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Dipl.-Ing.

Dietmar Rieger
Lehrbeauftragter an der Hochschule für angewandte Wissenschaften – Fachhochschule Deggendorf

Darstellende Geometrie I
Teil 2
Grundkonstruktionen und Verschneidungen
von Körpern mit gekrümmter Oberfläche

Das Begleitbuch zum VHB-Online-Kurs „Darstellende Geometrie I“


Kap. 5 – Drehkörper – Allgemeine Konstruktionselemente – Kegel – Zylinder - 84 -

5.0 Drehkörper - gekrümmte Oberflächen

5.1 Kegel - Zylinder


Beim Zylinder und Kegel handelt es sich um sogenannte „Drehkörper“, die durch die gedachte
Bewegung eines Strahles s im Raum entlang einer Leitkurve entstehen. Der Strahl s wird als sog.
„Erzeugende“ oder als Mantellinie m bezeichnet. Die Leitkurve l muß nicht zwingend geschlossen
oder eben sein.
Der Zylinder ist ein Sonderfall des Kegels, bei dem die Spitze S als Fernpunkt im Unendlichen liegt
(S → ∞).

S S α = halber
Bild 64 Bild 65 Spitzenwinkel

allgemeiner Kegel Gerader Drehkegel


Leitkurve: Kreis k

α
Leitkurve l

r
k

S im ∞ S im ∞
Strah
l s

Leitkurve l r

allgemeiner Zylinder Gerader Drehzylinder


Bild 66 (die Spitze S ist ein Fernpunkt)
Bild 67 (die Spitze S ist ein Fernpunkt)
Kap. 5 – Drehkörper – Allgemeine Konstruktionselemente – Kegel – Zylinder - 85 -

Bild 68 Gerader Drehzylinder im Schaubild

k2 Achse a ⊥ ε

Zylindermantel (fläche)
m

π1 r
k1 • Leitkreis im GR in wahrer Gestalt (2-Tf.-Projektion)
• alle Mantellinien sind parallel, im AR wahre Gestalt

a
S
Bild 69 Gerader Drehkegel im Schaubild
Achse a ⊥ ε Kegelmantel (fläche)

Mantellinie m

• Leitkreis im GR in wahrer Gestalt (2-Tf.-Projektion)


m
• alle Mantellinien schneiden sich in der Spitze S
• äußerste Mantellinien im AR in wahrer Gestalt

π1 r

k
Leitkreis k
Kap. 5 – Drehkörper – Zylinder in besonderer Raumlage - 86 -

5.1.1 Scheinbare Umrisse des Zylinders

Beim parallel zu Grund- und Aufriß im Raum liegenden Zylinder sind die oberste und unterste,
sowie vorderste und hinterste Mantellinie sofort und eindeutig zu bestimmen. Wird der Zylinder
dagegen im Grundriß gedreht und gleichzeitig im Aufriß gekippt, so verändert sich die Lage der
Extrem-Mantellinien.
Die Konstruktion erfolgt dann nach den folgenden Regeln, wobei man sich vorzustellen hat, daß in
den Zylinder eine Kugel mit gleichem scheinbaren Umriss gelegt wird, deren Durchmesser
senkrecht auf den äußersten Mantellinien in GR und AR steht.
Der 1. scheinbare Umriß der Kugel erscheint im AR als projizierender Kreis und stellt gleichzeitig
eine kreisförmige Höhenlinie dar.
Entsprechend erscheint der 2. scheinbare Umriß im GR als Frontlinie, und zwar wiederum als
projizierender Kreis.
Die Lage der extremen Mantellinien beim gedrehten und gekippten Zylinder erhält man sodann
durch Angittern der Scheitelpunkte 1 – 4 der scheinbaren Umrisse und Projektion auf die
projizierenden Kreise im jeweils anderen Riß.

2. scheinbarer Umriß des Zylinders


in der π2-Ebene

a zy "
l

Bild 70
Übersicht:
Gedrehter und gekippter Kreiszylinder in Grund- und Aufriß

Hinweis: Die beiden Querschnittsflächen am Anfang und Ende des


Zylinders sind für die nachfolgend gezeigte Konstruktion der extremen
Mantellinien nicht relevant und sind deshalb hier nur symbolisch als nicht
konstruierte Ellipsen dargestellt!

'
a zyl

1. scheinbarer Umriß des Zylinders


in der π1-Ebene
Kap. 5 – Drehkörper – Zylinder in besonderer Raumlage - 87 -

Konstruktionsbeschreibung - Schritt 1: Bild 71


• An einer beliebigen Stelle im Aufriß wird in den Zylinder eine Kugel mit gleichem Durchmesser
einbeschrieben (grün dargestellt). Rechtwinkelig zur gekippten Zylinderachse wird der
Kugeldurchmesser angetragen.
• Dies ergibt auf der obersten und untersten Mantellinie (v und u) des Zylinders die beiden ersten
Hilfspunkte 1 und 2.
• Die Hilfspunkte 1 und 2 liegen im AR aber auch gleichzeitig auf dem 2. scheinbaren Umriß k2"
der Kugel.
• Nun wird im Grundriß die gleiche Hilfskonstruktion erstellt (hier blau gezeichnet).
• Auf den vordersten und hintersten Mantellinien (n und m) findet man so die beiden weiteren
Hilfspunkte 3 und 4, die gleichzeitig aber auch auf dem 1. scheinbaren Umriß k1' der Kugel
liegen.

In den Zylinder einbeschriebene Kugel

2. scheinbarer Umriß des Zylinders


2" in der π2-Ebene
a zy "
l
v"

u"
k2 "
1"

'
In den Zylinder einbeschriebene Kugel a zyl

3' k1 '

m'
n'

4'
1. scheinbarer Umriß des Zylinders
in der π1-Ebene
Kap. 5 – Drehkörper – Zylinder in besonderer Raumlage - 88 -

Konstruktionsbeschreibung - Schritt 2: Bild 72

• Der 2. scheinbare Umriß k2" der einbeschriebenen Kugel (grün) erscheint im Grundriß
projizierend als Frontlinie k2', da der 2. scheinbare Umriß im AR parallel zur Aufrißtafel π2 steht.
• Ebenso erscheint der der 1. scheinbare Umriß k1' im Aufriß projizierend als Höhenlinie k1", da
der 1. scheinbare Umriß im GR parallel zur Grundrißtafel π1 liegt.

2"
a zy "
l
v"

Projizierender Kreis = Höhenlinie


k1 "

u"
k2 "
1"

'
a zyl

3'
k1 '

m'
Projizierender Kreis = Frontlinie
k2 ' n'

4'
Kap. 5 – Drehkörper – Zylinder in besonderer Raumlage - 89 -

Konstruktionsbeschreibung - Schritt 3: Bild 73

• Im nächsten Konstruktionsschritt werden die Hilfspunkte 1" und 2" aus dem Aufriß in den
Grundriß geholt. Diese Punkte liegen dort natürlich ebenfalls auf dem 2. scheinbaren Umriß k2'
und zweitens auf den entsprechenden Ordnern.
• Ebenso ist im Grundriß mit den Hilfspunkten 3' und 4' des 1. scheinbaren Kugel-Umrisses zu
verfahren. Die Punkte liegen im Aufriß erstens auch auf dem 1. scheinbaren Umriß k1" und
zweitens auf den entsprechenden Ordnern.

2"
a zy "
l
v"

4"
k1 " 3"

u"
k2 "
1"

'
a zyl

3'
k1 '

m' 1'
2' k2' n'

4'
Kap. 5 – Drehkörper – Zylinder in besonderer Raumlage - 90 -

Konstruktionsbeschreibung - Schritt 4: Bild 74

• Als letzter Konstruktionsschritt werden durch die Hilfspunkte 2' und 1' im Grundriß die oberste
Mantellinie v' und die unterste Mantellinie u' als Parallele zur Zylinderachse eingezeichnet
(parallele Eigenschaften bleiben erhalten) .
• Analog dazu ist im Aufriß durch die Hilfspunkte 4" und 3" des 1. scheinbaren Kugel-Umrisses die
vorderste Mantellinie n" und die hinterste Mantellinie m" als Parallele zur gekippten
Zylinderachse a"zyl zu zeichnen.

2"
a zy "
l
v"
(m") 4"
k1" 3" n"

u"
k2 "
1"

Gesamtergebnis
'
a zyl

3' k1 '
v'
m' 1'
2' n'
)
(u'
4'
Kap. 5 – Drehkörper – Pendelebenenverfahren – Durchdringung Gerade / Kegel - 91 -

5.1.2 Kegel + Gerade: Konstruktion der Durchstoßpunkte


5.1.2.1 Das Pendelebenenverfahren
Außer bei der Konstruktion von Verschneidungskurven von Körpern mit gekrümmter
Oberfläche ist dieses Verfahren auch bei der Ermittlung von Durchstoßpunkten einer Geraden
mit einem Kegel anwendbar.
Wie schon beim Deckgeradenverfahren wird auch beim Pendelebenenverfahren eine Hilfsebene ε
eingeführt, in der die durchstoßende Gerade g liegt: g ∈ ε
Die Hilfsebene ε ist dabei so durch den Kegel zu legen, daß sie durch die Kegelspitze S verläuft.
Das nachfolgende Bild 75 soll dies veranschaulichen:

S"
Gerader Kreiskegel wird von einer durch die Spitze S
Bild 75 gehenden Ebene ε geschnitten.
(m2") Die Ebene ist im Aufriß projizierend
([4'])

ε" projizierend
∆"
g"
[3"]
m1"
([2"])
k" [1"]

[2']
k' Lösung:
2'

Die Hilfsebene schneidet den Leitkreis des Kegels in


m

[4'] den Punkten [1] und [2]. Von dort aus sind die beiden
∆' ε'
Mantellinien m1 und m2 zur Kegelspitze S zu zeichnen.
S'
m1

Nachdem die Gerade g Element der Ebene ε ist,


'

[3'] schneidet sie in dieser Ebene die beiden Mantellinien


[1'] m1 und m2 in den Punkten [3] und [4].
g'

Dies sind gleichzeitig die gesuchten Durchstoßpunkte


D1 und D2 der Geraden g durch den Kegel.
Kap. 5 – Drehkörper – Pendelebenenverfahren – Durchdringung Gerade / Kegel - 92 -

Aufgabe 11: Gegeben ist ein Kegel ∆ sowie eine Gerade g in


Aufgabenblatt - Übungen
Grund- und Aufriß.

Zu bearbeiten: Konstruktion der Durchstoßpunkte D1 und D2 der


Geraden durch den Kegel, jeweils in GR und AR

S"

g"

S'
Kap. 5 – Drehkörper – Pendelebenenverfahren – Durchdringung Gerade / Kegel - 93 -

S" 1"
h"ε (S)

g"

D2"
m3"

D1"

2" 3"
hε"(2)

h' ε (S)
1'
Kontrolle

g'
S'

h ε' (2)
m4 '
3'

D2'
m

4'
D1'
Aufgabe 11 - Musterlösung
g' 3'
2'
Konstruktionsbeschreibung: siehe auch Beschreibung zu Bild 75
• Höhenlinie durch die Kegelspitze S im Aufriß ergibt den Hilfspunkt 1 auf der Geraden g"
• HP 1 in den GR holen, mit S' verbinden → Höhenlinie h' im Grundriß
• Höhenlinie in Höhe des Kegel-Leitkreises ergibt den Hilfspunkt 2 auf der Geraden g"
• HP 2 in den GR holen, die Parallele zu h'ε(S) durch den HP 2' ist die Höhenlinie im Grundriß
• Die Höhenlinie h'ε(S) schneidet den Leitkreis des Kegels im GR in den Punkten 3' und 4‚
• Auf den Verbindungen mit der Kegelspitze S (Mantellinien m) liegen die gesuchten Durchstoß-
punkte D1' und D2‚
• D1' und D2' angittern und mit Ordnern in den AR holen
Kap. 5 – Drehkörper – Allgemeine Konstruktionselemente - Torus - 94 -

5. 2 Der Torus
Wie beim Zylinder und Kegel handelt es sich auch beim Torus um einen sogenannten
„Drehkörper“, der durch die gedachte Rotation eines Kreises k entlang des Mittenkreises m um
die Achse a entsteht. Der den Torus erzeugende Kreis wird als Meridiankreis k bezeichnet.
Beliebige parallel zum Mittenkreis geführte Hilfsschnitte schneiden aus dem Torus jeweils einen
äußeren und inneren Breitenkreis heraus.
Bei der in Bild 70 dargestellten Lage eines Torus (a ⊥ π1) sind die Breitenkreise, sowie der obere
und untere Plattkreis und der Mittenkreis gleichzeitig auch Höhenlinien. Bei
Verschneidungsaufgaben mit anderen geometrischen Raumkörpern können einzelne Schnittpunkte
dadurch gefunden werden, daß gleichnamige Höhenlinien zum Schnitt gebracht werden.

a"
oberer Plattkreis (projizierend)

Breitenkreis
N1 Mittenkreis N2
M"
Meridiankreis k

unterer Plattkreis (projizierend)

is
en kre Fall 1: a ⊥ π1
Br eit

M' = a'

i
Br nne
eit rst
en er
kre
M
ro dian
er
tie k

is
i
re rei
nd s

Mittenkreis m
er k

äuß
Bre erste
iten r
kre
is

Die Bezeichnungen am Torus


Bild 76 Fall 1: a ⊥ π1
Kap. 5 – Drehkörper – Allgemeine Konstruktionselemente – Torus in allgemeiner Raumlage - 95 -

Bei der in Bild 77 dargestellten allgemeinen Raumlage des Torus (a ⊥ π2) sind die Breitenkreise,
sowie die beiden Plattkreise und der Mittenkreis gleichzeitig auch Frontlinien. Bei
Verschneidungsaufgaben mit anderen geometrischen Raumkörpern werden die einzelnen
Schnittpunkte analog zur Konstruktion nach Bild 70 in einem dritten Riß gefunden, wobei die
Rißachse parallel zum Mittenkreis und somit senkrecht zur Torusachse verläuft.

N1"

Fall 2: a  π2
a"
M" a ⊥ π1

N2"

Torusachse, verzerrt N1' N2'


a'
M'

Die Torusachse a ist im vorliegenden


Fall eine Frontlinie. Die beiden
Plattkreise, der Mittenkreis sowie alle
Breitenkreise erscheinen im Grundriß
als Ellipsen.

Die Bezeichnungen am Torus


Bild 77 Fall 2: a ⊥ π2
Kap. 5 – Drehkörper – Allgemeine Konstruktionselemente - Torusspindel - 96 -

5. 3 Die Torusspindel

Auch die Torusspindel ist ein Rotationskörper, wobei ein Kreisbogen um die Torusachse a
rotiert. Der Mittelpunkt N des Kreisbogens „wandert“ dabei auf dem Mittenkreis des Torus.
Der Leitkreis-Durchmesser der Torusspindel senkrecht zur Achse a entspricht dem Durchmesser
des innersten Breitenkreises des Torus.
Die Tangenten in beliebigen Punkten der Oberfläche einer Torusspindel verlaufen rechtwinkelig zu
den Radien (t ⊥ r), da es sich bei den Mantellinien der Torusspindel um Kreisbögen handelt.
Gotische Spitzbögen oder auch die Spitzen von Raketen haben die geometrische Form von
Torusspindeln.
t

Bild 78 Die Konstruktion der Torusspindel

beliebiger Breitenkreis k

a"

N1 N2
Leitkreis kL

r
ge k
e bi reis
li k
be iten
e
Br
a'

inn
er
ste
de r Br
s T eit
=L or enk
eit
k re us re
is i s
kL

Mittenkreis m
Kap. 6 – Drehkörper – Verschneidungen – Krümmungen - 97 -

6. Verschneidung von Körpern mit gekrümmter Oberfläche


Während die Verschneidungslinien von eben begrenzten Raumkörpern Geraden ergaben, sind die
Schnittlinien von Körpern mit gekrümmter Oberfläche immer Kurven, die sich auch mittels einer
mathematischen Gleichung darstellen lassen, z.B. Kreise, Ellipsen, Parabeln etc. oder Teile davon.
Die Schnittkurven werden durch ihre Krümmungen bzw. Radien angegeben. Krümmung und
Radius einer Kurve verhalten sich zueinander dabei umgekehrt proportional.
Die nachfolgenden Bilder zeigen eine Beispiel-Auswahl von Raumobjekten mit gekrümmter
Oberfläche und deren Verschneidungen:

Käfer mit Sonnendach 1962


Bild 79
Schnittkurven von Kotflügeln und Karosserie

Quelle: Internet
Drehkegel + Drehzylinder
Verschneidung

Bild 82
Bild 80 Kegel mit Torusansatz
Bild 81

"Einfülltrichter", Verschneidung
Drehkegel, Drehzylinder

Bild 84

Drehzylinder berührt Torus


Bild 83 Rohrkreuzung Bild 85 Drehzylinder berührt Kugel
im Kehlkreis (Doppelpunkt !)

Bild 87

Zerfallende Kurve
Bild 86 Rinne mit Abfluss, Halbdrehzylinder Drehzylinder mit Kugel
Kap. 6 – Drehkörper – Verschneidungen – Krümmungen – Normalschnitte – schiefe Schnitte - 98 -

6. 1 Die Krümmung einer Fläche Φ im Punkt P

Um die Krümmung einer Fläche Φ in einem beliebigen Punkt P zu untersuchen, legt man durch
diesen Punkt ebene Schnitte der gekrümmten Fläche Φ, um dann die ebenen Schnittkurven c zu
analysieren.
Man unterscheidet zwischen ebenen Normalschnitten und ebenen schiefen Schnitten. Diese
und die zugehörigen Bezeichnungen sind in Bild 88 dargestellt:

n(P)

t(P)
a(P)
leb ene
ge ntia
Tan
δ σ(P)
τ
M
P

c
Φ Mn

Bild 88

Die Krümmung der Fläche Φ


im Punkt P
Schaubild: gekrümmte Fläche von unten gesehen

Wenn die in einem Punkt P durch die Flächentangente t(P) geführte Schnittebene einer
gekrümmten Fläche Φ die Flächennormale n(P) enthält, so handelt es sich bei diesem Schnitt um
einen Normalschnitt, ansonsten um einen schiefen Schnitt.

Satz von Meusnier:


Die Krümmungsachse a(P) eines schiefen Schnittes einer Fläche Φ durch den regulären Punkt P mit
der Tangente t(P) als Drehachse („Scharnier“) geht durch den Krümmungsmittelpunkt Mn des
zugehörigen Normalschnittes.
Kap. 6 – Drehkörper – Verschneidungen – Krümmungen – Normalschnitte – schiefe Schnitte - 99 -

Das folgende Beispiel von Bild 89 zeigt den Normalschnitt (blau dargestellt) und einen schiefen
Schnitt (rot) eines Drehzylinders.

Es gelten folgende Bezeichnungen: σ(P) = Schmiegebene


κ = Krümmung
r=1/κ = Krümmungsradius PM
κn = Krümmung des Normalschnittes
rn = 1 / κn = Normalschnittkrümmungsradius PMn
Mn = Normalschnittkrümmungsmittelpunkt

Bild 89

Schaubild: Normalschnitt und schiefer


Schnitt am Drehzylinder

6. 2 Normal- und Hauptnormalschnitte


Die Krümmung κn eines allgemeinen Normalschnittes mit dem Radius rn läßt sich durch die
Hauptkrümmungen κ1 und κ2 mit den Hauptkrümmungsradien r1 und r2 der Hauptschnitte
ausdrücken (Euler – Formel):
1 / rn = cos² φ / r1 + sin² φ / r2 bzw. κn = cos² φ x κ1 + sin² φ x κ2

Bild 90 Schaubild: Normalschnitt und Hauptnormalschnitt

Für die Hauptnormalschnitte gilt:


1. sie enthalten die Hauptkrümmungstangenten t1, t2
2. sie stehen aufeinander senkrecht
3. die Krümmungen (Krümmungsradien) erreichen Extremwerte
4. analog zu Hauptspannungen können die Hauptkrümmungen
(Krümmungsradien) mittels Hauptachsentransformation be-
stimmt werden.
5. in der Praxis ergeben sich die Richtungen der orthogonalen
Hauptkrümmungstangenten t1, t2 im allgemeinen aus der
Symmetrie der Fläche Φ.
Kap. 6 – Drehkörper – Verschneidungen – Krümmungen – Normalschnitte – schiefe Schnitte - 100 -

6. 2 Die Konstruktion der Schnittkurve c zweier Flächen Φ1 und Φ2 im Punkt P

Bei Körpern mit gekrümmter Oberfläche werden die Verschneidungskurven c nach folgenden drei
Verfahren konstruiert:
• Pendelebenenverfahren
• Kreisschnittverfahren (auch Schnittkreisverfahren genannt)
• Kugelverfahren (auch Kugelkreis- bzw. Kugelschnittverfahren)
Dabei werden jeweils einzelne Punkte im mathematischen Sinn exakt konstruiert, die
anschließend unter Beachtung der Sichtbarkeitsverhältnisse mittels Kurvenlineal zu verbinden sind.
Es sind hierzu geeignete Hilfsflächen Σi zu wählen und in die Konstruktion einzuführen, mit deren
Hilfe die Hilfsschnittkurven ci leicht zu zeichnen sind → z.B. Kreise oder Geraden.
Beim praktischen Arbeiten ist es zweckmäßig, zunächst ausgezeichnete Punkte der Kurve c zu
konstruieren: höchste, tiefste Punkte, Punkte mit vertikalen Tangenten, Scheitel, Umrißpunkte etc.,
dann allgemeine Punkte dort, wo die Kurve noch nicht hinreichend genau bestimmt ist.

In der folgenden Hilfsflächentabelle sind geeignete Hilfsflächen Σ i für die zu verschneidenden


Flächen Φ zusammengestellt und die jeweilige Hilfsschnittkurve bezeichnet:

Fläche Φ Hilfsflächenschar Σ i Hilfsschnittkurve c i

Kugel beliebige Ebenen Kreise


beliebige Kugeln Kreise
Drehflächen Ebenen ⊥ Achse Breitenkreise
(z.B. Weinflasche) Kugeln um Punkte der Achse Breitenkreise
Drehkegel Ebenen durch die Spitze Mantellinien
Ebenen ⊥ Achse Breitenkreise
Schiefer Drehkegel Ebenen durch die Spitze Mantellinien
Ebenen || zur Leitkreisebene Leitkreise
Zylinder Ebenen || zur Achse Mantellinien
Ebenen ⊥ Achse Breitenkreise
Torus Ebenen ⊥ Achse Breitenkreise
Ebenen mit Achse a Meridiankreise
Kugeln auf der Achse a Breitenkreise
Kugeln auf Tangenten zum Mittenkreis Meridiankreise

Bild 91 Schnittkurve c der Flächen Φ 1 und Φ 2


wird punktweise erzeugt

Hilfsfläche Σi schneidet aus Φ1 die Hilfsschnittkurve c1i und


aus Φ2 die Hilfsschnittkurve c2i .
c1i und c2i schneiden sich im Punkt Pi der gesuchten
Schnittkurve c .
In der Praxis wählt man als Hilfsflächen Σi Kugeln oder
Ebenen, so daß die Hilfsschnittkurven c1i, c2i einfach zu
zeichnen sind (Kreise oder Geraden).
Kap. 6 – Drehkörper – Verschneidungen – Krümmungen – Normalschnitte – schiefe Schnitte - 101 -

6. 2 Die Konstruktion der Schnittkurve c zweier Flächen Φ1 und Φ2 im Punkt P

Bei Körpern mit gekrümmter Oberfläche werden die Verschneidungskurven c nach folgenden drei
Verfahren konstruiert:
• Pendelebenenverfahren
• Kreisschnittverfahren (auch Schnittkreisverfahren genannt)
• Kugelverfahren (auch Kugelkreis- bzw. Kugelschnittverfahren)
Dabei werden jeweils einzelne Punkte im mathematischen Sinn exakt konstruiert, die
anschließend unter Beachtung der Sichtbarkeitsverhältnisse mittels Kurvenlineal zu verbinden sind.
Es sind hierzu geeignete Hilfsflächen Σi zu wählen und in die Konstruktion einzuführen, mit deren
Hilfe die Hilfsschnittkurven ci leicht zu zeichnen sind → z.B. Kreise oder Geraden.
Beim praktischen Arbeiten ist es zweckmäßig, zunächst ausgezeichnete Punkte der Kurve c zu
konstruieren: höchste, tiefste Punkte, Punkte mit vertikalen Tangenten, Scheitel, Umrißpunkte etc.,
dann allgemeine Punkte dort, wo die Kurve noch nicht hinreichend genau bestimmt ist.

In der folgenden Hilfsflächentabelle sind geeignete Hilfsflächen Σ i für die zu verschneidenden


Flächen Φ zusammengestellt und die jeweilige Hilfsschnittkurve bezeichnet:

Fläche Φ Hilfsflächenschar Σ i Hilfsschnittkurve c i

Kugel beliebige Ebenen Kreise


beliebige Kugeln Kreise
Drehflächen Ebenen ⊥ Achse Breitenkreise
(z.B. Weinflasche) Kugeln um Punkte der Achse Breitenkreise
Drehkegel Ebenen durch die Spitze Mantellinien
Ebenen ⊥ Achse Breitenkreise
Schiefer Drehkegel Ebenen durch die Spitze Mantellinien
Ebenen || zur Leitkreisebene Leitkreise
Zylinder Ebenen || zur Achse Mantellinien
Ebenen ⊥ Achse Breitenkreise
Torus Ebenen ⊥ Achse Breitenkreise
Ebenen mit Achse a Meridiankreise
Kugeln auf der Achse a Breitenkreise
Kugeln auf Tangenten zum Mittenkreis Meridiankreise

Bild 91 Schnittkurve c der Flächen Φ 1 und Φ 2


wird punktweise erzeugt

Hilfsfläche Σi schneidet aus Φ1 die Hilfsschnittkurve c1i und


aus Φ2 die Hilfsschnittkurve c2i .
c1i und c2i schneiden sich im Punkt Pi der gesuchten
Schnittkurve c .
In der Praxis wählt man als Hilfsflächen Σi Kugeln oder
Ebenen, so daß die Hilfsschnittkurven c1i, c2i einfach zu
zeichnen sind (Kreise oder Geraden).
Kap. 6 – Drehkörper – Verschneidungen – Verschneidungsverfahren – Pendelebenenverfahren - 102 -

6. 2.1 Konstruktion der Schnittkurve c mit dem Pendelebenenverfahren

Dieses Verfahren wurde bereits in Abschnitt 5.1.2.1 beschrieben und anhand von Bild 75 erklärt.
Wie das nachfolgende Beispiel der Verschneidung eines Drehzylinders mit einem auf der Spitze
stehenden Kreiskegel zeigt, ist dieses Verfahren auch bei der Konstruktion von Schnittpunkten
zweier gekrümmter Körper anwendbar.
Dabei wird immer die jeweilige Pendelebene so geführt, daß sie durch die Kegelspitze verläuft und
somit aus dem Kegelmantel die benötigten Mantellinien herausschneidet.

T
c Pi
Bild 92

Verschneidung Kegel – Drehzylinder


im Schaubild

Bevor die einzelnen Verschneidungspunkte Pi konstruiert werden, nach denen sich der Verlauf der
Verschneidungskurve ergibt, zeichnet man zunächst die sofort erkennbaren Extrempunkte H und T.
Dazu werden gemäß der Darstellung in Bild 92 entlang der Hauptachsen von Kegel und Zylinder
Hilfsebenen senkrecht und parallel zur Aufrißtafel angegeben, welche beide Körper entlang ihrer
Symmetrieachsen schneiden.
Der Hochpunkt H kann dann sofort im Aufriß angegeben werden, der Tiefpunkt T der
Verschneidungskurve ist aus dem Seitenriß ablesbar und von dort in den Aufriss zu übertragen.
Zur Bestimmung der erforderlichen Zwischenpunkte Pi sind im Seitenriß mehrere Schnitte von
Pendelebenen erforderlich, die aus dem Kegel Mantellinien und aus dem Zylinder Höhenlinien
herausschneiden.
In den nachfolgenden Konstruktionszeichnungen sind die einzelnen Arbeitsschritte nachvollziehbar
abzulesen und beschrieben.
ε'''(P)
a'''Kegel

L''3 L''4 L'''3 = L'''4


H1'' Q '' H2'' H''' Radius Schkrkr bei T"
3 Q'''
Q4'' P''' = m''' (ε)zyl
P3''
P4''
T''' = t'''(T)
T'' Radius Schkrkr bei T'
t'''(P)
a''zyl
a'''z

Kontrolle
P2'
P1'
Q1' Bild 93

r schkrkr
H2'
H1' S' = a'kegel a'zyl
Das Pendelebenenverfahren (erfordert 3 Risse)
n'

)3 ) 4 Q'
Q' n' (ε
Q3'
Kap. 6 – Drehkörper – Verschneidungsverfahren – Kegel – Zylinder – Pendelebenenverfahren

Hier ist lediglich das Pendelebenenverfahren selbst


P'4 m'(ε)zyl sowie als Ergebnis die Schnittkurve c dargestellt.
P'3
L' L' Vor der Konstruktion der Schnittkurve c" im AR und
T' c' im GR sind die Tangenten und die Scheitel-
krümmungskreise zu zeichnen.
- 103 -

Siehe hierzu die Folien von Seite 19 bis 21


[4]

[2] rschkrkr
a"(H)
σ"(H)

H2'' = t"(H)
H1'' f(P)" [6"] t"(P)
P'' P0''
[1]
n"k(H)
T''
n"k(P)
[5]
a''zyl
[3]

Bild 94

Das Normalenverfahren

Das Normalenverfahren wird zur Konstruktion von


Tangenten in den einzelnen Zwischenpunkten der
Verschneidungskurve und zur Konstruktion der
Schmiegebenen in den Scheitelpunkten angewandt.

Vor der Konstruktion der Schnittkurve c" im AR und


c' im GR sind die Tangenten und die Scheitel-
krümmungskreise zu zeichnen.
kr
r schkr
H1' S' = a'kegel Hierzu wird bevorzugt das Normalenverfahren
a'zyl angewandt.
Kap. 6 – Drehkörper – Verschneidungsverfahren – Kegel – Zylinder – Normalenverfahren

[1'] [6'] H2'


[Die zur Konstruktion der Verschneidungskurve benötigten
Zwischenpunkte sind nebenstehend nicht bezeichnet]
Siehe hierzu die Folien von Seite 19 bis 21
P'
T'
t'(P)
- 104 -

h'(P)
Kap. 6 – Drehkörper – Verschneidungsverfahren – Kegel – Zylinder – Normalenverfahren - 105 -

Das Normalenverfahren, welches auf Seite 20 am konkreten Beispiel gezeigt wurde, wird
nachfolgend in den einzelnen Arbeitsschritten nochmals erklärt.
Anzuwenden ist dieses Verfahren zur Tangentenkonstruktion in Grund- und Aufriß, sowie zur
Bestimmung der Radien für die Scheitelkrümmungskreise der Verschneidungsfigur im Grundriß.
Außerdem werden die Schmiegebenen σ der Scheitelpunkte der Schnittkurve im Aufriß nach dieser
Methode konstruiert.
Es sind folgende Gesichtspunkte zu beachten:

• Anzuwenden bei Rotationskörpern, deren Achsen sich schneiden. Grund: Man braucht immer
eine Frontlinie in GR und AR. Zu beachten: Auch parallele Achsen „schneiden“ sich, und zwar
in einem Fernpunkt!.
• i.d.R. sind zur Tangentenkonstruktion nach dem Normalenverfahren nur zwei Risse erforderlich
• Die Normalen der sich verschneidenden Rotationskörper stehen senkrecht auf den Mantellinien
und treffen auf die zugehörigen Achsen
• Die Normalen von zwei Rotationskörpern spannen eine Ebene auf (Normalenebene η)
• Die Tangente t(P) durch einen Punkt P entspricht der Normalen n auf die Normalenebene η

Bild 95
ak
Arbeitsschritte:
[2] 1. P" auf Kegel nach P0 drehen; die Normale durch P"
H2'' dreht sich mit  ergibt Höhenlinie h"η(P) durch P"
f(P)"[1] P''
P0''
2. ⊥ auf Mantellinie durch P0 ergibt HP 2" auf ak
t"(P) n"k(P)
a''zyl [3] 3. Normale nZ auf Zylinder durch P" ergibt HP 3" auf az
4. Verbindung 2" - 3" = Frontlinie f"(P)
5. Senkrechte zur Frontlinie ergibt Tangente t"(P) im AR
6. Schnittpunkt Front- mit Höhenlinie = HP1" im Aufriß
7. HP 1" angittern und mittels Ordner in den GR holen
S' = [1']
a'zyl
a'kegel 8. HP 1' liegt im GR projizierend über der Zylinderachse az
P'
9. Höhenlinie h'(P) im GR = Verbindung von [1'] mit P'
t'(P)
h'(P) 10. Senkrechte zur Höhenlinie ergibt Tangente t'(P) im GR

In Worten: Im Aufriß verläuft die Tangente in


t"(P) ⊥ f" * t'(P) ⊥ h'(P) einem Punkt P senkrecht zur zugehörigen
Frontlinie, im Grundriß senkrecht zur Höhenlinie.

Das Normalenverfahren wird auch angewendet, um in den Scheitelpunkten H im Aufriß die


Schmiegebene σ und im Grundriß die Scheitelkrümmungskreise k zu zeichnen.
Siehe hierzu Seite 20. Die Schmiegebene σ verläuft senkrecht zur Achse a des Scheitelpunktes.

Aus Gründen der Vollständigkeit wird darauf hingewiesen, daß es zur Tangentenkonstruktion auch
noch das „Tangentialebenenverfahren“ gibt, auf dessen ausführliche Darstellung an dieser Stelle
jedoch verzichtet wird, da das hier behandelte Normalenverfahren der konstruktiv einfachere Weg
ist.
Kap. 6 – Verschneidungsverfahren – Kegel – Torus – Zylinder – Kugel – Kreisschnittverfahren - 106 -

6. 2.2 Konstruktion der Schnittkurve c mit dem Kreisschnittverfahren

Dieses Verfahren basiert auf dem Konstruktionsprinzip, daß die sich verschneidenden
geometrischen Raumkörper durch Hilfsebenen η so geschnitten werden, daß sich möglichst
einfache Schnittfiguren ergeben, nämlich Kreise oder Geraden.
Wenn man sich die Hilfs-Schnittfiguren als Höhenlinien vorstellt, dann ergeben sich die
Zwischenpunkte der gesuchten Verschneidungskurve c als die Schnittpunkte gleichnamiger
Höhenlinien.
Dieses Konstruktionsprinzip gilt sinngemäß auch dann, wenn die Raumkörper „gekippt“ sind, deren
Achsen also nicht senkrecht zu einer Rißtafel π1, π2 oder π3 stehen.
a"(K)

Konstruktionsbeschreibung: (Hier am Beispiel


Σ" für die Punkte P und U)
V"
Die Konstruktion beginnt im Aufriß, wo festgelegt
∆"
r(2) wird, in welcher Höhe ein gesuchter Punkt liegen
U" Schnitt 2 soll.
k"(1) P" Mit dem Schnitt 1 parallel zur Grundrißtafel erhält
Schnitt 1
r(1) man einen beliebigen Punkt P. Der ebene
W" Hilfsschnitt 1 schneidet aus dem Kegel ∆ einen
Leitkreis kl des Kegels Kreis k1 aus, der aufgrund der Schnittführung eine
V' W' Höhenlinie darstellt. Der Radius r(1) ist aus dem
S' = a'K r(2) Aufriß abzugreifen und im Grundriß als Kreisbogen
um die projizierend dargestellte Kegelachse a'k
r(1)

kl U'
anzutragen.
)
'(K

∆' P'
h1

Σ' Derselbe Hilfsschnitt schneidet aus dem Zylinder Σ


zwei Mantellinien m1 und n1 aus, die ebenfalls
h1'(Zyl)
Höhenlinien sind (n1 liegt außerhalb des Kegels
und spielt daher für die Verschneidungskurve
keine Rolle).

Schnitt 1 Nachdem sich gleichnamige Höhenlinien in einem


Punkt schneiden, ist der Schnittpunkt von k1 mit m1
der gesuchte Punkt P.

Verschneidung Kegel – Zylinder


Bild 96 Konstruktion der Punkte P und U; die Scheitelpunkte
V und W können direkt abgelesen werden

Mit dem Hilfsschnitt 2, der durch den Mittelpunkt des geraden Kreiszylinders verläuft, findet man
nach dem gleichen Konstruktionsprinzip den Punkt U der Schnittkurve c. Der Punkt U ist dabei der
am weitesten außen liegende Punkt auf dem Zylinder Σ.
Im Aufriß wird der Radius r2 abgegriffen und im Grundriß der entsprechende Kreisbogen um a'k
gezeichnet. Wo sich dieser Kreisbogen (= Höhenlinie h2'(K)) mit der äußersten Mantellinie des
Kreiszylinders schneidet, liegt der Punkt U.
Für die Scheitelpunkte V und W sind besondere Konstruktionsmaßnahmen nicht erforderlich, da
sich die Lage dieser besonderen Punkte bereits durch Überlegen bestimmen läßt.
Kap. 6 – Verschneidungsverfahren – Kegel – Torus – Zylinder – Kugel – Kreisschnittverfahren - 107 -

Aufgabenblatt - Übungen

Aufgabe 13: Ein in GR und AR mit seiner vorderen Hälfte


gegebener Kegelstumpf ∆ wird von einem
Torus Θ wie dargestellt geschnitten.
Gesucht: a) Die Verschneidungskurve c' und c";
b) der auf dem innersten Breitenkreis des Torus
liegende Punkt U mit Tangente tU;
c) der Punkt R (10 mm oberhalb von m) mit tR;

a"T
a"K

V"

W"

a'K
a'T

m'

Gesucht: d) der Punkt P (15 mm unterhalb von m) mit tP;


e) der Tiefpunkt T mit Tangente tT;
f ) die Schmiegebene σ und der Scheitelkrümmungskreis für den Punkt V;
g) der Grundriß des Kegels und des Torus ist jeweils zu ergänzen.
Kap. 6 – Verschneidungsverfahren – Kegel – Torus – Zylinder – Kugel – Kreisschnittverfahren - 108 -

[12] Aufgabe 13 - Musterlösung

n" T (
a"V

V )
a"T
a"K
r'schkrkr
V" n" K(V)
[14]
[1] σ" (V)
f "R[13]
[3] R" n" n" K(R)
T(R
[11] )
n " K (U )
t" R [10]
t" P U"
[2]
f "U
U

)
n" T
t"

(P

[7] n " K ( P)
P"
[9]
f "P W"
T" = t"(T) T 0K

[5]
[6]
[4] a'K V' [8] W'
a'T [15]
r' schkrk

h' P
r

h'U
t' P
h' T

t'U U' R' t'T


t'R
P'
h' R T'

m'

Anzuwenden ist bei dieser Aufgabe zweckmäßigerweise das Kreisschnittverfahren, um die


geforderten Schnittpunkte zu konstruieren. Dabei sind in den jeweiligen Höhen die gleichnamigen
Höhenlinien von Kegel und Torus zum Schnitt zu bringen.
Die Tangentenkonstruktion erfolgt nach dem Normalenverfahren, ebenso die Konstruktion der
Schmiegebene sowie der Scheitelkrümmungskreise im Grundriß.
Kap. 6 – Verschneidungsverfahren – Kegel – Torus – Zylinder – Kugel – Kugelverfahren - 109 -

6. 2.3 Konstruktion der Schnittkurve c mit dem Kugelverfahren

Zur Konstruktion von Schnittkurven ist dieses Verfahren unter folgenden Voraussetzungen
anwendbar:
• Bei beiden Raumkörpern muß es sich um Rotationskörper handeln
• Die Rotationsachsen müssen sich schneiden.

Das Kugelverfahren basiert auf folgendem Gedankenmodell:

In dem gemeinsamen Innenraum der beiden Körper wird eine Kugel so gelegt, daß der
Kugelmittelpunkt R genau auf dem Schnittpunkt der Rotationsachsen liegt.

Die Kugel hat zunächst einen Durchmesser D1, mit welchem sie mindestens einen der beiden
Körper gerade eben berührt. Nachdem es sich bei den Raumkörpern um symmetrische
Rotationskörper handelt, erfolgt diese Berührung notwendigerweise entlang einer Kreislinie, die
man den „Berührkreis der Kugel“ nennt.

Wird der Kugeldurchmesser D1 nun angemessen vergrößert, so ergibt sich eine Kugel mit
Durchmesser D2, die beide Körper schneidet, und zwar wieder entlang einer Kreislinie.

An den Stellen, wo sich die Schnittkreise schneiden, dort liegt jeweils ein Punkt der gesuchten
Verschneidungskurve c.

Der Vorteil dieses Verfahrens liegt darin, daß man zur Konstruktion einer Verschneidungskurve
zweier Raumkörper nur einen einzigen Riß benötigt.

n(P2)
P02 n(P1)
Bild 97 Verschneidung Kegel – Kegel
P P01
[1]
Der Konstruktionsablauf ist am f(P)
nebenstehenden Beispiel dargestellt:
t(P)U
[2]
M
Q

R
Kap. 6 – Verschneidungsverfahren – Kegel – Torus – Zylinder – Kugel – Kugelverfahren - 110 -

Aufgabe 14: Ein gerader Kreiszylinder Σ1 wird von einem


Aufgabenblatt - Übungen
weiteren Zylinder Σ2 wie dargestellt schräg
geschnitten. Die beiden Achsen schneiden sich.
Gesucht: Die Verschneidungskurve c mit Tangenten in den einzelnen Schnittpunkten und
Schmiegebenen in den Scheitelpunkten.
Der Punkt P liegt auf einem Kugelkreis durch den Scheitelpunkt A. Der Punkt P1 liegt auf
einem Kugelkreis um M mit Radius r1 = 6,0 cm, der Punkt P2 liegt auf einem Kreis mit
Radius r2 = 8,0 cm.

az1

Σ2

Σ1
az
2

B
Kap. 6 – Verschneidungsverfahren – Kegel – Torus – Zylinder – Kugel – Kugelverfahren - 111 -

az 1
Aufgabe 14 - Musterlösung

kA = Kugel um M durch
den Punkt A σ(A)

nz1(A) A
[1] k1

a(A) t(P) k2
M
c A)

s1
k
2(
nz

[3] is
re
P
ittk

[5] f(P) [4]


hn
Sc

s2
[2]

k
is
re
f (P1) P1 [7]
ittk
[6]
hn

Schnittkreis ks1 t
Sc

(P2)

[9]
Σ2
f (P2) t(P1)
[8]
Schnittkreis ks2 P2
Σ1
az
Da die Tangente durch 2
P2 nur knapp neben
B
dem Punkt B verläuft, ist
die Konstruktion der
Schmiegebene in B ent-
behrlich.

Lösung: (Für den Punkt P)


Eine Kugel durch den offensichtlichen Scheitelpunkt A schneidet an dieser Stelle die beiden
Kreiszylinder. Die Normale nz1(A) auf den Zylinder Σ1 in diesem Punkt wird bis zu der zugehörigen
Achse az1 verlängert und liefert dort den HP [1]. Die Normale auf Σ2 liefert nach dem gleichen
Verfahren den HP 2 auf der Achse az2. Die Verbindung von HP1 mit HP2 ist die Achse a(A).
Rechtwinkelig hierzu verläuft die Schmiegebene σ, an die sich die Schnittkurve c tangential
„anschmiegt“.
Die Kugel kA schneidet beide Zylinder im Punkt A und den Zylinder Σ1 zusätzlich im HP4. Der
Schnittkreis durch A hat seinen Mittelpunkt im HP2, der Schnittkreis durch [4] im HP 5. Beide Kreise
schneiden sich im Punkt P.
Die Konstruktion der übrigen Punkte erfolgt analog.
Kap. 6 – Verschneidungsverfahren – Kegel – Torus – Zylinder – Kugel – Abwicklung der Mantelfläche - 112 -

6. 3 Abwicklung von Mantelflächen incl. der Schnittkurve c und der Tangenten

Die Abwicklungen der Mantelflächen der zum Schnitt gebrachten Raumkörper einschließlich der
Verschneidungskurven c und der Raumtangenten t gehören grundsätzlich zu den Hauptaufgaben
der Darstellenden Geometrie, da sich erst mit den Abwicklungen die zum besseren Verständnis
erforderlichen Raummodelle bauen lassen.
Exakt lassen sich dabei nur Zylinder und Kegel abwickeln, da diese beiden Rotationskörper von
geradlinigen Mantellinien begrenzt werden.
Die übrigen Rotationskörper, wie z.B. Kugel, Torus und Torusspindel entstehen durch Rotation
gekrümmter Mantellinien um eine Drehachse und lassen sich daher nur näherungsweise in einer
ebenen Fläche (Zeichenebene) abwickeln.
Nachdem Zylinderabwicklungen relativ einfach vorzunehmen sind, sofern die Rotationsachse
parallel zu einer Rißebene verläuft, wird nachfolgend die Kegelabwicklung ausführlich
beschrieben.
a) Zylinderabwicklungen:
Hierbei wird der Zylinderquerschnitt in die Zeichenebene geklappt und der Zylinderumfang in
gleiche Teile aufgeteilt. Hierdurch erhält man Mantellinien, die in einem Grund- oder Aufriß in
wahrer Gestalt zu sehen sind und von dort mit dem Zirkel abgegriffen und auf dem abgerollten
Zylindermantel angetragen werden können.
Durch besondere Punkte der Verschneidungskurve werden bei Bedarf zusätzliche Mantellinien
gelegt, so daß man auch diese Punkte genau in die Zeichenebene übertragen kann.

a'''Kegel
H1'' H2'' [1] [2] Q'''
Q3'' P3'' Q4'' [3] P'''
P4'' [4]
T'''
T'' [5]
[6]
a'''z

Bild 98 Verschneidung Kegel – Zylinder

Symmetrieachse für Abwicklung H2


[1]
[2]
Q4 [3] Zylinderabwicklung
(halbe Verschneidungskurve c )
P4
c [4] nur vordere Hälfte dargestellt
[5]
T
[6]
Kap. 6 – Verschneidungsverfahren – Kegel – Torus – Zylinder – Kugel – Kegelabwicklung - 113 -

b) Kegelabwicklungen:
Das Verfahren zur Abwicklung des Kegelmantels mit den einzelnen Punkten der
Verschneidungskurve, der Tangenten sowie der Darstellung der Scheitelkrümmungskreise der
Schnittfigur wird am Beispiel eines mit einem Torus zum Schnitt gebrachten geraden Kreiskegels
erklärt. Hierzu werden die Konstruktionszeichnungen von Seite 32 und 33 herangezogen.

Kegelmantel:
Der Kegelmantel wird gedanklich an zweckmäßiger
Stelle (z.B. an den Scheitelpunkten der Verschnei-
dungskurve) aufgeschnitten und entlang des Kegel-
Leitkreises abgerollt. Die wahre Länge der Mantellinien
ist dabei dem Aufriß (oder auch dem Seitenriß) als Leitkreis kL
Abstand zwischen der Kegelspitze S und dem Leitkreis S
zu entnehmen. m
Der Leitkreis wird im Grundriß in gleiche Abschnitte von
ca. 1,5 cm Länge unterteilt. Diese Einzelstrecken m
werden mit dem Zirkel abgegriffen und auf dem Regelpunkte
abgerollten Leitkreis (= Kreisbogen mit Radius der
wahren Länge der Kegel-Mantellinie) nacheinander

cm
angetragen. Da auf diese Weise nicht das erforderliche

,5
.1
Bogenmaß, sondern nur die etwas kürzere Sehne des eis

ca
Leitkreisabschnittes übertragen wird, ist die Abwicklung L e itkr
abgerollter
generell mit einem Fehler behaftet. Bei der
empfohlenen Abschnittslänge von ca. 1,5 cm ist dieser
jedoch gering und kann in Kauf genommen werden. Bild 99 Kegelabwicklung

Verschneidungskurve:
Zur Abwicklung der Verschneidungskurve c werden nacheinander die einzeln konstruierten
Schnittpunkte (z.B. P, Q, H, T etc) mit dem Kegelmantel „abgerollt“.
Hierzu wird durch jeden Schnittpunkt von der Kegelspitze S aus eine Mantellinie im Grund- und
Aufriß bis zum Leitkreis gelegt. In der Regel liegt damit der Fußpunkt der Mantellinie zwischen zwei
Punkten der ursprünglichen, regelmäßigen Leitkreisunterteilung.
Von dem neuen Zwischenpunkt aus wird der Abstand zu dem nächsten Regelpunkt mit dem Zirkel
abgegriffen und auf dem bereits abgerollten Leitkreis angetragen. Von dort aus wird nun auch in
der Abwicklung die neue Mantellinie zur Spitze S gezeichnet, auf der der gesuchte Punkt liegen
muß.
Im Aufriß wird der betrachtete Punkt nun bei gleich bleibender Höhenlage auf die äußerste
Mantellinie gedreht, so daß man dort den wahren Abstand des Punktes von der Kegelspitze S, bzw.
zum Leitkreis abgreifen und auf der entsprechenden Mantellinie der Abwicklung antragen kann.
Die Scheitelpunkte der Schnittkurve liegen im Aufriß bereits auf der äußersten Mantellinie. Deren
Abstände zur Kegelspitze bzw. zum Leitkreis können daher unmittelbar auf die entsprechende
Mantellinie der Abwicklung übertragen werden.
Es wird empfohlen, beim Abgreifen wahrer Abstände im Aufriß (analog auch im Seitenriß) immer
den selben Bezugspunkt zu verwenden, um evtl. vorhandene Zeichenungenauigkeiten nicht
kumulieren zu lassen. Das heißt, alle Abstände entweder konsequent auf die Kegelspitze oder
ebenso konsequent immer auf den Leitkreis zu beziehen.
Kap. 6 – Verschneidungsverfahren – Kegel – Torus – Zylinder – Kugel – Kegelabwicklung - 114 -

Abwicklung der Tangenten:


Die im Grundriß bereits vorhandenen Höhenlinien der einzelnen Verschneidungspunkte werden bis
zum Leitkreis verlängert und ergeben dort einen weiteren Hilfspunkt.
In diesem Hilfspunkt wird die Leitkreistangente gezeichnet und mit der Grundriß-Raumtangente des
entsprechenden Punktes zum Schnitt gebracht. Die rechtwinkelig zum Leitkreisradius verlaufende
Leitkreistangente ist im Grundriß in wahrer Größe vorhanden und ist daher an dem entsprechenden
Hilfspunkt des abgewickelten Leitkreises als Tangente anzutragen.
Die abgewickelte Raumtangente verläuft nun zwischen dem Endpunkt der wahren
Leitkreistangente und dem wahren Punkt auf der abgewickelten Mantelfläche.
Sonderfälle: Hochpunkt H und Tiefpunkt T:
An diesen beiden Extrempunkten können die Tangenten in der Abwicklung unmittelbar angegeben
werden: Sie verlaufen senkrecht zu den entsprechenden Mantellinien durch die Kegelspitze.

Abwicklung der Scheitelkrümmungskreise:


Die Radien für Scheitelkrümmungskreise in der Abwicklung ergeben sich aus dem Aufriß. Dort wird
für die beiden Scheitelpunkten mit dem Normalenverfahren die jeweilige Achse konstruiert, die
auch zur Konstruktion der Schmiegebenen gebraucht wird.
An der Stelle, wo die Achse (= Frontlinie) die äußerste Mantellinie schneidet, auf der auch die
Scheitelpunkte der Schnittkurve liegen, dort ergibt sich jeweils ein weiterer Hilfspunkt.
Der Abstand des jeweiligen Hilfspunktes zu dem nächstliegenden Scheitelpunkt ist der Radius des
für die Abwicklung der Schnittkurve gesuchten Krümmungskreises.

Aufgabe Nr. 15
Am Beispiel der nachfolgenden Verschneidungsaufgabe Nr. 15 wird die Konstruktion der
Verschneidungskurve c einschließlich der Tangenten und der kompletten Abwicklung des Kegels
vorgeführt und mit Farbsäumen erläutert.
In dieser Aufgabe sind die Höhen der gesuchten Verschneidungspunkte zwischen dem geraden
Kreiskegel ∆ und dem Torus Θ durch die Schnittführungen am Blattrand angegeben.
Neben den Punkten P und Q sind die extremen Verschneidungspunkte H, T und U (innerster
Breitenkreis des Torus) einschließlich zugehöriger Tangenten zu ermitteln.
Außerdem sind in den Scheitelpunkten A und B die Schmiegebenen σ zu konstruieren. Zu beiden
Punkten sind auch die Scheitelkrümmungskreise für die Verschneidungskurve c‘ im Grundriß sowie
die Scheitelkrümmungskreise für die Abwicklung zu bestimmen.
Kap. 6 – Verschneidungsverfahren – Kegel – Torus – Abwicklung der Mantelfläche - 115 -

Aufgabe 15: Ein gerader Kreiskegel ∆ wird von einem Torus Θ


Aufgabenblatt - Übungen
wie dargestellt geschnitten.
S"

a"T

a"K

Kegel ∆"
A"
Torus Θ"

M"
2 cm

B"

h" (Q; P)

a'T S'=a'k M' A' B'


f'(P)

13

12
2

11 3

m' 10 4

5
9
6
8 7
Kap. 6 – Verschneidungsverfahren – Kegel – Torus – Abwicklung der Mantelfläche - 116 -

Aufgabe 15 - Musterlösung Verschneidung

S"

a"T n"T (A)


8"
a"K r) A
krk g)
ch lun
a"(A) r ( S
bw
ick

Kegel ∆" (fü


rA
n"k (A)
7"
A"
3" Torus Θ" 6"
r' (Schkrkr) σ"
(A)
für Grundriß

4"
f"(P)
n"
10" T(
P)

B)
σ"
(
16" 15" 17" M"
U"
B)
14" r" (Schkrkr) für Grundriß n" k ( P)
n" k (
2 cm

=R
B" n"T (B)

ad
ius ür di

r (Sc
de e A
f
h" (Q) Q" Q0(T) 1" r"k(P)

s S bw
ch ick
P0(K)

hk
h" (P) P" P0(T)

eit

rkr
elk

)B
) t"(P)
)

(Q
n" T
t"(Q

rüm es
f"(Q

lu n
w.L
)

mu Ke
g
r'T(Q)

d
9"

ng gel
für
18"

skr s
e is
Ab
t"(T) T"

es
wic

um
k lu

B
ng
2"

a'T 15' 17' 14' S'=a'k M' A' B'


1'
r'T(Q f'(P) 6'
)
r'T(P
13 )

U' 1
h'(
Q)

Q' a"(B)
12
h'(P)
t'(Q) 2

P'
11 3

m' 10 T' t'(P) 12' 4

t'(T)
5
9
6

nte
8 7
5" nge
st a
re i
itk
Le

13'
Kap. 6 – Verschneidungsverfahren – Kegel – Torus – Abwicklung der Mantelfläche - 117 -

11

Aufgabe 15 - Musterlösung Abwicklung

Die Verschneidungskurve c ist anhand der vorgegebenen Punkte und


Tangenten selbst noch einzuzeichnen.

1
2
3

12 5

is
ungskre
lkrümm 7
Scheite
hB
11 durc Leitkreistangente aus Grundriß in w.L.
um Pkt.
t (P)
B 8
13
P
t(T) 9

T
10

11

Leitkreistangenten
A
⊥ zur Mantellinie
12
Q
rschkrkr(A)

r (A)
r schkrk 13
t(Q)
8 U
t(U)

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