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Vorwort

Dieses Skript ist als begleitendes Arbeitsmittel zur Vorlesung


CAD-Geometrie im Rahmen des Moduls CAD und Maschinen-
zeichnen II gedacht.
Es soll die Hörer von einer umfassenden Vorlesungsmitschrift
entlasten und ein Nachvollziehen der Vorlesungen zu einem
späteren Zeitpunkt ermöglichen. Es ersetzt aber nicht den
Vorlesungsbesuch.
Konstruktive Anregungen, die der weiteren Verbesserung des
Skripts dienen, werden gerne angenommen.

© Lehrstuhl fml, Technische Universität München, April 2011


fml - Lehrstuhl für Fördertechnik Materialfluss Logistik
Prof. Dr.-Ing. Dipl.-Wi.-Ing. Willibald A. Günthner CAD-Geometrie
Technische Universität München Inhaltsverzeichnis

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung 1

2 Grundlagen der Projektion 2


2.1 Zentralprojektion 5
2.2 Parallelprojektion 5
2.3 Wiederholungsfragen 7

3 Tafelprojektionen 8
3.1 Eintafelprojektion 8
3.2 Zweitafelprojektion 9
3.3 Mehrtafelprojektion 10
3.4 Wiederholungsfragen 13
3.5 Übungsaufgaben 14

4 Wahre Größen 15
4.1 Konstruktion wahrer Größen 15
4.2 Wiederholungsfragen 18
4.3 Übungsaufgaben 18

5 Durchdringungen 21
5.1 Hilfsebenenverfahren 22
5.2 Hilfskugelverfahren 24
5.3 Mantellinienverfahren 27
5.4 Anwendungen zur Durchdringung 28
5.5 Wiederholungsfragen 35
5.6 Übungsaufgaben 35

6 Abwicklung 38
6.1 Abwicklung von Körpern 38
6.2 Wiederholungsfragen 40
6.3 Übungsaufgabe 40

7 Verschraubung 42
7.1 Konstruktion von Verschraubungen 42
7.2 Wiederholungsfragen 43
7.3 Übungsaufgabe 43

I
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Technische Universität München Inhaltsverzeichnis

CAD-Übung zu CAD-Geometrie 45

Aufgabe 1: Verschneidung Ebene – Gerade 46


1.1 Erzeugung der Geraden 46
1.2 Konstruktionsübung: Wahre Länge 46
1.3 Erzeugung der Ebene 48
1.4 Verschneidung / Projektion 48
1.5 Interpretation 50
1.6 Darstellung der Konstruktion des Durchstoßpunktes 50
1.7 Konstruktionsübung: Durchstoßpunkt 50

Aufgabe 2: Verschneidung Kugel – Drehkegel 52


2.1 Erzeugung der Kugel 52
2.2 Erzeugung des Drehkegels 53
2.3 Verschneidung von Kugel und Drehkegel 54
2.4 Interpretation 55
2.5 Prinzip des Hilfsebenenverfahrens 55
2.6 Konstruktionsübung: Hilfsebenenverfahren 55
2.7 Prinzip des Hilfskugelverfahrens 57
2.8 Konstruktionsübung: Hilfskugelverfahren 57
2.9 Tangentenkonstruktion an einem Punkt 59
2.10 Konstruktionsübung: Besondere Punkte von c 60

Weitere Übungsaufgaben 64
1 Verschneidung Drehkegel – Zylinder 64
2 Abwicklungen 67
3 Verschraubung 70
4 Lösungen zu den Übungsaufgaben 73

Hinweise 76

II
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Technische Universität München 1 Einleitung

1 Einleitung

Die Darstellende Geometrie hat die Aufgabe, geometrische Probleme des Raumes durch
Konstruktionen an ebenen Bildern zu lösen. Hierzu werden die räumlichen Körper auf geeignete
Bildebenen projiziert. Für technische Darstellungen haben sich orthogonale Parallelprojektionen
(Grundriss, Aufriss und eventuell zusätzlich Kreuzriss) besonders bewährt und bilden damit die
Grundlage des Technischen Zeichnens in den Ingenieurwissenschaften.

Ein Problem für angehende Ingenieure ist das räumliche Vorstellungsvermögen kombiniert mit
der Betrachtung und der Bearbeitung von ebenen Bildern. Die Darstellende Geometrie liefert uns
hierzu mächtige Methoden, welche die 3D-Objekte mit den 2D-Zeichnungen verbinden. Auf
diesen Grundlagen der darstellenden und analytischen Geometrie entstanden auch die
Werkzeuge der 3D/ 2D-CAD Programme. Es liegt also nahe, dieses Tool 3D/ 2D-CAD als
Hilfsmittel für die Ausbildung in der Konstruktiven Geometrie einzusetzen. Das soll im Rahmen
des Moduls CAD und Maschinenzeichnen als Synthese von CAD-Einführung und CAD-
Geometrie erfolgen. Der didaktische Ansatz ist das „selbstgesteuerte Lernen“ über e-Learning.
Über Handlungswissen des 3D/ 2D-CAD sollen Erfahrungen und Erkenntnisse in der
Darstellenden Geometrie vertieft werden.

Im Rahmen dieser CAD-Übungen zur Darstellenden Geometrie werden die zu bearbeitenden


Körper erst räumlich modelliert und anschließend in einen durchsichtigen Projektionswürfel
platziert. Damit können die räumlichen Körper in den verschiedenen Bildebenen (Grundriss,
Aufriss und Kreuzriss) sehr einfach dargestellt und betrachtet werden. So kann man z.B. im Fall
der Verschneidung zweier Körper das Hilfsebenenverfahren und das Kugelverfahren der
Konstruktiven Geometrie sehr anschaulich dreidimensional darstellen und verstehen.
Anschließend erfolgt im 2D-CAD die Umsetzung der räumlichen Körper und ihrer Verschneidung
mit den Projektionsmethoden der Darstellenden Geometrie zu ebenen Ansichten (zugeordnete
Normalrisse).

Die theoretischen Grundlagen zur Darstellenden Geometrie in Kapitel 1 basieren auf


www.pro-norm.de und können über die e-Learning Module: DE-MZ01 Grundlagen der Projektion
und DE-MZ02 Durchdringungen und Abwicklungen nachbereitet und vertieft werden. Die
Übungsbeispiele zur CAD-Geometrie entstanden in Zusammenarbeit und mit freundlicher
Unterstützung durch Herrn Univ.-Prof. Dr. rer. nat. R. Koch vom Zentrum Mathematik TUM,
Lehrstuhl Geometrie 2.

Ziel unserer Bemühungen ist es, bei gleichem oder eventuell geringerem Lernaufwand durch
moderne Lehrmethoden die Effizienz und das Lernziel zu erhöhen.

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Technische Universität München 2 Grundlagen der Projektion

2 Grundlagen der Projektion

Die Darstellende Geometrie umfasst die Gesamtheit aller geometrisch exakt definierten
Verfahren, zweidimensionale Bilder von dreidimensionalen Objekten so zu konstruieren, dass
man aus diesen Bildern bestimmte Informationen über die abgebildeten Objekte zurückgewinnen
kann. Dazu gehören vor allem die Verfahren der zugeordneten Normalrisse (Zwei- und
Dreitafelverfahren), durch die in gewissen Grenzen die eindeutige Rekonstruierbarkeit des
räumlichen Objektes aus dem Bild ermöglicht wird, aber bei Beachtung bestimmter Konventionen
und Beschränkungen auch die Eintafelverfahren (Schrägriss, kotierte Projektion usw.) und in
gewissem Sinne auch die Zentralperspektive.

Die in der Darstellenden Geometrie erkannten Gesetze bilden die Grundlage für das Technische
Zeichnen. Man nennt deshalb oft die Darstellende oder Konstruktive Geometrie die Grammatik
des Technischen Zeichnens.

Mit dem Projektionszeichnen der Darstellenden Geometrie werden 3-dim Körper in der 2-dim
Fläche eines Zeichenblattes abgebildet.

Projektion auf eine Ebene

Weiterhin gestattet das Projektionszeichnen der Darstellenden Geometrie die Darstellung von
wahren Größen wie wahren Längen, Flächen und Winkeln.

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Projektion eines Körpers im Technischen Zeichnen

Es gibt verschiedene Methoden, im Raum liegende Objekte in der Zeichenebene darzustellen.

Verfahren des Projizierens

1. Von einem Projektionszentrum O, [O = oculus (lat.): das Auge] wird zu jedem Punkt P
des abzubildenden räumlichen Objektes ein Projektionsstrahl gezogen.

2. Dieser Projektionsstrahl OP durchstößt eine dahinter oder dazwischen liegende


Bildebene π.

3. Auf der Bildebene π entsteht der Bildpunkt P'. Er ist die Projektion und somit das Bild
von P, auch Riss genannt.

4. Dieser Punkt P' wird auch als Durchstoßpunkt bezeichnet.

Projektion eines Punktes

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Die wichtigsten Projektionsverfahren der Darstellenden Geometrie sind:


• Zentralprojektion (Architektur)
• Parallelprojektion (Technik)
- Schräge Parallelprojektion (Axonometrie)
- Orthogonale Parallelprojektion (z.B. Projektionsmethode 1)

Übersicht Projektionsarten

Beispiel: Schräge Parallelprojektion und Zentralprojektion am Schatten eines Gartenzaunes

Schattenwurf eines Gartenzauns

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Technische Universität München 2 Grundlagen der Projektion

2.1 Zentralprojektion

Bei der Zentralprojektion (Zentralperspektive) laufen alle Projektionsstrahlen durch einen festen
Punkt, das Projektionszentrum O (Oculus). Die Veränderung der Lage der Bildebene oder der
Entfernung des Projektionszentrums führt zu einer veränderten Abbildung des Gegenstandes.
Aus diesem Grund ist die Zentralprojektion für eine eindeutige technische Darstellung
ungeeignet.

Zentralprojektion

2.2 Parallelprojektion
Bei einer Parallelprojektion liegt die Lichtquelle im Unendlichen und die Projektionsstrahlen
verlaufen parallel zueinander.

Man unterscheidet 2 Projektionsmöglichkeiten, die senkrechte und schiefe Parallelprojektion.


Maßgebend ist die Stellung der Projektionsstrahlen zur Bildebene π.

Fallen die Projektionsstrahlen senkrecht (normal) auf die Bildebene π, so erhält man die für
technische Anwendungen besonders wichtige Darstellungsart der Normalprojektion (normal:
griech.= senkrecht). Diese Projektionsart wird auch orthogonale Parallelprojektion oder
senkrechte Parallelprojektion genannt.

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Senkrechte Parallelprojektion

Fallen die Projektionsstrahlen unter einem schiefen Winkel α auf die Projektionsebene handelt es
sich um eine schiefe Parallelprojektion (Schrägriss).

Schiefe Parallelprojektion

Bei der Parallelprojektion spielt der Abstand zwischen Betrachter, Objekt und Bildebene keine
Rolle. Weiterhin ist die Maßhaltigkeit bei der Parallelprojektion gegeben. Aus diesem Grunde
werden Parallelprojektionen für technische Darstellungen verwendet.

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Technische Universität München 2 Grundlagen der Projektion

Wertung der Projektionsverfahren:

Normen zu Technisch Zeichnen- Projektionsmethoden:


DIN ISO 5456- Teil 1: Übersicht
Teil 2: Orthogonale Darstellungen
Teil 3: Axonometrische Darstellungen

2.3 Wiederholungsfragen

1. Welche Projektionsmethoden gibt es und welche charakteristischen Merkmale weisen


sie auf?

2. Bewerten Sie die Projektionsverfahren nach Anschaulichkeit und Maßgerechtigkeit!

3. Bei welchem Projektionsverfahren führt eine Veränderung der Lage der Bildebene zu
einer veränderten Abbildung des Gegenstands?

4. Was unterscheidet die Normalprojektion vom Schrägriss?

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Technische Universität München 3 Tafelprojektionen

3 Tafelprojektionen

Die Bilder der darzustellenden Objekte entstehen auf Bildebenen (Bildtafeln). Zur Abbildung
verwendet man ein, zwei oder mehrere Bildtafeln. Entsprechend unterscheidet man zwischen:

1. Eintafelprojektion

2. Zweitafelprojektion und

3. Mehrtafelprojektion

3.1 Eintafelprojektion

Hierzu gehört die Geländekarte als höhenkotierte Orthogonale Parallelprojektion.

Landkarte als kotierte Projektion

Als kotierte Projektion wird die Projektion auf nur eine Bildebene bezeichnet. Da die Höhe, d.h.
der Abstand eines Punktes von dieser Bildebene nicht aus der Projektion ersichtlich ist, wird sie
als "Kote" (Maßzahl) neben den Bildpunkt geschrieben.

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Darstellungen bei Bauzeichnungen erfolgen ebenfalls mit kotierten Projektionen. Dem Riss
werden hierzu Höhenangaben, z.B. als Winkel, beigefügt.

Auch die Schiefen Parallelprojektionen (Axonometrie) der Dimetrie und Isometrie gehören in den
Bereich der Eintafelprojektion.

3.2 Zweitafelprojektion

Bei der Zweitafelprojektion erfolgt die Darstellung durch die senkrechte Parallelprojektion auf
zwei Bildtafeln.

Die Bildebenen werden als Grundrissebene π1 und Aufrissebene π2 bezeichnet.

Die Schnittgerade der Ebenen π1 und π2 nennt man Rissachse 1x2 ( oder (12)).

Die Verbindungslinie von Grund- und Aufriss eines Punktes heißt Ordnungslinie oder Ordner.

Zweitafelprojektion

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Aufgabe: Bestimmung der Schnittgerade zwischen zwei Ebenen im Raum:

Die Ebenen werden jeweils durch Ihre Spurgeraden ei beschrieben. Eine Spurgerade ist die
Schnittlinie einer Ebene mit einer Rissebene.

Die Ebene e mit den Spurgeraden e1 im Grundriss und e2 im Aufriss soll mit der Ebene ē
dargestellt mit den Spurgeraden ē1 in Grundriss und ē2 im Aufriss geschnitten werden.

Bestimmen Sie in Grund- und Aufriss die gemeinsame Schnittgerade!

S2

e2
e2

x12

e1 e1
S1

3.3 Mehrtafelprojektion

Oft sind zur eindeutigen Darstellung eines Gegenstandes mehr als zwei Projektionsebenen
notwendig. Bei der Mehrtafelprojektion erfolgt die Darstellung durch die senkrechte
Parallelprojektion in der Regel auf drei Bildtafeln (Bildebenen, Projektionsebenen).

Die Ebenen sind rechtwinklig zueinander angeordnet und bilden miteinander eine nach vorn
offene Raumecke.

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Orthogonale Körperabbildung in Mehrtafelprojektion

Die Projektionsebenen heißen Grundrissebene π1, Aufrissebene π2 und Kreuzrissebene π3.

Es sind meistens drei Ansichten erforderlich:


• Draufsicht (1.Projektionsebene) = Grundriss
• Vorderansicht (2.Projektionsebene) = Aufriss
• Seitenansicht (3.Projektionsebene) = Kreuzriss

Prisma in Mehrtafelprojektion

Das Bild (die Projektion, die Ansicht, der Riss) des Punktes P wird im Grundriss als P', im Aufriss
als P'' und im Kreuzriss als P''' gekennzeichnet.

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Zur eindeutigen Wiedergabe eines Gegenstandes sind in der Regel drei von sechs möglichen
Standardansichten ausreichend.

Mehrtafelprojektion Haus

Bei der Dreitafelprojektion kann aus zwei gegebenen Ansichten die dritte Ansicht erzeugt werden
(Ergänzungszeichnen)

Projektion prismatischer Körper 1 Projektion prismatischer Körper 2

Im dargestellten Beispiel eines Prismas ergeben die Projektionslinie aus der Vorderansicht
(Aufriss) und der Draufsicht (Grundriss) die gesuchten Punkte der Seitenansicht (Kreuzriss).

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3.4 Wiederholungsfragen

1. Was ist ein typisches Anwendungsgebiet für die Eintafelprojektion und welche Vor- und
Nachteile besitzt sie?

2. Was versteht man unter einer Kote? Wo findet die kotierte Projektion Anwendung?

3. Was versteht man in der Darstellenden Geometrie unter einem Ordner?

4. Wie werden Grundriss, Aufriss und Kreuzriss nach Projektionsmethode 1 im


Technischen Zeichnen bezeichnet?

5. Wie viele Ansichten kann man durch die Standardklappungen der Vorderansicht
erzeugen?

6. Kennzeichnen Sie in dem nachfolgenden Bild Ordner und Rissachsen!

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3.5 Übungsaufgaben
1. Gegeben ist die Vorderansicht und Draufsicht eines Werkstücks. Zeichnen Sie die
Seitenansicht von links.

2. Zeichnen Sie vom isometrisch dargestellten Werkstück die Vorderansicht, Seitenansicht


von links und Draufsicht im Maßstab 1:1
20

10
10

20
15
10
40

40

50
30
V

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Technische Universität München 4 Wahre Größen

4 Wahre Größen

4.1 Konstruktion wahrer Größen

Wird ein schräg im Raum liegender Körper auf eine Bildtafel projiziert, so sind aus der Projektion
seine wahren Abmessungen nicht ersichtlich.

Projektion einer Strecke

Eine Strecke erscheint im Bild nur in ihrer wahren Länge, wenn sie parallel zur Bildtafel liegt.

Liegt die Strecke parallel zur Grundrissebene, erscheint sie im Grundriss in der wahren Länge.
Das erkennt man an dem zur Projektionsachse 1x2 parallelen Auf- bzw. Kreuzriss.
Liegt die Strecke parallel zur Aufrissebene, erscheint sie im Aufriss in der wahren Länge.
(Grundriss parallel zur Projektionsachse 1x2 und Kreuzriss parallel zur Projektionsachse 2x3)

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Wahre Länge einer Strecke

Liegt die Strecke zu keiner der vorhandenen Bildtafeln parallel, erscheint sie in allen Rissen
verzerrt. Die Darstellende Geometrie stellt jedoch zwei zeichnerische Möglichkeiten zur
Verfügung die wahre Länge der Strecke zu ermitteln:
1. Wahre Länge durch Klappen
2. Wahre Länge durch Drehen

Beispiel: Wahre Länge einer Strecke durch Klappen:

Wahre Länge durch Klappen

Das Projektionstrapez A'B'BA wird um die Bildstrecke A'B' in die Zeichenebene π umgeklappt. A'
und B' bleiben dabei in Ruhe, während A bzw. B sich auf Kreisen um A' bzw. B' mit den Radien
A'A bzw. B'B bewegen.

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Technische Universität München 4 Wahre Größen

Beispiel: Wahre Länge einer Strecke durch Drehen:

Wahre Länge durch Drehen

Die Konstruktionsmethode zur Ermittlung der wahren Länge durch Drehen nennt man auch, nach
dem Mathematiker Gaspar Monge (1746 - 1818): Monge´sche Drehkonstruktion

Die wahre Länge einer Projektion kann in jeder Ansicht konstruiert werden. Das dargestellte
Beispiel beschreibt die Konstruktion zur Ermittlung der wahren Länge der Strecke AB mit Hilfe
der Monge´sche Drehkonstruktion in der Vorderansicht (Aufriss).

Auch eine Fläche bzw. ebene Figur bildet sich nur dort in ihrer wahren Größe ab, wo sie parallel
zur Bildtafel liegt.

In der Abbildung "Wahre Größe einer Fläche" liegt die Fläche ABCD parallel zur 1. und senkrecht
zur 2. und 3. Projektionsebene. Die Fläche erscheint daher in der Draufsicht in ihrer wahre
Größe. Liegt die Fläche zu keiner Bildtafel parallel, so muss Ihre wahre Größe ermittelt werden,
z.B. mit Hilfe der Monge´sche Drehkonstruktion.

Wahre Größe einer Fläche Wahre Größe einer Fläche ABC

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Technische Universität München 4 Wahre Größen

Über die Monge´sche Drehkonstruktion lassen sich auch die wahren Winkel zwischen sich
schneidenden Raumgeraden bestimmen.

4.2 Wiederholungsfragen

1. Welche Möglichkeiten stellt die Darstellende Geometrie zur Verfügung um die Wahre
Abmessung einer Geometrie zu bestimmen?

2. Wann erscheint eine Strecke im Bild in wahrer Länge?

3. Beschreiben Sie die Monge´sche Drehkonstruktion!

4.3 Übungsaufgaben
1. Konstruieren Sie die wahre Länge der Strecke AB im Kreuzriss mit Hilfe der
Monge´schen Drehkonstruktion!

(23)
B‘‘ B‘‘‘

A‘‘ A‘‘‘

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2. Konstruieren Sie die wahre Länge der Strecke AB im Grundriss durch Umklappen!

B‘‘

A‘‘
(12)

A‘

B‘

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Technische Universität München 4 Wahre Größen

3. Konstruieren Sie
a) die wahre Länge der Strecke AB im Grundriss!
b) die wahre Gestalt ΔA0B0C0 des Dreiecks ΔABC im Grundriss!

B‘‘

A‘‘ C‘‘
(12)

C‘

A‘

B‘

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Technische Universität München 5 Durchdringungen

5 Durchdringungen

Überall in der Technik wo Körper ineinander übergehen entstehen Durchdringungen. Im


Kontaktbereich entsteht die Durchdringungskurve, die beiden Körpern gemeinsam ist. Die
Durchdringungskurve stellt praktisch den Übergang von einem zum anderen Körper dar und wird
auch Verschneidungskurve genannt.

Beispiel: Zylindrischer Einlaufkanal in einen Kugelbrennraum oder Kegeliger


Strömungskanal (Diffusor) mit einem zylindrischen Querzulauf usw.

Bei einer Durchdringung ebenflächiger Körper (Prisma, Pyramide) ergibt sich eine gerade
Durchdringungslinie.

Beispiel: Pyramide mit Ebene geschnitten

Normalschnitt einer Pyramide

Die Bestimmung der Schnittfläche kann hier einfach über die Dreitafelprojektion erfolgen.

Anders verhält es sich bei einfachen Drehkörpern (Zylinder, Kegel, Kugel) und bei kombinierten
Rotationskörpern. Hier fehlen Eckpunkte oder Kanten, die man sofort projizieren könnte. Für die
Konstruktion der Projektion der Verschneidungskurve auf die Rissebenen eignen sich Verfahren
bei denen ein weiteres Hilfsmittel zum Einsatz kommt:
Ebene  Hilfsebenenverfahren
Kugel  Hilfskugelverfahren
Gerade  Mantellinienverfahren

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Technische Universität München 5 Durchdringungen

5.1 Hilfsebenenverfahren

Hier wird eine Ebene (Hilfsebene) so durch die beiden Verschnittkörper gelegt, so dass beide
Körper geschnitten werden. Die Hilfsebene wird dabei so orientiert, dass die jeweilige
Schnittkurve zwischen Hilfsebene und Körper eine einfache Kurve ergibt (z.B. Kreis, Gerade,
Rechteck) d.h. die Anordnung der Hilfsebene erfolgt so, dass sie die Körperachse eines der
Schnittkörper enthält, parallel dazu verläuft oder auf ihr senkrecht steht.

Beispiel: Hilfsebenenverfahren bei der Verschneidung Zylinder mit Kegel

• In der Seitenansicht liegen alle Durchstoßpunkte auf der Projektion des Zylinders

• Hilfsebene wird parallel zur Zylinderachse und senkrecht zur Kegelachse in der
Vorderansicht gelegt

• Die Hilfsebene schneidet in der Draufsicht eine Rechteckfläche aus dem Zylinder (erster
Geometrischer Ort) und einen Kreis (zweiter Geometrischer Ort) aus dem Kegel.

• Die gemeinsamen Punkte (P1 bis P4) beider Schnittkurven (Geometrische Orte) sind
Punkte der Verschneidungskurve beider Körper.

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Aufgabe: Gegeben ist ein Zylinder und ein Kegel. Konstruieren Sie in Grund- und Aufriss
die Schnittkurve mittels Hilfsebenenverfahren.

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Technische Universität München 5 Durchdringungen

5.2 Hilfskugelverfahren

Das Hilfskugelverfahren kann angewendet werden, wenn sich die Achsen von zwei
Rotationskörpern schneiden. Die Hilfskugel, deren Mittelpunkt im Achsenschnittpunkt der zu
verschneidenden Körper angeordnet ist, schneidet jeweils Kreise aus. Die Schnittpunkte dieser
Hilfskreise sind Punkte der gesuchten Verschneidungskurve. In einer geeignet gewählten
orthogonalen Projektion (im untenstehenden Beispiel der Aufriss) erscheinen diese Hilfskreise als
Strecken. Der Schnittpunkt dieser Strecken ist ein Bild eines symmetrisch zur Bildebene
liegenden Punktpaares der räumlichen Durchdringungskurve.

Beispiel: Kegel verschnitten mit Zylinder

Eine Hilfskugel um den Schnittpunkt S beider Rotationsachsen wird einbeschrieben. Die


Hilfskugel stellt sich in allen Projektionsebenen als Kreis dar,

• die Hilfskugel bzw. der Kreis schneidet den Zylinder in den Punkten Z1 und Z2 , den
Kegel in den Punkten K1 und K2,

• der Schnittpunkt der Strecken Z1Z2 und K1K2 ergibt dann einen Punkt P der
Durchdringungskurve,

• weitere Punkte der Durchdringungskurve ergeben sich analog durch Änderung des
Hilfskugelradius

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Beispiel: Zwei sich schneidende Zylinder mit unterschiedlichen Durchmessern

Durchdringung mittels Hilfskugeln

Ausführung: Im Schnittpunkt der beiden Zylinderachsen ist der Mittelpunkt M der Kugel.
Zeichnet man die Kugel I, so schneidet diese aus dem Zylinder 1 die Strecke des
Parallelkreises k1 und aus dem Zylinder 2, k2. Der Schnittpunkt D von k1 mit k2 ist
ein Punkt der Durchdringungskurve.

Vorteil des Hilfskugelverfahrens:


Die Durchdringung kann in nur einer Projektionsebene konstruiert werden! Eine weitere
Projektionsebene wird in der Regel nicht benötigt.

Aufgabe: Gegeben ist ein Zylinder und ein Kegel, deren Achsen sich schneiden.
Konstruieren Sie in Grund- und Aufriss die Schnittkurve mittels
Hilfskugelverfahren.
Beachten Sie hierbei besonders die Extrempunkte.

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5.3 Mantellinienverfahren

Das Prinzip des Mantellinienverfahrens beruht darauf, dass die Mantelflächen der Körper mit
einer Anzahl gleichmäßig verteilter Mantellinien versehen werden, die dann wie Kanten behandelt
werden können.

Dementsprechend können die Schnittpunkte von Mantellinen, die Mantellinie selbst oder der
Durchstoßpunkt der Mantellinie mit der Rissebene (Spurpunkt) projiziert werden, um zum Bild der
Verschneidungskurve zu gelangen.
Beispiel: Mantellinienverfahren zur Verschneidung von Kegel mit Zylinder

• Errichten einer Mantellinie SA II , die dann wie eine Kante behandelt werden kann.

• In der Seitenansicht schneidet die Mantellinie SA III den Zylinder in Punkt B III. Dieser
Punkt stellt somit einen Kurvenpunkt der Schnittfläche dar.

• Durch Projektion des Punktes B III in Drauf- und Vorderansicht erhält man dann die
Punkte B I und B II.

• Weitere Punkte der Durchdringungskurve erhält man analog durch Einführen weiterer
Mantellinien.

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Beispiel: Zylinderdurchdringung

Zylinderdurchdringung mit Hilfe des Mantellinienverfahrens

5.4 Anwendungen zur Durchdringung


1. Zwei Zylinder, deren Achsen sich rechtwinklig schneiden

Durchdringung zweier Zylinder - Räumliche Darstellung

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Bestimmung der Grenzpunkte:

Durchdringung zweier Zylinder im rechten Winkel

Anwendung des Hilfsebenenverfahrens:

Waagrechter Schnitt

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Durchdringungskurve:

Erstellung der Durchdringungskurve

Sonderfall: Beide Zylinder haben den gleichen Durchmesser

Durchdringung zweier Zylinder mit gleichem Durchmesser

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2. Rohrkrümmer (Torus) mit Zulauf (Zylinder)

Durchdringung zylindrischer Ring (Torus) /Zylinder

Bestimmung der Grenzpunkte:

Zylindrischer Ring (Torus) /Zylinder – Projektion der Punkte1, 2 und 3

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Anwendung des Hilfsebenenverfahrens:

zylindrischer Ring (Torus) /Zylinder – Projektion der Punkte 4 und 5

Durchdringungskurve:

zylindrischer Ring (Torus) /Zylinder – Durchdringungskurve

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3. Kugelbrennraum (Kugel) mit Zulauf (Zylinder)

Durchdringung Kugel / Zylinder – räumliche Darstellung

Bestimmung der Grenzpunkte:

Durchdringung Kugel Zylinder - Projektion der Punkte 1 und 2

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Anwendung des Hilfsebenenverfahrens:

Durchdringung Kugel Zylinder - Projektion der Punkte 3 und 4

Durchdringungskurve:

Durchdringung Kugel Zylinder – Durchdringungskurven

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5.5 Wiederholungsfragen

1. Welche Verfahren werden verwendet, um die Verschneidungskurve (Durchdringung)


zwischen zwei Rotationskörpern zu bestimmen?

2. Welches Verfahren gestattet die Konstruktion der Verschneidungskurve in einem


einzigen Riss durchzuführen? Welche Bedingung müssen hierzu die Rotationskörper
erfüllen?

3. Was versteht man unter den Grenzpunkten einer Durchdringung?

5.6 Übungsaufgaben

1. Gegeben sind ein Zylinder und eine Kugel.


Konstruieren Sie in Grund- und Aufriss die Schnittkurve!

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2. Gegeben ist ein Kegel und eine Kugel.


Konstruieren Sie in Grund- und Aufriss die Schnittkurve.

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Technische Universität München 6 Abwicklung

6 Abwicklung

6.1 Abwicklung von Körpern

Viele Bauteile in der Technik wie Gehäuse, Halterungen, Kanal- und Rohrstücke, Abzweigstücke,
Verkleidungen, usw. werden aus ebenen Blechstücken durch Abkanten oder Rundbiegen
gewonnen. Diese ebenen Blechstücke stellen die Abwicklungen dieser räumlichen Biegeteile dar.

Die zeichnerische Darstellung der gesamten Oberfläche eines Körpers wird als Abwicklung
bezeichnet.

Sie besteht aus den zusammenhängenden, in die Ebene auseinandergeklappten


Begrenzungsflächen eines Körpers. Bei regelmäßigen Körpern wickelt man die Mantelfläche in
einer Richtung ab und hängt daran die Grundfläche und die Deckfläche. Voraussetzung für eine
genaue Abwicklung ist, dass die Oberfläche der Körper eben ist, z.B. Prisma, Pyramide, oder
aber in einer Richtung gekrümmt ist, z.B. Zylinder und Kegel. Bei Körpern mit allseitig
gekrümmter Oberfläche, z.B. Kugel, kann die Oberfläche nur in erster Näherung abgewickelt
werden. Die Maße für die Abwicklung werden aus der Zeichnung des Körpers entnommen, und
zwar aus den Ansichten, in denen sie in der wahren Größe erscheinen oder konstruiert werden
können.

Beispiel: Abwicklung schräg geschnittener Zylinder

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Die Abwicklung eines schräg geschnittenen Zylinders wird mit Hilfe des Mantellinienverfahrens
konstruiert. Zuerst unterteilt man den Zylindermantel in der Draufsicht in 12 gleiche Teile. Die
Teilungspunkte erhalten fortlaufende Ziffern und werden anschließend als Mantellinien in die
Vorderansicht übertragen. Danach wird die Gesamtbreite der Mantelabwicklung aufgezeichnet
und ebenfalls in 12 gleiche Teile unterteilt. Die Schnittkurve der Mantelabwicklung erhält man
durch Verbinden der Schnittpunkte der waagerechten Projektionslinien aus der Vorderansicht
und der senkrechten Mantellinien des abgewickelten Zylinderumfangs.

Beispiel: Abwicklung Pyramidenstumpf

Bei der Konstruktion für die Abwicklung eines Pyramidenstumpfes, geht man von der ganzen
Pyramide aus. Die Abwicklung besteht aus der Mantelfläche (4 gleichschenklige, trapezförmige
Seitenflächen) sowie aus quadratischer Grund- und Deckfläche.

In der Beispielzeichnung ist die Konstruktion der wahren Länge der Pyramidenkanten aus der
Draufsicht und der Vorderansicht dargestellt.

Die Abwicklung ist eine längen-, winkel- und flächentreue Abbildung!

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Technische Universität München 6 Abwicklung

6.2 Wiederholungsfragen

1. Wozu werden Abwicklungen von Bauteilen benötigt?

2. Was ist eine Abwicklung?

3. Welchen Treuegehalt hat die Abwicklung als geometrische Abbildung?

6.3 Übungsaufgabe

1. Konstruieren Sie im vorgegebenen Drehkegel mit Hyperbelschnitt im Kreuzriss die


erzeugte Schnittfläche. Wickeln Sie anschließend den Kegelstumpf über der gegebenen
Grundfläche (siehe Folgeseite) ab.

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Technische Universität München 7 Verschraubung

7 Verschraubung

7.1 Konstruktion von Verschraubungen

Eine Verschraubung entsteht durch Zusammensetzung einer Drehung φ um eine Achse


(Schraubachse a) und einer dazu proportionalen Schiebung (Vorschub w) längs dieser Achse.

Entstehung einer Verschraubung

Bei einer Umdrehung (2π) auf dem Grundkreis gewinnt der Punkt eine Höhe h, genannt die
Ganghöhe.

Zur Konstruktion einer Schraublinie teile man den Kreisumfang in gleiche Bogensegmente und
die Ganghöhe in die gleiche Anzahl von Abschnitten und zeichne die Mantellinien ein. Die
Schnittpunkte gleich benannter waagrechter und senkrechter Mantellinien ergeben die Punkte
der Schraublinie.

Beispiel: Schraublinie

Die Abwicklung der Schraublinie ergibt ein rechtwinkliges Dreieck.

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Technische Universität München 7 Verschraubung

Eine Schraubfläche entsteht, wenn die Strecke (AB), deren Verlängerung durch die
Schraubachse geht, um die Schraubachse gedreht und gleichzeitig mit Vorschub längs dieser
Achse verschoben wird.

Beispiel: Schraubfläche

Zur Darstellung der Schraubfläche in der Vorderansicht sind die Schraublinien der Punkte A und
B zu zeichnen.

7.2 Wiederholungsfragen

1. Wie entsteht eine Schraublinie?

2. Wie wird eine Schraublinie konstruiert?

3. Welche geometrische Form ergibt die Abwicklung einer Schraublinie?

7.3 Übungsaufgabe

1. Von einer Schraublinie ist folgendes bekannt:


• Achse a
• Radius r = 30 mm
• Ganghöhe h = 108 mm
• Ausgangslage P0
• Rechtsschraubung

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Technische Universität München 7 Verschraubung

Konstruieren Sie in beiden Rissen


1. die Lagen der Punkte Pi (i = 1, 2,…, 12), die aus P0 durch Drehung um jeweils
i · 30° und Vorschub um jeweils i · (h/12) hervorgehen,

2. die Tangente t5 der Schraublinie in P5, (Hinweis: Erklärung auf Seite 72)

3. die Schraublinie S.
a‘‘

P0‘‘
(12)

a‘

P0‘

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Technische Universität München CAD-Übung zu CAD-Geometrie

CAD-Übung zu CAD-Geometrie

Symbolerklärung:

Einführung

Tipps, Konstruktive Hinweise

Warnung vor möglichen Fehlerquellen

Dokument öffnen

Textdarstellung im Skript:

Icon und Iconname: Sketcher


Parameter, der zu aktivieren ist: fett
Parameter, der zu belegen ist: fett: fett kursiv

CAD-Übung
Objekte <…>

Speichern Sie nach dem Anmelden alle Angaben auf Ihrem eigenen Laufwerk
ab. Die Angabenordner befinden sich auf folgendem Laufwerk:

CATIA-MZ_SoSe auf „cipserver.cipfml.mw.tum.de\Vorlagen_Praktika“ (X:)

Speichern Sie im weiteren Verlauf der Übung alle von Ihnen erstellten Teile auf
Ihrem Laufwerk unter dem entsprechenden Ordner (<Ebene-Gerade>,
<Drehkegel-Kugel>, usw.) ab.

Zur besseren Übersicht ist es sinnvoll, den einzelnen Parts im Strukturbaum die
jeweiligen Namen (Gerade, Ebene…) über Eigenschaften zuzuweisen.

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Technische Universität München Aufgabe 1: Verschneidung Ebene – Gerade

Aufgabe 1: Verschneidung Ebene – Gerade

In dieser Übung wird durch 2 Punkte eine Gerade und durch 3 Punkte eine Ebene erzeugt.
Diese werden miteinander geschnitten und in Grundriss, Aufriss und Kreuzriss projiziert.
Anschließend sollen durch Betrachtung von Ebene und Gerade aus verschiedenen
Ansichten die Lage der Körper sowie die Eigenschaften der Projektion verdeutlicht
werden. Abschließend wird die wahre Länge der Strecke zwischen den 2 Punkten und der
Durchstoßpunkt von Gerade und Ebene konstruiert.

1.1 Erzeugung der Geraden

Sichern Sie alle Dateien im Ordner „Ebene-Gerade“ ab.

Laden Sie die Datei <Ebene-Gerade>.

Definieren Sie im Wireframe and Surface Design die zwei folgenden Punkte:

 100   10 
   
CAD-Übung

D =  80  E =  10 
 30   70 
   
Verbinden Sie die beiden Punkte mit dem Befehl Linie. Wählen Sie hierzu die
Linienart Punkt-Punkt. Weisen Sie der Linie über „Eigenschaften“ die
Linienbreite 4 und die Farbe Hellgrün zu.

1.2 Konstruktionsübung: Wahre Länge

Laden Sie die Datei <Angabe_WahreLaenge>.

Konstruieren Sie die wahre Länge der Strecke auf der Geraden g im Grundriss durch Umklappen
und im Kreuzriss durch Drehen.
Benennen Sie alle Punkte und Strecken mit den entsprechenden Buchstaben.

Verwenden Sie zur Konstruktion die im Menü Geometrieerzeugung enthaltenen Befehle

Punkte, Linien, Kreis. Zum Kürzen benutzen Sie Schnelles Trimmen.

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Technische Universität München Aufgabe 1: Verschneidung Ebene – Gerade

Da die Strecke DE auf der Geraden g zu allen 3 Projektionsebenen schräg


(geneigt) liegt, erscheinen alle 3 Projektionen verkürzt.

Konstruktion der wahren Länge der Strecke DE durch Umklappen:


Die wahre Länge wird durch Umklappen des Stützdreiecks ΔD'E'D1 in den
Grundriss ermittelt. Dies geschieht durch Abgreifen der Dreiecksseite d aus
dem Aufriss oder Kreuzriss, die an die Projektion D'E' rechtwinklig angetragen
wird. Die Verbindung der Endpunkte E'D1 ergibt die wahre Länge der im Raum

liegenden Strecke DE .

z
Rissachse (23)

D''
D'''

d d

E'' E'''
x y
E'
Rissachse (12)

WL

D'

CAD-Übung
d y
D1 Rissachse (13)

Konstruktion der wahren Länge durch Drehen:


Die wahre Länge der Projektion D'''E''' im Kreuzriss entsteht, wenn man die
Projektion D''E'' im Aufriss soweit um den festen Punkt D'' dreht, dass D''E2''

parallel zur Rissachse (23) zu liegen kommt. Die Strecke DE wurde nun also in
die zur Kreuzrissebene parallele Strecke DE 2 gedreht, so dass die gesuchte

wahre Länge als DE = D' ' ' E 2 ' ' ' im Kreuzriss erscheint.

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Technische Universität München Aufgabe 1: Verschneidung Ebene – Gerade

1.3 Erzeugung der Ebene

Wechseln Sie wieder zur Datei <Ebene-Gerade> und erzeugen Sie mit dem Befehl Punkt
folgende 3 Punkte:

120   60   10 
     
A =  50  B =  10  C =  80 
 10   90   20 
     

Mit dem Befehl Linie verbinden Sie nun die Punkte zu einem Dreieck. Wählen Sie hierzu die
Linienart Punkt-Punkt.

Mit dem Befehl Füllen können Sie nun die


Fläche des entstandenen Dreiecks auffüllen.

Anschließend weisen Sie der Fläche noch das


CAD-Übung

Material Rauchglas zu.

1.4 Verschneidung / Projektion

Verschneiden Sie nun die Ebene mit der


Geraden. Hierzu verwenden Sie den Befehl

Verschneidung und wählen als


Elemente die <Gerade> und die <Ebene>.

Weisen Sie dem nun entstandenen


Durchstoßpunkt über „Eigenschaften“ die
Farbe Rot und das Symbol ● zu.

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Technische Universität München Aufgabe 1: Verschneidung Ebene – Gerade

Erstellen Sie nun die Projektionen von


<Ebene> und <Gerade> auf die 3 Risse.

Benutzen Sie dazu den Befehl Projektion,


wählen immer den Projektionstyp „Senkrecht“
und projizieren Sie <Ebene>, <Gerade> und
<Durchstoßpunkt> in Grundriss, Aufriss und
Kreuzriss. Wählen Sie als Stützelmente die
jeweiligen Ebenen der <ProjektionsebenenEG>
an. Um die <Ebene> zu projizieren, wählen Sie
die Dreiecksseiten einzeln an.

Weisen Sie zur besseren Übersicht den Projektionen der Geraden die Farbe Grün und den
Projektionen des Durchstosspunkts die Farbe Rot und das Symbol ● zu.

Ihr Produkt sollte nun folgendermaßen aussehen:

CAD-Übung

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Technische Universität München Aufgabe 1: Verschneidung Ebene – Gerade

1.5 Interpretation

Betrachten Sie die Verschneidungskörper und die jeweiligen Projektionen, indem Sie mit dem

Befehl Ansicht zwischen den verschiedenen Ansichten wechseln. Drehen Sie das <Produkt>
auch frei im Raum. Verdeutlichen Sie sich die Lage der Körper zueinander im Raum und auf den
Projektionsebenen, sowie die Eigenschaften der orthogonalen Parallelprojektion (Veränderung
der Längen, Verzerrung der Körper…)

1.6 Darstellung der Konstruktion des Durchstoßpunktes

Blenden Sie die <Durchstoßebene> ein (Geometrisches Set  Durchstoßebene 


Verdecken/Anzeigen) und verschneiden Sie die <Ebene> mit der <Durchstoßebene>. Zur
besseren Übersicht weisen Sie der nun entstandenen Schnittgeraden die Linienbreite 2 und
Farbe Blau zu. Projizieren Sie anschließend die Schnittlinie auf die Projektionsebenen und
färben Sie diese blau.

Betrachten Sie das Ergebnis wieder in den unterschiedlichen Ansichten und erschließen Sie sich
selbstständig die Konstruktion des Durchstoßpunktes!
CAD-Übung

1.7 Konstruktionsübung: Durchstoßpunkt

Laden Sie die Datei <Angabe_Durchstosspunkt>.

Konstruieren Sie den Durchstoßpunkt der Geraden mit der Ebene im Aufriss und übertragen Sie
ihn zur Kontrolle jeweils sowohl in den Aufriss als auch im Kreuzriss.

Konstruktion des Durchstoßpunktes


In Grundriss, Aufriss und Kreuzriss sind eine Dreiecksfläche ΔABC (in
allgemeiner Lage) und eine Gerade g gegeben. Durch die Gerade g legt man
eine Hilfsebene, die auf der Projektionsebene einer Ansicht, z.B. der
Grundrissebene, senkrecht steht. Im Grundriss erscheint dann die Hilfsebene
als Gerade und fällt mit der Geraden g' zusammen. Der Schnittpunkt der
Geraden g' mit der im Aufriss eingezeichneten Schnittgeraden d (Deckgerade)

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Technische Universität München Aufgabe 1: Verschneidung Ebene – Gerade

von Hilfsebene und Dreiecksebene ist der Durchstoßpunkt D'' im Aufriss.


Der Durchstoßpunkt D' im Grundriss wird als Schnittpunkt des Ordners durch
D'' mit g' erhalten. Ebenso kann D''' im Kreuzriss aus D'' konstruiert werden
bzw. aus D' durch Umprojektion in den Kreuzriss.
Beschriften Sie zunächst die Punkte und Geraden bevor Sie mit der
Konstruktion beginnen!

g'' C'' C''' g'''


z

D'' D'''
d''

B''
B'''
A'' A'''
x C' y
g'=d'

CAD-Übung
D'
A'

B'

Bevor Sie mit der nächsten Übung beginnen, wenden Sie sich zur Bestätigung Ihrer
Leistung an einen Betreuer.

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Technische Universität München Aufgabe 2: Verschneidung Kugel – Drehkegel

Aufgabe 2: Verschneidung Kugel – Drehkegel

In dieser Übung werden eine Kugel und ein Drehkegel erzeugt, miteinander verschnitten
und in Grundriss und Aufriss dargestellt. Durch Betrachtung der Lage von Kugel und
Drehkegel in verschiedenen Ansichten soll die Form der Schnittkurve sowie das Prinzip
von Hilfsebenen- und Hilfskugelverfahren verdeutlicht werden. Anschließend soll durch
die so gewonnenen Erkenntnisse die Schnittkurve mit 3 verschiedenen Methoden
konstruiert werden: Punktkonstruktion mittels Hilfsebenen bzw. Hilfskugeln,
Tangentenkonstruktion mittels Normalenverfahren.

2.1 Erzeugung der Kugel

Sichern Sie alle Dateien im Ordner „Kugel-Drehkegel“ ab.

Laden Sie die Datei <Kugel-Drehkegel>.


CAD-Übung

Erzeugen Sie im Wireframe and Surface Design mit Hilfe des Befehls Punkt den
Kugelmittelpunkt mit folgenden Koordinaten:

0
 
M =  30 
0
 

Erzeugen Sie die Oberfläche der Kugel mit

Radius 50mm mit dem Befehl Kugel.

Weisen Sie der Oberfläche der <Kugel> noch


das Material Stahl zu und sichern Sie es.

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Technische Universität München Aufgabe 2: Verschneidung Kugel – Drehkegel

2.2 Erzeugung des Drehkegels

Erzeugen Sie nach der folgenden Skizze eine Mantellinie des Drehkegels:

Achten Sie auf die richtige Lage des Profils in der yz-Ebene.
Beachten Sie, dass bei dieser Konstruktion ein offener Kegel erzeugt werden
soll. Dazu muss lediglich die Mantellinie des Kegels gezeichnet werden.

60

60

CAD-Übung
100
H

20

Erzeugen Sie mit Hilfe des Befehls Drehen


die Hüllfläche des Drehkegels

Weisen Sie dem <Drehkegel> das Material


Kupfer zu.

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Technische Universität München Aufgabe 2: Verschneidung Kugel – Drehkegel

2.3 Verschneidung von Kugel und Drehkegel

Verschneiden Sie <Kugel> und <Drehkegel> im Wireframe and Surface Design und weisen Sie
der Schnittkurve die Linienbreite 2 und Farbe Rot zu. Projizieren Sie nun die Kurve in Grundriss
und Aufriss. Färben Sie auch diese Projektionen Rot ein.

Ihr Produkt sollte nun folgendermaßen aussehen:


CAD-Übung

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Technische Universität München Aufgabe 2: Verschneidung Kugel – Drehkegel

2.4 Interpretation

Betrachten Sie die Verschneidungskörper und die jeweiligen Projektionen, indem Sie mit dem

Befehl Ansicht zwischen den verschiedenen Ansichten wechseln. Drehen Sie das Part auch
frei im Raum. Verdeutlichen Sie sich die Lage der Körper zueinander im Raum und auf den
Projektionsebenen, sowie den Verlauf der Schnittkurve in 3D und auf den Projektionsebenen.

2.5 Prinzip des Hilfsebenenverfahrens

Öffnen Sie ein neues Assembly Design und fügen Sie die Datei „Kugel-Drehkegel“ ein. Wählen

Sie im Pulldown Menü Analyse den Befehl Schnitte aus. Verschieben Sie die Schnittebene
entlang der Normalen und betrachten Sie gleichzeitig den Schnittverlauf in allen Ansichten.
Wiederholen Sie diesen Vorgang für alle Normalenbedingungen x, y und z. Beachten Sie hierzu
auch das Fenster „Voranzeige“ in dem Sie den Verlauf der Schnittkurven und deren
Schnittpunkte sehen können. Leiten Sie sich hieraus die Funktionsweise des
Hilfsebenenverfahrens ab.

CAD-Übung

2.6 Konstruktionsübung: Hilfsebenenverfahren

Laden Sie die Datei <Angabe_Kugel-Drehkegel>.

Konstruieren Sie mit dem Hilfsebenenverfahren mehrere Schnittpunkte im Grundriss und Aufriss
(verwenden Sie vier bis fünf Hilfsebenen) und erzeugen Sie dadurch die Schnittkurve c!

Um die Schnittkurve c aus den konstruierten Punkten zu erzeugen, benutzen Sie den Befehl
Spline.

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Technische Universität München Aufgabe 2: Verschneidung Kugel – Drehkegel

Hilfsebenenverfahren
1. Die Randfläche des Kegels (Kegelkörper) sei mit Φ, die Randfläche der
(Voll-) Kugel mit Σ (Kugeloberfläche, Sphäre) bezeichnet.
2. Es werden Hilfsebenen ε parallel zur Grundrissebene π1 gelegt.
3. Diese schneiden den Kegel und die Kugel in Kreisflächen. Die Randkurven
dieser Kreisflächen sind zwei Kreislinien kΦ und kΣ.
4. Sie schneiden sich in zwei Punkten P1 und P2, welche Teil der Schnittkurve
c zwischen Kugeloberfläche Σ und Kegelmantelfläche Φ sind (c := Φ ∩ Σ).
(Damit sind die beiden Kreislinien kΦ und kΣ geometrische Ortslinien für die
Bestimmung der Punkte der Schnittkurve c.)
5. In der Grundrissebene π1 erscheinen die Kreislinien kФ und kΣ unverzerrt als
Kreise, da die Hilfsebene parallel zur Grundrissebene ist (ε || π1). Die
Schnittpunkte der in den Grundriss projizierten Kreislinien kФ und kΣ sind
damit die Projektionen der Verschneidungspunkte P1 und P2 im Grundriss
(P1‘ und P2‘).
6. Damit kann punktweise die Projektion c' der Verschneidungskurve c im
Grundriss konstruiert werden.
7. Aus dem Grundriss werden diese Punkte in den Aufriss übertragen. Die
CAD-Übung

Punkte P1‘‘ und P2‘‘ liegen dabei auf der Geraden ε'' (Aufriss der Hilfsebene
ε).

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2.7 Prinzip des Hilfskugelverfahrens

Kugel-Kegel Öffnen Sie wieder die Datei <Kugel-Drehkegel> und blenden

xy-Ebene Sie die <Hilfskugel> ein (Geometrisches Set  Hilfskugel 

yz-Ebene Verdecken/Anzeigen). Betrachten Sie die Schnitte der

zx-Ebene Hilfskugel mit der Kugel und dem Drehkegel. Verwenden Sie

Hauptkörper hierzu die Ansichten „Isometrie“ und „Vorderansicht“ im Befehl

GeometrischesSet.1 Ansicht. Ändern Sie nun den Radius in der Skizze der
Projektionsebenen Hilfskugel, diese finden Sie im Strukturbaum unter Hilfskugel
Hilfskugel  Hilfskugel  Hauptkörper  Welle  Skizze. Betrachten
Punkt.21 Sie erneut die Schnittverläufe in der 3D Ansicht. Wiederholen
Kugel.2 Sie diesen Vorgang mehrmals.

Leiten Sie sich aus Ihren Beobachtungen die Funktionsweise des Hilfskugelverfahrens ab.
Anschließend blenden Sie die Hilfskugel im Strukturbaum wieder aus.

2.8 Konstruktionsübung: Hilfskugelverfahren

CAD-Übung
Laden Sie die Datei <Angabe_Kugel-Drehkegel>.

Konstruieren Sie mit dem Hilfskugelverfahren mehrere Schnittpunkte (verwenden Sie vier bis fünf
Hilfskugeln) und erzeugen Sie dadurch die Projektionen der Schnittkurve c in Grundriss (c‘) und
Aufriss (c‘‘)!

Um die Schnittkurve c aus den konstruierten Punkten zu erzeugen, benutzen Sie den Befehl

Spline.

Hilfskugelverfahren
1. Die Mittelpunkte der Hilfskugeln (ca. 4-5) sind (am einfachsten) auf den
Schnittpunkt der Kegelachse mit der waagrechten Kugelachse zu legen.
2. Jede dieser Hilfskugeln schneidet, bei geeigneter Wahl ihres Radius, den
Kugelkörper in einer Kreisfläche mit dem Randkreis kΣ und den Kegelkörper
in einer oder zwei Kreisflächen mit den Randkreisen (Kreislinien) kФ,i
(geometrische Ortslinien).

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3. Im Aufriss erscheinen diese (Rand-)Kreise als eine vertikale Strecke kΣ‘‘


bzw. als horizontale Strecken kФ,i‘‘.
4. Die Schnittpunkte dieser Strecken kΣ‘‘ ∩ kФ‘‘ bilden die Punkte der Kurve c‘‘.
5. Aus dem Aufriss werden diese Punkte durch Projektion der Kreise kΣ und kФ,i
in den Grundriss übertragen. kΣ‘ erscheint dabei weiterhin als Strecke, die
Kreise kФ,i‘ unverzerrt als Kreise.
CAD-Übung

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Technische Universität München Aufgabe 2: Verschneidung Kugel – Drehkegel

2.9 Tangentenkonstruktion an einem Punkt

Wechseln Sie wieder zur Datei <Kugel-Drehkegel> und erzeugen mit dem Befehl Punkt den
<Punkt>

 27,926 
 
P =  19,040  ,
 40 
 

der auf der Schnittkurve liegt. Weisen Sie dem <Punkt> die Eigenschaften: Farbe Grün und das
Symbol ● zu.

Erzeugen Sie nun mit Linie zwei Geraden mit der Linienart Senkrecht zur Fläche. Hierzu
verwenden Sie als Fläche einmal die Oberfläche der <Kugel> mit 2. Begrenzungselement
Punkt.1 und einmal die Oberfläche des <Drehkegels> mit 2. Begrenzungselement Drehachse
sowie jeweils als Punkt den gerade erzeugten <Punkt>. Färben Sie diese <Normalen> blau.

Erzeugen Sie eine weitere Linie die den Mittelpunkt der <Kugel> mit dem Schnittpunkt der

CAD-Übung
<Drehachse> mit der <Normalen auf den Drehkegel> verbindet. Färben Sie auch diese <Linie>
blau.

Mit dem Befehl Füllen definieren Sie nun die <Normalenebene> aus den gerade erzeugten
drei Linien.

Erzeugen Sie anschließend die Tangente an der


Schnittkurve c in Punkt P, indem Sie eine Gerade, mit
Linienart Senkrecht zur Fläche, generieren. Als Fläche
wählen Sie die gerade erzeugte <Normalenebene>, als
Punkt den <Punkt>. Wählen Sie gespiegelte
Ausdehnung und Ende 100mm. Weisen Sie zur
besseren Übersicht der Tangente die Linienstärke 3
und die Farbe Grün zu.

Projizieren Sie nun die <Tangente> sowie die erzeugten


<Normalen> in die Risse und weisen Sie den projizierten
Linien die entsprechenden Farben zu.

Erschließen Sie sich hieraus die Konstruktion für eine Tangente in einem bestimmten Punkt.

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2.10 Konstruktionsübung: Besondere Punkte von c

Laden Sie die Datei <Angabe_Kugel-Drehkegel> erneut.

Konstruieren Sie die Schnittkurve c mit Hilfe folgender Elemente:

• Punkt P in der Ebene ε (Hilfsebenenverfahren)


• Punkt U auf dem Kreis der Kugel, der im Grundriss als Umriss der Kugel erscheint
(Hilfsebenenverfahren)
• Höchster Punkt H (Hilfsebenenverfahren)
• Tiefster Punkt T (Hilfsebenenverfahren)
• Tangente t an c durch P
• Am weitesten links gelegener Punkt L

Um die Schnittkurve c aus den konstruierten Punkten zu erzeugen, benutzen Sie den Befehl
CAD-Übung

Spline.

Punkte P1 und P2
Hilfsebene ist die Ebene ε

Punkte U1 und U2
Konstruktion mit Hilfsebene parallel zu π1 (waagrecht) durch M.
Überlegen Sie sich dazu, wo eine Kugel geschnitten werden muss, damit die
Schnittfläche dem vollen Umfang entspricht (vgl. Äquator).

Höchster Punkt H und tiefster Punkt T


Eine zu π1 parallele Hilfsebene durch den höchsten bzw. tiefsten Schnittpunkt
einer der beiden Umrissmantellinien des Drehkegels mit dem Umrisskreis der
Kugel erzeugt im Aufriss den höchsten bzw. tiefsten Punkt der Schnittkurve c.

Konstruktion der Tangente t mit dem Normalenverfahren:


Tangenten sind immer senkrecht zu Normalen. Die gesuchte Tangente am
Punkt P der Schnittkurve ist deshalb senkrecht zu den beiden
Oberflächennormalen der Kugel und des Kegels (siehe blaue Linien im 3D) und

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Technische Universität München Aufgabe 2: Verschneidung Kugel – Drehkegel

damit auch zu allen Geraden derjenigen Ebene, die von den Normalen
aufgespannt wird (Normalenebene). Im Normalenverfahren gilt es daher die
Schnittlinien der Normalenebene mit zu den Rissen parallelen Ebenen zu
finden. Darauf stehen die Projektionen der Tangente im jeweiligen Riss
senkrecht. Um die Schnittlinien zu erzeugen, muss man zwei Punkte der
Normalenebene finden, die in derselben, zum Riss parallelen Ebene liegen.

Konstruktion im Aufriss:
1. Der Punkt P wird im Aufriss um die Drehkegelachse a in die Umriss-
mantellinie des Drehkegels gedreht. Veranschaulichen Sie sich diesen
Vorgang in der 3D-Konstruktion die Sie in Aufgabe 2.9 erstellt haben.
2. Dort errichtet man das Lot auf die Mantellinie des Kegels und schneidet
dieses mit der Drehachse a des Drehkegels.
3. Dieser Schnittpunkt wird mit dem Kugelmittelpunkt verbunden: Die
entstehende Gerade f'' ist die Frontlinie (Schnittgerade mit Projektionsfläche)
derjenigen Ebene ν, die von Kegel- und Kugelnormalen in P aufgespannt
wird (grüne Dreiecksebene im 3D).
4. Das Lot von P‘‘ auf die Gerade f'' ist der Aufriss t'' der Tangente t der

CAD-Übung
Schnittkurve in P, das heißt die Tangente an c'' in P''.

Konstruktion im Grundriss:
1. Alle Punkte der Normalenebene ν, die in einer zum Grundriss parallelen
Ebene liegen, haben im Aufriss die gleiche Höhe und werden durch eine
Höhenlinie h repräsentiert.
2. Um die Tangente im Grundriss zu konstruieren wird die Höhenlinie gewählt,
in der der Punkt P liegt.
3. Die Projektion der Höhenlinie im Aufriss h'' ist somit eine horizontale Gerade
durch P'' und fällt mit ε'' zusammen.
4. Um die Projektion der Höhenlinie im Grundriss h‘ zu konstruieren ist ein
Hilfspunkt notwendig, so dass h die Verbindungsgerade des Hilfspunkts mit
P ist. Man verwendet hierfür den Schnittpunkt von Front- und Höhenlinie
(Hilfspunkt 1 := h ∩ f).
Die Projektion im Aufriss 1‘‘ kann direkt als Schnittpunkt von h‘‘ und f‘‘
eingezeichnet werden. Dieser wird in den Grundriss projiziert (f‘ ist die
Verbindungslinie von der Kegelachse zum Kugelmittelpunkt), es entsteht 1‘.
h‘ ist schließlich die Verbindungslinie von 1‘ und P‘.
5. Die Projektion der Tangente im Grundriss t' wird nun gefunden, indem man
in P' das Lot auf h' fällt.

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CAD-Übung

Am weitesten links gelegene Punkte L1 und L2


Umkehrung der Tangentenkonstruktion in folgendem Sinn:
Der am weitesten links gelegene Punkt stellt ein lokales Extremum der
Schnittkurve c dar und hat deshalb eine vertikale Tangente. Die Projetkionen
des Punkts L werden mit einer Hilfsebene εL konstruiert, die so zu wählen ist,
dass die Projektion der Frontlinie im Aufriss fL'' horizontal ist, da die Projektion
der Tangente im Aufriss immer senkrecht zur Frontline fL‘‘ ist.
1. Die Projektion der Frontlinie im Aufriss fL‘‘ wird als horizontale Linie durch M‘‘
(Mittelpunkt der Kugel im Aufriss) eingezeichnet.
2. Vom Schnittpunkt mit der Drehachse aus fällt man das Lot auf eine der
beiden Mantellinien des Kegels.
3. Der Lotfußpunkt liegt in der waagrechten Hilfsebene, in der auch der am
weitesten links gelegene Punkt L liegt. Konstruktion von L mit dem
Hilfsebenenverfahren.

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CAD-Übung
Herzlichen Glückwunsch, Sie haben die CAD-Übung zur CAD-Geometrie nun beendet.
Bitte wenden Sie sich zur Bestätigung Ihrer Leistung an einen Betreuer.

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Technische Universität München Weitere Übungsaufgaben

Weitere Übungsaufgaben

Im Folgenden finden Sie nun noch einige Beispiele, um das in dieser Übung erlangte
Wissen noch zu vertiefen. Sie gehören nicht mehr zum Umfang der betreuten CAD Übung,
sondern sind zur selbstständigen Erarbeitung und Prüfungsvorbereitung gedacht.
Benötigte Catia-Parts und Vorlagen für die Konstruktionsübungen finden Sie sowohl auf
dem CIP-Laufwerk des Rechnerraums, als auch auf dem eLearning-Portal bei der
Vorlesung CAD und Maschinenzeichnen (www.elearning.tum.de). Die Lösungen zu den
Konstruktionsaufgaben finden Sie am Ende des Skripts.

1 Verschneidung Drehkegel – Zylinder

Laden Sie die Datei <Drehkegel-Zylinder>.

Zeichnen Sie zunächst eine Mantellinie nach der folgenden Skizze und erzeugen Sie mit dem

Befehl Drehen einen Drehkegel.

Achten Sie auf die genaue Lage des Profils im Koordinatensystem sowie die
Verwendung der yz-Ebene im Sketcher.

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Erstellen Sie anschließend den Punkt

0
 
A =  30 
 10 
 

und erzeugen Sie mit dem Befehl Zylinder den Zylinder. Wählen Sie dabei Radius 42,5mm
und für beide Längen 90mm.

Verschneiden Sie nun die Körper im Wireframe and Surface Design und weisen Sie der
Schnittkurve die Linienbreite 2 und Farbe Rot zu. Projizieren Sie die Kurve in alle drei Risse und
färben Sie auch die Projektionen Rot.

Bei der Projektion in den Kreuzriss (auf die yz-Ebene) ist darauf zu achten, dass im Dialog der
Button „Nächstliegende Lösung“ nicht aktiviert ist. Da die Verschneidungskurve in dieser
Projektion genau auf sich selbst zu liegen kommt, aktivieren im nun erscheinenden Dialog „alle
Unterelemente beibehalten“.

Ihr Produkt sollte nun so aussehen:

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Laden Sie die Datei <Angabe_Drehkegel-Zylinder>.

Konstruieren Sie folgende Punkte der Schnittkurve c:

• Punkt P in der Ebene ε und die Tangente t an c durch P


• Höchster Punkt H
• Punkt U auf dem Grundrissumriss des Zylinders
• Weitest rechts gelegener Punkt R
• Punkt S in der Kegelspitze

Zeichnen Sie nun die Schnittkurve c ein. Konstruieren Sie hierzu mit dem Hilfsebenenverfahren
noch einige zusätzliche Punkte der Schnittkurve.

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2 Abwicklungen

Konstruktion (Parabelschnitt)

Hier wird dargestellt wie man Drehkegel-Flächenstücke mit gegebener Randkurve in die Ebene
abwickelt. Die betrachtete Randkurve ist z.B. der Schnitt von Zylinder oder Drehkegel mit einer
Ebene.

Konstruktion der Schnittkurve – Methode 1


Ebene Hilfsschnitte senkrecht zur Kegelachse sind Kreise (Mittelpunkt auf der
Kegelachse) und erscheinen daher in der Vorderansicht als Strecken und in der
Draufsicht als (Hilfs-)Kreise. Die beiden Schnittpunkte einer Hilfsebene mit der
Randkurve der gesuchten Schnittfläche fallen in der Vorderansicht zusammen.
(Schnittebene und Hilfsschnittebene erscheinen in der Vorderansicht als
Geraden!) Die zugehörigen Punkte in der Draufsicht liegen auf dem jeweils
zugehörigen Hilfskreis. Die Schnittkurve in der Seitenansicht lässt sich (wie
üblich) durch Übertragen der Kurvenpunkte aus der Vorderansicht und der
Draufsicht konstruieren.

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Konstruktion der Schnittkurve – Methode 2


Hilfsschnitte erfolgen mittels Ebenen durch die Drehkegelachse. Diese (im
Grundriss projizierenden) Hilfsebenen schneiden den Kegel in Mantellinien und
erscheinen somit in der Draufsicht als Durchmesser des Kegelgrundkreises.
Die Hilfsschnitte sind zweckmäßig so zu führen, dass der Kegelgrundkreis in
eine Anzahl gleicher Teile geteilt wird. Die Schnittpunkte der Mantellinien mit
der (im Aufriss projizierenden) Schnittebene in der Vorderansicht werden auf
die entsprechenden Hilfsdurchmesser der Draufsicht gelotet und ergeben dort
Schnittkurvenpunkte. Die Schnittkurve in der Seitenansicht ist die
Verbindungskurve der Schnittpunkte von waagrechten Parallelen aus der
Vorderansicht (Ordner) mit den zugehörigen Mantellinien der Seitenansicht.

x y

Konstruktion der Abwicklung


Die Abwicklung eines Kegels beginnt mit der Darstellung des Kreisausschnitts
(Kreissektor) vom Radius L = Mantellänge des Kegels und dem zugehörigem
Kreisbogen, dessen Länge gleich dem Umfang des Kegelgrundkreises ist. Der
Kreisbogen wird in eine Anzahl gleicher Teile geteilt. Durch die Teilungspunkte
des Kreisbogens sind jetzt Mittelpunktsstrahlen (Mantelteilungslinien) zu legen.
Ihre zugehörigen Längen findet man in der Vorderansicht auf den äußeren
Mantellinien, indem durch den Schnittpunkt der Schnittgeraden mit der
entsprechenden Mantellinie eine Waagrechte gelegt wird. Der Abstand von der
Kegelspitze bis zum Schnittpunkt der Waagrechten ist dann die gesuchte
Länge.

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Zylinderstumpf

Laden Sie die Datei <Angabe_AbwicklungZylinder>.

Konstruieren Sie im vorgegebenen Drehzylinder mit Ellipsenschnitt im Grundriss und Kreuzriss


die erzeugte Schnittfläche. Verwenden Sie hierzu eine geeignete Methode.

Wickeln Sie anschließend den Kegelstumpf über der gegebenen Grundfläche ab.

Um auf einer Strecke eine bestimmte Anzahl von Punkten gleichmäßig zu

verteilen benutzen Sie den Befehl Äquidistante Punkte. Diesen finden Sie
im Pulldown Menü Einfügen  Geometrieerzeugung  Punkte.

Kegeliger Stutzen

Laden Sie die Datei <Angabe_KegeligerStutzen>.

Konstruieren Sie im vorgegebenen Kegel mit Ellipsenschnitt im Grundriss und Kreuzriss die
erzeugte Schnittfläche. Verwenden Sie hierzu eine geeignete Methode.

Wickeln Sie anschließend den Kegelstumpf über der gegebenen Grundfläche ab.

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3 Verschraubung

3D Darstellung Verschraubung

Laden Sie die Datei <Verschraubung>.

Definieren Sie einen Punkt P mit folgenden Koordinaten:

 0 
 
P =  - 50 
 - 70 
 

Erzeugen Sie nun mit Hilfe des Befehls Helix


(Pulldown Menü Einfügen  Drahtmodell) eine
Helix. Wählen Sie als Startpunkt den <Punkt P>
und als Achse die <z-Achse> (mit Hilfe Rechtsklick
auf das Eingabefenster). Weisen Sie folgende
Parameter zu: Steigung 20mm und Höhe 140mm.
Weisen Sie der Helix die Farbe Rot und die
Linienbreite 2 zu.

Definieren Sie einen Punkt mit Punkttyp Auf


Kurve, als Kurve <Helix> und aktivieren Sie den
Button Mittelpunkt. Weisen Sie dem Punkt die
Farbe Weiß und das Symbol ● zu.

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Erzeugen Sie nun die Tangente an der Helix im


gerade definierten Punkt. Wählen Sie Linienart
Tangential zur Kurve und als Kurve die <Helix>
und als Element 2 den <Punkt>. Aktivieren Sie
Gespiegelte Ausdehnung und Ende 70mm.
Weisen Sie der Tangente die Linienbreite 2 und die
Farbe Hellgrün zu.

Projizieren Sie die Schraublinie und ihre Tangente in Aufriss und Kreuzriss. Weisen Sie den
Projektionen die entsprechenden Farben zu.

Ihr Produkt sollte nun folgendermaßen aussehen:

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Betrachten Sie abschließend die Schraublinie samt Tangente in verschiedenen Ansichten und
variieren Sie die Parameter der <Helix> und des <Punktes>. Gehen Sie dabei insbesondere auf
verschiedene Lagen des Tangentenberührpunktes ein. Erschließen Sie sich hieraus die
grundlegenden Eigenschaften einer Schraublinie und ihrer Tangente.

Konstruktionsübung Verschraubung

Laden Sie die Datei <Angabe_Verschraubung>.

Konstruieren Sie die Risse der Rechtsschraubung (Achse a ⊥ π1, Ganghöhe h) und die Tangente
t in einem beliebigen Punkt P der Schraublinie.

Konstruktion der Verschraubung


Im Grundriss erscheinen die Schraublinie b und der Richtkreis l als Kreis um a'

mit Radius ´r = Pa .

Die Punkte der Schraublinie b im Aufriss lassen sich wie folgt konstruieren:
Man teilt die Ganghöhe h und den Umfang des durch P gelegten Richtkreises l
von P ausgehend in eine gewisse Anzahl n gleicher Teile (zweckmäßig n = 12).
Dadurch werden gleich verteilte Schraubzylindererzeugende ei = e(Pi), (i = 0, …
i·h
,n) festgelegt. Auf ihnen liegen die Schraublinienpunkte Pi im Abstand n im

Sinn der Schraubung über dem Richtkreis l.

Konstruktion der Tangente


Mit Hilfe der Spitze R des Richtkegels (Schraubparameter p = h ≅ 95% von h )
2π 6

und der Richtpunkte Pi* erhält man die Aufrisse der Tangenten t(Pi) || Pi*R. Für
n = 12 liegt Pi* auf der Schraubzylindererzeugenden ei-3.

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4 Lösungen zu den Übungsaufgaben

Verschneidung Drehkegel – Zylinder

a''
k''
H''

P'' R''
ε''

Φ''
t''
b''
U''

c''

S'' Σ''

a'=S' R' (12)=π 2 '

Φ' U'

k' P'
t' c'
H'

Σ'

b'

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Abwicklung Zylinderstumpf

3 4
2
5
1

0
6
12 0 1 2 3 4 5 8
6 7 9 10 11 12
7
11
x 10 8 y
3 4 9
2
5
1
0
6
12
11 7
10 8
9

Abwicklung Kegeliger Stutzen

Verschraubung

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a''

P ''
t''

R''

P 0 ''

t'
P'

12
P 0' a'

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Technische Universität München Hinweise

Hinweise

Zur weiteren Vertiefung eignen sich folgende Unterlagen:

• „Technisches Zeichnen“, H. Hoischen, W. Hesser


32. Auflage, Cornelsen Verlag Berlin, 2009

• „Konstruktive Ingenieurgeometrie“, Prof. Dr. O. Giering, Dr. H. Seybold


3. Auflage, Carl Hanser Verlag München Wien, 1987

• Internetangebot von Dr. H. Vogel zur Konstruktiven Geometrie


http://www-m10.ma.tum.de/~vogel/KG-Metall-Bau/Index.html

• www.pro-norm.de
Modul: Grundlagen der Projektion
Modul: Durchdringungen und Abwicklungen
Prof. Dr. W. Hesser

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