
2
N!A zu I a 0 11
y- y - - ;;i 1 A = LA; zu I aK = - -
zu I aK i= 1 efwy
6
2
N/A zu I a 011
z- z - - ;;i 1 A = LA; zu I aK = - -
zulaK i= 1 w,

Fußnote s. nächste Seite


11.1.3 Knicknachweis für mehrteilige Stäbe (mittiger Druck) 221

1) Hierin bedeuten:
Iy;, I,, Flächenmoment 2. Grades des Einzelsta- }. 1 = s 1 /i1 Schlankheitsgrad des Einzelstabes für die
bes, bezogen auf die Schwerachsen v- v zur Schwerachse v- v parallele Schwer-
bzw. z- z des Einzelstabes achse, J.. 1 ;;,; 60
lv, I, Flächenmomente 2. Grades des Gesamt- s, Knicklänge des Einzelstabes als Mittenab-
querschnitts, bezogen auf die Schwer- stand der Querverbindungen, s1 ;;,; sKy/3;
achsen v- v bzw. z- z des Gesamtquer- für Achsabstände der Querverbindungen
schnitts s1 <30 · i 1 ist in Zeile 4 -'. 1 = 30 einzusetzen
ef J..v wirksamer Schlankheitsgrad des Gesamt- Knicklängen des Gesamtquerschnitts, be-
querschnitts bezogen auf das Ausknicken zogen auf die jeweiligen Schwerachsen
um die Schwerachse v- v Querschnitt des Einzelstabes
}.v rechnerischer Schlankheitsgrad des Ge- Verschiebungsmodul der für den An-
samtquerschnitts, bezogen auf die schluß der Streben bzw. Pfosten verwen-
Schwerachse v- V deten Verbindungsmittel nach Tafel 13.25
iv Trägheitsradius des vollen Flächenmo- Gesamtanzahl der Verbindungsmittel, mit
mentes 2. Grades Iv des Gesamtquer- denen die Gesamtstabkraft der Streben
schnitts, bezogen auf die Schwerachse bzw. Pfosten angeschlossen ist
v- v Strebenneigungswinkel
m Anzahl der Einzelstäbe "'N Druckkraft des Gesamtstabes
c Faktor nach Tafel 11.6, je nach Art der zu I "K zulässige Knickspannung nach GI. (11.2)
Querverbindung

Tafel11.6 Faktor cfür Rahmenstäbe derTafel11.5a bis e nach DIN 1052 T1 1 ) 2 )

Art der Quer- Verbindungsmittel Faktor Art der Quer- Verbindungsmittel Faktor
verbindung c verbindung c
Zwischenhölzer Leim 1.0 Bindehölzer
Leim 3,0
Dübel 2.5

Nägel, Holzschrauben, Nägel, Holzschrauben,


3,0 4,5
Klammern, Stabdübel Klammern
1) bei Stabdübeln sollten nach Erläuterungen zu DIN 1052 T1 ein Teil der Verbindungsmittel als Paßbolzen
ausgebildet werden
2) Zwischenhölzer mit Bolzenverbindungen dürfen nur bei Fliegenden Bauten und Gerüsten mit c= 3,0 als
wirksam in Rechnung gestellt werden

Die Querverbindungen sind mindestens in den Drittelspunkten der Gesamtstablänge


anzuordnen, so daß die Felderanzahl n~3 betragen muß. Rahmenstäbe müssen an
ihren Enden Querverbindungen erhalten, wenn sie nicht durch mindestens zwei hinter-
einanderliegende Dübel oder vier in einer Nagelreihe hintereinanderliegende Nägel
angeschlossen sind.

Gitterstäbe
Die Berechnung des Querverbandes (fachwerkartiges Gitter) von Gitterstäben unter
mittigem Druck sowie dessen Anschlüsse an die Einzelstäbe ist nach GI. ( 11 .5) und
( 11 .6) vorzunehmen, s. auch Tafel 11.5 f und g.

Gesamtstrebenkraft N0 = 0;/sin a a, nach Tafel 11.7, Zeile 1 (1 1.5)


Gesamtpfostenkraft Np= 0; (1 1.6)
Jeder Einzelstab des Querverbandes ist mit mindestens vier einschnittigen Nägeln an-
zuschließen, auch wenn die Berechnung eine kleinere Nagelanzahl ergibt.
Das Tragverhalten ein- und mehrteiliger Holzdruckstäbe wurde theoretisch und experi-
mentell unter anderem von Egner [44], [45], Egner/Möhler [47], Heimeshoff[134], Mäh-
ler [230], [231 ], [232], [233], Pischi [295] und Ylinen [362] untersucht.
222 11.1 Mittiger Druck

Tafel 11 .7 Bauliche Ausbildung und Berechnung der Querverbindungen von mehrteiligen Rahmenstäben
nach DIN 1052 T1 1 ), s. auch Tafel 11 .5
angenommene Querkraft Cl;

I. Q.' = ef w60· N
Angriffspunkte der Quer- und Schubkräfte (Annahmen, am Beispiel von Bindehölzern I

zweiteilig (m = 2) dreiteilig (m = 3) vierteilig (m = 4)

I
!
2
!
1
*,.-~ a1 aI
Qc
3

2a1
a,
;~IP"JidJ

.l
a,

2a 1
y
/:J
"-t-~;-
A,
Y. A, -4,• __ x;~ ~· ~ -~~ + -..-·
/
z z Z )-· )-· '-Z z f-- H-· 1-- z
-- -l- --
y
h, a h, h, a a a h,

Schubkraft T 2 ) für eine Querverbindung

T= 0 ; - s 1 T = 0,5 · 0 ; · s, T' = 0,4 . 0; . s, T' = 0,3 . 0; . s,


3
2a 1 2a1 2 · a, 2. a,

Nachweis der Verbindungsmittel für den Anschluß der Querverbindungen

4
T
-- ~ 1
zul N

Mindestanzahl der Verbindungsmittel je Anschlußfuge Mindestlänge lzw von verleimten


Zwischenhölzern

5 Nägel : n~ 4 Dübel: n~2 lzw~ 2-a

Schubspannungen im Binde- oder Zwischenholz 3 )

vorh r
61 vorh r :1,5 bT/ -- ~ 1
zul Ta

1)Hierin bedeuten:
0; Querkraft zur Bemessung aller Binde- und b, I Breite, Länge eines Binde- oder Zwischen-
Zwischenhölzer, sowie deren Anschlüsse holzes
an die Einzelhölzer zul N zulässige Belastung der verwendeten Ver-
N Druckkraft des Gesamtstabes bindungsmittel
T Schubkraft zur Bemessung einer Querver- zu I r. zulässige Spannung auf Abscheren für den
bindung verwendeten Holzbaustoff des Binde- oder
weitere Bezeichnungen s. Fußnote 1 ) zu Tafel 11.5 Zwischenholzes
2) gilt nur bei Einhaltung der üblichen Spreizungen nach Tafel 11.5, Zeile 2
3) nach Erläuterungen zu DIN 1052 T 1
11 .2 Ausmittiger Druck (Druck und Biegung) 223

Tafel 11.8 Aufnahme des Biegemomentes bei gedübelten Zwischenhölzern von Rahmenstäben mit
Spreizungen a/h1 > 2 nach Erläuterungen zu DIN 1052 T1 1 ). s. auch Tafel11 .7
zu übertragende Druckkraft D und angenommene Spannungsverteilung in der Fuge zwischen Einzelstab
und Zwischenholz

Dübel besonderer Bauart 0= ~


mit 2Bolzen 2 ·Z
mit z: lzw/3 folgt:
3 T·a
0:- ·-
2 lzw

h, h, Ansicht

$3 Querschnitt

Druckrandspannung a0 J

2 I 6 ·-
vorh a 0 J = - T · -a
2
b · lzw
vorh a 0 ~
- - - :::> 1
zul a 0 L
zu übertragende Zugkraft Zb in jedem Bolzen
vorh Zb = 0/2 ; für Bemessung jedoch 2 ) 3): vorh .Zb = 1,5 . 0/2
3 vorh .Zb
- - - :S 1
zu I zb -

1) Hierin bedeuten :
0 in der Fuge zwischen Einzelstab und zulässige Druckspannung senkrecht zur
Zwischenholz zu übertragende Druck- Faser nach Tafel 8.1
kraft AKern Kernquerschnitt des Bolzens
z Hebelarm der inneren Kräfte zul az.b zulässige Zugspannung des verwende-
lzw, b Länge bzw. Breite des Zwischenholzes ten Bolzenstahls nach Tafel 8.10
vorh a 0 L Druckrandspannung nach angenomme- Weitere Bezeichnungen s. Fußnoten zu Tafel 11.5
ner Spannungsverteilung und 11.7
2 ) Erhöhen der vorhandenen Bolzenzugkraft um 50%, um eine ausreichende Reserve beim Anziehen der
Bolzen zu erlangen
3 ) Werden Unterlegscheiben für die Bolzen nach Tafel7.3 verwandt, kann auf den Nachweis der Holzdruck-

spannungen senkrecht zur Faser verzichtet werden.

11.2 Ausmittiger Druck (Druck und Biegung)

Planmäßig ausmittig gedrückte Stäbe werden neben der Druckkraft zusätzlich auf Bie-
gung beansprucht, hierüber s. auch Abschn. 9.7. Für diese Druckstäbe ist nach
DIN 1052 T 1 zunächst ein gewöhnlicher Spannungsnachweis auf Druck und Biegung
nach GI. (11.7)

N!An M!Wn
--- + --- ~ 1 (11.7)
zula 0 11 zula 8
ohne Berücksichtigung des Einflusses der Ausbiegung und danach ein Stabilitätsnach-
weis nach GI. ( 11.8) zu führen. Für w ist stets der größte Wert ohne Rücksicht auf die
224 11 .2 Ausmittiger Druck (Druck und Biegung)

N!A + MJW ~ 1 (11 .8)


zul aK k8 · 1,1 · zul a 8
in GI. (11 .7) und (11 .8) bedeuten:
N größte im Stab auftretende Druckkraft zu I aK = zu I a 0 11 /w; zulässige Knickspannung, s.
M im Stab auftretendes Moment auch GI. (11 .2)
A ungeschwächte Querschnittsfläche des w die vom Schlankheitsgrad Je abhängige
Stabes Knickzahl nach Tafel11 .12; für w ist stets
nutzbare Querschnittsfläche des Stabes der größte Wert ohne Rücksicht auf die
oder Nettoquerschnitt unter Berücksich- Richtung der Ausbiegung einzusetzen
tigung von Querschnittsschwächungen ?. Schlankheitsgrad des Stabes, d . h. der
nach Abschn . 9.6 Wert von J'Y = sKvfiv und Je,= sK,!i,; zuläs-
w Widerstandsmoment der ungeschwäch- siger Schlankheitsgrad s. Abschn . 11 .5
ten Querschnittsfläche sKv• SKz Knicklängen des Stabes für das Ausknik-
nutzbares Widerstandsmoment oder Wi- ken um die jeweiligen Schwerachsen
derstandsmoment des Nettoquerschnitts (oder rechtwinklig zu den jeweiligen
zu I a 0 11 , zulässige Druck- bzw. Biegespannung Schwerachsen) nach Abschn . 11 .4
zu I a 8 nach Tafel 8.1 (Voll- und Brettschichtholz) iv, i, den jeweiligen Schwerachsen zugeord-
bzw. Tafel8.6 und 8.8 (Holzwerkstoffe) mit nete Trägheitsradien nach Tafel 11.1
zulässigen Erhöhungen und erforderli- k8 Kippbeiwert nach Tafel 13.8 bzw.
chen Ermäßigungen nach Tafel 8.3 bzw. GI. (13.12)
8.9

Richtung der Ausbiegung einzusetzen, das heißt der größere Wert, der sich aus den
Schlankheitsgraden A.v oder A., für das Ausknicken um die beiden Stabachsen ergibt.
Das Einsetzen des größten w-Wertes beim Stabilitätsnachweis stellt eine Sicherheit ge-
gen Ausknicken rechtwinklig zur Momentenebene dar, um die geringe Torsionssteifig-
keit und die zulässigen Vorverformungen von Holzstäben zu berücksichtigen (Gefahr
des Biegedrillknickens, s. unten).
Das Knicken eines Druckstabes mit einachsiger Biegung ist grundsätzlich in zwei Rich-
tungen zu untersuchen, da das Ausknicken des Stabes um beide Stabachsen erfolgen
kann, demnach um die momentenfreie Achse und um die Achse, um die das Moment
M wirkt, wie am Beispiel eines Druckstabes mit Ouerbelastung, beidseitig gelenkiger
Lagerung und Rechteckquerschnitt aus Bild 11.6 zu entnehmen ist.

t <-J
t tt mn1tt um tt mt t m• t m
,~,
~:·
N

lz
11.6 Planmäßig ausmittig gedrückter Stab mit beidseitiger gelenkiger Lagerung und Rechteckquerschnitt;
Querbelastung durch Linienlast q,. die ein Biegemoment Mv erzeugt; Knicklängen dieses Stabes um
beide Achsen jeweils sK = 1,0 · I (Pendelstab oder -stütze); Stabilitätsnachweis grundsätzlich für die
momentenfreie z-Achse und die .. Momenten-beanspruchte" y-Achse erforderlich

Das Knicken eines Druckstabes mit zweiachsiger Biegung (Biegemoment jeweils um


die y-Achse und die z-Achse) kann nach Erläuterungen zu DIN 1052 T1 mit dem Stabili-
tätsnachweis der GI. (11.9) nachgewiesen werden, auch hier mit dem größten w-Wert
ohne Rücksicht auf die Richtung der Ausbiegung.

NJA + My!Wv + M,JW, ~ 1 Bezeichnungen der Achsen s. Bild


11.6, weitere Bezeichnungen s. GI. ( 11.9)
zulaK k8 · 1,1 · zula 8 zula 8 (11.8)
11.3 AnschI üsse und Stöße bei Druckstäben 225

Ein genauerer Tragsicherheitsnachweis kann anstelle der Stabilitäts-(Knick-)nachweise


auch mit der Spannungstheorie II. Ordnung nach Abschn. 12.2 oder mit dem Nachweis
des Biegedrillknickens nach Bürgermeister/Steup/Kretschmar [25] und Kollbrunner/
Meister [174] geführt werden.

Ausmittige Kraftwirkungen in Druckstäben infolge Querschnittsschwächungen


Entstehen durch Querschnittsschwächungen, s. Abschn. 9.6, wesentliche ausmittige
Kraftwirkungen, so sind diese bei der Druckstabbemessung nach Tafel11.9 zu berück-
sichtigen. Hierbei kann der gewöhnliche Spannungsnachweis nach GI. (11.7) oder der
Stabilititätsnachweis nach GI. (11.8) maßgebend werden; beim Stabilitätsnachweis
wird nach Systemtragfähigkeit (Tragfähigkeit des Gesamtstabes) und Querschnitts-
tragfähigkeit (Tragfähigkeit an der Schwächung) unterschieden.

Ausmittig belastete, nicht gespreizte, zusammengesetzte Druckstäbe


Nicht gespreizte, zusammengesetzte Druckstäbe mit kontinuierlicher Verbindung, s.
Abschn. 11.1.3, unter ausmittiger Belastung sind nach Erläuterungen zu DIN 1052 T1
beim gewöhnlichen Spannungsnachweis für Druckspannungen nach GI. (11.10) zu be-
messen, für Biegespannungen werden die GI. der Zeile 5 in Tafel 13.22, 13.23, 13.24
maßgebend. Querschnittsschwächungen
N
O"ou= A · n; Bezeichnungen nach Tafel 11.3 (11.10)

werden sinngemäß nach Tafel11.9, Zeile 2, berücksichtigt. Die Verbindungsmittel nicht


gespreizter Stäbe sind für eine Querkraft Q nach GI. (11.11) zu bemessen.

Q= max00 + 0; max 0 0 Querkraft infolge Querlast (11.11)


0; ideelle Querkraft nach Tafel 11.3 bzw. 11.4

Ausmittig belastete, gespreizte Druckstäbe (Rahmen- und Gitterstäbe)


Gespreizte Druckstäbe (Rahmen- und Gitterstäbe) dürfen rechtwinklig zur stofffreien
Achse (y-Achse nach Tafel 11.5 und 11.7) nur durch Windlasten oder andere Zusatz-
lasten beansprucht werden. ln Erläuterungen zu DIN 1052 T1 ist für diese Druckstäbe
ein Näherungs-Bemessungsverfahren angegeben. Die Verbindungen und Anschlüsse
derart ausmittig beanspruchter Rahmen- und Gitterstäbe sind für die Querkraft Q nach
GI. (11.11) auszulegen.

11.3 Anschlüsse und Stöße bei Druckstäben

Anschlüsse und Stöße von planmäßig mittig beanspruchten Druckstäben sollten in der
Regel symmetrisch zu der bzw. den Stabachsen ausgebildet werden. Anschlüsse und
Stöße erfolgen oft mit Laschen und mechanischen Verbindungsmitteln, Stöße werden
bei Brettschichtholz oder Nadelvollholz auch durch Keilzinkungen, s. Abschn. 6.3, her-
gestellt.

Anschlüsse bei Druckstäben


Anschlüsse senkrecht zur Faser (a = 90°) werden oft als Kontaktanschlüsse ausgebildet,
Beispieles. Bild 11.7. Zur Lagesicherung können außenliegende Laschen und Knaggen
aus Holz oder Stahl bzw. Stahlwinkel einschließlich Heftnägeln dienen; Zapfenausbil-
dungen mit Holznägeln sind überwiegend in alten Holzkonstruktionen aufzufinden. Die
anstehende Druckkraft wird über die Kontaktfläche zwischen beiden Stäben
226 11 .3 Anschlüsse und Stöße bei Druckstäben

Tafel 11 .9 Planmäßig ausmittig belastete Druckstäbe bei kleinen Querschnittsschwächungen nach Er-
läuterungen zu DIN 1052 T1 1) 2)3)

ausmittig gedrückter Stab mit Ouerschnittsschwächung, Schwächung nicht ausgefüllt, Biegung aus plan-
mäßigem Hebelarm

gewöhnlicher Spannungsnachweis

auf geschwächten Querschnitt beziehen


N!An + M! Wn ~ 1
zu I cr 0 11 zu I cr 8

Stabilitätsnachweis

N!An + M! Wn < 1
zul crK k8 · 1,1 · zul cr 8
e = t/2 An =b·(h - t)
An, Wn auf geschwächten Querschnitt bezie-
M = N ·e Wn = b · (h- t) 2/6
hen (Querschnittstragfähigkeit
= N · t/2
},, k8 auf ungeschwächten Querschnitt be-
ziehen (Systemtragfähigkeit)

ausmittig gedrückter Stab, Biegung aus Ouerlast, Querschnittsschwächung in der Biegezugzone,


Schwächung satt ausgefüllt

a) Druckspannungen in der Ausfüllung: I cr 0 11 1 ~ I cr 8 I

gewöhnlicher Spannungsnachweis

ohne Berücksichtigung der Querschnitts-


Schwächung

Jt4 ~
z N!A + M/W ~ 1
-<:: zu I cr 0 11 zu I cr8

T 112 J ~efülltj Stabilitätsnachweis (näherungsweise)


2 I I
ohne Berücksichtigung der Querschnitts-
M = F·l /4 A = b ·h schwächung
W = b·h2 /6 N!A M/W
-- + <1
zul crK k8 · 1,1 · zu I cr 8

b) Zugspannungen in der Ausfüllung: I cr 0 11 1 < I cr 8 I

s. Bild in Zeile 2a Spannungs- und Stabilitätsnachweis sinn-


gemäß wie in Zeile 1 ausführen

ausmittig gedrückter Stab, Biegung aus Ouerlast, Querschnittsschwächung in der Biegedruckzone,


Schwächung satt ausgefüllt

Spannungs- und Stabilitätsnachweis wie in


Ze ile 2 a ausführen

1) Querschnittsschwächungen s. Abschn . 9.6; ausmittig beanspruchte Stäbe s. Abschn . 9.7


2) mit nicht zu großen Querschnittsschwächungen: bei Stäben aus Vollholz zum Beispiel ca . 2 cm (Verkäm-
mung), bei Stäben aus Brettschichtholz bis ca . 10% der Querschnittshöhe, jedoch höchstens etwa 5 cm
3) Bezeichnungen s. GI. (11 .7) und (11 .8)
11 .3 Anschlüsse und Stöße bei Druckstäben 227

Holzlasdleo mit Heftnägeln stahlwinket mit Heftnägeln


n ~4 je Anschlußteil n~4 je Schenkel
a) Ansicht Schnitt A-A b) Ansicht c) Ansicht
11 .7 Anschlüsse senkrecht zur Faser als Kontaktanschlüsse bei Druckstäben; Beispiele
a) beidseitige Laschen mit Heftnägeln als Lagesicherung, b) zwei Knaggen mit Sparrennägeln als
Lagesicherung, c) zwei Stahlwinkel mit Heftnägeln als Lagesicherung

übertragen. Maßgebend für die Bemessung ist im allgemeinen die zulässige Flächen-
pressung (zulässige Querdruckspannung) des kraftaufnehmenden Stabes; der Nach-
weis kann nach GI. (11.12) geführt werden unter besonderer Berücksichtigung der
Überstände und Abstände bei Druckflächen .L zur Faserrichtung nach Abschn . 8.1.1,
Tafel 8.4 und 8.5.
NIAn ~ 1 (11 .12)
zula 0 .L b/2

N zu übertragende Druckkraft nach Bild 11.7


An nutzbare Kontaktfläche zwischen den Stä- Paßstoß
ben Stab 1 und Stab 2, im Beispiel nach
Bild 11.7 a beträgt: An = b 1 • b2 kein Kontakt
zul u 0 ~ zulässige Querdruckspannung nach Tafel
8.1 (Voll- und Brettschichtholz) bzw. Tafel
8.6 und 8.8 (Holzwerkstoffe) mit zulässi-
gen Erhöhungen und erforderlichen Er-
mäßigungen nach Tafeln 8.3 bzw. 8.9,
s. auch Tafeln 8.4 und 8.5

.,Schräge" Anschlüsse (a < 90°) bei A


Druckstäben können unter anderem mit 1!:1
- !""
Versätzen ausgeführt werden, s. Abschn.
7.11 . Weitere Druckstabanschlüsse s. Ab- bf2 b b/2 Schnitt A-A
sehn. 18. a) b)
Stöße bei Druckstäben 11 .8 Stöße bei Druckstäben nach Erläuterungen
Stöße bei planmäßig mittig beanspruch- zu DIN 1052 Tl; Beispiele
ten Druckstäben können als Kontaktstöße a) Kontaktstoß (Paßstoß) mit geeigneten
(Paßstöße) oder als Stöße ohne Kontakt Zwischenlagen (z. B. Bleiblech) in der Kon-
der zu stoßenden Holzteile hergestellt taktfläche, Lagesicherung durch Laschen, b)
Stoß ohne Kontakt, Laschen mit der vollen
werden . Stöße bei Druckstäben sind unter Biegesteifigkeit des Stabes und Verbindungs-
anderem aus konstruktiven Gründen oder mittel für die gesamte Druckkraft N bemes-
infolge Lieferlängenbegrenzung der Holz- sen
teile notwendig, um zum Beispiel die er-
forderliche Stablänge eines Holzdruckstabes aus zwei hintereinanderliegenden Einzel-
stäben zusammenzusetzen . Beispiele für die Ausbildung von Kontaktstößen (Paßstö-
ßen) sowie Stößen ohne Kontakt sind in Bild 11.8 dargestellt.
228 11 .4 Knicklängen

Kontaktstöße (Paßstößel bedürfen nach DIN 1052 T 1 einer einwandfreien Herstellung,


so daß eine vollflächige Kraftübertragung sichergestellt ist. Dazu können zum Beispiel
die zu stoßenden Hölzer durch einen gemeinsamen Sägeschnitt einen wenige mm brei-
ten Spalt erhalten, der durch ein Bleiblech satt ausgefüllt oder durch Kunstharzmörtel
nachträglich ausgegossen wird.
Die Lagesicherung der Stöße gegen gegenseitiges Verschieben der Stabenden ist be-
sonders auszuführen . Liegen Kontaktstöße (Paßstöße) nach Bild 11.8a in den äußeren
Vierteln der Knicklänge oder in der Nähe von Knotenpunkten, so daß ein seitliches
Ausweichen nicht möglich ist, genügen Laschen zur gegenseitigen Lagesicherung und
Verbindungsmittel, die für die halbe zu übertragende Druckkraft (ohne Knickzahl) aus-
zulegen sind .
ln allen anderen Fällen, d. h. bei Stößen ohne Kontakt nach Bild 11 .8b oder bei Stößen
in knickgefährdeten Bereichen, unabhängig davon, ob mit oder ohne Kontakt. sind die
Biegesteifigkeiten des Druckstabes in beiden Richtungen voll durch die Stoßdeckung
(Laschen) zu ersetzen, s. GI. (11 .13) und (11 .14). Die Bemessung der

E Iy, Stoß;;; E Iy, Stab ( 11.13) E Iz,Stoß;;; EIz, Stab ( 11 .14)

Stoßdeckung kann nach Erläuterungen zu DIN 1052 T1 mit GI. (11 .15) erfolgen. Die
Verbindungsmittel sind für die ganze zu übertragende Druckkraft auszulegen .

N/Astoß ~1 Bezeichnungen s. GI. (11 .1) und (11 .2) (11.15)


zulaK

Die Nachgiebigkeit der Verbindungsmittel an der Stoßstelle kann zur Verminderung


der Systemtragfähigkeit (Tragfähigkeit des Gesamtstabes) führen . ln diesen Fällen darf
die Knicklänge des Stabes für den Stabilitätsnachweis nach Erläuterungen zu DIN 1052
T 1 näherungsweise mit dem Wert aus Tafel 11.10, Zeile 10, angenommen werden .

11.4 Knicklängen

Der Stabilitätsnachweis (Knicknachweis) von Holz-Tragwerken nach DIN 1052 T 1 er-


folgt im allgemeinen nach dem Ersatzstabverfahren, s. Abschn . 11.1, 11 .2 und 11.7.
Als Knicklänge sK des Ersatzstabes wird
der Abstand zweierWendepunkteaus der
Verformungsfigur (Knickfigur) des betref-
fenden Tragsystems gewählt, s. Bild 11 .9
am Beispiel eines beidseitig eingespann-
• Wendepunkt ten Druckstabes. Die Knicklänge sK (Er-
Knicklänge s, = 0.5 ·I satzknicklänge) läßt sich nach GI. (11.16)