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Text eines 2002 in der FAZ ganzseitig publizierten "Appell für die

Pressefreiheit gegen die Verletzung demokratischer Grundrechte


durch den NRW-Verfassungsschutz"
Appell an Ministerpräsident Wolfgang Clement
Appell für die Pressefreiheit
Gegen die Verletzung demokratischer Grundrechte durch den NRW-Verfassungsschutz

Auf Initiative des Innenministeriums Nordrhein-Westfalen wird seit 1995 die Berliner
Wochenzeitung JUNGE FREIHEIT vom dortigen Landesamt für Verfassungsschutz in seinen
Berichten "erwähnt". Der schwerwiegende Vorwurf der "tatsächlichen Anhaltspunkte für den
Verdacht auf rechtsextremistische Bestrebungen" gegen eine auf dem Boden des Grundgesetzes
stehende Zeitung stellt eine Verletzung demokratischer Grundrechte dar. Die durch eine staatliche
Behörde erhobenen Vorwürfe setzen eine politisch unbequeme Wochenzeitung unter massiven
Druck. Die vom NRW-Verfassungsschutz publizierten Vorwürfe haben konkrete wirtschaftliche und
politische Diskriminierungen zur Folge. Interviewpartner, Autoren, Anzeigenkunden und
Vertriebspartner geraten unter öffentlichen Druck, wenn sie mit der JUNGEN FREIHEIT in
Verbindung stehen.

Seit 1996 führt die JUNGE FREIHEIT ein aufwendiges Verwaltungsstreitverfahren gegen das Land
Nordrhein-Westfalen. Seit Juni 2001 liegt der Fall im Rahmen einer Verfassungsbeschwerde beim
Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe. Die JUNGE FREIHEIT faßt in dieser
Verfassungsbeschwerde die wesentlichen Grundrechtsverstöße zusammen, die durch die
verfassungswidrige Erwähnung der JUNGEN FREIHEIT im NRW-Verfassungsschutzbericht
ausgelöst werden: "Verletzung der Meinungsfreiheit (Art. 5 I 1, 1.Alt.GG) und der Pressefreiheit
(Art. 5 I 2, 1. Alt. GG), des Persönlichkeitsrechts (Art. 2 I i. V. m. 1 I bzw. 5 I 2 oder 12 I GG), der
Berufsfreiheit (Art. 12 I GG) und des Gleichheitssatzes / Willkürverbots (Art." I GG)"
(Verfassungsbeschwerde JF ./. NRW, S. 1)

Ich fordere den Ministerpräsidenten von Nordrhein-Westfalen, Wolfgang Clement, auf, dafür zu
sorgen, daß die diskriminierenden Maßnahmen des NRW-Innenministeriums gegen die
Wochenzeitung JUNGE FREIHEIT unverzüglich gestoppt werden, daß die JUNGE FREIHEIT
nicht mehr im Verfassungsschutzbericht des Landes NRW erwähnt wird und daß es der NRW-
Verfassungsschutz unterläßt, die JUNGE FREIHEIT in den Verdacht des Extremismus zu setzen.

Erstunterzeichner: Dr. Franz Alt, Journalist, Baden-Baden; Dr. Herbert Fleissner, Geschäftsführer
der Buchverlage Herbig Langen Müller, München; Manfred Graf von Schwerin, Geschäftsführer,
Berlin; Wolf-Dieter Graf Yorck von Wartenburg, Bergassessor, Wittibreut; Martin Hohmann,
Bundestagsabgeordneter, Neuhof; Prof. Dr. Klaus Hornung, Universitätsprofessor, Reutlingen; Prof.
Dr. Hans-Helmut Knütter, Universitätsprofessor, Bornheim-Rösberg; Gerhard Löwenthal,
Journalist, Wiesbaden; Heinrich Lummer, Innensenator a. D. von Berlin, Berlin; Prof. Wolfgang
Mattheuer, Bildermacher, Leipzig; Prof. Dr. Klaus Motschmann, Hochschullehrer, Berlin; Prof. Dr.
Gerard Radnitzky, Wissenschaftstheoretiker, Korlingen; Prof. Dr. Bernd-Thomas Ramb,
Universitätsprofessor, Linden; Prof. Andreas Graf Razumovsky, Langjähriger
Auslandskorrespondent der FAZ, Wien; John Schäfer, Landesvorsitzender JU Mecklenburg-
Vorpommern, Rostock; Prof. Dr. Erwin K. Scheuch, Professor für Soziologie, Köln; Prof. Dr. W.
Schmitt-Glaeser, Hochschullehrer, Bayreuth; Prof. Dr. Wolfgang Seiffert, Hochschullehrer,
Hamburg; Prof. Dr. Robert Spaemann, Universitätsprofessor, Stuttgart; Dr. Carl-Gustaf Ströhm,
Langjähriger Osteuropakorrespondent der Tageszeitung Die Welt, Wien, Adolf-Heinrich von Arnim,
Dirigent i.R., Gerswalde; Otto von Habsburg, Schriftsteller, Pöcking; Prof. Dr. Günter Zehm,
Philosophieprofessor, Bonn