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XVI.

Legislaturperiode XVI legislatura

AKTUELLE FRAGESTUNDE INTERROGAZIONI SU TEMI DI


ATTUALITÀ

Sitzung Nr. 127 seduta n. 127

vom 30.11.2021 del 30/11/2021

Antwort des Landesrates Widmann auf die Risposta dell'assessore Widmann all'inter-
Anfrage Nr. 28/12/2021, eingebracht von rogazione n. 28/12/2021, presentata dai
den Abgeordneten Knoll und Atz Tammerle consiglieri Knoll e Atz Tammerle

WIDMANN (Landesrat für Gesundheit, Breitband, Genossenschaftswesen - SVP): Sehr geehrte


Präsidentin, werte Kolleginnen und Kollegen, werter Kollege Knoll! Der Inhalt dieser E-Mail entspricht der
Wahrheit, es ist so, und zwar nicht nur einmal, sondern sogar mehrfach. Grundsätzlich werden Anstellungen
für die Dauer eines Jahres vorgenommen. Es handelt sich dabei um befristete Arbeitsverhältnisse, während
denen Mitarbeiter italienischer Muttersprache einen Deutschkurs besuchen müssen, um in der Folge - soll-
ten sie Interesse an einem unbefristeten Arbeitsverhältnis haben - an einem Wettbewerb teilnehmen zu kön-
nen, bei dem selbstverständlich die Voraussetzung des Zweisprachigkeitsnachweises gilt. Das heißt, in die-
ser Phase jetzt müssen wir einfach schauen, dass wir gewisse Dienste irgendwie über die Bühne bringen.
Hier sind wirklich ganze Agenturen unterwegs, um irgendwie zumindest befristet Leute herzukriegen. Für
unser Gebiet finden wir momentan leider mehr rein Italienischsprachige als Deutschsprachige aus dem be-
nachbarten Ausland, weil sie dort genauso vor allem in dieser Phase noch stärker an Personalmangel leiden
als wir.
Die E-Mail wird an jene Personen versendet, welche sich in letzter Zeit über die Homepage des Südti-
roler Sanitätsbetriebes registriert und ein Interesse zur Mitarbeit bekundet haben.
"Warum wird nicht dazugeschrieben, dass die Zweitsprache erlernt werden muss, oder muss sie das
gar nicht mehr?" In der E-Mail wird dies nicht angeführt, da diese E-Mail nur eine Erinnerung an die Bewer-
berInnen ist, aber die BewerberInnen werden sehr wohl darauf hingewiesen, dass nun die entsprechenden
Rangordnungen verfügbar sind. Nachdem in der E-Mail der entsprechende Link angeführt wird und bei einer
eventuellen Bewerbung dort auch die entsprechenden Kriterien festgehalten sind, wird dies nicht angeführt,
weil es dort sehr wohl angeführt wird. Sobald sie sich dann melden, ist ganz klar ersichtlich, dass das ein
Kriterium ist.
Hier ist leider beim Einfügen aus einer alten E-Mail ein Fehler unterlaufen, allerdings betrifft es nur
den E-Mail-Verkehr auf der Homepage des Südtiroler Sanitätsbetriebes, wo die Adressenangabe in deut-
scher Sprache angeführt wird. Es ist hingegen richtig ist, dass diese E-Mail nur in italienischer Sprache an-
geführt wird. Da haben Sie Recht.
XVI. Legislaturperiode XVI legislatura

AKTUELLE FRAGESTUNDE INTERROGAZIONI SU TEMI DI


ATTUALITÀ

Sitzung Nr. 127 seduta n. 127

vom 30.11.2021 del 30/11/2021

Replik des Abgeordneten Knoll auf die Replica del consigliere Knoll alla risposta
Antwort des Landesrates Widmann auf die dell'assessore Widmann all'interrogazione
Anfrage Nr. 28/12/2021 n. 28/12/2021

KNOLL (SÜD-TIROLER FREIHEIT): Frau Präsidentin, ich richte mich auch an den Landeshaupt-
mann! Ich hatte vorhin diese Anfrage betreffend die Zweisprachigkeit im Gesundheitswesen angekündigt,
weil wir auch davon gesprochen haben, in welchem Stil man Leute anspricht. Ich möchte Ihnen nur den
Auszug aus dieser E-Mail ganz kurz vorlesen. Darin heißt es: "Sehr geehrte Beruflerin – was auch immer
eine Beruflerin ist –, ich freue mich, Ihnen mitzuteilen, dass sich die Situation im Vergleich zum Frühjahr
geändert hat und es jetzt möglich ist, auch ohne Zweisprachigkeitsnachweis teilzunehmen." Freuen wir uns
darüber? Freuen wir uns darüber, dass wir im Südtiroler Sanitätsbetrieb jetzt auch Leute anstellen können,
die nicht mehr Deutsch können? Verstehen Sie, was ich damit ausdrücken will? Auch die Art und Weise, wie
das getan wird, ist meiner Meinung nach hoch fahrlässig. Wir sind in der Situation, dass die Mehrheitsbevöl-
kerung in diesem Land zu Patienten zweiter Klasse gemacht wird. Wer in diesem Land deutschsprachig ist,
muss sich damit abfinden, dass wir in dieser Situation unsere Muttersprache nicht mehr beherrschen. Wir
freuen uns sogar darüber, das mitzuteilen, anstatt dass wir alles daran setzen würden, dass die Mehrheits-
bevölkerung in diesem Land ja Recht bekommt. Das ist doch autonomiepolitisch höchst fahrlässig, was da
passiert. Herr Landesrat, es mag zwar stimmen, dass Deutschland und Österreich auch in einer Notsituation
sind. Aber haben Sie sich nie die Frage gestellt, warum das in Italien nicht der Fall sein soll? Soll Italien das
einzige Land auf der Welt sein, das ausreichend Krankenpfleger und Ärzte zur Verfügung hat, nur so aus
dem Ärmel zu schütteln? Die haben genauso Probleme. Da reden wir auch einmal über die Qualität der Per-
sonen, die nach Südtirol geschickt werden. Mir sagen Mitarbeiter des Sanitätsbetriebes, dass das Leute
sind, die man teilweise sonst nirgendwo anders gebrauchen kann, weil sie eine schlechte Ausbildung, teil-
weise schon einen schlechten Ruf und negative Erfahrungen gemacht haben. Ich will das nicht verallgemei-
nern, es gilt nicht für alle, aber der Gedanke ist nicht ganz abwegig, dass alle anderen um Südtirol Probleme
haben und wir sozusagen quasi nur die Türen öffnen brauchen, dann kommen sie von Italien herauf.
Herr Landesrat und Herr Landeshauptmann, das Recht auf Gebrauch der Muttersprache ist nicht ein
Luxus, das ist eine autonomiepolitische Selbstverständlichkeit! Wenn wir anfangen, diese autonomiepoliti-
sche Selbstverständlichkeit in guten Zeiten als Ausnahmesituation zu regeln, aber wenn es darauf ankommt,
geht es nicht, dann ist der Zug autonomiepolitisch abgefahren. Wenn wir uns freuen mitzuteilen, dass es
jetzt keine Zweisprachigkeit mehr braucht, wo ist dann unsere Autonomie gelandet? Ich freue mich nicht
darüber!
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