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Diskurs Elektrosmog

Angriff auf die Matrix


des Lebens
Der zunehmende Elektrosmog ändert das Milieu des Planeten
und gefährdet damit die Existenzbedingungen vieler Lebewesen.

Es gilt nicht gerade als abwechslungsreich, wenn eine Zeitschrift nachgerade


in jeder ihrer Ausgaben das gleiche Thema „aufwärmt“. Allerdings gibt es Pro-
bleme, deren Lösung nicht nur besonders wichtig ist, sondern auch einen sehr
langen Atem erfordert. Eines davon ist die zunehmende Überflutung unseres
Lebensraumes mit technischen elektromagnetischen Feldern - Gegenstand
unserer Beitragsfolge „Diskurs Elektrosmog“. Einerseits sind sich große Teile
der Bevölkerung der damit verbundenen Gefahren noch gar nicht bewusst,
und andererseits tut vor allem die Mobilfunkindustrie alles dafür, negative Aus-
wirkungen für Mensch und Umwelt zu leugnen. Deshalb werden wir weiterhin
sowohl Aufklärungsarbeit zu diesem Thema leisten müssen als auch publizis-
tisch die Aktivitäten jener Bürgerinitiativen unterstützen, die den Mobilfunkge-
fahren wehren wollen und dabei von ihrem Recht auf friedlichen Widerstand
Gebrauch machen.

In unserer letzten Ausgabe fragten wir den Präsidenten des Europäischen Be-
rufsimkerbundes Walter Haefeker, inwieweit der dichter werdende Elektrosmog
auch die Imker beunruhigt, die mit einem bedenklich zunehmenden Bienenster-
ben zu kämpfen haben, wesentlich auch bedingt durch die Umweltverschmut-
zung mit giftigen Chemikalien. Nach Haefekers Einschätzung hat das Thema
Elektrosmog „im Vergleich zu den Problemen, die sich aus der intensiven Land-
wirtschaft ergeben, noch keinen hohen Stellenwert“. Entwarnung könne er aber
nicht geben. Dass dieser Vorbehalt mehr als begründet ist, erfuhren wir von Dr.
rer. nat. Ulrich Warnke, einem Wissenschaftler der Universität des Saarlandes,
der mit eigenen Forschungen die gefährlichen Folgen von Elektrosmog nicht
nur für Bienen, sondern für sehr viele unserer Mitgeschöpfe und für uns selbst
überzeugend nachgewiesen hat.

20 Dialoge für eine gesündere Gesellschaft


Diskurs Elektrosmog
Die Verschmutzung der Umwelt mit technischen elektromagnetischen Feldern ist
deshalb so gefährlich, weil man sie nicht sieht, nicht hört und nicht riecht.

„PROVOkant“: Herr Dr. Warnke, zeigen. Am Ende steht letztlich der Tod allem zweierlei: Erstens übersteigt die
die vielfach geäußerte Sorge, die des ganzen Stockes. Leistungsflussdichte des Kommunikati-
immer dichter und intensiver wer- onsfunks - also von Mobilfunk, Radio,
denden technischen elektromagne- Muss man hierbei nicht einräumen, TV und Satellitenkommunikation - die-
tischen Felder könnten Gesundheit und dass es sich vielleicht um extreme La- jenige der natürlichen Strahlung bei wei-
Orientierungsvermögen auch der Bie- borbedingungen handelt, die im „nor- tem.
nen beeinträchtigen, findet, wie Walter malen“ Lebensraum der Bienenvölker
Haefeker meint, derzeit unter den Im- so nicht vorkommen? Könnte man den Fachbegriff der Lei-
kern noch nicht jene Aufmerksamkeit, stungsflussdichte zum allgemeinen
wie sie zu Recht den schlimmen Fol- So „normal“ sind leider unser aller Le- Verständnis mit Intensität oder Stärke
gen der Chemisierung unserer tech- bensräume, also auch die der Bienen, nicht übersetzen?
nischen Landwirtschaft gewidmet wird. mehr. Die Versuchsbedingungen in un-
Könnte sich diese Arglosigkeit bald serem Labor waren zunächst den Feldern Das ist zwar etwas ungenau, aber dem
als ein weiteres Verhängnis erweisen? angepasst, die bereits beim Fließen un- allgemeinen Verständnis gewiss zugäng-
seres gewöhnlichen Haushaltstroms ent- licher.
Dr. Ulrich Warnke: Das steht zu be- stehen - nämlich bei 50 Hertz. In ande-
fürchten. Ohne Frage haben wir es beim ren wissenschaftlichen Arbeitsgruppen Und wie weit sind hier Natur und
Bienensterben mit einer Vielzahl von Ur- und von Praktikern wurden aber auch Technik voneinander entfernt?
sachen zu tun: Pestizide, Monokulturen, die Wirkungen der elektromagnetischen
die Varroa-Milbe, gebeiztes Saatgut, gen- Strahlung von DECT-Funktelefonen Meilenweit ist wohl noch untertrieben.
veränderte Pflanzen, aber auch strenge und von Basisstationen getestet. Dabei Sie können es selbst nachrechnen: Die
Winter oder die Wander-Imkerei. Doch stellte man deutliche Unterschiede in der erwähnte Leistungsflussdichte der natür-
all diese negativen Einwirkungen wer- Gewichtsentwicklung, aber auch beim lichen Strahlung an der Erdoberfläche
den zu einem wirklichen Problem für Heimfindevermögen und bei anderen in dem hier interessierenden Frequenz-
die Bienen, weil durch die nahezu flä- typischen Verhaltensmerkmalen von dau- bereich liegt etwa bei einem Tausendstel
chendeckenden und sich überlagernden erbestrahlten im Gegensatz zu nichtbe- Mikrowatt pro Quadratmeter. Der heute
elektromagnetischen Felder technischer strahlten Bienenvölkern fest. typische technisch aufgebaute Strahlungs-
Herkunft gleichsam eine noch völlig un- pegel in den Städten hingegen beträgt
terschätzte Milieuveränderung vor sich Sie erwähnten, dass nicht nur die Bie- etwa 10.000 Mikrowatt pro Quadratme-
geht, die den Bienen, aber auch anderen nen, sondern auch andere Lebewesen ter. Die geltenden deutschen Grenzwerte
lebenden Organismen erheblich schadet. unter den Wirkungen des Elektro- lassen für das D-Netz sogar Werte bis 4,5
smogs leiden. Haben Sie hierfür Bei- Millionen, für das E-Netz bis 9 Millionen,
Lässt sich das nachweisen? Von Seiten spiele? für UMTS bis 9,8 Millionen Mikrowatt
der Mobilfunkindustrie wird das vehe- pro Quadratmeter zu. Wir bewegen uns
ment in Abrede gestellt. Der Hausspatz zum Beispiel ist in Eng- also auf einer Ebene der Strahlungsinten-
land, aber auch in anderen westeuropä- sität, die gegenüber der natürlichen um
Wir haben in Laborversuchen das Ver- ischen Ländern auffallend seltener ge- das Zehnmillionen- bis Milliardenfache
halten der Bienen in künstlich aufge- worden. In Spanien hat man dazu eine höher liegt.
bauten elektrischen Feldern untersucht. Studie gemacht und festgestellt, dass die
Schon bei 50-Hertz-Wechselfeldern mit Anzahl dieser Vögel dort besonders zu- Aber auch bei gewissen Naturerschei-
Feldstärken von 110 Volt pro Quadrat- rückgeht, wo die elektrischen Feldstär- nungen, wie heftigen Gewittern, wei-
zentimeter werden die Bienen in ihrer ken der Antennen besonders hohe Werte chen die Feldstärken offensichtlich
Behausung sehr unruhig. Nach und nach erreichen. In Belgien kam man zu ähn- auch erheblich vom Normalzustand ab.
erhöht sich die Temperatur im jeweiligen lichen Ergebnissen. Eine andere Studie
Volk. Ihr Verteidigungsverhalten, das die machte deutlich, dass z. B. Störchen im Durchaus. Doch hier setzt mein zweiter
Natur bei ihnen gegen Fremde entwi- näheren Umkreis von Basisstationen der Einwand an: Man vernachlässigt die Dau-
ckelt hat, beginnt sich gegen die eigenen Nachwuchs ausbleibt. Bisher wurde aber er solcher Einwirkungen. In der Evoluti-
Individuen zu kehren. Sie erkennen sich diesem Phänomen noch viel zu wenig on waren die Lebewesen zeitweise eben-
nicht mehr und stechen sich quasi gegen- Aufmerksamkeit geschenkt. falls sehr starken elektrischen Feldern
seitig ab. Nach einigen Tagen reißen sie ausgesetzt, statischen wie niederfre-
ihre Brut aus den Zellen. Neue Brut wird Eines der Argumente für die Harmlo- quenten. Aber eben immer nur zeitweise.
nicht mehr angelegt. Honig und Pollen sigkeit technischer Strahlen verweist Und z. B. mit dem Erd-, dem Ionosphä-
werden verbraucht und nicht mehr ein- darauf, dass es auch in der Natur elek- ren- und dem kosmischen Feld bewegten
getragen. Doch das sind nur einige der tromagnetische Felder gibt. wir uns schon immer auch in magne-
abnormen Verhaltensweisen, die sich un- tischen Feldern. Doch noch nie gab es
ter dem Einfluss des elektrischen Feldes Stimmt. Dabei vergisst man aber vor auf Dauer vergleichbar vielfältige Überla-

PROVOkant 04 | 09 21
Diskurs Elektrosmog
Wir bewegen uns auf einer Ebene der Strahlungsintensität, die gegenüber der
natürlichen um das Zehnmillionen- bis Milliardenfache höher liegt.

Die Zerstörung der natürlichen Lebensgrundlagen hat bereits


viele Arten für immer ausgelöscht.

gerungen verschiedener Frequenzen aus lig unpassenden und überdies eben gro- Es sollte mithin einleuchten, dass
unterschiedlichen Quellen wie im Fall ben künstlichen Feldern attackieren. künstliche Schwingungen, wie sie zur
der technisch erzeugten Felder. technischen Kommunikation genutzt
Was verstehen Sie unter den, wie Sie werden, stören können. Denn bereits
Das wird sich kaum widerlegen lassen. sagten, „kommunikativen“ Funktionen im Physikunterricht lernt man, dass
Es erklärt aber noch immer nicht den der natürlichen Felder? sich überlagernde Wellen zu Interfe-
Mechanismus, durch den die Existenz renzen und Resonanzen führen.
der künstlichen Felder biologischen Es geht dabei um eine Art „Funkverkehr“
Wesen schaden kann. Wie muss man zwischen den Organismen. Bienen zum So ist es. Zumal sich da jetzt immer mehr
sich diese Wirkung vorstellen? Beispiel, aber auch andere Insekten, ja Wellen überlagern, denn die Zahl der
sogar Vögel senden und empfangen elek- Strahlungsquellen nimmt sprunghaft zu.
Sie beruht gerade darauf, dass sich das trische Felder. Deren Nutzung nicht nur Der Elektrosmog wird immer dichter.
Leben gleichsam „umhüllt“ mit natür- zur räumlichen Orientierung, sondern Wir verändern damit im Grunde die Ma-
lichen elektromagnetischen Feldern auch zur gegenseitigen Information ist Ge- trix des Lebens auf unserem Planeten.
entwickelt hat. Eine Million bis eine genstand aufschlussreicher Forschungen.
Milliarde Jahre hatten die Lebewesen in Aber Kommunikation gibt es bekanntlich Vertreter von Industrie und etablierter
ihrer stammesgeschichtlichen Entwick- auch im Inneren der Individuen, zwischen Wissenschaft sehen diese Gefahr aber
lung Zeit, sich den magnetischen und Organen, beispielsweise zwischen Gehirn nicht.
elektromagnetischen Bedingungen auf und Leber oder auch zwischen den einzel-
der Erde anzupassen. Aber mehr noch. nen Zellen. Man kann sich gut vorstellen, Zum überwiegenden Teil, leider. Es ist
Die Organismen „lernten“ es, die ver- wie dieser „Funkverkehr“ von unseren, im jedoch experimentell nachgewiesen, dass
schiedenen Felder als Vermittler bzw. Vergleich zu ihm geradezu grobschläch- diese Veränderung stattfindet, zunächst
Träger einer Vielfalt von Informationen tigen Sendebetrieb gestört wird. schleichend, aber mit beständigem Trend.
zu nutzen. Die Lebewesen haben eine Bestimmte Moleküle, darunter Proteine
Fülle von Sensoren, ja Organen dafür Sind unsere inneren Informations- und die DNA, also unsere Erbgutträger,
entwickelt. Wenn man so will, wurde kanäle nicht vor allem chemischer Na- zeigen Eigenresonanzen, die im Bereich
ihr Lebensprozess zu einem ständigen tur? Hormone, Enzyme, Botenstoffe? unserer üblichen Mobilfunk-Frequenzen
„Navigieren“ in diesem „Meer“ von liegen. Durch diese Überlagerungen
Schwingungen und eben mit Hilfe Sicherlich auch das. Von Fritz Albert kann die äußere Energieeinwirkung zu
dieses „Meeres“. Dabei ist Navigation Popp stammt der anschauliche Vergleich einer Art Verdrillung der Molekülketten
hier nicht nur räumlich, sondern auch dieser chemischen Informationsflüs- und zu Veränderungen in deren Struk-
zeitlich und kommunikativ zu verste- se mit der relativ langsamen Briefpost tur führen, bis hin zu Brüchen. Gleich-
hen, Letzteres sowohl zwischen als auch gegenüber Telefon- und E-Mail-Kon- zeitig wirken bei Radikal-Molekülen
innerhalb der Individuen. takten. Natürlich sind die chemischen Magnetfelder und Hochfrequenzen in
Steuerungen in unserem Körper rasend Resonanzfenstern zusammen, stimulie-
Können Sie das anschaulicher erläu- schnell. Aber die elektromagnetischen ren sie und vermehren dadurch die At-
tern? Signale sind unvorstellbar schneller! Zu- tacken auf wichtige Funktionsmoleküle.
dem sollten wir uns klar darüber sein, dass Biologische Systeme reagieren also of-
Fische zum Beispiel, aber selbst schon alles das, was wir gemeinhin als Chemie fensichtlich überaus empfindlich auf Mi-
„primitivere“ Organismen wie die bezeichnen, in Wirklichkeit reine Physik krowellen-Felder. Deshalb wird die gera-
Magnetobakterien orientieren sich im ist. Alle als chemisch qualifizierten Bin- dezu laxe Festlegung der Grenzwerte in
magnetischen Erdfeld. Wir kennen das dungen zwischen Atomen und zwischen den westlichen Ländern, vor allem aber
aber auch von Bienen, Brieftauben und Molekülen und alle ihre Abwandlungen in Deutschland von Kritikern bereits als
Zugvögeln. Die Tierwelt richtet sich be- infolge bestimmter Reaktionen beruhen „strafrechtlich relevant“ bezeichnet.
kanntlich auf verschiedene Weise auch letztlich auf physikalischen Phänomenen
nach den magnetischen Steuersignalen, - solchen wie den elektromagnetischen Um noch einmal auf das eingangs
die jahres- und tageszeitlich, aber auch Kräften von ganz unterschiedlicher erwähnte Bienensterben zurückzu-
durch andere Perioden von der Sonne Schwingung. Die DNA zum Beispiel, kommen: Nach dem, was Sie zu die-
ausgehen. Im Verlaufe der Evolution ha- also die „Blaupausen“ unseres Erbgutes, ser verhängnisvollen Verquickung von
ben sie dafür höchst empfindliche Auf- aber auch alle Enzyme können ihre Auf- natürlichen und künstlichen elektro-
nahme- und Entschlüsselungsorgane gaben nur mit Hilfe ihrer elektromagne- magnetischen Feldern gesagt haben,
entwickelt, die wir nun mit unseren völ- tischen Eigenschwingungen erfüllen. wäre der Elektrosmog für die Bienen

22 Dialoge für eine gesündere Gesellschaft


Diskurs Elektrosmog

hinweggeht, obwohl sie dazu verpflich-


tet wäre, unsere Bevölkerung vor solchen
Schäden zu bewahren.

Das Bienensterben aber könnte uns


recht bald schon eine volkswirtschaft-
liche Rechnung aufmachen.

nicht nur eine zusätzliche Belastung, durcheinander bringen. International Es klingt makaber, aber vielleicht ist das
sondern auch vergleichbar mit einem gibt es dazu auch genügend wissenschaft- sogar ein Glück. Ohne Bienen wird es
Katalysator für eine noch stärkere liche Literatur. Die Verantwortlichen für nämlich keine ausreichende Obst- Ge-
Schädigung durch solche Einflüsse wie die Ausweitung und Intensivierung der müse und Nutzpflanzenernte mehr ge-
giftige Chemikalien oder Milben. technischen Felder hätten es also wissen ben. Und dann werden wir egoistischen
können. Wenigstens hätten sie danach Menschen auch in dieser Frage bald am
Das muss man sogar so sehen! Denn die fragen müssen, wie weit diese „elektro- eigenen Leibe spüren, was es heißt, die
technischen Magnetfelder stören den magnetische Wucherung“ in der Lage ist, Natur auf Teufel komm raus instrumen-
Stickstoffmonoxid-Haushalt der Tiere. den ganzen Haushalt der Natur zu ge- talisieren zu wollen.
Das führt nicht nur dazu, dass sie sich fährden. Man muss sich klar darüber sein:
nicht mehr nach Geruchsmomenten Die Zerstörung der natürlichen Lebens- Herr Dr. Warnke, wir danken Ihnen
orientieren können. Auch ihr lebensnot- grundlagen hat bereits viele Arten für im- für dieses Gespräch!
wendiges Lernprogramm funktioniert mer ausgelöscht.
nicht mehr. Ein gestörter NO-Haushalt
beeinträchtigt zudem erheblich das Im- Was aber nicht allein dem Elektro-
munsystem und die Entgiftungsfähigkeit. smog angelastet werden kann.
Es ist deshalb kein Wunder, wenn Bienen
sich nicht mehr ausreichend oder sogar Nein, aber die Verschmutzung der Um-
überhaupt nicht mehr gegen Schädlinge welt mit technischen elektromagne-
wie die Varroa-Milbe zur Wehr setzen tischen Feldern ist deshalb so gefährlich,
können und auch gegenüber Toxinen al- weil man sie nicht sieht, nicht hört und
ler Art anfälliger werden. nicht riecht. Von den Elektrosensiblen Biographisches
unter uns, deren Leiden für die Gesell-
Erreichen diese Störungen wirklich schaft völlig zu Unrecht eine offenbar Ulrich Warnke, Jahrgang 1945, studierte
bereits gefährliche Ausmaße? vernachlässigbare Randerscheinung blei- Biologie, Physik, Geographie und Päda-
ben, einmal abgesehen, kriegen wir die gogik. Bereits seit 1969 beschäftigte er
Das ist unterschiedlich. Die amerikanische schädlichen Folgen dieser Art von Ver- sich intensiv mit Forschungen auf dem
Wissenschaftlerin Diana Cox-Foster von schmutzung im Alltag nicht mit. Diese Gebiet der „Wirkungen elektroma-
der CCD Working Group findet es „äu- Folgen aber werden vor allem und auf gnetischer Schwingungen und Felder,
ßerst alarmierend“, dass das Bienenster- jeden Fall den nachfolgenden Generati- einschließlich Licht, auf Organismen“.
ben bereits mit Symptomen einherge- onen mit aller Härte präsentiert werden. 1973 promovierte er zum Dr. rer. nat.
he, „die so bisher noch nie beschrieben Seit 1978 ist er „Lehrer für besondere
wurden“. Das Immunsystem der Tiere Meinen Sie damit gesundheitliche Schä- Aufgaben“ an der Universität des Saar-
scheine regelrecht zusammengebrochen den auch für den Menschen direkt? landes (heutige Bezeichnung: „Akade-
zu sein. Manche Bienenvölker litten an mischer Oberrat“). Als Dozent erhielt
fünf bis sechs verschiedenen Infektionen Ja, denn auch wir sind bekanntlich biolo- er viele Universitäts-Lehraufträge in
gleichzeitig. gische Wesen, was wir in unserem tech- den Disziplinen Biomedizin, Biophysik,
nisierten Höhenflug nur allzu oft ver- Umweltmedizin, Physiologischer Psy-
Sind unsere Bienenwissenschaftler von gessen. Es lässt sich nachweisen, dass sich chologie und Psychosomatik, Präventiv-
diesen Phänomenen überrascht wor- die schädlichen Auswirkungen auf den Biologie sowie Bionik. Seit 1989 ist Dr.
den? Organismus, wie wir sie jetzt bei Bienen Warnke Leiter der Arbeitsgruppe Tech-
und Vögeln erleben, bereits auch beim nische Biomedizin, die sich vor allem
Einige vielleicht. Aber das ist kein Ent- Menschen beobachten lassen. Die Auf- mit der Entwicklung und Konstruktion
schuldigungsgrund. Seit vielen Jahr- arbeitung der russischen Langzeitstudien von nichtinvasiven Therapie- und Dia-
zehnten kennen wir die Beziehungen der durch das Team um Professor Karl Hecht gnosesystemen befasst. Er ist Gründungs-
Lebewesen zu den physikalischen Grö- hat solche Schädigungen auf alarmie- Mitglied der Gesellschaft für Technische
ßen der Erdoberfläche, die wir zuneh- rende Weise deutlich gemacht. Es ist ein Biologie und Bionik e.V. an der Univer-
mend „verschmutzen“ und damit völlig Skandal, dass die Politik einfach darüber sität des Saarlandes.

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