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Ausgewählte Kapitel der Ener g iewirtschaft Prof. Dr.-Ing. H. Alt

Ausgewählte Kapitel der Energiewirtschaft

Prof. Dr.-Ing. H. Alt

Der erste kommerzielle Offshore-Windpark Deutschlands Park "Baltic 1" in der Ostsee ist am 2.5.2011 ans Netz gegangen

Am Ende hatte "Uta" doch Erbarmen. Tagelang hatte das über Skandinavien liegende Hochdruckgebiet nur für schwa- chen Wind über der Ostsee gesorgt. Hans-Peter Villis, Vor- standschef des Energiekonzerns EnBW, musste Sorge ha- ben, dass am Montag bei der geplanten Feierstunde im Heil- bad Zingst der Knalleffekt ausbleiben würde: Kämen die 21 Windräder draußen auf See überhaupt in Schwung, wenn Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) den roten Knopf drückte, um den ersten kommerziellen Offshore-Windpark Deutschlands in Betrieb zu nehmen? Nach bangen Flaute- stunden am Wochenende war am Montag dann alles gut. "Uta" sorgte für eine recht steife Brise aus Nordost. Bei Windgeschwindigkeiten von bis zu 15 m/s (Windstärke 7) wurde der Hubschrauber gut durchgeschüttelt, mit dem sich die Kanzlerin einen Über- blick über das Areal etwa 16 Kilometer nördlich der Halbinsel Fischland-Darß verschaffte.

Der Offshore-Windpark von EnBW liegt 16 Kilo- meter nördlich der Halb- insel Darß/Zingst und verfügt über 21 Wind- energieanlagen vom Typ Siemens SWT-2,3- 93/2300 kW mit 93 m Rotordurchmesser, 70 m Turmhöhe auf einem Gebiet von 7 Quadratki- lometern. Die Investiti- onssumme beträgt 300 Mio. € für 48,3 MW Leis-

tung entsprechend 6.211 €/kW. Es wird eine jährliche Arbeit von 185 GWh erwartet, entsprechend 3.830 Benutzungsstunden der Nennleistung. Das entspricht bezüglich der elektrischen Arbeit dem Bedarf von 50.000 Haushalten. Die Wassertiefe liegt bei 16 bis 19 Metern, die Erbauer des Offshore-Windparks EnBW Baltic 1 rechnen mit einer mittleren Windgeschwindigkeit von 9 m/s (Windstärke 5).

Zum Vergleich: Das in Finnland und Frankreich im Bau befindliche Kernkraftwerk EPR kostet 5.000 €/kW und liefert 7.500 h pro Jahr Strom mit bedarfsgerechter Leistung.

Kalkulation der Stromerzeugungskosten:

Die jährlichen Kapitalkosten (Annuität) ergeben sich bei 8 % Zins und 30 Jahre Laufzeit zu:

ergeben sich bei 8 % Zins und 30 Jahre Laufzeit zu: Windstärke 7: weißer Schaum von
Windstärke 7: weißer Schaum von den brechenden Wellenköpfen legt sich in Schaumstrei- fen in die
Windstärke 7:
weißer Schaum von den brechenden
Wellenköpfen legt sich in Schaumstrei-
fen in die Windrichtung
(aktuell höchstens 4 überall Schaum-
köpfe, die Presse übertreibt mal wieder)

A

=

I

q

n

(

q

1

)

=

300

Mio

. €

1,08

30

0,08

 

q

n

1

 

1,08

30

1

=

26,65

Mio

. €

Die Betriebs- und Unterhaltungskosten mit 3 % niedrig angesetzt, entsprechend 9 Mio. €, ergibt

jährliche Gesamtkosten: 35,65 Mio. €.

Durchschnittliche Stromerzeugungskosten:

35,65 Mio. €. Durchschnittliche Stromerzeugungskosten: K ges . 35,65 Mio . € € ct p Φ

K

ges .

35,65

Mio

. €

ct

p

Φ

=

W

J

185

Mio kWh

.

kWh

kWh

=

=

0,19

= 19

Mit der gesetzlichen Vergütung von 15 ct/kWh ergibt sich ein jährli- cher Verlust 7,40 Mio. €. Die gleich hohe Stromerzeugung aus den derzeit stillgelegten deut- schen Kernkraftwerken würde bei 3,5 ct/kWh 6,48 Mio. € kosten, also eine jährliche Ersparnis von 29,17 Mio. € erbringen. Die in der Presse propagierten 50.000 belieferten Haushalte würden sich im Wahlkreis unserer Bun- deskanzlerin sehr bedanken, nun rd. 43 ct/kWh statt 23 ct/kWh zu bezahlen (statt jährlich 851 € nun 1.434 € zahlen zu müssen und nur Strom zu haben, wenn in der Ostsee der Wind stark weht).

D:\FH AKE\Hilfsb 127 Offshore Anlage Baltic 1 EnBW.doc