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KOCH

DIE ALTCHRISTLICHE BIIDERFRAGE

NACH DEN LITERARISCHEN QUELLEN


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- ------ *******~*=~~~~*~*=~~~~
Forſchungen zur Religion und Literatur
des Alten und Neuen Teſtaments
In Verbindung mit

Dr. Hermann Ranke und Dr. Arthur Ungnad


Prof. d. Aegyptol.in Heidelberg Prof. d. oriental. Philol. in Jena
herausgegeben von
D Wilhelm Bouſſet und D Dr. Hermann Gunkel
Prof. d. Theol. in Gießen Prof. d. Theol. in Gießen

Neue Folge. 10. Heft

Die

altchriſtliche Bilderfrage
nach den literariſchen Quellen

Von

Profeſſor Dr. Hugo Koch


in München

Göttingen

Vandenhoeck & Ruprecht


1917

Ein vollſtändigesVerzeichnisder „Forſchungen“befindetſich auf Seite 3 und 4


dieſes Umſchlags.
Ä Ä.
Verlag von Vandenhoeck & Ruprecht in Göttingen.

iſt
Soeben vollendet:
O
Das Urchriſtentum Joh. Weiß, weil. Prof. der Theol.

Ä
faſſers herausgeg. und am Schluſſe ergänzt von Rudolf Knopf,

D
Prof. Bonn. Mit einem Bildnis von Johannes Weiß.

in
der Theol.
XII

6 15
Geh. 13,60 %, geb.

S.

%. %.
2. u.
Lex. 89. 681
Teil, einzeln (S. I– XII 417 681) geh.

u.


Einbanddecke zum vollſtändigen Werke 1,10 %.
Ausführliche Ankündigung mit Inhalt koſtenfrei.

Bald nach Ausgabe des Ende 1913 erſchienenen Teils raffte eine tückiſche

1.

zu
Krankheit den Verfaſſer hinweg. Obwohl das Handbuch unvollendet bleiben
Teil bis die neueſte Zeit hinein immer wieder verlangt worden.
iſt

ſchien,
in
1.

der
Nunmehr liegt es, von kundiger Hand nur am Schluſſe ergänzt, als ein vollendetes
Ganzes vor.

ihrer älteſten

in
Die Schriften des Neuen Teſtaments
erreichbaren Textgeſtalt hergeſtellt auf Grund ihrer Text
geſchichte von Herm. Freiherrn von Soden, Dr. theol. Prof.

u.
an

der Univ. Berlin. Lex. 8%.


Teil: Unterſuchungen. Abt.: Die Textzeugen (XVI, 704 S.).
1.
I.

B. A.

Abt.: Die Textformen. Die Evangelien (S. 705–1648).


3. 2.

Abt.: Die Textformen. Der Apoſtolos mit Apokalypſe


16

21

13

%.
%,

%,
(S. 1649 2203). Einzeln, geb.

XXVIII,
II.

Teil: Text und Apparat nebſt Ergänzungen


zu

Teil I.
Mit zum Apparat.
S.

908 Leſezeichen 1913.


2

%;

Preis des geſamten Werkes geh. 70 geb. 86 %.


32

36
Einzelpreis des Apparat) geh. %; geb.
%.
II.

Teils (Text
u.

Griechiſches Meues Teſtament. Text mit kurzem Apparat. Hand


ausgabe. Von Herm. Freiherrn von Soden. 1913.
4,20 %; geb. %.
5

Einführung das griechiſche Neue Teſtament.


in

umgearb.
3.

Aufl. Mit 12 Handſchriften-Tafeln. Von Eberh. Neſtle. 1909.


4,80 %; geb. 5,60 %.

Sriedrich Blaß' Grammatik des neuteſtamentl. Griechiſch.


4., völlig neugearbeitete Auflage beſorgt von Albert Debrunner.
1913. 7,20 %; 8,60
%.

geb.

Concordantiae omnium Vocum Novi Testamenti Graeci


tg
kauvg öuaGjxng ÄFeov. Ed.
H.

sive Tauteiov töv Bruder.


C.

Editio stereotypa septima quarta auctiore emendatiore,


et
e

lectionibus Tregellasii atque Westcotti Hortii locupletata, repe


et
25

28

tita. gr. 49.


In
%.

%.

1913. solidem Ganzleinenband


zu

Bitte die Umſchlagſeite


4.

und
3.

beachten.
Die

altchriſtliche Bilderfrage
nach den literariſchen Quellen

Von

Profeſſor Dr. Hugo


Koch
in München

Göttingen

Vandenhoeck & Ruprecht


1917
Forſchungen zur Religion und Literatur
des Alten und Neuen Teſtaments

In Verbindung mit

Dr. Herm. Ranke und Dr. Arth. Ungnad


Prof. d. Ägyptol. in Heidelberg Prof. d. oriental.Philol. in Jena
herausgegeben von
D. Wilhelm Bouſſet und D. Hermann Gunkel
Prof. d. Theol. in Gießen Prof. d. Theol. in Gießen

Neue Folge, 10. Heft.


Der ganzen Reihe 27. Heft.

(bedrucktbei hubert & Co., G. m. b. H. in Göttingen.


Vorwort.

verfolgt
ich

Die Studie, die hiermit der Öffentlichkeit übergebe,

keinerlei ikonoklaſtiſche Zwecke, ſondern will nur mit dem der geſchicht
lichen Wahrheit gebührenden amor desinteressatus zeigen, wie das
Chriſtentum urſprünglich über Bilderſchmuck und Bilderverehrung dachte
und wie und unter welchen Umſtänden nachher andere Anſchauungen

und Beſtrebungen wirkſam wurden. Polemik war dabei unvermeidlich.


Es gilt zwar vielfach für wiſſenſchaftlich vornehmer, ſeine Anſchauungen
ohne Berückſichtigung abweichender Meinungen vorzutragen, und ohne
Sweifel giebt Gelegenheiten und Orte, wo dieſe Haltung angezeigt
es
iſt.

wird aber die Forſchung wenigſtens überall da, wo


Anderſeits
*

wirklich lernen will und nicht durch Dogmen oder unheilbare Vor
man
daran gehindert nur vorwärts kommen, wenn man nicht
iſt

urteile
aneinander vorbei oder übereinander weg redet, ſondern fremde Auf
ſie

ſtellungen nimmt, daſtehen, und ſich mit ihnen auseinanderſetzt.


ſo

wie
Ich ſchmeichle mir nicht, alle hier einſchlägigen Stellen erörtert,
- V§

zu

aufgehellt haben,
in

alle hier Betracht kommenden Punkte ſondern


bin zufrieden, mir als Verdienſt angerechnet wird, gefühlt zu
es

wenn
ºc

haben, daß hier noch eine offene Frage vorliegt und das, was man
die
W)

zu

zur Seit über Stellung des älteſten Chriſtentums zur Kunſt leſen
bekommt, nicht das letzte Wort ſein kann.
München, Juli 1917.
W.

Hugo Koch,
Inhaltsverzeichnis.
Seite
Einleitung. Stand der Srage . . . . . . . . . . . . . 1–3
I. Die Seugen.
§ 1. Tertullian. - - - - - - - - - - - - - - 3 – II
§ 2. Cyprian und Pſ.-Cyprian . . . . . . . . . . . . . 11–12
§ 3. Kirchenrechtliche Beſtimmungen . . . . . . . . . . . 12–13
-§ 4. Irenäus . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 13–14
§ 5. Klemens von Alexandrien . . . . . . . . . . . . . 14–18
§ 6. Ariſtides, Juſtin, Tatian und Athenagoras . . . . . . . 18–19
§ 7. Origenes . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 19–22
§ 8. Methodius von Olympus . . . . . . . . . . . . . 22–24
§ 9. Minucius Felix, Arnobius und Laltantius . . . . . . . 24–29
§ 10. Makarius von Magneſia . . . . . . . . . . . . . 29–31
§ 11. Can. 36 von Elvira . . . . . . . . . . . . . . . 31 – 41
§ 12. Euſebius von Cäſarea, Kreuz und Labarum . . . . . . . 41–58
§ 13. Epiphanius . . . . . . . . . . . . . . . . . . 58–64
§ 14. Aſterius von Amaſea . . . . . . . . . . . . . . . 64–67
§ 15. Johannes Chryſoſtomus . . . . . . . . . . . . . . 67
§ 16. Milus . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 67–68
§ 17. Die Kappadozier Baſilius, Gregor von Mazianz und Gregor
von Myſſa. . . . . . . . . . . . . . . . . . . 69–73
§ 18. Prudentius und Paulinus von Mola . . . . . . . . . 73–75
§ 19. Auguſtinus . . . . . . . . . . . . . . . . . . 75–77
§ 20. Gregorius I. . . . . . . . . . . . . . . . . . . 77–80
Machträge zu Origenes . . . . . . . . . . . . . . 80
Machträge zu Methodius. . . . . . . . . . . . . . 80–81
II. Ergebniſſe und Suſammenhänge.
§ 1. Unterſcheidung . . . . . . . . . . . . . . . 81 – 87
§ 2. Die Archäologie. . . . . . . . . . . . . . . . . 87–88
§ 3. Die Urſprünge der chriſtlichen Kunſt . . . . . . . . . 88–90
§ 4. Heidniſcher und Bilderſtreit . . . .
chriſtlicher . . . . . 91–93
§ 5. Der Begriff der Heiligkeit und des Heiligtums . . . . . . 93–99
:§ 6. Pietät und Bilderkult. . . . . . . . . . . . . . . 100–105
Verzeichnis der Schriftſtellen . . . . . . . . . . . . 106
Mamenverzeichnis . . . . . . . . . . . . . . . 106–108
Einleitung.
„Die Meinung, die religiöſe Kunſt, der Gebrauch und die Verehrung
ſei

der Bilder den Chriſten der drei erſten Jahrhunderte fremd geweſen,
ſitzt feſt den Köpfen unſerer meiſten Gelehrten; man ſchlage
in

noch

alle unſere Handbücher der Malerei und Kunſtgeſchichte, Schnaaſe, Kugler,


Görling, Hotho uſw. auf, überall wird man ein Kapitel über den „Kunſt

im
So
Kraus Jahre

X.
haß“ der alten Chriſten finden.“ ſchrieb Fr.
1868 (in ſeiner populären Broſchüre „Die Kunſt bei den alten Chriſten“,
Frankfurt a/M. 5). Im erſten Bande ſeiner „Geſchichte der chriſt
S.

(Freiburg 1896.
S.

lichen Kunſt“ 58) konnte dann auf dieſe „erſte er

und ſchlimmſte Fabel, welche die moderne Kritik aus der Geſchichte der
zu

chriſtlichen Kunſt entfernen hatte,“ wie auf eine abgetane Sache


zurückblicken. In der Tat war der namentlich durch die Katakomben
forſchung herbeigeführte Umſchwung derart, daß ſogar die zweifellos
ihrer Bedeutung
in

bilderfeindlichen Stimmen des chriſtlichen Altertums


immer mehr abgeſchwächt, immer weniger gewürdigt wurden. Die Folge
war, daß die katholiſche Theologie, dieſer Frage lange Ver
in

in
ſo

die
teidigungsſtellung geſtanden hatte, nunmehr zum Angriff überging und
zu

durch kühne Stöße die letzte Kraft jener Bildergegner brechen ſuchte.

Aus dieſer Suverſicht erklärt ſich auch die kurze Abhandlung des
Münchner Theologen Alois Knöpfler „Der angebliche Kunſthaß der
erſten Chriſten“, veröffentlicht der „Feſtſchrift Georg von Hertling
in

zum ſiebzigſten Geburtstag am 31. Auguſt 1913 dargebracht von der


Pflege
im

Görresgeſellſchaft zur der Wiſſenſchaft katholiſchen Deutſch


48), worin die Frage
41

land“ (Kempten
S.

er

und München 1913.


mit wenigen und wenig tiefgehenden Bemerkungen und einer weder


formell noch ſachlich glücklichen Polemik gegen den heimgegangenen
X.

Funk den einzigen, der hierin den


F.

katholiſchen Kirchenhiſtoriker
– –

zu

Wörtern ihre Bedeutung gelaſſen hatte erledigen können glaubte.


Da auch auf proteſtantiſcher Seite die Stellung der älteſten Chriſtenheit
den Bildern meiſt ziemlich kurz abgemacht wird!), der Frage
ich
zu

bin

von Bonwetſch, Art. „Bilderverehrung und Bilderſtreitigkeiten“,


So
!)

proteſt. RE* 3,222, Schultze, Art. „Kunſt und Kirche“, RE*11,176, Windiſch,
V.

Sorſchungen 27: Koch.


I
2 Einleitung.

ge

ſie
aus Anlaß des Knöpfler'ſchen Aufſatzes nachgegangen und habe
unterſucht, als das Seit iſt!).

in
nauer der letzten geſchehen Vielleicht

zu zu
ſie
gelingt auf Grundlage

es
doch, eine etwas breitere und tiefere
ſtellen und ihr einige Seiten abzugewinnen oder wenigſtens


neue

einfach abtun läßt, wie man gegenwärtig

ſie
zeigen, daß nicht

ſo
ſich
zu

glauben ſcheint.
Bezeichnenderweiſe eröffnet Knöpfler, nach dem Vorbilde bei Kraus
60), ſeinen Beweisgang

S.
Kunſt 1896
d.

(Geſch. chriſtl. mit einer

I.
ſcholaſtiſchen Schlußfolgerung. „Was zunächſt die Stellung des Chriſten

im
tums zur Kunſt überhaupt anlangt, liegt Chriſtentum nicht

ſo
auch

einer prinzipiellen Ablehnung

zu
das Geringſte, was dasſelbe der Kunſt
nicht Verneinung natür

iſt
veranlaſſen könnte. Das Chriſtentum der
im

Kräfte Menſchen, will reinigen, ver

es
lichen vielmehr dieſelben
klären und vollenden. „Gratia non destruit naturam“, ſagt der
Doctor angelicus perficit“.

et
der Scholaſtik, „sed elevat Das war
ſtets Lehre der katholiſchen Kirche von den erſten Seiten bis auf den
heutigen Tag. Dieſelbe kann darum als ſolche nie eine prinzipiell ab
lehnende oder gar feindliche Stellung eingenommen haben weder gegen
die Wiſſenſchaft noch gegen die Kunſt, dieſen (ſo!) ſchönſten Blüten der
zu

zu
natürlichen Kräfte des Menſchen. Nicht ertöten, ſondern beleben
zu

und adeln ſuchte wahres Chriſtentum ſtetsfort das wiſſenſchaftliche


wie künſtleriſche Streben des menſchlichen Geiſtes.“ Mit ſolchem Aprio
rismus Verlauf
iſt

iſt
Der kirchengeſchichtliche

ſo
aber nichts bewieſen.
wenig als der weltgeſchichtliche auf einen Syllogismus verpflichtet. Eine
nicht von fertigen Glaubensſätzen beherrſchte Kirchen- und Dogmen
geſchichte zeigt uns den Wechſel chriſtlicher und kirchlicher Anſchauungen
an

Dingen, greifen die Grundlagen hinab


in

die noch tiefer und näher


zu

reichen, als die Stellung Kunſt und Wiſſenſchaft, zeigt uns das
Ringen gegenſätzlicher Anſchauungen und Beſtrebungen, die alle mit dem
zu

Anſpruch auftraten, das „wahre Chriſtentum“ verkörpern, zeigt uns

namentlich eine ganz unverkennbare Entwicklung der Kirche von anfäng


licher Weltflucht und eschatologiſcher Geringſchätzung der menſchlichen
Kulturgüter
zu

immer größerer Weltförmigkeit und Behaglichkeit. Es


an

ſich verfehlt, das Verhältnis des älteſten Chriſtentums zur


iſt

darum

Art. „Bilderſtreitigkeiten" RGG 1,1241, Harnack, Dogmengeſchichte“


in

Schieles
478,
u.

(1909)
a.
2

Die eingehendſten Erörterungen, aus denen jetzt noch lernen iſt,


zu
!)

finden ſich bei Chr. W. Auguſti, Beiträge zur chriſtl. Kunſtgeſchichte und
I.

II.

Liturgik. Bd. (Leipzig 1841), Bd. (1846), 81–183.


S.

S.

103–146 und
I.
Tertullian. 3

Kunſt a priori erſchließen zu wollen!). Und wenn denn doch ein


ſolcher Schluß gewagt wird, müßte er ganz anders lauten als bei
Knöpfler: wo man mit dem unmittelbar bevorſtehenden Ende dieſer
Weltzeit, ihrer Grundlagen und Kräfte rechnet, wo die Gefahren des
Reichtums und eines darauf gegründeten behaglichen Lebens faſt bis zur
Unmöglichkeit der Seelenrettung geſteigert erſcheinen (Mk. 10,23 ff.; Lk. 6,20

u. 24; 12,33f), kann kaum ein ungetrübtes prinzipielles Verhältnis zu


Kunſt und Wiſſenſchaft, „dieſen ſchönſten Blüten der natürlichen Kräfte
des Menſchen“, aufkommen. Aber ein zuverläſſiges Urteil kann doch
nur aus unbefangenem Verhör der altchriſtlichen Stimmen gewonnen

werden. In der Forderung, die einzelne Stimme nach Inhalt und Be


ſie

deutung genau zu bewerten, nicht vorſchnell zur Seugin für die


kann man Knöpfler nur bei
zu

chriſtliche Geſamtkirche verallgemeinern,


pflichten, freilich mit der Ergänzung, daß die „Kirchlichkeit“ einer Stimme
auch nicht nach dem Kanon einer ſpäteren Zeit bemeſſen werden darf.

Die Seugen.
I.

Tertullian.
1.
§

Su den angeblichen
Kunſtfeinden aus der erſten chriſtlichen Zeit,
ſagt Knöpfler, werde gewöhnlich vor allem Tertullian gerechnet. Er
allerdings ein Miß
zu

glaubt,
iſt
es

daß dies Unrecht geſchehe. Nun


verſtändnis, wenn Auguſti (Beiträge zur chriſtl. Kunſtgeſch. und Li
turgik 1841, 110) den Tertullian ſagen läßt, daß jede Kunſt nichts
S.
I.

an

anderes als verruchter Götzendienſt ſei. Vielmehr führt Tertullian


Stelle (De idol. Oehler 69) nur aus, früher
I,

der betreffenden
c.
3
ſei

Götzendienſt ohne Götzenbilder getrieben worden, wie das auch jetzt

noch vorkommen könne. „Nachdem aber der Teufel Bildhauer, Maler und
Verfertiger von Bildniſſen
da

aller Art die Welt geſetzt hatte, empfing


in

jenes Anfängen befindliche Treiben menſchlichen Elends


in

noch rohen
Fortgang jeder
da

an

von den Idolen. Von


iſt

ſeinen Namen und

Wo der katholiſche Theologe mit der „beſtändigen Lehre der katho


!)

da

liſchen Kirche“ operiert, greift der proteſtantiſche gerne zum „Weſen des
Chriſtentums“. So beginnt Viktor Schultze ſeinen Artikel „Kunſt und Kirche“
(RE* XI, 175–178) mit dem Satze: „Im Weſen des Chriſtentums liegt kein
den Betrieb und Gebrauch der bildenden Kunſt ausſchließendes Moment.“ Nur
ſchade, daß das „Weſen des Chriſtentums“ ebenſowenig eine feſtſtehende und
iſt

unveränderliche Größe wie die „beſtändige Lehre der katholiſchen Kirche“.


*
1
4 Tertullian.

Kunſtzweig, der in irgendeiner Weiſe Idole hervorbringt,


zu einer Quelle der Idololatrie geworden.“ Er bezeichnet alſo
nicht die Kunſt als ſolche als Idololatrie, ſondern redet nur von der
idololatriſchen Kunſt, der Kunſt als Quelle und Helferin des Götzen
dienſtes. Auch der Satz „Igitur omnis forma vel formula
andere

als
idolum sedici exposcit“ will nicht „jede Abbildung eine Art Idolo
latrie“ hinſtellen, wie Kraus (Geſch. 61),

S.
1896

d.
chriſtl. Kunſt

im
I.
meint, ſondern hat wieder nur idololatriſche Bilder Auge und will
Suſammenhange beſagen,

es
dem nach daß am idololatriſchen Charakter

ob
ändere, welchem Stoff

es

es
eines Bildes nichts aus beſtehe und
dieſe oder jene Geſtalt (Tier- oder Menſchengeſtalt) habe. Aber immerhin

Er
der Teufel, die Welt geſetzt

in
iſt

iſt
es

der die Künſtler hat. der


Vater der Künſtler, wie der Purpurfarbe
er
ſo

auch der Fabrikant und


„interpolator naturae“ Gott, dem

im

zu
überhaupt Gegenſatz

iſt
der
„auctor naturae“ (De cultu. fem. I, 8).

in

in
es
Auch heißt

c.
4
ziemlich allgemeiner Faſſung, das göttliche Geſetz habe, um die „ma
teria idololatriae“ auszuroden, verkündet: „Ihr ſollt euch kein Idol
machen“, und beigefügt: „Auch kein Bild der Dinge, die am Himmel,
(Exod. 20,3, Lev. 26,1, Deut.
im

auf der Erde und Meere ſind“


5,8); damit habe für
es

den Knechten Gottes „ſolche Künſte“ die


ganze Welt verſchloſſen. Tertullian betrachtet demnach dieſes altteſta
mentliche Verbot als fortbeſtehend. Nicht bloß das Idol, ſondern auch
Er

alles was zum Idol werden könnte, bleibt verpönt. läßt auch die
ja

Einrede nicht gelten, daß man ſolche Bilder nur herſtellen, nicht
da

verehren wolle, die Verehrung, die Andere ihnen zollen, eben auch

dem Herſteller zur Laſt falle.


Tertullian beſchränkt ſich übrigens nicht darauf, gegen „die Kunſt,
tätig iſt“, Verwahrung ein
in

ſofern dieſe Dienſten des Götzendienſtes


die

zulegen. Wie De spectaculis, Un


in
er

er

ſeiner Schrift nachdem

vereinbarkeit des Schauſpielbeſuches mit dem Chriſtenſtande dargetan


im

hat, dem Chriſten einen Erſatz letzten großartigen Schauſpiel der


30),
(c.

Wiederkunft des Herrn und des Weltgerichts Ausſicht ſtellt


in

geht De idololatria Bekämpfung der götzen


in
er

der Schrift
ſo

nach

dieneriſchen Kunſt auch auf die poſitive Seite der Frage ein und gibt
ſie

an, worin die kunſtfertige Hand des Chriſten ſich betätigen, womit
„Wird Not
ſo

den Lebensunterhalt beſchaffen könne und dürfe. die


gibt
zu

wendigkeit, den Unterhalt gewinnen, geltend


es

gemacht,
ſo

noch andere Arten (von Künſten), die ohne Übertretung der Sittenzucht

ohne Verfertigung eines Idols, gewähren.


d.
h.

den Lebensunterhalt
Tertullian. 5

Es verſteht der Stuckarbeiter auch Dächer auszubeſſern, Tünchereien aus


zuführen, Brunnen zu glätten, Kehlleiſten anzubringen und unter Ab
ſehen von Götterbildern die Wände mit vielen andern Sierraten zu
verſchnörkeln. Es weiß auch der Maler, der Marmor- und Bronze
künſtler und jeder Ciſeleur ſeine Tätigkeit ganz leicht weiter auszu
dehnen. Wer ein Götterbild zeichnet, um wieviel leichter ſtreicht der
ein Rechenbrett an! Wer aus Lindenholz einen Mars ſchnitzt, um
wieviel raſcher ſetzt er einen Schrank zuſammen! Es gibt keine Kunſt,

die nicht wieder einer andern Kunſt Mutter oder Verwandte wäre.
Nichts ſteht ohne Suſammenhang mit etwas Anderem. Die Adern der
Künſte ſind ſo zahlreich als die Bedürfniſſe der Menſchen. Freilich be
ſteht hinſichtlich der Bezahlung und des Lohnes für die Handarbeit
Demgemäß
iſt

ein Unterſchied. auch ein Unterſchied hinſichtlich der


Mühe. Eine geringere Belohnung gleicht ſich durch häufigere Wieder
holung aus. Wieviele Wände brauchen denn Götterbilder? Wieviele
Tempel für Idole erbaut? Wie groß

iſt
und Häuſer werden denn
dagegen die Zahl der Wohnungen, Amtsgebäude, Bäder und Miet
kaſernen!Pantoffeln und Schuhe werden täglich vergoldet, ein Merkur
und Serapis dagegen nicht jeden Tag. Das genüge bezüglich des Er
werbes durch Kunſtfertigkeiten. Häufiger als aller Aberglaube nehmen
Anſpruch. verlangt
ſie

in

Luxus und Prunkſucht Schüſſeln und Becher

Prunkſucht öfter als Aberglaube. Auch Kränze beanſprucht der Luxus


(c.

mehr als ein Götterfeſt.“ 8).


Tertullian verweiſt alſo den Chriſt gewordenen Künſtler zum Hand

er,

werk oderbeſtenfalls Kunſthandwerk!!) Kein Wort davon, daß


ſtatt, wie bisher Götzenbilder, nunmehr für Kirchen und Cömeterien
oder für reiche Chriſten Bilder oder Statuen Chriſti oder der Apoſtel
oder eines Martyrers oder auch nur Kreuze herſtellen könne!
als der Künſtler damit nach damaliger An
Er

eher,
ſo

konnte das um
!)

ſchauung geſellſchaftlich nicht herabgedrückt wurde, weil von vornherein nicht


er

höher ſtand. Cicero


erklärt (De off.
I,

42) alle Gewerbe der um Lohn


Arbeitenden, die Arbeit und nicht die Kunſt bezahle, für unan
bei denen man
ſtändig und ſchmutzig und läßt nur Architektur, Medizin, Großhandel und Lehr
amt (alſo Malerei und Bildhauerei ſchon nicht mehr) als für beſſere Kreiſe
angängige Beſchäftigungen gelten. (Vgl. "A. Bigelmair, Die Beteiligung der
Chriſten Seit. München 1902,
in

am öffentlichen Leben vorkonſtantiniſcher


II,

Lakt antius Div. Inst.


iſt

295). Bezeichnend hierfür auch eine Stelle bei


2,15 (ed. Brandt, CSEL 19, 101,12), wo mit Berufung auf Seneka geſagt wird:
tam contrarium,
in se

Quid inter quam statuarium despicere, statuam adorare


convictum quidem admittere, qui tibi deos faciat? Als über den
ne
et

eum
zu

von Lucian erwählenden Beruf Familienrat gehalten wurde, fiel die Wahl
6 Tertullian.

Bekanntlich geſtattet Clemens von Alexandrien das Tragen ſchön


geſchnittener Steine und goldener Schmuckgegenſtände unter der Bedin
gung, daß das Herz ſich von leidenſchaftlicher Liebe zu dieſen Dingen
frei halte, ebenſo den Gebrauch von Siegelringen, und er empfiehlt
ſtatt idolatriſcher oder kriegeriſcher oder erotiſcher Embleme eine Taube
oder einen Fiſch, ein Schiff mit geſchwellten Segeln oder eine Leier,
einen Schiffsanker und ähnliche neutrale oder chriſtlich deutbare Symbole).
dergleichen bei Tertullian. nun freilich ein argumentum

iſt
Nichts Das
silentio, von Wert,

da
aber doch der Schriftſteller geradezu Erſatz
e

beſchäftigungen für Herſtellung idolatriſcher Kunſtwerke aufzählt und ſeinen


Sweck, chriſtliche Künſtler von aller Beihilfe zum Götzendienſt abzuhalten,
eher erreichen würde,

er
doch wenn ihnen noch etwas Höheres bieten

im
könnte als Dächerflicken und Tüncherarbeiten oder günſtigſten Falle
Anbringung von Ornamenten und Verfertigung von Schüſſeln und
Bechern. Wenn die Nachfrage nach den zuletzt genannten Gegenſtänden
„luxuria wird,
et

ambitio“ zurückgeführt weiß man,

ſo
bereits auf
was das bei Tertullian beſagen will, die Auftrag

er
welchen Kreiſen
geber zuweiſt.

Eine welt- und Sprache führt Tertullian

in
kulturfreundlichere
Apologeticum, daß Knöpfler nicht darauf
es

ſeinem und wundert mich,

die Hand gelegt hat. Ich meine die bekannte Stelle c. 42: „Navi
gamus
et

et

et

et
nos vobiscum militamus rusticamur mercatus
proinde miscemus, artes, opera nostra publicamus usuivestrae.“
dem heidniſchen Vorwurf,
da

Allein der Apologet hier daß die Chriſten

auf die Bildhauerei nur zum Swecke raſchen Broterwerbs (Tlepi Toü évunviou
1).

iro Harnack (Miſſion


I,

sq. ed. Jacobitz 1893,


ßlos Novktavoü Nach und


c.
1

Ausbreitung des Chriſtentums den erſten drei Jahrhunderten?


I,
in

1906. 152
[3.

war Tertullian, „wie die Schrift De idolo


A.

A.
1,

Aufl. 1915.
I,

1]

180
lehrt, der Überzeugung,
es

latria daß kaum einen Beruf (oder ein Handwerk)


zu

gebe, das der Chriſt ausüben könne, ohne ſein Gewiſſen mit Götzendienſt
will
iſt

beflecken.“ Das zuviel geſagt. Tertullian doch gerade zeigen, wie man
ſich durch Handwerk ſein Brot verdienen könne, ohne zum Götzendienſt beizu
tragen.
III,
II,

25ff,
12

11

26ff)
I,

Paed. (ed. Stählin 269, 226,


I,

(Stählin
!)

270, 7ff.). Knöpfler ſchreibt, daß Clemens „den Gebrauch koſtbarer Ringe,
Siegelringe“
nicht für unerlaubt halte. Nach Auguſti (Beiträge
I,

namentlich
Ringe „als Erinnerung Treue und eingegangene Verpflichtungen
an
er

122) ließe
und als Siegelringe“ zu. In Wirklichkeit geſtattet Männern überhaupt nur
er

einen, am kleinen Finger Siegelring, keine andern Ringe, Srauen


zu

tragenden,
Siegelring nur ausnahmsweiſe, wenn
es

ebenfalls einen und der Ehemann


durchaus haben will, andere Ringe.
Tertullian. 7

„infructuosi in negotiis“ ſeien, zu begegnen ſucht, betont er eben –


öytovoTikös – die Lebens- und Kulturgemeinſchaft zwiſchen Chriſten und
Heiden ſo ſtark als möglich, ſtärker vielleicht, als er ſchon damals ſeiner
innerſten Geſinnung nach eigentlich noch durfte!). So läßt er die Chriſten
unbeanſtandet auch Kriegsdienſte leiſten und Handelsgeſchäften nachgehen,
was er bekanntlich ſpäter (De cor. mil. c. 11 De idol. c. 11 u. 19)
nicht mehr dulden will. Er mag ſeine Anſicht hierüber im Laufe der
Seit verſchärft haben. Jedenfalls für unſere Frage

iſt
aus der Stelle
den „artes“ bei Tertullian, wie wir
zu

zu
um weniger folgern, als
ſo

im
geſehen haben übrigens nicht bloß bei ihm, ganzen Alter

ſondern
überhaupt

tum auch Kunſthandwerk und Handwerk zählt.

er,
zu

werten, um die Bedeutung


iſt
es

Ähnlich wenn des Leibes


De resurrect. carn.
zu

für die Seele laſſen,

c.
recht hervortreten

7
(II,477 Oehler) ſagt: Artes per carnem, studia, ingenia per
carnem, Opera, negotia, officia per carnem, vorher

er
nachdem
ausgeführt hat: „Du biſt nicht kunſtreicher als Gott und faſſeſt doch
ſcythiſche und indiſche Edelſteine und die weißen Körner des Roten
ja

Meeres nicht etwa Blei, Erz oder Eiſen,


in

in
nicht einmal bloß
Silber, ſondern ſchließeſt die ausgeſuchteſte und kunſtvollſte Gold
ſie

in
du

faſſung ein, wie auch für ganz köſtliche Weine und Salben zuvor
?) zu

entſprechende Gefäße beſorgſt und einer vollendeten Damaszenerklinge


eine würdige Scheide auswähleſt.“
Überblickt man die Äußerungen Tertullians, wird man ſein Ver
ſo

hältnis zur Kunſt kein freundliches und wohlwollendes nennen können.


An ſeiner Stellung zur Wiſſenſchaft, der Schweſter der Kunſt, können
wir die Probe Ein An
iſt

machen. Clemens von Alexandrien der


daß die Philoſophie
zu

ſchauung, die Heiden ebenſo Chriſtus hin erzog,


die

28),
eis

5,

wie das Juden (étraiöayóye XpioTóv Strom.


I,

Geſetz

und fühlt ſich ihr zeitlebens verpflichtet. Auch Tertullian kommt von
den Schulbänken und Hörſälen der griechiſch-römiſchen Kulturwelt. Seine
Sprache und ſeine Erörterungen zeigen, daß Philoſophie ſtudiert hat
er

Harnack, Miſſion?
(3.

I,
A.

A.
I,

1906 151 Aufl. 180 1): „Tertullian


!)

verſchweigt hier ſeine eigenen ſittlichen Anſchauungen und ſpricht vom Stand
II,

II,

punkt der Majorität der


(3.

Vgl.
44

51

3)
A.

A.

Chriſten.“ Aufl.
3.

De resurrect. carn. (II, 475) heißt es: Phidiae manus Jovem


?)

c.
et 6

Olympium ebore molitur, adoratur, nec jam bestiae insul


ex

quidem
et

sissimae deus est, sed summum saeculi numen, non quia elephantus, sed quia
Phidias tantus. Kellner (Tertullians ſämtliche Schriften aus dem Lateiniſchen
II,

ver
A.

Köln 1882. 429 macht auf den Reim


1)

überſetzt. aufmerkſam und


mutet darin eine Redensart jener Seit.
8 Tertullian.

und in der ariſtoteliſchen und ſtoiſchen Dialektik zu Hauſe iſt. Dieſe


muß ihm immer liefern gegen Heiden und Ketzer. Aber
noch Waffen
wie urteilt er über Philoſophie und Philoſophen? Philoſophie hat mit

7),
ſchlechterdings nichts zu tun (De praescr. c.

ſie
dem Chriſtentum

die
nur (Adv. Hermog. De an. 3).
iſt

Quelle von Ketzereien

c.

c.
8
ſie

Wo der Wahrheit nahe kommt, (De an.

iſt
es
einmal blindes Glück

ein
(Apol. philoſoph
2)

42). „Was
c.

oder Diebſtahl ſollte und

c.
ein Chriſt gemein haben? Der Schüler Griechenlands und der Schüler
Der, der,

es

es
des Himmels? dem um den Ruhm und dem ums
und der Tatenvollbringer?
zu

Leben tun iſt? Der Wortemacher Der


Erbauer und der Zerſtörer? Der Freund und der Feind des Irrtums?
Der Verderber und der volle Verkörperer der Wahrheit, ihr Dieb und
ihr Wächter?“ (Apol. 42). Wer die Glaubensregel hat, der hat
c.

alle Wiſſenſchaft und Weisheit und ſoll aller Wißbegier den Abſchied
geben (De praescr. 14). Nicht was dem Verſtande
c.

des Menſchen
eingeht, das Widerſinnige das Glaubwürdige, das
iſt

ſondern natürlich

5).
Unmögliche (De carne Chr. Das

iſt
Tatſache eine ſchroffe
c.
ſichere
an

Abſage Vernunft und Wiſſenſchaft. Tertullians Stellung zur Kunſt


nicht ebenſo offen und ſchroff ablehnend, kommt aber einer Ablehnung
iſt

ſicher näher als einer Wertſchätzung.


Nun dürfen freilich die Äußerungen des leidenſchaftlichen Mannes
nicht ohne Weiteres als Stimme der abendländiſchen oder auch nur der
afrikaniſchen Kirche ſeiner Seit gebucht werden. Gerade Fragen der
in

kirchlichen Disziplin und ihres Verhältniſſes zur Weltkultur war er von


zu

jeher größerer
Strenge geneigt als ſeine kirchliche Umwelt!). Um
war, um das waren Andere
zu

zu

ſtreng lax, und


ſie

was
er

ſuchten
ſich dabei durch den Hinweis auf 1.Cor. 7,20 („Wie Jeder gefunden

Kraus (Geſch. Ter


S.

chriſtl. Kunſt macht freilich den


d.

1896 61)
I.
)

Er

ja in

tullian wieder noch exzentriſcher, als ſoll nämlich


in
er

Wirklichkeit iſt.
die „Kategorie verbotener Dinge“ weiſen „Tempel, Altäre, Schmuckſachen,

ſelbſt die menſchliche Wohnung“. Die dafür angeführten Stellen beſagen das
ſagt Tertullian vielmehr nur,
es

aber keineswegs. De idol. mache keinen


c.
8
ob

ob

Unterſchied, Einer der Erbauer oder der Ausſchmückende ſei, Einer einen
Tempel oder Altar oder Baldachin für ein Götzenbild herſtelle oder das Blatt
gold zum Vergolden ſchlage oder die Abzeichen oder das Gehäuſe liefere (aut
Es

insignia ant etiam domum fabricaveris). handelt ſich dabei um lauter


Dinge, die zum Götterkult Beziehung ſtehen, nicht um menſchliche Wohnungen.
in

januae“ der
15

Und geht der Tadel betreffs der „leuchtenden tabernae


in

et
c.

Chriſten nicht auf eine künſtleriſche Ausſtattung, ſondern auf die Beleuchtung
bei beſonderen, mit dem Kult, dem Kaiſerkult, Su
in

heidniſchen namentlich
ſammenhang ſtehenden Anläſſen.
Tertullian. 9

wird, ſo ſoll Jeder bleiben“) und auf die Herſtellung der ehernen
Schlange durch Moſes zu rechtfertigen. (Deidol. c. 5). „Ganze Tage
lang könnte hier der Glaubenseifer ſich darüber beklagen, daß Chriſten

ſie
von Idolen weg zur Kirche gehen, daß aus der Werkſtätte des
kommen, Hände,

ſie
böſen Feindes zum Hauſe Gottes daß ihre die

ſie
zu
Schöpfer von Götzenbildern ſind, Gott dem Vater erheben, daß
ihre Hände anbetend zum Himmel erheben, deren Werke draußen gegen
angebetet werden,

ſie
den Willen Gottes daß Hände mit dem Leibe des
Herrn Berührung bringen, die den Dämonen Leiber verleihen. Und
in

ſie
Es genug, be
iſt

das noch nicht alles! iſt ihnen noch nicht daß


ſie

ſie
flecken, was aus den Händen Anderer empfangen; nein, reichen
Anderen noch dar, was durch
ſie

iſt
auch befleckt worden. Werden
Anfertiger von Götzenbildern geiſtlichen aufgenommen!“
in

doch den Stand


7).

(De idol. Dieſe entrüſtete Klage zeigt, wie man gelegentlich


c.

beide Augen (vgl. Harnack, Miſſion? 1906. 254f.

I,
zudrückte auch
[3.

Aufl. 1915. 292]).


I,

Künſtler,

ſie
zu

Daß ſchon ſeiner Zeit katholiſche wenn nicht


geradezu Götzenbilder herſtellten, doch nicht etwa bloß Dächer aus
beſſerten oder Ornamente zeichneten, geht auch aus der abfälligen Be
merkung des Montaniſten über Abbildungen des guten Hirten auf
hervor (De pud.
u.

Bechern der Katholiken 10). Unter den calices


7

iſt
zu

gerade Abendmahls- oder Agapenkelche verſtehen!), jedenfalls nicht


es

notwendig, müßte überhaupt ſein, daß


es

und erſt bewieſen damals


ſchon liturgiſche, vom profanen Gebrauch ausgeſchiedene Kelche gegeben

habe. Die Anfänge dieſes Brauches fallen, wie die des ſtändigen Altares?),
ſpätere Zudem ſpricht der Umſtand,
in

eher eine etwas Seit. daß an


Verbindung gebracht
in

der zweiten Stelle der Kelch mit Trunkenheit


wird und ihr die Unzucht auf dem Fuße folgt, nicht gerade
für den
da

zu

Abendmahlskelch, die Euchariſtie Tertullians Seit bereits morgens


gefeiert (De cor. mil. De orat. Vgl. Stſchr.
c.

c.
3.

wurde 19.
f.
im

neuteſt. Wiſſ. 1915, 144.)*) Auch das gleichen Satze vorkommende

Ch. W. Auguſti, Beiträge zur chriſtl. Kunſtgeſch. Liturg.


J.

u.

(1841)
!)

I.

M. Kaufmann, Archäologie?, Paderborn


C.

112ff. Handbuch der chriſtl.


1913, 588. Achelis, 5tſchr. neuteſt. Wiſſ. 1915, 3ff.
H.

f.

Fr. Wieland, Mensa und Confessio München 1906, 114ff.


*) ?)

I.

pſ-cyprianiſchen Schrift Despectc.5(HartelA8,10):


in in
es

Freilich heißt der


Ausus secum sanctum lupanar ducere, potuisset, qui festinans ad spec
si

adhuc gerens secum,


ut

taculum dimissus dominico assolet, eucharistiam


et
e

inter corpora obscoena meretricum Christi sanctum corpus infidelis iste


circumtulit.
10 Tertullian.

„christianum sacramentum“ nötigt bei der Vieldeutigkeit dieſes Wortes

die
nicht zu einer ſolchen Annahme. Dagegen mag er De pud. c. 10

im
Agapen Auge haben,

in
im er
der Katholiken die auch einer andern
montaniſtiſchen Streitſchrift, De jejun. 17, Widerſpruch mit ſeinen

als c.
Apol. 39,

zu
Darlegungen Gelegenheiten Völlerei und

c.
früheren
Ausſchweifungen verdächtigt!).
Anſprechender Vermutung, daß das Bild des guten

iſt
die andere

im

ſei
Hirten gerade Gegenſatz zum Montanismus aufgekommen und
Verbreitung gefunden habe?). In der Tat mag der Kampf gegen den
montaniſtiſchen Rigorismus zur Verbreitung und Beliebtheit des Bildes
beigetragen
in

katholiſchen Kreiſen haben?). Aber ſein Aufkommen


mit dem Montanismus doch nicht urſächlichem Suſammenhang

in
ſcheint

Tertullian De pud. argu


zu

wohl anders

c.
ſtehen. Sonſt würde

ob 7
mentieren und nicht bloß die Frage aufwerfen, das Schaf auf den
Schultern des Hirten einen chriſtlichen oder nicht vielmehr einen heid
Soviel ſicher, Montaniſt
iſt
niſchen Sünder darſtelle. daß der dem

katholiſchen Bilde keinen Geſchmack abgewinnen kann. Es verfällt zwar


nicht dem Verdikt, über die Malerei des Hermogenes ausſpricht*).
er

das

Vgl. Eſſer, De pud. und der


G.

Der Adreſſat der Schrift Tertullians


!)

Verfaſſer des römiſchen Bonn 1914, 13, und Bibl.

d.
Bußedikts. Kirchenväter.
Kellner
II.

A.

Tertullian 1915, (Tertullians ſämtl. Schriften


3.

414 Auch
A.

Köln 1882. calices gewöhnliche


I,

unter den
1)

überſetzt. 420 verſteht


Trinkgläſer, auf deren Boden das Bild des guten Hirten angebracht war.
Solcher Gläſer haben ſich mehrere (Kraus, Geſch. Kunſt
d.

erhalten chriſtl.

I.
Bigelmairs (Die Beteiligung der
61

1896, und 101). Die Bemerkung Chriſten


öffentl. Leben, 1902, 327): „Tertullian (de pud.
an
erinnert die Srauen
7)

am
die Gemälde, die ſich auf ihren Büchern finden Bilder Chriſti ſind es, des

guten Hirten“ beruht wohl auf einem Motiz- und einem Druckfehler zugleich.
Aus De resurr. carn. 34, wo Tertullian das Gleichnis vom verlorenen Schafe
c.

und guten Hirten auf die leibliche Auferſtehung anwendet, glaubt Karl Michel
zu

(Gebet und Bild Seit, Leipzig 1902, 72) ſchließen dürfen,


in

frühchriſtlicher
daß auch die ſepulkrale Verwertung des Typs vom guten Hirten für Tertullian
nichts Unbekanntes geweſen ſei.
-?) Auguſti, Handbuch der chriſtl. Archäologie III. 1837, 622f. Bei
träge
I,

111
f.

Auch Hans Achelis (Das Chriſtentum den erſten drei Jahrhunderten


in
*)

II,

Leipzig 1912. der Häufigkeit des guten Hirten


in

in

115) ſieht den römiſchen


Katakomben einen „Reflex der heftigen Kämpfe um die Wiederaufnahme der
Sünder, welche die römiſche Gemeinde ſeit dem dritten Jahrhundert faſt hundert
Jahre lang bis die Seit nach der diokletianiſchen Verfolgung erſchütterten.“
in

Adv. Hermog. pingit illicite falsarius cauterio. De monog.


1:
*)

c.

.
.
.

16: Hermogenem aliquem plures solitum mulieres ducere quam pingere.


c.
-
Cyprian und Pſ.-Cyprian. II
Aber ſeinen Beifall hat es auch nicht, vor allem natürlich wegen des
Gegenſtandes der Darſtellung, vielleicht aber auch wegen der Malerei
als ſolcher.

§ 2. Cyprian und Pſ.-Cyprian.


Von Tertullian führt uns der Weg unwillkürlich zu Cyprian,
dem Biſchof von Karthago, bei dem wir nur feſtſtellen, daß er ſich über
Malerei und bildende Kunſt weder lobend noch tadelnd ausläßt. De
hab. virg. c. 15 dient ihm die Portraitmalerei zu einem Vergleiche,
um das weibliche Geſchlecht vor Schminken und vor Färben der Haare
zu warnen: wenn ein Kunſtmaler ein Bild von Jemandem gezeichnet

und vollendet hätte, und es käme nun ein Anderer und nähme daran
Änderungen vor, wie wenn er es beſſer verſtünde, ſo könnte mans dem
erſten Künſtler nicht verdenken, wenn er beleidigt wäre – ſollte da
die Beleidigung „Dei auctoris“ ſtraflos bleiben? Äußerung

iſt
Die
ziemlich neutral gehalten, enthält aber doch eine gewiſſe Anerkennung
Portraitkunſt. Ad Demetr.
er

der zählt unter den das nahe


c.
3

Weltende ankündigenden Dekadencezeichen auch die Erſcheinung auf,

„in artibus peritia“ nachgelaſſen habe, Ep. 41,

er
daß und ſchickt
1
für notleidende Brüder Unterſtützung „si qui vellent etiam suas
an

artes exercere“. Dabei muß man ſich aber die weite Bedeutung
In

„ars“ Ep. gibt Kollegen auf deſſen


er

von erinnern. einem


2

Anfrage den Beſcheid, daß ein bekehrter Schauſpieler fernerhin weder


Schauſpielkunſt
in

ſelber auf der Bühne auftreten noch Andere der


im

ſei,
es

unterrichten dürfe. Denn wenn Geſetze ſchon verboten daß


(Deut. 22, 5),
ſei

Mann
es

in ſo

ein Frauenkleider anziehe dann um


ſchändlicher, nicht bloß Frauenkleider anzuziehen, ſondern auch noch
Haltung und Gebärden üppige und weibiſche Menſchen darzuſtellen.
Sugleich aber erklärt ſich der allezeit hilfreiche Seelſorger bereit, für
des Mannes aufzukommen, An
in
er

den Lebensunterhalt wenn ſeinen


ſei

ſprüchen beſcheiden und nicht glaube, daß man ihn durch Ausſetzung
eines Gehaltes von der Sünde abbringen müſſe. Sicher hätte der Biſchof
auch einem Chriſt gewordenen Maler oder Bildhauer die fernere Aus
Wie Auguſti (Beiträge richtig ausführt, „pingit
I,

115) kann das illicite“


als

malt, was Chriſt nicht mehr tun ſollte, oder: malt Un


er

er

er

bedeuten:
erlaubtes (Obſcönes, Idololatriſches). Man mag mit Auguſti letzteres vorziehen.
Daß aber auch ſeine Lehrſätze durch bildliche Darſtellungen für den großen
er
zu

erläutern geſucht habe, wie Auguſti aus Adv. Hermog.


45

Haufen heraus
c.

fraglich. Bigelmair
(a.

O.
iſt

lieſt,
S.

doch ſehr 326) hält ihn für einen


a.

Portraitmaler, der auch mythologiſche Stoffe behandelt habe.


12 Kirchenrechtliche Beſtimmungen.

übung Kunſt, befaßte,

ſie
ſeiner ſoweit ſich mit idololatriſchen Stoffen

er,
unbedingt unterſagt. Im übrigen ſcheint,

es
aber ſtand wie der
Kunſt unbefangener gegenüber als Tertullian und ließ auch hierin „die
beim Dorf“. pſ.-cyprianiſchen De laude

in
Kirche Auch der Schrift
martyrii redet nicht gerade ein unbedingter Gegner von Kunſt und
ſagt: licet pretiosarum

17
„Nam vestium

er
Schmuck, wenn

c.
more purpura imagines currat lentescentibus filis aurum

in

et
effossis gravia, quibus incumbis,

de
speciem,
ad

erret nec
desint metalla thesauri: vacua, nisi fallor, ista atque inania
conputabuntur, adjacentibus
A. si tibi cunctis sola salus deesse
videatur“ (Hartel 39, 17). der Schriftſteller,

in
Anders wieder der
der pſ.-cyprianiſchen De spect. den großartigen Theater

c.
Schrift

9
gebäuden gegenüber ſchreibt: „Nunquam humana opera mirabitur
quisquisse recognoverit filium Dei; deicit culmine gene

de
se
rositatis suae qui admirari aliquid post Deum potest“ (Hartel
Er

12, 6). hat zwar für die Schönheiten der Natur ein offenes Auge

die
und eine beredte Sprache (Hartel 11, 10ff.), für Werke menſchlicher
Kunſt aber nur kalte Gleichgültigkeit und Verachtung.

Beſtimmungen.
3.

Kirchenrechtliche
§

Die Praxis der Behandlung der zum Chriſtentum über


in

und Be
zu

tretenden Künſtler führte feſten rechtlichen Anſchauungen


ſtimmungen, verſchiedenen Rechtsſammlungen Niederſchlag
in

die ihren
So

18

gefunden ſagt die (ſyriſche) Didaskalia

u.
haben!). (Achelis
c.

Flemming TU 25, 1904, 89), ange


2.

Oblationen
es

dürften keine

nommen werden von denen, „die mit Farben malen, oder von denen,

die Götzenbilder verfertigen, oder von ſpitzbübiſchen Gold-, Silber- und

Erzarbeitern“. der pſ.-klementiniſchen Kirchenord


es

Ähnlich heißt
in

Lagarde, Reliq.
De

nung (ék Toü öeutépov ßißMiou Toü KAñuevros


jur. eccl. antiq.
p.

ris

ris

1856 87): trópvn Tropvoßóokos péDuoos


eſ

f
i

eiöo AoTroiös Loypähos Tüv étri oknvñs vioXos äôAnris


ñ

f
f

äytovoTis TrökTns Önpeutis Toü önpooiou eiöóAtov iepeüs


ñ

ph f

f
f
TIs

höAa éori: Trpooöexôñrto déAE Tooürós Triorös elva, Travoäodo


ei

Toürov kai póys Trioreütov kaißaTrTLópevos Trpooöexéoôto kai korvtoveirto.


kai TraüEra, ätroßaAMéoôto. Hier wird alſo der Maler ohne alle
ei

Unterſcheidung dem Götzenbildner und mit dieſem dem Schauſpieler und

Die folgenden Stellen bei Ernſt Dobſchütz, Chriſtusbilder, 1899.


v.
*)

Belege 100f. und Hans Achelis, Das Chriſtentum Jahr


S.

in

den erſten drei


85f,
A.

hunderten,
5.
I,

1912.
Irenäus. 13

Wettkämpfer, ja dem Trunkenbold und Bordellwirt gleichgeſtellt und nur


aufgenommen, wenn er ſeiner Kunſt entſagt. Oder ſollte der KoYpähos aus
dem eiöoMoTroiós ſeine nähere Beſtimmung und Einſchränkung erhalten
und nur der Maler (bezw. Gold-, Silber- und Erzarbeiter) gemeint ſein,
der idololatriſche Stoffe behandelt? Andere Beſtimmungen lauten in
der Tat in dieſem Hippol. c. 11 (Achelis TU VI,
Sinn. So Can.
4, 78f.): Omnis artifex noverit sibi nullo modo licere idolum

sit
vel aliquam figuram idolatricam effingere, sive aurifaber
sive argentarius sive pictor sive alius generis artifex. Const.
eccl. Aegypt. XI (XLI), Const. Apost.

et
(bei Funk, Didasc.
3
II,

sculptor pictor

ne
quis vel est, erudiantur,
Si

1905. 106):
idola faciant; aut desinant aut reiciantur. Und Const. Apost.
VIII, 32, 81) (Funk 534): EiöoAorrods Trpoolčov ätro
I,

Travoäoôto

f
Es

Sweifel, daß auch dieſe Beſtimmungen

in
iſt

ßaAAéoôto. aber kein


ihren Folgen eben zumeiſt den Künſtler von der Kunſt auf das Kunſt
handwerk oder das gewöhnliche Handwerk verwieſen, wie das Tertullian
mit nackten Worten getan hat.

Irenäus.
4.
§

Irenäus
p.

25,
I,

ſagt adv. haer. (Stieren 253) von den


6

Karpokratrianern: „Et imagines quasdam quidem depictas, quas


reliqua materia fabricatas habent, dicentes
de
et

dam autem
formam Christi factam Pilato, illo tempore quo fuit Jesus
in
a
Et

proponunt eas cum ima


et

cum hominibus. has coronant


ginibus mundi philosophorum, videlicet cum imagine Pythagorae
Platonis
Aristotelis reliquorum2), reliquam observa
et

et

et

et

tionem circa eas similiter gentes faciunt.“ Nach Knöpflers


ut

Beweiſes, Ge
es

Anſicht bedarf keines weiteren daß damit nicht der


brauch, ſondern der Mißbrauch der Bilder verworfen werde. Der Tadel
richte ſich gegen die Behauptung der Karpokratianer,
ſie

daß authen
tiſche, auf Pilatus zurückgehende Bilder Chriſti beſäßen, ſowie gegen die
Suſammenſtellung dieſer Bilder mit Bildern heidniſcher Weltweiſen und
gegen die Beobachtung heidniſcher Gebräuche ihnen gegenüber. Wie
iſt,

wenig ſelbſtverſtändlich dies aber geht vielleicht daraus hervor, daß

Knöpfler gibt „In Kap.


44

Fundort folgendermaßen
S.

den an: der


*)

apoſtoliſchen Konſtitutionen heißt es“!


Mach dem Berichte der Aelius Lampridius (vit. Al. Sev. 29,2) hatte auch
*)

Kaiſer Alexander Severus ſeiner Hauskapelle neben den Bildern eines Apol
in

lonius, Abraham, Orpheus ein Bild Chriſti.


14 Irenäus. Klemens von Alexandrien.

der Mauriner Delarue in der Stelle eine abſolute Verwerfung aller


VIII,

(in

zu
Bilder findet einer Anmerkung Origenes contr. Cels. 17
Migne PG 11, 1544 Nourry Migne

Le
D.
Anders der Mauriner
PG

Es
920A).
9,
nicht ein Kunſthiſtoriker, ſondern ein Dogmatiker

iſt
und Ketzerbeſtreiter, dem die Behauptung der Gnoſtiker, authentiſche
Bilder

zu
Bilder Chriſti mißfällt. Jedenfalls betrachtet

er
beſitzen, allen
„coronare“ „proponere“, alſo Gebräuche,

er

kult nennt das und


im

die ſpäteren chriſtlichen Bilderkult eine Rolle ſpielen, und deutet noch

ut
an
weitere Kultgebräuches als heidniſches (similiter


Gebaren
gentes faciunt, vgl. éöviki ovvndeia bei Euſebius Hist. eccl. VII,
18, 4). Irenäus alſo zum mindeſten ein Gegner der Bilderverehrung,
iſt

an
je

wenn nicht der Bilder ſich!).


23, 42):
an

Simonianern Adv. haer.

I,
er

Ähnlich tadelt den


„Imaginem quoque Simonis habent factam figuram Jovis

ad

et
figuram Minervae, has adorant“ (vgl. wieder Euſeb.
in

Helenae et
II,

an
Hist. eccl.

zu
13, und ſeinen unten beſprechenden Brief
6

Konſtantia).
Der profanen Kunſt ſteht Irenäus ziemlich unbefangen gegenüber.
In

adv. haer.
I,

der bekannten Stelle kommen ihm die Schrift- und


8

Traditionsfälſchungen der Gnoſtiker vor, wie wenn einer herginge und


ein von einem tüchtigen Meiſter (örö oohoü Texvirov) aus koſtbaren
Steinen hergeſtelltes, gutes Bild eines Königs (ßaoMétos eikóvos kaAñs)

durch Auseinandernehmen und Umſtellen der Steine das Bild eines


in

Hundes oder Fuchſen verwandelte und dann unter Hinweis auf die
ſei

Steine behauptete, das jenes von dem tüchtigen Meiſter hergeſtellte


gute Königsbild. Warum ſpricht aber vom Bild eines Königs und
er

nicht von einem Chriſtusbild, wodurch ſein Vergleich noch packender


würde? Läge hier ein Chriſtusbild nicht näher, wenn der Schriftſteller
ein ſolches vor ſich hätte?
5.

Klemens von Alexandrien.


§

Von dem alexandriniſchen Klemens haben wir bereits ge


hört, daß Siegelringe chriſtliche Deutung
er

mit neutralen oder eine

Von Irenäus hat den Bericht über die Karpokratianer Epiphanius über
!)

nommen Haer. 27,6 (Migne PG41, 373C) und was Holl (Sitz.-Ber. d.preuß. Akad.
Wiſſ. Phil.-hiſt. Kl, 1916, XXXV, 585) von Epiphanius ſagt „Er macht

d.

den Gnoſtikern nicht erſt die Art ihrer Bilder zum Vorwurf, ſondern ſchon dies,
überhaupt Bilder haben“ –, das gilt auch von Irenäus.
*) ſie

daß
Dieſe Stelle meint wohl Bigelmair (Die Beteiligung der Chriſten uſw.
„I,

4“

327), 20,
S.

wenn zitiert.
er
Klemens von Alexandrien. 15.

zulaſſenden Emblemen geſtattet. Auch im Protrept. c. 4 (ed. Stählin,


GCS, Clem. Al. I, 45, 15f.) ſagt er, nachdem er das Tºpäv kai
Trpookvveiv von Bildſäulen und Gemälden für eine ebenſo törichte Ver
irrung erklärt hat wie das Sichverlieben in Bilder, auf den Einwand
hin, daß das Gemälde doch ſehr ähnlich ſei: „Die Kunſt möge alſo
gefeiert werden,

ſie
(immerhin) aber ſoll den Menſchen nicht berücken,
ob

an
Wahrheit wäre“). will

Er
ſie

als demnach die Kunſt ſich nicht


gerade verwerfen „geradezu lobt“, „anerkennt und empfiehlt“,
ſie
iſt er

daß
wie Knöpfler
zu
deutet, ſchon viel geſagt; das étraveioôto hat eher
conceſſive Bedeutung –, Illuſion,
ſie

iſt
ihm eine erlaubte die aber
Verirrung führen darf.
zu

nicht zur äträrn, erotiſcher oder idololatriſcher


Übrigens Knöpfler ſehr, wenn meint,

er
täuſcht ſich daß mit den
von ihm angeführten paar Stellen die Kunſtfrage bei Clemens erledigt

Iſt nicht auffallend, daß bei einem Schriftſteller, ein


es

ſei. der ſich

ſo
gehend mit der kulturellen Seite des chriſtlichen Lebens befaßt, von
einer ſpezifiſch chriſtlichen oder gar kirchlich ſakralen Kunſt keine Spur
Ja Protrepticus
im
zu

iſt? genannten
c.

finden eben des ſteht ein


4

Satz, der jede bildliche Darſtellung Gottes ausſchließen dürfte. Nachdem


ausgeführt hat,
in
er

daß die DeoTrooi Wirklichkeit nicht Götter und


Dämonen, ſondern den Stoff und die Kunſt verehrten, denen die Bilder
ihr Daſein verdankten, fährt fort: 'Hpiv
öé
er

oüX ÜAns aioônrñs aioônróv:


äyaApä éoTrv. vonTóv, oök aioônróv éor [rö äyaApo] deós,
öé

vonröv
ö

póvos övros Deós?). Wie immer man dieſe Stelle nach Text und Sinn
ó

will,
im

faſſen möge, allgemeinen beſagen


ſie

näherhin was

dürfte
da

ziemlich klar ſein: der einzig wahre Gott ein geiſtiges, kein ſinnen
iſt,

fälliges Weſen gibt für die Chriſten (pſv) auch kein ſinnen
es
ſo

fälliges, ſtoffliches, ſondern nur ein geiſtiges Bild Gottes (vonröv üyaApo).
Ös
pi

öé

"Enatveioöco pèv réxvn, änaráro röv ävöpconov, äAhôeta. Falſch


!)

CD.

Bigelmair 327): „Die Kunſt ſoll gefeiert


S.

überſetzt (a. werden wie die


Wahrheit,
ſie

aber darf den Menſchen nicht verführen.“


Er
1,

So Stählin 40, 10ff. nach den Handſchriften. hält alſo nur das
?)

ai

zweite äyaApa für einen Einſchub, während Sylberg die Worte vonröv oök

äyaApa ſtreicht, und Petrus Faber unter Tilgung der Worte oök

oônröv éort
öé

äyaApa vorſchlägt: äyaApä éortv vonröv öeós krA.,


aioônróv éort vonroü


ö

den filius unigenitus als geiſtiges


an

wobei Abbild des geiſtigen Vaters denkt.


er

Allein dann wäre der Sohn als öeós, póvos övros deös bezeichnet, was bei
ö

(Der Logos VII,


iſt

Klemens undenkbar vielmehr nach Strom. St.


3.

iſt. ihm
kai
20
3,

12, övrt povoyevñs, rfs Toü TrapßaotAécos Travroxpáropos Trarpös öóns.


ö
r

xapakrñp). Korrektur Stählins genügt Tat


in

Die der vollkommen.


16 Klemens von Alexandrien.

Gottes ver

zu
Eine bildliche Darſtellung

iſt
mit dieſer Stelle nicht
einigen!).
Wenn Bigelmair (Die Beteiligung uſw. 323) unter Berufung

S.

28
4,
auf Protr. Migne PG 47,

8,
(ed. Stählin ff.) meint,

I,
161

B
c.
fort

4)
daß Clemens das altteſtamentliche Bilderverbot (Exod. 20, als

an
beſtehend betrachte, einwenden,

ſo
könnte man daß der Schriftſteller
der genannten Stelle von der idololatriſchen Kunſt (ärrarnAös réxvn)

zu
und nur von ihr ſpreche. Seine Annahme beſteht aber trotzdem

V,

2,
Recht. Strom. (Stählin 344, ff.) führt Clemens aus, daß
4

7
Pythagoras ſeinen

zu
Schülern verboten habe, Ringe tragen oder

zu
Götterbilder ihnen einprägen laſſen, wie auch Moſes längſt vorher
geſetzlich beſtimmt habe, es dürfe kein aus Stein oder Erz geformtes
oder gemaltes Bild verfertigt werden (Exod. 20, 4), „damit wir uns
nicht ans Sinnenfällige hielten, ſondern zum Geiſtigen übergingen“

(ös

öé

Tois aioônroſs Trpooavéxtopev, étri vonTä Trpooitopev). Denn
die göttliche Majeſtät ge

an
verliere, wenn man ſich ihren Anblick
wöhne, ein geiſtiges

es
und Weſen materiell verehren heiße entehren
durch ſinnliche Wahrnehmung (riv vonTiv oöoiav öAns oeßáLeoda

ö
ärpäCervéoTiv aötiv aioôioetos). Darum hätten auch von den ägyp
ö

tiſchen Prieſtern die Weiſeſten den Tempel der Athene unbedeckt ge

Es
laſſen, wie die Hebräer ihren Tempel ohne ein Bild. gebe freilich
Menſchen, die ihrer Gottesverehrung ein Bild des Himmels mit den
in

verehrten,
es

Sternen machten und während doch nach der Schrift


1,

(Gen. 26) ein Bild Gottes (nur) der Menſch ſei.


VII,
30

Im
3,

Gnoſtiker, ſagt Clemens Strom. (St. 21, ff.), hat


5

Gott ſeine Wohnung aufgeſchlagen. „Hier können wir ſein Abbild


finden, das göttliche und heilige Bild, Seele,
in

der gerechten die nach


Vollbringen ſeliger Werke.
im

Reinigung ſelig
iſt

geſchehener Hier das


bereits aufgeſtellte Bild und das Bild, das erſt aufgeſtellt wird, jenes
zu

bei denen, die bereits Gnoſtiker ſind, dieſes bei denen, die
es

werden
nicht ganz würdig ſind,
ſie

vermögen, auch wenn noch die Erkenntnis


im
zu

zu zu

was Begriffe ſteht, glauben,


iſt

Gottes faſſen. Denn Alles


vor Gott ſchon gläubig, ein wohlgefälliges Bild, das ſeiner Ehre
aufgeſtellt wird, ein Weihgeſchenk für Gott.“
46,
15

Protr.
1,

(St. ff.) heißt 'Hueſs yäp, peis


c.

Auch es:
4

Tiv eikóva Toü Trephépovres Kai KIvoupévp


év

éopèv Lövri
oi

Deoü
Ti

Vergl. Le Mourry,
V,

VIII
In

Clement. Alex. Dissertatio cap. art.


!)

bei Migne PG 9,916ff.


Klemens von Alexandrien. 17

Toürp äyäApaT, Tp üvöpörp, oüvoikov eikóva, oüpßouMov, ouvópuAov,


Xp

Tip
ouvéoTov, oupTradñ, ÖTrepTradñ' äväônua yeyóvapev deſ örêp
71,
(I.

10

21
(M. 212f. St.

2,

8,

1,
oroü Petr. f.). Und ff.):

in
c.
9
„Allein des Weltalls Schöpfer, der Meiſterkünſtler, der Vater, hat ein
ſolches lebendes Bild, uns, den Menſchen, geſchaffen. Denn Bild

.
.
.
ſein Logos!), geiſtigen
iſt

Gottes und echter Sohn des Weſens (Toü


der göttliche Logos, als Urbild
iſt

voü) das Licht des Lichtes (htorös


äpxérutrov hös), Bild des Logos Menſch,

iſt
wahres aber der der
(voüs), darum heißt,

er
es
menſchliche Verſtand von dem daß nach dem
26), indem

ſei

1,
Bilde und Gleichnis Gottes geſchaffen (Gen.

er
durch
den ihm einwohnenden Verſtand iſt. dem göttlichen Logos ähnlich und
inſofern logosbegabt (Aoykós) Des ſichtbaren erdgeborenen Men
ſchen erdenhafte Bilder aber, die einen Menſchen darſtellenden Statuen,

ſind offenbar der Wahrheit ferne, ein vergänglicher Abdruck. Daher


kann mir nur voll Wahnes ein erſcheinen,

ſo
Leben das ſich
eifrig mit dem Stoffe (ÜAn) abgibt.“ So ſieht die angebliche
an

„Anerkennung und Empfehlung“ der Kunſt Wirklichkeit aus!


ſich in
ein

ein
Daß der Logos Bild Gottes und der Menſch Bild des
Logos ſei, ein Lieblingsgedanke Wie wir ſchon ge
iſt

des Clemens.
ſehen haben, Sinne gemeint. So heißt
V, iſt

es
dies ausſchließendem
in

388, 15): Eikov pèv yäp Deoü Aóyos Deios


2,

auch Strom. (St.


4

kai ßao Aikós, ävöptoTros äTradis, eiräov eikóvos ävöpörivos voüs.


ö'

VII,
15

deſ
3,

Strom. (St. 12, ff.) ein äya Apo


iſt

Nach deſov kai


3

die Seele des Gerechten, der wegen


in

Trpooéphépés ſeines Gehorſams


gegen die Gebote der Führer aller Sterblichen und Unſterblichen Woh
rg

nung nimmt, der Erlöſer, övr povoyevñs, rñs Toü TrapßaoMétos


ö

Erö

kai Travrokpäropos TraTpös öóns Xapakrñp. prägt dem Gnoſtiker


detopia ſeinem Bilde ein, daß dieſer eigentlich
ſo

eine reAeia nach das


23

ff.) wird Gen. 1,26


iſt.

12

Bild Im Paed.
1,

des Bildes (St. 148,


I,

geſagt: Yéyovev Xplorös Toüro TrAñpes,


öh

erwähnt und dann kai


ö

epnkev öeós, tiv


öé

ötrep äAAos ävöptoTros karä uóvnv voeira


ö

eikóvo.
Es

Äußerungen ſchließen eine künſt


iſt

kein Zweifel mehr: ſolche

leriſche Darſtellung Jeſu Chriſti Daß


er

Gottes und aus. aber auch


V.,

religiöſe Bilder kennt, verrät Clemens Strom.


in

andere nicht
6
2,

(St. 351, ff.), wo der Bundeslade mit den Bildern der Cheru
er
1

bim eine myſtiſch-allegoriſche Deutung gibt mit der Begründung: „Denn

Vgl. Col. 15:ös


1,

éorw elkov roödeoüroü äopärov.


)

Sorſchungen27: Koch.
2
18 Ariſtides, Juſtin, Tatian und Athenagoras.

niemals würde der, der kein geſchnitztes Bild zu verfertigen


gemahnt hat, ſelber ein Bild der Heiligen herſtellen“ (oüyüp
äv Trore ö pnöé YAurröv eſötoMov önuoupyev Traparvéoas aörös ärre
röv äyitov üyaMpa). Die Religion

iſt
kóvLev nun einmal das Reich
des vonróv, nicht des aioônróv.

6. Ariſtides, Juſtin, Tatian und Athenagoras.


§

Was übrige apologetiſche Literatur betrifft,

es
die erklärt

17 ſo
Apol. Goodſpeed 1914, un
13

f.)
Ariſtides c. (Ausgabe für

v.

da
möglich, etwas Gott Ähnliches herzuſtellen, ihn niemals Jemand

zu
habe, um ſagen können, wem

er
geſehen ähnlich ſei. Sichtbare und
nichtſehende Gebilde dürfe man nie Götter nennen, ſondern den Un
ſichtbaren, Allſehenden, den Allſchöpfer müſſe man als Gott verehren.

zu
Und gezieme, betrachten,
es

wenn ſich die Werke eines Künſtlers

zu
um wieviel mehr gezieme dann, den Schöpfer des Künſtlers
es

ſich
preiſen! (Vgl. Geffcken, Swei Apologeten XXff)

S.
griechiſche 1907
Juſtin ſagt Apologie (Goodſpeed 31),

S.
in

ſeiner erſten

c.
9
ja

ſei hv
man ſolle nicht glauben Toiaörnv röv Deöv Exev Tiv pophñv,
haoi Trves eis pñv pepupñoöa. Das Herſtellen von Götterbildern
T

éch

nicht bloß äAoyov, ſondern geſchehe


auch ößpe Toü Deoü (alſo
Ehre), äppnrov öóav kai pophiv Extov étri höap
zu

ös

nicht Gottes
Toſs kai öeopévos DepaTreias Trpáypaov étrovopäLera. Außerdem wirft
der Apologet noch einen Seitenblick auf die vollendete Zügelloſigkeit

der Künſtler und die Verführung ihrer Modelle. Und ſolche Menſchen
ſchaffen Götterbilder, für die man dann Wächter aufſtellt, ohne das
zu

ädépurov des Gedankens und der Rede bedenken, ävöpörrous Deöv


elva hüAakas!
ff.)

Tatian (Or. ad. Graec. 33–35. Goodſpeed 298 will


c.

auf ſeinen Reiſen viele Kunſtdenkmäler geſehen haben und dabei zur
Erkenntnis gekommen ſein, daß die heidniſchen Gepflogenheiten wahn
ſinnig, die chriſtlichen voll Surückhaltung ſeien (rä pèv ñpérépa oochpove,
Er

üpérépa verurteilt
öé

ëön uavias Exera TroMAñs). nicht bloß


die künſtleriſche Behandlung mythologiſcher Stoffe, ſondern auch Statuen
einer Sappho, Praxilla, Erinna, Corinna, Teleſilla, Paſiphae, Phryne,
eines Phalaris, Polyneikes alle heißen mögen,
ſie

und Eteokles und wie


weil leichtfertige Weiber oder Verbrecher geweſen Ja
es

ſeien. ſelbſt
zu

Äſop den poxônpoi ävöpes,


er

den Fabeldichter rechnet denen kein


gebühre!). Wie weit ſeine chriſtliche otopooüvn
in

Denkmal dieſer
A.

Über das Schwindelhafte ſeiner kunſtgeſchichtlichen Angaben vgl.


!)
Athenagoras. Origenes. 19

geht, völlige éyxpáreia

ſie
Hinſicht verrät er leider nicht. Daß eine
und die Kunſt überhaupt ausſchließt,
iſt

iſt
bei ihm ſehr wahrſcheinlich.
Athenagoras bringt Legat.

18
(Goodſpeed 332f.)

in

c.
ſeiner
die Wendung, daß die Verehrung und die Opfer, die man den Götter

ös
bildern darbringe, den Göttern ſelber gälten (kai Täs Trpooóöous,

étr
Taörais Trpooiaoiv, kai räts duoias Ekeivous ävathépeoda kai eis
ékeivous yiveoda), und daß keinen andern Weg als dieſen gebe,

es
eben
zu

re
um ſich den Göttern nahen (uh elvai Erepov Tpótrov rois Deois
évapyeis),
öé

er
Toürov TrpooeAdeſv“ XaAeroi Deo haiveoda kennt auch
ñ

den Hinweis der Heiden auf die Wunderkraft (évépyela) mancher Götter
Er

bilder. läßt aber das alles nicht gelten weitaus

es
und weiſt

in
holenden Ausführungen zurück).

Origenes.
7.
§

Origenes Contr. Cels. IV, GCS,


31

führt (ed. Koetſchau


Orig. 301, 10ff.) aus:
1,

das altteſtamentliche jüdiſche Staatsweſen

Es
ſtellte auf Erden den Schatten des himmliſchen Lebens dar. galt
kein Gott als nur der Allerhöchſte und kein Bilderverfertiger
anderer
wurde geduldet: oöre yüp Loypähos oür äya.AparoTroiös TroA

év

Teig aöröv éxßäAAovros Trävras Toüs Tooürous är' aörfs Toü vópou,
v,

haos Tfs röv äya ärov karaokevfis, Toüs


Ap

Yva pnöepia Trpó


i

To

ävoñTous Töv ävöpöTrtov étrioTropéwns kai kateAko Üons ätrö Deoü


Ü
Üo

Apoüs
fiv

eis Toüs 6ch Tfis huxfs. Darum das Verbot Deut.


Y

16–18.
4,

wollte eben, daß


ſie

Das Allem nur mit der


in

Geſetz ſich
pit

Wahrheit befaßten und darum nicht Wahrheitswidriges herſtellten:


ävatrAáooerv Erepa Trapä Tiv äAñöe 1av, heuöópevo äAnôös äp

övros

oevköv OnAuköv KTM.


f

VI,
er,
66

18

Contr. Cels.
2,

136, ff.) ſagt


in

(Koetſchau daß
eis

der Finſternis ſitzen Trävras Toüs räs röv Loypähtov kai TrAaoröv
kai ävöpiavroTroiöw évopövras kakorexvias, ßouMopévous
pi

ävaßMéhai
ö

Kalkmann, Rhein. Muſ. Philol. 1887, 489ff. Joh. Geffcken, Aus der
f.

Werdezeit des Chriſtentums 1904, 80.


V,

(Migne PG
23

Auch bei Clem. Recog.


I,

1341) heißt es: Per alios


*)

item serpens illa profana verba hujuscemodi


ad

solet: nos honorem invisibilis


dei imagines visibiles adoramus. Quod certissime falsum est. enim vere
Si

velitis Dei imaginem colere, homini benefacientes veram Dei imaginem


eo
in

omni enim homine est imago Dei, non omnibus verosimilitudo,


In

coleretis.
in

benigna anima est menspura.


et

sed.ubi
2*
20 Origenes.

kai ävaßñva1 Tü vſ ätrö öparöv kai Trävrov aioônröv étri Töv öAtov
önuoupyöv, ös éoT hös“).
VII, 64 (K. 2, 214, 2 ff.): wenn auch die Skythen, Perſer und
andere Völker es verſchmähen, Trapä ßtopoſs kai vaois kai äyäApao oé
ßev Tö Deiov, ſo geſchieht das aus anderen Gründen, als die ſind,

els
und Juden rfs Toaörns ÖTroAapßavopévns


weshalb Chriſten ſich

Jene tun aus prinzipiellen

es
deſov DepaTreias enthalten. nicht etwa
Gründen, weil darin eine Herabwürdigung der Gottesverehrung ins
Materielle läge (ölä kai karaoTräv kai karäyerv tiv

ékkAiverv Trepi

deſov Öpnokeiav étri Tiv Toiaürnv oörtooi éoxnuariopévnv). Für


ÜAnv

13. 20,

6,
Chriſten und Juden aber ſind Deut. maßgebend.


Die

5
3
VII, 216,

el
66

2,
Statuen, ſagt (K. ff.),
er

ſeien auch keine deſa

3
kóves, äre pophiv äopárov kai äotopórov ölaypähovres Da


Deoü.

äv
ſei

gegen kein Widerſpruch, ſagen,


es

wenn die Chriſten elva

li
ôptotrópophov glauben,

Deſov und doch 26 daß der Menſch nach dem


f.),

da
ſei

1,

Bilde Gottes (Gen.

év
geſchaffen die Ähnlichkeit huxñ
Moykñ Troit kar' äperiv liege.
rf

VIII,

2,
17

19
Beſonders lehrreich ſind die Ausführungen (K.


234 ff.), wo Origenes auf den Vorwurf des Celſus, daß die Chriſten
einer geheimen Verſchwörung verſchmähten, Altäre, Bilder und
es

kraft
zu

Tempel errichten, Antwort gibt. Für die Chriſten, ſagt, da, ſind

er
Altäre die Seelen der Gerechten, von denen wahrhafter und geiſtiger
in

Weiſe wohlriechende Rauchopfer aufſteigen, Gebete aus reinem Ge


wiſſen. „Bilder aber und Weihgeſchenke,
wie ſie ſich für Gott
ziemen, ſind nicht die von Kunſthandwerkern hergeſtellten,
ſondern die vom Wort Gottes uns geſchaffenen und ge
in

ſchliffenen, die Tugenden, Nachahmungen des Erſtgeborenen aller


15), Mäßi
1,

Schöpfung (Kol. die Vorbilder der Gerechtigkeit,


in

dem
gung, Stärke, Weisheit, Gottesfurcht und der übrigenden Tugenden
liegen. Alle nun, die gemäß dem göttlichen Worte ſich Mäßigung,
Gerechtigkeit, Stärke, Weisheit, Gottesfurcht und die Kunſtwerke der
tragen Bilder ſich, durch die
in

übrigen Tugenden verſchaffen,

(allein) nach unſerer Überzeugung das Urbild aller Bilder


geziemend geehrt wird, das Bild des unſichtbaren Gottes, der ein

Origenesſagt alſo gerade das Gegenteil von dem, was der Kunſt
!)

ſchwärmer Kalliſtratus bei Philoſtratus (KaAAorpárov exhpäoets, X, ed. Kayſer


II,

öpcbuevov, äAAà ris äAn


1871, 433) rühmt: épot uèv oöv


rörros elvat öoxei


öeias TAóopa üAn pèv oöoa öeoetöós ävarrépTret vónua, önutoöpynua
öé

XEpös
.
uf ..
.

Tvyxävovoa, önutovpyiats ëEeort, Trpárret rexpñpia huxñs äppñrcos ärrorikrovoa.


ä
Origenes. 21

geborene Gott. Aber auch die, die den alten Menſchen mit ſeinen
Werken ausziehen und den neuen anziehen, der erneuert wird zur Er
kenntnis nach dem Bilde ſeines Schöpfers (Kol. 3, 9 f.), errichten in
ſich Bilder von ihm, wie der allerhöchſte Gott ſie will.“
aber, fährt Origenes fort, unter dieſen Bildern doch wieder
ſei

Nun
ein Unterſchied. Wie von den Bildhauern und Malern die einen ihre
Sache bewundernswert (Daupaorös) machten, wie Phidias und Poly
klet, Seuxis und Apelles!), die andern weniger gut und wieder andere
weniger, brächten die einen die Bilder des allerhöchſten
ſo

noch auch

Gottes beſſer und mit vollem Verſtändnis zuwege, ſodaß kein Vergleich

mehr ſein könne zwiſchen dem von Phidias verfertigten Olympiſchen

Seus und dem nach dem Bilde Gottes des Schöpfers Geſchaffenen. Am
unſerm Erlöſer,

da
in ſage:
es

beſten aber komme zum Ausdruck der


„Der Vater mir“ (Joh. 14, 10). „In denen,
in
iſt

allen die ihm


darin Kräften nachſtreben, Schöpfer Bild,
ſie iſt

nach ein dem ähnliches


ſie

das dadurch herſtellen, daß Gott reinen Herzens anſchauen als


Machahmer Gottes. Überhaupt ſind alle Chriſten beſtrebt, ſolche Altäre
Bilder wie wir nicht lebloſe
zu

errichten, gezeigt haben,


ſie

und
und gefühlloſe, auch für lüſterne und am Lebloſen hängende
nicht
Dämonen empfängliche, ſondern für den Geiſt Gottes empfängliche, der
den genannten Bildern der Tugend einer dem Schöpfer ähn
in

in

und
So

lichen Seele wie ſeinem Eigentum Einkehr nimmt. läßt


in

ſich

auch der Geiſt Chriſti ſozuſagen Gleichgeſtalteten


in

den ihm nieder.“


Nun möge, heißt weiter, jeder dieſe Altäre mit denen des Celſus,
es

die Bilder den Herzen der frommen Verehrer Allerhöchſten mit


in

des

denen eines Phidias oder Polyklet vergleichen, finden,


er

müſſe dann
daß dieſe leblos und dem Sahn der Seit ausgeſetzt ſeien, wäh
rend jene der unſterblichen Seele verblieben,
in

lange
ſo

die
darin beließe: (ékéiva pèv äuxa elva Kai Xpóvp
öé ſie

vernünftige Seele
(hôepópeva, Taüro äôavárp uévev huxñés öoov pévervév aörf

év

Aoykh huxi ßoöAEra). Darum ſeien die Chriſten auch keineswegs


ñ

ſie
zu

zu

abgeneigt, Tempel errichten, wie den genannten Altären und


ſie

Bildern paßten, nur wollten dem Urheber alles Lebens keine


lebloſe und tote Tempel bauen: die Leiber der Chriſten ſeien
ſei

Tempel Gottes und der beſte und ausgezeichnetſte Tempel der hei
lige und reine Leib unſers Erlöſers Jeſus Chriſtus geweſen.
Daß und Polyklet das Prädikat „wunder
Phidias
er

den Werken eines


*)

(a.

was Bigelmair 327) von Origenes


O.
iſt iſt

nicht verſagen könne, alles,


S.

bar
zu

ſagen weiß. Knöpfler überhaupt


an

ihm vorübergegangen.
22 Origenes. Methodius.

Sprache großen Theologen

iſt
Dieſe des griechiſchen deutlich und
Sie läßt keinen Zweifel darüber, alt

er
unmißverſtändlich. daß das
teſtamentliche Bilderverbot auch für die Chriſten als verbindlich erachtet.
Verehrung

er
Denn wenn der bildloſen des Allerhöchſten durch das

in
jüdiſche Volk einen „Schatten himmliſchen Lebens“ erblickt, muß

ſo
des

ſo, im

iſt
zu
jene Neuen Bunde um mehr Recht beſtehen. Es

ſo
doch

nur gerade

er
auch nicht daß heidniſche Götzenbilder verurteilte:
der Allerhöchſte, der einzig wahre Gott kann und darf nicht bildlich
im
dargeſtellt, nicht Bilde verehrt werden. Das wäre nicht eine Ver
ehrung, ſondern eine Entehrung Gottes. Auch die Chriſten haben Bilder
Altäre und Tempel, Gott geziemen, keine

ſie
und aber nur ſolche wie
materielle, lebloſe und vergängliche, ſondern geiſtige und unſterbliche
unvergängliche Philo

und die Seelen und Leiber der Chriſten.


“Oors

pi
der Vorrede ſeiner Schrift äoTrä
in

ſtratus ſchrieb „Eikóves“:


Tiv Loypahiav rñv äAñôeiav,

öé
Lera äölkei äölkei kai oochiav, öTróon
Allgemein die Naturwahrheit und Be
és

Tromrös iſkE. wurde damals


ſeeltheit, die äAñdea (veritas) und das éphuxov (animosum) der
iſt,

Bilder geprieſen!). Origenes wie ſein Lehrer Clemens, entgegen


geſetzter Anſicht: die bildliche Darſtellung hat etwas Totes, Unnatür
Wahrheitswidriges,
an

liches, Trügeriſches ſich. Wer die Wahrheit


Mag
ſie

und Weisheit liebt, wird darum zurückweiſen. auch die Kunſt


mit der Wahrheit und mit der Religion
an

ſich bewundernswert ſein,


zu

des Himmels,
ſie

hat Sie
iſt

nichts tun. nicht eine Tochter ſondern


der Erde?).

Methodius von Olympus.


8.
§

Die Anſchauung, Bild Geſchöpfen


in

daß das Gottes ſeinen


zu

und nur dort ſuchen ſei, teilt mit den Alexandrinern ein Kirchen
Vgl. auch Theodor Birt, Laienurteil über bildende
20
A.
S.

S.

1.

oben
)

Kunſt bei den Alten. Marburg 1902


S.

u.

20 28.
Wenn wir Origenes verſtehen, wir uns nicht
in
ſo

befinden ſchlechter
?)

Geſellſchaft. Der Mauriner Delarue ihm, wie bei Clemens und


findet bei
Tertullian die Anſchauungen: pugnantes non tantum vana
Adversus idola
et 1.

esse simulacra affirmant, sed nullam ab hominibus imaginem Divinitatis


effingi oportere nisi animo nostro: qua exceptione omnem effigiem Dei
in

Iudaeis praescriptam olim legem imaginibus Dei


de
2.

sensibilem excludunt.
Christianos etiam pertinere. Artes pingendi atque
ad

non fabricandis
3.

sculpendi Christianis Iudaeis interdictas putant, nec hos tantum artifices


ut

idolis fabricandis, sed etiam volunt


ab

aliis omnino artibusse


ut

deterrent
Le

tradant (Migne PG 11, 1544 C). Etwas vorſichtiger


iſt

der Mauriner
Nourry (Migne PG
9,

916 ff.).
Methodius. 23

vater, der ſonſt vielfach in Gegenſatz zu ihnen tritt, Methodius von


Olympus. Vernünftig und unſterblich die Seele, ſagt Sympos.

er
iſt
VI,

27
GCS Bd. 1917. 64, 18), weil Gott

ſie
(ed. Bonwetſch nach
1

dem Bilde ſeines Bildes (kar ei«óva rñs eikóvos éauroü), nämlich nach
Bilde des Eingeborenen geſchaffen hat. „Wer nun“, heißt

es
dem
VI, (65,
8)

weiter, „dieſe Schönheit makellos bewahrt und unver


2

ſo,

entwarf,

ſie
ſehrt und wie der Bildner und Maler ſelber Nach

in
ahmung der ewigen und geiſtigen Natur, von der der Menſch ein

Bild und Gleichnis iſt, der wird wie ein hochherrliches und heiliges
äyaApá kai iepóv) ſein und,
T1

Götterbild (olov TrepikaMAéorarov von


dieſer Erde entrückt die Stadt der Seligen, den Himmel, dort wohnen
in

wie einem Tempel.“ Wie man ſieht, liefert ihm nicht die chriſtliche
in

Kirche, ſondern der heidniſche Tempel ſein äyaApo iepóv. Ähnlich ſagt

De resurrect. 34,1 (271, 9), daß Gott zuerſt die Prachtwohnung


I,
er

des Weltalls für den Menſchen herſtellt und zuletzt dann ihn als pipnpa
vap kaA
ös
Tñs iöias eikóvos eingeführt äya Apa haiöpöv
év
habe

Tais éautoü Xepoiv karaokeväoas. Wie Phidias, erklärt De resurr.

er
35, 3f. (274 f.), ein elfenbeinernes Bild (rö Tlioaſov eſöoAov) dadurch
I,

Öl

vor Verderbnis ſchützte, daß gießen ließ, hat


er

ſo
um ſeine Füße
auch Gott, der äpioToTéxvas, ſeinem äya Apa Aoykóv, dem Menſchen,
Unvergänglichkeit geſichert (vgl. noch 43 Bon
I,
in

und Unſterblichkeit
wetſch 289f. den breiten Vergleich der Auferſtehung mit der Neu
ſchöpfung eines von zerſtörten Bildes).
einem Böſewicht
„Die Bilder der irdiſchen Könige“, ſchreibt Methodius De resurrect.
II,
24

(379,9ff.), „auch wenn nicht von viel edlerem Stoffe, Gold, Silber,
ſie

hergeſtellt ſind, doch allgemein Ehren.


in

Bernſtein oder Elfenbein ſtehen

Denn bei aller Hochachtung vor den aus edlerem Stoffe gearbeiteten

behandelt man die andern doch nicht wegwerfend, ſondern hält alle
gleicherweiſe Ehren, aus Gips Erz beſtehen;
ſie
in

auch wenn oder


zu

und wer ſich eine Schmährede gegen eine von den beiden Arbeiten
Schulden kommen läßt, wird weder ſtraflos gelaſſen, wie wenn
er

bloß
Lehm verächtlich behandelt hätte, noch angeſehen wie einer der Gold
geringſchätzt, ſondern wie ein gegen den König und Herrn ſelber Fre
velnder. Die aus Gold hergeſtellten Bilder (Gottes) wir ſeinen
in

ſehen
Engeln, Ver
zu

den Herrſchaften und Mächten, die ſeiner Ehre und


du

herrlichung geſchaffen ſind Denn mußt bedenken, daß Gott


.
.
.

Bilder von ſich hat, die gleichſam aus Gold hergeſtellt ſind, aus reinerer
geiſtiger Weſenheit, nämlich die Engel und ſolche wie aus Gips
.
.
.

und Erz, nämlich uns. Wie man nun hiernieden alle Bilder des
.
.
.
A-

24 Methodius. Minucius Felix.


f
Königs in Ehren halten muß, wegen der in ihnen Geſtalt,
abgebieten
ſo können auch wir als Bilder Gottes, wenn auch aus ſchlechterer
Materie, unmöglich ganz ins Nichts wandern wie etwas Wertloſes.“
Neben andern ähnlichen Stellen führten die ſpätern Apologeten

des Bilderkultus auch dieſe Stelle ins Feld. (Joh. Damasc. de imagin.
III. Migne PG. 94, 1420 B). In

ſie
Wirklichkeit aber zeigt auch
nur, daß Methodius noch keine religiöſen Bilder vor ſich hat. Sonſt
ebenſogut und beſſer, als Königsbilder, zur Veran
er

hätte dieſe noch


gleich

Er
ſchaulichung heranziehen können. kennt wohl Geſchöpfe, die
ſam Bilder von Gott aus Gold, und Geſchöpfe, die gleichſam Bilder
aus Erz ſind, aber wirkliche Bilder Gottes oder göttlicher Perſonen
irdiſchem Stoff kennt
er
aus nicht!).

Minucius selir, Arnobius und Laktantius.


9.
§

Daß der Spiritualismus eines Juſtin und Athenagoras, eines Cle


mens, Origenes und Methodius hinſichtlich der Bilder nicht etwa eine unter
ſcheidende Eigentümlichkeit der griechiſchen Kirche war, hat uns Tertullian
gezeigt. Minucius Felix

er
ſchon Auch bei kommt zum Vorſchein.
Auf den Vorwurf des Heiden „Cur nullas aras habent, templa nulla,

II,
nulla nota simulacra?“ (Oct. 10,4. ed. Halm CSEL 14,12f.) ant
32

wortet der Chriſt (Halm 45f.): „Putatis autem nos occultare


in
c.

quod colimus, sidelubra etaras non habenmus? Quod enim simu


lacrum Deo fingam, cum, recte existimes, sit Dei homo
si

ipse simulacrum? Templum quod extruam, cum totus


ei

hic mundus eius opera fabricatus eum capere non possit? Et


cum homo latius maneam, intra unam aediculam vim tantae
includam? Nonne melius nostra dedicandus
in

majestatis
estmente? nostro immo consecrandus est pectore?2)...
In

V,

21
iſt

auch, wie Methodius Sympos.


Intereſſant (Bonwetſch 61, ff.)
!)

die als „Bild der himmliſchen Wohnung“, das altteſtamentliche Selt aber
Kirche
als „Schatten des Bildes“, als dritte Stufe vor der Wahrheit, bezeichnet: was
öé
iſt

die Chriſten annehmen, rpavórepov pèv röv röncov, äpaupórepov rñs äAnôeias;
dieſe, volle Wahrheit, wird erſt nach der Auferſtehung offenbar werden.
die
Auch Symp. IX, 115, 22ff)
iſt

(Bonwetſch das Geſetz rüros kai okä rñs eikóvos,


2

nämlich des Evangeliums, dieſes aber ei«öv aörfs rñs äAndeias. Dieſe Alten
Welt von „Bildern“,
ſie

aber Bilder hatten Erſt


in

lebten vielfach einer nicht.


zu

als man Bilder hatte, nahm man die „Bilder“ für begrifflich faſſende und
zu

logiſch zergliedernde Wirklichkeiten.


Darnach Cyprian Quod idola dii non sint 9.: Quod vero templum
*)

c.

Et

habere possit Deus, cujus templum totus est mundus? cum homo latius
Miuucius Felix, Arnobius. 25

Immo ex hoc Deum credimus quod eum sentire possumus,


videre non possumus etc.“ Auch hier

iſt
jede ſichtbare Darſtellung

Gottes als minderwertig und ſeiner unwürdig abgelehnt. Nur der


ein echtes Bild, nur eine Menſchenbruſt ein würdiger Tempel
iſt

Menſch
Gottes.

Arnobius na

im
Adversus

6.
kommt Buche ſeiner Schrift

zu
tiones auf Tempel und Götterbilder ſprechen (ed. Reifferſcheid,
CSEL IV,

er,
Es
214 ff.). wird, ſagt von heidniſcher Seite beſtändig

als Beweis unſerer angeblichen Gottloſigkeit vorgebracht: „quod neque


aedes sacras venerationis ad officia constituamus, non de
orum alicujus simulacrum constituamus aut formam, non al

iſt 1).

Er
taria fabricemus, non aras etc.“ (c. weiſt nun das
Widerſinnige eines Bilderkultes nach und lehrreich, wie

er
es
das
In berückſichtigt Einwand, Ver
er

tut. heidniſchen daß die


c.

den
9

„Deos, in
die

die
ja

ehrung durch Bilder auf Götter zurückgehe.

quitis, per simulacra veneramur. ergo?

Si
Quid haec
dii nesciunt nec impertiri
se

non sint, coli vobis ullum sibi


a

honorem? Per tramites ergo quo sdam

et
existimabunt
per quaedam fidei commissa, dicitur, vestras sumunt
ut

atque accipiunt cultion es, antequam sentiant, quibus


et

ii

illud debetur obsequium, simulacris litatis prius velut re


et

Et
liquias quasdam aliena
ad

ex

illos auctoritate transmittitis.


quid fieri potis est injuriosius contumeliosius durius, quam deum
rei alteri supplicare? Opem sperare
de

alterum scire
et

numine nullius sensus ad effigiem deprecari? Nonne


et

illud est, quaeso, quod vulgaribus proverbiis dicitur fabrum


in

cum hominis consilium quaeras,


et

caedere cum ferias fullonem


etporculis rerumsententiaspostulare?“
ab

asellis agendarum Dieſe


Auslaſſungen ſind deshalb bezeichnend,
weil hier zugleich die ſpätere
Rechtfertigung des chriſtlichen Bilderkultus durch die Theologen kräftig
verſpottet wird. Arnobius läßt den Einwand, daß der Kult nicht
eigentlich den Bildern, ſondern der Gottheit gewidmet ſei, nicht gelten.
Er

will von ſolchen „Umwegen“ und „Fideikommiſſen“ nichts wiſſen,


es

erſcheint ihm als die größte Schmach, ſich vor einem Dinge nieder

intra unam aediculam vim tantae majestatis includam?


In

maneam, nostra
dedicandus est mente, nostro consecrandus est pectore. Der Gedanke geht
in

auf Seneka zurück, bei Laktanz Div. inst. IV, 25,3 (ed. Brandt 577,24): Nontempla
illi congestis altitudinem saxis extruenda sunt; suo cuique consecrandus
in

in

est pectore.
26 Arnobius.

zuwerfen, während man wohl weiß, daß Gott nichts damit zu tun hat,
von Gott Hilfe zu erhoffen und dabei vor einem Bilde ſeine Bitte vor
zutragen. Da fällt ihm das Sprichwort ein von Einem, der ſtatt des
Walkers den Schmied (ſtatt des Schuldigen einen Unſchuldigen) trifft.
So ſpricht ein Arnobius, deſſen Chriſtentum ſonſt wahrlich noch nicht
alles Heidniſche überwunden hatte!
In
c. 17 erklären die Heiden: „Sed erras et laberis; nam
neque nos aera neque auri argentique materias neque alias,
quibus signa confiunt, eas esse per se deos et religiosa decer
nimus numina, sed eos in his colimus eosque veneramur,
quos dedicatio infert sacra et fabrilibus efficit inhabitare
simulacris.“ Der Apologet entgegnet ſpottend: „Non improba, neque
aspernabilis ratio, qua possit quivis tardus nec non et pruden
tissimus credere, deos relictis sedibus propriis id est caelo non
recusare nec inireterrena, quinimmo jure
fugere habitacula
dedication is inpulsos simulacrorum coalescere vinc
tioni. In gypso ergo mansitant atque in testulis diivestri? . . .
Atque ut fieri augustiores vilissimae res possint, concludise
patiuntur et in sedis obscurae coércitionelatitare? Damit
trifft Arnobius wieder nicht allein die heidniſche Bildervorſtellung: auch
in der chriſtlichen Kirche hat man ſich ſpäter den Heiligen in ſeinem
Bild wohnend gedacht oder wenigſtens eine gewiſſe oupTräôeia zwiſchen
Bild und dargeſtellter Perſon angenommen.
In c. 24 wird noch ein pädagogiſcher Grund zu Gunſten des

Bilderkults erörtert: „Propter indomitum atque inperitum


vulgus, quae pars in populis atque in civitatibus maximaest,
salutariter ea (sc. simulacra) formasse (sc. antiquos), ut velut
quadam specie objecta his numinum abicerent asperitatem
metu arbitratique praesentibus sese sub disagere facta
m pia deputarent et ad humana officia morum immu
tatione transirent: nec propter aliam causam venerabiles
formas auro eis argentoque quaesitas, nisi ut adesse visquaedam
ipsis in fulgoribus crederetur, quae non oculorum tantum perstrin
geret sensum, verum etiam mentes ipsas augustissimae
lucis radiationibus territaret.“ Auch dieſen ethiſch-pädago
giſchen Erwägungen, die ſpäter ebenfalls zur Verteidigung des chriſt
lichen Bildergebrauches mutatis mutandis wiederkehrten, erkennt der
Apologet durchſchlagende Kraft zu,
ſie

keine wenn er auch verhältnis


er,

mäßig milde beurteilt. Sie hätten, ſagt einen gewiſſen Schein von
Arnobius, Laktantius. 27

Berechtigung, wenn nur wirklich nach der Errichtung von Tempeln und
Aufſtellung von Bildern das Böſe und die Böſen aus der Welt ver
ſchwunden und Friede, Gerechtigkeit und Ehrlichkeit eingekehrt wären.

Der Augenſchein aber zeige überall nur Schlechtigkeit und Greuel.


Sehr lehrreich ſind endlich die Gedankengänge des Laktantius.

19,
II,

2,1ff. CSEL 99,8ff)

im
Div. Inst. (ed Brandt berückſichtigt

ja
ſie
den Einwand der Heiden, daß die Bilder fürchteten,
er

nicht
ſelber, den Bildern dargeſtellt,

in
ſondern die Götter die denen die

er,
Bilder geweiht ſeien. „Alſo fürchtet ihr ſie“, entgegnet „deshalb,

ja
im
ſie

ſie
glaubt, ſein müſſen,

ſie
weil ihr Himmel wo auch wenn
Götter Warum
ſind. erhebt ihr aber dann eure Augen nicht
zum Himmel? Und feiert eure Opfer nicht, unter Anrufung ihrer
Namen, unter freiem Himmel? Warum ſchaut ihr an Wände, an
Holz- und Steingebilde, ſtatt dahin, wo ihr glaubt? Wozu

ſie
Altäre, wozu

ſei
Bilder?“!) Die Portraitkunſt

zu
Tempel, wozu dem

im
Sweck erfunden worden, um Verſtorbene oder Abweſende Gedächtnis
zu

zu
behalten. Wozu man nun die Götter rechnen ſolle? Wenn
den Toten, dann Ab
zu

zu
töricht,
ſie

wäre
es

verehren. Wenn den


ſie

ſie
zu

weſenden, dann brauche man auch nicht verehren, wenn uns


nicht ſähen und hörten. Wenn aber Götter nicht abweſend ſein könnten,
die als göttliche Weſen überall der Welt ſein müßten, dann müßten
in

„Super vacua sunt ergo simu


ſie

auch alles ſehen und hören.


sit

lacra illis ubique praesentibus, cum satis audientium nomina


precibus advocare.“ „Sed tamen postquam Deus ille praesto
esse coepit, jam simulacro ejus opus non est.“ Das
wäre, wie wenn Einer
in

nach der Rückkehr eines Verreiſten und ſeiner


Gegenwart immer noch ſein Bild weiter betrachtete, ſtatt ihn ſelber
ja

anzuſehen. Das Bild eines Menſchen könne allenfalls unentbehrlich


da

erſcheinen, weile, entbehrlich,


er

er

wenn der Ferne wenn ſei.


in

„Dei autem, cujus numen atque spiritus ubique diffusus abesse


nunquam potest, semper utique (imago) super vacua est.“
Die Heiden fürchteten, daß ihre ganze Religion leer und nichtig wäre,
ſie

nichts vor ſich hätten zur Anbetung;


ſie

wenn deshalb ſtellten Bilder

Während die älteſte chriſtliche Polemik gegen den Bilderdienſt dieſen


in *)

nur ſeiner maſſiven Auffaſſung kennt und gegen ihn die Waffen aus der
Rüſtkammer des Judentums und der ſtoiſchen, epikuräiſchen und ſkeptiſchen Auf
klärung entlehnt (Joh. Weiß, Das Urchriſtentum, Göttingen, 1914, 175ff),
wenden ſich die jüngeren Apologeten auch gegen die feinere, vor allem durch
den Neuplatonismus vertretene und verteidigte, Auffaſſung des Bilderkultes.
28 Laktantius.

auf, die, weil Bilder der Toten, ſeien,

ſie
den Toten gleich da der
„Dei autem
aeternum viventis vi

in
Wahrnehmung entbehrten.
Itaque simu

et
vum sensibile debet
simulacrum. esse

.
.
.
lacrum Dei non illud est, quod digitis hominis

ex
lapide
aut aere aliave materia fabricatur, sed ipse homo, quoniam
magnasque
et

et

et
sentit movetur multas actiones habet.“
igitur tamineptus putet aliquid esse

ut
„Quisquamne est,
simulacro Dei,

ne
in

quo quidem quicquam

in
hominis est
praeter umbram?“ II,
Div. Jnst. 4,7f. (Brandt 109,1 ff.) fährt Laktanz,

er
nachdem

über die einem Bruche oder Brande oder dem Zerfall ausgeſetzten Götter
bilder geſpottet, fort: „Ubi ergo veritas est? Ubi nulla vis
adhiberi potest Ubi nihil, quod violari possit,
religioni.
apparet. Ubi sacrilegium fieri non potest. Quidquid
autem oculis manibusque subjectum est, vero, quia fragile

id
immortalitatis alienum est. Frustra igitur
ob

est, omni ratione


gemmis exornant, quasi

et
homines auro ebore deos excolunt
ex

vero his rebus ullam possint capere voluptatem.“


Die Wahrheit alſo nach Laktanz da, wo das Heilige nicht dinglich
iſt

iſt,

etwas Dingliches nicht heilig gar „Sakrileg“ geben


es

und wo kein
iſt,

kann, weil kein (heiliges) Objekt vorhanden das verletzt werden


könnte. Alles ſinnlich Wahrnehmbare, Greifbare und Serbrechliche hat
Es
zu

mit Unſterblichkeit Heiligkeit ganz und


iſt
und nichts ſchaffen.
gar überflüſſig, von Gott dem Allgegenwärtigen ein Bild zur Vergegen
wärtigung
zu

zu

und töricht, meinen, einem Bild irgend


in

machen, daß
etwas von Gott vorhanden und wirkſam ſein könnte, töricht, eine

Wand oder ein Bild aus Holz oder Stein anzuſchauen, ſtatt die Augen
zu

zum Himmel erheben, wo man die Gottheit weiß. Dieſe Gedanken


und Worte treffen, wie Axthiebe von Ikonoklaſtenhand, jedes Bild von

Gott, jedes Bild, das irgendwie den Kult einbezogen wird, jedes
in

„heilige“ Bild, jedes „Gnadenbild“. Kein Rechtfertigungsverſuch, auch

der pädagogiſche, den Augen des ſtrengen Po


in

nicht findet Gnade


lemikers. Wer ſchreibt wie Laktanz, Bilder von Gott,
ſo

kennt keine
ja

keinen chriſtlichen Bilderkult. Zum Teil werden gerade Gedanken,


zu

mit denen ſpätere Theologen den kirchlichen Bilderkult rechtfertigen


ſpirituell jene Ge
So

ſuchten, zurückgewieſen und lächerlich gemacht.


danken verhältnismäßig ſind, entſprechen
ſie
ſo

nach ſeinem und anderer


Apologeten Urteil doch nicht der reinen Geiſtigkeit Gottes und der Höhe
wahrer Gottesverehrung.
Laktantius. Makarius. 29

Die Kunſt an ſich beurteilt Laktanz ziemlich unbefangen. Er führt


ſie

nicht,wie Tertullian, mehr oder weniger auf den Teufel zurück,


auf das Bedürfnis, das Gedächtnis

an
ſondern einen Abweſenden oder

II,
Toten feſtzuhalten, Inst. 2,3 (ed. Brandt 99,18): Nam omnino

ab
fingendarum similitudinum ratio idcirco hominibus inventa est,
posset eorum memoria retineri, quivel morte subtractivel
ut

Er
fuerant separati).

ſie

zu
absentia verwertet ſogar ſeinem Gottes
beweiſe, De ira Dei 10,26 (ed. Brandt CSEL 27, 89, 14): An
ars fingit, ipsum ho
et

et
simulacrum hominis statuam ratio
de

minem frustis temere concurrentibus fieri putabimus? Aber


ſie

kann eben ſelbſt bei höchſter Entwicklung nur Schatten und Umriſſe
Et

ibid.: quid simile veritatis ficto, cum summum

in

et
zeichnen,
excellens artificium nihil aliud nisi umbram extrema corporis

et
lineamenta possit imitari? Die Religion aber hat nicht mit

es
Schatten und Bildern, ſondern mit der höchſten Wahrheit und Wirk
zu

lichkeit tun.

10. Makarius von Magneſia.


§

Daß die Götterbilder und ihr Kult von aufgeklärten Heiden


mit ſolchen ſpiritualiſtiſchen Gedanken verteidigt wir
wurden, erſehen
auch aus dem 'Atroxprrikós Movoyevñs des Makarius von Magneſia.
f

Was der Heide dort ſpricht, geht allem nach auf Porphyrius zurück,
iſt

unmöglich unwahrſcheinlich, Arnobius


es

und weder noch daß auch


IV,
er:
21
im

und Laktantius ihn gerade


Auge haben. ſagt „Wenn
demnach zugeſtanden wird, daß die Engel
an

der göttlichen Matur teil


haben, glauben die, welche den Göttern die geziemende
ſo

(anderſeits)
Verehrung erweiſen, nicht, daß der Gott
in

dem Holz oder Stein oder


Erz ſei, aus welchem das Götterbild wird, und meinen nicht,
verfertigt

wenn ein Stück von dem Bilde abgebrochen wird, daß dadurch ein Ver
Denn der Erinnerung wegen
an

luſt der Macht des Gottes eintrete.


wurden die Götterbilder und die Tempel von den Alten errichtet, auf
daß die, welche hinzugingen, dadurch auf Gott ſich gewieſen ſähen oder
dar
in

Feierſtunden und vollkommener Reinheit Gelübde und Flehen


in

brächten, indem ein jeder von ihm das erbäte, was


er

bedarf. Denn
ein Bild eines Freundes anfertigt, glaubt keines
er
ſo

wenn einer doch


im

wegs, daß der Freund Bilde ſelbſt ſtecke oder daß ſeine leibhaftigen
Glieder durch die Linien der Seichnung eingeſchloſſen würden, ſondern
daß die Ehre, widmet, das Bild
er

welche dem Freunde durch zum


Daß aber die Götterbilder mit Recht
in

Ausdruck komme menſch


.
.
.
30 Makarius.

licher Geſtalt gebildet werden, da ja der Menſch für das ſchönſte der
Lebeweſen und für Gottes Ebenbild gilt, dieſen Grundſatz man
kann
durch einen andern Spruch bekräftigen, der verſichert, daß Gott Finger
habe, mit denen er ſchreibe (Exod. 31, 18). Aber auch die Chriſten
ahmen den Bau der Tempel nach und bauen gewaltige Gebäude, in
ſie

ſie
denen zum Gebete zuſammen kommen, wiewohl dies ungehindert

ja
da
könnten, von
in

den Häuſern tun der Herr bekanntermaßen


überallher hört“.!)
Dieſe Ausführungen eines heidniſchen Philoſophen zeigen,
wie
damals die Gedanken zwiſchen Chriſten und Heiden hin- und hergingen,
Vorwürfe erhoben und zurückgegeben wurden. Sie zeigen auch, daß
der Heide zwar ſchon große chriſtliche Kirchen (vgl. Euſeb. Hist. eccl.
VIII, 5), aber Bilder darin

er
1,

keine da kennt. Denn hätte ſicher nicht


ſie

verſäumt, hervorzuheben, ihm für ſeinen Sweck noch gelegener


ſie
geweſen wären als die Verſammlungsſtätten der Chriſten. Und Por
phyr war ein ſcharfſehender Beobachter und Kritiker.
ſagt Makarius IV, 27 (Blondel 214f.),
In

ſeiner Antwort daß

zu
der Chriſt keine Bilder von den Engeln anfertige und nun einem
an

Schatten rede und einer weſenloſen Geſtalt ſeine Freude habe,

wie mit Beſeeltem verkehre,


er

daß nicht mit ſeelenloſen Stoffen nicht


Typen erfreue,
in

am Anblick toter ſich nicht Stein oder Holz das

zu
verborgen glaube, Erz und Eiſen das Unfaßbare
in

Göttliche nicht

faſſen wähne oder das, was ſich nun einmal nicht feſthalten laſſe, feſt
Er
zu

halten können ſich einbilde. wiederholt alſo nach unverbeſſer


licher Apologetenart einfach den von ſeinem Gegner bereits entkräfteten
Vorwurf, verrät uns aber dabei Engelbilder
er

doch, daß noch keine


ja
So

ſagt darauf von Abraham,


er

er

kennt. auch gleich daß nach


der bekannten Engelserſcheinung, die der Gegner ver
in

ſeinem Sinne

Magnetis quae supersunt ed. Blondel, Paris, 1876, 200 sq.


C.

Macarii
!)

Harnack, Porphyrius
A.

Griechiſcher Text und deutſche Überſetzung bei


v.

„gegen die Chriſten“, 1916, 92f. Nr. 76, und „Kritik des Neuen Teſtamentes

von einem griechiſchen Philoſophen des Jahrhunderts“ (TU 37,4. Leipzig 1911)
3.

125. Vgl. Wagenmann, Porphyrius und die Fragmente eines Un


S.

u.
S.

86ff.
genannten der atheniſchen Makariushandſchrift (Jahrbücher deutſche Theol.,
in

f.

Bd. 23, 1878, Bemerkung,


S.

S.

269–314) 310f. Harnacks daß die Mehrzahl


der Chriſten über dieſen Punkt rein und ſpirituell gedacht
ſo

ſchwerlich mehr
und Ausbreitung des Chriſtentums
in

habe wie dieſer „Götzendiener“ (Miſſion


1)
(3.

drei Jahrhunderten?,
A.

A.
I,

Aufl. 1915.
I,

288
1.

den erſten 1906. 251


trifft für das dritte Jahrhundert wohl noch nicht zu, für die folgenden Jahr
hunderte aber um
ſo

mehr.
Makarius. Can. 36 von Elvira. 31

wertet hatte, röv ödévrov oö rutroſ rivépháveiav, oöö épchepés äyaApa


Lée, oö Ypähe. Tº Trivak, év aÖrois ßMétreiv roös evioöévras vopitov,

äAA' év rfs huxñs ätroxpöhtp Tapeip Täs pvñpas aÖrövelxe kai peAEröv
riſ

ñßpövero. Der wahre Gottesverehrer fertigt ſich alſo auch kein Bild einer
Erſcheinung an, die Erinnerung

in
überirdiſchen ſondern bewahrt der
geheimen Schatzkammer ſeiner Seele, um dort fleißig hervorzuſuchen

ſie
zu

und ihr ſchwelgen.


in

In der Entgegnung des Makarius haben wir aber bereits eine


Stimme aus dem Ende des vierten Jahrhunderts!) vernommen und
müſſen nun zeitlich wieder zurückgehen.

Can. 36 von Elvira.


§.

11.

Der berühmte und


vielverhandelte can. 36 von Elvira be

ne

et
„Picturas ecclesia esse non debere, - quod colitur
in

ſtimmt:
parietibus depingatur.“
in

adoratur
Die Zahl der Deutungen dieſes Kanons hat ſeit Gams,

ſie
der

II.
bereits „Legion“ nannte (Kirchengeſchichte von Spanien 1864

1.
95), nicht abgenommen. Am meiſten Anklang findet gegenwärtig
S.

auf
katholiſcher Seite die auf Buonarotti zurückgehende, von Roſſi, Hefele,
de

Kraus Erklärung, daß der Kanon die Anbringung von


u.
a.

vertretene
ſie

Bildern nur inſoweit verbiete, als einer Verunehrung durch die


ſeien, alſo nur den gottesdienſtlichen Lokalen über
in

Heiden ausgeſetzt

der Erde, innerhalb der Städte den Häuſern angelegten Kult


in

in

den

ſtätten oder auf den Grabanlagen ſtehenden Memoriae oder


in

den

Basilicae cimiteriales, nicht auch den Katakomben. Die Unhalt


in

Auslegung Funk den Kirchengeſch. Ab


in

barkeit dieſer hat (zuletzt


handlungen Unterſuchungen 346–352) ſchlagend dar
S.

1897.
u.

I.

Was Knöpfler vorbringt,


zu

getan. neuerdings im
iſt

ihren Gunſten
Es

Grunde bereits durch Funks Ausführungen widerlegt. dürfte ſich


zu

aber lohnen, den Kanon nochmals näher ins Auge faſſen und nament
lich ihn aus der Sprache der übrigen Beſtimmungen heraus verſtehen
wird man zwar den Geſtrengen von Elvira
zu

lernen. Stilgewandtheit

nicht nachrühmen können. Aber liegt ſelbſt ihrer Unbeholfen


in

doch

heit Stil und Regel.


Knöpfler weiſt darauf hin, daß der Kanon „in ſeiner beſtimmten
präziſen Faſſung“ ſage „ne parietibus depingatur“.
in

und
.
.
.

Das hat Harnack (TU 37,4 10ff) gegen Crafe, der die Schrift unſers
S.
)

Makarius ums Jahr 300 anſetzt (Journal theol. Stud. 1907, 401 ff), ein
of

leuchtend nachgewieſen.
32 Can. 36 von Elvira.

Es könne doch nicht zweifelhaft ſein, daß durch das „in parietibus“
eine gewiſſe Einſchränkung ausgedrückt werden wolle; es ſolle alſo offen
bar nur eine gewiſſe Kategorie von Bildern verboten werden, nämlich
die an den Wänden gottesdienſtlicher Lokale angebrachten. Ein Blick
auf andere Kanones zeigt uns die Unrichtigkeit dieſer Behauptung.

Außer unſerm Kanon fünf andern

iſt
nämlich Verbot eine

in
noch dem
Begründung „ne beigefügt,

.“
mit und niemals enthält der Finalſatz

.
.
eine Einſchränkung irgendwelcher Art, ſtets gibt Inhalt

er
eine den des
prinzipielle Begründung.

15
Hauptſatzes voll erſchöpfende Can. ver
chriſtliche Jungfrauen

an
bietet, wegen des Überſchuſſes Mädchen mit

ne
floretumens

in

in
zu

Heiden verheiraten – aetas adulterium

43
animae resolvatur. Can. verpflichtet. Alle zur Feier des Pfingſt
ne

tages!) quis non fecerit, novam haeresim induxisse


si
48

den Täuflingen,

zu
notetur. Can. verbietet Geld die Muſchel

in
sacerdos quod gratis accepitpretio distrahere videatur.
ne

legen
– 49

Can.

zu
verbietet den Beſitzern, ihre Früchte von Juden ſegnen laſſen
ne nostram irritam infirmam faciant benedictionem.
et

Can. 65

zu
verbietet dem Kleriker, eine ehebrecheriſche Frau länger behalten


qui exemplum
ab

ne his, bonae conversationis esse debent,

In
ab

eis videantur scelerum magisteria procedere. allen dieſen


Canones gibt der Finalſatz den Grund an,

im
weshalb das Hauptſatz

Verbotene (ohne alle Einſchränkung) als unzuläſſig erſcheint. Dieſe Sätze


mit „ne Be
zu

negativen Gegenſtücke den poſitiven


.“

ſind die
.
.
.

mit „eo quod“, die ſich


13

gründungsſätzen Canones von Elvira


in

Can. 35, das Frauen das Übernachten


B.

finden,
eo in

Cömeterien
in
z.

verbietet quod saepe sub obtentu orationis latenter scelera


committunt (es könnte auch heißen: ne scelera committant),


.
.
.
16

can. gegen Ehen


in

oder katholiſcher Mädchen mit Ketzern oder


quod nulla possit esse societas fideli cum infideli.
eo

Juden

Wie wenig dabei irgendeine Einſchränkung Frage kommt, zeigt can. 24:
in

Omnes, qui quod eorum mi


eo

peregre fuerint baptizati,


in

vita, placuit
in ad
sit

nime cognita clerum non esse promovendos


die

alienis provinciis. Einmal, can. 34, Begründung


in

iſt

mit
„enim“ angegeben: Cereos per diem placuit
in

coemeterio non
incendi, inquietandi enim sanctorum spiritus non sunt (es könnte
inquietentur sanctorum spiritus, oder:
ne

eo

ebenſo gut heißen:

Kanon enthält ein Verbot, das alten Hand


in

Auch dieſer mehreren


*)

ſchriften durch den Zuſatz „non quadragesimam“ ausdrücklich angegeben iſt.


Salaville,
II,

Manſi, Conc. coll. 13. Vgl. Echos d'Orient XIII (1910) 65–72.
Can. 36 von Elvira. 33

quod spiritus non sunt inquietandi). Einmal mit


sanctorum
„quatenus“, can. 60: Si quis idola fregerit et ibidem fuerit
occisus, quatenus in evangelio scriptum non est neque inve
nietur sub apostolis unquam factum, placuit in numerum eum
non recipi martyrum.
Demnach enthält auch in can. 36 der Finalſatz eine den Umfang
des im Hauptſatze enthaltenen Verbotes ganz deckende Begründung:
Gemälde werden verboten, weil es als unzuläſſig erſcheint, einen Gegen
ſtand der Verehrung und Anbetung an die Wand zu malen. Eine
Einſchränkung liegt weder in der Bezeichnung „in parietibus“, wie
Knöpfler), noch in „quod colitur et adoratur“, wie V. Schultze
(Die Katakomben. 1882,
89. Archäologie der altchr. Kunſt. 1895, 11
RE.*11, 176) Allerdings betrifft das Verbot ausdrücklich nur
meint.
Darſtellungen deſſen, „quod colitur et adoratur“, aber nur weil
andere „Gemälde“ gar nicht im Geſichtskreis der Synode liegen, weil
iſt, daß eben nur Gegen
ſie

es für augenſcheinlich und ſelbſtverſtändlich


ſtände der Verehrung und Anbetung auch Gegenſtände bildlicher Dar
ſtellung den Kirchen wären. nicht mit Karl Schwarz
in

iſt

Darum auch

loſe (Der Bilderſtreit. Gotha


5)

zu

1890, der Kanon verſtehen, daß


ſo

rundweg jedes Anbringen Bildern verbiete,


in
er

von den Kirchen um


ja

Vorlagen über
an
zu

verhüten, daß der Kreis der ſich erlaubten


ſchritten und aus dem heiligſten Gebiete des chriſtlichen Glaubens und
der chriſtlichen Andacht Motive zur Darſtellung gewählt würden.
Man braucht auch nicht mit Harnack (Miſſion und Ausbreitung
II,

Jahrhunderten? 1906. 260


in

des Chriſtentums den erſten drei


II,
[3.

zu

Aufl. 1915. 321]) den Kanon deuten, wie wenn


es

hieße
„ne quod parietibus depingitur colatur
in

et

adoretur“ und „auf


prunkvolle Kirchen und auf heidniſchen Unfug mit den Bildern“
zu

ſchließen?).
II.

Gams (Kirchengeſchichte Spanien 97, vgl.


S.

Oder
1.

mit von

Die Betonung des „in parietibus“ geht auf Kardinal Bellarmin


)

zurück, der daraus folgern wollte, daß nur Wandgemälde, nicht auch Tafelbilder
II,

verboten ſein ſollten (De imaginibus 9).


Auguſti III. Bd. 1837.
der chriſtl. Archäologie.
S.

Schon (Handbuch 625)


?)

Spanien
an

„Bildermißbrauch“ „und zwar einen bedeutenden,


in

ſo

nahm einen
zu

daß eine Synode dagegen einſchreiten müſſen glaubte“. Im „Handbuch der


Studierende“, herausg. von Krüger, (1912) 104 18)
G.

Kirchengeſchichte
f.

I
iſt

von „prunkvollen Kirchen mit Gemälden“ die Rede; 38* (S. 228) wird
in
§

can. 36 von Elvira nicht berückſichtigt. M. Kaufmann (Handbuch


C.

Nach der
chriſtl. Archäologie? Paderborn 1913, 245) ſtellte „nur eine ſehr kluge Be
er

ſtimmung der Arkandisziplin dar“.


Forſchungen 27: Koch.
3
34 Can. 36 von Elvira.

Kirchenlexikon?. IV. 1886 Sp. 431) den Grund des Verbotes darin zu
ſuchen, daß die „picturae“ dieſer Seiten „Kleckſereien und Schmierereien“
geweſen ſeien. Oder mit Leclercq (L'Espagne chrétienne? Paris
1906,77) darin, „que les images des saints martyrs qui déco
raient les parois des églises avaient inspiré des caricatures de
nature à scandaliser les fidèles et à ridiculiser le christianisme“!).
Oder mit Hans Achelis (Das Chriſtentum in den erſten drei Jahr
hunderten. Leipzig 1912. I, 62) darin, daß „die Gegenſtände, die man
damals darſtellte, der Synode von Elvira unpaſſend erſchienen“. Die
Synode ſelber läßt uns ja über dieſe „Gegenſtände“ nicht im Sweifel?).
Im Finalſatz liegt alſo keine Einſchränkung. Enthält aber viel
leicht der Hauptſatz eine ſolche? Knöpfler findet in der Tat auch dort
ſogar eine doppelte Einſchränkung, ſodaß ſchließlich der ganze Kanon

aus lauter „Einſchränkungen“ beſtünde und man meinen könnte, er wäre


gegen einen allgemeinen Kunſthaß gerichtet und wolle einer gewiſſen
Kunſtbetätigung den Weg öffnen. Die Einſchränkung ſoll in den Worten
„picturas“

ſei
„in ecclesia“

zu
und liegen. Daraus erſehen, daß der

In ſeiner Überſetzung der Hefele'ſchen Konziliengeſchichte, Histoire des


*)

Conciles par Hefele (Paris 1907) 241 not. drückt Leclercq aus: inter

es
ſo
I

dire les peintures dont les paiens, les juifs les hérétiques avaient pu
ou

sinspirer pour tourner caricature les symbols chrétiens, teilt aber zugleich
en

mit, daß dieſe Erklärung auf die Einwände von Turm Clergé

du
(Revue
el
er

français 1906, 508) hin zugunſten der Funk'ſchen Anſchauung aufgegeben habe.
In ſeiner ausgezeichneten Abhandlung „Die Schriften des Epiphanius
?)

gegen die Bilderverehrung“ (Sitz.-Ber. d.preuß. Akad. Wiſſ. Phil.-hiſt. Kl. 1916,
d.

XXXV, 828–858) Holl


iſt
K.

bezeichnend, daß der can. 36


S.

bemerkt 865: „Es


von Elvira ebenſo die parietes nennt, wie Epiphanius die roixot kekovapévot
verabſcheut. Erſt wie die Kunſt aus den Grüften heraufſtieg und nun anfing,
zu

die Wände der über der Erde ſtehenden Kirchen mit Gemälden ſchmücken,
gleich
da
es

merkte man, was eigentlich mit den Bildern auf ſich habe. Sumal
zeitig die Siele der Kunſt ſich veränderten. Sie wollte jetzt nicht mehr bloß
durch ein Bild, das Seichen für einen Gedanken war, erbauen und ſtärken,
ſondern einen beſtimmten Gegenſtand, eine beſtimmte Perſon wirklich treffen
und dem Verſtändnis näher bringen. Aus beidem erwuchs aber bald ſchon nicht
zu

mehr die Gefahr, ſondern die einreißende Gewohnheit, das Bild als ſolches
Was man Elvira erſt befürchtete, das bezeugen Epiphanius und
in

verehren.
Auguſtin als vollendete Tatſache.“ Dieſe Gedanken erſcheinen mir als eine
Miſchung von Wahrheit und Irrtum. Jedenfalls enthält der Finalſatz
in

can. 36.
keine Befürchtung für die Sukunft, ſondern eine Begründung für die Gegenwart.
an
es

Auch ſagt das Konzil nicht, ſolle verhütet werden, daß das die Wände
an

Gemalte verehrt würde, ſondern das Verehrte ſoll nicht die Wände gemalt.
zu

werden. Holl ſcheint beides miteinander verbinden.


Can. 36 von Elvira. 35

Kanon nicht prinzipiell eine bilderfeindliche Tendenz verfolge, da er


ſonſt nicht bloß Gemälde, ſondern auch Skulpturen und beides nicht bloß
in gottesdienſtlichen Lokalen, ſondern auch anderwärts verbieten müßte.
So, wie er laute, könne er nur gewiſſe Seitverhältniſſe berückſichtigen
und nur eine beſtimmte Gattung von Bildern und auch dieſe nur unter
ganz beſtimmten Einſchränkungen verbieten wollen.
Allein wozu denn immer auf „beſondere Umſtände, die wir nicht
mehr feſtſtellen können“, alſo auf unbeſtimmte und unbekannte Mög
lichkeiten verweiſen, wo doch die Synode ſelber ihren tatſächlichen Be
weggrund beifügt! Wie froh könnte die Geſchichtsſchreibung ſein, wenn
ihre Quellen über die Motive der Handlungen und Ereigniſſe immer ſo
mitteilſam wären wie can. 36 von Elvira! Als Motive des Bilder
verbots werden aber nicht beſondere Umſtände und Zeitverhältniſſe an
gegeben, ſondern die grundſätzliche Erwägung, daß Gegenſtände religiöſer
Verehrung nicht an die Wand gemalt gehörten. Dieſe Erwägung kann
ja wohl durch beſondere Verhältniſſe und Seitumſtände beeinflußt ſein,

zu
auf, die Synode grundſätzlich
ſie

aber damit hört nicht für ſein.


Allerdings verbietet die Synode nur Gemälde, aber nicht im Sinne einer
zu
es

Einſchränkung, bekämpfen
ſie

ſondern weil für eben nur Gemälde


Spanien ge
an

gab, weil die Plaſtik ſich religiöſe


in

noch nicht Stoffe


macht hatte. Knöpfler verweiſt freilich darauf, daß „Skulpturen, die
für die chriſtliche Anſchauung gerade erſcheinen mußten
ſo

doch bedenklich

wie Gemälde, frühzeitig


in

ſich tatſächlich ſchon chriſtlichen Kreiſen


an

fanden“, und erinnert namentlich die zahlreichen Darſtellungen des


Es

guten Hirten. und ein Widerſpruch mit


iſt

aber methodiſch verfehlt


dem Grundſatz, daß man nicht verallgemeinern dürfe, wenn man einen
ſpaniſchen Kanon nach römiſchen oder ſiziliſchen Bildern und Skulpturen
deuten will. Wer religiöſe Gemälde aus dem Grunde verbietet, aus
der Kanon von Elvira tut, würde auch plaſtiſche
es

dem ſelbſtverſtändlich
religiöſe Darſtellungen verbieten, die Lage wäre,
in
er

wenn verſetzt
Wir
zu

darüber urteilen. dürfen alſo nach allen Regeln der Methode


gerade aus Kanon ſchließen, Spanien
in
es

unſerm daß damals noch

keine religiöſe Plaſtik gab, ebenſo wie wir aus ihm erſehen, daß die
religiöſe Malerei dort bereits Einzug begonnen
in

ihren die Kirche


einfaches argumentum silentio,
da

Jener
er
iſt

hatte. Schluß kein


e

ſich nicht allein auf das Schweigen, ſondern vor allem auf die beige
fügte Verbotsbegründung Das Auftreten Malerei der
in

ſtützt. der
ſpaniſchen Kirche vor der Plaſtik aber kann bei dem allgemeinen zeit
Primat der Malerei der religiöſen
in

lichen und ſachlichen Kunſt nicht


5*
36 Can. 36 von Elvira.

überraſchen (vgl. V. Schultze, Malerei in RE*12, 110). Sind doch

in der griechiſchen und ruſſiſchen bis auf denKirche plaſtiſche Werke


heutigen Tag verpönt trotz der ſonſtigen weitgehenden Bilderverehrung!).

die
Aber auch Beſtimmung „in ecclesia“ enthält keine Beſchrän
kung des Bilderverbots, obwohl man ſich hierfür vielleicht auf die

ja
beiden vorausgehenden Kanones berufen könnte, wo vom „coeme
terium“ wird, Frauensperſonen

iſt
die Rede und verboten daß dort
übernachteten oder bei Tag Lichter angezündet würden. Das kam
eben aus begreiflichen nur vor, während um

in
Gründen Cömeterien
die

Was bedeutet

zu
gekehrt Bilder „in ecclesia“ bekämpfen waren.

dieſes „in ecclesia“? Läge der Ton darauf oder mehr oder weniger

er
eine Einſchränkung darin, würde man eigentlich „in ecclesiis“
es ſo

warten?). Freilich heißt den beiden vorausgehenden Ver


in
auch
ordnungen „in coemeterio“, wo ebenſo gut „in coemeteriis“
es
Iſt Spiel des Sufalls oder hat
es

heißen könnte. aber ein neckiſches

35
es

Bedeutung, can. 34 und

in
tiefere daß die alten Überſchriften

36
wirklich „in coemeteriis“ ſagen, can. aber „in ecclesia“
in

belaſſen?

81
elf

Das Wort „ecclesia“ kommt von den Konzilskanones,


in

Singular, vor.
im

und zwar immer Bald


iſt

vom Ausſchluß aus der


62: proi
(c.

ab

Kirche die Rede 20: ecclesia esse proiciendum,


c.
ab

ab

ciantur ecclesia, 41: alieni ecclesia habeantur), bald


c.

von ſolchen, die längere Zeit nicht zur Kirche gehen (ad ecclesiam

non accesserit, 21. 45. 46), dann wieder Fall, daß


c.

von dem keine

ecclesia proximo non fuerit), oder


(c.

38:
in

si
iſt

Kirche der Nähe


eines Pasquills qui inventi
(c.

hi

Niederlegen 52:
in

vom der Kirche


fuerint libellos ponere anathematizentur),
in

famosos ecclesia
wird verboten, daß ein Energunene diene (c. 29:
in
es

oder der Kirche


ut

ecclesia ministret),
in

sua manu oder beſtimmt, daß ein Duumvir


(c.
ab

während ſeines Amtsjahres „se ecclesia cohibeat“ 56). Wie


im

man ſieht, bezeichnet ecclesia Munde der Konzilsbiſchöfe bald die


der Gläubigen, bald das Gotteshaus,
es

Gemeinſchaft bald ſchillert


zwiſchen beiden Bedeutungen. Und gerade dies letztere ſcheint mir
Vgl. Holl,
Die religiöſen Grundlagen der ruſſiſchen Kultur (Sonder
K.
)

im

abdruck aus „Rußlands Kultur und Volkswirtſchaft“, Aufſätze und Vorträge


Auftrage der Vereinigung ſtaatswiſſ. Fortbildg. Berlin, herausg. von Max
zu
f.

Sering)
S.

10.
Wirklich ſchreibt Karl Schwarzloſe (Der Bilderſtreit, ein Kampf der
*)

griech. Kirche um ihre Eigenart und Freiheit. Gotha 1890.), nachdem


S.
er

des Kanons richtig angegeben hat,


S.

den Wortlaut unwillkürlich „in ecclesiis“.


6
Can. 36 von Elvira. 37

auch in unſerm can. 36 der Fall zu ſein: man kann – ebenſo wie
bei dem „in ecclesia Christi“ in der bekannten Polemik des Epi
phanius gegen Bilder, bei Hieron. Ep. 51, 9 ebenſo an das Gottes –
haus denken wie an die katholiſche Kirche überhaupt.
Bei einem Zeitgenoſſen des Konzils von Elvira, Laktantius, heißt
es Div. Inst. IV, 13, 26 (ed. Brandt CSEL 19, 324, 6): Ecclesia,
quae est verum templum Dei, quod non in parietibus est,
sed in corde ac fide hominum, qui credunt in eum ac vocantur
fideles, und De mort. 15, 7 (edd. Brandt u. Laubmann im CSEL
27, 189, 6): Conventicula, id est parietes, qui restitui pote
runt, dirui passus est, verum autem Dei templum, quod est
in hominibus, incolume servavit. Hier ſind ecclesia (als verum
Dei templum) und parietes (der conventicula) geradezu Gegen

ſätze. Nun haben allerdings die Stiliſten von Elvira mit dem „chriſt
lichen Cicero“ wenig gemein. Aber eine Geringſchätzung der „parietes“
bei beiden doch unverkennbar, Fingerzeig für das Motiv
iſt

ein weiterer
des Bilderverbots: für das Konzil ſind „quod colitur adoratur“

et
und „parietes“ unvereinbare Gegenſätze, den Gegenſtand An

der
an

betung will die Wand gemalt Damit


es

nie und nimmer ſehen.


ſind religiöſe prinzipiell ebenſo
in

Gemälde Cömeterien und Katakomben


ausgeſchloſſen wie gottesdienſtlichen Lokalen über der Erde!).
in

Das Konzil von Elvira bekämpft weder eine vorhandene Bilder


verehrung, eine zukünftige

es

noch befürchtet man laſſe doch dem


Kanon ſeinen Wortlaut und deute ihn nicht nach einer Faſſung, die
nun einmal nicht daſteht, die man nur ſelber „erwartet“ –, ſondern
die Anbringung von Be
es

der Kirche,
in

verbietet Gemälden mit der

So Funk, KAll.
V.

Schultze (Die Katakomben 1882, 89)


I,

352. Auch
!)

gibt dies als Konſequenz des Kanons, wenigſtens bezüglich der Bilder Chriſti,
zu. Ob aber der Kanon als „Reaktion gegen ein mächtiges Eindringen der
zu

bis dahin gebannten Kunſt Baſiliken“


in

in

die Cömeterien die verſtehen


(vgl. auch Holl ange
34
A.
K.

ſei,
S.

wie Schultze weiter meint


in

der oben
2
iſt

führten Stelle), doch recht zweifelhaft. Auch hier darf man nicht von der
da

wir
es

römiſchen Katakombenkunſt aus erklären, mit einem ſpaniſchen Kanon


Spanien nichts bekannt geworden iſt.
zu

tun haben von Katakomben


in

und
Unſer Kanon dürfte eher zeigen, daß man Spanien
in

in

vielleicht kirchlichen
Dingen doch nicht war wie politiſchen, römiſch, wie
in
ſo

ſo

„römiſch“ nicht
II,

II,
[3.

Harnack (Miſſion? 257 Aufl. 317) aufgrund der „Appellation“ zweier


Spanien unmöglich gewordener Biſchöfe nach Rom annimmt. Auch die „ſehr
in

ſchönen Sarkophage von Saragoſſa“ (Hefele, Conziliengeſchichte?


I,

170) können
nicht beweiſen, was das Konzil von Elvira einſtmals gewollt oder nicht ge
wollt habe.
38 Can. 36 von Elvira.

gründung, daß der Gegenſtand der Verehrung und Anbetung nicht an


die Wand gemalt gehöre. Ja Objekt der Verehrung und Anbetung

und ein Bild an der Wand ſind ihm ſo wenig zuſammengehörige Dinge, ſo

unvereinbare Gegenſätze, daß die Möglichkeit, es könnte auch noch das


Bild an der Wand
verehrt ſelber nicht in ſeinen Ge
werden, gar

dankenbereich kommt. Was gehört aber zum Kreis deſſen, „quod co

II,
liter et adoratur“? Gams (Kirchengeſch. v. Spanien

S.
96)

1
die
bezieht colere auf Gott, adorare auf Heiligen, Hefele (CG?

I,
170) dagegen umgekehrt colere auf Gemälde der Heiligen, adorare
auf Darſtellungen Chriſti. Funk (KAll. 350) glaubt, ohne

I,
Auch
im

Kanon die Anbrin

zu
die Wendungen einzelnen deuten, daß unſer

V.
gung von Heiligenbildern vorausſetze. Umgekehrt denkt Schultze
an

Darſtellungen und göttlicher


S.

33) nur
(ſ.

oben Gottes Perſonen.


M. ſind die Wendungen
E.

colere und adorare bei den Konzilsherrn

im
von Elvira nicht als techniſche Ausdrücke, ſondern weiteſten und
ſie

was zum Inhalt


zu

allgemeinſten Sinne nehmen: umfaſſen alles,


gehört und zur chriſtlichen Religion Be

in
des chriſtlichen Glaubens
ziehung ſteht, was dem Chriſten heilig und teuer iſt. Verboten werden
alſo Bilder Gottes, Jeſu Chriſti, der Engel, der Heiligen (Apoſtel,
Märtyrer), aber auch Darſtellungen bibliſcher Szenen, kurz religiöſe
Gemälde ſchlechtweg. Dafür ſpricht auch die Wahl des allgemeinen
Wortes „pictura“.
Dieſes ſtrikte kirchenrechtliche Verbot, erlaſſen von den Vertretern
eines ganzen Landes, zeigt einerſeits, Spanien
in

der Kirche daß wie


anderwärts die Neigung der Gläubigen nach einer andern Richtung
drängte, als die ſtrenge Auffaſſung der Theologen und Kirchenmänner,
und daß auch dort die kirchliche Praxis bereits jener Meigung Rech
nung getragen hatte, legt aber anderſeits den Schluß nahe, daß dort
mehr als anderwärts Gründe vorgelegen haben müſſen, die alte bilder
zu

feindliche Anſchauung erneuern und kirchenrechtlich feſtzulegen. Dieſe


zu

der Umwelt der ſpaniſchen ſein,


in

Gründe werden Kirche ſuchen


die

34

„Cereos per diem placuit


da

Verbotsbegründung can.
in

coemeterio non incendi, inquietandi enim sanctorum spiritus


in

non Sunt“ nicht gerade auf eine vorgeſchrittene theologiſche Auf


klärung der Konzilsgeiſtlichkeit ſchließen läßt.


Damit ſind wir bei den „beſonderen Umſtänden“ angelangt, von
geheimnisvoll die Rede geht. Wenn wir den Schleier
ſo

denen immer
zu

verſuchen, nur ein Verſuch ſein, der


es

etwas lüften ſoll wirklich


ſo

zudem vielleicht auf einem ſchon von Andern begangenem Wege liegt.
Can. 36 von Elvira. 39

Die Begründung „ne quod colitur et adoratur in parietibus de

die
pingatur“ weiſt nicht in Richtung des Heidentums


ſonſt müßte
„ne quod parietibus depingitur colatur

et
in
es

wirklich heißen

–,

die
adoretur“ ſondern eher Richtung Judentums, auf das

in
des

altteſtamentliche Bilderverbot. Nun zeigen verſchiedene Kanones von


Elvira das Beſtreben, die Beziehungen zwiſchen Chriſten und Juden

16
im

zu
Sinne einer ſtrengeren Abſchließung regeln. Can. verbietet

49
Miſchehen chriſtlicher Mädchen mit Juden. Can. unterſagt den

50
ver

zu
Beſitzern, ihre Feldfrüchte von Juden ſegnen laſſen. Can.

78
bietet die Tiſchgemeinſchaft mit Juden. Can. ſpricht vom Ehebruch

eines Chriſten Jüdin.


mit Auch can. 26 gehört hierher,
einer der
„korrigiert“,

an
einen „Irrtum“ dahin daß man jedem Samstag ſtreng

zu
faſten ſolle. Aus dieſen Verordnungen iſt
erſehen, daß die Grenzen

nach dem Judentum hin ebenſo überſchritten worden waren, wie dies
andere Beſtimmungen bezüglich des Heidentums erkennen laſſen. (Vgl.“

II,
Harnack, Die Miſſion und Ausbreitung des Chriſtentums? 260

f.
Ja
II.
[3.

Aufl. 321 f.). die jüdiſche Gefahr muß


in
mancher Hinſicht
faſt noch größer geweſen ſein als die heidniſche. Wenigſtens wird dem
Verbot einer Miſchehe mit Juden oder Häretikern eine Strafandrohung
ſie

beigefügt (can. 16), während bei der heidniſchen Miſchehe (can. 15)
Ab
Es

fehlt. verſteht ſich auch unſchwer, daß für eine Katholikin der
fall zum Judentum oder zur Häreſie unter Umſtänden näher liegen

dort die Berührungs


da

konnte als der Abfall zum Heidentum, eben


es,

Darum galt
zu
punkte zahlreicher waren. hier ſcharfe Grenzlinien
ziehen. Anderſeits durfte eine Kirche, der die Synagoge ſtark Kon
ſo
an

kurrenz machte, ſich von dieſer Reinheit der Gottesvorſtellung und


So

Unbildlichkeit des Kultus nicht beſchämen laſſen!). wurde der


in
da

Übrigens war auch bei den helleniſtiſchen Juden und dort bildlicher
!)

Grabſtätten, ſondern Synagogen,


an

Schmuck eingedrungen, nicht bloß


in

auch
nicht bloß Motive und Bilder aus der Pflanzenwelt und von lebloſen Gegenſtänden,
ſondern Darſtellungen lebender Weſen, von Tieren und Menſchen (vgl.
auch
Leclercq, Manuel d'archéologie chrétienne 1907, 495ff. Gerh. Loeſchcke,
I,

Achelis, 5tſchr.
im

Jüdiſches und Heidniſches chriſtlichen Kult, 1910, 32f.


H.

neuteſt. Wiſſ., 1913, 324, und Kohl und Watzinger, Antike Syna
K.
H.
f.

gogen Galiläa, 1916, 184 ff.). Aber auch hier beſann man ſich wieder auf
in

„Der figürliche Schmuck ganz ſyſtema


iſt

das „esse non debere“. einmal


in

an
zu

tiſcher Weiſe gründlich beſeitigt worden einer Zeit, als


er

ſich noch ſeinem


urſprünglichen Platze befand, die Synagogen alſo noch nicht Ruinen ge
zu

worden waren.“ Der Schmuck ſtammte vermutlich vom Bauherrn oder Stifter,
und die Entfernung geſchah dann wohl durch die Juden, denen zum Anſtoß
er

gereichte (Kohl Watzinger


S.

202f.).
u.
40 Can. 36 von Elvira.

ſpaniſchen Kirche die Erinnerung an das altteſtamentliche Bilderverbot


wachgehalten ſowohl von außen, von der Synagoge her, wie auch von
ihren eigenen Mitgliedern, die früher in großer Sahl der Synagoge
angehört hatten. Die ſpaniſche Judenfrage und Judenchriſtenfrage

iſt
Ihr
ſie

zu
ſehr alt, tritt Elvira erſtmals die Erſcheinung. mag auch

in
das Bilderverbot des can. 36 und ſeine Begründung entſprungen ſein.
Die Synode von Elvira befaßt ſich nur mit der kirchlichen reli
giöſen aus religiöſen Die Konſequenz

ſie
Kunſt und weiſt Gründen ab.
ihrer Anſchauung verbietet aber die Darſtellung religiöſer Stoffe nicht
bloß den Kirchen, Privathäuſern. Hier hat Knöpfler

in
ſondern
in

auch
ganz recht: doppelte religiöſe Überzeugung geben,
es

kann keine eine


offizielle für den Gottesdienſt und eine andere für das Privatleben.
Nur weiſt dieſer Gedanke Richtung empfiehlt
in

eine andere und eine


andere Schlußfolgerung als bei Knöpfler. Über profane Kunſt läßt
ſie

ſich die Synode nicht aus, hat dazu keine Veranlaſſung. Nach
can. 62 müſſen Wettfahrer und Pantomimen beim Eintritt ins Chri
ſtentum ihrer Kunſt entſagen und werden beim Rückfall ausgeſchloſſen.

Über Maler und Bildhauer fehlt eine Beſtimmung. Von Tertullian


wir geſehen, daß als Erſatz für idololatriſche
er

haben dieſen Künſtlern


Kunſt nicht etwa die Behandlung chriſtlich-religiöſer Stoffe empfiehlt.

Der Standpunkt der Synode von Elvira ſchließt dieſe Stoffe geradezu

ſie
aus. Wovon ein ſolcher Künſtler dann leben ſoll, ſteht für ebenſo
wenig auf der Tagesordnung als bei den Wettfahrern und Panto
mimen. Gegen eine profane Kunſtbetätigung innerhalb der durch den
chriſtlichen Glauben und das chriſtliche Sittengebot gezogenen Schranken
Linien-,
ſie

mag vielleicht nichts einzuwenden gehabt haben. Auch


Blätter- und Rankenornamente wird die Synode ebenſo wenig unter
„picturae“
ſie

die den Kirchen verbotenen gezählt haben, als wir


in

zu

etwa „Bilder“ oder „Gemälde“ nennen pflegen. Sie werden auch


im

durch die Nebenſatz angegebene Begründung nicht getroffen. Von


einer ars sacra aber will die Synode nichts wiſſen.
Elvira Bilderverbot erging, be
zu

Als Spanien
in

ein feierliches
reitete ſich ſchon ein kirchenpolitiſcher Umſchwung vor!), der auch auf

Was die Seit der Synode von Elvira betrifft,


hat ihre Datierung
ſo
!)

Verfolgung, (Mélanges
ſie

vor der diokletianiſchen wie Duchesne um 300,


Rénier 1887, 159–174) vorſchlug, großen Anklang gefunden. Hennecke (in
der prot. RE*5, 325–327), der übrigens die Möglichkeit dieſer Datierung
zugibt, M.
iſt
E.

hält die Seit um 313 für wahrſcheinlicher. die Seit von


zu

306–312 dafür (vgl. meinen Aufſatz


in

offen laſſen der 3tſchr. neuteſt.


f.
Euſebius von Cäſarea. 41

innerkirchliche Verhältniſſe und Anſchauungen entſcheidend einwirkte und


darin manchen Wechſel hervorrief oder Strömungen, die ſchon in den
langen Friedenszeiten des dritten Jahrhunderts ſich bemerkbar gemacht
hatten, zum Durchbruch verhalf. So nahm auch die Bilderfrage eine
Wendung, die man ſich in Elvira nicht hätte träumen laſſen. Die
Bilder erlangten nicht nur das Bürgerrecht in der Kirche, ſondern
wurden ſogar Gegenſtand kultiſcher Verehrung. Aber auch in der
Folgezeit fehlte es nicht an Stimmen gegen den Gebrauch oder gegen
die Verehrung von Bildern.

§ 12. Euſebius von Cäſarea.


Su den ausgeſprochenen Bildergegnern der konſtantiniſchen Seit
gehört vor allem Euſebius von Cäſarea. In ſeiner Kirchengeſchichte
VII, 18 beſchreibt er eine Erzgruppe, die er ſelber in Paneas geſehen
hatte: eine auf den Knieen liegende Frau mit flehend erhobenen
Händen und ihr gegenüber ein aufrecht ſtehender, mit einem langen
Mantel bekleideter, der Frau die Hand entgegenſtreckender Mann,
zu deſſen Füßen eine fremdartige heilkräftige Pflanze emporſproßt, die
bis zum Saum des Mantels reicht. Man erklärte die Darſtellung als
die blutflüſſige Frau vor dem Heiland, deſſen Süge das männliche
Bildnis tragen ſollte. Sein Urteil aber lautet dahin: kai daupaoröv
oööèv Toüs TräAa1 é éðvöv eöepyernôévras Trpös Toü otorñpos fpöv

Taüra Tretromkéval, öre kai röv ätrooróAtov aÖToü räs ei«óvas TlaÖAov
kai Tlérpov kai aöroö ö roü XploToü ölä Xptopóttov év Ypachais otoLo
uévas ioTopñoapev, ös eikós, röv TraAalöv äTrapahuAákros ola otorfpas
édvikſ ouvnôeiq Trap' éaurois Toürov Tipäv eitodórov röv rpótrov.

Euſebius ſpricht alſo nicht etwa von Bilderkult im ſpezifiſchen Sinne,

ſondern nur vom Aufſtellen und Vorzeigen von Bildern, wodurch man
die betreffenden Perſonen habe ehren wollen, wie er auch in der Auf
bewahrung und Vorzeigung des Biſchofsſtuhles des Herrnbruders Ja
kobus zu Jeruſalem ein Zeichen dafür erblickt: olov Trepi Toüs äyious
er eis

ävöpas Toü Deoh Moüs ore TräAa kai oi fuäs kai


re

évekev ëotoLóv
(VIII,
ſich

ätrooöſovo oéßas 19). Trotzdem kann jene Erzgruppe

oder die Bilder von Petrus und Paulus oder vom Herrn ſelbſt nur
aus dem früheren Heidentum ihrer Urheber erklären: ehemalige Heiden

ff). Der Bilderkanon fügt ſich ſehr gut


61

Wiſſ. 1916, dieſe Seit: ſeit Mai


in
zu

305 war die Verfolgung


im

an

Weſten Ende und man konnte den Wieder


aufbau der infolge des erſten diokletianiſchen Ediktes zerſtörten Kirchen denken
und dabei die Bilderfrage regeln.
42 Euſebius von Cäſarea.

müſſen es geweſen ſein, die vom Herrn oder ſeinen Apoſteln Wohltaten
erfahren hatten und nun auf ihre Weiſe ihrem Dank und ihrer Ver
ehrung gegen ihre otorñpes Ausdruck geben So ſehr ihm

iſt
wollten.
ſchon das private Anfertigen und Aufſtellen ſolcher Bilder heidniſche
Gepflogenheit, geſchweige denn, ange

ſie

in
er
daß ſich den Kirchen
bracht oder gar verehrt denken könnte!).
Als darum die Kaiſerin Konſtantia, Konſtantins Schweſter, von

er,
ihm ein Bild Chriſti wollte, erklärte ihrem Verlangen nicht ent

ſie
zu

ſprechen können. Welches Bild eigentlich wünſche, das wahre


unveränderliche, das ſeine Weſenszüge trage, oder das, das

er
und um
unſertwillen angenommen habe, als Knechtsgeſtalt

er in
er
ſich hüllte?

da
Jenes kommen, ein für allemal
in

könne nicht Betracht ſelber


uns darüber belehrt habe (Mt. 11, 27), daß den Vater niemand kenne

als der Sohn und den Sohn niemand würdig erkenne als der Vater,
der ihn gezeugt habe. Sie werde daher ein Bild ſeiner Knechtsgeſtalt
meinen, Körpers, mit dem um unſertwillen bekleidete.
er

des ſich Aber


dieſes ſei, wie wir belehrt worden ſeien, den Glanz der Gott

in
auch

heit getaucht, und das Sterbliche aufgeſaugt vom Leben, ſodaß die

Strahlen ſeiner Glorie nicht mit lebloſen Farben und Strichen darge
auf dem Berge die Jünger ihn
ja

ſtellt werden könnten, wie auch nicht

hätten anblicken können, ſondern auf ihr Antlitz niedergefallen ſeien


6).

(Mt. 17, Wenn nun ſeine Fleiſchesgeſtalt damals, von der ein
wohnenden Gottheit verwandelt, ſolche Kraft gewonnen habe, was
ſagen, ſeinem Sieg
er

könne man dann erſt von ihm nachdem nach

über den Tod und ſeiner Himmelfahrt alles Sterbliche und Vergäng
abgeſtreift und die Knechtsgeſtalt die Herrlichkeit Gottes um
in

liche
geſchaffen Wie könne einer von einer un
ſo

habe! wunderbaren und


begreiflichen eine göttliche und geiſtige Weſenheit

Geſtalt wenn man


Es

überhaupt eine „Geſtalt“ nennen könne ein Bild malen!


noch
da

ginge nur wie den Heiden, die,


ſie

einem wenn einen Gott oder


Heros oder etwas Derartiges abbilden wollten, weder eine Ähnlichkeit
noch eine annähernde Ähnlichkeit fertig brächten, ſondern nur menſchliche
zu

unwahr
iſt

Daß das Erzbild Paneas Jeſum dargeſtellt habe, ſehr


!)

Es

(vgl. Hauck, Die Entſtehung des Chriſtustypus 8ff).


A.

ſcheinlich 1880,
iſt

wohl ſchon frühe von der chriſtlichen Bevölkerung Paneas umgedeutet


in

worden und war vielleicht eine Asklepiusſtatue. Vgl. Harnack, Mediziniſches


1892, 106, auch
I,
in

aus der älteſten Kirchengeſchichte Miſſion? 1906 103


Leclercq,
(3.

Manuel d'archéologie chrétienne


I,

Aufl. 1915, 1907,


I,

131).
248
ff.
Euſebius von Cäſarea. 43

Geſtalten. Den Chriſten gezieme ſolches nicht. Sollte Konſtantia aber


von der noch nicht in die Gottheit verwandelten irdiſchen und ſterblichen

ſie

an
Geſtalt Jeſu ein Bild ſo ſolle wollen,
ſich das Verbot Gottes
erinnern (II. Moſ. 20, 4), daß man kein Bild machen dürfe weder von
ob im

dem, was Himmel oben, noch von dem, was auf der Erde unten
Oder ſie jemals der Kirche etwas Derartiges ſelber

in
ſei.
oder von einem Andern gehört habe? Ob nicht vielmehr auf
der ganzen Welt Derartiges von den Kirchen ferngehalten
und ausgeſchloſſen werde und allgemein bekannt ſei, daß den
Chriſten allein ſolches unterſagt ſei?!)

Er
habe daher einer
Frau, bei der angebliche Bilder Pauli und des Erlöſers
er


vermutlich
Philoſophen geweſen vorgefunden habe, dieſe wegge

es

ſeien zwei
Ärgernis

es
nommen, damit nicht entſtünde; nicht für paſſend,
im es er
halte
ſie

ob
wir
zu

überhaupt Andern zeigen, damit nicht ſcheine, als

Er
nach Art der Götzendiener unſern Gott Bilde herumtrügen.
höre auf Paulus,

zu
der uns belehre, nicht mehr am Fleiſchlichen hängen
2,

dem Magier
(I.

Kor. Von gehe Sage,

er
9). Simon die daß bei
gottloſen Ketzern, Materie gemalt,
er in

den ſeelenloſer verehrt werde


(trpookvveioða). Und ſelbſt habe röv rñs pavias étrövvpov (Mani)
im

bei den Manichäern Bilde bewacht (öopvhopoöpevov) geſehen. Den


ſei

Chriſten Derartiges verboten. Dieſe bekännten ihren Herrn und


darauf vor, ihn als Gott
zu

Erlöſer und bereiteten ſich ſehen, indem


ſie

zu

voll Eifer ihre Herzen reinigten, um ihn reinen Auges ſehen


(Mt.
5,

8). Wenn man aber zum Überfluß vor dem künftigen Schauen
zu

Angeſicht Angeſicht Bilder des Erlöſers begehre, gebe


es
ſo

von
keinen beſſeren Maler als das Wort Gottes ſelber?).

Trotzdem behauptet Kraus (Die Kunſt bei den alten Chriſten 1868,9),
!)

Euſebius bezeuge den Gebrauch von Bildern der Kirche, was genüge!
in

Vollſtändig liegt der Brief, wie ſcheint, nirgends vor. Auszüge


es
?)

wurden auf dem Nicaenum (787) verleſen (Harduin, Coll. conc. IV, 406;
II

Manſi, Concil. coll. XIII, 314); dieſe wurden von Joh. Boivin aus cod. Reg.
II, ſo,

Gre
zu

1980 fol. 191 sqq. teilweiſe ergänzt und einer Mote Mikephoros
in

goras Hist. Byz. XIX, (Paris 1702,


3,

795), veröffentlicht, abgedruckt von


4

Corp. script. hist. Byz. pars XIX, vol.


II,

Ludwig Schopen 1300–1303,


im

p.

von Pitra als cap. IX der Antirrhetica contra Eusebium des Mikephoros Pa
(Paris 1852) 383–386, und von Migne
im

triarches, Spicileg. Solesm.


in
I

der Ausgabe des Euſebius PG 20, 1545–49, jetzt auch bei Kirch, Enchi
C.

ridion font. hist. eccl. antiq.? 1914, (Nr. 471). Der am bequemſten
ff.

276
zu

zugängliche Abdruck bei Migne ſcheint mehr oder weniger unbekannt ſein.
Kirch Bardenhewer Literatur, III, 262) erwähnen
u.

(Geſch. der altkirchlichen


ihn Knöpfler berückſichtigt wie Kraus chr. Kunſt
I,
d.

nicht. (Geſch. 62)


44 Euſebius von Cäſarea.

Die Sprache des Euſebius lautet ſo beſtimmt und entſchieden, daß


Knöpfler zugeſteht, daß

ſie
auch „eine den Bildern abträgliche Geſin
nung bekundet“, als Gegner der Bilderverehrung

er
daß „ſich ſelbſt
In ſich aber gar nicht um Bilderver

es
dartut.“ Wirklichkeit handelt
ehrung, ſondern nur um Bildergebrauch und ſelbſt dieſer wird als
Verſtoß gegen Gottes Verbot, als Abfall von der Höhe wahrer Er
kenntnis und Rückfall ins Heidentum abgewieſen. Wenn aber Knöpfler
die Stimme eines Euſebius durch die Behauptung abzuſchwächen ſucht,
(+ 340),

da
daß „derſelbe aus einer Zeit ſchreibt die Bilderverehrung
allgemein war“,
in

ſo
chriſtlichen Kreiſen anerkanntermaßen herrſchend
wird wenig Erfolg
er

damit kirchengeſchichtlich unterrichteten Kreiſen


in

haben. Wir ſind auf unſerer patriſtiſchen Wanderung bis ins vierte
Jahrhundert gekommen, ohne auch nur eine Spur von Bilderverehrung
zu

innerhalb der Kirche entdecken. Wohl aber haben wir einen ganzen
Chor von Stimmen vernommen, die das altteſtamentliche Bilderverbot
zu

als Recht beſtehend, jede Darſtellung des Göttlichen als unziemlich


und unmöglich bezeichnen und darum die Herſtellung und Anbringung
religiöſer Bilder entſchieden verwerfen. Wir werden noch den gewiß
gut katholiſchen Biſchof Epiphanius als abſoluten Gegner Bilder der
kennen lernen, von Auguſtin ein abfälliges Urteil über Bilderverehrung
hören und noch von Papſt Gregor erfahren, daß Bilder zwar als
er
I.

Mittel anſchaulicher Belehrung, aber nicht als Gegenſtand der Ver


ehrung gelten läßt. Es darum verfehlt,
in
iſt

den Euſebius dieſer


Frage als Einſpänner hinſtellen wollen, und eine Willkür, mit ihm
zu

den patriſtiſchen Streifzug abzubrechen, wie wenn außer und nach ihm
ja

Er ſelber über
iſt

der Bilderfrage einig geweſen wäre.


in

Alles
zeugt, nur die Überlieferung und Anſchauung der ganzen
Kirche wiederzugeben. Nun mag die Verbreitung
er

ſich über dieſer


zu

Anſchauung bis einem gewiſſen Grade getäuſcht haben. Aber wenn


ein Euſebius, die Literatur der erſten Jahrhunderte ganz
in

der noch

anderem Umfang vor ſich hatte als wir, der für ſeine Seit nur die
Augen aufzumachen brauchte, um den wirklichen Sachverhalt feſtzuſtellen,
war,
an

der eine Perſönlichkeit ſchreibt, die ebenfalls imſtande die


Richtigkeit des Geſagten nachzuprüfen, wenn ein Euſebius die religiöſe
Bildloſigkeit als Prinzip der ganzen Kirche Vergangenheit und Gegen
in

überhaupt nur die Auszüge von Micäa. Funk verweiſt auf Harduin und Pitra
und ſchreibt: „Wir erhalten einen Auszug von dem Brief des Euſebius Kon
an
9“

ſtantia durch Mikephorus, Antirrh. während dieſes lediglich von



c.

c.
9

Pitra (nach Boivin) geſchaffen wurde.


Euſebius. Kreuz und Cabarum. 45

wart bezeichnet und mit dieſem Urteil nicht wenigſtens für einen „an

iſt,
ſehnlichen Teil“ der Kirche Seuge für eine Strömung, die den

in
zu
erſten Jahrhunderten entſchieden vorgeherrſcht hatte und auch ſeiner
wir

zu
Seit weit davon entfernt war verſchwinden


noch dann müſſen
überhaupt darauf verzichten,

in
dem Vater der Kirchengeſchichte noch

zu
irgend einem Punkte Glauben ſchenken. Unſere eigene Unterſuchung
gibt aber alten Kirchenhiſtoriker dieſer Frage durchaus Recht.

in
dem

zu
Seine Darlegungen ſind wie ein Seitenſtück den Ausführungen der
alten Apologeten, wie ein orientaliſches Echo des Bilderverbots von
Elvira. Auch darin, zwar Bilder als angeblich von altersher
er

daß
ſie

überliefert kennt, aber deutlich als Ausnahmen hinſtellt und aus

(oi
heidniſcher Superſtition und ataviſtiſchen Neigungen TräAa éövöv,

é
éöviki ouvñôeia) erklärt und zudem auf gnoſtiſche und manichäiſche
Kreiſe hindeutet, hat vor
er

ein Stück Geſchichte aufbewahrt. Schon


berichtet,

ſie
ihm hat Irenäus von den Simonianern daß ein Bild
Simons Jupiters ein Bild Ge

in
der Geſtalt und der Helena der
in

ſtalt der Minerva hätten und ihnen Verehrung bezeigten (Adv. haer.
23, 4), und
I,

hat verraten, waren, die Chriſtus


er

es

daß Gnoſtiker
und deren Kult aufbrachten
ſo

bilder und auch nach dieſer Seite zuerſt


gentes faciunt“, Adv.
ut

das Chriſtentum helleniſierten („similiter


26
(c.
haer. 25, 6). (gnoſtiſchen)
I,

Auch den Johannesakten ff.)


in

läßt Lykomedes für ſich ein Bild des verehrten Apoſtels malen, um es
Apo
zu

mit Blumen, Lichtern und Spenden ehren (Meuteſtamentliche


435f.),
E.

kryphen herausg. 1904, Zug


v.

iſt

Hennecke und dieſer


„gewiß aus dem Leben gegriffen“!). Die Kirche ſelbſt hat nur zögernd
ſie

den Bildern ihre Tore geöffnet, ihren Altar und ihre Wände für
ſie

bereitgeſtellt und zögernder war der Anerkennung eines


in

noch

der Bildergebrauch zur Seit des Euſebius


ſo

Bilderkults. Wenn ſchon


allgemein war, wie behauptet wird, warum wendet ſich dann Kon
Warum gibt
an

ſtantia gerade Euſebius wegen eines Bildes Chriſti?


den Auftrag?
ſie

nicht einfach einem Künſtler


Nun erzählt aber derſelbe Euſebius ſeiner Vita Constantini,
in

die Kreuzeserſcheinung Traum Konſtantins, die


er

nachdem und den


Anfertigung des Cabarums und den Sieg über Maxentius geſchildert,
wie der Kaiſer mit lauter Stimme und durch Bildſäulen allen Menſchen

Dobſchütz, Chriſtentum,
E.

„Das
in
u.

Griechentum dem Bändchen


v.
!)

Chriſtentum“ (Wiſſenſchaft und Bildung Nr. 50) Leipzig 1908, 64. Vgl. auch
Achelis, Das Chriſtentum
P. H.

drei Jahrhunderten 1912,


in

I,

den erſten 255.


Wendland, Die helleniſtiſch-römiſche Kultur? 1912, 340.
46 Euſebius. Kreuz und Cabarum.

das otorñpov oraupóv verkündete, indem er ſeinem Bilde das Kreuz


beizufügen befahl und an einem der belebteſten Plätze Roms ein Stand
bild von ſich aufſtellen ließ mit einem langen Speer in Kreuzesform in
der Hand und der Inſchrift, daß er durch dieſes heilbringende Seichen

9, 40
ed. Heckel, GCS,

(I,
die Stadt vom Tyrannenjoch befreit habe
Euſeb. 26, 15ff.
I,
Vgl. ſchon Hist. eccl. IX, 10f.). Auf einem
Gemälde über dem Eingang des Kaiſerpalaſtes aber war Konſtantin
dargeſtellt mit dem Kreuz über ſeinem Haupte, einen Drachen durch
den Abgrund des Meeres ſtoßend, be
in
bohrend und und Euſebius
die PeyaAóvoa Kaiſers und glaubt,

er
wundert darob des daß das
Gemälde épTrveüoel Deig anfertigen ließ (VC III, Heckel 78, 7ff.).

3
Ferner erzählt der Biograph, daß Konſtantin die neue Kaiſerſtadt am
Boſporus von allen Spuren des Götzendienſtes geſäubert habe; dafür
den Springbrunnen auf dem Marktplatz
an

habe man die den Kennern


der heiligen Schrift wohlbekannten oöpßoAa des guten Hirten und
Daniel unter den Löwen, Erz gebildet und vergoldet, ſehen können.
in

Ja habe die göttliche der Seele des Kaiſers Beſitz


ſo

ſehr Liebe von


im

an
ergriffen, Palaſtes der vergoldeten
er

daß höchſten Saale des

ein Bild anbringen ließ: otornpiou Träôous oöpßoAovéx


Decke Toü
ovykeipevov Xpvoi karelp
év

TroikiAtov kai TroAureMöv Aiôtov TroAAß


(III,
ein

49
Yaopévov, was offenbar huAakrñpov ſeines Reiches ſein ſollte
98,
12

Heckel ff.). Auch auf den Waffen der Soldaten mußten die
heidniſchen Bilder dem oöpßoAov Toü otornpiou rporaiou weichen (IV, 21.
Heckel 125, 16).

Der Widerſpruch dieſer Stellen mit den bilderfeindlichen Äuße


iſt

es

rungen des Euſebius nur ſcheinbar. Denn dort handelt ſich um


wirkliche Bilder Chriſti und der Apoſtel, hier aber um ſymboliſche Dar
zu

ſtellungen, denen auch der gute Hirte gehört, unter denen aber das
„Kreuz“ hervorragendſten Platz einnimmt. nicht alles,
ſo

den Täuſcht
er
iſt

Euſebius der erſte, der eine bildliche Darſtellung des „Kreuzes“


wähnt, und Konſtantin der erſte, der eine ſolche Darſtellung veran
laßte. Die Anführungszeichen ſind nicht aus Liebhaberei geſetzt, ſon
im

dern weil Folgenden erſt unterſucht werden ſoll, was unter dieſem
iſt.

an

„Kreuze“ gemeint Selbſtverſtändlich darf nicht einen Cruci


fixus gedacht werden, deſſen älteſte uns bekannte Darſtellungen, an
S.

Sabina und auf der Londoner


in

der Holztüre von Rom Elfenbein


platte, aus dem fünften Jahrhundert ſtammen!), während die lite
Kraus, Mit Recht drückt Franz
S.

Kunſt
I,
d.

Geſch. chriſtl. 1896 174.


!)

Joſ. Dölger (XOYL. Das Fiſchſymbol Seit. Rom 1910,


in

frühchriſtlicher
Euſebius. Kreuz und Cabarum. 47

iſt
Bezeugung ſpäter Jahrhundert

7.
rariſche noch und nicht über das
hinaufreicht.
Das )
ſpäte Aufkommen der Kreuzesdarſtellung, auch des leeren
Kreuzes, auffallender,

in
iſt

um als das Kreuz der Gedankenwelt


der Chriſtenheit ſo
von jeher den Mittelpunkt bildete und auch das Be

3,
1,
kreuzen ziemlich frühe üblich wurde. Paulus verſichert Gal. daß
den Galatern „Jeſus Chriſtus vor die Augen gezeichnet wurde als Ge
Ignatius (9,1)

an
kreuzigter“. Wenn von Antiochien die Epheſier
ſchreibt: „Steine ſeid ihr für den Tempel des Vaters, zubereitet zum
Vaters, hinaufgezogen

in
Hausbau Gottes des die Höhe mittels der
Jeſu Chriſti, des Kreuzes, Benutzung hei
iſt h.

Hebemaſchine mit des


d.

ligen Geiſtes als Seiles“, das plaſtiſch geſprochen, daß man


ſo

ſo

faſt unwillkürlich eine ſinnliche Anſchauung vom Kreuze vorausſetzen


ſofort der heilige Geiſt als „Seil“ zur Vorſicht

möchte wenn nicht

T,
im

mahnte?). Der Barnabasbrief erblickt Buchſtaben womit die


Sahl der 318 Knechte Abrahams beginnt, mit ausgebreiteten
in

dem

Armen betenden Moſes, der ehernen Schlange einen Tütrov oraupoö.


in
(9,

Mär
5).

kai Toü péMAovros träoxev 12, Juſtin


8.

u.

Nach dem
2

tyrer wird. Alles der Welt vom oxñ10 der Kreuzes beherrſcht und
in

zuſammengehalten: Maſt der Schiffe,


in
und den Raaen den
in

dem

die Datierung von Joh. Reil (Die frühchriſtlichen


322 ff.) über einer auch


Darſtellungen Kreuzigung Chriſti. Leipzig 1904, 57) angeführten in

der
Karneolgemme
im

Rumänien gefundenen, jetzt britiſchen Muſeum befindlichen


einer Kreuzigungsdarſtellung ins zweite Jahrhundert, wie
ſie

mit Smith
L.

vorgeſchlagen Leclercq angenommen hat, ſeine Verwunderung aus. Ein


H.

und
dorngekrönter Jeſus aus dem zweiten Jahrhundert findet ſich nach Wilpert
(Die Malereien Roms 1903, Tafel 18) den Prätextatkata
in

der Katakomben
komben. Der bekannte Sarkophag des Junius Baſſus
aus der Mitte des
Jahrhunderts (Kraus 245) zeigt drei Szenen aus der Leidensgeſchichte:
I,
4.

Einzug Jeruſalem, Gefangennahme, Händewaſchung des Pilatus, aber keine


in

Kreuzigung.
Auguſti, Beiträge
II

(1846) 109.
?) !)

ad

öé
iſt

8,
2:

Sugeſpitzt auch Philad. époi äpxeiä ëortv 'Inooüs Xptorös,


Pſ.-Ignatius Philipp.
ad

3,

äôtkra äpxeia oravpös aöroü krA. Bei heißt


3
ö

yäpäpxov Toü köopou Toürov xaipet, örav


ris

es: äpvñrat röv oraupóv“ öAeôpov Yäp


ö

yyvcboxet riv öpoAoyiav Toü oraupoü. roüro yáp éortv rpótratov karä rfs

éautoü
Voſſius glaubt zwar,
Iſ.

aüroü övvápecos, örrep öpöw pirret kai äkoücov hoßeirat.


X,

signo crucis sed


de

de

„non hic crucifixione Christi verba fieri“ (Exerc.


47, bei AuguſtiBeiträge der Tat damit
in
p.

I,

104) und man kommt auch


aus (vgl. Pſ.-Ignat.
ad

Smyrn.
6,
1:

öpoAoyñon röv oravpöv aüroü xai


träôos
Ja ſelbſt
Es

angeſpielt ſein.

kai alpa). kann aber auch auf die Bekreuzung


zu

Klang
iſt

ein gewiſſer „euſebianiſcher“ nicht verkennen.


48 Euſebius. Kreuz und Cabarum.

Rudern, im Pflug und im Grabſcheit, in der Geſtalt des Menſchen mit


ausgebreiteten Armen!), im menſchlichen Antlitz, in den römiſchen Feld

zeichen und Standarten – überall gewahrt das Auge des Chriſten die
Kreuzesſymbolik, „das größte Symbol

iſt
darum ihm das Kreuz der
Macht und Herrſchaft (Apol. 55). „Allein Auf

I,
Gottes“ von der

im
ſtellung eines Kreuzeszeichens Verſammlungsort, auf dem Altar oder
am Eingang eines Hauſes kommt ebenſowenig eine Spur bei ihm vor
als von dem signum crucis mit der Hand beim Gebet oder bei der
Konſekration“ (Auguſti, Beiträge III, 108).
Auch Clemens von Alexandrien erwähnt das Kreuz weder als
als Emblem für Siegelringe, obwohl verſchiedene für

er
Geſtus noch

einen chriſtlichen Siegelring paſſende Embleme aufzählt?).


Tertullian erblickt, wie der Barnabasbrief (9,8) und Clemens
von Alexandrien (Strom. VI, ed. Otto Stählin, GCS, Clem. Al. 11

II, 473, 24), nur mit Hinweis auf Ezech.

9,
im 4,
im
griechiſchen eine

T
„species crucis“ (Adv. Marc. III, 22)*), betenden Moſes den

Didache 16, manche Erklärer das anpeiv Exneräoecos


in

Auch verſtehen
!)

6
év

oöpawp von der éknéraos röv xepöv als der Andeutung des Kreuzes, alſo als
Symbol des Symbols (vgl. Patr. apost. Funk

p.
37 not. 6).
I,
ed. 1901
im

Die angeblich „crux dissimu


S.
S.

u.

oben 14. Anker enthaltene


?)

J. II,
Roſſi bei Kraus, 226; Waal
de
R.
E.

ata“ (de chriſtl. Altertümer eben


d.

54; Joſ. 233;


im

Sauer Kirſch
P.
Kirchl. Handlexik.
I,

Cabrols

in
I,

daſ.
d'archéologie chrétienne liturgie 1989 ff.; Schöner
G.
de

2,

Dictionnaire
I,
et

Joſ.
9;
mark, Der Cruzifixus Kunſt. Straßburg 1908, Franz
in

der bildenden
Dölger, IXOYX. Das Fiſchſymbol Seit, Rom 1910, 318 ff.)
in

frühchriſtlicher
zweifelhafte Sache (Kraus, Geſch. 100;
V. iſt

chriſtl. Kunſt
d.

I,
doch eine recht
Es

Schultze der proteſt. R.E.* 11,95). handelt ſich dabei nicht um eigent
in

liche Ankerkreuze (Verbindungen von Anker und Kreuz), ſpäter vor


ſie

wie
Beiſpiele bei Dölger Ihre Datierung ins zweite
O.

u.

kommen dritte
a.

Joſ. Wilpert
zu im
O.

Jahrhundert Nuovo Bulletino


di

(Schönermark
9 a.

und
–,

archeologia cristiana 1902, ff.) ſcheint ein Irrtum ſein ſondern um


als ſolcher durch eine Art Arkandisziplin
ob

die Frage, der Anker das Kreuz


ſymboliſch dargeſtellt habe, alſo Symbol des Symbols geweſen ſei.
Epigraphiſche Beiſpiele von T-Kreuzen aus dem zweiten und dritten
*)

Jahrhundert führt Wilpert an, La croce sui monumenti delle catacombe.


Nuovo Bulletino 1902, 12ff. Iſt ſeine Datierung richtig Dölger, IXOYX

–,
zu
es S.

ihr verhält ſich die Sache wie beim Anker: wir haben
ff.

ſo

321 ſtimmt
wieder nicht mit einem offenen Kreuz (der ſog. „crux commissa“), ſondern
zu

mit dem Buchſtaben als Symbol des Kreuzes tun. Übrigens hat ſich
T

ſchon manches T-Kreuz bei näherem Suſehen als einfaches Linienornament ent
II,

puppt (Kraus
O.
E.

Söckler (Das Kreuz Chriſti.


in

R.

der 227). Nach


E.* 11,96)
iſt
V.

Gütersloh 1875, 427 ff.) und Schultze (Proteſt. das T-Kreuz


R.

vor Jahrhundert nicht nachweisbar.


4.

dem
Euſebius. Kreuz und Cabarum. 49

„habitus crucis“ (Adv. Iud. c. 10. Adv. Marc. III. 18), in den

die

Er
Stierhörnern Deut. 33, 17 „extima crucis“ (ebendaſelbſt).
Barnabasbrief (12,5) und Juſtin (Apol. 60)

I,
erklärt mit dem die
trotz des ſonſtigen Bilderverbotes auf Gottes Geheiß errichtete eherne
Schlange als „figura dominicae crucis“ (De idol. Adv.

5.
c.
II, bei
Iud. 10). Die Bekreuzung war ſeinem Seugnis mannig
c.

nach den
gebräuchlich Ad uxor. re

3.

5.
fachſten Anläſſen (De cor. De
surr. carn. 8). aufgeführten Beſchäfti
c.

Aber unter den von ihm

f.)
gungen

S.
für chriſtliche Künſtler das Malen

(ſ.
oben fehlt oder

4
Herſtellen von Kreuzen.
Cyprian II,
21
ſammelt Test. bibliſche Beweisſtellen für die

f.
„quod passione signo virtus omnis
in

in
et
beiden Sätze crucis

sit
sit potestas“ und „quod hoc signo crucis salus om
et

in

qui
Er
nibus frontibus notentur.“ überzeugt: evadere (Dei iſt
in

iram) solos posse qui renati signo Christi signati fuerint


et

(Ad Demetr. 22). Die Getauften werden zum Biſchof gebracht,


c.

„ut signaculo dominico consummentur“ (Ep. 73,9) Auf der

).
Stirne „signantur qui Dominum promerentur“ (De unit. 18,

c.
In
De laps. frons cum signo Dei pura). der pſ.-cypria
2:

vgl.
c.

niſchen Schrift De montibus Sina Sion


et

ſteht der ſchöne Satz:


c.
9

Lex Christianorum crux est sancta Christi filii Dei vivi. Aber
daß dieſe Geſetzestafel des Kreuzes den Chriſten ſinnenfällig vor Augen
geſtellt worden wäre, davon verlautet nichts.
Auch der von den Apologeten zurückgewieſene und den Heiden
heimgegebene Vorwurf der Kreuzanbetung hat keine Grundlage
in

einer
chriſtlich-kirchlichen Kreuzesverehrung oder Kreuzesdarſtellung, wie Manche
II,

Krieg Minucius Felix er


B.

E.

Kraus' 252) meinen.


(z.

in

R.

klärt vielmehr jenem Vorwurf gegenüber ausdrücklich: Cruces etiam


nec colimus nec optamus (28, und fährt dann fort: Vos
6)

ut

plane, qui ligneos deos consecratis, cruces ligneas deorum


partes forsitan adoratis. signa ipsa can
et

et

vestrorum Nam
vexilla castrorum quid aliud quam inauratae cruces
et

tabra
Tropaea vestra victricia non tantum sim
et

sunt ornatae?
plicis crucis faciem, verum adfixi hominis imitantur
et

(28, Signum
f.)

sane
es

Zum Schluß heißt bezeichnenderweiſe:


6

Signaculum (ohpayis) als Kreuzzeichen bei Franz Joſ. Dölger, Sphragis.


!)

Eine altchriſtliche Taufbezeichnung ihren Beziehungen zur profanen und reli


in

giöſen Kultur des Altertums. Paderborn 1911, 171 ff.; der Taufliturgie
in

175 ff.; Name der Firmung


ff.
S.

S.

179
4

Sorſchungen27: Koch.
50 Euſebius. Kreuz und Cabarum.

crucis naturaliter visimus in navi, cum velis tumentibus vehitur,


cum expansis palmulis labitur: et cum erigitur jugum, crucis
signum est, et cum homo porrectis manibus Deum pura menta
veneratur.Ita signo crucis aut ratio naturalis innititur
aut vestra religio formatur. Solche Gedanken haben wir zwar
Juſtin geleſen, bei Tertullian!),

ſie
ſchon bei finden ſich auch aher
Minucius verrät uns glücklicherweiſe mehr, ſagt mit

er
Felix noch

ſeinem aut–aut geradezu, daß signum crucis nur ent


das

im
weder der Natur (ratio heidniſchen Kult
in

naturalis) oder
religio) ſehen ſei, nicht aber

zu
gegenſtändlich der

in
(vestra
chriſtlichen Religion. Damit wird das argumentum silentio,

e
das ſich uns bei Juſtin, Clemens und Tertullian nahelegte, förmlich
beſtätigt. Wir wiſſen nun durch das poſitive Seugnis des Minucius
Felix, daß die Chriſten ſeiner Seit ein Kreuz weder verehrten noch

zu
begehrten,
ſie

in

daß weder der Kirche noch Hauſe ein Kreuzesbild


vor ſich hatten.
Unter dieſen Umſtänden kann auch das bekannte, meiſt dem dritten
Jahrhundert zugewieſene, ſog. Spottkruzifix vom Palatin mit der
'AAekapevos

es
Beiſchrift oeßere Deov nicht mehr helfen. Sollte wirklich
eine Verſpottung bezwecken, hätte ebenſowenig eine chriſtlich
ſo

dieſe

kultiſche Vorlage wie der eben erörterte Vorwurf der Kreuzanbetung,


ſondern wäre, wie dieſer, aus der Bedeutung des Kreuzestodes Jeſu
für den chriſtlichen Glauben und aus dem Brauche der Bekreuzung,

und außerdem aus einer Verwechſlung der Chriſten mit den Juden,
wie dieſer Phöniziern (vgl. Röſch Theol. Stud.
mit u.
in

den den
zu

Kritik. 1882, 523) erklären. Indeſſen dürfte die Auffaſſung des


Graffito als einer ernſthaft gemeinten Darſtellung und ſeine Zurück
führung auf gnoſtiſch-ſethianiſche Kreiſe, denen der Gott Typhon-Seth
in

Apol. 16: Sed qui crucis nos religiosos putat, consecraneus


et
*)

c.

noster erit. Cum lignum aliquod propitiatur, viderit habitus, cum materiae
qualitas eadem sit, viderit forma, dum ipsum dei corpus sit Pars
id

.
.
.
.

crucis est omne robur quod erecta statione defigitur. Nos, forte, integrum
si

ettotum deum colimus Religio Romanorum tota castrensis signa vene


.
.
.

ratur, signa jurat, signa omnibus deis praeponit. Omnes illi imaginum sug
gestus signis monilia crucum sunt; siphara illa vexillorum cantabrorum
in

et et

stolae crucum sunt. Laudo diligentiam. Noluistis incultas nudas cruces


Vgl.
ad

nat. Priorität
I,

consecrare. 12. Obwohl ſelber die des Octavius


ich

ſie

für wahrſcheinlicher haltend, kann doch nicht finden, daß aus der Art
Stiglmayr
zu

der Behandlung der Kreuzesfrage erſehen wäre, wie (3tſchr.


f.

kath. Th. 1913, 235) meint.


Euſebius. Kreuz und Cabarum. 51

mit Chriſtus gleichgeſetzt wurde, mehr Wahrſcheinlichkeit für ſich haben,

die
fidelis“,

im
ſelbſt wenn Nebengemach entdeckte Kritzelei „AAekapevos
wie auch ſchon vermutet wurde, von moderner Fälſcherhand ſtammen
ſollte!).
Aber ſetzen nicht die bekannten Berichte des Laktanz und des Eu
ſebius über die Viſionen Konſtantins und ihre Folgen bildliche
Kreuzesdarſtellungen als Vorlage voraus? Die Frage der Konſtantins
viſionen braucht hier nicht nach ihrem ganzen Umfang wieder aufge

zu
zu

rollt werden; genügt,


es

die hier Betracht Seite

in
kommende

beleuchten?). Vor allem muß man ſich über das von Konſtantin her
ihm die Haupt

an
geſtellte Feldzeichen, das ſog. Cabarum, und was
war, klar werden,
da

iſt
ſache und die am meiſten umſtrittene Stelle

30
Vit. Const. gegen Schluß:


I,
in

der Satz des Euſebius der

ö'
étr

öpôpiov öópv, rñs kárto äpxñs TroAö unkuvópevov, ävo perétopov,


rg

ötrö roü oraupoü Tpotraitp Trpös aörois äxpos Toü ölaypahévros


öchäoparos Tiv Toü DeohiAoüs ßaoMétos eróva Xpvoñv uéxpl orépvtov

Töv aÖroü Traiöov öpoitos Ehepev. „Der Längsſchaft aber, der bis
t

zum unteren Anfang eine beträchtliche Länge hatte, trug hoch oben

Über das ſog. Spottkruzifix vgl. Wünſch, Verfluchungs


in R.

Sethianiſche
!)

tafeln aus Rom 1898, 104 ff.; Kraus


R.

2,
R. E.

ff.

774 und Geſch. d. chriſtl.


E.* 11, 155; Joh. Reil, Die
f.;
V.
1,

Kunſt Schultze der proteſt.


in

172
frühchriſtl. Darſtellungen Kreuzigg. Chriſti 1904, 105 ff.;
G.

Schönermark
d.

Der Cruzifixus Kunſt 1908, 24f.; Franz Joſ. Dölger, IXGYC


in

der bildenden
1910, 323 ff.; Joſ. Sauer 501 und 2181; Köhler
im

in
2,

Kirchl. Handlexik.
RGG Rinn Jüngſt,
5,

Kirchengeſchichtliches Große
u.

Schieles 851. Leſebuch.


II,

(3.

Ausgabe. Harnack,
36

A.
3.

Aufl. 1915. Miſſion? 1906. Aufl. 1915.


6

II,
A.

43 1).
Vgl. neueſtens Heinrich Schrörs, Konſtantins des Großen Kreuzeser
?)

ſcheinung, Bonn Sur Kreuzerſcheinung Konſtantins Gr. Methodo


d.

1913.
logiſches Geſchichtliches, kath. Theol. 1916, 485–523. Joſ. Wil
u.

Stſchr.
f.

pert,
im

Viſion Konſtantins Gr. und


d.

und Cabarum Lichte der Geſchichte


Archäologie. Dritte Vereinsſchr. Görresgeſellſch. 1913, Köln 1913, 5–17,
d.

u. f.

und dem Prachtwerk: Die römiſchen Moſaiken Malereien


in

der kirchlichen
Bauten vom IV. bis XIII. Jahrhundert. Freiburg 1916, 28ff. Joſ. Dölger
I,
im

Jahresbericht Görresgeſellſch. Köln 1913, 25f. und Theol. Revue


d.

1912.
f.

Nr. 12–14. der Theol. Litztg. 1914, 425 Batif fol,


P.

1914, Koch
et H.

in

ff.

im Bull. d'anc. litt. d'arch. chrét. 1913, La paix Constantinienne


ff.

300 und
catholicisme, Paris 1914, 213 Maurice im Bull. d'anc. litt. etc.
le

ff.
et

Pio Franchi Cavalieri


42

ff.

1914, de Studi Romani 1913,


in
ff.

161
Eduard Schwartz, Kaiſer Konſtantin und die chriſtliche Kirche. Leipzig 1913,
Aufhauſer, Konſtantins Kreuzesviſion
68

J.

in
B.

Die Quellentexte bei


f.

ausgewählten Texten vorgelegt (Lietzmanns kleine Texte Mr. 108) Bonn 1913.
4*
-
52 Euſebius. Kreuz und Cabarum.

unter dem Seichen des Kreuzes ganz am Ende des beſchriebenen Ge


webes das goldene Bruſtbild des gottgeliebten Kaiſers und ebenſo das
ſeiner Söhne“.
Was an Toü oravpoü,

iſt
dem Feldzeichen das TpóTraiov unter dem
die Bruſtbilder angebracht waren? Wo waren dieſe Bruſtbilder ange

ſie
bracht? Daß nicht auf dem Fahnentuch waren, wie Baronius und

(ſo

R.

2,
261) annahmen,

E.
ihm andere noch Stevenſon Kraus'

in
nach
geht aus den Ausſagen des Euſebius, getragen

ſie
daß der Fahnenſtock
habe und daß das Fahnentuch ganz mit Edelſteinen beſetzt geweſen ſei,
Es fragt

ob

ſie
klar hervor. ſich nur, ſich über oder unter dem Quer
holz mit dem Fahnentuch befanden. Auf dem von der Kommiſſion,

Anlaß Konſtantin-Jubiläums gebildet hatte,

in
die ſich aus des Rom
Fahnentuch,
ſie
rekonſtruierten Labarum ſind über das zwiſchen den
Kranz (mit dem Monogramm) und das Querholz geſetzt!). Wilpert
dem Vorgange Jules Maurice
ſie

verweiſt nach von unter das Fahnen


tuch?) und Dölger ſtimmt ihm zu. Aber die dafür vorgebrachten

an
Gründe ſind nichts weniger
als ſtichhaltig. Allerdings kann äkpa
ſich wie den oberen Rand eines Dinges bezeichnen.
ebenſo den unteren
Aber wenn am Anfang des Kapitels äxpov (ävo Trpös äkpp Toü Travrós)
das obere Ende bezeichnete, wird das
auch hier der Fall ſein.
ſo

Auch
das ävo perétopov weiſt weit hinauf, eher über als unter
die Bilder
das Fahnentuch. Wie das Monogramm ävo Trpös äkpp Toü TravTós
war, das Kaiſerbild ävo Trpös äxpp Öhäoporos. Warum ſagt
ſo

Toü

ſie
denn Euſebius, die Bilder unter verlegt,
er

wenn das Fahnentuch


rp

oTaupoü geweſen? Warum ſagt


er

ſeien ÖTrö Toü Tpotraitp nicht


-

einfach: ÖhäopaT? Die Behauptung Wilperts, das Tuch mit


riſ

ÖTrö

ſeiner quadratiſchen Form habe einen notwendigen Beſtandteil des


da

Kreuzes ausgemacht, die wagrecht ausgeſtreckten Arme des Menſchen


ungefähr der Höhe ſeines Körpers glichen, hilft auch nicht weiter und
die von ihm angeführten Stellen, die wir ſchon oben- kennen gelernt
haben, eher gegen als für ſeine Anſchauung.
ſprechen Allerdings heißt
bei

minucius Selix Oct. 29, Tropaea vestra victricia non


es

7:

tantum simplicis crucis faciem, verum adfixi hominis imitantur,


et

Apol. den Trophäen die


16

an

aber Tertullian ſagt näherhin, daß

Siehe die (von Dölger, Theol. Revue 1914, 385f) erwähnte Pracht
*)

Costantino ricostriuto per


A. S.

edition: labaro M. Ordine Costantiniano


di
Il

il

Giorgio. Caserta,
R.
S.

Relazione della Commissione Conte


di

di
S.

il

gran maëstro dell' ordine. Roma, Tipografia poliglotta Vaticana 1914.


III. Tafel 51,
2.

Eine Rekonſtruktion Prachtwerk 1916. Bd.


in

dem
?)
Euſebius. Kreuz und Cabarum. 53

„cruces“ die „intestina tropaeorum“, die „siphara vexillorum et


cantabrorum“ aber „stolae crucum“ ſeien und er unterſcheidet dieſe
„stolae crucum“ von „incultae et nudae cruces“. Das „Kleid
ebenſowenig ſelber, als der Mantel über
iſt
des Kreuzes“ das Kreuz
dem katholiſchen Speiſekelch der Speiſekelch ſelber iſt!). Wilperts Urteil,
ſei

Konſtantin nicht anſpruchsvoll geweſen, mit ſeinem Bilde


ſo
ſich

zwiſchen das Kreuz und den bekränzten, das Kreuz erklärenden, Ma


zu

menszug Chriſti drängen zu und dadurch die enge Zuſammengehörig


zerreißen, ſehr ſubjektiv und geht zudem

iſt
keit der beiden Seichen

im
von der Vorausſetzung aus, daß das „Kreuz“ Längsſchaft und

ja
Querholz mit Fahnentuch liege. Aber das war gar nichts Neues,

das hatten die römiſchen Feldzeichen, wie die Apologeten bemerkten,


lange. Dazu hätte Viſion und himm
es

ſchon doch wahrlich keiner


liſchen Offenbarung bedurft.
Vit. Const. 28–30 Nachmit
I,

Nach Euſebius ſieht Konſtantin


tags am Himmel über der Sonne oTaupoü TpóTraiovék horös ouvioTä
pevov mit der Inſchrift Toürtp vika, und der Macht erſcheint ihm
in

pi
rp

Chriſtus oöv havévr kar' oöpavöv onleitp und fordert ihn auf,
pnua troinoäpevov Toü kar' oöpavövöchöévros onleiou Toürtp Trpös Täs
röv TroAepitov oupßoAès äAetnuar Xpñoda. Deshalb beruft Konſtantin
Künſtler, die ſich auf Bearbeitung von Gold und Edelſteinen verſtehen,
beſchreibt ihnen die Geſtalt des von ihm geſchauten Zeichens und erteilt
den Auftrag,
c. ſie

Gold und Nun


31 in

ihnen Edelſteinen nachzubilden.


ſchildert Euſebius das Ausſehen dieſes Feldzeichens: Lanzen
in

ſchaft und Querſtange und „oben am Ende des Ganzen“ (ävo Trpös

äkpp Travrós) das Monogramm Chriſti, einen Kranz von Gold


in

Toü

und Edelſteinen eingefaßt. Eben dieſe Buchſtaben des Monogramms


an

pflegte der Kaiſer, wie weiter geſagt iſt, fürderhin ſeinem Helme
tragen?). Dieſe ganze Erzählung hat nur dann Sinn und Suſam
zu

im

menhang, wenn Euſebius nicht Fahnenſtock und der Querſtange mit


Monogramm Chriſti
im

dem Tuch das Kreuzeszeichen erblickt, ſondern


ſelber. Das war das otorfpov onleſov, das als äAénua oder huMax
Altertums, Iſraeliten,
B.

Bei manchen Völkern des wie bei den


z.
!)

galten allerdings die Kleider nicht als etwas Äußerliches, ſondern als etwas
mit dem Träger Verwachſenes, mit ihm eine Einheit Bildendes (Alfred Ber
tholet, Die israelitiſchen Vorſtellungen vom Suſtand nach dem Tode?. Tü
bingen 1914, Daß dieſe Vorſtellung auch den Griechen und Römern
S.

14).
geläufig geweſen wäre,
iſt

mir aber nicht bekannt.


Swei Münzen, auf denen Konſtantin einen Helm mit dem Monogramm
?)

trägt, bei Wilpert, Vereinsſchr. 1913,


8.
S.

Prachtwark 1916.
I,

33.
54 Euſebius. Kreuz und Cabarum.

Tñpov oder äpuvrñpiov gegen alle feindlichen Mächte zuoberſt an der


Standarte dem Heere voranleuchtete und auch auf dem Helme des
Kaiſers zu ſehen war, das das TpóTraiov Toü oTaupoü, unter dem das
Bruſtbild des Kaiſers – über dem Querholz mit dem Tuch – ange
bracht war. Heckel hat darum ganz Recht, wenn er im erſten Satze
des cap. 31 (GCS, Euſeb. I, 21): ÖhnAöv öópu Xpvoſ karnphieopévov
xépas elXev éykäpolov [oTaupoü oXñpar Tretroinpévov], ävto öé Trpös

äxpp Toü Travrös oréhavos krA, die eingeklammerten Worte ſtreicht.


Sie bringen in das ganze Kapitel Verwirrung und ſtammen von einem
Interpolator, der die Schilderung nicht verſtand und das „Kreuz“ mit
Gewalt im Querholz ſuchte. In Wirklichkeit gibt Euſebius zuerſt das
an, was die neue Standarte mit den bisherigen Feldzeichen gemein
hatte, Längsſchaft und Querholz, und dann das durch göttliche Offen
barung empfohlene Meue: das Monogramm Chriſti als Kreuzeszeichen!).
Das Monogramm war nicht die „nähere Beſtimmung“ des Kreuzes,

ſondern das von Konſtantin geſchaute und ihm im Traume anbefohlene


„Kreuzeszeichen“ ſelber, oder vielmehr Kreuzeszeichen und Deutung zu
gleich?).
Wilpert verweiſt allerdings auf einen Silberdenar des Kaiſers
Konſtans (in der Berliner Münzſammlung), der die Kaiſermedaillons
unter den Tuchfranſen des Cabarums aufweiſt (Vereinsſchr. 1913, S. 11,
Fig. 4), allein auf derſelben Münze Monogramm
iſt

eben auch das


am

Chriſti nicht oberen Ende des Sahnenſtocks, ſondern auf dem Tuche
des Querholzes angebracht. Darum zeigt dieſe Münze gerade, was
beim Labarum die Hauptſache iſt, worin das heilbringende Seichen liegt,
unter deſſen Schutz die Kaiſerbilder ſtehen ſollen: das Monogramm
Chriſti. Iſt dieſes auf dem Tuche, dann ſind die Bilder unter dem
ſie

Tuche; ganz des Schaftes,


iſt

es

oben am Ende dann ſind über


dem Tuche Für dieſe Auffaſſung ſprechen auch die Kata
angebracht.
komben, beim Monogramm Chriſti öfters die Worte ſtehen
in

denen
die

signo vinces“ (Wilpert


S.

„hoc 16). Sie beweiſen zwar nicht


Wahrheit der konſtantiniſchen Viſion, wie Wilpert meint, aber ſoviel,
daß die Erzählung des Euſebius
im

Glauben fand und man mit ihm


Monogramm Chriſti das ſiegreiche Zeichen erblickte.
Wilpert Prachtwerk 37, einzig
I,
in

ſelber bemerkt ſeinem daß das


!)

an

neue Stück der Standarte das Monogramm


Chriſti geweſen ſei.
Vgl. wieder Wilpert 28: „Unter den alten Chriſten, deren
O.
S.
a.
a.
in ?)

gerichtet war, gab


es

Sinn hohem Maße auf das Symboliſche ſolche, die


ſo

geglaubt haben, alle Buchſtaben des Namens Chriſti und dazu


in

daß ihm
noch das Kreuz enthalten ſeien.“
Euſebius. Kreuz und Cabarum. 55

Damit ſtimmt endlich, wenigſtens hinſichtlich des „Zeichens“, auch


Laktanz überein, der Demort. pers. 44, 5 ſchreibt: Commonitus
est in quiete Constantinus, ut caeleste signum Dei notaret in
scutis atque ita praelium committeret. Facit ut jussus est et
transversa X littera, summo capite circumflexo, Christum in
scutis notat. Auch er ſpricht nicht von einem offenen Kreuz, ſondern
vom Monogramm Chriſti, das durch Querſtellen oder Umſtürzen des
Buchſtabens X und Umbiegung der Spitze (nicht Rundherumziehen der
Spitze, ſodaß das Kreuz in einen Kreis eingeſchrieben wäre, wie Dölger,

iſt)
Theol. Revue 1914, 357, anzunehmen geneigt zuſtande kommt.
Der Unterſchied nur der, daß Laktanz das Monogramm nicht

in
iſt

der

die
H-
(ſog. konſtantiniſchen) Form XK, ſondern kennt,

in
der Form
das Kreuz deutlicher zum Ausdruck bringt (ſog. monogrammatiſches
Kreuz oder kreuzförmiges Monogramm). Euſebius ſchildert eben das
Gebrauch befindliche Parade-Cabarum, das
im

ſeit 324 geſehen

er
ſelber
im hat,

an
hat, während Laktanz das Kreuzmonogramm Auge das
ſich auch der Viſionserzählung bei Euſebius beſſer entſpricht, wie Dölger
ganz richtig bemerkt, archäologiſch freilich erſtmals erſt auf einem rö
von 355 begegnet (Kraus,
d.
miſchen Grabſtein Geſch. chriſtl. Kunſt
ſie
I,

131). Aber darin ſtimmen beide überein, daß das Kreuz eben
Monogramm Chriſti erblicken, und daraus folgt, daß bis dahin
im

das offene Kreuz noch nicht künſtleriſch dargeſtellt worden


war. Geben doch auch die Archäologen zu, daß das offene Kreuz
ſelbſt konſtantiniſcher Seit ſelten ſei, dagegen um häufiger
in

ſo

noch
2,

(vgl. Sauer
im

das Monogramm Kirchl. Handlexik. 500)!).


Von gewonnenen wir
ſo

dem Boden aus müſſen nun nochmals


Hist. eccl. IX,
die

9,
10

auf oben angeführten Stellen Vit. Const.


f.

III, IV,
21
I,

40. 49. zurückkommen, wo Euſebius von der öffent


u.
3

Darlegungen
iſt
es

Nach unſeren alſo ein falſch geſtellter Gegenſatz,


*)

wenn Batif fol (La paix Constantinienne 1914, 213) ſagt, das „caeleste
signum“ des Laktanz könne nur vom Kreuz verſtanden werden, nicht vom kon
Monogramm. Das „Christum scutis notat“ meint allerdings
in

ſtantiniſchen
„le signe Christ“, aber eben das Monogramm, nicht das offene Kreuz, das
du

kaum einfach als „Chriſtus“ bezeichnet werden könnte. Auch Heinrich Schrörs
Kolum
iſt
A.

(5tſchr. Theol. 1916, 496 507 auf das


1)
ff.
u.

kathol. nicht
f.

busei gekommen, daß Euſebius mit ſeinem oornpiov rpönatov nädovs und oraupoö
rpönatov nicht das „bloße“, ſondern wie Laktanz das Monogramm enthaltene
im

Kreuz meint, meinen muß, wenn ſeine ganze Erzählung verſtändlich werden
und das von Konſtantin hergeſtellte Cabarum eine Darſtellung des ihm am
im

Himmel erſchienenen und Traum empfohlenen Seichens ſein ſoll.


56 Euſebius. Kreuz und Cabarum.

lichen Anbringung von Kreuzen berichtet. Brieger (5tſchr. f. KG.


IV, 1881, 200ff.) hält HE. IX, 9, 10 und
für eine ſpätere 11 Ein
ſchaltung oder jedenfalls für durchaus unglaubwürdig, weil Rom doch

ſei
überwiegend heidniſch geweſen und Konſtantin mit der Anwendung
chriſtlicher Zeichen auf Münzen noch ein Dezennium gewartet habe und
vor allem der Gebrauch des Kreuzes, zumal der hier Betracht kom

in
menden crux immissa, ſpäterer Zeit angehöre und ſich auch auf Münzen
Konſtantins nicht als chriſtliches Symbol nachweiſen laſſe!). Kraus

an
A.
I, 226

1)
(Geſch. Kunſt dieſen Bedenken und
d.

chr. ſchließt ſich


Aufſtellung eines ausgebildeten

in
bezeichnet „die Kreuzbildes Rom um
312 angeſichts der jetzt bekannten Entwicklung der Kreuzesdarſtellung
als äußerſt unwahrſcheinlich“. Dieſe Erwägungen wären durchaus zu
treffend, wenn man wirklich
an
ein „ausgebildetes Kreuzbild“, eine
„crux immissa“, denken müßte; ſie
fallen aber dahin, wenn Euſebius,
was nach unſeren Darlegungen mehr als wahrſcheinlich iſt, auch hier
Monogramm Chriſti enthaltene
im

eben das Kreuz meint. Der lange

an
Speer Kreuzesform (VC. 40) erinnert ſofort den Speerſchaft mit
I,
in

dem Monogramm am Cabarum. Darum verſteht Wilpert mit Recht


ſie

Nur „ſpätere Verbeſſerung“


iſt

dieſe Stelle vom Cabarum. keine

Iden
in

des Berichts der Kirchengeſchichte, ſondern der Ausdruck der


tität: „Kreuz“, das Konſtantin trug, war eben das
in

das der Hand


Labarum mit dem Monogramm.
Unſere Unterſuchung über das Kreuz hat ergeben, daß den
in
erſten drei Jahrhunderten kein offenes Kreuz bildlich dargeſtellt wurde.
Waal (Das Kleid des Herrn auf den frühchriſtlichen Denk
de

Wenn
mälern, Freiburg 1891, 16) ſagt: „Die erſten Chriſten haben keine
Kruzifixe gehabt“, gilt dies bis ins vierte Jahrhundert auch für die
ſo

Ja
im

leeren unverhüllten Kreuze?). als man vierten Jahrhundert

Dies nicht ganz richtig. Wie Dölger (Jahresber.


allerdings
f. iſt

d.
!)

Görresgeſellſch. Köln 1913, 26) bemerkt, erſcheint auf Münzen aus


1912
Aquileja aus dem Ende der Regierungszeit Konſtantins das einfache Kreuz.
Hans Achelis (Das Chriſtentum drei Jahrhunderten
in

den erſten
I, ?)

1912, „Es läßt nachweiſen, Jahr


in

143): ſich nicht daß man den erſten


am

hunderten heiligen Orten Kreuze von Holz oder Stein aufgeſtellt hätte oder
auf andere Weiſe dem Kreuzesglauben einen künſtleriſchen Ausdruck gegeben

Kraus Kunſt 131): „Tritt das Kreuz als religiöſes


I,
d.

hätte.“ (Geſch. chriſtl.


Symbol der Chriſten vor Conſtantin und vor der offiziellen Abſchaffung der
auf? Bis jetzt
iſt

Kreuzesſtrafe unverhüllt und zugeſtandenerweiſe kein Beweis


dafür geliefert.“ Dagegen hält
V.
es

Schultze (Proteſt. RE* 11, 95) für „mehr


als wahrſcheinlich, Seit das Kreuz Plaſtik
in

in

daß ſchon vorkonſtantiniſcher der


Euſebius. Kreuz und Cabarum. 57

das Kreuz darzuſtellen und davon zu reden anfing, war es zunächſt


das im Monogramm Chriſti eingeſchloſſene Kreuz. Erſt nach und nach
trat das Kreuz aus ſeiner monogrammatiſchen Hülle heraus und erſchien
in offener Geſtalt.
Es aber, Auguſti (Beiträge 133) richtig bemerkt,

I,
iſt

wie ſchon
zu

wohl beachten, daß Euſebius von einem kirchlichen Gebrauch des


oder Monogramms nichts weiß. Immer nur Konſtantin,

iſt
es
Kreuzes
Leib

Er
ſeinen Kult umgibt

es
der dem Kreuze widmet. mit einer
fünfzig Mann, tragen Wenn

es
wache von die abwechſelnd dürfen.
das Heer lagert, wird für das Kreuz ein beſonderes Selt, weit ent
fernt von den übrigen Selten, aufgeſchlagen. Dorthin begibt ſich der
Kaiſer, um Inſpiration
im

zu
Gebet ſich für wichtige Entſchlüſſe holen
IV,
II,
12

im
(VC. und 14. 21). Beim Gottesdienſt kaiſerlichen Palaſte
(IV, Ja

zu
aber ſpielt bei der Schilderung
es

keine Rolle 17). der


(III, Mambre,

zu
Mikomedien erbauten Kirchen 50) und des Baſilikabaues
(III, 53), werden
51

wo Gott Abraham erſchienen war


dem
– Kreuze
ebenſowenig erwähnt als Bilder, obwohl mit Gold und Erz nicht ge
ſpart wurde. Auch der Rede bei der Einweihung der neuen Kirche
in
X,
4),

Tyrus (Hist. eccl.


zu

der dieſe Kirche eingehend beſchrieben


in

und ſogar der ſtändige Altar erwähnt wird, vermißt man ein Kreuz
ebenſo wie Bilder. Kreuzgebrauch und Kreuzverehrung ſind zunächſt
eine Beſonderheit Konſtantins und erſt von ihm und durch ihn drangen
ſie

zu
chriſtliche Kreiſe,
in

weitere um ſchließlich die kirchliche Sanktion


einge
in

erhalten. Der Kaiſer hat das Kreuz die chriſtliche Kunſt


führt!) und aus der Verehrung des Cabarums erwuchs die adoratio
2).

crucis
Die Ergebniſſe bezüglich des Kreuzes ſind natürlich für die ganze
Bilderfrage von größter Bedeutung. ſelbſt beim Kreuze, das
es

Wenn
Anfang
im
an

doch von Mittelpunkte des religiöſen Denkens und Füh


plaſtiſch
ſo

lens der Chriſten ſtand und von dem man anſchaulich und
zu

es

reden wußte, lange währte, bis künſtleriſche Darſtellung


ſo

doch

zunächſt nur Form Monogrammes,


in

iſt

fand und auch dann


ſo

des

daraus ein Schluß auf die Bilder überhaupt nicht unſtatthaft. Gerade
ein Seuge dafür, wie man der Darſtellung „Sym
iſt

Euſebius uns von

und Malerei, vor allem der Kleinkunſt, verwertet wurde“, wenn auch „ganz
in

Belege „Erſt Seit tritt uns das Kreuz


in

ſichere fehlen.“ nachkonſtantiniſcher


häufiger
im

zuerſt und immer Bilde entgegen.“


Achelis, Das Chriſtentum drei Jahrhunderten
H.

in

I,

den erſten 143.


!)

Dölger, Jahresber. Görresgeſellſch. 1912,


S.
d.

26.
*)

f.
58 Epiphanius.

bolen“, zumal des Kreuzesſymbols, gerne zuſtimmen und dabei doch

Bilder Chriſti und der Apoſtel entſchieden verwerfen konnte.


Mun wird freilich ſeit dem zweiten Konzil von Nicäa bis zur
Gegenwart!) die Abneigung des Euſebius gegen die Bilder vielfach aus
ſeiner arianiſierenden Geſinnung erklärt. Aber mit Unrecht. Wir
haben die Begründung ſeiner „Ikonomachie“ von ihm ſelber ver
ſie dahin, Chriſtus (ſein göttliches

in
nommen: lautet daß das Göttliche
Weſen und ſein verklärter Leib) überhaupt nicht dargeſtellt werden

an
könne, das Menſchliche ihm aber (ſein Leib während des Erden

ſich
jedenfalls dargeſtellt dürfe,

er
wandels) nicht werden und beruft
dafür auf Schrift und kirchliche Überlieferung. Mit dem Arianismus

zu
haben dieſe Gedanken ebenſowenig etwas tun als die bilderfeind
lichen Äußerungen anderer Schriftſteller und als das Bilderverbot von
Elvira. Auch der entſchiedenſte Micäner hätte eine Ablehnung der
Bilder dogmatiſch begründen als Euſebius

es
kaum korrekter können
tut. Übrigens war gerade die Kaiſerin Konſtantia, die ein Bild Chriſti
haben wollte, eifrige Arianerin. Wie wenig man heterodox denken
zu

mußte, um Bildergegner ſein, zeigt der für kirchliche Orthodoxie


reiſende Biſchof Epiphanius von Salamis.

13. Epiphanius.
§
In

an

ſeinem Schreiben Biſchof Johannes von Jeruſalem (über


Ep. 51, CSEL.

er
ed. Hilberg 54, 411)
im

ſetzt von Hieronymus,


9

Epiphanius:
zu

Anablata
er

zählt auf ſeiner Reiſe nach Bethel habe


Vorhang
an

einer Kirchentüre einen farbigen und bemalten mit dem


angeblichen Bilde Chriſti oder eines Heiligen vorgefunden?). Da
er

alſo geſehen habe, „in ecclesia Christi contra auctoritatem Scrip


turarum hominis pendere imaginem“, den Vorhang zer
er

habe
ſie

riſſen und den Aufſehern den Rat gegeben, ſollen lieber einen toten
da

Armen darin einhüllen und beſtatten. Und jene dagegen ärgerlich


bemerkten, Vorhang zerriſſen habe, wäre nur
er

es
ſo

nachdem den

recht und billig,


an
er

er

daß einen anderen ſeine Stelle ſetzte, habe

M. Kaufmann,
C.

Handbuch der chriſtl. Archäologie? 1913, 245.


?) !)

Velum tinctum atque depictum habens imaginem quasi Christi vel


et

sancti cujusdam; non enim satis memini, cujus imago fuerit. Schwar3loſe
folgert daraus, daß jener Seit noch keinen
zu
es

(Der Bilderſtreit 1890,


8)

feſten Chriſtustyp gegeben habe. Mehr noch aber verraten die Worte des
Epiphanius, mit welcher Gleichgültigkeit das Bild angeſehen hatte (Auguſti,
er

Handbuch der chr. Archäol. III, 629).


Epiphanius. 59

verſprochen einen ſolchen zu ſenden. Das geſchehe hiermit und er bitte,


der Biſchof möge Prieſter veranlaſſen,
den den Vorhang in
dortigen
Empfang zu nehmen „et deinceps praecipere in ecclesia Christi
istius modi vela, quae contra religionem nostram veniunt, non
adpendi“. „Decet enim“, heißt es zum Schluß, „honestatem tuam
hanc magis habere sollicitudinem et uti scrupulositate, quae
digna est et ecclesia Christi et populis, qui tibi crediti sunt.“
„Der Biſchof von Salamis bewies hier dieſelbe Beſchränktheit des
Geiſtes, welche ihn trotz ſeiner Frömmigkeit auch in kirchenpolitiſchen
Angelegenheiten ſo unvorteilhaft auszeichnete und welche ihn im Streite
über die Lehre des Origenes und in den häßlichen Unternehmungen
des Theophilus gegen Chryſoſtomus eine ſo wenig rühmliche Rolle
ſpielen ließ“ – meint Kraus (Geſch. d. chr. Kunſt I, 62). Allein mit
Wir

zu
ſo leichten Handbewegung dieſer Fall nicht erledigen.
iſt

einer
müſſen die Handlungsweiſe des Epiphanius wohl unterſcheiden von der
Anſchauung und den Beweggründen, die ihn dabei leiteten. Das raſche
Serreißen des Vorhangs kennzeichnet allerdings den erregbaren Biſchof.
Er
die

Aber auch Euſebius nahm angeblichen Bilder Pauli und des


der Frau,
ſie

ſie
fand, weg,
er

löſers bei der damit nicht Schaden


ſtifteten. Und die Begründung des Epiphanius ſtützt ſich ebenſo auf
hl.

das Verbot der Schrift und auf die Würde der chriſtlichen Re
in

ligion und Kirche wie die des Euſebius, dem noch Miemand „geiſtige
Beſchränktheit“ nachgeſagt hat. Bezeichnenderweiſe werfen die custodes
nicht etwa vor,
an

einem heiligen,
ſie er

dem fremden Beter habe ſich von


Bilde vergriffen; reli
in

ihnen verehrten fühlen ſich nicht ihren


giöſen Gefühlen verletzt, ſondern verlangen
ſie

nur ſtatt des zerriſſenen


bemalten Vorhanges einen andern unbemalten. Ein Beweis, wie wenig
Vorgang nur die Tatſache der Bilderberehrung be
im

„der übrigen
weiſt“, wie Kraus weiter meint. Nicht einmal der Bilder gebrauch
jenen Gegenden geweſen ſein. Auf Cypern
in

kann damals verbreitet


kannte Epiphanius ſicher keine Bilder und auch auf ſeiner Reiſe nach
er,

traf obwohl An
er

Bethel mehr Kirchen ſeine


in

doch ſicher noch

dacht verrichtete, nur auf dem Landgut Anablata ein ſolches an, ſonſt
Es

hätten zerſtörte Bilder die Ruhepunkte ſeiner Wallfahrt bezeichnet!


Schluß, Kraus (Die Kunſt bei den alten
iſt

darum ein falſcher wenn


Chriſten 1868, ſagt: „Der Vorfall beweiſt nur, daß dergleichen
9)

Jahr
zu

Bilder Zeit,
in

ſeiner alſo der zweiten Hälfte des vierten


hunderts nichts Außergewöhnliches waren; denn ſchwerlich würde ſonſt
eine arme Dorfkirche ſich mit einem Bilde geſchmückt haben.“ Gerade
60 Epiphanius.

in der Kapelle eines einſamen Weilers konnte ein Bild eindringen,

während es in einer biſchöflichen und ſtädtiſchen Kirche nicht geduldet


worden wäre.

Meine Abhandlung war bereits abgeſchloſſen und enthielt nur


das Bisherige über Epiphanius, als Karl Holls Scharfſinn uns in
einer glänzenden Unterſuchung aus Micephorus zahlreiche Fragmente

und die Gedankengänge von den weiteren Schriften des Epiphanius


gegen die Bilder wiedergewann und damit den Bildergebrauch und
die Bilderverehrung am 4. Jahrhunderts in helles Licht
Ende des

rückte!). Die Bilderfrage, die Epiphanius im Briefe an Johannes von


Jeruſalem erſtmals berührt hatte, ließ den Eiferer für Orthodoxie und
Kirchlichkeit nicht mehr los. Er muß bald nach jenem Briefe die Wahr
nehmung gemacht haben, daß nicht bloß der Bildergebrauch, ſondern
auch die Bilderverehrung doch ſchon weiter verbreitet war, als er ſelber ur
ſprünglich geglaubt hatte. Darum wandte er ſich in einer Flugſchrift an
die breiteſte Öffentlichkeit: Aóyos Toü äyiov 'Erihaviov karä rövérrrnöev
öé eis

óvrov Troeiv eiöoAikº Deopſ eikóvas ähopoitoorv Toü Xploroü kai


röv kai Trpohnröv.
ër

Tñs DeoTókov kai papTöptov, kai äyyéAtov


E. « te Titel als götzendieneriſchen Brauch, Bilder
v,
es

Schon der brandmarkt


-wa Chriſti, der Gottesmutter und der Märtyrer, von Engeln und Pro
We
leef pheten Einleitung vom
ſº

Wegwerfend ſprach
er

herzuſtellen. der
in

Ex-„Verſchmieren der Wände“ (röv Toixov koviäoavres Xpöpao ölnAAoy


Yos
yo
n

pévois räs eikóvas Entſchuldigung, daß die Bilder


ſº

äveröTrooav). Die
Ehren ange
zu

zu

der Heiligen doch nur ihrem Gedächtnis und ihren


fertigt würden Tipiv aöröv), läßt nicht gelten.
er

(eis p.vnuóouvov
kai
Bilder ſind Wahrheit Fälſchungen (evöövvpo), die etwas darſtellen,
in

was gar Mußte Bild eines Erz


er
ſo

nicht vorhanden iſt. doch das


ob

engels ſehen mit Knochen und Sehnen! Als ein Erzengel ſolche

hätte! Ebendarum gereichen die Bilder den Dargeſtellten auch keines


wegs zur Ehre (ävri Toü Tipöv TrAéov aÖToüs ärpóKovov), wie denn
auch Paulus den angeblichen Hoheprieſter eine „überſchmierte Wand“
3).

23, Sie ſtehen ferner offenkundigem Widerſpruch


in

nannte (Act.
2),

8,

29),
(I.

ja

Joh.
3,

mit der uns durch Johannes Paulus (Röm.

Karl Holl, Die Schriften des Epiphanius gegen die Bilderverehrung.


!)

Sitz-Ber. preuß. Wiſſ. Phil.-hiſt. Kl.XXXV, 828–868:


1916,
d.

d.

Akad.
Eigentlich genügte der Hinweis auf Holls erſchöpfendeAusführungen. Der
Vollſtändigkeit wegen ſoll aber doch auch hier Inhalt und Bedeutung jener
Schriften mitgeteilt werden, was freilich nicht beſſer als mit Holls eigenen
Worten geſchehen kann.
Epiphanius. 61

den Herrn ſelbſt (Mt. 22, 30) gewordenen Verheißung, daß die Seligen

ſie
Chriſtus ähnlich und dem Sohne Gottes gleichgeſtaltet, daß himm

in
liſcher Herrlichkeit leuchten und wie die Engel Gottes ſein werden. Wie
kann man ſie dann nur gemeinem, totem und ſtummem Stoffe ſehen

in
öón uéAAovras haiöpüveodal äyious äöóp

év

êv
wollen (Trös oöv Toüs
kai vexp. kai äAáAp DéAes öpäv). Und wie kann man Engel, die
Geiſter ſind und ewiges Leben haben, toten Stoffen abbilden

in
doch

und verehren (év vekpoſs Ypähtov Trpookuveis). Sie wollen ſelbſt auch
gar nicht verehrt werden (oööé aÖroi DéAovo Trpookvveioða). Der
Engel der Offenbarung (22,9) hat die Proskyneſe durch Jo
in

ſich

hannes ausdrücklich verbeten. Ebenſo Petrus von Kornelius (Act. 10, 26.
14, 15). Und die Kirche hat auf dem Konzil von Laodicea die Ver
ehrung der Engel feierlich unterſagt. In verſtärktem Maß gilt das
von Chriſtus. Wie kann einer ſagen, daß den Unbegreiflichen

er
alles

im
und Unausſprechlichen, den Unfaßbaren und Unbeſchreibbaren Bilde
zeichne (röv äkaräAntrrov kai ävekömynrov kai äTreprvónrov äTrepiypa

dóv Ypäherv), ihn, dem Moſes nicht ins Antlitz er zu


vermochte

ſchauen
3,

33, 20)! Auch der Einwand, daß ja


6.

(Exod. vollkommener
ſei

Menſch geworden und deshalb als Menſch dargeſtellt werden könne,


Iſt
du
iſt

nicht ſtichhaltig. etwa dazu Menſch geworden,


er

damit den
iſt,

Unbegreiflichen, durch den das Weltall geworden mit deinen Händen


Iſt denn ſeit ſeiner Menſchwerdung
er

nachbilden könneſt? nicht mehr


öpolos ToÜ TraTpós, nicht mehr der, der die Toten lebendig macht. Und
wo hat der auf Erden erſchienene Chriſtus verordnet, daß man ein
Bild von ihm anfertigen und verehren (trpookuvev) und betrachten
da

ſie

ſolle? Eine ſolche Verordnung kann nur vom Teufel ſtammen,


im

zur Mißachtung Gottes anleitet. Gott hat ganzen Alten und Meuen
da

Derartiges verboten, und deutlich ſagt:


er

Teſtament klar Du ſollſt


6,

4,

Gott den Herrn verehren und ihn allein anbeten (Deut. 13. Mt. 10).
Da Epiphanius, wie klagt, mit ſeinen Ermahnungen nur Spott
er

erntete und ſelbſt bei ſeinen Mitbiſchöfen kein Verſtändnis fand, wandte
an

Kaiſer Theo
an

einer Eingabe eine höhere Stelle, den


I. in
er

ſich

doſius ßao Aéa), Aus


in

('EtrioToAi Trpös Geoöóolov röv der der


rottung des heidniſchen Götzendienſtes ſolchen Eifer bewieſen hatte.
Der Teufel,
zu

führt Kaiſer Gemüte, verführt


er

jetzt,
ſo

dem nachdem

die Irrlehren und die Idole überwunden ſind, die Chriſten durch Täu
ſchung aufs Neue zum Götzendienſte. Des Kaiſers Frömmigkeit möge
ob
es

überlegen, ſich für uns gezieme, einen mit Farben


es

einmal
Epiphanius kann ſich zwar nicht erinnern,
zu

gemalten Gott haben.


62 Epiphanius.

ſelber einmal etwas der Art geſehen zu haben, aber er hat in Erfah
rung gebracht, daß ſich Einige ſogar anheiſchig machen, den unbegreif

lichen Sohn Gottes zu malen (röv äkaräAntrrov viöv Toü deoü Ypäherv).
Das Neuerung. Wer von den alten Vätern hat ein
iſt
eine unerhörte
Bild von Chriſtus malen und einem Privathauſe oder

in

in
der Kirche oder
Türvorhängen anbringen laſſen?
an

Wer von den alten Biſchöfen hat


Chriſtus durch ein Gemälde entehrt? Wer hat Abraham, Iſaak, Jakob,
Moſes und die Propheten oder Petrus, Andreas, Jakobus, Johannes
den Pranger

an
oder die übrigen Apoſtel geſtellt?

ſo
zur Schau und
dar, haben,

ſie
Sudem ſtellen die Maler was nie geſehen zeichnen nach

ſo,
ihren eigenen Vorſtellungen!) Chriſtus und die Heiligen bald bald
unge
ſo.

Ihre Malerei

iſt
eine Lüge (heÜöovra). Überhaupt
iſt

es
zu
ziemend, Gott Farben und mit Gliedmaßen vor haben.
in

ſich
Bildergeſchmückte Vorhänge ſollte man zur Beſtattung von Armen ver
Mo
an

wenden, die Darſtellungen den Wänden übertünchen. Auch


ſaiken ſollten womöglich vernichtet werden, jedenfalls keine neuen mehr
zugelaſſen werden.
in an

Auch dieſes Schreiben den Kaiſer hatte nicht die gewünſchte


Wirkung. Teſtament (AaÖfkn roös
er

Darum redet einem Trpös

ſie
TroAiras) ſeiner Gemeinde noch einmal ins Herz, daß wenigſtens

„bei den Überlieferungen bleibe und weder nach rechts noch nach links
im

ja
abbiege.“ „Behaltet das Gedächtnis, geliebte Kinder, keine

Bilder Heiligen?) anzubringen,


in

Kirchen oder den Friedhöfen der


im

Gott allezeit
in

ſondern behaltet euren Herzen Gedächtnis. Aber


in

iſt
es

auch nicht einem Gemeindehaus. Denn einem Chriſten nicht


erlaubt, ſich durch Augenreiz und Benebelung des Sinnes erregen zu
laſſen, vielmehr ſoll das auf Gott Bezügliche allen eingezeichnet und
eingeformt „Wer unternimmt, göttliche Bild Gott
es

ſein.“ das des


Logos mit Berufung auf ſeine Menſchwerdung irdiſchen Farben an
in
ſei

zuſchauen, der Anathema.“


Das Wort des Biſchofs von Salamis über Bilderge
iſt

das letzte
Vgl. der Areopagrede Pauli Act. 17, 29: oök öeiAopev vopiLetv, xpvop
in
!)

äpyüpp Aldp, xapáypart réxvns kai évövp vöpcbnou,


oecos öeiov elva


H

öuotow.
Pl

év

Toü ävahépetv exóvas én“ ExxAnoias uñre rois kopnrnpios röv äyicov.
?)

ui

zu
es

Holl (S. 843) verbindet röv äyicov mit elróvas. Sollte nicht eher kopmrn
pios gehören? Im Gegenſatz nicht von den Heiligen, ſondern von Gott die
iſt
ich

von Elvira: Cereos per


34
an

Rede. Außerdem denke unwillkürlich can.


diem placuit non incendi, inquietandi sanctorum spiritus
in

coemeterio enim
n0n Sunt.
Epiphanius. 63.

brauch und Bilderverehrung. An der Herkunft der von Micephorus


bekämpften drei Schriften von Epiphanius kann nach Holls Machweiſen
kein vernünftiger Zweifel mehr obwalten!). Unſere eigenen bisherigen
Darlegungen aber zeigen, daß es in der Hauptſache alte apologetiſch
kirchliche – urſprünglich aus der ſtoiſchen Polemik gegen Götterbilder
ſtammende – Gedanken ſind, die Epiphanius wiedergibt, nur daß dieſe

ſie
ſich jetzt ausgeſprochen gegen chriſtliche Bilder wenden, während
im
früher die Götterbilder Auge hatten, Allgemeinheit

in
aber der
und Zuverſichtlichkeit, womit ſie vorgetragen wurden, von ſelber chriſt

die
liche Bilder als nicht vorhanden vorausſetzten. Wie alten Apolo
im
geten und Theologen kämpft der Geiſtigkeit
er

Namen gegen das


gegen eine Materialiſierung der Religion,

im
Stofflich-Sinnliche, Namen
der himmliſchen Glorie gegen eine Entehrung durch Irdiſch-Minder
im

wertiges, Namen der göttlichen Unbegreiflichkeit und Unfaßbarkeit


„Saſſung“,
im
gegen jeden Verſuch einer bildlichen Namen des Leben
im

digen gegen das Lebloſe, Tote, Namen der Wahrheit und höchſten

Wirklichkeit gegen die Willkür, Täuſchung und Lüge, die einer bild
lichen Darſtellung liege.
Wie jene, erblickt in

er
Göttlichen der

in
des
Darſtellung Tipf, ſondern eine ärpia.
ſie

Gottes Wie hat vor

er
keine
„Wänden“,

ſie
ſind, keinen Reſpekt.
ſie

auch wenn „beſchmiert“ Wie


im

als
er

erachtet das altteſtamentliche Bilderverbot Neuen Teſtamente


er, zu

durchaus recht beſtehend, und mit ihnen und den alten Stoikern
verlangt
im

daß man Gottes Bild Herzen tragen, nicht leiblich vor


Wie Euſebius betont die Unmöglichkeit, das gött
er

ſich haben ſoll.


liche Weſen Jeſu Chriſti, und die Unerlaubtheit, ſeine irdiſche Erſchei
im

nung Bilde darzuſtellen?), und faſt mit den gleichen Sätzen ruft
er

Bisher ſtand die Frage ſo: „Wo man die Schriften des Epiphanius
*)

gegen die Bilderverehrung überhaupt noch erwähnt ſpricht


bezeichnenderweiſe
ohne wei
da

ſie

nur der Einzahl von ihnen


in

man immer behandelt man


Ein Beiſpiel Bardenhewer, der
in
iſt
S.

teres als unecht.“ (Holl 850.)


ſeiner Geſch. altkirchl. Lit. III (1912) 301 mit Berufung auf Vailhé (Echos
d.

im

d'Orient 1906, 219 ff.) ſchreibt: „Ein Jahrhundert auftauchender Brief


8.
*) hl.

des Epiphanius gegen die Bilder war eine Fälſchung der Ikonoklaſten“.
ſagt Epiphanius bei der
6,

Panar. haer. 27, (ed. Holl 1915, 311,


1)
9

Schilderung des Bilderkults der Karpokratianer: ärwa èkrunchpará haow elva roü
örrö ſlowriou ſliAárov yeyevñoôat, rouréortv ékruncópora roü aüroü

"Inooü kai raüra


rp

'lnooü, öre èveöñpe röv ävöpcöncovyévet. Dazu bemerkt Holl ſeiner Abhand
im in

lung (S. 858): „Der mit rouréortv angehängte Satz enthält Sinne des Epi
phanius nicht bloß einen Bericht dann wäre überflüſſig –, ein
er

ſondern
Urteil über ihre Handlungsweiſe:
ſie

Chriſtus nur
ſo

können ſelbſtverſtändlich
abbilden, wie als auf Erden Wandelnder ausgeſehen Aber, muß,
er

ſo

hat.
64 Aſterius von Amaſea.

die ganze kirchliche Vergangenheit als Seugin ſeines Standpunktes auf.


Su daß Epiphanius, wie das Konzil von Elvira,

in
iſt
beachten noch,

bekämpfen hat!), und

zu
kirchlichen Kreiſen nur Gemälde, keine Statuen
auf Friedhöfe,

er
daß ſein Verbot ausdrücklich auch Gemeindehäuſer
und Privathäuſer ausdehnt, was beim Kanon von Elvira zwar nicht

iſt,
ausgeſprochen der Konſequenz des Standpunktes liegt.

in
aber
„Im ſelben Jahr, mit demſelben Brief hat Epiphanius den Kampf

Es
gegen Origenes und den gegen die Bilder aufgenommen. ent
behrt nicht der Tragik, daß gelang, gewal

es
ihm beim einen einen
ge

zu
tigen entfeſſeln,
in


Sturm der Kirche während beim andern
rade da, wo ſein Herz ſtärker beteiligt war ſein Wort wir


So noch

Es
kungslos verhallte.“ ſchließt Holl ſeine prächtige Abhandlung.
liegt aber auch wie eine Strafe darin, daß der Eiferer gerade mit den
Gedanken, worin und Verfolgten über
er

mit dem von ihm Gehaßten


einſtimmte, kein Gehör fand. Der origeniſtiſche „Geiſt“ entſchwand
eben da,
wo der Kirchenvater ihn gern feſtgehalten hätte.
auch Sur
Tragik noch die Ironie, wenn wahr wäre, was ſeit Jo
es
käme aber
oft behauptet wurde (vgl. Holl 2),

A.
S.
hannes Damascenus 847

f.
daß der Bilderſchmuck der Kirchen auf Cypern in
die Zeit unmittelbar
nach Epiphanius zurückreiche, die Cyprier alſo das Teſtament ihres Bi
mit ſeinem feierlichen Anathem gegen die Bilder Aus

ſchofs mit der
malung ihrer Kirchen beantwortet hätten.

14. Aſterius von Amaſea.


§

an

Aſterius von Amaſea der Wende des vierten Jahrhunderts


eis

Eis röv /\äLapov (Com


in

ſchildert ſeiner Homilie TrAoüolov kai röv


iſt

man das Unausgeſprochene ergänzen, Chriſtus doch nicht ein iMös ävöpconos
auf Erden, ſondern Er
im
iſt

und wandelt jetzt nicht mehr Himmel als der


an

„höhte und Verherrlichte.“ Dieſe Erklärung ſcheitert aber der Vorlage des
Epiphanius, Pi
6:

Iren. adv. haer. 25, Christi factam


I,

dicentes formam
a

lato illo tempore, quo fuit Jesus cum hominibus. gehört der Satz
in

Darnach
zu

mit Touréortv noch haoiv und enthält nicht ein Urteil des Epiphanius, ſon
dern eine Behauptung der Karpokratianer, nämlich die, daß ihre Bilder auf
„Originalaufnahmen“ Lebzeiten Jeſu zurückgehen ihrem Typ
zu

er u.

in

darum
echt ſeien. Trotzdem hat Holl vollkommen recht, wenn ſagt, daß Epiphanius
den Gnoſtikern nicht erſt ihrer Bilder zum Vorwurf macht, ſondern
die Art
überhaupt Bilder haben (vgl. oben
13
ſie

ſchon dies,
S.

daß f.).
Das argumentum silentio findet ſeine Gegenprobe der Schilderung
in
!)

6)

des karpokratianiſchen (Panar. haer. 27, und des heidniſchen Bilderkultes


3,

3,

102, Panar. anaceph. von tom.


7.

(Ancor.
I,

bei Holl
ff.

haer.
4
f.
2
1).
A.
S.

857
Aſterius von Amaſea. 65

befis, Graecolat. Patr. Bibl. Nov. Auct. Paris 1648 p. 4 sqq) I


mit Humor und Satire, wie ſich die Reichen in bemalten Kleidern ge
fielen, ſodaß wie bemalte Wände einherkämen und den Spott der

ſie
Gaſſenjungen erregten. Löwen, Bären, Hunde, Jäger und dergl. könne
da

man ſehen. Die eöAaßéorepo unter den reichen Herrn und Damen
aber böten den Webern Stoffe aus den Evangelien: Chriſtus mit ſeinen
Jüngern, Wunderſzenen wie die Hochzeit von Kana, die Heilung des
Frau, die Sünderin

ſie zu
Gichtbrüchigen, des Blinden, der blutflüſſigen
den Füßen Jeſu, die Auferweckung des Lazarus. Damit glaubten
zu

zu
fromm handeln und eine Gott wohlgefällige Kleidung tragen.
wollen,
ſie

ſie
„Wenn aber meinen Rat annehmen dann ſollen das
verkaufen und die lebendigen Bilder Gottes ehren. Male Chriſtum
ſeiner einmaligen Verdemüti
an

genug
iſt
es

nicht! Denn
gung Menſchwerdung, die freiwillig um unſert er
in

der
willen auf Trage vielmehr auf deiner Seele

in
nahm!). ſich
geiſtiger Weiſe das unkörperliche Wort umher. Habe nicht auf
den Kleidern den Gichtbrüchigen, ſondern beſuche den bettlägerigen

Kranken. Schaue nicht immer die blutflüſſige Frau an, ſondern er


der bedrängten Witwe. fleißig Sün
ſo

barme dich Siehe nicht auf die


zu

derin den Füßen des Herrn, ſondern bereue deine eigenen Sünden
und vergieße darüber reichlich Tränen. Male nicht die Auferweckung
Lazarus, ſondern
ſei

des auf eine gute Verſicherung deiner eigenen


Auferſtehung bedacht. Trage nicht den Blinden auf deinem Gewand
umher, ſondern tröſte den des Augenlichtes beraubten Lebenden durch
deine Wohltaten. Male nicht die Körbe mit den Speiſeüberreſten,
Trage nicht auf den Kleidern
zu

ſondern gib den Hungernden eſſen.

Galiläa gefüllt hat, ſondern gib


zu

Waſſerkrüge, Kana
in
er

die die
zu

den Dürſtenden trinken.“


Aus dieſer Stelle wird vielfach geſchloſſen, daß Aſterius ein Gegner
bibliſcher Bilder oder wenigſtens der Chriſtusbilder ſei?). Dafür ſpräche
allerdings die Begründung des Verbotes, Chriſtum
zu

malen (weil dies


eine neue Demütigung wäre), und der Umſtand, daß die bibliſchen
Bilder nicht einmal als Mittel religiöſer Pädagogik gewertet werden,
vielmehr ſittliche Erweckung und Übung guter Werke von der Betrach
er
im
ja

tung frommer Bilder ganz losgelöſt, Gegenſatz dazu ſtehend


Mi

Ypähe röv Xptoröv äpxel Yäp aörſ pla rñs evocoparchoecosramewohpo


Hv !)

oövn, aödapéros päs Kraus


d.

kareöétaro. Salſch überſetzt (Geſch. chr.


ö

ſeine Menſchwerdung niedrig.“


iſt

zu

Kunſt
I,

62): „denn dazu


Dobſchütz, Chriſtusbilder 1899, Beilagen
S.
v.

102.*
?)

Sorſchungen 27: Koch.


5
66 Aſterius von Amaſea.

zu
Es bedenken, daß das „male nicht Chriſtum“

iſt
ſcheint. aber doch
und das „male nicht die Auferweckung des Lazarus“ wechſelt mit „trage
nicht den Blinden auf deinem Gewand umher“ und mit „trage nicht
auf den Kleidern“,

ja
die Waſſerkrüge daß der Gegenſatz zum
(„trage vielmehr

zu
Verbot, Chriſtum malen das Wort auf deiner

zu
Seele herum“) wieder auf die Kleider hinweiſt, wie denn die Stelle
Micäa (787) dem Sinne nach ganz richtig citiert wurde „ph Ypähe röv
(Manſi XIII, 305).

Es
Xploröv iparios“.

in
év

handelt ſich alſo der


ganzen Stelle nur um Bilder auf Kleidern und die ſcharfe Zuſpitzung
Predigers

zu

zu
Gegenüberſtellung wohl der Rhetorik des gute
iſt
und
kein prinzipieller Bilderfeind

zu
halten. Man braucht ſein, um die
Darſtellung Chriſti und bibliſcher Szenen auf Straßenkleidern unpaſſend
In

Micäa verleſenen "Ekhpaos

eis
Eühn
zu

finden. der ebenfalls zu


piav Tiv póprupa (Manſi XIII
16sq. 308 sq.) ſchildert derſelbe Aſte
rius!) ausführlich und voll Rührung die Darſtellung des Martyriums

der Euphemia, einem Heiligtum deoü répevos)


er

die Gottes (rö Toü


in

geſehen habe. Die Mitbürger und Glaubensgenoſſen der jungfräulichen


Märtyrin ösävöpeiav öpoü kai iepáv
ſie

bewunderten und beſtatteten


ſie

des Heiligtums Tipös


in

der Nähe und reAoüov aörſ kai érñolov


éopTñv, korviv kai Trävönuov Trooüvres Von den Prieſtern
Travñyuptv.

heißt es: kai Aóyp Tipöo Tiv pvñunv äei kai örtos êeréAeoe röv rfs
kaprepias äyöva étrºpeAös Toös ouvióvras Aaoüs ékööáokovov. Von
Loypächos eöoeßös
öñ

Maler aber:
öé

dem kai aörös ölä rñs réxwns


ö

öüvapiv Tiv ioTopiav Xapáčas,


év

koTä Träoav orvöóv aüroü Trov Trepi

Tiv Dixnv iepöv ävéönke Déapa. Hierauf wird das Gemälde eingehend
beſchrieben. Warum dieſe Stelle „ein koſtbares Zeugnis für die Bilder
verehrung“ ſein ſoll, wie Bardenhewer Lit. III,
d.

(Geſch. altkirchl.
Mit
iſt

229) meint, Worte angedeutet,


iſt

nicht einzuſehen. keinem

Bilde ſelbſt irgend ein Kult gewidmet worden wäre, wie


es

daß dem

vorher von der Märtyrin ſelbſt geſagt wird. In der Verfertigung des
Bildes liegt allerdings eine eöoéßeia des Malers gegen die Märtyrin,
Bild ſelbſt aber nur ein Déapa, wegen ſeines In
iſt

das freilich

halts ein iepöv Déapa. Der ganzen Schilderung


iſt

es

nach kein
Kultbild, ſondern ein um die Öfkn ſich herumziehendes Gruppenbild,
das mehrere Szenen darſtellte und außer der Heiligen noch andere Per
onen, auch den Richter und die Henker enthielt. Die Stelle bezeugt
ſomit zwar den Bildergebrauch, aber nicht die (kultiſche) Bilderver

Holl (Sitz.-Ber. d.preuß. Akad. Wiſſ. Phil.-hiſt. Kl. 1916, 867


K.

d.
!)

allerdings Sweifel,
ob
3)

hegt beide Homilien von Aſterius herrühren.


A
Chryſoſtomus. Milus. - 67

ehrung. Dagegen heißt es vom Kreuze: EüXopévn öé Taürn haiveral


ÖTrép kehaAñs Tö on peTov, ö öñ vópos Xpor1 avois Trpooku
veiv re xai étrypäheoda, oöpßoAov olpa Toü Träôous, örep aötiv
éeöéxero.

§ 15. Chryſoſtomus.

Chryſoſtomus vergleicht in epist. ad Eph. c. 4 Hom. 10, 2


(Migne PG 62, 77 die
f.)

aus den Gläubigen beſtehende Kirche mit


einem Kirchengebäude, die Fehler und Sünden der Chriſten mit dem
faro äya

A
Brande einer Kirche: rivos yüp oöx


Toüro Trüp; Troitov

uátov röv évéxxAnoiq éot örtov; allen ihren

in
iſt
Die Kirche nicht

ſie
Teilen gleichwertig. Von den Steinen, aus denen zuſammengefügt
iſt, ſind die einen ſtrahlend und glänzend, andere geringer und dunkler
und doch noch beſſer als wieder andere: EoTiv iöeiv évraüôa TroAAoös

kai Xpvooü Tórvéréxovras, Xpuooü Toü koopoüvros röv öpochov“ EoTiv

iöeiv kai röv ätrö äya Apérov kóopov äAAous Trapexopévous' TroA
Aus dieſen Vergleichen geht hervor,
ös

Aoös éoTrv iöéiv oröAous êoröras.


der Kirche ſogar äyäApara
im

Orient
er

daß

faſt ein Unikum



in

weiß und nichts dagegen einzuwenden Auguſti (Beiträge 33)

I,
hat.
78
in

verweiſt noch auf Hom. Matthaeum. Hier ſagt Chryſoſtomus


(Migne PG
58, 716): Aiöatov Tiv huxñv
äv oo
oov TrAáTrev orópa
c.
4

oróporr Xploroü éouxós. öövara yüp Toiaüra önuoupyev, édéAn


orópa;

äv

olöe Tiv Téxvnv, öäövpos. Kai Trös TrAárrera Tooürov


H
ölä

ölä Troitow Xptop ártov; Troias ÜAns; ölä Xptop ártov pèv kai öAns
oööEpiäs üperñs ToTreivobpooövns.
öé

uóvns koi étrieIkeias kai


ö
ö

Der Mund des Chriſten kann alſo zum Munde Jeſu werden, freilich
nicht durch Farben und materielle Mittel, ſondern durch Tugendhaftig
keit, Demut, wie umgekehrt Fluchen, Lä
er

Sittſamkeit und durch


ſtern und Meineid zum Munde des Teufels wird. Daß aber damit
ich

irgend etwas gegen Bilder geſagt wäre, wie Auguſti meint, kann
nicht finden.
*,

16. Milus.
§

Wie Milus, ein Schüler des Chryſoſtomus, über Bilder denkt, ſagt
Ep. IV, (Migne PG 79, 577). Der Eparch Olympiodor
61
in
er

wollte einen großen Tempel (onköv uéyorov) bauen Trpös Tipiv röv
äyitov papröptov kai aöröv ölä uaprupiköv äôAtov kai Tróvtov kai iöpö
Xporoö
an

Tov paprupnöévros und Heiligtum ſollten den


in

dieſem

Wänden rechts und links viele Bilder angebracht werden: Jagdſzenen.


5*
68 Milus.

mit Haſen, Rehen und Hunden, Fiſchfangſzenen; außerdem ſollten aller


hand Gipsbilder drin prangen Trpös föoviv öddaMpöv, viele Kreuze er
richtet, und alle Arten von Tieren gemalt werden. Er fragte bei Milus
an, was er von dem Plane halte. Und dieſer antwortet ihm offen
und aufrichtig: „Es wäre knabenhaft und kindiſch, durch dieſe Dinge
das Auge der Gläubigen zu verwirren. Dagegen ſteht es einem feſten
und männlichen Geiſte an, im Heiligtum gegen den Oſten der heiligſten
Anlage ein einziges Kreuz aufzuſtellen – denn durch ein heilbringendes
Kreuz wird das Menſchengeſchlecht gerettet und den Verzagten überall
Hoffnung verkündet – und mit Darſtellungen aus dem Alten und
Meuen Teſtament von der Hand eines ausgezeichneten Malers den hei
ligen Tempel auf beiden Seiten
(Evôev damit die Kai Evôev) auszufüllen,
des Schreibens Unkundigen, die auch die heiligen Schriften
nicht leſen können, durch die Betrachtung des Bildes an die
Rechtſchaffenheit der echten Diener des wahren Gottes erinnert
und zur Machahmung der herrlichen und großartigen Tugendwerke
angeſpornt werden, wodurch jene die Erde mit dem Himmel vertauſcht

In
haben, vorzogen.“
ſie

indem das Unſichtbare dem Sichtbaren den


Kapellen aber, die der große Tempel
in
es

einzelnen heißt noch, ſich


gliedere, genüge
je

ein Kreuz.
Milus verwirft demnach den Plan des hohen Beamten nicht allein,
zu

weil erſcheint!), für ein vor allem, weil


er

er
ihm überladen ſondern
rp

Gotteshaus (év Toüdeoü) unpaſſende Gegenſtände vorſieht, ſelbſt


oiktp
II,
90

dieſe, wie Auguſti (Beiträge annimmt, allegoriſch ge


f.)

wenn
Er

meint geweſen ſein ſollten?). empfiehlt dafür Darſtellungen aus


dem Alten und Neuen Teſtament*), kennt aber Bilder nur als Erſatz
der Schriftlektüre für Analphabeten, als Mittel religiöſer Belehrung und
Ermunterung, nicht als Gegenſtand der Verehrung. Ein Kultbild gibt
für ihn Dagegen otornpiööns orau
er
es

auch noch nicht. dürfte den


pös oder Tipios oraupös ebenſo als Kultgegenſtand betrachten, wie dies

Aſterius von Amaſea tut.

Kraus Degenhart,
O.

63
S.

So Friedr. hl. Milus


a.
a.

und Der
!)

Sinaita Münſter 1915, 64.


Strzygowski (in Schieles RGG 389f) Ausſtattung
I,

in

erblickt der
?)

ſyriſcher mit Szenen


Kirchen von Jagd und Fiſchfang eine Wirkung bilder
feindlicher Strömungen,
Stiglmayr,
=

"loropia hiſtoriſche Gemälde, vgl. Stimmen aus Maria


*)

Bd. LXXX,
A.

1912, 415
1.

Laach
Die Kappadozier. 69

§ 17. Die Kappadozier.


allgemeinen chronologiſche Reihenfolge Epi

iſt
Unſere im durch
phanius, den wir mit Euſebius verbinden und dem wir ſeine Seitge
noſſen Aſterius, Chryſoſtomus und Milus anſchließen wollten, Unord

in
nung geraten. Noch haben wir aus dem Oſten die Stimme der Kappa
Baſilius

die 55
dozier
zu

würdigen. erörtert Mr. der größeren

in
die
ff.)
(Migne PG 31, 1044

ob
Kloſterregeln Frage, Beiziehung der
ärztlichen Kunſt mit der Frömmigkeit vereinbar ſei. Alle Téxva, ſagt
1),
(c.

von Gott zur Unterſtützung der Schwäche der Natur


er

ſeien
verliehen, Ackerbau, weil
ſo

der das von ſelber aus dem Boden


Wachſende für den Bedarf nicht genügen würde, die Weberei, weil man
aus Gründen der Schicklichkeit und zum Schutz gegen die Witterung
Kleider brauche, und Daraus, daß von der ärzt
ſo

auch die Heilkunſt.


lichen Kunſt auch ein ſchlechter Gebrauch gemacht werde, folge nicht,

Miß
ſie

daß man überhaupt fliehen ſolle, wenig als wegen


ſo

des

brauchs der Koch-, Bäcker- oder Webekunſt durch üppige Menſchen nun
zu

alle Künſte verwerfen ſeien; dem Mißbrauch müſſe vielmehr der


In
(c.

17
richtige Gebrauch 3).
entgegengeſetzt Hom. werden
fordert
Schilderung Märtyrers Barlaam die Aap
er

nach der der Leiden des


Trpoi röv äôAntiköv karopdopártov Loypäho auf, das Bild dieſes Helden
und ſeines Martyriums
zu

mit Farben beſſer zeichnen, als


er
es
mit
Worten gekonnt habe; ſich gerne durch ihre Kunſt
er

laſſe übertreffen
und werde ſich über ihren Sieg nur freuen. Auf dem Bilde ſolle aber
Kampfrichter Chriſtus röv TraAaop ärov äytovoôérns

auch der
(c.

Xporös) angebracht werden Migne PG 31, 489). Ähnlich heißt


3
40

Märtyrer (Migne 31, 508f): „So


19

Hom.
es
in

auf die
c.
2

der Erinnerung uns vergegenwärtigen


ſie

wir
in

wollen denn und den


Ge
zu

von ihnen ausgehenden gemeinſamen Segen den Anweſenden


müte führen, indem wir,
wie auf einem Bilde, allen die Standhaftig
keit dieſer Männer vor Augen ſtellen. Schildern doch auch kriege
riſche Heldentaten häufig ſowohl Redner wie Maler, jene mit dem

Schmuck ihres Wortes, dieſe mit ihrem Pinſel, und beide haben ſchon
Viele zur Tapferkeit entflammt. was das Wort der Ge
Denn
Gehör bringt, das ſtellt die Malerei
zu

ſchichtserzählung
So

dar und führt ſchweigend vor Augen. wollen auch wir


es
an

die Anweſenden den Heldenmut der Männer erinnern und ihre


Ver
zu

Taten ihnen gleichſam ſehen geben und


ſo

den Edleren und


in

wandteren unter ihnen den Entſchluß wecken, ihnen nachzuſtreben. Denn


70 Die Kappadozier.

Lobpreis der Märtyrer: Ermunterung Verſam

iſt
das der die der
melten zur Tugend.“

an
dieſer Äußerung vor allem,

iſt
Bemerkenswert
daß Baſilius gegen Bilder Chriſti, gegen die Euſebius und noch Epi
phanius ſich ereifern, nicht nur nichts einzuwenden hat, ſondern ein

ſo
Bild Chriſti auf dem Gemälde ſogar wünſcht; freilich ſoll Chriſtus als
Kampfrichter dargeſtellt ſein, alſo mehr als Symbol denn als Perſön
lichkeit. Gemälde haben aber für Baſilius nur didaktiſch-pädagogiſche
Bedeutung; von Gebrauch, Verehrung ſagt

er
einem kultiſchen einer
Allerdings Ep. 360 (Migne PG 32, 1100 B):

es
nichts. heißt

in
öôev kai Toös Xapaxrñpas röv eikóvtov aöröv (der Apoſtel, Propheten

und Märtyrer) Tipö kai Trpookvvö!), kar' étaiperov roörtov Trapaöeöo


röv kai oök ätrnyopeupévtov, äAA'
éx

év
pévtov äyitov äTrooTóAtov, Träoas
Tais éxkAnoias ſpöv roörtov ävoropoupévtov. Allein die Echtheit dieſes
als zweifelhaft. Und das ſeit Bilderſtreit
iſt

Stückes mehr dem des

ei
achten Jahrhunderts oft erwähnte echte Wort des Baſilius: rñs

h
kóvos Tipi dem Zuſammen
es Tö

in
étri Trptorórutrov öaßaive bezieht ſich
(De spir. sanct. Migne

18

45
hang,

die n.
in

c.
dem bei ihm ſteht
C)

32, 150 auf das trinitariſche Verhältnis, nicht auf Bilderver


wäre noch Ep. (Migne 32, 229 A), wo
Zu

2,

ehrung?). erwähnen
3

ſagt: Maler, von Bildern Bilder abmalen,


ſie

Baſilius Wie die wenn


häufig auf das Vorbild ſehen und Züge ihr Werk herüber
in

deſſen
iſt,

bemühen, muß auch, Tu


ſo

zunehmen wer beſtrebt der


in
ſich ſich
gend allſeitig zur Vollkommenheit durchzuarbeiten, auf die Leben der
Heiligen wie auf lebende und verwirklichte Bilder ſchauen und ihre
zu

Vorzüge Nachahmung eigen


iſt

durch machen.“ Hier



ſich
in
pädagogiſchem Suſammenhang Bildern bildlich geſprochen.

von
In der Leichenrede auf ſeinen biſchöflichen Vater ſchildert Gregor
von Mazianz auch den Tempel, den jener, zum größten Teil aus
eigenen Mitteln, für Gott und ſeine Gemeinde erbaut habe: auch Pla
zu

ſtiken ſeien darin ſehen, die der Natur nicht nachſtünden (TrAáopaoiv
39

Migne PG 35, 1037 A).


Aertropévos rñs hüoetos, Orat. 18,

Daß geweſen ſeien, angeſichts der oben er


iſt

dieſe TrMäopaTa Statuen


an

wähnten Äußerung von Chryſoſtomus ſich nicht gerade ausgeſchloſſen,


da

ſie

hier aber doch ſehr unwahrſcheinlich, über den Pfeilern der


Säulenhallen angebracht waren und man nicht verſteht, wornach der
im

Vom Küſſen der Bilder, meint,


2,

wie Lüdtke Kirchenlexikon? 833


)

übrigens hier nicht die Rede.


iſt

Dies hat Funk klargeſtellt, KAU (Paderborn 1899) 251ff.


II
*)
Die Kappadozier. 71

Redner die „Maturtreue“ von Statuen hätte bemeſſen können!). Ander

die
ſeits ſpricht das Wort TrAáopara nicht für „picturae“, wie Billius
Ep.

In
Stelle deuten möchte. 141, worin der Biſchof den Präfekten
Olympius um Schonung ſeiner wegen eines Aufſtandes mit Zerſtörung

iſt
bedrohten Vaterſtadt Mazianz bittet, allerdings nach dem Tempel

die

an
auch von den ävöpávres Rede, deren Vernichtung ſich zwar
bitter, aber doch nicht das Bitterſte wäre (Migne 37, 241 C). Aus
folgert Billius, Gregors Seiten die Gotteshäuſer

zu
dieſer Stelle daß
mit heiligen Statuen und Gemälden geſchmückt geweſen ſeien. Aber
wie Combeſis Recht dagegen bemerkt, Sta

in
mit ſind der Stelle die

Es
tuen mit Gotteshaus nicht lokale Verbindung gebracht.
in
dem

können alſo zur Sierde der Stadt dienenden Statuen


auch die ge
Auguſti (Beiträge 143) faßt die ävöpiávres, die mit
I,

in er
meint ſein.
dem Tempel Verbindung bringt, als identiſch mit den
in

der

für
den Sall,

ſie
Leichenrede erwähnten trAáopara oder nimmt daß

im
ſie
wirkliche Statuen geweſen wären, an, daß nicht Innern der
Kirche, ſondern außerhalb geſtanden hätten.
Wie unbefangen Gregor von Mazianz die Meiſterwerke griechiſcher
25
Malerei Plaſtik betrachtet, zeigt Orat. 28, (Migne PG
in

und
Poly
A)

56, Erwähnung Phidias,


61

die von „Männern wie Seuxis,


gnot, Parrhaſius, Aglaophon, die mit ganz ungewöhnlicher Kunſt Schön
zu

zu

heiten malen und bilden verſtanden“. Wie die Maler die Bilder
einer gewiſſen Entfernung betrachteten, ſagt Orat. 24, (Migne
er

aus
2

PG 35, 1172 B), werde auch die gegenſeitige Liebe der räum
ſo

in

A)
8,

lichen Trennung erkannt und geprüft. Orat. (Migne 35, 800


9

gebraucht das Sprichwort: ätrö rñs okäs étraveiv röv ävöpiávra,


er

gleichbedeutend mit: ätrö röv övöxtov röv Aéovra.


Gregor von Nyſſa rühmt rivéauroü Xeipo
eis

ſeiner Rede
in
A)

Toviav (Migne PG 46, 545 die ſchöne gewölbte, blau bemalte, mit
Gold und Schnitzwerk (YAvhaiS) verzierte Decke der Kirche. Von Sta
nur von Gemälden Dagegen
er

tuen oder auch erwähnt nichts. heißt


großen Märtyrer (Migne 46,
in
es

ſeiner Rede auf den Theodor


737 C/D): „Beim Eintritt eine Stätte, die, wo heute unſere
in

wie
an

Verſammlung ſtattfindet, wo das Andenken den Gerechten und ſeine


heiligen ſind, gefeſſelt von der Pracht deſſen, was
iſt

Überreſte man
zu

man ſchauen bekommt, wenn man ein Haus ſieht wie einen Tempel
die

Als echter Grieche rühmt Gregor Maturtreue der nAäopara, während


*)

Anſchauung Kunſt nur Lug Trug erblickte, ſiehe


u.
in

die ältere chriſtliche der


S.

oben 17. 19f.


72 Die Kappadozier.

Gottes, einen glänzend ausgeführten ſtattlichen Bau mit ſchönem Schmuck,


wo der Bildhauer Tiergeſtalten aus Holz ſchnitzte und der Steinmetz
die Blöcke wie Silber ſo glatt polierte. Auch der Maler hat die Blüten
ſeiner Kunſt beigetragen durch bildliche Darſtellung der Heldentaten des
Märtyrers, ſeiner Kämpfe, ſeiner Qualen, der wilden Geſtalten der
Peiniger, der Angriffe, jenes flammenſprühenden Ofens, der ſeligſten
Vollendung des Kämpfers, des Kampfrichters Chriſtus in menſch
licher Geſtalt: indem er Alles wie in einem ſprechenden Buche in
Farben kunſtvoll ausdrückte, verkündete er uns lebhaft die Kämpfe des
Märtyrers und ſchmückte den Tempel wie eine herrliche Wieſe. Denn auch
das Bild an der Wand verſteht ohne Worte zu reden und größten Nutzen
zu ſchaffen; ebenſo verwandelt der Moſaikkünſtler den Boden, über den
der Fuß geht, in einen Geſchichtserzähler.“ Dieſen Ausführungen und
jenem Schweigen kann wohl entnommen werden, daß es in erſter Linie
die papTüpia waren, die mit Gemälden, Darſtellungen der Martyriums
ſzenen, ausgeſtattet wurden!). Gregor von Myſſa (wie

iſt
Auch bei
bei ſeinem älteren Bruder Baſilius) auf dieſen Bildern Chriſtus als
Xp
zu

Kampfrichter roü äytovoôérou


in

menſchlicher Geſtalt ſehen –


pophñs ékrütropa.

iſt
oToü rñs ävöptoTrivns Die Ausdrucksweiſe kaum
zufällig umſtändlich, will wohl Einwänden, wie wir

ſie
ſondern aus
ſo

und Epiphanius kennen, begegnen –, einer dem guten


in
Euſebius alſo
Hirten entſprechenden ſymboliſchen
(mit dem Stab als Darſtellung
Zeichen der richterlichen Würde und Gewalt, öaßöoüxos oder öaßöo
vópos, vgl. Auguſti, Beiträge Die Bedeutung der Bilder
I,

139).
im

erſchöpft ſich Anſchauungsunterricht; Gegenſtand der Verehrung ſind


Das Schweigen wiegt
ſie

nicht. des Kirchenvaters nach dieſer Hinſicht


ſchwerer, als gleich darauf einen weitgehenden Reliquienkult
er
ſo

um
ſchildert: Die Berührung des Reliquienbehälters gilt als äyiaopös kai
eöAoyia, ſogar der darauf liegende Staub wird wie eine koſtbare Gabe
mitgenommen, die Berührung der Reliquien ſelber bildet vollends den
Gipfel des ſehnſüchtigſten Wunſches (Migne 740 A/B).
In

der Lebensbeſchreibung ſeiner Schweſter Macrina erzählt der


Kirchenvater,
ſie

daß ſtets am Halſe ein eiſernes Kreuz und auf der


Bruſt einen eiſernen Ring mit eingeprägtem Kreuz als huAakrñpov ge

Übrigens geht aus der von Calder aufgefundenen Grabſchrift des


!)

Eugenius hervor, die Ausmalung Kleinaſien ſchon der


in

in

daß der Kirchen


Vgl. Holl, Jahrb.
K.

Hälfte des Jahrhunderts wurde.


4.

erſten üblich Neue


XXXIII,
kl.

A.

Altert. 1914,
4.
d.

540
f.

A
Prudentius und Paulinus von Mola. 73

tragen habe, in der Höhlung des Ringes ſich ſogar eine Kreuz
habe

(ék
partikel Toü KöMov rñs Loñs) befunden (Migne 46, 989 C/D)!).

18. Prudentius und Paulinus von Mola.


§

Kehren wir wieder ins Abendland zurück, wir bei Pru


finden

ſo
Hymn. IX, PL

ff.
dentius Peristeph. (Migne 60, 434) und

9
XI, (Migne 544) Gemälde geſchildert, die die Martyrien des
ff.

123
hl.

hl.

Hippolyt darſtellen und

an
Caſſian und des der Decke oder der
Wand ihrer memoriae angebracht waren. Der „Kampfrichter Chriſtus“
im

zu
ſcheint Abendlande unbekannt ſein.
Paulinus von Mola?) bringt Carm. XVIII, 29ff. (ed. Hartel,
CSEL 30, 98) ſeinem gefeierten Schutzpatron, dem

hl.

zu
Felix, deſſen
Gedächtnistage eine poetiſche Gabe dar, freut ſich aber, wenn Andere
„pulchrategendis
ſie
ihm wertvollere Geſchenke bringen, mögen nun
yela ferant foribus, seu puro splendida lino sive coloratis textum

In
fucata figuris“ oder „pictis ceris“ Lichter anzünden. Carm.
XXVIII
an

hl.
(Hartel 291 ff.) beſchreibt der Baſilika des
er

die Felix
vorgenommenen Verſchönerungen und baulichen Veränderungen. Im
mittleren Säulengang ſind rechts die „sacra gesta“ frommer Männer
wie Job und Tobias, links die des „sexus minor“, wie Judiths und
In

Eſthers Bildern dargeſtellt (V. 20ff.). den „aulae“ kann man


in

„sacras figuras, veterum monumenta“ bewundern und „tribus in


XXVII
ff)
In

spatiis duo testamenta“ leſen (V. 170 Carm. (Hartel


hl.

262 ff.) begrüßt Paulinus den zum Feſte des Selix angekommenen
zu

daciſchen Biſchof Miketas von (V. 345 ff.)


Remeſiana und ladet ihn
einer Beſichtigung ein: gleich beim Ein
der reſtaurierten Märtyrerkirche
die

tritt durch erſte Tür gewahrt man, daß die Halle (porticus), die
vorher von einem dunkeln Dache bedeckt war, jetzt „nova pigmentis
die

hl.

culmine crevit“. Auch die „aula“ ſelbſt,


et

das Grab des


Märtyrers birgt,
iſt

von kunſtfertiger Hand neu ausgeſchmückt worden,


auch vom Maler „imaginibus divina ferentibus ora“ (V. 386). Die

In derſelben Lebensbeſchreibung ſagt Gregor auch, mit zwölf Jahren


!)
ſei

Macrina ſchön geweſen, daß ſelbſt die Kunſt der Maler ihre Schönheit
ſo

abzubilden, hinter ihrer voll


ſie

nicht habe erreichen können und alle Verſuche,


cbs

endeten Geſtalt zurückgeblieben ſeien: unöé Loypähov xeipas euréoda övvnöñvat


ös

rñs öpas“ äAAä riv návra unxavouévnv réxvnv kai rois ueyioros ErtroApöoav, xai
ölä

aüröv röv oroxeicov räs eikóvas rñs puphoeos ävarumoüoda, riv rñs pophis exeivns
eöxAnpiavpi ioxüoat äxpßeias uploaoda (964 B).
ö

Vgl. Auguſti, Archäol. III Bei


ff.

Handbuch der chriſtl. (1837) 633


*)

ff.

träge (1841) 147


I
74 Paulinus von Mola.

Deckengemälde der Halle geben eine kurze Geſchichte des Alten Teſta
mentes (V. 511 ff.). Paulin nennt auch den Grund, der ihn veran
laßt habe „pingere sanctas raro more domos animantibus ad
simulatis“ (V. 542 ff.): am Feſte des Heiligen ſtrömt eine große

Maſſe Volkes aus ganz Italien herbei, „turba frequentior, rusticitas


neque docta legendi.“

die
non lassa fide Sie, lange gewohnt

bis
profanis“, Bewunderung

ſie
waren „sacris servire der von

in
den Heiligen in Chriſti Kraft vollbrachten Werke ſich bekehrten, möchten
nun das Feſt des Märtyrers ihrer Art die ganze Nacht hindurch

in
feiern mit Freudenmahl, mit Becherklang und Liederſchall. Um dieſen
entgegenzuarbeiten auf den Gedanken, die Volks

er
Auswüchſen kam
menge durch das Geigen und Erklären der Bilder vom Eſſen und Trinken
abzulenken und ihr Beiſpiele von Mäßigkeit und Sittſamkeit vor Augen
zu

führen.
zeigen die Ausſchmückung
1)

Dieſe Stellen uns daß der Kirchen


mit Bildern war (raro more) daß die Bilder

2)
noch eine Seltenheit
nicht zur Verehrung, ſondern didaktiſch-pädagogiſchen Zwecken dienen
ſollten (die „sacrae figurae“ ſind nicht heilige Bilder, ſondern Bilder
3)

aus der heiligen erſter Linie bibliſche,


in

Geſchichte) daß namentlich


altteſtamentliche Perſonen und Szenen dargeſtellt wurden.
Aus Epp. XXX (Hartel 29, 262 und XXXII (275 ff.)

er
ff.)

fahren wir, daß der Adreſſat Sulpicius Severus den Paulinus um ein
es,

zu

gemaltes Bild von ihm bat, um deſſen Lebzeiten, zuſammen mit

Es
des Martinus von Tours, einem Baptiſterium anzubringen!).
in

dem
42),
an

S.
Bilder Chriſti
(ſ.

erinnert euſebianiſche Gedanken über oben


ut

wenn Paulin ſchreibt: „Qualem cupis mittamus imaginem


an

illam incor
tu

tibi? Terreni hominis caelestis? Scio quia


ruptibilem speciem concupiscis, quam rex caelestis ada
in
te
Er

mavit“ (S. 263). gibt ſchließlich nach unter der Bedingung, daß
Martinus als nachahmenswertes, als abſchreckendes Beiſpiel betrachtet
er

die

werde, Martinus als „perfecta regula vitae“ für Heiligen,


er

als Lehre für die Sünder, wie man Buße tun müſſe, um Verzeihung
zu

erlangen, Epigramme,
er

und ſchickt die dieſen Gedanken Ausdruck


f.)

geben und als Inſchriften angebracht werden könnten (S. 277 Aus
einem weiteren Epigramm (S. 279 f.), das unter ein Gemälde des
Baptiſteriums kommen ſoll, kann wohl geſchloſſen werden, daß darauf

Bei Auguſti und auch bei Kraus (Die Kunſt bei den alten Chriſten
!)

irrigerweiſe, Paulin
es

1868, 13) heißt ſelber habe ſein Bild nebſt dem ſeines
Freundes Martinus Baptiſterium aufgeſtellt.
in

einem
Auguſtinus. 75

die Taufe Jeſu im Jordan und die ſich dabei offenbarende Dreifaltig
keit dargeſtellt war. „de signo domini super ingres

iſt
Außerdem
sum picto“ (S. 287) und von weiteren

an
gemalten Kreuzen andern

zu
Stellen der Baſilika, der das Baptiſterium gehörte, die Rede (S. 289).

19. Auguſtinus.

§
Auguſtin) 34, (Migne

75
De mor. eccl. cath.

I,
ſchreibt
PL 32, 1342): „Novi multos esse sepulcrorum pictura

et
cum adoratores; novi multos esse qui luxuriosissime super
mortuos bibant epulas cadaveribus exhibentes super sepultos
et
se

ipsos sepeliant ebrietatesque suas deputent


et

voracitates
religioni.“ Daß hier die Verehrer von Gräbern und Gemälden „nicht
gerade gelobt“ werden, gibt auch Kraus (Geſch. 63)

I,
d.
chriſtl. Kunſt
im

zu, glaubt aber übrigen, daß ſich der Tadel mehr „gegen die bei

den Todesmählern und Agapen eingeſchlichenen Mißbräuche“ richte.


Der Suſammenhang, mit heidniſchem Unfug
in

den hier der Bilderkult


gebracht wird, weiſt aber eher die Richtung, Bilder
in

daß auch der


kult als ſolcher dem Kirchenvater als Verirrung und Machwirkung des

Heidentums erſcheint.
De consensu Evang. (Migne 34, 1049) wendet ſich
16

10,
I,

Auguſtin gegen angebliche Schriften Chriſti über magiſche Dinge, die


an Petrus und Paulus gerichtet haben ſoll. Dieſe Schriften, ſagt er
er,

ſtammten von Fälſchern, die die Namen Chriſti und der Apoſtel ge
ver
zu

wählt hätten, um ihren verabſcheuenswerten Künſten Anſehen


und Paulus,
ſie

ſchaffen, und gerade Petrus weil dieſe beiden für die


Jünger Jeſu gehalten hätten, beſten jene
er

vertrauteſten denen am
ſie

Geheimniſſe anvertraut hätte. Zu dieſer Vorſtellung ſeien dadurch


gekommen, daß „pluribus locis simul illo pictos viderent“
ſie ſie

eos cum
und daß Rom wegen des nämlichen Paſſionstages zuſammen feiere.
„Sicomnino erraremeruerunt, qui Christ um apostolos ejus
et

pictis parietibus quaesi


in

non codicibus,
in

sanctis sed
erunt: nec mirum, pingentibus fingentes deceptisunt.“
si
zu a
In

Jeſu gar nicht ſein Jünger


ſei

Wirklichkeit Paulus Lebzeiten noch


geweſen und habe darum auch nicht zuſammen mit Petrus eine Schrift
Es

an

richtig,
iſt

von ihm erhalten können. daß hier dem Gemälde


ſie

der Wand die geſchichtliche Wirklichkeit, wie aus der heiligen Schrift
zu

erfahren ſei, gegenüber ſteht. Aber der Ton macht die Muſik und
II,

Vgl. Auguſti, Beiträge


ff.

105
!)
76 Auguſtinus.

der verrät alles eher als eine Freude an und eine Achtung vor „be
malten Wänden“ und „Malenden“. Die „Wände“ ſtehen bei Auguſtin
kaum höher im Anſehen als bei Lactantius, Epiphanius und den Vätern
von Elvira.
Auch De Trinit. VIII, 4, 7 (Migne 42, 951) von Bildern

iſt
Chriſti und Pauli die Rede, aber nicht von Gemälden, ſondern von
Bildern, die man ſich beim Leſen der Evangelien und der Briefe von
Chriſtus und dem Apoſtel und den andern bibliſchen Perſönlichkeiten

die
im

Geiſte mache und „Quis cum


nun ganz verſchieden ausfielen:
legentium vel audientium quae scripsit apostolus Paulus, vel
illo scripta sunt, non fingat animo ipsius apostoli
de

quae

et
ibi

Et
quorum
et

faciem omnium nomina commemorantur?


tanta hominum multitudine quibus illae litterae notae
in

cum
sunt, alius aliter lineamenta figuramque illorum corporum co
gitet, quis propinquius similius cogitet, utique incertum est“.
et

wie jene Männer aus


zu
Der Glaube habe auch damit nichts ſchaffen,

geſehen hätten, ſondern nur damit, wie ſie mit der Gnade Gottes die
die

die

et
Werke vollbrachten, Schrift von ihnen erzähle. „Nam
ipsius dominicae facies carnis, innumerabilium cogitationum
diversitate variatur fingitur, quae tamen una erat, quae
et

cumque erat.“

zu
Soviel zeigt Auguſtins
es
dieſe Stelle ſicher, daß
Seit noch keinen feſten Typ Chriſti oder eines Apoſtels gab und Au
guſtin für derlei Fragen nicht viel Intereſſe hatte.
73

Contr. Faust. 22, (Migne 22, 446) erwähnt Auguſtin die


ein Ereignis „tot linguis can
als

Opferung Iſaaks durch Abraham


tatum, tot locis pictum“, daß man davon etwas hören und ſehen
der
zu

müßte, Wie
er

auch wenn man nicht wollte. aber ſelber ſich


artigen Bildern ſtellt, nicht geſagt, nicht, Ört
iſt

damit auch daß die


Defide
im et

gerade Dagegen bekämpft


er

lichkeiten Kirchen ſeien.


die

symb. (Migne 40, 188)


ob

Vorſtellung, als der Vater


c.
7

Vaters“ be

Himmel wirklich

ſitze „Sitzet zur Rechten des und


derartige Bilder derartige Vor
in

zeichnet der Kirche und noch mehr


im

ſtellungen Geiſte als eine Ungehörigkeit: „Tale enim simulacrum


in

templo collocare; multo magis


in

Deo nefas
est christiano
corde nefarium est, ubi vere est templum Dei, terrena cu
si
a

piditate atque errore mundetur.“ Das Sitzen bedeute einfach die


richterliche Gewalt. Auguſtins Unwille hat hier deutlich einen dog
matiſch-prophylaktiſchen Grund, will aus der Gottesvorſtellung
er

alles
Auguſtinus. Gregorius I. 77

Anthropomophiſtiſche ausgeſchloſſen wiſſen und bekämpft deshalb eine


Darſtellung, gegen die eine ſpätere Zeit keinerlei Bedenken hatte.
Serm. 316, 5, 5 (Migne 38, 1434) ruft Auguſtin aus: „Dul
cissima pictura est haec (al: hic), ubi videtis sanctum Stepha
num lapidari, videtis Paulum lapidantium vestimenta servantem.
Iste est etc.“ Da aus dem Suſammenhang nicht beſtimmt hervor

II,
geht, ob ein wirkliches Gemälde, oder, wie Auguſti (Beiträge 108)
annimmt, eine maleriſche rhetoriſche Schilderung gemeint iſt!),

iſt
ſo
mit

zu
nicht viel anzufangen. Auguſtins

es
der Stelle Aber daß Seiten
Bilder,

ja
religiöſe den Kirchen, gegeben hat,
in

iſt
bereits auch durch

Er
Ausſagen

iſt
ſeine und Anderer unzweifelhaft. ſelber freilich ſolchen
Bildern gegenüber ſehr vorſichtig und zurückhaltend, eher dagegen als
dafür. Eine Bilderverehrung ihm Superſtition.
iſt
vollends

20. Gregorius
I.
§

Sum Schluß noch die Stimme eines Papſtes 13 an der Schwelle des
Mittelalters. Gregor ſchreibt Ep. XI, (Migne PL 77,
in
I.

den Biſchof Serenus von Marſeille: „Perlatum siquidem


an
f.)

1128
nos fuerat, quod, inconsideratozelo succensus, sanctorum
ad

ne

imagines sub hac quasi excusatione, adorari debuissent, con


Et

fregeris. quia eas adorari vetuisses, omnino lauda


quidem,
vimus; fregisse vero reprehendimus Aliud est enim pic
.
.
.
.

turam adorare, aliud per picturae historiam quid sit


adorandum addiscere. Nam quod legentibus scriptura,
hoc idiotis praestat pictura cernentibus, quia ipsa etiam
in

ignorantes vident quid sequi debeant, ipsa legunt qui


in

Unde praecipue gentibus pro lectione


et

litteras nesciunt.
pictura est Frangi ergo non debuit quod non ad ado
in ..
.
.

randum ecclesiis, sed ad instruen das solummodo


mentes fuit nescientium collocatum“. „Si quis imagines facere
voluerit, minime prohibe, adorari vero imagines modis om
et ut

nibus veta. Sed hoc sollicite fraternitas tua admoneat, ex


percipiant,
in

visione rei gestae ardorem compunctionis


adoratione solius omnipotentis sanctae Trinitatis hu
militer prosternantur.“ (Vgl. Ep. IX, 105 Migne 1027f).
Der Papſt ſchätzt und ſchützt alſo Bilder als Belehrungsmittel für
ad

Chryſoſtomus ſchildert Eph. IV (Migne


In

Auch ep. Hom. 10,


c.
!)

PG ſagt dann:
öè

62, 77) den Brand eines vornehmen Hauſes und riv exóva
r

raürnv EntnMéov ééretva;


78 Gregorius I.

Ungebildete, will aber ihre „adoratio“ unterdrückt wiſſen. Was ver


ſteht er unter dieſer „adoratio“? Wenn es zum Schluſſe heißt, daß
man ſich nur zur Adoration der heiligen Dreifaltigkeit demütig nieder
werfen ſolle, ſo könnte man vermuten, jene Chriſten, die den Sorn des
Biſchofs von Marſeille hervorriefen, hätten ſich vor den Bildern an

es,
betend niedergeworfen. Allein vorher hieß daß man durch die Ge

zu
ſolle,was „adorieren“ ſei. Da

es
mälde lernen ſich aber um

„sanctorum imagines“ handelte, kann hier „adoratio“ nicht die

ſo
„Anbetung“ ausdrücken wollen, ſondern nur die „Verehrung“. Wir
ſtehen eben vor einer noch ganz unentwickelten Terminologie. Soviel
daß wenn der Papſt den Bildern nur eine gewiſſe,
iſt

aber ſicher, auch

„adoratio“ wollen, dies hätte irgendwie

er
relative hätte zuerkennen

So
zum Ausdruck bringen müſſen. aber wird den Bildern, einem Werke
von Menſchenhand „ne quid manufactum adorari possit“ heißt

Ep. IX, (Migne 1027) –,


jede „Adoration“ abgeſprochen
es

105
und nur didaktiſcher Wert zuerkannt.
Ep. IX,
In

52

(Migne 990f) teilt Gregor dem Einſiedler Se


mit, die gewünſchten Bilder Jeſu, Mariens
er

cundinus daß ihm


und der Apoſtel Petrus und Paulus geſchickt habe und ſpricht nun

vom richtigen
Gebrauch der Bilder. „Unde valde nobis tua postu
latio placuit, quia illum toto corde, tota intentione quaeris,
visio cor
ut
cujus imaginem prae oculis habere desideras,
te
ut

poralis quotidiana reddat exercitatum, dum picturam illius


ad

vides, illum animo inardescas, cujus imaginem videre desi


Ab non facimus, per visibilia invisibilia demon
re

deras.
si

stramus imaginem Salvatoris


Scio quidem quod
.
.
.
.

nostri non ideo petis, quasi Deum colas, sed re


ut

ob

cordationem filii Dei ejus amore recalescas, cujuste ima


in

nos quidem non quasi ante di


Et

ginem videre desideras.


vinitatem anteillam prosternimur, sed illum adoramus,
quem per imaginem aut natum autpassum, sed throno
et
in
Et

sedentem recordamur. dum nobis ipsa pictura quasi


scriptura
ad

memoriam filium Dei reducit, animum nostrum


de

de

aut resurrectione laetificat aut passione demulcet.“


Verneint der Satz „Wir werfen uns vor dem Bilde nicht wie vor
einer Gottheit nieder“ bloß den Kniefall wie vor einer Gottheit oder
den Kniefall überhaupt? Will ſagen: wir wohl vor
er

werfen uns
dem Bilde nieder, aber nicht wie vor einer Gottheit? Oder bedeutet
er: wir werfen uns vor dem Bilde überhaupt nicht nieder? Daß
Gregorius I. 79

erſtere Deutung an und für ſich ſprachlich nicht gerade unmöglich wäre,
ſoll nicht beſtritten werden. Aber durch den ganzen Zuſammenhang
nicht bloß unwahrſcheinlich, ſondern ausgeſchloſſen. Wo Gregor
ſie

wird
der Bilder poſitiv angibt, ſpricht immer nur von einem

er
den Zweck
Sehen und Anſchauen der Bilder (prae
oculis habere desideras,
visio corporalis, vides, videre desideras), nicht von irgend einer
Verehrung. Ferner
dem „non quasi ante divinitatem
entſpricht

ante illam prosternimur“ vorher „non quasi Deum colas

ut
(imaginem)“ und als poſitives Gegenſtück nachher „sed illum ado

=
ramus.“ Wir haben alſo die Gleichung: quasi Deum colere quasi
prosterni
=
ante divinitatem adorare. Das „quasi ante divini
tatem prosterni“ alſo ein Begriff, der bezüglich der Bilder verneint
iſt

wird, deshalb verneint wird, weil der Papſt ein anderes religiöſes „pro
sterni“ als ein latreutiſches bezw. idololatriſches gar nicht kennt. Gewiß
hatte der Papſt ſeiner Zeit als Apokriſiar Konſtantinopel auch die Trpoo
in

küvnois vor dem Herrſcher geſehen und wohl auch geübt,

ſie
aber war
ihm ein Akt der profan-höfiſchen, nicht des religiös-kirchlichen Zeremo
„prosterni“ als zwar

la
Würde religiöſe
er

niells. ein aber nicht


treutiſche Huldigung und anerkennen, genauer unter
er

müßte
ſo

kennen
Et

ſcheiden und ſagen: nos ante illam (sc. imaginem) prosterni


mur quidem, sed non quasi ante divinitatem, sed illum ado
rantes etc. Daß nur ein anbetendes religiöſes „pro
er

aber wirklich
Ep. XI, 13:
in
et

sterni“ kennt, ſagt


in
er

vollends ausdrücklich
adoratione solius omnipotentis sanctae Trinitatis humiliter pro
Sternantur.
Ep. IX, (Migne 77, 944) ſchreibt Gregor dem Biſchof Janu
6

arius von Calaris, die dortigen Juden ſeien bei ihm geweſen und
hätten ſich beklagt, daß der Meophyt Petrus, ein ehemaliger Jude,
am Tage ſeiner Taufe mit etlichen Helfershelfern ihre Syna
in

nach
„atque imaginem illic genitricis Dei Domi
ſei

goge eingedrungen
nique nostri venerandam birrum album, quo
et

et

crucem
de

fonte resurgens inductus fuerat, posuisset.“ Man beachte,

wie hier zwar das Kreuz, aber nicht das Bild der Gottesmutter das
die

Prädikat „veneranda“ Zwar heißt nachher, Synagoge


es

erhält.
müſſe den Juden zurückgegeben werden „sublata exinde cum ea,
qua dignum est, veneratione imagine atque cruce“, allein
hier, bei der Entfernung von Bild und Kreuz aus der Synagoge, nimmt
der „veneratio“,
an

ſie

das Bild womit


eben um des Kreuzes


willen vor gehen ſoll, Der Papſt will eben, Bild

ſich teil. daß


80 Machträge: Su Origenes und Methodius.

und Kreuz in angemeſſener,würdiger Weiſe aus der Synagoge geholt


würden. Für eine Bilderverehrung folgt aus dieſer Stelle nichts.
Papſt Gregor I.

zu
ein Seuge für den Bildergebrauch

iſt
didaktiſch
pädagogiſchen Zwecken, aber nicht für eine Bilderverehrung.
- Dieſe
wird von ihm geradezu abgewieſen.

Machträge.

Zu Origenes (S.

19
ff.).

Am unbefangenſten und günſtigſten urteilt Origenes über die Künſte


In

(Migne PG 12, 715), wo

im

an
Num. hom. 18,

er
Anſchluß
3

iis
in ex
31, ſchreibt: Considera ergo omnibus, quomodo
ff.

Exod.
1

Deo est sapientia fabrilis, sive auro, sive argento,

in
a

alia quacumque materia,vel etiam textrini sapientia,


in

et
sive
vide, quia jam dicide omnibus potest, quod horum scien
iis

tia ab Excelso sit Ut autem amplius intelligamus adhuc


.
.
.
.

totius scientiae sapientiam Deo originem trahere,


a

hominibus autem mali propositi, vel etiam


ab

daemonibus

ad
corruptelas quasdam sapientiae Dei admiscentibus declinari
malum. Die Kunſtfertigkeit Origenes nennt der scientia

neben
fabrilis und der scientia textrini ausdrücklich noch die ars geome

die
trica, aus der die architectonica hervorgehe, die musica und
an

scientia medicinae Gott und wird erſt


ſtammt alſo ſich von


durch menſchlichen Mißbrauch oder durch dämoniſche Verderbnis böſe.
Darnach wäre das oben Geſagte einzuſchränken: Fälſchung und Täu
ſie

für Origenes nur,


iſt

ſchung die Kunſt vielleicht wo Überirdiſches


zu

Immerhin beachten, daß


ja er
iſt

und Göttliches darzuſtellen verſucht.


an

ſie

der eben angeführten Stelle die Bildhauerei nicht nennt, wie


auch Exod. 31, nicht mitgemeint, geradezu aus
ff.

nicht bloß ſondern


1

geſchloſſen iſt. Vergleiche die Bemerkung des Klemens von Alexandrien,


daß „die einen Menſchen darſtellenden Statuen offenbar der Wahrheit
ſie
S.

ferne“ ſeien (oben 17.) Vielleicht richtet ſich aber auch nur
gegen die Darſtellung einer Gottheit Menſchengeſtalt.
in

22

Su Methodius (S. ff.)


ich

Machträglich ſtoße bei Methodius auf eine Stelle, die zeigt,


profanen ihr wahrt Bild und
er

daß der Kunſt Recht und zwiſchen


De autexusio XV,
es

idololatriſchem Gebrauch unterſcheidet. heißt


6
Unterſcheidung. 81

nämlich nach Bonwetſchs Überſetzung aus dem Slawiſchen (1917, 185):


„Alſo wird auch Bilder oder Bildwerke zu machen, obwohl es nicht
ſchlecht
iſt
der Subſtanz (dem Weſen) nach, durch die Weiſe des Ge
brauchs böſe. Denn wenn jemand ein Bildwerk macht, welches die
Geſtalt eines Menſchen hat, nicht wegen der Kunſt, will

er
noch indem
durch das Bild des Mächſten das Abbild eines Freundes ſehen, ſondern
wegen der Verehrung wie Gott anzurufen,

es
und der tut ein böſes
Und des Tuns Han
es ſo

Werk. macht die Weiſe und die Abſicht des


delnden, Auch dieſe Stelle zeigt,

er
daß böſe ſei.“ daß noch keine

da
chriſtlich-religiöſe vor hat, viel

er
Kunſt ſich ſonſt mit dieſer noch
beſſer argumentieren und den Unterſchied von gutem und böſem Ge
vorher:

es
brauch veranſchaulichen könnte. Zudem heißt unmittelbar
kai äyaôöv yivera. yáp

Deooeßeiv rpótrºp kaköv uèv TIs röv

ei
h

äAndñ oéße deóv, Epyov Troie äyadóv“ öé Toürov kara.Atriov röv oök
ei

övra oéße, Kai Tiv Toü xpeirrovos Tipiv üMos Midos Trpooärrev

f
édéAE, kaköv Trpärre. Deooeßeias övopa aöró,

öé


kai pèv rñs

ö
Yvópevov. Metho

Tñs XpñoEtos TpóTros évaAAáTrei Auch hier kennt

dius nur die Verehrung des wahren Gottes einerſeits und die idolo
latriſche Verehrung von Hölzern und Steinen anderſeits, keine chriſtliche
Bilderverehrung.
II.

Ergebniſſe und Suſammenhänge.

Unterſcheidung.
1.
§

iſt,

Die Frage nach der Stellung der alten Kirche zur Kunſt wie
viel
zu

zu

unſere Unterſuchung gezeigt haben dürfte, verwickelt und


ſeitig, mit ein paar Worten abgetan werden könnte.
ſie

als daß Lautet


einfach auf den „Kunſthaß der alten Chriſten“,
ſie

ſie

vollends kann
ſo

glatt bejaht glatt verneint werden,


in
iſt

weder noch vielmehr dieſer


Form von Haus aus ſchiefgeſtellt.) Hier gilt der Grundſatz: qui bene
distinguit, bene docet. Die Frage zerfällt drei Unterfragen:
in

Wie ſtellte den erſten Jahrhunderten zur


in
1.

ſich das Chriſtentum


Wie zur profan-neutralen?
2.

3.

heidniſch-idololatriſchen Kunſt? Seit


wann gibt eine religiös-kirchliche Kunſt, eine ars sacra, Bilder und
es

Bilderverehrung?
Auf die Frage die Antwort einfach und unbeſtritten:
iſt

erſte der
heidniſch-idololatriſchen Kunſt ſtand das Chriſtentum nur entſchieden ab
Vgl. auch Achelis, Wiſſ. 1912, 230.
H.

5tſchr. neuteſt.
!)

f.

Sorſchungen27: Koch.
6
82 Unterſcheidung.

und feindſelig gegenüber. Da das Wort vom „Haſſe“ voll

iſt
lehnend
ſtändig am Platze. Der Abſcheu vor dem Götzendienſt wandte ſich

zu
naturgemäß auch gegen alles, was dem Götzendienſt diente und ihm

die
Beziehung ſtand, gegen Herſtellung von Tempeln,
in
alſo namentlich
Altären und Götterbildern. Alle Töne, von der überlegenen Ironie
dem beißenden Spott über die armen, Holz und Stein gebannten,

in
und
auf den Schutz der Menſchen angewieſenen und dem Serfall und allen
Zufälligkeiten ausgeſetzten Götter bis zur abergläubiſchen Furcht vor
den hinter Altären und Bildern Dämonen,


ſteckenden einer aus der
früheren Verehrung gebliebenen Superstitio –, ſind aus dem chriſtlichen
Jahr
zu

Lager hierüber vernehmen. Von den Chriſten der erſten

ſie
zu

hunderte verlangen,
daß den Kunſtwert der Bilder von ihrem
Kultwert hätten unterſcheiden ſollen, wäre gewiß unbillig. Solange das

die
Chriſtentum einer Majorität von Heiden gegenüberſtand, der Bilder
ſelber nicht bloße Kunſtwerke, ſondern zugleich Gegenſtände der Ver
ehrung und Anbetung waren, dieſe Bilder bedingungslos ver
es
mußte
werfen. Freilich konnten darüber die Meinungen ſchon damals aus
einandergehen, wie nahe die Beziehungen einer Kunſtübung zum heid
ſein mußten, als unſtatthaft,
ſie

niſchen Kult um für einen Chriſten

zu
wie loſe und entfernt, als angängig
ſie

um noch erſcheinen laſſen.


Hier blieb, wie Fragen und geſelligen Ver
in

den des wirtſchaftlichen


kehrs überhaupt, dem Takt und dem ſittlichen Empfinden ein gewiſſer
Spielraum. So ſtreng und ſchroff, wie ein Tertullian, urteilten
in
dieſer
Klagt doch ſelber darüber, ſogar unter
er

es

Hinſicht nicht Viele. daß


dem Klerus Verfertiger von Götzenbildern gebe! Wie aber die Passio
quattuor Coronatorum zeigt, wußte man auch
zu

unterſcheiden und
zu

die Extreme meiden. Jene vier chriſtlichen Steinmetzen, die unter


das Martyrium erlitten, nehmen
an

Diokletian der Herſtellung einer


Statue des Sonnengottes Sol, der ihnen lediglich die Perſonifikation
einer Naturerſcheinung bedeutet vgl. die Genien vier Jahres

der
–,
ſie

zeiten keinen Anſtoß, während ſich unbeugſam weigern, einen


zu

Äskulap bilden!). Nachdem die Kirche ſich mit dem Staate verſöhnt
kraſſeſten Form über
in

und mit deſſen Hilfe den Götzendienſt ſeiner


ſie

hatte, der Schonung


in

wunden konnte der vorhandenen heidniſchen


Kunſtwerke, ſoweit dieſe nicht allzu pikant oder grob unſittlich waren,
ſie

einen Schritt weiter gehen mehr, als angefangen


um bereits
ſo


X,
ed.

Wattenbach, Sitz.-Ber. Wiener Akad. 115–137.


v.
d.
')

dinger, Unterſuchungen zur röm. Kaiſergeſch. III, Bigelmair, Die


ff.

321
Beteiligung der Chriſten uſw.
S.

328.
Unterſcheidung. 83

hatte, die paganiſtiſchen und polytheiſtiſchen Bedürfniſſe der Maſſe in


anderer Weiſe zu befriedigen, den Olymp durch ihren Heiligenhimmel

zu erſetzen und ihn dadurch entbehrlich zu machen.

ſie
Fehlte es auch nicht an Ausbrüchen des Fanatismus, ſo waren
doch ſelten und fanden die gebührende Mißbilligung maßgebender Per
ſönlichkeiten!). Abſichtlich und vorſätzlich zerſtört hat die Kirche ver
hältnismäßig wenig Kunſtwerke: als ihre Stimmung auf prinzipielle

ſie
Vernichtung Bilder ging, war der Lage,

in
heidniſcher dazu nicht
ſie

ſie
als ſchließlich die Macht dazu Händen gehabt hätte,

in
und fand
für nötig. Herſtellung
es

nicht mehr Die neuer Götterbilder blieb


freilich noch lange unterſagt.

Der profan-neutralen Kunſt gegenüber legt das älteſte Chriſtentum


den Tag.
an

unverkennbar große Surückhaltung Aus einem doppelten


Grunde. Die profane Kunſt war ebenfalls mehr oder weniger mit
idololatriſchen und obſzönen Stoffen durchſetzt nur wenig un
und bot
Tempeln und Altären, auch
an

an
verfängliche Slächen. Micht bloß
Privathäuſern, Tellern, Bechern,
an

Staatsgebäuden und Schüſſeln,


Ringen zeigten ſich Götter und Göttinnen, zum Teil
in
den bedenk
Zu

lichſten Situationen.?) dieſem mehr äußeren Grunde kam noch ein


zu

innerer. Auch Kunſtgegenſtände gehören eben den Schätzen, die


Roſt und Motten verzehren, Diebe ausgraben und ſtehlen können, die
darum der auf himmliſche Schätze bedachte Chriſt nicht ſammeln ſoll
6,

(Mt. 19f). Und bedenklich, ſein Auge Kunſtgenuß


iſt
es

nicht
in
zu

ſchwelgen laſſen, wo ſoviele Armen der Unterſtützung, ſoviele kirch


Je

lichen Auslagen der Deckung harren? ſtärker ferner die eschatolo


giſche Strömung, um größer war die éykpärea der Kunſt
ſo

auch
gegenüber. Wo man mit dem baldigen Untergang dieſer Weltzeit und
einer Neuordnung aller Dinge rechnet, ſteht der Sinn weder auf Kunſt
noch auf Wiſſenſchaft. Erſt wo man ſich auf länger einrichtet, kommt
der Schmuck Lebens zur Geltung. Darum hören wir der
in

auch des

allerälteſten Zeit von Kunſt überhaupt nichts. Darum will der Mon
taniſt Tertullian von Kunſt gut wie nichts wiſſen und verweiſt den
ſo

In be
iſt

es

bekehrten Künſtler zum Handwerk. kirchlichen Kreiſen


zeichnenderweiſe Clemens von Alexandrien, ein der helleniſtiſchen Kultur
erſchloſſener Mann, der erſtmals wenigſtens für die Kleinkunſt der

Vgl. can. quisidola fregerit ibidem fuerit occisus,


60

von Elvira:
Si

et
!)

quatenus evangelio scriptum non est neque invenietur sub apostolis un


in

quam factum, placuit eum non recipi martyrum.


in

numerum
Vgl. Achelis,
ff.

Wiſſ. 1912, 231


H.

Stſchr. neuteſt.
?)

f.

6*
84 Unterſcheidung.

Siegelringe unter den künſtleriſchen Stoffen hält und Auswahl


Umſchau
trifft. Dieſer ſeiner vorſichtigen Auswahl und ſeiner Warnung vor un

zu
paſſenden Gegenſtänden entnehmen, ſeinen Seitgenoſſen

iſt
daß von
die Einen wenig wähleriſch und behutſam, die Anderen vielleicht allzu
ängſtlich waren. Einer zwiſchen Rigorismus und Laxismus ſchwan

ſo
Praxis gegenüber ſchlägt ſelber einen Mittelweg

er
kenden nun ein.
Für frühes Aufkommen einer chriſtlich-religiöſen Kunſt!) war Lage
und Stimmung der älteſten Chriſtenheit nichts weniger als günſtig. Die
Er

ſie
Verfolgungen, unter denen lebte, die geſpannte eschatologiſche
wartung,
ſie
womit der Ankunft ihres Herrn entgegenſah, ihr Ideal

1),

im
einer Aoyuki Aarpeia (Röm. 12, einer „Anbetung Gottes Geiſte
(Joh.
4,
der Wahrheit“ 23) war geeignet,


und das alles nicht
in
ſie

zu
auf eine künſtleriſche Darſtellung ihrer religiöſen Gedankenwelt
bringen. Nicht bloß ein Tertullian, auch ein Clemens von Alexandrien
weiß noch nichts von einer religiöſen Kunſt der Chriſten. Das

iſt
kein

die
argumentum silentio, das ſich leicht auf Seite ſchieben ließe.
e

Denn Tertullian ſucht Beſchäftigung und Broterwerb für einen bekehrten


Künſtler: Häuſeranſtreichen,
er

kommt dabei zum Dachflicken und aber


zu

nicht einer religiöſen Kunſtbetätigung. Für Clemens und Origenes


nur ein vonröv äyaApa, kein aioônróv,
Gott ſelbſtverſtändlicherweiſe
iſt

und Bild Gottes kann nur der Logos, Bild des Logos nur der Menſch
Beſchäftigung mit der Materie, Trug und Täu
iſt

iſt

ſein. Die Kunſt


ſchung und darum vom Gebiete der Religion fernzuhalten. Den Vor
wurf der Heiden, daß die Chriſten weder Tempel noch Altäre noch

Bilder hätten, geben die Apologeten rundweg ohne alle Einſchränkung


und Unterſcheidung zu, obwohl dieſer Vorwurf die folgenſchwere Anklage
ja

wegen Sie ſagen nicht etwa: wir haben


in

äôeórns ſchloß?).
ſich

doch auch Bilder, Bilder Chriſti, den wir als Gott anbeten, Bilder der
Apoſtel, der Märtyrer, der Engel, der Propheten, die wir verehren.
Sie antworten vielmehr: ja, wir Chriſten verſchmähen der Tat Tempel
in

und Altäre und Bilder grundſätzlich, weil dieſe Dinge des wahren Gottes
und Gottesdienſtes gar nicht würdig ſind*). Minucius Felix ſagt ſogar vom
Hermann Jordan, Gibt
es

eine alt„chriſtliche“ Kunſt? (Geſchichtl.


!)

Studien, Albert Hauck dargebracht berührt unſere Srage


S.

1916 311–325)
das „Chriſtliche“ nicht bloß den Inhalt der alt
ob

nicht, ſondern die andere,


chriſtlichen Kunſt beſtimmt, ſondern auch auf die Kunſtformen eingewirkt habe.
Jordan geneigt, dieſe Frage
zu

bejahen.
iſt

Harnack, Der Vorwurf des Atheismus den drei erſten Jahrhun


in
?)

(TU.
4)

derten 28, 1905, 8ff.


Als Hadrian „templa sine simulacris“ bauen ließ, konnte
ſie

ſich das
*)

heidniſche Volk nur als Chriſtustempel erklären. Lamprid. Alex. 45.


c.
Unterſcheidung. 85

Kreuz, dem Inbegriff chriſtlichen Glaubens, Hoffens und Liebens: Cru

6).

die
ces nec colimus nec optamus (Oct. 28, Ein Euſebius ruft
kirchliche Praxis Vergangenheit und Gegenwart dafür an, daß Bilder

in
Chriſti und der Apoſtel durchaus unſtatthaft ſeien. Noch Epiphanius
ſeiner Zeit ſich ein

zu
führt die ganze kirchliche Vergangenheit gegen den
ſchleichenden Bildergebrauch und Bilderkult ins Feld. Gewiß hielt mit
der Kunſt eine Welt von Schönheit ihren Einzug die Kirche, aber

in
damit eben ein Stück „Welt“. Das älteſte Chriſtentum wollte nichts
von ſinnlicher Schönheit wiſſen, ſeine Liebe und ſein Streben war nur
geiſtig-ſittlicher Schönheit geweiht.)

Das Verhältnis des älteſten Chriſtentums zur Kunſt hat ein Gegen
)

ſeiner urſprünglichen Surückhaltung den Formen der da


an

ſtück gegenüber
maligen Weltliteratur, wie Overbeck (Über die Anfänge der
ſie

S.
uns von
patriſtiſchen Literatur, Hiſtor. 5tſchr. Bd. 48, 1882, 417–472, ſpeziell 448)

S.
es

gezeichnet wurde. hier war die éyxpáreta gegenüber


ſo

treffend Auch einem


Stück Welt, das Mißtrauen gegen ein der Größe und Erhabenheit des Gegen

ſtandes nicht gewachſenes was die Ablehnung bewirkte.


Ausdrucksmittel, Bei
der Literatur gaben Anſtoß zum Umſchwung
den erſten äußere Umſtände, die
Notwendigkeit, das Chriſtentum gegen Heiden und gegen Ketzer verteidigen
(Apologeten und Irenäus); dann machte Klemens von Alexandrien zum erſten zu
male dem inneren Drange, der Mot,
gehorchend den Verſuch, den Gehalt
nicht
des Chriſtentums das Gefäß der damaligen Literaturſprache und der Lite
in
zu

raturformen ſchöpfen. Bei der „chriſtlichen“ Kunſt aber waren von Anfang
die Bedürfniſſe und Stimmungen des Volkes wirkſam. Jede Begegnung
an

des
Chriſtentums mit der griechiſch-römiſchen Kultur zeitigte Kunſt und Wiſſen
Altertum, Karolingerzeit,
im

Ende des Mittelalters. Und


in

ſchaft: der am
wie jede „Renaiſſance“ Kunſt und Wiſſenſchaft gebar, drang umgekehrt jede
ſo

religiöſe Erneuerung, jede „Reformation“, mit Hintanſetzung von Kunſt und


Wiſſenſchaft auf Reinheit der religiöſen Vorſtellungen und auf Geiſtigkeit und
Einfachheit des Kultes: Urchriſtentum, Bildergegner des Altertums, Vigilantius,
Siſterzienſer, Waldenſer, Albigenſer, Franz von Aſſiſi, die Reformation. Ja
die Reformation führte ſogar vorübergehend Kreiſen zur
in

den Karlſtadt'ſchen
Kinderkrankheit eines Bilderſturms und zur abſurden Gebärdung einer Kriegs
an

erklärung Vernunft und Wiſſenſchaft wie auch die älteſten Chriſten die

ſo

der Lage geweſen


ſie

Bilder zertrümmert hätten, wenn


in

heidniſchen dazu
wären, und die „Torheit“ des Evangeliums und die Abſurdität des
ſie

wie
Glaubens der Wiſſenſchaft und Weisheit der Welt entgegenſetzten. Die ge
Verbindung von Chri
zu

ſchichtliche Entwicklung verkennen und die beſtehende


ſtentum und Kunſt, wie von Evangelium und Philoſophie (die Dogmatik), ſchon
die Anfänge fort
zu

verlegen, gehört des Katholizismus als der


in

zum Weſen
zu

dauernden Verweltlichung und Verſinnlichung des Chriſtentums und darum


den Pflichten ſeiner Apologeten. Aber auch wo man von einem fertigen „Weſen
1),

verbaut man ſich den Weg zum


A.

des Chriſtentums“ ausgeht


S.
(ſ.

oben
3

geſchichtlichen Verſtändnis.
86 Unterſcheidung.

Die Scheu des älteſten Chriſtentums vor Bildern wird von den

ſie
neueren Kirchenhiſtorikern, ſoweit dieſe Scheu überhaupt zugeben,
meiſtens auf prophylaktiſche Erwägungen zurückgeführt, auf die Beſorgnis
vor einer Verwirrung chriſtlicher Gemüter, einer Verwechſlung mit
heidniſchem Bilderweſen, einem Rückfall

in
heidniſchen Bilderdienſt. Nur
merkwürdig, daß gar nicht zum

in
den alten Quellen dieſes Motiv

ſo
Ausdruck kommt oder auch nur durchblickt. Immer erſcheint

in
erſter
Linie das altteſtamentliche Bilderverbot als maßgebend, und zwar wird
dieſes Verbot, dieſes feierliche pſv oök êeorv, nicht etwa als unbegreif
liche Verordnung und leidige Notwendigkeit oder als eine proviſoriſche,
vorerſt aus pädagogiſchen Gründen noch beizubehaltende Maßregel
empfunden und hingenommen, ſondern als etwas innerlich durchaus
Berechtigtes und Unabänderliches,
als ein Kennzeichen der wahren
Religion angeſehen. Die Bildloſigkeit gilt geradezu als zum „Weſen
des Chriſtentums“ gehörig, als Palladium der chriſtlichen Gottesver
ehrung. Das neue wahre Iſrael darf doch hinter dem alten, deſſen
Kult ſich durch Bildloſigkeit auszeichnete, nicht zurückbleiben, nicht auf
Iſt

die

eine tiefere Stufe ſinken!). doch ſogar Zeit des jüdiſchen Tempels
und des Altars vorüber. Gott kann man auch gar nicht darſtellen,
weder den Vater noch den Sohn, und
Verſuch würde jeder derartige
ihn nur vermenſchlichen und entehren, wäre eine Unwahrheit und da
mit ein Verſtoß gegen die Religion, die das Reich der abſoluten, ewigen
Wahrheit, das Reich des vonróv, nicht des aioônróv
iſt.

Das Chriſten
Befreiung Bildern,
iſt

tum von allen Schatten und


iſt

Erkenntnis und
Beſitz des Wirklichen und Weſenhaften.?) Des Chriſten Srömmigkeit und
an

Gottesverehrung
an
iſt

weder einen Raum noch ein Bild gebunden.


Was
er

anbetet und verehrt, das ſteht leuchtend vor ſeiner Seele, das
die
an
iſt

eingezeichnet,
in

ſein Herz Wand malen ſoll


es
er

nicht.
„Placuit picturas
ne
in

ecclesia esse non debere, quod colitur


et

adoratur parietibus depingatur.“


in

Es

ſind alſo nicht Opportu


die

nitätsrückſichten, ſondern Erwägungen prinzipieller Natur, das Der


halten des älteſten Chriſtentums
in

dieſem Punkte beſtimmten. Wo das


Eindringen von Bildern bekämpft wird,
da

geſchieht nicht, um Ver


es

wechſlungen
da

mit heidniſchem Bilderweſen vorzubeugen; wird nicht


an

vom heidniſchen Bilderdienſt ein ſich erlaubter Bildergebrauch unter

Gerh. Loeſchcke, Heidniſches und Jüdiſches


im
*)

chriſtlichen Kult 1910,


wie
zu

32: „Die älteſte Kirche hat der Frage der Bilder,


es

wie ſcheint, ganz


die Synagoge geſtanden.“
Vgl. indes
24

A.
S.
*)

oben
1.
Die Archäologie. 87

ſchieden, auf den nur aus taktiſch-pädagogiſchen Gründen verzichtet werden


müſſe, ſondern da wird jeder Bildergebrauch mit vollem Bewußtſein
dem heidniſchen Bilderweſen gleichgeſtellt und als religiöſe Rückſtändig
keit, als Rückfall in den Paganismus gebrandmarkt.)

§ 2. Die Archäologie.
Aber reden nicht die Katakomben mit ihren Wandmalereien eine

ſie
zu deutliche Sprache, als daß literariſche Äußerungen übertönen
Wie mir Kirchengeſchichts

in
könnten? ſcheint, hat ſich letzter Zeit die
ſchreibung dieſer Frage allzuſehr der chriſtlichen Archäologie ins
in

von
Schlepptau nehmen laſſen. Und die Archäologen, die proteſtantiſchen
faſt ebenſo wie die katholiſchen, ſind gewiſſermaßen Opfer ihres Faches
geworden. Daß war, bibliſche Textkritik
es

ein Fehler ohne Berückſich


zu

ſichtigung der Väterzeugniſſe treiben, hat man jetzt eingeſehen.

Aber der Bilderfrage dürfen der Väter nicht bei


in

auch die Stimmen


zu

ſeite geſchoben und abgeſchwächt werden Gunſten der „Wände“.?)


Bei aller Hochachtung vor den großartigen Leiſtungen der Kata
kombenforſchung wird man doch den methodiſchen Grundſatz gelten laſſen
müſſen, daß Ausſagen der älteſten Schrifſteller eine feſtere und zuver
läſſigere Grundlage geben als die mehr oder weniger problematiſchen
Datierungen moderner Archäologen und Kunſtforſcher. Der verſtorbene
Philologe und Religionshiſtoriker Hermann Uſener hat ganz Recht,

wenn ſeinen „Religionsgeſchichtlichen Unterſuchungen“ (Bonn 1889,


in
er

286) ſchreibt: „Die Denkmäler chriſtlicher Kunſt, deren Wichtigkeit man


hüben und drüben übertreibt, können einen Wert für die Geſchichte erſt
dann erhalten, wenn durch Tatſachen der Kirchen- und Dogmengeſchichte
Sein ebenfalls ſchon heimgegangener
ſie

feſte Grenzen für geſteckt ſind.“

Goethe ſagt ſeinen „Wahlverwandſchaften“ gegenüber der Gothik:


in
!)

„Was betrifft, will mir Annäherung, Vermiſchung


ſo

mich dieſe dieſe des


zu

Heiligen mit dem Sinnlichen keineswegs gefallen, nicht gefallen, daß


und
man ſich gewiſſe beſondere Räume widmet, weihet und aufſchmückt, um erſt
dabei ein Gefühl der Frömmigkeit unterhalten. Keine Um
zu

zu

hegen und
gebung, die gemeinſte nicht, ſoll uns das Gefühl des Göttlichen ſtören,
in

ſelbſt
einem Tempel einweihen
zu

das uns überallhin begleiten und jede Stätte


Das Höchſte, das Vorzüglichſte geſtaltlos, man
iſt

kann am Menſchen und


.
.
.

III,
zu

edler Tat
es

ſoll ſich hüten, anders als geſtalten.“ (Harnack, DG*


in
1.)

Es
A.

454f. ſind urchriſtliche Gedanken.


Merkwürdigerweiſe ſpricht Sybel Wiſſ. 1914,
C.

(3tſchr. neuteſt.
?)

v.

f.

255) von einem „in der chriſtlichen Archäologie ſeit alters üblichen Mißbrauch
ob

der Kirchenväter“ als dieſe zuviel berückſichtigt worden wären.



88 Die Archäologie.

Schüler Albrecht Dieterich ſagt in ſeiner „Mekyia“ (Leipzig 1893, 44)


geradezu: „Man muß bedenken, daß die Datierungen der altchriſtlichen
Bilder einſtweilen jedes Vertrauens unwert ſind.“ Seitdem ſind über
zwanzig Jahre vergangen, die Datierungen ſind immer zuverſichtlicher
geworden und haben für Viele faſt den Charakter unantaſtbarer Dogmen
angenommen, ſodaß es ſchwer iſt, mit Bedenken dagegen aufzukommen,
ja für den wiſſenſchaftlichen Ruf gefährlich, ſolche nur zu äußern. Um
gekehrt darf man das Alter chriſtlicher Kunſtdenkmäler übertreiben, ſo
viel man will. Hat doch vor kurzem ein findiger katholiſcher Theologe

hl.
die bekannte Petrus mit den Schlüſſeln
Bronzeſtatue der

in
des

Peterskirche ins erſte Jahrhundert gebracht!)!


glücklich

Wir haben das Recht und die Pflicht, auch die Zeitbeſtimmungen
Ge
zu
der Archäologen mit Mißtrauen betrachten und unter anderen

im
ſichtspunkten nachzuprüfen.?) Sodann dürfen, worauf wir Laufe
unſerer Erörterungen hinzuweiſen wiederholt Gelegenheit hatten, ſpaniſche

oder afrikaniſche oder orientaliſche Äußerungen nicht mit einem Blick auf
römiſche Katakombenbilder umgedeutet und abgetan werden. Die Kirche
der erſten Jahrhunderte vereinigte die verſchiedenartigſten
in

ſich noch
Strömungen und duldete eine große Mannigfaltigkeit der Sitten und
Gebräuche. Gerade die römiſche Kirche war dieſer Seit am wenigſten
in

zäh konſervativ*). Keine hat ſoviel experimentiert, keine war dem


Fortſchritt und der Neuerung zugänglich, bereit, neuen Ver
ſo

ſo

keine
zu
hältniſſen ſich anzupaſſen und den Zeitſtrömungen Rechnung tragen,

wo auf Koſten alter Ideale ging, als gerade ſie. Wenn irgend
es

auch
worin,
im

hat die römiſche Kirche Prozeß der Verweltlichung und


ſo

Paganiſierung des Chriſtentums den Primat So


iſt

es
übernommen.
gar nicht ausgeſchloſſen, daß der Bilderfrage nachgiebiger
ſie

in

auch

war und bereits Gemälde duldete, als dieſe anderwärts noch unmöglich
VOQTE.

Die Urſprünge der chriſtlichen Kunſt.


3.
§

Die chriſtliche Kunſt fing unverkennbar mit dem Genrehaft-Orna


mentalen an, ging dann von der dekorativen Haltung zur Symbolik
Das Gegenſtück liefert ein anderer mit katholiſcher Kirchenhiſtoriker
!)

ſeiner Entdeckung, von Rom das älteſte Weiherituale verfaßt und


daß Klemens
die ganze chriſtliche Welt verſandt habe!
in

Sybel, Stſchr.
A.
3:

neuteſt. Wiſſ. 1914, 260 „Die Katakomben


v.
L.
?)

f.

chronologie harrt noch immer der Nachprüfung eingehenden Darlegung durch


u.

eigens geſchulte klaſſiſche Archäologen.“


Vgl. meine Bemerkungen wiſſ. Theol. 1913, 310. Harnack,
A. in

3tſchr.
*)

f.

III, „Die Entwicklungen ſind dort (in Rom)


40

1:

Lehrb. Dogmengeſch.“
d.

ſtets am weiteſten fortgeſchritten geweſen“.


Die Urſprünge der chriſtlichen Kunſt. 89

und Allegorik, von dieſer zu repräſentativen Szenen und zu bibliſch


hiſtoriſchen Darſtellungen über und kam erſt zuletzt und ſpät zu portrait
mäßigen Sügen!). Auch der „gute Hirte“, ja noch der, wie es ſcheint,

nur literariſch bezeugte, „Agonothet“ war ſymboliſch gehalten. Es waren


nicht kirchliche, ſondern gnoſtiſch-häretiſche Kreiſe, die zuerſt und ſchon
frühe Portraits Chriſti und der Apoſtel aufbrachten. Dieſe Tatſache
wird von Irenäus und Euſebius ausdrücklich bezeugt und durch gno
ſtiſche Schriften beſtätigt. Renan ging vielleicht zu weit, wenn er
(L'église chrétienne S. 509ff., Marc-Aurèle S. 145) die Anfänge
chriſtlicher Kunſtübung überhaupt in häretiſchen Kreiſen ſuchte, aber die
chriſtliche Portraitmanier ſtammt in der Tat vom Gnoſtizismus, der
auch hierin den Katholizismus antecipierte und die „Helleniſierung des
Chriſtentums“ akuter betrieb als die nur langſam und zögernd folgende
Kirche?). Gerade die Abbildungen Gottes und Jeſu Chriſti waren am
bilder
iſt
meiſten und am längſten verpönt. heute der ſonſt
in

ſo
Noch

liebenden griechiſchen und ruſſiſchen Kirche jede Darſtellung Gottes ſtreng


an

verboten: ſeine Stelle tritt Chriſtus als Pantokrator. Auch plaſtiſche


Werke ſind aus der orientaliſchen Kirche noch heute durchaus verbannt*).
von Anfang

an
Die Vorſtellung, daß die chriſtliche Kunſtbetätigung
unter Leitung der „Kirche“ geſtanden habe und von hieratiſchen Regeln

Vgl. Kraus, Karl Michel,


87

Kunſt
I,

Gebet und
ff.
d.

Geſch. chriſtl.
in !)

Wendland,
f. P.

Bild frühchriſtlicher Seit 1902, 65ff. Die helleniſtiſch-römiſche


Kultur? 1912, 433. Achelis, Wiſſ. 1912, 223ff. Lietz
H.

H.

Stſchr. neuteſt.
mann, Internationale Wochenſchr. 1911, 488ff. Lietzmann ſpricht im Eingang
von einer „Eroberung der Kunſt durch das Chriſtentum“; man kann aber
ebenſo gut und vielleicht richtiger von einer „Eroberung des Chriſtentums durch
die Kunſt“ ſprechen.
Vgl. Michel Bigelmair, Die Beteiligung der Chriſten
O.

A.

119ff.
a.
?)

326: „Die gnoſtiſchen Kreiſe haben eben frühe mit der Furcht vor den Bildern
S.

gebrochen“ (alſo bälder, als die kirchlichen Kreiſe). Wo man der Anſchauung
huldigte
ſie

war drei Jahrhunderte vorherr


in

und der Kirche der erſten


ſchend, wenn auch nicht ausſchließlich vertreten (vgl. Theol. Litztg. 1912, 492)
–,

daß die irdiſche Erſcheinung Chriſti häßlich geweſen ſei, war die Verſuchung,
portraitmäßig darzuſtellen, nicht groß. Weis-Liebers
J.

dieſe Erſcheinung
E.

dorf (Chriſtus- und Apoſtelbilder. Freiburg 1902) leitet darum den älteſten,
bartloſen Chriſtustyp und die älteſten Apoſteltypen von den Gnoſtikern und
ihren Apokryphen her.
Karl Holl,
Die religiöſen Grundlagen der ruſſiſchen Kultur (Rußlands
*)

Kultur und Volkswirtſchaft, herausg. von Max Sering)


S.

10. „Abendländiſche
Grobdrähtigkeit“ hat freilich verhältnismäßig frühe fertig gebracht, auch Gott
es

Vater ſelber darzuſtellen“ (Schöpfung des Weibes, Vorführung der Eva). So


Holl
A.
K.

Sitz.-Ber. preuß. Wiſſ. 1916, 867


in

1.
d.

d.

Akad.
90 Die Urſprünge der chriſtlichen Kunſt.

beherrſcht geweſen ſei!), ganz irrig.

iſt
Auch von einer „unmittelbaren
Förderung“ der Kunſt durch die älteſte Kirche?) kann keine Rede ſein.
„Die frühchriſtliche Kunſt

iſt
faſt ausſchließlich Volkskunſt und Reflex der
Volksanſchauungen“*). Die Bedürfniſſe und Stimmungen des Volkes,

nicht etwa äſthetiſche und künſtleriſche Beſtrebungen oder kirchlich-kultiſche


Erwägungen, haben

ſie
ins Leben gerufen und ihr den Stoff geboten.
Die älteſte chriſtliche Kunſt war keine ars Sacra, weder eine von
hieratiſcher Regel geleitete, noch eine für Kultzwecke arbeitende Kunſt.
Religionsgeſchichtlich ſonſt allerdings die religiös-hieratiſche

iſt
Kunſt das
prius, profane posterius. Im ging

es
die dadas Chriſtentum aber

ſie
gerade umgekehrt: war die Kunſt, auch nachdem religiöſe Stoffe
zu

behandeln angefangen hatte, zuerſt populäre Profankunſt und erſt

im
zu

und Regeln“).
es

nach und nach kam hieratiſchen Formen Auch


griechiſch-römiſchen Heidentum waren Kunſt und Religion von jeher aufs
innigſte verknüpft,
ſie

miteinander bildeten innerlich und äußerlich eine


Einheit”). Das Chriſtentum ſprengte anfänglich dieſe Verbindung mit
Wiſſen und Willen: ihm ſind Kunſt und Religion zwei gegenſätzliche

Gebiete, die Kunſt das Reich der Schatten und der Illuſion, die Religion
das der Wahrheit und Wirklichkeit. Erſt der einſetzende Helleniſierungs
und Religion auch

im
und Paganiſierungsprozeß brachte Kunſt Chriſten
eine bemerkenswerte Tatſache,
iſt
es

tum wieder zuſammen. Anderſeits


im

daß dem Chriſtentum Kampfe gegen die heidniſche Syntheſe von


Kunſt und Religion die heidniſch-philoſophiſche Aufklärung vorange
die

die

gangen war und zur Seite ging, ſich ebenſo gegen Götterbilder
der Maler und Bildhauer und gegen die Göttertempel der Architekten,
wie gegen die Götterfabeln der Dichter wandte.

Kraus, Die Kunſt bei den alten Chriſten 1868, 23.


)

Schultze, Proteſt. R.E* 11, 175.


V.
*) ?)

Karl Michel, Gebet und Bild Vgl. Hans Achelis,


S.

119. Das
II,

Chriſtentum Jahrhunderten
in

den erſten drei 1912. 114.


im

Ähnlich war auch das Ritual Chriſtentum nicht, wie ſonſt


in

der
*)

Religionsgeſchichte, das Urſprüngliche, ſondern das Spätere, das den „Geiſt“


In der Didache wird
10

ein liturgiſches Formular für


u.

erſetzen mußte.
c.
9

die Feier der Euchariſtie gegeben, aber mit der Klauſel: die „Propheten“ ſolle
wollten. Rituale und Kunſt, „geiſtvoll“
ſie

laſſen, wie
ſo

man euchariſtieren
mochten, waren eben doch Epigonen, die urſprüng
ſie

an

ſein die Stelle des


lichen Spiritualismus traten.
Kunſt, Muſik,
im

Kunſt weiteſten und umfaſſendſten Sinne: bildende


*)

Vgl. Max Wundt, Griechiſche Weltanſchauung Julius


99

Dichtung. 1910,
ff.

Végh, Die Bilderſtürmer 1915, 8ff.


a.
Heidniſcher und chriſtlicher Bilderſtreit. 91

§ 4. Heidniſcher und chriſtlicher Bilderſtreit.


Schon im Bisherigen wurde gelegentlich erwähnt, daß die altkirchlichen
Schriftſteller mit ihrem Kampfe gegen Tempel, Altäre und Bilder kein Neu
land öffneten, ſondern in die von der philoſophiſchen Aufklärung der Stoiker,
Epikureer, Skeptiker und Syniker ſowie von der jüdiſchen Apologetik ge
bahnten Pfade eintraten!). Aber nicht bloß das: der unter den Chriſten
ſelber über die Bilder entflammende Kampf wie der über das Recht

iſt

der Allegoreſe „nur eine Fortſetzung des vorher und gleichzeitig inner

halb der griechiſchen Philoſophie geführten Streites“. Abgeſehen von

2)
der vulgären maſſiven Bilderanbetung

im
gab

es
Heidentum hinſichtlich
der Bilder drei Richtungen, von denen die erſte die Bilder als anthro
pomorph ſprach Suſammenhang gerne
in
und Gottes

man dieſem

ja
unwürdig

ſie
monotheiſtiſch ablehnte, mit Hohn

durchaus und
Spott überſchüttete (Heraklit, Seno, Stoiker, Epikureer, Skeptiker, Sy
niker, Plutarch, Lucian von Samoſata a.)*), die zweite als Sym

ſie
u.

bole und als Erinnerungs-, Anſchauungs- und Erziehungsmittel ſchätzte

(Dio Chryſoſtomus, Poſidonius, Maximus Tyrius, Selſus, Apollonius


Tyana bei Philoſtratus, Porphyrius)*), die dritte endlich

ſie
von als
Sitz der Gottheit oder als Träger göttlicher Kräfte anſah (Neuplato
niſche Auffaſſung: Plotin, Jamblich, Proklus)*). Dieſelben drei An
Joh. Geffcken, Aus der Werdezeit des Chriſtentums 1904,
14
u.

79.
!)

Swei griechiſche Apologeten 1907, Einleitung XX Joh. Weiß, Das Ur


S.

ff.

Harnack, Miſſion?
(3.

1914, 175ff.
I,

243f. Aufl.
u.

chriſtentum 123 1906


279f). Wendland, ihren Be
P.
I,

Die helleniſtiſch-römiſche Kultur


in

1915
zu

ziehungen Judentum und Chriſtentum? 1912, 160 392f. Meine Arbeit


u.

Manuſkript längſt abgeſchloſſen, als mir die Schrift von Charly Clerc,
im

war
au

culte des images chez les auteurs grecs


du

Les théories rélatives IIme


siècle après J.-C. (ohne Jahreszahl, die Widmung
an

iſt

Paris die Eltern


zu

vom Oktober 1915 datiert) Geſicht kam. Clerc behandelt (S. 125ff) auch
die chriſtliche Polemik gegen die Bilder, aber nur die gegen die Götterbilder,
und ohne auf die Tragweite ihrer Gedankengänge für das Chriſtentum ſelber
einzugehen. Nur zum Schluß (S. 255f.) wirft einen flüchtigen Blick auf die
er

Übernahme des Bilderweſens ſamt ſeiner ſuperſtitiöſen neuplatoniſchen Recht


fertigung durch die Kirche.
Holl, Sitz.-Ber. d.preuß.
K.

Wiſſ. 1916, 865f.


d.

Akad.
*) *) ?)

O.

ff.
S.

Clerc 89
S. a.
a.

Clerc Binder, Dio Chryſoſtomus Poſidonius 1905,


ff.

C.

u.

171
Auffaſſung findet ſich bei Kaiſer Julian Fragm. epist. S.378,
38

11
ff.

Dieſelbe
(Hertlein).
Die Grenzen der drei Klaſſen ſind freilich fließend. Von denen, die
*)

das Bilderweſen prinzipiell ablehnten, namentlich von den Stoikern, machten


92 Heidniſcher und chriſtlicher Bilderſtreit.

ſchauungen treten, und zwar in derſelben zeitlichen Reihenfolge, auch


im Chriſtentum hervor: den Standpunkt der unbedingten Ablehnung
vertreten die alten Apologeten, aber auch noch das Konzil von Elvira
wie Euſebius Epiphanius – Stand

iſt
und Kirchenväter und es der
punkt der älteſten Kirche. Dann vernehmen wir Stimmen, die die
Bilder als Schmuck, ſowie als Belehrungs- und Erbauungsmittel gelten
laſſen und ſchätzen, eine Verehrung aber entweder nicht erwähnen oder
geradezu abweiſen: Aſterius von Amaſea, Chryſoſtomus, Milus, die Kappa
Prudentius, Paulinus Gregor

es
dozier, Mola, (bei Auguſtin

iſt
von

I.
ob

zweifelhaft, die zweite Klaſſe gehört). Der

in
er

die erſte oder


in

Sieg aber war der dritten Anſchauung beſtimmt, die geheimnisvolle


Beziehungen zwiſchen Bild
Perſon annahm oder das Bild als
und
Wohnung des Träger verborgener
Heiligen und Kräfte betrachtete
darum kultiſche Verehrung zuerkannte.

da
und ihm Übrigens mögen

Schichten ſelbſt die gröbſten heidniſchen Vor


in in

und dort den unterſten


ſtellungen den chriſtlichen Bilderdienſt mitherübergenommen worden
gar alles,

im
ſein, ſodaß wirklich alles, aber auch Chriſtentum wieder
im

kehrte, was einſt Heidentum geweſen war. Aber auch abgeſehen

von dieſer gröbſten und von der Kirche mißbilligten Form des Bilder
die

von der Kirche


ſie
kultes ſtellt Entwicklung des Bilderweſens, wie
zuerſt geduldet, dann gutgeheißen wurde, eine fortſchreitende relative
Paganiſierung des Chriſtentums dar, während umgekehrt im Heidentum
die feinere Auffaſſung eine relative Entpaganiſierung und Vergeiſtigung
Verhältnis zum alten vulgären Götzendienſt bedeutete.
im

Bezeichnen
heidniſch-philoſophiſchen prin
in

derweiſe machte aber auch Kreiſen die


zipielle Ablehnung der Bilder ihrer prinzipiellen Anerkennung und Recht
fertigung Platz, ein Beweis, wie ſehr die Bilderverehrung der Stim
im

mung entſprach: war die Neuplatonismus verkörperte


es

der Zeit
im

Seitſtimmung, die ſich auch Chriſtentum zur Geltung brachte und


den Bildern Anerkennung verſchaffte. Dabei begegnete den ſpäteren
ſie

Apologeten des chriſtlichen Bilderweſens das Mißgeſchick, daß ſich

manche den beſtehenden Kulten und dem Bedürfnis der Maſſen Sugeſtändniſſe.
Von den Neuplatonikern gehört Porphyr (nepi äyaAuárcov) die zweite Klaſſe,
in

Plotin (Enn. IV,


3,

(nepi äyaApärcov); vgl. Fr.


zu

nicht 11) und Jamblich


Börtzler, Porphyrius' Schrift von den Götterbildern 1903, 20ff. Die von
Geffcken (Deutſche Litztg. 1916, 1637 ff) ausgeſprochene Vermutung, der Heide
bei Makarius von Magneſia nicht Porphyr, ſondern Jamblich, ſcheitert darum,
ſei

der Auffaſſung von den Bildern: Jamblich vertritt ausgeſprochener


an

auch
maßen die dritte, der Philoſoph bei Makarius nur die zweite Anſchauung (vgl.
auch Theol. Litztg. 1917, 5).
Der Begriff der Heiligkeit und des Heiligtums. 93

ihrer Aufgabe mit denſelben Argumenten entledigten, die von den


älteſten Apologeten der religiöſen Bildloſigkeit zurückgewieſen und lächerlich

ſie
gemacht worden waren, als noch zur Rechtfertigung der heidniſchen

25
Bilder gedient hatten

S.
ff.).

(ſ.
oben

Der Begriff der Heiligkeit und des Heiligtums.


5.
§

Die Chriſten hatten geraume Zeit überhaupt keine materiellen

in
Gütern und Gegenſtänden beſtehenden „Heiligtümer“. Ihr Beſitz

an
Heiligtümern war rein geiſtiger und geiſtlicher Art, lag den von

in
Jeſus Chriſtus erworbenen und von ſeiner Kirche verwalteten Gnaden
Allerdings
ſie

ſchätzen. hatten Begräbnisſtätten und ſeit dem dritten


Jahrhundert auch öffentliche gottesdienſtliche Lokale!), aber dieſe ge
hörten nicht der „Kirche“ oder Gott, ſondern den chriſtlichen Gemeinden.

Der Grund dieſer Unterſcheidung lag nicht

im
etwa bloß römiſchen
im

Recht, ſondern ebenſoſehr religiöſen Bewußtſein der Chriſten, das


nur geiſtige heilige Güter Hei
in

kannte und materiellem Beſitze nichts


liges erblicken konnte. Die Chriſten hatten ſeit dem dritten Jahrhundert
Kirchen, aber kein „Heiligtum“, Verſammlungsſtätten, aber keinen „Tem
pel“, Gemeindehäuſer,
im

aber kein „Gotteshaus“ Sinne einer Woh


nung Gottes?).
„Der wohnt nicht einem Werk von Menſchenhand“ ſagt
in

Höchſte
Stephanus Apoſtelgeſchichte (7, 48) gegenüber jüdiſchen
in

der dem
Tempel. „Der Gott, der die Welt gemacht hat und Alles was darinnen
iſt,

als der Herr und der Erde wohnt nicht Tem


er

Himmels
in

des
iſt hl.

peln mit Händen gemacht“ läßt die Apoſtelgeſchichte (17, 24) den
zu

Paulus Athen gegenüber den heidniſchen Tempeln ſagen. Das


Leitmotiv der vorkonſtantiniſchen Kirche geblieben. Im Barnabasbrief
16, vom jüdiſchen Tempel: Kai Trepi Toü vaoü épö
öé
Er
es

heißt
ös f.
1

ös

TivoikoöopiviſAtrioav
eis

üpiv TrAavópevo TaAairtopol övra


oi

...
ös,

yüp éövn ähiépooav vaß


év

olkov oxeööv aöröv


riſ

Deoü
Tempel
iſt

während doch das fromme Menſchenherz allein Gottes


(16, ff.). Clemens von Alexandrien ſchreibt Strom. VII, (ed.
7

Stählin, GCS, Clem. Al. 20, „Iſt


18
3,

ff): nicht gut und richtig,


in es

daß wir den Unfaßbaren (ätrepiAntrTov) nicht einem Ort bannen und
Vgl. darüber Auguſti, Denkwürdigkeiten aus der chriſtlichen Archäo
!)

logie Bd. XI. Leipzig 1830 Sranz Wieland, Menſa und Con
S.

338–347.
66–100. Hans Achelis, Das Chriſtentum
S.

München 1906
II, in

feſſio. den
II,

420f. Harnack,
67
ff.

erſten drei Jahrhunderten 1912 Miſſion? 1906


II,
(3.

Aufl. 1915 79ff). Hauck RE 10, 774ff.


in

Vgl. Wieland,
O.
S.

100–106.
a.
?)
94 Der Begriff der Heiligkeit und des Heiligtums.

das allumfaſſende Weſen nicht in Heiligtümer von Menſchenhand ſchließen


wollen? Wie könnte überhaupt ein Werk der Baumeiſter-,
Steinmetzen- und Handwerkerkunſt heilig ſein? Stehen da
nicht die höher, die die Luft und ihren Umkreis, oder vielmehr die
ganze Welt und das All als der überragenden Größe Gottes allein
würdig erachten? . . . Wird das Heilige in doppeltem Sinne gebraucht,
von Gott ſelber und von dem zu ſeiner Ehre erſtellten Werke, wie
ſollten wir nicht in erſter Linie die zur Ehre Gottes in heiliger Er
kenntnis geſchaffene Kirche ein Heiligtum Gottes nennen, das viel wert

und nicht durch Handwerkerkunſt hergeſtellt, auch nicht durch Schwindler


hand ausgeſchmückt, ſondern durch den Willen Gottes zum Tempel ge

ich
worden iſt? Ich meine nämlich jetzt, wenn von Kirche ſpreche,

den Ort, Das

iſt
nicht ſondern die Gemeinſchaft der Auserwählten.
der beſte Tempel zur Aufnahme der Größe und Würde Gottes. Denn
iſt

das vielwerte Weſen durch das allwerte oder vielmehr durch das eines

es an
würdigen Gegenſtücks entbehrende Weſen, durch deſſen Überſchuß
Heiligkeit, geweiht. Der vielwerte, Gott

iſt
von geſchätzte Gnoſtiker
wohl, Gott ſeinen aufgeſchlagen
in

h.
Wohnſitz die

in
d.
dem dem

Gotteserkenntnis ihren weihevollen Einzug gehalten hat.“!).


Hippolyt,

In

I,
wie Clemens Dan.

er
Ähnlich denkt auch wenn

ein
GCS, Hippol. 28) ſagt: „Nicht
17

(ed. Bonwetſch, Ort wird


1,

die Kirche genannt, auch nicht ein Haus von Stein noch Lehm erbaut,
an

noch kann und für ſich ſelbſt der Menſch Kirche genannt werden.
wird zerſtört und der Menſch ſtirbt. Was nun
iſt
Denn ein Haus die
V,

Vgl. Seno bei Clem. Al. 11, 76 (und ähnlich bei Plutarch De stoic.
p. !)

rep. 1034 b): uñre vaoös öeiv rotelv uñre äyäApara“ iepöw Yäp noAAoü äEtov
ui
öé

xai äyov oööèv xpi vopiLetv' oööèv TroAAoü äEtov kai äyov oikoöópov Epyov kai
vſ, päAAov
öé
év

ßavaüoov, und: äAA' Exetv póvp deöw yeioôat röv voüv



öeiov
ëort Yäpäôávaros (Clerc, Les théories rélatives au culte des images 90ff.
p.

Geffcken, Swei griechiſche Apologeten XX). Bei Hierokles (bezw. ſeiner


Vorlage Porphyrius)
zu

heißt es: „Der allein verſteht ehren, der die Werte


der Geehrten nicht durcheinander wirft, und der vorzüglich ſich ſelbſt als Opfer
bringt und
an

zu

tier den Altar einer göttlichen Statue ſeine Seele zimmert


Geiſt als Tempel zur Aufnahme des göttlichen
u.

ſeinen Lichtes zubereitet.


im
es

Denn was ſolcher Geiſtesgabe Vergleichbares gäbe wohl Bereiche der


Materie, das
du

zu

zu

einer dem Weſen Gottes gemäßen Statue oder einer


vereinigen? Eben
zu

Gabe bereiten könnteſt, die dir ermöglichte, dich mit ihm


zu

dies aber trifft auf das gereinigte Vernunftweſen. Denn, wie dieſelben
Männer ſagen, einen heimiſcheren Ort als eine reine Seele beſitzt Gott nicht
Mullach, Fragm. phil. Gr. Ed. Morden, Agnoſtos Theos
I,

hienieden.“ 420.
1913, 345f. -
Der Begriff der Heiligkeit und des Heiligtums. 95

Kirche? Die heilige Verſammlung der in Gerechtigkeit Lebenden. Denn


die Einmütigkeit, welche der Weg der Heiligen zur Gemeinſamkeit, dies
die Kirche, das geiſtliche Gottes, auf Chriſtus gepflanzt.“
iſt

Haus
Daß der Chriſt, namentlich auch der Leib des Chriſten, ſodann
die Gemeinde Jeſu Chriſti, die Kirche, Tempel Gottes, Wohnſtätten des
heiligen Geiſtes ſeien, waren geläufige Gedanken!). Andere Tempel

im
wollten die Chriſten nicht. Wenn dritten Jahrhundert das Kirchen

im
gebäude „Haus Gottes“ genannt wird,

iſt
ſo
manchmal das nicht
Sinne einer Wohnung Gottes gemeint, ſondern einer Stätte, wo die
zu

Gemeinde ihrem Gott betet, ihn lobt und preiſt und verherrlicht?).
Moch Laktanz ſchreibt Div. Inst. IV, 13, 26: „Ecclesia, quae est
templum Dei, quod non parietibus est, sed

in
verum corde
in in
ac

ac
fide hominum, qui credunt eum vocantur fideles“,
II.

Eph
II. 21
3,

6,

6,

2 2,

3,
Cor. 16f. 19. Cor. 16. Timoth. 15.

I.
!)
ad I.

f.
Ignat. Ephes. Philadeph. 6,2.
ad

7,

9,
Clem. Barnab.

3.
u.

15.
c.
9

V.

6,15. 16,7ff.
15

15
de
Tatian. Orat. Herm. Mand. Tert. pud.

7.
c.

c.
Cypr. Ep. 55, 27 De hab. virg.
2.
u.

19.
c.

Hans Achelis, Das Chriſtentum


O.

in
S.

Wieland
u.
a.
a.

100 102.
?)

II,

de

7:
den erſten drei Jahrhunderten 1912. 57. Tert. idol. Christianum
c.

venire,
de
ab

idolis adversaria officina domum Dei venire.


in

in

ecclesiam
etiam domus simplex
3:

Adv. Valent. Nostrae columbae editis semper


in
c.

apertis
ad

(an dieſen Stellen war der Gegenſatz wirkſam).


et

et

lucem beiden
7,

De pud. 20: intra domum Dei ecclesiam (hier wirkte das Gleichnis vom
verlorenen Groſchen, und „Kirche“ ſchillert zwiſchen Gemeinſchaft und Gebäude).
Hippol. 32): olkos deoü. Orig. Exod. Hom. XII,
20

1,

Dan.
I,
in

in

(Bonwetſch
2

(Migne PG 12, 383 D): dominica domus. Bei Orig. Cels. III,
34

(Kötſchau
c.

VIII, wie Wieland meint,


19

230f) 236f) wird


1,

2,

und (Kötſchau nicht,


„Tempel“ als Parallele zum jüdiſchen oder heidniſchen Kult gebraucht, ſondern
nur Kult, geradezu abgelehnt
(ſ.

vom außerchriſtlichen vom chriſtlichen oben


Al. Strom. III,
18

2,

Und bei Clem. (Stählin


iſt
S.

31). 246) unter olkos deoü


zu

Ps.-Cypr.
de

8,

nicht das Gebäude verſtehen. spect. (Hartel 11) aber


ut c.
5

heißt es: dimissus dominico adhuc gerens eucharistiam,


et

secum assolet
e

wie bei Cypr.


15
de

op. (384, 20): dominicum sine sacrificio


in
et

eleem.
de c.

venis (vgl. Bayard, saint Cyprien 1902, 274). De bono pud.


Le latin
c.
4

(Hartel 16, 22) bedeutet „domus Dei“, wie (25, 13) „divina castra“, den
14
c.

zu

Himmel. Im Bericht der edeſſeniſchen Chronik über die große Waſſerflut Edeſſa

vom Jahre 201, der auch das große Kirchengebäude der ſchon faſt ganz chriſt
387 ff.), bedeutet nach Auguſti
or.

Stadt zum Opfer fiel (Aſſemani, Bibl.


I,

lichen
(DenkwürdigkeitenXI, 344) das ſyriſche Wort für Kirche auf lateinich „templum
conventuum“, was auf eine alte Quelle zurückgehen könnte,
da

ſich darin einer


ſeits die Größe des Baus, anderſeits ſein weſentlicher Unterſchied von einem.
Tempel ausſpricht. Ludwig Haller (TU DX,