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Università degli Studi Guglielmo Marconi

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Disciplina
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Letteratura tedesca III
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Johann Wolfgang Goethe

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* 28. August 1749 in Frankfurt a. M., † 22. März 1832 in Weimar

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Leben

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Kindheit, Jugend und Studienzeit

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Johann Wolfgang Goethe wurde am 28. August 1749 als Sohn des kaiserlichen Rates
Johann Caspar Goethe und seiner Frau Catharina Elisabeth in Frankfurt am Main geboren.
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Im Oktober 1765 nahm er auf Wunsch seines Vaters ein Jurastudium in Leipzig auf.
Nebenher besuchte Goethe auch philosophische und literaturgeschichtliche Vorlesungen,
u. a. bei Gellert und Gottsched. Er beschäftigte sich außerdem in dieser Zeit mit Lessing
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und der Aufklärung sowie mit Klopstock und der Empfindsamkeit. Im August 1768 musste
er das Studium wegen schwerer Krankheit abbrechen. Goethe kehrte daraufhin wieder ins
Elternhaus zurück. Von April 1770 bis August 1771 setzt Goethe in Straßburg sein
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Jurastudium fort.
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Der Stürmer und Dränger


Nach seiner Promotion in Straßburg kehrt Goethe nach Frankfurt zurück. Er nimmt seine
Arbeit als Rechtsanwalt auf, wandte sich aber nebenher verstärkt der Dichtung zu. So
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konnte er die Urfassung von Goetz von Berchlingen vollenden. Die unerfüllte Liebe zu
Charlotte Buff regte Goethe zu seinem Briefroman „Die Leiden des jungen Werthers“ an,
der ihn schlagartig berühmt machte. Es entstanden auch einige Hymnen, darunter
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„Ganymed“, „Prometheus“ und „Wanderers Sturmlied“.

Das erste Weimarer Jahrzehnt


Goethe wird gegen Ende des Jahres 1775 von Karl August nach Weimar eingeladen. Dort
machte er erste Bekanntschaft mit Charlotte von Stein. Im November siedelte er
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schließlich ganz über. In Weimar war die einflussreiche Herzogin Anna Amalia ansässig, die
bedeutende Persönlichkeiten des deutschen Schriftstellerlebens um sich versammelte.
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Darunter befand sich auch Christoph Martin Wieland. Mit der Ankunft Goethes nahmen die
kulturelle Aktivität der Stadt Weimar enorm zu. Während sein Schauspiel „Stella“ (1776)
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noch vom Sturm und Drang geprägt war, setzt sich jetzt der Humanismus-Gedanke in
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Goethes Werken allmählich durch. 1779 entsteht die Prosafassung von „Iphigenie auf
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Tauris“, die 1786 in Blankverse umgeschrieben wurde. Im Januar 1779 wird Goethe die

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Leitung der Kriegs- und Wegebaukommission übertragen, durch die er viele Dienstreisen
mit dem Herzog unternahm. Im September wird Goethe zum Geheimen Rat ernannt.

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Italienreise und Rückkehr nach Weimar
Im Herbst des Jahres 1786 brach Goethe heimlich in Karlsbad auf und begab sich auf eine

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Erholungs- und Bildungsreise nach Italien. Zu diesem Entschluss brachte ihn die immer
drückender empfundenen höfischen und dienstlichen Verpflichtungen. Am 29. Oktober
erreichte er Rom, das eigentliche Ziel seiner Reise. Bereits 1786 konnte „Iphigenie auf
Tauris“ in Versform fertiggestellt werden, 1788 dann „Egmont“. Am 23. April 1788 brach

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Goethe in Rom auf und trat seine Heimreise an.
Goethe wurde in Weimar auf eignen Wunsch von den meisten der höfischen und
dienstlichen Pflichten entbunden. Noch im gleichen Jahr kommt es in Rudolstadt zur ersten

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Begegnung zwischen Goethe und Friedrich Schiller. Goethe verhalf Schiller zu einer

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Professur in Jena. 1791 wurde Goethe zum Leiter des Weimarer Hoftheaters.

Das Jahrzehnt mit Schiller ug


1794 kann Schiller Goethe zur Mitarbeit an seiner Zeitschrift „Die Horen“ gewinnen.
Daraus entwickelte sich eine intensive Freundschaft zwischen den beiden, die zunächst nur
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aus einem ständigen Briefwechsel bestand. Das Jahr 1797 ging als das "Balladenjahr" in
die Geschichte ein, da aus einem Dichterwettstreit zwischen Goethe und Schiller zahlreiche
Balladen hervorgingen. Im Dezember 1799 übersiedelte Schiller nach Weimar. Er drängte
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Goethe zur Vollendung des „Faust“. Am 9. Mai 1805 starb sein engster Freund, Schiller.
Dieses Ereignis nahm einen tiefen Einschnitt in das Leben Goethes, das bis dahin von einer
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intensiven Freundschaft und geistigen Beziehung der beiden geprägt war.

Das Jahrzehnt nach Schillers Tod


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In der Zeit nach Schiller, zählten Ludwig von Knebel, Carl Friedrich Zelter und Wilhelm von
Humboldt zu Goethes engsten Freunden. Goethe setze sich ab 1806 intensiv mit der
Romantik auseinander. Im April 1806 wurde „Faust, erster Teil“ abgeschlossen.
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Die letzten Lebensjahre


Mit zunehmenden Alter zog sich Goethe vom Weimarer Gesellschaftsleben zurück und

wendete sich nun hauptsächlich seinen Werken zu. 1819 ist der „West-östliche Divan“
abgeschlossen. 1820 beginnt die Arbeit an „Wilhelm Meisters Wanderjahren“, die 1829
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vollendet wurde. Am 22. März 1832 starb Goethe in seinem Haus am Frauenplan. Er
wurde neben Schiller in der Weimarer Fürstengruft beigesetzt.
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Bedeutendste Werke
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Geschichte Gottfriedens von Berlichingen mit der eisernen Hand (1771)

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Die Leiden des jungen Werther (1774)
Iphigenie auf Tauris (1786)

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Egmont (1788)
Römische Elegien (1788)
Torquato Tasso (1789)

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Reineke Fuchs (1793)
Wilhelm Meisters Lehrjahre (1796)
Hermann und Dorothea (1796)
Faust, erster Teil (1806)

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Die Wahlverwandtschaften (1809)
Italienische Reise, erster und zweiter Teil (1816)
West-östlicher Divan (1819)

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Wilhelm Meisters Wanderjahre (1829)

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Faust, zweiter Teil (1831)

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Aus: Zum Schäkespears Tag

Ich zweifelte keinen Augenblick, dem regelmäßigen Theater zu entsagen. Es schien mir die
Einheit des Orts so kerkermäßig ängstlich, die Einheiten der Handlung und der Zeit lästige
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Fesseln unsrer Einbildungskraft. Ich sprang in die freie Luft und fühlte erst, daß ich Hände
und Füße hatte. Und jetzo, da ich sahe, wieviel Unrecht mir die Herrn der Regeln in ihrem
Loch angetan haben, wieviel freie Seelen noch drinne sich krümmen, so wäre mir mein
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Herz geborsten, wenn ich ihnen nicht Fehde angekündigt hätte und nicht täglich suchte
ihre Türne zusammenzuschlagen.
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(…)

Drum sind alle französiche Trauerspiele Parodien von sich selbst.


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Wie das so regelmäßig zugeht, und daß sie einander ähnlich sind wie Schuhe, und auch
langweilig mitunter, besonders in genere im vierten Akt, das wissen die Herren leider aus
der Erfahrung, und ich sage nichts davon.

(…)
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Schäkespears Theater ist ein schöner Raritätenkasten, in dem die Geschichte der Welt vor
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unsern Augen an dem unsichtbaren Faden der Zeit vorbeiwallt. Seine Plane sind, nach
dem gemeinen Stil zu reden, keine Plane, aber seine Stücke drehen sich um den geheimen
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Punkt (den noch kein Philosoph gesehen und bestimmt hat), in dem das Eigentümliche
unsres Ichs, die prätendierte Freiheit unsres Wollens, mit dem notwendigen Gang des
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Ganzen zusammenstößt.
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Aus: Götz von Berlichingen. Erster Akt

Götz: Wollte Gott, ich könnt's vergessen, oder es wär anders! Bist du nicht ebenso frei, so

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edel geboren als einer in Deutschland, unabhängig, nur dem Kaiser untertan, und du
schmiegst dich unter Vasallen? Was hast du von dem Bischof? Weil er dein Nachbar ist?
dich necken könnte? Hast du nicht Arme und Freunde, ihn wieder zu necken? Verkennst
den Wert eines freien Rittersmanns, der nur abhängt von Gott, seinem Kaiser und sich

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selbst! Verkriechst dich zum ersten Hofschranzen eines eigensinnigen neidischen Pfaffen!

Weislingen. Laßt mich reden.

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Götz. Was hast du zu sagen?

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Weislingen. Du siehst die Fürsten an, wie der Wolf den Hirten. Und doch, darfst du sie
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schelten, daß sie ihrer Leut und Länder Bestes wahren? Sind sie denn einen Augenblick
vor den ungerechten Rittern sicher, die ihre Untertanen auf allen Straßen anfallen, ihre
Dörfer und Schlösser verheeren? Wenn nun auf der andern Seite unsers teuern Kaisers
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Länder der Gewalt des Erbfeindes ausgesetzt sind, er von den Ständen Hülfe begehrt, und
sie sich kaum ihres Lebens erwehren: ist's nicht ein guter Geist, der ihnen einrät, auf
Mittel zu denken, Deutschland zu beruhigen, Recht und Gerechtigkeit zu handhaben, um
einen jeden, Großen und Kleinen, die Vorteile des Friedens genießen zu machen? Und uns
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verdenkst du's, Berlichingen, daß wir uns in ihren Schutz begeben, deren Hülfe uns nah
ist, statt daß die entfernte Majestät sich selbst nicht beschützen kann.
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Götz. Ja! ja! Ich versteh! Weislingen, wären die Fürsten, wie Ihr sie schildert, wir hätten
alle, was wir begehren. Ruh und Frieden! Ich glaub's wohl! Den wünscht jeder Raubvogel,
die Beute nach Bequemlichkeit zu verzehren. Wohlsein eines jeden! Daß sie sich nur
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darum graue Haare wachsen ließen! Und mit unserm Kaiser spielen sie auf eine
unanständige Art. Er meint's gut und möcht gern bessern. Da kommt denn alle Tage ein
neuer Pfannenflicker und meint so und so. Und weil der Herr geschwind etwas begreift,
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und nur reden darf, um tausend Hände in Bewegung zu setzen, so denkt er, es wär auch
alles so geschwind und leicht ausgeführt. Nun ergehn Verordnungen über Verordnungen,
und wird eine über die andere vergessen; und was den Fürsten in ihren Kram dient, da
sind sie hinterher, und gloriieren von Ruh und Sicherheit des Reichs, bis sie die Kleinen

unterm Fuß haben. Ich will darauf schwören, es dankt mancher in seinem Herzen Gott,
daß der Türk dem Kaiser die Waage hält.
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Aus: Götz von Berlichingen. Dritter Akt


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Götz. So bringt uns die Gefahr zusammen. Laßt's euch schmecken, meine Freunde!

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Vergeßt das Trinken nicht. Die Flasche ist leer. Noch eine, liebe Frau. (Elisabeth zuckt die
Achsel.) Ist keine mehr da?

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Elisabeth (leise). Noch eine; ich hab sie für dich beiseite gesetzt.

Götz. Nicht doch, Liebe! Gib sie heraus. Sie brauchen Stärkung, nicht ich; es ist ja meine

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Sache.

Elisabeth. Holt sie draußen im Schrank!

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Götz. Es ist die letzte. Und mir ist's, als ob wir nicht zu sparen Ursach hätten. Ich bin lange
nicht so vergnügt gewesen. (Schenkt ein.) Es lebe der Kaiser!

Alle. Er lebe!

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Götz. Das soll unser vorletztes Wort sein, wenn wir sterben! Ich lieb ihn, denn wir haben
einerlei Schicksal. Und ich bin noch glücklicher als er. Er muß den Reichsständen die
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Mäuse fangen, inzwischen die Ratten seine Besitztümer annagen. Ich weiß, er wünscht
sich manchmal lieber tot, als länger die Seele eines so krüppligen Körpers zu sein.
(Schenkt ein.) Es geht just noch ein mal herum. Und wenn unser Blut anfängt, auf die
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Neige zu gehen, wie der Wein in dieser Flasche erst schwach, dann tropfenweise rinnt
(tröpfelt das Letzte in sein Glas), was soll unser letztes Wort sein?

Georg. Es lebe die Freiheit!


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Götz. Es lebe die Freiheit!


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Alle. Es lebe die Freiheit!


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Aus: Götz von Berlichingen. Fünfter Akt


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Elisabeth. Ich bitte dich, lieber Mann, rede mit mir. Dein Stillschweigen ängstet mich. Du
verglühst in dir selbst. Komm, laß uns nach deinen Wunden sehen; sie bessern sich um
vieles. In der mutlosen Finsternis erkenn ich dich nicht mehr.

Götz. Suchtest du den Götz? Der ist lang hin. Sie haben mich nach und nach verstümmelt,
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meine Hand, meine Freiheit, Güter und guten Namen. Mein Kopf, was ist an dem? – Was
hört Ihr von Georgen? Ist Lerse nach Georgen?
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Elisabeth. Ja, Lieber! Richtet Euch auf, es kann sich vieles wenden.
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Götz. Wen Gott niederschlägt, der richtet sich selbst nicht auf. Ich weiß am besten, was
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auf meinen Schultern liegt. Unglück bin ich gewohnt zu dulden. Und jetzt ist's nicht
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Weislingen allein, nicht die Bauern allein, nicht der Tod des Kaisers und meine Wunden –

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Es ist alles zusammen. Meine Stunde ist kommen. Ich hoffte, sie sollte sein wie mein
Leben. Sein Wille geschehe.

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(…)

Götz. Gott sei Dank! – Er war der beste Junge unter der Sonne und tapfer. – Löse meine

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Seele nun! – Arme Frau! Ich lasse dich in einer verderbten Welt. Lerse, verlaß sie nicht. –
Schließt eure Herzen sorgfältiger als eure Tore. Es kommen die Zeiten des Betrugs, es ist
ihm Freiheit gegeben. Die Nichtswürdigen werden regieren mit List, und der Edle wird in
ihre Netze fallen. Maria, gebe dir Gott deinen Mann wieder. Möge er nicht so tief fallen, als

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er hoch gestiegen ist! Selbitz starb, und der gute Kaiser, und mein Georg. – Gebt mir einen
Trunk Wasser. – Himmlische Luft – Freiheit! Freiheit! (Er stirbt.)

Elisabeth. Nur droben, droben bei dir. Die Welt ist ein Gefängnis.

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Maria. Edler Mann! Edler Mann! Wehe dem Jahrhundert, das dich von sich stieß!

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Aus: Iphigenie auf Tauris. 1.Akt. 3. Auftritt

Iphigenie:
Verbarg ich meiner Eltern Namen und
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Mein Haus, o König, war's Verlegenheit,


Nicht Mißtraun. Denn vielleicht, ach wüßtest du,
Wer vor dir steht und welch verwünschtes Haupt
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Du nährst und schützest: ein Entsetzen faßte


Dein großes Herz mit seltnem Schauer an,
Und statt die Seite deines Thrones mir
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Zu bieten, triebest du mich vor der Zeit


Aus deinem Reiche; stießest mich vielleicht,
Eh zu den Meinen frohe Rückkehr mir
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Und meiner Wandrung Ende zugedacht ist,


Dem Elend zu, das jeden Schweifenden,
Von seinem Haus Vertriebnen überall
Mit kalter, fremder Schreckenshand erwartet.

Thoas:
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Was auch der Rat der Götter mit dir sei


Und was sie deinem Haus und dir gedenken,
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So fehlt es doch, seitdem du bei uns wohnst


Und eines frommen Gastes Recht genießest,
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An Segen nicht, der mir von oben kommt.


Ich möchte schwer zu überreden sein,
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Daß ich an dir ein schuldvoll Haupt beschütze.


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Aus: Iphigenie auf Tauris. 2. Akt. 1. Auftritt

Orest:

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Es ist der Weg des Todes, den wir treten:
Mit jedem Schritt wird meine Seele stiller.
Als ich Apollen bat, das gräßliche
Geleit der Rachegeister von der Seite

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Mir abzunehmen; schien er Hülf und Rettung
Im Tempel seiner vielgeliebten Schwester,
Die über Tauris herrscht, mit hoffnungsreichen,
Gewissen Götterworten zu versprechen;

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Und nun erfüllet sich's, daß alle Not

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Mit meinem Leben völlig enden soll.
Wie leicht wird's mir, dem eine Götterhand
Das Herz zusammendrückt, den Sinn betäubt,
Dem schönen Licht der Sonne zu entsagen.
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Aus: Iphigenie auf Tauris. 4. Akt. 4. Auftritt


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Pylades:
Fürchte nicht!
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Betrüglich schloß die Furcht mit der Gefahr


Ein enges Bündnis: beide sind Gesellen.
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Iphigenie:
Die Sorge nenn ich edel, die mich warnt,
Den König, der mein zweiter Vater ward,
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Nicht tückisch zu betrügen, zu berauben.

Pylades:
Der deinen Bruder schlachtet, dem entfliehst du.

Iphigenie:
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Es ist derselbe, der mir Gutes tat.


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Pylades:
Das ist nicht Undank, was die Not gebeut.
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Iphigenie:
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Es bleibt wohl Undank; nur die Not entschuldigt.


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Pylades:
Vor Göttern und vor Menschen dich gewiß.

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Iphigenie:
Allein mein eigen Herz ist nicht befriedigt.

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Pylades:
Zu strenge Fordrung ist verborgner Stolz.

Iphigenie:

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Ich untersuche nicht, ich fühle nur.

Pylades:
Fühlst du dich recht, so mußt du dich verehren.

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Iphigenie:
Ganz unbefleckt genießt sich nur das Herz.
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Aus: Iphigenie auf Tauris. 5. Akt. 3. Auftritt

Iphigenie:
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Laß ab! Beschönige nicht die Gewalt,


Die sich der Schwachheit eines Weibes freut.
Ich bin so frei geboren als ein Mann.
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Stünd Agamemnons Sohn dir gegenüber


Und du verlangtest, was sich nicht gebührt,
So hat auch er ein Schwert und einen Arm,
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Die Rechte seines Busens zu verteid'gen.


Ich habe nichts als Worte, und es ziemt
Dem edlen Mann, der Frauen Wort zu achten.
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Thoas:
Ich acht es mehr als eines Bruders Schwert.
si tà

Aus: Iphigenie auf Tauris. 5. Akt. 3. Auftritt


er

Thoas:
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Du glaubst, es höre
Der rohe Skythe, der Barbar, die Stimme
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Der Wahrheit und der Menschlichkeit, die Atreus,


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Der Grieche, nicht vernahm?

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Iphigenie:

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Es hört sie jeder,
Geboren unter jedem Himmel, dem
Des Lebens Quelle durch den Busen rein
Und ungehindert fließt. – Was sinnst du mir,

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O König, schweigend in der tiefen Seele?
Ist es Verderben? so töte mich zuerst!
Denn nun empfind ich, da uns keine Rettung
Mehr übrigbleibt, die gräßliche Gefahr,

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Worein ich die Geliebten übereilt
Vorsätzlich stürzte. Weh! Ich werde sie
Gebunden vor mir sehn! Mit welchen Blicken
Kann ich von meinem Bruder Abschied nehmen,

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Den ich ermorde? Nimmer kann ich ihm

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Mehr in die vielgeliebten Augen schaun!

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Aus: Egmont. 5. Akt

Verschwunden ist der Kranz! Du schönes Bild, das Licht des Tages hat dich verscheuchet!
Ja sie waren's, sie waren vereint, die beiden süßesten Freuden meines Herzens. Die
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göttliche Freiheit, von meiner Geliebten borgte sie die Gestalt; das reizende Mädchen
kleidete sich in der Freundin himmlisches Gewand. In einem ernsten Augenblick
erscheinen sie vereinigt, ernster als lieblich. Mit blutbefleckten Sohlen trat sie vor mir auf,
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die wehenden Falten des Saumes mit Blut befleckt. Es war mein Blut und vieler Edeln Blut.
Nein, es ward nicht umsonst vergossen. Schreitet durch! Braves Volk! Die Siegesgöttin
führt dich an! Und wie das Meer durch eure Dämme bricht, so brecht, so reißt den Wall
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der Tyrannei zusammen und schwemmt ersäufend sie von ihrem Grunde, den sie sich
anmaßt, weg!
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(Trommeln näher.)

Horch! Horch! Wie oft rief mich dieser Schall zum freien Schritt nach dem Felde des Streits
und des Siegs! Wie munter traten die Gefährten auf der gefährlichen, rühmlichen Bahn!

Auch ich schreite einem ehrenvollen Tode aus diesem Kerker entgegen; ich sterbe für die
Freiheit, für die ich lebte und focht und der ich mich jetzt leidend opfre.
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(Der Hintergrund wird mit einer Reihe spanischer Soldaten besetzt, welche Hellebarden
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tragen.)
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Ja, führt sie nur zusammen! Schließt eure Reihen, ihr schreckt mich nicht. Ich bin
gewohnt, vor Speeren gegen Speere zu stehn und, rings umgeben von dem drohenden
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Tod, das mutige Leben nur doppelt rasch zu fühlen.


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(Trommeln.)

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Dich schließt der Feind von allen Seiten ein! Es blinken Schwerter; Freunde, höhern Mut!
Im Rücken habt ihr Eltern, Weiber, Kinder!

(Auf die Wache zeigend.)

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Und diese treibt ein hohles Wort des Herrschers, nicht ihr Gemüt. Schützt eure Güter! Und
euer Liebstes zu erretten, fallt freudig, wie ich euch ein Beispiel gebe.

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Aus: Torquato Tasso. 5. Akt

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Prinzessin
Wenn ich dich, Tasso, länger hören soll,
So mäßige die Gluth, die mich erschreckt.

Tasso.
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Beschränkt der Rand des Bechers einen Wein,
Der schäumend wallt und brausend überschwillt?
Mit jedem Wort' erhöhest du mein Glück,
Mit jedem Worte glänzt dein Auge heller.
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Ich fühle mich im innersten verändert,


Ich fühle mich von aller Noth entladen,
Frey wie ein Gott, und alles dank' ich dir!
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Unsägliche Gewalt, die mich beherrscht,


Entfließet deinen Lippen; ja, du machst
Mich ganz dir eigen. Nichts gehöret mir
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Von meinem ganzen Ich mir künftig an.


Es trübt mein Auge sich in Glück und Licht,
Es schwankt mein Sinn. Mich hält der Fuß nicht mehr.
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Unwiderstehlich ziehst du mich zu dir,


Und unaufhaltsam dringt mein Herz dir zu.
Du hast mich ganz auf ewig dir gewonnen,
So nimm denn auch mein ganzes Wesen hin.

Er fällt ihr in die Arme und drückt sie fest an sich.


si

Prinzessinn ihn von sich stoßend und hinweg eilend.


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Hinweg!
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(...)
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Antonio.
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Ich werde dich in dieser Noth nicht lassen;

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Und wenn es dir an Fassung ganz gebricht,
So soll mir's an Geduld gewiß nicht fehlen.

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Tasso.
So muß ich mich dir denn gefangen geben?
Ich gebe mich, und so ist es gethan;

Ma
Ich widerstehe nicht, so ist mir wohl –
Und laß es dann mich schmerzlich wiederhohlen,
Wie schön es war, was ich mir selbst verscherzte.
Sie gehn hinweg – O Gott! dort seh' ich schon

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Den Staub, der von den Wagen sich erhebt –
Die Reiter sind voraus – Dort fahren sie,
Dort gehn sie hin! Kam ich nicht auch daher?
Sie sind hinweg, sie sind erzürnt auf mich.

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O küßt' ich nur noch einmal seine Hand!

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O daß ich nur noch Abschied nehmen könnte!
Nur einmal noch zu sagen: O verzeiht!
Nur noch zu hören: Geh', dir ist verziehn!
Allein ich hör' es nicht, ich hör' es nie –
ug
Ich will ja gehn! Laßt mich nur Abschied nehmen,
iG
Nur Abschied nehmen! Gebt, o gebt mir nur
Auf einen Augenblick die Gegenwart
Zurück! Vielleicht genes' ich wieder. Nein,
Ich bin verstoßen, bin verbannt, ich habe
ud

Mich selbst verbannt, ich werde diese Stimme


Nicht mehr vernehmen, diesem Blicke nicht,
Nicht mehr begegnen –
St

Antonio.
Laß eines Mannes Stimme dich erinnern,
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Der neben dir nicht ohne Rührung steht!


Du bist so elend nicht, als wie du glaubst.
Ermanne dich! Du gibst zu viel dir nach.
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(...)

Tasso.

O edler Mann! Du stehest fest und still,


Ich scheine nur die sturmbewegte Welle.
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Allein bedenk', und überhebe nicht


Dich deiner Kraft! Die mächtige Natur,
er

Die diesen Felsen gründete, hat auch


Der Welle die Beweglichkeit gegeben.
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Sie sendet ihren Sturm, die Welle flieht


Und schwankt und schwillt und beugt sich schäumend über.
Un

In dieser Woge spiegelte so schön


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Die Sonne sich, es ruhten die Gestirne

ni
An dieser Brust, die zärtlich sich bewegte.
Verschwunden ist der Glanz, entflohn die Ruhe.

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Ich kenne mich in der Gefahr nicht mehr,
Und schäme mich nicht mehr es zu bekennen.
Zerbrochen ist das Steuer, und es kracht
Das Schiff an allen Seiten. Berstend reißt

Ma
Der Boden unter meinen Füßen auf!
Ich fasse dich mit beyden Armen an!
So klammert sich der Schiffer endlich noch
Am Felsen fest, an dem er scheitern sollte.

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Aus: Faust. Der Tragödie, erster Teil

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DER HERR:

Kennst du den Faust?


ug
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Mephistopheles:

Den Doktor?
ud

DER HERR:

Meinen Knecht!
St

Mephistopheles:
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Fürwahr! er dient Euch auf besondre Weise.


Nicht irdisch ist des Toren Trank noch Speise.
Ihn treibt die Gärung in die Ferne,
de

Er ist sich seiner Tollheit halb bewußt;


Vom Himmel fordert er die schönsten Sterne
Und von der Erde jede höchste Lust,
Und alle Näh und alle Ferne

Befriedigt nicht die tiefbewegte Brust.


si

DER HERR:
er

Wenn er mir auch nur verworren dient,


So werd ich ihn bald in die Klarheit führen.
iv

Weiß doch der Gärtner, wenn das Bäumchen grünt,


Das Blüt und Frucht die künft'gen Jahre zieren.
Un

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Mephistopheles:

ni
Was wettet Ihr? den sollt Ihr noch verlieren!

rco
Wenn Ihr mir die Erlaubnis gebt,
Ihn meine Straße sacht zu führen.

DER HERR:

Ma
Solang er auf der Erde lebt,
So lange sei dir's nicht verboten,
Es irrt der Mensch so lang er strebt.

mol
Aus: Faust. Der Tragödie, erster Teil

lie
Faust:

Habe nun, ach! Philosophie,


Juristerei und Medizin,
ug
iG
Und leider auch Theologie
Durchaus studiert, mit heißem Bemühn.
Da steh ich nun, ich armer Tor!
Und bin so klug als wie zuvor;
ud

Heiße Magister, heiße Doktor gar


Und ziehe schon an die zehen Jahr
Herauf, herab und quer und krumm
St

Meine Schüler an der Nase herum –


Und sehe, daß wir nichts wissen können!
Das will mir schier das Herz verbrennen.
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Zwar bin ich gescheiter als all die Laffen,


Doktoren, Magister, Schreiber und Pfaffen;
Mich plagen keine Skrupel noch Zweifel,
de

Fürchte mich weder vor Hölle noch Teufel –


Dafür ist mir auch alle Freud entrissen,
Bilde mir nicht ein, was Rechts zu wissen,
Bilde mir nicht ein, ich könnte was lehren,

Die Menschen zu bessern und zu bekehren.


Auch hab ich weder Gut noch Geld,
si

Noch Ehr und Herrlichkeit der Welt;


Es möchte kein Hund so länger leben!
er

Drum hab ich mich der Magie ergeben,


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Un

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Aus: Faust. Der Tragödie, erster Teil

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Faust:

rco
Vom Eise befreit sind Strom und Bäche
Durch des Frühlings holden, belebenden Blick;
Im Tale grünet Hoffnungsglück;

Ma
Der alte Winter, in seiner Schwäche,
Zog sich in rauhe Berge zurück.
Von dorther sendet er, fliehend, nur
Ohnmächtige Schauer kornigen Eises

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In Streifen über die grünende Flur;
Aber die Sonne duldet kein Weißes,
Überall regt sich Bildung und Streben,
Alles will sie mit Farben beleben;

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Doch an Blumen fehlt's im Revier

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Sie nimmt geputzte Menschen dafür.
Kehre dich um, von diesen Höhen
Nach der Stadt zurückzusehen.
Aus dem hohlen finstern Tor
Dringt ein buntes Gewimmel hervor.
ug
iG
Jeder sonnt sich heute so gern.
Sie feiern die Auferstehung des Herrn,
Denn sie sind selber auferstanden,
Aus niedriger Häuser dumpfen Gemächern,
ud

Aus Handwerks- und Gewerbesbanden,


Aus dem Druck von Giebeln und Dächern,
Aus der Straßen quetschender Enge,
St

Aus der Kirchen ehrwürdiger Nacht


Sind sie alle ans Licht gebracht.
Sieh nur, sieh! wie behend sich die Menge
gli

Durch die Gärten und Felder zerschlägt,


Wie der Fluß, in Breit und Länge
So manchen lustigen Nachen bewegt,
de

Und bis zum Sinken überladen


Entfernt sich dieser letzte Kahn.
Selbst von des Berges fernen Pfaden
Blinken uns farbige Kleider an.

Ich höre schon des Dorfs Getümmel,


Hier ist des Volkes wahrer Himmel,
si

Zufrieden jauchzet groß und klein:


Hier bin ich Mensch, hier darf ich's sein!
er
iv
Un

Aus: Faust. Der Tragödie, erster Teil


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Faust:

rco
Bei euch, ihr Herrn, kann man das Wesen
Gewöhnlich aus dem Namen lesen,
Wo es sich allzu deutlich weist,
Wenn man euch Fliegengott, Verderber, Lügner heißt.

Ma
Nun gut, wer bist du denn?

Mephistopheles:

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Ein Teil von jener Kraft,
Die stets das Böse will und stets das Gute schafft.

Faust:

l
lie
Was ist mit diesem Rätselwort gemeint?

Mephistopheles:

Ich bin der Geist, der stets verneint!


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iG
Und das mit Recht; denn alles, was entsteht,
Ist wert, daß es zugrunde geht;
Drum besser wär's, daß nichts entstünde.
So ist denn alles, was ihr Sünde,
ud

Zerstörung, kurz, das Böse nennt,


Mein eigentliches Element.
St

(..)

Faust:
gli

Werd ich beruhigt je mich auf ein Faulbett legen,


So sei es gleich um mich getan!
de

Kannst du mich schmeichelnd je belügen,


Daß ich mir selbst gefallen mag,
Kannst du mich mit Genuß betrügen –
Das sei für mich der letzte Tag!

Die Wette biet ich!


si

Mephistopheles:
er

Topp!
iv

Faust:
Un

Und Schlag auf Schlag!


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Werd ich zum Augenblicke sagen:

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Verweile doch! du bist so schön!
Dann magst du mich in Fesseln schlagen,

rco
Dann will ich gern zugrunde gehn!
Dann mag die Totenglocke schallen,
Dann bist du deines Dienstes frei,
Die Uhr mag stehn, der Zeiger fallen,

Ma
Es sei die Zeit für mich vorbei!

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Aus: Faust. Der Tragödie, erster Teil

Margarete:

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Der Mensch, den du da bei dir hast,
Ist mir in tiefer innrer Seele verhaßt;
Es hat mir in meinem Leben
So nichts einen Stich ins Herz gegeben
Als des Menschen widrig Gesicht.
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iG
Faust:

Liebe Puppe, fürcht ihn nicht!


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Margarete:
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Seine Gegenwart bewegt mir das Blut.


Ich bin sonst allen Menschen gut;
Aber wie ich mich sehne, dich zu schauen,
gli

Hab ich vor dem Menschen ein heimlich Grauen,


Und halt ihn für einen Schelm dazu!
Gott verzeih mir's, wenn ich ihm unrecht tu!
de

Faust:

Es muß auch solche Käuze geben.


Margarete:
si

Wollte nicht mit seinesgleichen leben!


er

Kommt er einmal zur Tür herein,


Sieht er immer so spöttisch drein
iv

Und halb ergrimmt;


Man sieht, daß er an nichts keinen Anteil nimmt;
Un

Es steht ihm an der Stirn geschrieben,


17
Daß er nicht mag eine Seele lieben.

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Mir wird's so wohl in deinem Arm,
So frei, so hingegeben warm,

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Und seine Gegenwart schnürt mir das Innre zu.

Faust:

Ma
Du ahnungsvoller Engel du!

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lie
ug
iG
ud
St
gli
de

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