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Klausurersatzleistung 11a Paula Nissler 18.

Nr. 1
Der Text von Wilhelm Gräb „Das Leben als unverdientes Geschenk begreifen“
befasst sich mit den verschiedenen Arten wie Menschen ihrem eigenen Leben und
ihren Mitmenschen Wert, Sinn und sogar Rechtfertigung geben. Gräb gibt hierzu
seine eigene Alternative zur Wertverleihung begründet auf christlichen Lehren.

Zunächst zeigt Gräb den Druck zu Rechtfertigung und Zur Leistung, den viele
Menschen verspüren um ihren Wert zu messen (Z. 1-6). Dabei seien Besitz, Status
und Annerkennung Maßstäbe bei der eigenen Wertung von sich selbst und von
Mitmenschen. Dies würde in sämtlichen Lebensphasen verstärkt, durch
Leistungsdruck in der Schule, im Beruf und in der generellen Umgebung der
Leistungs-/ und Marktwirtschaft (Z. 5-8).
Nur wenn dieses Streben ausgelebt wird, gäbe es die Belohnung wie Lifestyle,
Spaß, Fans, ein schönes Leben und Outfit und Zugehörigkeit als Gegenleistung
(8-11).
Doch Gräb kritisiert dies oder bietet zumindest eine Alternative zu diesem
Selbstverständnis.
Jedes „Geschöpf Gottes kommt unendlicher Wert und Würde“(Z. 22-23) zu.
Als solches verdiene jeder Menschen Annerkennung, Wertschätzung und Liebe
ohne Rechtfertigung, sondern nur weil er existiere und einfach er selbst sei (Z. 13-
15). Die Annerkennung von Menschen ist unabhängig von Hautfarbe, Geschlecht,
Nationalität oder Religion (Z. 25-26).
Vorherige und zukünftige Leistung sollen auch nicht über den eigenen Sinn oder
den von anderen entscheiden (Z. 18-21). Somit sollten auch Fehler der
Selbstachtung und Wertschätzung von Menschen nicht schaden, da diese
unabhängig vom Wert eines Menschen sind (Vgl. Z. 2-3).
Sinn und Wert werden weder durch Status und Besitz gemessen noch sie sollten
über die Wertschätzung die ein Mensch erfährt bestimmen.

Nr. 2
In der Episode „Abgestürzt“ aus Black Mirror wird jeder Mensch bei dem jede
Interaktion mit Anderen durch ein Bewertungssystem bewertet wird. Dies hat
direkte Auswirkungen auf Status, Job und soziale Annerkennung.
Wilhelm Gräbs Textauszug „Das Leben als unverdientes Geschenk
begreifen“(2001) aus dem Lexikon der Religionspädagogik führt die
Wertschätzung eines Menschen als unabhängig von Leistung, Status oder Besitz
auf.
Beide Quellen behandeln die Wertung von Menschen mit unterschiedlichen
Grundlagen und Kriterien, die sich grundsätzlich widersprechen.

Auf den ersten Blick schließen sich die Aussagen der beiden Quellen komplett aus.
Gräb kritisiert den ständigen Druck den Menschen erfahren nach Annerkennung
und Wertschätzung zu streben und bietet die christliche „Lehre von der
Rechtfertigung allein aus Glauben“ als Alternative.
Jeder Mensch verdient Annerkennung unabhängig von Leistung, Besitz, Status
oder äußerlicher Erscheinung und sollte sich nicht verstellen oder anstrengen
müssen um diese zu erfahren.
In „Abgestürzt“ wird jeder Mensch dazu gezwungen den sozialen Normen von
Höflichkeit und Erscheinungsbild zu entsprechen, sofern er in der Gesellschaft
dazugehören will und nicht im Job oder auch Wohnungsverhältnissen benachteiligt
werden will.
Und doch ist das Wertungssystem bei dem jede Interaktion zur Bewertung von
Menschen beiträgt, scheint eine Widerspiegelung einer anderen Aussage zu sein,
die Gräb in seinem Text erwähnt. Denn das System gewährleistet doch, dass jeder
unabhängig von seiner Hautfarbe oder Nationalität gut behandelt wird und eine
generelle Höflichkeit zwischen allen seinen Bewohnern herrscht.
Doch dieser vermeintlich positive Effekt widerspricht dennoch jeder Aussage die
Gräb in seinen Text vorlegt und verstärkt nur das Selbstbild und die Lebensweise,
der Gräb entsagt und welche er kritisiert.
Zum einen bewirkt das Bewertungssystem, dass Menschen an Wert verlieren oder
zunehmen können, welches der unverletzlichen Würde eines Menschen
widerspricht und somit der heutigen Grundrechte und auch der christlichen
Auffassung, die Gräb vertritt.
Die Protagonistin Lucey muss sich verstellen in ihren Interaktionen mit anderen,
da ihre Wertungszahl über den Respekt und die Annerkennung, die sie von
Anderen erfährt, entscheidet. Sie strebt nach besseren Bewertungen, da sie so
Vorteile wie bessere Wohnungen, Image und sogar Transportmitteln genießen
kann, anstatt zuerkennen, dass eine schlechte Bewertung oder ein eigener Fehler
keine Entscheidungskraft über Lucey´s Wert oder Würde haben.
Und jeder Fehler bzw. jedes mal wenn Lucey ihre wahren Gefühle zeigt, führt zu
einer Herunterwertung und zu weniger Selbstachtung in Lucey selbst.
Die Welt von „Abgestürzt“ scheint einfach eine extremere Art von Leistungsdruck
mit Ähnlichkeiten zu unserer Gesellschaft widerzuspiegeln.
Die Leistung anderen Menschen zu gefallen, bestimmt das Leben von Lucey und
ihren Mitmenschen. Ähnlich wie auch Schulen und Arbeitsplätze gutes Verhalten
priorisieren, wird in „Abgestürzt“ dies ebenfalls belohnt.
Und als Belohnung dienen die höheren Bewertungszahlen und der Status, sozialen
Vorteilen und vor allem die Annerkennung die damit einhergehen.
Doch in beiden Welten werden diese Belohnungen mit Wertmaßstäben
verwechselt und der Sinn des Lebens mit dem nicht endenden Streben nach diesen
gleichgesetzt.
Erst am Ende der Episode scheint Lucey wirklich zufrieden zu sein, als sie ihrer
Freundin und dem Fremden in der Zelle neben ihr ihre wahre Meinung sagt bzw.
in beleidigt. Und dieser beleidigt Lucey zurück und scheint ebenfalls nun
zufriedener zu sein.
Beide haben erst nachdem sie aufgegeben haben dem sozialen Druck zu folgen,
erkannt, dass die Bewertung von anderen ihren eigenen Wert nicht beeinflusst.
Und so können sie in dieser Hinsicht auch nicht mehr beeinflusst werden, ähnlich
wie auch die Truck-Fahrerin in der Episode erkannt hat, dass das Wertungssystem
ihr keine Erfüllung bringt.

Die Annerkennung, welche nach Gräb jedem zusteht, kann nicht unbedingt immer
gewährleistet werden. Aber die eigene Selbstwertung basierend auf Status,
Leistung und Besitz und somit auch diese Art Wertung von den Mitmenschen,
kann gestoppt werden und somit zu einer besseren Gesellschaft mit den Werten die
Gräb vorschlägt beitragen.

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