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Brief des Arethas 35

die Tür verriegelt hat, und die Christen abseits in der Kirche der heiligen Aufer -
stehung stehen und das Kyrieleison singen, da leuchtet plötzlich ein Blitzstrahl
auf, und die Kerze lässt ihr Licht brennen; von eben diesem Licht nehmen alle
Bewohner Jerusalems und zünden damit ihr Feuer an. 9 Dagegen liegt das Grab
Mochumets an allen Tagen eures Lebens in Dunkel und Finsternis.

Auf eure törichte Frage, die lautet: „Wurde Christus freiwillig gekreuzigt oder
unfreiwillig?", lachen wir viel über euch, antworten euch aber auch darauf, dass
Christus freiwillig gekreuzigt wurde in Übereinstimmung mit den Prophezeiungen
über ihn. Er wurde nämlich nicht wegen eigener Sünden gekreuzigt. Denn der
Prophet Jesaja sagt über ihn: „Er hat keine Sünde begangen, und kein Trug war in
seinem Mund" (Is. 53,9). „Wegen der Verbrechen meines Volkes", sagt Gott durch
den gleichen Propheten Jesaja über ihn, „wurde er zur Hinrichtung geführt" (ibd.
8). „Er hat unsere Sünden auf sich geladen und leidet Schmerzen für uns" (ibd. 4).
So ließ er sich freiwillig kreuzigen um der Rettung der Menschen willen.

Wir kritisieren die Juden nicht deshalb, weil sie seinen Willen erfüllt haben,
indem sie ihn kreuzigten. Denn die Hebräer haben das nicht getan, um seinen
Willen oder die Voraussagen der Propheten über ihn zu erfüllen, sondern sie
haben ihn gekreuzigt, weil sie gottlos ihren eigenen Hass befriedigen wollten.
Wir wollen ein Beispiel anführen. Wenn jemand einen Feind hat, an dessen
Körper sich eine Geschwulst oder ein Tumor befindet, der ihm schwer zu
schaffen macht, und es kommt sein Feind, der ihn nicht retten, sondern ab -
schlachten will, und er sticht mit dem Schwert in jene Geschwulst, um ihn zu
töten — aber er selbst starb nicht, sondern jene Geschwulst, die ihn plagte, riss
auf, verschwand, er wurde von der ihn plagenden Geschwulst befreit und ge -
nas: Wird da ein einsichtiger und vernünftiger Mensch sagen, er (d. h. der Has -
ser) habe seinem Feind Gutes getan? Wieso denn? Er wollte ihn doch töten
und hat ihn stattdessen von seiner Krankheit befreit.°
Ferner schwätzt ihr auch folgendes daher: „Wieso nennt ihr Christus Gott, wo
doch Christus selbst über sich gesagt hat: 'Ich gehe hinauf zu meinem Vater
und zu eurem Vater und zu meinem Gott und zu eurem Gott'?" 0o. 20,17).
Sage mir doch: Wenn der Sohn eures Kalifen zum Heer sagt: 'Ich gehe zu mei-

9 Das Aufleuchten der Kerze am Grab Christi zu Ostern ist kein Wunder, sondern eine
trickreiche Einrichtung des Bischofs von Jerusalem, wie der orthodoxe Theologe Ni -
kephoros Theotokos 1774/75 einem anfragenden Glaubensbruder mitteilt (zitiert nach
Vasilios Makrides, Theologie byzantine II, p. 883).
10 Dasselbe Beispiel bei Theodor Abü Qurra, Opusc. 9 (Glei/ Khoury p. 150 sq.).
Brief des Arethas 37

nem Vater und zu eurem Vater und zu meinem Herrscher der Gläubigen und
zu eurem Herrscher der Gläubigen', ist dann der Kalif, wie er Vater des Sohnes
ist, so auch <der Vater> seines Heeres, und wie der Kalif Kalif seines Sohnes
ist, so auch der Kalif seines Heeres? Überlegt das mit Verstand und lernt euren
Unverstand kennen, weil ihr nicht wisst, was ihr sagt, und auch nicht, was ihr
denkt.

Wie könnt ihr über Josua, den Sohn des Nave, zu behaupten wagen, er sei
Christus gleich, weil er die Sonne anhielt? Denn Josua, der Sohn des Nave, hielt
für die Zwecke des Krieges durch die Worte seines Gebetes an Gott die Sonne
an (vgl. Jos. 10,12 sq.). Christus aber sagte nichts, und die Welt erschauderte, als
sie ihren Erschaffer gekreuzigt und entehrt sah. Die Sonne verdunkelte sich
und die Erde erbebte und erzitterte, als sie ihren Schöpfer getötet und entehrt
sah, so wie ein Knecht, der sieht, wie sein Herr entehrt wird, die Misshandlung
seines Hausherrn nicht ertragen kann, sich schlägt und von Schmerz erfüllt
wird.

Darüber, dass ihr die Herrschaft über die ganze Welt erlangt habt, solltet ihr
eher wehklagen und euch nicht damit brüsten. Wir nämlich werden bedrängt,
da wir Söhne Gottes durch Gnade sind und von ihm geliebt werden. Denn:
„Wen der Herr liebt, den züchtigt er", sagt unsere Schrift (Prov. 3,12. Hebr.
12,6), und „Wer seinen Sohn liebt, züchtigt ihn" (Prov. 13,24). Dieser Christus
und Gott hat es selbst uns angekündigt: „In der Welt werdet ihr in Bedrängnis
sein" (Jo. 16,33), und der Prophet David sagt: „Empöre dich nicht über den
Mann, der Erfolg hat auf seinem Weg, den Mann, der Unrecht begeht" (Ps.
36,7).

Denn wieso begeht ihr kein Unrecht, wenn ihr Menschen hinmordet, wo doch
der Prophet sagt: „Gott freut sich nicht über den Tod eines Menschen und
auch nicht über das Verderben Lebender" (Sap. 1,13). Selbst euer falscher Pro -
phet Mochumet sagt im Koran: „Töte keinen Menschen, der dich nicht be -
kriegt und nicht die Waffen gegen dich ergreift, nicht den Bauern, nicht die
Frau, nicht den Abt und nicht den Priester!" Ihr aber haltet die Vorschrift
eures Pseudopropheten nicht ein, sondern ihr tötet sowohl diejenigen, die euch
in Waffen entgegentreten, als auch jene, die keinen Krieg mit euch führen.
11 Diese Aussage steht nicht im Koran. Aber es gibt, wie Abel 367 Anm. 3 darlegt, ähnli che
Äußerungen Muhammads in dem Vertrag, den dieser mit der von Christen bewohn ten
Stadt Najran in Westarabien geschlossen hat, und in anderen arabischen Texten.

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