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Brief des Arethas 39

Wenn ihr euch rühmt, dass ihr als von Gott Geliebte Krieg führt und die Welt
beherrscht, was könnt ihr wohl dazu sagen, dass Karamites euch besiegt und
vernichtet hat? 12 Aber auch, als Andronikos in der Gegend von Tarsos an einemOrt
achtzehntausend enthaupten ließ, wo war da der edle Glaube der Saraze nen, als
auf diese Weise alle in eine Blutlache stürzten? 13 Aber auch, als Hemerios eure ganze
Flotte zerstörte und vernichtete, 14 wo war da euer Glaube? Doch wir hoffen, eure
Zeit ist jetzt erfüllt und ihr werdet völlig zugrunde gehen.
Wenn wir bedenken, was außerdem derselbe Mochumet euch gelehrt hat: dass
ihr nämlich nach dem Tod in das Paradies eintretet und dort sieben Pferde und
sieben Frauen habt, die ihr, nachdem ihr mit ihnen Unzucht getrieben habt,
doch wieder als Jungfrauen vorfindet (Sure 56,35-38; 3,15), und dass ihr dort in
eurem Paradies drei Flüsse habt, von Wein, von Honig und von Milch, aus
denen ihr euch ernährt und lebt (Sure 47,15): dann fragen wir euch zunächst
über die Frauen, wozu Gott die Frau erschaffen hat. Doch gewiss, damit sie
vom Mann schwanger wird und ein Kind gebiert als seinen Nachfolger in der
Welt, nicht zu Lust und Unreinheit.
Ferner fragen wir euch über die Flüsse. Wenn ihr euch aus ihnen ernährt,
scheidet ihr dann jene Nahrung <zum Teil> als Kot aus oder nicht? Denn
gewiss behält derjenige, der diese Nahrung zu sich nimmt, den für die Erhal tung
seines Körpers aufgewendeten Teil, was aber überflüssig und unbrauchbar ist,
scheidet er als Kot aus. Beseitigt ihr nun auch jenen Kot von euch im Paradies?
Wenn jedenfalls alle Sarazenen, die im Paradies sind, Kot ausscheiden, wie sollten
sie da nicht in kurzer Zeit das Paradies mit Kot anfüllen? Wenn aber einige von
euren scheinbar klugen Leuten sagen, dass sie <einen Teil> jene<r> Nahrung nicht
als Kot ausscheiden, sondern dass das Überflüssige und Un brauchbare durch
den Schweiß des ganzen Körpers entleert wird, so antworten wir darauf: Wenn
jetzt in diesem vergänglichen Leben durch eine einzige Öff nung der Kot entleert
wird und jene Öffnung deshalb schlecht riecht, wird
12 Die Karamiten (hier im gräzisierten Singular nach dem ersten Anführer der Sekte) waren
eine sozialrevolutionäre Bewegung, die im südlichen Mesopotamien entstand und vom
9. bis 12. Jahrhundert die muslimische Welt immer wieder erschütterte. Vgl. L. Mas -
signon, Art. `Karmatians', ShEI 218-223.
13 Sieg des Andronikos 904; er revoltierte 905 und ging zu den Muslimen über. Vgl. Karlin -
Hayter 284. Die Zahl der getöteten Feinde ist eine rhetorische Übertreibung.
14 Seesieg des Himerios (hier ' Flji€0.0v geschrieben) am 6. 10. 905 oder 906. Die vernich -
tende Niederlage der Byzantiner im April 912 durch die arabischen Admiräle Damian
und Leo von Tripolis bei Chios dagegen wird geflissentlich verschwiegen. Vgl. Karlin -
Hayter 284 sq.; A. Kazhdan ODB 933.
Brief des Arethas 41

dann nicht jemand, der mit dem ganzen Körper durch Schweißausdünstungen
das Unnütze der Nahrung ausscheidet, ganz übelriechend und abscheulich? So
ist euer Paradies und so seid ihr voll von Kot und Gestank. Und wo werdet ihr
so viel Moschus finden, um euch zu salben, wie ihr es jetzt in diesem vergängli -

chen Leben tut?

Wenn ihr fragt: „Was gibt es für eine Notwendigkeit, dass Gott Mensch wur -
de?", so höre! Gott hat Adam, weil er im Paradies gesündigt hatte, zum Tod verur-
teilt (Gen. 3,19). Als nun das Todesurteil aufgehoben werden sollte, sandte Gott
notwendigerweise seinen eigenen Sohn, der Gott ist, damit er als Sohn Gottes und
Gott das Todesurteil rückgängig mache, wie auch der Sohn des Kaisers ausgesandt
wird, damit die von seinem Vater <verhängte> Strafe aufgehoben wird.

Dass die Todesstrafe von Christus aufgehoben wurde, wird aus folgendem
deutlich. Christus selbst stand, nachdem er von den Juden hingerichtet worden war,
von den Toten auf und stirbt nun nicht <mehr> (Rom. 6,9). Wenn ihr fragt: „Wie
machte Christus die Verurteilung zum Tod rückgängig? Denn ebenso wie wir vor
Christus <starben>, so sterben wir auch nach Christus", so hört! Da es viele gibt,
die in der Welt Gott gefallen werden und die er noch vor der Erschaffung der Welt
in der unbegreiflichen Tiefe seiner Weisheit dazu bestimmt hat (Rom. 8,29 sq.),
wäre es nicht gerecht gewesen, wenn Gott die endgültige Auferstehung der
Menschen herbeigeführt und <damit> diejenigen bestraft hätte, die ihm in
Zukunft durch guten Lebenswandel Freude machen würden.

Daher hat uns Christus durch seine Auferstehung von den Toten gezeigt, dass
diejenigen, die seine Gebote eingehalten haben, der gleichen Herrlichkeit ge -
würdigt werden und auch selbst mit ihren Körpern auferstehen, mit denen sie
auf der Erde gelebt haben. Denn vor dem Auftreten Christi bestand keine
Hoffnung auf Auferstehung von den Toten. Aber nach der Auferstehung
Christi wurde offenbar, dass auch die übrigen Menschen mit ihren Körpern
auferstehen werden, damit die, welche Gutes getan haben, Gutes mit ihren
Körpern erlangen, die aber, welche Schlechtes getan haben, mit ihren Körpern,
mit denen sie es getan haben, Schlechtes zurückerhalten.

Soviel über ihr Geschwätz. Was das übrige betrifft — alles, was sinnlos als Ein-
wand über den Gefangenenaustausch vorgebracht wurde —, so ist es die Aufga be
von euch, die ihr von dem guten Kaiser zur Besorgung dieser Angelegenheit
eingesetzt seid, darauf zu antworten, sie zu organisieren und <unseren Stand -
punkt> zu rechtfertigen.

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