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PERSPEKTIVEN ZUM BERUFSEINSTIEG IM


STUDIENFACH ETHNOLOGIE
ERFAHRUNGSBERICHTE UND ESSAYISTISCHE BEITRÄGE

Einleitung
„Ethnologie …, aha …, und was macht man dann eigentlich damit?“ Diesen Satz haben wohl
fast alle Ethnologie Studierenden schon einmal zu hören bekommen, wenn das leidige
Zukunftsthema in familiären Kreisen oder unter alten Schulfreunden angeschnitten wird.
Trotz meiner mittlerweile schon fortgeschrittenen Semesterzahl war ich, wie die meisten
Studierenden aus meinem Semester, eher planlos, wenn mich jemand nach der Zukunft
fragte. Ich konnte immer super erklären, was man denn lernt, und dass es eher ein
Bewusstseinsstudium als ein Karrierestudium sei, allerdings hat das nur noch mehr
Verwirrung bei meinen Gesprächspartnern hervorgerufen. Unter den Mitstudierenden
konnte man sich recht gut gegenseitig Mut zureden, á la, „da rutscht man mehr so rein,
durch ehrenamtliches Engagement, oder es sucht ja keiner nach Ethnologen, da muss man
sich dann halt initiativ bewerben“, aber so richtig hatte dann doch keiner eine Ahnung, was
man „später damit so macht“. Von all den Freunden, die ich im Studium kennen gelernt
habe, ist nur eine mit einem Karriereplan in die Orientierungseinheit gekommen und hat den
bis zur Bachelorarbeit nie aus den Augen verloren. Doch sonst sieht es eher unentschlossen
aus. „Irgendetwas Soziales“, „Etwas mit Kindern“ oder auch „in irgendeiner
Menschenrechtsorganisation arbeiten“ habe ich bestimmt tausend Mal im Studium gehört,
doch hört sich das alles andere als geplant an.
Tatsache ist allerdings, dass man tatsächlich eher selten eine Stellenausschreibung sieht, die
einen Ethnologen sucht. Mit einem Bachelor in Ethnologie oder einem Master Abschluss,
muss, wenn man nicht unbedingt in die Forschung kommen oder im universitären Kontext
verbleiben möchte, sehr viel Eigeninitiative geleistet werden, um einen Job zu bekommen
und in ein Berufsfeld zu gelangen. Die meisten Arbeitgeber, deren Arbeitsbereich von
Ethnologen als mögliche Berufsfelder angesehen wird, sind sich nicht unbedingt bewusst,
dass Ethnologen in dieses Berufsfeld hinein passen. Dadurch ist es tatsächlich wahrscheinlich
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am Sinnvollsten als Quereinsteiger, beispielsweise durch freiwillige Mitarbeit oder durch ein
Praktikum, in einen Beruf oder ein kompletten Berufsfeld herein zu kommen.

Bisherige Zukunftsperspektiven(-krise)
Meine ursprüngliche Motivation Ethnologie zu studieren, war tatsächlich die Arbeit in einer
Menschenrechtsorganisation, wie etwa Amnesty International, für die ich schon auf dem
Gymnasium sehr viel gearbeitet hatte, oder aber, mehr noch, die Entwicklungshilfe. Gerade
von diesen zwei Ideen bin ich persönlich schon direkt im ersten Semester abgekommen.
Sehr schnell fielen hier Begriffe wie Kulturrelativismus oder Ethnozentrismus, die immer
noch mein Studium prägen. Zwar gibt es bereits ethnologisch geprägte
Entwicklungszusammenarbeit, die ich allerdings für meinen beruflichen Werdegang
weitestgehend ausschloss.
Als nächste Idee für meine Zukunft entdeckte ich dann, etwas klischeehaft, die
Museumsarbeit. Eigentlich haben mich ja alte, klassisch bekannte Kulturen wie die Azteken
schon immer interessiert. Außerdem veranstaltet das Museum für Völkerkunde in Hamburg
immer interessante Veranstaltungen, wie etwa das Lateinamerikafestival, den Markt der
Völker oder auch Feste zur Sommersonnenwende und Veranstaltungen, wie
Spendenabende, zu organisieren hatte mir bereits früher Spaß gemacht. Allerdings wollte ich
mich doch lieber mit aktuellen Kulturen und Menschen beschäftigen.

Von diesem Plan abgekommen, interessierte ich mich für die Friedens- und
Konfliktforschung, nicht nur als möglicher Master, sondern auch als mögliche internationale
Zusammenarbeit. Um diese Möglichkeit für mich weiter zu entdecken, habe ich ein
einjähriges Curriculum „Friedensbildung und Konfliktforschung“ an der Uni in Hamburg
belegt, wo Studierende aus vielen Fachbereichen, auch aus der Ethnologie, vertreten waren.
Nach anfänglicher Begeisterung stellte ich nach einem Jahr fest, dass diese Richtung der
Forschung mit vielen Prinzipien, die ich mir durch das Ethnologiestudium angeeignet hatte,
nicht unbedingt vereinbar waren. Auch hier ging man vornehmlich davon aus, dass durch
„entwickelte“ Komponenten, wie der freien Marktwirtschaft, sich Frieden oft von selbst
einstelle. Alternativen zu dieser liberalen Friedensbildung waren zwar vorhanden, aber in
der Praxis kaum ausgeführt.

Durch ein Seminar im Rahmen des ABK-Bereichs für Kulturkundler kam ich dann auf das
Veranstaltungsmanagement im Non-Profit Bereich. Das war ja einer der Punkte, der mich an
der Arbeit in Menschenrechtsorganisationen und in Museen interessiert hatte. Durch den
Kurs bekam ich einen sehr guten Einblick und organisierte auch selber mit einer Gruppe eine
kleine Veranstaltung. Schnell wurde mir allerdings im Gespräch mit meinem Dozenten klar,
dass diese Art von Veranstaltungsplanung zu großen Teilen im Non-Profit Bereich abläuft.
Eine Beschäftigung erfolgt oftmals auf Basis eines ehrenamtlichen Engagements. Insgesamt
ist diese Tätigkeit ein eher kleiner Teil eines weiter gefassten Berufsfeldes.
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So war ich also, pünktlich zum Seminar über Berufsperspektiven, wieder bei einer
Perspektivlosigkeit angelangt. Entwicklungshilfe, Friedensbildung und Konfliktforschung
hatten sich als mehr oder weniger unvereinbar mit meinen, durch das Bewusstseinsstudium
Ethnologie erworbenen, Prinzipien erwiesen. Museumsarbeit ist für mich auf die Dauer zu
eintönig und je nach Betätigungsort zu sehr auf außer europäische Gesellschaften fixiert. Für
Veranstaltungsmanagement, wenn es nicht ehrenamtlich sondern als Beruf ausgeführt wird,
hatte ich nicht die richtige Ausbildung. Deswegen sollte ich, um mir hier darüber bewusst zu
werden, was ich gerne tun möchte, erst einmal überlegen, was ich als Ethnologin gut kann
und was ich von einem Beruf erwarte, um anschließend heraus zu finden, wie ich am besten
bei meinem Wunschberufsfeld ankomme.

Was sind meine Fähigkeiten als Ethnologin und was erwarte ich von einem Beruf?
Die wichtigste Fähigkeit die ich als Ethnologin im Studium gelernt habe, ist wohl die
interkulturelle Kompetenz. Hierzu gehört eine generelle Akzeptanz und ein Verständnis von
Andersgläubigen, Andersdenkenden, Menschen aus anderen Ländern und anderen
Kulturkreisen. Durch diese Fähigkeit kann mich gut in den Standpunkt anderer Menschen
hinein versetzen und versuchen, seine Art zu denken und zu leben zu verstehen. Außerdem
geht diese Kompetenz mit einer generellen Offenheit einher, sowie einem kritischen Denken
gegenüber meiner eigen Kultur und allen bewusst wahrgenommenen Vorurteilen gegenüber
anderen Kulturen. Zudem ist diese Fähigkeit auch mit gewissen Vermittlungsfähigkeiten
verbunden, besonders zwischen Menschen, die sich gegenseitig als „fremd“ bezeichnen.
Allerdings habe ich als Ethnologin auch eine gewisse regionale Kompetenz, die sich auf ein
oder mehrere Gebiete beschränkt und über die ich mir in meinem Studium Fachwissen
angeeignet habe.
Durch den Universitätskontext kann ich als Studentin Fähigkeiten im Projektmanagement
und im selbstständigen Arbeiten aufweisen. Hierzu gehören Fähigkeiten wie Teamwork,
sichere Vorträge und Präsentationen, Gruppenarbeiten anführen oder anführen lassen,
kreatives Denken und Arbeiten, Recherche und Umgang mit Medien, sowie bei der
thematischen Recherche die Unterscheidung von wichtigem und unwichtigem. Ebenfalls
durch die Tätigkeit als Studentin verfüge ich über grundsätzliches wissenschaftliches
Arbeiten, die Fähigkeit schriftliche Arbeiten zu verfassen, sowie EDV-Kenntnisse in Word,
Excel, Power Point und Atlas.ti. Zum wissenschaftlichen Arbeiten gehören ebenfalls die
Fähigkeit mit Textverarbeitungsprogrammen umzugehen, gute Recherchearbeit,
Zeitmanagement und Quellenarbeit. Zu der Fähigkeit schriftliche Arbeiten zu verfassen
gehören wissenschaftliche Arbeiten, wie Bachelorarbeit oder Hausarbeiten, aber auch Essays
und eventuell Artikel oder andere Beiträge.

Neben all den technischen Fähigkeiten, die ich mir durch den universitären Kontext aneignen
konnte, gehört noch das allgemeine kritische Denken und Hinterfragen. Dieses zeichnet sich
vor allem durch ein gewisses Ausdrucksvermögen aus, die Fähigkeit seine Meinung
auszudrücken und fundiert zu belegen, ein gewisses Fachwissen aus der Ethnologie und ein
Allgemeinwissen, sowie generelles Textverständnis und auch hier wieder die Fähigkeit zu
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unterscheiden, was in einem Text besonders wichtig und passend ist.


Ich persönlich habe meine Vermittlerrolle, die ich durch meine interkulturelle Kompetenz
bereits ansatzweise besitze, durch Mediationskurse weiter vertieft.. Zudem habe ich durch
den Veranstaltungsmanagementkurs, sowie die Veranstaltung für eine gemeinnützige
Organisation im Rahmen dieses Kurses, ein grundsätzliches Verständnis und praktische
Anwendung von Veranstaltungsorganisation. Durch mehrere Sprachkurse, auch im
freiwilligen Bereich, kann ich nun verschiedene Sprachfähigkeiten in Englisch, Französisch,
Spanisch, Türkisch, Griechisch und Thai aufweisen. Diese Fähigkeiten erweitern und
ergänzen die Fähigkeiten, die ich im Ethnologiestudium erworben habe.

Nun ist jedoch noch die Frage, was ich mit diesen Fähigkeiten von einem Job erwarte, oder
was für eine Arbeit überhaupt für mich in Frage kommt. Ich habe vor allen Dingen Angst, in
einem Büro Job zu arbeiten. Einer Arbeit nachzugehen, in der ich immer vor dem Computer
sitze und jeden Sonntagabend schon keine Lust mehr auf den nächsten Tag habe. Daher ist
es mir wichtig einen abwechslungsreichen Job zu haben, der sich gut mit meinen bereits
aufgeführten ethnologischen Fähigkeiten deckt. Auch ist mir wichtig, dass er vielleicht eine
gewisse organisatorische Komponente beinhaltet und mit gewissen ethnologischen
Prinzipien vereinbar ist. Daher möchte ich lieber in einem der folgenden Bereiche arbeiten,
als in der Wirtschaft oder in einer gewissen Art der Entwicklungszusammenarbeit. Vielmehr
sind mir durch die Arbeit und Diskussionen im Berufsfelderkundungsseminar besonders zwei
Arbeitsfelder ins Auge gestochen, bei denen ich mir vorstellen könnte zu arbeiten. Diese
möchte ich nun im Folgenden darstellen.

Migrationsarbeit/ Interkulturelle Arbeit


Ein Weg wie sich einige Aspekte aus der Entwicklungszusammenarbeit mit der Arbeit hier in
Deutschland verknüpfen lassen, ohne anderen Menschen eine Entwicklung aufzuzwingen, ist
die Migrationsarbeit oder auch interkulturelle Arbeit.
Was macht man da?
Bei der Migrationsarbeit handelt es sich vor allem um direkte praktische Hilfe in Form von
Sprachkursen oder auch Hilfe bei Behördengängen, wie etwa zu der Ausländerbehörde. Oft
hilft es hier bei den lokalen Organisationen einfach nur da zu sein und Unterstützung
anzubieten. Außerdem geht es in der Migrationsarbeit und auch in der interkulturellen
Arbeit um Erwachsenenbildung,, z.B.durch Sprachkurse oder Weiterbildungen, um einen Job
zu bekommen.
In der interkulturellen Arbeit werden vor allem Veranstaltungen ausgerichtet, Dialog von
Politik, Wissenschaft und Bürgern organisiert und Studien und Forschungsprojekte initiiert.
Oft hat man, wenn man in der Öffentlichen Verwaltung in diesem Bereich arbeitet, auch
Einfluss auf die Politik und organisiert interkulturelle Schulungen. (Brinkman, Covaci, Kaluza,
Kesseler, Reithofer, Volk, Vorhölter 2012: 16)
Wieso bin ich als Ethnologin dafür geeignet?
Als Ethnologin habe ich, wie bereits erwähnt, vor allem eine interkulturelle Kompetenz.
Deswegen bin ich geeignet, die Akzeptanz von Menschen aus anderen Gegenden und
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Gesellschaften und deren Anspruch auf die gleiche Behandlung zu verstehen und anderen
verständlich zu machen. Auch Offenheit und Anpassungsfähigkeit sind in diesem Bereich
sehr sinnvoll einsetzbar. Ich habe oft Fachwissen über Herkunftsland und Besonderheiten
der Migranten und ein Verständnis von meiner eigenen und anderen Kulturen. Weiterhin
kann auch hier die Vermittlerrolle genutzt werden, um zwischen Menschen, die neu nach
Deutschland kommen und Menschen die schon länger in Deutschland leben zu vermitteln
und zu kommunizieren. Vor allem die Fähigkeiten wie Projektmanagement und
selbstständiges Arbeiten sind von Bedeutung, besonders wenn man in der öffentlichen
Verwaltung arbeitet, aber teilweise auch das wissenschaftliche Arbeiten.
Wieso möchte ich das machen?
Erst einmal bin ich sehr interessiert an Orten oder Arbeitsplätzen, wo Menschen
verschiedener Kulturen, aber auch verschiedener Sprachen zusammen kommen. Da ich sehr
spracheninteressiert bin, hoffe ich hier meine Sprachpraxis zu verbessern, oder aber
Motivation und Grund zu bekommen eine neue Sprache zu erlernen. Zudem vereint es
einige Gründe, weswegen ich Entwicklungszusammenarbeit interessant finde, mit dem
Vorteil eines bleibenden Wohnorts. Außerdem gibt es hier die Möglichkeit im Kleinen gegen
das ausgrenzende System von Gesetzen, das teilweise in Deutschland vorherrscht, zu
arbeiten und den Menschen zu helfen.
Welche Organisation scheint mir passend?
Eine Organisation, die sich meiner Meinung nach sehr gut für den Einstieg in dieses
Berufsfeld anbietet, ist das Café Exil in Hamburg.
„Das Café Exil ist eine antirassistische Unterstützungs- und Beratungsstelle für Flüchtlinge
und Migrant_innen. Es wurde 1995 von verschiedenen antirassistischen Gruppen gegründet
und befindet sich seitdem in der Spaldingstraße, direkt gegenüber der zentralen Hamburger
Ausländerbehörde. Durch unsere Arbeit unterstützen wir Flüchtlinge und Migrant_innen in
konkreten und alltäglichen Problemsituationen. Darüber hinaus verstehen wir unsere
Tätigkeit als direkte politische Aktionsform gegen ein System von Ausgrenzung,
Benachteiligung und institutionalisiertem Rassismus (durch Ausländergesetze und
Behörden). Schwerpunkte unserer Arbeit sind Beratung und Begleitung bei
Behördengängen. Außerdem vermitteln wir bei Bedarf Rechtsanwält_innen und
Dolmetscher_innen, kennen eine Vielzahl anderer Ansprechpartner_innen oder
Beratungsstellen, helfen beim Ausfüllen von einfachen Formularen, Übersetzungen und
Ähnlichem. In unserer Arbeit sind wir stets parteiisch für unsere Gäste.“ (http://cafe-
exil.antira.info/uber-uns/)
Die Struktur dieses Projektes ist hierarchiefrei und selbst verantwortlich, weswegen es
keinen Chef gibt. Weiterhin ist es ein ehrenamtliches Projekt, weswegen auch ein Praktikant
kein Gehalt erhält. Trotzdem scheint es mir sinnvoll, anstatt in der öffentlichen Verwaltung
zunächst einmal in einem kleinen, lokalen Projekt zu beginnen und zu entdecken, ob die
Arbeit tatsächlich den Erwartungen entspricht.

Wie komme ich da hin?


Mein Ziel ist nun erst einmal ein Praktikum bei der beschrieben Organisation zu bekommen
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und wenn es mir da gefällt einen Schritt weiter zu gehen. Ich würde eventuell versuchen im
Master einige Kurse in der Erwachsenenbildung zu belegen, um auch für die spätere und
höhere Arbeit besser geeignet zu sein.
Probleme?
Wie bereits angesprochen ist es vor allem in den Organisationen oft das Problem, dass das
erforderliche Berufsprofil eher in der Pädagogik, Sozialpädagogik oder sozialen Arbeit als in
der Ethnologie liegt. Weiterhin denke ich, dass es schwer sein kann mit den Schicksalen, die
einem bei der Arbeit begegnen, beispielsweise ungerechte Abschiebungen, oder
Erzählungen von traumatischen Erinnerungen, umzugehen.
Arbeit in einer NGO
Ein weiteres Berufsfeld, dass ich durch die Diskussionen und Vorstellungen, aber vor allem
durch die Exkursion im Seminar über Berufsfelderkundung kennen gelernt habe und in dem
ich mir sehr gut vorstellen könnte zu arbeiten, ist die Arbeit in Stiftungen, Vereinen,
Organisationen und NGOs.
Was macht man da?
Aufgrund der großen Bandbreite der NGOs habe ich mich hier vor allem auf Organisationen
beschränkt, die sich mit Menschenrechten oder Rechten von bestimmten Gruppen
beschäftigen, wie auch die Organisation die ich weiter unten vorstelle. Vor allem durch
Presseerklärungen, Interviews in den Medien, eventuelle Zeitschriften, das Internet, aber
auch durch öffentliche Diskussionen, Vorträge, Demonstrationen und Veranstaltungen,
versucht eine NGO in der Öffentlichkeit auf ihr bestimmtes Thema aufmerksam zu machen
und zum Handeln zu bewegen. Auch werden, besonders im Falle von ethnologisch
relevanten NGOs, Menschenrechtsreporte veröffentlicht, Experten vermitteln und versucht
Spender und Mitglieder zu gewinnen. (https://www.gfbv.de/de/ueber-uns/was-wir-tun/)
Jedoch ist je nach Größe der NGO der Aufgabenbereich etwas anders und die Organisation
anders hierarchisch strukturiert, so ist man in kleineren NGOs oft für mehrere Bereiche
zuständig und erhält mehr Aufgabenfreiheit. (Brinkman, Covaci, Kaluza, Kesseler, Reithofer,
Volk, Vorhölter 2012: 8)
Wieso bin ich als Ethnologin dafür geeignet?
Hier ist es, je nach Thema der NGO, jedoch sehr oft, hilfreich seine interkulturellen
Kompetenzen einzubringen, wobei vor allem Auslandsaufenthalte von Vorteil seien können.
(Brinkman et al 2012: 9) Auch regionale Kompetenzen können sehr hilfreich sein. Hier sind
ebenso wieder die Fähigkeiten selbstständiges Arbeiten und Projektmanagement sehr
hilfreich, vor allem, da man oft Projekte schnell bearbeiten muss, je nach dem aktuellen
Tagesgeschehen. Da fast alle NGOs auch politische eingebunden sind, können grundlegende
Kenntnisse aus der Politikethnologie (Brinkman et al 2012: 9) oder auch weiterführende
Kenntnisse aus der Politikwissenschaft sehr hilfreich sein.
Wieso möchte ich das machen?
Vor allem reizt mich an der Arbeit in einer Organisation oder eine NGO, dass man oft die
Freiheit hat, zu einem bestimmten Thema in dem Aufgabenbereich der Organisation zu
arbeiten. So kann man zu bestimmen Völkern und Fällen recherchieren und sein regionales
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Wissen weiter ausbauen und nutzen. Zudem hängt es oft auch mit der Planung von
Veranstaltungen zusammen, etwa Spendenveranstaltungen oder Demonstrationen.
Welche Organisationen gibt es?
Das Spektrum der möglichen Organisationen ist sehr groß, von Fachbereichen wie
Menschenrechten oder Minderheiten, bis zu Flüchtlingen oder Naturschutz. Als Ethnologin
ist es natürlich sinnvoll in entsprechenden Organisationen zu arbeiten. Beispiele für eine
solche Organisation wären etwa Human Rights Watch, Amnesty International, terre des
hommes, lobby 16 oder auch eine Organisation der UNO.
Wie komme ich da hin?
Durch die Exkursion, die wir im Rahmen des Seminars zur Berufsfelderkennung gemacht
haben, bin ich auf die NGO „Gesellschaft für bedrohte Völker“ aufmerksam geworden. In
dem Gespräch, das wir dort geführt haben, habe ich sehr interessante Aspekte der Arbeit in
einer NGO wahr genommen und denke das diese Organisation, im Gegensatz zu manchen
größeren, eine sehr gute Einstiegsmöglichkeit in das Berufsfeld, sowie große
Überschneidungen mit dem Ethnologie Studium bietet. Daher habe ich mich entschieden,
mich nach dem Bachelor für ein Praktikum zu bewerben. Ein Praktikum hier ist auf die
Mindestdauer von 8 Wochen fest gelegt und kann in verschiedenen regionalen
Fachreferaten absolviert geben. Allerdings kann es nicht vergütet werden.
„Die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) ist eine internationale
Menschenrechtsorganisation. Sie setzt sich für verfolgte und bedrohte ethnische und religiöse
Minderheiten, Nationalitäten und indigene Gemeinschaften ein. Wir ergreifen Partei für die
Opfer von Verbrechen gegen die Menschlichkeit, nennen die Täter und ihre Helfershelfer
schonungslos beim Namen. Auch wenn aus Opfern später Täter werden, schweigen wir nicht.
Denn wir stehen zu unserer Leitlinie „Auf keinem Auge blind“ Wir sind unabhängig und
werden nur von privaten Spenden und Mitgliedbeiträgen finanziert. Als
Menschenrechtsorganisation vertreten wir die Interessen von bedrohten Minderheiten auf
allen Kontinenten bei Politikern, Verbänden und Medien. Unseren Einsatz haben die
Vereinten Nationen anerkannt und uns Beraterstatus beim Wirtschafts- und Sozialrat
verliehen. Damit haben wir vor UN-Gremien Rederecht und können die Stimme für
verschiedene Minderheiten erheben. Beim Europarat haben wir mitwirkenden Status..“
(https://www.gfbv.de/de/ueber-uns/was-wir-tun/)

Probleme?
Innerhalb der Organisation ist auch wieder ein Hauptproblem, dass viele der anfallenden
Arbeiten Praktikanten oder ehrenamtlichen Helfern ausführen. Besonders die kleineren
NGOS haben kaum Arbeitsplätze anzubieten, oder wenn, dann beschäftigen sie oft eher
Bewerber, die Erfahrungen in der Geschäftsführung oder mit Finanzen aufweisen. Allerdings
könnte hier ebenfalls eine Weiterbildung Abhilfe schaffen, wenn man erst einmal in das
Berufsfeld an sich herein gerutscht ist.
Fazit
Vor allem während dem Berufsfelderkundungsseminar ist mir aufgefallen, wie wichtig
ehrenamtliches Engagement, oder Praktika sind, um Zugang zu einem bestimmten
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Berufsfeld zu bekommen. Es ist total normal, dass man am Anfang, oder auch noch am Ende
seines Studiums etwas planlos ist, was die späteren Berufsperspektiven angeht. Im Studium
der Ethnologie lernt man nun einmal keinen bestimmtem Beruf, wie Arzt oder Lehrer,
sondern durch das große Spektrum an Aufgabenbereichen hat man die Freiheit sich in die
Richtung zu entwickeln, die einen am meisten interessiert. Dies mag zuerst schwer
erscheinen, ist aber bei genauerer Beschäftigung mit den einzelnen Fachgebieten und
Berufsfeldern sehr spannend. Tatsächlich denke ich, dass man mehr Chancen als
Quereinsteiger durch Praktika oder Engagement hat, als wenn man sich auf einen
bestimmten Posten bewirbt. Es ist generell viel Eigeninitiative gefragt, auch in Form von
Weiterbildungen, Vertiefen von Kenntnissen und Sprachen und der Erlangung von
spezifischeren Fähigkeiten, die auf das gewünschte Berufsfeld abgestimmt sind.

Quellen
• Internetpräsenz des Café Exil: http://cafe-exil.antira.info/, (zuletzt aufgerufen:
16.09.2015)
• Brinkmann, Franziska; Covaci, Stella; Kaluza, Jan; Kesseler,Sascha; Reithofer, Hans; Volk,
Bianca; Vorhölter, Julia, 2012: Berufsfelder für Ethnologinnen. Georg- August- Universität
Göttingen. Sozialwissenschaftliche Fakultät. Institut für Ethnologie.
• Internetpräsenz der Gesellschaft für bedrohte Völker: https://www.gfbv.de/de/, ( zuletzt
aufgerufen: 20.09.2015)
Autorin: Lisa Duczmal, Institut für Ethnologie, Universität Hamburg; Jan. 2016

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